Unter dem Namen »Rost« oder »Bunt« werden eine Anzahl Krankheiten

der Tabaksblätter zusammengefasst, welche alle darin mit einander

übereinstimmen, dass sie sich als Flecken zeigen, die aber im Ursprung

völlig von einander verschieden sind. Was man hier in Holland »Roest«

oder »Brand« nennt, ist meistens die Krankheit, welche auch wohl mit

dem Namen »Mosaikkrankheit« bezeichnet wird. Auf den frischen Blättern

findet man mosaikartig abwechselnde helle und dunkle Flecken; letztere

haben ein stärkeres Wachstum, die Zellen der dunkelgrünen Flecken

sterben später und letztere werden dann braungelb wie das tote Blatt.

Die unregelmässigen Windungen der Blattoberfläche entstehen durch das

ungleiche Wachsen der verschiedenen Teile; dadurch bekommt jene ein

höckeriges Ansehen. Die Narben und Närbchen laufen durch jene Flecken

mit einer rein hellgrünen Farbe wie Kanälchen weiter. Örtlich liegen

die dunkelgrünen Flecken ursprünglich immer zwischen den kleinen Narben

oder in den Ecken derselben. Nach dem Trocknen und der Fermentation

ist das Blatt derartig gefleckt und spröde, dass es keinen Wert mehr

hat, es sei denn, dass man schwach gefleckte Exemplare noch so viel wie

möglich heraussucht.

Bei unserm Sumatra-Tabak entstehen die Flecken und Fleckchen durch

verschiedene Ursachen. Es ist bekannt, dass durch das Stieben des

Sandes oder durch Thau oder Regentropfen nach kräftigem Sonnenschein

sich Fleckchen bilden; im ersteren Falle ist die mechanische Wirkung

des Sandes, im letzteren Falle sind die als Linsen wirkenden Tropfen

schuld daran.

Mikroskopisch sieht man den Unterschied zwischen hier und der Wucherung

der Fungi. Auf folgende Weise gelang es mir, sehr deutliche Präparate

der trocknen Blätter zu bekommen.

Zuerst wird ein gefleckter Teil einige Minuten in KOH schwach erhitzt,

dann gut in Wasser ausgespült und nachher mit Essigsäure neutralisiert;

auf die nämliche Art werden die Querschnitte behandelt. Bei 100 maliger

Vergrösserung ist das Blatt noch durchsichtig und können an vielen

Stellen Myceliumfäden oder Hyphen beobachtet werden. Viele dieser

Hyphen finden durch die Spaltöffnungen ihren Weg in die Blätter. In

einigen Fällen konnte ich in diesen Flecken Stärkemehl auffinden,

woraus sich folgern lässt, dass unter dem Einflusse der krankhaften

Beschaffenheit die früher beschriebene Wandlung von Amylum in Dextrose

im sterbenden Blatte, also unmittelbar nach dem Pflücken, nicht

stattgefunden hat; es sind also diese Fungi saprophytisch aufgetreten.

Hier und da sah ich braune Hyphen, welche Sporen bildeten. Es stellte

sich heraus, dass sie zu _Cladosporium_ gehörten; an einer andern

Stelle fand ich ein _Macrosporium_, einen Pilz, der ebenfalls in der

Lebensweise dem _Cladosporium_ verwandt ist. Diese Fungi entwickeln

das Mycelium in dem Gewebe der toten Pflanzen und senden dann

Hyphen aus; es sind gewöhnlich Saprophyten, aber sie werden auch

auf Blättern, Stengeln und Halmen von reifem Getreide gefunden. Der

Freundlichkeit der Herren ~Prof. Ritzema Bos~ und ~Prof. C. A. J. A.

Oudemans~ verdanke ich es, die Namen der gefundenen Pilze mitteilen zu

können; höchstwahrscheinlich haben dieselben sich saprophytisch auf

den sterbenden Blättern entwickelt: _Phyllosticta Tabaci Passerini_,

_Cladosporium herbarum Link_, _Macrosporium commune Rabenhorst_.

Die Bibitkrankheit des Tabaks auf Sumatra's Ostküste, welche zuerst im

Jahre '89 beobachtet wurde, wird nach einem vorläufigen offiziellen

Bericht von ~Dr. van Breda de Haan~ (1893) gleichfalls von einem Pilz

verursacht (_Peronosporeae_).

