Der Mensch verbraucht viele Mittel zu #einem# Zwecke; Gott dient #ein#
Mittel zu vielen Zwecken.
Die Pflanze denkt, sie sei bloß für sich da, zu wachsen, im Winde sich
zu schaukeln, Licht und Luft zu trinken, Düfte und Farben zu bereiten
für ihren eigenen Schmuck, mit Käfern und Bienen zu spielen; -- sie ist
auch für sich da, aber zugleich ist sie nur eine Pore der Erde, worin
sich Licht, Luft und Wasser begegnen und verwickeln in Prozessen,
wichtig für das ganze Erdenleben; sie ist da, um für die Erde
auszudünsten, zu atmen, ihr ein grünes Kleid zu weben und Menschen und
Tieren Stoff zu Nahrung, Kleidung und Wärme darzubieten.
Der Mensch denkt, er sei bloß für sich da, sich zu vergnügen, zu wirken
und zu schaffen für sein eignes leibliches und geistiges Wachstum; -- er
ist auch für sich da, aber zugleich ist sein Leib und Geist nur eine
Wohnung, worein höhere fremde Geister eintreten, sich verwickeln und
entwickeln und allerlei Prozesse untereinander treiben, die zugleich das
Fühlen und Denken des Menschen sind und ihre höhere Bedeutung für die
dritte Lebensstufe haben.
Des Menschen Geist ist ununterscheidbar zugleich sein Eigentum und das
Eigentum jener höheren Geister, und was darin vorgeht, gehört stets
beiden zugleich an, aber auf verschiedene Weise.
Gleichwie in dieser Figur, die kein #Abbild#, sondern nur ein Symbol
oder #Gleichnis# sein soll, der in der Mitte stehende bunte (hier
schwarz scheinende) sechsstrahlige Stern als ein Selbständiges, seine
innere Einheit in sich Tragendes, betrachtet werden kann, dessen
Strahlen alle von seinem Mittelpunkt abhängig und einheitlich dadurch
verknüpft sind, anderseits aber doch wieder zusammengeflossen erscheint
aus der Verkettung der sechs einfach gefärbten Kreise, deren jeder auch
seine innere Einheit für sich hat, und wie jeder Strahl desselben sowohl
ihm selbst als den Kreisen, durch deren Ineinandergreifen er entsteht,
angehört, so ist es mit der menschlichen Seele.
[Illustration]
Der Mensch weiß oft nicht, woher ihm seine Gedanken kommen, es fällt ihm
etwas ein; es wandelt ihn eine Sehnsucht, eine Bangigkeit oder Lust an,
von der er sich keine Rechenschaft zu geben vermag; es drängt ihn eine
Macht zu handeln oder es mahnt ihn eine Stimme davon ab, ohne daß er
sich eines eignen Grundes bewußt ist. Das sind Anwandlungen von
Geistern, die in ihn hineindenken, in ihn hineinhandeln von einem andern
Mittelpunkte aus, als seinem eignen. Noch augenfälliger werden ihre
Wirkungen in uns, wenn in abnormen Zuständen (des Schlafwachens oder
geistiger Krankheit) das eigentlich gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis
zwischen ihnen und uns sich zu ihren Gunsten entschieden hat, so daß wir
nur noch passiv aufnehmen, was uns von ihnen zufließt, ohne Rückwirkung
von unserer Seite.
Solange aber der menschliche Geist wach und gesund ist, ist er nicht das
willenlose Spiel oder Produkt der Geister, die in ihn hineinwachsen oder
aus denen er zusammengewachsen erscheint; sondern das, was ebendiese
Geister verknüpft, der unsichtbare urlebenskräftige Mittelpunkt voll
geistiger Anziehungskraft, in den alle zusammenströmen, in dem sich alle
kreuzen und durch wechselseitigen Verkehr miteinander die Gedanken
zeugen, dieser ist nicht erst durch die Kreuzung der Geister entstanden,
sondern ist dem Menschen als sein Ureigentum bei der Zeugung eingeboren;
und der freie Wille, die Selbstbestimmung, das Selbstbewußtsein, die
Vernunft und der Grund aller geistigen Vermögen liegen hierin enthalten.
Aber alles das liegt bei der Geburt noch darin wie in einem
unaufgeschlossenen Keime, erst harrend der Entwickelung zum Organismus
voll lebensvoller individueller Wirklichkeit. Sowie der Mensch in das
Leben getreten ist, spüren es die fremden Geister und drängen sich von
allen Seiten heran und suchen seine Kraft zu der ihrigen zu machen, um
durch sie ein Moment ihrer selbst zu verstärken, aber indem ihnen dies
gelingt, wird zugleich dies Moment Eigentum des Menschengeistes selbst,
wird ihm eingebildet und trägt zu seiner Entwickelung bei.
