In dem Landhause eines Freundes hatten die Termiten einige mit Oelfarbe

gestrichene hölzerne Pfeiler, die das Gebäude trugen, fast aufgezehrt,

jedoch ohne die äussere Farbenschicht zu verletzen, so dass von dem

angerichteten Schaden nichts bemerkt wurde, bis jemand, der mit seinem

Stock gegen einen Pfeiler stossen wollte, diesen durchstiess. Durch die

grosse Gefahr veranlasst, wandte man sich an einen Malayen, dessen

Gewerbe das Aufsuchen und Vertreiben der Termiten war. Nach längerem,

sorgfältigem Suchen bezeichnete er eine Stelle im feuchten Rasen, etwa

30 Schritt vom Hause entfernt als diejenige, unter welcher man das Nest

finden würde. Für uns war nur eine kleine, kaum merkliche Erhöhung, auf

welcher bei genauer Untersuchung einige kleine Larven erkannt wurden,

wahrnehmbar; denn ungleich den meisten Arten, deren Baue oft mehrere

Fuss hoch über die Erde ragen, baut die fragliche Art, die Hagen als T.

gilvus beschrieben hat, unterirdisch, anscheinend ohne irgend welche

Anzeichen an der Erdoberfläche, die auf das Vorhandensein des Nestes

schliessen lassen. Der Boden, ein sandiger Lehm, wurde in einigen Zollen

unter der Oberfläche fester und zeigte Spuren von Struktur; in etwa 1

Fuss Tiefe stiessen wir auf sehr unregelmässige, wabenartige, festere

Erdmassen, bestehend aus vielfach gewundenen, einen Zoll hohen, eine

Linie dicken Wänden von oolithartigem Gefüge. Die einige Linien weiten

Zwischenräume, labyrinthische Gänge, sassen dicht voll kleiner,

geschlechtsloser Termiten (Arbeiter). Die nach oben ziemlich lockeren

Zwischenwände wurden nach unten zu fester. Unterhalb der eben

beschriebenen Erdmassen mit aufrechten Wänden, die aber in ihrem

unregelmässigen Aussehen mehr an Maeandrinen (Korallen) als an Waben

erinnerten, lagen dünne, festere, flach gewölbte Erdkrusten von

ähnlicher oolithischer Struktur, lose neben und über einander, oft an

den Rändern einander überragend, anscheinend konzentrisch um einen Kern

geordnet, durch mehrere Linien hohe fast horizontal verlaufende

Zwischenräume getrennt, die ebenfalls voll Termiten steckten. Sie waren

radial von engen, runden Quergängen durchbohrt, deren Mündungen von den

sogenannten Soldaten mit dem von Reisenden oft geschilderten Heldenmuthe

vertheidigt werden. Die Soldaten, die bei allen Termiten vorkommen, sind

geschlechtslos, arbeiten nicht; ihnen liegt der Schutz des Staates gegen

äussere Feinde und nach den Berichten mancher Reisenden auch die Polizei

ob, indem sie die Arbeiter zur Arbeit antreiben. Sie tragen am Kopfe

ausserordentlich starke, scharfe, zangenartige Kiefern, schnellen,

sobald ihnen die Hand unvorsichtig nahe gebracht wird, voll Wuth aus

ihrer Höhle und können, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, mit einem

Biss die gefaltete Cutis am Gelenk des gebogenen Zeigefingers

durchschneiden, so dass die Wunde blutet. Der Kern des ganzen Baues

bestand aus der Wohnkammer der Königin und hatte die Form eines Stückes

Toilettenseife ohne Ecken, jedoch mit dem Unterschiede, dass sie bei

etwa gleicher Dicke fast doppelt so lang und breit war. Sie bestand aus

einer sehr festen Lehmmasse ohne wahrnehmbares Gefüge, von einem

kleinen, trichterförmigen Loche durchbohrt, dem einzigen Zugang. Als ich

die Kammer aufschnitt, zeigte sich im Innern ein hohler Raum, der, weil

die Wände gleich dick waren, der äusseren Form genau entsprach. Er

enthielt die Königin, ein garstiges, fingerdickes, fast zwei Zoll

langes, walzenförmiges Thier, das den inneren Raum zum grossen Theil

ausfüllte und von einer Anzahl kleiner Termiten umgeben war,

wahrscheinlich ihrer Dienerschaft, denn sie ist unbeholfen bis zur

Hülflosigkeit, eine wurstartig aufgeschwollene Masse, voll Eierstöcke.

