Postkarte.]

Wir aber wandern vom genannten Gasthause ab, wo neben einer kleineren

Linde, die das Kammzeichen trägt, eine prächtige Doppellinde

steht, auf einem ziemlich steinigen Wege längs eines lebenden

Zaunes niederwärts. Vor uns genau im Süden haben wir den Goldberg,

knapp r. neben ihm den kahlen Kegel des Silberberges, r. von diesem

den Kamnitzer Schloßberg, hinter welchem l. die Scheibenwarte bei

Meistersdorf zuhöchst aufragt; r. vor dem Schloßberge ist der

Noldenfelsen, dahinter der Sattelberg bei Henne und noch weiter der

Freudenberg mit der Bockner Höhe.

Nach 4 Min. kommen wir am »Gasthaus zu Oberhasel« (r.) vorüber und

nach weiteren 2 Min. beim letzten Hause von +Oberhasel+. Hier haben

wir einen schönen Blick l. über das lang sich hinziehende Unterdorf am

Silberberge vorüber auf den Kamnitzer Schloßberg, der sich hinten gegen

den Forst und den Sonnebergrücken abhebt.

Wir wandern nun r. zwischen Feldern eben fort; der Waldrand des

Kaltenberges bleibt zurück. Vor uns haben wir den wie abgehackt

aussehenden Himmertschberg und links von ihm den Lotterberg, hinter uns

den Mittenberg und Steinschönauer Berg vor dem Bildstein. Nach 4 Min.

kommen wir zu einem +Holzkreuz+ zwischen zwei Linden; gleich hinter

demselben steht ein Pfahl mit dem Kammzeichen. Der Weg geht aber nicht

geradeaus weiter, wie man vermuten könnte, sondern wendet sich l. auf

zwei kleine, in dem freien Gelände gut sichtbare Lindenbäumchen zu,

zwischen denen ein Pfahl mit einem +Marienbilde+ und dem Kammzeichen

steht. Gleich nachher folgt ein gepflasterter, aber beraster Weg

und es öffnet sich ein +Gründel+, in das ein fast unbetretener Pfad

hinabführt. Das Gründel ist von kräftigen Buchen gesäumt; schon am

ersten Baume hängt das Kammzeichen. Wir halten uns zur Seite der

Buchen. Hinter dem Gründel kreuzen sich mehrere Fahrwege. Wir halten

uns rechts und geradeaus weiter aufwärts auf den Pfahl zu, der oben

auf der +Sattelhöhe+ zwischen Himmertschberg (l.) und Kaltenberg (r.)

steht und das Kammzeichen trägt (10 Min.). Hier ist die Wasserscheide

zwischen dem Kamnitz- und Kreibitzbache, bezw. zwischen einem Zuflusse

des Hasler Baches und einem Bächlein, das n. durch das Limpacher Loch,

an das sich, nebenbei bemerkt, viele Sagen vom Limbauer knüpfen, in den

Kaltenbach fließt.

Wir wandern an der nördl. Lehne des 539 _m_ hohen, basaltischen

+Himmertschberges+ weiter, unter Rückblicken auf den Fischberg, unter

welchem Namen die beiden Kuppen des Gold- und Silberberges bei Hasel

zusammengefaßt zu werden pflegen. Wo sich der Weg etwas mehr hebt,

gewinnt man auch einen Ausblick l. am Kaltenberge vorüber auf die

Dittersbacher Felsen. Uns zur Seite r. zieht sich ein tiefer und

breiter, mit Laubhölzern bewachsener +Grund+, der alsbald hinter

dem Zeichenpfahl beginnt, anfänglich durch Äcker von unserem Wege

geschieden ist, später aber denselben innerhalb seines bebuschten

Saumes aufnimmt. Nach 12 Min. wendet sich der Weg vom Grunde l. ab und

etwas lehnan auf freies Ackerland.

Vor uns haben wir den doppelkuppigen +Rolleberg+, dessen

linke, niedrigere Kuppe »Schenkenberg« heißt, während die

höhere Kuppe (459 _m_), der sogenannte »Bilfertstein«, kahl

und felsig ist und nur auf der Spitze ein einsames Bäumchen

trägt; l. hinter ihm ist der kahle Ottenberg, zwischen beiden

rückwärts der Tonelsberg bei Schemmel vor dem Rosenberge; l.

vom Ottenberge der Huttenberg vor der Doberner Höhe. R. vom

Bilfertstein Dorf Limpach, dahinter der schopfartig bebuschte

Limpacher Berg, weiter die steilen Felsen von Hohenleipa und

Herrnskretschen mit dem gr. Winterberge. R. von Limpach Dorf

Kaltenbach, zwischen beiden rückwärts Rennersdorf vor den

Dittersbacher Felsen, im Hintergrunde der Tanzplan bei Nixdorf.

Beim Weiterschreiten zwischen Wiesen und Aeckern, an zwei

allein stehenden Erlen vorbei, erscheint bei einer Wegbiegung

gegen Limpach zu r. von den Dittersbacher Felsen der Böhmberg

bei Niederkreibitz vor dem Zeidler Plissenberge, dann der Irig

bei Daubitz vor der Wolfsbergspitze, endlich das Steingeschütt

bei Teichstatt knapp jenseits der ausgedehnten Steinhalden

des Kaltenberges, in der Richtung einer hoch oben gelegenen

Einschicht von Limpach. Rückwärts kommt wiederum der Goldberg

zum Vorschein neben der senkrecht abfallenden Basaltwand des

Himmertschberges.

Nach 10 Min. ist man beim ersten, etwas abseits stehenden Gehöfte (r.)

von =Limpach=, nach weiteren 2 Min., das Feuerwehrgerüst zur Rechten,

auf der Kreibitz-Kamnitzer Bezirksstraße bei einem Wegkreuz neben dem

Gasthause des Johann Scheiner. Hier biegen wir scharf l. auf die Straße

ab, das Gasthaus mit noch zwei weiteren Häusern r. lassend. Der übrige

Teil des nicht viel mehr als 30 Häuser zählenden, alten Bauerndorfes

bleibt westlich der Straße zurück. Diese wurde vor etwa 40 Jahren

gebaut; doch führte schon in alter Zeit eine wichtige Verkehrs- und

Handelsstraße hier durch, die auch von Wallenstein im Herbste 1633, von

General Browne nach der Schlacht bei Lobositz (1756) und wenigstens

teilweise auch vom Prinzen v. Preußen nach der Schlacht bei Kolin

(1757) benützt wurde.

