In neuerer Zeit ist ein Apparat in den Handel gebracht worden, der es

ermöglicht, ohne Anwendung rotierender Teile Wechselstrom in Gleichstrom

zu verwandeln: es ist der Quecksilberdampf-Gleichrichter. Das Prinzip

des Apparates beruht auf der Erscheinung, daß ein mit Quecksilberdampf

gefülltes, luftleeres Glasgefäß, welches Elektroden aus Quecksilber und

aus Graphit oder Eisen besitzt (deren erstere, die »Kathode« beim

Betriebe heiß sein muß im Vergleich zur letzteren, der »Anode«), den

Strom nur in der Richtung vom Graphit (Anode) zum Quecksilber (Kathode)

durchläßt. Die Anode wirkt somit wie ein einseitiges Ventil.

Die Anordnung und Anwendungsweise soll Fig. 74 veranschaulichen. Das

Glasgefäß, das man als den wesentlichen Teil des Apparates

»Gleichrichterkolben« nennt, ist mit 2 Anoden A und B aus Graphit oder

Eisen versehen. Außer der eigentlichen Arbeits-Kathode D besitzt der

Kolben noch eine kleine Hilfskathode E, die wie erstere ebenfalls aus

Quecksilber besteht und die zum Inbetriebsetzen gebraucht wird. Der

obere Teil G des Gefäßes wirkt als Kühlkammer. H J ist ein

Transformator, der gleichzeitig die Spannung des Netzes auf die

erforderliche Gebrauchsspannung herabsetzt. Der Wechselstrom wird bei M

und N in den Transformator eingeführt; dessen Enden sind mit den beiden

Anoden A und B verbunden, während von der Mitte des Transformators eine

Leitung zum Arbeitsfelde -- Bogenlampe R -- und von dort zur Kathode D

führt. Die Stromstöße, die im Transformator einmal in dieser, dann in

entgegengesetzter Richtung verlaufen, werden nun abwechselnd über die

Anoden A und B durch den Kolben zur Kathode D und weiter durch die

Bogenlampe befördert, sodaß wir in der Arbeitsleitung stets

gleichgerichteten Strom haben. Um diesen Strom während des Verlaufes der

Periode auf annähernd konstantem Wert zu erhalten, wird in den

Gleichstromkreis noch eine Induktionsspule eingeschaltet; sie ist in der

Figur der Übersicht halber fortgelassen. Bei der für Drehstrom

bestimmten Anordnung besitzt der Gleichrichterkolben drei Anoden.

Die Abbildungen Figur 75 und 76 zeigen Vorder- und Rückansicht des

Apparates. Der untere Teil enthält den Transformator mit Ausgleichspule,

oben sehen wir eine Marmorschalttafel, die vorne die erforderlichen

Spulen für die selbsttätige Einschaltung des Apparates sowie eine

Sicherung besitzt, während auf der Rückseite der Gleichrichter-Kolben

sitzt. Zur Inbetriebsetzung muß erst ein Stromübergang im Kolben

herbeigeführt werden. Dies geschieht mittels der Quecksilberkathode E

und zwar in der Weise, daß man den Kolben, der an einem schwenkbaren

Halter angebracht ist, leicht schüttelt, wobei das Quecksilber der

beiden Kathoden in Berührung kommt, um dann einen kleinen Lichtbogen

zustande zu bringen, der den im Ruhezustande herrschenden hohen

Widerstand überwindet.

[Illustration: Fig. 75.]

[Illustration: Fig. 76. Quecksilberdampf-Gleichrichter.]

Der Gleichrichter arbeitet geräuschlos und bedarf beim Betriebe keiner

Wartung. Der Kolben ist der Abnutzung unterworfen; sein Preis stellt

sich auf 130.-- Mk. bis 170 Mk., doch wird die Lebensdauer auf

mindestens 600 Stunden angegeben. Die Rentabilität des Apparates, der

komplett bei einer Leistung von 30 Ampères für Anschluß an Wechselstrom

500 Mk., für Drehstrom 640 Mk. kostet, gestaltet sich unter

Berücksichtigung des Kolbenersatzes recht günstig.

Lichtmaschinen.

[Illustration: Fig. 77.]

Die größeren Reiseunternehmen sind in der Regel mit einer Maschine zur

Selbsterzeugung von elektrischem Starkstrom ausgerüstet. Eine solche

Einrichtung besteht aus einem Petrol-, Benzin- oder Spiritusmotor und

einem Dynamo, der je nach der Konstruktionsart von dem Motor mittels

Riemen angetrieben wird oder mit ihm direkt gekuppelt ist, wie es

Fig. 77 veranschaulicht. Auch Lokomobilen kommen hier als Kraftmaschinen

vielfach zur Anwendung. Man nimmt selbstverständlich ein

Gleichstromdynamo, da ja Wechselstrom zum Betriebe der Lampe weniger

geeignet ist, und zwar am besten mit einer Spannung von 65 oder 70 Volt;

eine höhere Spannung, wie z. B. 110 Volt, ist unrentabel, denn sie

bedingt einen größeren Stromverbrauch und damit sowohl eine größere

Maschine als auch höhere Betriebskosten. Die elektrische Anlage dient

gleichzeitig dazu, die Fassade des Theaters und das Innere zu

beleuchten; außer der Projektionslampe ist also noch eine Reihe

Glühlampen und Bogenlampen mit Strom zu versorgen und von deren Anzahl

hängt die erforderliche Stärke der Lichtmaschine ab. Zum bequemen

Transport wird die ganze Ausrüstung auf einen Wagen montiert.

Die Bogenlampe.

Wie oben erwähnt, geschieht die Darstellung des Bogenlichtes mittels der

Bogenlampe in der Weise, daß der Strom zwischen zwei Kohlenspitzen

überspringt, wobei sich ein Lichtbogen bildet und die Kohlenspitzen in

intensive Weißglut versetzt werden. Die Kohlenstifte brennen dabei

allmählich ab, und da der Abstand der Spitzen aufrecht erhalten werden

muß, ist ein Nachschieben derselben erforderlich. Bei »automatischen«

Bogenlampen erfolgt dieser Nachschub selbsttätig durch einen

Mechanismus, während man bei »Handregulations-Lampen« die Kohlen mit der

Hand nachstellt.

Wenn man nun die Wirkungsweise des Bogenlichtes bei den verschiedenen

Stromarten betrachtet, so zeigt sich zunächst bei Gleichstrom, daß

diejenige Kohle, in welche man den Strom hineinführt und die man als

»positive« Kohle bezeichnet, doppelt so rasch abbrennt als die andere

»negative«. Ferner bildet sich an der positiven Kohle dort, wo der

Funkenstrom ansetzt, eine Aushöhlung, ein »Krater«, während gegenüber an

der negativen Kohle eine Spitze entsteht. Von diesem Krater nun geht die

Hauptmenge des Lichtes aus; die Intensität des Flammbogens und der

negativen Kohle kommen dagegen kaum in Betracht. Den Krater haben wir

daher als eigentliche Lichtquelle anzusehen. Der Krater wirkt sozusagen

wie ein Reflektor und wirft die Strahlen in Form eines Kegels; da dies

für unsern Zweck recht vorteilhaft ist, wird die positive Kohle zur

Förderung der Kraterbildung mit einem »Docht« aus weichem Material,

welches schneller abbrennt, versehen. Man nennt diese Kohlen

»Dochtkohlen«, die gewöhnliche Sorte dagegen »Homogenkohlen.«

Es ist nun leicht ersichtlich, daß bei der gewöhnlichen Anordnung, wo

die beiden Kohlen senkrecht übereinander stehen, und zwar die positive

oben, der Lichtkegel nach unten fallen wird. Während diese Anordnung für

Straßenbeleuchtung beispielsweise recht zweckdienlich ist, kommt es für

den Projektionsapparat vielmehr darauf an, daß die Lichtstrahlen nach

vorne, gegen den Kondensor, geworfen werden. Daher gibt man hier den

Kohlen die in Fig. 78 angedeutete schräge Stellung; die untere, negative

Kohle schiebt man dabei etwas gegen die obere vor, damit der Krater nach

vorne zu gebildet wird. Wie die Abbildung ebenfalls zeigt, nimmt man die

obere Kohle dicker, wodurch man ein gleichmäßiges Abbrennen beider

Stifte erzielt.

[Illustration: Fig. 78.]

Beim Wechselstrom liegt die Sache anders. Hier kann man von einer

positiven und negativen Kohle nicht sprechen, da die Stromrichtung ja

fortwährend wechselt. Der Abbrand beider Kohlen ist derselbe, man

verwendet daher gleich starke Kohlenstifte, und zwar nimmt man sowohl

oben wie unten Dochtkohlen, in deren Spitzen sich Krater bilden. Mit der

Ausnutzung des Lichtes ist es beim Wechselstrom nun schlecht bestellt;

denn das Licht ist hier in zwei gleich helle Kegel geteilt, die von den

beiden Kratern ausgehen. Stellt man die Kohlen senkrecht übereinander,

und dies ist eine viel gebrauchte Anordnung, so fällt der eine

Lichtkegel nach oben und der andere nach unten, sodaß der Kondensor von

beiden nur einen Teil auffängt. Bringt man die Kohlen andererseits in

sehr schräge Stellung, so arbeitet der Strahlenkegel der oberen Kohle

direkt gegen den Kondensor und wird voll ausgenutzt, während aber das

Licht der unteren Kohle ganz verloren geht. Eine etwas bessere

Ausnutzung sucht man zuweilen dadurch zu erzielen, daß man exzentrisch

gebohrte Dochtkohlen verwendet, bei denen der Docht außerhalb der Mitte

angeordnet ist. Diese spannt man, senkrecht übereinander, derart ein,

daß die Dochte dem Kondensor zugekehrt sind; die Krater bilden sich

alsdann an dieser Seite und werfen mehr Licht nach vorne. Eine

unangenehme Beigabe des Wechselstromes ist das Summen der Lampe, das

namentlich bei hoher Stromstärke störend wirkt.

[Illustration: Fig. 79.]

Die Bogenlampen teilt man, wie bereits bemerkt, in automatische und

solche mit Handeinstellung. Die letzteren werden für Projektionszwecke

in der Regel vorgezogen; denn abgesehen davon, daß sie sicherer und

zuverlässiger funktionieren und sich leichter zentrieren lassen, kann

man bei ihnen die Stromstärke und damit auch die Helligkeit innerhalb

weiter Grenzen verändern. Um Vorurteilen Unkundiger zu begegnen, sei

bemerkt, daß die Einstellung mit der Hand keinerlei Schwierigkeiten,

Gefahren oder Mühen mit sich bringt, ja daß der Vorführer den kleinen

Handgriff, der alle paar Minuten zu erfolgen hat, nach kurzer Übung

sozusagen »automatisch« besorgt. Wo eine automatische Bogenlampe

verwandt werden soll, ist großer Wert auf ein gediegenes und zuverlässig

arbeitendes Modell zu legen; denn billige Lampen dieser Art erfordern

erfahrungsgemäß oft mehr Nachhilfe mit der Hand als die

Handregulierlampen.

[Illustration: Fig. 80.]

Eine Bogenlampe für Handeinstellung ist in der beigegebenen Abbildung

Fig. 79 zur Darstellung gebracht. K und L sind die Halter, in welche die

Kohlenstifte eingespannt werden. Der große Trieb M dient zur

Nachstellung der Kohlen, während der Spindeltrieb S gestattet, die obere

Kohle vor und zurück zu bringen und so einzuregulieren, daß der

Lichtkegel schön gegen den Kondensor fällt. Ferner sind zwei auf einer

und derselben Achse vereinigte Triebvorrichtungen zur Zentrierung der

Lampe vorgesehen: der Trieb B zur Einstellung der Höhe und der Trieb C

zur Regulierung der seitlichen Richtung. Unten hat die Lampe ein Gelenk

mit Feststellschraube, sodaß man sie für Gleichstrom schräg legen (wie

in der Figur) sowie zur Verwendung mit Wechselstrom senkrecht stellen

kann. Am Fuße sind zwei Polklemmen zur Befestigung der Zuleitungsdrähte

angebracht. Während diese Lampe in zwei Modellen gefertigt wird, die für

Stromstärken bis zu 25 Ampères und darüber verwendbar sind, zeigt die

nächste Abbildung (Fig. 80) eine besonders stark gebaute Konstruktion,

die besonders zum Arbeiten mit hohen Ampèrezahlen bestimmt ist. Wir

finden hier dieselbe Zentriervorrichtung mit zwei Trieben B und C, sowie

auch den Trieb M für die Nachstellung der Kohlen und das Gelenk zum

Umlegen; die Kohlenhalter K und L entsprechen ebenfalls denen der

anderen Lampe. Ein anderer Lampentypus, der in Amerika schon lange

heimisch ist und sich bei uns einbürgert, weist eine wagerecht

angeordnete Oberkohle auf, während die untere Kohle senkrecht steht wie

in Fig. 81 oder schräg nach unten gerichtet ist. Die Nachstellung der

Kohlen geschieht durch einen Trieb M. Bei Anwendung von Gleichstrom

sitzt die positive Dochtkohle oben; der Krater erhält bei richtiger

Anordnung beider Kohlen eine sehr günstige Lage und wirft sein Licht

direkt gegen den Kondensor. Es ist beim Betriebe darauf zu achten, daß

die Kohlenspitzen ihre richtige Stellung zueinander (obere Kohle etwas

zurück gegen die untere) nicht verlieren. Brennt nämlich die untere

Kohle etwas zu stark ab, so schiebt sich die obere allmählich zu weit

vor und der Krater kommt nach unten; brennt umgekehrt die obere zu rasch

ab, so stellt sich die untere Kohle nach und nach zu hoch und sie wirft

dann Schatten. Damit man in solchen Fällen die Einstellung rasch

korrigieren kann, ist die Lampe mit einer Vorrichtung versehen, mittels

der sich die obere Kohle allein regulieren läßt; bei Fig. 81 wird dazu

der Hebel H umgelegt, worauf der Trieb M die untere Kohle nicht

mitbewegt. Die Triebe B und C dienen wiederum zum Zentrieren des

Lichtpunktes.

[Illustration: Fig. 81.]

Diese Lampenform eignet sich vornehmlich für Stromstärken bis zu

30 Ampères; sie gibt auch mit Wechselstrom gute Resultate. Der

Spannungsverbrauch ist hier höher als bei der anderen Lampenform

(Fig. 79 u. 80) und man tut gut, bei Wechselstromnetzen mit 110 oder

120 Volt Spannung direkt mit Widerstand ohne Transformator zu arbeiten.

Der Widerstand.

[Illustration: Fig. 82.]

