Maschinen schreibt der Engländer Samuel Moorland, das durch die Kraft
des Feuers verdampfte Wasser werde sogleich einen zweitausendmal
größeren Raum als zuvor einnehmen, so plötzlich, daß es, nach den
Gesetzen der Statik regiert und von der Wissenschaft dem Gesetze von
Maß, Druck und Gleichgewicht unterworfen, als Dampf seine Last tragen
werde, »guten Pferden vergleichbar«.
Wie man sieht, ziehen sich durch das ganze 17. Jahrhundert Versuche
hin, Wasser durch Feuer zu heben. Kein Wunder, denn schon im 16.
Jahrhundert waren die Schriften Herons von Alexandria wieder im Druck
erschienen. Daß man wesentlich über die Künste des Altertums auf diesem
Gebiete hinauskam, hing aber nunmehr mit der Forschungstätigkeit
Galileis zusammen. Er hat die Gesetze der Bewegung und der
Kraftbetätigung mathematisch und durch Versuche festgestellt, hat dem
Verstand, der in Anbetung des Aristoteles erstarb, durch Widerlegung
der Aristotelischen Weisheit bezüglich des freien Falles wieder
Lust und Vertrauen zu sich selber geschaffen, auch bewiesen, daß
die Luft Gewicht habe, und sich die Krone des Märtyrers erworben,
als er die kopernikanische Lehre vertrat und stützte. Von seinen
_Bewegungsgesetzen_ führt eine ununterbrochene Linie zur rasend
beschleunigten _Bewegung von Gütern_, Menschen und Gedanken im 19.
Jahrhundert.
Aristoteles hatte gelehrt, daß die Luft absolute Leichtigkeit, d. h.
das Bestreben habe, sich in gerader Richtung vom Mittelpunkte der
Erde fortzubewegen. Galilei meinte, dann müsse verdichtete Luft
noch leichter sein als gewöhnliche denn das Bestreben nach oben sei
stärker. Durch Abwägen aber stellte er fest, daß ein Glaskolben mit
hineingepreßter, also verdichteter Luft _schwerer_ ist als bei Füllung
mit gewöhnlicher Luft! Die Aristoteliker lehrten, um das Saugen,
das Aneinanderhaften von Platten, das Aufsteigen von Flüssigkeiten
in Pumpen zu erklären, die Natur habe einen Abscheu vor dem leeren
Raum, den bekannten »~horror vacui~«. Galilei suchte durch Versuche
die Größe des Widerstandes zu bestimmen, den dieser angebliche Horror
bietet. Und es machte ihn stutzig, daß das Wasser in Pumpen trotz
allen Abscheus nicht mehr in die Höhe stieg, wenn das Saugrohr _über_
zehn Meter lang war. Sein Schüler Torricelli verfolgte die Sache
weiter. Da mit einer Wassersäule von zehn Metern Höhe nicht leicht zu
experimentieren war, so ersann er den Versuch, wie groß der Abscheu
der Natur bei der Benutzung von Quecksilber wäre. Man nahm eine mit
Quecksilber gefüllte Glasröhre von einem Meter Länge und stülpte sie
über ein mit Quecksilber gefülltes flaches Gefäß, so daß ein Teil des
Quecksilbers aus der langen Röhre auslief. Es zeigte sich, daß die
lange Röhre noch etwa zu drei Vierteln gefüllt war, das leere Viertel
mußte einen richtigen leeren Raum darstellen, hier war also der Beweis
erbracht, daß die Natur nicht immer die Leere scheut. Offenbar hielt
die Quecksilbersäule in der langen Röhre einer Luftsäule vom gleichen
Querschnitt und von der Höhe der Atmosphäre das Gleichgewicht. Der
Franzose Pascal ließ dann gleich im nächsten Jahre durch einen Versuch
auf dem Puy de Dome feststellen, daß die Länge der Quecksilbersäule
in der Glasröhre um so mehr abnimmt, je höher man sich über den
Meeresspiegel erhebt. Das Barometer war damit erfunden.
