B. Die Kunst-Religion

Der Geist hat seine Gestalt, in welcher er für sein Bewußtsein ist,

in die Form des Bewußtseins selbst erhoben, und bringt eine solche

sich hervor. Der Werkmeister hat das _synthetische_ Arbeiten, das

_Vermischen_ der fremdartigen Formen des Gedankens und des

Natürlichen aufgegeben; indem die Gestalt die Form der selbstbewußten

Tätigkeit gewonnen, ist er geistiger Arbeiter geworden.

Fragen wir darnach, welches der _wirkliche_ Geist ist, der in der

Kunstreligion das Bewußtsein seines absoluten Wesens hat, so ergibt

sich, daß es der _sittliche_ oder der _wahre_ Geist ist. Er ist

nicht nur die allgemeine Substanz aller Einzelnen, sondern indem sie

für das wirkliche Bewußtsein die Gestalt des Bewußtseins hat, so

heißt dies soviel, daß sie, die Individualisation hat, von ihnen als

ihr eignes Wesen und Werk gewußt wird. Weder ist sie so für sie das

Lichtwesen, in dessen Einheit das Für-sich-sein des Selbstbewußtseins

nur negativ, nur vergehend enthalten ist, und den Herrn seiner

Wirklichkeit anschaut,--noch ist sie das rastlose Verzehren sich

hassender Völker,--noch die Unterjochung derselben zu Kasten, die

zusammen den Schein der Organisation eines vollendeten Ganzen

ausmachen, dem aber die allgemeine Freiheit der Individuen fehlt.

Sondern er ist das freie Volk, worin die Sitte die Substanz aller

ausmacht, deren Wirklichkeit und Dasein alle und jeder einzelne als

seinen Willen und Tat weiß.

Die Religion des sittlichen Geistes ist aber seine Erhebung über

seine Wirklichkeit, das Zurückgehen _aus seiner Wahrheit_ in das

reine _Wissen seiner selbst_. Indem das sittliche Volk in der

unmittelbaren Einheit mit seiner Substanz lebt und das Prinzip der

reinen Einzelnheit des Selbstbewußtseins nicht an ihm hat, so tritt

seine Religion in ihrer Vollendung erst im _Scheiden_ von seinem

_Bestehen_ auf. Denn die _Wirklichkeit_ der sittlichen Substanz

beruht teils auf ihrer ruhigen _Unwandelbarkeit_ gegen die absolute

Bewegung des Selbstbewußtseins, und hiemit darauf, daß dieses noch

nicht aus seiner ruhigen Sitte und seinem festen Vertrauen in sich

gegangen ist;--teils auf seiner Organisation in eine Vielheit von

Rechten und Pflichten, sowie in die Verteilung in die Massen der

Stände und ihres besondern Tuns, das zum Ganzen zusammenwirkt;

--hiemit darauf, daß der Einzelne mit der Beschränkung seines Daseins

zufrieden ist und den schrankenlosen Gedanken seines freien Selbsts

noch nicht erfaßt hat. Aber jenes ruhige _unmittelbare_ Vertrauen

zur Substanz geht in das Vertrauen _zu sich_ und in die _Gewißheit

seiner selbst_ zurück, und die Vielheit der Rechte und Pflichten wie

das beschränkte Tun ist dieselbe dialektische Bewegung des Sittlichen,

als die Vielheit der Dinge und ihrer Bestimmungen,--eine Bewegung,

die nur in der Einfachheit des seiner gewissen Geistes ihre Ruhe und

Festigkeit findet.--Die Vollendung der Sittlichkeit zum freien

Selbstbewußtsein und das Schicksal der sittlichen Welt ist daher die

in sich gegangene Individualität, der absolute Leichtsinn des

sittlichen Geistes, der alle festen Unterschiede seines Bestehens und

die Massen seiner organischen Gegliederung in sich aufgelöst, und

vollkommen seiner sicher zur schrankenlosen Freudigkeit und zum

freisten Genusse seiner selbst gelangt ist. Diese einfache Gewißheit

des Geistes in sich ist das Zweideutige, ruhiges Bestehen und feste

Wahrheit, sowie absolute Unruhe und das Vergehen der Sittlichkeit zu

sein. Sie schlägt aber in das letztre um, denn die Wahrheit des

sittlichen Geistes ist nur erst noch dies substantielle Wesen und

Vertrauen, worin das Selbst sich nicht als freie Einzelheit weiß, und

das daher in dieser Innerlichkeit oder in dem Freiwerden des Selbsts

zugrunde geht. Indem also das Vertrauen gebrochen, die Substanz des

Volks in sich geknickt ist, so ist der Geist, der die Mitte von

bestandlosen Extremen war, nunmehr in das Extrem des sich als Wesen

erfassenden Selbstbewußtseins herausgetreten. Dieses ist der in sich

gewisse Geist, der über den Verlust seiner Welt trauert und sein

Wesen, über die Wirklichkeit erhoben, nun aus der Reinheit des

Selbsts hervorbringt.