Derselbe Autor (1896) erwähnt eine Krankheit im Delitabak, welche

durch das Tabaksälchen verursacht wird. Als Ursache der Flecken auf

unserm Tabak, ausgenommen diejenigen, welche von der Mosaikkrankheit

hervorgerufen werden, kann genannt werden _Phyllosticta Tabaci_.

Hierbei erscheinen die Blätter durch die Anwesenheit zahlreicher

heller Stellen gefleckt, welche später austrocknen und weiss werden;

an einzelnen Punkten sind nicht selten _Pycniden_ als kleine schwarze

Pünktchen sichtbar.

Wenn _Ascochyta Nicotianae_, gleichfalls ein Pilz, Ursache der

Erkrankung ist, so zeigen sich trockne, braune Flecken von

unregelmässiger Form.

Ebenso entstehen Flecken durch _Thrips Tabaci_, ein kleines Insekt, das

höchstens 1 mm lang ist. Man sieht hierbei schmale, bandförmige, weisse

Flecken an der Mittelnarbe und entlang den Seitennarben. Hier hat das

Insekt die eine Oberhaut und das Blattparenchym bis auf die unterste

Oberhaut weggefressen.

Ganz anders ist bei unserm Tabak die Ursache der Fleckkrankheit, die

mehr speziell _Mosaikkrankheit_ genannt wird.

In »de Tabaksteelt« von ~H. Hartog~ (Haarlem 1889) wird mitgeteilt, dass

der in Holland bestehende »Roest« durch einen Pilz verursacht wird; von

Fleck- oder Mosaikkrankheit ist nicht die Rede.

In »Die landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen«, Berlin 1885, macht

~Prof. Adolf Mayer~ die erste Mitteilung über die Mosaikkrankheit. Mit

vielem Scharfsinn beobachtete er die Erscheinungen und gab als seine

Vermutung zu erkennen, dass höchstwahrscheinlich Bakterien die Ursache

davon sein sollten.

In »Die schädlichsten Insekten des Tabaks in Bessarabien«, Moskau

1888, beschreibt Dr. ~K. Lindeman~ eine Krankheit, die mit unserer

Fleckkrankheit viel Übereinkunft zu haben scheint. In Russland ist sie

sehr verbreitet und verursacht viel Schaden.

Im Laufe des Sommers 1897 habe ich persönlich bei unsern

Tabakspflanzern über die Mosaikkrankheit viele Erkundigungen eingezogen

und die sonderbaren Erscheinungen dabei beobachtet. Die Pflanzer

teilten mir mit, dass diese gefürchtete Krankheit laut Überlieferung

nicht abnimmt, sondern sich stärker ausbreitet. Sowohl in der Betuwe,

wie auf der Veluwe heischt sie ihre Opfer. In Elst in der Betuwe

und zwar auf »de Vergert« traf ich einen kleinen Acker (~Wittwe

Jansen~), der so weit die Erinnerung reicht, niemals kranke Exemplare

hervorgebracht hat. Die Düngung geschieht da mit Kuhmist wie auf vielen

andern Feldern.

Wenn man nach der mutmasslichen Ursache der Fleckkrankheit fragt, sind

die Antworten sehr verschieden und können zunächst keine Veranlassung

zum Stellen einer Hypothese geben. Die bedeutensten Züchter aber, und

unter ihnen finden sich sehr gebildete Leute, die mit grossem Interesse

auf alle Einzelheiten aber auch auf für sie gleichfalls unerklärliche

Sachen hinweisen, haben mir solche Auskünfte gegeben und solche

abweichende Krankheitsbilder gezeigt, dass ich im Stande bin, hier eine

vorläufige Mitteilung über die mutmassliche Ursache der Mosaikkrankheit

zu machen.

Wie ich schon sagte, sind die Antworten sehr verschieden. Der eine

Züchter sucht die Ursache in der weniger guten oder schlechten Düngung,

wodurch die Pflanze durch unzureichende Nahrung krank wird und dadurch

Flecken auf ihren Blättern zeigt.

