besser _Actinomyceten_ gehört, hat in seiner Form viel Ähnlichkeit mit
den Fadenpilzen, auch erinnert er an die Bakterien. Ebenso wie die
Pilze bildet er aus runden Keimzellen (Sporen) cylindrische Fäden,
welche sich dichotomisch verzweigen, und sich dem unbewaffneten Auge
als ein Mycelium darstellen. Einige fruchttragende Hyphen erheben sich
über dem Substrat in die Luft und fallen dann, als Oldien in Ketten von
runden Keimzellen oder Sporen aus einander. Bei starker Vergrösserung
zeigen die _Streptothricheen_ viel Ähnlichkeit mit den Bakterien. Es
sind sehr dünne Faden, welche ursprünglich keine Scheidewände besassen,
und welche sich durch Sprossungen verzweigen. In älteren Kulturen
zerfallen die Fäden in kurze Stäbchen und kokkenartige Glieder. Nicht
selten findet man auch die Spirillenform, weil die _Streptothricheen_
stark gekrümmt und gewunden sind. Die Untersuchungen, welche in der
letzten Zeit über diese Pilzgruppe angestellt wurden, haben die Frage
aufwerfen lassen, ob sie nicht im genetischen Verhältnis zu der Gruppe
der _Diphtherie_ und der _Tuberculose_ stehen.
Dies ist noch nicht ganz sicher festgestellt, jedoch könnten dann die
beiden letzteren Gruppen von den _Actinomyceten_ hergeleitet werden.
Es sind sehr verbreitete Saprophyten, die pathogenen unter denselben
(_Aktinomyces_ bovis etc., _S._ sen _A. violacea_ u. a.) scheinen nicht
selten parasitisch werden zu können. Genannte _S._ sen _A. chromogena
Gasperini_ ist bekannt als einer, der aus Nitraten leicht Nitrite
bildet. Wie sich später zeigen wird, ist er nicht als pathogen für
_Nicotiana_ zu betrachten, wiewohl ich nach Impfung der Pflanze mit
Erde eine Veränderung im Blatte traf.
Häufig habe ich, wie ich schon in »de Natuur« pg. 330, 1899 beschrieben
habe, den _St._ sen _A. chromogena_ in den Risse der verwitternden
Granite, Basalte und Hornblendeschiefer der erratischen Blöcke unseres
~Gooilän~dischen Diluviums, und in ~Zandbergen's~ Waldboden, wenn ich
nach ~Frank's~ Mykorhizen vergebens suchte, aufgefunden.
Wenn der _Löffler'_schen Bouillon ein wenig Nitrat zugesetzt wird,
so ist innerhalb 24 Stunden nach Impfung mit diesem Pilze durch das
bekannte Reagens schon Nitrit nachzuweisen. In Leitungswasser geschieht
dies nicht.
Erst nachdem ich die Überzeugung erhalten hatte, dass auf diese Weise
die pathogenen Mikroorganismen nicht aufzufinden wären (weder durch
aërobe noch durch anaërobe Methoden), habe ich einen anderen Weg
eingeschlagen, um dem unbekannten Virus auf die Spur zu kommen.
Allein schon die Thatsache, die auch weiter unten bei den Versuchen
angegeben ist, dass eine kleine Menge--einige Milligramme--Saft von
krankem Gewebe im Stande ist, gesunde Pflanzen krank zu machen, und
einige Milligramme Blattgewebe dieser letzteren Pflanzen immer wieder
von Neuem auf andere gesunde Pflanzen die Krankheit übertragen können,
diese Thatsache musste in mir die Vermutung erwecken, dass hier
eine Vermehrung des Giftes vorlag, und dass diese Vermehrung nichts
anderem zugeschrieben werden konnte, als lebenden Organismen, die sich
vorläufig noch der Wahrnehmung entzogen.
Die folgenden Versuche machen dies deutlich. Die Versuche sind nicht
an einzelnen Exemplaren, bei denen es sich um etwas Zufälliges handeln
könnte, sondern bei mindestens 5-10 Pflanzen angestellt worden.
Versuchsreihen.
I. Erde, aus Amerongen stammend, in der im Herbst 1897 kranke Pflanzen
gestanden hatten, wurde durch eine ~Chamberland~kerze im Verhältnisse
von 300 Erde zu 300 Wasser filtriert. Etwas von dem Filtrat wurde
in die Hauptnerven eines jungen Blattes gebracht. Es entstand keine
Erkrankung.
