ein Röhrchen mit 10 cm³ physiologische Kochsalzlösung (0.75 Prozent)
gebracht und mit der Platinnadel wiederholt in dieser Flüssigkeit
bewegt, während man sie dann und wann noch durch einander schüttelt.
Vom Inhalte dieses Röhrchens werden dann eine oder mehr Platinspiralen
(welche in meinem Falle 0.048 gr. Flüssigkeit festhalten) auf ein
zweites und drittes Röhrchen gebracht. Die Erfahrung giebt hier bald
einen Fingerzeig. Es stehen einige sterile Kulturschälchen mit dem
beschriebenen festen Nährboden bereit. Nun wird der Inhalt des I^{en},
II^{en} u. s. w. Rohres über die Oberfläche ausgegossen. Was zu viel
ist an Flüssigkeit, lässt man wegfliessen, indem man einfach das ein
wenig geöffnete Schälchen schräg hält. Weiter bewegt man das Schälchen
noch einen Augenblick hin und her, um die geringe Quantität Wasser,
in welchem die Mikroorganismen verteilt liegen, gut zu verbreiten.
Die Berechnung lehrte mich, dass die Oberfläche des beschriebenen
Petri-Schälchens während dieser Manipulationen ungefähr 0.5 gr.
Flüssigkeit festhielt.
Wenn man genauer dieses Gewicht kennen lernen will, so kann das
Schälchen vor und nach dem Anfeuchten gewogen werden, und dies Gewicht
berechnet werden auf die respektiven Röhrchen und die gebrauchte
Quantität Tabak im Röhrchen I, der zwischen zwei sterilen Uhrgläsern
vor dem Experiment gewogen wird.
Nach Verlauf einiger Tage kommen die Plattenkulturen zur sichtbaren
Entwickelung und ist es viel leichter, eine Übersicht über den
Totalgehalt an Sorten zu bekommen. Quantitativ betrachtet hat diese
Methode Fehler. Die Ursache davon liegt darin, dass die Bakterien in
mehr oder weniger starkem Masse in den von ihnen selbst abgeschiedenen
Schleimhüllen liegen und dadurch sehr am Medium haften, dem Blatte,
auf dem sie, sei es auch kurze Zeit, lebten, und später ein latentes
Leben führten, um bei der Gährung wieder energisch aufzuleben. Weder
durch Abreibung mit der Platinnadel, noch durch immerwährendes Hin- und
Herschütteln, kann man alle Mikroorganismen vom Substrat trennen. Damit
hier eine Verbesserung angebracht werde, habe ich die Sache anders
gemacht und habe dies schon im Prinzip im »Pharm. Weekblad« No. 10,
1898, beschrieben. Das Resultat dieser Untersuchungsweise war ein
brillantes und hat die allergünstigsten Folgen gehabt. Diese Methode,
die ich zuerst auf den Tabak anwendete, lässt sich auf eine Unmasse
anderer Gegenstände anwenden.
Sie ist wie folgt. In einige Reagirröhren werden gewöhnliche Pinselchen
so hineingebracht, dass der Federkiel auf dem Boden der Röhre ruht und
das Büschelchen nach oben gerichtet ist. Durch einen Wattepfropfen
werden die Röhren geschlossen und dann während einer Stunde bei 110°
C. in strömendem Dampfe erhitzt. Die Temperatur übt keine nachteilige
Wirkung auf die Pinsel aus. Ferner wird ein hohes Petrischälchen
gewählt, 10 cm^3 sterilisierte physiologische Kochsalzlösung
hineingebracht und natürlich sofort geschlossen.
Ein Teil eines gährenden Tabaksblattes wird in diese Flüssigkeit
hineingetaucht und einige Minuten daselbst in Ruhe gelassen. Dann
nimmt man mit einer sterilen Pincette das Pinselchen aus einem der
Reagierröhrchen und reibt, indem man eins der Enden des Blattes mit der
Pincette festhält, kräftig über die Oberfläche der beiden Blatthälften.
