Urkundlich lernen wir überhaupt erst 1353 einen Besitzer
von Tollenstein kennen, nämlich Hinko Berka von Dauba auf
Hohnstein, der die Burg wahrscheinlich als Lehen besaß und
auf seine Söhne vererbte; es ist also nicht unmöglich, daß
die Burg von der königlichen Kammer erbaut worden ist. Unter
Albrecht Berka wurde auf Befehl des Königs Georg von Podiebrad,
gegen den sich jener aufgelehnt hatte, die Burg anfangs Juli
1463 durch die Sechsstädte erstürmt und sodann dem hussitisch
gesinnten Heinrich Berka auf Leipa und Johann von Wartenberg
auf Tetschen in Besitz gegeben; doch trat ersterer schon am
12. Juni 1464 seinen Besitz an Johann v. Wartenberg ab, so
daß dieser der alleinige Herr dieser bedeutenden Veste wurde.
Ihm folgte noch im selben Jahre sein Sohn Christoph nach,
der aber aus den Kämpfen mit den Lausitzern nicht herauskam,
die 1469 durch 5 Tage (bis zum 1. Sept.) den Tollenstein
belagerten und das Jahr darauf bei einem zweiten Zuge auch
eroberten. Er erhielt zwar die Burg zurück, verkaufte sie
aber bald (3. Dez. 1471) an die Herzöge Albrecht und Ernst
v. Sachsen, von denen sie aber schon 1481 auf unbekannte Art
an Christoph v. Wartenberg zurückfiel. Von ihm kaufte sie,
die damals noch Lehen war und erst 1558 freivererblich wurde,
am 10. Juni 1485 Hugold v. Schleinitz, von dessen Nachkommen
wiederum 1587 Georg Mehl v. Strelitz, unter welchem bereits
Schloß und Stadt Rumburg den Mittelpunkt der Herrschaft
bildete und dauernd von der Herrschaft Schluckenau, mit der
sie seit 1451 vereinigt gewesen, getrennt blieb. In Folge
Verschuldung ging die Herrschaft in die Hände von Gläubigern,
endlich 1602 (von Lorenz Stark v. Starkenfels) an den Grafen
Radislaus Kinsky, den späteren Besitzer der Herrschaft Kamnitz
über. Nach der Ermordung Wilhelm Kinsky's in Eger erhielt der
Oberst der Wiener Stadtgarden, Hans Leonhard Löbel Freih. v.
Greinburg 1637 die konfiszierte Herrschaft. Unter ihm ward die
alte schöne Veste zur Ruine. Im Jahre 1642 nämlich hielten
kaiserliche Truppen unter Oberst Matlohe die Burg besetzt und
beunruhigten von da aus die fouragierenden Schweden unter
Wrangel, so daß letzterer das Schloß »mit glühenden Kugeln«
in Brand schießen ließ. Das öde Schloß ging 1656 an den
Schwiegersohn Löbel's, den Grafen Franz Eusebius v. Pötting,
und 1681 von dessen Sohne käuflich an den Fürsten Florian v.
Liechtenstein über, bei dessen Nachkommen es bis heute als
Bestandteil der Fideikommißherrschaft Rumburg blieb, deren
Besitzer seit 1858 Johann II. v. Liechtenstein, Souverän von
Vaduz, ist.
Die historische Stätte, welche seit ihrer Verödung vielfach von
verdächtigem Gesindel und von Schatzgräbern aufgesucht und geschädigt
wurde, deren Überbleibsel zum Teil auch mit Vorliebe als Baumateriale
von neuen Ansiedlern im Dorfe benützt wurden, erhielt am 19. und 21.
Sept. 1779 den Besuch des unvergeßlichen Kaisers Josef II., als dieser
einmal von Neuhütte her über Georgental nach Rumburg, das anderemal vom
Tannenberge herab über den Kreuzberg und Obergrund nach Schönlinde ritt.
Diesen geschichtlichen Erinnerungen nachhängend, verlassen wir das
alte Gemäuer und folgen dem blauen Kamme weiter. Unser Weg führt --
falls wir nicht auf direktem Wege, der alten Rumburger Straße, durch
das Dorf nach +Georgental+ (30 Min.) wollen -- am Fuße des Berges zum
Kretscham, dem alten =Tollensteiner Erbgericht=, einem durch seinen
Umfang auffallenden Hause, wo Ende des 17. Jahrh. Glieder der Familie
Süßmilch, aus welcher der berühmte Statistiker Probst Joh. Peter
Süßmilch (1707--1767) stammt, das Erbrichteramt ausübten. Auf der dem
Wege zugekehrten Wandfläche des Stalles ist eine regelmäßig viereckige,
wohl meterhohe und 0·5 _m_ breite Sandsteinplatte eingemauert, die sich
ehedem über dem Torwege des Schlosses befand, und auf der das (durch
Farben aufgeputzte) Wappen der Berka von Dauba erhaben ausgehauen ist.
Die Zahl 1116 darunter hat keine historische Berechtigung und wurde
später von dem Erbauer des »alten Gerichts« hinzugefügt, welcher sich
die Platte gleichzeitig mit anderen Burgtrümmern zum Baue ausgesucht
hatte.
Wir verfolgen nun, unser nächstes Ziel, den mächtigen Tannenberg, vor
Augen, auf der alten Rumburger Straße denselben Weg, der in 40 Min.
zur +Bahnstation Tannenberg+ führt. Nach 5 Min. biegen wir r. davon
ab und erreichen geradeaus nach wenigen Min. den Waldrand. Durch
einen schönen Buchenlaubengang gelangen wir in 8 Min. aufwärts auf
eine Waldblöße, der Hauptwasserscheide zwischen Elbe und Oder, wo ein
Fahrweg r. zum +Tannenberger Jägerhause+, das schon 1740 bestand, l.
zur Station Tannenberg führt. Wir kreuzen diesen, biegen in stämmigen
Hochwald ein und sind nach 5 Min. am östl. Fuße des +Tannenberges+,
wo r. ein Touristenweg von Georgental einmündet. Hier beginnt der
1887 angelegte eigentliche Aufstieg zwischen Gerölle und schütterem
Gesträuch, darunter die seltenere schwarzbeerige Heckenkirsche
(~Lonicera nigra L.~). Nach 20 Min. mündet l. der Touristenweg von
Kleinsemmering-Tannendorf, und nach weiteren 6 Min. ist der Gipfel
erreicht.
Der =Tannenberg= ist einer der höchsten Punkte (770 _m_) in der
Zentralgruppe des Elbesandsteingebirges und wird wohl auch der »Rigi«
Nordböhmens genannt. Er wird nur von der Lausche und der Finkenkoppe
an Höhe übertroffen und sitzt dem nördlichen, von Neuhütte bis zum
Steinhübel bei Schönlinde reichenden Rücken auf. Die oberen zwei
Drittel des Berges bestehen aus Klingstein, der Krystalle von glasigem
Feldspat und gelbem Titanit einschließt und in oft mehrere Quadratmeter
großen Platten mauerartig ansteht, sonst aber als Gerölle die Lehnen
bedeckt und den Berg von weitem kahl erscheinen läßt. Auf diesem
Gestein findet sich an schattigen Stellen, besonders am Westabhange,
die schon beim Hochwald erwähnte wohlriechende Veilchenflechte (~Byssus
Jolithus L.~). Das untere Drittel des Berges wird von mächtigen,
durch besondere Festigkeit sich auszeichnenden Sandsteinbänken
gebildet, die an der Südseite in einem weithin sichtbaren, großartigen
+Steinbruche+, worin an hundert Arbeiter beschäftigt zu werden pflegen,
zu Stiegenstufen, Tür- und Fenstergewänden ausgenützt werden. Die
Zufahrt zu diesem Bruche kreuzten wir beim Aufstiege in der Nähe des
Jägerhauses. Die zum Spreegebiete gehörigen Quellen am »schwarzen
Born« auf der Westseite des Berges wurden 1903 für eine Leitung nach
Georgental gefaßt.
