41. Ueber diese Antwort des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

42. Nun traf die Reihe den Herrn _Krager_

Und er sprach: _Herr Candidat! sag' Er,

Wer war der heilige Augustin?_

Hieronimus antwortete kühn:

43. Ich habe nie gehört oder gelesen,

Daß ein andrer Augustin gewesen,

Als der Universitätspedell Augustin,

Er citirte mich oft zum Prorector hin.

44. Ueber diese Antwort des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

45. Nun folgte Herr _Krisch_ ohn Verweilen

Und fragte: _Aus wie vielen Theilen

Muß eine gute Predigt bestehn,

Wenn sie nach Regeln sollte geschehn?_

46. Hieronimus, nachdem er sich eine Weile

Bedacht, sprach: die Predigt hat zwei Theile,

Den einen Theil Niemand verstehen kann,

Den andern Theil aber verstehet man.

47. Ueber diese Antwort des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

48. Nun fragte Herr _Beff_ der Linguiste:

_Ob Herr Hieronimus auch wol wüßte,

Was das hebräische Kübbuz sei?_

Und Hieronimus antwortete frei:

49. Das Buch, genannt Sophiens Reisen

Von Memel nach Sachsen, thut es weisen,

Daß sie den mürrischen Kübbuz bekam,

Weil sie den reichen Puff früher nicht nahm.

50. Ueber diese Antwort des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

51. Nun kam auch an den Herrn _Schreie_,

Den Hieronimus zu fragen die Reihe,

Er fragte also: _Wie mancherlei

Die Gattung der Engel eigentlich sei?_

52. Hieronimus that die Antwort geben:

Er kenne zwar nicht alle Engel eben,

Doch wär ihm ein blauer Engel bekannt

Auf dem Schild an der Schenke, zum Engel genannt.

53. Ueber diese Antwort des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

54. Herr _Plotz_ hat nun fortgefahren

Zu fragen: _Herr Candidate! wie viel waren

^Concilia oecumenica^?_

Und Hieronimus antwortete da:

55. Als ich auf der Universität studiret,

Ward ich oft vor's Concilium citiret,

Doch betraf solches Concilium nie

Sachen aus der Oeconomie.

56. Ueber diese Antwort des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

57. Nun folgte Herr _Keffer_, der geistliche Herre,

Seine Frage schien zu beantworten sehr schwere,

_Sie betraf der Manichäer Ketzerei,

Und was ihr Glaube gewesen sei?_

58. Antwort: Ja, diese einfältigen Teufel

Glaubten, ich würde sie ohne Zweifel

Vor meiner Abreise bezahlen noch,

Ich habe sie aber geprellet doch.

59. Ueber diese Antwort des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

60. Die übrigen Fragen, welche man proponiret,

Lasse ich hier aus Mangel des Raums unberühret;

Denn sonst machte das Protocoll

Wol mehr als sieben Bogen voll.

61. Sintemal man noch Vieles gefraget,

Worauf Hieronimus die Antwort gesaget

Auf obige Weise Stück vor Stück

Aus Dogmatik, Polemik und Hermeneutik.

62. Imgleichen sonst noch manche Sachen

Aus der Kirchenhistoria und Sprachen,

Und was man einen geistlichen Mann

Sonst wo zur Prüfung noch fragen kann.

63. Ueber alle Antworten des Candidaten Jobses

Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes,

Der Inspector sprach zuerst: hem! hem!

Drauf die andern ^secundum ordinem^.

64. Als nun die Prüfung zu Ende gekommen,

Hat Hieronimus einen Abtritt genommen,

Damit man die Sache nach Kirchenrecht

In reife Ueberlegung nehmen möcht':

65. Ob es mit gutem Gewissen zu rathen,

Daß man in die Klasse der Candidaten

Des heiligen Ministerii den

Hieronimum aufnehmen könn'.

66. Es ging also an ein Votiren,

Doch ohne vieles Disputiren

Ward man einig alsobald:

Es könne zwar dermal und solchergestalt

67. Herr Hieronimus es gar nicht verlangen,

Den Candidaten-Orden zu empfangen,

Jedoch aus besondrer Consideration

Wollte man stille schweigen davon.

