Ungeachtet der vielen Störungen, mit welchen die Beobachtung zu kämpfen

hatte, geht doch so viel aus diesem Versuche hervor, dass die

Entwicklung der Hybriden in Bezug auf jene Merkmale, welche die Gestalt

der Pflanze betreffen, nach demselben Gesetze wie bei Pisum erfolgt.

Rücksichtlich der Farbenmerkmale scheint es allerdings schwierig zu

sein, eine genügende Uebereinstimmung aufzufinden: Abgesehen davon, dass

aus der Verbindung einer weissen und purpurrothen Färbung eine ganze

Reihe von Farben hervorgeht, von Purpur bis Blassviolett und Weiss, muss

auch der Umstand auffallen, dass unter 31 blühenden Pflanzen nur eine

den recessiven Charakter der weissen Färbung erhielt, während das bei

Pisum durchschnittlich schon an jeder vierten Pflanze der Fall ist.

Aber auch diese räthselhaften Erscheinungen würden sich wahrscheinlich

nach dem für Pisum geltenden Gesetze erklären lassen, wenn man voraussetzen

dürfte, dass die Blumen- und Samenfarbe des Ph. multiflorus aus zwei oder

mehreren ganz selbstständigen Farben zusammengesetzt sei, die sich einzeln

ebenso verhalten, wie jedes andere constante Merkmal an der Pflanze. Wäre

die Blüthenfarbe _A_ zusammengesetzt aus den selbstständigen Merkmalen

_A__{1} + _A__{2} + ....., welche den Gesammteindruck der purpurrothen

Färbung hervorrufen, so müssten durch Befruchtung mit dem differirenden

Merkmale der weissen Farbe _a_ die hybriden Verbindungen _A__{1}_a_ +

_A__{2}_a_ + .... gebildet werden, und ähnlich würde es sich mit der

correspondirenden Färbung der Samenschale verhalten. Nach der obigen

Voraussetzung wäre jede von diesen hybriden Farbenverbindungen

selbstständig und würde sich demnach ganz unabhängig von den übrigen

entwickeln. Man sieht dann leicht ein, dass aus der Combinirung der

einzelnen Entwicklungsreihen eine vollständige Farbenreihe hervorgehen

müsste. Wäre z. B. _A_ = _A__{1} + _A__{2}, so entsprechen den Hybriden

_A__{1}_a_ und _A__{2}_a_ die Entwicklungsreihen

_A__{1} + 2_A__{1}_a_ + _a_

_A__{2} + 2_A__{2}_a_ + _a_.

Die Glieder dieser Reihen können in 9 verschiedene Verbindungen treten und

jede davon stellt die Bezeichnung für eine andere Farbe vor:

1_A__{1}_A__{2} 2_A__{1}_aA__{2} 1_A__{2}_a_

2_A__{1}_A__{2}_a_ 4_A__{1}_aA__{2}_a_ 2_A__{2}_aa_

1_A__{1}_a_ 2_A__{1}_aa_ 1_aa_.

Die den einzelnen Verbindungen vorausgesetzten Zahlen geben zugleich an,

wie viele Pflanzen mit der entsprechenden Färbung in die Reihe gehören. Da

die Summe derselben 16 beträgt, so sind sämmtliche Farben im Durchschnitte

auf je 16 Pflanzen vertheilt, jedoch, wie die Reihe selbst zeigt, in

ungleichen Verhältnissen.

Würde die Farbenentwicklung wirklich in dieser Weise erfolgen, so könnte

auch der oben angeführte Fall eine Erklärung finden, dass nämlich die

weisse Blüthen- und Hülsenfarbe unter 31 Pflanzen der ersten Generation

nur einmal vorkam. Diese Färbung ist in der Reihe nur einmal enthalten,

und könnte daher auch nur im Durchschnitte unter je 16, bei drei

Farbenmerkmalen sogar nur unter 64 Pflanzen einmal entwickelt

werden.[23]

Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die hier versuchte Erklärung

auf einer blossen Vermuthung beruht, die weiter nichts für sich hat, als

das sehr unvollständige Resultat des eben besprochenen Versuches. Es wäre

übrigens eine lohnende Arbeit, die Farbenentwicklung der Hybriden durch

ähnliche Versuche weiter zu verfolgen, da es wahrscheinlich ist, dass wir

auf diesem Wege die ausserordentliche Mannigfaltigkeit in der =Färbung

unserer Zierblumen= begreifen lernen.