Die Gipfelfläche des Berges ist fast durchwegs mit Nadelwald --
hauptsächlich Tannen, von denen der Berg den Namen erhalten haben mag
-- bestanden, weshalb eine vollkommene Rundsicht von einem Punkte
aus nicht ermöglicht ist; man kann sich jedoch dieselbe von drei
verschiedenen Stellen aus so ziemlich ergänzen, nämlich auf der
Westseite, wo die Touristenwege von Nord und Süd heraufkommen, auf
einer Lichtung im Nordosten, wo früher eine Steinpyramide errichtet
war, endlich östlich bei der 1888 errichteten Schutzhütte auf dem
ungemein lauschigen »Fürstenplatze«. Durch den am 14. Sept. 1891
eröffneten, mit einem Kostenaufwande von 10400 ~K~ vom Gebirgsvereine
für das nördlichste Böhmen erbauten steinernen +Aussichtsturm+
(Eintritt 20 ~h~) ist für den vollkommensten Genuß der Rundsicht, und
durch die neben dem Turme vom früheren Herrschaftsbesitzer Fürsten
Ferdinand Kinsky erbaute +Gastwirtschaft+ (mit Nachtherberge bis zu
30 Personen) nebst Veranden (mit freier Aussicht) nicht bloß für die
Bedürfnisse der Touristen auch Winters, sondern auch für längeren
Aufenthalt zum Genusse einer Luftkur vorgesorgt. Der ebenso solide wie
zierliche Turm ist rund, vier Stockwerke hoch und endet, 23 _m_ hoch,
in eine Plattform, die mit einer hohen Brustwehr umgeben ist und ein
4 _m_ hohes Lichttürmchen in der Mitte trägt. Der Aufstieg über 125
Stufen ist sehr bequem und sicher. Die Besucherzahl beträgt jährlich im
Durchschnitte 5000. Die +Rund- und Fernsicht+ ist umfassend und durch
überaus malerische Durchblicke ausgezeichnet, so daß schon Kaiser Josef
II., welcher am 21. Sept. 1779 bei seiner Bereisung des nördlichen
Böhmens auf dem Tannenberge weilte, des Lobes darüber voll war. Der
Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen hat eine vom Georgentaler
Lehrer Heinrich Müller sorgfältig gezeichnete Rundschau, auf
lithographischem Wege vervielfältigt, herausgegeben, die beim Turmwart
um 20 ~h~ zu haben ist.
Süd: Mittelberg und gr. Eibenberg vor dem Hackelsberge,
dazwischen ein Teil des Kirchdorfes Falkenau mit dem Buchberge;
zwischen diesem und dem Breitfelde (r.) die Spitze des
Langenauer Berges; über dem Breitfelde der Wilsch; hinter dem
Blottendorfer und dem mit ihm zusammenhängenden Sonneberger
Rücken liegt quer der Koselrücken, dem die Ruine des
dahinterliegenden Ronberges in der Mitte aufzusitzen scheint,
überwölbt von der kapellengekrönten Glocke des Georgsberges im
Hintergrunde; weiter r. Steinschönau hinter dem gleichnamigen
Berge; dahinter der Hofberg bei Sandau, r. davon hinten der
Geltsch jenseits der Rabensteiner und Hundorfer Höhe, und
hinter ihm die doppeltürmige Hasenburg bei Lobositz. Südwest:
Vorn der kl. Schöber, dahinter der schwarze Himpelberg, links
davon der Schindlhengst zwischen kl. (r.) und gr. Ahrenberg;
r. über letzteren hinaus der Donnersberg weit draußen; r.
hinter dem kl. Schöber der betürmte Kaltenberg, l. davon
der Borschen bei Bilin als Abschluß einer Talsenkung, die
von kulissenförmig hinter einander geschobenen Höhenzügen
gebildet wird (l. Bockner Höhe, Kronhübel, Reichner Höhe,
Zinkensteinrücken, Nemschner Hochebene und hohe Wostrai,
r. Parlosa, Tannbusch bei Wöhlen, Hortau, Siebenberge,
Padloschin); r. vom Kaltenberge der Rosenberg (Turm), zwischen
beiden der betürmte Schneeberg vor der Erzgebirgswand. West:
Das Kreibitztal mit Oberkreibitz, Schönfeld (l. davon), Stadt
Kreibitz (teilweise vom Plissenberge verdeckt), Niederkreibitz,
Rennersdorf mit dem Kreuzberge, hinten der gr. Zschirnstein; r.
von Rennersdorf die Dittersbacher Felsen, die Prebischwände,
die beiden Winterberge mit dem Lilienstein und Höhen von
Dresden (Windberg), dazwischen und mit dem Königstein hinter
Pabst- und Pfaffenstein zur Linken. Nordwest: Kleinsemmering
mit dem Bahnhofe Schönfeld zwischen Plissen- und Fladenberg;
dahinter l. der Irig und die Hochbuschkuppe (Turm) hinter
einander, r. Unger (Turm), Schweizerkrone und Tanzplan
(Turm); vor diesem im Mittelgrunde das Steingeschütte hinter
Teichstatt; r. davon in nördl. Richtung die Stadt Schönlinde
hinter dem Spiegel des Bernsdorfer Teiches, l. anschließend
Falkenhain und Neuforstwalde, dahinter der betürmte Valtenberg
jenseits Schnauhübel (Kirche) und des Zeidler Plissenberges,
r. die Wolfsbergspitze (Turm), der Pirsken und Botzen hinter
einander. Nordost: Vorn Tannendorf, darüber der Kreuzberg, l.
von ihm die Kirche von Grund, r. die von Sankt Georgental;
dann folgen hinter einander die Kirchdörfer Seifhennersdorf
und Eibau, der Kottmar (Turm) mit dem Löbauer Berge l. und
dem Rotsteine r., endlich die Jauernicker Berge. Links vom
Kreuzberge die zusammenhängenden Ortschaften Sofienhain,
Obergrund, Lichtenstein und Lichtenberg mit dem Lichtenberger
Teiche, darüber Schönborn (Kirche), weiter Rumburg, dann
Georgswalde, Philippsdorf und Gersdorf, l. von Rumburg der
Rauchberg (Turm), l. von diesem die Spitze der Altehrenberger
Kirche, dahinter der Jüttelsberg und weiter der Mönchswald
bei Bautzen; zwischen diesem und dem Löbauer Berge (Turm)
spannt sich eine Bergkette mit dem betürmten Czornebog (hinter
dem Lichtenberger Teiche) und Bilebog. R. von Georgental
im Lausebachtale Niedergrund, dann Warnsdorf, Großschönau,
Hainewalde; l. über Warnsdorf der Burgsberg (Warte), dann
hinter einander der Warnsdorfer Spitzberg, der Oderwitzer
Spitzberg, der Hutberg bei Herrnhut, die Königshainer Berge und
die Landeskrone; knapp am Lauschekamme l. der Breiteberg bei
Großschönau, dann Hörnitz bei Zittau. Ost: Vorn Dorf und Ruine
Tollenstein, l. dahinter Innozenzendorf vor dem Ziegenrücken;
r. von diesem die Finkenkoppe, zwischendurch die Lausche,
weiter der Sonnen- und Jonsberg, endlich im Hintergrunde l.
das Isergebirge mit der Tafelfichte, r. das Riesengebirge mit
der Schneekoppe; von der Finkenkoppe r. die Jeschkenkoppe.
Südost: Im Schöbersattel Dürreberg und Mergtaler Limberg hinter
einander, weiter der Silberstein, hinten die zweispitzige
Ruine Trosky vor dem Kosakow und den Lomnitzer Bergen. Rechts
vom Schöber der Friedrichsberg, dann der Tolzberg, dazwischen
der Dewin mit dem Hammerspitz, draußen der Wiskersch mit
Kapelle und der Musky bei Münchengrätz; r. vom Tolzberge
hinter einander der Glaserter, der Grüner Berg und der Roll;
r. von diesem die beiden Buchberge bei Hühnerwasser, davor der
Laufberg. Hinter der Station Tannenberg zu Füßen, neben der die
Tannteiche heraufglitzern, ist der gr. Buchberg, an ihm r. der
ruinengekrönte Bösig; r. davon bis zum Kleis der Wratner Berg
(Turm) und die Hauskaer Berge, davor der Tachner Berg hinter
dem Kummergebirge, näher das Schwoikaer Gebirge, ganz vorn
der Hamrichberg; r. vom Kleis das Daubaer Gebirge, davor der
Maschwitzer Berg und vor diesem Ruine Habichtstein.