68. Es hat auch wirklich in vielen Jahren

Kein Fremder davon etwas erfahren,

Sondern Jedermann hielt früh und spat

Den Hieronimum für einen Candidat.

Zwanzigstes Kapitel.

Wie der Autor gar demüthiglich um Vergebung bittet, daß das vorige

Kapitel so lang gewesen und wie er verspricht, daß das gegenwärtige

Kapitel desto kürzer sein sollte. Ein Kapitel, wovon die Rubrik länger

ist, als das Kapitel selbst, und welches, unbeschadet der Geschichte,

wol hätte wegbleiben können.

[Illustration]

1. Ich bitte um Verzeihung alle, die mich lesen,

Daß voriges Kapitel so lang gewesen,

Dabei soll auch dieses Kapitelein,

Lieber Leser! desto kürzer sein.

Einundzwanzigstes Kapitel.

Wie Vater Jobs der Senator dem Hieronimo eine Strafpredigt halten thät,

und wie er vor Verdruß stirbt.

1. Nun hätte man sollen das Lärmen sehen,

Was da in Jobsens Hause geschehen,

Weil es, wie gesagt, nicht allerding

Mit dem Examen nach Wunsche ging.

2. Aber was that denn des Hieronimi Vater?

Lieber Leser! du magst wol fragen: was that er?

Er gerieth drob in gar großen Grimm,

Und sagte zu seinem Sohne: »du Lüm-

3. mel! hab' ich drum so viel angewendet

Und ganze Hände voll Geld verschwendet,

So daß fast worden zum armen Mann,

Und habe itzt nur Verdruß daran?

4. Hättest du fleißiger gestudiret

Und dich rechtschaffener aufgeführet,

So wärst du itzo nunmehro hie

Ein Candidatus Ministerii!

5. Und bekämest bald eine gute Pfarre;

Aber du bist nun ein ungelehrter Narre,

Der nichts von der Theologie versteht

Und sein Leben lang brodlos geht!

6. Deine Mutter und ich hofften beide

An dir zu erleben viele Freude,

Und nun haben wir bittern Verdruß

Ob dich bösen Hieronimus!

7. Alles was du vormals mir geschrieben,

Als hättest du die Studia getrieben,

Und wärest von allen der Fleißigste,

Sind lauter Lügen, wie ich nun seh.

8. Auch was du vom Privatissimo

Und zehn Stunden im Collegio,

Von der Professoren Zufriedenheit,

Vom Theetrinken in der Einsamkeit;

9. Item, von den vielen gelehrten Dingen,

Wovon dir der Kopf wollte zerspringen,

Vom Meditiren bis in die Nacht

Und sonst noch etwa hast vorgebracht;

10. Auch daß dein Magen vom vielen Sitzen und Lesen

Geschwächet und verdorben gewesen,

Das alles ist, wie sich's nun befind't,

Nichts gewesen, als Lügen und Wind.

11. Hätte ich doch ehmals unsers frommen

Rectors guten Rath angenommen,

Der es deutlich genug sagte mir:

Es würde niemals etwas Gutes aus dir!

12. So wäre das viele Geld ersparet

Und manches Kapital rund bewahret,

Das du, böser, unnützer Knecht!

Auf der Universität verzecht.«

13. So war ungefähr die Predigt beschaffen,

Die der Alte hielte, den Sohn zu bestrafen,

Und er hätte im ersten Affect,

Fast den Hieronimus mit Prügeln bedeckt.

14. Weil indessen Zürnen und Schelten

Für die Gesundheit zuträglich ist selten,

So fiel auch den guten alten Mann

Gleich eine heftige Krankheit an.

15. Denn er litte oft in gesunden Tagen

Vom schmerzlichen Podagra viele Plagen;

Sein Rathsherrnstand, guter Appetit und Ruh

Disponirten den Körper dazu.

16. Nun aber verließen ihn plötzlich die Schmerzen

Und das Podagra trat ihm zum Herzen,

Und nach vierundzwanzig Stunden Zeit

Wanderte er aus der Zeitlichkeit.

17. Alles im Hause rang nun die Hände

Und des Klagens und Jammerns war kein Ende,

Daß Hieronimus selbst sogar

Kaum darüber zu trösten war.

18. Der Leser möchte vielleicht gähnen,

Wenn ich diese traurigen Scenen

Näher beschrieb, ich lasse drum nun

Den Senator Jobs in Frieden ruhn.

