Postkarte]

Gleich hinter der »Aussicht« beginnt der Abstieg vom Spitzberge.

Nach 6 Min. ist man auf einem wichtigen Kreuzungspunkte von Wegen

an der Grenze der Phyllit- und Grauwackenregion; letztere umfaßt

sandsteinartige Gesteine, die dem Untersilur zugehören und uns bis Paß

begleiten. Eine +Rasenbank+ unter den Bäumen dient als Jägerruhe.

Eine Markentafel verweist in der Kammrichtung weiter auf den +gr.

Kalkberg+ (789 _m_) und nach Freudenhöhe (1½--2 Std.). Diesen Weg

einzuschlagen, lohnt aber gegenwärtig weniger, da der Gipfel verwachsen

ist. Deshalb verweist auch unser blaues Kammzeichen nach r. um den gr.

Kalkberg herum über die Eduardsbuche zur Freudenhöhe (1½ Std.). Mit

den Ausblicken und Wandelbildern, wie sie die bisher zurückgelegte

Kammstrecke bot, ist es auf diesem Wege so gut wie zu Ende; dafür

kommen die Reize des Waldlebens ungestörter zur Geltung, insbesondere

das vielstimmige Konzert der gefiederten Waldsänger: Ammern und

Laubsänger spinnen ihre kunstlosen Weisen, Rotkehlchen, Grasmücken,

Drosseln und auch wohl Goldamseln wetteifern in prächtigen Strofen, und

Meister Kukuk oder Meister Specht schlagen den Takt dazu; dazu gesellt

sich zeitweise das Rascheln eines Eichkätzchens, das mit graziöser

Behendigkeit die Stockwerke majestätischer Fichten bis in die höchsten

Spitzen durchklettert, oder der schrille Schrei eines Waldkauzes, oder

ein Stück »Wild«, im zahmen Sinne gemeint, da von eigentlich »wilden«

Tieren nichts mehr zu befürchten ist; 1679 wurde oberhalb Hanichen der

letzte Bär und 1766 der letzte Wolf in der Gegend geschossen.

Wir verlassen also den Gebirgskamm und steigen auf dem =Hesche-Wege=

(nach einem Bauer benannt) um die östliche Lehne des gr. Kalkberges

allmählich abwärts, auf prächtigem Rasenwege zwischen vorherrschendem,

zum Teil, besonders r., reinem Buchenbestand, wobei nach 7 Min. ein

Rückblick auf den Spitz- und kl. Kalkberg vorübergehend sich öffnet.

Üppige Farnkräuter (Adler-, Wurm- und Tüpfelfarne) neben nicht minder

üppigen Haingreiskraut (~Senecio Jacquinianus Rchb.~) und vereinzelten

Exemplaren von Einbeere (~Paris quadrifolia L.~) und süßer Wolfsmilch

(~Euphorbia dulcis L.~) besäumen den Weg. Nach weiteren 6 Min. sieht

man r. unten, vor dem Rücken des Langeberges und seines Ausläufers,

des Kirchberges, den Christofsgrunder Talweg. Noch 5 Min. und der Weg

wird bedenklich sumpfig, als Folge von nicht weniger als 4 +Quellen+,

deren Abflüsse hintereinander den Weg queren und ihren Weg hinab zum

Lochbache nehmen, einer Ader des Eckersbaches. Nicht bloß mannigfaches

Gekräuter, wie insbesondere Pestwurz (~Petasites albus Gaert.~) und

fleischfarbige Ragwurz (~Orchis incarnata L.~) gedeihen hier prächtig,

sondern auch Seidelbast, Hainbuche, Traubenhollunder, Ahorn, Rüster und

Esche, die sich immer mehr zu einander neigen und schließlich einen

dicht schattigen Laubengang mit märchenhaft smaragdgoldener Dämmerung

bilden; junger, würziger Fichtenwald schließt sich an und immer

rascher geht es abwärts, bis wir, 15 Min. hinter der Sumpfstelle, auf

einer Holzbrücke den Lochbach, der l. im Sattel der Eduardsbuche seinen

Ursprung hat, überschreitend, auf der herrschaftlich Clam-Gallas'schen

Waldstraße daneben stehen, die von +Christofsgrund+ über den

+Lochförster+ heraufkommt und die +Station Christofsgrund+ in 40 Min.,

die +Station Machendorf+ in 1 Stde. erreichen läßt. Hier gibt ein

Wegweiser die Entfernung bis Freudenhöhe, unser vorläufiges Ziel, mit 1

Std. an.

Wir folgen der breiten, von roten Lichtnelken (~Lychnis diurna

Sibth.~) und Farnen reich besäumten Straße nach l. aufwärts in

prächtigem Fichtenwalde und kommen in 10 Min. zur =Eduardsbuche=,

einem mächtigen Baumriesen von 3·75 _m_ Umfang (in Brusthöhe gemessen)

mitten im Fichtenwalde auf der 598 _m_ hohen Einsattlung zwischen

großem Kalkberge und Langeberge, an welcher Stelle der Sage nach

einst ein Duell zwischen einem Grafen Gallas und einem adeligen

Offizier stattgefunden haben soll. Der Stamm zeigt viele Einschnitte

von Buchstaben und trägt zu Ehren des im Jahre 1891 verstorbenen

Herrschaftsbesitzers Eduard Grafen Clam-Gallas ein kleines Blechbildnis

des hl. Eduard. An einer Fichte unweit davon hängt ein Marienbild

(»Gewidmet 1898«), davor eine Ruhebank. Mehrere Markentafeln an den

Bäumen verweisen durchs Bauersloch nach +Christofsgrund+ (1 Std.), auf

den +Langeberg+ (½ Std.) und weiter nach +Frauenberg+ (1 Std.) oder

+Machendorf+ (1½ Std.), und nach +Freudenhöhe+ (¾ Std.). Auch nach l.

führt ein Waldfahrweg in einer Stunde nach +Pankraz+.

Der =Langeberg= (707 _m_) bietet vom »Brand« aus, einem

schmalen Platze unter seinem Gipfel, einen lohnenden

Ausblick in ö. Richtung über die Reichenberger Senke auf den

Gickelsberg, Teile des Isergebirges (Tafelfichte, Vogelkoppen,

Taubenhaus) und die westlichen Teile des Riesengebirges, sowie

in unmittelbarer Nähe südöstlich auf die Jeschkenkoppe, welche

einen ausgedehnten Waldkomplex überragt.

Auf der prächtigen, streckenweise neu geböschten und geschotterten

Waldstraße wandern wir nach l. weiter am nordöstliche Gehänge des

gr. Kalkberges. Abwechslung bieten die mannigfachen Blütenpflanzen

beiderseits des Weges, darunter: Braunwurz (~Scrofularia nodosa L.~),

Waldziest (~Stachys silvatia L.~), schmalblättriges Weidenröschen

(~Epilobium angustifolium L.~). Nach 8½ Min. kommen wir an einer

kleinen +Quelle+ (l.) vorüber, einer Ursprungsader des Kaltbaches,

der bei Weißkirchen in die Neiße mündet. Nach 7 Min. geht es

allmählich bergab, wobei wir an einem alten +Steinbruch+ (l.) im

Grauwackenschiefer vorüberkommen und gleich darauf einen kurzen

Ausblick r. ins Neißetal erhaschen. Nach 7 Min. quert ein +Bächlein+

die Straße, das unterhalb Weißkirchen in die Neiße mündet. Nach 6 Min.

kommt l. der grün markierte Weg vom Gipfel des +gr. Kalkberges+ herab.

Nach 5 Min. macht die Straße eine weit ausgreifende Kehre und mündet

dann nach 8 Min. unten auf die Kratzau-Deutschgabler Reichsstraße

in =Freudenhöhe=, wo man l. den gr. Kalkberg, den Schwamm- und den

Trögelsberg, sonst aber nichts sieht als Wald und wieder Wald.