Die mit Ebereschen -- den steten Begleitern unserer Gebirgsstraßen --

besäumte Straße steigt etwas an; l. haben wir noch eine Einschicht

von Limpach, darüber hinaus einen herrlichen Anblick der beiden

Hasler Fischberge zwischen Kalten- und Himmertschberg; r. sperrt der

Bilfertstein den Fernblick. Nach 5 Min. tritt r. hoher Wald an die

Straße heran, der nach 2 Min. bei einem hohen Holzkreuze oben auf dem

+Sattel+ (408 _m_) zwischen Ottenberg und Himmertschberg endet. L. an

der Straße blüht reichlich wohlriechende Stendelwurz (~Platanthera

bifolia Reichb.~) und langspornige Christushand (~Gymnadenia conopea R.

Br.~). Hier ist die Wasserscheide zwischen dem Limpacher Bache und dem

Kunnersdorfer Weißbache, bzw. dem Kreibitz- und Kamnitzbache.

Nun fällt die Straße. Nach 4 Min., wo sie wieder in Wald tritt,

verlassen wir dieselbe und biegen r. im scharfen Winkel den Waldrand

entlang ab. Es ist nicht unmöglich, daß Kaiser Josef II. am 22.

September 1779 auf seinem Ritte von Hasel nach Kunnersdorf durch diesen

Wald kam. Denn, wie die +Sage+ berichtet, traf der Kaiser unterwegs im

Walde ein Weib, welches Heide hackte. Er fragte, ob das Hacken schwer

gehe, ließ sich die Hacke geben und hackte selbst einigemal. Darauf

beschenkte er die Frau mit einem Dukaten. Diese Frau hieß Palme und war

aus Limpach.

Die Straße weiter durch den Wald würde uns in wenigen Minuten

nach Kunnersdorf und eine halbe Stunde weiter in die Stadt +B.

Kamnitz+ zur +Bahnstation+ bringen -- sehr gelegen für Jene,

welche die Kammtour unterbrechen wollen.

Wir haben jetzt auf unserem Wege den +Rolleberg+, den wir südlich

umgangen haben, zur Rechten, hinter ihm r. schauen Kaltenberg und

Himmertschberg heraus, während l., bei einer Knickung des Weges nach

abwärts, die Doberner Höhen zum Vorscheine kommen. Nach 4 Min. stehen

wir auf einem breiten, sandigen Wirtschaftsfahrwege, der l. von

Kunnersdorf, das man hier liegen sieht, heraufkommt. Hinter Kunnersdorf

macht sich die Kuppe des Sattelsberges bei B. Kamnitz bemerkbar, r.

dahinter der Freudenberg und die Doberner Höhe, weiter r. und näher der

Huttenberg und ganz nahe nw. der +Ottenberg+. Auf letzteren zu wandern

wir die sandige Straße zwischen Feldern aufwärts, den Lotterberg hinter

Kunnersdorf im Rücken. Nach 6 Min. sind wir wieder auf der +Sattelhöhe+

zwischen Himmertsch- und Ottenberg, wo l. ein Wegweiser auf einen

abkürzenden Steig nach B. Kamnitz verweist.

Wer mit der Zeit nicht zu kargen braucht, kann von hier

einen Abstecher auf den =Ottenberg= machen, was etwa 30 Min.

in Anspruch nehmen dürfte. Der Ottenberg ist eine kahle,

aussichtsreiche, bequem ersteigliche Basaltkuppe von 479 _m_

Seehöhe, woselbst die Gebirgsvereinssektion B. Kamnitz am

25. Mai 1892 eine +Schutzhütte+ eröffnet hat. Östlich lenken

die beiden treuen Begleiter auf unserem bisherigen Wege,

der Kaltenberg und der Himmertschberg, den Blick auf sich;

zwischendurch sieht man den Fischberg, l. am Kaltenberge den

betürmten Tannenberg und r. am Himmertschberg die Spitze des

Kleis. Weiter r. vor dem Blottendorfer Kamme bemerkt man den

Mittenberg bei Preschkau, daneben den Steinschönauer Berg

mit Steinschönau und hinter diesem die hochgelegene Kirche

von Parchen. Gegen Süden liegen in einer Linie Kunnersdorf,

die Nolde, B. Kamnitz, der ruinengekrönte Schloßberg, die

Scheibenwarte und im Hintergrunde Ruine Altperstein; r. vom

Schloßberge der Geltsch bei Auscha hinter der Bockner Höhe,

dann der Donnersberg hinter der Hochfläche von Parlosa.

Von Südwest her zieht sich die Wand des Erzgebirges bis

zum hohen Schneeberg, an den sich nordwestlich über den

Rosenberg hinaus die Zschirnsteine, der Zirkelstein, die

Kaiserkrone, der Pabst-, König- und Lilienstein und der

große Winterberg anschließen. Nördlich liegt Dittersbach mit

seinem Felsenkessel, im Hintergrunde die betürmten Kuppen

des Tanzplan und Valtenberges, dann näher Rennersdorf mit

dem Kreuzberge vor der Wolfsbergspitze, nordöstlich jenseits

des Dorfes Kaltenbach Niederkreibitz vor dem Irig und dem

Steingeschütt und Stadt Kreibitz vor dem Plissenberge; l.

hinter dem Irig die Kirche von Daubitz.

In 3 Min. ist der Höhenrücken im Anblicke der Dittersbacher Felsgebilde

gequert; bei einem weithin sichtbaren +Wegkreuze+ r. an unserer Straße

verlassen wir dieselbe und zweigen nach r. von der Hochfläche ab,

wobei l. Hand am Ottenberge vorüber die mächtige Kuppel des Rosenbergs

prächtig auftaucht, r. aber immer noch der Kaltenberg hinter dem nahen

Bilfertstein, der in einem prächtigen Durchblicke erscheint, sichtbar

bleibt. Zwischen Äckern und Wiesen, auf denen massenhaft Wollgras und

Sumpfdisteln wachsen, geht es rasch abwärts, anfänglich durch den

sogenannten »Birkenbusch«, dann über die +Steinwiesen+, wo ehedem fast

Stein an Stein von einer seltenen Härte, sogenannter »Flintsstein«,

lag; schütteres Gesträuch besäumt wohl auch den Weg, die Fernsicht

verschwindet und nach 5 Min. sind wir in hohem Fichtenwalde; hier

geht es womöglich noch steiler abwärts, bis wir nach 3 Min. auf einer

+Brücke+ ein Wässerchen kreuzen, einen Zufluß des Kreibitzbaches. Dann

geht es eine Minute lang aufwärts auf einen flachen +Querrücken+ mit

freiem Ausblicke nach r. auf den Limpacher Berg, während l. Wald den

Weg besäumt. Dieser Sandsteinrücken kommt vom Limpacher Berge her,

zieht sich l. noch 1½ _km_ weiter gegen das Kreibitztal und endet

südwestlich von der Grieselmühle etwa 80 _m_ über der Talsohle mit

einem schroffen Felsstocke, auf dessen Plattfläche der Besitzer der

Grieselmühle 1887 ein eisernes Schutzgeländer und eine Wetterstange

anbringen ließ, letztere aus dem Grunde, weil die Bestimmung der

Windrichtung in der Grieselmühle unten ziemlich schwierig ist.