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Wie Hieronimus beinahe ein Informator eines jungen Barons geworden wäre.

1. Obgleich nunmehro schon vierzehn Tage

Der alte Senator Jobs im Grabe lage;

So dachte doch noch dann und wann

Die Wittwe Jobsen an den seligen Mann.

2. Hieronimus bekam indessen sein Futter

Bisher noch zu Hause von der Mutter,

Und hätte in solchem Müßiggang

Zugebracht gerne sein Leben lang;

3. Wenn ihm nicht wäre der Vorschlag geschehen,

Sich nunmehro anderswo umzusehen,

Wo er in der Zukunft bequem

Seinen Unterhalt gebührlich hernähm.

4. Denn die Hoffnung, eine Pfarre zu bekommen,

War dem armen Schelm gänzlich benommen,

Nachdem die gelernte Predigt einmal

Gehalten war auf den Dörfern überall.

5. Sintemal nun manche große Geister

Ihr Glücke gemacht als Hofmeister,

So fiel es auch dem Hieronimus ein,

Irgendwo Hofmeister zu sein.

6. Das Glück schien ihm nicht ungeneiget,

Denn es hat sich ohngefähr gezeiget

Nach etwa dreier Monate Zeit

Für ihn eine schöne Gelegenheit.

7. Denn ein benachbarter Herr von Adel

Suchte einen Informator ohne Tadel,

Für billige Kost und acht Gulden Lohn

Bei dem jungen Baron, seinem einzigen Sohn.

8. Religion, Sitten, fünferlei Sprachen,

Schreiben, Rechnen und dergleichen Sachen,

Philosophie, Physik, Geographie,

Mathematik, Historie, Poesie,

9. Zeichnen, Musik, Tanzen, Fechten, Reiten

^Et caetera^, waren blos die Kleinigkeiten,

Welche für die acht Gulden Lohn

Lernen sollte der junge Baron.

10. Es ließen also Ihro Gnaden

Den Candidaten Hieronimus zu sich laden,

Und fragten: ob er für die acht Gulden Lohn

Uebernehmen wollte die Information?

11. Hieronimus antwortete: Gnädiger Herre!

Das Informatoramt ist sauer und schwere,

Und es wären acht Gulden schier

Viel zu weniges Lohn dafür;

12. Doch, um Eure Gnaden zu gefallen,

Entschließe ich mich sofort zu allen,

Und nehme den jungen Herrn Baron

Gleich in meine Information.

13. Der Handel war also nun getroffen,

Bis sich zuletzt wider alles Verhoffen

Noch eine kleine Schwierigkeit fand,

Welche bloserdings darin bestand:

14. Ob auch Hieronimus in den verlangten Sachen

Die erforderliche Probe könne machen,

Welche für die acht Gulden Lohn

Lernen sollte der junge Baron?

15. Da hat sich aber balde gewiesen,

Daß Hieronimus von allen diesen

Sachen selbst nichts gewußt, die von

Ihm lernen sollte der junge Baron.

16. Er ward also in Frieden entlassen,

Und zog wieder heim seine Straßen,

Und verwünschte die Information

Zum Henker, mit dem jungen Baron.

17. Ihro Gnaden aber suchten kreuz und queere,

Ob ein andrer aufzutreiben wäre,

Welcher für die acht Gulden Lohn

Uebernähme die Information.

18. Ob er für die acht Gulden bis zu heutigen Stunden

Einen solchen gelehrten Informator gefunden,

Ist etwas, das ich nicht sagen kann,

Es geht mich auch in der That nichts an.

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Wie Hieronimus ein Hausschreiber ward bei einem alten Herrn, welcher

eine Kammerjungfer hatte, mit Namen Amalia, und wie er sich gut

aufführte bis im folgenden Kapitel.

1. Unter allen Ständen, die da werden

Angetroffen auf unserer Erden,

Ist, zweifelsohne, wie bekannt,

Der Wittwenstand der betrübteste Stand.

2. Wo der Mann, als das Haupt des Weibes,

Fehlt, da steht es um die Pflege des Leibes

Und um die ganze Haushaltung schlecht,

Und nicht das Geringste geht zurecht.