Wer hier die Kammtour abbrechen will, hat die Wahl zwischen den
+Bahnstationen Tannenberg+ und +Grund-Georgental+, zu ersterer 40, zu
letzterer 50 Min.
Tannenberg-Kaltenberg (3¾ Std.).
Zum Abstiege vom Tannenberge benützen wir einen Teil des Aufstiegweges,
bis zur Wegteilung nämlich (4 Min.), wo man einen herrlichen Blick
auf die zu Füßen liegende, waldumschlossene Station Tannenberg hat.
Hier biegen wir r. ab und wandern einen anfangs fast ebenen und erst
später mehr sich senkenden Weg abwärts, an dessen bebuschten Gehängen
zahlreiche, weit umher kriechende Stengel von doppelährigem Bärlapp
(~Lycopodium clavatum L.~) auffallen und auch Exemplare des selteneren
Haller'schen Reitgrases (~Calamagrostis Halleriana DC.~) zu finden
sind. Nach 10 Min. mündet von rechts der steilere Abstieg vom Berge
ein; nach weiteren 5 Min. kommen wir zu einer Wegkreuzung vor einem
+Kruzifix+; wir wandern geradeaus weiter und nach 2 Min. links ab.
Gleich darauf treten wir aus dem Walde und haben einen prachtvollen
Blick auf die betürmte Wolfsbergspitze, die sich in einer Ausbuchtung
des Georgentaler Galgenberges (593 _m_) scharf abzeichnet, symmetrisch
flankiert vom Zeidler Plissenberge l. und dem Pirsken r., während der
Valtenberg (Turm) den Hintergrund bildet.
Gleich hinter dem erwähnten Kruzifix, wo auch von dem r.
liegenden Dorfe Tollenstein ein Weg einmündet, kann man, den
Kleinsemmeringer Weg l. lassend, geradeaus einen Abstecher
auf den 12 Min. entfernten =Georgentaler Kreuzberg= (Granit,
563 _m_), machen. Der Name hängt mit einer Kapelle »zum hl.
Kreuz« zusammen, welche 1764 erbaut, 1817 eingeweiht und
1882 durch einen Turm an der Hauptfront erweitert wurde. Sie
ist das Wanderziel zahlreicher frommer Waller. Aber auch die
+Aussicht+ ist eine bemerkenswerte; an ihr erfreute sich
auch am 21. Sept. 1779 Kaiser Josef II. Besonders schön ist
der Überblick nördlich über die 138 _m_ niedriger liegende,
freundliche Stadt Georgental; dahinter tief im Tale Ober- und
Niedergrund, darüber Schönborn r. vom Lichtenberger Teich;
westlich liegt der Galgenberg, r. daneben Teichstatt, der
Bernsdorfer Teich, dahinter die Wolfsbergspitze; östlich
jenseits des Häusermeeres von Warnsdorf und Großschönau die
Stadt Zittau. Zur Bequemlichkeit der Besucher hat die Abteilung
Georgental des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen 1895
an den schönsten Aussichtspunkten nach allen 4 Weltgegenden
Ruhebänke aufgestellt, -- Auf dem Kreuzberge stehen wir auf
einem geologisch höchst interessanten Boden. In dem Granite,
der sich hier -- wie schon früher auf unserem Wege am
Ziegenrücken bei Innozenzendorf (S. 44) -- gegen den Sandstein
abgrenzt, findet sich nämlich eine ziemlich ausgedehnte
Partie von Gneis und eingezwängt zwischen ihr und dem Granit
eine +Grauwackenscholle+, welche sw. von St. Georgental den
Wein- und Galgenberg bis zu Hampel's Bleiche einnimmt. Diese
Grauwacke nun ist von Erzgängen durchzogen, welche Kupferkies,
silberhältigen Bleiglanz und Zinkblende enthalten und
wiederholt seit der Mitte des 15. Jahrh. bergmännisch abgebaut
wurden, in ausgedehntestem Maße aber unter dem Grundherrn Georg
v. Schleinitz, dem +St. Georgental+ als Bergstadt ihre Gründung
(1548--1553) verdankt. Der letzte Abbauversuch geschah Mitte
der achtziger Jahre des vorigen Jahrh.
Wer den Umweg über =Georgental= machen will, steigt über
Stufen, an den Kreuzwegstationen vorüber durch eine schöne
Allee hinab. Die auch von Sommerfrischlern aufgesuchte Stadt
hat 250 Häuser, namhafte Sammtfabrikation, ein Kriegerdenkmal
(seit 2. Okt. 1904), eine Studentenherberge und ist Sitz
einer Abteilung des Gebirgsvereines für das nördlichste
Böhmen. Aus Georgental stammt außer anderen der berühmte
Gesangsmeister Joh. Alois Miksch, geb. 1765, gest. 1845 in
Dresden. Beachtenswert sind die an der Außenseite der 1612
erbauten Kirche eingemauerten Sandsteinkugeln mit Löwen- und
Menschengesichtern, die vielleicht einst Säulenknäufe oder
Wandzierraten im Rittersale der Burg Tollenstein gewesen sein
mögen. Der Weg zur +Station Grund-Georgental+ (15 Min.) führt
nördlich weiter. Um aber den Kammweg wieder zu erreichen,
wendet man sich westlich auf die Kreibitzer Straße und schlägt
sodann die südlich von dieser abzweigende, am Schmelzewasser
aufwärts führende Straße nach Tannendorf (30 Min.) ein.
Der Kamm-Weg führt vom Waldrande ab, während dem man r. über die
Wiesenflächen hinweg einen hübschen Blick auf Obergrund mit Sofienhain,
auf die Lichtenberger Windmühle und die Schönborner Kirche darüber und
auf den betürmten Kottmar im Hintergrunde hat, in 10 Min. hinunter
auf die Straße in =Tannendorf= (22 H.), auch Telle genannt, eine in
der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. entstandene Ansiedlung, die sich
seit einer Reihe von Jahren, Dank der herrlichen Waldlage und des
vorzüglichen Wassers, der vollkommensten Ruhe und Abgeschiedenheit zur
+Sommerfrische+ aufgeschwungen hat. In 4 Gast- und 2 Privathäusern
findet man gute Unterkunft, in den Gasthäusern »Wildner« und
»zum Tannenwald« auch volle Verpflegung zu mäßigen Preisen. Die
Nahrungsmittel werden aus Sankt Georgental (30 Min.) beschafft, von wo
am West-Ende des Dorfes die Straße einmündet.
Beim Gasthause »zum Tannenwald« verlassen wir das Dorf, lassen nach 2
Min. die Straße nach St. Georgental r. und schneiden, nun wieder im
Walde, nach 8 Min. einen Fahrweg, der in 5 Min. zu der r. Hand auf
einer Waldlichtung gelegenen, zu Tannendorf und Obergrund gehörigen,
aber erst später zur Ansicht kommenden Einschicht »+Hampels Bleiche+«,
auch »Neue Welt« genannt, hinaufführt, senken uns dann allmählich
nach l. zu über zwei Ursprungsäderchen des +Fischbaches+, eines
Zuflusses des Grund- bzw. Lausebaches, hinweg -- Fundort von üppigem
Waldhabichtskraut (~Hieracium vulgatum Fries~) -- und umgehen sodann,
allmählich wieder ansteigend, den r. gelegenen +Fladenberg+ (543 _m_),
der seinen Namen von einem Ritter von Flade haben soll, der hier einst
eine Glashütte leitete, wobei wir l. des kl. +Schöbers+ (676 _m_) mit
seinen wild sich häufenden Klingsteinblöcken ansichtig werden, die auf
dem Gipfel unregelmäßig anstehen und ein liegendes Gesicht vortäuschen,
weshalb der Berg auch Gesichtsberg oder Riesenkopf genannt wird. In
20 Min. stehen wir am Bahndamme der Böhm. Nordbahn, dem entlang wir
uns nach rechts wenden, zunächst in 4 Min. zum +Bahnviadukt+ und dann
in weiteren 4 Min. auf der Oberkreibitzer Straße zu der einschichtig
ziemlich hoch (489 _m_), mitten im Walde zwischen Plissen- (599 _m_)
und Fladenberg auf der Hauptwasserscheide zwischen Elbe und Oder,
an der von Oberkreibitz-Schönfeld nach Teichstatt führenden Straße
gelegenen =Station Schönfeld= gelangen, dem Knotenpunkte der Linien
Prag-Leipa-Georgswalde-Ebersbach und Warnsdorf-Bodenbach der Böhm.