Ein Abstecher dahin verlohnt sich. Die +Fernsicht+ gleicht

jener von der Dittersbacher Seite des Ottenberges. Besonders

schön ist der Blick auf die unmittelbar darunter liegenden

Wiesen-, Wald-, Bach- und Teichflächen, ähnlich jenem vom Brand

bei Schandau ins Polenztal. Bis jetzt hatte der Punkt keinen

Namen; wir wollen ihn aber nunmehr nach dem Vorschlage des

Besitzers »=Grieselhorn=« taufen.

In 4 Min. ist der Rücken überschritten. Wir sind im oberen +Rollbusche+

und nun gehts im dichten Nadelwalde wieder abwärts. Wir kommen nach

2 Min. an einem Wegweiser Kamnitz-Dittersbach vorüber, nach weiteren

3 Min. zu einem +Mariahilfbilde+ an einem Baume mit Bank davor. Hier

wird der Abstieg besonders steil und führt durch die Waldstrecke

»=Lindicht=«, das sogenannte »Liencht«, weiter. Der erste Teil des

Lienchtweges ist 1886 von der Gebirgsvereins-Sektion Dittersbach

umgelegt worden, was als ein großes Verdienst des Gebirgsvereines für

die böhm. Schweiz zu betrachten ist. In einer Windung mit gemäßigtem

Gefälle zieht sich jetzt der sandige Weg vom Mariahilfbilde in den

Grund hinab, wo man nach 6 Min. an einer schmucken, buchenbesäumten

Felsennische (r.) mit einer +~Ecce homo~-Statue+ vorüberkommt

und nach weiteren 3 Min. am südlichen Ufer des halbmondförmigen

=Grieselteiches=, auch »Helenen-See« genannt, anlangt, der in einer

Ausbuchtung des Kreibitzbachtales inmitten einer herrlichen Wald-

und Felsszenerie wahrhaft idyllisch gelegen ist; Teichrosen decken

seine spiegelnde Fläche, und gegenüber schaukelt verlockend ein Kahn

zur Seite eines Lusthäuschens, das zugleich als Kahnhäusel dient:

wahrlich ein entzückendes Bild, würdig, vom Pinsel des Malers verewigt

zu werden! Um den Teich l. herum führt der Weg zur =Grieselmühle=

(r.), einer zu Dittersbach gehörigen Einschicht älterer Bauart, die

ihren Namen von einem ehemaligen Besitzer Griesel hat und gegenwärtig

im Besitze des Schönlinder Fabrikanten Josef Ohme zur Zwirnerzeugung

dient, zugleich aber Gasthaus und Touristenstation ist; Tische und

Bänke im Waldesschatten l. am Wege laden nach zweistündigem Marsche zur

Ruhe und Atzung ein.

Hinter der Grieselmühle führt nach r. an der im Sandstein

ausgewaschenen »Najadenhöhle« vorüber ein vom Gebirgsvereine für die

böhm. Schweiz 1884 angelegter, mit Ruhebänken besäumter und den Bach

mehrfach auf Stegen übersetzender Touristenweg in den nunmehr gänzlich

erschlossenen hochromantischen, engen +Paulinengrund+; unser Weg aber

führt l. weiter, auf einer Brücke über den Kreibitzbach und dann r.

die Lehne hinauf auf die Dittersbach-Schemmler Bezirksstraße, die man

in 10 Min. beim =Grieselkreuz= (258 _m_) erreicht. Auf dem Wege dahin

hat man rückwärts das Grieselhorn, vor sich den Donsberg diesseits

Dittersbach, r. aber an dem den Weg besäumenden Waldsaume zwei

riesige, backofenförmige Sandsteinblöcke mit mannshohen, eigenartig

ausgewitterten Höhlungen.

Oben beim Dittersbacher Grieselkreuz gibt es Wegweiser in

den Gerstgrund, über die Hinschke zu den Eisengruben und ins

Scholzental, sowie nach =Dittersbach=. Letzteres Pfarrdorf,

das auf ein hohes Alter zurückblickt, gegenwärtig 110 Häuser

zählt, vom Bielebache und der Herrnskretschen-Kreibitzer Straße

durchzogen wird, ist Sitz einer Gebirgsvereinssektion mit

Studentenherberge und seit vielen Jahrzehnten eine besuchte

+Sommerfrische+, sowie ein Hauptknotenpunkt der böhmischen

Schweiz. Es liegt 15 Min., das aussichtsreiche Hotel Bellevue

nur 10 Min. entfernt, so daß ein Abstecher dahin nicht zu

viel Zeit in Anspruch nimmt. Dasselbe gilt vom =Donsberge=,

einer 323 _m_ hohen Basaltkuppe, nahe vor uns geradeaus an der

Straße; er ist seit 1883 vom Gebirgsverein auf Spazierwegen

zugänglich gemacht und gewährt von der 1885 errichteten

+Aussichtsgallerie+ einen hübschen Blick auf Dittersbach und

seine vielbesuchten, merkwürdigen Felsgebilde (Falkenstein,

Marienfelsen, Wilhelminenwand, Rudolfstein, Katzenkirche), die

es umkränzen.

Wir wenden uns vom Kreuze ab auf der Straße im scharfen Winkel

nach l. Vor uns haben wir den Rosenberg, zur Linken den Otten- und

Kaltenberg, r. den Donsberg und rückwärts die Dittersbacher Felsen.

Nach 5 Min. geht es in hochstämmigem Walde abwärts, aber schon nach

2 Min. verlassen wir die nach l. ausbiegende und über Ober-Schemmel

nach Windischkamnitz führende Straße, dort wo r. an einer Kiefer

ein +Marienbild+ hängt und l. wiederum zwei solche wunderliche

Sandsteinblöcke, wie bei der Grieselmühle, liegen. Über eine Wiese

mit einer Ursprungsader des Bielebaches, dann am Walde (l.) entlang,

der nach 1 Min. bei einem neuen +Marienbilde+ an einer Kiefer endet;

r. vom Rosenberge kam Hohenleipa mit dem Schloßberge in Sicht. Nun

zwischen Feldern 3 Min. aufwärts auf die =Schemmler Folgen=, eine

bebaute Hochfläche von 270--280 _m_ Seehöhe mit herrlichen Ausblicken

auf die Berge und Felsen der böhmischen Schweiz zwischen dem Rosenberge

im Westen und dem Kaltenberge im Osten. Nach 2 Min. trifft man l. am

Wege das =Schemmler Grieselkreuz=, das 1795 errichtet wurde und auf

einem Sandsteinsockel eine Kreuzesgruppe (Maria und Magdalena unter dem

Kreuze) trägt. L. unten sieht man die von einer malerisch-zerklüfteten

Sandsteinfelsenkette besäumte Bezirksstraße, darüber den Kaltenberg; r.

bleibt der Bielborn, wo die kleine Biele entspringt, die in die große

Biele zwischen Dittersbach und Grundmühle mündet. Nach 4 Min. kommt

man zu der 1788 errichteten +Folgenkapelle+ neben 4 Häusern, die nach

Schemmel, d. i. zu den Schemmler »Folgen« gehören -- eine Benennung,

die schon im 16. Jahrhunderte gebräuchlich war und mit Hutweide

gleichbedeutend gewesen sein dürfte.