3. Die Einkünfte werden nach und nach vermindert,

Die unentbehrliche Nahrung wird verhindert,

Und gleich wie in einem Jammerthal

Ist Angst, Noth, Elend überall.

4. Frau Jobs hat dies auch, leider! erfahren,

Denn sie merkte, daß gleich in den ersten Jahren

Alles im Hause den Krebsgang ging,

Und sie arm an zu werden fing.

5. Hieronimus nun hat dazu freilich

Das Seinige beigetragen getreulich,

Denn er lebte in müßiger Ruh,

Aß gut und trank noch besser dazu.

6. Indessen ward doch nun auf die Dauer

Der guten Wittwe solche Wirthschaft zu sauer,

Und ihr Hieronimus gereichte fast

Der Oekonomie zur größten Last.

7. Er hat es auch selbst eingesehen,

Daß es nicht länger gut werde gehen,

Und erkundigte sich also weit und breit

Um eine andre Gelegenheit.

8. Wie nun gewöhnlich die Dummen und Frommen

Am allerbesten in der Welt fortkommen,

So bot auch bei einem Edelmann

Sich abermal für ihn eine Stelle an.

9. Dieser Herr lebte auf dem Lande

In einem trefflichen ruhigen Stande,

Und verzehrte als ein biedrer Cavalier

Seine großen Einkünfte mit Pläsir.

10. Er that in seiner Jugend einige Züge

Im damaligen siebenjährigen Kriege,

Doch lag er meistens in Garnison

Und schonte so viel möglich seine Person.

11. Indeß ward er bald dieses Lebens müde,

Denn er haßte Krieg und liebte Friede,

Und hielt folglich als ein tapfrer Mann

Unterthänig um seinen Abschied an.

12. Jedoch fand er noch immer viel Vergnügen,

Oft zu reden von verschiedenen Siegen,

Und wie er einmal von ohngefähr

Auf der Flucht beinahe gefangen wär'.

13. Uebrigens war er geneigt zu spaßen,

Schoß auch wol auf der Jagd einen Hasen,

Trank bei der Tafel Burgunderwein

Und lebte ohne Gemahlin allein.

14. Er war also, in soweit, ein Junggeselle,

Doch war bei ihm, an der Gemahlin Stelle,

Eine Kammerjungfer, die früh und spat

Die nöthigen Bedürfnisse besorgen that.

15. Er sparte als Greis den Rest seiner Kräfte

Und bekümmerte sich um keine Geschäfte,

Sondern ein treues Bedienten-Paar

Besorgte, was zu besorgen war.

16. Der eine war ein schlauer, alter,

Treubefundener Hausverwalter,

Und der andre Herr Bediente war

Ein also genannter Secretar.

17. Der Verwalter war noch am Leben

Und befand sich beim Dienste nicht uneben,

Denn er sorgte klug und weislich

Wenig für'n Herrn und viel für sich.

18. Der Secretar war vor einigen Tagen

Weil er todt war, zu Grabe getragen,

Und also und dergestalt fand

Sich diese wicht'ge Bedienung vacant.

19. Nun war der Verwalter ein alter Bekannter

Von Hieronimi Eltern, und darum wandt' er

Als ein treuer dienstfertiger Mann

Alle Müh' für Hieronimus an,

20. Und hat ihn sehr kräftig recommandiret,

Ihn darauf in Persona präsentiret

Bei der Jungfer und beim alten Herrn

Als einen fähigen Secretärn.

21. Es hat auch seine Person für allen

Der Kammerjungfer nicht übel gefallen,

Drum versprach sie ihm steif und fest

Bei dem Herrn zu reden das Best'.

22. Er schien ihr beim ersten Anblick schon besser

Als der vorige Schreiber, sein Antecesser;

Denn Hieronimus war stark und lang,

Der vorige aber war mager und krank.

23. Alldieweil er nun, wie gesaget,

Der Kammerjungfer, als der Hauptperson, behaget,

So gab auch der alte Herr sofort

Dazu sein Fiat und adliges Wort.

24. Um ihm desto mehr Gnaden zu erweisen,

Mußte er sogar diesmal mit ihm speisen,

Und der Herr sprach mit freundlicher Stimm'

Nach geendigter Mahlzeit zu ihm:

25. »Seine Pflicht soll darin bestehen,

Daß Er nach Vieh und Gesinde muß sehen,

Und als der geheime Secretär

Schreibe, was etwa zu schreiben wär'.

