Postkarte.]

Die Aussicht von der felsigen Plattform zwischen den beiden

Gasthäusern, sowie aus den Gasthausfenstern selbst -- hier auch

durch färbige Scheiben -- gegen Süden ist ungemein anziehend und hat

den touristischen Ruf des Hochwalds begründet. Um einen Ausblick gegen

Norden ins Oybintal und gegen Zittau zu gewinnen, muß man den Turm (128

Stufen) besteigen; die Eintrittskarten hiezu (zu 10 Pfg.) löst man

im +Turmwächterhause+ daneben, wo man auch das Aussichtspanorama (10

Pf.) und Erfrischungen erhält, und wo überdieß ein Relief des Zittauer

Gebirges, sowie die seit 20. April 1893 eröffnete kais. deutsche

+Fernsprechstelle+ sich befindet. Neben Haus und Turm ist auch noch ein

Gärtchen mit Alpenflora. Die hervorragendsten Punkte des +Panorama's+

sind auf der Zinnengallerie des Turmes anzeichnet.

Ost: Der Pfaffenstein jenseits Lückendorf, Kratzau und

Weißkirchen dahinter, weiter die Hemmerichberge und darüber das

Isergebirge mit der Tafelfichte, den Vogelkoppen, Taubenhaus

und Siechhübel, im Hintergrunde das Riesengebirge mit

Reifträger, hohem Rad mit der auffälligen Schneegrubenbaude,

Kesselkoppe, Brunn- und Schwarzeberg; l. hinter dem

Pfaffenstein Schloß Grafenstein vor dem Gickelsberge. Südost:

Der Jeschkenrücken mit der Koppe im Mittelpunkte, davor die

Kirchdörfer Pankraz und Ringelshain, noch näher Petersdorf; r.

hinter der Jeschkenkoppe der Kosakow, daneben die zweizinkige

Ruine Trosky und der Musky bei Münchengrätz, vor diesem der

Silberstein, Audishorner Spitzberg und Dewin neben einander,

im Vordergrunde der Falkenberg, dazwischen Schloß Lämberg.

R. hinter dem Falkenberge Stadt Deutschgabel, weiter Schloß

Wartenberg vor den beiden Hirschbergen. Süd: Der Tolzberg

zwischen Roll (l.) und den beiden Bösigen; r. davon der Wratner

Berg (Turm) und die Hauskaer Berge hinter dem Kummergebirge, zu

Füßen die beiden Gastwirtschaften des Berges; r. hinter ihnen

der Mergtaler Limberg, l. dahinter der Kamnitzberg vor den

Mikenhaner Steinen, im Hintergrunde Ruine Altperstein neben dem

Maschwitzer Berge; r. hinter dem Limberge Pfarrdorf Lindenau

und im Hintergrunde der Georgsberg bei Raudnitz. Südwest:

Grünerberg, l. dahinter Ortelsberg vor dem Wilschberge,

zwischen beiden das Schwoikaer Gebirge, r. von diesem der

Leipaer Spitzberg (Turm) und hinter diesem der spitze Ron. R.

hinter dem Grünerberge der Rodowitzer Hutberg, darüber der

Koselrücken, im Hintergrunde der Geltsch bei Auscha. R. vom

Rodowitzer Hutberge im Vordergrunde Pfarrdorf Großmergtal,

dann die Stadt Haida vor dem Kottowitzer Berge, dahinter

die Rabensteiner Höhe mit dem Hutberge (Turm), noch weiter

der Zinkensteinrücken und darüber der Milleschauer; r. vor

diesem folgt der Kleis hinter dem Glasertberge. West: Zu Füßen

Kirchdorf Krombach, dahinter die Berge bei Falkenau, l. hinter

diesen der Kamnitzer Schloßberg, r. das Kreibitzer Gebirge mit

dem Kaltenberg (Turm), im Hintergrunde der hohe Schneeberg

(Turm) mit Teilen des Erzgebirges und Höhen der sächsischen

Schweiz; r. von Krombach Schanzendorf, dahinter der Plissenberg

vor Oberlichtenwalde, neben welchem die Lausche mächtig

aufsteigt; l. dahinter die Finkenkoppe, r. der Ziegenrücken und

an diesem r. vorüber die Wolfsbergspitze (Turm). Nordwest: Dorf

Hain zu Füßen mit dem Johannisstein, dahinter die Rabensteine,

die Nonnenklunzen und die Jonsdorfer Mühlsteinbrüche, weiter

Warnsdorf mit der Burgsbergwarte, Seifhennersdorf und Rumburg,

noch weiter der Botzen und hinter diesem der Valtenberg (Turm),

r. von Hain der Jonsberg neben Jonsdorf, dahinter Großschönau,

dann der Warnsdorfer Spitzberg, im Hintergrunde Bilebog und

Czornebog, beide mit Türmen; r. hinter dem Jonsberge der

Breiteberg vor Spitzkunnersdorf, dann der Oderwitzer Spitzberg

zwischen dem Kottmar (Turm) hinter Eibau und dem Löbauer Berge

(Turm). Nord: Der Oybiner Talkessel mit dem Ameisenberge,

l. dahinter das Königsholz und Rotstein, r. die Jauerniker

Berge und die Landeskrone hinter Zittau. Nordost: Töpfer und

Scharfenstein, dahinter die Kirchdörfer Friedersdorf und

Reichenau.

Wer die Kammtour hier abbrechen will und einer Bahnstation zustrebt,

hat unter folgenden Abstiegen die Wahl: Zur +Station Oybin+, der

nächsten Bahnstation, in 50 Min. den direkten steinigen Serpentinenweg

hinab oder über Hain in 1¼ Std.; zur +Station Deutschgabel+, über

Forsthaus Nr. VI, in 2¼ Std.; zur +Station Zwickau+ über Krombach und

Mergtal in 2½ Std.

Hochwald-Lausche (2½ Std.).

Unser Abstieg geschieht auf dem ersten Wege r. bei den

Bergwirtschaften; nach 20 Min. sind wir am Rande des Bergwaldes

unten angelangt. Vor uns haben wir jenseits einer Wiese die obersten

abseitigen Häuser von +Krombach+, dahinter den Plissenberg, über

welchen die Lausche herüberblickt; l. davon den Kleis, dazwischen

den Dürre- und Mühlsteinberg bei Hoffnung. Bei Grenzstein 152 (vom

Jahre 1649) treffen wir nach 1 Min. auf die Straße, welche die beiden

Grenzdörfer Krombach und Hain mit einander verbindet, und in die l.

Hand der oben (S. 31) erwähnte Ringweg vom Forsthaus Nr. VI her über

den aussichtsreichen Rücken des Schafberges (562 _m_) einmündet.

Pfarrdorf =Krombach=, das, hinter einem Wäldchen versteckt, 4

Min. l. liegen bleibt, ist eine uralte deutsche Besiedlung;

schon 1391 wird es urkundlich genannt. Es zieht sich mit

seinen 180 Häusern längs eines unterm Sattel entspringenden

Bächleins -- eines Zuflusses des in die Polzen mündenden

Zwittebaches -- zwischen Plissenberg und Gulichberg abwärts,

hat eine 1874 erbaute Kirche, eine schöne Volksschule und ein

zur kaiserlichen Herrschaft Reichstadt gehöriges Herrenhaus mit

Bräuhaus, wo ehedem ein weit berühmtes Bier gebraut wurde. Hier

bestand im 17. Jahrh. eine Glashütte der Schürer v. Waldheim,

von der heute noch Reste vorhanden sind. Eine Berühmtheit

Krombach's ist die im Garten des Knobloch'schen Hauses Nr. 19

im Oberdorfe stehende, vollkommen gesunde, etwa 10 _m_ hohe

+Riesen-Eibe+ mit einem Umfange von 3·60 _m_ in Manneshöhe; ihr

Alter wird von Einigen auf 940, von Andern sogar auf 1800 Jahre

geschätzt, weil die Eibe überaus langsam wächst. Jedesfalls

ist sie älter als das Dorf. Übrigens gibt es im Ortsgebiete

noch zwei jüngere Eiben von 7--8 _m_ Höhe, und es ist möglich,

daß es sich hiebei um den Rest eines älteren Eibenbestandes

zwischen Krombach und Spittelgrund handelt. Im bairischen

Erbfolgekriege, insbesondere aber am 22. Sept. 1778, beim

Einmarsche der feindlichen Truppen, litt der Ort sehr.