II. Dieselbe Erde, nicht filtriert, bewirkte ebenfalls keine Erkrankung.
III. Erde aus Amerongen, in der im Frühjahr 1898 kranke Pflanzen
gestanden hatten, wurde wie oben filtriert und vom Filtrat etwas in den
Hauptnerv eines jungen Blattes gebracht. Keine Erkrankung.
IV. Dieselbe Erde, nicht filtriert, verursachte auch keine Erkrankung.
V. Erde aus Amerongen, im September 1897 von den Würzelchen kranker
Pflanzen gesammelt, im Verhältnisse von 20 Erde zu 20 Wasser wie oben
filtriert, gab keine Veranlassung zur Erkrankung.
VI. Dieselbe Erde, nicht filtriert, auch nicht.
VII. Erde, im Juni 1898 von den Würzelchen kranker Pflanzen gewonnen
und filtriert, liess die Krankheit nicht zur Entwickelung kommen.
VIII. Dieselbe nicht filtrierte Erde war auch wirkungslos.
IX. Im Oktober 1897 wurden 8 Pflanzen, die alle krank waren und in
Töpfen standen, abgeschnitten. Die Töpfe mit der Erde wurden dann
draussen an einem trockenen Platz aufbewahrt. Im Frühjahr 1898 wurden
die Erde und die noch anwesenden Wurzeln fein zerrieben. Darauf wurden
in diese junge Pflanzen gesetzt, die das ganze Jahr hindurch gesund
blieben. Bei einem gleichen Versuch, der ausserhalb meines Wohnsitzes
angestellt wurde, hatte man beobachtet, dass nur einige Pflanzen in
diesem Sommer Flecken zeigten, und dass die Flecken bald darauf wieder
verschwanden. Dies stimmt wahrscheinlich überein mit dem sogenannten
»~Kopbont~«, von dem die Züchter behaupten, dass es der Einwirkung
kalter Nächte zugeschrieben werden muss.
Aus all diesen Erdversuchen erhellt, dass das Krankheitsagens aus
der Erde verschwinden oder doch so abgeschwächt werden kann, dass es
nicht mehr im Stande ist, die Krankheit zu erregen. Im Versuch VII
und VIII wird wahrscheinlich das Virus nicht vorhanden gewesen sein.
Ich vermute auf Grund obiger Versuche, ~dass im Boden Verhältnisse
obwalten können, die das Gift entweder zerstören oder abschwächen~.
Dies stimmt mit dem überein, was in Wirklichkeit auf den Tabaksfeldern
beobachtet wird. Es würde traurig mit der ganzen Kultur bestellt sein,
wenn das Gift sich ständig im Boden hielte. Die unvermeidliche Folge
würde sein, dass im Laufe der Jahre dort, wo einmal die Krankheit
bestanden hat, sie sich stets auf ~alle~ Pflanzen ausbreiten würde.
Wird eine kranke Pflanze aus dem Boden herausgezogen und auf demselben
Platz eine gesunde eingesetzt, dann zeigt diese bald die Symptome der
Fleckenkrankheit. Dies ist eine allgemein beobachtete Thatsache. Ein
infizierendes Vermögen muss dem Boden, auf dem die Pflanzen stehen,
bestimmt zugeschrieben werden. Das ~Trocknen~ infizierter Erde scheint
auf Grund der oben beschriebenen Versuche ~desinfizierend~ zu wirken.
X. Ein Streifchen eines getrockneten kranken Blattes vom Herbst 1897
wurde in den Stamm einer gesunden Pflanze gebracht mit dem Resultat,
dass die Fleckenkrankheit eintrat, allerdings etwas später, als man
erwartet hatte.
XI. Ein Streifchen eines frischen kranken Blattes, von einer der mir
zugesandten kranken Pflanzen herstammend, wurde in den Stamm einer
gesunden Pflanze gebracht. Nach drei Wochen begann sich die Erkrankung
an den jungen Blättern zu zeigen. Wenn ich hier annehme, dass die mir
zugeschickte Pflanze das thatsächliche Agens der Fleckenkrankheit
enthielt, dann repräsentiert die geimpfte Pflanze die erste
Versuchsreihe. Hier könnte also noch eine »Intoxikation« eingetreten
sein.
