Indem die höheren Geister nicht bloß in einzelnen Menschen wohnen,
sondern indem jeder sich in mehrere hineinverzweigt, sind sie es, die
diese Menschen auf geistige Weise verknüpfen, sei es zu #einer# Form des
Glaubens, oder #einer# Wahrheit, #einer# moralischen oder politischen
Bestrebung. Alle Menschen, die irgendeine geistige Gemeinschaft
miteinander haben, gehören zum Leibe eines und desselben Geistes
zusammen und gehorchen der Idee, die von ihm in sie eingegangen ist, wie
zusammengehörige Glieder. Oft lebt eine Idee in einem ganzen Volke auf
einmal, oft wird eine Masse Menschen zu einer und derselben Tat
begeistert: das ist ein mächtiger Geist, der sie alle überkommt, in alle
epidemisch hineinstrahlt. Freilich nicht bloß durch die Geister der
Toten geschehen diese Verknüpfungen, sondern unzählige neugeborene
Ideen wirken von den Lebenden in die Lebenden hinein; aber alle diese
Ideen, die vom Lebenden in die Welt gehen, sind ja schon Glieder seines
künftigen geistigen Organismus.
Wenn nun zwei verwandte Geister in der Menschheit sich begegnen und
durch ihre gemeinschaftlichen Momente verwachsen, indes sie sich
zugleich durch ihre verschiedenartigen wechselseitig bestimmen und
bereichern, so treten zugleich die Gesellschaften, Geschlechter, Völker,
denen sie erst einzeln innewohnten, in geistige Gemeinschaft und
bereichern sich durch ihr geistiges Besitztum. So geht die Entwickelung
des Geisterlebens dritter Stufe in der Menschheit untrennbar mit der
Entwickelung, dem Fortschritte der Menschheit Hand in Hand. Die
allmähliche Ausbildung des Staats, der Wissenschaften, der Künste, des
menschlichen Verkehrs, die Organisation dieser Lebenssphären zu immer
größern harmonisch gegliederten Ganzen ist die Folge dieses
Zusammenwachsens von unzähligen geistigen Individualitäten, die in der
Menschheit leben und weben, zu größern geistigen Organismen.
Wie möchten auch sonst jene großartigen Sphären sich nach so
unwandelbaren Ideen herausgestalten aus dem wirren egoistischen Treiben
der einzelnen, die mit ihrem kurzsichtigen Auge in der Mitte nicht den
Umfang und im Umfang nicht die Mitte erblicken, wenn nicht die klar
durch das Ganze schauenden höhern Geister durchwirkten durch das
Getriebe, und indem sie sich alle um das gemeinsame göttliche Zentrum
drängen, und dabei zusammenfließen mit ihren göttlichen Teilen, auch die
Menschen, in denen sie wirken, dem höhern Ziele vereint zuführten.
Aber neben der Harmonie der Geister, die sich freundlich begegnen und
gatten, besteht auch ein Kampf der Geister, deren Wesen im Widerspruch
ist, ein Kampf, in dem alles in endlichem Zwist Befangene sich zuletzt
aufreiben wird, damit das Ewige in seiner Reinheit allein übrigbleibe.
Auch dieses Kampfes Spuren zeigt die Menschheit auf im Streit der
Systeme, im Haß der Sekten, in den Kriegen und Empörungen zwischen den
Fürsten und Völkern und den Völkern untereinander.
In alle diese großen geistigen Bewegungen tritt die Masse der Menschen
hinein mit blindem Glauben, mit blindem Gehorsam, mit blindem Haß, mit
blinder Wut; sie hört nicht und sieht nicht mit den Ohren und Augen des
eignen Geistes; sie wird getrieben von fremden Geistern nach Zwecken und
Zielen, von denen sie selbst nicht weiß, sie läßt sich führen durch
Sklaverei und Tod und greuliche Drangsale, wie eine Herde folgend dem
Antriebe der höhern Geister.
Freilich gibt es auch Menschen, die mit klarem Selbstbewußtsein und mit
innerer Selbständigkeit handelnd und leitend in diese große Bewegung
eingreifen. Aber sie sind nur freiwillige Mittel zu großen vorbestimmten
Zwecken; durch ihr freies Handeln zwar vermögend, die Art und
Schnelligkeit, aber nicht das Ziel des Fortschritts zu bestimmen. Nur
die haben Großes in der Welt gewirkt, welche die geistige Richtung der
Gegenwart, in der sie lebten, erkannt und ihr freies Handeln und Denken
nach dieser Richtung gelenkt haben; wohl ebenso große Menschengeister,
die ihr widerstrebten, sind untergegangen. Jene hat sich der Geist, der
die besseren Ziele setzt und bessern Wege dazu kennt, zu neuen
Mittelpunkten seiner bewegenden Kraft ausersehen; nicht als blinde
Werkzeuge, sondern als solche, welche aus eignem Antriebe und mit eignem
Verstande seinen Rechten und seiner Weisheit dienen. Nicht der
gezwungene Sklave verrichtet den bessern Dienst. Womit sie aber Gott
diesseits zu dienen beginnen, das werden sie jenseits als Teilhaber
seiner himmlischen Herrschaft weiter führen.