Uns r. wendend, haben wir nach 150 Schritten den =Hain-Sattel=,

die Sattelhöhe zwischen Hochwald und Johannisstein auf der

Hauptwasserscheide (578 _m_) zwischen Ost- und Nordsee erreicht, über

die auch die Landesgrenze zwischen Böhmen und Sachsen streicht und

Krombach von Hain scheidet; die beiden obersten Häuser beider Orte

stehen zu beiden Seiten der Straße; r. das zu Hain gehörige Gasthaus

»Kaiser Wilhelmshöhe« und l. das zu Krombach (als Nr. 182) gehörige im

Jahre 1903 erst erbaute Gasthaus »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe«. Gerade

auf letzteres zu führt der Kammweg; hier haben wir vor uns den Töpfer,

rückwärts den Kleis, r. den Hochwald, l. den Johannisstein.

Zu Krombach, als Nr. 175, gehört auch die ebenfalls

einschichtige +Gastwirtschaft+ am =Johannisstein= l. Hand;

sie enthält Tanzsaal und Fremdenzimmer (Nachtlager für 10

Personen zu ~K~ 1.80) und wurde 1880 auf einem Grundstücke

des ehemaligen »Dreilinden-Gutes« errichtet. Ein Abstecher

dahin von unserm Standpunkte beim Gasthause »zur Kaiser

Franz Josefs-Höhe« erfordert nur 5 Min. auf einem langsam

ansteigenden Bauernwege. Der Johannisstein ist ein kahler,

freistehender Klingsteinfelsen von 596 _m_ Seehöhe, dessen

Gestein in fast wagrecht liegende Säulen abgesondert ist,

die sich nach oben zu verkürzen und eine natürliche Treppe

darstellen. Der Berg wird von der Landesgrenze geschnitten und

soll den Namen von einem Stollen haben, der bei Gelegenheit

von Bergbauversuchen 1538 und 1559 hier angelegt wurde, nach

Anderen von einer Statue Johannis des Täufers, um die man

beim Abbrennen der Johannisfeuer tanzte. An seinen Lehnen

wächst Feld-Enzian (~Gentiana campestris L.~). Beim Baue der

Gastwirtschaft fand man Pfeilspitzen, verschiedene Münzen,

eine Hellebarde aus dem 14. Jahrh., eine Reiterpistole,

eine französische Medaille u. dgl. als Erinnerungszeichen

an die mannigfachen Kriegsereignisse, die sich in dieser

Gegend abspielten. Der Erbauer der Gastwirtschaft hat 1881

den Felsen durch eine bequeme, mehr als 40 Stufen zählende

Treppe zugänglich gemacht und oben eine steinerne, turmartige

+Aussichtswarte+ angelegt. Die Aussicht von da, zu deren

Genusse man sich eines Automat-Fernrohres gegen eine Gebühr von

10 Pf. bedienen kann, ist entzückend und besonders weitreichend

gegen Böhmen, wo Berg an Berg sich reiht; im Herbste 1853

erfreute sich Kaiser Ferdinand I. von Österreich daran, als er

von Reichstadt aus sein Herrschaftshaus in Krombach besuchte.

Im Nordosten blickt man über Hain auf Berg und Tal Oybin,

dahinter ein Teil von Zittau mit dem Viadukt der Reichenberger

Bahn, r. vom Oybin den Töpfer, l. den Pferdeberg, l. von

diesem (im Norden) den Jonsberg, dahinter das Jonsdorfer Tal,

Großschönau, den Gebirgszug zwischen Bautzen und Löbau, am

Horizonte die Landeskrone; im Westen den Plissenberg mit dem

Rabensteine, dahinter die Lausche und den gr. Winterberg;

südwestlich übers Krombacher Tal aufs Schwoikaer Gebirge und

den Kleis, südlich Hochwald und Jeschkenkoppe, östlich das

Iser-, dahinter das Riesengebirge.

Das in alten Zeiten noch nicht bestandene, nördlich von

Krombach jenseits Landesgrenze, am Ursprunge eines in die

Mandau sich ergießenden Baches zu beiden Seiten der nach

Oybin hinabführenden Steilstraße, die dem Winter-Sporte

der +Hörnerschlittenfahrten+ (die Person 30 Pf.) dient,

gelegene Dörfchen =Hain= zählt einige 30 Häuser mit zum

Teil wunderlich-altertümlichen Holz-Essen und hat sich dank

seiner Gebirgs- und Höhenlage -- es ist die höchst gelegene

(550--578 _m_) Ortschaft der Oberlausitz -- zu einer beliebten

+Sommerfrische+ entwickelt. Außer der erwähnten Gastwirtschaft

»Kaiser Wilhelmshöhe« bietet das »Forsthaus Hain« im

Mitteldorfe vorzügliche Verpflegung. Westlich bei Hain liegt

auf einer freihinaushängenden, mit einem Geländer umgebenen

Felsplatte der herrliche +Aussichtspunkt »Ludwigshöhe«+, wo

man das ganze liebliche Oybintal vor sich hat mit dem Jeschken

rückwärts.

Durch schönen Wald gelangt man auf der Steilstraße über Hain

in 20 Min. zu den ersten Häusern des =Kirchdorfes Oybin=, in

40 Min. zur Bahnstation. Der Ort zählt 800 Einwohner, eine

bedeutende Anzahl schöner Villen, eine Studentenherberge, und

zieht sich nahezu eine Stunde lang in einem Tale hin, das

von einem Kranze felsiger Waldberge (Töpfer, Scharfenstein,

Ameisenberg, Pferdeberg, Berg Oybin) umschlossen und seit

1873 ein stark besuchter +Bade- und klimatischer Kurort+ für

Nervenleidende und Blutarme geworden ist. Der weitgespannte

Waldsaum und die niedrigeren Berghänge bieten eine Fülle der

angenehmsten Spaziergänge, die umliegenden, vortrefflich

zugänglich gemachten Fels- und Berggipfel die herrlichsten

Aussichten, deren Erschließung ein Verdienst des dortigen

Gebirgsvereines ist. Die Perle des Oybintales aber ist der

vielbesuchte =Berg Oybin=, ein mitten aus dem Tale 116 _m_ hoch

in Gestalt einer riesigen Felsglocke, in mehreren Terrassen

aufsteigender, von Runsen durchfurchter Sandsteinberg.

Seine Oberfläche trägt die ansehnlichen Reste einer durch

Heinrich von Leipa um 1312 erbaut gewesenen, 1343 auf Geheiß

des Kaisers Karl IV. zerstörten +Ritterburg+ und eines von

demselben Kaiser 1366--1384 an ihrer Stelle nach Plänen Peter

Parler's von Gmünd erbauten, seit 1577 in Ruinen liegenden

Cölestiner-+Mönchsklosters+ mit einem, von dem um die Hebung

Oybins vielverdienten ~Dr.~ Alfred Moschkau 1879 begründeten

und seit 1883 dort befindlichen, +historischen Museum+

(Eintritt 50 Pf.), ferner den 1515 angelegten Ortsfriedhof

und den Gesellschaftsplatz mit +Gastwirtschaft+ und reizender

+Aussicht+ gegen Zittau. Man besteigt ihn vom Bahnhofe an der

1734 erbauten, teilweise in den natürlichen Felsen gearbeiteten

Kirche vorüber in 20 Min.

Unseren Kammweg fortsetzend, wenden wir uns von der Straße, auf der wir

gekommen, bei dem Gasthause »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe« in spitzem

Winkel l. von der Landesgrenze ab und verfolgen den Fahrweg, der auf

das einzelne Krombacher Gehöft vor uns führt; dasselbe bleibt knapp r.