Freudenhöhe, ein zu dem 45 Min. entfernt im Neißetale unten gelegenen,

alten Pfarrdorfe +Weißkirchen+ (215 Häuser, mehrere Fabriken, Kaiser

Josef-Denkmal, hieß ursprünglich Heinrichsdorf) gehöriger Weiler, liegt

einsam und idyllisch 381 _m_ hoch auf der breiten Einsattelung zwischen

gr. Kalkberg und Trögelsberg und besteht aus gräflich Clam-Gallas'schem

Forst-, Heger- und Gasthause, welch letzteres als Ausflugsort sowohl

wie als Sommeraufenthalt viel aufgesucht wird. Vor dem Gasthause an

der Straße, die schon in uralter Zeit den Verkehr aus dem Polzenlande

ins Neißetal vermittelte, steht eine alte Esche; die Buchen hinter dem

Gasthause bieten einen angenehmen Aufenthalt. Hinter dem Forsthause,

das 1795 vom Grafen Christian Philipp Clam-Gallas angelegt wurde,

führt in nördlicher Richtung schnurgerade ein breiter, schöner Weg

durch Laubwald in wenigen Min. zu einer Linde auf freiem Platze, der

sogenannten »+schönen Aussicht+« (417 _m_) mit weitem Ausblicke nach

Nord und Ost.

Nord: Zu Füßen das Neißetal in weiter Ebene mit Kronau, Ketten,

Grottau, Rosental und Rohnau; l. von Zittau Bertsdorf und

Olbersdorf; l. hinter Zittau der Breiteberg, Oderwitz mit

dem Spitzberge und der Kottmar (Turm) hintereinander; weiter

draußen r. Rotstein und Landeskrone bei Görlitz; hinter Kronau

Schloß Grafenstein, Ullersdorf, Friedersdorf (Kirche) und

Dittelsdorf; r. von Grafenstein Kohlige, Wetzwalde, Reibersdorf

und Königshain hinter einander. Ost: Die Kämme des Isergebirges

mit der Tafelfichte (Turm) im Hintergrunde.

Entfernter (30 Min.) von Freudenhöhe liegt 576 _m_ hoch mitten

im Walde die =Burgruine Roynungen= oder Roymund, vom Volke

»Rumschloß« geheißen. Im Frühjahr und Herbst, wenn die Bäume

ohne Laub sind, ist sie auch vom Forsthause aus sichtbar.

Im Gasthause erhält man einen Führer. Der Weg dahin führt

über die Hirschwiese gegenüber dem Forsthause -- Fundort von

hollunderduftendem Knabenkraut (~Orchis sambucina L.~) -- in

den Wald und in diesem ziemlich steil aufwärts. Es ist bloß

noch ein 2·5 _m_ dicker, 15--20 _m_ langer und 8--10 _m_

hoher Mauerteil des ehemaligen Burggebäudes vorhanden, ferner

der Rest eines runden Turmes und einer Brustwehr, und ein

ursprünglich ovaler, gegen 3 _m_ hoher Wallgraben. Auf und

zwischen den den Burghof bedeckenden Gesteinstrümmern wuchern

Farne, Moose, insbesondere auch Tollkirsche (~Atropa belladonna

L.~). Von wenig mittelalterlichen Burgen kennt man so genau,

wie von dieser, nicht nur den Namen des Erbauers -- Johann v.

Dohna --, sondern auch das Jahr, selbst den Tag der Gründung

-- 17. Okt. 1347 --; sie blieb auch Zeit ihres Bestandes im

Besitze des Dohna'schen Geschlechtes, war bis 1429 bewohnt

und erscheint 1584 urkundlich als »ödes« Schloß. Es wird

angenommen, daß sein Besitzer Nikolaus von Dohna, als er im

Jahre 1512 das Gebirge von Straßenräubern reinigte, auch die

Gebäude der jedenfalls schon lange nicht mehr bewohnten Burg

schleifen ließ.

Wer in Freudenhöhe die Kammtour abbrechen will, erreicht nordöstlich

die nächste +Bahnstation Weißkirchen+ in ¾ Std.

Freudenhöhe-Tobiaskiefer (2½ Std.).

Von Freudenhöhe weg wandert man auf der prächtigen Kaiserstraße wsw.;

sie zieht sich zwischen hochstämmigem Wald, der jede Aussicht absperrt,

an der nach N. abfallenden Lehne des Schwammberges fast eben dahin

und ist überdies rechterseits mit einer Allee alter Eschen besäumt.

Erst nach 14 Min. wird die Straße waldfrei; r. vorn erscheint der

Trögelsberg, l. rückwärts an der Lehne des Schwammberges begrüßt

uns als erster Vorposten des Sandsteingebirges das schroffe, von

Kletterfexen hie und da aufgesuchte Gebilde des »+Rabensteins+«. In

1 Min. ist die einschichtig an der Straße r. gelegene als No. 168 zu

dem wenige Min. entfernten Pfarrdorfe +Pankraz+ gehörige =Windschänke=

auf der 391 _m_ hohen Satteleinsenkung zwischen Schwammberg (659 _m_)

und Trögelsberg (537 _m_) erreicht, wo von r. her aus dem Neißetale

eine Bezirksstraße über die weit zerstreute Ortschaft +Niederberzdorf+

(117 H.) in 45 Min. einmündet. Das Gasthaus führt seine Bezeichnung

»+zur freien Aussicht+« nicht mit Unrecht: ein fesselndes Panorama

spannt sich zwischen den Gehängen des Schwammberges im SW. und des

Trögelsberges im NO.

So ziemlich den Mittelpunkt bildet über Ringelshain (Kirche und

Fabriksschlote) der Ortelsberg bei Zwickau, dem in gleicher

Entfernung der Limberg bei Mergtal r. und der Tolzberg bei

Brims l. zur Seite steht. Zwischen Ortelsberg und Limberg

sind rückwärts die Rücken von Sonneberg und Blottendorf

eingeschoben; knapp r. am Limberg zeigt sich die Spitze des

Kleis über den Häusern von Schwarzpfütze im Vordergrunde, dann

folgt vorn der Falkenberg bei Petersdorf vor den Bergen bei

Falkenau, und den Abschluß auf dieser Seite bildet der Hochwald

(Turm), hinter dem r. der Gipfel der Lausche hervorschaut.

Andererseits, zwischen Ortelsberg und Tolzberg, erhebt sich der

Laufberg bei Brims l. hinter Ringelshain. 2. an den Laufberg

schließt sich jenseits der hochgelegenen Häuser von Kunewalde

das Schwoikaer Gebirge vor dem Koselrücken. 2. vom Tolzberge

hat man das Pfarrdorf Pankraz zu Füßen vor dem Kirchberge,

der den Roll deckt, l. neben sich aber die Spitzen der beiden

Bösige dem überraschten Beschauer frei läßt.

Das Gasthaus gehört zu dem vor uns am Fuße des Kammes

liegenden, nur wenige Min. entfernten, alten Pfarrdorfe

=Pankraz=, das im 14. Jahrh. »Dietrichsdorf« hieß, in der 1710

erbauten Kirche zwei wertvolle Bilder besitzt und 176 Häuser

zählt, deren Bewohner vorwiegend Landwirtschaft betreiben.

Pankraz ist Geburtsort des 1662 im Alter von 55 Jahren

verst. gekrönten Dichters Christian Keimann. Von hier sind

die +Bahnstationen Ringelshain+ und +Schönbach-Seifersdorf+

auf guten Straßen in je 40 Min. zu erreichen, wobei man

die ganz nahe r. am Saume des Trögelsbergwaldes gelegenen

»Elefantensteine« nicht übersehen möge, Sandsteingebilde von

Elefanten ähnlicher Gestaltung, die nach ihrer Färbung auch die

»weißen Steine« genannt werden.