Ein anderer meint, der Witterungswechsel habe schuld daran. Oftmals

zeigen die Blätter, z. B. nach kalten Nächten, dunkelgrüne Flecken

»Kopbont« wie man sagt. Wenn diese Erscheinungen sich nur schwach

offenbaren, verschwinden die Flecken allmählich wieder.

Ein dritter vermutet, der Zustand des Bodens, eine grosse Feuchtigkeit,

rufe die Fleckenkrankheit hervor.

Ein vierter glaubt sicher, dass ein ihm unbekannter Zustand des Samens

und dessen Herkunft einen nicht geringen Anteil habe.

Noch andere nehmen ihre Zuflucht zu übernatürlichen Kräften, und

erwähnen Personen, welche keine glückliche Hand beim Pflanzen der

jungen Pflänzchen haben. Einer der Arbeiter erhielt sogar den

Namen »Jantje Bont« (~Mayer~).

Ferner misst man einigen Frauen eine Kraft bei, die eine derartige

Wirkung auf die Pflanzen hat, dass die Fleckkrankheit entsteht.

Die Düngung mit Taubenmist und mit menschlichen Faeces, wird auch nicht

selten herbeigezogen, als sollte dies die Krankheit hervorrufen.

Grössere Bedeutung muss folgendem beigelegt werden:

Die Krankheit dehnt sich immer mehr aus; wenn sie einmal auf einem

Felde ist, so bleibt sie da. Ich sah Felder in der Nähe von Amerongen,

welche die Fleckkrankheit fast Blatt für Blatt zeigten, die grossen

Blätter schienen blutübergossen; jedes Jahr findet sich die Krankheit

daselbst und Wechselbau alle 4 Jahre hat keine Änderung darin

gebracht. Die Pflanzen kamen aus den nämlichen Mistbeeten wie die

andern, welche auf dem unmittelbar daran grenzenden Felde standen

und nur im geringen Masse die Fleckenkrankheit zeigten. Meine Frage,

ob bei einem kleinen Teile (etwa 12 Pflanzen, die zusammen standen),

welcher die Krankheit zeigte, im vorigen Jahre auf derselben Stelle die

Erscheinung auch beobachtet war, wurde bejaht.

Wenn man eine kranke Pflanze aus dem Boden herauszieht und an derselben

Stelle eine gesunde einpflanzt, so zeigen sich etwa nach 4 Wochen auch

die Flecken bei den Blättern der letzteren.

Auf neuen in Kultur gebrachten Feldern zeigte sich die Krankheit nicht,

wenn auf diese Felder die Mistbeete gestellt waren. Wenn man jedoch

Pflanzen einbringt, welche von einem Felde herstammen, auf dem die

Fleckkrankheit jedes Jahr erscheint, so ist es sehr wahrscheinlich,

dass einige Pflanzen angegriffen werden.

Wenn ein Teil des Feldes oder eines Mistbeetes, das jedes Jahr kranke

Pflanzen hervorbringt, 30 bis 40 cm. ausgegraben wird, und wenn Erde

von weit entlegenen Feldern oder »~Vom Berge~« wie man in der Gegend von

Amerongen sagt, hier hineingebracht wird, so ist die Mosaikkrankheit

vertrieben, und die Pflanzen entwickeln sich normal darauf.

Um die Zeit, zu welcher die letzten Blätter geerntet werden, sieht man,

dass die Ausläufer oder Geizen in grosser Zahl die Kennzeichen der

Fleckenkrankheit tragen, während die Pflanze früher keine gefleckten

Blätter hatte.

Viele geschulte Züchter sagen, die Mistbeete seien schuld an der

Fleckenkrankheit. Wenn das Mistbeet angesteckt ist, so erkranken von

den 1000 Pflanzen etwa 900 nach der Pflanzung auf das Feld, wenn

das Mistbeet nicht angesteckt ist, so werden von 1000 z. B. 100 die

Fleckenkrankheit zeigen. Diese letztere Erscheinung, diese

niedrige Ziffer, ist der Art, dass man dennoch nicht den Mistbeeten

allein die Schuld geben darf; aber daraus erhellt, ebenso wie aus

all dem Vorhergehenden, _dass der Boden ein infizierendes Vermögen

besitzt_. Sehr bemerkenswert, jedoch nur von einer Wahrnehmung

herstammend, ist der Fall, dass nach einer Düngung mit 35000 kg.

