mit etwa siebzig Blättern angestellt wurden, zuzuschicken. Auch hier
stellte sich heraus, dass die Gährung durch die Wirkung von Mikroben
verursacht wird. Es gelang ~Vernhout~ immer, dieselben in Reinkultur
zu bekommen. Diese Untersuchungen, welche in den Tropen mit solchen
grossen Schwierigkeiten verbunden sind, werden fortgesetzt.
Aus dem Deli-Tabak isolierte ich Bakterien und eine Hefenzelle. Die
Bakterien sind sehr klein, während immer eine gefunden wurde, die bei
37° C. gar nicht mehr auf dem Nährboden wuchs, sondern bei 24° C. ihr
Wachstumsoptimum hatte; weiter ein Stäbchen, welches keine Sporen
bildete, ein Diplococcus und ein der Rosahefe verwandter Saccharomyceet.
In Folge des Amerikanisch-Spanischen Krieges, war keine Gelegenheit,
unfermentierten Tabak zu bekommen, so dass ich, ohne diesen
Untersuchungen viel Gewicht beizumessen, die Mikroorganismen aus
Büscheln Tabak isolierte, welche acht Jahre lang in Amsterdam gut
aufgehoben gelegen hatten. Merkwürdig ist es jedoch, dass daraus
doch einige Arten, alles »Bakterien«, isoliert worden sind. Aus den
Büscheln habe ich unter allen Vorsichtsmassregeln die inneren Blätter
herausgesucht und sie von neuem in eine feuchte Umgebung und erhöhte
Temperatur gebracht. Trotzdem sie acht Jahre trocken gelegen hatten,
sind daraus 7 Arten Mikroorganismen in Reinkultur gezüchtet worden.
Nach dem Petunieren des amerikanischen Tabaks mit Ammonsalzen, wobei
eine Alkalinität des Blattes entsteht, und nunmehr ein intensives
Bacterienleben möglich ist, ist eine bakteriologische Untersuchung ohne
Werth.
* * * * *
Weiter ist von mir ein deutsches Präparat, um den Tabak, was den
Geschmack betrifft, zu verbessern, untersucht worden.
Weil es einfach benutzt wird, um die Tabaksblätter, ehe sie zu Cigarren
verarbeitet werden, einzureiben, und diese schon sofort nachher
gebraucht werden können, kann von einer eigentlichen Gährung, bei
welcher Reinkulturen mit im Spiele sind, nicht die Rede sein. Die
Untersuchungen betreffen nur ein Muster, das mir zufälligerweise nach
einem Schreiben des Herrn ~Haas~ in London in die Hände geriet. Es ist
eine gelbliche Flüssigkeit, welche sauer reagiert, ein spezifisches
Gewicht von 1.10 besitzt und ein gelbbraunes Sediment enthält. Der
Geruch ähnelt altem Biere, der Gehalt an festem Stoff, in Extractform
bei 100° C. getrocknet, ist 1.34 Prozent, während der Glühverlust 1.05
Prozent beträgt. Bei der Glühung wird ein höchst unangenehmer Geruch
bemerkt. In der Flüssigkeit lässt sich weiter Nitrat, Phosphorsäure,
reduzierender Zucker und Alcohol nachweisen.
Mikroskopisch betrachtet, besteht das Sediment aus langen wurstformigen
Hefenzellen, die bekanntlich, wenn sie mehrmals in Reinkultur gebracht
werden, in eiförmige übergehen. Auf der sauren Malzgelatine bilden sich
graue Kolonien, mit weissem Saume, welcher wieder ins Graue übergeht.
Wahrscheinlich ist diese Hefenzelle eine Verunreinigung des Präparates.
Weiter ist noch ein Präparat im Handel, welches hellbraun gefärbt ist,
und aus aromatischen Körpern, sogenannten Estern, von angenehmem Aroma
besteht, welches einigermassen an Amylacetat erinnert.