XII. Unter den nöthigen Vorsichtsmaassregeln wurde aus dem Stamm der
Pflanze XI das Xylem- und Phloëmbündel in der Nähe des Hauptnerven eines
Blattes ausgeschnitten, und in den Hauptnerven eines jungen Blattes
einer gesunden Pflanze gebracht. Die Fleckenkrankheit trat ein. Hier
haben wir die zweite Versuchsreihe vor uns und hier kann man schon
weniger gut annehmen, dass eine »Intoxikation« stattgefunden habe.
Mikroskopisch zeigt der Gefässbündelschnitt absolut keine ~Ab~weichung.
Das Präparat ist in allen seinen Teilen durchsichtig, und es befinden
sich in ihm keine Luftstreifen.
XIII. Kranke, fein geschnittene Blattteile wurden in frischem Zustande
im September 1897 in Glycerin ausgezogen. Den Winter über sind diese
stehen geblieben mit dem Zweck, wenn möglich ein organisches Gift oder
Enzym aus ihnen zu erhalten. Junge, gesunde Pflanzen zeigten nach
Einspritzung des filtrierten oder nicht filtrierten Glycerins keine
Erkrankung. Es schien mir, als ob die Pflanzen in gewisser Weise unter
der Einwirkung des Glycerins litten, was sich durch ein schlaffes
Herabhängen der Blätter offenbarte.
XIV. In gleicher Weise wurde eine grosse Menge kranker Erde mit
ebenfalls negativem Resultat behandelt. In den beiden letzten Fällen
hatten sowohl das erkrankte Blattgewebe wie die Erde ihre Giftigkeit
verloren. ~Glycerin wirkt also zerstörend.~
XV. In geschlossenen Röhrchen wurde Saft von krankem Blattgewebe,
von Pflanze XII abstammend, zehnmal mit Wasser verdünnt und in
verschiedener Weise erwärmt.
30 Minuten bei 40° C.
20 " " 50° C.
20 " " 60° C.
10 " " 70° C.
10 " " 80° C.
5 " " 90° C.
5 " " 100° C.
Mit dem so behandelten Gewebesaft wurden gesunde Pflanzen in den
Hauptnerven eines Blattes geimpft mit dem Erfolg, dass alle Pflanzen
krank wurden. Hier haben wir also mit der ~dritten~ Impfungsreihe
zu thun. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit einem Toxin zu thun
hatte, wurde geringer. ~Alle Versuche wiesen auf die Anwesenheit von
Mikroorganismen hin.~ Voraussetzend, dass alle Pflanzen gleich stark
waren, ist allerdings nach Erwärmung auf 100° eine ~Abschwächung~ des
Krankheitsagens wahrgenommen worden. Die Erkrankung trat hier beinahe
14 Tage später auf als in den andern Fällen.
XVI. Ein Streifchen eines kranken Blattes von einer der Pflanzen aus XV
wurde in den Hauptnerven eines jungen Blattes einer gesunden Pflanze
gebracht. Es kam wiederum zur Erkrankung, ohne dass eine Abschwächung
sich durch eine Verlängerung der Inkubationszeit bemerkbar machte. Wir
befinden uns hier bereits in der vierten Reihe der Ueberimpfungen.
XVII. Der verdünnte Blattsaft einiger durch die Fleckenkrankheit
angegriffenen Pflanzen wurde durch eine ~Chamberland~kerze filtriert.
Das Filtrat war, soweit wahrzunehmen, steril. Wenn mit dem Filtrat
gesunde Pflanzen in den Blattnerven geimpft wurden, trat wiederum die
Krankheit auf. Die Zeit zwischen Impfung und Erkrankung war ~viel
grösser~ als sonst, ebenso wie bei XV beobachtet wurde[I].
~Wiederholte Filtration~ (2-4 mal) von Gewebesaft kranker Pflanzen
lieferte ein Filtrat, das nicht mehr im Stande war, die Pflanze zu
infizieren.
XVIII. Der Saft der kranken Blätter von XVII wurde ebenfalls filtriert
mit dem Erfolg, dass gesunde hiermit geimpfte Pflanzen auch erkrankten.