26. Wird Er nun diese seine Amtspflichten

Als ein braver Schreiber ausrichten;

So geb' ich Ihm dafür alle Jahr

Vierzig harte Reichsthaler baar.

27. Gefällt Ihm diese Bedingung, so bleib Er

Bei mir, ^sub titulo^ als Hausschreiber,

Und ich verspreche Ihm, wenn Er treu,

Noch manche Accidenzien dabei;

28. Doch muß Er niemals probiren,

Mit der Kammerjungfer zu haseliren;

Denn solchen Unfug leide ich durchaus nicht,

Das sage ich Ihm trocken ins Gesicht.

29. Der letzverstorbene Hausschreiber

Sah gerne Mädchen und junge Weiber,

Und es ward mir sogar kund,

Daß er mit meiner Jungfer gut stund.

30. Ich hätte ihn prostituiret

Und ohne viele Umstände cassiret;

Weil er aber klein war und schwach,

So sah ich ihm noch den Fehler nach.

31. Das Mädchen ist zwar schlau und witzig;

Aber dabei verzweifelt hitzig,

Und wie mir gar manchesmal däucht,

Zu allerlei schlimmen Sachen geneigt.

32. Vor fünf Jahren, unvermuther Weise,

Traf ich sie an auf einer Reise;

Und ihr lustiges Wesen gefiel mir,

Machte also meine Jungfer aus ihr.

33. Er wird übrigens, ohne zu fragen,

Leicht schließen, was ich hiemit will sagen;

Denn einmal vor allemal sage ich nu,

Halte Er mit Amalien nicht zu!«

34. Hieronimus wäre nicht klug gewesen,

Wenn er nicht, ohne viel Federlesen,

Auf obige Bedingung geworden wär'

Sehr gern der geheime Secretär.

35. Er trat also sein Amt an geschwinde,

Und sah täglich nach Vieh und Gesinde,

Schrieb auch auf öfters und viel,

Was etwa zu notiren vorfiel.

36. Zum Exempel: eingekommene Pächte,

Ausgegebenes Lohn für Mägde und Knechte,

Der geschossenen Hasen und Rebhühner Zahl,

Oder wenn man den Herrn bestahl;

37. Oder was der Hausadvocat bekommen,

Oder der Richter extra genommen,

Oder was auf dem Markte indeß

Man gelöset an Butter und Käs'.

38. Oder wenn etwa der Hausschneider

Der frommen Amalia ihre Kleider

Unten und oben weiter gemacht,

Oder die Kuh ein Kalb gebracht.

39. Oder wenn die Jungfer Unpäßlichkeit wegen

Zur Ader gelassen, oder krank gelegen,

Oder ein Huhn geleget ein Ei;

Ausgaben und Einkünfte mancherlei.

40. Wenn auch etwa Briefe zu schreiben waren,

So ließ der alte Herr, all's Schreibens unerfahren,

Dem Herrn Secretär auch diese Müh',

Und Hieronimus besorgte treulich sie.

41. Mit Hilfe von Talanders Briefsteller

Ward er in Briefen fertiger und schneller,

(Und dieses zwar gar in kurzer Zeit)

Als je ein Schulmeister in der Christenheit.

42. In den übrigen Stunden ging er müßig,

Aß, trank und schliefe überflüssig,

So, daß er dieses Secretariat

Sich lebenslänglich gewünschet hat.

Vierundzwanzigstes Kapitel.

Wie dem Secretär Hieronimo curiose Sachen vorkamen, und er weggejagt

wurde.

1. Geneigter Leser! unsre alten Vorfahren

Waren gewiß keine dummen Narren,

Sie hatten vielmehr oftermal

Einen klugen und gesunden Einfall.

2. Und sie haben in ihrem Leben

Den Nachkommen viel gute Lehren gegeben,

Mancher stets wahr befundener Spruch,

Zeiget noch ihre Weisheit genug.

3. Es ist auch itzo fast in allen Landen,

Unter andern ein altes Sprüchwort vorhanden,

Dessen Gewißheit und Wahrheit man

Noch täglich vor Augen sehen kann.

