Durch die Religion der Kunst ist der Geist aus der Form der
_Substanz_ in die des _Subjekts_ getreten, denn sie _bringt_ seine
Gestalt _hervor_, und setzt also in ihr das _Tun_ oder das
_Selbstbewußtsein_, das in der furchtbaren Substanz nur verschwindet,
und im Vertrauen sich nicht selbst erfaßt. Diese Menschwerdung des
göttlichen Wesens geht von der Bildsäule aus, die nur die _äußere_
Gestalt des Selbsts an ihr hat, das _innre_ aber, ihre Tätigkeit,
fällt außer ihr; im Kultus aber sind beide Seiten eins geworden, in
dem Resultate der Religion der Kunst ist diese Einheit in ihrer
Vollendung zugleich auch auf das Extrem des Selbsts herübergegangen;
in dem Geiste, der in der Einzelnheit des Bewußtseins seiner
vollkommen gewiß ist, ist alle Wesenheit versunken. Der Satz, der
diesen Leichtsinn ausspricht, lautet so: _das Selbst ist das absolute
Wesen_; das Wesen, das Substanz und an dem das Selbst die
Akzidentalität war, ist zum Prädikate heruntergesunken, und der Geist
hat in _diesem Selbstbewußtsein,_ dem nichts in der Form des Wesens
gegenübertritt, sein _Bewußtsein_ verloren.
Dieser Satz: _das Selbst ist das absolute Wesen_, gehört, wie von
selbst erhellt, dem nichtreligiösen, dem wirklichen Geiste an, und es
ist sich zu erinnern, welches die Gestalt desselben ist, die ihn
ausdrückt. Sie wird zugleich die Bewegung und die Umkehrung
desselben enthalten, welche das Selbst zum Prädikate herunterstimmt,
und die Substanz zum Subjekte erhebt. So nämlich, daß der umgekehrte
Satz nicht _an sich_ oder _für uns_ die Substanz zum Subjekte macht,
oder was dasselbe ist, die Substanz so wiederherstellt, daß das
Bewußtsein des Geistes zu seinem Anfange, der natürlichen Religion,
zurückgeführt wird, sondern so, daß diese Umkehrung _für_ und _durch
das Selbstbewußtsein_ selbst zustande gebracht wird. Indem dieses
sich mit Bewußtsein aufgibt, so wird es in seiner Entäußerung
erhalten und bleibt das Subjekt der Substanz, aber als sich ebenso
entäußertes hat es zugleich das Bewußtsein derselben; oder indem es
durch seine Aufopferung die Substanz als Subjekt _hervorbringt_,
bleibt dieses sein eignes Selbst. Es wird hiedurch erreicht, daß,
wenn in den beiden Sätzen in dem ersten der Substantialität das
Subjekt nur verschwindet, und in dem zweiten die Substanz nur
Prädikat ist, und beide Seiten also in jedem mit der
entgegengesetzten Ungleichheit des Wertes vorhanden sind,--daß die
Vereinigung und Durchdringung beider Naturen hervorgeht, in der beide
mit gleichem Werte ebenso _wesentlich_ als auch nur _Momente_ sind;
hiedurch ist also der Geist ebenso _Bewußtsein_ seiner als seiner
_gegenständlichen_ Substanz, wie einfaches in sich bleibendes
_Selbstbewußtsein_.
Die Religion der Kunst gehört dem sittlichen Geiste an, den wir
früher in dem _Rechtszustande_ untergehen sahen, d.h. in dem Satze:
_das Selbst als solches_, die _abstrakte Person ist absolutes Wesen_.
Im sittlichen Leben ist das Selbst in dem Geiste seines Volks
versenkt, es ist die _erfüllte_ Allgemeinheit. Die _einfache
Einzelnheit_ aber erhebt sich aus diesem Inhalte, und ihr Leichtsinn
reinigt sie zur Person, zur abstrakten Allgemeinheit des Rechts. In
dieser ist die _Realität_ des sittlichen Geists verloren, die
inhaltsleeren Geister der Völkerindividuen sind in _ein_ Pantheon
versammelt, nicht in ein Pantheon der Vorstellung, deren unmächtige
Form jeden gewähren läßt, sondern in das Pantheon der abstrakten
Allgemeinheit, des reinen Gedankens, der sie entleibt, und dem
geistlosen Selbst, der einzelnen Person das An- und Für-sich-sein
erteilt.
Aber dies Selbst hat durch seine Leerheit den Inhalt freigelassen;
das Bewußtsein ist nur _in sich_ das Wesen; sein eignes _Dasein_, das
rechtliche Anerkanntsein der Person, ist die unerfüllte Abstraktion;
es besitzt also vielmehr nur den Gedanken seiner selbst, oder wie es
_da ist_ und sich als Gegenstand weiß, ist es das _unwirkliche_. Es
ist daher nur die stoische _Selbstständigkeit_ des _Denkens_, und
diese findet, durch die Bewegung des skeptischen Bewußtseins
hindurchgehend, seine Wahrheit in derjenigen Gestalt, die das
_unglückliche Selbstbewußtsein_ genannt wurde.
Dieses weiß, welche Bewandtnis es mit dem wirklichen Gelten der
abstrakten Person und ebenso mit dem Gelten derselben in dem reinen
Gedanken hat. Es weiß ein solches Gelten vielmehr als den
vollkommnen Verlust, es selbst ist dieser seiner bewußte Verlust und
die Entäußerung seines Wissens von sich.--Wir sehen, daß dies
unglückliche Bewußtsein die Gegenseite und Vervollständigung des in
sich vollkommen glücklichen, des komischen Bewußtseins ausmacht. In
das letztere geht alles göttliche Wesen zurück, oder es ist die
vollkommne _Entäußerung_ der _Substanz_. Jenes hingegen ist
umgekehrt das tragische Schicksal der an und für sich sein sollenden
_Gewißheit seiner selbst._ Es ist das Bewußtsein des Verlustes aller
_Wesenheit_ in _dieser Gewißheit_ seiner und des Verlustes eben
dieses Wissens von sich--der Substanz wie des Selbsts, es ist der
Schmerz, der sich als das harte Wort ausspricht, _daß Gott gestorben
ist_.
In dem Rechtszustande ist also die sittliche Welt und die Religion
derselben in dem komischen Bewußtsein versunken, und das unglückliche
das Wissen dieses _ganzen_ Verlusts. Sowohl der Selbstwert seiner
unmittelbaren Persönlichkeit ist ihm verloren, als seiner
vermittelten, der _gedachten_. Ebenso ist das Vertrauen in die
ewigen Gesetze der Götter, wie die Orakel, die das Besondre zu wissen
taten, verstummt. Die Bildsäulen sind nun Leichname, denen die
belebende Seele, so wie die Hymne Worte, deren Glauben entflohen ist;
die Tische der Götter ohne geistige Speise und Trank, und aus seinen
Spielen und Festen kommt dem Bewußtsein nicht die freudige Einheit
seiner mit dem Wesen zurück. Den Werken der Muse fehlt die Kraft des
Geistes, dem aus der Zermalmung der Götter und Menschen die Gewißheit
seiner selbst hervorging. Sie sind nun das, was sie für uns sind,
--vom Baume gebrochne schöne Früchte, ein freundliches Schicksal
reichte sie uns dar, wie ein Mädchen jene Früchte präsentiert; es
gibt nicht das wirkliche Leben ihres Daseins, nicht den Baum, der sie
trug, nicht die Erde und die Elemente, die ihre Substanz, noch das
Klima, das ihre Bestimmtheit ausmachte, oder den Wechsel der
Jahreszeiten, die den Prozeß ihres Werdens beherrschten.--So gibt das
Schicksal uns mit den Werken jener Kunst nicht ihre Welt, nicht den
Frühling und Sommer des sittlichen Lebens, worin sie blühten und
reiften, sondern allein die eingehüllte Erinnerung dieser
Wirklichkeit.--Unser Tun in ihrem Genusse ist daher nicht das
gottesdienstliche, wodurch unserem Bewußtsein seine vollkommne es
ausfüllende Wahrheit würde, sondern es ist das äußerliche Tun, das
von diesen Früchten etwa Regentropfen oder Stäubchen abwischt, und an
die Stelle der innern Elemente der umgebenden, erzeugenden und
begeistenden Wirklichkeit des Sittlichen, das weitläufige Gerüste der
toten Elemente ihrer äußerlichen Existenz, der Sprache, des
Geschichtlichen u.s.f. errichtet, nicht um sich in sie hinein zu
leben, sondern nur um sie in sich vorzustellen. Aber wie das Mädchen,
das die gepflückten Früchte darreicht, mehr ist als die in ihre
Bedingungen und Elemente, den Baum, Luft, Licht u.s.f. ausgebreitete
Natur derselben, welche sie unmittelbar darbot, indem es auf eine
höhere Weise dies alles in den Strahl des selbstbewußten Auges und
der darreichenden Gebärde zusammenfaßt, so ist der Geist des
Schicksals, der uns jene Kunstwerke darbietet, mehr als das sittliche
Leben und Wirklichkeit jenes Volkes, denn er ist die _Er-Innerung_
des in ihnen noch _veräußerten_ Geistes,--er ist der Geist des
tragischen Schicksals, das alle jene individuelle Götter und
Attribute der Substanz in das _eine_ Pantheon versammelt, in den
seiner als Geist selbstbewußten Geist.