Um die gleiche Zeit machte Magdeburgs Bürgermeister, Otto v.
Guericke, ebenfalls Versuche über den »~horror vacui~«. Er erfand
dabei die Luftpumpe und erregte durch das bekannte Experiment mit
den Magdeburger Halbkugeln das größte Aufsehen. Diese Leistungen
Torricellis und Guerickes fielen um die Mitte des 17. Jahrhunderts.
Jetzt fehlte nur noch die erste Verwertung dieser Entdeckungen, die
um so erstaunlicher waren, als sie einen fast zweitausendjährigen
Aberglauben beseitigten. Die Luft, von der man sich bisher nur
hatte Segel blähen und Windmühlen treiben lassen, mußte nun zum
ersten Male dem Menschen auch bei völliger Windstille Dienste
leisten, ohne erst angefeuert, das heißt erwärmt zu werden, wie es
in jenen Heißluftmaschinen, die Heron beschrieb, erforderlich war.
Der französische Mechaniker Hautefeuille beschreibt in einem 1678
erschienenen Buche, wie er durch Pulverexplosion in einem geschlossenen
Behälter unter Verdrängung der Luft einen luftverdünnten Raum schafft,
in den der äußere Luftdruck Wasser hineindrücken soll. Ferner
beschreibt er die erste Gaskraftmaschine, wie sie erst im vorigen
Jahrhundert zur Ausbildung gekommen ist. Drei Jahre später schlug
Huygens vor, die Fliehkraft der Pulvergase für eine Kolbenmaschine
nutzbar zu machen. Das war das gleiche, was Hautefeuille wollte.
Huygens Schüler und Assistent aber war Denis Papin, der die erste den
Namen mit Recht tragende Dampfmaschine entwarf und erprobte.
Es lassen sich im Leben oft genug Beispiele beobachten, wie Leutchen
kleinen Talentes, aller Stümpereien ungeachtet, immer nur die Treppe
hinauffallen, Beförderung auf Beförderung erlangen, ohne es verdient
zu haben. Umgekehrt gibt es nicht selten begabte Menschen, die mit
jeder noch so fruchtbaren Idee, jeder noch so tüchtigen Leistung
sich nur die Treppe hinabbefördern, Leute, die sich gewissermaßen
mit jedem Werk ihres Geistes ein Gewicht mehr schaffen, das sie beim
Schwimmen im Lebensstrom in die Tiefe zu ziehen trachtet. Solch ein
Genie war der 1647 in Blois in Frankreich geborene Denis Papin.
Ein außerordentlich fruchtbarer Erfinder, reich an Gedanken und an
praktischem Geschick, ein scharfer Denker und Freund von Huygens,
Boyle, Leibniz, ist er schließlich in London verschollen. Von ihm ging
der Gedanke aus, statt des explodierenden Pulvers zur Herstellung eines
luftverdünnten Raumes die Spannkraft des Wasserdampfes zu benutzen,
der einen Kolben fortzudrücken hätte. Sein Digestor, in dem er größere
Dampfspannungen zum Garmachen unter Heizmaterialersparnis verwendete,
seine Zentrifugalpumpe, der Zentrifugalventilator, ein Entwurf zur
Kraftübertragung, die Verbesserung der Luftpumpe, der Versuch eines
Unterseeboots, das Modell eines Dampfwagens und noch eine Menge
andrer Erfindungen und Ideen zu solchen begründen seine Ansprüche
auf dauernden Nachruhm. Nur ist es falsch, ihm das erste Dampfschiff
zuzuschreiben, und dafür ist ihm in Kassel sogar ein Denkmal errichtet
worden. Anfangs ließ sich Papins Laufbahn gut an, insofern er unter
einem so großen Mathematiker und Physiker wie Huygens, dem Erfinder
der Pendeluhr, als dessen Assistent arbeiten durfte. Noch ehe ihm die
Aufhebung des Ediktes von Nantes den Aufenthalt in Frankreich unmöglich
machte, ging er nach London und hatte auch dort den Beifall der
Besten für sich. Aber allzugut mögen seine Leistungen nicht honoriert
worden sein, sonst wäre er nicht einem Rufe des Landgrafen von Hessen
nach Marburg gefolgt. In der kleinen hessischen Universitätsstadt
und später in Kassel verbrachte er, wenigstens der allerdrückendsten
Nahrungssorgen einigermaßen enthoben, die fruchtbarsten Jahre seines
Lebens. Eine Berufung nach London schlug er aus, da ihm gerade damals
gute Aussichten auf Verwirklichung seiner Lieblingspläne winkten. Aber
es kam anders. Enttäuschungen folgten auf Enttäuschungen, so daß er
schließlich sich aufmachte, in London nochmals sein Glück zu versuchen.