Schafsmist, 500 kg. Kainit und 500 kg. Thomasphosphat die Krankheit

unter den Pflanzen abnahm und dass das gleiche ein nächstes Jahr wieder

beobachtet wurde.

Als ich zu der Überzeugung gekommen war, dass ein infizierendes Etwas

vorhanden sein musste, habe ich mit einer Reihe von Pflanzen Versuche

angestellt, wobei ich zu folgenden in Kürze angegebenen Ergebnissen

gelangte:

1^o Bringt man in einem Einschnitt in die Hauptnarbe einer gesunden

Pflanze einen kleinen Streifen von einem kranken Blatte (gefleckter

Teil).

2^o Bringt man den Saft von kranken Blättern irgendwo, gleichviel wo,

in das Gewebe gesunder Pflanzen.

3^o Bringt man den Saft von kranken Blättern rund um die Wurzel herum,

also auf die Erde.

4^o Zerreibt man zwischen den Fingern ein krankes Blatt und bringt

den feuchten Finger an die Wundfläche eines abgebrochenen Blattes bei

einer gesunden Pflanze, so zeigen sich in all diesen Fällen, bei jungen

Pflanzen innerhalb 3 bis 4 Wochen, die Flecken an den jüngsten Blättern.

Abwechselndes Wetter, z. B. tagelang Sonnenschein und nachher ein

einzelner Regenschauer, ist im Stande, die Flecken rascher entstehen zu

lassen und dadurch sichtbar zu machen, jedoch nie früher als innerhalb

14 Tagen habe ich diese Wirkung beobachtet.

Das Kochen und die Papierfiltration entnehmen nach ~Prof. Adolf Mayer~

dem Safte das Vermögen zu infizieren. Aus seinen Nachforschungen

erhellt, dass weder die chemische Zusammensetzung der Erde eines

angesteckten Feldes oder eines angesteckten Mistbeetes, noch die

plötzliche künstliche Änderung der Temperatur beim Auspflanzen,

noch die Verletzungen oder Verdrehungen der Wurzel die Krankheit

herbeiführen können.

Aus einer grossen Menge bakteriologischer Kulturen, welche angelegt

waren mit Tabaksaft-Malz-Gelatine, habe ich oft, doch nicht immer, eine

Mikrobe isolieren können, welche in der That eine infizierende Kraft

besitzt.

Da es sich nun zeigt, dass wir hier mit einem infizierendem Stoff

zu thun haben, müssen alle Mittel zu Hülfe genommen werden, die

Übertragung desselben zu verhindern.

Es scheint mir nicht unmöglich, (vergleiche sub 4) dass die Personen,

welche mit dem Köpfen der Pflanzen und dem Ernten der Blätter

beauftragt sind, mit ihren von kranken Blattteilen infizierten Fingern

den Ansteckungsstoff auf gesunde Pflanzen bringen können; daher im

Spätsommer die zahlreichen Fälle, wo die Geizen und jungen Blätter die

Fleckkrankheit zeigen. Die Gründüngung ist auf Feldern, welche die

Mosaikkrankheit zeigen, aus obengenannten Gründen nicht zu empfehlen.

Die mikroskopischen Untersuchungen der kranken Blätter lassen eine

Desorganisation des Chlorophyll erkennen, das schliesslich ganz und gar

aus dem Zelleninhalt verschwindet. Sehr bemerkenswert sind die kurzen

Luftstreifen zwischen den Pallisadenzellen und der linienförmigen

Zeichnung der Zellenwand. Myceliumfäden oder Hyphen können es nicht

sein.

Da ich im Winter '97 Gelegenheit habe, die Versuche fortzusetzen, hoffe

ich später diesen Gegenstand wieder aufzunehmen.

Mittel zur Verbesserung unsres Tabaks.

Aus allen Untersuchungen, die bis jetzt mit Bezug auf die Düngung

angestellt worden sind, können keine allgemeinen Regeln mehr abgeleitet

werden als die schon angegebenen, die sich hauptsächlich auf den

Chlor-, Stickstoff- und Kaligehalt beziehen.