Widerstände werden in verschiedenen Ausführungen angefertigt. Die

Widerstände in Rollenform, die bei elektrischen Anlagen (Straßen-,

Saalbeleuchtung etc.) zur Anwendung kommen, sind für unsere Zwecke meist

zu schwach, indem dort stets zwei oder noch mehr Bogenlampen

hintereinander brennen und mithin eine wesentlich geringere Spannung zu

vernichten ist als bei Einschaltung einer einzigen Lampe. Wie man die

Größe des Widerstandes, also seine »Ohmzahl«, berechnet, wurde oben

ausgeführt. Es sei noch bemerkt, daß die darin »vernichtete«

Elektrizität in Wärme umgewandelt wird; damit nun die Erhitzung der

Drähte nicht eine zu starke wird und diese nicht zum Glühen kommen oder

gar durchbrennen, müssen sie der Stromstärke entsprechend stark gewählt

sein. Daher darf auch nicht ein für niedrige Stromstärke bestimmter

Widerstand für eine hohe Ampèrezahl verwendet werden. Recht zweckmässig

ist ein regulierbarer Widerstand, wie ihn z. B. die Abbildung Fig. 82

zeigt. Durch Drehen der Kurbel kann man Drahtspiralen ein- und

ausschalten und dadurch die Stromstärke verändern; bei dieser Anordnung

hat man es also in der Hand, den Bildern je nach Bedarf mehr oder

weniger Licht zu geben. Das ist beispielsweise auch eine große

Annehmlichkeit, wenn man zwischen den Films stehende Lichtbilder zeigt,

die weniger Licht brauchen. Für Wanderunternehmungen, die immer mit

verschiedenen Stromverhältnissen zu tun haben, empfiehlt sich die

Beschaffung eines Universalwiderstandes, der auf verschiedene

Netzspannungen gerichtet ist und beispielsweise einen Spielraum von 65

bis zu 250 Volt bietet.

Der Widerstand muß von Zeit zu Zeit daraufhin nachgesehen werden, ob die

Kontakte sauber und die Drahtspiralen fest angezogen sind.

Zuleitung und Sicherung.

Der Anschluß an die elektrische Leitung muß an einer Stelle geschehen,

wo der Draht hinreichend stark ist, sodaß dort die genügende Anzahl

Ampères entnommen werden kann. Als Anhalt mag dienen, daß man die

Leitungsdrähte in folgender Weise beanspruchen darf: solche von 1,8 mm

Durchmesser bis zu 10 Ampères, von 2,3 mm bis zu 15 Ampères, von 2,8 mm

bis zu 20 Ampères, und solche von 3,6 mm Durchmesser bis zu 30 Ampères.

Dabei ist ferner zu berücksichtigen, daß sowohl für die Hauptleitung wie

auch für jede Zweigleitung auf der Schalttafel eine Sicherung vorgesehen

ist, die zum Schutze der Leitung dient. Wenn nämlich einmal durch

Unvorsicht zwei blanke Stellen der Drähte in Berührung kommen oder durch

einen Metall-Gegenstand verbunden werden -- der Techniker nennt das

»Kurzschluß« -- so wird infolge des geringeren Widerstandes plötzlich

ein starker Strom durch die Leitung fließen, der bei andauerndem

Kurzschluß den Draht übermäßig erhitzen und durchbrennen würde. Die

Sicherung nun besteht aus einem Stück Blei- oder Silberdraht, der bei

einer bestimmten Stromstärke durchschmilzt und dadurch den Strom

öffnet, und zwar wird die Sicherung der Stärke der Leitung so angepaßt,

daß eine Überbelastung der letzteren unmöglich gemacht ist. Die

Ampèrezahl, welche die Sicherung durchläßt, ist darauf aufgeschlagen.

Man braucht also nur die Sicherung nachzusehen, um festzustellen, ob die

betreffende Leitung für den Anschluß stark genug ist.

Bei Gleichstrom und Wechselstrom hat man mit einer Zuleitung zu tun, die

aus zwei Drähten besteht; an diese wird einfach angeschlossen. Bei

Drehstrom (Mehrphasenstrom) gibt es hingegen drei Drähte, an deren zwei

man anschließen muß, um einphasigen Wechselstrom zum Betrieb der

Bogenlampe zu erhalten. Man setzt sich dieserhalb mit dem

Elektrizitätswerk oder einem Elektrotechniker in Verbindung. Es kommt

auch vor, daß Gleichstrom drei Leitungen besitzt; wir haben dann das

sogenannte Dreileitersystem. Hier werden ebenfalls zum Anschließen nur

zwei Drähte benutzt: Die Verwendung beider »Außenleiter« gibt die

normale hohe Spannung des Netzes, z. B. 220 Volt, während der Anschluß

an einen der Außenleiter und den »Innenleiter« (Nullpol) die Hälfte der

Spannung, im obigen Beispiele also 110 Volt, liefert. Man wird wenn

irgend möglich die letztere Anschlußweite benutzen; jedoch schreiben die

Elektrizitätswerke in der Regel für Entnahme hoher Stromstärken die

Benutzung der beiden Außenleiter vor, da sonst eine zu starke und

einseitige Belastung des Netzes eintreten kann.

Die Schalttafel.

Bei ständigen Einrichtungen wird für den Apparat eine besondere

Schalttafel angelegt, worauf der Widerstand bezw. Transformator, eine

Sicherung, ein Ausschalter und ein Stöpselkontakt montiert sind;

letzterer dient zum Anschluß der Lampe. Zur Vervollständigung bringt man

zuweilen noch ein Ampèremeter und ein Voltmeter darauf an, zwei

Instrumente, welche Stromstärke bezw. Spannung anzeigen. Für

Kinematographen-Theater ist die Benutzung eines Ampèremeters zu

empfehlen. Die Anordnung einer solchen Schalttafel mit daran

angeschlossener Bogenlampe zeigt die beigegebene Abbildung (Fig. 83).

Die Drahtleitung von der Schalttafel zur Bogenlampe muß entsprechend

stark sein; in der Regel benutzt man dazu eine verflochtene

Doppelschnurleitung. Ist die Lampe nicht in der Nähe der Schalttafel, so

empfiehlt es sich, beim Apparat noch einen Ausschalter anzubringen.

[Illustration: Fig. 83.]

Der Widerstand wird vielfach auch getrennt von der Schalttafel aufgestellt;

es wird dann zweckmäßig auf der Tafel die Reguliervorrichtung

angebracht, denn diese muß der Vorführer zur Hand haben. Man stelle den

Widerstand, der beim Betriebe warm wird, nicht an einer Stelle auf, wo

die Films damit in Berührung kommen könnten; auf jeden Fall muß er zum

Schutze mit einem durchbrochenen Blech überdeckt sein. Man befolge

ferner nicht die gelegentlich gemachte Empfehlung, den Widerstand

draußen am Hauskamin, oben über dem Dache, anzubringen. Dieser Apparat

sollte vielmehr an einen trocknen Ort kommen. Besser ist der Vorschlag,

ihn (wenigstens im Winter) an einer Stelle unterzubringen, wo er mit

seiner Wärme als Ersatz für einen Ofen dienen kann.

[Illustration: Fig. 83a.]

Ein vollständiges Schema für den Anschluß zeigt Fig. 83a. Wir sehen da

oben links einen Hauptausschalter, der gewissermaßen den ganzen Betrieb

beherrscht. Von dort geht eine kräftige Leitung, welche Sicherung,

Widerstand und auf der anderen Seite einen Ausschalter passiert, zur

Bogenlampe. Eine punktierte Abzweigung speist eine Glühlampe zur

allgemeinen Beleuchtung und eine zweite den Motor, welcher zum Antriebe

des Kinematograph-Werkes dienen soll; der Motor besitzt einen Regulator

und er ist für sich gesichert.

Stromstärke und Helligkeit.

Wer die Anlage einer Bogenlampen-Einrichtung plant, muß sich darüber

klar werden, welche Stromstärke er braucht, um zufriedenstellend helle

Lichtbilder zu erzielen. Da mag zunächst die folgende Tabelle einen

Anhalt bieten, worin die Lichtstärke in Normalkerzen bei verschiedenen

Stromstärken angegeben ist; die Helligkeit schwankt etwas mit der

Qualität und Stärke der Kohlenstifte.

Ampères 3 4 6 8 10

-------------------------------------------------

Lichtstärke ca. 270 370 600 850 1100

Ampères 12 15 20 25 30

-------------------------------------------------

Lichtstärke ca. 1400 2000 5000 10000 15000

Aus dieser Tabelle kann man allerdings nicht ablesen, welche Ampèrezahl

nun erforderlich ist, wenn es beispielsweise gilt, ein 3 Meter großes

Lichtbild in einem 15 Meter langen Raum zu werfen. Da muß man schon die

praktische Erfahrung reden lassen und die sagt folgendes. Angenommen,

daß der Apparat an dem einen Ende des Saales steht und die Bilder über

die Zuschauer hinweg zur andern Seite wirft und das Lichtbild in einer

dem Räume entsprechenden Größe gehalten wird, muß man pro Meter Distanz

mit je anderthalb Ampère Stromstärke rechnen; bei 20 Meter Entfernung

kämen also z. B. 30 Ampères heraus. Diese Regel soll natürlich nur einen

ungefähren Anhalt bieten; sie gilt ferner nur für Gleichstrom. Bei

Wechselstrom, wo die Lichtausnutzung ja wesentlich schlechter ist, muß

man eine mindestens um die Hälfte größere Ampèrezahl nehmen.

Die Kohlenstifte.

Über die Kohlenstifte ist folgendes zu bemerken. Um ein schönes, ruhiges

Licht zu erzielen, muß man vor allem gutes oder lieber das beste

Kohlenmaterial verwenden. Da ist es falsch, einige Pfennige zu sparen

und eine billigere Sorte zu kaufen. Minderwertige Kohlen schlacken,

machen durch ihre Verunreinigungen den Bogen unruhig und geben ein

flackerndes Licht. Gute Kohlen haben einen metallischen Klang und sind

ökonomisch, indem sie bei mäßigem Abbrand eine gute Lichtausbeute geben.

Wie oben bereits ausgeführt, kommen bei Gleichstrom zwei Kohlenstifte

verschiedener Art und verschiedener Stärke zur Verwendung, und zwar

benutzt man für die positive Seite eine Dochtkohle und für die negative

eine Homogenkohle, welch' letztere 2/3 so dick wie die Dochtkohle ist.

Bei Wechselstrom braucht man oben und unten gleich dicke Dochtkohlen.

Die Dicke der Kohlenstifte richtet sich nach der Stromstärke; für

Projektionszwecke habe ich die folgenden Abmessungen als zweckmäßig

befunden:

Stromstärke für Gleichstrom negative für Wechselstrom

in Ampères positive Dochtkohle Homogenkohle beide Dochtkohlen

5 9 mm 6 mm 9 mm

10 12 „ 8 „ 12 „

15 15 „ 10 „ 15 „

20 18 „ 12 „ 18 „

30 21 „ 14 „ 21 „

40 24 „ 16 „ 24 „

50 27 „ 18 „ 27 „

60 30 „ 20 „ 30 „

Dünnere Kohlenstifte liefern erfahrungsgemäß ein helleres Licht, aber

sie brennen rascher ab; bei zu geringem Durchmesser brennen sie unruhig

und zischen. Das Material spielt dabei eine große Rolle. Weiche Kohlen,

welche mehr Ruß enthalten, geben mehr Licht und brennen schneller ab als

die harten, mehr Graphit enthaltenden Sorten.

Bei der in Fig. 81 dargestellten Bogenlampenform mit wagerecht

angeordneter Oberkohle empfiehlt es sich, Kohlenstifte von geringerem

Durchmesser zu benutzen, z. B. für 20 Ampères 15 mm Dochtkohlen und

10 mm Homogenkohlen, bei 25 bis 30 Ampères 18 mm Dochtkohlen und 12 mm

Homogenkohlen. Nimmt man Dochtkohlen mit Metalldocht, so kann die Stärke

noch etwas geringer sein.

Handhabung der Bogenlampe.

Um die Bogenlampe in Betrieb zu nehmen, steckt man, nachdem die Kohlen

eingespannt und die Drähte angeschlossen sind, den Stöpselkontakt ein,

schließt den Ausschalter und setzt die Kurbel des Widerstandes auf den

ersten Kontaktknopf. Bei der automatischen Bogenlampe stellt sich

alsdann der Lichtbogen von selbst her; hat man hingegen eine Lampe mit

Handregulation, so muß man die Kohlenstifte durch Drehen des Triebes

kurz zur Berührung bringen und dann sofort wieder einige Millimeter

auseinander drehen, worauf sich der Lichtbogen bildet. Alsdann stellt

man die Kurbel des Widerstandes je nach Bedarf auf weitere

Kontaktknöpfe.

Es ist nun, wenn man mit Gleichstrom zu tun hat, höchst wichtig, sich zu

überzeugen, ob auch die Drähte richtig angeschlossen sind, das heißt, ob

der positive Pol zur oberen und der negative Pol zur unteren Kohle

geführt ist. Es gibt ein einfaches Mittel, dies zu erkennen. Nachdem die

Lampe kurze Zeit gebrannt hat, muß sich nämlich in der oberen Kohle ein

Krater bilden, während die untere spitzenförmig anwächst; dabei muß das

Licht nach vorwärts geworfen werden. Ein weiteres Merkmal besteht

darin, daß beim Ausschalten die obere Kohle infolge der stärkeren

Erhitzung stärker und länger nachglühen muß, als die untere. Zeigt es

sich nun, daß sich an der unteren Kohle ein Krater bildet und daß diese

länger nachglüht als die obere, so ist die Verbindung falsch; man steckt

alsdann den Stöpselkontakt umgekehrt ein oder wechselt die Drähte in den

Polklemmen der Lampe. Wenn man bei Herstellung des Anschlusses nicht

weiß, welches der positive und welches der negative Draht ist, so

verbindet man auf gut Glück und prüft die Richtigkeit in der eben

beschriebenen Weise. Nachher wird man dann gut tun, die Pole zu

bezeichnen. Man kann übrigens auch den positiven Pol mit Hilfe von

Lakmus-Papier (Polfinder-Papier) erkennen; dieses wird angefeuchtet und

die blanken Drahtenden darauf gehalten, jedoch achte man ja darauf, daß

sich die Drähte nicht berühren. Dasjenige Ende, welches das Papier rot

färbt, ist der negative Pol. Für Wechselstrom hat dies natürlich keine

Geltung; denn dort gibt es ja keine positiven und keine negativen Pole,

sodaß man die Drähte nach Belieben anschließen kann. Neue Kohlen zischen

anfangs; es müssen sich nämlich zunächst Krater und Spitze bilden, bis

die Lampe ruhig brennt.