Indem man das Schälchen hin- und herbewegt, werden die Mikroorganismen
gleichmässig im Wasser verteilt. Von dieser bakterienreichen
Flüssigkeit werden 1 cm^3, 1/2 cm^3 oder Verdünnungen hiervon mittels
steriler Pipetten über die Oberfläche der Platten gebracht.
Auf diese Weise werden nach der »Bohnmethode« (der Name ist von mir
nach dem Bohnen der Fussboden gewählt) auch diejenigen Bakterien
von der Blattoberfläche entfernt, welche innig mit diesem Substrate
zusammenhingen. Nach Berechnung kann man auf diese Weise bestimmen,
wieviel Bakterien sich auf den beiden Blatthälften befanden.
[Illustration: Fig. 6.
_Bohnmethode._ Links Pinselstriche von Betuwer Tabak im Anfange der
Gährung (Diplococcen). Rechts während der Gährung (B. T. I + B.
subtilis + B. mycoides).]
Wenn es sich um eine qualitative Bestimmung handelt, so bekommt
man nicht weniger schöne Kulturplatten auf folgende Weise. Das
Tabaksblättchen, das schon im Wasser untergetaucht war und nicht
bewegt wurde, wird mit einer sterilen Pincette auf sterilisiertes
Papier gelegt.
Es liegt also feucht darauf. Nachher wird die obere Seite des
Blättchens mit dem trocknen Pinsel, welcher also steril ist,
abgebohnt. Mit diesem noch nassen Pinsel macht man Striche über die
festen Oberflächen von Gelatineplatten. Nach einigen Tagen sieht man
denn, dass der erste Strich die grösste Zahl Kolonien hervortreten
lässt, gewöhnlich zu viel als dass man sie unterscheiden könnte; der
zweite Strich schon weniger, der dritte und vierte noch weniger, u.
s. w. Letztere Methode wurde immer von mir angewendet bei unserm
einheimischen Tabak, beim Deli- und Havanna-Tabak.
Das Resultat war ein glänzendes. Die Untersuchungen nach der Gährung
des Tabaks erlauben diese Methode, weil hierbei keine obligaten
anäeroben Bakterien im Spiele sind. Sie ist natürlich unbrauchbar,
wenn es sich um Mikroorganismen handelt, welche Sauerstoff nicht
ertragen. Die Petri'schen Kulturplatten sind auf lichtempfindliches
Papier gesetzt, 25 Secunden vom Sonnenlicht beschienen und oben
photographisch, ohne Retouche reproduziert. Die Glaskratzer am Boden
des Schälchens sind hierbei deutlich sichtbar.
Bei den Untersuchungen unsres einheimischen Tabaks, die im Jahr 1897
von mir in »de Natuur« publiziert wurden, hat sich herausgestellt, dass
wir es hier zu thun haben mit einer Gährung, bei welcher fakultative
anaërobe Bakterien, also auch unter Hinzutretung von freiem Sauerstoff
oder Luft, eine Rolle spielen. Sogleich ergab sich daraus, dass im
gährenden Tabak von verschiedener Herkunft aus unsern Gegenden (Betuwe,
Veluwe, Maaswaal) verschiedene Mikroorganismen mehr oder weniger häufig
anwesend waren, jedoch in überwiegender Zahl diejenigen, welche sich an
der Gährung beteiligten.
