VIII. Das absolute Wissen

Der Geist der offenbaren Religion hat sein Bewußtsein als solches

noch nicht überwunden, oder, was dasselbe ist, sein wirkliches

Selbstbewußtsein ist nicht der Gegenstand seines Bewußtseins; er

selbst überhaupt und die in ihm sich unterscheidenden Momente fallen

in das Vorstellen und in die Form der Gegenständlichkeit. Der

_Inhalt_ des Vorstellens ist der absolute Geist; und es ist allein

noch um das Aufheben dieser bloßen Form zu tun, oder vielmehr weil

sie dem _Bewußtsein als solchem_ angehört, muß ihre Wahrheit schon in

den Gestaltungen desselben sich ergeben haben.--Diese Überwindung des

Gegenstandes des Bewußtseins ist nicht als das einseitige zu nehmen,

daß er sich als in das Selbst zurückkehrend zeigte, sondern

bestimmter so, daß er sowohl als solcher sich ihm als verschwindend

darstellte, als noch vielmehr, daß die Entäußerung des

Selbstbewußtseins es ist, welche die Dingheit setzt, und daß diese

Entäußerung nicht nur negative, sondern positive Bedeutung, sie nicht

nur für uns oder an sich, sondern für es selbst hat. _Für es_ hat das

Negative des Gegenstandes oder dessen Sich-selbst-aufheben dadurch

die positive Bedeutung, oder es _weiß_ diese Nichtigkeit desselben

dadurch einerseits, daß es sich selbst entäußert,--denn in dieser

Entäußerung setzt es _sich_ als Gegenstand, oder den Gegenstand um

der untrennbaren Einheit des _Für-sich-seins_ willen als sich selbst.

Andererseits liegt hierin zugleich dies andre Moment, daß es diese

Entäußerung und Gegenständlichkeit ebensosehr auch aufgehoben und in

sich zurückgenommen hat, also in _seinem_ Anderssein als solchem bei

sich ist.--Dies ist die Bewegung des _Bewußtseins_, und dieses ist

darin die Totalität seiner Momente.--Es muß sich ebenso zu dem

Gegenstande nach der Totalität seiner Bestimmungen verhalten, und ihn

nach jeder derselben so erfaßt haben. Diese Totalität seiner

Bestimmungen macht _ihn an sich_ zum geistigen Wesen, und für das

Bewußtsein wird er dies in Wahrheit durch das Auffassen einer jeden

einzelnen derselben, als des Selbsts, oder durch das obengenannte

geistige Verhalten zu ihnen.

Der Gegenstand ist also teils _unmittelbares_ Sein, oder ein Ding

überhaupt, was dem unmittelbaren Bewußtsein entspricht; teils ein

Anderswerden seiner, sein Verhältnis, oder _Sein für Anderes_ und

_Für-sich-sein_, die Bestimmtheit, was der _Wahrnehmung_; teils

_Wesen_ oder als Allgemeines, was dem Verstande entspricht. Er ist,

als Ganzes, der Schluß oder die Bewegung des Allgemeinen durch die

Bestimmung zur Einzelnheit, wie die umgekehrte, von der Einzelnheit

durch sie als aufgehobne oder die Bestimmung zum Allgemeinen.--Nach

diesen drei Bestimmungen also muß das Bewußtsein ihn als sich selbst

wissen. Es ist dies jedoch nicht das Wissen als reines Begreifen des

Gegenstandes, von dem die Rede ist; sondern dies Wissen soll nur in

seinem Werden oder in seinen Momenten nach der Seite aufgezeigt

werden, die dem Bewußtsein als solchem angehört, und die Momente des

eigentlichen Begriffes oder reinen Wissens in der Form von

Gestaltungen des Bewußtseins. Darum erscheint der Gegenstand im

Bewußtsein als solchem noch nicht als die geistige Wesenheit, wie sie

von uns soeben ausgesprochen wurde, und sein Verhalten zu ihm ist

nicht die Betrachtung desselben in dieser Totalität als solcher, noch

in ihrer reinen Begriffsform, sondern teils Gestalt des Bewußtseins

überhaupt, teils eine Anzahl solcher Gestalten, die _wir_

zusammennehmen, und in welchen die Totalität der Momente des

Gegenstandes und des Verhaltens des Bewußtseins nur aufgelöst in ihre

Momente aufgezeigt werden kann.

Es ist hiemit für diese Seite des Erfassens des Gegenstandes, wie es

in der Gestalt des Bewußtseins ist, nur an die frühem Gestalten

desselben zu erinnern, die schon vorgekommen sind.--In Ansehung des

Gegenstandes also, insofern er unmittelbar, ein _gleichgültiges Sein_

ist, so sahen wir die beobachtende Vernunft in diesem gleichgültigen

Dinge sich selbst _suchen_ und _finden_, d.h. ihres Tuns als eines

ebenso äußerlichen sich bewußt sein, als sie des Gegenstands nur als

eines unmittelbaren bewußt ist.--Wir sahen auch auf ihrer Spitze ihre

Bestimmung in dem unendlichen Urteile aussprechen, daß das _Sein des

Ich ein Ding ist_. _-_ Und zwar ein sinnliches unmittelbares Ding:

wenn Ich _Seele_ genannt wird, so ist es zwar auch als Ding

vorgestellt, aber als ein unsichtbares, unfehlbares u.s.f., in der

Tat also nicht als unmittelbares Sein, und nicht als das, was man

unter einem Dinge meint.--Jenes Urteil, so genommen, wie es

unmittelbar lautet, ist es geistlos oder vielmehr das Geistlose

selbst. Seinem _Begriffe_ nach aber ist es in der Tat das

Geistreichste, und dieses _Innre_ desselben, das an ihm noch nicht

_vorhanden_ ist, ist es, was die beiden andern zu betrachtenden

Momente aussprechen.