Knapp hinter dem Gasthause zweigt der Kammweg r. von der Kaiserstraße

ab und führt ziemlich steil in einer Art Hohlweg lehnan durch

Nadelwald auf die Höhe des =Trögelsberges= (537 _m_). Dieser bildet

den höchsten Punkt des westlichen Abfallrückens des Jeschkengebirges

und ist sowohl wegen des in scharfem Kamm anstehenden und den darunter

lagernden Grauwackenschiefer in steil aufgerichteten mächtigen Bänken

überragenden Koryzaner Quadersandsteins, wie auch wegen der in den

Sandsteinbrüchen daselbst vorfindlichen +Versteinerungen+ (insbes.

~Pecten aequicostatus~) eine für Geologen höchst interessante

Örtlichkeit, so daß selbst Alexander v. Humboldt, wie es heißt, noch

als Greis im J. 1851 hieher reiste. Auch Kaiser Josef II. berührte am

17. Sept. 1779 gelegentlich seiner strategischen Bereisung Nordböhmens

diesen Berg. Er gewährt von den felsigen Punkten seines Kammes -- der

Gipfel selbst ist bewaldet -- eine weite +Rundsicht+, die nur gegen den

sö. vorgelagerten Jeschkengebirgszug unterbrochen, äußerst lohnend aber

gegen W. ist.

Im N. erblickt man zu Füßen die Häuser von Niederberzdorf,

dahinter Grottau und Zittau mit den umliegenden Ortschaften,

rückwärts -- besonders schön -- die Landeskrone bei Görlitz;

nö. den Gickelsberg, weiter r. das Isergebirge mit den

Vogelkoppen und der Tafelfichte; ö. unten im Neißetale

Weißkirchen und einen Teil von Kratzau; sö. jenseits des

Pankrazer Sattels den massigen Kalkberg und den Langeberg;

s. Ruine Dewin, r. davon die Hirschberge, Roll, Wartenberger

Limberg, Kamnitzberg (Turm); Tolzberg im Südwesten, r. dahinter

Leipaer Spitzberg (Turm) und Schwoikaer Gebirge; w. Ortelsberg

und Mergtaler Limberg; nw. Hochwald und Lausche hinter dem

Pfaffenstein.

Wohl Niemand versäumt es, ein oder das andere Gesteinsstück mit

besonders schönen Muschelabdrücken aus dem zum Teil mauerartig

aufstrebenden Gestein als Andenken abzulösen, bevor er über das

bröcklige Gestein der Kuppe hinabsteigt auf den bequemen Weg, der in

prächtigem Jungwald längs des Kammes weiterzieht. Nach wenigen Min.

kreuzt ihn ein Fußsteig, der von Pankraz herauf nach Niederberzdorf

führt, ungefähr an der Stelle, wo der Blick an einer mächtigen

Felsenwand vorbei auf den Hochwald fällt, der mit seinem Turme die

vorliegenden Baumwipfel überragt. Ein prächtiges Bild! -- Hochstämmiger

Nadelwald nimmt uns auf, die so eben erwähnte, vielfach zerklüftete

Felsenwand, die sogenannten »Trögelsteine«, die im +Spitzstein+

(507 _m_) gipfeln, lassen wir zu unserer Linken und wandern etwas

abwärts, hie und da an einen Grünsteinbrocken stoßend, bis wir -- 30

Min. nach Verlassen der Trögelsbergkuppe -- am Waldsaume bei einem

hohen Kreuze angelangt sind, im Angesichte der Häuser von Paß.

Auf dieses Kreuz mag sich die folgende +Legende+ beziehen, die

sich im Munde des Volkes erhalten hat und in Prof. Paudler's

Kammwegbuche wiedererzählt wird. Als einst ein Grenzjäger

dieses Christusbild erblickte, soll er ausgerufen haben: »Was

kann so ein blecherner Christus nützen!« Und bei diesen Worten

schoß er nach dem Christusbilde und traf den Heiland in die

Seite. Allein in demselben Augenblicke stürzte der Grenzjäger

tot zur Erde, um nie wieder ein Frevelwort auszustoßen.

Wir überschreiten die von Wiesen und Feldern überdeckte, 450 _m_

hohe Lichtung des =Passerkammes=, welcher als Scheidegrenze des

Jeschkengebirges vom Sandsteingebirge gilt, dessen östlicher, 13 _km_

langer Flügel vom Lauschepaß bis hieher reicht. Das vorherrschende

Gestein dieses Gebirges, das wir nunmehr bis zum Endpunkte der

Kammwanderung, zum Rosenberge, nicht mehr verlassen, ist der Sandstein,

der in Tälern und Schluchten in weißgrauen Felsmassen überall

anzutreffen ist, im übrigen aber überlagert wird von mächtigen Decken

des Basalts und Klingsteins, die der Landschaft eine weitgehende

Gliederung verleihen.

Bevor wir weiterschreiten, beachten wir nach l., bezw. s. den Ausblick

auf den Limberg bei Wartenberg und dahinter auf den Roll und die

Buchberge bei Hühnerwasser, etwas weiter l. auf Silberstein und

Spitzberg bei Audishorn. Nach 3 Min. sind wir bei den ersten Häusern

des =Dorfes Paß=, das in diese Lichtung eingebettet ist. Bei der

Ortskapelle treffen wir auf die Dorfstraße, wenden uns nach r. und

haben das ansehnliche, massiv gebaute Slany'sche Gasthaus vor uns,

neben einer stattlichen, im J. 1832 gepflanzten Linde, die einigen

zur Rast einladenden Tischen und Bänken Schatten spendet. Paß ist

ein kleines Gebirgsdorf mit 24 Häusern, die sich in zwei Reihen

hinziehen, und mag ziemlich alt sein. Wenigstens war der »Paß« als

Saumweg und Straßenübergang einst so berühmt, daß der Ortschaft diese

Bezeichnung bis heute als Auszeichnung verblieben ist. Wegen seiner

hohen und schönen Lage wurde der Ort in alter und neuer Zeit von

Fremden viel aufgesucht und auch von Feinden heimgesucht, namentlich im

Franzosenkriege 1813 und im Preußenkriege 1866; auch 1778 hatten hier

und bei Spittelgrund die Preußen Verschanzungen und Verhaue angelegt.

Auch ist am 30. Juni 1766 der nachmalige Kaiser Josef II. auf seiner

Reise von Zittau nach Reichenberg von Grottau aus herauf geritten. Über

Paß führt heute eine Bezirksstraße einerseits nach +Pankraz+ (45 Min.),

andererseits über +Spittelgrund+ (30 Min.), wohin Paß eingeschult

ist, in 40 Min. nach +Grottau+ (+Bahnstation+); auch von der +Station

Ketten+ (40 Min.) über +Niederberzdorf+ (20 Min.) mündet eine Straße

ein, während ein Fußweg über +Schwarzpfütze+ zur +Station Ringelshain+

führt (1 Std.). Reich ist die Chronik von Paß und Umgebung an Pascher-

und Räubergeschichten, die zu der Zeit sich abspielten, bevor im

vorigen Jahrh. (um 1830) die Grenzwache, die jetzige Finanzwache,

errichtet wurde. Heutzutage ist man im Paßer Gasthause gut und sicher

aufgehoben.

Zwischen Gasthaus und Linde hindurch führt der Kammweg weiter.