Nach einer beigegebenen Erklärung wird auch dieses Präparat benutzt,
um das Aroma zu verbessern. Ich glaube nicht, das die genannten
Hilfsmittel Beifall gefunden haben. Nach meiner Meinung muss da, wo
wir die meteorologischen Einflüsse nicht in unserer Gewalt haben,
die Verbesserung unsres Tabaks darin gesucht werden, dass der Samen
in der vorher beschriebenen Weise eingesammelt wird, weiter in der
Düngung und, zu nicht geringem Teil, in der Fermentationsweise. Möge
die Zukunft uns zeigen, dass die Arbeit des Herrn ~Dr. v. Bijlert~
mit seinen interessanten Untersuchungen der Bodenarten von Deli, wo
das Colloidal-Silicat und der Colloidal-Silicat-Humat-Complex eine so
grosse Rolle spielt, auch für unsere Kultur von Wichtigkeit ist.
Morphologie und Biologie der Tabaksbakterien.
Die Hauptrolle bei der Gährung unseres Tabaks spielen der _Bacillus
Tabaci I_ und der _Diplococcus Tabaci_. In ihrer Form und Lebensweise
ist, wie hierunten beschrieben wird, ein sehr grosser Unterschied.
_Der Bacillus Tabaci Hollandicus I_ ist ein Stäbchen von wechselnder
Grösse, je nach der Beschaffenheit des Mediums, in oder auf welchem
er sich entwickelt. Eine 24 Stunden alte Agarkultur zeigt bei einer
Temperatur von 37° C. Stäbchen von 5-7 Mikron Länge und 1-3 Mikron
Dicke. (Fig. 8).
[Illustration: Fig. 8.]
Eine 24 Stunden alte Agarkultur, welche bei 24° C. gestanden hat, zeigt
Stäbchen von 6-8 Mikron Länge und von 1-1.2 Mikron Dicke.
Der Bacillus Tabaci I wächst auf der schwach alkalischen Gelatine sehr
eigentümlich und ausserordentlich schön in der Farbe, Entwicklung und
Form.
[Illustration: Fig. 9.]
Erstens entstehen an der Oberfläche kleine graue Pünktchen, die
vom Rande ab schon früh einen wellenartigen Lauf zeigen. Besonders
am Rande wird die Kolonie zierlich gewellt und sie bekommt bei
auffallendem Lichte eine graublaue, bei durchfallendem Lichte eine
schöne himmelblaue, eisartige oder eine blassblaue Farbe. (Fig. 9).
Bald treten vom Rande ein oder mehr Fäden aus, welche gleichfalls
wellenartig über die Gelatine verlaufen. Von einigen Punkten aus
läuft ein Faden ganz isoliert weiter, an andern Stellen geschieht
das Auswachsen von der Mutterkolonie mittels mehrerer Fäden, welche
neben einander sich ausstrecken. Es will mich bedünken, dass die
Bakterien in den isolierten Fäden länger sind als dort, wo Gruppen
von Fäden sich einen Weg durch die Gelatine bahnen. Bei 24° C., nach
3 × 24 Stunden sinkt die jetzt grünliche Kolonie, während sie radiale
Falten bildet, peptonisiert die Gelatine sehr schwach und bildet dann
an ihrer Oberfläche ein grünliches gefaltetes Häutchen. Die Bakterie
entwickelt Ammoniak aus diesem Nährboden. Bei einem durch Carbolfuchsin
gefärbtem Klatschpräparat sieht man bei den jungen Kulturen die schöne
Lage der Fäden und ihren Fortschritt über die Gelatine. Die Kolonien
unter der Oberfläche bleiben klein, erscheinen gelb und sind rund oder
linsenformig.
Der Gelatinestrich ist ebenso wie das Wachstum auf den Platten, er
zeigt aber die blaue eisartige Färbung der Kolonie in ihrem gelappten
Rand noch zierlicher. Die Gelatine verfliesst nach ein paar Tagen bei
Zimmertemperatur, wobei sie ein runzliches, graulichgrünes Häutchen mit
sich führt.
Der Gelatinestich lässt erkennen, dass die Bakterie eine aerobe ist,
sie verfliesst oben und bildet oft in der Nähe der Oberfläche weiche,
kleine, baumartige Ausläufer.
Der Stich in glukosehaltiger Gelatine ist kräftiger entwickelt als in
der gewöhnlichen Gelatine; eine Gasbildung wird jedoch nicht dabei
wahrgenommen.