Wir wandern nunmehr durch längere Zeit wieder auf böhmischem Boden.

Vor uns, in südwestlicher Richtung, haben wir jenseits des

kahlen Gulichberges den Kleis, l. davon in südlicher Richtung

den Mergtaler Limberg, dahinter den Lauf- und Kamnitzberg; r.

vom Limberge der Ortelsberg vor dem Wilsch, r. davon der spitze

Ronberg neben der Koselspitze, vor dieser der Grünerberg (l.)

mit Großmergtal (Kirche) und der Glasertberg (r.); nahe am

Kleis der Hutberg bei Mertendorf; r. vom Kleis bis zur Lausche

im Westen sind die Berge bei Falkenau eingeschoben.

Nach 2 Min. senkt sich der bis dahin ebene Weg; der Mühlsteinberg mit

seinen Brüchen wird r. sichtbar; wir kommen an einer Einschicht (l.)

-- auf der sogenannten »Katzenstirn«, wenn wir recht berichtet sind --

und einem Wäldchen (r.) vorüber, worauf r. neben dem Mühlsteinberge

auch der +Jonsberg+ (642 _m_, Klingstein, hieß 1450 Jonasberg) sichtbar

wird, an dem l. vorüber der Blick über weites Gelände hin auf den

Kottmar und den Löbauer Berg schweift. Nach 8 Min. treffen wir auf die

Straße, welche von Krombach nach Jonsdorf durch =Schanzendorf= zieht

u. zw. gerade in der Mitte des Dorfes, bei einer Markentafel und einem

Verzeichnisse der Gasthäuser des Ortes. Letzteres Dorf, das jetzt 136

Häuser zählt, soll auf den Gründen des Krombacher Meierhofes erbaut

sein, weshalb es auch im Gemeindeverbande von Krombach ist; seinen

Namen führt es seit 1778, seitdem die österr. Kroaten hier gegen die

Preußen und die mit ihnen verbündeten Sachsen Schanzen errichtet

hatten, die Kaiser Josef II. am 19. September 1779 in Augenschein nahm

und die 1813 von den Franzosen wieder in Stand gesetzt wurden und

teilweise am »Heidelstein«, wo vor etwa 25 Jahren Sandstein gebrochen

wurde, noch zu sehen sind. Wo Schanzendorf heute steht, führte zu einer

Zeit, als die Gegend noch unwirtlich war, die alte Leipaer Straße von

Zittau her über Nieder-Oybin zwischen Jonsberg einerseits und dem

Ameisenberge mit dem Pferdeberge andererseits hindurch über den sog.

»Stern«, wo die Wege von Schanzendorf, Jonsdorf, dem Jonsberge, der

Ludwigshöhe, dem oberen Hain und dem Johannisstein zusammentreffen;

sie ist von der Landesgrenze ab schon längst nur mehr ein Waldfahrweg,

seitdem die Zollstraße über Jonsdorf und über die zugleich die

Landesgrenze und Hauptwasserscheide bildende bewaldete Sattelhöhe

(487 _m_) zwischen Plissenberg und Jonsberg verlegt ist; die alte

Straße mündet in die jetzige dort, wo wir auf diese treffen.

Auf letzterer Straße erreicht man vom letzten Hause in

Schanzendorf, dem Zollamte, in 20 Min. das Nebenzollamt

und das Gasthaus »Schweizertal« in Neujonsdorf, 10 Min.

weiter die +Station Jonsdorf+, Endstation der Bahnlinie

Zittau-Jonsdorf, nächst der Kirche von Altjonsdorf. Kirchdorf

=Jonsdorf=, Geburtsort des Lausitzer Historikers Pescheck,

Sitz eines rege wirkenden Gebirgsvereines, zerfällt in

Alt- und Neujonsdorf und hat sich neben Oybin wegen seiner

klimatisch milden Lage in breitem, sonnigem Tale, wegen

seiner herrlichen Waldanlagen und Felsszenerien und wegen

seiner reichen Auswahl guter Privat- und Gastwohnungen zu

einer beliebten +Sommerfrische+ emporgeschwungen; besonders

Neujonsdorf ist ein Gebirgs-Idyll schönster und eigenster

Art und besitzt in seiner »+Felsenstadt+« am phonolithischen

Mühlsteinberge (562 _m_, seit Jahrhunderten bestehende

+Mühlsteinbrüche+ daselbst östlich der Felsenstadt) mit ihren

wunderbaren Felsgestaltungen, ihren Aussichtspunkten (Karola-

und Albertfelsen, Friedrichshöhe) und dem in Basaltsäulenform

abgesonderten Sandstein (am Humboldtfelsen zur Erinnerung an

den Besuch des berühmten Gelehrten im Jahre 1851 so benannt,

und an der Orgel) ein landschaftliches Juwel eigenster Art.

Wer dieselbe besuchen will, zweigt vom Zollhause an der

Schanzendorfer Straße ab und trifft bei den Rabensteinen wieder

auf den Kammweg.

Unser Weg geht weder r. noch l. in Schanzendorf, sondern quer über

die Jonsdorfer Straße hinweg, sodann auf einem guten Gemeindefahrwege

zwischen den Häusern geradeaus weiter, immer den Jonsberg zur Rechten,

bis wir nach 5 Min. am letzten Hause, dem Gasthause »zum Roß«

vorbeikommen. Gleich dahinter lesen wir auf einem Wegweiser: »Nach den

Mühlsteinbrüchen, nach Niederkrombach-Lichtenwalde, Grenzweg über die

Kühhutje«. Hier haben wir nach l. auch wieder einen weiten Ausblick

zwischen Kleis und Mergtaler Limberg hindurch auf den Grünerberg,

Ortelsberg, das Schwoikaer Gebirge und den Koselrücken hinter einander.

Wir wenden uns nach r. und erreichen nach 3½ Min. den Waldrand am

=Plissenberge=, und zwar an seiner nordöstlichen, 644 _m_ hohen Kuppe

(auch »Schanzberg« geheißen), während seine höchste Erhebung in der

Mitte 659 _m_ und seine südwestliche Kuppe 605 _m_ mißt; er bildet

nämlich einen fast 3 _km_ langen Rücken aus Klingstein auf einer, dem

östlichen Flügel des Elbesandsteingebirges vorgelagerten Stufe zwischen

Schanzendorf und Niederlichtenwalde. Hier machen wir kurzen Halt und

erfreuen uns an dem herrlichen +Ausblicke+ rückwärts gegen Ost und

Süd, der besonders eindrucksvoll auf diejenigen sein muß, die die Tour

umgekehrt machen.

Ost: Vor uns die letzten Häuser von Schanzendorf, dahinter der

Johannisstein zwischen Jonsberg (l.) und Hochwald (r.). Südost:

Tolz und Roll hinter einander. Süd: Limberg, r. hinter einander

Lauf-, Kamnitz- und Tachaberg, r. davon der schopfige Eichberg

im Kummergebirge, r. dahinter der gr. Peschkaben bei Dauba,

dann der Maschwitzer Berg und der Wilsch, mit welchem die

Aussicht südwestlich abschließt.