In solcher Epoche tritt die absolute Kunst hervor; früher ist sie das

instinktartige Arbeiten, das ins Dasein versenkt aus ihm heraus und

in es hineinarbeitet, nicht an der freien Sittlichkeit seine Substanz,

und daher auch zum arbeitenden Selbst nicht die freie geistige

Tätigkeit hat. Später ist der Geist über die Kunst hinaus, um seine

höhere Darstellung zu gewinnen;--nämlich nicht nur die aus dem Selbst

geborne _Substanz_, sondern in seiner Darstellung als Gegenstand,

_dieses Selbst_ zu sein, nicht nur aus seinem Begriffe sich zu

gebären, sondern seinen Begriff selbst zur Gestalt zu haben, so daß

der Begriff und das erzeugte Kunstwerk sich gegenseitig als ein und

dasselbe wissen.

Indem also die sittliche Substanz aus ihrem Dasein sich in ihr reines

Selbstbewußtsein zurückgenommen, so ist dieses die Seite des Begriffs

oder der _Tätigkeit_, mit welcher der Geist sich als Gegenstand

hervorbringt. Sie ist reine Form, weil der Einzelne im sittlichen

Gehorsam und Dienste sich alles bewußtlose Dasein und feste

Bestimmung so abgearbeitet hat, wie die Substanz selbst dies flüssige

Wesen geworden ist. Diese Form ist die Nacht, worin die Substanz

verraten ward, und sich zum Subjekte machte; aus dieser Nacht der

reinen Gewißheit seiner selbst ist es, daß der sittliche Geist als

die von der Natur und seinem unmittelbaren Dasein befreite Gestalt

aufersteht.

Die _Existenz_ des reinen Begriffs in den der Geist aus seinem Körper

geflohen, ist ein Individuum, das er sich zum Gefäße seines

Schmerzens erwählt. Er ist an diesem als sein Allgemeines und seine

Macht, von welcher es Gewalt leidet,--als sein Pathos, dem hingegeben

sein Selbstbewußtsein die Freiheit verliert. Aber jene positive

Macht der Allgemeinheit wird vom reinen Selbst des Individuums, als

der negativen Macht, bezwungen. Diese reine Tätigkeit, ihrer

unverlierbaren Kraft bewußt, ringt mit dem ungestalteten Wesen;

Meister darüber werdend, hat sie das Pathos zu ihrem Stoffe gemacht

und sich ihren Inhalt gegeben, und diese Einheit tritt als Werk

heraus, der allgemeine Geist individualisiert und vorgestellt.

a. Das abstrakte Kunstwerk

Das erste Kunstwerk ist, als das unmittelbare, das abstrakte und

einzelne. Seinerseits hat es sich aus der unmittelbaren und

gegenständlichen Weise dem Selbstbewußtsein entgegenzubewegen, wie

andererseits dieses für sich im Kultus darauf geht, die

Unterscheidung aufzuheben, die es sich zuerst gegen seinen Geist gibt,

und hiedurch das an ihm selbst belebte Kunstwerk hervorzubringen.

Die erste Weise, in welcher der künstlerische Geist seine Gestalt und

sein tätiges Bewußtsein am weitesten voneinander entfernt, ist die

unmittelbare, daß jene als _Ding_ überhaupt _da ist_.--Sie zerfällt

an ihr in den Unterschied der Einzelnheit, welche die Gestalt des

Selbsts an ihr hat, und der Allgemeinheit, welche das unorganische

Wesen in bezug auf die Gestalt, als seine Umgebung und Behausung,

darstellt. Diese gewinnt durch die Erhebung des Ganzen in den reinen

Begriff ihre reine dem Geiste angehörige Form. Sie ist weder der

verständige Kristall, der das Tote behaust, oder von der äußerlichen

Seele beschienen wird, noch die aus der Pflanze erst hervorgehende

Vermischung der Formen der Natur und des Gedankens, dessen Tätigkeit

hierin noch ein _Nachahmen_ ist. Sondern der Begriff streift das ab,

was von der Wurzel, dem Geäste und Geblätter den Formen noch anklebt,

und reinigt sie zu Gebilden, worin das Geradlinigte und Ebne des

Kristalls in inkommensurable Verhältnisse erhoben ist, so daß die

Beseelung des Organischen in die abstrakte Form des Verstandes

aufgenommen und zugleich ihr Wesen, die Inkommensurabilität für den

Verstand erhalten wird.