Zwischen dem zweiten Hause und der dazu gehörigen Scheuer geht unser

Weg, unmittelbar vor einem Teichel, hindurch; zur Linken haben wir

den Huttenberg jenseits Schemmel, dessen Häuser nun unten an Bach und

Straße höchst malerisch sichtbar werden. Durch einen Hohlweg geht es

abwärts gegen das Dorf zu; wir kreuzen oberhalb desselben bei einer

Scheuer (l.) einen aus dem Dorfe heraufkommenden Fahrweg und folgen

einem Wegweiser »Zur Kahnfahrt« einen steilen Fußpfad hinab in ein

Gründel, nach dessen Durchquerung wir nach 5 Min. einen Fahrweg

durch ein Wäldchen hinaufsteigen, um gleich darauf unter zeitweisen

Ausblicken l. auf die Dorfhäuser, durch einen Hohlweg wieder abwärts

zu wandern und nach 3 Min. beim Gasthause »zur Eiche« gegenüber der

Grieselbrettmühle in +Niederschemmel+ die Dorfstraße zu erreichen.

Das alte Bauerndorf =Schemmel= zieht sich mit seinen 100 Häusern

von 213 _m_ Seehöhe zu beiden Seiten des Kreibitzbaches gegen

Windischkamnitz herab und wird nur zum Teil von der dahin führenden

Bezirksstraße berührt.

Schemmel besitzt eine besondere Merkwürdigkeit in seiner

mitten zwischen den Häusern gelegenen Felsenkapelle, die

äußerlich einem natürlichen, von Regen und Wetter zernagten

Sandsteinblocke so täuschend ähnlich sieht, daß nur an Tür und

Fensterchen die Spuren der Menschenhand wahrzunehmen sind,

welche die sehenswerte Betstätte in den lebendigen Felsen

gehauen hat. Der Innenraum ist 12 bis 16 Schritte lang und so

breit, daß zwei Bankreihen, jede mit fünf Bänken, darin Platz

haben und noch reichlich Raum für den ansehnlichen Hochaltar

verbleibt.

Unser weiterer Weg wendet sich bei dem genannten Gasthause r. zwischen

den Häusern am Mühlbache, der zur Linken bleibt, entlang, den Rosenberg

vorn, den Ottenberg im Rücken. Nach 8 Min. sind wir beim letzten Hause

von Schemmel, in weiteren 7 Min. -- eine Stunde von der Grieselmühle

-- zwischen Mühlbach und felsenbesäumter Waldlehne, beim ersten Hause

von =Nieder-Windischkamnitz=, einer Brettmühle; das alte und große

Pfarrdorf Windischkamnitz (200 Häuser) zieht sich zur Linken, in

gleicher Seehöhe wie Schemmel, am Kamnitzbache und an der Bezirksstraße

in einem felsenbesäumten Wiesentale 45 Min. lang hin, von wo dann

durch das angrenzende Jonsbach einerseits B. Kamnitz in 1 Stunde,

andererseits die +Bahnstation Rabstein+ in 30 Min. zu erreichen ist;

eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz nebst

Studentenherberge befindet sich daselbst.

Von der Brettmühle führt r. der Weg zwischen Gärten zum Gasthause

der Frau Fiedler nächst der Einmündung des Kreibitzbaches in

den Kamnitzbach, wo die 1881 eingerichtete =Kahnfahrt durch die

Ferdinandsklamm= auf dem ungestauten Gewässer des Kamnitzbaches, eine

der hervorragendsten Partien des Kammweges, beginnt. Es sind Boote

verschiedener Größe zur Verfügung; das Fahrgeld für eine Person beträgt

eine Krone. Gleich unterhalb der Boothaltestelle verengt sich das Tal

und hohe Felswände besäumen die Ufer, so daß oft auf große Strecken

jeder Weg längs derselben versperrt ist. Die Boote gleiten bald

pfeilschnell durch Strudel, bald langsam schaukelnd über flache Stellen

talwärts, hier an Klippen vorüber, dort schneeweiß blühende Massen von

flutendem Hahnenfuß (~Ranunculus fluitans Lamk.~) durchschneidend,

mitten durch die seltsam geformten, moos- und baumbewachsenen Felswände

hindurch, die bald hart an das Wasser herantreten, wie der tief

unterwaschene +Teufenstein+, der +Kreuzstein+ und der +Hiekschenstein+

l. und die senkrecht abfallende +Dostwand+ r., bald zu Talkesseln

sich erweitern, wie die +schwarze Teufe+, wo aus dem vollständig

ruhigen, dunklen Gewässer kulissenartig aufragende Felseninseln sich

spiegeln. Weiterhin schließt sich l. eine Art Felsenfestung an,

der +kleine Oybin+, mit hoch und gewaltig gegen Himmel starrendem

Gesteine. Eine Felsenpyramide r., deren Spitze eine Kiefer trägt,

steht an der Eingangspforte in den Talkessel der Grundmühle. Unter

der +Grundmühlbrücke+ hindurch, über der im Felsen die Inschrift

»Z. G. 1734« zu lesen ist, an der Mündung des +Bielebaches+ (r.)

vorüber, landen wir nach 30 Min. gegenüber der Mühle oberhalb eines

Wehres, schreiten am r. Bach-Ufer unter Benützung von in den Felsen

gehauenen Stufen auf einem schmalen Pfade bis zu einem hohen Holzstege

unterhalb des Wehres und auf jenem hinüber zur =Grundmühle=, einer zu

Kamnitzleiten gehörigen, schon im 16. Jahrh. urkundlich erwähnten,

einschichtig gelegenen Mahlmühle, einem wahren touristischen

Kleinode. Das jetzige Mühlgebäude ist 1727, die alte nun aufgelassene

Branntweinbrennerei 1814 erbaut. In Beziehung auf die Holzflößerei,

woran noch alte Balkenlöcher und auch zwei wirkliche, von einer alten

Holzschleuse herrührende Balken erinnern, spielte die Grundmühle

Jahrhunderte lang eine bedeutende Rolle. Seit 1888 ist mit der Mühle

das Schankrecht verbunden; gegenwärtiger Besitzer seit 1891 ist Franz

Pohl.