Fichtenwald nimmt uns auf; am Waldsaume beachten wir noch die dort

blühende Arnika, dann steigen wir durch 13 Min. fast immer aufwärts

auf breitem Fahrwege, den hie und da der sattgrün glänzende Rippenfarn

(~Blechnum spicant Roth~) besäumt. Ein Grenzstein mit der Jahreszahl

1694 steht daselbst: wir sind wieder an der Landesgrenze! Der Weg, ein

prächtiger Sandweg, führt 4 Min. weiter zu einer wichtigen Wegteilung:

während der Fahrweg geradeaus weiter nach Niederlichtenwalde hinab

führt, biegen wir nach r. auf einen holprigen Fußweg ab, der entlang

der Landesgrenze zumeist ziemlich steil abwärts führt. Gleich anfangs

haben wir wieder einen lang entbehrten Ausblick, nämlich nach r., wo

der +Rehstein+, ein merkwürdig geformter Sandsteinfels, steil aus dem

Waldesdunkel emporsteigt. Man sieht über die Jonsdorfer Felsen hinweg

auf die ausgedehnten Häuserreihen von Herwigsdorf und Seifersdorf

mit der Landeskrone im Hintergrunde. Nach 12 Min. ist man unten bei

einem Wirtschaftsstreifen (l.) angelangt, über den hinweg man die

steilen Gebilde der Rabensteine unmittelbar vor sich sieht, darüber

die Lausche, von der sich, den Kleis im Hintergrunde, die Ortschaften

Jägerdörfel, Ober- und Niederlichtenwalde nach l. herab ziehen. Hier

steht ein Grenzstein mit der Jahreszahl 1783. Noch 2 Min. und wir sind

beim Hauptgrenzstein V auf dem höchsten Punkte der Straße, die von

Niederlichtenwalde herauf über Neujonsdorf (Gasthaus »zur Gondelfahrt«

20 Min.) zur +Station Jonsdorf+ (45 Min.) führt. Dieselbe kreuzend,

sind wir nach 3 Min. oben bei den waldumschlossenen =Rabensteinen=

(543 _m_). So heißt eine schon seit dem 14. Jahrh. bekannte

abenteuerliche Felsengruppe auf der Landesgrenze, deren abgesondert

aufragende, bienenwabenartig ausgewitterte und über und über mit gelbem

Schwefelmoos (~Lepraria ochroleuca Ach.~) bedeckte Sandsteinkegel

die wunderlichsten Naturspiele (Profile von Menschenköpfen, solche

eines Löwen- und Pferdekopfes) zeigen, je nach dem Standpunkte,

den man einnimmt. Auf der Plattform am Fuße des östlichen Kegels

auf böhmischer Seite erbaute 1877 ein Lichtenwalder Insasse eine

+Gastwirtschaft+, die im Laufe der Jahre mehrfachen Änderungen (1885

infolge Brandes) unterzogen wurde. Aus den Fenstern der Gastwirtschaft

blickt man südlich l. auf den Plissenberg bei Niederlichtenwalde,

r. auf den Steinberg bei Oberlichtenwalde und zwischen durch auf

Grünerberg und Ortelsberg hinter einander. Von dem über eine Holztreppe

besteiglichen Kegel hat man eine zwar nicht großartige, aber immerhin

schöne und seltene +Aussicht+, die sich mit der vom »Falkensteine«

deckt, einem gegenüber auf sächsischer Seite aufragenden, ähnlich

geformten und etwas höheren Felsen, welcher 1879 ebenfalls durch Stufen

zugänglich gemacht wurde.

West: Die Lausche, l. unter ihr Jägerdörfel. Südwest: Der

Steinberg, davor Ober- und Niederlichtenwalde, dahinter

der Kleis, mehr nach l. der Glasertberg vor dem Schwoikaer

Gebirge. Süd: Grüner- und Ortelsberg hinter einander. Südost:

Plissenberg. Ost: Johannisstein, l. davon die Jonsdorfer

Mühlsteinbrüche, dahinter der Jonsberg, an seinem Fuße l.

Kirchdorf Jonsdorf, weiter draußen Zittau und Reibersdorf.

Nordost: In geringer Entfernung die Nonnenklunzen, l. dahinter

Herwigsdorf und Seifersdorf, am Horizonte die Landeskrone.

Nord: Buch- und Sonneberg ganz nahe.

Die Einschicht »Rabenstein« gehört zu dem nur einige Minuten

südlich entfernten, langhin zur Seite der Sandsteinbasis des

Plissenberges am Zwittebache, der hier am Lauschepaß seinen

Ursprung hat, sich erstreckenden, schon im Jahre 1391 mitten

im »gelichteten« Markwalde bestandenen, heutigen Weberdorfe

=Niederlichtenwalde= (164 Häuser mit Zollamts-Expositur),

aus welchem Orte die Waldhornbläser Hammer stammen, die Ende

des 18. Jahrh. viel Aufsehen mit ihrer Kunst machten. Im

siebenjährigen und im Kartoffelkriege hatten die Österreicher

bei Niederlichtenwalde, u. a. auch auf dem Rabenstein,

Beobachtungsposten aufgestellt.

Denjenigen, die den Kammweg von den Rabensteinen zur Lausche

schon kennen, sowie für diejenigen, die die Kammtour hier

unterbrechen und etwa der +Station Zwickau+ (1¾ Std.) oder der

+Station Großschönau+ (1½ Std.) oder der +Station Jonsdorf+

zustreben, empfehlen wir folgenden Abstecher. Denselben Weg,

wie man heraufgekommen, wieder auf die Straße und auf dieser l.

im Walde abwärts; nach 15 Min. den Fußweg l., und von diesem

nach 2 Min. r. aufwärts durch eine 2 _m_ breite und 15 _m_ hohe

natürliche Felsengasse hinan zu den =Nonnenklunzen=, einer

Gruppenreihe mächtiger, wild zerklüfteter Sandsteinfelsen

(536 _m_), von denen einige Form und Gestalt von Nonnen haben.

Auf der Höhe derselben, die seit 1846 zugänglich gemacht

ist, befindet sich seit 1860 eine, zuletzt 1903 erneuerte

+Gastwirtschaft+ (Nachtlager für 7 Personen) mit Gesellschafts-

und +Echoplatz+ (siebenfach, ein Böllerschuß 50 Pf.) und einer

+Aussichtsanlage+ auf dem über eine Brücke besteiglichen

Basteifelsen, der »Nonnenhöhe«, an der mehrere Gedenktafeln

angebracht sind, darunter auch eine an den König Friedrich

August II. von Sachsen. Man hat im Osten zu Füßen Neujonsdorf

vor dem Jonsberge, im fernen Hintergrunde r. die Ausläufer

des Isergebirges mit der Tafelfichte; weiter r. vorn die

Mühlsteinfelsen, darüber den Hochwaldturm, l. vom Jonsberg

das Zittauer Talbecken vor der Landeskrone im Hintergrunde;

im Süden die über den Wald schauenden Rabensteine, l. der

Plissenbergrücken, r. weiter rückwärts der spitze Kleis,

westlich die Lausche. Vom Gesellschaftsplatze steigt man sodann

durch die Gastwirtschaft und über die Stufen hinab, geht am

Ende derselben l. fort in 3 Min. auf die angenehme Waldstraße,

die Jonsdorf mit Oberwaltersdorf verbindet; auf dieser l.

trifft man nach 11 Min. jenseits des »hohlen Steines« wieder

auf den Kammweg, der von den Rabensteinen herkommt.

Den Rabenstein verlassend, steigen wir auf sandigem Waldwege,

den Falkenstein r., steil über Stufen 3 Min. lang abwärts zu den

Grenzsteinen 75--73, um gleich wieder durch 2½ Min. anzusteigen. Oben

ein hübscher Rückblick auf den Rabenstein. Nun wiederum 1 Min. steil im

Zickzack über Stufen hinab auf eine Wiese, wo wir eine Ursprungsader

des Zwittebaches queren und auf den Grenzhauptstein IV stoßen; l. ist

der Steinberg bei Oberlichtenwalde sichtbar. Wir biegen aber gleich

wieder in Wald, von der Landesgrenze nach r. ab, und erreichen langsam

ansteigend in 12 Min. auf einer Waldblöße die von +Jonsdorf+ (r.)

