Roebuck, früher in Birmingham ansässig, war mit Boulton befreundet.

Dieser hatte ihm 24000 Mark geliehen und konnte sie von ihm nicht

zurückerhalten. Auf Anregung Watts war Boulton bereit, unter Verzicht

auf die geliehene Summe den Anteil Roebucks an Watts Erfindung, also

Zweidrittelgewinn, zu übernehmen. Das war für Watt Grund zu neuen

Hoffnungen! Schon hatte er in verzweifelter Stimmung daran gedacht,

wenn sonst kein Geld aus der Erfindung zu machen sei, wenigstens

ein Buch darüber zu schreiben und die Ehre der Erfindung zu retten.

Seiner schottischen Heimat war er damals so überdrüssig, daß er Land

und Leute, Klima und Vermessungsarbeiten förmlich haßte. Bis ins Herz

fühlte er sich krank. Ihn drängte es hinaus aus Verhältnissen, die ihn

fast nur an Mißerfolge und gar an den Tod einer geliebten, edlen Frau

mahnten. Da mußte er es wohl mit Freuden begrüßen, daß er nunmehr die

in Kinneil hergestellten Maschinenteile nach Soho schicken konnte, um

selbst in Boultons Dienste zu treten. Zunächst galt es, die Maschine

in Soho zusammenzusetzen. Dabei übernahm aber Watt auch gelegentlich

andre Dienstleistungen für Boulton. Und ein Glück war es, daß die

zusammengesetzte Maschine gute Arbeit leistete! Jetzt knüpfte Boulton

seine Bereitwilligkeit, mit aller Kraft die Fabrikation in Angriff zu

nehmen, nur noch an eine freilich schwere Bedingung: Watt mußte nach

London und bei den querköpfigen (»~wrongheaded~«) Parlamentsmitgliedern

um Verlängerung seines Patentes einkommen. Von den vierzehn Jahren

gewährten Schutzes waren bereits fast sechs herum. Die übrigen acht

Jahre waren eine zu kurze Frist, um das große Geschäftsrisiko zu wagen,

das in der Fabrikation eines so gänzlich neuen und bald von andern

Fabriken nachgeahmten Artikels bestand. Zwar die Bergwerksbesitzer

und Minenpächter, die bereits davon gehört hatten, es sei eine neue

Kraftmaschine erfunden, die von keinem Geringeren als dem bekannten

und einflußreichen Boulton hergestellt werde, boten alles auf, einen

Parlamentsbeschluß zu hintertreiben, der ihnen die Benutzung der

neuen Erfindung verteuern mußte. Aber sie richteten nichts aus. Das

Parlament bewilligte die Verlängerung des Patentes auf 25 Jahre in

Anbetracht der Schwierigkeit und der großen Geldaufwendungen, die das

neue Unternehmen erforderte. Watt hatte nun nicht mehr nötig, sich nach

einer Stelle umzusehen, wo er taglöhnern konnte. Selbst das Anerbieten,

das ihm von Rußland auf Vorschlag des dorthin gegangenen Robison damals

gemacht wurde, gegen eine Besoldung von 20000 Mark jährlich dorthin

überzusiedeln, konnte er ablehnen. Und das tat er um so lieber, als er

kein Vertrauen in die Freiheitsbürgschaften dieses Reiches setzte.