Der Strich auf dem gewöhnlichen alkalischen Agar ist hellgrau und
glänzend. Das Temperaturoptimum liegt zwischen 37 und 40° C.
Der Stich in alkalischem Agar zeigt wie der Gelatinestich sehr schwache
Ausläufer; das Wachstum weist auch hier auf eine aerobe Bakterie.
In alkalischer Bouillon entstehen Flöckchen, die von der Oberfläche
nach dem Boden des Reagierröhrchens hinabsinken; daselbst entsteht
ein schleimiges Sediment, dass sich beim Schütteln spiralförmig in
die Höhe windet und am Boden festgeklebt bleibt. Auch hier bildet
sich Ammoniak, das mittels Lakmuspapier und Aufnahme des Gases in
~Nessler's~ Flüssigkeit bei Zimmertemperatur nachgewiesen werden kann.
Das Wachstum in Bouillon, welche 2 % Glukose enthält, ist kräftiger,
als in zuckerfreier Bouillon.
In saurer Bouillon findet kein Wachstum statt.
Auf einem Nährboden, der wie folgt zusammengesetzt ist, wächst die
Bakterie ausserordentlich gut:
Tabakssaft 15.0
Kaliumphosphat 0.050
Asparagin 0.5
Glukose 2.0
Agar 2.0
Wasser 100.0
Reaction schwach alcalisch.
Die Strichkultur ist auf diesem dunkeln Agar-Nährboden grau, glänzend,
glatt, dick und mit scharfem Rande versehen. Konnte ich in den soeben
beschriebenen Nährböden, auch nach monatelanger Beobachtung, wenig
Veränderung in der Form des Bakterienkörpers wahrnehmen, so liegt hier
die Sache ganz anders. Nach einer Woche erleiden die Stäbchen eine
eigentümliche Veränderung (Fig. 10). Oberflächlich betrachtet wäre man
geneigt anzunehmen, dass wir es hier nicht mit einer Reinkultur zu thun
haben. Nachdem das intensive Wachstum auf dem Tabakssaftenthaltenden
Medium stattgefunden hat, verdicken sich die Stäbchen und gehen
ein, wobei nicht selten die Lage der Individuen an Saccharomyceten
denken lässt. Einige Stäbchen, welche mehr Lebensenergie besitzen,
haben noch ihre Form behalten, während auch ihr Bakterienkörper mehr
gleichmässig die basischen Anilinfarben aufnimmt. Wenn man sie während
15-30 Sekunden mit kaltem Karbolfuchsin färbt, kommt der Unterschied
in der Beschaffenheit des Bakterienprotoplasmas mehr zum Vorschein.
Das Protoplasma erleidet von einem Punkte aus eine Veränderung. Diese
Veränderung greift von dort aus mehr und mehr um sich, bis endlich der
ganze Körper, ausgenommen die beiden Enden, die Eigenschaft verloren
hat, den Farbstoff gleichmässig festzuhalten. Die Enden des Stäbchens
färben sich viel stärker als der Inhalt. Meistens sind noch ein oder
mehrere Pünktchen im Körper nachzuweisen, die gleichfalls den Farbstoff
stärker aufnehmen.
[Illustration: Fig. 10.]
Nach einigen Sekunden Färbung habe ich oft ein schwach gefärbtes
Pünktchen sich längs einer der Seiten im Bakterienkörper hin und her
bewegen sehen, als ob da gewissermassen ein Todeskampf dem chemischen
Agens gegenüber stattfände. Legt man von diesen Hemmungsbildungen
Strich- oder Plattenkulturen an, so zeigt sich wieder die Stäbchenform,
während einige der älteren Formen noch im Ruhezustand sind, jedoch
erkennt man leicht, dass man es mit einer Reinkultur zu thun hat.
Dieser Nährboden ist noch weiter merkwürdig, da die Bakterie hier bei
37° C. noch mit einem Alkaliegehalt von 15 cm^3 normal KOH auf 100
Teile Nährboden wächst.