Der =kleine Oybin=, unterhalb welchem die Grundmühle liegt,

ist ein bewaldeter, etwa 80 _m_ hoher, isolierter Felsblock

von glockenförmiger Gestalt, der nach Bau und landschaftlicher

Bedeutung an den Oybin bei Zittau erinnert, daher sein Name.

Er läßt sich in halber Höhe umwandern und bietet teils auf das

untenliegende Kamnitztal, teils auf die umliegenden Höhen, vor

allem auf die gewaltige Kuppe des benachbarten Rosenberges,

hübsche Ausblicke.

Bei der Grundmühle zweigt um den kl. Oybin herum nach Osten ein

entzückend schöner, waldbesäumter Touristenweg längs des Bielebaches

in 1 Stunde nach +Dittersbach+, ein steil aufsteigender Fahrweg

westlich neben dem +Mühlgrunde+, wo 1896 die Sektion Windischkamnitz

das »Kriegshäuschen« zugänglich machte und auf dessen Kuppe eine

Schutzhütte errichtete, in 20 Min. hinauf nach +Kamnitzleiten+. Unser

Kammweg aber geht über den hohen Steg wieder zurück aufs rechte

Bach-Ufer und bachabwärts l. in 10 Min. auf einem lauschigen, 1879

vom Fürsten Clary angelegten Steige zwischen Wald und Fels bis zur

=Kirchgrundbrücke=, wo r. der von der Sektion Hohenleipa bequem

erhaltene +Kirchgrundsteig+ in 15 Min. steil nach +Hohenleipa+

hinaufführt.

=Hohenleipa= ist ein altes Bauerndorf, das mit seinen 112

Häusern zerstreut um die nach +Herrnskretschen+ (2 Std.) und

+Dittersbach+ (30 Min.) führende Bezirksstraße und um den

387 _m_ hohen +Schloßberg+ aussichtsreich im Bereiche der

böhmischen Schweiz gelegen ist und sich seit einer Reihe von

Jahren zu einer beliebten +Sommerfrische+ aufgeschwungen hat;

eine Abteilung des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz

und eine Studentenherberge befinden sich daselbst.

Die mehr als stundenlange Strecke des Kamnitzbachtales von der

Kirchgrundbrücke abwärts bis zum Anfange der erschlossenen

»+Wilden Klamm+« im Soorgrunde ist nur in ihrem Anfangsteile,

im »breiten Grunde«, auf einem, von der Sektion Hohenleipa

in Stand gehaltenen schmalen Pfade bis zur »=hohen Wand=«

begehbar, einer glatten Felswand mit überhängendem Gestein

jenseits der =hohlen Teufe= -- auch »Hölle« oder »Höllenteufe«

genannt, -- einem natürlichen, etwa 50 Schritte langen,

durch Loslösung eines Felsüberhanges gebildeten und

künstlich erweiterten Tunnel, durch welchen sich Bach und

Weg hindurchzwängen. Hinter der »hohen Wand« ist bald jedes

Vordringen unmöglich. Im Jahre 1888 war auch die Kahnfahrt von

der Grundmühle abwärts bis zum »breiten Grunde« in Betrieb

gesetzt worden; doch entstanden infolge der Hochwässer im Jahre

1897 derart unüberwindliche Hindernisse, daß dieselbe wieder

eingestellt werden mußte.

Wir überschreiten die Kirchgrundbrücke, die tiefste Stelle des ganzen

Kammweges, und steigen durch den von himmelhohen Felsen besäumten

schluchtartigen =Kirchgrund= auf einem, 1901 von der Sektion Rosendorf

neu angelegten Wege in 15 Min. hinauf nach =Kamnitzleiten=. Das alte,

stille Bauerndorf liegt mit seinen 46 Häusern am Rande der wilden

Kamnitzbach-Talschlucht, in welche man vom »+Spitzen Stein+« (338 _m_)

beim letzten Hause westlich, dem Niederbauer, großartige Einblicke

hat; die Sektion Rosendorf hat 1891 auf demselben ein eisernes

Geländer angebracht. Von Kamnitzleiten führt der Kammweg südwestlich

auf der 1886 neugebauten Rosendorfer Straße in 15 Min. zum Walde, wo

wir l. von der Straße abbiegen und in 5 Min. auf die 1893 ausgebaute

Straße, die von r. aus dem 15 Min. entfernten, alten Pfarrdorfe

+Rosendorf+ (300 Häuser, Sitz einer Abteilung des Gebirgsvereines

für die böhmische Schweiz mit Studentenherberge) heraufkommt,

einmünden. Hier ist ein Schutzdach für Wagen und Pferde und hier

trifft auch der Touristenweg von Tetschen her über Binsdorf ein. Wir

überschreiten ein freies Plätzchen, ein Wieslein, welches zu Ehren des

langjährigen Obmannes des Gebirgsvereines für die böhmische Schweiz,

des Bürgerschuldirektors Robert Manzer »+Manzer-Platz+« benannt ist

und von wo der 1882 angelegte angenehme und schattige »Manzer-Weg«

nach Nieder-Windischkamnitz zur Kahnfahrt in 40 Min. l. hinabführt --

beachtenswert für Jene, welche den Kammweg in umgekehrter Richtung

begehen, da das Befahren des Kamnitzbaches nur abwärts gegen die

Grundmühle, nicht aber aufwärts von der Grundmühle möglich ist.

An den +Eislöchern+ -- Klüften zwischen Basaltstein, wo auch im

Sommer Eisbildung stattfindet -- vorüber führt der 1883 angelegte,

breite und sehr schattige Weg in 45 Min., anfänglich durch Fichten-,

dann durch prächtigen Buchenwald, auf der Nordseite des Berges in

vielfachen Windungen empor. Die gleich mächtigen Säulen emporstrebenden

Buchenstämme tragen ihr grünes Dach in schöner Wölbung gleich einem

gotischen Bauwerk, durch dessen, von einer befiederten Sängerschar

belebtes Laubwerk die Strahlen der Sonne wie durch bunte Kirchenfenster

auf das üppig sprossende Unterholz hindurch zittern. L. unterhalb

des Gipfels nimmt der Weg einen von Windischkamnitz heraufkommenden,

1889 von der Sektion Windischkamnitz angelegten und 1898 teilweise

umgelegten Touristenweg auf. Ganz nahe dem Gipfel hat man auf einem

Austritte einen prächtigen Blick auf Dittersbach, dahinter auf

Rennersdorf und Kreibitz.