Das Schiff, mit dem er die Weser hinabfuhr, wurde ihm von der
Schiffergilde im Streit um die Durchfahrt zerstört. Die Privilegien der
Gilde gestatteten nicht, daß jemand, der nicht zur Gilde gehörte, die
Weser befuhr. Wie Watt, der Vollender, so mußte Papin, der Beginner,
die Gegnerschaft jener Zünfte erfahren, deren Dasein gerade durch
die Dampfmaschine untergraben worden ist. In London wollte man aber
den Mann, den man erst zu gewinnen gesucht hatte, seinem Schicksale,
das heißt dem Untergange, überlassen. Die Königliche Akademie der
Wissenschaften ließ alle Gesuche Papins unbeachtet. Nicht einmal eine
Stelle als Physiklehrer erhielt er. Gerade, daß er lange mit Leibniz
in Verbindung gestanden hatte, schadete ihm hier. Leibniz war in
den Augen der Briten der, der ihrem Newton die Differentialrechnung
entwendet hatte. Im tiefsten Grunde waren es wieder die engherzigen und
neidischen Gelehrten, die einen Beweis eigner Überlegenheit zu liefern
wähnten, wenn sie einen überlegenen Mann elend verkommen ließen. Unter
welchen Umständen Papin 1712 aus dem Leben schied, wissen wir nicht
genau. Es besagt genug, wenn er im letzten uns erhaltenen Briefe
klagt, selbst wenn er das Beste leiste, ziehe er sich nur Feindschaft
zu. Achten wir darauf, daß die Orte seines Wirkens Paris, London und
Marburg waren, so erinnert uns das an den Schicksalsverwandten Giordano
Bruno, der gleichfalls von Paris über London nach Marburg ging, stets
das Gegenteil der Sippe, die die Treppe hinauffällt, zum Scheiterhaufen
schließlich klaglos bereit, weil ihm das Leben genügend verleidet war.
[Illustration: Abb. 5. Papins Pulvermaschine 1688.]
Huygens Pulvermaschine hatte Papin durch Anbringung einer Zündpfanne
verbessert (Abb. 5). Aber das erzielte Vakuum war zu gering und der
Betrieb zu gefährlich. Statt des Pulvers versuchte es nun der Gelehrte
mit dem Wasserdampf. Ein zylindrisches Gefäß wurde zum geringen Teile
mit Wasser gefüllt, auf dessen obere Fläche sich der Kolben aufsetzte.