Der inwohnende Gott aber ist der aus dem Tiergehäuse hervorgezogne

schwarze Stein, der mit dem Lichte des Bewußtseins durchdrungen ist.

Die menschliche Gestalt streift die tierische, mit der sie vermischt

war, ab; das Tier ist für den Gott nur eine zufällige Verkleidung; es

tritt neben seine wahre Gestalt, und gilt für sich nichts mehr,

sondern ist zur Bedeutung eines andern, zum bloßen Zeichen,

herabgesunken. Die Gestalt des Gottes streift eben dadurch an ihr

selbst auch die Bedürftigkeit der natürlichen Bedingungen des

tierischen Daseins ab, und deutet die innerlichen Anstalten des

organischen Lebens in ihre Oberfläche verschmolzen und nur dieser

angehörig an.--Das _Wesen_ des Gottes aber ist die Einheit des

allgemeinen Daseins der Natur und des selbstbewußten Geistes, der in

seiner Wirklichkeit jenem gegenüberstehend erscheint. Zugleich

zunächst eine _einzelne_ Gestalt, ist sein Dasein eines der Elemente

der Natur, so wie seine selbstbewußte Wirklichkeit ein einzelner

Volksgeist. Aber jenes ist in dieser Einheit das in den Geist

reflektierte Element, die durch den Gedanken verklärte, mit dem

selbstbewußten Leben geeinte Natur. Die Göttergestalt hat darum ihr

Naturelement als ein aufgehobnes, als eine dunkle Erinnerung in ihr.

Das wüste Wesen und der verworrene Kampf des freien Daseins der

Elemente, das unsittliche Reich der Titanen, ist besiegt, und an den

Saum der sich klar gewordnen Wirklichkeit, an die trüben Grenzen der

sich im Geiste findenden und beruhigten Welt verwiesen. Diese alten

Götter, in welche das Lichtwesen, mit der Finsternis zeugend, sich

zunächst besonders, der Himmel, die Erde, der Ozean, die Sonne, das

blinde typhonische Feuer der Erde u.s.f. sind durch Gestalten ersetzt,

die an ihnen nur noch den dunkel erinnernden Anklang an jene Titanen

haben, und nicht mehr Naturwesen, sondern klare sittliche Geister der

selbstbewußten Völker sind.