Der =Rosenberg=, eine malerische Zierde und ein vielbesuchter

Zentralpunkt der böhmischen Schweiz, erhebt sich 616 _m_ hoch mitten

aus der ausgedehnten Sandstein-Hochfläche von Binsdorf, dieselbe

beiläufig 280 _m_ überragend. Er besteht aus +Basalt+, der teils in

zahlreichen Trümmern die steilen Hänge bedeckt, teils hie und da --

wie nordöstlich am Gipfel und beim Eisborne am Südost-Abhange -- in

fünf- und sechsseitigen Säulen ansteht; der Basaltstock am Gipfel fällt

dadurch auf, daß er zu einem prächtigen Ruheplätzchen hergerichtet

ist. Der vom Basalt durchbrochene Sandstein bildet an der Nordseite

eine steile Terrasse. Von weit und breit sieht man die formenschöne,

stumpf-kegelförmige Kuppe des Berges, der die ganze Gegend beherrscht,

und der auch im Volksglauben und in der +Volkssage+ von altersher

eine große Rolle spielt: man erzählt von einer Kapelle auf dem

Gipfel, die 1326 durch ein Erdbeben vernichtet worden sein soll;

mehrere Sagen knüpfen sich an eine andere Kapelle, die beim »guten

Born« gestanden sein soll und von welcher man noch jetzt die Stufen

sieht; im Altargründel auf der Südseite hielten die Christen zur Zeit

einer Verfolgung ihren Gottesdienst unter einer Buche ab. Man nennt

den Berg geradezu den nordböhmischen Olymp, wo Teut, der Stammvater

der Deutschen Böhmens, von seinem jüngsten Sohne und dessen Familie

Abschied nahm, und will seinen Namen von »Asenberg« (Götterberg)

herleiten; nach einer anderen Vermutung stammt der +Name+ von dem

keltischen Worte »~ros~«, das etwas Hervorragendes bedeutet. Welchen

Eindruck der mächtige Waldberg auf den Beschauer hervorzubringen

vermag, hat seinerzeit Theodor Körner mit den Worten geschildert:

»Es ist in seiner Form und seinem Kolorit so was Herzliches, Treues,

Blühendes, daß ich mich ungern von ihm trennte.« Sein basaltischer,

buchenbeschatteter Boden beherbergt eine üppige +Pflanzenfülle+, die

nicht nur dem Kräutersammler reichliche Ausbeute bietet, sondern auch

den Botaniker von Fach nicht unbefriedigt läßt. Derselbe findet hier

als besondere Seltenheiten einen Schildfarn (~Aspidium Braunii Spenn.~)

und ein Rispengras (~Poa pratensis L. var. anceps~). Von sonstigen

Gewächsen seien erwähnt: Berg-Ehrenpreis (~Veronica montana L.~),

Wald- und Springschaumkraut (~Cardamine silvatica Link~ und ~impatiens

L.~), zwiebeltragende und neunblättrige Zahnwurz (~Dentaria bulbifera

L.~ und ~enneaphylla L.~), Dreifaltigkeitsblümchen (~Trientalis

europaea L.~), Waldwicke und Wald-Platterbse (~Vicia silvatica L.~

und ~Lathyrus silvestris L.~), knollige Walderbse (~Orobus tuberosus

L.~), Heckenknöterich (~Polygonum dumetorum L.~), großes, mittleres

und Alpen-Hexenkraut (~Circaea lutetiana L.~, ~intermedia Ehrh.~ und

~alpina L.~), süße Wolfsmilch (~Euphorbia dulcis L.~), bunte Hanfnessel

(~Galeopsis versicolor Curt~), Sanikel (~Sanicula europaea L.~),

Christofskraut (~Actaea spicata L.~), Haargras (~Elymus europaeus

L.~), Waldhirse (~Milium effusum L.~), einblütiges Perlgras (~Melica

uniflora Retz.~), traubiger Hollunder (~Sambucus racemosus L.~) und

Alpen-Johannesbeere (~Ribes alpinum L.~).

Auf der von hundertjährigem Laubwalde hoch überragten Gipfelwiese,

wo 1808 die Regierung eine Beobachtungsstation, eine sogenannte

»Larumstange«, errichtet hatte, hatte der Besitzer der Herrschaft

Binsdorf, wozu der Rosenberg gehört, Fürst Edmund Clary-Aldringen,

in seiner bekannten Touristenfreundlichkeit einen, mit seinem Wappen

gezierten, 14 _m_ hohen und in sechs Stockwerke abgeteilten hölzernen

+Aussichtsturm+ auf einem 2 _m_ hohen steinernen, unterkellerten

Unterbau errichten lassen, dessen Eröffnung am 29. Mai 1881 stattfand.

Er wurde 1891 vom Blitze beschädigt und, da er ohnedies keine volle

Rundsicht bot, durch einen um 10 _m_ höheren ersetzt, der am 4. Juli

1893 eröffnet wurde. Dieser wiederum wurde am 3. Mai 1903 vom Sturme

umgeworfen, und an seiner Stelle vom gegenwärtigen Herrschaftsbesitzer

Fürsten Carlos Clary ein dritter, 18 _m_ hoch und abermals aus Holz,

errichtet, der am 22. Mai 1904 dem öffentlichen Verkehr übergeben wurde

(Eintritt 30 ~h~). Neben demselben steht eine am 4. Mai 1890 eröffnete,

ebenfalls vom Herrschaftsbesitzer erbaute, überaus freundliche

+Gastwirtschaft+ (Blockhaus) mit Fremdenzimmern und nach Süd -- der

einzigen Richtung, wohin vom Gipfel des Berges selbst ein Ausblick

ermöglicht ist -- gelegener Veranda; die Räumlichkeiten für Küche u.

dgl. befinden sich daneben in dem 1882 erbauten, ursprünglich als

Gastwirtschaft dienenden Holzgebäude.

Die +Rundsicht+ vom Turme ist nur gegen Dittersbach zu durch die alten

Buchen etwas eingeschränkt, ansonsten umfassend, der Eindruck ein

großartiger; der Genuß ist erleichtert durch Richtungslinien, die vom

Gebirgsvereine für die böhmische Schweiz auf der Brüstung angebracht

sind.