Der Name einer Königin ist ihr in Folge eines nicht stichhaltigen

Vergleiches mit der Bienenkönigin gegeben worden, denn sie ist eher eine

Gefangene, als eine Gebieterin. Ihre Zelle kann sie nie verlassen, sie

ist völlig wehrlos, so dass sie sich keine Nebenbuhlerin abwehren kann;

oft trifft man daher in ein und demselben Bau mehrere Königinnen in

verschiedenen Entwickelungsstufen an. Unter dem Bau der Königin war die

Erde sehr lose; verschiedene Gänge führten von dort aus nach mehreren

kleinen Nestern, die keine Königin, wenigstens keinen Königsbau

besassen, sondern nur aus den oben erwähnten wabenartigen Massen

bestanden; es waren wohl neu angelegte, bisher nur vom Mutterstaat aus

bevölkerte Kolonien. In der Absicht, sie härter zu machen, wurden einige

Stücke des Baues der Sonne ausgesetzt. Die Gänge waren dicht mit

Termiten, Arbeitern und Soldaten, angefüllt. Bald stellten sich einige

kleine, schwarze Ameisen ein, rekognoszirten, kehrten um, und nach nicht

ganz 10 Minuten erschienen lange Züge derselben Art, die im Verlauf

einiger Stunden sämmtliche Termiten, obgleich sie doppelt so gross waren

als die Ameisen, aus ihren Schlupfwinkeln holten und davon schleppten.

Es war erstaunlich, zu sehen, wie diese kleinen Thierchen die ungleich

grösseren packten und sie davon trugen. Selbst die Soldaten wurden auf

diese Weise fortgeschleppt, wobei allerdings einige der Kleinen das

Leben liessen, denn wenn sie einem Soldaten unvorsichtig nahten, schnitt

er sie mit seiner scharfen Zange mitten durch; während sie noch zuckte,

kam ein andres Thierchen desselben Stammes und rettete den Leichnam.

Smeathman, dem man die erste ausführliche Schilderung der Termiten

verdankt, giebt an, dass eine alte Königin die Grösse von 20,000 bis

30,000 Arbeiterinnen erreichen könne! was aber eine Uebertreibung zu

sein scheint. Bei Wägungen an Spiritusexemplaren, die ich mit Dr.

Gerstaecker vornahm, ergab sich für eine Termitenkönigin von T.

bellicosus (der Spezies, auf die sich Smeathman's Mittheilungen

beziehen), dem grössten Exemplare der Berliner Sammlung, 16,135 Gramm,

für ein junges, befruchtetes, aber nicht weiter entwickeltes Weibchen

0,490, also 1/33 des obigen Gewichts (ein Arbeiter von dieser Species

war nicht vorhanden). Die Termitenkönigin T. gilvus (Hagen) von

Singapore wog 5,200 Gramm, ein junges, befruchtetes Weibchen (das aber

exenterirt war) 0,068 Gr., ein Arbeiter 0,005 Gr., also etwas weniger

als das Tausendfache der verhältnissmässig grossen Königin.