In einer Tabakssaftlösung, wie sie oben angegeben, zeigen sich die
nämlichen Erscheinungen. Hierin kommen lange Fäden mit kurzen Gliedern
zur Entwicklung. Auch dies Nährmaterial entwickelt Ammoniak. Von Natur
liefert der Tabakssaft der grünen und trocknen Blätter Nitrat, welches
von der Bakterie zu Nitrit reduziert wird.
Die Bakterie trübt eine schwach alkalische Tabakssaftflüssigkeit und
Wasser (20: 100) während sie kleine Flöckchen bildet.
In einer von Haus aus schwach sauren, Tabakssaft enthaltenden
Flüssigkeit findet anfänglich fast kein Wachstum statt. Der Säuregehalt
vermindert langsam, damit wächst die Bakterie dann besser.
Der Bacillus Tabaci I wächst zu sehr langen Fäden mit kurzen Gliedern
in einer Flüssigkeit, die auf folgende Weise zusammengesetzt ist:
Kaliumphosphat 0.050
Asparagin 0.5
Glukose 2.
Wasser 100.
Reaction nicht geändert.
Das Asparagin wird zersezt und als Zersetsungsprodukt ist Ammoniak
nachzuweisen, sowohl wenn man rotes Lakmuspapier über der Flüssigkeit
anbringt, als dadurch, dass man beim Erhitzen, die gasförmigen
Zersetzungsprodukte in ~Nessler's~ Flüssigkeit auffängt. Dies Reagens
kann man nicht anwenden im Kulturmedium, da Glukose bei niedriger
Temperatur gleichfalls mit gelber Verfärbung auf ~Nessler's~
Flüssigkeit einwirkt.
Damit man die Wirkung auf Nitrat beobachten könne, wird die Bakterie in
die hierunten angegebene Flüssigkeit geimpft.
Kaliumphosphat 0.050
Asparagin 0.5
Kaliumnitrat 0.2
Glukose 2.0
Wasser 100.
Reaction nicht geändert.
Sowohl diese als die vorige Flüssigkeit reagiert sehr schwach
alkalisch. Die Bakterie zersetzt hier das Nitrat zu Nitrit, welches
man leicht mit der bekannten Jodzinkstärkelösung und sehr deutlich mit
Metaphenylendiamin nachweisen kann.
Bei den oben angegebenen Nährböden ist, unter gleichen Bedingungen
wie Grösse der Gefässe, Temperatur u. s. w. nach der colorimetrischen
~Fleck'~schen Methode mehr Ammoniak nachzuweisen; woraus folgt, dass
wie bei den ~Petri'~schen und ~Lewandowski'~schen Versuchen der
_Bacillus Proteus vulgaris_, auch der _Bacillus Tabaci I_ Nitrat zu
Nitrit und teilsweise zu Ammoniak reduziert.
Gelatine-Nährböden, welche aus Pflanzensäften (Leguminosen) mit
Hinzufügung von 2% Glukose zusammengesetzt sind, lassen die B. T. I
nicht zur Entwicklung kommen. Wenn die Reaktion schwach alkalisch
genommen wird, so tritt eine sehr kräftige Verflüssigung ein.
Weder in saurem noch alkalischem Malz (gehopfte Würze aus den
Tropfsäcken) findet Entwicklung statt.
In ~Löfflers~ Bouillon wird kein Indol gebildet.
Auf Kartoffeln, sowohl normalen wie alkalischen, findet ein kräftiges
Wachstum statt. Auch hier wird die Alkalessenz vorgezogen. Es bildet
sich eine graulichbraune, dicke, glänzende Kultur. Monatelang sieht man
darin microscopisch die Stäbchenform.
Auf alkalischer Kartoffelgelatine ist das Wachstum ein sehr langsames.
Milch, sowohl die normale als die alkalische oder saure, wird nicht von
der Bakterie verändert, ebensowenig wächst sie auf Blutserum.
Wenn auch Zahlenangaben über eine Verminderung von Glukose ohne
besonderen Werth sind, weil wir es mit eine aëroben Bakterie zu thun
haben, ist es doch wichtig zu wissen, dass die Glukose zersetzt wird.
In ein ~Erlenmeyer~'sches Kölbchen wurden 100 cm³ der auf Seite 50
angegebenen Flüssigkeit (ohne Agar) gebracht und mit der Bakterie
geimpft. Nach verlauf van 8 Tage war der Glukosegehalt von 2% auf
1.6-1.7% vermindert.