Bis jetzt ist mit Sicherheit kaum mehr bekannt, als dass die Blüthenfarbe

bei den meisten Zierpflanzen ein äusserst veränderliches Merkmal ist. Man

hat häufig die Meinung ausgesprochen, dass die Stabilität der Arten durch

die Cultur in hohem Grade erschüttert oder ganz gebrochen werde, und ist

sehr geneigt, die Entwicklung der Culturformen als eine regellose und

zufällige hinzustellen; dabei wird gewöhnlich auf die Färbung der

Zierpflanzen, als Muster aller Unbeständigkeit, hingewiesen. Es ist jedoch

nicht einzusehen, warum das blosse Versetzen in den Gartengrund eine so

durchgreifende und nachhaltige Revolution im Pflanzenorganismus zur Folge

haben müsse. Niemand wird im Ernste behaupten wollen, dass die Entwicklung

der Pflanze im freien Lande durch andere Gesetze geleitet wird, als im

Gartenbeete. Hier wie dort müssen typische Abänderungen auftreten, wenn die

Lebensbedingungen für eine Art geändert werden und diese die Fähigkeit

besitzt, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Es wird gerne zugegeben,

dass durch die Cultur die Entstehung neuer Varietäten begünstigt und durch

die Hand des Menschen manche Abänderung erhalten wird, welche im freien

Zustande unterliegen müsste, allein nichts berechtigt uns zu der Annahme,

dass die Neigung zur Varietätenbildung so ausserordentlich gesteigert

werde, dass die Arten bald alle Selbstständigkeit verlieren und ihre

Nachkommen in einer endlosen Reihe höchst veränderlicher Formen aus

einander gehen. Wäre die Aenderung in den Vegetationsbedingungen die

alleinige Ursache der Variabilität, so dürfte man erwarten, dass jene

Culturpflanzen, welche Jahrhunderte hindurch unter fast gleichen

Verhältnissen angebaut wurden, wieder an Selbstständigkeit gewonnen hätten.

Das ist bekanntlich nicht der Fall, da gerade unter diesen nicht bloss die

verschiedensten, sondern auch die veränderlichsten Formen gefunden

werden. Nur die Leguminosen wie Pisum, Phaseolus, Lens, deren

Befruchtungsorgane durch das Schiffchen geschützt sind, machen davon eine

bemerkenswerthe Ausnahme. Auch da sind während einer mehr als 1000jährigen

Cultur unter den mannigfaltigsten Verhältnissen zahlreiche Varietäten

entstanden, diese behaupten jedoch unter gleich bleibenden

Lebensbedingungen eine Selbstständigkeit, wie sie wild wachsenden Arten

zukommt.