Diese einfache Gestalt hat also die Unruhe der unendlichen

Vereinzelung--ihrer sowohl als des Naturelements, das nur als

allgemeines Wesen notwendig, in seinem Dasein und Bewegung aber sich

zufällig verhält, wie ihrer als des Volks, das in die besondere

Massen des Tuns und in die individuellen Punkte des Selbstbewußtseins

zerstreut ein Dasein mannigfaltigen Sinnes und Tuns hat--an sich

vertilgt und in ruhige Individualität zusammengefaßt. Es steht ihr

daher das Moment der Unruhe, ihr--dem _Wesen_ das _Selbstbewußtsein_

gegenüber, das als die Geburtsstätte derselben für sich nichts übrig

behielt, als die _reine Tätigkeit_ zu sein. Was der Substanz

angehört, gab der Künstler ganz seinem Werke mit, sich selbst aber

als einer bestimmten Individualität in seinem Werke keine

Wirklichkeit; er konnte ihm die Vollendung nur dadurch erteilen, daß

er seiner Besonderheit sich entäußerte, und zur Abstraktion des

reinen Tuns sich entkörperte und steigerte.--In dieser ersten

unmittelbaren Erzeugung ist die Trennung des Werks und seiner

selbstbewußten Tätigkeit noch nicht wieder vereinigt; das Werk ist

daher nicht für sich das wirklich beseelte, sondern es ist _Ganzes_

nur mit seinem _Werden_ zusammen. Das Gemeine an dem Kunstwerke, daß

es im Bewußtsein erzeugt und von Menschenhänden gemacht ist, ist das

Moment des als Begriff existierenden Begriffes, der ihm

gegenübertritt. Und wenn dieser, als Künstler oder als Betrachter,

das Kunstwerk als an ihm selbst absolut beseelt auszusprechen, und

sich, den Tuenden oder Schauenden, zu vergessen uneigennützig genug

ist, so muß hiegegen der Begriff des Geistes festgehalten werden, der

des Moments nicht entbehren kann, seiner selbst bewußt zu sein. Dies

Moment aber steht dem Werke gegenüber, weil er in dieser seiner

ersten Entzweiung beiden Seiten ihre abstrakten Bestimmungen des

_Tuns_ und _Ding_seins gegeneinander gibt, und ihre Rückkehr in die

Einheit, von der sie ausgingen, noch nicht zustande gekommen ist.

Der Künstler erfährt also an seinem Werke, daß er _kein ihm gleiches_

Wesen hervorbrachte. Es kommt ihm zwar daraus ein Bewußtsein so

zurück, daß eine bewundernde Menge es als den Geist, der ihr Wesen

ist, verehrt. Aber diese Beseelung, indem sie ihm sein

Selbstbewußtsein nur als Bewunderung erwidert, ist vielmehr ein

Bekenntnis, das diese Beseelung an den Künstler ablegt, nicht

seinesgleichen zu sein. Indem es ihm als Freudigkeit überhaupt

zurückkommt, findet er darin nicht den Schmerz seiner Bildung und

Zeugung, nicht die Anstrengung seiner Arbeit. Sie mögen das Werk

auch noch beurteilen, oder ihm Opfer bringen, auf welche Art es sei,

ihr Bewußtsein darein legen,--wenn sie sich mit ihrer Kenntnis

darüber setzen, weiß er, wieviel mehr seine _Tat_ als ihr Verstehen

und Reden ist; wenn sie sich _darunter_ setzen und ihr sie

beherrschendes _Wesen_ darin erkennen, weiß er sich als den Meister

desselben.

Das Kunstwerk erfodert daher ein anderes Element seines Daseins, der

Gott einen andern Hervorgang als diesen, worin er aus der Tiefe

seiner schöpferischen Nacht in das Gegenteil in die Äußerlichkeit,

die Bestimmung des selbstbewußtlosen _Dinges_ herabfällt. Dies

höhere Element ist die _Sprache_--ein Dasein, das unmittelbar

selbstbewußte Existenz ist. Wie das _einzelne_ Selbstbewußtsein in

ihr da ist, ist es ebenso unmittelbar als eine _allgemeine_

Ansteckung; die vollkommne Besonderung des Für-sich-seins ist

zugleich die Flüssigkeit und die allgemein mitgeteilte Einheit der

vielen Selbst; sie ist die als Seele existierende Seele. Der Gott

also, der die Sprache zum Elemente seiner Gestalt hat, ist das an ihm

selbst beseelte Kunstwerk, das die reine Tätigkeit, die ihm, der als

Ding existierte, gegenüber war, unmittelbar in seinem Dasein hat.

Oder das Selbstbewußtsein bleibt in dem Gegenständlichwerden seines

Wesens unmittelbar bei sich. Es ist, so in seinem Wesen bei sich

selbst seiend, _reines Denken_ oder die Andacht, deren

_Innerlichkeit_ in der Hymne zugleich _Dasein_ hat. Sie behält die

Einzelnheit des Selbstbewußtseins in ihr, und vernommen ist diese

Einzelnheit zugleich als allgemeine da; die Andacht, in allen

angezündet, ist der geistige Strom, der, in der Vielfachheit des

Selbstbewußtseins, seiner als eines gleichen _Tuns_ Aller und als

_einfaches Sein_ bewußt ist; der Geist hat als dieses allgemeine

Selbstbewußtsein Aller seine reine Innerlichkeit ebensowohl als das

Sein für Andre und das Für-sich-sein der Einzelnen in _einer_ Einheit.