Nordbahn.
Unmittelbar neben derselben befindet sich die =Kuranstalt
Kleinsemmering=, die samt den Stationsgebäuden zur Gemeinde Teichstatt
gehören. Den Grund zu dieser Kuranstalt, deren Benennung durch die
Steigungsverhältnisse der Bahn und den kleinalpinen Charakter der
umgebenden Gebirgslandschaft gerechtfertigt erscheint, legte der
Schönfelder Industrielle Emanuel Tschinkel, indem er gleich nach
Eröffnung der Böhm. Nordbahn 1869 vom Grundherrn Fürsten Ferd. Kinsky
eine größere Waldparzelle erwarb und daselbst eine große Restauration
mit zwei Glasveranden nebst Stallungen, Speisegarten, Musikpavillon,
Zierpark, Wasserleitung, (Raimundsbrunnen) und einen nahezu 11 _ha_
großen Tiergarten anlegte, wozu dann 1873 und 1874 der Bau der Villa
Raimund mit 12 Fremdenzimmern und 1882 ein von eisenhältigen Quellen
des Plissenberges gespeistes Badehaus mit 4 bequemen Zellen kam.
Seit 1885 gehörte die Anstalt den Brüdern C. G. und F. Hermann,
Fabriksbesitzern in Warnsdorf und Isertal. Unter ihnen schwang sich
Kleinsemmering infolge mannigfacher Verbesserungen und Erweiterungen zu
einem trefflich geleiteten Luft- und Terrainkurorte empor. Seit 1904
ist Ernst Seibt, Kaufmann in Reichenberg, Besitzer, der den Kurort
den Fortschritten der Neuzeit entsprechend umgestaltet hat. Es stehen
30 heizbare Zimmer in 5 Logierhäusern zum Wochenpreise von 6--30 ~K~
zur Verfügung; Leihbibliothek, Konzertsaal, Briefablage u. a. sind
vorhanden; der auf einer nach SO. abfallenden Lehne sich hinziehende
Wildpark bietet mit seinem dichten Wald, seinen Wiesenplätzen,
Felspartien und seinem Teiche mannigfache Abwechslung und Zerstreuung.
Die Kursaison dauert von Mai bis September.
Wir verlassen, dem Kammzeichen weiter folgend, die gastliche Stätte
auf einem Fußwege, der hinter den Stallungen der Kuranstalt am
Wildparkzaune entlang, anfangs durch einen schattigen Hohlweg am
Gehänge des +Plissenberges+ hin, dann über die liebliche Pilzwiese in
20 Min. abwärts ins Kreibitzbachtal nach =Oberkreibitz= führt. Oberhalb
der ersten Häuser des 170 Nummern zählenden Industrialortes, noch
besser von dem in der Nähe sich erhebenden +Tomelsberge+ (463 _m_,
Basalt, Totenstein), hat man einen prächtigen Überblick über die
zusammenhängenden Orte Oberkreibitz und Schönfeld auf die im Halbkreis
angeordneten Bergkuppen des Kreibitzer Gebirges: den kl. Schöber l.,
dann den gr. Eibenberg, den kl. Eibenberg, den Schindelhengst (dahinter
die Spitze des gr. Ahrenberges) und die beiden Himpelsberge (dahinter
den Buchhübel); neben Schönfeld l. die Juliushöhe im Vordergrunde.
Im Weiterschreiten durch den schon 1457 urkundlich genannten
Ort bemerkt man als vorherrschende Erwerbszweige Zwirnerei und
Glasverfeinerung. Letztere Industrie ist sehr alt, da schon im 15.
Jahrh., vermutlich schon vor den Hussitenkriegen, daselbst eine
Glashütte im Betriebe stand, welche mit dem anschließenden Gute bis
1612 der Familie Friedrich gehörte und im Jahre 1847 dem Neubaue der
jetzigen Glasfabrik Platz machte, die 1867 an die Kittel'schen Erben
(Franz Zahn) gelangte, seit 1882 Eigentum der Firma Michel und Mayer
war, derselben, die auch die Glasfabriken in Teichstatt und Haida
besaß, und seit 1904 »A. Mayer & Sohn« firmiert. Sie steht rechts an
der Straße, die von der Station Schönfeld herab nach Kreibitz führt und
gerade bei ihr kommt der Fußweg von Kleinsemmering herab. Der »Hof«,
gegenüber dem Gasthause »zum Herrenhause« -- von dessen Terrasse man
einen hübschen Blick über den Mühlteich (bei der Rittermühle, jetzigen
Glasschleiferei) auf den Tannenberg und den kl. Schöber hat -- ist so
ziemlich das älteste Gebäude im ganzen Kreibitzer Kessel.
Ein Umweg über =Kreibitz=, die Perle des Kreibitztales,
beansprucht keinen besonderen Zeitverlust. Man erreicht die
Stadt auf der Straße weiter längs des Kreibitzbaches in 20
Min.; sie liegt am Kreuzungspunkte der Warnsdorf-Kamnitzer
Reichsstraße mit der Oberkreibitz-Niederkreibitzer, zu beiden
Seiten des Kreibitzbaches, über den hier eine altertümliche,
hochgewölbte Steinbrücke mit zwei Barock-Heiligenstatuen aus
dem Jahre 1751 führt, hat 250 Häuser, eine reiche Industrie
(vorherrschend Zwirnerei und Baumwollwaren-Erzeugung, auch ein
schon 1500 bestandenes Bräuhaus), eine Gedenktafel am Hause Nr.
135 zur Erinnerung an Kaiser Josef II., der hier als Gast des
Viehhändlers Kasimir Eschler am 21. Sept. 1779 übernachtete,
eine andere am Hause neben dem schönen, gothischen Rathause
zur Erinnerung an den berühmten Naturforscher Thaddäus Haenke,
der daselbst 1761 geboren wurde, eine zum Teil noch aus dem
16. Jahrhunderte stammende Kirche mit uralten Glocken, und ist
Sitz der Abteilung Kreibitztal des Gebirgsvereines für das
nördlichste Böhmen. Ihr ältestes Privilegium stammt aus dem
Jahre 1383. Man folgt sodann von Kreibitz der südlich nach B.
Kamnitz führenden Ärarialstraße, in die nach 45 Min. l. die
Schönfelder Straße, und mit ihr der Kamm-Weg einmündet. Auf
dem Wege dahin kommt man nach wenigen Min. am +Lindenhübel+
(398 _m_) l. der Straße vorüber, von dem man sich des Anblickes
des Gebirges östlich gegen den Talschluß hin erfreuen und
zugleich ein interessantes Naturspiel wahrnehmen kann, nämlich
»die schlafende Jungfrau«, gebildet von dem gesichtsähnlichen
Umrisse des kl. Schöbers mit dem anschließenden Tannenberge und
dessen Ausläufern.
Bei der Glasfabrik grenzt Oberkreibitz an =Schönfeld=. Nun auf der
Kreibitzer Straße einige hundert Schritte nach rechts, bis uns das
Kammzeichen auf die Straße verweist, die links durch Schönfeld abbiegt.
