die Höhlung der Kolbenstange und am Ventil des Kondensators aus. Als
angenommen werden konnte, daß die Luft hinausgetrieben war, wurde der
Dampfhahn (der den Kessel mit dem Zylinder verband) geschlossen, und
die Luftpumpenkolbenstange in die Höhe gezogen; sie ließ dadurch die
kleinen Röhren des Kondensators im Zustand eines luftverdünnten Raumes,
der Dampf schoß da hinein und wurde (weil die Kondensatorenröhren
von kaltem Wasser umspült waren) verdichtet. Unmittelbar darauf
ging der Kolben des Zylinders in die Höhe und hob damit ein Gewicht
von achtzehn Pfund, das ans untere Ende der Kolbenstange gehängt
war. Der Auspumphahn (der den Zylinder mit den Kondensatorröhren in
Verbindung setzte) wurde geschlossen, der Dampf von neuem in den
Zylinder gelassen, und der Vorgang wiederholt; die Menge verbrauchten
Dampfes und gehobenen Gewichtes wurde beobachtet, und, abgesehen von
der Nichtanwendung eines Dampfmantels und äußerer Umkleidung, war die
Erfindung vollständig, soweit die Ersparung von Dampf und Brennstoff
in Betracht kam. Ein großes Modell mit einem äußeren Zylinder und
einem hölzernen Behälter darum wurde gleich darnach hergestellt; die
damit gemachten Versuche bestätigten die Erwartungen, die ich hegte,
und erhoben den Vorteil der Erfindung über jeden Zweifel. Später wurde
es dienlich gefunden, den Röhrenkondensator durch ein leeres Gefäß zu
ersetzen, gewöhnlich von zylindrischer Form, in das eine Einspritzung
spielte, und weil nunmehr Wasser und Luft herauszuziehen war, mußte
die Luftpumpe vergrößert werden. Diese Änderung wurde vorgenommen,
weil zur Verdichtung des Dampfes einer großen Maschine eine genügend
ausgedehnte Oberfläche beschafft werden muß, der Röhrenkondensator aber
alsdann einen zu großen Raum beansprucht hätte, und weil das schlechte
Wasser, womit die Maschinen häufig gespeist werden, die Zinnplatten
überkrustete und sie verhindert haben würde, die Wärme rasch genug
nach außen abzugeben. Die Zylinder wurden mit ihren Mündungen nach
oben gestellt und mit einem Arbeitsbalken, dem Balancier, und andern
Vorrichtungen versehen, die in den alten Maschinen üblich waren, denn
die Umkehrung des Zylinders oder richtiger nur der Kolbenstange im
Modell war ja nur ein Mittel gewesen, leichter die neue Erfindung zu
versuchen, bei großen Maschinen unterlag sie manchen Bedenken.«
Mit diesen Worten, zu denen wir nur in Klammern einige Verdeutlichungen
zufügten, beschreibt Watt selber sein erstes Versuchsmodell. Seinem
Freunde Robison teilte er übrigens die gefundene Lösung zunächst nur
andeutungsweise mit, denn er hatte es übelgenommen, daß Robison in
einer andern Angelegenheit Anvertrautes nicht vorsichtig genug bewahrt
hatte. Robison schrieb später ein Werk über »~Mechanical philosophy~«,
wir würden sagen über die »Prinzipien der Mechanik«, worin er auch
natürlich der Erfindung, der er so nahe stand, eingehend gedenkt. Watt
hat Zusätze und Berichtigungen dazu geschrieben, da Robison vor ihm aus
dem Leben schied. Robison stellt es so dar, als habe Professor Black
die Untersuchungen über die Wärmeverhältnisse der Newcomenmaschine
bei Watt angeregt und sei dadurch Miturheber der Erfindung geworden.
Aber Watt stellt mit klaren entschiedenen Worten die Mitvaterschaft
Blacks in Abrede. Auch beruft er sich auf Black selbst, der in einer
schriftlichen Niederlegung ausdrücklich Watts alleiniges Verdienst um
die Erfindung des Kondensators hervorhebt.