Aber nicht nur in den Hafen der fabrikmäßigen Herstellung seiner

Erfindung lief Watt damals ein. Er gelangte auch, ein Jahr darnach,

in den Hafen einer neuen Ehe. Bei einem Besuche Glasgows lernte

der nun vierzigjährige Erfinder die Tochter Anna des Färbers

Macgregor kennen. Seine Werbung fand Gehör, doch der vorsichtige

Schwiegervater wollte, bevor er seine Einwilligung gab, Einsicht in die

Vermögensverhältnisse und Zukunftsaussichten des Tochtermanns haben,

und dieser schwiegerväterlichen Härte verdanken wir ein Schriftstück,

worin Boulton auf Watts Bitte hin ausdrücklich schriftlich die zwischen

ihm und Watt bereits mündlich getroffenen Vereinbarungen anerkennt. »Es

ist schwierig,« so schreibt der Fabrikant, »den wirklichen Wert Ihrer

Eigentumsrechte bei unsrer Teilhaberschaft festzusetzen. Jedenfalls

will ich es bestimmt bezeichnen, und ich kann wohl sagen, ich würde

Ihnen gern zwei-, auch dreitausend Pfund für die Übertragung Ihres

Drittels an dem Patent geben. Es würde mir aber leid tun, mit Ihnen

einen für Sie so unvorteilhaften Handel abzuschließen, und ich würde

jedes Geschäft bedauern, das mich Ihrer Freundschaft, Zuneigung und

tatkräftigen Hilfe berauben würde. Ich hoffe, daß wir in Liebe und

Eintracht die 25 Jahre zusammen aushalten werden, und das wird mir

lieber sein, als wenn ich als alleiniger Inhaber so reich wie ein Nabob

werden könnte. Ich würde Ihnen gerne sofort die betreffende Anweisung

und den Vertrag über unsere Teilhaberschaft übersenden. Leider ist es

mir unmöglich, da der Rechtsanwalt Herr Dadley plötzlich nach London

gerufen wurde und ich das Aktenstück nicht vor seiner Rückkehr erhalten

kann. Wenn Sie aber vielleicht mit Ihren Freunden darüber verhandeln

wollen, so können Sie ihnen von folgenden Hauptpunkten eine Abschrift

geben. Ich habe sie aus unsrer Korrespondenz ausgezogen, und soviel

ich weiß, enthalten sie das Hauptsächlichste unsres Vertrages. Sie

überweisen mir ⅔ des Patentes unter folgenden Bedingungen: Ich habe

die Kosten für die Versuche, für die Erwerbung des Patentes sowie für

das, was für die Maschine vom Juni 1775 gebraucht wurde, zu tragen,

auch die Ausgaben für die ferneren Versuche zu bestreiten. All dies

Geld ist von mir unverzinslich herzugeben und darf nicht gegen Sie

verrechnet werden. Die Versuchsmaschinen sind mein Eigentum, da sie

von meinem Gelde gekauft werden. Ferner habe ich das Kapital, das zum

Geschäftsbetriebe nötig ist, gegen übliche Zinsen vorzuschießen. Der

Gewinn des Geschäftes nach Bezahlung oder Abschreibung der Zinsen, der

Arbeitslöhne und aller Geschäftsunkosten, soweit sie sich auf unser

Dampfmaschinengeschäft beziehen, ist in 3 Teile zu teilen, von denen

Sie einen, ich zwei erhalte. Sie haben die Zeichnungen zu entwerfen,

die Angaben zu machen und die Leitung zu übernehmen. Die Auslagen

für Geschäftsreisen ersetzt das Geschäft. Ich habe die Bücher genau

zu führen und dafür Sorge zu tragen, daß jährlich Abschluß gemacht

wird. Ferner habe ich Sie in der Leitung der Arbeiter zu unterstützen,

Geschäfte abzuschließen sowie überhaupt alles das zu tun, was wir

beide von Interesse für das Geschäft halten. Ein Buch ist zu führen,

worin alle neueren Übereinkommen zwischen uns zu Protokoll genommen

werden, die, mit unsrer beider Unterschrift versehen, dieselbe Kraft

haben wie unser Vertrag. Keiner darf seinen Anteil ohne Zustimmung des

andern veräußern. Sollte einer von uns sterben oder zu gemeinsamer

Tätigkeit unfähig werden, so soll der andere der einzige Leiter sein,

ohne Kontrolle der Erben, Testamentsvollstrecker oder gesetzlichen

Nachfolger. Die Bücher jedoch können von ihnen eingesehen werden,

auch kann der tätige Teilhaber eine vernünftige Entschädigung für

seine Mühewaltung beanspruchen. Der Vertrag tritt mit dem 1. Juni

1775 auf 25 Jahre in Kraft. Unsre Erben, Testamentsvollstrecker usw.

sind zur Beobachtung des Vertrages verpflichtet. Im Falle wir beide

sterben, sind unsre Erben usw. unsre Nachfolger auf Grund des gleichen

Vertrages.«

Und damit wenden wir uns den Arbeiten zu, die jetzt von Soho aus in die

Welt gingen, den ~black devils~, schwarzen Teufeln, oder ~iron angels~,

eisernen Engeln.