Währenddem kommt rechts die Stadt Kreibitz zu Gesicht und über sie
hinaus zwischen den Himpelbergen (l.) und dem Irig bei Daubitz (r.) die
Dittersbacher Felsenwelt, während l. Tannenberg und kl. Schöber mit
der Juliushöhe im Vordergrunde im Gesichtsfelde bleiben. Die Bewohner
von Schönfeld, das 1709 auf Gründen, die ehemals zur Oberkreibitzer
Glashütte gehörten, angelegt wurde, über 100 Häuser zählt, Post-
und Telegraphenamt, eine schöne Turnhalle (seit 1903), auch eine
Studentenherberge (in der einladenden Schröter'schen Restauration l. an
der Straße, die zugleich Auskunftsstelle der Gebirgsvereins-Abteilung
Kreibitztal ist) aufweist, haben im Allgemeinen dieselben Erwerbszweige
wie die von Oberkreibitz. Vor der Restauration befindet sich die
Schröter'sche Zwirnfabrik (mit 6000 Spindeln), weiter die 1840
gegründete Strick- und Häkelgarnfabrik der Firma Ig. Schröter's Sohn,
deren Erzeugnisse als Schönfelder Strickwolle eine Spezialität bilden.
Unweit der Restauration befindet sich auch die Stammfabrik der bis 1903
bestandenen Firma Aug. Tschinkel Söhne und zugleich der Ausgangspunkt
der österreichischen Zichorienfabrikation, die hier von Aug. Tschinkel
1806 zur Zeit der Kontinentalsperre eingeführt wurde. Die seit dem
Jahre 1862 daneben bestandene Chokoladenfabrik wurde 1889 nach Lobositz
verlegt und mit der dortigen Zuckerwaren- und Kaffeesurrogatfabrik
verbunden, wo sie heute noch als Eigentum einer Aktiengesellschaft
im Betriebe steht. Auch eine Leimfabrik wurde vor einigen Jahren in
Schönfeld errichtet.
Ganz nahe ö. beim Orte (15 Min.) erhebt sich die =Juliushöhe=,
ein zierlicher Basalthügel (514 _m_), von welchem sich
das ganze Kreibitztal mit seinen Waldbergen überblicken
läßt; besonders w. und nw., wo sich das Tal zwischen den
Himpelbergen (l.) und dem Plissenberge (r.) öffnet, ist der
Ausblick fesselnd. Die Stadt Kreibitz jenseits Schönfeld hält
die Mitte; l. derselben hat man die Dittersbacher Felsen,
dahinter die Zschirnsteine, den Zirkelstein (gerade hinter dem
spitzen Marienfelsen), den Pfaffen- und Pabststein und den gr.
Winterberg (hinter dem Rudolfstein); r. von Kreibitz trifft der
Blick auf den Irig, hinter ihm auf den betürmten Tanzplan b.
Nixdorf, weiter r. über Oberkreibitz im Vordergrunde auf den
Pickelstein vor dem Rücken des Steingeschüttes, im Hintergrunde
auf den betürmten Valtenberg.
In der Nähe der Schröter'schen Strickwollefabrik, dort wo sich
der +Eisenhübel+ mit hübschem Blick auf das bachdurchflossene und
teichglitzernde Tal zwischen ihm und den. kl. Himpelberge erhebt, teilt
sich die den Ort durchziehende Straße. Links führt sie zwischen dem
kl. Eibenberge (598 _m_) und dem, eine liebliche Aussicht bietenden
Aschenstein (605 _m_, r.) über den 527 _m_ hohen Sattel im westlichen
Flügel des zentralen Teiles des nordböhmischen Sandsteingebirges in
1 Std. zur +Bahnstation Falkenau+ im Kamnitzbachtale; unsere Straße
aber führt r. weiter. Am Ende der letzten Häuser von Schönfeld haben
wir vor uns r. die beiden Himpelberge, geradeaus den Schindelhengst,
rückwärts den Tannenberg und daneben den gr. und kl. Eibenberg. Hier
steht an der Straße der +Hochbehälter+ der am 19. Juli 1904 eröffneten
Wasserleitung für die Gemeinden des Kreibitztales aus vier am nö.
Abhange des +Schindelhengstberges+ entspringenden Quellen. Die Straße
quert dann den 486 _m_ h. Sattel zwischen Schindelhengst (650 _m_,
l.), und dem höheren der beiden Himpelberge, dem sog. »kleinen« oder
schwarzen +Himpelberge+ (633 _m_, r.), und trifft in 30 Min. auf die
Kaiserstraße, die von Kreibitz her nach B. Kamnitz führt, wo wir nahe
vor uns den kl. Ahrenberg oder +Breitenberg+ (613 _m_) -- interessant
wegen der knolligen Form des Basalts inmitten frischgrüner Waldpartien
und als Kampfstätte im Gefechte am 19. Juli 1757 -- und rechter Hand
etwas entfernter den als Aussichtspunkt bekannten Buchhübel (554 _m_)
haben.
Wem harmlose Kletterei und ein kurzer Kampf mit sparrigem
Strauchwerk die Wanderfreuden erhöhen, dem ist der Aufstieg auf
den =schwarzen Himpelberg= anzuraten, einen wilden Gesellen
mit steilen Abstürzen und ungeheuren Blockhalden basaltischen
Gesteins, vor deren mächtigem Druck die Vegetation bescheiden
zurückgewichen ist. Die freien Gipfelfelsen lohnen die Mühe
durch eine Fülle mannigfaltiger malerischer Ausblicke. W.: An
dem greifbar vorliegenden Kaltenberge r. vorüber der betürmte
Rosenberg, l. hinter ihm der gleichfalls betürmte hohe
Schneeberg und r. hinter diesem der Schönwalder Spitzberg;
r. vom Rosenberge die Kirchdörfer Rosendorf und Arnsdorf
hintereinander. NW.: Über dem vorgelagerten niedrigeren
Himpelberg hinweg der Buchhübel, zwischen beiden hindurch der
gr. Winterberg (Turm), l. von diesem Königstein, Pabst- und
Pfaffenstein, über den Buchhübel hinaus der gr. Zschirnstein,
dahinter der Geisingberg im Erzgebirge; r. vom Buchhübel im
Hintergrunde hinter einander Saupsdorf (Kirche), Tanzplan
und Valtenberg (Türme). N.: Kreibitz, dahinter die betürmte
Wolfsbergspitze zwischen Irig (l.) und Steingeschütte.
NO.: Oberkreibitz vor dem Plissenberge, l. dahinter der
Czornebog (Turm), r. der ebenfalls betürmte Kottmar und r.
vor diesem die Kirche von Schönborn bei Rumburg. O.: Die
Juliushöhe hinter Schönfeld, dann der betürmte Tannenberg
mit seinem wilden Trabanten, dem kl. Schöber; weiter r. der
gr. und der kl. Eibenberg, zwischendurch der Mittelberg.
SO.: Der Schindelhengst in nächster Nähe, l. an ihm vorüber
rückwärts der gr. Buchberg bei Falkenau und l. hinter ihm
die Jeschkenkoppe. S.: Der gr. Ahrenberg r. hinter dem
Schindelhengst.