~Many a clip 'twixt cup and lip.~[1]
Hätte Watt geahnt, was die Erfindung ihn noch für Aufregungen,
Entbehrungen und bittere Erfahrungen kosten würde, hätte er
vorausgesehen, daß nacheinander zwei der tatkräftigsten Unternehmer und
selber als geniale Männer anerkannte Industrielle hart an den Rand des
Untergangs gelangen würden, ehe seine von ihnen übernommenen Patente
wenigstens dem Erfinder selbst ein sorgenfreies Dasein zu bereiten
begannen, -- hätte ihm jemand den Ärger vorausgesagt, den er im Laufe
mehrjähriger Prozesse über Patentverletzungen, Advokatenleistungen
und Richterstumpfsinn durchkosten mußte, dann würde er vielleicht
seine Erfindung von vornherein verflucht haben. Denn Äußerungen
wie »~I curse my inventions~« (ich verwünsche meine Erfindungen)
oder »~of all things in life there is nothing more foolish than
inventing~« (von allen Dingen im Leben ist nichts törichter als das
Erfinden), -- solche Aussprüche finden sich viele Jahre lang in Watts
Briefwechsel. Er war genau im Denken und Forschen, aber auch wohl genau
in Geldsachen. Wir haben noch einen Brief seines Sohnes, worin dieser
sich in einer Geldverlegenheit nicht an seinen Vater, sondern an dessen
Geschäftsteilhaber Boulton wendet, -- bezeichnend genug! Aus dieser
Genauigkeit in Geldsachen verstehen wir auch seine Äußerung, »er könne
den Gedanken nicht ertragen, daß andre Leute durch seine Pläne Geld
verlieren würden«. Und gerade diesem peinlich denkenden Manne sollte es
beschieden sein, in Schulden zu geraten, einen seiner Förderer Bankrott
machen zu sehen und seinen Geschäftsteilhaber Boulton in eine sehr
bedenkliche Lage zu bringen. Zwanzig Jahre schwerster Mühen dauerte es
noch, bis Watt mit einiger Ruhe in die Zukunft sehen konnte! Gründlich
mußte er die Wahrheit des Sprichwortes erproben: »~There is many a
clip -- 'twixt cup and lip~« -- eine Lebensweisheit, die Watt auch
launig anders wiedergab: »~In mechanics many things fall out between
the cup and the mouth~«, »In der Mechanik geht viel zugrund zwischen
Bechersrand und Mund«. So gab es schon bei den Versuchsmaschinen, die
Watt zunächst immer noch in kleinerem Maßstabe ausführte, mancherlei
Schwierigkeiten und unvorhergesehene Zwischenfälle. Mit einer gewissen
Heimlichkeit mußten die Versuche schon gemacht werden, sollte das Wesen
der neuen Erfindung nicht rasch Gemeingut der Erfindungsdiebe werden.
So mietete Watt einen geräumigen Keller, und dort baute er mit Hilfe
eines Klempnermeisters die erste Versuchsmaschine. Der Feinmechaniker
mußte sich jetzt zum Maschinenbauer ausbilden. Die neuartigen Teile,
die er Schmieden und Klempnern in Arbeit gab, wurden oft genug verkehrt
angefertigt. Besondere Mühe machte die Herstellung passender Zylinder.
Überall fehlte es an geschulten Arbeitern und einer zuverlässigen
Zylinderbohrtechnik. Natürlich konnte sich Watt nicht mehr so eingehend
um sein Geschäft kümmern, das ja ohnehin seine Arbeitskraft in die
verschiedensten Richtungen zersplittert hatte. Als sein Partner Craig
starb, gab deshalb Watt das Geschäft ganz auf. Die neue Maschine ließ
seine Gedanken nicht mehr los. Aber die Versuche kosteten immer mehr
Geld. Watt hatte Familie, und wenn ihn auch seine brave, tapfere Frau
stets ermutigte und ihm Trost zusprach, so drückten doch die Schulden.