Ich meine, dass dieser Versuch überzeugend darthut, ~dass man hier mit
Mikroorganismen~ zu thun hat, die so klein sind, dass sie die Kerzen
durchdringen können. Ich habe es hier mit ~einem sich vermehrenden,
also lebendigen Gifte~ zu thun und bringe daher dies Virus zu den
Mikroorganismen. Wir hätten hier also eine »~Infektion~« vor uns.
Wahrscheinlich besitzt der unbekannte Organismus zwei Formen, eine
vegetative und eine Sporenform, analog den Bakterien.
XIX. Der Saft kranker Blätter wurde mit absolutem Alkohol behandelt.
Die klar obenstehende Flüssigkeit wurde mittels Hebels abgenommen
und neuer absoluter Alkohol hinzugefügt. Dieses wurde einige Male
wiederholt, um die Einwirkung des starken Alkohols auf den Gewebesaft
zu erhalten. Es entstand ein grau-grüner Niederschlag, der bei
niedriger Temperatur eingedampft wurde. Das so erhaltene Präcipitat
wurde in den Blattnerven einer gesunden Pflanze gebracht. Erkrankung
trat nicht ein. ~Absoluter Alkohol wirkt also zerstörend.~
XX. Den Saft von erkrankten Blattteilen, der Pflanzen »infiziert«, hatte
ich 4 Wochen lang in einem durch Watte verschlossenen Kölbchen sich
selbst überlassen. Wurden hiermit Pflanzen geimpft, dann blieben sie
vollkommen gesund. Das unbekannte Virus wird also zerstört, wenn man
den infektionstüchtigen ~Saft längere Zeit stehen lässt~.
XXI. Die an den Wurzeln von _Nicotiana_ gefundene _St._ sen _A.
chromogena Gasperini_ konnte Pflanzen nicht infizieren. Einige Pflanzen
wurden einer kräftigen Ernährung mit Kaliumnitrat ausgesetzt. Die in
die umgebende Erde und in das Gewebe gebrachte _Streptothrix_ machte
die Pflanze nicht krank. Es scheint hier nicht so viel Nitrit gebildet
zu werden, dass dies schädlich auf die Pflanzen wirkt. Jedoch zeigten
die sehr dunkelgrünen Blätter viele reinweisse Pünktchen. Ob dies
zufällig war, konnte ich nicht entscheiden, da nur an zwei Pflanzen
dieser Versuch gemacht worden war. Auf einigen Feldern beobachtete man
viele dieser weissen Pünktchen auf den Blättern.
XXII. In den Monaten September und October erweckten die Einspritzungen
des Saftes von kranken Blättern in gesunde Pflanzen, die draussen
standen, keine Mosaikkrankheit. Ende November sind diese Pflanzen
bis auf 20 cm mit sterilen Messern abgeschnitten und an einem Orte
aufgestellt worden, wo nicht geheizt wurde. Während der Wintermonate
entstanden die Geizen, woran sich im Monat März erst Flecken zeigten.
XXIII. Bei den Pflanzen, welche im September in den Geizen die Flecken
zeigten, _verschwanden diese allmälig beim Eintritt der Kälte_, so dass
die gefleckten Blätter im November wiederum die normale grüne Farbe
bekamen.
Wie ich früher angab, wird dies auf den Feldern auch beobachtet und
schreibt man es den kalten Nächten zu. _Die Temperatur scheint also von
Einfluss zu sein auf das Virus._
XXIV. Auf den von ~Fermi~ angegebenen 1% Carbol-10% Gelatine-Platten
konnte kein proteolytisches Enzym in den Blättern und Stengeln
von lebendigen gesunden und fleckenkranken Tabakspflanzen von mir
nachgewiesen werden, ebensowenig in den trocknen fermentierten und
nicht fermentierten Blättern.
Es fiel mir besonders auf, dass die fleckenkranken Blatt- und
Stengelteile auf diesen Platten sich stärker rosa färbten als dieselben
Theile von gesunden Pflanzen. Es kam mir so vor, als ob in den kranken
Pflanzen ein oxydierender Körper entstünde, der kräftiger auf Carbol
einwirkt, als das oxydierende Agens der gesunden Pflanzenteile.
XXV. Unter den erforderlichen Vorsichtsmassregeln gelang es mir,
einige Stengelteile von gesunden Tabakspflanzen rein in Röhrchen auf
Wattepfröpfchen zu bekommen.