Wir folgen der Kaiserstraße nach l. und haben nach 5 Min. auf einer
Waldlichtung l. der Straße das =Forsthaus Kreuzbuche=, zugleich
»Gasthaus zur Kreuzbuche«, vor uns auf der Sattelhöhe (535 _m_)
zwischen dem kl. und gr. Ahrenberge. Der Name der Örtlichkeit hängt mit
dem Gefechte zusammen, welches am 19. Juli 1757 die Preußen auf ihrem
Rückzuge gegen österreichische Truppen daselbst zu bestehen hatten. Die
damals Gefallenen wurden an der alten Straße in der Nähe des jetzigen
Forsthauses, das aber erst später gelegentlich der Anlage der heutigen
Straße erbaut wurde, beerdigt; man brachte daselbst an einer Buche
ein Bildnis des Gekreuzigten an und nannte die Lichtung im Walde mit
den Soldatengräbern »bei der Kreuzbuche«; so heißt sie noch heute,
wenn auch das Kreuz nicht mehr an einer Buche, sondern gegenüber dem
Forsthause an der r. Seite der Straße, wo beschattete Bänke und Tische
zum Ausruhen einladen, an einem Lärchenbaume hängt. Die Örtlichkeit ist
aber nicht bloß kriegsgeschichtlich, sondern auch volksgeschichtlich
von Interesse; hier zog sich gegen den Schöber und weiterhin in
der Richtung des Kammweges zum Jeschken der uralte Markwald, die
Grenzscheide zwischen den Wenden oder Sorben und den Tschechen, und
heute noch gilt diese Richtungslinie als Grenze des sogenannten
Niederlandes, des nördlichsten Böhmens. Die Einschicht »Kreuzbuche«
gehört zu dem 30 Min. s. entfernten Dorfe +Hillemühl+ (+Bahnstation+)
im Kamnitzbachtale, wohin eine Waldstraße längs des Wiesenwassers von
der Kaiserstraße kurz vor dem Forsthause l. abzweigt.
Auf halbem Wege dahin führt l. 50 Schritte seitab ein Weg
zu dem vom Lokalklub Hillemühl des Nordb. Exkursions-Klubs
erschlossenen =Wasserfall= mitten in prächtiger Waldung. Er
wird vom Wiesenwasser gebildet, das unter der Kreuzbuche
entspringt und auch Fallwasser heißt, weil es wenigstens
zehnmal gezwungen ist, ganz beträchtliche Sprünge über hohe
Felsen zu machen. Der Hauptfall ist ungefähr 10 _m_ hoch und
setzt sich unterhalb noch ebenso weit in Abstufungen fort; er
verdient deshalb hohe Beachtung, weil er nicht bloß so ziemlich
der einzige in dieser Gegend ist, sondern auch mit manchem
vielgenannten in den deutschen Mittelgebirgen den Vergleich
aushalten kann. -- Der gr. =Ahrenberg= (Ahornberg), an dessen
Westabhange der Wasserfall sich befindet, ist eine 705 _m_
hohe, bewaldete Basaltkuppe, die man von der Kreuzbuche aus
in 35 Min. besteigen kann. Wenn auch an absoluter Höhe dem
Kaltenberge um 26 _m_ nachstehend, ist der gr. Ahrenberg nach
räumlicher Ausdehnung und nach seiner zentralen Lage als der
König des Kreibitzer Berglandes anzusehen. Die +Aussicht+
beschränkt sich nur auf N. und O., vom Rande des Steilabfalles
aus, der den Berg in die Ferne hin wie abgehackt erscheinen
läßt, ist aber immerhin lohnenswert. W.: Kaltenberg. NW.:
Buchhübel; zwischen beiden die Kuppen der sächsischen Schweiz,
ganz hinten der Borsberg bei Pillnitz (in der Einsenkung
zwischen gr. und kl. Winterberg); l. vom Buchhübel der
Tanzplanberg (Turm), r. der Irig. N.: Kreibitz hinter den
beiden Himpelbergen, r. davon Kleinsemmering, weiter die Kirche
von Schönborn und dahinter der betürmte Kottmar. NO.: Der
gr. Eibenberg, dah. Schöber, Tannenberg, Ruine Tollenstein,
Warnsdorfer Spitzberg; r. vom Tannenberge die Lausche
hinter dem Friedrichsberge. O.: Hochwald (Turm) hinter dem
Hackelsberge, r. davon die Jeschkenkoppe. SO.: Über Falkenau
der Kleis, r. davon die beiden Bösige. Am n. Fuße des gr.
Ahrenberges, in dem dort anstehenden Sandsteine, findet sich
ein verbrochener Stollen, die sog. »Silbergrube«, in der man
wahrscheinlich nach Eisenerzen gesucht hat.
Der Kammweg folgt, am Fuße des +kl. Ahrenberges+ hin, während die
dunklen Kuppen des Schindelhengst- und gr. Ahrenberges l. verschwinden,
der nach B. Kamnitz weiter führenden Waldstraße noch 6 Min. und
biegt dann r. ab auf einen steinigen Fahrweg, der zwischen hohem
Mischwald zumeist eben verläuft. Durch das goldgrüne Laubdach der
Buchen irren einzelne Sonnenstrahlen nieder auf den feuchten Boden
und werden vom lichthungrigen Völkchen der mannigfaltigsten +Kräuter+
begierig aufgesogen, die hier auf der Verwitterungserde des Basaltes
mit besonderer Vorliebe gedeihen und die Gastfreundschaft mit einer
Fülle kleiner Reize entgelten: Christophskraut (~Actaea spicata L.~),
Bingelkraut (~Mercurialis perennis L.~), Zahnwurz (~Dentaria bulbifera
L.~ und ~Dentaria enneaphylla L.~), weiße Pestwurz (~Petasites albus
Gärtn.~), Süße Wolfsmilch (~Euphorbia dulcis L.~), Quirlblättrige
Weißwurz (~Polygonatum verticillatum All.~), Einblütiges Perlgras
(~Melica uniflora Retz.~), Sauerklee (~Oxalis acetosella L.~) u. s.
w., vor allem aber Freund Waldmeister (~Asperula odorata L.~).
Mittlerweile haben wir den südl. Fuß des +Auberges+ (688 _m_)
umgangen und werden seiner nach 13 Min., nach Überschreiten zweier
Wasseradern, die dem Wiesenbache zufließen, r. ganz nahe über einer
Wiese ansichtig. Noch 1 Min. und auch l. wird der +Ausblick+ frei auf
den schroff aufsteigenden Goldberg, l. an ihm vorüber auf die vor dem
Forstberge sich weit hindehnende Stadt Steinschönau. Am Südabhange
des Auberges zwischen Wiesen weiterschreitend, treten nach und nach
l. von Steinschönau andere Kuppen ins Gesichtsfeld: vorn der schroffe
Mittenberg bei Preschkau, dahinter der Steinschönauer Berg, noch weiter
der Sonnebergrücken; dann l. vom Mittenberg vorn der Schäferberg,
dahinter der Bildstein, an den sich nach l. der Blottendorfer Kamm,
das Breitfeld und der gr. Buchberg anschließen; zwischen den letzteren
beiden zeigt sich hinter den Häusern von Falkenau-Kittlitz die Spitze
des Kleis; der gr. Ahrenberg schließt am weitesten l. das Bild ab.
Nach 5 Min. kommt r. am Auberge vorüber der Kaltenberg zum Vorschein,
vor uns der Himmertschberg, zwischen beiden hinten der prächtige
Rosenberg.
Hier zweigt l. ein Fahrweg in 10 Min. zum =Goldberge= (654 _m_)
ab, dessen Besuch jedem klettergeübten Wanderer anzuraten ist.
Der Gipfel wird von einem durch zwei Scharten unterbrochenen,
ziemlich scharfen Grat gebildet; nach Süd fällt der durch eine
starke Polarität sich auszeichnende Fels senkrecht zu mächtigen
Schutthalden ab; die Westseite zeigt schöne Absonderungsrisse
des basaltischen Gesteins; ein Bruch auf der uns zugekehrten
Nordostseite zeigt vorzüglich abgesonderte, gleich stark in
einer Länge von mindestens 20 _m_ verlaufende Basaltsäulen.
Der höchste Punkt ist besetzt mit einem Strauch der
Alpen-Johannisbeere (~Ribes alpinum L.~); nach Südost verdecken
Buchen die Aussicht; die anderen Richtungen gewähren höchst
malerische Ausblicke.