Die nächste Umgebung in westlicher Richtung bildet die

Hochebene von Binsdorf, Arnsdorf, Rosendorf und Johnsdorf,

einer kolorierten Mappe gleichend, eingefaßt von den Waldungen

bei Ohlisch, Heidenstein (Koppenberg), Binsdorf (Hainhübel

m. Turm) und Elbleiten; dah. erheben sich die zahlreichen

Höhen der böhmisch-sächsischen Schweiz: Schneeberg mit Turm

(hinter Arnsdorf), gr. u. kl. Zschirnstein (hinter Rosendorf),

Königstein hinter den Koppelbergen, Pabststein und Lilienstein

vor den Bärensteinen, Zirkelstein und Kaiserkrone mit den Orten

Schöna und Reinhartsdorf zwischen ihnen und der Bastei im

Hintergrunde (hinter dem Rosendorfer Hutberge und Johnsdorf),

die Postelwitzer Elbesteinbrüche und die Schrammsteine vor dem

Brand, durchblicksweise die Höhen bei Pillnitz und die Türme

von Dresden (zwischen König- und Lilienstein). Daran schließt

sich nördlich der gr. Winterberg hinter den Silberwänden bei

Herrnskretschen, das Prebischtor hinter Stimmersdorf, die

Flügelwände mit Hochbuschkuppe (Turm) und Unger (Turm) im

Hintergrunde, die Thorwalder Wände mit Valtenberg (Turm),

Tanzplan (Turm) und Schweizerkrone im Hintergrunde. Nordöstlich

sieht man Hohenleipa und Dittersbach, dahinter l. Botzen,

Pirsken und Zeidler Plissenberg, r. Wolfsbergspitze (Turm) und

Rauchberg (Turm), und zwischen beiden über den Häusern von

Gärten den Jüttelberg bei Königswalde und den Czornebog (Turm)

und im äußersten Hintergrunde die Landeskrone. Östlich hat man

im Vordergrunde die hochgelegene Kirche von Windischkamnitz,

dahinter den Huttenberg mit Schemmel, den kahlen Ottenberg,

die Dörfer Limpach und Kaltenbach und den betürmten Kaltenberg

mit anderen Kuppen des Kreibitzer Gebirges; l. davon Kreibitz,

den Kreibitzer Plissenberg, Tannenberg (Turm) und Finkenkoppe.

Ans Kreibitzer Gebirge schließt sich das Falkenauer,

über welches der Kleis hereinblickt, dem wiederum r. der

Jeschkenrücken mit der Koppe und l. Teile des Riesengebirges

zum Hintergrunde dienen. Über Steinschönau und den kahlen

Sattel von Parchen blicken hinter einander Kamnitzberg (Turm)

und Roll, näher liegen Mittenberg, Steinschönauer Berg und

Kamnitzer Schloßberg, vor letzterem die Stadt Kamnitz r.

vom Schloßberge; r. von diesem dehnt sich der Forstberg,

darüber liegt Ulrichstal und Meistersdorf mit dem Sustrich

und der Scheibenkoppe (Turm) und weiter der Sonnebergrücken,

hinter welchem die beiden Bösige (Burgturm) und die Berge bei

Hirschberg und Hauska sichtbar sind. Südlich sieht man hinter

einander die Fabriksschlote von Rabstein, Markersdorf (Kirche),

den Freuden-, Schossen- und Hofberg, den Koselrücken und den

breitkuppigen Wilschberg; weiter r. den Ronberg (Burgruine)

hinter dem Hammerberg, den Mertendorfer Hutberg (Turm) mit dem

Georgsberge (Kapelle) im Hintergrunde, die Hundorfer Beule, den

Geltsch hinter den Häusern von Parlosa vorn und dem Kronhübel

im Mittelgrunde, den Matrelig hinter der Kirche von Reichen,

daneben den Zinkensteinrücken hinter Güntersdorf (Kirche)

im Vordergrunde, endlich Poppenberg und Falkenberg hinter

einander, dahinter l. Tannbusch und Kolmer Scheibe (Turm),

und ganz hinten die hohe Wostrai, Tannbusch bei Nemschen,

Kletschen und Milleschauer (Höhenwarte). Hier fällt der Blick

über Losdorf im Vordergrunde südwestlich auf den Elbspiegel,

den man vom Rosawitzer Hafen angefangen (Kirche) bis weit gegen

Tichlowitz verfolgen kann; ihn besäumt r. das Siebengebirge,

der Blankensteinrücken, die Höhe von Ohren zwischen Hopfenberg

(Turm) l. und Pfaffenberg r.; im Hintergrunde streicht der Kamm

des Erzgebirges, der sich von der Nollendorfer Höhe (Kapelle)

über das Mückentürmchen bis in die Ossegger Gegend verfolgen

läßt, mit Durchblicken gegen Altenberg und Geising i. S.

Den Abstieg vom Rosenberge kann man über Rosendorf und Johnsdorf direkt

(1¾ Std.) oder auf dem Umwege durch die Edmundsklamm (2½ Std.) nach

+Herrnskretschen+, bzw. zur +Bahnstation Schöna+ nehmen, oder über die

neue Welt und den Rosenkamm in 3 Stdn. nach +Tetschen+, oder endlich

über Windischkamnitz zur +Bahnstation Rabstein+ in 1½ Stunden; in

den ersten beiden Fällen benutzt man denselben Weg zur Rückkehr bis

zur Wegkreuzung bei den Eislöchern am nördlichen Fuße des Berges, im

letzteren Falle zweigt man 4 Min. unter dem Gipfel nach r. ab.

[Illustration]

Anhang.

Anschließende Kamm-Wege.

=Jeschkenkoppe[A]-Schneekoppe.= Dieser gegen 60 _km_ lange Kamm-Weg hat

folgende Richtung:

Jeschkenkoppe (1010 _m_)--Stadt Reichenberg--Hohenhabsburg

(Heinrichswarte, Gastwirtschaft)--Dorf Rudolfstal--

Dorf Friedrichswald--Königshöhe (858 _m_, Aussichtsturm,

Gastwirtschaft)--Seibthübel (819 _m_, Aussichtsturm)--

Bramberg (791 _m_, Aussichtsturm)--Maxdorf--Pfarrdorf

Josefstal--Albrechtsdorf--Spitzberg (809 _m_, Gloriett)--

Stefanshöhe (958 _m_, Aussichtsturm)--Wurzelsdorf--

Neuwelt-Harrachsdorf--Mummelgrund--Kesselkoppe (1434 _m_)--

Pantschefall (1300 _m_)--Elbfallbaude(1284 _m_)--

Schneegrubenbaude (1491 _m_)--hohes Rad (1506 _m_)--

große Sturmhaube (1424 _m_)--Mannsteine (1326 _m_)--

Mädelsteine (1411 _m_)--Peterbaude (1288 _m_)--

Spindlerbaude (1215 _m_)--kleine Sturmhaube (1446 _m_)--

Silberkamm (1489 _m_)--Mittagstein (1423 _m_)--

Prinz Heinrich-Baude--Wiesenbaude (1388 _m_)--

Riesenbaude (1383 _m_)--Schneekoppe (1603 _m_).