Die Kolbenstange führte durch den Deckel des Gefäßes. Eben durch
diesen Deckel konnte auch durch eine Öffnung Luft entweichen. Wurde
das Wasser verdampft, so schob der Dampf den Kolben in die Höhe,
drängte die Luft aus dem Zylinder und drückte den Kolben so weit nach
oben, bis eine Klinke in die Nut der Kolbenstange einschnappte und
den Kolben jetzt festhielt. Durch Entfernung der Feuerung kam der
Dampf zur Verdichtung. Es entstand ein luftverdünnter Raum. Gab man
jetzt die Kolbenstange wieder frei, so wurde sie durch den äußeren
Luftdruck heruntergetrieben. Dabei konnte sie ein Gewicht hochziehen,
das mit ihr durch eine über Rollen geleitete Schnur in Verbindung stand
(Abb. 6). Papin wollte bereits seine Maschine für den Bergwerkbetrieb
verwenden, sie sollte Wasser und Erze aus den Gruben schaffen, aber
auch unter Benutzung von Schaufelrädern Schiffe gegen den Wind treiben.
Die Umwandlung der hin und her gehenden Bewegung in eine Drehbewegung
sollte durch eine Vorrichtung geschehen, die im vorigen Jahrhundert
Otto, der Erfinder der atmosphärischen Gasmaschine, benutzte: eine
gezahnte Kolbenstange griff beim Heraufgehen in Triebräder ein, die
lose auf ihrer Achse liefen, beim Herabgehen des Kolbens aber durch
Sperrklinken mit der Welle gekuppelt wurden, so daß die auf der Welle
sitzenden Räder, Schaufelräder oder Wagenräder, zur Drehung gelangten.
Die Ausführung dieser Maschine gelang aber Papin nicht, weil es weder
geeignete Werkleute noch eine zulängliche Technik zur Herstellung
der großen Zylinder gab. Hatte noch zwei Menschenalter später ein
Watt trotz seiner Verbindung mit Englands größten Industriellen ein
Jahrzehnt nötig, um nur geeignete Zylinder zu erhalten, so war Papin
in noch schlimmerer Lage. Schon 1690 empfahl er daher die Errichtung
einer Fabrik für große Zylinder. Dazu hätten aber Geld, sichere
Absatzaussichten und weitblickende Männer gehört, und das war alles
nicht vorhanden.
[Illustration: Abb. 6. Papins atmosphärische Kolbenmaschine 1690.]
Papin baute eine zweite Maschine, in der er den Dampf zum Heben des
Wassers benutzte, ohne dabei das Hinströmen der Luft nach einem
luftverdünnten Raume zu verwenden. Die Hilfe des Landgrafen von Hessen,
in dessen Diensten er zwanzig Jahre stand, und der eine Maschine zum
Wasserheben wünschte, erlangte er nach anfangs mißlungenen Versuchen
erst wieder, als von England die Nachricht kam, dort baue Savery eine
Maschine, die im Bergwerkbetriebe Verwendung finden solle. Wir wollen
uns also zunächst zu Saverys Dampfdruckmaschinen wenden.
Savery, um die gleiche Zeit wie Papin geboren, entstammte einer
in Devon ansässigen Familie, war also nicht weit von dem großen
Bergwerksgebiet Cornwall entfernt, in dem seine, Newcomens und
Watts Maschinen der Reihe nach ihre erste Verbreitung fanden. Als
Ingenieuroffizier machte er verschiedene Erfindungen, aber mit seinem
Schaufelradboot fand er beim Marineamt keine Gegenliebe, wohl aber
Anlaß zu bitteren Beschwerden über das Beamtentum und seinen grünen
Tisch. Die Not des Cornwaller Bergbaus mit den die Gruben ersäufenden
Wassern veranlaßte Savery, der ja in dieser Gegend aufgewachsen war,
sich um eine geeignete Maschine zu bemühen. Dabei machte man ihm
den Vorwurf, er habe Worcesters Gedanken benutzt. Selbst wenn das
geschehen ist, so bleibt ihm immer das Verdienst der praktischen
Ausgestaltung, die ja immer noch wahre Erfindungsarbeit im kleinen
und Unvorhergesehenen erheischt. Ein Patent auf eine Feuermaschine
zum Wasserheben aus Bergwerken, zur Wasserversorgung von Städten,
zum Mühlenbetriebe und andern Zwecken erhielt er 1698 auf 14 Jahre,
eine Frist, die ihm später noch verlängert wurde, da er nachwies,
wieviel Geld und Arbeit ihn die Maschine gekostet habe. In der Schrift
»Der Freund des Bergmanns« beschrieb er 1702 die Maschine, die sich
in der tatsächlichen Ausführung folgendermaßen gestaltete (Abb. 7).