Die an einander gereihten Häuser von Paß bleiben r., und über sie

hinaus schweift der Blick auf das granitische Neißetal bei Zittau

und Grottau, auf den Gickelsberg dahinter und weiter aufs Iser- und

Riesengebirge. Während wir uns um den 532 _m_ hohen bewaldeten Hügel

westlich des Dorfes herum nach l. wenden, kommen r. an der Tallehne des

Spittelbaches einige Häuser des nahen Dorfes +Spittelgrund+ (74 H.) zu

Gesicht, woselbst der Dresdner Bildhauer Franz Schwarz, ein Neffe des

aus Grafenstein stammenden Bischofs Franz Bernert, geboren ist. Bald

darauf nimmt uns hochstämmiger Nadelwald auf; ein breiter Pürschweg

führt darin mit wenig Windungen und fast eben in westlicher Richtung

weiter zur Seite des +Kaisergrundes+, der sich zur Rechten, aber für

uns unsichtbar, am Spittelbach gegen die Tobiaskiefer hinaufzieht

und seinen Namen deshalb bekommen hat, weil ihn Kaiser Josef II. am

17. Sept. 1779 in der Richtung auf Lückendorf durchritt; über ihn

hinweg ist an vereinzelten Stellen blitzartig ein Durchblick gegen den

Hochwald hin zu erhaschen.

Dichter Wald umgibt auch die 15 Min. vom letzten Hause in Paß

unmittelbar r. am Wege sich erhebenden =Rabensteine=, gewaltige, durch

tiefe, enge Schluchten zerrissene, in parallelen Mauern aufgebaute,

472 _m_ hohe Sandsteinfelsen, die man leicht verpassen kann, weil

sie ebenso, wie die linker Hand, aber weiter abseits und versteckt

gelegenen »Puppensteine« nur wenige Meter über die Baumwipfel

hinausragen, immerhin aber wegen der Schönheit und Seltenheit der

gigantischen Formen und wegen der Steilheit ihrer Abstürze sehenswert

sind. Die höchsten dieser Felsen messen ungefähr 18--20 _m_ und sind,

eine gewisse Fertigkeit im Klettern vorausgesetzt, durch zwei Kamine

besteiglich; die eine dieser Spitzen, die sogenannte »Fellerwand«,

wurde zum erstenmale am 19. Juni 1894 von mehreren Reichenberger

Touristen unter Führung eines bekannten Zittauer Bergsteigers

erklettert. Einige der Felssäulen sind jedoch unschwer besteiglich

und lassen ein malerisches Berg- und Waldland vom Hochwald bis zur

Tafelfichte überblicken.

Nach 45 Min. angenehmer Waldwanderung von Paß aus trifft man auf eine

Waldlichtung, die zur Linken einen Ausblick auf die Jeschkenkoppe

und r. unter ihr auf den Silberstein und den Audishorner Spitzberg

gestattet, und woselbst an einer Fichte zur Rechten ein Kruzifix

angebracht ist, der sogenannte =Bäckenherrgott=, zur Erinnerung an

einen Grottauer Bäckermeister, welcher hier ermordet wurde, als er,

mit Geld wohl versehen, nach Gabel zum Einkauf von Getreide ging.

Hier kreuzt nämlich den Kammweg ein Fußsteig, der l. von den

+Bahnstationen Lämberg-Markersdorf+ (über Jüdendorf) und

+Ringelshain+ (über Finkendorf) in je 1¼ Std. heraufkommt

und r. in wenigen Min. in den schon erwähnten +Kaisergrund+

hinabführt, um in diesem bachabwärts unter herrlichen

Aufblicken zum Pfaffenstein mit seinen ruinenartigen

Gipfelfelsen (l.) und zu den Rabensteinen (r.) +Spittelgrund+

in 15 Min. zu erreichen.

Unser Kammweg führt einen berasten Steig aufwärts in 20 Min. auf

einer kahlen, von plattenförmig abgesondertem Basalt gebildeten

Hügel, den Gipfelpunkt des im Mittel 513 _m_ hohen =Schwarzenberges=,

wo sich mitten im Waldmeere ein ebenso unerwartetes wie fesselndes

Landschaftsbild aufrollt, das man bequem auf natürlichem Steinsitze

genießen kann. Die +Aussicht+ beginnt am Gickelsberge im NO., erstreckt

sich über drei Quadranten des Horizonts bis zur Lausche im NW. und

ist nur gegen N. in die Zittauer Gegend durch zu hohen Waldbestand

unterbrochen.

R. an den Gickelsberg schließen sich die Höhen des Isergebirges

mit den Hemmerichbergen (in der Richtung der Tafelfichte), den

Mittagsteinen, dem Taubenhaus, Sieghübel und Schwarzenberge im

O., wo sich der breite Kamm des Trögelsberges und anschließend

der Jeschkenrücken vom gr. Kalkberge bis zur Koppe in sö.

Richtung vorschiebt. An dem diesseitigen Fuße lagern, durch

den Kirchberg von einander geschieden, die Kirchdörfer Pankraz

und Ringelshain, vor letzterem Finkendorf, und über beide

hinaus, hinter einander, Silberstein, Audishorner Spitzberg

und Dewin mit dem Hammerspitz. So ziemlich genau im S. liegt

Schloß Lämberg, so greifbar und stattlich, wie gewiß von keiner

andern Seite; l. und r. vor ihm füllen den Hintergrund der Roll

(l.) und der gr. Petzberg im Kummergebirge (r.). Unmittelbar

r. unter dem Schlosse glitzert der Spiegel des Markersdorfer

Teiches, hinter welchem die Stadt Deutschgabel vor der dunklen

Kuppe des Tolzberges sich breit macht. Die sw. Richtung ist

durch den Kamnitzberg bei Reichstadt gekennzeichnet, hinter

welchem l. der Maschwitzer Berg und noch weiter die Nedoweska

in der Daubaer Schweiz sichtbar sind. R. auf den Kamnitzberg

folgt der Laufberg bei Wellnitz, noch weiter der Ortelsberg

bei Zwickau, und zwischen beiden hindurch decken sich die

Schwoikaer Berge, der Leipaer Spitzberg (Turm) und der

Koselrücken. Gegen W., gerade in der Richtung der Tobiaskiefer,

der wir zusteuern, hat man ziemlich nahe den betürmten Hochwald

vor sich, neben ihm r. die Lausche, l. den Mergtaler Limberg,

vor ihm den Raubschloßberg. Zwischen Hochwald und Limberg

schieben sich der Kaltenberg (Turm) und der Kleis, zwischen

Limberg und Ortelsberg der Kottowitzer und der Langenauer Berg

hinter dem Rodowitzer Hutberge ins Gesichtsfeld, während die

betürmte Kuppe des Tannenberges zwischen Hochwald und Lausche

zu suchen ist.

Auch pflanzlich ist der Hügel beachtenswert; kräftige Exemplare

gelbblühender Arnika (~Arnica montana L.~) schmücken nebst den

purpurroten Blüten der knolligen Platterbse (~Lathyrus tuberosus L.~)

den Grasteppich, während die weißlila Trauben der Waldwicke (~Vicia

silvatica L.~) das Gebüsch umspinnen.