Alle Bedingungen seines Hervorgangs sind vorhanden, und diese
Totalität seiner Bedingungen macht das _Werden_, den _Begriff_, oder
das _ansichseiende_ Hervorgehen desselben aus.--Der Kreis der
Hervorbringungen der Kunst umfaßt die Formen der Entäußerungen der
absoluten Substanz, sie ist in der Form der Individualität, als ein
Ding, als _seiender_ Gegenstand des sinnlichen Bewußtseins,--als die
reine Sprache oder das Werden der Gestalt, deren Dasein nicht aus dem
Selbst heraustritt, und rein _verschwindender_ Gegenstand ist;--als
unmittelbare _Einheit_ mit dem allgemeinen _Selbstbewußtsein_ in
seiner Begeisterung und als vermittelte in dem Tun des Kultus;--als
schöne _selbstische Körperlichkeit_, und endlich als das in die
_Vorstellung_ erhobne Dasein und die Ausbreitung desselben zu einer
Welt, die sich zuletzt in die Allgemeinheit, die ebenso _reine
Gewißheit ihrer selbst_ ist, zusammennimmt.--Diese Formen, und auf
der andern Seite die _Welt_ der _Person_ und des Rechts, die
verwüstende Wildheit der freigelassenen Elemente des Inhalts, ebenso
die _gedachte_ Person des Stoizismus und die haltlose Unruhe des
skeptischen Bewußtseins, machen die Peripherie der Gestalten aus,
welche erwartend und drängend um die Geburtsstätte des als
Selbstbewußtsein werdenden Geistes umherstehen, der alle
durchdringende Schmerz und Sehnsucht des unglücklichen
Selbstbewußtseins ist ihr Mittelpunkt und das gemeinschaftliche
Geburtswehe seines Hervorgangs,--die Einfachheit des reinen Begriffs,
der jene Gestalten als seine Momente enthält.
Er hat die zwei Seiten an ihm, die oben als die beiden umgekehrten
Sätze vorgestellt sind; die eine ist diese, daß die _Substanz_ sich
ihrer selbst entäußert und zum Selbstbewußtsein wird, die andre
umgekehrt, daß das _Selbstbewußtsein_ sich seiner entäußert und zur
Dingheit oder zum allgemeinen Selbst macht. Beide Seiten sind sich
auf diese Weise entgegengekommen und hiedurch ihre wahre Vereinigung
entstanden. Die Entäußerung der Substanz, ihr Werden zum
Selbstbewußtsein drückt den Übergang ins Entgegengesetzte, den
bewußtlosen Übergang der _Notwendigkeit_ oder dies aus, daß sie _an
sich_ Selbstbewußtsein ist. Umgekehrt die Entäußerung des
Selbstbewußtseins dies, daß es _an sich_ das allgemeine Wesen ist,
oder, weil das Selbst das reine Für-sich-sein ist, das in seinem
Gegenteile bei sich bleibt, dies, daß es _für es_ ist, daß die
Substanz Selbstbewußtsein und eben dadurch Geist ist. Es kann daher
von diesem Geiste, der die Form der Substanz verlassen, und in der
Gestalt des Selbstbewußtseins in das Dasein tritt, gesagt
werden--wenn man sich der aus der natürlichen Zeugung hergenommenen
Verhältnisse bedienen will--, daß er eine _wirkliche_ Mutter, aber
einen _ansich_seienden Vater hat; denn die _Wirklichkeit_ oder das
Selbstbewußtsein und das _An-sich_ als die Substanz sind seine beiden
Momente, durch deren gegenseitige Entäußerung, jedes zum andern
werdend, er als diese ihre Einheit ins Dasein tritt.
Insofern das Selbstbewußtsein einseitig nur _seine eigne_ Entäußerung
erfaßt, wenn ihm schon sein Gegenstand also ebensowohl Sein als
Selbst ist und es alles Dasein als geistiges Wesen weiß, so ist
dadurch dennoch noch nicht für es der wahre Geist geworden, insofern
nämlich das Sein überhaupt oder die Substanz nicht _an sich_ ebenso
ihrerseits sich ihrer selbst entäußerte und zum Selbstbewußtsein
wurde. Denn alsdann ist alles Dasein nur vom _Standpunkte des
Bewußtseins aus_ geistiges Wesen, nicht an sich selbst. Der Geist
ist auf diese Weise dem Dasein nur _eingebildet_; dieses Einbilden
ist die _Schwärmerei_, welche der Natur sowohl als der Geschichte,
wie der Welt so den mythischen Vorstellungen der vorhergehenden
Religionen einen andern innern Sinn unterlegt, als sie in ihrer
Erscheinung dem Bewußtsein unmittelbar darbieten, und in Ansehung der
Religionen, als das Selbstbewußtsein, dessen Religionen sie waren,
darin wußte. Aber diese Bedeutung ist eine geliehene, und ein Kleid,
das die Blöße der Erscheinung nicht bedeckt und sich keinen Glauben
und Verehrung erwirbt, sondern die trübe Nacht und eigne Verzückung
des Bewußtseins bleibt.
Daß diese Bedeutung des Gegenständlichen also nicht bloße Einbildung
sei, muß sie _an sich_ sein, das heißt, _einmal_ dem Bewußtsein aus
dem _Begriffe_ entspringen und in ihrer Notwendigkeit hervorgehen.
So ist uns durch das Erkennen des _unmittelbaren Bewußtseins_, oder
des Bewußtseins des _seienden_ Gegenstandes durch seine notwendige
Bewegung der sich selbst wissende _Geist_ entsprungen. Dieser
Begriff, der als unmittelbarer auch die Gestalt der _Unmittelbarkeit_
für sein Bewußtsein hatte, hat sich _zweitens_ die Gestalt des
Selbstbewußtseins _an sich_, d.h. nach eben der Notwendigkeit des
Begriffes gegeben, als das _Sein_ oder die _Unmittelbarkeit_, die der
inhaltslose Gegenstand des sinnlichen Bewußtseins ist, sich seiner
entäußert, und Ich für das Bewußtsein wird.--Von dem _denkenden
An-sich_ oder dem _Erkennen der Notwendigkeit_ ist aber das
_unmittelbare An-sich_ oder die _seiende Notwendigkeit_ selbst
unterschieden;--ein Unterschied, der zugleich aber nicht außer dem
Begriffe liegt, denn die _einfache Einheit_ des Begriffes ist das
_unmittelbare Sein_ selbst; er ist ebenso das sich selbst Entäußernde
oder das Werden der _angeschauten Notwendigkeit_, als er in ihr bei
sich ist und sie weiß und begreift.--Das _unmittelbare An-sich_ des
Geistes, der sich die Gestalt des Selbstbewußtseins gibt, heißt
nichts anderes, als daß der wirkliche Weltgeist zu diesem Wissen von
sich gelangt ist; dann erst tritt dies Wissen auch in sein Bewußtsein,
und als Wahrheit ein. Wie jenes geschehen, hat sich oben ergeben.
Dies daß der absolute Geist sich die Gestalt des Selbstbewußtseins
_an sich_ und damit auch für sein _Bewußtsein_ gegeben, erscheint nun
so, daß es der _Glauben der Welt_ ist, daß der Geist als ein
Selbstbewußtsein, d.h. als ein wirklicher Mensch _da ist_, daß er für
die unmittelbare Gewißheit ist, daß das glaubende Bewußtsein diese
Göttlichkeit _sieht_ und _fühlt_ und _hört_. So ist es nicht
Einbildung, sondern es ist _wirklich an dem_. Das Bewußtsein geht
dann nicht aus _seinem_ Innern, von dem Gedanken aus, und schließt
_in sich_ den Gedanken des Gottes mit dem Dasein zusammen, sondern es
geht von dem unmittelbaren gegenwärtigen Dasein aus, und erkennt den
Gott in ihm.--Das Moment des _unmittelbaren Seins_ ist in dem Inhalte
des Begriffes so vorhanden, daß der religiöse Geist in der Rückkehr
aller Wesenheit in das Bewußtsein _einfaches_ positives Selbst
geworden ist, ebenso wie der wirkliche Geist als solcher im
unglücklichen Bewußtsein eben diese _einfache_ selbstbewußte
Negativität. Das Selbst des daseienden Geistes hat dadurch die Form
der vollkommnen Unmittelbarkeit; es ist weder als Gedachtes oder
Vorgestelltes noch Hervorgebrachtes gesetzt, wie es mit dem
unmittelbaren Selbst teils in der natürlichen, teils in der
Kunst-Religion der Fall ist. Sondern dieser Gott wird unmittelbar
als Selbst, als ein wirklicher einzelner Mensch, sinnlich angeschaut;
so nur _ist_ er Selbstbewußtsein.
Diese Menschwerdung des göttlichen Wesens, oder daß es wesentlich und
unmittelbar die Gestalt des Selbstbewußtseins hat, ist der einfache
Inhalt der absoluten Religion. In ihr wird das Wesen als Geist
gewußt, oder sie ist sein Bewußtsein über sich, Geist zu sein. Denn
der Geist ist das Wissen seiner selbst in seiner Entäußerung; das
Wesen, das die Bewegung ist, in seinem Anderssein die Gleichheit mit
sich selbst zu behalten. Dies aber ist die Substanz, insofern sie in
ihrer Akzidentalität ebenso in sich reflektiert, nicht dagegen als
gegen ein Unwesentliches und somit in einem Fremden sich Befindendes
gleichgültig, sondern darin _in sich_, d.h. insofern sie _Subjekt_
oder _Selbst_ ist.--In dieser Religion ist deswegen das göttliche
Wesen _geoffenbart_. Sein Offenbarsein besteht offenbar darin, daß
gewußt wird, was es ist. Es wird aber gewußt, eben indem es als
Geist gewußt wird, als Wesen, das wesentlich _Selbstbewußtsein_ ist.