herkommende Straße (Wegweiser): umblickend gewahren wir jenseits des

Rabensteins den Hochwald. Wir wenden uns l. auf die Straße, kommen

gleich wieder in Wald und haben erst nach 7 Min. wieder einen freien

+Ausblick+: geradeaus die Lausche, nach Süden aber einen überraschenden

Durchblick zwischen Plissen- und Steinberg über Niederlichtenwalde

hinweg auf Lauf- und Wellnitzberg mit dem Kamnitzberge bei Reichstadt

inmitten, mit den Bösigen neben den Buchbergen l., und dem Ortelsberge

r. Eine Bank daselbst ladet im Genusse dieses Ausblickes zu einigem

Verweilen ein. Gleich dahinter schließt sich wieder der Wald, nur die

Lausche bleibt in der Richtung der Straße sichtbar. Ziemlich eben

weiter sind wir nach 7 Min. am =Lauschepaß= angelangt, der 564 _m_

hohen Sattelhöhe zwischen der Lausche und dem Sonneberge (630 _m_),

über den die Landesgrenze schneidet und wo auf österreichischer Seite

das zu Oberlichtenwalde gehörige Gasthaus »zur Wache«, sächsischerseits

das zu Neuwaltersdorf gehörige Gasthaus »Rübezahl« steht; hier auf der

Hauptwasserscheide zwischen Oder und Elbe, wo auch die Knieholzkiefer

in einer vereinzelten Gruppe anzutreffen sein soll, hat einerseits

der Waltersdorfer Bach, ein Zufluß des Lausebaches bzw. der Mandau,

andererseits der Zwittebach, ein Zufluß der Polzen, seinen Ursprung;

nördlich führt die Zollstraße über Waltersdorf nach Großschönau,

südlich über Niederlichtenwalde nach Zwickau. Ein Wegweiser daselbst

belehrt über Richtungen und Entfernungen.

=Waltersdorf=, zerfallend in Alt- und Neuwaltersdorf, ist

ein freundliches Kirchdorf mit 2400 Einwohnern, bedeutender

Zwillich-, Wollwaren- und Papiererzeugung und zieht sich vom

Lauschepaß längs der Straße fast bis Großschönau; ein Denkmal

erinnert an den daselbst 1786 geborenen Hofkapellmeister

Friedrich Schneider (gest. 1853); auf dem 646 _m_ hohen

+Buchberge+ östlich des Dorfes steht ein Denkmal Kaiser

Friedrich III. und eine 1880 vom Waltersdorfer Gebirgsvereine

errichtete Schutzhütte.

Auf österreichischer Seite grenzen außer der »Wache« keine

Häuser an die Paßhöhe; +Niederlichtenwalde+, wohin die

Straße führt, ist 2 _km_ entfernt und =Jägerdörfel=, ein aus

18 Häusern und einem kaiserlichen Forsthause bestehendes,

unmittelbar am Süd-Fuße der Lausche gelegenes Weberdorf,

das einen Ortsteil von Oberlichtenwalde bildet, ist auf

ansteigender Waldstraße 20 Min. entfernt, das schon 1391

bestandene Bauerndorf =Oberlichtenwalde= selbst (128 Häuser),

in der Richtung dieser Straße nach 15 Min. weiter. Im Jahre

1778 wurde hier der kaiserliche General De Vins durch die

einmarschierenden Preußen überrumpelt, so daß er sich bei

Nacht auf einem Fußsteige auf den Limberg zurückziehen

mußte; am 19. September 1779 besuchte deshalb Kaiser Josef

II. die Örtlichkeiten dieses kriegerischen Ereignisses. Von

+Jägerdörfel+ führt in 30 Min. ein im Jahre 1851, aus Anlaß

eines in Aussicht gestellten Besuches des Kaisers Ferdinand

I. angelegter, sehr bequemer Zickzackweg, der sogenannte

»böhmische Weg«, auf die +Lausche+, in den auch von Neuhütte

her ein Touristenweg einmündet und den man bis zum »Rondeau« am

Beginne des Zickzackweges befahren kann. Wir schlagen diesen

Weg jedoch nicht ein.

Wir folgen dem Kammzeichen, das uns bei der »Wache« quer über die

Straße auf einen Fahrweg weist, der 1892 vom Zittauer Rat an Stelle

eines seit 1823 bestandenen Steilweges angelegt wurde und an der

nördlichen Lehne des Berges, an Ruhbänken vorüber, in 35 Min. auf den

Gipfel führt, anfangs am Waldrande und allmählich ansteigend, wobei

man einen prächtigen +Ausblick+ nach Großschönau hat, zum Schluß

auf ziemlich steilem Zickzackwege mit zwei scharfen Kehren durch

prächtigen Buchenwald; in ihn mündet unterwegs r. ein geraderer Weg von

Waltersdorf-Großschönau und ein anderer von Tollenstein.

Die =Lausche= ist die höchste Erhebung (791 _m_) im Bereiche des

Sandsteingebirges. Sie besteht aus Klingstein und überragt etwa

140 _m_ ihre Basis im zentralen Teile des Gebirges; bis zum Jahre 1631

hieß der Berg allgemein Mittags- oder Spitzberg, und die nördliche

niedrigere Kuppe Hickelstein. In heidnischer Zeit soll daselbst eine

Sonnengottheit (Bilwise) verehrt worden sein. Der +Sage+ nach zeigt

sich auf der Lausche, aber äußerst selten, ein wunderbarer Vogel, fast

wie ein Adler gestaltet, aber bunter und mit wunderlichem, glänzendem

Gefieder; dieser Vogel ist ein verzauberter Prinz aus dem Böhmerlande,

der noch immer seiner Erlösung harrt durch einen Jäger, der niemals

auch nur das Geringste entfremdet habe. Im dreißigjährigen Kriege und

in den Napoleon'schen Kriegen diente das Waldesdunkel der Lausche,

in welchem noch 1608 Wölfe hausten, den Bewohnern der Umgebung als

Zufluchtsstätte. Manche +pflanzliche Seltenheit+ stößt dem Kenner

auf: Alpen-Weidenröschen (~Epilobium alpinum L.~), langblättrige

Sternmiere (~Stellaria longifolia Fries~), zweiblütiges Veilchen

(~Viola biflora L.~), Knotenfuß (~Streptopus amplexifolius DC.~),

Alpenlattich (~Mulgedium alpinum Less.~), lockerblütige Ragwurz

(~Orchis laxiflora Lam.~), herzblättrige Zweiblatt-Orche (~Listera

cordata R. Br.~), Braun's Schildfarn (~Aspidium Braunii Spenn.~),

Lanzenschildfarn (~Aspidium lonchitis Sw.~), russige Grübchenflechte

(~Sticta fuliginosa Ach.~), und noch manche andere. Der geräumige

Gipfel trägt außer einer kleinen steinernen Kapelle und außer

einer Triangulierungssäule der mitteleuropäischen Gradmessung eine

+Gastwirtschaft+ (Nachtlager mit Frühstück Mk. 1·50), deren erste

Anlage bis zum Jahre 1822 zurückreicht; im Jahre 1882 wurden die

Baulichkeiten bequemer und zeitgemäßer hergerichtet und gleichzeitig

ein 10 _m_ hohes hölzernes +Umschaugerüst+ (Benützung 10 Pf.)

errichtet, auf welchem 1892 der Gebirgsverein in Waltersdorf eine

Orientierungstafel anbrachte; derselbe Verein hat 1895 an einem

Pavillon neben dem Gasthause zwei Tafeln befestigt, auf denen die

Entfernungen näherer und fernerer bekannter Punkte angegeben sind.

Ein kais. deutscher und ein kaiserlich österreichischer Postkasten

befindet sich am Gasthause; auch ist seit 1893 eine kaiserlich deutsche

+Fernsprechstelle+ daselbst. Mitten durch das Gasthaus schneidet die

Landesgrenze, so daß man entweder in der böhmischen, als Nr. 143 zu

Oberlichtenwalde, oder in der sächsischen, als Nr. 334 zu Waltersdorf

gehörigen Gaststube einkehren kann. Seit 1826 steht neben dem Gasthause

eine Glasbude, worin im Jahre 1881 Ignaz Kriesche aus Steinschönau sein

fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum feierte.