_Das Ding ist Ich_; in der Tat ist in diesem unendlichen Urteile das

Ding aufgehoben; es ist nichts an sich; es hat nur Bedeutung im

Verhältnisse, nur _durch Ich_ und _seine Beziehung_ auf dasselbe.

--Dies Moment hat sich für das Bewußtsein in der reinen Einsicht und

Aufklärung ergeben. Die Dinge sind schlechthin _nützlich_, und nur

nach ihrer Nützlichkeit zu betrachten.--Das _gebildete_

Selbstbewußtsein, das die Welt des sich entfremdeten Geistes

durchlaufen, hat durch seine Entäußerung das Ding als sich selbst

erzeugt, behält daher in ihm noch sich selbst, und weiß die

Unselbstständigkeit desselben, oder daß das Ding _wesentlich_ nur

_Sein für Anderes_ ist; oder vollständig das _Verhältnis_, d.h. das,

was die Natur des Gegenstandes hier allein ausmacht, ausgedrückt, so

gilt ihm das Ding als ein _fürsichseiendes_, es spricht die sinnliche

Gewißheit als absolute Wahrheit aus, aber dies _Für-sich-sein_ selbst

als Moment, das nur verschwindet, und in sein Gegenteil, in das

preisgegebne Sein für anderes übergeht.

Hierin ist aber das Wissen des Dinges noch nicht vollendet; es muß

nicht nur nach der Unmittelbarkeit des Seins und nach der

Bestimmtheit, sondern auch als _Wesen_ oder _Inneres_, als das Selbst

gewußt werden. Dies ist in dem _moralischen Selbstbewußtsein_

vorhanden. Dies weiß sein Wissen als die _absolute Wesenheit_, oder

das _Sein_ schlechthin als den reinen Willen oder Wissen; es _ist_

nichts als nur dieser Willen und Wissen; anderem kommt nur

unwesentliches Sein, d.h. nicht _ansich_seiendes, nur seine leere

Hülse zu. Insofern das moralische Bewußtsein das _Dasein_ in seiner

Weltvorstellung aus dem Selbst entläßt, nimmt es dasselbe ebensosehr

wieder in sich zurück. Als Gewissen ist es endlich nicht mehr dieses

noch abwechselnde Stellen und Verstellen des Daseins und des Selbsts,

sondern es weiß, daß sein _Dasein_ als solches diese reine Gewißheit

seiner selbst ist; das gegenständliche Element, in welches es als

handelnd sich hinausstellt, ist nichts anderes als das reine Wissen

des Selbsts von sich.

Dies sind die Momente, aus denen sich die Versöhnung des Geistes mit

seinem eigentlichen Bewußtsein zusammensetzt; sie für sich sind

einzeln, und ihre geistige Einheit allein ist es, welche die Kraft

dieser Versöhnung ausmacht. Das letzte dieser Momente ist aber

notwendig diese Einheit selbst, und verbindet, wie erhellt, sie in

der Tat alle in sich. Der seiner selbst in seinem Dasein gewisse

Geist hat zum Elemente des _Daseins_ nichts anderes als dies Wissen

von sich; das Aussprechen, daß, was er tut, er nach Überzeugung von

der Pflicht tut, diese seine Sprache ist das _Gelten_ seines Handelns.

--Das Handeln ist das erste _ansich_seiende Trennen der Einfachheit

des Begriffs und die Rückkehr aus dieser Trennung. Diese erste

Bewegung schlägt in die zweite um, indem das Element des Anerkennens

sich als _einfaches_ Wissen von der Pflicht gegen den _Unterschied_

und die _Entzweiung_ setzt, die im Handeln als solchem liegt, und auf

diese Weise eine eiserne Wirklichkeit gegen das Handeln bildet. In

der Verzeihung sahen wir aber, wie diese Härte von sich selbst abläßt,

und sich entäußert. Die Wirklichkeit hat also hier für das

Selbstbewußtsein sowohl als _unmittelbares Dasein_ keine andere

Bedeutung, als das reine Wissen zu sein;--ebenso als _bestimmtes_

Dasein, oder als Verhältnis, ist das sich Gegenüberstehende ein

Wissen teils von diesem rein einzelnen Selbst, teils von dem Wissen

als allgemeinem. Hierin ist zugleich dies gesetzt, daß das _dritte_

Moment, die _Allgemeinheit_ oder das _Wesen_ jedem der beiden

gegenüberstehenden nur als _Wissen_ gilt; und den leeren noch übrigen

Gegensatz heben sie endlich ebenso auf, und sind das Wissen des Ich =

Ich; dieses _einzelne_ Selbst, das unmittelbar reines Wissen oder

allgemeines ist.

Diese Versöhnung des Bewußtseins mit dem Selbstbewußtsein zeigt sich

hiemit von der gedoppelten Seite zustande gebracht, das einemal im

religiösen Geiste, das anderemal im Bewußtsein selbst als solchem.