Meine zunächst liegende Vermutung hat sich bestätigt. Fünf verschiedene
Bakterien, welche, aus verschiedenem Tabak herstammten, sind damals von
mir abgebildet und kurz nach ihren morphologischen und biologischen
Eigenschaften beschrieben worden. Alsdann ist Tabak von mir
sterilisiert worden, d. h. alle Mikroorganismen, welche sich auf und in
demselben befanden, wurden getötet und nachher ist jener Tabak mit den
verschiedenen Reinkulturen geimpft worden. Alsdann stellte sich heraus,
dass die Impfung mit dem B. T. I. und III (Bacillus Tabaci I. und III)
dem Tabak das richtige Arom verlieh, ein Arom, welches, hier in Holland
für das beste gehalten wird. Meine Vermutung, dass jene Gährung doch
noch einen andern Verlauf haben würde, wenn die nämliche Tabaksart
nicht sterilisiert, dahingegen mit den genannten Tabaksbakterien
geimpft würde, hat sich bestätigt. Jedoch müssen wir hierbei in
Betracht ziehen, dass nebst den in grosser Zahl künstlich angebrachten
Mikroben, noch mehr Arten ihre Wirkung ausüben, Arten, welche
gleichfalls das feuchtgewordene Tabaksblatt angreifen, aber ausserhalb
der eigentlichen Gährung stehen und nichts anders thun können als
Zersetzungen hervorrufen, welche ungünstig wirken oder gar nicht dazu
beitragen, ein erwünschtes Produkt zu erhalten. Es ergab sich, dass die
Impfung mit den Tabaksbakterien, welche günstig beim sterilen Tabak
wirkten und ihm das reine Arom gaben, in nicht sterilem Tabak ohne
Wirkung blieben, insofern ohne Wirkung, dass jenes Arom bei weitem
nicht so ausgesprochen war als beim sterilen Tabak. Diese Versuche
wurden im Februar 1898 in den Gährungsscheunen des Herrn ~de Hartog~ in
Wageningen angestellt. Damals musste die Frage gelöst werden, wie das
Produkt der natürlichen Gährung, also ohne Sterilisation übertroffen
werden konnte, wenn man von den Impfungen mit einer oder mehreren
Reinkulturen auf die nämlichen, also nicht sterilisierten Tabaksarten
Gebrauch machte.
Die Versuche im Laboratorium lehrten also, dass steriler Tabak durch
Impfung mit zwei Mikroben vorzügliche Eigenschaften erhielt, sodass
dieser Tabak sofort von den Fachmännern als der beste bezeichnet werden
konnte. Die Quantität war jedoch eine zu geringe, als dass man Cigarren
davon anfertigen lassen und alle Eigenschaften, die man so gerne
kennen lernen möchte, kontrollieren konnte. Eine Sterilisation des
Tabaks im Grossen ist faktisch unmöglich. Damit das Resultat der schon
beschriebenen Untersuchung praktisch verwendet werden konnte, mussten
also Versuche mit verschiedenen Reinkulturen und deren Mischungen
angestellt werden. Es stellte sich heraus, dass einige dreissig
Büschel, welche ohne Sterilisation mit den B. T. I + III + IV geimpft,
im Februar in Haufen gelegt und nachher der Gährung ausgesetzt worden
waren, nicht solche günstige Eigenschaften erhalten hatten als der
sterilisierte und nachher geimpfte Tabak, wie es in meinem Laboratorium
stattfand.
Zugleicherzeit erwähne ich hier, dass der nicht-fermentierte
Deli-Tabak, der mir aus Batavia von ~Dr. v. Breda de Haan~ zugesandt
wurde, gleichfalls einer Untersuchung unterzogen worden ist. Nach dem
Beispiele von ~Semmler~ aus Cuba habe ich einen kleinen Teil dieses
Tabaks mit Wasser faulen lassen und mit diesem Wasser einheimischen
Tabak, der dann gleichfalls mit andern Büscheln in den Haufen hinein
gelegt wurde, besprengt. Dieser Tabak gerieth zwar in Fermentation,
aber als die Gährung beendigt war, ergab sich, dass die besprengten
Büschel keine andern Eigenschaften bekommen hatten als eine Änderung
in der Farbe der Blätter, die von der feuchten Behandlung herrührte.
Dieser Versuch, welcher durch einen Zufall auf Cuba günstig verlief,
ist Ursache gewesen, dass man die Aufmerksamkeit auf die Tabaksgährung
hinlenkte und die Vermutung laut werden liess, dass Mikroorganismen bei
jener Gährung sich wirksam bethätigten.
Als es mir nach wiederholten Versuchen deutlich geworden war, dass
die Impfung unseres einheimischen Tabaks mit den B. T. I + III also
nicht ganz den Erfolg hatte, wie immer beim sterilen Tabak, habe ich
diesen Gegenstand weiter untersucht und eine Reihe von Versuchen
mit Mischungen von Reinkulturen angestellt. Die Herren ~de Hartog~
und ~v. Druijnen~ in Wageningen, welche diesem Gegenstand ihre ganze
Aufmerksamkeit widmeten, halfen mir bei diesen Versuchen und gaben
mir jedesmal ihr Urteil ab, ein Urteil, das ich sehr schätzte, da es
ausgesprochen ward von sehr kundigen, erfahrungsreichen Fachmännern.