Die Termiten sind in mehreren Gattungen und vielen Arten über alle

wärmeren Erdtheile verbreitet, aber nicht überall gleich zahlreich oder

schädlich. In Rochefort sind sie seit 1797 amtlich bekannt und richten

dort fortdauernd grosse Zerstörungen an. Wahrscheinlich durch Hölzer von

San Domingo eingeschleppt, verbreiteten sie sich allmälig über viele

Städte und Ortschaften der Charente inférieure, so dass sie dort zu

einer sehr ernsten Plage geworden sind und den Wohlstand des ganzen

Departements bedrohen, indem sie Gebäude, Dächer, Korn und Mehlvorräthe,

Bibliotheken, Pflanzungen u. s. w. zerstören; alle vorgeschlagenen

Schutzmittel erwiesen sich bisher erfolglos.

Eines Tages besuchte ich eine Pfeffer- und Gambir- Pflanzung, die ganz

in der Nähe von Bukit-tima lag. Ich stieg bei einem französischen

Missionär ab, der mich überallhin begleitete und mir das Chinesische der

Pflanzer verdolmetschte. Es war ein Mann, wie ich deren später noch

öfter unter den katholischen Missionären getroffen habe, der Allem

entsagt hatte, um sich seinem selbstgewählten Berufe zu opfern. Ein

kleines Vermögen, das ihm durch Erbschaft zugefallen, hatte er dazu

verwendet, eine Kirche zu bauen, für sich selbst behielt er nichts

zurück und lebte, obgleich kränklich und alt, in grosser Dürftigkeit von

dem elenden Gehalt, das für alle diese würdigen Männer ohne Unterschied

monatlich 10 Dollars beträgt. Ich besah die Pflanzung und die Fabrik in

allen Einzelnheiten, doch waren die Angaben der Chinesen so ungenau, zum

Theil durch die Schuld des Dolmetschers, der die einfachsten technischen

Fragen nicht richtig zu verstehen schien, so widersprechend, dass ich

zur Ergänzung des selbst Gesehenen vorziehe, das Uebrige einigen

gediegenen Aufsätzen zu entlehnen.