In zwei eichelförmigen kupfernen Behältern wurde abwechselnd, das
heißt innerhalb desselben Behälters und zwischen den beiden Behältern
abwechselnd, durch Dampfeinlaß und Dampfverdichtung ein luftverdünnter
Raum erzeugt. Dieser saugte von unten durch die Saugröhre Wasser
herauf, das dann durch neuen Dampf weiter nach oben in die Druckröhre
gehoben wurde. Der Dampfzutritt nach den kupfernen Eicheln wurde durch
eine auf dem Deckel des Dampfkessels befindliche schwingende Platte
geregelt, das älteste Dampfverteilungsorgan, das, durch eine Stange von
der Hand bewegt, im selben Augenblick den Dampf von der einen Eichel
absperrte, wo es dem Dampf zum andern Arbeitsraum, zur andern Eichel,
den Zutritt öffnete. Die Dampfverdichtung erfolgte durch Übergießen der
Eicheln mit Wasser, das aus einem über die Eichel gerückten Rohrende
strömte.
Diese Maschine des Thomas Savery wurde vielfach für Wasserversorgung
von Städten und Schlössern verwandt; für die Bergwerke war ihr Betrieb
meist zu teuer und nicht wirksam genug. Auch schreckten häufige
Explosionen ab. Immerhin war sie ein großer Fortschritt. Savery
kannte auch schon die Expansionswirkung, das Vermögen des Dampfes,
bei der Ausdehnung noch Arbeit zu leisten. Er führte als Maß der
Arbeitsleistung die Pferdestärke ein, denn die Pferde wurden beim
Göpelbetriebe verwandt, mit dem man Wasser, Erze und Gesteine aus den
Schächten heraufbeförderte, die Dampfmaschine aber ersetzte die Arbeit
der Pferde.
[Illustration: Abb. 7. Saverys Dampfpumpe.]
Als die erste Zeichnung einer Saveryschen Maschine durch Leibnizens
Vermittlung an Papin gelangte, vermochte dieser den hessischen
Landgrafen zu überzeugen, daß jene Maschine im Prinzip mit der
von Papin geplanten übereinstimme. Er erhielt die Mittel zu
weiteren Versuchen, bei denen er aber von Dampfverdichtung und
luftverdünntem Raume absah. Die 1707 beschriebene Konstruktion war
eine Dampfdruckpumpe ohne Kondensation (Abb. 8). Aus dem links
befindlichen Kessel, der mit Ventil versehen ist, strömt der Dampf
in den in der Mitte stehenden zylindrischen Arbeitsraum, wo er eine
Kolbenfläche nach unten drückt. Dadurch wird Wasser in einen (rund
einen halben Dezimeter breiten und fast vierzehnmal so hohen) Zylinder
gehoben, von wo aus es ein Wasserrad oder dergleichen in Bewegung
setzen kann. Die Kolbenbreite oder der Schwimmer im mittleren Gefäß
hatte eine Vertiefung, in die von außen glühendes Eisen gehalten
wurde, um die Spannkraft des Dampfes zu erhöhen. Hatte der Dampf
unter Entspannung Arbeit geleistet, so konnte er durch einen Hahn am
mittleren Zylinder entweichen. Leibniz machte Papin darauf aufmerksam,
daß der Abdampf verwandt werden könnte, die Luft in dem Behälter
rechts zu erwärmen, die dann auch ihrerseits das Wasser noch weiter
heben oder drücken könnte. Auch wies Leibniz darauf hin, daß das
Öffnen und Schließen der Hähne bei dieser Maschine durch deren Gang
selbsttätig bewirkt werden könnte. Das wird besonders jetzt betont,
seit man die Erfindung des Knaben Potter, die automatische Steuerung,
ins Reich der Fabeln verweisen zu müssen glaubt. Eine im Jahre 1706 dem
Landgrafen vorgeführte Maschine hob Wasser ein Stockwerk hoch. Aber die
ungünstigen politischen Verhältnisse wendeten das Interesse des Fürsten
von der Technik ab, und Papin, der meist sein eigner Zeichner, Schmied
und Monteur gewesen war, schiffte sich im nächsten Jahre nach England
ein, wo man ihn wohl nicht nur als den Freund von Leibniz, sondern auch
als den Rivalen Saverys jeder Hilfe oder auch nur vom Anstand gebotenen
Unterstützung verlustig gehen ließ, so daß er dort im Elend verkam.