Die Lausche ist seit jeher ein Aussichtspunkt ersten Ranges; viele

Tausende, darunter die Könige Friedrich August II. (1823 und 1850) und

König Johann von Sachsen, auch der Astronom David (1825), besuchten

und besuchen jahraus jahrein von nah und fern dieselbe, um sich an der

entzückenden und umfassenden Aussicht zu erfreuen und auch wohl das

Schauspiel eines Sonnenaufganges zu genießen. Die +Aussicht+ ist ganz

eigenartig deshalb, weil sich gegen Norden die langen Ortschaften der

volk- und industriereichsten Gegend Deutschlands und Österreichs fast

ohne Unterbrechung hinziehen. Rundsicht-Aufnahmen bekommt man auf dem

Berge zu kaufen.

Von der Tafelfichte und den Bergen bei Haindorf im Osten

beginnend, schließen sich nach r. die anderen Kuppen des

Isergebirges (Vogelkoppen, Taubenhaus, Siechhübel) an, vor

ihnen Stadt und Schloß Friedland, die Hemmerichberge, Reichenau

mit Umgebung, Gickelsberg und Hohenwald bei Grottau. Im

Südosten liegen nahe die vielgestaltigen Felsen und Berge bei

Jonsdorf und Oybin, dahinter Hochwald (Turm) und Falkenberg,

weiter das Jeschkengebirge mit der Koppe und am Horizont das

Riesengebirge mit dem Reifträger, hohen Rad, Kesselkoppe und

Schneekoppe, dem Keil-, Fuchs- und Schwarzenberge; weiter r.

im Mittelgrunde Schloß Lämberg und die Stadt Deutschgabel,

dahinter die Berge bei Wartenberg mit dem Dewin, weiter draußen

die Lomnitzer Berge bei Gitschin, der Welisch, Kosakow, Ruine

Trosky bei Turnau, Musky bei Münchengrätz. Im Süden der

Mergtaler Limberg, Tolz und Roll hinter einander, r. davon die

Bösige und der Höhenzug von Kleinbösig (Kirche) bis zu den

Hauskaer Bergen, davor Altperstein (Ruine) und Maschwitzer

Berg, noch näher das Schwoikaer Gebirge -- in welcher Richtung

seinerzeit der Dresdner Topograph Albert Schiffner die Türme

von Melnik und den Dom von Prag gesehen haben will -- und der

Ortelsberg. Im Südwesten erhebt sich über dem Grüner, Glaserter

und Dürrberge der betürmte Spitzberg bei Leipa, dahinter der

breitkuppige Wilsch, näher der Kottowitzer und Langenauer

Berg jenseits der Stadt Haida, davor der Kleis, noch näher

der gr. Friedrichsberg, der gr. Buchberg bei Falkenau, der

Blottendorfer und Sonneberger Rücken; r. hinter diesem der

Hutberg (Turm) auf der Rabensteiner Höhe, die Munkerer Höhe,

der Geltsch, anschließend die Elbeberge (Aarhorst) vor dem

Milleschauer. Im Westen die Kuppen des Kreibitzer Gebirges

mit dem Kaltenberge (Turm), der Rosenberg und hohe Schneeberg

(Türme), das Erzgebirge mit dem Geising; weiter r. erblickt

man über der nahen Finkenkoppe die Ruine Tollenstein und den

Tannenberg (Turm), die Dittersbacher Felsen, die Zschirnsteine,

den Lilienstein, gr. Winterberg (Turm), den Borsberg bei

Pillnitz, den Gickelsberg bei Hohnstein, den Unger und den

Tanzplan (beide betürmt). Diesen folgen nordwestlich über

dem Lichtenberger Teiche und Schönborn (Kirche) die betürmte

Wolfsbergspitze, der Valtenberg (Turm), Zeidler Plissenberg,

Pirsken, Botzen und Jüttelsberg, im Hintergrunde das Kamenzer

Gebirge. Nordöstlich zieht sich das Lausitzer Mittelgebirge

mit dem Czornebog und Bilebog (Türme); daran schließen sich

Kottmar (Turm), der ebenfalls betürmte Löbauer Berg mit der

Stadt Löbau, der Rotstein, Oderwitzer und Warnsdorfer Spitzberg

mit der Burgsbergwarte, in größerer Entfernung die Königshainer

Berge, die Landeskrone und der Jauerniker Berg an. Nordöstlich

tritt das Königsholz und der Breiteberg hervor; weit schweift

der Blick nach Schlesien hinein bis Greifenberg, zu den Höhen

bei Lauban und Marklissa, zum Probsthainer Berg, um endlich

bei Neustadtel wieder auf die Tafelfichte zu treffen; im

Vordergrunde schließen sich die häuserreichen Städte und

Kirchdörfer Rumburg, Seifhennersdorf, Warnsdorf, Großschönau,

dann Waltersdorf, Hainewalde und Zittau an einander, dahinter

die Häuserreihen von Gersdorf, Ebersbach, Walddorf, Eibau,

Leutersdorf, Oderwitz u. a. m.

Wer die Kammtour gegen den Tannenberg nicht fortsetzt, sondern

den Abstieg auf eine Bahnstation beabsichtigt, kann folgende Wege

einschlagen: auf sächsischer Seite über Waltersdorf zur +Station

Jonsdorf+ (1¼ Std.), zur +Station Großschönau+ (1½ Std.) und zur

+Station Warnsdorf+ (1¾ Std.), auf böhmischer Seite an Jägerdörfel

vorüber immer durch Wald zur +Haltestelle Neuhütte+ (1½ Std.).

Lausche-Tannenberg (2¾ Std.).

Beim Abstiege von der Lausche folgen wir der Waldstraße, die uns

hinaufgebracht, dem »sächsischen« Wege, ein Stück zurück bis zur

unteren Kehre (10 Min.) und biegen dann links ab. Auf durchaus ebenem

Waldfahrwege treffen wir nach 12 Min. auf die Landesgrenze und nehmen

Abschied vom sächsischen Boden, auf dem wir von der Tobiaskiefer her

mit wenigen Unterbrechungen gewandelt. Wir treffen hier auf einen

l. von Oberlichtenwalde über +Jägerdörfel+ einmündenden Fahrweg

und wandeln entlang den Grenzsteinen 23 bis 14 auf dem sogenannten

+Lauschekamm+, einer Art Hochebene weiter, bis wir nach 15 Min. beim

=Vogelherd=, auch »Dreiecker« genannt, angelangt sind, dem 660 _m_

hohen Sattel zwischen Finkenkoppe (789 _m_) l. und dem Buchberge

(712 _m_) r., von wo wir südlich einen Ausblick auf den großen

Friedrichsberg haben.

Über die +Finkenkoppe+, die 30 Min. entfernt ist und eine weite

Aussicht gegen Böhmen von ihrer westlichen Lehne gewährt, zieht der

Gebirgsrücken in einem nach Süden ausgreifenden Bogen weiter; wir

verlassen ihn beim Vogelherd, um ihn erst beim Tannenberge wieder zu

treffen. Unser Weg führt in der bisherigen Richtung weiter, während

die Landesgrenze im rechten Winkel nach Norden abbiegt, und führt uns

jetzt auf breiter Waldstraße mit bedeutendem Gefälle abwärts, zwischen

den phonolitischen Berghängen des Dachsensteins (l., 600 _m_) und des

Hörnels (r., 643 _m_), immer längs des +Kohlhauwassers+, das rechter

Hand neben der Straße dem Lausebache, einem Aste der Mandau, nach

Niedergrund plätschernd zufließt, während wir l. die Ursprungsadern

des zum Polzengebiete gehörigen Etschbaches zu suchen haben. Funde von

sprossendem und zypressenblättrigem Bärlapp (~Lycopodium annotinum

L.~ und ~complanatum L.~), sowie von scheidigem Wollgras (~Eriophorum

vaginatum L.~) im Walde zur Seite sind da nichts Seltenes; vereinzelt

dagegen ist die Blaudistel (~Mulgedium alpinum Less.~).