Chloridreiche natürliche oder künstliche Düngstoffe müssen vermieden

werden, ebenso ein zu hoher Gehalt an Stickstoffverbindungen. Eine

Düngung mit mehr Stickstoff als angezeigt, entwickelt ein dunkelgrünes,

fleischiges, lang gedehntes, schmal dicknarbiges Blatt, das sich also

nicht zum Cigarrentabak eignet.

Schon ~Hermbstadt~ nahm wahr, dass humusreiche Pflanzenerde und Kuhmist

den besten Tabak liefern.

Wie ich schon schrieb: Die Tabakspflanze fordert Kalium, viel Kalium!

Die ganze Tabakskultur muss darauf hinzielen, dass sie einen

kalireichen Stalldünger bekommt.

In der letzten Zeit hat sich aus Versuchen ergeben, dass die

Tabakspflanze viel kohlensaures Kali vertragen kann, mehr als man

früher je dachte.

Eine Düngung im Frühjahr sogar mit 1000 kg. kohlensaurem Kali per ha,

was man früher nicht zu thun wagte, hat keine schädlichen Folgen gehabt.

Als Versuch sei dies unsern Pflanzern anempfohlen. Die

bekannten »Internationale Guano- und Superphosphatwerke« in Zwijndrecht

bringen dieses Salz in den Handel mit einem Gehalt von 50-55 Prozent

Kali und zu einem Wert von _f_ 20 (etwa 34 Mk) per 100 kg. Wegen der

Eigentümlichkeit dieser Kali-pottasche, die Feuchtigkeit anzuziehen,

wird sie in doppelten Säcken von 62-1/2 kg. verpackt.

Der innere Sack ist präpariert, hemmt also die Aufnahme der

Feuchtigkeit aus der umringenden Luft.

Schon längst hat man bemerkt, dass man durch Holzasche und Pferdemist

einen hellfarbigen Tabak erhält, Ziegen- und Schafsmist dahingegen geben

ein dunkles Produkt.

In Japan bekommt man sogar ein schönes hell gefärbtes Blatt, angenehm

von Geschmack, dadurch, dass man es mit Kuchen von Leinsamen düngt

nebst ein wenig Stalldünger.

Wir wissen, dass Valburg den besten Cigarrentabak unsres Landes

liefert, (_f_ 28.25 per 100 lb) und dass dort die einfache Düngung

mit Kuhmist auf dem sandigen Boden (dem Teil des Dorfes, welcher »Het

Hoog« (= Die Anhöhe) genannt wird), ohne dass man jemals sich des

Wechselbaus bediente, das schöne goldgelbe, breitgeformte Blatt

hervorbringt.

Die Überführung von Erde aus Valburg (wo man auch Lehmboden antrifft)

auf die Veluwe, hat keine Resultate beim Anbau des Tabaks geliefert.

Jeder Züchter muss die Düngversuche auf seinem eigenen Boden anstellen

und dabei der Gefahren eingedenk sein, die entstehen können, wenn man

die genannten schädlichen Elemente oder Salze anwendet. In der letzten

Zeit hat man die Aufmerksamkeit auf die Düngung mit Silicaten gerichtet

(Martellin = Kalium-silicat), wodurch die Brennbarkeit und die Farbe,

nebst dem anatomischen Bau des Blattes verbessert wird[E].

Nach der schönen Lehre von ~Darwin~, welche sich auf wissenschaftliche

Forschungen gründet, wird die Pflanzen- und Tierwelt in einer Gegend

sich den da anwesenden physischen Lebensbedingungen anpassen und

sich demgemäss entwickeln. In »_the struggle for life_« werden die

bevorzugtesten Arten, Rassen und Varietäten siegreich aus dem Kampfe

hervorgehen, bekränzt, nicht mit der Siegespalme, sondern mit der

kräftigen Lebensfähigkeit für ihren Stamm.

Dies muss auch anwendbar sein auf unsere Tabakskultur.

Meine Nachforschungen gaben mir die Überzeugung, dass viele

Tabakspflanzer ihr Fach wissenschaftlich auffassen und weder Mühe noch

Kosten scheuen, Versuche zu machen, welche die Kultur fördern können.

Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass man die grösste Sorgfalt

auf das Gewinnen des Samens verwende. Man muss hiezu nicht einige

Pflanzen in zeitweise günstige Lebensverhältnisse bringen dadurch,

dass man sie besser oder örtlich starker düngt, sie auf gut gewählten

geräumigen Stellen des Feldes Samen schiessen lässt, sondern man

muss diejenigen Pflanzen mitten auf dem Felde auswählen, welche sich

durch schönen Bau, Blattform u. s. w. auszeichnen, dann hat man die

grösste Gewähr, dass die erblichen Eigenschaften des Samens auf die

Nachkommenschaft übertragen werden.

Durch die Kultur der Tabakspflanze hat der Bau der Blume sich geändert.

Die bei uns schwach vorhandene Protogynie ist im Naturzustande

deutlicher und schärfer hervortretend, wodurch Kreuzbestäubung mehr

erwartet werden kann. Der Bau der Kulturblume ist jetzt derartig,

dass Staubfäden und Stempel nicht nur etwa auf derselben Höhe stehen,

sondern dass die weibliche Periode der Blume in unserm Klima im

geschlossenen Knospenzustand verlebt wird.

Dies erleichtert uns die künstliche Kreuzbestäubung; man braucht nur

die Knospe welche im Entfalten begriffen ist, zu öffnen und die Pollen

von gleichfalls gut gewählten Pflanzen mit einem kleinen Pinsel auf

den Stempel zu bringen. Nach zwei Stunden ist die Gefahr vorüber, dass

Insekten durch ihren Besuch andere Pollen mit demselben in Berührung

bringen. Verhüllung mit Gaze oder mit einem Papierbeutelchen während

einiger Stunden sei deshalb empfohlen. Auf diese Weise kann kräftiger

Samen gewonnen werden.

Weiter lehren die Versuche, dass die mittelsten Blumen (Samenkapsel)

am Stengel den kräftigsten Samen enthalten. Sehr erwünscht ist es

zugleicherzeit, die gewählten Pflanzen die Blätter behalten zu lassen

und sie nicht abzureissen, wie es bisweilen geschieht.

Kräftig entwickelte Pflanzen werden den Kampf ums Dasein leichter

bestehen als schwächere, sie werden zugleich besser im Stande sein, den

Krankheiten zu widerstehen.

In Valburg hat man eine eigentümliche Gewohnheit, den Samen zum Keimen

zu bringen. Man bringt ihn in ein angefeuchtetes Leinenläppchen oder

Säckchen, nachdem es im Wasser angeschwollen ist.

Dann hängt man es in mässiger Entfernung vom warmen Ofen auf. Die

Folge hiervon ist, dass der Samen zwar sichtlich gut ausläuft, aber

dabei mittels Diffusion lösliche Nahrungsstoffe abgiebt, welche als

Reservenahrung dem zukünftigen Pflänzchen entzogen werden. Auf diese

Weise wird das keimende Pflänzchen geschwächt und der Kampf, den es

beim Übergange zu einer sich selbst nährenden Pflanze zu bestehen hat,

wird ihm erschwert.

Dass der Verlust von Salzen, Aschenbestandteilen, grösser ist als man

sich denkt, geht hieraus hervor, dass, wenn der Aschengehalt des Samens

4% ist, dieser nach Behandlung mit Wasser während der 24 Stunden des

Tages 1/4 Teil verloren hat. In dieser Weise verliert der Samen schon

einen grossen Teil des so sehr erwünschten Kali, nl. 25.8%, und 6.4%

Phosphorsäure (~Behrens~).

Weiter lässt man in Valburg, nach dem Pflücken, die Blätter noch

einige Tage auf dem Felde liegen, erst dann werden sie an Stangen

angereiht. Aus der Physiologie des sterbenden Blattes ersahen wir,

dass das Trocknen langsam geschehen soll. Hierdurch entstehen

Zersetzungsprodukte, welche bei der Gährung erwünscht sind.

Beim Gährungsverlauf haben wir gesehen, dass bei unserm Tabak der

Bacillus Tabaci I + III, die Hauptrolle spielt, er giebt ihm den reinen

Geruch und Geschmack, insofern wir dies bei unserm Tabak wahrnehmen

können. Da, wo die Gährung nicht stattfindet oder nicht gut verläuft,

können diese Mikroben künstlich angebracht oder geimpft werden.