Nicht entmutigt empfing ich am 8. März die Nachricht, dass man
damit anfangen würde, einen Haufen gährenden Tabak aus der Betuwe
umzusetzen. Es war die beste Tabaksart, welche Holland hervorbringt.
Am 10. März besuchte ich die Fermentierscheune und stellte wiederum
Versuche an, aber in der jetzt sehr gekürzt beschriebenen Weise. Es
war ein schöner Anblick, jenen prachtvoll aufgebauten Haufen mit
den Tausenden goldgelben Büscheln emporragen zu sehen. Eine grosse
Menge Kulturschälchen wurde von mir infiziert mit Blattfragmenten der
obersten Tabaksbüschel (± 22° C.) Nach einigen Tagen zeigten sich die
Kolonien, und mit Bewunderung sah ich wieder die im vorigen Jahre von
mir beschriebenen Arten zum Vorschein kommen. Meine Aufmerksamkeit
richtete sich auch noch, nicht auf die bekannten Verunreinigungen,
sondern auf andere Arten, welche ich nun bei niedriger Temperatur
in grosser Anzahl vorfand. Einige davon brachte ich in Kultur und
wartete darauf, welche Rolle sie mit andern Bakterienarten in nicht
sterilisiertem Tabak spielen würden.
Um den praktischen Teil des Problems zu lösen, hatte ich damals
sechs Arten Tabaksbakterien, welche bezüglich ihrer Wirkung in nicht
sterilem Tabak controlliert werden mussten, und die also den überall
herrschenden »Struggle for life« kämpfen mussten. Es war nicht vorher
zu sagen, wer siegen würde. Ein logisches Verfahren nach Wahl war
nicht möglich, der Versuch musste entscheiden. Um die Frage der
Tabaksverbesserung zu lösen dadurch, dass man Gebrauch machte von den,
in dem vorzüglichsten Betuwer Tabak vorgefundenen Mikroben, wurden
eine Menge nicht sterilisierter Tabaksarten mit Reinkulturen und deren
Mischungen bespritzt. Dieses Bespritzen lässt sich ausgezeichnet
durch den Druck der Wasserleitung bewerkstelligen; ich werde durch
Abbildung zeigen, wie das Verstieben in meinem Laboratorium geschieht.
Was die sehr geringe Farbenveränderung des Blattes betrifft, die
durch Befeuchtung verursacht wird, so ist es mir als bald gelungen,
hierin eine Verbesserung anzubringen, indem ich die Reinkulturen
von Agar- Oberflächen mit feinem Tabakspulver vermischte und dies
gleichfalls in die Büschel hineinspritzte oder verstieben liess, also
der trocknen Behandlung gemäss. Nach Beendigung der Gährung wurden
die Eigenschaften der derartig behandelten Sorten kontrolliert, und
diese sorgfältig ausgesucht. Ich werde hier all diese Versuche, die
noch nicht den erwünschten Erfolg hatten, der Kürze halber nicht
aufzählen; nur lohnt es sich, zu wissen, dass ich daraus den Schluss
zog, dass viele Arten von Mikroorganismen, unter denen auch die von mir
abgebildeten, die Temperaturerhöhung verursachen, und dass ich drei
Arten in Mischung, künstlich in grosser Menge in die verschiedenen
Tabaksarten hinein brachte. Es waren die Reinkulturen von Bacillus
Tabaci I, B. T. III und dem neu isolierten Diplococcus Tabaci. Diese
Mischungen erhielten folgende Marken:
Marke I: Bacillus Tabaci Hollandicus I.
" " " III.
Marke II: Diplococcus Tabaci Hollandicus.
Bacillus " " III.
Marke III: Mischung der Marke I und Marke II.
Diese Reinkulturen von Agar-Oberflächen wurden sorgfältig in steriles
Wasser verteilt.