Sie unterscheiden sich beide so voneinander, daß jene diese

Versöhnung in der Form des _An-sich-seins_, diese in der Form des

_Für-sich-seins_ ist. Wie sie betrachtet worden, fallen sie zunächst

auseinander; das Bewußtsein ist in der Ordnung, in der uns seine

Gestalten vorkamen, teils zu den einzelnen Momenten derselben, teils

zu ihrer Vereinigung längst gekommen, ehe auch die Religion ihrem

Gegenstande die Gestalt des wirklichen Selbstbewußtseins gab. Die

Vereinigung beider Seiten ist noch nicht aufgezeigt; sie ist es,

welche diese Reihe der Gestaltungen des Geistes beschließt; denn in

ihr kommt der Geist dazu, sich zu wissen nicht nur, wie er _an sich_

oder nach seinem absoluten _Inhalte_, noch nur wie er _für sich_ nach

seiner inhaltslosen Form oder nach der Seite des Selbstbewußtseins,

sondern wie er _an und für sich_ ist.

Diese Vereinigung aber ist _an sich_ schon geschehen, zwar auch in

der Religion, in der Rückkehr der Vorstellung in das Selbstbewußtsein,

aber nicht nach der eigentlichen Form, denn die religiöse Seite ist

die Seite des _An-sich_, welche der Bewegung des Selbstbewußtseins

gegenübersteht. Die Vereinigung gehört daher dieser andern Seite an,

die im Gegensatze die Seite der Reflexion in sich, also diejenige ist,

die sich selbst und ihr Gegenteil, und nicht nur _an sich_ oder auf

eine allgemeine Weise, sondern _für sich_ oder entwickelt und

unterschieden enthält. Der Inhalt, so wie die andre Seite des

selbstbewußten Geistes, insofern sie die _andre_ Seite ist, ist in

ihrer Vollständigkeit vorhanden und aufgezeigt worden; die

Vereinigung, welche noch fehlt, ist die einfache Einheit des Begriffs.

Dieser ist an der Seite des Selbstbewußtseins selbst auch schon

vorhanden; aber wie er im Vorhergehenden vorgekommen, hat er, wie

alle übrigen Momente die Form, eine _besondere Gestalt_ des

_Bewußtseins_ zu sein.--Er ist also derjenige Teil der Gestalt des

seiner selbst gewissen Geistes, der in seinem Begriffe stehen bleibt,

und die _schöne Seele_ genannt wurde. Sie ist nämlich sein Wissen

von sich selbst, in seiner reinen durchsichtigen Einheit,--das

Selbstbewußtsein, das dieses reine Wissen von dem _reinen

In-sich-sein_ als den Geist weiß,--nicht nur die Anschauung des

Göttlichen, sondern die Selbstanschauung desselben.--Indem dieser

Begriff sich seiner Realisierung entgegengesetzt festhält, ist er die

einseitige Gestalt, deren Verschwinden in leeren Dunst, aber auch

ihre positive Entäußerung und Fortbewegung wir sahen. Durch diese

Realisierung hebt sich das Auf-sich-beharren dieses gegenstandslosen

Selbstbewußtseins, die _Bestimmtheit_ des Begriffs gegen seine

_Erfüllung_ auf; sein Selbstbewußtsein gewinnt die Form der

Allgemeinheit, und was ihm bleibt, ist sein wahrhafter Begriff, oder

der Begriff, der seine Realisierung gewonnen; es ist er in seiner

Wahrheit, nämlich in der Einheit mit seiner Entäußerung;--das Wissen

von dem reinen Wissen, nicht als abstraktem _Wesen_, welches die

Pflicht ist,--sondern von ihm als Wesen, das _dieses_ Wissen,

_dieses_ reine Selbstbewußtsein, das also zugleich wahrhafter

_Gegenstand_ ist, denn er ist das fürsichseiende Selbst.

Seine Erfüllung gab sich dieser Begriff, einesteils im _handelnden_

seiner selbst gewissen Geist, andernteils in der _Religion_: in der

letztern gewann er den absoluten _Inhalt als Inhalt_ oder in der Form

der _Vorstellung_, des Andersseins für das Bewußtsein; hingegen in

jener Gestalt ist die Form das Selbst selber, denn sie enthält den

_handelnden_ seiner selbst gewissen Geist, das Selbst führt das Leben

des absoluten Geistes durch. Diese Gestalt ist, wie wir sehen, jener

einfache Begriff, der aber sein ewiges _Wesen_ aufgibt, _da ist_,

oder handelt. Das _Entzweien_ oder Hervortreten hat er an der

_Reinheit des_ Begriffs, denn sie ist die absolute Abstraktion oder

Negativität. Ebenso hat er das Element seiner Wirklichkeit oder des

Seins in ihm, an dem reinen Wissen selbst, denn es ist die einfache

_Unmittelbarkeit_, die ebenso _Sein_ und _Dasein_ als _Wesen_ ist,

jenes das negative Denken, dies das positive Denken selbst. Dies

Dasein ist endlich ebensosehr das aus ihm--wie als Dasein so als

Pflicht--In-sich-reflektiert- oder _Böse-_sein. Dies In-sich-gehen

macht den _Gegensatz_ des _Begriffs_ aus, und ist damit das Auftreten

des _nichthandelnden, nichtwirklichen_ reinen Wissens des Wesens.