Vorher habe ich schon angegeben, dass keine Vergährung der Glukose
stattfindet. Nach der Möglichkeit, ob Milchsäure oder eine andre
organische Säure gebildet wird, werden Versuchen angestellt.
Der Bacillus Tabaci I ist eine obligat aërobe, unbewegliche Bakterie,
welche auf verschiedenen Nährböden sehr verschieden ist in der Grösse.
Sie färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben, dagegen entfärbt
sie sich nach der Methode _Gram_. Sie bildet keine Sporen und wird
bei 100° C. innerhalb einer Minute getötet. Sie stirbt bei folgender
Temperatur:
100° C. innerhalb 1 Minute.
60° C. nach 5 Minuten.
55° C. " 15 "
50° C. " 30 "
Diese Bakterie gehört, den beschriebenen Eigenschaften nach, zu der
Gruppe der »_Proteus_«.
Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ zeigt viel weniger Abweichung in
seinem Wachstum als der B. T. I. Die beiden Coccen haben eine Länge
von etwa 2.5 Mikron. In allen Kulturen findet man auch isolierte
Coccen. (Fig. 11).
[Illustration: Fig. 11.]
Dieser Diplococcus wächst auf der schwach alkalischen Gelatineplatte
als eine scharf begrenzte, runde, glänzende, citronengelbe,
kleine Kolonie, woran nicht viel besonderes zu bemerken ist. Bei
Zimmertemperatur wächst der Organismus am besten und entwickelt
Ammoniak wie der B. T. I.
Der Gelatinestich hat auch hier eine citronengelbe Farbe und lässt erst
nach einigen Wochen eine sehr schwache Verflüssigung erkennen.
Der Gelatinestich bietet nichts Besonderes; nur erkennt man an ihm
schon den aëroben Charakter der Kultur.
Auf alkalischem Agar wachst der Diplococcus gleichfalls sehr langsam
und bildet eine citronengelbe Kolonie, welche sich allmählich in
die Breite ausdehnt. Der Stich in Agar zeigt auch hier nichts
Bemerkenswerthes.
Alkalische Bouillon wird schwach getrübt, während auch die saure
Bouillon sich wenig verändert.
Auf dem Agartabakssaftnährboden, wie er beim B. T. I beschrieben
worden, wächst der Diplococcus mit einer gelblichgrauen Farbe. Die
Alkalitätsgrenze liegt hier bei 3 cm³ normal KOH auf 100 Teile
Nährboden, ist also viel niedriger als beim B. T. I gefunden worden ist.
Auch in einer derartig zusammengesetzen Flüssigkeit findet Wachstum
statt; dabei werden die Lagen an der Oberfläche, welche mit der Luft in
Berührung kommen, etwas dunkel gefärbt.
Der Diplococcus verträgt im Gegensatz zu dem B. T. I ein _saures_
Medium.
In der beschriebenen Asparagin-Flüssigkeit kommt der Diplococcus nicht
zur Entwicklung.
Gelatinenährböden, welche aus Pflanzensäften mit Hinzufügung von 2%
Glukose zusammengesetzt sind, verflüssigen sich schneller als die
gebräuchliche Nährgelatine, die alkalisch reagiert. Auch auf saurer
Malzgelatine wächst der Diplococcus mit einer gelblichweissen Farbe,
wobei er sehr langsam die Gelatine verflüssigt.
In saurem Malz entsteht ein geringer Niederschlag.
Auf Kartoffel, welche schwach sauer reagiert, wächst der Diplococcus
langsam mit einer prachtvoll citronengelben Farbe, während er auf
alkalischer Kartoffel fast nicht wächst.
Milch, sowohl normale wie alkalische oder saure, wird nicht vom
Diplococcus verändert.
Auf Blutserum entsteht sehr langsam eine hell-graulich-gelbe Kolonie.
Der Diplococcus ist ebenso wie der B. T. I ein obligat aërober
Organismus, welcher sich nicht bewegt; vielleicht besitzen die
Diplococcen, welche von der sauren Malzgelatine genommen wurden, einige
Bewegungsfähigkeit.