... Und dann kamen wieder einmal die bösen Kopfschmerzen dazwischen,
das alte Übel, unter dessen Pein der Erfinder die Zukunft nur in den
schwärzesten Farben sah. Aber Watts hochmögende Freunde, besonders der
Professor Black, waren ihm immer noch zugetan. Black, der von sich
selbst später gestand, das Geldsparen und Kapitalistwerden mache ihm
Freude, half öfters mit kleineren Summen aus. Noch wichtiger aber war,
daß Black, der berühmte schottische Chemiker, Beziehungen zu Roebuck
hatte, dem Besitzer der Carronwerke, und daß er diesen Mann auf Watt
aufmerksam machte, so daß unser Erfinder nun mit einem kapitalkräftigen
und unternehmungslustigen Industriellen Verbindung erhielt. Wer war
nun dieser ~Dr.~ Roebuck, dem die Geschichte immer das große Verdienst
nachzurühmen haben wird, dem Vervollkommner der Dampfmaschine zuerst
tatkräftig unter die Arme gegriffen zu haben?
[1] Manch eine Klippe zwischen Becher und Lippe, oder auch:
Zwischen Lipp' und Kelchesrand schwebt der dunklen Mächte Hand.
Mein Herz blutet für ihn.
In kürzeren Darstellungen des Lebens unsres Erfinders, in
Lesebuchstücken und Lexikonartikeln finden wir ~Dr.~ Roebuck fast
ausnahmslos mit schnödem Undank behandelt. Es heißt da, Watt habe sich
mit einem Industriellen namens Roebuck verbunden, der Mann habe aber
bald Bankrott gemacht und Watt hätte Mühe gehabt, aus dem Schiffbruch
des Kapitalisten auch nur sein nacktes Patent zu retten. Roebuck
gehört aber nicht nur selber unter die Erfinder, sondern auch unter
die großen Männer der Tat. Das gleiche Nachschlagewerk, das ihm nicht
einmal ein besonderes Artikelchen widmet, muß Roebuck in der Liste
der Erfinder und Entdecker bringen. Mitten unter den stolzesten Namen
des 18. Jahrhunderts befindet sich auch der seine als des Erfinders
der Schwefelsäurefabrikation in Bleikammern. Der Schilderer des
Lebens so vieler berühmter englischer Ingenieure und Erfinder, Samuel
Smiles, verzeichnet in einem Buche spöttisch das gleiche, was wir hier
tadelten. In der zu Glasgow erschienenen »~Cyclopedia of Biography~«,
einem biographischen Nachschlagewerke, heißt es nämlich von Roebuck:
»Roebuck, John, ein Arzt und Experimentalchemiker, geboren 1718 zu
Sheffield; starb, nachdem er sich durch seine Projekte selber ruiniert
hatte, 1794.« Das ist alles! Als Sohn eines Messerfabrikanten in der
Stadt Sheffield, fühlte sich der junge Roebuck unwiderstehlich zu
wissenschaftlichen Studien hingezogen. Er studierte Medizin und Chemie,
war in Edinburg mit keinem Geringeren als Hume befreundet, erwarb in
Leiden den Doktortitel und ließ sich in Birmingham als Arzt nieder.
Hier wurde er auf die Dürftigkeit der Materialien und Methoden in
der Birminghamer Metallfabrikation aufmerksam und machte sich daran,
ein neues Eisenschmelzverfahren zu erfinden. Dies gelang ihm unter
Verwendung der Steinkohle statt der Holzkohle. Ferner ersann er andre
Verfahren zur Reindarstellung von Gold und Silber. Auch verdanken wir
ihm vorteilhaftere Verfahren zur Gewinnung verschiedener Chemikalien,
insbesondere die schon erwähnte Herstellung von Schwefelsäure in
Bleikammern in großen Mengen, während sie bis dahin nur in kleinen
Mengen in Glasgefäßen hatte gewonnen werden können. In Schottland
errichtete er 1749 eine glänzend rentierende Schwefelsäurefabrik. Und
dort schuf er auch bei Prestonpans eine Porzellan- und Tonwarenfabrik.