Der Pfeffer wird hier immer zusammen mit dem Gambir gebaut. Die

ausgekochten Blätter der letzteren Pflanze dienen zur Düngung der

ersteren. Auf je 10 Acres Gambir rechnet man gewöhnlich einen Acre

Pfeffer. Der Pfeffer wächst sehr leicht und scheint nur sehr geringe

Pflege zu erfordern. Mit besonderer Sorgfalt wird er jedenfalls nicht

behandelt. Nicht einmal schattengebende Bäume, die man in anderen

Ländern für das Gedeihen der Pfefferrebe nothwendig erachtet, werden ihm

gewährt. Die Hauptsorge ist die Vertilgung des Unkrauts und die

Entfernung der seitlichen Ausläufer. Er wächst, der grellsten Sonne

ausgesetzt, an Pfählen aus gespaltenen Waldbäumen, die er, wie Epheu

kletternd, mit seinen dunkelgrünen herzförmigen Blättern dicht

bekleidet. Aus dem Laube hängen in grosser Fülle die langen schmalen

Trauben hervor, mit grünen Beeren, die bei völliger Reife scharlachroth

werden. Der Anblick der Pflanzen ist sehr schön. Die Vermehrung der

Reben geschieht durch Stecklinge, nach 4 bis 5 Jahren giebt sie schon

einen geringen Ertrag, der bis zum 7ten oder 8ten Jahr zunimmt. Wenige

Jahre, nachdem er sein Maximum erreicht, vermindert sich der Ertrag fast

ebenso allmälig, als er zunahm, so dass in einer wohlgeordneten

Pflanzung alle Jahre eine Anzahl junger Pflanzen gezogen werden müssen,

die der Reihe nach an die Stelle der abgestorbenen treten. Die Rebe

trägt gleichzeitig Blüthen und Früchte. Vier Monate nach Entfaltung der

ersteren sind die Beeren zum Pflücken reif, sie sind dann grün mit einem

Stich ins Rothe und werden in flachen Körben aus Bambussplinten über

Rauchfeuer getrocknet, wobei sie schwarz werden und einschrumpfen. Das

Aroma wird grösstentheils durch Lokalität und Boden bedingt, wie beim

Wein. Uebrigens aber geben die schwersten, vollsten, am wenigsten

runzligen Körner das beste Gewürz. Lässt man die Beeren völlig reif

werden, so löst sich die äussere scharlachrothe Hülle durch Mazeration

in Wasser ab; der zurückbleibende Kern bildet den weissen Pfeffer des

Handels, der theurer als der schwarze ist, weil bei dieser

Zubereitungsart immer eine grosse Menge durch Abfallen der völlig reifen

Beeren verloren geht. Von allen Gewürzen ist Pfeffer das verbreitetste

und wohl das einzige, dessen Verbrauch auch jetzt noch immer zunimmt,

während alle übrigen immer mehr aus der Mode kommen. Zur Zeit der

Entdeckung des Seewegs nach Indien und lange nachher, bevor Zucker,

Kaffee, Thee, Indigo und die Produkte der indischen Wälder in Europa

bekannt waren, bildete Pfeffer den Hauptartikel des indischen Handels

und war Gegenstand der heftigsten Kämpfe zwischen den seefahrenden

Völkern, sowie der drückendsten Monopole, die mit der herzlosesten

Zwangsarbeit für die Eingebornen gepaart gingen. Nach Crawfurd war der

Preis des Pfeffers zu Plinius Zeiten 1 Thlr. 5 Sgr. das Pfund und blieb

so bis zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Durch das Monopol der Portugiesen

stieg er auf 1 Thlr. 10 Sgr.; als die Holländer die Portugiesen

verdrängt hatten, etwa 100 Jahre später, trieben sie den Preis auf das

Doppelte. Durch Konkurrenz der Engländer und Franzosen fiel der Preis

wieder und schwankte Jahrhunderte lang zwischen 16 und 10 Sgr. Erst in

diesem Jahrhundert fielen die Monopole, wodurch der Pfeffer auf seinen

Preis von 2-1/2 bis 3 Sgr. kam. Jetzt liefert die Westküste von Sumatra

den meisten Pfeffer. Crawfurd schätzt den Gesammtertrag des indischen

Archipels, mit Inbegriff der geringen Menge, welche Malabar, das

Vaterland des Pfeffers, jetzt noch produzirt, auf 40 Millionen Pfund.

Ausser Hinter-Indien erzeugen auch noch Guyana, Liberia, die Antillen

dies Gewürz. Die Gesammtproduktion dürfte gegenwärtig 50 Millionen Pfund

wohl nicht übersteigen.