Die Markierung dieser Anschlußstrecke wurde im Sommer 1904 durchführt,

und zwar besorgte dies von der Jeschkenkoppe bis zur Iserbrücke

bei Wurzelsdorf der deutsche Gebirgsverein für das Jeschken- und

Isergebirge, von da bis zur Schneegrubenbaude der österreichische

Riesengebirgsverein, und weiter bis zur Schneekoppe -- als »Hauptweg«

-- der preußische Riesengebirgs-Verein.

Von der Schneekoppe ist seitens des österr. Riesengebirgs-Vereines die

Weiterführung der Markierung bis Freiheit geplant.

Ein ebenfalls mit dem blauen Kammzeichen vom deutschen Gebirgsvereine

in Gablonz markierter Kamm-Weg, der »Gablonzer Steig« führt von der

Jeschkenkoppe über den Lubokaier Kamm zum Jaberlicher Riesenfaß

(683 _m_), von dort über den Kaiserstein (634 _m_), die Dörfer Radl

und Gutbrunn auf die Schwarzbrunnkoppe (873 _m_, Aussichtsturm),

dann weiter bis zum Pensdorfer Försterhaus (671 _m_) und über den

Industrialort Tannwald auf die Stefanshöhe, wo er sich an den oben

skizzierten Reichenberger Weg anschließt.

[A] Ein +»Touristen-Weg« vom Jeschken bis zum Donnersberge+

soll demnächst durch Markierung geschaffen werden. Hiebei

sollen die mit stattlichen Ruinen oder Aussichtstürmen

gekrönten Basaltberge, weiter die vielen durch reizvolle

Eigenart bedeutsamen Sehenswürdigkeiten der Polzenlandschaft

dem Touristenverkehr erschlossen werden. Als Knotenpunkte

sind in Aussicht genommen: Jeschken, Polzenquelle, Oschitz,

Teufelsmauer, Dewin (Ruine), Hammerteich, Wartenberg, Roll,

Niemes, Kamnitzberg, Reichstadt, Leipaer Spitzberg, Kahlenberg,

Koselspitze, Zößnitzer Gottesgarten, Ronberg, Neuland,

Helfenburg, Auscha, Lewin, Geltsch, Donnersberg.

=Rosenberg-Hainberg.= Zufolge Beschlusses der am 29. Feber 1904 zu

Komotau stattgehabten Sendboten-Versammlung des Nordwestböhmischen

Gebirgsvereins-Verbandes soll längs des Erzgebirgskammes vom hohen

Schneeberge bei Bodenbach (721 _m_) bis zum Hainberge bei Asch ein mit

dem blauen Kammzeichen markierter Weg in der Gesammtlänge von 216 _km_

markiert werden. Der Teplitzer Gebirgsverein hat die 40 _km_ lange

Strecke Tyssa-Dreiherrnstein im Sommer 1904 bereits vollendet; dieselbe

führt vom oberen Ortsteile des Pfarrdorfes Tyssa über den Tyssaberg

(594 _m_), Ziegelteich, die sog. »Schöne« (607 _m_), Dorf Oberwald, den

Sandkopf, Jungferndorf (686 _m_), Nollendorf, die Nollendorfer Kirche,

über den Schießhausweg nach Streckenwald (753 _m_) und Adolfsgrün

(747 _m_), dann über die Ritschelkreuze (760 _m_), Pfarrdorf Ebersdorf,

das Schenker- und Goldammerkreuz (724 _m_) auf den Mückenberg (806 _m_,

Aussichtsturm), weiter über Forsthaus Mückenberg (781 _m_), den Bierweg

und Vorderzinnwald nach Hinterzinnwald (874 _m_), von da über das

rote Kreuz bei Niklasberg, den Keilberg (829 _m_) und Harzwald nach

Neustadt, endlich auf dem Willersdorfer Wege bis zur Wegabzweigung

auf den Dreiherrnstein. Die Fortsetzung der Markierung über den

Dreiherrnstein (865 _m_), hohen Hau (888 _m_), Dorf Langewiese,

den Wieselstein (956 _m_), Forsthaus Georgshöhe und den schwarzen

Teich (829 _m_) nach Göhren erfolgt 1905 auf Kosten der gräflich

Waldstein'schen Domänedirektion in Oberleutensdorf im Einverständnis

mit dem Teplitzer Gebirgsverein.

Die weitere Markierung soll folgende Punkte berühren: Käsherdberg

(797 _m_), Haselstein (774 _m_), Wachhübel bei Gebirgsneudorf

(756 _m_), Adelsberg (901 _m_), Bernstein (921 _m_), Beerhübel

(914 _m_), Annen-Säule auf dem Steinhübel (858 _m_), Bärenallee-Berg

(861 _m_), Kammhöhe bei Sebastiansberg (846 _m_), Haßberg (990 _m_),

Reischberg (873 _m_), Kupferhübel (908 _m_), Hoher Hau (1003 _m_),

Wirbelstein (1094 _m_), Keilberg (1244 _m_), Spitzberg (1111 _m_),

Plattenberg (1040 _m_), Rammelsberg (996 _m_), Scheffelsberg

(976 _m_), Buchsschachtelberg (968 _m_), Reichsapfel (911 _m_),

Kranichsee (940 _m_), der Keil i. S. (941 _m_), Schneckenstein i. S.

(866 _m_), Kottenheide i. S. (780 _m_), hohe Brand i. S. (804 _m_),

Ursprungberg (805 _m_), Hohenstein (771 _m_), Hummelsberg (661 _m_),

Rohrbach i. S. (672 _m_), Brambach i. S. (683 _m_), Wachtberg bei

Oberreuth (709 _m_), Egerer Stadtwald (754 _m_), Himmelreich (730 _m_)

und Hainberg bei Asch (756 _m_, Bismarckturm). Die Markierung der

Strecke Kranichsee-Brambach hat der Verband der Vogtländischen

Gebirgsvereine in Plauen, die Markierung der Schlußstrecke die Sektion

Asch des deutschen und österr. Alpenvereines übernommen.

Auch die Schaffung des Bindegliedes Rosenberg-Tyssa steht in Aussicht,

dessen Markierung dem Gebirgsvereine für die böhm. Schweiz zufällt.

Derselbe hat bereits die Strecke Rosenberg--Neue Welt--Binsdorfer Höhe

(430 _m_, Aussichtsturm)--Rosenkamm--Elbwarte--Quaderberg bei Tetschen

(282 _m_, Bergwirtschaft) markiert. Der weitere Weg dürfte über Dorf

Kalmswiese, den Pferdekopf (650 _m_), den hohen Schneeberg (721 _m_)

und die Tyssaer Wände (610 _m_) nach Tyssa gelegt werden.

[Illustration]

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Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege · 第 7 / 8 题