Die Versuche, die Mosaikkrankheit zu verhindern, könnten schon jetzt

beim Wechselbau angestellt werden. Der Anbau von Erbsen, Bohnen, Klee

und andern Hülsenfrüchten sei anempfohlen.

Folgende Düngung wird von einigen grossen Züchtern versucht werden.

Im Spätjahr wird per ha. 750-3000 kg. ungelöschter Kalk auf die

Oberfläche des Feldes gebracht und gleichmässig darauf ausgestreut.

Dies lässt man ungefähr einen Monat liegen und bringt dann 400-600 kg.

Kainit und 400-600 kg. Thomasphosphat hinzu, nachher wird es im Januar

oder Februar, wenn der Witterungszustand dies erlaubt, mit dem Spaten

untergegraben. Auf die gebräuchliche Weise werden dann die Erbsen,

Bohnen u. a. gepflanzt oder gesät.

Die Versuche, welche angestellt werden, um auf eine andere Weise der

Mosaikkrankheit vorzubeugen, werden fortgesetzt, nehmen aber viel Zeit

in Anspruch.

Die Gründüngung auf angesteckten Feldern kann aus obenerwähnten Gründen

nicht empfohlen werden.

Das Ausgraben der infizierten Mistbeete etwa 30 cm. tief und das

Hineinbringen gesunder Erde, also von unbebautem Boden, verdient

Empfehlung. Ein Pflanzer, der niemals Fleckkrankheit auf seinem Felde

gehabt hat, könnte dadurch, dass er junge Pflänzchen, welche von

infiziertem Boden herstammten, lieh oder kaufte, sein Feld auf immer

anstecken und dadurch die Mosaikkrankheit hervorrufen.

* * * * *

Und hiermit habe ich einen Gegenstand behandelt, der immer mehr mein

Interesse erregte. Dabei habe ich viele unsrer Tabakspflanzer als

Personen kennen gelernt, die alles aus Liebe zur Sache thun, und

ungeachtet des grossen Aufschwunges unsrer indischen Kultur, wodurch

soviele edle Tabakssorten über die ganze Welt verbreitet werden, mit

Mut, Ausdauer und Lust zur Arbeit, unsern einheimischen Tabak züchten,

bearbeiten, und zu verbessern trachten. Mögen sie, indem sie so

fortfahren, auch die Früchte ihrer Arbeit geniessen!

[Fußnote E: Siehe meine Abhandlung im »Indische Mercuur« 13 Mai

1899 »Martellin, een nieuwe meststof«.]

Verbesserung durch Reinkulturen.

(Fortsetzung der Untersuchungen von 1897).

Die Untersuchung der Gährung unseres einheimischen Tabaks ist, da

wir es hier mit einem Prozesse zu thun haben, bei dem fakultative

anaërobe Bakterien eine Rolle spielen, enorm von mir gekürzt worden.

Später wurde ich mit den an der Oberfläche der Platten angelegten

bakteriologischen Kulturen bekannt, wodurch man makroskopisch schon

deutlich die verschiedenen Arten des Wachstums von Bakterien und andern

Mikroorganismen wahrnemen kann.

Dies Verfahren hat unendlich viel vor derjenigen Untersuchungsmethode

voraus, bei der die Kulturen auch in Gelatineplatten wachsen.

Im letzteren Falle doch sieht man, nur einige Variationen in

verfliessenden Kulturen ausgenommen, welche meistens kugelförmig in

der Gelatine wachsen, fast immer gelbe Pünktchen, bald rund, bald

linsenförmig.

Will man gerade jene Mikroorganismen auffinden, welche aërob oder

fakultativ anaërob sind und bei irgend einem Prozesse eine Funktion

zu erfüllen haben, so bietet diese Methode sehr grosse Vorteile und

nicht weniger eine Abkürzung was die Zeit betrifft. Sogar zu einer

quantitativen Bestimmung von Mikroorganismen eignet sich diese

Untersuchungsmethode. Was die Untersuchungen der Tabaksgährung

betrifft, so sind diese in folgender Weise abgekürzt worden.

Der Tabak: Studien über seine Kultur und Biologie · 第 3 / 9 段