Dies sein Auftreten in diesem Gegensatze aber ist die Teilnahme daran;

das reine Wissen des Wesens hat sich _an sich_ seiner Einfachheit

entäußert, denn es ist das _Entzweien_ oder die Negativität, die der

Begriff ist; sofern dies Entzweien das _Für-sich-werden_ ist, ist es

das Böse; sofern es das _An-sich_ ist, ist es das Gutbleibende.--Was

nun zuerst _an sich_ geschieht, ist zugleich _für das Bewußtsein_ und

ebenso selbst gedoppelt, sowohl _für es_, als es sein _Für-sich-sein_

oder sein eignes Tun ist. Dasselbe, was schon _an sich_ gesetzt ist,

wiederholt sich also itzt als Wissen des Bewußtseins von ihm, und

bewußtes Tun. Jedes läßt für das andere von der Selbstständigkeit

der Bestimmtheit, in der es gegen es auftritt, ab. Dies Ablassen ist

dasselbe Verzichttun auf die Einseitigkeit des Begriffs, das _an

sich_ den Anfang ausmachte, aber es ist nunmehr _sein_ Verzichttun,

so wie der Begriff, auf welchen es Verzicht tut, der seinige ist.

--Jenes _An-sich_ des Anfangs ist als Negativität in Wahrheit

ebensosehr das _vermittelte_; so wie es in Wahrheit ist, _setzt_ es

sich also itzt, und das _Negative_ ist als _Bestimmtheit_ eines jeden

für das andere und an sich das sich selbst aufhebende. Der eine der

beiden Teile des Gegensatzes ist die Ungleichheit des

_In-sich-in-seiner-Einzelnheit-seins_ gegen die Allgemeinheit,--der

andere die Ungleichheit seiner abstrakten Allgemeinheit gegen das

Selbst; jenes stirbt seinem Für-sich-sein ab und entäußert, bekennt

sich; dieses entsagt der Härte seiner abstrakten Allgemeinheit, und

stirbt damit seinem unlebendigen Selbst und seiner unbewegten

Allgemeinheit ab; so daß also jenes durch das Moment der

Allgemeinheit, die Wesen ist, und dieses durch die Allgemeinheit, die

Selbst ist, sich ergänzt hat. Durch diese Bewegung des Handelns ist

der Geist--der so erst Geist ist, daß er _da ist_, sein Dasein in den

_Gedanken_ und dadurch in die absolute _Entgegensetzung_ erhebt, und

aus dieser eben durch sie und in ihr selbst zurückkehrt--als reine

Allgemeinheit des Wissens, welches Selbstbewußtsein ist, als

Selbstbewußtsein, das einfache Einheit des Wissens ist,

hervorgetreten.

Was also in der Religion _Inhalt_ oder Form des Vorstellens eines

_Andern_ war, dasselbe ist hier eignes _Tun_ des _Selbsts_; der

Begriff verbindet es, daß der _Inhalt_ eignes _Tun_ des _Selbsts_ ist;

--denn dieser Begriff ist, wie wir sehen, das Wissen des Tuns des

Selbsts in sich als aller Wesenheit und alles Daseins, das Wissen von

_diesem Subjekte_ als der _Substanz_, und von der Substanz als diesem

Wissen seines Tuns.--Was wir hier hinzugetan, ist allein teils die

_Versammlung_ der einzelnen Momente, deren jedes in seinem Prinzipe

das Leben des ganzen Geistes darstellt, teils das Festhalten des

Begriffes in der Form des Begriffes, dessen Inhalt sich in jenen

Momenten, und der sich in der Form einer _Gestalt des Bewußtseins_

schon selbst ergeben hätte.

Diese letzte Gestalt des Geistes, der Geist, der seinem vollständigen

und wahren Inhalte zugleich die Form des Selbsts gibt, und dadurch

seinen Begriff ebenso realisiert, als er in dieser Realisierung in

seinem Begriffe bleibt, ist das absolute Wissen; es ist der sich in

Geistsgestalt wissende Geist oder das _begreifende Wissen_. Die

_Wahrheit_ ist nicht nur _an sich_ vollkommen der _Gewißheit_ gleich,

sondern hat auch die _Gestalt_ der Gewißheit seiner selbst, oder sie

ist in ihrem Dasein, das heißt, für den wissenden Geist in der _Form_

des Wissens seiner selbst. Die Wahrheit ist der _Inhalt_, der in der

Religion seiner Gewißheit noch ungleich ist. Diese Gleichheit aber

ist darin, daß der Inhalt die Gestalt des Selbsts erhalten. Dadurch

ist dasjenige zum Elemente des Daseins oder zur _Form der

Gegenständlichkeit_ für das Bewußtsein geworden, was das Wesen selbst

ist; nämlich der _Begriff_. Der Geist in diesem Elemente dem

Bewußtsein _erscheinend_, oder was hier dasselbe ist, darin von ihm

hervorgebracht, _ist die Wissenschaft_.

Die Natur, Momente und Bewegung dieses Wissens hat sich also so

ergeben, daß es das reine _Für-sich-sein_ des Selbstbewußtseins ist;

es ist Ich, das _dieses_ und kein anderes _Ich_ und das ebenso

unmittelbar _vermittelt_ oder aufgehobenes _allgemeines_ Ich ist.--Es

hat einen _Inhalt_, den es von sich _unterscheidet_; denn es ist die

reine Negativität oder das Sich-entzweien; es ist _Bewußtsein_.