Diese Sprache unterscheidet sich von einer andern Sprache des Gottes,

die nicht die des allgemeinen Selbstbewußtseins ist. Das _Orakel_

sowohl des Gottes der künstlerischen als der vorhergehenden

Religionen ist die notwendige erste Sprache desselben, denn in seinem

_Begriffe_ liegt ebensowohl, daß er das Wesen der Natur als des

Geistes ist, und daher nicht nur natürliches, sondern auch geistiges

Dasein hat. Insofern dies Moment erst in seinem _Begriffe_ liegt,

und noch nicht in der Religion realisiert ist, so ist die Sprache für

das religiöse Selbstbewußtsein Sprache eines fremden

Selbstbewußtseins. Das seiner Gemeine noch _fremde_ Selbstbewußtsein

_ist_ noch nicht so _da_, wie sein Begriff fodert. Das Selbst ist

das einfache und dadurch schlechthin _allgemeine_ Für-sich-sein;

jenes aber, das von dem Selbstbewußtsein der Gemeine getrennt ist,

ist nur erst ein _einzelnes_.--Der Inhalt dieser eignen und einzelnen

Sprache ergibt sich aus der allgemeinen Bestimmtheit, in welcher der

absolute Geist überhaupt in seiner Religion gesetzt ist.--Der

allgemeine Geist des Aufgangs, der sein Dasein noch nicht besonders

hat, spricht also ebenso einfache und allgemeine Sätze vom Wesen aus,

deren substantieller Inhalt in seiner einfachen Wahrheit erhaben ist,

aber um dieser Allgemeinheit willen, dem weiter sich fortbildenden

Selbstbewußtsein zugleich trivial erscheint.

Das weiter gebildete Selbst, das sich zum _Für-sich-sein_ erhebt, ist

über das reine Pathos der Substanz, über die Gegenständlichkeit des

aufgehenden Lichtwesens Meister, und weiß jene Einfachheit der

Wahrheit, als das _an-sich-seiende_, das nicht die Form des

zufälligen Daseins durch eine fremde Sprache hat, sondern _als das

sichre und ungeschriebene Gesetze der Götter, das ewig lebt, und von

dem niemand weiß, von wannen es erschien_.--Wie die allgemeine

Wahrheit, die vom Lichtwesen geoffenbart wurde, hier ins Innre oder

Untre zurückgetreten und damit der Form der zufälligen Erscheinung

enthoben ist, so ist dagegen in der Kunstreligion, weil die Gestalt

des Gottes das Bewußtsein und damit die Einzelnheit überhaupt

angenommen hat, die eigne Sprache des Gottes, der der Geist des

sittlichen Volkes ist, das Orakel, das die besondern Angelegenheiten

desselben weiß, und das Nützliche darüber kundtut. Die allgemeinen

Wahrheiten aber, weil sie als das _An-sich-seiende_ gewußt werden,

vindiziert sich das _wissende Denken_, und die Sprache derselben ist

ihm nicht mehr eine fremde, sondern die eigne. Wie jener Weise des

Altertums, was gut und schön sei, in seinem eignen Denken suchte,

dagegen den schlechten zufälligen Inhalt des Wissens, ob es ihm gut

sei, mit diesem oder jenem umzugehen, oder einem Bekannten gut, diese

Reise zu machen und dergleichen bedeutungslose Dinge, dem Dämon zu

wissen überließ, ebenso holt das allgemeine Bewußtsein das Wissen vom

Zufälligen von den Vögeln, oder von den Bäumen oder von der gärenden

Erde, deren Dampf dem Selbstbewußtsein seine Besonnenheit nimmt; denn

das Zufällige ist das Unbesonnene und Fremde, und das sittliche

Bewußtsein läßt sich also auch, wie durch ein Würfeln, auf eine

unbesonnene und fremde Weise darüber bestimmen. Wenn der Einzelne

durch seinen Verstand sich bestimmt und mit Überlegung das wählt, was

ihm nützlich sei, so liegt dieser Selbstbestimmung die Bestimmtheit

des besondern Charakters zum Grunde; sie ist selbst das Zufällige;

und jenes Wissen des Verstands, was dem Einzelnen nützlich ist, daher

ein eben solches Wissen als das jener Orakel oder des Loses; nur daß,

der das Orakel oder Los befragt, damit die sittliche Gesinnung der

Gleichgültigkeit gegen das Zufällige ausdrückt, da jenes hingegen das

an sich Zufällige als wesentliches Interesse seines Denkens und

Wissens behandelt. Das Höhere als beide aber ist, zwar die

Überlegung zum Orakel des zufälligen Tuns zu machen, aber diese

überlegte Handlung selbst wegen ihrer Seite der Beziehung auf das

Besondre und ihrer Nützlichkeit als etwas Zufälliges zu wissen.