Vom Schwarzenberge absteigend, an einem Grenzstein mit der Jahreszahl

1723 vorüber, trifft man nach 15 Min. auf eine Schneiße, die sich

nach r. öffnet und den Pfaffenstein in herrlichem Durchblicke zeigt,

während man l. unmittelbar die =Tobiaskiefer= vor sich hat. So heißt

eine uralte Kiefer mit einem Bilde des biblischen Tobias, das der

Holzhändler Tobias Kunze, der Großvater der Wirtin in der Paßer

Schänke, anbringen ließ, als er ums Jahr 1800 die dortige Waldstrecke

zum Abtriebe erstanden hatte. Die Kiefer, bei welcher die Pascher

viel verkehrten, ließ er zum Andenken stehen, worauf sie nach seinem

Vornamen benannt wurde. Es ist dies aber auch ansonsten eine wichtige

Stelle in dem weiten Waldgebiete. Hier verläuft bei 498 _m_ Seehöhe

die Wasserscheide zwischen Neiße und Polzen, bzw. zwischen Ost- und

Nordsee, und die Zuflüsse -- Weißwasserbach und Spittelbach neißewärts,

Petersdorfer Bach polzenwärts -- haben ihre Ursprungsadern nahe bei

einander. Hier überschneiden sich auch mehrere Wege. Von N. her führt

die alte Zittauer Straße, auf der uns später das Kammzeichen weiter

geleiten wird, bei der Tobiaskiefer vorüber (gelbe Marken) in 45 Min.

s. waldabwärts nach +Finkendorf+ -- ein von Touristen gern besuchtes,

nach dem ehemaligen Ringelshainer Schulmeister Sebastian Finke, der

sich 1683 daselbst zuerst ansiedelte, benanntes Wald- und Weberdorf mit

64 Häusern -- und in 30 Min. weiter zur +Bahnstation Ringelshain+.

An dieser alten Straße, nahe sw. der Tobiaskiefer, erhebt

sich der =Raubschloßberg= (535 _m_), dessen beholzter Gipfel

ehedem die Burg Winterstein trug, deren Erbauung in jene Zeit

fällt, als die Straße von Zittau nach Gabel noch nicht über

den Lückendorfer Paß führte. Sie war schon 1369 eine »alte«

Burg und wurde am 25. Juli 1441 von Johann von Wartenberg auf

Blankenstein zugleich mit der benachbarten Burg Karlsfried an

die Stadt Zittau verkauft, welche beide Burgen am 10. Aug. 1442

abtragen ließ, um an der Grenze alle in Fehdezeiten lästig

werden könnenden Schlupfwinkel los zu sein; 1582 war die

Burgstätte noch in ihrem Besitz. Ein Abstecher dahin lohnt sich

jedoch nicht, da die Überreste (Spuren einer Burgwarte, eines

Wallgrabens und Grundmauerwerk) zu unbedeutend und so gut wie

unauffindbar sind.

W. von der Tobiaskiefer führt ein Waldweg in 30 Min. nach +Petersdorf+

an der Zittau-Gabler Straße, der sich ö. durch den +Kaisergrund+

fortsetzt und in ebenfalls 30 Min. nach +Spittelgrund+ führt. Auf

einem Umwege kommt man dahin auch über die +Mordkiefer+ und den

+Pfaffenstein+.

Letzterer Weg, nur in umgekehrter Richtung, empfiehlt sich

auch als Variante für diejenigen, welche den Kammweg über den

Schwarzenberg schon begangen haben. Man geht hinter Paß r.

durch den Wald in den Kaisergrund hinab, dann l. in demselben

aufw., dem kleinen, oft versiegenden Spittelbach, der bei

Dönis in die Neiße mündet, entlang bis zu den Felsengruppen;

bei einem Grenzsteine, 30 Min. von Paß, r. auf einem Fahrwege

empor. R. wird bald darauf der Felsenkopf des Pfaffensteins

sichtbar. Am Eingange zu den =Pferdelöchern=, auch Felsenstadt

genannt, vorüber, zwischen großen Sandsteinblöcken hindurch

im Bogen r. empor zum =Hufeisenberge= (510 _m_). Ein

Sandsteinblock daselbst, der einem Kopfe mit Helm ähnelt,

ist ein Hufeisen eingehauen, daher der Name des Berges; von

hier aus empor erreicht man in 15 Min. den Kamm, wo man

auf den vom Spitzberge (l., 541 _m_, Basalt) herkommenden

Weg stößt und auf demselben r. in 5 Min. den =Pfaffenstein=

(569 _m_) erreicht. Dieser gipfelt in einer mächtigen,

auffällig burgruinenartig gestalteten, vielfach zerklüfteten

und ausgehöhlten Sandsteinfelsgruppe, die schon von weitem

Aufmerksamkeit erregt. Ingenieur Lubisch in Lückendorf wollte

im Herbst 1904 auf eigene Kosten mit Bewilligung der gräflich

Clam-Gallas'schen Herrschaftsverwaltung eine Blockhütte im

Ausmaße von 4 × 5 _m_ errichten und eine eiserne Stiege auf

der w., Lückendorfer Seite anbringen und den Gipfelfelsen

selbst mit einem eisernen Schutzgeländer umgeben lassen.

Der Ausblick von da ist besonders lieblich gegen N. und NO.

ins reich besiedelte Neißetal. N.: Ganz nahe der Spitzberg,

dahinter Zittau und weiter das Königsholz und Hirschfelde,

r. davon hinter einander Grottau und Ullersdorf. Nö. ganz

nahe Spittelgrund, dann hinter einander Ketten, Grafenstein

(Schloß), Wetzwalde, der Gickelsberg und Hohenwald; l. hinter

dem Gickelsberge die Kirche von Reichenau, r. von ihm Pfarrdorf

Oberwittig. Im O. hinter einander Niederberzdorf, Weißkirchen,

Kratzau und Voigtsbach, dann neben einander die Hemmerichberge,

die Vogelkoppen, Taubenhaus, Schwarzeberg und Siechhübel im

Isergebirge, überragt von der Tafelfichte im Hintergrunde.

Sö.: Die abenteuerlichen Rabensteine ganz nahe, dann Dorf Paß

vor dem Trögelsberg, weiter der Zug des Jeschkenrückens mit

der Koppe; r. von Paß der Welsberg, zwischen beiden hindurch

Pfarrdorf Pankraz am Fuße des Kirchberges. S. blickt man über

walddüstere Gründe (Kaisergrund) und wildes Felsengewirr

(Felsentheater) auf den Schwarzeberg im Vordergrunde,

hinter welchem l. der Silberstein, Audishorner Spitzberg

und Roll, r. der Tolzberg sich zeigen. Sw. vorn die Kuppen

des Hufeisensteines, des Raubschloß- und Fuchsberges, im

Hintergrunde der Ortelsberg. W.: Das hintere Weißbachtal mit

seinen Felsgebilden und dem Straßberge, dahinter Hochwald (r.)

und Falkenberg (l.), zwischendurch der spitze Kleis; l. vom

Falkenberge der Mergtaler Limberg, zwischendurch der Grünberg

bei Zwickau; r. hinter dem Hochwalde die Lausche, näher

Brandhöhe und Töpfer bei Oybin mit dem Scharfenstein, dahinter

der Jonsberg. Nw. hinter dem Töpfer sieht man nach einander den

Breiteberg, den Oderwitzer Spitzberg und den Kottmar (Turm),

im Vordergrunde (nahe dem Spitzberge) den Heide- und spitzen

Mühlsteinberg.

Nun auf demselben Wege zurück zum Hufeisenberge. Einige Min.

auf dem Fahrwege weiter aufwärts, hat man l. vom Wege einen

eigenartigen und prächtig Einblick in das =Felsentheater=, ein

eigenartig aufgebautes Gewirr von Berglehnen und Felsenmassen

zu Füßen, die wie Versatzstücke und Kulissen eines Theaters

neben und hinter einander gestellt erscheinen und eine

herrliche Augenweide, wie von dem Schnürboden eines Theaters

aus, bilden. Den Hintergrund bilden südöstlich der Langeberg

und der Jeschken.

Der weitere Weg führt in 15 Min. zur Tobiaskiefer. Dabei

kommen wir an der =Mordkiefer= im =Katelloch= (l.) vorüber.