Es bleibt mehr als wahrscheinlich, dass für die Veränderlichkeit der

Culturgewächse ein Factor thätig ist, dem bisher wenig Aufmerksamkeit

zugewendet wurde. Verschiedene Erfahrungen drängen zu der Ansicht, dass

unsere Culturpflanzen mit wenigen Ausnahmen =Glieder verschiedener

Hybridreihen= sind, deren gesetzmässige Weiterentwicklung durch häufige

Zwischenkreuzungen abgeändert und aufgehalten wird. Es ist der Umstand

nicht zu übersehen, dass die cultivirten Gewächse meistens in grösserer

Anzahl neben einander gezogen werden, wodurch für die wechselseitige

Befruchtung zwischen den vorhandenen Varietäten und mit den Arten selbst

die günstigste Gelegenheit geboten wird. Die Wahrscheinlichkeit dieser

Ansicht wird durch die Thatsache unterstützt, dass unter dem grossen Heere

veränderlicher Formen immer einzelne gefunden werden, welche in dem einen

oder anderen Merkmale constant bleiben, wenn nur jeder fremde Einfluss

sorgfältig abgehalten wird. Diese Formen entwickeln sich genau eben so, wie

gewisse Glieder der zusammengesetzten Hybridreihen. Auch bei dem

empfindlichsten aller Merkmale, bei jenem der Farbe, kann es der

aufmerksamen Beobachtung nicht entgehen, dass an den einzelnen Formen die

Neigung zur Veränderlichkeit in sehr verschiedenem Grade vorkommt. Unter

Pflanzen, die aus =einer= spontanen Befruchtung stammen, giebt es oft

solche, deren Nachkommen in Beschaffenheit und Anordnung der Farben weit

auseinandergehen, während andere wenig abweichende Formen liefern, und

unter einer grösseren Anzahl einzelne getroffen werden, welche ihre

Blumenfarbe unverändert auf die Nachkommen übertragen. Die cultivirten

Dianthusarten geben dafür einen lehrreichen Beleg. Ein weiss blühendes

Exemplar von Dianthus Caryophyllus, welches selbst von einer weissblumigen

Varietät abstammte, wurde während der Blüthezeit in einem Glashause

abgesperrt; die zahlreich davon gewonnenen Samen gaben Pflanzen mit

durchaus gleicher weisser Blüthenfarbe. Ein ähnliches Resultat wurde

von einer rothen, etwas ins Violette schimmernden und einer weissen, roth

gestreiften Abart erhalten. Viele andere hingegen, welche auf dieselbe

Weise geschützt wurden, gaben mehr oder weniger verschieden gefärbte und

gezeichnete Nachkommen.

Wer die Färbungen, welche bei Zierpflanzen aus gleicher Befruchtung

hervorgehen, überblickt, wird sich nicht leicht der Ueberzeugung

verschliessen können, dass auch hier die Entwicklung nach einem bestimmten

Gesetze erfolgt, welches möglicherweise seinen Ausdruck in der =Combinirung

mehrerer selbstständiger Farbenmerkmale= findet.

Schlussbemerkungen.

Es dürfte nicht ohne Interesse sein, die bei Pisum gemachten Beobachtungen

mit den Resultaten zu vergleichen, zu welchen die beiden Autoritäten in

diesem Fache, _Kölreuter_ und _Gärtner_, bei ihren Forschungen gelangt

sind. Nach der übereinstimmenden Ansicht beider halten die Hybriden der

äusseren Erscheinung nach entweder die Mittelform zwischen den Stammarten,

oder sie sind dem Typus der einen oder der anderen näher gerückt, manchmal

von denselben kaum zu unterscheiden. Aus den Samen derselben gehen

gewöhnlich, wenn die Befruchtung durch den eigenen Pollen geschah,

verschiedene von dem normalen Typus abweichende Formen hervor. In der Regel

behält die Mehrzahl der Individuen aus einer Befruchtung die Form der

Hybride bei, während andere wenige der Samenpflanze ähnlicher werden und

ein oder das andere Individuum der Pollenpflanze nahe kommt. Das gilt

jedoch nicht von allen Hybriden ohne Ausnahme. Bei einzelnen sind die

Nachkommen theils der einen theils der anderen Stammpflanze näher gerückt,

oder sie neigen sich sämmtlich mehr nach der einen oder der anderen Seite

hin; bei einigen aber =bleiben sie der Hybride vollkommen gleich= und

pflanzen sich unverändert fort. Die Hybriden der Varietäten verhalten sich

wie die Specieshybriden, nur besitzen sie eine noch grössere

Veränderlichkeit der Gestalten und eine mehr ausgesprochene Neigung, zu den

Stammformen zurück zu kehren.[24]