Dieser Inhalt ist in seinem Unterschiede selbst das Ich, denn er ist

die Bewegung des Sich-selbst-aufhebens, oder dieselbe reine

Negativität, die Ich ist. Ich ist in ihm als unterschiedenem in sich

reflektiert; der Inhalt ist allein dadurch _begriffen_, daß Ich in

seinem Anderssein bei sich selbst ist. Dieser Inhalt bestimmter

angegeben, ist er nichts anders als die soeben ausgesprochene

Bewegung selbst; denn er ist der Geist, der sich selbst und zwar _für

sich_ als Geist durchläuft, dadurch, daß er die Gestalt des Begriffes

in seiner Gegenständlichkeit hat.

Was aber das _Dasein_ dieses Begriffs betrifft, so erscheint in der

Zeit und Wirklichkeit die _Wissenschaft_ nicht eher, als bis der

Geist zu diesem Bewußtsein über sich gekommen ist. Als der Geist,

der weiß, was er ist, existiert er früher nicht, und sonst nirgends

als nach Vollendung der Arbeit, seine unvollkommene Gestaltung zu

bezwingen, sich für sein Bewußtsein die Gestalt seines Wesens zu

verschaffen, und auf diese Weise _sein Selbstbewußtsein_ mit seinem

_Bewußtsein_ auszugleichen.--Der an und für sich seiende Geist in

seinen Momenten unterschieden, ist _fürsich_seiendes Wissen, das

_Begreifen_ überhaupt, das als solches die _Substanz_ noch nicht

erreicht hat oder nicht an sich selbst abolutes Wissen ist.

In der Wirklichkeit ist nun die wissende Substanz früher da als die

Form oder Begriffsgestalt derselben. Denn die Substanz ist das noch

unentwickelte _An-sich_ oder der Grund und Begriff in seiner noch

unbewegten Einfachheit, also die _Innerlichkeit_ oder das Selbst des

Geistes, das noch nicht _da ist_. Was _da ist_, ist als das noch

unentwickelte Einfache und Unmittelbare, oder der Gegenstand des

_vorstellenden Be_wußtseins überhaupt. Das Erkennen, weil es das

geistige Bewußtsein ist, dem, was _an sich ist_, nur insofern ist,

als es _Sein für_ das _Selbst_ und Sein des _Selbstes_ oder Begriff

ist, hat aus diesem Grunde zuerst nur einen armen Gegenstand, gegen

welchen die Substanz und deren Bewußtsein reicher ist. Die

Offenbarkeit, die sie in diesem hat, ist in der Tat Verborgenheit,

denn sie ist das noch _selbstlose Sein_, und offenbar ist sich nur

die Gewißheit seiner selbst. Zuerst gehören dem _Selbst_bewußtsein

daher von der Substanz nur die _abstrakten Momente_ an; aber indem

diese als die reinen Bewegungen sich selbst weitertreiben, bereichert

es sich, bis es die ganze Substanz dem Bewußtsein entrissen, den

ganzen Bau ihrer Wesenheiten in sich gesogen, und--indem dieses

negative Verhalten zur Gegenständlichkeit ebensosehr positiv, Setzen

ist--sie aus sich erzeugt und damit für das Bewußtsein zugleich

wieder hergestellt hat. In dem _Begriffe_, der sich als Begriff weiß,

treten hiemit die _Momente_ früher auf als das _erfüllte Ganze_,

dessen Werden die Bewegung jener Momente ist. In dem _Bewußtsein_

dagegen ist das Ganze, aber unbegriffne, früher als die Momente.--Die

_Zeit_ ist der _Begriff_ selbst, der _da ist_ und als leere

Anschauung sich dem Bewußtsein vorstellt; deswegen erscheint der

Geist notwendig in der Zeit, und er erscheint so lange in der Zeit,

als er nicht seinen reinen Begriff _erfaßt_, das heißt, nicht die

Zeit tilgt. Sie ist das _äußere_ angeschaute vom Selbst _nicht

erfaßte_ reine Selbst, der nur angeschaute Begriff; indem dieser sich

selbst erfaßt, hebt er seine Zeitform auf, begreift das Anschauen,

und ist begriffnes und begreifendes Anschauen.--Die Zeit erscheint

daher als das Schicksal und die Notwendigkeit des Geistes, der nicht

in sich vollendet ist,--die Notwendigkeit, den Anteil, den das

Selbstbewußtsein an dem Bewußtsein hat, zu bereichern, die

_Unmittelbarkeit des An-sich_--die Form, in der die Substanz im

Bewußtsein ist--in Bewegung zu setzen oder umgekehrt das An-sich als

das _Innerliche_ genommen, das, was erst _innerlich_ ist, zu

realisieren und zu offenbaren, d.h. es der Gewißheit seiner selbst zu

vindizieren.

Es muß aus diesem Grunde gesagt werden, daß nichts _gewußt_ wird, was

nicht in der _Erfahrung_ ist, oder, wie dasselbe auch ausgedrückt

wird, was nicht als _gefühlte Wahrheit, als innerlich geoffenbartes_

Ewiges, als _geglaubtes_ Heiliges, oder welche Ausdrücke sonst

gebraucht werden, vorhanden ist. Denn die Erfahrung ist eben dies,

daß der Inhalt--und er ist der Geist--_an sich_, Substanz und also

_Gegenstand_ des _Bewußtseins_ ist. Diese Substanz aber, die der

Geist ist, ist das _Werden_ seiner zu dem, was er _an sich_ ist; und

erst als dies sich in sich reflektierende Werden ist er an sich in

Wahrheit _der Geist_. Er ist an sich die Bewegung, die das Erkennen

ist,--die Verwandlung jenes _An-sichs_ in das _Für-sich_, der

_Substanz_ in das _Subjekt_, des Gegenstands des _Bewußtseins_ in

Gegenstand des _Selbstbewußtseins_, d.h. in ebensosehr aufgehobnen

Gegenstand, oder in den _Begriff_. Sie ist der in sich zurückgehende

Kreis, der seinen Anfang voraussetzt und ihn nur im Ende erreicht.