--Dem _Bewußtsein_ ist in seinem Gegenstand dann etwas geheim, wenn
er ein _Anderes_ oder _Fremdes_ für es ist, und wenn es ihn nicht als
_sich selbst_ weiß. Dies Geheimsein hört auf, indem das absolute
Wesen als Geist Gegenstand des Bewußtseins ist; denn so ist er als
_Selbst_ in seinem Verhältnisse zu ihm; d.h. dieses weiß unmittelbar
sich darin, oder es ist sich in ihm offenbar. Es selbst ist sich nur
in der eignen Gewißheit seiner offenbar; jener sein Gegenstand ist
das _Selbst_, das Selbst aber ist kein Fremdes, sondern die
untrennbare Einheit mit sich, das unmittelbar Allgemeine. Es ist der
reine Begriff, das reine Denken oder _Für-sich-sein_, das unmittelbar
_Sein_, und damit _Sein für Anderes_, und als dieses _Sein für
Anderes_ unmittelbar in sich zurückgekehrt, und bei sich selbst; es
ist also das wahrhaft und allein Offenbare. Das Gütige, Gerechte,
Heilige, Schöpfer Himmels und der Erde u.s.f. sind _Prädikate_ eines
Subjekts,--allgemeine Momente, die an diesem Punkte ihren Halt haben,
und nur erst im Rückgehen des Bewußtseins ins Denken sind.--Indem
_sie_ gewußt werden, ist ihr Grund und Wesen, das _Subjekt_ selbst,
noch nicht offenbar, und ebenso sind die _Bestimmungen_ des
Allgemeinen nicht _dies Allgemeine_ selbst. Das _Subjekt_ selbst,
und damit auch _dies reine Allgemeine_ ist aber offenbar als _Selbst_,
denn dies ist eben dies in sich reflektierte Innre, das unmittelbar
da und die eigne Gewißheit desjenigen Selbsts ist, für welches es da
ist. Dies--seinem _Begriffe_ nach das Offenbare zu sein--ist also
die wahre Gestalt des Geistes, und diese seine Gestalt, der Begriff,
ist ebenso allein sein Wesen und Substanz. Er wird gewußt als
Selbstbewußtsein und ist diesem unmittelbar offenbar, denn er ist
dieses selbst; die göttliche Natur ist dasselbe, was die menschliche
ist, und diese Einheit ist es, die angeschaut wird.
Hier also ist in der Tat das Bewußtsein oder die Weise, wie das Wesen
für es selbst ist, seine Gestalt, seinem Selbstbewußtsein gleich;
diese Gestalt ist selbst ein Selbstbewußtsein; sie ist damit zugleich
_seiender_ Gegenstand, und dieses _Sein_ hat ebenso unmittelbar die
Bedeutung des _reinen Denkens_, des absoluten Wesens.--Das absolute
Wesen, welches als ein wirkliches Selbstbewußtsein da ist, scheint
von seiner ewigen Einfachheit _herabgestiegen_ zu sein, aber in der
Tat hat es damit erst sein _höchstes_ Wesen erreicht. Denn der
Begriff des Wesens, erst indem er seine einfache Reinheit erlangt hat,
ist er die absolute _Abstraktion_, welche _reines Denken_ und damit
die reine Einzelnheit des Selbsts, so wie um seiner Einfachheit
willen das _Unmittelbare_ oder _Sein_ ist.--Was das sinnliche
Bewußtsein genannt wird, ist eben diese reine _Abstraktion_, es ist
dies Denken, für welches das _Sein_ das _Unmittelbare_ ist. Das
Niedrigste ist also zugleich das Höchste, das ganz an die
_Oberfläche_ herausgetretene Offenbare ist eben darin das _Tiefste_.
Daß das höchste Wesen als ein seiendes Selbstbewußtsein gesehen,
gehört u.s.f. wird, dies ist also in der Tat die Vollendung seines
Begriffes; und durch diese Vollendung ist das Wesen so unmittelbar
_da_, als es Wesen ist.
Dies unmittelbare Dasein ist zugleich nicht allein und bloß
unmittelbares Bewußtsein, sondern es ist religiöses Bewußtsein; die
Unmittelbarkeit hat ungetrennt die Bedeutung nicht nur eines
_seienden_ Selbstbewußtseins, sondern des rein gedachten oder
absoluten _Wesens_. Wessen wir uns in unserem Begriffe bewußt sind,
daß das _Sein Wesen_ ist, ist das religiöse Bewußtsein sich bewußt.
Diese _Einheit_ des Seins und Wesens, des _Denkens_, das unmittelbar
_Dasein ist_, ist, wie es der _Gedanke_ dieses religiösen Bewußtseins
oder sein _vermitteltes_ Wissen ist, ebenso _sein unmittelbares_
Wissen; denn diese Einheit des Seins und Denkens ist das
_Selbst_bewußtsein, und ist selbst _da_, oder die _gedachte_ Einheit
hat zugleich diese Gestalt dessen, was sie ist. Gott ist also hier
_offenbar_, wie _er ist; er ist so da_, wie er _an sich_ ist; er ist
da, als Geist. Gott ist allein im reinen spekulativen Wissen
erreichbar, und ist nur in ihm und ist nur es selbst, denn er ist der
Geist; und dieses spekulative Wissen ist das Wissen der offenbaren
Religion. Jenes weiß ihn als _Denken_ oder reines Wesen, und dies
Denken als Sein und als Dasein, und das Dasein als die Negativität
seiner selbst, hiemit als Selbst, _dieses_ und allgemeines Selbst;
eben dies weiß die offenbare Religion.--Die Hoffnungen und
Erwartungen der vorhergehenden Welt drängten sich allein auf diese
Offenbarung hin, anzuschauen, was das absolute Wesen ist, und sich
selbst in ihm zu finden; diese Freude wird dem Selbstbewußtsein und
ergreift die ganze Welt, im absoluten Wesen sich zu schauen, denn es
ist Geist, es ist die einfache Bewegung jener reinen Momente, die
dies selbst ausdrückt, daß das Wesen dadurch erst, daß es als
_unmittelbares_ Selbstbewußtsein angeschaut wird, als Geist gewußt
wird.
Dieser Begriff des selbst sich selbst als Geist wissenden Geistes ist
selbst der unmittelbare, und noch nicht entwickelt. Das Wesen ist
Geist, oder es ist erschienen, es ist offenbar; dies erste
Offenbarsein ist selbst _unmittelbar_; aber die Unmittelbarkeit ist
ebenso reine Vermittlung oder Denken; sie muß daher an ihr selbst als
solcher dies darstellen.--Bestimmter dies betrachtet, so ist der
Geist in der Unmittelbarkeit des Selbstbewußtseins _dieses einzelne_
Selbstbewußtsein, dem _allgemeinen_ entgegengesetzt; er ist
ausschließendes Eins, das für das Bewußtsein, _für welches_ es da ist,
die noch unaufgelöste Form eines _sinnlichen Andern_ hat; dieses
weiß den Geist noch nicht als den seinen, oder der Geist ist noch
nicht, wie er _einzelnes_ Selbst ist, ebensowohl als allgemeines, als
alles Selbst da. Oder die Gestalt hat noch nicht die Form des
_Begriffs_; d.h. des allgemeinen Selbsts, des Selbsts, das in seiner
unmittelbaren Wirklichkeit ebenso Aufgehobnes, Denken, Allgemeinheit
ist, ohne in dieser jene zu verlieren.--Die nächste und selbst
unmittelbare Form dieser Allgemeinheit ist aber nicht schon die Form
_des Denkens selbsts, des Begriffes als Begriffes_, sondern die
Allgemeinheit der Wirklichkeit, die Allheit der Selbst, und die
Erhebung des Daseins in die Vorstellung; wie überall, und um ein
bestimmtes Beispiel anzuführen, das aufgehobne _sinnliche Dieses_
erst das Ding der _Wahrnehmung_, noch nicht das _Allgemeine_ des
Verstandes ist.
Dieser einzelne Mensch also, als welcher das absolute Wesen offenbar
ist, vollbringt an ihm als Einzelnem die Bewegung des _sinnlichen
Seins_. Er ist der _unmittelbar_ gegenwärtige Gott; dadurch geht
sein _Sein_ in _Gewesensein_ über. Das Bewußtsein, für welches er
diese sinnliche Gegenwart hat, hört auf, ihn zu sehen, zu hören; es
_hat_ ihn gesehen und gehört; und erst dadurch, daß es ihn nur
gesehen, gehört _hat_, wird es selbst geistiges Bewußtsein, oder wie
er vorher als _sinnliches Dasein_ für es aufstand, ist er itzt _im
Geiste_ aufgestanden.--Denn als solches, das ihn sinnlich sieht und
hört, ist es selbst nur unmittelbares Bewußtsein, das die
Ungleichheit der Gegenständlichkeit nicht aufgehoben, nicht ins reine
Denken zurückgenommen hat, sondern diesen gegenständlichen Einzelnen,
nicht aber sich selbst als Geist weiß. In dem Verschwinden des
unmittelbaren Daseins des als absoluten Wesens Gewußten erhält das
Unmittelbare sein negatives Moment; der Geist bleibt unmittelbares
Selbst der Wirklichkeit, aber als _das allgemeine Selbstbewußtsein_
der Gemeine, das in seiner eignen Substanz ruht, so wie diese in ihm
allgemeines Subjekt ist; nicht der Einzelne für sich, sondern
zusammen mit dem Bewußtsein der Gemeine, und das, was er für diese
ist, ist das vollständige Ganze desselben.