In Bezug auf die =Gestalt= der Hybriden und ihre in der Regel erfolgende

=Entwicklung= ist eine Uebereinstimmung mit den bei Pisum gemachten

Beobachtungen nicht zu verkennen. Anders verhält es sich mit den erwähnten

Ausnahmsfällen. _Gärtner_ gesteht selbst, dass die genaue Bestimmung,

ob eine Form mehr der einen oder der anderen von den beiden Stammarten

ähnlich sei, öfter grosse Schwierigkeiten habe, indem dabei sehr viel auf

die subjective Anschauung des Beobachters ankommt. Es konnte jedoch auch

ein anderer Umstand dazu beitragen, dass die Resultate trotz der

sorgfältigsten Beobachtung und Unterscheidung schwankend und unsicher

wurden. Für die Versuche dienten grösstentheils Pflanzen, welche als gute

Arten gelten und in einer grösseren Anzahl von Merkmalen verschieden sind.

Nebst den scharf hervortretenden Charakteren müssen da, wo es sich im

Allgemeinen um eine grössere oder geringere Aehnlichkeit handelt, auch jene

Merkmale eingerechnet werden, welche oft schwer mit Worten zu fassen sind,

aber dennoch hinreichen, wie jeder Pflanzenkenner weiss, um den Formen ein

fremdartiges Aussehen zu geben. Wird angenommen, dass die Entwicklung der

Hybriden nach dem für Pisum geltenden Gesetze erfolgte, so musste die Reihe

bei jedem einzelnen Versuche sehr viele Formen umfassen, da die Gliederzahl

bekanntlich mit der Anzahl der differirenden Merkmale nach den Potenzen von

3 zunimmt. Bei einer verhältnissmässig kleinen Anzahl von Versuchspflanzen

konnte dann das Resultat nur annähernd richtig sein und in

einzelnen Fällen nicht unbedeutend abweichen. Wären z. B. die beiden

Stammarten in 7 Merkmalen verschieden und würden aus den Samen ihrer

Hybriden zur Beurtheilung des Verwandtschaftsgrades der Nachkommen 100 bis

200 Pflanzen gezogen, so sehen wir leicht ein, wie unsicher das Urtheil

ausfallen müsste, da für 7 differirende Merkmale die Entwicklungsreihe

16,384 Individuen unter 2187 verschiedenen Formen enthält. Es könnte sich

bald die eine, bald die andere Verwandtschaft mehr geltend machen, je

nachdem der Zufall dem Beobachter diese oder jene Formen in grösserer

Anzahl in die Hand spielt.

Kommen ferner unter den differirenden Merkmalen zugleich =dominirende=

vor, welche ganz oder fast unverändert auf die Hybride übergehen, dann

muss an den Gliedern der Entwicklungsreihe immer jene der beiden

Stammarten mehr hervortreten, welche die grössere Anzahl der

dominirenden Merkmale besitzt. In dem früher bei Pisum für dreierlei

differirende Merkmale angeführten Versuche gehörten die dominirenden

Charaktere sämmtlich der Samenpflanze an. Obwohl die Glieder der Reihe

sich ihrer inneren Beschaffenheit nach gleichmässig zu beiden

Stammpflanzen hinneigen, erhielt doch bei diesem Versuche der Typus der

Samenpflanze ein so bedeutendes Uebergewicht, dass unter je 64 Pflanzen

der ersten Generation 54 derselben ganz gleich kamen, oder nur in einem

Merkmale verschieden waren. Man sieht, wie gewagt es unter Umständen

sein kann, bei Hybriden aus der äusseren Uebereinstimmung Schlüsse auf

ihre innere Verwandtschaft zu ziehen.

_Gärtner_ erwähnt, dass in jenen Fällen, wo die Entwicklung eine

regelmässige war, unter den Nachkommen der Hybriden nicht die beiden

Stammarten selbst erhalten wurden, sondern nur einzelne ihnen näher

verwandte Individuen. Bei nicht sehr ausgedehnten Entwicklungsreihen konnte

es in der That nicht anders eintreffen. Für 7 differirende Merkmale z. B.

kommen unter mehr als 16,000 Nachkommen der Hybride die beiden Stammformen

nur je einmal vor. Es ist demnach nicht leicht möglich, dass dieselben

schon unter einer geringen Anzahl von Versuchspflanzen erhalten werden; mit

einiger Wahrscheinlichkeit darf man jedoch auf das Erscheinen einzelner

Formen rechnen, die demselben in der Reihe nahe stehen.