Die Retterin der Cornwallgruben.

Vom nördlichsten zum südlichsten Teile der britischen Halbinsel,

das war der Wechsel, den die nächsten Jahre für Watt nach seiner

Übersiedlung zur Sohoer Fabrik brachten. Vom nördlichen Schottland,

wo er Kanäle vermessen hatte, warf ihn das Schicksal nach dem

Bergwerkbezirk Cornwall. Denn von hier kamen die meisten Bestellungen

auf Wattsche Maschinen, weil viele Grubenbesitzer und Pächter vor

dem Ruin, vor Aufgabe ihres Grubenbetriebes standen, wenn es nicht

gelang, die die Gruben ersäufenden unterirdischen Wasser rechtzeitig

heraufzuschaffen. Erst Wasserräder, die Schöpfwerke ähnlich den

Eimerreihen unsrer Baggermaschinen antrieben, -- dann die Verwendung

vieler Hunderte von Pferden, um die Bewegung eines wagrechten Rades

auf ein senkrechtes zu übertragen, Pumpen zu betreiben, die das Wasser

emporschafften, -- schließlich die ungefügen Newcomenschen Maschinen,

die die Pferde ersetzten: das waren die Mittel, mit denen sich der

Bergbau damals gegen die Wasser der Tiefe wehrte. Im Grubenbezirk

von Cornwall war zur Zeit Watts die Not aufs äußerste gestiegen.

Viele Schächte schienen verlassen werden zu müssen, weil mit den

Newcomenschen, von Smeaton verbesserten Feuermaschinen nichts mehr

zu erreichen war. Ein ganzer Landstrich, Tausende von Familien sahen

schlimmsten Zeiten entgegen. Kaum war es daher bekannt, daß Boulton

und Watt eine eigne Fabrik zur Herstellung neuer Kraftmaschinen

errichteten, als auch schon Bestellungen einliefen. Und weil von dem

Ausfall der ersten Maschinen und ihrer Leistungen in den bedrohtesten

Gruben der Ruf des ganzen Unternehmens der Firma Boulton und Watt

abhing, so weilte Watt selber in den nächsten Jahren mit kurzen

Unterbrechungen meist im Cornwaller Grubenbezirk. Es war eine

aufregende Zeit für Watt. Die Cornwaller Bergwerkbesitzer und Pächter

und erst recht die Arbeiter waren gerade kein gemütlicher Umgang. Immer

wieder mußte er »hinaus ins feindliche Leben«, widerspenstige Maschinen

in Ordnung zu bringen und die Maschineninhaber zum Bezahlen anzuhalten.

Davon schienen diese Leute meist keine Freunde zu sein, ging es ihnen

doch oft selber schlecht. So suchten sie sich ihren Verpflichtungen

zu entziehen, indem sie mit Boulton und Watt rechteten. Ein Drittel

der Kohlenersparnis sollten sie zahlen, und dies nachzurechnen hatte

Watt einen Hubzähler am Schwingbaum angebracht. Aber bald fühlte

sich dieser, bald jener Pächter im berechneten Quantum ersparter

Kohle benachteiligt. Das gab schwere Verdrießlichkeiten, und zehn

Jahre dauerte es, bis die Sohoer Firma Überschüsse erzielte. Fast

eine Million, genauer vier Fünftel dieses Betrags, hatte Boulton in

das Geschäft stecken müssen. Boulton wußte oft am Sonnabend nicht,

womit er seine Arbeiter löhnen sollte. Von den Bankiers waren nur

mit Mühe Vorschüsse zu erlangen und die neu eingegangenen Schulden

drückten auf Watts Gemüt bis zur verzweifeltsten Schwarzseherei. Dazu

traten immer neue Aufgaben. Er mußte Zeichnungen neuer Maschinen

entwerfen, konstruktive Einzelheiten durchprobieren, dann aber bei

andrängender Arbeitsfülle wegen Kopfschmerzen alles liegen lassen.