_Vergangenheit_ und _Entfernung_ sind aber nur die unvollkommne Form,
wie die unmittelbare Weise vermittelt oder allgemein gesetzt ist;
diese ist nur oberflächlich in das Element des Denkens getaucht, ist
_als_ sinnliche Weise darin aufbewahrt, und mit der Natur des Denkens
selbst nicht in eins gesetzt. Es ist nur in das _Vorstellen_ erhoben,
denn dies ist die synthetische Verbindung der sinnlichen
Unmittelbarkeit und ihrer Allgemeinheit oder des Denkens.
Diese _Form des Vorstellens_ macht die Bestimmtheit aus, in welcher
der Geist, in dieser seiner Gemeine, seiner bewußt wird. Sie ist
noch nicht das zu seinem Begriffe als Begriffe gediehene
Selbstbewußtsein desselben; die Vermittelung ist noch unvollendet.
Es ist also in dieser Verbindung des Seins und Denkens der Mangel
vorhanden, daß das geistige Wesen noch mit einer unversöhnten
Entzweiung in ein Diesseits und Jenseits behaftet ist. Der _Inhalt_
ist der wahre, aber alle seine Momente haben, in dem Elemente des
Vorstellens gesetzt, den Charakter, nicht begriffen zu sein, sondern
als vollkommen selbstständige Seiten zu erscheinen, die sich
_äußerlich_ aufeinander beziehen. Daß der wahre Inhalt auch seine
wahre Form für das Bewußtsein erhalte, dazu ist die höhere Bildung
des Letztern notwendig, seine Anschauung der absoluten Substanz in
den Begriff zu erheben, und _für es selbst_ sein Bewußtsein mit
seinem Selbstbewußtsein auszugleichen, wie dies für uns oder _an
sich_ geschehen ist.
Dieser Inhalt ist in der Weise, wie er in seinem Bewußtsein ist, zu
betrachten.--Der absolute Geist ist _Inhalt_, so ist er in der
Gestalt seiner _Wahrheit_. Aber seine Wahrheit ist, nicht nur die
Substanz der Gemeinde oder das _An-sich_ derselben zu sein, noch auch
nur aus dieser Innerlichkeit in die Gegenständlichkeit des
Vorstellens heraufzutreten, sondern wirkliches Selbst zu werden, sich
in sich zu reflektieren und Subjekt zu sein. Dies ist also die
Bewegung, welche er in seiner Gemeine vollbringt, oder dies ist das
Leben desselben. Was dieser sich offenbarende Geist _an und für
sich_ ist, wird daher nicht dadurch herausgebracht, daß sein reiches
Leben in der Gemeine gleichsam aufgedreht und auf seinen ersten Faden
zurückgeführt wird, etwa auf die Vorstellungen der ersten
unvollkommnen Gemeine, oder gar auf das, was der wirkliche Mensch
gesprochen hat. Dieser Zurückführung liegt der Instinkt zugrunde,
auf den Begriff zu gehen; aber sie verwechselt den _Ursprung_ als das
_unmittelbare Dasein_ der ersten Erscheinung mit der _Einfachheit_
des _Begriffes_. Durch diese Verarmung des Lebens des Geistes, durch
das Wegräumen der Vorstellung der Gemeine und ihres Tuns gegen ihre
Vorstellung, entsteht daher statt des Begriffes vielmehr die bloße
Äußerlichkeit und Einzelnheit, die geschichtliche Weise der
unmittelbaren Erscheinung und die geistlose Erinnerung einer
einzelnen gemeinten Gestalt und ihrer Vergangenheit.
Der Geist ist Inhalt seines Bewußtseins zuerst in der Form _der
reinen Substanz_, oder ist Inhalt seines reinen Bewußtseins. Dies
Element des Denkens ist die Bewegung, zum Dasein oder der Einzelnheit
herunterzusteigen. Die Mitte zwischen ihnen ist ihre synthetische
Verbindung, das Bewußtsein des Anderswerdens oder das Vorstellen als
solches. Das dritte ist die Rückkehr aus der Vorstellung und dem
Anderssein oder das Element des Selbstbewußtseins selbst.--Diese drei
Momente machen den Geist aus; sein Auseinandertreten in der
Vorstellung besteht darin, auf eine _bestimmte_ Weise zu sein; diese
Bestimmtheit aber ist nichts anderes als eines seiner Momente. Seine
ausführliche Bewegung ist also diese, in jedem seiner Momente als in
einem Elemente seine Natur auszubreiten; indem jeder dieser Kreise
sich in sich vollendet, ist diese seine Reflexion in sich zugleich
der Übergang in den andern. Die _Vorstellung_ macht die Mitte
zwischen dem reinen Denken und dem Selbstbewußtsein als solchem aus,
und ist nur _eine_ der Bestimmtheiten; zugleich aber, wie sich
gezeigt, ist ihr Charakter, die synthetische Verbindung zu sein, über
alle diese Elemente ausgebreitet und ihre gemeinschaftliche
Bestimmtheit.
Der Inhalt selbst, der zu betrachten ist, ist zum Teil schon als die
Vorstellung des _unglücklichen_ und _glaubenden_ Bewußtseins
vorgekommen;--in jenem aber in der Bestimmung des aus dem _Bewußtsein
hervorgebrachten_ und _ersehnten_ Inhalts, worin der Geist sich nicht
ersättigen noch Ruhe finden kann, weil er noch nicht _an sich_ oder
als seine _Substanz_ sein Inhalt ist;--in diesem dagegen ist er als
das selbstlose _Wesen_ der Welt oder als wesentlich
_gegenständlicher_ Inhalt des Vorstellens betrachtet worden,--eines
Vorstellens, das der Wirklichkeit überhaupt entflieht, und daher ohne
die _Gewißheit des Selbstbewußtseins_ ist, die sich teils als
Eitelkeit des Wissens, teils als reine Einsicht von ihm trennt.--Das
Bewußtsein der Gemeine hingegen hat ihn zu seiner _Substan_z, ebenso
als er ihre _Gewißheit_ des eignen Geistes ist.
Der Geist zuerst als Substanz im _Elemente des reinen Denkens_
vorgestellt, ist er hiemit unmittelbar das einfache sich selbst
gleiche, ewige _Wesen_, das aber nicht diese abstrakte _Bedeutung_
des Wesens, sondern die Bedeutung des absoluten Geistes hat. Allein
der Geist ist dies, nicht Bedeutung, nicht das Innre, sondern das
Wirkliche zu sein. Das einfache ewige Wesen daher würde nur dem
leeren Worte nach Geist sein, wenn es bei der Vorstellung und dem
Ausdrucke des einfachen ewigen Wesens bliebe. Das einfache Wesen
aber, weil es die Abstraktion ist, ist es in der Tat das _Negative an
sich selbst_, und zwar die Negativität des Denkens oder sie, wie sie
im _Wesen_ an sich ist; d.h. es ist der absolute _Unterschied_ von
sich, oder sein reines Anderswerden. Als _Wesen_ ist es nur _an
sich_ oder für uns; aber indem diese Reinheit eben die Abstraktion
oder Negativität ist, ist es _für sich selbst_, oder das _Selbst_,
der _Begriff_.--Es ist also _gegenständlich_; und indem die
Vorstellung die soeben ausgesprochne _Notwendigkeit_ des Begriffs als
ein _Geschehen_ auffaßt und ausspricht, so wird gesagt werden, daß
das ewige Wesen sich ein Anderes _erzeugt_. Aber in diesem
Anderssein ist es ebenso unmittelbar in sich zurückgekehrt; denn der
Unterschied ist der Unterschied _an sich_, d.h. er ist unmittelbar
nur von sich selbst unterschieden, er ist also die in sich
zurückgekehrte Einheit.
Es unterscheiden sich also die drei Momente, des _Wesens_, des
_Für-sich-seins_, welches das Anderssein des Wesens ist und für
welches das Wesen ist, und des _Für-sich-seins_ oder
Sich-selbst-wissens im _Andern_. Das Wesen schaut nur sich selbst in
seinem Für-sich-sein an; es ist in dieser Entäußerung nur bei sich,
das Für-sich-sein, das sich von dem Wesen ausschließt, ist das
_Wissen_ des _Wesens seiner selbst_; es ist das Wort, das
ausgesprochen den Aussprechenden entäußert und ausgeleert zurückläßt,
aber ebenso unmittelbar vernommen ist, und nur dieses sich selbst
Vernehmen ist das Dasein des Wortes. So daß die Unterschiede, die
gemacht sind, ebenso unmittelbar aufgelöst, als sie gemacht, und
ebenso unmittelbar gemacht, als sie aufgelöst sind, und das Wahre und
Wirkliche eben diese in sich kreisende Bewegung ist.