Ein Tröpfchen durch eine ~Chamberland~kerze filtrierter Saft von
kranken Pflanzen hierauf geimpft, zeigte auch jetzt, obgleich viel
weniger kräftig, einen Unterschied in Farbe gegenüber dem nämlichen
Safte von gesunden Pflanzen.
XXVI. In ein ~Erlenmeijer'~sches Kölbchen wurde Saft von gesunden
Pflanzen filtriert und mit einem Tröpfchen filtriertem Saft von
kranken Pflanzen geimpft. Nach 3 Monaten entstand in diesem Safte ein
Niederschlag, der nicht von Mikroorganismen herrührte. Der Saft war
wohl virulent, doch war keine Verstärkung der Wirkung zu constatieren.
XXVII. _Datura Stramonium_, _Hyoscyamus niger_, _Solanum tuberosum_
und _Petunia nyctaginiflora_ reagierten nicht auf den Saft von kranken
Tabakspflanzen[J].
Aus diesen Versuchen geht hervor, dass unser Agens Übereinstimmung
besitzt mit dem Agens der Maul- und Klauenseuche, obgleich ich die
Lebewesen bei der Fleckenkrankheit für grösser halte. Im Filtrat finden
wir bei den letzteren eine Abschwächung, bei der Maul- und Klauenseuche
absolut nicht. Wenn es sich bei den ersteren um eine Bacterie handelt,
so müsste diese eine sporenbildende sein. (Vergl. XV.)
Obgleich es noch nicht gelungen ist, den Mikroorganismus, der als
Ursache der Fleckenkrankheit betrachtet werden muss, zu sehen oder zu
züchten, so habe ich dennoch in diesem Jahre (1898) eine Reihe von
Versuchen zur Bekämpfung der Krankheit vorgenommen. Ausgehend von der
Meinung, dass die Ernährung der Pflanzen auf die Zusammensetzung des
Gewebssaftes von _Nicotiana_ Einfluss haben könnte, und dass durch
diese Veränderung das unbekannte Virus in irgend einer Weise tangiert
werden könnte, habe ich einer grossen Anzahl Pflanzen bestimmte
Salze gegeben, manchmal in Mengen, die nicht vertragen wurden. Viele
Pflanzen gingen daran zu Grunde. Wenn die Salzgabe, einmal in der
Woche bei trockenem Sommerwetter in Lösung gegeben, sich durch das
Hinsiechen oder den Tod der Pflanze als zu gross erwies, wurde die Gabe
vermindert. Zuerst erhielten die Pflanzen 1 gr., später 0,5 bis 0,25
gr. u. s. w., so viel sie nur ertragen konnten. Nach dem Absterben
einer Pflanze wurden also die anderen, die in derselben Reihe auf
freiem Felde standen, mit kleineren Mengen Salz gefüttert. Da mir
weiter bekannt war, dass Züchter schon lange beobachtet hatten,
dass sich die Fleckenkrankheit auf Feldern, die mit ~Kainit~ oder
~Thomasphosphat~ gedüngt waren, sehr wenig zeigte, habe ich auch mit
diesem Salzgemisch Versuche angestellt. Ich erhielt also die folgenden
Versuchsreihen:
Fütterung mit:
1. Kaliumkarbonat,
2. Kaliumsulfat,
3. Natriumchlorid,
4. Kaliumnitrat,
5. Kaliumphosphat,
6. Kaliumnitrit,
7. Kainit und Thomasphosphat.
[Illustration: Fig. 14.
Tabakspflanzen, welche nach starker Düngung mit anorganischen Salzen am
Leben geblieben sind.]
Die Ernährung mit ~Kaliumnitrit~ musste, wie zu erwarten war, schon
bald aufgegeben werden, da 0,5 gr. bereits innerhalb weniger
Stunden tötlich wirkten. Weiter herrschte ein grosses Absterben
unter den Pflanzen, die ~phosphorsaures Kali~, ~Chlornatrium~ und
~Kaliumkarbonat~ erhalten hatten. In nebenstehenden Figuren sind einige
Pflanzen und deren Blätter abgebildet, die bei obiger Fütterung am
Leben blieben. Die mittlere zwergartige Pflanze (Fig. 14) ist in Folge
der Kochsalzfütterung sehr zurückgeblieben; dabei sind alle Blätter
missgestaltet. Auch bei den anderen Salzernährungen wurde Ähnliches
wahrgenommen. In Fig. 15 sind die Blätter in derselben Höhe der
Pflanzen abgenommen und abgebildet.