Von seinen Erfolgen verleitet, wohl auch von dem edlen Ehrgeiz
befangen, dem Lande nützliche Industrien zuzuführen, errichtete Roebuck
mit Heranziehung des Geldes von Verwandten und Freunden am Carronflusse
ein großes Eisenwerk, das erste in Schottland. Geschickte Werkleute,
Gießer und Schmiede wurden aus England herübergeholt, und 1760 der
erste Hochofen angeblasen. Roebuck leistete gleichzeitig als Erfinder,
der immer neue Patente entnahm, und als Geschäftsmann in vielseitigster
Tätigkeit Hervorragendes. Die Carronwerke erlangten Berühmtheit. Die
Beförderung der neuen Industrieerzeugnisse erzwang geradezu neue
Verkehrswege. Daher begann in den nächsten Jahrzehnten der Bau oder
die Vermessung verschiedener Kanäle. Das waren Arbeiten, bei denen
auch Watt einige Jahre sein Brod fand, so daß schon hier Roebuck im
Grunde vorteilhaft in Watts Leben eingriff. Roebuck machte sich aber
auch daran, die reichen Kohlenlager in Schottland auszubeuten. Immer
neue Kapitalien wurden in aussichtsreiche Unternehmungen gesteckt,
bis auf einmal, ehe noch die Unternehmungen Früchte trugen, das Geld
knapp wurde und Roebuck Konkurs machte. Doch eilen wir dem Verlauf
der Dinge nicht vor. Roebuck brauchte für seine Kohlenschächte zur
Herausschaffung der Grubenwasser leistungsfähigere Maschinen, als es
die Newcomenschen waren. Black, der Chemiker, machte ihn auf seinen
jungen Freund Watt aufmerksam, der da eben eine neue, vielversprechende
Erfindung gemacht habe. Das Prinzip dieser neuen Schöpfung mußte einem
erfinderischen Kopfe wie Roebuck schnell einleuchten. Er übernahm daher
die Deckung der Schulden, die Watt bisher für seine Versuche gemacht
hatte. Daß sie sich auf 20000 Mark beliefen, möchte ich nicht glauben,
obwohl alle einschlägigen Schriftsteller das nachbeten. Wahrscheinlich
ist in dieser Summe gleichzeitig eine Vergütung für Watt einbegriffen
gewesen. Roebuck machte sich ferner anheischig, die Kapitalien für
fernere Versuche aufzubringen. Dafür sollte er ⅔ des Gewinns von dem
Bau der Maschine erhalten. Um seinen Kohlenbergwerken nahe zu sein,
hatte Roebuck den Edelsitz Kinneil House am Firth of Forth, der früher
dem Herzog von Hamilton gehörte, bezogen. In dessen Nähe baute Watt
in ziemlicher Heimlichkeit eine kleinere Maschine, an der aber bald
dies, bald jenes mißriet. Während das den Mut Watts stets sinken ließ,
regte es Roebucks Tatkraft nur zur Weiterarbeit an. Wohl nicht ohne
Berechtigung mag Roebucks Gattin die Äußerung getan haben, ohne Roebuck
würde Watt selber seine Erfindung aufgegeben haben. Nicht am Prinzip,
sondern an der noch mangelhaften Technik der Zylinderherstellung und
der feineren Mechanikerarbeiten sowie am Fehlen geschulter Arbeiter lag
die Schuld. Watt konnte nicht immer zugegen sein; war er aber abwesend,
dann ging alles verkehrt, und man mußte hernach die Arbeit von neuem
anfangen. Daß die Maschine Geld brachte, daran war für die nächste
Zeit nicht zu denken. So mußte sich denn Watt entschließen, von seiner
Kenntnis der Meßinstrumente und der Mathematik Gebrauch zu machen: er
wurde Zivilingenieur und Geometer, der teils Vermessungsarbeiten für
die Kanalgesellschaften, teils Ingenieurarbeiten für Glasgow und die
Nachbarorte übernahm. Nach seinen Entwürfen wurde z. B. die Clydebrücke
bei Hamilton gebaut. Auch Hafenanlagen, Krane und was ihm sonst der
Zufall an ähnlichen Aufträgen brachte, führte er aus. Dazwischen wurde
langsam an der Maschine weitergearbeitet.