Pfeffer und Gambir, die Haupt-Erzeugnisse des Landbaus in Singapore, das

ausserdem nur noch Kokosnüsse, Früchte und Gemüse für den eigenen Bedarf

produzirt, werden ausschliesslich durch Chinesen gewonnen. Es ist ein

mühsames, bei den gegenwärtigen Preisen der Erzeugnisse nicht sehr

lohnendes Geschäft voll Entbehrungen und wegen der vielen Tiger voll

Gefahr. Gewöhnlich sind es neuangekommene Einwanderer, die ihre

Ueberfahrt nicht zahlen können, welche von ihren reicheren Landsleuten

zu dieser Kultur verwendet werden. Nach dem Kontrakt müssen sie ein Jahr

für ihren Gläubiger arbeiten, während welcher Zeit sie nur kärgliche

Beköstigung und noch kärglicheren Lohn erhalten. Dennoch wissen sie

bald, häufig schon im ersten Jahre, etwas zu sparen und so viel Kredit

zu erwerben, dass sie ein kleines Geschäft anfangen oder als

selbstständige Arbeiter sich vortheilhaft verdingen können. Oft auch

thun sich mehrere zusammen und bewirthschaften gemeinschaftlich eine

Pflanzung. Nachdem eine passende Stelle im Walde gelichtet, wird das

Unterholz verbrannt, die gefällten Bäume bleiben liegen, da sie später

als Brennholz benutzt werden, ausser der Asche davon erhält der Boden

keinen Dünger. Man säet den Gambir (Uncaria Gambir) in Beeten, hält die

Sämlinge schattig und pflanzt aus, wenn sie 5 bis 6 Zoll hoch sind in 5

bis 6 Zoll Abstand. Hat die Pflanze eine gewisse Höhe erreicht, so wird

sie abwärts gebogen, so dass sie seitlich fortwächst. Dadurch wird die

Holzbildung gehemmt, die Blattbildung vermehrt, das Pflücken

erleichtert[23]. Nach 13 bis 14 Monaten sammelt man die ersten Blätter,

6 Monate später giebt die Pflanze den vollen Ertrag. Aber schon nach

wenigen Jahren (ca. 15) ist der Boden so erschöpft, dass die Pflanzung

aufgegeben und eine neue an einer andren Stelle errichtet werden muss.

Auf der verlassenen Stätte wuchert das so schwer zu vertilgende

Lalanggras (Saccharum imperatum), das mühsamer auszurotten ist, als

Urwald. Die Regierung fängt endlich an, durch eine bessere

Waldwirthschaft diesem Uebelstande und dem Treiben der chinesischen

Squatters ein Ende zu machen, indem sie dieselben zwingt, das Land zu

kaufen, das sie bepflanzen wollen; ein sicheres Mittel, um es in

Kulturland, statt in Graswildnisse zu verwandeln.

Das Pflücken der Blätter dauert das ganze Jahr über, jeder Strauch kommt

jährlich 3 bis 4 mal an die Reihe. Die Morgens gesammelten Blätter

werden am Nachmittag versotten, die Nachmittags gesammelten am folgenden

Morgen; ein Absud erfordert 5 bis 6 Stunden. Die Fabrikation ist sehr

einfach. Ein grosser Schuppen aus Stangen und Palmenblättern, mit

einigen Bänken aus gespaltenem Bambus versehen, die als Tisch und Betten

dienen, ist zugleich Wohnung und Fabrik. Der Kessel besteht aus einer

eingemauerten, flachen Pfanne aus Gusseisen, von etwa 3 Fuss

Durchmesser, auf welcher ein hohler Cylinder von Baumrinde steht, die in

~einem~ Stück von einem entsprechend grossen Baum abgelöst worden. Die

Fugen und die ganze Aussenseite sind mit Thon verschmiert, um sie gegen

das Feuer zu schützen. Man giesst etwas Wasser in die Pfanne, schüttet

die Blätter ein und wirft sie, nachdem sie etwa eine Stunde gesotten,

auf eine geräumige, ebenfalls aus einem Stück Baumrinde bestehende,

schräge Rinne, deren unteres Ende in den Kessel hineinragt. Der Arbeiter

knetet diese Blätter, damit das ihnen anhaftende Wasser in den Kessel

zurücklaufe. Der zur Konsistenz von dünnem Syrup eingedampfte Absud wird

in Eimer geschöpft. Ist er kühl genug, so beginnt eine eigenthümliche

Hantirung. Bekanntlich enthält der Gambir ausser der in kaltem Wasser

löslichen Catechugerbsäure auch in kaltem Wasser unlösliches Catechin;

anstatt nun einfach umzurühren, damit die Flüssigkeit überall

gleichmässig erstarre, klemmt der Arbeiter in jeden Eimer in schräger

Richtung einen Stock aus weichem Holz. Er stellt zwei solcher Eimer vor

sich hin und fährt mit jeder Hand an einem der Stöcke auf und ab. Die

Flüssigkeit verdickt sich zunächst am Stock, und da sie dort immer

abgestreift, die Masse überdies in beständiger Bewegung erhalten wird,

erstarrt sie gleichmässig, was nach Behauptung der Arbeiter durch

Umrühren nicht zu erreichen sein soll. Gewiss ist hier wieder ein

Stückchen Aberglauben im Spiel. Die hinreichend verdickte Masse wird in

flache, viereckige Kasten gefüllt, und wenn sie erhärtet ist, wie Seife

in Stücke geschnitten und im Schatten getrocknet. Die gekochten Blätter

werden noch einmal ausgesotten und schliesslich in dem Wasser

ausgewaschen, das zum Kochen der Blätter verwendet wird.