Einer =wesentlichen Verschiedenheit= begegnen wir bei jenen Hybriden,

welche in ihren Nachkommen constant bleiben und sich eben so wie die reinen

Arten fortpflanzen. Nach _Gärtner_ gehören hieher die =ausgezeichnet

fruchtbaren= Hybriden: Aquilegia atropurpurea-canadensis, Lavatera

pseudolbia-thuringiaca, Geum urbano-rivale und einige Dianthushybriden;

nach _Wichura_ die Hybriden der Weidenarten. Für die Entwicklungsgeschichte

der Pflanzen ist dieser Umstand von besonderer Wichtigkeit, weil constante

Hybriden die Bedeutung =neuer Arten= erlangen[25]. Die Richtigkeit des

Sachverhaltes ist durch vorzügliche Beobachter verbürgt und kann nicht in

Zweifel gezogen werden. _Gärtner_ hatte Gelegenheit, den Dianthus

Armeria-deltoides bis in die 10. Generation zu verfolgen, da sich derselbe

regelmässig im Garten von selbst fortpflanzte.

Bei Pisum wurde es durch Versuche erwiesen, dass die Hybriden

=verschiedenartige= Keim- und Pollenzellen bilden, und dass hierin der

Grund für die Veränderlichkeit ihrer Nachkommen liegt. Auch bei anderen

Hybriden, deren Nachkommen sich ähnlich verhalten, dürfen wir eine gleiche

Ursache voraussetzen; für jene hingegen, welche constant bleiben, scheint

die Annahme zulässig, dass ihre Befruchtungszellen gleichartig sind und mit

der Hybriden-Grundzelle übereinstimmen. Nach der Ansicht berühmter

Physiologen vereinigen sich bei den Phanerogamen zu dem Zwecke der

Fortpflanzung je eine Keim- und Pollenzelle zu einer einzigen Zelle[D],

welche sich durch Stoffaufnahme und Bildung neuer Zellen zu einem

selbstständigen Organismus weiter zu entwickeln vermag. Diese Entwicklung

erfolgt nach einem constanten Gesetze, welches in der materiellen

Beschaffenheit und Anordnung der Elemente begründet ist, die in der Zelle

zur lebensfähigen Vereinigung gelangten. Sind die Fortpflanzungszellen

gleichartig und stimmen dieselben mit der Grundzelle der Mutterpflanze

überein, dann wird die Entwicklung des neuen Individuums durch dasselbe

Gesetz geleitet, welches für die Mutterpflanze gilt. Gelingt es, eine

Keimzelle mit einer =ungleichartigen= Pollenzelle zu verbinden, so müssen

wir annehmen, dass zwischen jenen Elementen beider Zellen, welche die

gegenseitigen Unterschiede bedingen, irgend eine Ausgleichung stattfindet.

Die daraus hervorgehende Vermittlungszelle wird zur Grundlage des

Hybriden-Organismus, dessen Entwicklung nothwendig nach einem anderen

Gesetze erfolgt, als bei jeder der beiden Stammarten. Wird die Ausgleichung

als eine vollständige angenommen, in dem Sinne nämlich, dass der hybride

Embryo aus gleichartigen Zellen gebildet wird, in welchen die Differenzen

=gänzlich und bleibend vermittelt= sind, so würde sich als weitere

Folgerung ergeben, dass die Hybride, wie jede andere selbstständige

Pflanzenart, in ihren Nachkommen constant bleiben werde. Die

Fortpflanzungszellen, welche in dem Fruchtknoten und den Antheren derselben

gebildet werden, sind gleichartig und stimmen mit der zu Grunde liegenden

Vermittlungszelle überein.