4. Nämlich: _wenn Einer soll können tragen

Eine Last von lauter guten Tagen,

So muß er mit sehr starkem Gebein

Von der Natur versehen sein._

5. Dieses alten Sprüchworts Wahrheit

Zeiget sich auch mit großer Klarheit

Im gegenwärtigen Kapitel, schon früh,

An dem Exempel Hieronimi.

6. Dieser lebte gleich einem Fürsten,

Brauchte weder zu hungern, noch zu dürsten,

Schlief früh ein und erhub sich spät

Nach ruhigem Schlaf vom Federbett.

7. Es mangelte ihm folglich an keinem Stücke;

Doch es war, zu seinem Ungelücke,

Bewußtermaßen die Jungfer da,

Welche er täglich verliebt ansah.

8. In ihren Mienen und ganzem Wesen

Schien er deutlich zu können lesen,

Daß sie in ihn den Secretär

Ebenfalls sterblich verliebet wär'.

9. Oft auch, wenn er sie ganz nahe

Mit Aufmerksamkeit ins Gesicht sahe,

So that der Gedanke bei ihm entstehn,

Als hätt' er sie vormals mehr gesehn.

10. Trotz dem Verbote des alten Herren

Wagt' er's nun, ihr die Liebe zu erklären,

Und so wurden sie bald so vertraut,

Als wären sie Bräutigam und Braut.

11. Doch, in Gegenwart des alten Herren,

Schien er ihrer gar nicht zu begehren,

Und er nahm sich vor allem Verdacht

Weislich und, so viel möglich, in Acht.

12. Aber, ohne desselben Willen und Wissen,

Brachte in allerlei Scherzen und Küssen

Manches geheimes Stündelein um

Amalia mit dem Hieronimum.

13. Dieses des Hieronimi gutes Betragen

That dem Mädchen trefflich behagen,

Denn für die leere Schmeichelei

Des Herrn hielt sie der Schreiber frei.

14. Er bekam auch dafür viel schöne Dinge,

Dosen und Hemder, Schnallen und Ringe,

Tücher, Manschetten, Strümpfe, Handschuh,

Halsbinden, Mützen und mehr dazu.

15. Einst hatte er bei ihr, von Amts wegen,

Ein Schreibergeschäfte abzulegen,

Und da reichte sie ihm sogar

Ein fürtreffliche Sackuhr dar.

16. Er hat sie gar dankbarlich angenommen,

Doch gleich, als er sie in die Hand bekommen,

Rief er: Potz tausend Element!

Diese Sackuhr habe ich gekennt.

17. Amalia ward zwar betroffen,

Doch gestund sie ihm sofort offen-

herzig, sie habe von einem Student

Sie ehmals erhalten zum Präsent.

18. _Wie's doch so wunderlich pflegt zu gehen,

Das kann man itzo deutlich hier sehen,_

Erwiderte Hieronimus; _sicherlich!

Dieser Studente war ich._

19. Und nunmehr haben sich beide besonnen,

Daß schon vor fünf Jahren ihre Bekanntschaft begonnen,

Und aus der gestohlnen Sackuhr

Machte die Jungfer itzt Schnack nur.

20. Und sie haben beide herzlich gelachet

Und über den Possen sich lustig gemachet,

Daß nunmehr in die rechte Hand

Sich die vermißte Uhr wieder fand.

21. Uebrigens war es kein sonderlich Wunder,

Daß die Jungfer nicht im Hieronimus jetzunder,

Als Candidaten und Secretär,

Den vorigen Studenten kannte mehr.

22. Indessen machte diese lächerliche Affaire,

Daß sich beide von nun an noch desto mehre,

Zum Possen des alten Edelmanns,

Geliebet haben von Herzen ganz.

23. Ihr Umgang ward also auf die Dauer

Täglich vertrauter und genauer,

Und ihr Löffeln und Buhlerei

Trieben sie fast offenbar und frei.

24. War die Jungfer im Keller und Garten,

So that der Herr Schreiber ihr aufwarten,

Und in Küche, Kammer und Stall

Folgte er nach ihr überall.

25. Sogar, wenn sie etwa nicht, von Pflichtwegen,

Den alten Herrn mußte wärmen und pflegen:

So brach sich Hieronimus den Schlaf ab,

Und ihr nächtliche Visiten gab.