Das wahre selbstbewußte Dasein, das der Geist in der Sprache, die

nicht die Sprache des fremden und also zufälligen, nicht allgemeinen

Selbstbewußtseins ist, erhält, ist das Kunstwerk, das wir vorhin

gesehen. Es steht dem dinglichen der Bildsäule gegenüber. Wie diese

das ruhende, so ist jenes das verschwindende Dasein; wie in diesem

die Gegenständlichkeit frei entlassen des eignen unmittelbaren

Selbsts entbehrt, so bleibt sie dagegen in jenem zu sehr in das

Selbst eingeschlossen, kommt zu wenig zur Gestaltung, und ist, wie

die Zeit, unmittelbar nicht mehr da, indem sie da ist.

Die Bewegung beider Seiten, in der die im reinen empfindenden

Elemente des Selbstbewußtseins _bewegte_, und die im Elemente der

Dingheit _ruhende_ göttliche Gestalt gegenseitig ihre verschiedne

Bestimmung aufgeben und die Einheit zum Dasein kommt, die der Begriff

ihres Wesens ist, macht der _Kultus_ aus. In ihm gibt sich das

Selbst das Bewußtsein des Herabsteigens des göttlichen Wesens aus

seiner Jenseitigkeit zu ihm, und dieses, das vorher das unwirkliche

und nur gegenständliche ist, erhält dadurch die eigentliche

Wirklichkeit des Selbstbewußtseins.

Dieser Begriff des Kultus ist an sich schon in dem Strome des

hymnischen Gesanges enthalten und vorhanden. Diese Andacht ist die

unmittelbare reine Befriedigung des Selbsts durch und in sich selbst.

Es ist die gereinigte Seele, welche in dieser Reinheit unmittelbar

nur Wesen und eins mit dem Wesen ist. Sie ist um ihrer Abstraktion

willen nicht das seinen Gegenstand von sich unterscheidende

Bewußtsein, und also nur die Nacht seines Daseins und die _bereitete

Stätte_ seiner Gestalt. Der _abstrakte Kultus_ erhebt daher das

Selbst dazu, dieses reine _göttliche Element_ zu sein. Die Seele

vollbringt diese Läuterung mit Bewußtsein; doch ist sie noch nicht

das Selbst, das in seine Tiefen hinabgestiegen, sich als das Böse

weiß, sondern es ist ein _seiendes_, eine Seele, welche ihre

Äußerlichkeit mit Waschen reinigt, sie mit weißen Kleidern antut, und

ihre Innerlichkeit den vorgestellten Weg der Arbeiten, Strafen und

Belohnungen, den Weg der die Besonderheit entäußernden Bildung

überhaupt durchführt, durch welchen sie in die Wohnungen und die

Gemeinschaft der Seligkeit gelangt.

Dieser Kultus ist nur erst _ein geheimes_, d.h. ein nur vorgestelltes,

unwirkliches Vollbringen; er muß _wirkliche_ Handlung sein, eine

unwirkliche Handlung widerspricht sich selbst. _Das eigentliche

Bewußtsein_ erhebt sich dadurch in sein _reines_ Selbstbewußtsein.

Das Wesen hat in ihm die Bedeutung eines freien Gegenstands, durch

den wirklichen Kultus kehrt dieser in das Selbst zurück,--und

insofern er im reinen Bewußtsein die Bedeutung des reinen jenseits

der Wirklichkeit wohnenden Wesens hat, steigt dies Wesen von seiner

Allgemeinheit durch diese Vermittlung zur Einzelnheit herunter und

schließt sich so mit der Wirklichkeit zusammen.

Wie beide Seiten in die Handlung eintreten, bestimmt sich so, daß für

die selbstbewußte Seite, insofern sie _wirkliches_ Bewußtsein ist,

das Wesen sich als die _wirkliche Natur_ darstellt; einesteils gehört

sie ihm als Besitz und Eigentum und gilt als das nicht

_an-sich_-seiende Dasein;--andernteils ist sie _seine eigne_

unmittelbare Wirklichkeit und Einzelnheit, die von ihm ebenso als

Nichtwesen betrachtet und aufgehoben wird. Zugleich aber hat für

sein _reines_ Bewußtsein jene äußere Natur die _entgegengesetzte_

Bedeutung, nämlich das _ansichseiende_ Wesen zu sein, gegen welches

das Selbst seine Unwesentlichkeit aufopfert, wie es umgekehrt die

unwesentliche Seite der Natur sich selbst aufopfert. Die Handlung

ist dadurch geistige Bewegung, weil sie dies Doppelseitige ist, die

Abstraktion des _Wesens_, wie die Andacht den Gegenstand bestimmt,

aufzuheben und es zum Wirklichen zu machen, und das _Wirkliche_, wie

das Handelnde den Gegenstand und sich bestimmt, auf- und in die

Allgemeinheit zu erheben.