Letztere Benennung rührt daher, weil hier ein Mädchen aus

Görsdorf bei Grottau von ihrem Geliebten, einem Spittelgrunder

Grenzjäger, der sich dann selbst auch den Tod gab, ums Jahr

1830 erschossen aufgefunden wurde. Zur Erinnerung daran hatte

ein k. k. Finanzwachaufseher in die Rinde der sogenannten

Mordkiefer einen Todtenkopf mit der Mahnung »~Memento mori~«

eingeschnitten.

Tobiaskiefer-Hochwald (2 Std.).

Wir folgen nördlich dem Waldfahrwege, dem alten Verkehrswege zwischen

Zittau und Gabel, und erreichen durch einen Hohlweg abwärts, bei der

Höhenkote 476, nach 6 Min. die Landesgrenze, gerade an der Spitze des

Dreiecks, das sie hier bildet. Hier ist ein Wegweiser an einem Baume.

R. kommt man in den herrlichen, von seltsam gestalteten

Sandsteinfelsen (Uhusteine, Mönch, nackte Männer, Schiller und

Goethe) besäumte =Weißbachtal= und entlang der Landesgrenze

in 1 Std. nach Hartau, wo der Weißbach in die Neiße mündet;

von da weiter in 45 Min. nach +Zittau+. In diesem Tale führte

ursprünglich der uralte Saumweg von der Burg Lämberg her nach

Zittau noch eine Strecke weit, bis zum »böhmischen Tor«, d.

i. zwei zusammen geneigten Felsblöcken mit alten Wappen und

Jahreszahlen.

Auch unser Kammweg, ein angenehmer Waldweg, folgt der Landesgrenze,

aber l., bis diese nach 5 Min. l. abbiegt, wir aber -- auf sächsischem

Boden -- geradeaus weiter in 10 Min. zum =Lückendorfer Forsthause=

(einfache Gastwirtschaft mit Garten) gelangen. Knapp vor dem

Forsthause, wo l. der Wald aufhört, haben wir einen plötzlichen Anblick

des Hochwaldes, hinter dem l. die Spitze des Kleis herausschaut; l. vom

Hochwalde kommt dann auch noch der Falkenberg zum Vorschein und hinter

diesem r. der Mergtaler Limberg. Das Forsthaus gehört zu Lückendorf

und liegt einschichtig, 482 _m_ hoch auf der Hauptwasserscheide, an

der geschichtlich bedeutsamen Verkehrsstraße, welche in je 1½ Std.

nördlich über Eichgraben nach +Zittau+, südlich über die Landesgrenze

durch Petersdorf nach +Deutschgabel+, bzw. zu den Bahnstationen in

beiden Städten führt. Sie wurde im 14. Jahrh. auf König Johann's

Befehl aus dem Weißbachtale herauf übers Gebirge, den damals noch

völlig unwirtlichen »Gäbler«, verlegt und erhielt ihre heutige Gestalt

1848. Gerade gegenüber vom Forsthause an der Straße im Walde stand

ehedem eine elende Hütte, das schon 1450 bestandene »Ausgespann« für

die Fuhrleute, welche vom Eichgraben bis hieher Vorspann genommen

hatten. Als im Jahre 1838 das Forsthaus gebaut wurde, mußte die

»schwarze Bürste« weichen, worin ein früherer Kretschambesitzer aus

Lückendorf seine Schankwirtschaft betrieben hatte. Dicht am Garten

des Forsthauses stehen noch acht wallartige Verschanzungen, welche

1813 vom Landvolke erbaut werden mußten. Hier ist am 19. August 1813

Napoleon durchgezogen, hat im +Petersdorfer+ Zollhause, wo Fürst

Poniatowsky, der Kommandant der französischen Vortruppen, wohnte, auf

einem Holzschemel, der heute noch dort gezeigt wird, gerastet und dann

im damaligen Postgebäude zu +Deutschgabel+ -- der einzigen Stadt in

Böhmen, die Napoleon betreten hat -- sich aufgehalten. Am 23. Juni 1866

fand hier ein Vorpostengefecht zwischen österreichischen Hußaren und

preußischen Uhlanen statt.

In nächster Nähe des Forsthauses, 25 Min. nordöstlich, ist der

=Straßberg= (544 _m_) mit dem vom Zittauer Verein »Globus«

errichteten Aussichtsbalkon »Fuchskanzel« mit prächtiger Um-

und Fernsicht über den Zittauer Kessel bis zum Kottmar, dem

Löbauer Berge und der Landeskrone. Etwa 15 Min. vom Forsthause

entfernt liegt nördlich an der Straße nach Zittau auf felsiger

Kante die =Ruine Karlsfried=, wenige Mauerreste, darunter die

des Bergfrieds und eines Torturmes einer im Jahre 1337 auf

Befehl Karl IV. zum Schutze der Straße erbauten Zoll- und

Geleitsburg, die in den Hussitenwirren eine Rolle spielte --

in ihrer Nähe fand am 25. Januar 1424 ein für die Zittauer

unglücklicher Kampf statt -- und 1442 von den Städten Zittau

und Görlitz, die sie das Jahr zuvor von Johann v. Wartenberg

auf Blankenstein gekauft hatten, zum Abbruch bestimmt wurde,

der jedoch nur ganz allmählich erfolgt sein kann, da die Ruine

1720 noch drei Stock hoch war. Aus der Turmruine hat man einen

romantischen Blick östlich hinab in das Weisbachtal mit seinen

seltsamen Felsgruppen.

Die Gabler Straße beim Forsthause kreuzend, setzen wir unsern Weg in

gerader Richtung auf schöner Waldstraße fort, an der überdies Eschen,

weiterhin Ahorn als Alleebäume gepflanzt sind. Nach 10 Min., währenddem

wir eine Drehung nach l. machen, ist der Wald zu Ende; Lückendorf

mit der Brandhöhe liegt vor uns, dahinter der Hochwald, neben dem

dann l. der Mergtaler Limberg und der Kegel des Falkenberges zum

Vorschein kommen. Nach 9 Min. mündet r. von Eichgraben her zwischen dem

+Heideberge+ (544 _m_) und +Zigeunerberge+ (507 _m_) hindurch, die uns

r. bleiben, ein Touristen-Weg, kurz bevor unsere Straße eine scharfe

Knickung nach l. macht, wobei wir geradeaus die Spitze des Rollberges,

und links den Jeschkenrücken mit der Koppe zu Gesicht bekommen. Nach 5

Min weist r. eine Wegtafel nach +Oybin+.

Diesen Abweg können diejenigen einschlagen, welche den

Kammweg über die »Fürstenhöhe« schon kennen. Man trifft nach

15 Min. auf den Kreuzweg, welcher r. vom +Töpfer+ durch die

kleine Felsengasse herabkommt und den man jetzt l. verfolgt.

Gleich hinter der Kreuzung kann man (8 Min. hin und zurück)

den =Scharfenstein=, das sogenannte »Lausitzer Matterhorn«

besteigen, eine frei und steil aufragende Sandsteingruppe,

die mittelst Treppen und Stufen vom Zittauer Verein »Globus«

zugänglich gemacht worden ist. Oben ist eine Schutzhütte. Der

Ausblick ist vielseitig: westlich das bergumschlossene Oybintal

zu Füßen, dahinter die Lausche; südwestlich Hochwald, r. hinter

ihm der Kleis; südöstlich das Jeschkengebirge. Der Touristenweg

führt von der Kreuzung ansteigend zur =Edmundshütte=

(idyllisches Blockhaus, 1897 vom Oybiner Verschönerungsverein

errichtet) und zur Aussichtsbank am =Margaretensteig=,

fällt dann und tritt in die =große Felsengasse= mit wild

zerklüfteten Felswänden. R. Abstecher (einige Stufen hinauf)

zur =Mönchskanzel= auf jäh abstürzender Felswand (Ruhebank) mit

malerischem Ausblicke ins Oybintal. Nach 4 Min. ist man über

Stufen hinab am Ende der Felsengasse; r. ist der =Muschelsaal=,

ein grottenartiger Felsüberhang mit Ruhebank und muschelartigen

Auswaschungen in dem eisenhältigen Sandstein. Nach 3 Min.

trifft man auf den »+Fürstensteig+«, der l. von Lückendorf

heraufkommt, und ist wieder auf dem Kammwege.