Eine Pflanzung von 5 Arbeitern enthält im Mittel 70-80,000 Sträuche und

liefert täglich 40-50 Katti (1 Katti = 1-1/3 ℔ Engl.) Gambir. Die

Arbeiter behaupten, nur das Holz eines gewissen Baumes besitze die

Eigenschaft, den Absud im Eimer erstarren zu machen und zeigten mir ihn

später, es war Artocarpus incisa. Nachher sagte man mir aber, dass jedes

weiche Holz sich dazu eigne, doch nehme man gewöhnlich einen Zweig des

eben genannten.

Gambir, besser unter dem Namen Terra japonica in Europa bekannt, wird

von den Malayen mit dem Betel gekaut, zu welchem Zweck er zuweilen noch

besonders raffinirt und in kleine, zierliche Kuchen geformt wird. Er

enthält 50-60% Gerbstoff und wird in steigender Menge nach Europa für

die Schnellgerbereien und Färbereien exportirt. Die sehr beständige,

schöne Holzfarbe der französischen Tapeten verdankt man dem Gambir. Die

Produktion wächst so schnell, als die Nachfrage, denn der Preis steigt

nicht. In Singapore nehmen die Pflanzungen ab, doch mögen wohl noch nahe

an 1000 auf der Insel vorhanden sein. Da es aber jetzt den Chinesen

nicht mehr gestattet wird, ohne alle Abgaben den Boden in Besitz zu

nehmen und den Wald zu zerstören, so ziehen sie sich mehr nach Johor.

Die Hauptproduktion ist aber auf den Inseln Bintang, Batam und Linga,

die unter holländischer Botmässigkeit stehen.

In Europa scheint einige Verwirrung in Bezug auf die Namen Gambir, Terra

japonica, Cutch, Catechu, Cachou zu herrschen. Abgesehen von den unter

dem Namen Cachou in Apotheken käuflichen Bonbons, die nur aus Lakritzen

und Salmiak bestehen, und mit Catechu (Cachou der Franzosen) nichts als

den Namen gemein haben, versteht man unter Gambir oder Terra japonica

gewöhnlich das Präparat von der Nauclea Gambir. Das eigentliche Catechu

(Cutch) dagegen wird von einer Mimose, Acacia Catechu (Willd.), und zwar

aus dem Herzen des Stammes und den Schoten, durch Auskochen und

Eindicken des Absuds gewonnen. Man erhält es namentlich aus Birma

(Pegu), Malabar und dem nördlichen Bengalen. Beide Substanzen sind

übrigens sowohl chemisch, als in Bezug auf ihre technische Verwendung

fast identisch. Das aus Arecanüssen bereitete Catechu scheint ganz vom

Markt verschwunden zu sein.