Die unten angegebenen Tabaksarten wurden mit dem Inhalte dieser
Fläschchen bespritzt und von den Herren ~de Hartog~ und ~v. Druijnen~
mit den gegebenen Marken versehen. Erst nachdem die Gährung beendigt,
die Cigarren gemacht, und mein Urteil abgegeben war, sollte das
Resultat dieser Versuche, die auch von andern in unserer Umgebung
beurteilt werden sollten, bekannt gemacht werden.
A. geimpft: B. nicht geimpft:
I _a_ = Betuwer Erdgut _a_^1 = Betuwer Erdgut
_b_ = Veluwer Erdgut _b_^1 = Veluwer Erdgut
II _c_ = Betuwer Sandgut _c_^1 = Betuwer Sandgut
_d_ = Veluwer Sandgut _d_^1 = Veluwer Sandgut
III _e_ = Betuwer Erdgut _e_^1 = Betuwer Erdgut
_f_ = Veluwer Erdgut _f_^1 = Veluwer Erdgut
Ende Juli habe ich diese Cigarren, nur mit den Marken _a_, _a_^1,
_b_, _b_^1 u. s. w. empfangen. Nichts war bekannt von Impfung oder
nicht Impfung, von Nummer u. s. w. Jetzt befand ich mich in der
schwierigen Lage, mein Urteil abgeben zu müssen. Es handelte sich ja
hier um kleine Unterschiede in der Brennbarkeit, Konsistenz der Asche,
des Aroms, des Geschmacks u. s. w. Aus dem Grunde habe ich dies den
befugteren Personen, den eigentlichen Fachmännern überlassen, die ihrer
Beschäftigung gemäss dies viel besser beurteilen können. Herr ~G. P.
Voorwijk~ in Amsterdam, welcher in der Tabakswelt seines richtigen
Urteils wegen so günstig bekannt ist, hat sehr freundlich meiner
Bitte, einige Abende zu mir zu kommen und zu rauchen, Folge geleistet,
wofür ich ihm hiermit herzlich danke. Jedes Packetchen bestand aus
2 Cigarren, die nur die Marke _a_, _a_^1, _b_ oder _b_^1 u. s. w.
trugen. Als die Reihenfolge _a_ und _a_^1 abgeraucht war, untersuchte
Herr ~Voorwijk~, indem er dabei die andere Cigarre aus dem nämlichen
Packetchen benutzte, ob die Eigenschaften der Cigarren aus ein und
demselben Packetchen dieselben wären, was völlig stimmte. Den 29 Juli
schrieb ich Herrn ~de Hartog~ folgendes:
_Geehrter Herr_,
Weil mein Geschmack, was den Tabak im allgemeinen betrifft, nicht
so besonders entwickelt ist, und es sich hier höchstwahrscheinlich
um kleine Unterschiede und typische Kennzeichen der Brennbarkeit,
Konsistenz der Asche und die grössere oder geringere Leichtigkeit
handelt, mit der eine Cigarre zieht, so habe ich mein Urteil über diese
Versuche, welche einen praktischen Leitfaden abgeben sollen, befugteren
Personen übertragen. Da die Impfung von dieser oder jener Marke nur
Ihnen allein bekannt ist, und da ich nicht daran zweifle, dass Sie aus
den jetzt von mir gegebenen Nummern oder Buchstaben unsere Urteile
vergleichen werden, so habe ich Ihnen die Überreste der gerauchten
Cigarren gesandt, jedoch mit der Bitte, nochmals die Zeichen auf ihre
Richtigkeit hin zu kontrollieren, da dies von grosser Wichtigkeit ist.
Unten folgt das Urteil des Herrn ~Voorwijk~, der durch tägliche
Fachbeschäftigung bedeutend mehr berechtigt ist, eine Meinung hierüber
auszusprechen, als ich es thun kann.
_a_ ist enorm besser als _a_^1, das Aroma des Rauches ist zwar das
nämliche und in dem Aroma des Deckblattes ist wenig Unterschied, aber
die Art _a_ hat ein säuerlicheres, volleres Aroma als _a_^1. Die
Brennbarkeit ist bei _a_ und _a_^1 die nämliche; soweit man es von
einheimischem Gewächs erwarten kann, brennen sie sehr gut.