Der Kanalbauten wegen mußte Watt 1767 nach London reisen, um dort vom
Parlament gewisse Genehmigungen zu erlangen. Aber er wußte weder die
Arbeiter, die seinem Befehle unterstanden, noch die hartgesottenen
Politiker des Parlamentes richtig zu behandeln. Er konnte wohl die
Natur bemeistern, indem er ihre schwache Seite herausfand. Aber
Menschen zu meistern, war ihm, dem feinen Kopf und Verächter des
Gemeinen, nicht gegeben. Er haßte Geschäftsverhandlungen und wollte
lieber -- wie er schrieb -- vor eine geladene Kanone treten als
eine Rechnung aufsetzen oder einen Handel abschließen, für den er
verantwortlich war. Wohl erreichte er sein Ziel in der britischen
Hauptstadt; aber bezeichnend ist, was er über die Parlamentarier
äußerte: er habe nie eine größere Menge fauler Köpfe (~wrongheaded
men~) beisammen gesehen. Das stimmt überein mit dem, was ein andrer
Schotte, der berühmte »Schmieder der Volkswirtschaftslehre« Adam Smith,
sagt: der Politiker sei ein »~insidious animal~«, ein hinterhaltiges
Tier. Aber mit dem verwünschten Parlament mußte Watt bereits im
nächsten Jahre wieder in Verbindung treten; es galt, ein Patent
auf seine Maschine zu erwirken. Es wäre ein Wunder, wenn wir nicht
aus dieser Zeit Klagen über Zeitverlust durch bequemes Beamtentum
hätten. Kopfschmerzen und schlaflose Nächte brachten Watt in eine
verzweifelte Stimmung, aber Roebuck drängte zur Weiterarbeit. Eine
leistungsfähigere Maschine war ja der Bergwerkindustrie nötig wie
das liebe Brot. Auf der Heimkehr von London hatte Watt die erste
Begegnung mit dem Metallwarenfabrikanten Boulton in Soho, dessen Fabrik
er schon im vorhergehenden Jahre als einen großen, gut geleiteten,
siebenhundert Arbeiter zählenden Betrieb kennen gelernt hatte. Schon
seit einiger Zeit bearbeitete nämlich Watt seinen Freund ~Dr~. Small,
daß dieser den ihm eng befreundeten, weitschauenden und sehr begabten
Boulton für seine Maschine gewinnen möge. Boulton wurde durch Watts
Wesen von vornherein eingenommen, aber es dauerte doch noch ein
halbes Dutzend Jahre, ehe er der Wattschen Erfindung auch mit Kapital
näher trat. Mittlerweile tröstete Small, ein ausgezeichneter Mann,
den Erfinder brieflich: er hoffte immer noch mit einem Feuerwagen
Wattscher Herkunft fahren zu können. Daß Watt sich nach einem andern
Kapitalisten umsah, hing mit Roebucks plötzlich sehr mißlich gewordenen
Vermögensverhältnissen zusammen. Es war überhaupt eine Zeit schlechten
Geschäftsganges. Daher bei Boulton keine Lust zu neuen Unternehmungen,
bei Roebuck aber Geldschwierigkeiten, die so groß wurden, daß er nicht
einmal mehr die Kosten für die Patententnahme 1769 aufbringen konnte.