--Insofern der Geist also notwendig dieses Unterscheiden in sich ist,

tritt sein Ganzes angeschaut seinem einfachen Selbstbewußtsein

gegenüber, und da also jenes das unterschiedene ist, so ist es

unterschieden in seinen angeschauten reinen Begriff, in _die Zeit_,

und in den Inhalt oder in das _An-sich_; die Substanz hat, als

Subjekt, _die erst innere_ Notwendigkeit an ihr, sich an ihr selbst

als das darzustellen, was sie _an sich_ ist, _als Geist._ Die

vollendete gegenständliche Darstellung ist erst zugleich die

Reflexion derselben oder das Werden derselben zum Selbst.--Eh daher

der Geist nicht _an sich_, nicht als Weltgeist sich vollendet, kann

er nicht als _selbstbewußter_ Geist seine Vollendung erreichen. Der

Inhalt der Religion spricht darum früher in der Zeit, als die

Wissenschaft, es aus, was der _Geist ist_, aber diese ist allein sein

wahres Wissen von ihm selbst.

Die Bewegung, die Form seines Wissens von sich hervorzutreiben, ist

die Arbeit, die er als _wirkliche Geschichte_ vollbringt. Die

religiöse Gemeine, insofern sie zuerst die Substanz des absoluten

Geistes ist, ist das rohe Bewußtsein, das ein um so barbarischeres

und härteres Dasein hat, je tiefer sein innerer Geist ist, und sein

dumpfes Selbst eine um so härtere Arbeit mit seinem Wesen, dem ihm

fremden Inhalte seines Bewußtseins. Erst nachdem es die Hoffnung

aufgegeben, auf eine äußerliche, d.h. fremde Weise das Fremdsein

aufzuheben, wendet es sich, weil die aufgehobne fremde Weise die

Rückkehr ins Selbstbewußtsein ist, an sich selbst, an seine eigne

Welt und Gegenwart, entdeckt sie als sein Eigentum und hat somit den

ersten Schritt getan, aus der _Intellektualwelt_ herabzusteigen, oder

vielmehr deren abstraktes Element mit dem wirklichen Selbst zu

begeisten. Durch die Beobachtung einerseits findet es das Dasein als

Gedanken und begreift dasselbe, und umgekehrt in seinem Denken das

Dasein. Indem es so zunächst die unmittelbare _Einheit_ des

_Denkens_ und _Seins_, des abstrakten Wesens und des Selbsts, selbst

abstrakt ausgesprochen und das erste Lichtwesen _reiner_, nämlich als

Einheit der Ausdehnung und des Seins--denn Ausdehnung ist die dem

reinen Denken gleichere Einfachheit, denn das Licht ist--und hiemit

im Gedanken die _Substanz_ des Aufgangs wieder erweckt hat, schaudert

der Geist zugleich von dieser abstrakten Einheit, von dieser

_selbstlosen_ Substantialität zurück, und behauptet die

Individualität gegen sie. Erst aber nachdem er diese in der Bildung

entäußert, dadurch sie zum Dasein gemacht und in allem Dasein sie

durchgesetzt,--zum Gedanken der Nützlichkeit gekommen, und in der

absoluten Freiheit das Dasein als seinen Willen erfaßt, kehrt er

somit den Gedanken seiner innersten Tiefe heraus, und spricht das

Wesen als Ich = Ich aus. Dies Ich = Ich ist aber die sich in sich

selbst reflektierende Bewegung; denn indem diese Gleichheit als

absolute Negativität der absolute Unterschied ist, so steht die

Sichselbstgleichheit des Ich diesem reinen Unterschiede gegenüber,

der als der reine und zugleich dem sich wissenden Selbst

gegenständliche, als die _Zeit_ auszusprechen ist, so daß wie vorhin

das Wesen als Einheit des Denkens und der Ausdehnung ausgesprochen

wurde, es als Einheit des Denkens und der Zeit zu fassen wäre; aber

der sich selbst überlaßne Unterschied, die ruheund haltlose Zeit

fällt vielmehr in sich selbst zusammen; sie ist die gegenständliche

Ruhe der _Ausdehnung_, diese aber ist die reine Gleichheit mit sich

selbst, das Ich.--Oder Ich ist nicht nur das Selbst, sondern es ist

die _Gleichheit des Selbsts mit sich_; diese Gleichheit aber ist die

vollkommne und unmittelbare Einheit mit sich selbst, oder _dies

Subjekt_ ist ebensosehr _die Substanz._ Die Substanz für sich allein

wäre das inhaltsleere Anschauen oder das Anschauen eines Inhalts, der

als bestimmter nur Akzidentalität hätte, und ohne Notwendigkeit wäre;

die Substanz gälte nur insofern als das Absolute, als sie als die

_absolute Einheit_ gedacht oder angeschaut wäre, und aller Inhalt

müßte nach seiner Verschiedenheit außer ihr in die Reflexion fallen,

die ihr nicht angehört, weil sie nicht Subjekt, nicht das über sich

und sich in sich Reflektierende oder nicht als Geist begriffen wäre.