Gleich darauf haben wir die ersten Häuser von =Lückendorf= knapp unter

der Brandhöhe (504 _m_) erreicht; als Zierden tragen dieselben bemalte

Scheiben aus Holz, auf die wohl von den Besitzern der Königschuß

getan worden sein mag. Die Straße steigt hier etwas an, l. vom Roll

treten die Hirschberge heraus, zu unserer L. der Pfaffenstein mit dem

Spitzberge. Nach 3 Min. kommen wir an einer Markentafel (r.) vorüber,

auf welcher die Entfernungen auf die Fürstenhöhe, Hochwald, Forsthaus

Nr. VI und Hain mit 13, bzw. 65, 50 und 30 Min. angegeben sind. Nach

weiteren 3 Min. sind wir beim =Kurhaus Lückendorf= angelangt, das an

der schönsten und aussichtsreichsten Stelle des Dorfes, am Fuße des mit

Nadelwald bedeckten +Brandberges+ gelegen ist. Dasselbe enthält nebst

Gastwirtschaft 20 Fremdenzimmer zum wöchentlichen Preise von 5 bis 7

Mark für ein Bett. Wundervoll ist der Blick von seiner Terrasse auf den

Pfaffenstein, auf Jeschken, Roll, Tolz- und Falkenberg, während von den

Turmzimmern aus sogar die Kuppen des Iser- und Riesengebirges herüber

grüßen.

Pfarrdorf Lückendorf, das mit dem größten Teile seiner zwischen Wiesen

und Obstgärten verstreuten Häuser seitab l. bleibt, ist das südlichste

Dorf der Lausitz und liegt an einem Zuflusse des in die Polzen

mündenden Jungfernbaches auf der Hauptwasserscheide zwischen Ost- und

Nordsee von 373 bis gegen 500 _m_ Seehöhe; seine 500 Bewohner betreiben

Landwirtschaft, Handweberei und Holzdrechslerei. Vermöge seiner staub-

und rauchfreien, geschützten, waldreichen Lage ist es seit einigen

Jahrzehnten als +Sommerfrische+ in Aufnahme gekommen, insbesondere aber

seit der Eröffnung des stattlichen Kurhauses im Jahre 1898.

Gute Verpflegung und Aufenthalt findet man u. a. auch im Bergrestaurant

und im Kretscham; außerdem steht eine große Zahl von Logierhäusern

zur Verfügung. Der Ort ist uralt und mag in der Zeit der deutschen

Kolonisation von einem Lucko gegründet und benannt worden sein. Im

Jahre 1404 wird er zum erstenmale urkundlich genannt, als er in Besitz

der Stadt Zittau kam, in welchem er bis heute, mit einer nur ganz

kurzen Unterbrechung, geblieben ist. Im Jahre 1690 wurde die Kirche

gebaut, wozu das Steinwerk von der Ruine Karlsfried benützt wurde. Hier

wirkt Pastor Sauppe, der unermüdliche Aufheller der Geschichte von

Oybin und Lückendorf.

Unmittelbar vor dem Kurhause weist uns das Kammzeichen r.,

teilweise über Stufen, in den Nadelwald auf die Südlehne des

+Brandberges+ hinauf, wo der Sandstein, aus dem der Berg besteht, in

charakteristischen Wollsackformen zu Tage liegt. Schon nach 2 Min.

wird der Weg eben und wendet sich nach l.; starre Binsen (~Juncus

squarrosus L.~) und Adlerfarn (~Pteris aquilina L.~) besäumen ihn;

nur eine kurze Strecke ist l. ein Ausblick frei, sonst führt er im

Walde, den Hochwaldturm im Durchblicke, weiter, bis er nach 5 Min., wo

l. unten die letzte Villa von Lückendorf steht, an der =Fürstenhöhe=

endet. Kaiser Josef II. besuchte am 17. September 1779 gelegentlich

seiner Bereisung Nordböhmens diesen Punkt, wo die Kaiserlichen in den

schlesischen Kriegen Verhaue angelegt hatten, und ergötzte sich an

dem wundervollen Blicke in das mit landschaftlichen Reizen so reich

gesegnete Böhmen; er kam damals von Spittelgrund her übers Ausgespann

und nahm vorher vor dem Pfarrhause eine kleine Erfrischung ein; das

»Kaiserbörnel« hält das Andenken an diesen Besuch fest. Auch andere

fürstliche Personen haben diesen Platz besucht und so den Anlaß zu

seiner Benennung gegeben; u. a. war Friedrich August II., König von

Sachsen, am 13. August 1850 hier, 1888 der jetzige König Friedrich

August III. und 1890 König Georg von Sachsen. Dieser Punkt bietet in

der Tat ein +Aussichtsbild+ von seltener Schönheit, was Reichhaltigkeit

und Feinheit der Gruppierung anbelangt, wie kein anderer unter allen

den zahlreichen Spaziergängen am Brandberge.

Der ganze Höhenkranz vom Mergtaler Limberge im Südwesten bis zu

den Felsenzinnen des Pfaffensteins im Osten breitet sich vor

dem bewundernden Auge aus, und wird durch den Falkenberg, die

Stadt Deutschgabel, den Tolzberg und Roll, die hinter einander

in einer Linie gerade nach Süden liegen, wirkungsvoll in zwei

Gruppen gegliedert. In dem Bilde r. vom Roll zeigt sich der

doppelgipflige Bösig, das Kummergebirge mit dem Petzberge und

dem an seinem Schopfe kenntlichen Eichberge, zwischen beiden

hinten der weiß leuchtende Würfel des Schlosses Hauska auf

waldiger Höhe, weiter r. näher der Kamnitzberg bei Reichstadt

und der Laufberg nahe am Limberge; zwischen Kamnitz- und

Laufberg schieben sich die Mikenhaner Steine, dahinter die

Ruine Altperstein und der Maschwitzer Berg vor der Nedoweska

im Daubaer Gebirge. In dem Bilde l. vom Roll erscheint fast

in der Mitte die Spitze des gr. Hirschberges bei Wartenberg,

in der Richtung der Ortschaften Petersdorf, Hirndorf und

Markersdorf zu Füßen, l. davon der Dewin mit dem Hammerspitz,

vor diesem der Audishorner Spitzberg, der Silberstein und, am

nächsten, Schloß Lämberg. L. davon blickt man über Lückendorf

und den Schwarzenberg längs des Jeschkenzuges vom Trögelsberge

bis zur Koppe südöstlich auf den Musky bei Münchengrätz und

die zweizinkige Ruine Trosky bei Turnau. Im Osten heben sich

über dem Görsdorfer Spitzberge und dem Pfaffensteine die

Höhen des Isergebirges (Vogelkoppen, Taubenhaus, Siechhübel,

Schwarzeberg) heraus, hinter welchem nach r. hin bis zum

Langeberge im Jeschkengebirge die Häupter des Riesengebirges

(hohes Rad) in die neblige Ferne tauchen.