[D] Bei Pisum ist es wohl ausser Zweifel gestellt, dass zur Bildung des

neuen Embryo eine vollständige Vereinigung der Elemente beider

Befruchtungszellen stattfinden müsse. Wie wollte man es sonst

erklären, dass unter den Nachkommen der Hybriden beide Stammformen

in gleicher Anzahl und mit allen ihren Eigenthümlichkeiten wieder

hervortreten? Wäre der Einfluss des Keimsackes auf die Pollenzelle

nur ein äusserer, wäre demselben bloss die Rolle einer Amme

zugetheilt, dann könnte der Erfolg einer jeden künstlichen

Befruchtung kein anderer sein, als dass die entwickelte Hybride

ausschliesslich der Pollenpflanze gleich käme, oder ihr doch sehr

nahe stände. Das haben die bisherigen Versuche in keinerlei Weise

bestätigt. Ein gründlicher Beweis für die vollkommene Vereinigung

des Inhaltes beider Zellen liegt wohl in der allseitig bestätigten

Erfahrung, dass es für die Gestalt der Hybride gleichgültig ist,

welche von den Stammformen die Samen- oder Pollenpflanze war.

Bezüglich jener Hybriden, deren Nachkommen =veränderlich= sind, dürfte

man vielleicht annehmen, dass zwischen den differirenden Elementen der

Keim- und Pollenzelle wohl insofern eine Vermittlung stattfindet, dass

noch die Bildung einer Zelle als Grundlage der Hybride möglich wird,

dass jedoch die Ausgleichung der widerstrebenden Elemente nur eine

vorübergehende sei und nicht über das Leben der Hybridpflanze

hinausreiche. Da in dem Habitus derselben während der ganzen

Vegetationsdauer keine Aenderungen wahrnehmbar sind, müssten wir weiter

folgern, dass es den differirenden Elementen erst bei der Entwicklung

der Befruchtungszellen gelinge, aus der erzwungenen Verbindung

herauszutreten. Bei der Bildung dieser Zellen betheiligen sich alle

vorhandenen Elemente in völlig freier und gleichmässiger Anordnung,

wobei nur die differirenden sich gegenseitig ausschliessen. Auf diese

Weise würde die Entstehung so vielerlei Keim- und Pollenzellen

ermöglicht, als die bildungsfähigen Elemente Combinationen zulassen.

Die hier versuchte Zurückführung des wesentlichen Unterschiedes in der

Entwicklung der Hybriden auf eine =dauernde oder vorübergehende Verbindung=

der differirenden Zellelemente kann selbstverständlich nur den Werth einer

Hypothese ansprechen, für welche bei dem Mangel an sicheren Daten noch ein

weiterer Spielraum offen stände. Einige Berechtigung für die ausgesprochene

Ansicht liegt in dem für Pisum geführten Beweise, dass das Verhalten je

zweier differirender Merkmale in hybrider Vereinigung unabhängig ist von

den anderweitigen Unterschieden zwischen den beiden Stammpflanzen, und

ferner, dass die Hybride so vielerlei Keim- und Pollenzellen erzeugt, als

constante Combinationsformen möglich sind. Die unterscheidenden Merkmale

zweier Pflanzen können zuletzt doch nur auf Differenzen in der

Beschaffenheit und Gruppirung der Elemente beruhen, welche in den

Grundzellen derselben in lebendiger Wechselwirkung stehen.

Die Geltung der für Pisum aufgestellten Sätze bedarf allerdings selbst

noch der Bestätigung, und es wäre deshalb eine Wiederholung wenigstens

der wichtigeren Versuche wünschenswerth, z. B. jener über die

Beschaffenheit der hybriden Befruchtungszellen. Dem einzelnen Beobachter

kann leicht ein Differentiale entgehen, welches, wenn es auch anfangs

unbedeutend scheint, doch so anwachsen kann, dass es für das

Gesammt-Resultat nicht vernachlässigt werden darf. Ob die veränderlichen

Hybriden anderer Pflanzenarten ein ganz übereinstimmendes Verhalten

beobachten, muss gleichfalls erst durch Versuche entschieden werden;

indessen dürfte man vermuthen, dass in wichtigen Punkten eine

principielle Verschiedenheit nicht vorkommen könne, da die =Einheit= im

Entwicklungsplane des organischen Lebens ausser Frage steht.