Bei Gleichstrom ist noch zu beachten, daß die obere Kohle gegen die

untere etwas zurück stehen soll, wie es in Fig. 78 angedeutet ist. Dies

geschieht, damit sich der Krater nach vorne bildet und das Licht

gleichmäßig gegen den Kondensor wirft; doch darf die obere Kohle nicht

soweit zurück stehen, daß die Spitze der unteren einen Schatten

gegen die Linse gibt. Während des Betriebes muß man bei der

Handregulationslampe alle paar Minuten die Kohlenstifte nachstellen. Wie

weit die Kohlenspitzen voneinander entfernt sein müssen, das hängt von

der Stromstärke und der Dicke der Kohlen ab. In der Praxis ergibt sich

der richtige Abstand ganz von selbst; es zeigen sich nämlich bei zu

kleinem und zu großem Abstand folgende fehlerhafte Erscheinungen. Wenn

die Kohlen einander zu nahe sind, so macht sich ein lautes Zischen

bemerkbar; die Spitze der unteren Kohle wird größer und wächst in den

Krater der oberen hinein (vgl. Fig. 84), sodaß schließlich beide Kohlen

zusammenbacken und nur noch rot glühen. Ist anderseits der Abstand der

Kohlen zu groß (Fig. 85), so nimmt zunächst die Helligkeit des Lichtes

ab, außerdem beginnt der Lichtbogen auf den Kohlenspitzen zu wandern und

zu flackern, wobei schließlich das Licht auslöscht. Dieses Auslöschen

erfolgt umso früher, je geringer die Spannung (Voltzahl) ist.

[Illustration: Fig. 84.]

[Illustration: Fig. 85.]

Bei der in Fig. 81 dargestellten Lampenform, wo die positive Dochtkohle

wagerecht angeordnet ist, muß man ebenfalls dauernd darauf achten, daß

die beiden Kohlenspitzen richtig zueinander stehen und eine günstige

Lage des Kraters herbeiführen. Wenn nötig, ist zu korrigieren. Diese

Anordnung der Kohlenstifte im rechten Winkel gegeneinander ist

vorteilhaft bei Stromstärken bis zu 30 Ampères.

Die Wahl der richtigen Kohlenstärke -- das gilt allgemein -- ist von

großer Wichtigkeit: sind die Kohlen zu dick, so erhält man kein ruhiges

Licht, indem der Krater wandert; benutzt man zu dünne Kohlen, so muß man

infolge starken Abbrennens häufig nachstellen, die Stifte glühen weit

hinauf und entwickeln eine unnütze Hitze. Man spanne die Kohlen im

Halter gut an. Werden sie bei kalter Lampe lose eingesetzt, so fallen

sie, nachdem die Lampe erhitzt ist, leicht heraus. Spannt man die Kohlen

andererseits bei heißer Lampe zu fest an, so mögen sie beim Abkühlen der

Halter brechen.

Während es bei Gleichstrom leicht ist, dauernd eine gute Lichtausnutzung

zu erzielen, bietet dies bei Wechselstrom Schwierigkeiten. Die

erfahrenen Vorführer arbeiten sich ihre Methode aus, mit der sie das

beste Licht bekommen, und es ist wohl schwer zu sagen, welche Anordnung

am besten ist; denn die Übung spielt dabei eine große Rolle. Vielfach

stellt man die Kohlen senkrecht übereinander, sehr häufig findet man die

Gleichstromstellung, wobei nur einer der beiden Krater zur Geltung

kommt, angewandt, während andere wieder eine Winkelstellung der Kohlen

bevorzugen. Der eine benutzt zwei Dochtkohlen, der andere zwei

Homogenkohlen, der dritte findet es besser, wie bei Gleichstrom oben

eine Docht- und unten eine Homogenkohle zu nehmen. Die Winkelstellung

erscheint auf jeden Fall für hohe Stromstärken, etwa über 30 Ampères,

weniger gut geeignet; der Lichtbogen ist schwerer ruhig zu halten und

man verliert leicht die Kontrolle über den Krater. Bei der senkrechten

Stellung der Kohlen muß man den Abstand der Spitzen ziemlich gering

halten; andernfalls macht sich auf dem Schirm ein dunkler Streifen

bemerkbar und außerdem neigt sonst der Lichtbogen dazu, herum zu tanzen.

Macht man den Abstand zu gering, so leidet dadurch die Helligkeit. Man

muß die Kohlen häufig nachstellen, denn es ist sehr wenig Spielraum im

Abstände der Spitzen, und oft durch das Fensterchen kontrollieren. Wenn

der Krater sich an falscher Stelle, z. B. nach rückwärts, bildet, so

suche man durch Verstellung der oberen Kohle eine Besserung

herbeizuführen. Die Triebverstellung sollte aber ganz langsam und

vorsichtig, nicht stoßweise, erfolgen, denn der Lichtbogen ist äußerst

empfindlich. Unter Umständen empfiehlt es sich, wenn der Krater

verändert werden muß, den Lichtbogen auf einige Minuten länger zu

machen. Auch bei neuen Kohlen lasse man den Bogen zuerst lang brennen.

Viele Vorführer feilen die beiden Dochtkohlen auf einer Längsseite

flach, wobei sie die Stifte in einen V-förmigen Ausschnitt eines Brettes

legen, und bringen die flachen Seiten gegen den Kondensor. Das gleiche:

Begünstigung der Kraterbildung nach vorne, erzielt man mit exzentrischen

Dochtkohlen. Andere wieder arbeiten stets mit zugespitzten

Kohlenstiften, um dadurch den Lichtbogen stabiler zu halten. Die

Gleichstromstellung der Kohlen bietet eine leichtere Handhabung, sie

gibt aber eine etwas geringere Lichtausnutzung und erfordert daher etwas

mehr Strom. Auch hier muß man häufig nachstellen und den Abstand der

Spitzen möglichst gleichmäßig halten.

Eingangs wurde darauf hingewiesen, daß man den Widerstand nicht von

vornherein auf die volle zur Verwendung kommende Stromstärke stellen

solle. Beim Zünden der Bogenlampe steigt nämlich die Stromstärke

momentan sehr stark an -- wenn z. B. in einem Netze von 110 Volt man den

Widerstand auf 50 Ampères gestellt hat, so steigt sie über 100 Ampères

-- und dabei kann leicht die Sicherung durchschlagen. Also stets den

Widerstand eingangs auf eine geringe Stromstärke einstellen, und erst

nach dem Zünden weitere Kontakte einschalten! Bekommt man beim Zünden

kein Licht, so ist irgendwo der Strom noch unterbrochen; man prüfe mit

Ruhe und systematisch alle Drahtverbindungen und sehe die Sicherungen

nach. Man halte Reservestöpsel für die Sicherungen vorrätig.

Die Bogenlampe muß hinreichend oft gereinigt werden. Auf die Zahntriebe

gebe man besser Talk als Öl. Aufgelagerter Kohlenstaub kann über die

Isolation hinweg die Bildung eines Lichtbogens veranlassen.

Das Kalklicht.

Das Kalklicht ist ein Glühlicht, und man kann es mit dem Gasglühlicht

vergleichen, bei welch letzterem die mit Luft gemischte Leuchtgasflamme

einen feinen Glühkörper, den Glühstrumpf, in Weißglut versetzt. Zum

Unterschiede hiervon bedient man sich beim Kalklicht eines massiven

Glühkörpers, des Kalkstückes, und an Stelle des luftgemischten

Leuchtgases, das hier nicht kräftig genug ist, benutzt man eine Mischung

von Leuchtgas und Sauerstoff (sozusagen »stickstoffreier Luft«), die im

Kalklichtbrenner eine intensive Stichflamme liefert und, gegen das

Kalkstück gerichtet, ein herrliches, blendend weißes Licht abgibt. Ich

will hier nun zunächst einen Überblick über die Darstellungsweise geben,

um nachher näher auf die Einzelheiten einzugehen.

Das Kalklicht wurde von Drummond im Jahre 1826 erfunden. Heute ist die

Darstellung desselben bedeutend bequemer gemacht, indem man den

Sauerstoff in Stahlflaschen verpackt bekommen kann, während man ihn

früher selbst entwickeln mußte. Die Verwendung dieses komprimierten

Sauerstoffes bietet noch den Vorteil, daß man damit ein viel kräftigeres

Licht erzielen kann. Man läßt dazu den Sauerstoff unter ziemlich starkem

Druck (1/2 bis 1 Atmosphäre oder noch mehr) in den »Starkdruckbrenner«

blasen, wo er das von der anderen Seite zugeführte Leuchtgas ansaugt,

sich damit mischt und nun eine Stichflamme von mächtiger Kraft erzeugt.

Eine solche Kalklicht-Einrichtung ist in der Abbildung Fig. 86

dargestellt. Man sieht da den Starkdruckbrenner, auf den ein

zylinderförmiges, durchlochtes Kalkstück aufgesetzt ist, und die mit

komprimiertem Sauerstoff gefüllte Stahlflasche, woran ein

Druckreduzierventil und ein Inhaltmesser geschraubt werden. Der

Sauerstoff ist nämlich unter einem Druck von 100-120 Atm. eingefüllt,

und da er nur mit etwa 1/2-1 Atm. in den Brenner zugelassen wird, muß

der Druck zunächst reduziert werden, und dies geschieht durch das

Druckreduzierventil. Dasselbe ist mit einem Manometer A versehen,

welches den Arbeitsdruck des Sauerstoffs anzeigt, und hat ferner ein

Stellrad R zur Einstellung des Arbeitsdruckes: je weiter man das

Stellrad R (rechtsum) dreht, desto stärker wird der Arbeitsdruck und

desto intensiver gleichzeitig das Licht. So kann man die Helligkeit des

Kalklichtes, auch während der Vorführung, innerhalb weiter Grenzen

bequem regulieren. J ist der Inhaltmesser, mit dem man bestimmen kann,

wieviel Sauerstoff die Flasche noch enthält, K der Verschlußhahn der

Flasche, der beim Transport (nachdem Reduzierventil und Inhaltmesser

abgeschraubt sind) durch eine übergeschraubte Eisenkappe geschützt wird.

Bei H ist der Schlauch aufgesteckt, der zum Brennerhahn S geführt wird,

während der linke Brennerhahn L mit der Leuchtgasleitung verbunden wird.

Das Kalkstück läßt sich auf dem Brenner mit einem Triebe drehen, so daß

man der Stichflamme, die nach und nach ein Loch hineinfrißt, von Zeit zu

Zeit eine neue Angriffsfläche bieten kann. Ein zweiter Trieb gestattet

die Entfernung des Kalkstückes von der Brennerspitze einzuregulieren.

[Illustration: Fig. 86.]

Was tut man nun, wenn kein Leuchtgas vorhanden ist? -- Dasselbe wie bei

Glühlicht: man nimmt eine Brennflüssigkeit und vergast sie. Jeder kennt

das Spiritus-, Petroleum- oder Benzinglühlicht. So hat man auch

Einrichtungen konstruiert, bei denen Spiritus, Alkohol oder Petroleum

verdampft wird und, mit Sauerstoff gemischt, die Stichflamme für das

Kalklicht gibt. Aber diese schwer flüchtigen Brennstoffe sind hier

schlecht zu regulieren, sie arbeiten recht unzuverlässig und liefern

außerdem kein besonders starkes Licht. Die Anwendung von Benzin ist

nicht zu empfehlen, da dieses durch den Sauerstoff zersetzt wird und

ölige Bestandteile im Brenner zurückläßt, wenn nicht gar die Benutzung

des Benzins durch Vermischung mit Sauerstoff gefährlich werden kann.

Sehr günstige Resultate erzielt man dagegen mit Äther, und zwar reinem

Schwefeläther. Um den Äther in gasförmigem Zustande dem Brenner

zuzuführen, muß man eine besondere Vorrichtung anwenden, und zwar hat

man die Wahl zwischen zwei verschiedenen Apparaten: dem Gasator und dem

Äthersaturator.

[Illustration: Fig. 87.]

Der Gasator zunächst ist ein mehrteiliges Gefäß, das zu etwa 3/4 mit

Äther gefüllt und durch einen Schlauch mit dem linken Hahn (L) des

Starkdruckbrenners verbunden wird, wie die Abbildung Fig. 87 zeigt. Wenn

man nun durch den rechten Hahn (S) einen kräftigen Sauerstoffstrom

einblasen läßt, so übt der Brenner auf den Gasator eine saugende Wirkung

aus und dieser Apparat tritt dann von selbst in Tätigkeit. Unter der

Wirkung der Saugkraft strömt nämlich durch eine kleine Öffnung Luft

ein, streicht durch die verschiedenen Gefäße und sättigt sich mit

Ätherdämpfen; das Gemisch, das man als »Luftgas« bezeichnet, wird noch

getrocknet und gelangt dann durch den Schlauch in den Brenner, dort mit

dem Sauerstoff zu einer intensiven Stichflamme sich vereinend.

Der Äthersaturator, der ebenfalls zur Darstellung von Kalklicht mit

Hilfe von Ätherdämpfen dient, arbeitet in anderer Weise als der Gasator.

Er besteht aus einem in mehrere Kammern geteilten Gefäß, das mit poröser

Masse gefüllt ist, sodaß der eingefüllte Äther darin aufgesaugt wird.

Der Saturator hat zwei Hähne; einer wird mit dem linken Brennerhahn

verbunden, während man durch den zweiten Hahn Sauerstoff in das Gefäß

leitet; der Sauerstoff drückt nun die Ätherdämpfe, die sich schon bei

gewöhnlicher Zimmertemperatur entwickeln, zum Brenner vorwärts, wo sie

mit dem durch den rechten Brennerhahn eingeführten Sauerstoff gemischt

werden. Da bei dieser Arbeitsweise der Brenner keine Saugkraft auszuüben

braucht, kann man auch an Stelle des Starkdruckbrenners den sogenannten

Mischbrenner benutzen; bei diesem Mischbrenner fällt die

Injektor-Einrichtung, durch welche die Saugwirkung beim

Starkdruckbrenner hervorgerufen wird, weg und die Gase werden einfach in

eine Kammer zusammengeführt, von der sie gemischt durch ein Rohr zur

Brennerspitze gelangen. Zur Erzielung eines möglichst kräftigen Lichtes

versieht man den Brenner mit einer großen Kammer und bringt in letztere

außerdem noch eine Einrichtung, die eine möglichst vollkommene Mischung

der Gase gewährleistet.

Für das gleichmäßige Arbeiten des Saturators ist es eine wichtige

Bedingung, daß er während des Betriebes keine zu starke Abkühlung

erleidet, weil sonst die Vergasung nachläßt. Nötigenfalls, besonders im

Winter, wenn der Apparat z. B. auf einer kalten Bühne steht, muß man

dafür Sorge tragen, daß dem Saturator in entsprechendem Maße von außen

Wärme zugeführt wird; man stellt ihn dazu neben die geöffnete Tür des

Skioptikons oder schlägt ihn in ein vorher gut durchwärmtes, wollenes

Tuch.

Welcher Äther-Apparat ist nun mehr zu empfehlen? wird der geneigte Leser

fragen. -- Nun, mit dem Saturator läßt sich eine noch höhere Lichtstärke

erreichen, doch wird man den Gasator in der Regel vorziehen; denn er ist

einfacher zu handhaben und das mit ihm erzielte Licht ist so stark, daß

es in den meisten Fällen weitaus genügt.