_b_ und _b_^1 haben die nämlichen Eigenschaften, aber, wenn man
weiter raucht, bleibt _b_ besser von Geschmack als _b_^1. Beim ersten
Anbrennen und in der ganzen Breite geraucht, hat _b_ eine geringe
Ähnlichkeit mit _a_. Hierbei muss bemerkt werden, dass für gewöhnlich
der einheimische Tabak einen holzartigen Geschmack hat, der noch an
_a_, _a_^1, _b_ und _b_^1 auffällig ist. Bei _b_ ist die Asche etwas
weniger hart als bei _b_^1.
_c_ und _c_^1 zeigen keinen Unterschied. Beide sind schmackhaft, jedoch
ist bei _c_ die Brennbarkeit besser als bei _c_^1.
_d_ ist etwas günstiger als _d_^1, hierbei ist die Asche viel besser
und lockerer als bei _d_^1.
_e_ ist viel besser als _e_^1. Die Brennbarkeit ist hier auch sehr
verschieden und zum Vorteile von _e_. Bei diesen zwei Arten wird bis
jetzt der grösste Unterschied wahrgenommen, _e_ und _e_^1 sind zugleich
schwerer von Geschmack.
_f_ und _f_^1 sind gleichfalls schwerer von Geschmack als die vorigen,
_f_ ist edeler von Aroma und Geschmack als _f_^1, die letztere ist
sogar ordinär. Falls _f_ geimpft wurde, so ist diese Sorte viel
veredelt und verbessert.--Ein Fachmann, wie Herr ~Voorwijk~ macht die
Mitteilung, dass das einheimische Gewächs dieses Jahr besonders gut ist.
Hochachtungsvoll und mit freundlichem Danke,
~C. J. KONING~.
_Bussum, 29/7 '98._
Einige Tage nach diesem Schreiben empfing ich die Antwort, dass durch
die Impfung der Tabak faktisch verbessert ist, und dass nur die Reihe
A. geimpft war.
Der _Diplococcus Tabaci Hollandicus_ besteht, wie der Name schon
andeutet, aus kugelförmigen Mikroben, Coccen, welche je zwei und
zwei liegen, also zwei gegen einander liegenden Kugeln am besten zu
vergleichen sind. Dieser Organismus wächst auf Gelatine in der Form
eines hellgelben, scharf begrenzten dicken Streifens, welcher die
Gelatine nicht verflüssigt. Auf Agar entsteht gleichfalls ein gelber,
breiter Streifen und auf Kartoffel eine prachtvoll gelb hochaufragende
Kultur. Alcalische Bouillon wird schwach getrübt. Dieser aërobe
Organismus erzeugt gleichfalls im Anfang der Gährung Ammoniak.
Vergleichende Versuche mit den Agarreinkulturen, angestellt bei
erhöhter Temperatur, zeigen, dass der _Bacillus Tabaci Hollandicus I_
bei niedriger Temperatur sich schneller vermehrt als der Diplococcus,
der bei 24° (?) C. sein Optimum erreicht. Hieraus lässt sich folgern,
dass die Gährung unseres Tabaks verschiedene Phasen durchläuft.
Von praktischem Interesse ist in Bezug hierauf das wiederholte Umsetzen
der Haufen, wodurch sowohl die Luft wieder Zutritt erhält, um die
Aëroben und fakultative Anaëroben energischer leben zu lassen, als auch
die äusseren Büschel der genannten Wirkung ausgesetzt werden. Wird
die Temperatur von mehr als 60° C. erreicht, so wird der biologische
Prozess, welcher ausschliesslich der Gährung eigen ist, zum Stehen
gebracht.
Zugleich mit den temperaturerhöhenden Mikroorganismen entwickeln sich
im Anfange der Gährung die Diplococcen und die B. T. H. I., welche den
oben mitgetheilten Impfproben nach, die Brennbarkeit und das Aroma
verbessern; jetzt schon entsteht Ammoniak als Zersetzungsprodukt. Wenn
die Temperatur steigt, geraten die Diplococcen auf den Hintergrund
und entwickeln die B. T. H. sich kräftiger, sodass durch ihre
Lebensthätigkeit das Tabaksblatt derartig zersetzt wird, dass das Aroma
sich bessert.