[Illustration: Fig. 15. Blätter von Tabakspflanzen, die im freien Lande
übermässig gedüngt worden sind mit Natriumchlorid (I), mit Kaliumsulfat
(II), mit Kaliumkarbonat (III) und Kaliumphosphat (IV).]
I. ist das Blatt einer Pflanze, die mit Kochsalz, II. mit Kaliumsulfat,
III. mit Kaliumkarbonat und IV. mit Kaliumphosphat gefüttert war.
Auffallend sind hier die unregelmäßige Blattform und die sehr langen
Spitzen an den Blättern. Hierbei ist es von Interesse zu wissen, dass
die Pflanzen im Schatten gestanden haben; dasselbe ist bei Pflanzen
beobachtet worden, die unter ~normalen~ Ernährungsverhältnissen im
Schatten gestanden haben, wenn auch in weit geringerem Masse. Am 1.
September wurden alle diese Pflanzen mit infektionstüchtigem Gewebesaft
in die Hauptnerven eines Blattes geimpft. Alle Pflanzen wurden krank,
jedoch nicht in derselben Zeit. Trat früher die Krankheit in der Regel
nach drei Wochen ein, so war dies bei der Kainitfütterung erst viel
später der Fall. ~Wenn auch sicherlich Kainit und Thomasphosphat die
Pflanzen gegen die Fleckenkrankheit nicht schützen können, so scheint
doch eine Abschwächung des Giftes eingetreten zu sein.~ Im Laufe der
Wochen sah ich dann auch bei den drei übriggebliebenen Pflanzen die
Flecken kleiner werden, einige selbst ganz verschwinden, ohne dass die
anderen Krankheitserscheinungen auftraten. (Fig. 13 _C_.)
Durch diese Fütterungsversuche wurde also das Ziel noch nicht
erreicht. Ein ganz anderes Resultat aber hatte der folgende im Grossen
angestellte Versuch.
Es drängte sich die Frage auf, ob es möglich wäre, ein Feld, auf dem
jedes Jahr die Krankheit sich an beinahe allen Pflanzen zeigte, zu
desinfizieren und zwar durch einen Stoff, der ätzend wirkte. Das Mittel
musste so gewählt werden, dass die zukünftige Ernte nicht darunter zu
leiden hatte. Das Gift musste also durch Zersetzung wieder unwirksam
werden. Herr ~N. van Os~ in Amerongen, der sich lebhaft für die Sache
interessierte, hat diesen Versuch mit sehr günstigem Erfolg im Grossen
ausgeführt. Im Februar 1898 wurde auf das am stärksten infizierte
Feld, wo jedes Jahr beinahe alle Pflanzen erkrankten, ~ungelöschter
Kalk~ in einer Menge von 10 hl. pro Hektar gebracht. Nach Verlauf
einiger Wochen wurde das Land umgearbeitet und im Monat Mai die jungen
Tabakspflänzchen eingesetzt. Jedes Jahr hatte die Krankheit sonst fast
alle Pflanzen befallen; diesmal war dies nicht der Fall: die Zahl der
erkrankten Pflanzen betrug nur 7%.
Weiter sind von Herrn ~van Os~ auf mein Ersuchen im vergangenen Jahre
eine grosse Anzahl Düngversuche angestellt worden, wofür ich ihm hier
meinen herzlichen Dank ausspreche. Die Versuche erstrecken sich nicht
auf einige Pflanzen, sondern auf einen halben Hektar. Folgende Tabelle
giebt eine Übersicht der Versuche und ihrer Ergebnisse:
Feldversuche mit Bezug auf die Fleckenkrankheit.