[Illustration: Abb. 8. Papins Dampfpumpe 1707.]
Gleich Savery stammt aus der Gegend von Cornwall auch Newcomen, der
nächste in der Reihe der Männer, die Watts Vorläufer waren. Er wurde
zu Dartmouth an der Südküste Cornwalls geboren. Einem Newcomen als
Grobschmied und Eisenhändler kam es zustatten, daß er bei seinen
Schmiedearbeiten nicht auf fremde Leistungen angewiesen war. Von
seinem Leben wissen wir sonst wenig. Er soll als frommer Baptist
selber sonntäglich gepredigt haben und für Savery ein Gegenstand der
Ausnutzung gewesen sein.
Da er in der Nähe Saverys lebte, so ist es glaubhaft, daß er von dessen
Bemühungen um eine Maschine für den Cornwaller Bergbau Kunde bekam,
zumal Savery stets nach geschickten Werkleuten suchte. Andererseits
wird auch berichtet, Newcomen sei bei der Patentierung seiner Maschine
von dem einflußreichen Savery überholt und verdrängt worden. Ob er mit
seinen Maschinen viel verdiente, wissen wir nicht. Aber seine Maschine
war für Watt die nachhaltige Anregung und der Anlaß zu einer Reihe
von weittragenden Verbesserungen. Bemerkt sei noch, daß Newcomen
geschäftlich mit einem Glaser namens Cawley verbunden war, der sehr
rührig und verständnisvoll dem schlichten und frommen Maschinenbauer
beistand. Als Newcomen im Jahre 1729 in London starb, war seine
atmosphärische Maschine schon ziemlich verbreitet. Nur zögernd aber
hatte sie sich vom Jahre 1712 ab Eingang verschafft. Newcomen soll
sich, als er sich mit der Absicht trug, eine Maschine eigner Erfindung
zu bauen, zunächst an den berühmten Gelehrten Hooke gewandt haben.
Dieser verwies ihn -- wie man erzählte -- auf Papins Versuche (die
Newcomen aber wahrscheinlich gekannt hat) und riet ihm im ganzen
von Bemühungen gerade in dieser Richtung ab. Newcomen muß wohl den
gelehrten Herrn trotz dessen Berühmtheit richtig eingeschätzt haben.
Denn er baute seine Maschine doch, und wenn sie im Prinzip gar nichts
anderes ist als die erste Papinsche Kolbenmaschine mit Erzeugung
luftverdünnten Raumes, so bleibt ihm doch der Ruhm, das Projekt zur
Lebensfähigkeit gebracht und im großen ausgeführt zu haben. Er lief
damit ja eine Gefahr, deren Größe wir aus den uns näher bekannten
Schicksalen Watts ermessen können, und die wir wahrlich nicht gering
veranschlagen dürfen.
[Illustration: Abb. 9. Newcomenmaschine 1712.]