Zwischen Wiesen, auf denen Wohlverleih (~Arnica montana L.~) in
kräftigen Exemplaren wächst, eben weiter wandernd, sind wir nach 3
Min. beim ersten Hause von +Hasel+; unter uns zieht sich l. das Dorf,
darüber zeigt sich l. vom Himmertschberge der Huttenberg, noch weiter
l. der Lotterberg und hinter ihm die Doberner Höhe mit Parlosa. Am
Auberg-Walde (r.) entlang, an den die Häuser grenzen, wenden wir uns
l. auf die Dorfstraße, die wir in 3 Min. erreichen, unmittelbar bei
Franz Büchse's Gasthause »zum Kaltenberg«, wo man ganz gut aufgehoben
ist. =Dorf Hasel=, das sich eines sehr hohen Alters rühmen kann, zieht
sich mit seinen 150 Häusern zu beiden Seiten des Haselbaches, der
oberhalb des Dorfes am Kaltenberge entspringt, lang hingestreckt in
steiler Talschlucht sö. abwärts von 550 _m_ bis 400 _m_ Seehöhe gegen
das Kamnitztal und eignet sich vermöge seiner echt alpinen, zwischen
Waldbergen geschützten Lage vorzüglich zum Sommeraufenthalte, wozu in
3 Gast- und 6 Privathäusern Wohnungen verfügbar sind zum Wochenpreise
von 4 ~K~ aufwärts für eine Person. Es besteht hier eine Abteilung des
Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst Studentenherberge, eine
Zwirnfabrik, mehrere Bleichen, ferner ein schönes Schulhaus, zu dessen
Bau der als eines Bauern Sohn in Hasel 1810 geborene und in B. Kamnitz
am 28. Aug. 1889 verstorbene Fabriks- und Herrschaftsbesitzer Franz
Preidl Edler v. Hassenbrunn 20000 ~K~ beitrug.
Bei Hasel wurde am 19. Juli 1757, nach der Schlacht bei
Kolin, ein Teil der auf dem Rückzug von Leipa über B.
Kamnitz und Kreibitz nach Zittau befindlichen preußischen
Armee, gegen 45000 Mann unter den Generälen v. Schmettau,
Winterfeld, v. Seydlitz und dem Prinzen von Bayern, von
österreichischen Kroaten und Hußaren unter General Beck, welche
die Waldungen am Kaltenberg zur Sicherung der Paßstraße B.
Kamnitz-Hasel-Kreibitz, sowie der Straße nach Niederkreibitz,
welche über Kunersdorf den Westfuß des Berges umzieht, besetzt
hielten, überfallen, und mußte nach langem, den ganzen Tag
währendem, blutigem Gefechte einen großen Teil seiner Bagage-
und Munitionswägen, sowie die mitgeführten Pontons im Stiche
lassen. Der heftigste Kampf fand in der sog. »Dreh« zwischen
Hasel und Kunersdorf, dann beim »grünen Kreuz« nächst
Unterhasel, auf den Hasler »Felgen«, am Breitenberge, im
blauen Meere, auf dem Klötzerplane, bei der Judenbrücke, in
den Tschakert'schen Gräbern bei Kaltenbach und an noch andern
Stellen, die von daher ihren Namen führen (Kriegerwiese,
Preußenhau), statt. Beim Streurechen und Holzmachen fand man
bis in die neueste Zeit Kugeln, Rüstzeug und Waffen, die zum
Teil noch von Hasler Insassen verwahrt werden.
Noch eine kurze Wegstrecke und wir betreten den freien, mit Äckern und
Wiesen bedeckten Sattel oberhalb des Dorfes; r. schaut der Auberg auf
uns herab, l. erhebt sich noch beiläufig 150 _m_ hoch der Kaltenberg;
vom S. her grüßt aus dem Kamnitztale der steile, ruinengekrönte
Schloßberg, dahinter erblicken wir die Steinschönauer Hochfläche,
weiterhin den Geltsch und Berge des Mittelgebirges. Zur Spitze des
=Kaltenberges= leitet eine originelle, von der Gebirgsvereinssektion
Hasel 1887 bis 1890 geschaffene Weganlage, S-förmig, gepflastert, 2 _m_
breit, deren Unbequemlichkeit, die besonders beim Abwärtsgehen trotz
des an der steilsten Stelle angebrachten Geländers große Vorsicht
erheischt, durch den prächtigen Laubwald ausgeglichen wird. Jedem
Naturfreund, zumal dem Botaniker, muß das Herz aufgehen angesichts der
Üppigkeit und Mannigfaltigkeit des +Pflanzengewühls+, womit der Boden
des herrlichen Bergwaldes geziert ist. Abgesehen von verschiedenen
seltenen Pflanzen, wie ~Cineraria sudetica Koch~ (Sudeten-Aschenkraut),
~Poa sudetica Haenke~ (Riesengebirgs-Rispengras), ~Veronica montana
L.~ (Berg-Ehrenpreis), ~Arum maculatum L.~ (Geflecktblättrige
Zehrwurz), ~Lunaria rediviva L.~ (Mondviole), ~Circaea alpina L.~
(Alpen-Hexenkraut), ~Ribes alpinum L.~ (Alpen-Johannisbeere), ~Lilium
martagon L.~ (Türkenbund), ~Lycopodium annotinum L.~ (Sprossender
Bärlapp) u. a., erscheinen viele bekannte Pflanzen, Vergißmeinnicht,
Anemonen, Lungenkraut, Primel und Sauerklee in ganz auffälliger
Größe und Farbenpracht. Unter dem Gestein finden sich zierliche
Schnecken (~Helix personata Lk.~, ~Clausilia laciniata~). Ohne große
Anstrengung ist die Spitze des Berges in 25 Min. von der Hochmatte
ab erreicht. Seine aus olivinreichem Basalt bestehende Kuppe
bildet den Endpunkt und zugleich die höchste Erhebung (731 _m_) im
Kreibitzer Gebirge, wie der westliche Flügel der zentralen Gruppe
des Nordböhmischen Sandsteingebirges gewöhnlich genannt wird. Seiner
hervorragenden Lage wegen diente der Berg, im Volksmunde »Kalenberg«
geheißen, bei der einstigen Triangulierung Böhmens als Dreieckspunkt,
wie ein noch vorhandener Stein mit der Inschrift: »~Monumentum
astronomico-geometricum~« beweist. Auch zum Nummerngucken diente er. Im
J. 1854 ließ der Grundherr Fürst Ferd. Kinsky auf dem Gipfel, damals
nach ihm »Fürst Ferdinand-Stein« benannt, einen hölzernen Aussichtsturm
und eine fliegende Schankwirtschaft daneben errichten und einen Weg
von Kaltenbach, bzw. von Dittersbach her, der nahe dem Gipfel in den
Kammweg einmündet und um 1890 von der Gebirgsvereinssektion Kaltenbach
um- und ausgebaut wurde, anlegen. Im J. 1865 mußte der baufällige
Turm wieder abgetragen werden; es war dies, abgesehen von dem 1825
errichteten Josefsturm auf dem Schöninger im Böhmerwalde, der erste
Aussichtsturm in Böhmen. Am 15. Juli 1888 wurde dann neuerdings ein
+Aussichtsturm+ (Eintritt 20 ~h~) der öffentlichen Benützung übergeben,
den der Gebirgsverein für die böhmische Schweiz um den Kostenbetrag
von mehr als 6000 ~K~ aufstellen ließ. Er stellt ein pyramidenförmiges
Eisengerüst dar, ruht auf 80 _cm_ hohem Steinsockel, hat eine Höhe
von 16·3 _m_ und ist über eine Wendeltreppe in 7 Windungen mit 92
Stufen ersteiglich; die Plattform faßt 25 Personen. Neben dem Turme
wurde durch den Fürsten Ferdinand Kinsky ein schönes Blockhaus für
+Gastwirtschaft+ und Fremdenbeherbergung mit einem Kostenaufwande von
mehr als 4000 ~K~ errichtet und am 14. Mai 1893 eröffnet. Einer der
im Freien stehenden, aus einem einzigen Baumdurchschnitte bestehenden
Tische läßt auf die Mächtigkeit der hier gedeihenden Riesenbäume,
von denen schon mancher berühmt geworden ist, schließen. Prächtig
schmeckt ein Trunk kühlen Kamnitzer Bieres im Schatten des rauschenden
Bergwaldes, an den sich so manche +Sage+ knüpft: vom Bier aus einer
angebohrten Buche, mit dem ein reisender Handwerksbursche die
Holzarbeiter labte; von dem Holzhauer, der im Walde immer trockenes
Brod aß und sich dann aus seiner Axt, die er in einen Stock schlug,
Milch in einen darunter stehenden Topf laufen ließ; von dem Nachtjäger,
der einem gewissen Prauschke erschien und ins Gesicht pfauchte, als
sich dieser ein »Stiefkind« -- den schwächeren von zwei Stämmen, die
auf einem Stocke gewachsen sind -- holen wollte; vom Salzborn, wo sich
die Hasler ihren Salzbedarf geholt haben sollen, bis sich die Obrigkeit
ins Mittel legte, u. a. m.