Das gab oft recht schwere Zeiten. Als sich aber die ersten Maschinen

in den Bergwerkbetrieben bewährt hatten, kamen auch bald zahlreiche

Bestellungen, und es dauerte nicht lange, da waren fast alle

Newcomenschen Feuermaschinen aus Cornwall verdrängt und durch Wattsche

ersetzt. Zunächst war es die einfachwirkende Niederdruckmaschine, die

dort überall Eingang fand, und wir haben jetzt diese Retterin Cornwalls

kurz zu betrachten (Abb. 15).

[Illustration: Abb. 15. Watts einfachwirkende Dampfmaschine 1788. (Nach

Farey.)]

Rechts zeigt die Abbildung den Kessel ~c~, in dem der Dampf erzeugt

wird. In den Kessel führen zwei Wasserstandsröhren ~y~ hinein. Die

Flammen und Rauchgase gehen von unten um den Kessel herum durch den

Kanal 9 in den Schornstein. Ein Dämpfer ~w~ kann durch Zug an seinem

Gegengewicht, mit dem er durch eine über eine Rolle führende Kette

verbunden ist, höher oder niedriger gestellt werden und dadurch die

Stärke des Luftstroms beeinflussen, der den Kamin durchstreicht,

mithin den Brand unter dem Kessel anfachen oder dämpfen. Oben vom

Kessel führt die Röhre ~a~ den Rauch hinüber nach den »Nüstern« oder

~nozzles~ des Zylinders, nämlich zu den Ventilgehäusen ~b~ und ~e~

und der senkrechten Röhre ~d~. Das Ventilgehäuse ~b~ enthält das

Ventil, durch welches der Dampf in den Zylinder ~E~ gelassen wird, wenn

der Kolben herabgehen soll. Der Zylinder ist oben geschlossen, die

Kolbenstange geht durch eine mit einer Hanfpackung luftdicht gemachte

Öffnung des Zylinderdeckels. Der Zylinder ist von einem Behälter

eingeschlossen, und zwar so, daß zwischen Zylinder und Behälter eine

heiße Dampfschicht lagert, die von der Röhre ~a~ aus durch eine kurze

Rohrabzweigung rechts oben beim Zylinder eintritt. Hat der Dampf

durch das Ventil ~b~ Eintritt erlangt, so geht er durch ~c~ nach dem

Raum über dem Kolben. Ist das Ventil im Ventilgehäuse ~e~ geöffnet,

so tritt der Dampf durch dieses und die wagerechte Röhre ~f~ in den

Raum unter dem Zylinder. Das Ventil ~e~ heißt Gleichgewichtsventil,

weil nunmehr der Dampf über und unter dem Kolben durch die Röhre ~d~

miteinander in Verbindung steht. Der Kolben geht in die Höhe nur

durch das Übergewicht des Pumpengestänges, das am linken Ende des

Schwingbaumes ~LL~ aufgehängt ist. Die senkrechte Röhre ~g~ verbindet

den Raum unter dem Kolben mit dem Kondensator ~F~, wenn das Ventil

im Gehäuse ~i~ geöffnet ist. Der Kondensator ~F~, gleich der links

von ihm befindlichen Luftpumpe ~H~ von kaltem Wasser umspült, ist der

Raum, wo der Dampf verdichtet wird, so daß unter dem Kolben im Zylinder

ein luftleerer Raum entsteht und nun der über dem Kolben drückende

Dampf den Kolben herunterdrückt. Dabei wird das Pumpengestänge gehoben

und unten im Schacht Wasser angesaugt. Bei ~x~ führt eine kleine

Kupferröhre nach außen. Die äußere Mündung endigt unter Wasser. Durch

diese Röhre kann die Luft beim Ingangsetzen der Maschine ins Freie

austreten, nachdem sie durch das Wasser gegangen ist. Das nach außen

sich öffnende Ventil ist das Schnüffelventil. Es hat seinen Namen

von dem Geräusch, das die durch das Wasser aufquellende Luft erregt.

Links vom Kondensator befindet sich, gleichfalls im Kühlwasserbehälter

~GG~, die Luftpumpe ~H~. Ihr Kolben ist doppelt durchbohrt, die oberen

Öffnungen sind durch nach oben gehende Klappen verschlossen. Durch

diese Klappen kann Wasser und Luft aus dem Kondensator nach oben

entweichen, ohne daß das Kühlwasser von außen in die Luftpumpe dringt.