Die Chinesen auf diesen Plantagen sind es, die so häufig von Tigern

umgebracht werden. Wann der Kuli fast nackt im dichten Gebüsch hockt,

um die Blätter zu pflücken, so beschleicht ihn der Tiger von hinten

und tödtet ihn gewöhnlich mit einem Biss in den Nacken. Finden die

Kameraden den Leichnam, so verscharren sie ihn so schnell als möglich,

denn wenn die Polizei es erfährt, so zwingt sie die Leute, die

vielleicht schon stark verweste Leiche zur Stadt zu tragen, damit sie

vom Todtenbeschauer besichtigt werde, ohne ihnen dafür irgend eine

Entschädigung zu gewähren. Erwägt man, wie ungern die Chinesen einen

Schritt umsonst thun, wie höchst beschwerlich und ekelhaft der ihnen

aufgezwungene Dienst ist, und dass sie überdies schon aus der Heimath

eine heilige Scheu vor der Polizei mitbringen und jeden Kontakt mit

derselben vermeiden, berücksichtigt man ferner, dass weder ein

Passwesen, noch irgend eine Kontrolle über die sich hier aufhaltenden

Personen besteht, dass namentlich die Pflanzer in ihren entlegenen

Schlupfwinkeln im Walde fast nie aufgesucht werden, so darf man sich

nicht wundern, wenn nur eine sehr geringe Zahl dieser Todesfälle den

Behörden zu Ohren kommt. Dennoch werden im Jahr durchschnittlich 75

Fälle gemeldet, und auf der Annahme, dass die wirkliche Zahl der Opfer

wenigstens das Fünffache betrage, beruht die Angabe, dass jährlich

300-400 Personen von Tigern umgebracht werden. Ich habe mich an den

sichersten Quellen häufig über diesen Gegenstand erkundigt und kann

nur wiederholen, dass die bestunterrichteten Beamten diese Zahl eher

für zu gering, als zu gross halten. Zum Beweise, dass es auch in der

neuesten Zeit nicht besser geworden, füge ich einen Auszug aus den

Straits Times, Overland Journal, 21. Nov. 1863, bei: „Singapore. Die

Todesfälle durch Tiger sind wieder im Zunehmen. In den letzten 14

Tagen sind 7 Fälle bei der Polizei angemeldet und die verstümmelten

Leichen aufgefunden worden, die keinen Zweifel über die Ursache des

Todes liessen. Alle, die auf diese Weise ihren Tod gefunden, waren

Arbeiter auf Gambirpflanzungen.... Es ist bemerkenswerth, dass bei

diesen Leichen immer nur ein kleiner Theil des Körpers verzehrt ist,

es fehlt nur ein Bein, ein Arm, häufig nur der Kopf.”.. Der Redaktör

schliesst mit der Betrachtung: „Es ist ein Jammer, dass die Thiere

nicht ein Opfer ganz verzehren, bevor sie ein anderes angreifen, es

würde ein grosses Ersparniss an Menschenleben sein.”

Ausser den angeführten landwirthschaftlichen Produkten verdient noch

ein Industrieerzeugniss besondere Erwähnung: der Sago, welcher in

beträchtlicher Menge (jährlich für 60-70,000 Dollars) von Singapore

ausgeführt wird. Der rohe Sago kommt von Sumatra und Borneo, wird in

Singapore durch Schlämmen gereinigt und dann als Sagomehl,

grösstentheils aber, nachdem er vorher geperlt worden, als Perlsago

ausgeführt. Um es zu perlen, wird das noch etwas feuchte Mehl ein wenig

geknetet, in einem durch einen Kreuzstock weit offen gehaltenen flachen

Sack in rotirende Bewegung gesetzt, wobei sich kleine Klümpchen bilden,

die, nachdem sie durch ein grobes und ein feines Sieb gegangen, gleiche

Grösse haben. Sie werden in einer schräg eingemauerten, flachen, mit Oel

bestrichenen, eisernen Pfanne über gelindem Feuer mit einem hölzernen

Spaten vorsichtig umgerührt, wobei durch die an der Oberfläche

eintretende Kleisterbildung die Kugeln eine gewisse Festigkeit bekommen,

aber auch zusammenbacken; um sie zu trennen, werden sie noch einmal

gesiebt und dann abermals gedörrt, bis sie die gehörige Härte erlangt

haben.

Deutsche Hausfrauen pflegen die Perlform für das Kennzeichen des Sago zu

halten und unter Sago Perlen von beliebigem Stärkemehl zu verstehen. Der

eigentliche Sago ist aber das Produkt der Sagopalmen (Sagus laevis und

S. genuina), die besonders im Osten des Archipels sehr verbreitet sind;

sie liefern fast allein den Sago des Handels. Die Eingebornen gewinnen

ihn aber, besonders bei missrathener Reisernte, noch aus mehreren andern

Palmen- und Cycasarten für ihren eignen Bedarf. In Singapore kommt die

Sagopalme nur vereinzelt vor und wird nicht ausgebeutet. Die Art, den

rohen Sago zu gewinnen, habe ich nicht gesehen, sie ist von J. R. Logan

im Journal of the Ind. Arch. III. 288 ausführlich beschrieben.