26. Auch bei dem Schreiben und Notiren

That Amalia ihm treulich assistiren,

Und befand sich ohne Unterlaß

Bei ihm, wo er stand oder saß.

27. Sie gab ihm auch manch schönen Leckerbissen

Von des Herren Tafel heimlich zu genießen,

Und vom Kälberbraten und Wildpret

Bekam er immer die Nieren und Fett.

28. Sie brachte ihm noch dabei unter-

weilen manche Flasche Burgunder

Heimlich aus dem Kellerhaus,

Und Hieronimus trank sie aus.

29. So verstrichen in lauter Wollust die Tage

Des Hausschreibers Hieronimi, und ich sage,

Daß kein hochwürdiger Herr Prälat

Jemals besser gelebet hat.

30. Es konnte sich aber dergestalten

Dies Leben nicht lange so verhalten,

Denn der alte gnädige Herr

Merkte den Handel mehr und mehr.

31. Und anstatt daß er sonst gelachet,

Hat er nun saure Gesichter gemachet,

Und er gab deutlich genug zu verstehn,

Die Sache müsse nicht länger so gehn.

32. Zum Ueberfluß führte er noch in aller Güte

Dem Herrn Secretären zu Gemüthe,

Daß, wenn er Amalien nicht künftig vermied,

So ertheilte er ihm den Abschied.

33. Hieronimus versicherte auf seine Ehre,

Daß nichts Schlimmes vorgegangen wäre,

Und er wollte lieber hinfort

Mit Amalia reden kein einziges Wort.

34. Wenn Er das thut, so kann Er bleiben,

So lange Er will, und bei mir schreiben

Lebenslang, als mein Secretär!

Erwiderte nun der alte Herr.

35. Obgleich nun seit diesem Augenblicke

Hieronimus die verliebten Tücke

Mit der Jungfer heimlicher trieb,

Und desto fleißiger notirte und schrieb:

36. So hat sich dennoch nach einigen Tagen

Ein sonderlich Abenteuer zugetragen,

Als der alte Herr, Abends spät,

Schlaflos sich herumwälzte im Bett.

37. Und deßwegen, wie er wol zu thun pflegte,

Einen Besuch bei Amalien ablegte,

Damit sie durch ihre Freundlichkeit

Ihm vertriebe die Schlaflosigkeit.

38. Da geschah alsbald ein groß Wunder;

Denn er fand daselbsten itzunder,

Daß schon Hieronimus, der Secretar,

Bei der Jungfer im Bettlein war.

39. Himmel! Tausend Element! Potz Velten!

Da ging es an ein Fluchen und Schelten,

Und es wurde noch in derselbigen Nacht

Hieronimus aus dem Hause gejagt.

40. Es half hier weder Bitten noch Flehen,

Das Abenteuer war nun einmal geschehen,

Und selbst die Kammerjungfer sogar

Gerieth fast drob in große Gefahr.

41. Doch ihre listigen Schmeicheleien

Thaten sie diesesmal noch befreien,

Aber dem unglücklichen Candidat

Zu helfen, war nun weiter kein Rath.

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

Wie Hieronimus bei einer frommen Dame in Dienste kam, welche eine

Betschwester war, und seiner in Unehren begehrte, und wie er von ihr

weglief.

1. Die von Amalien erhaltenen Gaben,

Hemder, Ringe, Schnallen ^et caetera^ haben

Zwar wol noch eine kurze Zeit

Den Hieronimus aus der Noth befreit.

2. Nachdem aber Alles verkauft und verzehret,

Was ihm die gute Jungfer hatte verehret,

So mußte er wieder ^nolens volens^,

Zur Vermeidung Hungers und Elends,

3. Und um nicht vor Kummer zu sterben,

Sich um eine neue Versorgung zu bewerben,

Und sich desfalls irgendwo nun

In eine gute Bedienung thun.

4. Nun lebte auf einem einsamen Schlosse

Eine verwittibte Dame, die eine große

Also genannte Betschwester war,

Sie war alt und hatte schon graues Haar.

5. Brachte darum mit Beten und Singen,

Und lauter andern geistlichen Dingen,

Als eine sehr große Heiligin,

Schon einige Jahre des Lebens hin.

Die Jobsiade: Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen · 第 5 / 20 段