Von dem Grafen war indessen ein Brief an den Hauptmann angekommen, und
zwar ein doppelter, einer zum Vorzeigen, der sehr schöne Aussichten in
die Ferne darwies; der andre hingegen, der ein entschiedenes Anerbieten
für die Gegenwart enthielt, eine bedeutende Hof- und Geschäftsstelle,
den Charakter als Major, ansehnlichen Gehalt und andre Vorteile, sollte
wegen verschiedener Nebenumstände noch geheimgehalten werden. Auch
unterrichtete der Hauptmann seine Freunde nur von jenen Hoffnungen und
verbarg, was so nahe bevorstand.
Indessen setzte er die gegenwärtigen Geschäfte lebhaft fort und machte
in der Stille Einrichtungen, wie alles in seiner Abwesenheit
ungehinderten Fortgang haben könnte. Es ist ihm nun selbst daran
gelegen, daß für manches ein Termin bestimmt werde, daß Ottiliens
Geburtstag manches beschleunige. Nun wirken die beiden Freunde, obschon
ohne ausdrückliches Einverständnis, gern zusammen. Eduard ist nun recht
zufrieden, daß man durch das Vorauserheben der Gelder die Kasse
verstärkt hat; die ganze Anstalt rückt auf das rascheste vorwärts.
Die drei Teiche in einen See zu verwandeln, hätte jetzt der Hauptmann
am liebsten ganz widerraten. Der untere Damm war zu verstärken, die
mittlern abzutragen und die ganze Sache in mehr als einem Sinne wichtig
und bedenklich. Beide Arbeiten aber, wie sie ineinanderwirken konnten,
waren schon angefangen, und hier kam ein junger Architekt, ein
ehemaliger Zögling des Hauptmanns, sehr erwünscht, der teils mit
Anstellung tüchtiger Meister, teils mit Verdingen der Arbeit, wo sichs
tun ließ, die Sache förderte und dem Werke Sicherheit und Dauer
versprach; wobei sich der Hauptmann im stillen freute, daß man seine
Entfernung nicht fühlen würde. Denn er hatte den Grundsatz, aus einem
übernommenen unvollendeten Geschäft nicht zu scheiden, bis er seine
Stelle genugsam ersetzt sähe. Ja er verachtete diejenigen, die, um
ihren Abgang fühlbar zu machen, erst noch Verwirrung in ihrem Kreise
anrichten, indem sie als ungebildete Selbstler das zu zerstören
wünschen, wobei sie nicht mehr fortwirken sollen.
So arbeitete man immer mit Anstrengung, um Ottiliens Geburtstag zu
verherrlichen, ohne daß man es aussprach oder sichs recht aufrichtig
bekannte. Nach Charlottens obgleich neidlosen Gesinnungen konnte es
doch kein entschiedenes Fest werden. Die Jugend Ottiliens, ihre
Glücksumstände, das Verhältnis zur Familie berechtigten sie nicht, als
Königin eines Tages zu erscheinen. Und Eduard wollte nicht davon
gesprochen haben, weil alles wie von selbst entspringen, überraschen
und natürlich erfreuen sollte.
Alle kamen daher stillschweigend in dem Vorwande überein, als wenn an
diesem Tage, ohne weitere Beziehung, jenes Lusthaus gerichtet werden
sollte, und bei diesem Anlaß konnte man dem Volke sowie den Freunden
ein Fest ankündigen.
Eduards Neigung war aber grenzenlos. Wie er sich Ottilien zuzueignen
begehrte, so kannte er auch kein Maß des Hingebens, Schenkens,
Versprechens. Zu einigen Gaben, die er Ottilien an diesem Tage verehren
wollte, hatte ihm Charlotte viel zu ärmliche Vorschläge getan. Er
sprach mit seinem Kammerdiener, der seine Garderobe besorgte und mit
Handelsleuten und Modehändlern in beständigem Verhältnis blieb; dieser,
nicht unbekannt sowohl mit den angenehmsten Gaben selbst als mit der
besten Art, sie zu überreichen, bestellte sogleich in der Stadt den
niedlichsten Koffer, mit rotem Saffian überzogen, mit Stahlnägeln
beschlagen und angefüllt mit Geschenken, einer solchen Schale würdig.
Noch einen andern Vorschlag tat er Eduarden. Es war ein kleines
Feuerwerk vorhanden, das man immer abzubrennen versäumt hatte. Dies
konnte man leicht verstärken und erweitern. Eduard ergriff den
Gedanken, und jener versprach, für die Ausführung zu sorgen. Die Sache
sollte ein Geheimnis bleiben.
Der Hauptmann hatte unterdessen, je näher der Tag heranrückte, seine
polizeilichen Einrichtungen getroffen, die er für so nötig hielt, wenn
eine Masse Menschen zusammenberufen oder -gelockt wird. Ja sogar hatte
er wegen des Bettelns und andrer Unbequemlichkeiten, wodurch die Anmut
eines Festes gestört wird, durchaus Vorsorge genommen.
Eduard und sein Vertrauter dagegen beschäftigten sich vorzüglich mit
dem Feuerwerk. Am mittelsten Teiche vor jenen großen Eichbäumen sollte
es abgebrannt werden; gegenüber unter den Platanen sollte die
Gesellschaft sich aufhalten, um die Wirkung aus gehöriger Ferne, die
Abspiegelung im Wasser, und was auf dem Wasser selbst brennend zu
schwimmen bestimmt war, mit Sicherheit und Bequemlichkeit anzuschauen.
Unter einem andern Vorwand ließ daher Eduard den Raum unter den
Platanen von Gesträuch, Gras und Moos säubern, und nun erschien erst
die Herrlichkeit des Baumwuchses sowohl an Höhe als Breite auf dem
gereinigten Boden. Eduard empfand darüber die größte Freude. ‘Es war
ungefähr um diese Jahrszeit, als ich sie pflanzte. Wie lange mag es her
sein?’ sagte er zu sich selbst. Sobald er nach Hause kam, schlug er in
alten Tagebüchern nach, die sein Vater, besonders auf dem Lande, sehr
ordentlich geführt hatte. Zwar diese Pflanzung konnte nicht darin
erwähnt sein, aber eine andre häuslich wichtige Begebenheit an
demselben Tage, deren sich Eduard noch wohl erinnerte, mußte notwendig
darin angemerkt stehen. Er durchblättert einige Bände, der Umstand
findet sich. Aber wie erstaunt, wie erfreut ist Eduard, als er das
wunderbarste Zusammentreffen bemerkt! Der Tag, das Jahr jener
Baumpflanzung ist zugleich der Tag, das Jahr von Ottiliens Geburt.