Wenn doch von einem Inhalte gesprochen werden sollte, so wäre es

teils nur, um ihn in den leeren Abgrund des Absoluten zu werfen,

teils aber wäre er äußerlich aus der sinnlichen Wahrnehmung

aufgerafft; das Wissen schiene zu Dingen, dem Unterschiede von ihm

selbst, und dem Unterschiede mannigfaltiger Dinge gekommen zu sein,

ohne daß man begriffe, wie und woher.

Der Geist aber hat sich uns gezeigt, weder nur das Zurückziehen des

Selbstbewußtseins in seine reine Innerlichkeit zu sein, noch die

bloße Versenkung desselben in die Substanz und das Nichtsein seines

Unterschiedes, sondern _diese Bewegung_ des Selbsts, das sich seiner

selbst entäußert und sich in seine Substanz versenkt, und ebenso als

Subjekt aus ihr in sich gegangen ist, und sie zum Gegenstande und

Inhalte macht, als es diesen Unterschied der Gegenständlichkeit und

des Inhalts aufhebt. Jene erste Reflexion aus der Unmittelbarkeit

ist das sich Unterscheiden des Subjekts von seiner Substanz, oder der

sich entzweiende Begriff, das In-sich-gehen und Werden des reinen Ich.

Indem dieser Unterschied das reine Tun des Ich = Ich ist, ist der

Begriff die Notwendigkeit und das Aufgehen des _Daseins_, das die

Substanz zu seinem Wesen hat, und für sich besteht. Aber das

Bestehen des Daseins für sich ist der in der Bestimmtheit gesetzte

Begriff und dadurch ebenso seine Bewegung _an ihm selbst_, nieder in

die einfache Substanz zu gehen, welche erst als diese Negativität und

Bewegung Subjekt ist.--Weder hat Ich sich in der _Form_ des

_Selbstbewußtseins_ gegen die Form der Substantialität und

Gegenständlichkeit festzuhalten, als ob es Angst vor seiner

Entäußerung hätte; die Kraft des Geistes ist vielmehr, in seiner

Entäußerung sich selbst gleich zu bleiben, und als das _An-_ und

_Fürsich_seiende, das _Für-sich-sein_ ebensosehr nur als Moment zu

setzen wie das An-sich-sein,--noch ist es ein Drittes, das die

Unterschiede in den Abgrund des Absoluten zurückwirft und ihre

Gleichheit in demselben ausspricht, sondern das Wissen besteht

vielmehr in dieser scheinbaren Untätigkeit, welche nur betrachtet,

wie das Unterschiedne sich an ihm selbst bewegt und in seine Einheit

zurückkehrt.

In dem Wissen hat also der Geist die Bewegung seines Gestaltens

beschlossen, insofern dasselbe mit dem unüberwundnen Unterschiede des

Bewußtseins behaftet ist. Er hat das reine Element seines Daseins,

den Begriff, gewonnen. Der Inhalt ist nach der _Freiheit_ seines

_Seins_ das sich entäußernde Selbst, oder die _unmittelbare_ Einheit

des Sich-selbst-wissens. Die reine Bewegung dieser Entäußerung macht,

sie am Inhalte betrachtet, die _Notwendigkeit_ desselben aus. Der

verschiedne Inhalt ist als _bestimmter_ im Verhältnisse, nicht an

sich, und seine Unruhe, sich selbst aufzuheben, oder die

_Negativität_; also ist die Notwendigkeit oder Verschiedenheit, wie

das freie Sein, ebenso das Selbst, und in dieser selbstischen _Form_,

worin das Dasein unmittelbar Gedanke ist, ist der Inhalt _Begriff_.

Indem also der Geist den Begriff gewonnen, entfaltet er das Dasein

und Bewegung in diesem Äther seines Lebens, und ist _Wissenschaft_.

Die Momente seiner Bewegung stellen sich in ihr nicht mehr als

bestimmte _Gestalten_ des _Bewußtseins_ dar, sondern indem der

Unterschied desselben in das Selbst zurückgegangen, als _bestimmte

Begriffe_, und als die organische in sich selbst gegründete Bewegung

derselben. Wenn in der Phänomenologie des Geistes jedes Moment der

Unterschied des Wissens und der Wahrheit und die Bewegung ist, in

welcher er sich aufhebt, so enthält dagegen die Wissenschaft diesen

Unterschied und dessen Aufheben nicht, sondern indem das Moment die

Form des Begriffs hat, vereinigt es die gegenständliche Form der

Wahrheit und des wissenden Selbsts in unmittelbarer Einheit. Das

Moment tritt nicht als diese Bewegung auf, aus dem Bewußtsein oder

der Vorstellung in das Selbstbewußtsein und umgekehrt herüber und

hinüber zu gehen, sondern seine reine von seiner Erscheinung im

Bewußtsein befreite Gestalt, der reine Begriff, und dessen

Fortbewegung hängt allein an seiner reinen _Bestimmtheit_. Umgekehrt

entspricht jedem abstrakten Momente der Wissenschaft eine Gestalt des

erscheinenden Geistes überhaupt. Wie der daseiende Geist nicht

reicher ist als sie, so ist er in seinem Inhalte auch nicht ärmer.