Nun r. ab den grasigen, vom Erbauer des Kurhauses als nächste

Verbindung mit +Bahnhof Oybin+ (30 Min.) angelegten =Fürstensteig=, an

»Adolfs Ruheplatz« (r.) vorüber, in 4 Min. empor auf den bewaldeten

Grat, wo von rechts her der vielbegangene Touristenweg (blauer Balken

auf weißem Grunde) durch die romantische +Felsengasse+ vom Töpfer,

bzw. von Oybin, einmündet (Ruhebank). Nun l. durch den Wald auf die

von Lückendorf nach Oybin führende +Kammstraße+ hinab (4 Min.), die

wir beim Kurhaus verlassen. Auf dieser r. (2 Min.) zu einer wichtigen

Wegkreuzung auf weiter Blöße beim sog. =Kammloche= unmittelbar an der

Landesgrenze und auf der Hauptwasserscheide (564 _m_) mit prächtigem

Rückblicke auf das Jeschkengebirge zwischen Pfaffenstein (l.) und

Falkenberg. Wegtafeln belehren über die einzuschlagenden Richtungen.

Auch ein Werkelmann hat daselbst seinen Stand.

Nördlich führt die Straße in 25 Min., am =Kelchstein= --

13--15 _m_ hoher, verkehrt kegelförmiger Sandsteinblock aus

rötlichem Sandstein -- vorüber (l.) zur +Station Oybin+;

südlich schließt sich an den Kammweg der sog. »Ringweg«

(blauer Ring auf weißem Grunde) an, der zunächst in 22 Min.

über die Landesgrenze zum =Forsthaus Nr. VI= (einem einfachen

als Nr. 260 zu Hermsdorf gehörigen, einschichtigen Gasthause

in idyllischer Waldlage auf dem 455 _m_ hohen Sattel zwischen

Hochwald und Falkenberg mit hübscher Aussicht auf Tolz, Roll

und die Bösige, 1½ Std. von der +Station Deutschgabel+) und von

da um den Südfuß des Hochwaldes unter prächtigen Ausblicken in

40 Min. nach +Hain+ führt; westlich setzt sich der mit blauem

Balken markierte Weg, welcher von der Fürstenhöhe bis hieher

mit unserem vereinigt war, in 20 Min. bis zum +Forsthaus Hain+

fort, unter geradezu entzückenden Ausblicken aufs Oybintal und

Zittau.

Wir wandern geradeaus weiter auf der Straße aufwärts, wobei wir

dieselben Rückblicke haben wie vorhin, und treffen nach 4 Min. wieder

auf eine Wegteilung: geradeaus nach +Hain+ und auf den Johannisstein,

r. nach +Oybin+, l. auf den +Hochwald+. Letzterer ist der unsere.

Am Waldsaume (r.) empor, durch den anfangs Durchblicke ins Oybintal

möglich sind, dann l. anfangs mäßig ansteigend, dann ziemlich steil

durch schönen Buchenwald, wo Zahnwurz (~Dentaria enneaphylla L.~),

Sanikel (~Sanicula europaea L.~), Rapunzel (~Phyteuma spicatum L.~)

und rundblättriges Labkraut (~Galium rotundifolium L.~) besonders

üppig gedeihen, kommen wir der Landesgrenze entlang bald r. bald l.

biegend, in 40 Min. auf den südlichen Gipfel des =Hochwaldes=, den man

beim Gasthause über Stufen betritt. Auf halbem Wege dahin kommen wir

an einer Ruhebank beim hydraulischen Widder vorüber, der das Wasser

aus dem +Johannesborne+ daselbst auf den Hochwald treibt, und etwas

höher bei einem Wirtschaftsstreifen mit hübschem Durchblicke auf Schloß

Lämberg.

Der Hochwald, im Volksmunde seiner Gestalt nach »Heufuder« genannt,

ist ein langgestreckter Klingsteinrücken, der von West nach Ost auf

der Grenzscheide zwischen Böhmen und Sachsen als höchster Punkt

im östlichen Flügel des Sandsteingebirges hinzieht, südlich steil

abfällt und mehrere Kuppen bildet, von denen die höchste (748 _m_)

vom Jahre 1879 bis zum Jahre 1892 einen, vom Zittauer Vereine

»Globus« beschafften, 10 _m_ hohen hölzernen +Aussichtsturm+, den

Karolathurm -- der sächsischen Königin zu Ehren benannt -- trug,

dessen Strebepfeiler auf böhmischem Grunde standen. Statt seiner wurde

auf der sächsischerseits gelegenen Nord- oder Oybinkuppe (744 _m_)

von demselben Vereine mit dem Kostenaufwande von 13000 Mk. ein

25 _m_ hoher Steinturm errichtet, der am 14. September 1892 die Weihe

erhielt. Die 1853 vom »Vater Marx« erbaute, in ihrem heutigen Zustande

seit dem Brande im Jahre 1877 bestehende »alte« +Gastwirtschaft+

auf böhmischem und die 1889 eröffnete »neue« Gastwirtschaft auf

sächsischem Grunde -- beide unter einem Betrieb, mit Nachtherberge

zu Mk. 1--1·50 und kais. deutscher und kais. österr. Postablage --

stehen neben einander, nur durch die Landesgrenze geschieden, auf der

südlichen Kuppe neben der aussichtsreichen Gipfelterrasse und sind mit

dem Turme durch einen breiten Weg in Verbindung. In der böhmischen

Wirtschaft, die als Nr. 251 zu dem 45 Min. südlich entfernten, 266

Häuser zählenden Bauerndorfe +Hermsdorf+ gehört, erhält man nur Wein

und Kaffee, in der sächsischen Bier und warme Speisen. Die Besitze der

Herrschaften Deutschgabel, Reichstadt und Zittau stoßen hier, beim

sog. »Clam'schen Stein« zusammen. Der Berg muß schon im vorvorigen

Jahrhundert seiner Aussicht halber besucht worden sein, da ein Zittauer

Ratsherr 1787 eine Treppe von 84 Stufen, die zum Teil heute noch in

Benützung stehen, zur leichteren Besteigung des Gipfels anlegen ließ,

der damals und noch 1830 ein Kreuz trug und »Kreuzstein«, angeblich

auch »Ilmenstein« hieß. Seither haben Sachsens Könige und manch

andere fürstliche Persönlichkeiten den Berg besucht; als erster im

Jahre 1821 der nachmalige Kaiser Ferdinand I. von Österreich. In der

Verkaufsbude neben den Gastwirtschaften bilden die auf dem Berge

vorkommenden »Veilchensteine«, d. i. Klingstein, der mit einer nach

Veilchen duftenden Alge (~Chroolepus Jolithus Ag.~) überzogen ist, eine

Spezialität. Von sonstigen +naturgeschichtlichen Seltenheiten+ wären

außer nordischen, eiszeitlichen Geschieben auf den Hängen des Berges

noch zu erwähnen: Mittleres und Alpen-Hexenkraut (~Circaea intermedia

Ehrh.~ und ~alpina L.~), herzblättrige Zweiblattorche (~Listera cordata

R. Br.~), Basalt-Nordfarn (~Woodsia ilvensis R. Br.~), sprossender

und Tannenbärlapp (~Lycopodium selago L.~ und ~annotinum L.~), eine

Schließmundschnecke (~Clausilia filograna~), die seltene grüne Eidechse

(~Lacerta viridis Dand.~); früher soll auch die grüne Nießwurz oder

Schneerose (~Helleborus viridis L.~) daselbst gefunden worden sein.

Nach den +Sagen+ der Walen sollen sich im Boden des Hochwaldes kostbare

Edelsteine befinden, und noch jetzt soll ein Bergmännlein hier hausen,

das dem, welchem es wohl will, Gold und Silber und Edelgestein,

insbesondere aber wohltätige Heilkräuter zeigt.

[Illustration: Der Rosenberg von Südost.

Kammweg-Führer von der Jeschkenkoppe bei Reichenberg bis zum Rosenberg bei Tetschen mit Berücksichtigung der anschliessenden Kammwege · 第 4 / 8 题