Wenn Black nicht die Summe vorgeschossen hätte, wäre Watt übel daran
gewesen. Und dann fielen wieder neue Versuche mit der Maschine in
Kinneil House nicht befriedigend aus, wiederum ein Grund für Boulton
zurückzuhalten. Watt geriet in eine verzweifelte Stimmung. Doch ein
Trost war es, daß wenigstens im vorhergehenden Jahre, 1769, das Patent
gesichert war, im gleichen Jahre mit Arkwrights Patent auf die durch
Wasserkraft getriebene Garnspinnmaschine.
[Illustration: Abb. 14. Faksimile von Watts Handschrift: Vorschlag des
Schraubenpropellers. (Nach Muirhead.)]
Im Jahre 1770 schickte Watt Zeichnungen der in Kinneil House
errichteten Maschine nach Soho. Boulton wollte dort, wo bessere
Werkleute und besseres Material zur Verfügung standen, einen Versuch
mit dem Bau einer Wattschen Maschine machen. Damals trug sich Boulton
mit dem Gedanken, auf einem bei Birmingham vorbeiführenden Kanal
die Boote durch Dampfmaschinen befördern zu lassen. Small schrieb
Watt von diesem Plane. Watt schlug in seinem Antwortschreiben vor,
Spiralruder anzuwenden. So haben wir eigentlich schon bei Watt den
Schraubenpropeller (Abb. 14), als dessen Erfinder Ressel gilt, obwohl
die Idee sogar schon vor Watt vertreten war. Man würde irren, wenn
man glaubte, der Erfinder habe sich damals nur mit der Dampfmaschine
beschäftigt. Seine Vermessungsarbeiten führten ihn auf mancherlei
Verbesserungen der Nivellierinstrumente und auf neue Erfindungen
auch auf diesem Gebiete. Dazwischen gab es gelegentlich chemische
Versuche. Black und Roebuck, mit denen Watt damals verkehrte, waren ja
beide Chemiker. Freilich kamen dann auch ganze Monate, in denen Watt
froh war, sein Tagewerk bei Schnee und Regen, in Schmutz und Sturm,
voll Ärger über Arbeiter und Unternehmer hinter sich zu haben. Aber
gesundheitlich bekam ihm der Aufenthalt im Freien nicht schlecht. Dafür
war er wieder wochenlang von seinen Lieben getrennt, und nachts zehrte
die Sorge: er wurde grau, ohne für Weib und Kind Ersparnisse gemacht zu
haben. Infolge der großen Geldschwierigkeiten, in die Roebuck geraten
war, stockte auch die Weiterentwicklung der Maschine. Watt verdiente
damals bei den Vermessungsarbeiten am Monklandkanal, wo er hundert Mann
unter sich hatte, 4000 Mark im Jahre. Auch war er bei einer Töpferei
beteiligt, die nach seiner eignen Äußerung scheußlich schlechte Ware
erzeugte, aber doch blühte. -- Freilich dauerte die Herrlichkeit
nicht lange, denn schon das nächste Jahr (1772) brachte wieder eine
Geschäftskrise. Die Kanalarbeiten stockten, und Watt wurde entlassen.
Aber er fand bald wieder Arbeit am Kaledonischen Kanal, der freilich
erst ein Menschenalter später fertig wurde. Die späteren Ingenieure
benutzten dabei noch Watts als vorzüglich anerkannte Geländeaufnahmen.
In diesem Jahre traf ein harter Schlag unsern Erfinder. Durch die
Krankheit seiner Frau wurde er plötzlich von seinen Arbeiten abgerufen.
Daheim fand er eine Tote. In einem Briefe schildert er, wie er
damals beim Betreten seines Hauses allen Mut zusammennehmen mußte,
wenn ihm nicht mehr, wie früher, die treue, bewährte Lebensgefährtin
entgegenkam, die nur seine Sorgen und Mühen, nicht seinen Sieg
miterlebte....