Es ist noch zu bemerken, daß man auch komprimierten Wasserstoff bekommen

kann, der einen vorzüglichen Ersatz für Leuchtgas bildet, ja dieses an

Wirkung übertrifft. Zu einer solchen Einrichtung gehört dann eine

weitere Stahlflasche mit Druckreduzierventil und Inhaltsmesser. Man wird

den komprimierten Wasserstoff da anwenden, wo man unter allen Umständen

die höchste Lichtstärke haben will, die sich mit Kalklicht erzielen

läßt. Auch das Azetylengas läßt sich zur Darstellung von Kalklicht

benutzen, nachdem es gelungen ist, einen geeigneten Brenner zu

konstruieren; das erzielte Licht ist außerordentlich intensiv. Zur

Darstellung des Azetylens ist ein zuverlässig arbeitender Entwickler

erforderlich.

Eine wichtige Frage beim Arbeiten mit Kalklicht ist die, wie lange eine

Sauerstofflasche ausreicht. Eine Stahlflasche von der gewöhnlichen

Größe, die etwa 10 Liter Rauminhalt hat, enthält, wenn der Sauerstoff

auf 120 Atm. komprimiert ist, zirka 1200 Liter Gas; sie reicht, wenn man

ein kräftiges Licht herstellt, durchschnittlich für 8 Stunden. Der

Verbrauch ist geringer, wenn man den Sauerstoff unter schwächerem Druck

zum Brenner läßt, wobei das Licht gleichzeitig weniger stark wird, und

umgekehrt steigt der Verbrauch, wenn man durch Anwendung höheren Druckes

ein intensiveres Licht erzeugt. Stahlflaschen mit 600 Liter Inhalt

reichen also durchschnittlich für 4 Stunden und noch kleinere Flaschen,

die 360 Liter fassen, für etwa 2-1/2 Stunden.

Wo der Bezug von komprimiertem Sauerstoff unmöglich oder durch große

Entfernung zu sehr erschwert ist, wie z. B. in überseeischen Ländern,

muß man den Sauerstoff selbst herstellen, wie dies früher allenthalben

geschah. Man erhitzt dazu in einer Retorte eine Mischung von Braunstein

und chlorsaurem Kali, führt das entwickelte Gas durch eine Wasserflasche

und fängt es in einem Kautschuksack auf. Vereinfacht wird die

Sauerstoffbereitung durch Verwendung eines Gasometers in Verbindung mit

einem Sauerstoff-Generator, einer Einrichtung, welche den Gassack

überflüssig macht und gestattet, auch während des Projizierens, ohne

Störung der Vorstellung, Sauerstoffgas nachzuentwickeln, und zwar in

beliebiger Menge. Man braucht dazu nur Braunsteinkuchen, die man sich

selbst herstellt oder fertig bezieht, einzulegen und die Flamme im

Generator zu entzünden.

Auf die Anwendung des Starkdruckbrenners wie auch des Gasators muß man

hierbei verzichten, da hier bei weitem nicht der starke Druck des

komprimierten Sauerstoffes zur Verfügung steht. Man bedient sich des

sogenannten Sicherheitsbrenners, bei dem Leuchtgas und Sauerstoff erst

in der Brennerspitze zusammengeführt werden, und wenn kein Leuchtgas

vorhanden ist, des Äthersaturators in Verbindung mit dem Mischbrenner,

dem man durch eine große Mischkammer eine möglichst intensive Wirkung

gibt.

Interessant ist eine neuere Art der Sauerstoff-Bereitung mit Hilfe des

Oxyliths (Sauerstoffstein), einer Masse, die bei Berührung mit Wasser

Sauerstoff abgibt. Bei Verwendung des Oxyliths ist Vorsicht geboten,

indem dieses sich bei Berührung mit organischen Substanzen, z. B.

Brotkrumen, entzündet und dadurch leicht einen Brand veranlassen kann.

Auch ist diese Art der Sauerstoff-Erzeugung verhältnismäßig teuer.

Die Stahlflasche.

Über das Arbeiten mit komprimierten Gasen ist zunächst folgendes zu

bemerken. Stahlflaschen für Wasserstoff sind rot gestrichen und

mit Linksgewinde versehen; desgleichen haben dazu gehörige

Druckreduzierventile und Inhaltsmesser Linksgewinde. Man hat dies

vorgeschrieben, damit Verwechslungen mit den für Sauerstoff bestimmten

Behältern und Instrumenten unmöglich gemacht werden. Alle Teile, mit

denen der Sauerstoff in Berührung kommt, müssen gänzlich frei von Oel

und Fett gehalten werden, weil dadurch eine gefahrbringende Zersetzung

des Gases herbeigeführt werden kann; deshalb ist die Verwendung der

gewöhnlichen Kohlensäureventile unter allen Umständen zu verbieten.

Die Stahlflaschen werden amtlich auf eine entsprechend höhere

Atmosphärenzahl abgeprüft, und zwar wird diese Prüfung vorschriftsgemäß

alle drei Jahre wiederholt; das betr. Datum findet man darauf

eingeschlagen.

Die Flaschen sind mit einem Ventilhahn versehen, dessen seitliche

Auslaßöffnung durch eine aufgeschraubte kleine Messingkappe verschlossen

ist. Zum Schutze des Hahnes beim Transport dient eine große darüber

geschraubte Kappe. Es sei noch bemerkt, daß in Deutschland gefüllte

Sauerstoffflaschen jetzt auch als Eilgut zugelassen sind und daß leere

Flaschen zum halben Frachtpreis befördert werden.

Das Druckreduzierventil.

Das Druckreduzierventil, welches den hohen Druck des Gases herabmindert,

wird mittels der Mutter an die Flasche angeschraubt, wobei man den

zugehörigen Schraubenschlüssel zum festen Anziehen benutzt. Es ist dabei

folgendes zu beachten: In der Mutter liegt gegen das Rohrstück ein

kleiner Ring aus Leder oder Vulkanfiber, der zur Abdichtung dient und

nicht fehlen darf, da sonst an dieser Stelle Sauerstoff entweicht.

Sollte der Ring einmal verloren gehen, so schneide man einen solchen aus

einem Stückchen Leder oder wickle starken Bindfaden um das Rohrstück.

Das Druckreduzierventil ist außer der Handstellschraube, welche den

Arbeitsdruck reguliert, und dem Manometer, welches diesen Druck anzeigt,

noch mit einem Sicherheitsventil versehen; dieses macht einen

überstarken Arbeitsdruck unmöglich und ist so eingestellt, daß der

Sauerstoff bei einem Druck über 1-1/2 Atmosphären selbsttätig abbläst.

Zum Anschluß an den Brenner ist ein abschraubbarer Schlauchansatz

vorgesehen, worauf man den Verbindungsschlauch am besten mit einem

Drahte befestigt.

Inhaltsmesser und Inhaltsbestimmung.

Wenn ein Inhaltsmesser zur Verwendung kommt, was sehr zu empfehlen ist,

so wird er zwischen Stahlflasche und Druckreduzierventil geschraubt,

wobei vorherige Prüfung, ob der Dichtungsring in der Mutter vorhanden

ist, und festes Anziehen mit dem Schraubenschlüssel nicht zu unterlassen

sind. Der Inhaltsmesser ist ein kleines Manometer, das zwar nicht direkt

den Inhalt angibt, sondern den Druck anzeigt, unter welchem sich der

Sauerstoff in der Flasche befindet. Daraus aber kann man den Inhalt

leicht berechnen. Der Rauminhalt der meist gebrauchten Flaschen ist

nämlich ungefähr 10 Liter; ist nun der Sauerstoff unter einem Druck von

120 Atmosphären angefüllt, so zeigt der Inhaltsmesser auf die Zahl 120

und der Inhalt beträgt 10 × 120 = 1200 Liter Sauerstoff. Wird nun Gas

verbraucht und zeigt der Inhaltsmesser nach einiger Zeit beispielsweise

auf 95, so wissen wir, daß noch 10 × 95 = 950 Liter Sauerstoff in der

Flasche enthalten sind. Den genauen Rauminhalt findet man oben an der

Flasche eingeschlagen; mit dieser Zahl hat man die angezeigte

Atmosphärenzahl zu multiplizieren. Beim Arbeiten mit dem Inhaltsmesser

ist der Ventilhahn der Stahlflasche langsam und vorsichtig zu öffnen,

weil bei schneller Öffnung das Instrument durch den plötzlich

eintretenden Gasdruck einen heftigen Stoß erhält und dadurch Schaden

leiden kann.

Der Kalklichtbrenner.

Der Starkdruckbrenner, welcher für das Arbeiten mit komprimiertem

Sauerstoff insbesondere in Betracht kommt, da er bei höchster Leistung

einfach zu handhaben ist, wird in Fig. 88 dargestellt. Bei diesem

Brenner ist eine injektorartige Vorrichtung zur Anwendung gebracht, dank

welcher der unter starkem Druck stehende Sauerstoff das brennbare Gas

ansaugt und mit sich fortreißt. Die beiden Gase werden darauf nochmals

in einer Mischkammer gemischt und gelangen dann durch das gebogene Rohr

zur Mündung. Vor der Brennerspitze befindet sich ein Stift, worauf das

durchbohrte Kalkstück gesetzt wird. Mittels des Triebes A kann man den

Kalkstift heben, senken und drehen, während der Spindeltrieb B dazu

dient, die Entfernung des Kalkes von der Brennerspitze zu regulieren.

[Illustration: Fig. 88.]

Die Kalkstifte und Kalkscheiben.

Ueber die Kalkstifte ist noch folgendes zu bemerken. Man bekommt solche

im Handel in zwei Größen; die größere Sorte, auch Kalkklötze genannt,

ist für diejenigen Fälle bestimmt, wo man zur Erzielung möglichst

kräftigen Lichtes einen sehr hohen Arbeitsdruck aufsetzt; die dabei

erzeugte größere Stichflamme wird dann besser ausgenutzt, als wenn man

die gewöhnliche kleinere Sorte verwendet. Vielfach werden an Stelle der

zylinderförmigen Stücke auch Kalkscheiben benutzt, die in einen Halter

des Brenners eingespannt werden.

[Illustration: Fig. 89.]

Da die Kalkstücke Feuchtigkeit anziehen und daher, an freier Luft

liegend, leicht zerbröckeln, werden sie in luftdicht verschlossene

Büchsen verpackt (vergl. Figur 89); auch müssen sie an einem nicht zu

warmen Orte aufbewahrt werden, keinesfalls in der Nähe eines Ofens. Beim

Gebrauch ist es sehr wichtig, den Kalk erst langsam anzuwärmen, also die

Leuchtgasflamme erst einige Minuten allein brennen zu lassen, damit die

Feuchtigkeit allmählich ausgetrieben wird. Würde man von vorneherein

Sauerstoff zugeben und die intensive Stichflamme gegen den Kalkstift

richten, so verwandelte sich das darin enthaltene Wasser plötzlich in

Dampf und zersprengte den Kalk in Stücke. Während der Erwärmung muß der

Stift von Zeit zu Zeit gedreht werden.

Wenn die Stichflamme eine Zeit lang auf den Kalk gewirkt hat, brennt sie

ein Loch hinein und das Kalkstück muß alsdann gedreht werden, weil die

angegriffene Stelle an Leuchtkraft verliert. Es empfiehlt sich, während

der Projektion ein zweites Kalkstück bereit zu halten, damit Ersatz zur

Hand ist, falls der aufgesetzte Stift zerstört werden sollte. Man

unterscheidet vielfach noch zwischen weichen und harten Kalkstiften.

Wenn man mit starkem Gasdruck arbeitet, sind unbedingt harte Stifte

erforderlich; denn die weiche Sorte wird viel rascher zerfressen und

hält der intensiven Stichflamme kaum Stand.

Das Arbeiten mit Leuchtgas und komprimiertem Sauerstoff.

Wenn uns Leuchtgas aus der Rohrleitung und komprimierter Sauerstoff aus

der Stahlflasche zur Verfügung stehen, so ist folgendermaßen zu

verfahren:

Zunächst werden an die Stahlflasche in der oben angegebenen Weise

Inhaltsmesser und Druckreduzierventil angeschraubt und letzteres durch

einen kräftigen Schlauch mit dem rechten Brennerhahn verbunden, wobei

man die beiden Schlauchenden am besten mit Drähten befestigt. Der linke

Brennerhahn wird mittels eines zweiten Schlauches an die Gasleitung

angeschlossen.

Bevor man den Ventilhahn der Stahlflasche öffnet, wozu eine einmalige

Umdrehung genügt, dreht man die Stellschraube des Druckreduzierventils

(links herum) so weit heraus, daß sie keinen Druck mehr auf die dahinter

befindliche Feder ausübt, was man sogleich fühlt; dadurch wird das

Ventil geschlossen und der Sauerstoff einstweilen abgesperrt. Man setzt

nun ein Kalkstück auf, und zwar derart, daß es einige Millimeter von der

Brennerspitze absteht, läßt Leuchtgas zu und entzündet die Flamme, die

man zunächst klein brennen läßt. Nachdem man das Kalkstück genügend

vorgewärmt hat, öffnet man den Gashahn vollständig und stellt

desgleichen den rechten Brennerhahn ganz offen, dann dreht man langsam

die Stellschraube des Druckreduzierventils (rechts herum) hinein, und

zwar so weit, bis eine Stichflamme entsteht, welche das Kalkstück an der

getroffenen Stelle in kräftige Weißglut versetzt.

Nun dreht man den Leuchtgashahn am Brenner so weit ab, daß die rotgelbe

Flamme um den Kalkstift bis auf eine kleine Spur verschwindet, und zwar

sucht man diejenige Einstellung des Hahnes zu gewinnen, bei welcher das

Licht am hellsten erscheint. Eine weitere Regulation der Hähne ist

alsdann nicht mehr nötig; der Sauerstoffhahn bleibt überhaupt stets

vollständig geöffnet.

Um die Leuchtkraft des Brenners zu steigern, braucht man nur die

Stellschraube des Druckreduzierventils weiter hineinzudrehen, wodurch

der Arbeitsdruck erhöht wird. Man hat es auf diese Weise in der Hand,

die Helligkeit nach Bedarf zu variieren. Die Höhe des Arbeitsdruckes,

den das Manometer anzeigt, schwankt in der Regel zwischen 1/4 und

1 Atm., doch kann man auch bis zu 1-1/2 Atm. gehen; in letzterem Falle

ist natürlich der Sauerstoffverbrauch entsprechend größer.

Will man das Licht abstellen, so sperrt man zunächst den Sauerstoff

durch Herausschrauben der Stellschraube im Druckreduzierventil ab,

schließt dann das Ventil der Stahlflasche und zuletzt den Leuchtgashahn.

Anwendung von komprimiertem Wasserstoff.

Wenn man an Stelle von Leuchtgas komprimierten Wasserstoff benutzt, so

wird der linke Brennerhahn mit dem Druckreduzierventil der

Wasserstoffflasche verbunden; nachdem die Anschlüsse gemacht sind, läßt

man zuerst Wasserstoff zum Brenner und entzündet. In der Folge verfährt

man geradeso wie beim Arbeiten mit Leuchtgas.