Diese Bewegung in sich selbst spricht das absolute Wesen als _Geist_
aus; das absolute Wesen, das nicht als Geist erfaßt wird, ist nur das
abstrakte Leere, so wie der Geist, der nicht als diese Bewegung
erfaßt wird, nur ein leeres Wort ist. Indem seine _Momente_ in ihrer
Reinheit gefaßt werden, sind sie die ruhelosen Begriffe, die nur sind,
ihr Gegenteil an sich selbst zu sein und ihre Ruhe im Ganzen zu
haben. Aber das _Vorstellen_ der Gemeine ist nicht dies
_begreifende_ Denken; sondern hat den Inhalt ohne seine Notwendigkeit,
und bringt statt der Form des Begriffes die natürlichen Verhältnisse
von Vater und Sohn in das Reich des reinen Bewußtseins. Indem es so
im Denken selbst sich _vorstellend_ verhält, ist ihm das Wesen zwar
offenbar, aber die Momente desselben treten ihm um dieser
synthetischen Vorstellung willen teils selbst auseinander, so daß sie
nicht durch ihren eignen Begriff sich aufeinander beziehen, teils
tritt es von diesem seinem reinen Gegenstand zurück, bezieht sich nur
äußerlich auf ihn; er ist ihm von einem Fremden geoffenbart, und in
diesem Gedanken des Geistes erkennt es nicht sich selbst, nicht die
Natur des reinen Selbstbewußtseins. Insofern über die Form des
Vorstellens und jener Verhältnisse, die aus dem Natürlichen
hergenommen sind, und damit besonders auch darüber hinausgegangen
werden muß, die Momente der Bewegung, die der Geist ist, für
isolierte nichtwankende Substanzen oder Subjekte statt für
übergehende Momente zu nehmen,--ist dies Hinausgehen, wie vorhin bei
einer andern Seite erinnert wurde, für ein Drängen des Begriffes
anzusehen; aber indem es nur Instinkt ist, verkennt es sich, verwirft
mit der Form auch den Inhalt, und, was dasselbe ist, setzt ihn zu
einer geschichtlichen Vorstellung und einem Erbstücke der Tradition
herab; hierin ist das rein Äußerliche des Glaubens nur beibehalten,
und damit als ein erkenntnisloses Totes, das _Innerliche_ desselben
aber ist verschwunden, weil dies der Begriff wäre, der sich als
Begriff weiß.
Der absolute Geist, im _reinen Wesen_ vorgestellt, ist zwar nicht das
_abstrakte_ reine Wesen, sondern dieses ist vielmehr ebendadurch, daß
es im Geiste nur Moment ist, zum _Elemente_ herabgesunken. Die
Darstellung des Geistes aber in diesem Elemente hat denselben Mangel
der Form nach an sich, den das _Wesen_ als Wesen hat. Das Wesen ist
das Abstrakte, und darum das Negative seiner Einfachheit, ein Anderes;
ebenso der _Geist_ im Elemente des Wesens ist die _Form_ der
_einfachen Einheit_, die darum ebenso wesentlich ein Anderswerden ist.
--Oder was dasselbe ist, die Beziehung des ewigen Wesens auf sein
Für-sich-sein ist die unmittelbar-einfache des reinen Denkens; in
diesem _einfachen_ Anschauen seiner selbst im Andern ist also das
_Anderssein_ nicht als solches gesetzt; es ist der Unterschied, wie
er im reinen Denken unmittelbar _kein Unterschied_ ist; ein
Anerkennen _der Liebe_, worin die beiden nicht ihrem Wesen nach sich
_entgegensetzten_.--Der Geist, der im Elemente des reinen Denkens
ausgesprochen ist, ist wesentlich selbst dieses, nicht in ihm nur,
sondern _Wirklicher_ zu sein, denn in seinem Begriffe liegt selbst
das _Anderssein_, d.h. das Aufheben des reinen nur gedachten
Begriffes.
Das Element des reinen Denkens, weil es das abstrakte ist, ist selbst
vielmehr das _Andre_ seiner Einfachheit, und geht daher in das
eigentliche Element des _Vorstellens_ über,--das Element, worin die
Momente des reinen Begriffes ein _substantielles_ Dasein ebenso
gegeneinander erhalten, als sie _Subjekte_ sind, die nicht für ein
drittes die Gleichgültigkeit des Seins gegeneinander haben, sondern
in sich reflektiert sich selbst voneinander absondern und
entgegenstellen.
Der also nur ewige oder abstrakte Geist wird sich _ein Anders_ oder
tritt in das Dasein und unmittelbar in das _unmittelbare Dasein_. Er
_erschafft_ also eine _Welt_. Dieses _Erschaffen_ ist das Wort der
Vorstellung für den _Begriff_ selbst nach seiner absoluten Bewegung,
oder dafür, daß das als absolut ausgesagte Einfache oder reine Denken,
weil es das abstrakte ist, vielmehr das Negative und hiemit sich
Entgegengesetzte oder _Andre_ ist;--oder weil, um dasselbe noch in
einer andern Form zu sagen, weil das als _Wesen_ gesetzte die
einfache _Unmittelbarkeit_ oder das _Sein_ ist, aber als
Unmittelbarkeit oder Sein des Selbsts entbehrt und also, der
Innerlichkeit ermangelnd, _passiv_ oder _Sein für Anderes_ ist.--Dies
_Sein für Anderes_ ist zugleich _eine Welt_; der Geist in der
Bestimmung des _Seins für Anderes_ ist das ruhige Bestehen der vorhin
in das reine Denken eingeschlossenen Momente, also die Auflösung
ihrer einfachen Allgemeinheit und das Auseinandergehen derselben in
ihre eigne Besonderheit.
Die Welt ist aber nicht nur dieser auseinander in die Vollständigkeit
und deren äußere Ordnung geworfene Geist, sondern da er wesentlich
das einfache Selbst ist, ist dieses an ihr ebenso vorhanden; der
_daseiende_ Geist, der das einzelne Selbst ist, welches das
Bewußtsein hat, und sich als Andres oder als Welt von sich
unterscheidet.--Wie dieses einzelne Selbst so unmittelbar erst
gesetzt ist, ist es noch nicht _Geist für sich_; es _ist_ also nicht
_als_ Geist, es kann _unschuldig_, aber nicht wohl _gut_ genannt
werden. Daß es in der Tat Selbst und Geist sei, muß es ebenso, wie
das ewige Wesen sich als die Bewegung in seinem Anderssein sich
selbst gleich zu sein darstellt, zunächst sich selbst ein _Anderes_
werden. Indem dieser Geist bestimmt ist als erst unmittelbar
daseiend oder als in die Mannigfaltigkeit seines Bewußtseins
zerstreut, so ist sein Anderswerden das _In-sich_-gehen des Wissens
überhaupt. Das unmittelbare Dasein schlägt in den Gedanken, oder das
nur sinnliche Bewußtsein in das Bewußtsein des Gedankens um, und zwar,
weil er der aus der Unmittelbarkeit herkommende oder _bedingte_
Gedanke ist, ist er nicht das reine Wissen, sondern der Gedanke, der
das Anderssein an ihm hat, und also der sich selbst entgegengesetzte
Gedanke des _Guten_ und _Bösen_. Der Mensch wird so vorgestellt, daß
es _geschehen_ ist, als etwas nicht Notwendiges,--daß er die Form der
Sichselbstgleichheit durch das Pflücken vom Baume des Erkenntnisses
des _Guten_ und _Bösen_ verlor und aus dem Zustande des unschuldigen
Bewußtseins, aus der arbeitlos sich darbietenden Natur und dem
Paradiese, dem Garten der Tiere, vertrieben wurde.
Indem dies In-sich-gehen des daseienden Bewußtseins sich unmittelbar
als das Sich-selbst-_ungleich_-werden bestimmt, so erscheint das
_Böse_ als das erste Dasein des in sich gegangenen Bewußtseins; und
weil die Gedanken des _Guten_ und _Bösen_ schlechthin
entgegengesetzte und diese Entgegensetzung noch nicht aufgelöst ist,
so ist dies Bewußtsein wesentlich nur das Böse. Zugleich aber ist um
eben dieser Entgegensetzung willen auch das _gute_ Bewußtsein gegen
es vorhanden, und ihr Verhältnis zueinander.--Insofern das
unmittelbare Dasein in den _Gedanken_ umschlägt, und das
_In-sich-sein_ teils selbst Denken, teils das Moment des
_Anderswerdens_ des Wesens damit näher bestimmt ist, so kann das
Bösewerden weiter rückwärts aus der daseienden Welt hinaus schon in
das erste Reich des Denkens verlegt werden. Es kann also gesagt
werden, daß schon der erstgeborne Lichtsohn, als in sich gehend, es
sei, der abgefallen, aber an dessen Stelle sogleich ein anderer
erzeugt worden. Solche bloß der Vorstellung, nicht dem Begriff
angehörige Form wie _Abfallen_, ebenso wie _Sohn_, setzt übrigens die
Momente des Begriffs ebenso umgekehrt in das Vorstellen herab, oder
trägt das Vorstellen in das Reich des Gedankens hinüber.--Ebenso
gleichgültig ist es, dem einfachen Gedanken des _Andersseins_ im
ewigen Wesen noch eine Mannigfaltigkeit anderer Gestalten beizuordnen,
und das _In-sich-gehen_ in diese zu verlegen. Diese Beiordnung muß
darum zugleich gutgeheißen werden, weil dadurch dies Moment des
_Andersseins_, wie es soll, die Verschiedenheit zugleich ausdrückt;
und zwar nicht als Vielheit überhaupt, sondern zugleich als bestimmte
Verschiedenheit, so daß der eine Teil, der Sohn, das einfache sich
selbst als Wesen Wissende ist, der andre Teil aber, die Entäußerung
des Für-sich-seins, die nur im Preise des Wesens lebt; in diesen Teil
kann dann auch wieder das Zurücknehmen des entäußerten Für-sich-seins
und das In-sich-gehen des Bösen gelegt werden. Insofern das
Anderssein in zwei zerfällt, wäre der Geist in seinen Momenten
bestimmter, und wenn sie gezählt werden, als Viereinigkeit, oder weil
die Menge wieder selbst in zwei Teile, nämlich in gut gebliebne und
böse gewordne zerfällt, gar als Fünfeinigkeit ausgedrückt.--Die
Momente aber zu _zählen_ kann überhaupt als unnütz angesehen werden,
indem teils das Unterschiedne selbst ebensosehr nur _eines_ ist,
nämlich eben der _Gedanke_ des Unterschiedes, der nur _ein_ Gedanke
ist, als er _dieses_ Unterschiedne, das zweite gegen das erste ist,
--teils aber, weil der Gedanke, der das Viele in Eines befaßt, aus
seiner Allgemeinheit aufgelöst und in mehr als drei oder vier
Unterschiedne unterschieden werden muß;--welche Allgemeinheit gegen
die absolute Bestimmtheit des abstrakten Eins, des Prinzips der Zahl,
als Unbestimmtheit in der Beziehung auf die Zahl selbst erscheint, so
daß nur von _Zahlen_ überhaupt, d.h. nicht von einer _Anzahl_ der
Unterschiede die Rede sein könnte, also hier überhaupt an Zahl und
ans Zählen zu denken ganz überflüssig, wie auch sonst der bloße
Unterschied der Größe und Menge begrifflos und nichtssagend ist.