Die ausgepumpte Luft oder Flüssigkeit passiert dann noch das Ventil

~m~; da das Kondenswasser aber warm ist, so wird es jetzt aus dem

Behälter ~J~, der vom Kühlwassergefäß getrennt ist, durch die Pumpe

~S~, die vom Schwingbaum aus betätigt wird, gleich wieder durch die mit

8 bezeichnete, wagrechte, gestrichelt angedeutete Röhre hinüber nach

~T~ und hinunter in den Kessel zur Dampferzeugung geleitet. Nachtragen

müssen wir noch, daß sich auch zwischen dem Kondensatorraum und der

Luftpumpe unten ein Ventil ~k~ befindet, das wie ~m~ nur nach links den

Weg gibt, nicht nach rechts. Der Dampf im Kondensatorraum wird durch

eine Einspritzung niedergeschlagen, die vom Kühlwasserbehälter durch

ein Ventil im Gefäß ~j~ ausgeht. Das Einspritzventil wird ebenfalls

mittelbar vom Schwingbaum aus betätigt. Der eichene Wagebalken,

Schwingbaum oder Balancier ~LL~ dreht sich um den Zapfen ~p~. Von

dem Kreisstück 7 geht die Stange ~l~ senkrecht nach unten. Ihr

breites Mittelstück ist der Steuerbaum. Das untere Ende betätigt die

Luftpumpe. Der Steuerbaum hat an drei Stellen, von denen man auf der

Abbildung nur 1 und 2 sieht, vorspringende Zapfen. Sie stoßen beim

Auf- und Niedergehen des Steuerbaums an die Handgriffe ~r~, ~s~, 3 der

Dampfsteuerungen, die nach den Ventilgehäusen ~b~, ~e~ und ~i~ gehen.

Bei ~t~, ~u~ und 4 befinden sich die Steuerwellen. Wenn zum Beispiel

1 auf ~r~ drückt, dann geht der Hebelarm rechts von ~t~ in die Höhe.

Damit geht aber auch die Zugstange hoch, die den Hebelarm des Ventils

~b~ außerhalb des Ventilgehäuses ~b~ hebt und infolgedessen innen im

Ventilgehäuse das gezähnte Kreisstück, das Zahnstangenstück, in das der

Hebelarm eingreift, hinabdrückt. Dadurch wird das Ventil geschlossen.

Geht der Zapfen bei 1 wieder in die Höhe, so wird das Ventil ~b~

dadurch geöffnet, daß ein Gewicht auf einen Hebelarm wirkt, der die

Steuerwelle ~t~ von links nach rechts dreht. Gewicht und Hebelarm sind

auf der Abbildung nicht zu sehen. In gleicher Weise werden die beiden

andern Ventile geschlossen und geöffnet. Man muß sich, um eine klare

Vorstellung zu bekommen, mit einiger Geduld in die Zeichnung versenken

und sich vor allem vergegenwärtigen, daß die Steuerwellen ~t~, ~u~

und 4, die senkrecht zur Papierfläche stehen, noch wagrechte kurze,

nicht gezeichnete Hebelarme tragen, an denen Gewichte so ziehen, daß

die Steuerwelle eine Drehung beschreibt, sobald nicht die Handgriffe

~r~, ~s~ und 3 von den Zapfen des Steuerbaums oder von der Hand des

Maschinisten auf einen bestimmten Weg gezwungen werden. Wir verweisen

hier auf die zwei Dampfsteuerungen von Maschinen, die im Gegensatz zu

der hier beschriebenen einfachwirkenden doppelt wirkend sind. Es heißt

das, daß der Dampf bei ihnen nicht nur über und unter den Kolben tritt,

sondern daß er auch auf beiden Seiten Arbeit leistet (Abb. 16 u. 17).

[Illustration: Abb. 16. Steuerung an den ersten doppeltwirkenden

Wattschen Maschinen.]

[Illustration: Abb. 17. Zylinder, Steuerung, Kondensator, Luftpumpe,

Schnüffelventil an Watts doppeltwirkenden Maschinen mit Drehbewegung

1787-1800.]