Es besteht wenig Unterschied in der Länge der Diplococcen auf den
verschiedenen Nährböden.
Der Organismus färbt sich leicht mit den basischen Anilinfarben und
entfärbt sich nach der _Gramschen_ Methode. Bei der Färbung fallen
die Diplococcen gewöhnlich auseinander, wobei zugleicherzeit die nicht
selten ovale Form der kugelrunden weicht.
Der Diplococcus wird bei der nämlichen Temperatur getötet, wie der B.
T. I.
Es findet keine Indolbildung statt.
Auf den beschriebenen Nährböden hat der Diplococcus sein kräftigstes
Wachstum bei 24°-30° C.
Merkwürdig ist die Eigenschaft, dass er im Gegensatz zu dem B. T. I
eine saure Umgebung verträgt und sich darin vermehrt, während der B. T.
I bei höherer Alkalität ebenso gut wächst als bei niedrigerer.
Hiermit sind die vornehmsten Eigenschaften des Diplococcus beschrieben;
Morphologie und Biologie bieten also hier nicht so viel Merkwürdiges
als bei dem B. T. I.
Ausser den beschriebenen Mikroorganismen sind immer in grösserer oder
geringerer Menge _während_ der Gährung »_Proteusarten_« von mir gefunden
worden. Auch deren Morphologie und Biologie ist höchst interessant.
Schon früher habe ich in Kürze ihr Wachstum auf den verschiedenen
Nährböden angegeben und abgebildet und zugleicherzeit die fakultative
anaërobe B. T. III behandelt, welche wahrscheinlich einen nicht
geringen Anteil an der Temperaturerhöhung hat.
Die _Proteusarten_, welche keine Sporen bilden und bei 50° C. schon
nach kurzer Zeit sterben, sind also nach einem günstigen Verlauf der
Fermentation _nicht mehr zurückzufinden_.
In den meisten Fällen sieht man im allgemeinen Grade bei der
Bruttemperatur von 37° C. (30-40), dass die Mikroben kräftigere
Lebensenergie besitzen. Jene Lebensenergie geht mit dem schnellen
Temperaturwechsel zusammen, welcher zwischen 30-40° C. bei unserer
holländischen Tabaksgährung beobachtet wird.
Hier schliessen sich die beschriebenen Versuche mit den Reinkulturen
der _Proteusartigen_ an, welche immer in grosser Zahl _während_ der
Gährung bei 30-40° C. nachgewiesen werden können, und die bei der
darauffolgenden langsamen Temperaturerhöhung, wie schon früher von mir
beschrieben wurde, langsam aber gewiss ihrem Tode entgegen gehen.
Diese _Proteusarten_ entwickeln sich zu gleicher Zeit mit dem B. T.
I (der gleichfalls zu dieser Gruppe gehört) und mit dem Diplococcus
beim Anfange der Fermentation. Erst hört der Diplococcus auf,
sich zu vermehren (nahe bei 30° C.), wonach die _Proteusarten_
energisch zu leben anfangen, sodass nicht selten die Temperatur
_innerhalb 24 Stunden von_ 31° auf 34° C. _steigt_. Die Subtilis,
die Mycoides und andere Bakterien, welche obligat aërob sind, jedoch
in grosser Minderheit in diesem Stadium der Fermentation über die
Blattoberfläche verteilt sind, werden gleichfalls den Sauerstoff aus
dem Haufen benutzen und dadurch mit Ursache sein, dass die Gruppe der
_Proteus_ (B. T. IV u. a. aber nicht der B. T. I) ihren anaëroben
Charakter offenbart. Weil diese bei höherer Temperatur und der damit
zusammenhängenden verringerten Lebensenergie einen verminderten
Stoffwechsel haben, so wird die Temperatur von nun an langsamer
steigen, bis der Tod der _Proteus_ eintritt. Die übriggebliebenen
Bakterien leben noch weiter in dieser so veränderten Umgebung und
bilden schliesslich Sporen, wodurch der biologische Prozess dieser
Gährung zum Stehen gebracht wird.