Die Sagopalmen sind von sehr grossem Interesse, weil keine Pflanze,

selbst nicht die Banane und Kokospalme, bei so geringer Mühe eine solche

Menge Nahrungsstoff liefert. Die Produktion kann bei der

ausserordentlichen Fülle des Materials unbegrenzt gesteigert werden.

Wegen der jetzt gebräuchlichen, unvollkommenen Methoden der Bereitung

und besonders, weil der Sago nicht gleich an Ort und Stelle für die

Ausfuhr raffinirt wird, ist sein Preis zu hoch.[24] Nach Logan sollte

ein Pikul nicht mehr als 1/4 Dollar (11 Sgr.) kosten.

Ueber den ausserordentlichen Ertrag der Sagopalme geben folgende,

Logan's Aufsatz entnommene Angaben eine Vorstellung. In den östlichen

Inseln des Archipels, in Neu-Guinea, in Borneo und Sumatra ist die

Sagopalme am häufigsten und bildet in sumpfigen Niederungen grosse

Wälder. Dort ist Sago das Hauptnahrungsmittel. Eine Ertrag gebende

Pflanzung ist gar nicht mehr auszurotten, denn unähnlich andern Palmen

pflanzt sich die Sagopalme nicht nur durch Samen fort, sie treibt auch

Schösse aus der Wurzel, wie die Banane, und liefert so eine

ununterbrochene Ernte. Sie blüht terminal und stirbt, wenn die Früchte

reif sind, allmälig ab. Will man aber den Sago gewinnen, so wird der

Baum kurz vor der Blüthezeit umgehauen; der Stamm ist dann ein Cylinder

von 20 Zoll Durchmesser und 15-20 Fuss Länge; die Rinde bildet nur eine

dünne Schale, das ganze Innere ist mit Mark erfüllt, das aus Cellulose

und Stärkemehl besteht. Man rechnet, dass ein Baum durchschnittlich 700

℔ Stärkemehl (Sago) liefert. Nach Logan's Berechnung geben 3 Bäume mehr

Nahrungsstoff als 1 Acre Weizen und 6 Bäume mehr als 1 Acre Kartoffeln.

Ein Acre mit Sagobäumen bepflanzt, giebt, wenn er auf einmal umgehauen

wird, 5220 Bushel (= 3452 Scheffel Preuss.) oder so viel, wie 163 Acres

Weizen; und je nachdem man 7 oder 15 Jahre als den Zeitraum annimmt, den

der Baum zu seiner Entwicklung nöthig hat (darüber sind die Angaben

schwankend), kommt ein Acre Sago in seinem jährlichen Ertrag 10 oder 23

Acres Weizen gleich. (Da 163 Acres = 258,35 Morgen, so nimmt Logan etwas

mehr als 13-1/3 Scheffel Weizen pro Morgen an.)

In Berlin kostet durchschnittlich der Zentner „Kartoffel-Sago”, d. h.

geperlte Kartoffel- oder Weizen-Stärke, 10-11 Thlr., Palmen-Sago 16-17

Thlr., Tapioka-Sago, d. h. geperltes Manihot-Mehl, 22-23 Thlr. In

Singapore kostet 1 Ztr. Palmen-Sago durchschnittlich 2 Dollars als Mehl,

3 Ds. in Perlform; Tapioka-Mehl 3 Ds., Perlen 4 Ds. Die Fracht

übersteigt selten 1 Dollar per Zentner. Der grosse Unterschied im Preise

ist die Prämie der Zwischenhändler; sie zeigt, wie unvollkommen, unsere

Verkehrsverhältnisse noch sind.

Sechstes Kapitel.

Opium.

Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor. · 第 6 / 28 段