Die in den Menschen eingewachsenen fremden Geister sind ebensowohl,
obschon in anderer Weise, dem Einflusse des menschlichen Willens
unterworfen, als der Mensch von fremden Geistern abhängig ist; er kann
ebensowohl aus der Mitte seines geistigen Seins Neues in die in ihm
verknüpften Geister hineingebären, als diese auf sein Innerstes
bestimmend einwirken können; aber in dem harmonisch entwickelten
Geistesleben hat kein Wille die Obermacht über den andern. Da jeder
fremde Geist nur einen Teil seines Selbst mit dem einzelnen Menschen in
Gemeinschaft hat, so kann der Wille des einzelnen Menschen nur einen
anregenden Einfluß auf ihn haben, der mit seinem ganzen übrigen Teile
außer dem Menschen liegt; und da jeder menschliche Geist eine
Gemeinschaft sehr verschiedener fremder Geister in sich schließt, so
kann der Wille eines einzelnen darunter auch nur einen anregenden
Einfluß auf den ganzen Menschen haben, und nur, wenn der Mensch mit
freier Willkür sich ganz seines Selbst an einzelne Geister entäußert,
wird er der Fähigkeit verlustig, sie zu bemeistern.
Nicht alle Geister können unterschiedslos in derselben Seele zur Einheit
sich verknüpfen; darum streiten sich die guten und die bösen, die wahren
und die Lügengeister um den Besitz derselben, und wer im Streite siegt,
behält das Feld. Der innere Zwiespalt, der so oft im Menschen Platz hat,
ist nichts als dieser Kampf fremder Geister, die seinen Willen, seine
Vernunft, kurz sein innerstes Wesen für sich gewinnen wollen. Wie der
Mensch die Einigung der in ihm wohnenden Geister empfindet als Ruhe,
Klarheit, Harmonie und Sicherheit seiner selbst, empfindet er ihren
Kampf in sich als Unruhe, Zweifel, Schwanken, Verwirrung und Entzweiung
seines Innern. Aber nicht als müheloser Preis oder träge Beute fällt er
den stärkeren Geistern in diesem Streite anheim, sondern mit dem Quell
selbsttätiger Kraft im Mittelpunkte seines Wesens steht er zwischen den
entgegenstrebenden Kräften inne, die ihn an sich ziehen wollen, und
streitet mit für welchen Teil er will, und vermag so den Sieg auch für
den schwächern Antrieb zu entscheiden, indem er ihm seine Kraft gegen
den stärkeren beigesellt. So bleibt das Selbst des Menschen inmitten des
Geisterstreites ungefährdet, solange er sich die angeborene Freiheit
seiner Kraft bewahrt und nicht müde wird, sie zu gebrauchen. Fällt er
dennoch so oft den bösen Geistern anheim, so ist es darum, weil die
Kraftentwickelung aus seinem Innern mit Mühseligkeit verbunden ist; und
so reicht, um böse zu werden, oft hin, nur faul und lässig zu sein.
Je besser der Mensch schon ist, um so leichter wird es ihm, noch besser
zu werden, und je schlechter er ist, um so leichter verdirbt er ganz und
gar. Denn der gute Mensch hat schon viel gute Geister in sich
aufgenommen, die sich nun mit ihm verbünden gegen die zurückgebliebenen
und die neu andrängenden bösen Geister, und ihm die Kraftentwickelung
aus seinem Innern ersparen. Der Gute tut das Gute ohne Mühe; seine
Geister tun es für ihn; der Schlechte muß aber erst aus innerer Kraft
alle bösen Geister dämpfen und überwinden, die ihm dabei
entgegenstreben.
Zudem sucht und knüpft sich Verwandtes an Verwandtes und flieht sein
Gegenteil, wenn es dasselbe nicht zwingt. Die guten Geister in uns
locken die guten Geister außer uns, und die bösen Geister in uns das
Böse außer uns. Gern kehren die reinen Geister in eine reine Seele ein,
und an dem Bösen in uns faßt uns das Böse außer uns. Haben die guten
Geister erst in unserer Seele überhand genommen, so flieht bald von
selbst auch der letzte Teufel, der noch darin zurückgeblieben ist, es
ist ihm in der guten Gesellschaft nicht geheuer; und so wird die Seele
guter Menschen eine reine himmlische Wohnung für selige darin
beieinander wohnende Geister. Aber auch die guten Geister, wenn sie
verzweifeln, den übermächtig gewordenen bösen eine Seele abzustreiten,
überlassen sie ihnen allein, und so wird sie zuletzt zu einer Hölle,
einem Orte bloß für die Qualen der Verdammten. Denn die Pein des
Gewissens und die innere Zerstörung und Ruhelosigkeit in der Seele der
Bösen sind Schmerzen, welche nicht diese allein, sondern mit noch
bitterem Wehe die verdammten Geister in ihnen fühlen.