Der Tabakshaufen wird bei 52°-56° C. umgesetzt, sodass neue Blätter,
welche sich noch nicht an der Fermentation beteiligten, nach innen
kommen und der Prozess wiederum von neuem anfängt. Die Personen, welche
sich bei uns mit der Fermentation beschäftigen, versicherten mir, dass
der Tabak, welcher einmal an der Brühung Teil genommen hat, nicht mehr
im Stande sei, von neuem in energische Gährung zu treten. Dies erklärt
sich durch das Absterben des Diplococcus und des B. T. I nebst der
andern _Proteusarten_ bei ungefähr 50° C.
Die Gährung unseres Tabaks hat also verschiedene Phasen aufzuweisen,
welche mit dem Temperaturoptimum der wirksamen Bakterien übereinstimmen.
Die Gährung wird also von Aëroben und facultative Anaëroben eingeleitet
und vollendet.
Den Forschern, welche sich also mit der Beobachtung der Fermentation
des Tabaks von irgend welchem Weltteil beschäftigen, muss man also aus
den beschriebenen Gründen anraten, die Blätter _während_ der Gährung zu
untersuchen[F].
Der angezeigte Weg möchte das Anfertigen einer graphischen Darstellung
der Temperaturerhöhung sein, woraus man am besten erkennen kann, wie
die Temperatur verläuft. Nachher können links und rechts von den
Stellen der Linie, wo die stärkste Steigung der Temperatur wahrgenommen
wird, Plattenkulturen angelegt werden, damit beobachtet werden
könne, welche Mikroorganismen auftreten, welche bei einer bestimmten
Temperatur eine kräftige Lebensenergie besitzen, und welche von ihnen
bei höherer Temperatur nicht mehr aufgefunden werden, also gestorben
sind.
Weiter bemerke ich hier, dass man bei einem biologischen Prozesse, wie
er hier stattfindet, nicht erwarten muss, dass durch die Bakterien das
Gewebe vernichtet wird. Denn die verschiedenen Mikroorganismen scheiden
Stoffe aus, welche sich durch die Stomata, Membrane und Gefässe
verbreiten können, um da ihre chemische Wirkung zu entfalten.
Wahrscheinlich sind dies günstig wirkende Enzyme oder andere höchst
zusammengesetzte Körper.
Bei dem Delitabak, der bei mir in Fermentation gebracht wurde, fand ich
eine mit unsrer einheimischen Tabaksgährung analoge Gährung. Ich sah
dort bestimmte Sorten von Mikroorganismen auftreten, andere bei höherer
Temperatur kräftiger leben, dagegen wieder andere sterben. Ich erwähne
hier nur ein Stäbchen, welches von einer, auf alkalischer Gelatine
wachsenden, runden, blauglänzenden Kolonie herstammte, welches sich
bei 37° C. nicht mehr vermehrt und bei 50° C. stirbt. Welche Funktion
dieses bei der Gährung ausübte, konnte ich praktisch nicht bestimmen,
jedoch bleibt in dergleichen Fällen die Möglichkeit, dass die nur kurze
Zeit lebenden Mikroorganismen ein Enzym bilden können, das grade bei
höherer Temperatur kräftiger einwirkt.
Aus dieser umfangreichen Untersuchung der Fermentation geht hervor,
dass »Bakterien«, also Mikroorganismen, die Gährung einleiten und
beendigen. Von einer eigentlichen »_Gährung_«, wobei _massenhaft
entweichende Gase_ entstehen, kann man allerdings hier _nicht_ sprechen.
Im Vorstehenden habe ich beschrieben, wie Mikroorganismen während
ihrer Lebensfunktionen das Blatt angreifen, Ammoniak entwickeln,
Glukose, Nitrate und Asparagin zersetzen, um schließlich aus dem
Tabake ein Produkt zu bilden, wie es der Handel wünscht. Ebenso habe
ich die Wirkung der wiederholten künstlichen Impfung mit Reinkulturen
beschrieben und auf dem Wege der Empirie gezeigt, welche Veränderungen
in Geruch, und Brennbarkeit dabei auftreten. Die weitere Erfahrung muss
zeigen, welchen Nutzen die Praxis aus dem bisher Erkannten ziehen kann.