Die +Aussicht+ vom Turme, auf welchem 1895 von der Sektion Hasel ein
Panorama angebracht wurde, ist eine vielgerühmte; sie wetteifert
mit der vom Hochwald, Lausche und Tannenberg. Während gegen O. und
NW. große Waldgebiete sich ausbreiten, blickt man gegen N. und S.
über zahlreiche zusammenhängende Ortschaften in schier unbegrenzte
Weiten. Aus dem prächtigen Waldmeere der näheren und weiteren Umgebung
erheben sich Dutzende von Bergen, in mehrfachen Reihen hinter einander
malerisch gruppiert, jeder in seiner Form eigenartig, die meisten
bewaldet, viele als kahle dunkle Felsen und Zacken hineingereckt in den
blauen Himmel.
N.: Über Niederkreibitz zeigt sich l. vom Irig hinter der
Daubitzer Kirche die betürmte Wolfsbergspitze und l. hinter ihr
der Zeidler Plissenberg, Pirsken und Botzen hinter einander;
über den Irig hinaus der Czornebog. An Niederkreibitz r.
anschließend Stadt Kreibitz, dahinter Teichstatt mit dem
Bernsdorfer Teiche und darüber hinaus der betürmte Kottmar,
hinter welchem r. die Landeskrone den Horizont besäumt. NO.:
Vorn die beiden Himpelberge, dahinter Oberkreibitz vor dem
Plissenberge, r. hinter diesem die Schönborner Höhe mit der
Lichtenberger Windmühle, noch weiter zurück die Burgsbergwarte
bei Warnsdorf, der Warnsdorfer und Oderwitzer Spitzberg; r.
hinter dem schwarzen Himpelberge der betürmte Tannenberg über
dem kl. Schöber. O.: Vorn der kl. Ahrenberg, l. dahinter der
Schindelhengst, l. hinter diesem der kl. und gr. Eibenberg,
über letzterem die Finkenkoppe und ober dieser der Gipfel
der Lausche mit der Bergwirtschaft; r. am kl. Ahrenberge
der Auberg, zwischen beiden hindurch der gr. Ahrenberg, l.
hinter diesem der Hackelsberg und hinter diesem, über dem
Sattel von Antonienhöhe der betürmte Hochwald; draußen im
Hintergrunde l. das Isergebirge mit der Tafelfichte, r.
Höhen des Riesengebirges (Kesselkoppe, hohes Rad), davor die
Jeschkenkoppe. SO.: Vorn der Goldberg, zwischen ihm und dem
Auberge das Hillemühltal, darüber die Falkenauer Berge mit
dem spitzen Kleis vor dem Roll, und den Bösigen, zwischen
welchen beiden im Hintergrunde die zweizackige Trosky-Ruine
erscheint; gerade über dem Goldberge, im Sattel von Parchen,
der betürmte Spitzberg bei Leipa; r. vom Goldberge der
Mittenberg bei Preschkau und der Steinschönauer Berg, r.
hinter diesem Steinschönau und in derselben Richtung Ruine
Altperstein hinter dem Maschwitzer Berge. S.: Der Koselrücken,
dahinter der Wilsch und r. an ihm in weiter Ferne der Prager
Laurenzibergturm; r. vom Wilsch der ruinengekrönte Ronberg
hinter dem Kamnitzer Schloßberge. SW.: der Geltsch (Richtung
Nolde-B. Kamnitz-Sattelberg), Hasenburg bei Lobositz,
Zinkenstein, Lobosch (hinter dem Ziegenrücken bei Bensen),
hohe Wostrai und die Höhen bei Nemschen (jenseits der Hortauer
Höhen), im Hintergrunde der Donnersberg, näher die Doberner
Höhe mit Parlosa (über dem Rabsteiner Stationsgebäude jenseits
des Himmertschberges) und die betürmte Kolmer Scheibe, im
Vordergrunde der Ottenberg, hinter ihm draußen die Wand des
Erzgebirges bis zum Schönwalder Spitzberg, der hinter dem
vorliegenden Schneeberge (Turm) noch sichtbar ist. Diesem
ist im W. vorgeschoben der betürmte Rosenberg; hinter diesem
zeigen sich die Höhen von Gottleuba, näher und hinter einander
gestellt Zirkelstein, Kuppelberge, Pabststein und Königstein,
sodann Kaiserkrone und Lilienstein, anschließend der gr.
Winterberg (Turm). NW.: Zu Füßen Dorf Kaltenbach, darüber
Rennersdorf mit dem Kreuzberge, dahinter der Dittersbacher
Felsenkessel; hinter der Kirche von Dittersbach der
Rauschenberg, das Prebischtor und noch weiter das alte Schloß
Stolpen r. vom Waizdorfer und Gickelsberge jenseits Schandau,
weiter r. der betürmte Unger, Tanzplan (Turm), Valtenberg
(Turm), Botzen, Zeidler Plissenberg und Pirsken.
Höchst lehrreich ist die Rundsicht für den Gesteinskundigen. Nach
N., O. und S. überlagern den Sandstein mächtige Decken aus Basalt
und Klingstein mit zahlreich aufsitzenden Domen, Kuppen und Hörnern.
Sie schützen den leicht zerstörbaren Sandstein vor dem Einflusse
der Erosionskräfte und bewahren ihn vor der Abtragung, so daß er
nur an den Talseiten angeschnitten werden konnte und diese mit den
charakteristischen Wollsackformen ziert. Im W. fehlte das vulkanische
Riesenkonservierungsmittel, und der Quader mußte bis auf den Rest, der
gegenwärtig die böhmisch-sächsische Schweiz bildet, der Erosion und
Denutation anheimfallen.
So lehrreich aber in der Regel Rundsichten für die topographischen
Verhältnisse sind, so selten geben sie eine derartige ästhetische
Befriedigung, wie vereinzelte malerische Ausblicke. Wer letztere am
Kaltenberge sucht, muß sich beim Abstiege nach einigen Schritten r. dem
oberen Rande der vom Wege aus sichtbaren Brockhalde zuwenden. Von hier
aus, wie von verschiedenen anderen Punkten der riesigen Schutthalden am
Südhang des Berges findet der Wanderer herrliche Ausblicke, zu denen
das wirre Steinmeer mit uralten, zerzausten Wettertannen einen recht
wirksamen Vordergrund bildet.
Wer hier die Kammtour unterbrechen will, hat die Wahl zwischen den
+Bahnstationen Hillemühl+ (1¼ Std.) und +B. Kamnitz+ (1¾ Std.). In
letzterer Stadt, die des Sehenswerten viel bietet, befindet sich
eine Sektion des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst
Studentenherberge.
Kaltenberg-Rosenberg (5 Std.).
Der Abstieg vom Kaltenberge geschieht auf demselben Wege wie der
Aufstieg, bis zum Gasthause »zum Kaltenberg« in +Oberhasel+ (20 Min.).
Wer hier die Kammwanderung unterbrechen und zur +Bahnstation
B. Kamnitz+ (1¼ Std.) will, der geht auf der Straße durchs
Dorf hinab. In 20 Min. ist er wieder auf der Kaiserstraße, die
l. von der Kreuzbuche herkommt und über Oberkreibitz nach B.
Kamnitz abwärts führt.
[Illustration: Die Dittersbacher Felsenkette.