Nach 30 Min. -- ein paar hundert Schritte hinter dem +Fürstenbrunnen+,

der 6 Schritte l. von der Straße ein kleines, mit Basaltsäulen

eingefaßtes Bassin bildet -- biegen wir bei einer Waldwiese (r.)

von der Straße, die uns in 30 Min. zur +Station Grund-Georgental+

weiter leiten würde, l. in den Wald ab und steigen über den schmalen,

aus gneisführendem Granit bestehenden und die Grenze gegen das

Sandsteingebirge bildenden =Ziegenrücken= hinweg in 15 Min. in das

liebliche Wiesental von +Innozenzendorf+ hinab. Wir überschreiten auf

einem Stege das +Goldflössel+, welches das Tal bewässert, queren eine

Wiese und stehen beim Gasthause »zum Ritterhof« auf der verkehrsreichen

Kaiserstraße, die r. in 30 Min. nach Sankt Georgental, bzw. zur

+Station Grund-Georgental+, l. in 1 Std. über den Schöbersattel

(607 _m_) zur +Haltestelle Neuhütte+ führt. =Innozenzendorf=, auch

»Buschdörfel« geheißen, hat 34 Häuser, liegt 450 _m_ hoch zwischen

waldigen Höhen und ist Sommerfrische für bescheidenere Ansprüche;

Unterkunft und Verpflegung bieten die Gasthöfe »Ritterhof«, »Germania«

und »Wendler«; die Bedürfnisse werden nach Bedarf aus Georgental

beschafft. Der Ort scheint an Stelle des 1469 zerstörten, noch 1699

erwähnten Glasendorf zu stehen, das zum Teil, verschiedenen Funden

nach zu schließen, am benachbarten Nesselberge (östlich) gestanden

haben soll, um die heute noch bestehende, jedenfalls alte Buschmühle

angelegt worden zu sein. Der jetzige Name kommt zuerst 1711 vor; wird

beachtet, daß Papst Innozenz XII. von 1691--1700 die Tiara trug, und

daß Anton Florian von Liechtenstein als Botschafter 1691 bei der

Papstwahl in Rom anwesend war, so ergibt sich sowohl die Erklärung des

Namens wie die Person des Gründers. In Innozenzendorf wurde am 26. Juni

1819 der Dichter Cölestin Johann Johne geboren, der 1858 am 2. Dezember

als Augustinerordenspriester und Gymnasialprofessor in Leipa starb. In

den Sandsteinbrüchen des Dachsloches unweit des Jägerhauses (östlich

der Straße) gibt es interessante +Versteinerungen+ von Meeresbewohnern,

am häufigsten darunter ist ein herzförmiger See-Igel und ein viel- und

dickstängliger Seeschwamm.

Das =Goldflössel= besteht aus dem Meisengrund- und

Schöberwasser, die sich oberhalb des Dorfes vereinigen.

Ersteres kommt aus dem +Meisengrunde+ -- richtig »Meißnergrund«

nach den Meißnischen Bergleuten --, einem stillen Felsentale,

in welchem, wie ein in der Freiberger Ratsbibliothek verwahrtes

»Wahlenbüchlein« des Johannes Wahle, vermutlich aus dem

Ende des 17. Jahrh., berichtet, goldene Schätze zu finden

sind. Aber die Wirklichkeit will diesen Angaben keineswegs

entsprechen. Tatsache ist nur, daß hie und da Leute aus Italien

-- sogenannte Venediger mit Zipfelmützen und spitzschnäbligen

Schuhen -- bunte Steine aus Böhmen zur Herstellung von Mosaiken

geholt haben, und da dürften ihnen auch die Iserine (früher

Goldgraupen genannt), die sich in dem Meisengrundwasser

finden, willkommen gewesen sein. Im Meisengrunde gibt es noch

ein 23 _m_ langes, schwer zugängliches Stollen-Überbleibsel,

welches ebenso wie ein zweites, bis zum Jahre 1845 bestandenes

Stollenmundloch (das eigentliche »Meisegründel«) zu der +Sage+

von Schätzen beigetragen und auch den Anlaß zu der Sage von

einem unterirdischen Gange zwischen der Burg Tollenstein und

diesem Talgrunde gegeben haben mag.

Vom »Ritterhof« die Kaiserstraße nach l., nach 2 Min. einige Schritte

oberhalb der Kapelle r. ab lehnan, am Saume von Feld, Wiesen und Wald,

wobei wir r. Hand des Georgentaler Kreuzberges ansichtig werden, in

15 Min. hinauf zu dem abseitigen kleineren, »Scheundörfel« genannten

Ortsteile des =Dorfes Tollenstein= auf den Fahrweg, der von Georgental

kommt. Der größere Dorfteil -- das Dorf hat 80 Häuser -- bleibt

westlich im Tale des Weißbaches, der unterm Tannenberg entspringt und

bei Niedergrund mit dem Goldflößel sich vereinigt. Der Ort hieß im 15.

Jahrh. Tollendorf und wurde unter dem Herrschaftsbesitzer Christoph v.

Schleinitz nach dem Jahre 1571 dadurch vergrößert, daß er das bis dahin

bestandene Burgvorwerk in einzelne Gärten zerlegte und eingewanderten

Bergleuten billig überließ. Seit 1651 heißt der Ort Tollenstein.

Ein nennenswerter Bewohner des Dorfes war der Gründ'sche Bittner,

welcher später nach Grund zog und für zahllose Sagen und Anekdoten den

Mittelpunkt abgab.

Nun l. auf dem hübsch bepflanzten Burgwege in 7 Min. aufwärts in

die =Ruine Tollenstein=, eine der schönsten Burgruinen Böhmens. Die

Ruinen der ehemaligen Burg Tollenstein sind rings um einen, aus

Sandstein sich erhebenden, kahlen, schroffen, in zwei mächtige Zacken

gegipfelten, in fünfseitiger Säulenform abgesonderten Klingsteinfelsen

von 671 _m_ Seehöhe gelagert, welcher nach Nord abgeflacht ist, nach

Ost und Süd steil abfällt und nach West durch einen breiten Kamm mit

dem Tannenberge zusammenhängt. Der pyramidal aufsteigende Gipfel

gewährt, schon von fern gesehen, einen überraschend imposanten Anblick.

An den Lehnen des Berges findet sich manch +seltenere Pflanze+,

wie: Basalt-Nordfarn (~Woodsia ilvensis R. Br.~), Berg-Frauenmantel

(~Alchemilla montana Willd.~), Hügel-Königskerze (~Verbascum collinum

Schrad.~), Scharfkraut (~Asperugo procumbens L.~), Alpentäschelkraut

(~Thlaspi alpestre L.~), Feld-Enzian (~Gentiana campestris L.~),

weißblühende Akelei (~Aquilegia vulgaris L.~), hechtblau bereifte

Ackerquecke (~Triticum repens L. var. caesium~), weißer Mauerpfeffer

(~Sedum album L.~), akeleiblättrige Wiesenraute (~Thalictrum

aquilegiaefolium L.~), Wohlverleih (~Arnica montana L.~).

Man kommt zunächst an den massigen Resten eines, an den Gipfelfelsen

südlich sich anschließenden, halbrunden Streitturmes vorüber und

längs einer, gewiß noch teilweise 15 _m_ hoch erhaltenen Ringmauer.

Auf demselben Wege zogen einst auch die Herren von Tollenstein in die

Burg ein; nur bildete damals eine gewölbte, mit zwei Toren versehene

Durchfahrt, über welcher ein viereckiger Turm mit mehreren Gemächern

sich erhob, den Eingang, während heute, nach dem Einsturze dieses

Turmes (1861), dem Besucher eine nichtssagende Kluft im Gemäuer Einlaß

gewährt. Vom Torturm an, wo sich l. einst eine Zisterne befand,

zieht sich r. etwa 70 Schritte weit eine arg verfallene Brustwehr

bis zu einer sechseckigen Bastei, wo sich dereinst die Burgkapelle

befunden haben mag; ein Doppelfenster in hochrechteckiger Form ist

noch gut erhalten. An der dem Tale zugewendeten Seite dieser Bastei

befindet sich das Wappen der Herren von Schleinitz (3 sechsblättrige

Rosen). In dieser Bastei war 1865 die erste »fliegende« Restauration

untergebracht. Etwa 60 Schritte weiter an der Brustwehr gelangt man zu

einem der interessantesten Teile der Ruine, zu einem etwa 10 _m_ hohen,

fast kreisrunden, bedenklich zerborstenen Streitturme auf der nördl.