===================++==============+===========+===========+=========
|| | =Krank- | =Krank- | =Krank-
=Dünger.= || =Gewächs | heit im | heit in | heit im
|| 1898.= | Gewächs.= | »zuig- | Gewächs
|| | | ers«=[K]. | 1897.=
===================++==============+===========+===========+=========
I. Torfstreu- || gut. | 3%. | alle. | keine.
Pferdemist || | | |
70000 K. || | | |
pr. ha. || | | |
|| | | |
II. Torfstreu, || prächtig, | keine. | keine. | 10%.
Kainit || schwerer | | |
700 Kilo, || Tabak, steht | | |
Schlacken- || dunkel auf | | |
mehl || dem Feld und | | |
700 Kilo. || ist nach | | |
|| Trocknen von | | |
|| guter Farbe | | |
|| | | |
III. Torfstreu, || etwas | keine. | 30%. | 10%.
Peruguano || weniger | | |
500 Kilo. || als II. | | |
|| | | |
IV. Frischer || gut, doch | keine. | keine. | keine.
Schweine- || kleines | | |
mist || Blatt. | | |
70000 Kilo, || | | |
Heiderasen, || | | |
Patent- Kali || | | |
500 Kilo. || | | |
|| | | |
V. Frischer || gut. | keine. | spora- | Erbsen,
Schweine- || | | disch. | Karotten
mist || | | | gebaut.
70000 Kilo, || | | |
Heiderasen, || | | |
ohne || | | |
Patent-Kali. || | | |
|| | | |
VI. Torfstreu, || keine | keine. | 30%. | keine.
Patent-Kali || grossen | | |
500 Kilo. || Pflanzen, | | |
|| Farbe nicht | | |
|| besser als | | |
|| da, wo kein | | |
|| Patent-Kali | | |
|| gebraucht | | |
|| worden ist. | | |
|| | | |
VII. Pferde- || gut. | keine. | keine. | keine.
Kuhmist || | | |
100000 Kilo,|| | | |
Heiderasen. || | | |
|| | | |
VIII. Schafsmist || gutes, | 2%. | 15%. | 5%.
70000 K. || kräftiges | | |
|| Blatt. | | |
|| | | |
IX. Torfstreu- || gut. | keine. | 20%. | keine.
Ruth. || | | |
|| | | |
X. Torfstreu- || gut. | 7%. | 40%. | 100%.
Kalk (CaO) || | | |
10 HL. || | | |
|| | | |
XI. Compost- || vorzüglich | keine. | keine. | keine.
Fäkalien || gefärbtes | | |
45000 Kilo, || Blatt. | | |
Peruguano || | | |
500 Kilo. || | | |
Aus diesen Versuchen erhellt, dass in Bezug auf die Fleckenkrankheit
mit ~Kainit~ und ~Thomasphosphat~ ein ausgezeichnetes Resultat erreicht
worden ist.
Eine gleich günstige Wirkung halten die Düngstoffe, die mit
~Heiderasen~ gemengt waren. Die Verwendung von den genannten
Düngstoffen und von Erde, die wie der Heideboden von einem ~reinen~
Terrain herstammt, kann ebenso wie die Anwendung von ~ungelöschtem
Kalk~ empfohlen werden.
Was die Düngung mit Kompost-Fäkalien und Peruguano (f. 135 pro Hektar
= 225 Mk.) betrifft, so erwies sich diese als ausgezeichnet und ist f.
250 = 416 Mk. billiger als die Düngung mit Schafmist und Peruguano.
Auch mit Bezug auf die Ursachen, welche die Krankheit so allgemein an
den »Zuigers« hervortreten lassen, sind sehr interessante Versuche
angestellt worden. Die Vermutung, die ich im vorigen Jahre hatte (s.
»de Natuur« 1897 pag. 371), hat sich als richtig erwiesen. Herr ~van
Os~ hat die Güte gehabt, Versuche in grossem Massstabe zu machen.
Einige kranke Pflanzen wurden geköpft und unmittelbar darauf wurde
einer grossen Anzahl gesunder Pflanzen mit den »infizierten« Fingern
die Spitze abgebrochen. Alle Pflanzen blieben unter Beobachtung; das
Resultat war, dass 88% derselben krank wurden.
Aus diesem Grunde verdient es Empfehlung, zuerst alle kranken Pflanzen
zu entspitzen und nach Desinfektion der Hände oder einige Tage später
die anderen, gesunden Pflanzen. Auf diese Weise wird das Gift nicht
übertragen und werden also durch die Hand des Pflanzers gesunde
Pflanzen nicht infiziert. Erst, wenn das schädliche Agens gefunden,
und weiter seine künstliche Kultur im Laboratorium gelungen ist, erst
dann wird es durch ein eingehendes Studium seiner Eigenschaften möglich
sein, auf einem anderen Wege unsere Tabakskultur gegen eine der am
meisten gefürchteten Krankheiten zu schützen.
_Bussum_, Nov. 1899.