Bei Newcomen dürfen wir auch nicht übersehen, daß er eben nur ein
Grobschmied war und nicht zur Zunft derer gehörte, die gelehrte
Geschichte schreiben. Sonst würde er wohl längst unter die genialen
Erfinder gerückt worden sein, denn, wie wir noch sehen werden, hat
er durch eine Beobachtung und ihre richtige Deutung sowie praktische
Verwertung die Dampfmaschine bedeutend leistungsfähiger gemacht. In
der Dampfmaschine Newcomens (Abb. 9) strömt der Dampf aus dem Kessel
in den Zylinder und schiebt dort einen dicht abschließenden Kolben in
die Höhe. Dabei wird der Kolben gleichzeitig durch das Pumpengestänge,
das vom andern Ende des Schwingbalkens oder Balanciers in die Tiefe
des Schachtes hinabhängt, hochgezogen. Hat der Kolben seine Höchstlage
erreicht, so wird der darunter befindliche Dampf verdichtet. Anfangs
geschah dies nur durch Kühlung des Kupferbehälters von außen durch
Einlaß von Wasser in den Zwischenraum zwischen dem Zylinder und einem
ihn umschließenden Mantel. Unter dem Kolben entstand ein luftverdünnter
Raum. Damit erhielt aber die oben auf den Kolben drückende Luftsäule
über das Pumpengestänge das Übergewicht und drückte den Kolben hinab.
Das entgegengesetzte Ende des Balancier genannten Wagebalkens ging
gleichzeitig in die Höhe und damit auch das Pumpengestänge, das unten
im Schacht das zu hebende Wasser ansaugte und in die Höhe beförderte.
Eines Tages fiel es Newcomen auf, daß seine Maschine plötzlich viel
schneller arbeitete. Er forschte der Ursache nach und prüfte, ob der
Kolben überall noch gut abdichte. Es fand sich ein Loch im Kolben,
durch das Wasser von der über dem Kolben zur besseren Dichtung
befindlichen Wasserschicht in den luftverdünnten Raum dringen konnte.
Sofort soll Newcomen sich gesagt haben, daß das eindringende Wasser
die Verdichtung des Dampfes beschleunigte und es deshalb rätlich sei,
regelrecht Wasser in den Arbeitsraum des Dampfes und nachfolgenden
Vakuums einzuspritzen. Dieser Gedanke, mag er nun dem Zufall oder der
Überlegung entsprungen sein, erwies sich außerordentlich wertvoll.
An Stelle der Oberflächenkondensation des Dampfes trat jetzt die
Einspritzverdichtung. Das vermehrte die Hubzahl der Maschine bedeutend.
Die beiden Hähne, von denen der eine den Dampf vom Kessel nach dem
Zylinder, der andre das Einspritzwasser in den dampfgefüllten Zylinder
strömen ließ, wurden sehr bald derart mit der Bewegung des Wagbalkens
oder Schwingbaums verbunden, daß die ganze Steuerung der Maschine
selbsttätig arbeitete. Daß der berühmte Knabe Humphrey Potter zuerst
die Hebel der von ihm gewarteten Hähne mit dem Balancier verbunden hat,
wird jetzt stark angezweifelt, doch auch nicht genügend widerlegt.
Und man fragt vergebens, ob sich eine derartige Überlieferung habe
aus der Luft greifen lassen. Noch zu Newcomens Lebzeiten wurde durch
Henry Beighton die selbsttätige Steuerung folgendermaßen gestaltet
(Abb. 10). Ein sogenannter Steuerbaum hing vom diesseitigen Hebelarm
des Balanciers herunter und bewegte sich mit ihm auf und ab.
Zapfen an diesem Steuerbaum drückten auf die Steuerhebel, brachten
Überfallgewichte zum Kippen und bewirkten dadurch ein schnelles Öffnen
oder Schließen der Dampf-, bzw. Einspritzöffnung.
[Illustration: Abb. 10. Beightons Steuerung 1718.]