Das Arbeiten mit dem Gasator.

Den Anschluß des Gasators an den Starkdruckbrenner zeigt Fig. 90. Als

Füllung für den Gasator wird reinster Schwefeläther (spezifisches

Gewicht 0,72) benutzt. Auf Vorsicht mit diesem leicht entzündlichen

Material sei besonders hingewiesen. An Stelle von Äther kann man auch

Ligroin, Gasolin und leicht flüssiges Benzin verwenden; jedoch ist das,

was man unter diesen Namen im Handel bekommt, in vielen Fällen zu schwer

flüchtig und ungeeignet. Allerdings sind diese Materialien wesentlich

billiger als Äther.

Der Gasator wird zu 3/4 gefüllt und faßt dann etwa 450 ccm Äther. Der

Verbrauch ist zwar pro Stunde kaum größer als etwa 100 ccm, jedoch

erleichtert die starke Füllung die Vergasung, und da der Rest in die

Flasche zurückgegossen wird, geht nichts verloren. Nach dem Füllen, was

nicht bei offenem Licht geschehen darf, muß der Apparat wieder gut

geschlossen werden.

[Illustration: Fig. 90.]

Um das Licht darzustellen, öffnet man beide Hähne des Brenners, dreht

die Stellschraube des Druckreduzierventils langsam hinein, bis an der

Brennerspitze ein schwaches Rauschen bemerkbar ist, und zündet dann nach

einigen Augenblicken an. Die Stichflamme, welche dann entsteht, stellt

man zunächst auf einige Minuten klein, um das Kalkstück vorzuwärmen;

alsdann werden beide Hähne wieder geöffnet und die Stellschraube im

Druckreduzierventil so weit hineingedreht, daß der Brenner das

gewünschte Licht gibt, worauf man den Brennerhahn wie beim Arbeiten mit

Leuchtgas einreguliert. Mit Hilfe der Stellschraube des

Druckreduzierventils kann man auch hier die Helligkeit des Lichtes

steigern und schwächen.

Das Auslöschen des Lichtes geschieht, indem man zuerst den linken

Brennerhahn schließt und dann den Sauerstoff an der Stahlflasche

absperrt. Der nicht verbrauchte Äther wird in die Vorratsflasche

zurückgegossen.

Das Arbeiten mit dem Äthersaturator.

Über das Arbeiten mit dem Äthersaturator ist folgendes zu sagen: Als

Füllung muß hier reinster Schwefel-Äther verwandt werden. Es empfiehlt

sich, das Einfüllen eine oder mehrere Stunden vor dem Gebrauch

vorzunehmen, weil der Äther dann Zeit hat, von dem porösen Material

aufgesaugt zu werden, und weil dann von vorneherein eine bessere

Vergasung garantiert ist. Nach dem Einfüllen wird die Füllschraube fest

angezogen. Die Hähne des Saturators halte man bei Nichtgebrauch fest

geschlossen, da der Äther außerordentlich leicht verdunstet. Abdichten

der Hähne durch Fett oder dergleichen nützt nichts, da Äther diese

Stoffe löst. Selbst bei kräftigem Verschluß wird, wenn der Apparat

längere Zeit gefüllt steht, von dem Inhalte durch Ausdunsten etwas

verloren gehen.

Wieviel Äther gebraucht wird, hängt von der Art des angewendeten

Brenners ab und von dem Druck, unter welchem man den Sauerstoff zuführt;

man wird im allgemeinen pro Stunde nicht mehr als 100 ccm verbrauchen;

jedoch empfiehlt es sich, den Inhalt reichlich zu bemessen, da man

während der Vorführung nicht nachfüllen kann.

Die Schlauchverbindung unterscheidet sich hier von der Anordnung beim

Gasator dadurch, daß auch der Äther-Saturator mit der Stahlflasche

verbunden wird. Der im Saturator entwickelte Ätherdampf soll nämlich zum

Brenner vorwärts getrieben werden, und um dieses zu erreichen, läßt man

einfach den Sauerstoffdruck darauf wirken. Man muß gutes

Schlauchmaterial verwenden, da Äther den Gummi auf die Dauer angreift.

Aus Fig. 93 (s. Seite 180) ist die Schlauchverbindung ersichtlich, nur

ist dort an Stelle der Stahlflasche ein Sauerstoff-Gasometer verwandt.

Um das Licht darzustellen, verfährt man hier folgendermaßen: Man öffnet

beide Hähne des Saturators sowie den linken Hahn des Brenners, während

der rechte Brennerhahn einstweilen geschlossen bleibt. Dann dreht man,

nachdem der Ventilhahn der Sauerstoffflasche geöffnet ist, langsam die

Stellschraube des Druckreduzierventils hinein, bis sich ein schwaches

Sausen an der Brennerspitze bemerkbar macht; der in den Saturator

eintretende Sauerstoff drückt nun die Ätherdämpfe vorwärts und nach

einigen Augenblicken kann man entzünden. Zunächst läßt man die Flamme

einige Minuten klein brennen, um das Kalkstück vorzuwärmen, dann stellt

man den linken Brennerhahn weiter offen, sodaß eine kräftige Flamme

herausschlägt, und öffnet nun langsam den rechten Brennerhahn; alsbald

entsteht eine Stichflamme und das Kalkstück wird an der getroffenen

Stelle in Weißglut versetzt. Durch Einregulieren des linken

Brennerhahnes sucht man den besten Lichteffekt zu erzielen.

Die Helligkeit des Lichtes kann auch hier durch Erhöhung des

Arbeitsdruckes, der mittels der Stellschraube am Druckreduzierventil

reguliert wird, gesteigert werden. Doch soll man dabei nur langsam

vorgehen, denn eine schnelle Druckänderung hat in der Regel ein Zischen

des Brenners zur Folge; sollte sich ein solches Zischen bemerkbar

machen, so muß man den rechten Brennerhahn so weit schließen, bis das

Zischen aufhört, und ihn dann langsam und vorsichtig wieder öffnen.

An Stelle des Starkdruckbrenners kann hier auch der sogenannte

Mischbrenner verwendet werden, der sich von ersterem dadurch

unterscheidet, daß die injektorartige Vorrichtung fehlt. Bei einem

solchen Brenner muß außer dem linken Hahn auch der rechte Brennerhahn

zur Erzielung des besten Lichtes einreguliert werden, während man diesen

beim Starkdruckbrenner stets ganz offen stellt.

Um das Licht auszulöschen, schließt man zuerst den linken Brennerhahn

und sperrt dann erst den Sauerstoff ab; wenn man in dieser Weise

verfährt, wird sich beim Auslöschen niemals ein Knall bemerkbar machen,

was sonst unter Umständen eintreten kann.

Während der Vorführung ist dafür Sorge zu tragen, daß der Äther

gleichmäßig vergast. Namentlich bei niedriger Zimmertemperatur sowie bei

stärkerem Ätherverbrauch ist es dazu notwendig, dem Saturator etwas

Wärme zuzuführen; dieses geschieht, indem man ihn neben oder hinter die

Projektionslaterne stellt oder in ein am Ofen gut erwärmtes großes

wollenes Tuch wickelt. Eine zu starke Erhitzung des Saturators ist

ebenso zu vermeiden wie eine zu starke Abkühlung: der Apparat soll

handwarm bleiben. In der wärmeren Jahreszeit sowie beim Arbeiten mit

schwächerem Gasdruck geht die Vergasung in der Regel ohne Wärmezuführung

vonstatten.

Fehlerhafte Erscheinungen beim Äthersaturator.

Wenn man beim Inbetriebsetzen kein ordentliches Licht bekommt, so ist

anzunehmen, daß der Äther zu schwach vergast. Der Grund muß dann gesucht

werden in zu niedriger Temperatur oder in zu geringer Füllung oder in

unbrauchbarem Äther. Kommt flüssiger Äther aus der Brennerspitze heraus,

so ist übermäßig viel Äther in den Saturator gefüllt (der Überschuß muß

dann abgeschüttet oder herausgeblasen werden) oder man hat den

Sauerstoff unter zu starkem Druck aufgesetzt.

Macht sich ein wiederholtes Zucken des Lichtes bemerkbar, so hat sich

wahrscheinlich etwas flüssiger Äther in der Schlauchleitung vom

Saturator zum Brennerhahn gesammelt. Der Saturator ist in diesem Falle

übermäßig erwärmt worden, was eine zu starke Vergasung und damit

Niederschlagen des Überschusses an Ätherdämpfen im Schlauche zur Folge

gehabt hat. Man stellt das Licht ab und entfernt den Äther aus dem

Schlauche.

Läßt während der Vorführung die Helligkeit nach und muß man, um das

Licht beizubehalten, den rechten Brennerhahn nach und nach abdrehen, so

ist das ein sicheres Zeichen dafür, daß die Vergasung zu schwach

geworden ist. Grund dafür: entweder zu niedrige Temperatur bezw. zu

starke Abkühlung des Saturators oder aber die Ätherfüllung geht zu Ende.

Entsteht andererseits während des Projizierens um den Kalk eine

rötlichgelbe Flamme, so vergast der Äther zu stark; zeigt sich diese

Flamme trotz Nachregulierens des Hahnes wiederholt, so ist die Erwärmung

des Saturators eine zu starke und man muß für Abhilfe sorgen.

Ein Knallen des Brenners, d. h. ein Auslöschen des Brenners, kann nur

bei falscher Handhabung vorkommen, und zwar auch nur dann, wenn die

Vergasung des Äthers zu schwach geworden ist -- sei es infolge zu

niederer Temperatur bezw. zu starker Abkühlung des Saturators oder weil

die Ätherfüllung zu Ende geht. In diesem Falle dringt nämlich Sauerstoff

durch den Saturator hindurch und statt reinen Ätherdampfes gelangt ein

Äthersauerstoffgemisch zum linken Brennerhahn. Wenn man nun zum

Auslöschen des Lichtes -- entgegen der Regel -- zuerst den rechten

Brennerhahn schließt, so schlägt die Flamme unter einem kurzen, scharfen

Knall zurück. Dieses Zurückschlagen kann jedoch niemals eintreten,

solange der rechte Brennerhahn geöffnet ist, und man beachte streng die

Vorschrift, stets zuerst den linken Hahn (Äther) zu schließen. Das

Zurückschlagen der Flamme, wenn es in der eben beschriebenen Weise

vorkommen sollte, ist übrigens mit keiner Gefahr, sondern lediglich mit

einem mehr oder minder heftigen Knall verbunden.

Die Darstellung von Azetylen-Kalklicht.

Bei der Darstellung von Kalklicht macht in solchen Fällen, wo eine

Leuchtgasleitung nicht zur Verfügung steht, das Azetylen dem Wasserstoff

und Äther erfolgreich Konkurrenz, nachdem es gelungen ist, einen

brauchbaren Azetylen-Kalklichtbrenner zu konstruieren, und zwar um so

mehr, als der erzielte Lichteffekt ein sehr großer ist. Namentlich auf

dem Lande findet man zuweilen in der Ortschaft oder in dem Gebäude eine

Azetylen-Zentrale, der man das Azetylen gerade so wie Leuchtgas

entnimmt, um es mit einem Schlauche dem Brenner zuzuführen. Andernfalls

muß man sich das Azetylen selbst herstellen, was mittels der im Handel

erhältlichen Apparate, die für Projektionszwecke gebaut werden, sehr

einfach vonstatten geht. Es sei besonders hingewiesen auf die sogen.

Beagidpatronen, die aus einem Gemenge pulverisierten Kalziumkarbids und

Paraffin oder dergl. Material bestehen und welche die Darstellung des

Gases bequemer machen als mit Kalziumkarbid.

Der Anschluß geschieht in der gleichen Weise wie beim Arbeiten mit dem

Starkdruckbrenner: der rechte Brennerhahn wird durch einen kräftigen

Schlauch mit dem Druckreduzierventil der Stahlflasche verbunden; in die

Schlauchleitung, welche vom Azetylenapparat zum linken Brennerhahn

führt, ist eine sogenannte Wolfsche Flasche einzuschalten, die etwa zu

1/2 mit Wasser gefüllt wird. Diese dient auf alle Fälle zur Sicherung

gegen einen Rückschlag der Flamme. Das Kalkstück stellt man so ein, daß

es sich etwa 10 mm weit von der Brennerspitze befindet.

Zum Inbetriebsetzen läßt man zunächst Azetylen zu, zündet an und läßt

nun sofort Sauerstoff zu; letzteres muß rasch geschehen, da das allein

brennende Azetylen stark schwalcht. Den Sauerstoff setzt man von

vornherein mit einem kräftigen Druck von mindestens 1/2 Atm. auf. Mit

geringerem Druck arbeitet der Brenner nicht gut. Das Azetylen verwendet

man mit dem Druck, wie es aus der Leitung kommt; bei Anwendung eines

kleinen Tauchapparates kann man ein kleines Gewicht auflegen, wodurch

das Licht ein wenig gewinnt. Will man beim Anzünden das Schwalchen ganz

vermeiden, so läßt man zunächst Sauerstoff zum Brenner zu, hält ein

brennendes Zündholz vor die Brennerspitze und dreht nun den Azetylenhahn

auf. Das Gasgemisch entzündet sich dann mit einem Puff. Es ist wichtig

zu beachten, daß das Kalkstück in einem Abstand von 10 mm von der

Brennerspitze gehalten werden muß. Wenn das Licht rot erscheint, so ist

Azetylen im Überschuß vorhanden und man muß den Azetylenhahn etwas

abstellen. Doch darf man den Hahn nicht zu weit zustellen, vielmehr soll

sich stets eine gelbrote Flamme um das Kalkstück zeigen. Dreht man

zuviel ab, so kann die Flamme ausknallen. Dies kann namentlich beim

Anzünden vorkommen; es ist aber ohne Gefahr. Wenn die Flamme einmal

zurückschlagen sollte, so überzeuge man sich, ob die Siebe im Brenner

noch in Ordnung sind. Dazu schraubt man die Überfangmutter der

Mischkammer ab, wodurch letztere freigelegt wird. Wenn die Siebe

durchgeschlagen oder herausgefallen sein sollten, so kann der Brenner

nicht gut funktionieren. Zum Auslöschen drehe man zuerst den

Azetylenhahn zu und stelle dann erst den Sauerstoff ab.

Retorte zur Selbstherstellung von Sauerstoff.

Die Selbstherstellung von Sauerstoff geschieht mit Hilfe einer Retorte,

in der eine Mischung von chlorsaurem Kali und Braunstein erhitzt wird,

und einem Behälter zum Auffangen des dabei entwickelten Gases. Früher

war es üblich, den Sauerstoff vor der Vorführung auf einmal

herzustellen, und man benutzte dazu einen großen Gassack; auch heute

wird zuweilen noch in dieser Weise gearbeitet, meist aber wendet man

jetzt eine bequemere Art an, die gestattet, während der Vorführung

selbst soviel Sauerstoff nachzuentwickeln, als man braucht. Dabei dient

als Behälter ein Gasometer oder ein kleiner Gassack.