Der finanzielle Zusammenbruch Roebucks war die Ursache, daß Boulton
sich entschloß, der Wattschen Erfindung auch als Teilhaber näher zu
treten. Roebuck hatte das Vermögen seiner Frau und seiner Verwandten
herangezogen, um seine weitangelegten, riesigen Unternehmungen über
Wasser zu halten. Der Zusammenbruch verschlang alles. Von der Höhe
einer glänzenden und für das Gemeinwohl hoch verdienstlichen Laufbahn
stürzte der gewaltige Mann in die Tiefe. Unbeachtet und zurückgezogen
lebte er noch bis 1794. Wie schmerzlich muß es wohl für ihn gewesen
sein zu sehen, daß er eine Erfindung in der Hand gehabt hatte, die
später so glänzende Einnahmen erzielte! Watt gibt Roebuck das Zeugnis,
daß er ohne ihn unter seiner Last zusammengebrochen wäre. »Mein Herz
blutet für ihn,« schrieb er einem Freunde, »aber ich kann nichts für
ihn tun; ich habe lange bei ihm ausgehalten, die Pflicht für meine
Familie zwingt mich, nach einem andern Unternehmer mich umzutun.«
Boulton.
Mit Recht ist gesagt worden, Watt hätte ganz Europa durchsuchen
können, ohne einen geeigneteren Mann als Boulton zu finden, um seine
Erfindung in die Praxis einzuführen. Man hört in unsern Tagen oft das
phrasenhafte Wort vom königlichen Kaufmann; auf Boulton angewandt, ist
es aber am Platze. Ein hoch begabter, trefflich gebildeter, ehrenhaft
denkender Mann, hatte sich Boulton die Aufgabe gestellt, den wenig
guten Ruf der Birminghamer kunstgewerblichen Erzeugnisse zu heben.
Nur erstklassige Fabrikate sollten seine Metallwerkstätten verlassen.
Boulton beschäftigte Künstler aus Italien und Frankreich und erwarb
sich ein Verdienst durch die Vervielfältigung vornehmster Kunstwerke,
wobei ihn sein König und der Adel durch leihweise Überlassung ihrer
Kunstschätze zur Nachbildung unterstützten. Der Ruf seiner Firma drang
weit über Englands Grenzen. Kaiser und Könige, Künstler und Gelehrte
verfehlten nicht, die berühmte Fabrik zu Soho zu besichtigen und
sich von ihrem gastlichen und vornehmen Besitzer bewirten zu lassen.
Boultons größtes Verdienst war aber nicht nur die Durchbringung
der Dampfmaschine, sondern auch sein Kampf und Sieg über die
Münzfälschungen. Nachdem er nämlich der Wattschen Erfindung durch seine
außerordentliche Tatkraft unter größten finanziellen Bedrängnissen zum
Siege verholfen hatte, warf er sich mit Macht auf das Münzproblem,
d. h. die Herstellung von schwer durch Fälscher nachzumachenden Münzen.
Ein großer Teil des damals umlaufenden Geldes war das Erzeugnis
von Fälschern. Boulton hat ihnen durch neue Münzprägemaschinen das
Handwerk erschwert. Zu den Letzten, die seiner Münze Aufträge gaben,
gehörten natürlich seine lieben Landsleute. Daran war aber nur der
träge Beamtenstand schuld. Die königlichen Münzbeamten sahen nämlich
mit Verdruß, daß wieder ein Kaufmann, keiner der Ihren, die Initiative
ergriff, dem Münzübel zu wehren. So rührten sie sich nicht, den Mann zu
unterstützen, der erst auf dem Wege über das Ausland zur Autorität für
sie werden mußte. Boulton war selbst auch, wie Roebuck, Erfinder und
Ingenieur, seine Vielseitigkeit sei beleuchtet durch die Anschaffung
einer wertvollen Virgilausgabe, durch Fossiliensammlungen, chemische
und elektrische Versuche, seine Freundschaft mit Männern wie Watt,
Erasmus Darwin, Priestley, Small, Wilhelm Herschel u. a. Boulton war um
so eher für Watts Erfindung zu gewinnen, als er selbst schon mit einem
eigenen Dampfmaschinenmodell Versuche gemacht hatte.