Die Handlung des Kultus selbst beginnt daher mit der reinen _Hingabe_

eines Besitzes, den der Eigentümer scheinbar für ihn ganz nutzlos

vergießt oder in Rauch aufsteigen läßt. Er tut hierin vor dem Wesen

seines reinen Bewußtseins auf Besitz und Recht des Eigentumes und des

Genusses desselben, auf die Persönlichkeit und die Rückkehr des Tuns

in das Selbst Verzicht, und reflektiert die Handlung vielmehr in das

Allgemeine oder in das Wesen, als in sich.--Umgekehrt aber geht darin

ebenso das _seiende Wesen_ zugrunde. Das Tier, das aufgeopfert wird,

ist das _Zeichen_ eines Gottes; die Früchte, die verzehrt werden,

sind die _lebendige_ Ceres und Bacchus _selbst_;--in jenem sterben

die Mächte des obern Rechts, welches Blut und wirkliches Leben hat;

in diesen aber die Mächte des untern Rechts, das blutlos die geheime

listige Macht besitzt.--Die Aufopferung der göttlichen Substanz

gehört, insofern sie _Tun_ ist, der selbstbewußten Seite an; daß

dieses wirkliche Tun möglich sei, muß das Wesen sich selbst schon _an

sich_ aufgeopfert haben. Dies hat es darin getan, daß es sich

_Dasein_ gegeben und zum _einzelnen Tiere_ und zur _Frucht_ gemacht

hat. Diese Verzichtleistung, die also das Wesen schon _an sich_

vollbracht, stellt das handelnde Selbst im Dasein und für sein

Bewußtsein dar, und ersetzt jene _unmittelbare_ Wirklichkeit des

Wesens durch die höhere, nämlich die _seiner selbst_. Denn die

entstandne Einheit, die das Resultat der aufgehobnen Einzelnheit und

Trennung beider Seiten ist, ist nicht das nur negative Schicksal,

sondern hat positive Bedeutung. Nur dem abstrakten unterirdischen

Wesen wird das ihm Aufgeopferte ganz hingegeben, und damit die

Reflexion des Besitzes und des Für-sich-seins in das Allgemeine, von

dem Selbst als solchem unterschieden, bezeichnet. Zugleich aber ist

dies nur ein geringer _Teil_, und das andre Opfern ist nur die

Zerstörung des Unbrauchbaren und vielmehr die Zubereitung des

Geopferten zum Mahle, dessen Schmaus die Handlung um ihre negative

Bedeutung betriegt. Der Opfernde behält bei jenem ersten Opfer das

meiste und von diesem das Nutzbare _seinem Genusse_ auf. Dieser

Genuß ist die negative Macht, welche das _Wesen_ sowie die

_Einzelnheit_ aufhebt, und zugleich ist er die positive Wirklichkeit,

worin das _gegenständliche_ Dasein des Wesens in _selbstbewußtes_

verwandelt, und das Selbst das Bewußtsein seiner Einheit mit dem

Wesen hat.