Wie fast alles Neue, hatte auch die Wattsche Kondensatormaschine gerade

in zünftigen Kreisen ihre Gegner, die mit überlegener Miene erklärten

und im Lande aufschrien, diese Maschine stelle so hohe Anforderungen an

genaue Werkstättenarbeit, daß keine Werkleute noch Werkzeugmaschinen

ihnen entsprechen könnten, und daß daher die Maschinen selbst sich nie

bewähren würden. Boulton und Watt konnten mit Ruhe gegen derartige

Aussprengungen ihre Erfolge reden lassen. In ganz England und bald

auch im Ausland wurde bekannt, was die Maschinen in den Cornwaller

Bergwerken leisteten. Mancher Besitzer von Kupferwalzwerken oder

Mühlen oder wer sonst auf Wasserräder als Betriebskraft angewiesen

war, wünschte sich im stillen, wenn Dürre oder Frost das Wasserrad zum

Stillstand brachte, ebenfalls die Vorteile der neuen Dampfmaschine,

die die Grubenbesitzer ihr nachrühmten. Die Dampfmaschine konnte Tag

und Nacht, winters und sommers arbeiten. Frost oder Dürre ließ sie,

bei aller Wärme, »kalt«. Obwohl nun Watt angesichts der vielen neuen

Aufgaben wenig Lust hatte, die Dampfmaschine auch für andre Betriebe

einzurichten, so drängte ihn doch Boulton unaufhörlich, diesem Gedanken

näher zu treten. Boulton sah voraus, daß das Bergwerksgeschäft, der

Absatz für Grubenbezirke, ein zu beschränktes Feld sei. Er wollte die

neue Maschine für alle möglichen Gewerbebetriebe verwendet sehen, und

Watt mußte nachgeben. Vor allem war es nötig, die hin und her gehende

Bewegung der Balanciermaschine in eine drehende zu verwandeln. Man

hatte damals noch keine Erfahrung auf diesem Gebiete, so daß selbst

ein so gewiegter Ingenieur wie Smeaton, dem Watt nachrühmt, daß

»seine Lehren und Beispiele sie alle zu Ingenieuren gemacht hätten«,

1781 erklärte, eine Dampfmaschine sei niemals als Ersatz eines

Wasserrades für den gleichmäßigen Betrieb zu gebrauchen, dabei sei es

ganz einerlei, ob sie mit Kurbel oder sonst etwas zur Erzeugung der

Drehbewegung versehen sei.

Drehbewegung, Doppelwirkung, Steuerung, Drosselklappe.

[Illustration: Abb. 18. Sonnen- und Planetenradgetriebe.]