Wenn man allen Sauerstoff von vornherein herstellen will, so kommt eine

eiserne Retorte zur Anwendung, in welche das Material pulverförmig

eingefüllt wird. Die Form der Retorte spielt keine Rolle; vielfach macht

man sie z. B. trichterförmig. Wichtiger ist es aber, daß sie eine

Sicherheitsvorrichtung gegen zu starken Gasdruck besitzt. Eine solche

besteht beispielsweise aus einem nicht zu fest eingesteckten und mit

Waschleder überzogenen Kork oder sie wird in der Weise bewirkt, daß die

Abdichtung des Retortendeckels mittels aufgekitteten Gipses geschieht,

der bei starkem Druck nachgibt. Auch kann die Sicherheitsvorrichtung in

einem federnden Verschluß bestehen, welcher den dicht aufpassenden

Deckel niederhält. Ein zu starker Gasdruck mag beispielsweise eintreten,

wenn die Retorte umfällt und das Pulvermaterial infolgedessen das

Abzugsrohr verstopft; wenn dann keine Sicherheit vorhanden ist, kommt

die Retorte in Gefahr, zu platzen.

Das Waschgefäß.

[Illustration: Fig. 91.]

Aus der Retorte führt man den Sauerstoff mittels eines Schlauches

zunächst in ein zum Teil mit Wasser gefülltes Waschgefäß, wie es die

Fig. 91 zeigt, welches zum Kühlen und Waschen des Gases dient, und von

diesem mit Hilfe eines zweiten Schlauches in den Gassack. Die Schläuche

nehme man nicht zu eng und ziemlich dickwandig, um einem Verstopfen

vorzubeugen; alle Verbindungen schnüre man mit Bindfäden fest. Die ganze

Anordnung ist in der Abbildung Figur 92 skizziert. A ist die Retorte,

die auf einem Kohlenfeuer oder Gasbrenner steht; sie ist durch einen

Schlauch mit dem längeren Rohr C des mit Wasser halbgefüllten

Waschgefäßes verbunden, und das kürzere Rohr D desselben wiederum mit

dem Gassack E. Letzteren legt man etwas höher, damit die Einführung von

Wasser in den Sack vermieden wird.

[Illustration: Fig. 92.]

Material zur Sauerstoffentwicklung.

Zur Entwicklung des Sauerstoffes dient eine Mischung von 4 bis 5 Teilen

chlorsaurem Kali mit 1 Teil Braunstein. Dabei ist ja zu beachten, daß

der Braunstein keine Unreinigkeiten enthält. Vor allem befindet sich

häufig Kohle darin, und dieses ist recht gefährlich; denn es bildet sich

dann Kohlensäure in so großen Volumen, daß eine Explosion unausbleiblich

ist. Ein einfaches Mittel, die Sauerstoffmischung auf ihre

Gefahrlosigkeit zu prüfen, gibt die vom Verfasser bearbeitete zwölfte

Auflage der »Projektionskunst« (Ed. Liesegangs Verlag, M. Eger,

Leipzig), ein Werk, das zur näheren Orientierung über die

Sauerstoffbereitung empfohlen sei. Es heißt dort: Wenn man eine frische

Partie Braunstein kauft, mischt man etwa 1/2 Gramm davon mit dem

entsprechenden Verhältnis von chlorsaurem Kali, gebe die Mischung in ein

Probiergläschen und halte dies über eine Gas- oder Lampenflamme. Ist das

Material ziemlich rein, so zersetzt sich das Salz und das Gas entweicht

rasch. Es mögen einzelne Lichtfunken über die Oberfläche der Mischung

hinstreichen, die vielleicht von ganz geringen und unbedeutenden

Beimischungen kohlenartiger Materie herrühren. Wenn jedoch eine

hinreichende Menge von Kohle da ist, so daß eine Explosion zu befürchten

steht, wird der ganze Inhalt des Glases in Form einer Flamme und

brennender Teilchen hinausgeworfen, wie wenn eine Rakete abbrennt, aber

viel heftiger. Ich brauche kaum zu sagen, daß man die Öffnung des Glases

von sich abwenden muß; es ist dann mit der Probe auch nicht die

geringste Gefahr verbunden.

Beim Abwiegen des chlorsauren Kalis sehe man darauf, daß keine

Papierstücke, Stroh oder sonstige Stoffe organischer Natur hineinkommen;

jede brennbare Substanz könnte Störungen erzeugen, wenn auch in kleinem

Maße, durch die Entwicklung von Chlorgas, das auf die Säcke allmählich

zerstörend einwirkt.

Die eigentliche gasliefernde Substanz ist das chlorsaure Kali; man kann

dieses auch allein verwenden, doch braucht man dazu eine viel stärkere

Hitze; außerdem wird das Material flüssig, wobei es stürmisch kocht und

spritzt, so daß dabei leicht das Abzugsrohr verstopft werden kann. Durch

Zusatz von Braunstein wird eine gleichmäßigere Entwicklung

herbeigeführt. Man ist dabei nicht gezwungen, ein bestimmtes

Mischungsverhältnis einzuhalten; an Stelle des oben angegebenen

Verhältnisses nimmt man vielfach z. B. eine Mischung von 3 Teilen

chlorsaurem Kali mit 1 Teil Braunstein. An Stelle des Braunsteins kann

man übrigens auch gut gereinigten Sand oder pulverisiertes Glas

zusetzen.

Zuweilen fügt man außer Braunstein noch Kochsalz hinzu. Dieses bietet

den Vorteil, daß man es dann in der Hand hat, durch Kleinermachen der

Flamme die Entwicklung zu verlangsamen. Man nehme aber gut getrocknetes

Tafelsalz und gebe den Zusatz erst bei Gebrauch, da das Salz

Feuchtigkeit aus der Luft anzieht, wodurch ein Rosten der Retorte

herbeigeführt wird. Rostbildung scheint sich bei dieser Methode

überhaupt nicht vermeiden zu lassen. Es ist noch zu bemerken, daß bei

Anwendung des Kochsalzzusatzes pulverisiertes Kali zugenommen wird,

während man sonst kristallinisches vorzieht.

Zum Mischen breitet man das chlorsaure Kali auf einem großen, weißen

Blatt Papier aus, prüft das Material auf Reinheit und streut den

Braunstein darüber, worauf man beides mittels eines Papiermessers oder

Holzstückes mengt. Da dieses eine schmutzige Arbeit ist, mischt man

zweckmäßig eine größere Menge auf einmal und bewahrt das gemischte

Material in kleinen Behältern auf, die jeweils soviel fassen, als für

eine Vorführung nötig ist.

Als Anhalt mag dienen, daß 1 kg chlorsaures Kali, je nach Qualität und

Reinheit des Salzes, 250 bis 275 Liter Sauerstoff liefert; in

Wirklichkeit bekommt man etwas weniger, da man bei der Darstellung mit

einigem Verlust zu rechnen hat. Der Braunstein kann übrigens immer aufs

neue gebraucht werden, wenn man den in der Retorte verbleibenden

Rückstand durch Auswaschen mit warmem Wasser von dem anhängenden

Chlorkalium befreit und trocknet. Das öfter gebrauchte Material arbeitet

sogar besser als frisches.

Die Selbstbereitung von Sauerstoff.

Wenn man die Mischung in die Retorte gebracht und diese ordnungsgemäß

geschlossen hat, so verbindet man die Retorte zunächst, wie oben

angegeben, mit dem Waschgefäß und beginnt sie dann auf einem Kohlenfeuer

oder Gasbrenner zu erhitzen. Durch die Schläuche blase man vorher durch,

um sich zu überzeugen, daß sie auch nicht verstopft sind.

Die Schlauchverbindung zwischen Waschgefäß und Gassack stellt man erst

her, nachdem die Gasentwicklung sich durch Aufsteigen von Blasen im

Waschgefäß bemerkbar gemacht hat; zuerst aber läßt man noch etwas Gas

entweichen, da dieses im Anfang noch Luft enthält. Mit Hilfe eines daran

gehaltenen glimmenden Streichholzes, welches aufflammen muß, kann man

erkennen, wann Sauerstoff kommt. Den Gassack muß man zuvor bei

geöffnetem Hahn ausrollen, um die Luft daraus zu entfernen; im Winter

tut man gut, ihn etwas vorzuwärmen, wodurch er geschmeidiger wird.

Erfahrungsgemäß soll man zunächst langsam und nicht zu stark anheizen.

Wenn die Entwicklung in Gang kommt, dreht man die Retorte von Zeit zu

Zeit auf dem Feuer, um sie gleichmäßig zu erhitzen. Wird die Entwicklung

zu stürmisch, so stellt man die Flamme etwas kleiner oder nimmt die

Retorte auf kurze Zeit vom Feuer; zuletzt aber erhitzt man stark, bis

alles chlorsaure Kali zersetzt ist. In der Regel macht die

Gasentwicklung zwischendurch eine Pause, um nach einigen Minuten

verstärkt wieder einzusetzen; man warte dann ruhig oder stoße höchstens

die Retorte einmal an. Wann die Gasentwicklung beendet ist, läßt sich

daran erkennen, daß zum Schluß keine Blasen mehr durchs Wasser gehen;

man schließt dann den Hahn des Gassackes. Bevor man aber die Retorte vom

Feuer nimmt oder die Flamme löscht, ist es nötig, den Schlauch von der

Retorte abzuziehen; denn es könnte sonst, wenn die Retorte kalt wird,

infolge der Luftverdünnung aus dem Waschgefäß Wasser hineinsteigen und

sie zum Platzen bringen. Die Retorte wird am besten gleich nach dem

Kaltwerden mit Wasser gründlich gereinigt und durch Wärme getrocknet.

Bei neuem Gebrauch muß sie kalt und trocken sowie ganz rein sein. Zeigt

der Rückstand in der Retorte große, zusammengebackene Stücke, so hat man

zu stark erhitzt und eine zu heftige Entwicklung herbeigeführt.

Zur Schonung des Gassackes gegen Abnutzung durch die chemische Wirkung

des Gases ist es zweckmäßig, in das Waschwassergefäß einen Eßlöffel von

doppelkohlensaurem Kali zu geben.

Der Sauerstoff-Generator.

Bei der eben beschriebenen Anordnung muß man alles Gas auf einmal

entwickeln; es ist nun, wie oben schon angedeutet, in der Regel

angenehm, wenn man während der Vorführung selbst nach Bedarf Sauerstoff

nachentwickeln kann. Recht praktisch ist dazu die Konstruktion des

Generators, der in Fig. 93 weiter unten zu sehen ist. Er besteht aus

einem einerseits verschlossenen Eisenrohr, auf dessen anderes Ende ein

genau aufgeschliffener Deckel paßt. Dieser wird durch einen

übergreifenden Bügel geschlossen, welcher aber nicht direkt, sondern

mittels einer Spiralfeder dagegen drückt. Dadurch ist eine Art

Sicherheitsventil geschaffen; denn bei überstarkem Gasdruck gibt die

Feder nach, der Deckel hebt sich und das Gas kann entweichen. In den

Deckel ist das Austrittsrohr für den entwickelten Sauerstoff

eingeschraubt. Die Retorte ruht in horizontaler Lage auf einem eisernen

Gestell; zur Erhitzung dient ein darunter gesetzter Spiritus- oder

Gasbrenner.

Herstellung und Verwendung von Braunsteinkuchen.

Zur Darstellung des Gases wird das gleiche Material wie oben verwandt,

woraus man hier aber feste, zylinderförmige Kuchen formt. Diese

sogenannten Braunsteinkuchen stellt man am besten aus einem Gemisch von

4 Teilen chlorsaurem Kali und 1 Teil Braunstein her. Es wird soviel

Wasser zugesetzt, daß die Masse feucht, aber nicht naß wird. Nachdem

alles gut gemischt ist, drückt man den Teig in das dem Apparat

beigegebene Röhrchen, streicht das Überstehende ab und drückt den Kuchen

mittels des zugehörigen Kolbens aus der Form heraus.

Das Trocknen der Kuchen geschieht bei gelinder Wärme oder an der Luft.

Nach dem Trocknen werden sie in ein teigförmiges Gemisch von Wasser und

Braunstein getaucht und nochmals getrocknet. Dies bewirkt, daß die

Kuchen beim Gasentwickeln nicht am Metall festbacken. Die trockenen

Kuchen sind reinlich in der Handhabung und hart wie Kohle. Wenn sie zur

Gasentwicklung gebraucht sind und aus der Retorte genommen werden, haben

sie noch ihre frühere Form; sie sind nur angeschwollen. Es darf auch

hier nur reiner Braunstein, der keinerlei Verunreinigungen organischer

Natur enthält, benutzt werden. Man achte ferner darauf, daß die Form

recht sauber ist, damit keinerlei Oxydteile mit in die Kuchen gebracht

werden.

Die Braunsteinkuchen steckt man nicht direkt in die Retorte, sondern

legt sie zwischen zwei muldenförmige Bleche, welche zusammengelegt mit

den darin befindlichen Kuchen eine Art Rohr bilden und in die Retorte

hineinpassen. Hierdurch wird vermieden, daß die Hitze des

Retortenmantels direkt auf die Kuchen übertragen wird. Man legt also die

Kuchen, wie angegeben, zwischen die beiden Bleche und zwar derart, daß

zwischen ihnen ein kleiner Abstand bleibt, und schiebt das Ganze dann in

den Generator; je nach der Länge der Kuchen gehen 4 bis 6 Stück hinein.

Durch diese Anordnung ist es möglich, die Gasentwicklung zu

lokalisieren, und zwar wird jeweils nur derjenige Kuchen zersetzt, unter

welchem sich der Brenner befindet. Bevor man die Retorte schließt,

überzeuge man sich, daß die Abdichtungsfläche recht sauber ist, am

besten geht man mit einem fettigen Lappen darüber.

Man verfährt nun in der Folge in der Weise, daß man die Flamme zunächst

unter das Deckelende der Retorte bringt, und dann, durch Verschieben des

Brenners nach der anderen Seite hin, soviel Gas entwickelt, bis der

Sauerstoffbehälter gefüllt ist. Dieses geschieht vor der Vorführung.

Während der Vorführung entwickelt man in dem Maße Sauerstoff nach, als

er verbraucht wird, indem man den Brenner weiterschiebt und einen Kuchen

nach dem anderen zersetzt; sobald die ganze Füllung aufgebraucht ist,

bringt man eine neue Ladung Kuchen in die Retorte.

Hat man mit großem Sauerstoffverbrauch zu rechnen, so ist die Verwendung

zweier solcher Generatoren zu empfehlen, welche abwechselnd in Tätigkeit

treten; man verbindet sie mit einem Umschalthahn, von wo aus das Gas in

den Behälter geführt wird.