Seite, in dessen Unterraume sich das Burgverließ befand. Westlich von

diesem Turme reicht abermals eine Brustwehr bis zu dem natürlichen

Felsen. Im südl. Teile des ehemaligen Burghofes sieht man noch die

zur Felskuppe emporführende Ritterstiege, ferner die wunderbar schön

erhaltenen Reste einer Wendelstiege des ehemaligen Burggebäudes und

daneben den geräumigen Pferdestall.

In der Mitte des Burghofes hat der Kaufmann Joh. Josef Münzberg aus

Georgental im Jahre 1866 mit Bewilligung des Herrschaftsbesitzers

eine +Gastwirtschaft+ (mit Nachtherberge für 6--8 Personen)

im Schweizerstile erbaut und damit nicht nur einer weiteren

absichtlichen Zerstörung der Burgreste entgegengewirkt, sondern auch

dazu beigetragen, daß der durch Entstehung, Lage, Geschichte, Sage

und Aussicht ausgezeichnete Tollenstein-Felsen ein so beliebter

touristischer Zielpunkt geworden ist. Er hat auch eine reiche +Sammlung

altertümlicher Gegenstände+ darin zur Schau gestellt, teils solcher,

die der Burg selbst entstammen (Gitter, Armbrust, Zangen, Schlösser,

Sporen, Hufeisen, Kacheln), teils anderweitiger, z. B. ein aus der

niederländischen Schule stammendes Gemälde von 1563, einem Teller

aus getriebenem Eisen mit 12 Reiterfiguren aus der Zeit Ferdinand

II. Auch ein Bildnis der »weißen Frau«, der schönen Burgherrin

Swenhild, der Ahnfrau des Tollensteiner Schlosses, fehlt nicht;

der +Sage+ nach hat sie ihren Mann, der sie schlecht behandelte,

vergiftet, um ihrem Jugendgeliebten anzugehören, wurde aber von dem

sterbenden Manne verwünscht und konnte keine Ruhe mehr im Grabe

finden. In einem Kellergewölbe westlich der Gastwirtschaft, das durch

Lampenlicht erhellt wird, ist durch ein Gitter ein gefesselter Ritter

-- darstellend den Stadthauptmann von Zittau Nikolaus von Ponikau,

den 1425 die Berka auf Tollenstein gefangen gehalten hatten -- als

ein Phantasiestück des Vaters Münzberg, zu sehen. Von der Veranda der

Gastwirtschaft genießt man nördlich den Anblick eines weiten herrlichen

Landschaftsbildes; bei reiner Luft erkennt man mit bloßem Auge die

Landeskrone bei Görlitz. Über hölzerne Treppen kann man von der

Gastwirtschaft gegen Erlag einer unbedeutenden Gebühr den etwa 20 _m_

höher liegenden Gipfelfelsen, den einst ein schlanker Burgturm krönte,

besteigen. Die beiden Zacken sind durch eine Brücke verbunden und mit

Aussichtsbalkonen versehen. Von hier aus hat man nicht bloß den besten

Überblick über Umfang und Form der einstigen stattlichen Burg, sondern

auch einen prächtigen +Rundblick+ in die Ferne.

Nord: Dorf Tollenstein, der Kreuzberg mit Kapelle, r. dahinter

die Stadt Georgental, weiter die Kirche von Grund und darüber

die nach Rumburg führende Kaiserstraße mit Lichtenhain und

Schönborn (Kirche); weiter zurück Aloisburg (Stadtteil von

Rumburg), Schlechteberg, Czornebog (Turm); l. hinter dem

Kreuzberge blicken die Häuser von Obergrund, Sofienhain und

Lichtenstein, darüber ungemein malerisch der Lichtenberger

Teich inmitten des gleichnamigen Dorfes, dahinter der Rauchberg

(Turm); an Obergrund anschließend der Altbernsdorfer Teich,

die Bahnstrecke zwischen Kreibitz-Teichstatt und Schönlinde,

von letzterem der Kirchturm gerade vor der Wolfsbergspitze

(Turm), welche l. den Zeidler Plissenberg vor Unger (Turm),

Tanzplan (Turm) und Valtenberg (Turm), r. den Pirsken vor

dem Botzen hat. Nordost: Innozenzendorf, Niedergrund, die

ausdehnte Fabriksstadt Warnsdorf, letztere durch den Burgsberg

(Turm) von Seifhennersdorf (Kirche) geschieden, hinter welchem

Eibau und der Kottmar (Turm) zwischen Kottmarsdorf (l.) und

Strawalde sichtbar sind; hinter Warnsdorf der Spitzberg; r.

hinter ihm Oderwitz mit seinem Spitzberge, Spitzkunnersdorf

und Leutersdorf (Kirche), dahinter der Bahnhof von Herrnhut

mit dem Hutberge und Großhennersdorf, weiter hinaus der

Löbauer Berg, der Rotstein, die Königshainer Berge, der

Spitzberg bei Deutsch-Paulsdorf, Jauernick mit seinem

Berge und am weitesten hinten die Landeskrone bei Görlitz.

Östlich überragt nur der Gipfel der Lausche (Gasthaus) die

vorliegenden Höhen des Vogelherdes und der Finkenkoppe. Südlich

im Schöbersattel der Friedrichsberg, r. davon gr. Buchberg

und Kleis, im Hintergrunde der Roll. Zwischen Kleis und

Tannenberg, welch letzterer im Westen vorgelagert ist, liegt

vorn der Meisengrund, darüber der waldumschlossene Bahnhof

Tannenberg vor dem Mittelberge, r. der gr. Eibenberg und der

kl. Schöber; zwischen den beiden ersteren hindurch sieht man

den Hackelsberg, die Häuser von Falkenau, den Preschkauer

Mittenberg und den Steinschönauer Berg, dahinter den Rücken

von Sonneberg und Ullrichstal, ganz hinten den Geltsch;

zwischen dem gr. Eibenberge und kl. Schöber zeigen sich die

beiden Ahren- und Himpelsberge, der Schindelhengst und der

Kaltenberg (Turm), im Hintergrunde der hohe Schneeberg (Turm);

r. hinter dem Tannenberge endlich noch der Lilienstein und die

Winterberge.

Die eigentümliche Gestaltung des Berges, seine einen großen Strich

Landes beherrschende Höhe, seine nach drei Weltrichtungen erschwerte

Zugänglichkeit, lassen es vollkommen begreiflich erscheinen, daß der

vielfach poetisch verherrlichte Tollenstein von den ältesten Zeiten

her, seit überhaupt Menschen in den Markwald eingedrungen, eine

hervorragende Rolle in der +Geschichte+ dieser Gegend gespielt haben

mag. Es scheint, daß auf seinem Gipfel eine vorchristliche Kultusstätte

bestand, wenigstens deuten Urnenfunde in der Nähe und unbestreitbar aus

heidnischer Zeit stammende Sagen darauf hin. Als dann im Mittelalter

eine verkehrsreiche Handelsstraße aus Sachsen und Meißen am Fuße des

Felsens vorbei in das Herz Böhmens führte, legten die Besitzer des

Berges (um 1250) ein festes Haus auf ihm an, welches zum erstenmale

1337, als es von den Zittauern zerstört wurde, als »Tollenstein«

(Dohlenstein: ~arx monedularum~) von einem zeitgenössischen Chronisten

erwähnt wird. Nach dieser Zeit erst wurde die jetzt in Ruinen liegende

Burg erbaut.

[Illustration: Die Grundmühle bei Kamnitzleiten.

Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege · 第 5 / 8 题