Das _Gute_ und das _Böse_ waren die bestimmten Unterschiede des
Gedankens, die sich ergaben. Indem ihr Gegensatz sich noch nicht
aufgelöst, und sie als Wesen des Gedankens vorgestellt werden, deren
jedes für sich selbstständig ist, so ist der Mensch das wesenlose
Selbst und der synthetische Boden ihres Daseins und Kampfs. Aber
diese allgemeinen Mächte gehören ebensosehr dem Selbst an, oder das
Selbst ist ihre Wirklichkeit. Nach diesem Momente geschieht es also,
daß, wie das Böse nichts anderes ist als das In-sich-gehen des
natürlichen Daseins des Geistes, umgekehrt das Gute in die
Wirklichkeit tritt und als ein daseiendes Selbstbewußtsein erscheint.
--Was im rein gedachten Geiste als das _Anderswerden_ des göttlichen
Wesens überhaupt nur angedeutet ist, tritt hier seiner Realisierung
für das Vorstellen näher; sie besteht ihm in der Selbsterniedrigung
des göttlichen Wesens, das auf seine Abstraktion und Unwirklichkeit
Verzicht tut.--Die andere Seite, das Böse, nimmt das Vorstellen als
ein dem göttlichen Wesen fremdes Geschehen; es in demselben selbst,
_als seinen Zorn_ zu fassen, ist die höchste, härteste Anstrengung
des mit sich selbst ringenden Vorstellens, die, da sie des Begriffs
entbehrt, fruchtlos bleibt.
Die Entfremdung des göttlichen Wesens ist also auf ihre gedoppelte
Weise gesetzt; das Selbst des Geistes und sein einfacher Gedanke sind
die beiden Momente, deren absolute Einheit der Geist selbst ist;
seine Entfremdung besteht darin, daß sie auseinandertreten und das
eine einen ungleichen Wert gegen das andre hat. Diese Ungleichheit
ist darum die gedoppelte, und es entstehen zwei Verbindungen, deren
gemeinschaftliche Momente die angegebnen sind. In der einen gilt das
_göttliche Wesen_ als das Wesentliche, das natürliche Dasein aber und
das Selbst als das Unwesentliche und Aufzuhebende; in der andern gilt
dagegen das _Für-sich-sein_ als das Wesentliche, und das einfache
Göttliche als das unwesentliche. Ihre noch leere Mitte ist das
_Dasein_ überhaupt, die bloße Gemeinschaftlichkeit der beiden Momente
derselben.
Die Auflösung dieses Gegensatzes geschieht nicht sowohl durch den
Kampf der beiden, die als getrennte und selbstständige Wesen
vorgestellt sind. In ihrer _Selbstständigkeit_ liegt es, daß _an
sich_, durch seinen Begriff, jedes an ihm selbst sich auflösen muß;
der Kampf fällt erst dahin, wo beide aufhören, diese Vermischungen
des Gedankens und des selbstständigen Daseins zu sein, und wo sie nur
als Gedanken einander gegenüberstehen. Denn alsdenn sind sie als
bestimmte Begriffe wesentlich nur in der entgegengesetzten Beziehung;
als selbstständige hingegen haben sie außer der Entgegensetzung ihre
Wesentlichkeit; ihre Bewegung ist also die freie und eigne ihrer
selbst. Wie also die Bewegung beider die Bewegung _an sich_ ist,
weil sie an ihnen selbst zu betrachten ist, so fängt sie auch
dasjenige von beiden an, welches als das Ansichseiende gegen das
andre bestimmt ist. Es wird dies als ein freiwilliges Tun
vorgestellt; aber die Notwendigkeit seiner Entäußerung liegt in dem
Begriffe, daß das Ansichseiende, welches nur im Gegensatze so
bestimmt ist, eben darum nicht wahrhaftes Bestehen hat;--dasjenige
also, dem nicht das Für-sich-sein, sondern das Einfache als das Wesen
gilt, ist es, das sich selbst entäußert, in den Tod geht, und dadurch
das absolute Wesen mit sich selbst versöhnt. Denn in dieser Bewegung
stellt es sich als _Geist_ dar; das abstrakte Wesen ist sich
entfremdet, es hat natürliches Dasein und selbstische Wirklichkeit;
dies sein Anderssein oder seine sinnliche Gegenwart wird durch das
zweite Anderswerden zurückgenommen und als aufgehobne, als
_allgemeine_ gesetzt; dadurch ist das Wesen in ihr sich selbst
geworden; das unmittelbare Dasein der Wirklichkeit hat aufgehört, ein
ihm fremdes oder äußerliches zu sein, indem es aufgehobnes,
allgemeines ist; dieser Tod ist daher sein Erstehen als Geist.
Die aufgehobne unmittelbare Gegenwart des selbstbewußten Wesens ist
es als allgemeines Selbstbewußtsein; dieser Begriff des aufgehobnen
einzelnen Selbsts, das absolutes Wesen ist, drückt daher unmittelbar
die Konstituierung einer Gemeinde aus, die, bisher im Vorstellen
verweilend, itzt in sich als in das Selbst zurückkehrt; und der Geist
geht somit aus dem zweiten Elemente seiner Bestimmung, dem Vorstellen,
in das _dritte_, das Selbstbewußtsein als solches über.--Betrachten
wir noch die Art, wie jenes Vorstellen sich in seinem Fortgange
benimmt, so sehen wir zuerst dies ausgedrückt, daß das göttliche
Wesen die menschliche Natur annimmt. Darin ist es schon
_ausgesprochen_, daß _an sich_ beide nicht getrennt sind;--wie darin,
daß das göttliche Wesen sich selbst _von Anfang_ entäußert, sein
Dasein in sich geht und böse wird, es nicht ausgesprochen, aber darin
_enthalten_ ist, daß _an sich_ dies böse Dasein nicht ein ihm Fremdes
ist; das absolute Wesen hätte nur diesen leeren Namen, wenn es in
Wahrheit ein ihm _Anderes_, wenn es einen _Abfall_ von ihm gäbe;--das
Moment des _In-sich-seins_ macht vielmehr das wesentliche Moment des
_Selbsts_ des Geistes aus.--Daß das _In-sich-sein_ und damit erst
_Wirklichkeit_ dem Wesen selbst angehöre, dies, was für uns _Begriff_
ist, und insofern es Begriff ist, erscheint dem vorstellenden
Bewußtsein als ein unbegreifliches _Geschehen_; das _An-sich_ nimmt
die Form des _gleichgültigen Seins_ für es an. Der Gedanke aber, daß
jene sich zu fliehen scheinende Momente, des absoluten Wesens und des
fürsichseienden Selbsts, nicht getrennt sind, erscheint diesem
Vorstellen _auch_--denn es besitzt den wahren Inhalt--, aber nachher,
in der Entäußerung des göttlichen Wesens, das Fleisch wird. Diese
Vorstellung, die auf diese Weise noch _unmittelbar_ und daher nicht
geistig ist, oder die menschliche Gestalt des Wesens nur erst als
eine besondre, noch nicht allgemeine weiß, wird für dies Bewußtsein
geistig in der Bewegung des gestalteten Wesens sein unmittelbares
Dasein wieder aufzuopfern und zum Wesen zurückzukehren; das Wesen als
_in sich reflektiertes_ ist erst der Geist.--Die _Versöhnung_ des
göttlichen Wesens mit dem _Andern_ überhaupt und bestimmt mit dem
_Gedanken_ desselben, dem _Bösen_, ist also hierin vorgestellt.--Wenn
diese Versöhnung nach _ihrem Begriffe_ so ausgedrückt wird, daß sie
darin bestehe, weil _an sich_ das _Böse dasselbe_ sei, was das _Gute_,
oder auch das göttliche Wesen _dasselbe_, was die Natur in ihrem
ganzen Umfange, so wie die Natur getrennt vom göttlichen Wesen nur
das _Nichts_,--so ist dies als eine ungeistige Weise sich
auszudrücken anzusehen, die notwendig Mißverständnisse erwecken muß.