Zum Schlusse verdienen noch eine besondere Erwähnung die von _Kölreuter_,

_Gärtner_ u. a. durchgeführten Versuche über die =Umwandlung einer Art in

eine andere durch künstliche Befruchtung=. Diesen Experimenten wurde eine

besondere Wichtigkeit beigelegt, _Gärtner_ rechnet dieselben zu den

»allerschwierigsten in der Bastarderzeugung.«

Sollte eine Art _A_ in eine andere _B_ verwandelt werden, so wurden beide

durch Befruchtung verbunden und die erhaltenen Hybriden abermals mit dem

Pollen von _B_ befruchtet; dann wurde aus den verschiedenen Abkömmlingen

derselben jene Form ausgewählt, welche der Art _B_ am nächsten stand, und

wiederholt mit dieser befruchtet, und so fort, bis man endlich eine Form

erhielt, welche der _B_ gleichkam und in ihren Nachkommen constant blieb.

Damit war die Art _A_ in die andere Art _B_ umgewandelt. _Gärtner_ allein

hat 30 derartige Versuche mit Pflanzen aus den Geschlechtern: Aquilegia,

Dianthus, Geum, Lavatera, Lychnis, Malva, Nicotiania und Oenothera

durchgeführt. Die Umwandlungsdauer war nicht für alle Arten eine gleiche.

Während bei einzelnen eine 3malige Befruchtung hinreichte, musste diese

bei anderen 5-6mal wiederholt werden; auch für die nämlichen Arten wurden

bei verschiedenen Versuchen Schwankungen beobachtet. _Gärtner_ schreibt

diese Verschiedenheit dem Umstande zu, dass »die typische Kraft, womit eine

Art bei der Zeugung zur Veränderung und Umbildung des mütterlichen Typus

wirkt, bei den verschiedenen Gewächsen sehr verschieden ist, und dass

folglich die Perioden, innerhalb welcher und die Anzahl der Generationen,

durch welche die eine Art in die andere umgewandelt wird, auch verschieden

sein müssen, und die Umwandlung bei manchen Arten durch mehr, bei anderen

aber durch weniger Generationen vollbracht wird.« Ferner bemerkt derselbe

Beobachter, »dass es auch bei dem Umwandlungsgeschäfte darauf ankommt,

welcher Typus und welches Individuum zu der weiteren Umwandlung gewählt

wird.«

Dürfte man voraussetzen, dass bei diesen Versuchen die Entwicklung der

Formen auf eine ähnliche Weise wie bei Pisum erfolgte, so würde der

ganze Umwandlungsprocess eine ziemlich einfache Erklärung finden. Die

Hybride bildet so vielerlei Keimzellen, als die in ihr vereinigten

Merkmale constante Combinationen zulassen, und eine davon ist immer

gleichartig mit den befruchtenden Pollenzellen. Demnach ist für alle

derartigen Versuche die Möglichkeit vorhanden, dass schon aus der

zweiten Befruchtung eine constante Form gewonnen wird, welche der

Pollenpflanze gleich kommt. Ob dieselbe aber wirklich erhalten wird,

hängt in jedem einzelnen Falle von der Zahl der Versuchspflanzen ab,

sowie von der Anzahl der differirenden Merkmale, welche durch die

Befruchtung vereinigt wurden. Nehmen wir z. B. an, die für den Versuch

bestimmten Pflanzen wären in 3 Merkmalen verschieden und es sollte die

Art _ABC_ in die andere _abc_ durch wiederholte Befruchtung mit dem

Pollen derselben umgewandelt werden. Die aus der ersten Befruchtung

hervorgehende Hybride bildet 8 verschiedene Arten von Keimzellen,

nämlich:

_ABC_, _ABc_, _AbC_, _aBC_, _Abc_, _aBc_, _abC_, _abc_.

Diese werden im zweiten Versuchsjahre abermals mit dem Pollen _abc_

verbunden und man erhält die Reihe:

Versuche über Pflanzenhybriden · 第 3 / 6 段