Schon 1771 sprach Watt sich dahin aus, daß man bei der Verwendung

einer Kurbel eine drehende Bewegung erzeugen könne. Später, als er

sich schon lange vom Sohoer Werk zurückgezogen hatte, äußerte er

sich über den wirklichen Erfinder der Kurbeldrehbewegung als einen

Mann, der leider nicht göttlich gesprochen worden sei, obwohl er die

gewöhnliche Fußdrehbank erfunden habe. Diese Kurbelbewegung auf die

Maschine zu übertragen, hätte nicht mehr Erfindungsgeist erfordert als

der Gedanke, ein Brotmesser zum Käseschneiden zu verwenden. Durch die

Versuche Watts, mit der Kurbel bei der Dampfmaschine Drehbewegungen

zu erzielen, wurden Fremde, die fast immer bei Boulton und Watt Neues

auszuspionieren suchten, aufmerksam gemacht. Und eines Tages ließ sich

der Birminghamer Knopffabrikant Pickard, dem durch Washborough, einen

sonst fähigen Erfinder, die Sache zu Ohren gekommen war, ein Patent

auf die Anwendung der Kurbel bei der Dampfmaschine geben. Da Watt dies

Patent nicht anfechten wollte, weil er seinen zahlreichen Feinden

damit vielleicht einen Anlaß bot, unter Berufung auf Scheingründe

auch seine eigenen Patente anzufechten, so war er jetzt von der

Benutzung seiner eignen Idee ausgeschlossen. Von verschiedenen Arten,

eine Drehbewegung zu erzielen, die er sich 1781 patentieren ließ,

verwertete er praktisch das sogenannte Sonnen- und Planetenradgetriebe

(Abb. 18), das eigentlich Murdock erfunden haben soll, auf den wir noch

zurückkommen werden. Vermutlich sah sich Watt als den geistigen Vater

dieser Erfindung an, die sofort wieder aufgegeben und durch einfache

Kurbelbewegung ersetzt wurde, als das Pickardsche Patent erlosch. Im

nächsten Jahre (1782) nahm Watt ein Patent auf die doppeltwirkende

Maschine, deren Idee er schon fünfzehn Jahre vorher ausgesprochen

hatte. Jetzt wurde, wie schon beschrieben, auf beiden Seiten des

Kolbens der Dampf und ebenso auf beiden Seiten die Luftverdünnung

durch Kondensation benutzt. Solche Maschinen konnten auch bei

kleineren Ausmessungen mehr leisten als die einfachwirkenden. Aber es

bedurfte bei ihnen auch wieder neuer Erfindungen in Einzelheiten. Hier

wendete Watt zuerst die Geradlenkung der Kolbenstange, das Wattsche

Parallelogramm an, auf das er, obschon nicht um Ruhm besorgt, am

stolzesten zu sein gelegentlich vorgab. Bei diesem Parallelogramm (Abb.

19) dürfte auch sein Freund Robison ein kleines Verdienst haben. Vor

vielen Jahren, als Watt noch Meister in Glasgow war, hatte Robison ihn

angeregt, einen perspektivischen Zeichenapparat durch Verwendung einer

Parallelogrammvorrichtung zu verbessern, und Watt war mit Erfolg dieser

Anregung nachgekommen. Das Patent auf die Lenkergeradführung fiel in

das Jahr 1784. Die Dampfverteilungsvorgänge bei der doppeltwirkenden

Maschine veranschaulichen uns die Abb. 16 u. 17. Bei Abb. 17 muß man

sich vorstellen, daß der Steuerbaum auf die Handgriffe mit seinen

Knaggen oder Zapfen aufdrückt und dadurch eine Drehung der Steuerwellen

verursacht. Oben und unten befinden sich je zwei Ventile untereinander,

ein Ein- und ein Auslaßventil. Wie Abb. 17 zeigt, sind abwechselnd

zusammen oben das Einlaß- und unten das Auslaßventil, oder umgekehrt

oben das Auslaß- und unten das Einlaßventil geschlossen. Gewichte,

die an den scheinbar abgebrochenen, senkrecht herabhängenden Stangen

hängen, bewirken, sobald der daumenartige, kurze Hebel der Steuerwelle

aus der ihn festhaltenden Klinke befreit wird, das Öffnen der Ventile.

[Illustration: Abb. 19. Ausgeführte Niederdruckmaschine mit dem

Wattschen Parallelogramm (rechts und links am Balancier).]

Ein Schwungrad gestaltete den Gang der doppeltwirkenden Maschine

möglichst gleichmäßig. Es glich aber nur periodische Schwankungen

von Kraft und Widerstand aus, wie sie die Kurbelbewegung mit sich

brachte. Für plötzlich eintretende Änderungen des Dampfdruckes oder

der Belastung durch die in Bewegung gesetzten oder ausgerückten

Arbeitsmaschinen bedurfte es des Regulators (Abb. 20). Er wirkte

auf eine Klappe im Dampfzuleitungsrohr, die so verstellt wurde, daß

sie mehr oder weniger Dampf durchließ. Die Klappe drosselte einen

Teil des Dampfes ab, daher der Name Drosselklappe. Die Änderung der

Klappenstellung wird durch eine Hebelanordnung herbeigeführt, auf die

die Drehung eines Kugelpaares ~K K~ wirkt. Von den Trägern der Kugeln

gehen Arme nach der Hülse ~H~, die auf der von ihr umfaßten, durch

die Achse des Schwungrades mitgedrehten Stange auf und ab gleitet,

je nachdem die Kugeln bei schnellerer oder langsamerer Drehung der

senkrechten Stange durch die Zentrifugalkraft weiter aus- oder näher

aneinander gehen. Die Hebung und Senkung der Hülse wirkt wieder auf das

Hebelsystem, das mit der Drosselklappe ~D~ in Verbindung steht. Diesen

Zentrifugalregulator übernahm Watt aus dem Mühlenbetriebe.

[Illustration: Abb. 20. Regulator.]

James Watt und die Erfindung der Dampfmaschine · 第 6 / 8 段