--Indem das Böse _dasselbe_ ist, was das Gute, ist eben das Böse
nicht Böses noch das Gute Gutes, sondern beide sind vielmehr
aufgehoben, das Böse überhaupt das insichseiende Für-sich-sein und
das Gute das selbstlose Einfache. Indem so beide nach ihrem Begriffe
ausgesprochen werden, erhellt zugleich ihre Einheit; denn das
insichseiende Für-sich-sein ist das einfache Wissen; und das
selbstlose Einfache ist ebenso das reine in sich seiende
Für-sich-sein.--Sosehr daher gesagt werden muß, daß nach diesem ihrem
Begriffe das Gute und Böse, d.h. insofern sie nicht das Gute und das
Böse sind, _dasselbe_ seien, ebensosehr muß also gesagt werden, daß
sie _nicht_ dasselbe, sondern schlechthin _verschieden_ sind, denn
das einfache Für-sich-sein oder auch das reine Wissen sind
gleicherweise die reine Negativität oder der absolute Unterschied an
ihnen selbst.--Erst diese beiden Sätze vollenden das Ganze, und dem
Behaupten und Versichern des ersten muß mit unüberwindlicher
Hartnäckigkeit das Festhalten an dem andern gegenübertreten; indem
beide gleich recht haben, haben beide gleich unrecht, und ihr Unrecht
besteht darin, solche abstrakte Formen, wie _dasselbe_ und _nicht
dasselbe_, die _Identität_ und die _Nichtidentität_ für etwas Wahres,
Festes, Wirkliches zu nehmen und auf ihnen zu beruhen. Nicht das
eine oder das andre hat Wahrheit, sondern eben ihre Bewegung, daß das
einfache Dasselbe die Abstraktion und damit der absolute Unterschied,
dieser aber als Unterschied an sich, von sich selbst unterschieden
also die Sichselbstgleichheit ist. Ebendies ist der Fall mit der
_Dieselbigkeit_ des göttlichen Wesens und der Natur überhaupt und der
menschlichen insbesondre; jenes ist Natur, insofern es nicht Wesen
ist; diese ist göttlich nach ihrem Wesen;--aber es ist der Geist,
worin beide abstrakte Seiten, wie sie in Wahrheit sind, nämlich als
_aufgehobne_ gesetzt sind,--ein Setzen, das nicht durch das Urteil
und das geistlose _Ist_, die Kopula desselben, ausgedrückt werden
kann.--Ebenso ist die Natur _nichts außer_ ihrem Wesen; aber dies
Nichts selbst _ist_ ebensosehr; es ist die absolute Abstraktion, also
das reine Denken oder In-sich-sein, und mit dem Momente seiner
Entgegensetzung gegen die geistige Einheit ist es das _Böse_. Die
Schwierigkeit, die in diesen Begriffen stattfindet, ist allein das
Festhalten am _Ist_ und das Vergessen des Denkens, worin die Momente
ebenso _sind_ als _nicht sind_,--nur die Bewegung sind, die der Geist
ist.--Diese geistige Einheit oder die Einheit, worin die Unterschiede
nur als Momente oder als aufgehobne sind, ist es, die für das
vorstellende Bewußtsein in jener Versöhnung geworden, und indem sie
die Allgemeinheit des Selbstbewußtseins ist, hat dieses aufgehört,
vorstellendes zu sein; die Bewegung ist in es zurückgegangen.
Der Geist ist also in dem dritten Elemente, im _allgemeinen
Selbstbewußtsein_ gesetzt; er ist seine _Gemeinde_. Die Bewegung der
Gemeinde als des Selbstbewußtseins, das sich von seiner Vorstellung
unterscheidet, ist, das _hervorzubringen_, was _an sich_ geworden ist.
Der gestorbne göttliche Mensch oder menschliche Gott ist _an sich_
das allgemeine Selbstbewußtsein; er hat dies _für dies
Selbstbewußtsein_ zu werden. Oder indem es die _eine_ Seite des
Gegensatzes der Vorstellung ausmacht, nämlich die böse, der das
natürliche Dasein und das einzelne Für-sich-sein als das Wesen gilt,
so hat diese, die als selbstständig, noch nicht als Moment
vorgestellt ist, um ihrer Selbstständigkeit willen an und für sie
selbst sich zum Geiste zu erheben, oder die Bewegung desselben an ihr
darzustellen.
Sie _ist_ der _natürliche Geis_t; das Selbst hat aus dieser
Natürlichkeit sich zurückzuziehen und in sich zu gehen, das hieße,
_böse_ zu werden. Aber sie ist schon _an sich_ böse; das
In-sich-gehen besteht daher darin, _sich zu überzeugen_, daß das
natürliche Dasein das Böse ist. In das vorstellende Bewußtsein fällt
das _daseiende_ Bösewerden und Bösesein der Welt, so wie die
_daseiende_ Versöhnung des absoluten Wesens; in das
_Selbstbewußtsein_ aber als solches fällt der Form nach dieses
Vorgestellte nur als aufgehobnes Moment, denn das _Selbst_ ist das
Negative; also das _Wissen_--ein Wissen, das ein reines Tun des
Bewußtseins in sich selbst ist.--An dem Inhalte muß dies Moment des
_Negativen_ gleichfalls sich ausdrücken. Indem nämlich das Wesen _an
sich_ mit sich schon versöhnt und geistige Einheit ist, worin die
Teile der Vorstellung _aufgehobne_ oder _Momente_ sind, so stellt
sich dies dar, daß jeder Teil der Vorstellung hier die
_entgegengesetzte_ Bedeutung erhält, als er vorher hatte; jede
Bedeutung vervollständigt sich dadurch an der andern, und der Inhalt
ist erst dadurch ein geistiger; indem die Bestimmtheit ebensosehr
ihre entgegengesetzte ist, ist die Einheit im Anderssein, das
Geistige, vollendet; wie sich für uns oder _an sich_ vorhin die
entgegengesetzten Bedeutungen vereinigten, und selbst die abstrakten
Formen des _Desselben_ und des _Nichtdesselben_, der _Identität_ und
_Nichtidentität_ aufhoben.
Wenn also in dem vorstellenden Bewußtsein das _Innerlichwerden_ des
natürlichen Selbstbewußtseins das _daseiende Böse_ war, so ist das
_Innerlichwerden_ im Elemente des Selbstbewußtseins das _Wissen_ von
_dem Bösen_ als einem solchen, das _an sich_ im Dasein ist. Dies
Wissen ist also allerdings ein Bösewerden, aber nur Werden des
_Gedankens_ des _Bösen_, und ist darum als das erste Moment der
Versöhnung anerkannt. Denn als ein Zurückgehen in sich aus der
Unmittelbarkeit der Natur, die als das Böse bestimmt ist, ist es ein
Verlassen derselben und das Absterben der Sünde. Nicht das
natürliche Dasein als solches wird von dem Bewußtsein verlassen,
sondern es zugleich als ein solches, das als Böses gewußt wird. Die
unmittelbare Bewegung des _In-sich-gehens_ ist ebensosehr eine
vermittelte;--sie setzt sich selbst voraus oder ist ihr eigner Grund;
der Grund des In-sich-gehens ist nämlich, weil die Natur schon an
sich in sich gegangen ist; um des Bösen willen muß der Mensch in sich
gehen, aber das _Böse_ ist selbst das In-sich-gehen.--Diese erste
Bewegung ist eben darum selbst nur die unmittelbare oder ihr
_einfacher Begriff_, weil sie dasselbe, was ihr Grund ist. Die
Bewegung oder das Anderswerden muß daher in seiner eigentlichem Form
erst noch eintreten.
Außer dieser Unmittelbarkeit ist also die _Vermittlung_ der
Vorstellung notwendig. _An sich_ ist das _Wissen_ von der Natur als
dem unwahren Dasein des Geistes, und diese in sich gewordne
Allgemeinheit des Selbsts die Versöhnung des Geistes mit sich selbst.
Dies _An-sich_ erhält für das nicht begreifende Selbstbewußtsein die
Form eines _Seienden_ und _ihm Vorgestellten_. Das Begreifen also
ist ihm nicht ein Ergreifen dieses Begriffes, der die aufgehobne
Natürlichkeit als allgemeine also als mit sich selbst versöhnte weiß,
sondern ein Ergreifen jener _Vorstellung_, daß durch das _Geschehen_
der eignen Entäußerung des göttlichen Wesens, durch seine geschehene
Menschwerdung und seinen Tod das göttliche Wesen mit seinem Dasein
versöhnt ist.--Das Ergreifen dieser Vorstellung drückt nun bestimmter
dasjenige aus, was vorhin in ihr das geistige Auferstehen genannt
wurde, oder das Werden seines einzelnen Selbstbewußtseins zum
Allgemeinen oder zur Gemeinde.--Der _Tod_ des göttlichen Menschen
_als Tod_ ist die _abstrakte_ Negativität, das unmittelbare Resultat
der Bewegung, die nur in die _natürliche_ Allgemeinheit sich endigt.
Diese natürliche Bedeutung verliert er im geistigen Selbstbewußtsein,
oder er wird sein soeben angegebner Begriff; der Tod wird von dem,
was er unmittelbar bedeutet, von dem Nichtsein _dieses Einzelnen_
verklärt zur _Allgemeinheit_ des Geistes, der in seiner Gemeine lebt,
in ihr täglich stirbt und aufersteht.