Zum Auffangen des Sauerstoffes dient hier ein kleiner Gassack oder ein

Gasometer. Beim Gebrauch eines Gassackes entspricht die Anordnung der

oben beschriebenen (Figur 92); es ist ebenfalls ein Waschgefäß

einzuschalten. Damit man nun aber während der Vorführung ungestört

nachentwickeln kann, muß das Einführungsrohr für den Sauerstoff mit

einem Rückschlagventil versehen sein, weil sonst bei Neuladung der

Retorte das Gas aus dem Sack entweichen würde. Zur Entnahme des

Sauerstoffes für den Brenner ist ein besonderer Schlauchhahn am Gassack

vorzusehen.

Sauerstoff-Gasometer mit Tauchglocke.

Vielfach wird der beschriebene Generator in Verbindung mit einem

Gasometer benutzt, und zwar hat sich dafür die folgende Form in

langjährigem Gebrauche bewährt. Es ist das eine Konstruktion, welche

namentlich auch für die Reise sehr zweckmäßig ist, weil sie sich wie ein

Koffer zusammenpacken läßt (Figur 94).

Das Gasometer ist aus verzinktem Eisenblech konstruiert. Es besteht im

wesentlichen aus einem Behälter, dessen unterer Teil mit Wasser gefüllt

wird, und einer Glocke. Der Sauerstoff wird unten in das Wasser

geleitet, steigt auf und sammelt sich unter der Glocke, die dadurch

gehoben wird. Ein besonderes Waschgefäß ist hier nicht erforderlich.

[Illustration: Fig. 93.]

[Illustration: Fig. 94.]

Damit nicht zu viel Wasser gebraucht wird, ist das Gasometer mit einer

zylinderförmigen »Seele« versehen, welche etwa bis zur Mitte der Höhe

des Behälters reicht. Der Raum, der dadurch gewonnen wird, und der im

übrigen stets trocken bleibt, kann sehr gut zum Verpacken von

Apparatteilen benutzt werden; unten ist er durch einen Deckel

geschlossen.

Der zylinderförmige Mantel der Glocke ist nach oben hin fortgesetzt und

bildet hier einen runden Kasten, der ebenfalls zum Verpacken von

allerhand Gegenständen verwandt werden kann. Der obere Deckel des

Gasometers ist mit vier Stangen versehen und bildet mit diesen eine Art

Tisch. Die Stangen sind unten durch einen Ring verbunden. Wenn der

Apparat aufgestellt ist, ragt dieses Tischchen oben heraus; der untere

Ring ist dann mit vier Flügelschrauben an der Wandung des Behälters

befestigt (vergl. Fig. 93). Ist der Apparat verpackt, so liegt der

Deckel fest auf dem Behälter und die Stangen ruhen zwischen den

Wandungen des Behälters und der Glocke (siehe Fig. 94).

Zum Gebrauche nimmt man zunächst den oberen Deckel sowie die Glocke

heraus und füllt den unteren Teil des Behälters mit Wasser bis etwa 3 cm

unter den Boden der »Seele«. Man braucht dazu meist nicht mehr als einen

Eimer Wasser. Dann setzt man die Glocke ein und läßt sie ganz

heruntersinken; dazu muß der Schlauchhahn geöffnet werden, damit die

Luft entweichen kann. Das Einfüllen von Wasser kann auch durch eine

Verschlußschraube in der Glocke geschehen. Das obere Gestell (Tischchen)

wird angeschraubt, der Sauerstoffgenerator darauf gesetzt und alsdann

durch einen Gummischlauch mit demjenigen Rohre (ohne Hahn) innerhalb des

Kastens verbunden, welches bis unten in das Wasser herunterreicht.

Beim Gebrauch des Gasometers werden in diesen Kasten die Gewichte zum

Beschweren der Glocke gebracht; man kann anstatt solcher auch Wasser

einfüllen.

Vor der Vorführung entwickelt man in der oben beschriebenen Weise soviel

Gas, bis der innere Blechkasten etwa noch eine Hand breit von der Platte

des oberen Gestelles absteht. Man löscht dann die Flamme im Generator

aus und kann, falls einige Zeit übrig bleibt, die hierzu gebrauchten

Kuchen noch durch neue ersetzen. Bei Beginn der Vorstellung zündet man

den Brenner unter der Retorte wieder an und läßt die Flamme klein

brennen, so daß die Gasentwicklung, dem Verbrauch entsprechend, zunächst

langsam vor sich geht.

Zur Ableitung des Sauerstoffes aus dem Gasometer befindet sich in dem

inneren Blechkasten ein zweites Rohr mit Hahn, welches mit dem

Kalklichtbrenner durch einen Schlauch verbunden wird.

Wasserdruck-Gasometer.

Es gibt noch eine andere Form von Gasometer, die vornehmlich für

ständige Einrichtungen, wie Theater und sonstige Etablissements oder

Institute, recht zweckdienlich erscheint. Dieses Gasometer besteht aus

einem zylindrischen, allseitig geschlossenen, starken Behälter, der, wie

die Abbildung Fig. 95 zeigt, folgendermaßen ausgerüstet ist. Unten sind

drei Hähne angebracht: einer, A, zum Einführen des Wassers, der zweite,

B, zum Ablaufen des Wassers und der dritte, C, zum Einführen des

Sauerstoffes, während sich oben ein vierter Hahn, D, zur Entnahme des

Sauerstoffes befindet. M ist ein Manometer, welches den Druck angibt,

und W ein Wasserstandsmesser. Die beiden Wasserhähne werden mit der

Wasserleitung bezw. Kanalisation verbunden, und zwar am besten durch

eine feste Rohrleitung.

Man arbeitet mit dem Apparat in folgender Weise: Zunächst läßt man den

Behälter ganz voll Wasser laufen, wozu man den Hahn A sowie auch den

Hahn D öffnen muß, und bereitet inzwischen die Darstellung von soviel

Sauerstoff vor, als zur Vorführung erforderlich ist. Die Retorte stellt

man wenn möglich etwas höher als das Gasometer, damit nicht, wenn man

fälschlicherweise bei offenstehenden Hähnen die Retorte öffnet, das

Wasser in dieselbe hereinlaufen kann. Nachdem das Gasometer gefüllt

ist, was sich am Wasserstandsmesser leicht erkennen läßt, schließt man

beide Hähne, verbindet die zur Entwicklung des Sauerstoffes

fertiggestellte Retorte durch einen Schlauch mit dem Gaseinführungshahn

C und entzündet den Brenner; man darf nun fernerhin ja nicht vergessen,

den Wasserablaufhahn B zu öffnen, damit der eintretende Sauerstoff Platz

bekommt. Versehen in dieser Hinsicht sind ausgeschlossen, wenn man die

beiden Hähne B und C in einem Schalthahn vereinigt, der, ähnlich wie der

Sicherheitshahn beim Gasbadeofen, Gaszufuhr und Wasserablauf

gleichzeitig kontrolliert.

[Illustration: Fig. 95.]

Wenn die Entwicklung beendet ist, schließt man die Hähne. Bevor man nun

Sauerstoff aus dem Gasometer entnimmt, öffnet man den Hahn A und läßt so

lange Wasser einlaufen, bis das Manometer M denjenigen Druck anzeigt,

mit welchem man arbeiten will. Der Hahn D wird darauf mit dem

Kalklichtbrenner verbunden, und nachdem das Licht dargestellt ist,

öffnet man den Ventilhahn A wiederum, und zwar muß man ihn derart

einregulieren, daß der vom Manometer angezeigte Druck konstant bleibt;

läßt der Druck nach, so ist der Hahn etwas weiter zu öffnen und

umgekehrt. Die Arbeit des Einregulierens wird hierbei erspart, wenn in

das Wasserzulaufrohr ein automatisch wirkendes Reduzierventil

eingeschaltet ist, das man auf den gewünschten Druck einstellt; der

Sauerstoff tritt dann in gleichmäßig starkem Strome aus dem Gasometer

zum Brenner.

Man kann auch so verfahren, daß man den vollen Druck der Wasserleitung

auf das Gas wirken läßt und letzteres beim Ausströmen aus dem Gasometer

durch ein Reduzierventil führt. Dazu wird der Hahn A von vorneherein

ganz offen gestellt und man wartet mit der Gasentnahme, bis das

Manometer die Atmosphärenzahl der Wasserleitung anzeigt und nicht mehr

steigt; auch beim Betriebe bleibt der Hahn A dann völlig geöffnet.

Das Gasometer muß so groß sein, daß es genügend Sauerstoff faßt, als für

eine Vorführung notwendig ist. Wo der Bedarf an Sauerstoff ein anhaltend

großer ist, empfiehlt es sich, zwei solcher Gasometer nebeneinander

aufzustellen, welche durch Umschalthähne miteinander verbunden sind und

die man abwechselnd füllt und in Betrieb nimmt. Der Wasserstandsanzeiger

gibt darüber Aufschluß, wieviel Gas jeweils im Gasometer enthalten ist.

Man ist übrigens bei der Verwendung zweier Gasometer in der Lage, einen

derselben vor der Vorführung unter so starkem Druck mit Gas zu füllen,

als es die Atmosphärenzahl der Wasserleitung gestattet, indem man dazu

das zweite Gasometer als Pumpe gebraucht. Man verfährt dabei

folgendermaßen: man füllt beide Gasometer in der oben angeführten Weise

mit Sauerstoff, stellt dann den Umschalthahn, welcher die beiden oberen

Teile miteinander verbindet, offen, sodaß eine Verbindung geschaffen

ist, und läßt in das eine Gasometer Wasser laufen, und zwar so lange,

bis sämtliches Gas in das andere Gasometer herübergedrückt ist. Darauf

schließt man die Hähne, läßt das Wasser aus dem ersten Gasometer

ablaufen, füllt dieses aufs neue mit Sauerstoff und führt diesen

wiederum in den anderen Behälter über, indem man Wasser einströmen läßt.

Dieses Verfahren kann man so lange wiederholen, bis der Sauerstoff auf

diejenige Atmosphärenzahl zusammengepreßt ist, unter welcher die

Wasserleitung steht. Hat die Wasserleitung beispielsweise einen Druck

von 5 Atmosphären, so kann man in einem Gasometer von 50 Liter Inhalt

250 Liter Sauerstoff aufspeichern.

Ist keine Wasserleitung vorhanden, so benutzt man zur Herstellung des

Wasserdruckes ein mehrere Meter hochgestelltes großes Gefäß, das man

durch eine Rohr- oder Schlauchleitung mit dem Wassereinführungshahn des

Gasometers verbindet. Je höher man das Gefäß stellt, desto stärker wird

der Druck; dabei mag als Anhalt dienen, daß jedes Meter Höhe einem Druck

von 1/10 Atm. entspricht. Es bietet auch hier keine Schwierigkeit, den

Sauerstoff unter so starken Druck zu setzen, daß man mit dem

Starkdruckbrenner arbeiten kann. An Stelle des Federmanometers wird bei

dieser Anordnung ein Quecksilbermanometer angebracht; ein

Druckreduzierventil ist hier nicht erforderlich, zweckmäßig ist es aber,

die Gasentnahme durch einen Ventilhahn erfolgen zu lassen, der eine

feinere Regulierung gestattet.

Das Wasser, das man beim Einführen des Sauerstoffes in das Gasometer

ablaufen läßt, kann man zum Füllen des oberen Behälters benutzen, was

bei stationären Anlagen am besten durch sofortiges Heraufpumpen

geschieht.

Auf einen Punkt ist noch hinzuweisen. Beim Betrieb läßt hier der Druck,

unter welchem der Sauerstoff steht, in gleichem Maße nach, wie das Gas

entnommen wird. Das kommt dadurch, daß der Druck durch den Abstand der

Wasserspiegel in den beiden Behältern bedingt ist und daß dieser Abstand

immer kleiner wird, weil das Wasser oben sinkt und unten steigt. Damit

sich nun dieses Nachlassen des Druckes nicht auf den Brenner und das

Licht überträgt, darf man den Hahn D von vorneherein nicht ganz öffnen,

sondern muß ihn so einstellen, daß man genügend nachregulieren kann, um

den Sauerstoffstrom in gleicher Stärke zu erhalten.

Dieses Nachlassen des Druckes läßt sich übrigens, wenigstens zum großen

Teil, durch folgende Vorrichtung vermeiden: Es wird oben in das

Gasometer und zwar dicht unter die Decke ein kleines offenes Gefäß

eingesetzt, in welches man das vom oberen Behälter kommende Rohr münden

läßt; nun läuft das Wasser zunächst in dieses Gefäß und der Druck

rechnet sich nach dem Abstand desselben vom Wasserspiegel oben, woraus

ersichtlich ist, daß er in wesentlich geringerem Maße als vorher

abnehmen wird. Damit das Wasser aus dem kleinen Gefäß nicht herunter

plätschert, wird eine Rohrleitung bis zum Boden des Gasometers

vorgesehen.

Wenn das Gasometer mit einem abschraubbaren, dicht schließenden Deckel

vorgesehen wird, so eignet sich die Einrichtung besser für die Reise.

Man kann dann den Behälter, nachdem er innen gut getrocknet ist, für den

Transport als Koffer benutzen und mit Apparatteilen verpacken. Der

zweite Behälter wird dann zweckmäßig so weit gemacht, daß sich der

andere hineinstecken läßt; man kann sich übrigens mit einem hinreichend

großen Waschkübel behelfen, das man durch einen Saugheber und Schlauch

mit dem Gasometer verbindet.

Da der Druck bei dieser Anordnung nicht so groß ist, als daß ihn der aus

der Retorte kommende Sauerstoff nicht überwinden könnte, so bereitet es

hier keine Schwierigkeit, während des Betriebes Gas nachzuentwickeln.

Wenn man so verfährt, kommt man mit einem wesentlich kleineren Gasometer

aus, was für die Reise eine große Annehmlichkeit bereitet.

Eine andere Methode, den Sauerstoff unter starken Druck zu setzen,

besteht darin, daß man ihn zunächst in einen Gassack oder Gasometer

bringt und dann in einen starken, allseitig geschlossenen Behälter

pumpt.

Die Selbstbereitung von Wasserstoff.

Wasserstoff erzeugt man auf kaltem Wege durch Zersetzung von Wasser,

indem diesem Schwefelsäure und metallisches Zink zugesetzt wird. Man

bedient sich dabei einer Retorte aus Glas oder besser Blei und leitet

das entwickelte Gas in einen Sack; dabei ist die Einschaltung eines

Waschgefässes zu empfehlen, weil sonst die Verunreinigungen des

Wasserstoffes auf den Kautschuksack zerstörend einwirken würden.

In die Retorte, durch deren Deckel ein kupfernes Rohr mit Trichteransatz

geht, wirft man etwa 250 gr Zinkstücke und gießt dann durch den Trichter

verdünnte Schwefelsäure ein. Diese wird zuvor in einem irdenen Gefäß mit

5 Liter kaltem Wasser bereitet, dem man unter ständigem Umrühren mit

einem Glasstab in kleinen Portionen 600 ccm Schwefelsäure zusetzt; vor

Gebrauch muß diese Mischung erst erkalten.

[Illustration: Fig. 96.]

[Illustration: Fig. 97.]