Die reinen Begriffe der Wissenschaft in dieser Form von Gestalten des

Bewußtseins zu erkennen, macht die Seite ihrer Realität aus, nach

welcher ihr Wesen, der Begriff, der in ihr in seiner _einfachen_

Vermittlung als _Denken_ gesetzt ist, die Momente dieser Vermittlung

auseinanderschlägt und nach dem innern Gegensatze sich darstellt.

Die Wissenschaft enthält in ihr selbst diese Notwendigkeit, der Form

des reinen Begriffs sich zu entäußern, und den Übergang des Begriffes

ins _Bewußtsein_. Denn der sich selbst wissende Geist, eben darum,

daß er seinen Begriff erfaßt, ist er die unmittelbare Gleichheit mit

sich selbst, welche in ihrem Unterschiede die _Gewißheit vom

Unmittelbaren_ ist, oder das _sinnliche Bewußtsein_,--der Anfang, von

dem wir ausgegangen; dieses Entlassen seiner aus der Form seines

Selbsts ist die höchste Freiheit und Sicherheit seines Wissens von

sich.

Doch ist diese Entäußerung noch unvollkommen; sie drückt die

_Beziehung_ der Gewißheit seiner selbst auf den Gegenstand aus, der

eben darin, daß er in der Beziehung ist, seine völlige Freiheit nicht

gewonnen hat. Das Wissen kennt nicht nur sich, sondern auch das

Negative seiner selbst, oder seine Grenze. Seine Grenze wissen heißt

sich aufzuopfern wissen. Diese Aufopferung ist die Entäußerung, in

welcher der Geist sein Werden zum Geiste, in der Form des _freien

zufälligen Geschehens_ darstellt, sein reines _Selbst_, als _die

Zeit_ außer ihm, und ebenso sein _Sein_ als Raum anschauend. Dieses

sein letzteres Werden, _die Natur_, ist sein lebendiges unmittelbares

Werden; sie, der entäußerte Geist, ist in ihrem Dasein nichts als

diese ewige Entäußerung ihres _Bestehens_ und die Bewegung, die das

_Subjekt_ herstellt.

Die andere Seite aber seines Werdens, die _Geschichte_, ist das

_wissende_ sich _vermittelnde_ Werden--der an die Zeit entäußerte

Geist; aber diese Entäußerung ist ebenso die Entäußerung ihrer selbst;

das Negative ist das Negative seiner selbst. Dies Werden stellt

eine träge Bewegung und Aufeinanderfolge von Geistern dar, eine

Galerie von Bildern, deren jedes, mit dem vollständigen Reichtume des

Geistes ausgestattet, eben darum sich so träge bewegt, weil das

Selbst diesen ganzen Reichtum seiner Substanz zu durchdringen und zu

verdauen hat. Indem seine Vollendung darin besteht, das, was _er

ist_, seine Substanz, vollkommen zu _wissen_, so ist dies Wissen sein

_In-sich-gehen_, in welchem er sein Dasein verläßt und seine Gestalt

der Erinnerung übergibt. In seinem In-sich-gehen ist er in der Nacht

seines Selbstbewußtseins versunken, sein verschwundnes Dasein aber

ist in ihr aufbewahrt, und dies aufgehobne Dasein--das vorige, aber

aus dem Wissen neugeborne--ist das neue Dasein, eine neue Welt und

Geistesgestalt. In ihr hat er ebenso unbefangen von vornen bei ihrer

Unmittelbarkeit anzufangen und sich von ihr auf wieder großzuziehen,

als ob alles Vorhergehende für ihn verloren wäre und er aus der

Erfahrung der frühern Geister nichts gelernt hätte. Aber die

_Er-Innerung_ hat sie aufbewahrt und ist das Innre und die in der Tat

höhere Form der Substanz. Wenn also dieser Geist seine Bildung, von

sich nur auszugehen scheinend, wieder von vornen anfängt, so ist es

zugleich auf einer höhern Stufe, daß er anfängt. Das Geisterreich,

das auf diese Weise sich in dem Dasein gebildet, macht eine

Aufeinanderfolge aus, worin einer den andern ablöste und jeder das

Reich der Welt von dem vorhergehenden übernahm. Ihr Ziel ist die

Offenbarung der Tiefe, und diese ist _der absolute Begriff_, diese

Offenbarung ist hiemit das Aufheben seiner Tiefe oder seine

_Ausdehnung_, die Negativität dieses insichseienden Ich, welche seine

Entäußerung oder Substanz ist,--und seine _Zeit_, daß diese

Entäußerung sich an ihr selbst entäußert und so in ihrer Ausdehnung

ebenso in ihrer Tiefe, dem Selbst ist. _Das Ziel_, das absolute

Wissen, oder der sich als Geist wissende Geist hat zu seinem Wege die

Erinnerung der Geister, wie sie an ihnen selbst sind und die

Organisation ihres Reiches vollbringen. Ihre Aufbewahrung nach der

Seite ihres freien in der Form der Zufälligkeit erscheinenden Daseins

ist die Geschichte, nach der Seite ihrer begriffnen Organisation aber

die _Wissenschaft_ des _erscheinenden Wissens_; beide zusammen, die

begriffne Geschichte, bilden die Erinnerung und die Schädelstätte des

absoluten Geistes, die Wirklichkeit, Wahrheit und Gewißheit seines

Throns, ohne den er das leblose Einsame wäre; nur--

aus dem Kelche dieses Geisterreiches

schäumt ihm seine Unendlichkeit.

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von Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

Phänomenologie des Geistes · 第 46 / 46 题