Dasjenige, was dem Elemente der _Vorstellung_ angehört, daß der
absolute Geist als _ein einzelner_ oder vielmehr als ein _besonderer_
an seinem Dasein die Natur des Geistes vorstellt, ist also hier in
das Selbstbewußtsein selbst versetzt, in das in seinem _Anderssein_
sich erhaltende Wissen; dies _stirbt_ daher nicht wirklich, wie der
_Besondere vorgestellt_ wird, _wirklich_ gestorben zu sein, sondern
seine Besonderheit erstirbt in seiner Allgemeinheit, das heißt, in
seinem _Wissen_, welches das sich mit sich versöhnende Wesen ist.
Das zunächst vorhergehende _Element des Vorstellens_ ist also hier
als aufgehobnes gesetzt, oder es ist in das Selbst, in seinen Begriff,
zurückgegangen; das in jenem nur Seiende ist zum Subjekte geworden.
--Eben damit ist auch das _erste Element, das reine Denken_ und der
in ihm ewige Geist nicht mehr jenseits des vorstellenden Bewußtseins
noch des Selbsts, sondern die Rückkehr des Ganzen in sich ist eben
dies, alle Momente in sich zu enthalten.--Der vom Selbst ergriffne
Tod des Mittlers ist das Aufheben seiner _Gegenständlichkeit_ oder
seines _besondern Für-sich-seins_; dies _besondre_ Für-sich-sein ist
allgemeines Selbstbewußtsein geworden.--Auf der andern Seite ist das
_Allgemeine_ eben dadurch Selbstbewußtsein, und der reine oder
unwirkliche Geist des bloßen Denkens _wirklich_ geworden.--Der Tod
des Mittlers ist Tod nicht nur der _natürlichen Seite_ desselben oder
seines besondern Für-sich-seins, es stirbt nicht nur die vom Wesen
abgezogne schon tote Hülle, sondern auch die _Abstraktion_ des
göttlichen Wesens. Denn er ist, insofern sein Tod die Versöhnung
noch nicht vollendet hat, das Einseitige, welches das Einfache des
Denkens als das _Wesen_ weiß im Gegensatze gegen die Wirklichkeit;
dies Extrem des Selbsts hat noch nicht gleichen Wert mit dem Wesen;
dies hat das Selbst erst im Geiste. Der Tod dieser Vorstellung
enthält also zugleich den Tod der _Abstraktion des göttlichen Wesens_,
das nicht als Selbst gesetzt ist. Er ist das schmerzliche Gefühl
des unglücklichen Bewußtseins, daß _Gott selbst gestorben_ ist.
Dieser harte Ausdruck ist der Ausdruck des innersten
Sich-einfach-wissens, die Rückkehr des Bewußtseins in die Tiefe der
Nacht des Ich = Ich, die nichts außer ihr mehr unterscheidet und weiß.
Dies Gefühl ist also in der Tat der Verlust der _Substanz_ und
ihres Gegenübertretens gegen das Bewußtsein; aber zugleich ist es die
reine _Subjektivität_ der Substanz, oder die reine Gewißheit seiner
Selbst, die ihr als dem Gegenstände oder dem Unmittelbaren oder dem
reinen Wesen fehlte. Dies Wissen also ist die _Begeistung_, wodurch
die Substanz Subjekt, ihre Abstraktion und Leblosigkeit gestorben,
sie also _wirklich_ und einfaches und allgemeines Selbstbewußtsein
geworden ist.
So ist also der Geist _sich selbst_ wissender Geist; er weiß _sich_,
das, was ihm Gegenstand ist, ist, oder seine Vorstellung ist der
wahre absolute _Inhalt_; er drückt, wie wir sahen, den Geist selbst
aus. Er ist zugleich nicht nur _Inhalt_ des Selbstbewußtseins und
nicht nur _für es_ Gegenstand, sondern er ist auch _wirklicher Geist_.
Er ist dies, indem er die drei Elemente seiner Natur durchlauft;
diese Bewegung durch sich selbst hindurch macht seine Wirklichkeit
aus;--was sich bewegt, ist er, er ist das Subjekt der Bewegung, und
er ist ebenso _das Bewegen_ selbst, oder die Substanz, durch welche
das Subjekt hindurchgeht. Wie uns der Begriff des Geistes geworden
war, als wir in die Religion eintraten, nämlich als die Bewegung des
seiner selbst gewissen Geistes, der dem Bösen verzeiht und darin
zugleich von seiner eignen Einfachheit und harten Unwandelbarkeit
abläßt, oder die Bewegung, daß das absolut _Entgegengesetzte_ sich
als _dasselbe_ erkennt und dies Erkennen als das _Ja_ zwischen diesen
Extremen hervorbricht,--diesen Begriff _schaut_ das religiöse
Bewußtsein, dem das absolute Wesen offenbar, _an_, und hebt die
_Unterscheidung_ seines _Selbsts_ von seinem _Angeschauten_ auf, ist
wie es das Subjekt ist, so auch die Substanz, und _ist_ also selbst
der Geist, eben weil und insofern es diese Bewegung ist.
Vollendet aber ist diese Gemeinde noch nicht in diesem ihrem
Selbstbewußtsein; ihr Inhalt ist überhaupt in der Form des
_Vorstellens_ für sie, und diese Entzweiung hat auch die _wirkliche
Geistigkeit_ derselben, ihre Rückkehr aus ihrem Vorstellen, noch an
ihr, wie das Element des reinen Denkens selbst damit behaftet war.
Sie hat nicht auch das Bewußtsein über das, was sie ist; sie ist das
geistige Selbstbewußtsein, das sich nicht als dieses Gegenstand ist,
oder sich nicht zum Bewußtsein seiner selbst aufschließt; sondern
insofern sie Bewußtsein ist, hat sie Vorstellungen, die betrachtet
wurden.--Wir sehen das Selbstbewußtsein auf seinem letzten
Wendungspunkte sich _innerlich_ werden und zum _Wissen_ des
_In-sich-seins_ gelangen; wir sehen es sein natürliches Dasein
entäußern, und die reine Negativität gewinnen. Aber die _positive_
Bedeutung, daß nämlich diese Negativität oder reine _Innerlichkeit_
des _Wissens_ ebensosehr das _sichselbstgleiche Wesen_ ist, oder daß
die Substanz hierin dazu gelangt, absolutes Selbstbewußtsein zu sein,
dies ist ein _Anderes_ für das andächtige Bewußtsein. Es ergreift
diese Seite, daß das reine Innerlichwerden des Wissens _an sich_ die
absolute Einfachheit oder die Substanz ist, als die Vorstellung von
etwas, das nicht dem _Begriffe_ nach so ist, sondern als die Handlung
einer _fremden_ Genugtuung. Oder es ist nicht dies für es, daß diese
Tiefe des reinen Selbsts die Gewalt ist, wodurch das _abstrakte
Wesen_ aus seiner Abstraktion herabgezogen und durch die Macht dieser
reinen Andacht zum Selbst erhoben wird.--Das Tun des Selbsts behält
dadurch diese negative Bedeutung gegen es, weil die Entäußerung der
Substanz von ihrer Seite ein _An-sich_ für jenes ist, das es nicht
ebenso erfaßt und begreift, oder nicht in _seinem_ Tun als solchem
findet.--Indem _an sich_ diese Einheit des Wesens und des Selbsts
zustande gekommen, so hat das Bewußtsein auch noch diese
_Vorstellung_ seiner Versöhnung, aber als Vorstellung. Es erlangt
die Befriedigung dadurch, daß es seiner reinen Negativität die
positive Bedeutung der Einheit seiner mit dem Wesen _äußerlich_
hinzufügt; seine Befriedigung bleibt also selbst mit dem Gegensatze
eines Jenseits behaftet. Seine eigne Versöhnung tritt daher als ein
_Fernes_ in sein Bewußtsein ein, als ein Fernes der _Zukunft_, wie
die Versöhnung, die das andere _Selbst_ vollbrachte, als eine Ferne
der _Vergangenheit_ erscheint. So wie der _einzelne_ göttliche
Mensch einen _ansich_seienden Vater und nur eine _wirkliche_ Mutter
hat, so hat auch der allgemeine göttliche Mensch, die Gemeinde, ihr
_eignes Tun_ und _Wissen_ zu ihrem Vater, zu ihrer Mutter aber die
_ewige Liebe_, die sie nur _fühlt_, nicht aber in ihrem Bewußtsein
als wirklichen unmittelbaren _Gegenstand_ anschaut. Ihre Versöhnung
ist daher in ihrem Herzen, aber mit ihrem Bewußtsein noch entzweit,
und ihre Wirklichkeit noch gebrochen. Was als das _An-sich_ oder die
Seite der _reinen Vermittlung_ in ihr Bewußtsein tritt, ist die
jenseits liegende Versöhnung; was aber als _gegenwärtig_, als die
Seite der _Unmittelbarkeit_ und des _Daseins_, ist die Welt, die ihre
Verklärung noch zu gewarten hat. Sie ist wohl _an sich_ versöhnt mit
dem Wesen; und vom _Wesen_ wird wohl gewußt, daß es den Gegenstand
nicht mehr als sich entfremdet erkennt, sondern in seiner Liebe als
sich gleich. Aber für das Selbstbewußtsein hat diese unmittelbare
Gegenwart noch nicht Geistsgestalt. Der Geist der Gemeinde ist so in
seinem unmittelbaren Bewußtsein getrennt von seinem religiösen, das
zwar es ausspricht, daß sie _an sich_ nicht getrennt seien, aber ein
_An-sich_, das nicht realisiert, oder noch nicht ebenso absolutes
Für-sich-sein geworden.