In beifolgender Figur ist die Steigerung der Temperatur in einem
gährenden Haufen angegeben. Die Erfahrung hat hier gelehrt, dass man
bei ± 53° C. den Haufen ohne Schaden umsetzen kann, wodurch schon eine
Zeitersparnis erzielt wird. Die Temperatur wurde mittels mehrerer
Thermometer beobachtet, welche in die Spalte eines hölzernen Stabes
gestellt worden sind. Diese Stäbe liegen in Bambusköchern und werden
einige Meter weit in den Haufen hineingeschoben. Nach der graphischen
Darstellung findet die stärkste Temperaturerhöhung statt von 29°-50° C.
Vor und nach diesen senken sich die Linien bedeutend.
[Illustration: Fig. 7.
Graphische Darstellung der Temperaturerhöhung in den gährenden
Haufen Tabak A, B und C, im Monat Juni aufgestellt.]
Merkwürdig und sehr beachtenswert sind die Eigenschaften, welche an a.
beobachtet werden. Aus der nämlichen Tabaksart, aus dem Betuwer Erdgut
also, ist der B. T. I. isoliert worden. Wenn dieser in _grösserer
Menge_ künstlich in diesen Tabak hineingebracht wird, so bessert
sich das Aroma desselben beim Anbrennen beträchtlich. Ein Beweis um
so mehr dafür, dass eine grosse Zahl Mikroben, welche sich auf der
Blattoberfläche befinden oder künstlich darauf angebracht worden sind,
bedeutend dazu mitwirken, die guten Eigenschaften, welche guter,
einheimischer Tabak besitzen soll, ansehnlich zu verstärken und dadurch
den Tabak zu verbessern.
Aus den Impfungen erhellt ausserdem, dass durch B. T. I. das Aroma
(siehe A. I.), durch den Diplococcus die Brennbarkeit (A. II.)
verbessert wird; wenn sie zugleicherzeit angewendet werden, verbessern
sie Aroma und Brennbarkeit. (A. III.) B. T. I. überträgt sogar, durch
seine Lebensfunktionen, das Aroma des Betuwer Tabaks auf andere
Tabaksarten (A. I. b.).
Wir erkennen aus diesen Versuchen deutlich die Wirkung der Mikroben
bei der Gährung, und dass es jetzt auf praktischem Wege möglich ist,
der Fermentation einen günstigen Verlauf zu geben. Am Schluss dieser
Beschreibung einige kurze Mitteilungen.
* * * * *
Vor allem meinen Dank den Herren ~Dr. v. Breda de Haan~ in Buitenzorg
für die Zusendung des unfermentierten Deli-Tabaks ausgezeichneter
Qualität, wodurch ich Gelegenheit gehabt habe, Indischen Tabak in
meinem Laboratorium zum Gähren zu bringen und Nachforschungen darüber
anzustellen.
~Dr. A. van Bijlert~, gleichfalls in Buitenzorg, für seine erneuten
Untersuchungen der Deli-Bodenarten, auf denen der Tabak solche
bekannten vorzüglichen Eigenschaften erhält, und in denen ein
colloidales Silicat solch eine günstige Wirkung hat.
Nicht weniger wichtig ist der von Herrn ~Dr. v. Breda de Haan~ gegebene
Bericht über »Regenfall und Reboisation in Deli«, welcher von so grosser
Bedeutung für die Zukunft dieses Landes ist.
Die Untersuchungen des Deli- und des Havanna- Tabaks sind, was
den bakteriologischen Teil betrifft, von mir angestellt worden.
Die praktische Anwendung der Reinkulturen werde ich hier nicht
antizipieren, doch nur die Mitteilung machen, dass beide, ebenso wie
unser einheimischer Tabak eine ammoniakale Gährung durchmachen, welche
Mitteilung, was den Deli betrifft, mit dem Bericht des Herrn ~Dr.
Vernhout~ stimmt.