Das erste Gas, welches noch mit Luft versetzt ist, läßt man durch das

zuvor mittels Schlauches verbundene Waschgefäß entweichen; nach

1-2 Minuten schließt man auch den Gassack an, nachdem man aus diesem

durch Ausrollen möglichst alle Luft entfernt hat; man vergesse nicht,

den Hahn des Sackes zu öffnen.

Den Sack muß man nach jedesmaligem Gebrauch bei offenem Hahn wieder gut

ausrollen, um allen Wasserstoff daraus zu entfernen. Da man ungefähr

doppelt soviel Wasserstoff als Sauerstoff gebraucht, nehme man gleich

einen genügend großen Sack.

Ein Wasserstoffentwickler, bei dessen Verwendung kein Gassack

erforderlich ist und welcher während der Vorführung nach Maßgabe des

Verbrauches Gas entwickelt, ist in den Abbildungen Fig. 96 und 97

dargestellt. Dieser ganz aus Kupferblech gefertigte Apparat besteht aus

einem äußeren Behälter C mit 2 Handhaben B und einem inneren Zylinder A,

welcher sich mittels zweier Haken I und H in C auf- und niederheben

läßt. Wenn der Zylinder gehoben ist, läßt er sich, wie die Abbildung es

zeigt, auf 2 Stangen E und F feststellen. In den Behälter C wird Wasser

gegossen, das mit Schwefelsäure angesäuert ist, während man in den

Zylinder A Zinktafeln und Abfälle bringt, die dann auf dem

durchlöcherten Boden T ruhen. Soll der Apparat in Wirksamkeit treten, so

läßt man den inneren Zylinder herunter; es entwickelt sich alsbald

Wasserstoff, der durch ein Bleirohr S abgeleitet wird. D ist eine

Waschflasche.

Der Apparat wird direkt mit dem Kalklichtbrenner durch einen Schlauch in

Verbindung gesetzt, da er während der Vorführung selbsttätig soviel Gas

liefert, als verbraucht wird. Bei starkem Gebrauch sinkt nämlich die

Glocke tiefer und es kommt mehr Zink in die Säure, während bei geringem

Gebrauch die Glocke steigt und das Zink aus der Säure heraushebt,

wodurch die Entwicklung unterbrochen wird. Auf diese Weise reguliert

sich der Apparat ganz von selbst.

Zur Füllung braucht man etwa 8 Liter Wasser mit einem Zusatz von

ungefähr 2-1/4 Liter roher Schwefelsäure (stets die Säure in das Wasser

gießen, nicht umgekehrt!). Es empfiehlt sich, reichlich Zink zu nehmen,

damit der Vorrat nicht ausgeht; es wird dadurch nicht mehr verbraucht.

Wenn der Druck nicht hinreichen sollte, so hängt man oben an die Glocke

A ein entsprechendes Gewicht an.

Es ist ja zu beachten, daß man an das Wasserstoffgasometer nicht mit

einem Licht herankommen darf.

Die Darstellung des Kalklichtes bei Anwendung von Gasometer oder

Gassack.

Wenn man zur Darstellung des Sauerstoffes eine Einrichtung zur Verfügung

hat, bei welcher das Gas unter genügend starken Druck gesetzt wird, wie

dieses namentlich bei dem vorher beschriebenen Gasometer mit

Wasserleitungsanschluß der Fall ist, so geschieht die Darstellung des

Kalklichtes in gleicher Weise wie bei Anwendung von komprimiertem

Sauerstoff. Als Brenner kommt dann ebenfalls in erster Linie der

Starkdruckbrenner in Betracht; man benutzt ihn sowohl, wenn Leuchtgas

zur Verfügung steht, wenn man Wasserstoff in dem eben angeführten

Apparat entwickelt, wie auch, wenn man mit dem Gasator arbeiten will.

Bedient man sich eines Äthersaturators, so kann auch der Mischbrenner

zur Verwendung kommen. In allen diesen Fällen ist dank des starken

Gasdruckes die Erzielung eines intensiven Lichtes ermöglicht.

Anders liegt die Sache, wenn der Sauerstoff unter geringem Druck

aufgespeichert und zum Brenner geliefert wird, wie namentlich bei

Anwendung des Gasometers mit Gasdruck. Hier ist die Benutzung des

Starkdruckbrenners ausgeschlossen, und man ist, wenn Leuchtgas aus der

Rohrleitung oder Wasserstoff aus dem Gasometer entnommen wird, auf den

sog. Sicherheitsbrenner angewiesen, während bei dem Arbeiten mit dem

Äthersaturator der Mischbrenner erforderlich ist. Letzterer kann auch

zur Anwendung kommen, wenn man Sauerstoff und Wasserstoff in Gassäcken

darstellt oder das Leuchtgas ebenfalls in einen Gassack füllt und dann

beide Säcke gleich stark belastet; dieser Brenner erfordert nämlich,

daß beide Gase unter gleichem Druck stehen. Dafür gibt aber der

Mischbrenner, insbesondere in der Form mit großer Mischkammer, ein

wesentlich besseres Licht, als es der Sicherheitsbrenner zu liefern

vermag. Das ist in der Konstruktion begründet: beim Sicherheitsbrenner

werden nämlich die beiden Gase in getrennter Rohrleitung bis zur

Brennerspitze geführt und ihre Mischung findet erst in der Flamme statt.

Wo es auf große Intensität ankommt, muß man daher zusehen, den

Mischbrenner zur Anwendung zu bringen. Meist braucht man ihn in

Verbindung mit dem Äthersaturator, da der Betrieb damit einfacher

erscheint, als die Selbstdarstellung von Wasserstoff.

Die Handhabung des Äthersaturators und Mischbrenners ist hier dieselbe,

wie sie oben bei Anwendung komprimierten Sauerstoffes beschrieben wurde.

Es sei nochmals betont, daß man zum Auslöschen des Lichtes stets zuerst

den linken Brennerhahn abstellen muß und daß man dann erst den Saturator

absperren darf. Wenn man so verfährt, wird die Flamme nicht

zurückknallen, wie dieses unter ungünstigen Verhältnissen (bei niedriger

Temperatur oder zu geringer Füllung) eintreten kann. Ferner gilt auch

hier, daß das Licht um so heller wird, je stärker man den Arbeitsdruck

des Sauerstoffes macht, je mehr Gewicht man also auf den Gassack oder

das Gasometer legt. Der gewöhnliche Mischbrenner läßt allerdings nur

geringen Druck zu, weil er sonst anfängt zu zischen. Für starken Druck

und hohe Leuchtkraft muß man den eben erwähnten Brenner mit

großer Kammer nehmen. Die ganze Anordnung bei Anwendung des

Sauerstoff-Generators und Gasometers ist weiter oben in Fig. 93

dargestellt.

Wenn man mit Leuchtgas oder Wasserstoff arbeitet und dieses ebenso wie

den Sauerstoff aus einem Gassack entnimmt, so kann, wie bereits oben

gesagt, ebenfalls der Mischbrenner benutzt werden. Es ist hier aber

darauf zu achten, daß die beiden Gassäcke stets unter gleichem Druck

sind; denn sonst kann es vorkommen, daß der Inhalt des mehr beschwerten

Sackes sich in den anderen ergießt, wodurch sich eine gefährliche

explosive Gasmischung bilden würde. Einen ziemlich gleichmäßigen Druck

erhält man, wenn man die beiden Säcke aufeinander zwischen zwei Bretter

legt und beschwert. Immerhin empfiehlt es sich, in die beiden

Gasleitungen je eine Sicherheitsvorrichtung einzuschalten, die ein

Zurückschlagen der Flamme verhindert, und zwar möglichst nahe beim

Brenner. Die einfachste Vorrichtung dieser Art ist das in Fig. 98

abgebildete Sicherheitsrohr, dessen mittlerer, weiterer Teil mit

Bimsstein gefüllt ist, während ihn nach beiden Seiten hin feine

Drahtnetze abschließen. Vor Gebrauch überzeuge man sich durch

Hindurchpusten, ob sich auch der Bimsstein nicht festgestopft hat und

den Gasdruck schwächt. Sollte dieses der Fall sein, so schüttelt man,

und wenn das nicht hilft, so schraubt man das Rohr auseinander, lockert

die Stückchen und schüttet, wenn nötig, etwas davon ab.

[Illustration: Fig. 98.]

Über die Darstellung des Lichtes ist hier folgendes zu bemerken: Nachdem

die Wasserstoff- bezw. Leuchtgasflamme entzündet und das Kalkstück

vorgewärmt ist, läßt man den Sauerstoff langsam zu, bis das

Mischungsverhältnis zum Wasserstoff das richtige zu sein scheint. Das

anfangs unruhige Licht wird nach einigen Minuten ganz ruhig und

regelmäßig. Um das reinste Licht zu erhalten, ist etwas Übung

erforderlich. Man öffnet beide Hähne vollständig, dann schließt man den

Wasserstoff- (resp. Leuchtgas-) Hahn so weit, bis das Licht intensiv und

rein ist. Schließlich versucht man, ob man etwas Sauerstoff absperren

kann, ohne daß das Licht leidet. Zuviel von dem einen oder anderen Gas

erzeugt Zischen, was nicht stattfinden darf. Zuviel Wasserstoff erkennt

man an einer reichlichen roten Flamme um das Kalkstück, während sich

Überschuß von Sauerstoff an der Abwesenheit der roten Flamme und

mangelhaftem Licht bemerkbar macht. Man merke sich ja, daß hier zum

Auslöschen stets zuerst der Sauerstoffhahn geschlossen werden muß.

Bezüglich des Druckes, unter welchen man die Gase stellt, gilt dasselbe,

was soeben über das Arbeiten mit dem Äthersaturator gesagt wurde. Eins

ist noch zu beachten: In dem Maße, wie die Gassäcke sich leeren, läßt

auch der Druck nach. Man tut daher gut, die Hähne der Säcke nach und

nach weiter zu öffnen und wenn sie halb leer geworden sind, ein weiteres

Gewicht von einem Viertel des ursprünglichen darauf zu stellen.

Beim Sicherheitsbrenner, den man benutzt, wenn Leuchtgas aus der

Rohrleitung oder Wasserstoff aus dem Gasometer entnommen wird, verfährt

man in gleicher Weise. Das Zustandebringen des schönsten, reinsten

Lichtes hängt auch hier ab von der richtigen Regulierung der Hähne, von

dem Druck, unter welchem die Gase stehen, und von der richtigen

Entfernung zwischen Spitze des Brenners und Kalkstück. Falsche

Einstellung macht sich beim Sicherheitsbrenner leicht durch einen

schwarzen Fleck im Lichte bemerkbar; wenn sich ein solcher zeigt, muß

man den Sauerstoffhahn etwas abstellen. Bei Benutzung von Leuchtgas kann

zuweilen ein Nachregulieren am linken Brennerhahn notwendig sein, wenn

sich nämlich der Druck in der Gasleitung ändern sollte. Eine solche

Druckveränderung macht sich besonders bemerkbar, wenn die Rohrleitung

eng ist und in der Nähe mehrere Gasflammen angezündet oder ausgedreht

werden.

Erfolgreich wird auch Azetylen-Kalklicht unter Verwendung des

Sauerstoff-Gasometers oder Gassacks hergestellt. Es wird dabei ein

Spezial-Brenner benutzt, der dem Sicherheitsbrenner ähnlich ist und bei

dem sich die Gase erst außerhalb der Brennerspitze treffen. Auch hier

ist in die Schlauchleitung, die vom Azetylenapparat zum Brenner führt,

eine Wolfsche Flasche einzuschalten. Das erzielte Licht ist sehr

kräftig.

Die Einstellung der Lichtquelle.

Auf eine genaue Einstellung der Lichtquelle ist der größte Wert zu

legen. Die Lampe muß so im Apparat stehen, daß auf der Wand ein schönes,

gleichmäßig weißes Bildfeld erscheint, wenn kein Film oder Bild

eingesetzt ist. Bei falscher Einstellung zeigen sich blaue Flecken oder

ein gelbroter Rand, fehlerhafte Erscheinungen, über welche die

untenstehende Abbildung Fig. 99 Aufschluß geben mag. Bei 1 steht die

Lampe zu weit rechts, 2 zu weit links, 3 zu hoch, 4 zu tief, 5

(gelbroter Rand) zu weit vom Kondensor, 6 und 7 (blauer Flecken) zu nahe

am Kondensor und bei 8 richtig. Als allgemeine Regel kann man sich

folgende merken: Wenn rundum ein blauer Ring sich zeigt, steht die Lampe

zu nahe am Kondensor, zeigt sich ein roter Ring, steht sie zu weit;

zeigt sich ein sichelförmiger Schatten, so muß man die Lampe immer in

entgegengesetzter Richtung bewegen, also ist beispielsweise der Schatten

oben, so muß man das Licht etwas senken.

[Illustration: Fig. 99.]

Man gebe sich beim Einstellen nicht mit halber Arbeit zufrieden, sondern

zentriere recht sorgsam; es ist Sache einiger Augenblicke und lohnt

durch schöne, klare Bilder.

Manche Kinematograph-Mechanismen haben eine Einstellvorrichtung für das

Filmbild, die darin besteht, daß sich der Rahmen, in dem das Bild sitzt,

heben oder senken läßt. Wenn man nun während der Projektion diese

Vorrichtung benutzt, so wird es leicht vorkommen, daß sich nach der

Verstellung des Rahmens in den beiden oberen oder unteren Ecken ein

gelbroter Schatten zeigt. Diese Erscheinung ist darauf zurückzuführen,

daß man die Rahmenöffnung aus dem Beleuchtungsfelde herausgebracht hat;

um sie zu vermeiden, ist es erforderlich, beim Zentrieren der

Lichtquelle den Rahmen nach oben und unten zu verstellen und die Lampe

so einzurichten, daß das Bildfeld dabei stets ganz weiß bleibt. Wenn

dies nicht geht, so muß man sich nötigenfalls dadurch helfen, daß man

bei jeder Verstellung des Rahmens die Lichtquelle nachzentriert und so

die roten Ecken beseitigt.

Kann man kein gleichmäßig beleuchtetes Feld erzielen, so gilt es zu

prüfen, woran der Fehler liegt. Auf jeden Fall ist dann die optische

Anordnung des Apparates nicht richtig. Entweder ist der

Kinematograph-Mechanismus zu nahe oder zu weit vom Kondensor oder aber

die Brennweite des Kondensors paßt nicht zu derjenigen des Objektives.

In beiden Fällen muß Abhilfe geschaffen werden, wenn man ein gutes

Resultat erzielen will. Ist der Apparat mit einer Einrichtung zur

Projektion stehender Lichtbilder ausgerüstet, so muß die Einstellung der

Lampe auch für diese Projektionsart stimmen.

Ausrüstungs-Gegenstände und Aufstellung des Apparates.

Das Stativ.

Handbuch der praktischen Kinematographie Die verschiedenen Konstruktions-Formen des Kinematographen, die Darstellung der lebenden Lichtbilder sowie das ... · 第 13 / 26 题