Dieser Kultus ist übrigens zwar eine wirkliche Handlung, ihre

Bedeutung liegt jedoch mehr nur in der Andacht; was dieser angehört,

ist nicht gegenständlich hervorgebracht, so wie das Resultat im

_Genusse_ sich selbst seines Daseins beraubt. Der Kultus geht daher

weiter und ersetzt diesen Mangel zunächst dadurch, daß er seiner

Andacht ein _gegenständliches Bestehen_ gibt, indem er die gemeinsame

oder einzelne jedem tunliche Arbeit ist, welche die Wohnung und den

Putz des Gottes ihm zu Ehren hervorbringt.--Es wird dadurch teils die

Gegenständlichkeit der Bildsäule aufgehoben, denn durch diese Weihung

seiner Geschenke und Arbeiten macht der Arbeitende den Gott sich

geneigt, und schaut sein Selbst ihm angehörig an; teils auch ist dies

Tun nicht das einzelne Arbeiten des Künstlers, sondern diese

Besonderheit ist in der Allgemeinheit aufgelöst. Es ist aber nicht

nur die Ehre des Gottes, die zustande kommt, und der Segen seiner

Geneigtheit fließt nicht nur in der _Vorstellung_ auf den Arbeiter,

sondern die Arbeit hat auch die umgekehrte Bedeutung gegen die erste

der Entäußerung und der fremden Ehre. Die Wohnungen und Hallen des

Gottes sind für den Gebrauch des Menschen, die Schätze, die in jenen

aufbewahrt sind, im Notfalle die seinigen; die Ehre, die jener in

seinem Schmucke genießt, ist die Ehre des kunstreichen und

großmütigen Volkes. Am Feste schmückt dieses ebenso seine eignen

Wohnungen und Bekleidungen sowie seine Verrichtungen mit zierlichem

Geräte. Es empfängt auf diese Weise für seine Gaben die Erwiderung

von dem dankbaren Gotte und die Beweise seiner Geneigtheit, in der es

sich mit ihm durch die Arbeit verband, nicht in der Hoffnung und

einer späten Wirklichkeit, sondern hat in der Ehrenbezeugung und

Darbringung der Gaben unmittelbar den Genuß seines eignen Reichtumes

und Putzes.

b. Das lebendige Kunstwerk

Das Volk, das in dem Kultus der Kunstreligion sich seinem Gotte naht,

ist das sittliche Volk, das seinen Staat und die Handlungen desselben

als den Willen und das Vollbringen seiner selbst weiß. Dieser Geist,

dem selbstbewußten Volke gegenübertretend, ist daher nicht das

Lichtwesen, das selbstlos nicht die Gewißheit der Einzelnen in sich

enthält, sondern vielmehr nur ihr allgemeines Wesen und die herrische

Macht ist, worin sie verschwinden. Der Kultus der Religion dieses

einfachen gestaltlosen Wesens gibt seinen Angehörigen daher nur dies

im Allgemeinen zurück, daß sie das Volk ihres Gottes sind; er erwirbt

ihnen nur ihr Bestehen und einfache Substanz überhaupt, nicht aber

ihr wirkliches Selbst, das vielmehr verworfen ist. Denn sie verehren

ihren Gott als die leere Tiefe, nicht als Geist. Der Kultus aber der

Kunstreligion entbehrt andererseits jener abstrakten _Einfachheit_

des Wesens, und daher der _Tiefe_ desselben. Das _Wesen_ aber, das

mit _dem Selbst unmittelbar geeinigt ist_, ist _an sich_ der Geist

und die _wissende Wahrheit_, obzwar noch nicht die gewußte, oder die

sich selbst in ihrer Tiefe wissende. Weil das Wesen also hier das

Selbst an ihm hat, so ist seine Erscheinung dem Bewußtsein freundlich,

und im Kultus erhält dieses nicht nur die allgemeine Berechtigung

seines Bestehens, sondern auch sein in ihm selbst bewußtes Dasein; so

wie umgekehrt das Wesen nicht in einem verworfnen Volke, dessen

Substanz nur anerkannt wird, selbstlose Wirklichkeit hat, sondern in

dem Volke, dessen _Selbst_ in seiner Substanz anerkannt ist.

Aus dem Kultus tritt also das in seinem Wesen befriedigte

Selbstbewußtsein und der Gott eingekehrt in es als in seine Stätte.

Diese _Stätte_ ist für sich die Nacht der Substanz oder ihre reine

Individualität, aber nicht mehr die gespannte des Künstlers, die noch

nicht mit ihrem _gegenständlich_ werdenden Wesen sich ausgesöhnt hat,

sondern die befriedigte Nacht, welche ihr Pathos unbedürftig an ihr

hat, weil sie aus der Anschauung, der aufgehobnen Gegenständlichkeit

zurückkehrt.--Dieses _Pathos_ ist für sich das Wesen des _Aufgangs_,

das aber nunmehr in sich _untergegangen_ ist, und seinen Untergang,

das Selbstbewußtsein und damit Dasein und Wirklichkeit an ihm selbst

hat.--Es hat hier die Bewegung seiner Verwirklichung durchlaufen.

Sich aus seiner reinen Wesenheit herabsetzend zu einer

gegenständlichen Naturkraft und deren Äußerungen, ist es ein Dasein

für das Andere, für das Selbst, von dem es verzehrt wird. Das stille

Wesen der selbstlosen Natur gewinnt in seiner Frucht die Stufe, worin

sie, sich selbst zubereitend und verdaut, sich dem selbstischen Leben

darbietet; sie erreicht in der Nützlichkeit, gegessen und getrunken

werden zu können, ihre höchste Vollkommenheit; denn sie ist darin die

Möglichkeit einer höhern Existenz, und berührt das geistige Dasein;

--teils zur stillkräftigen Substanz, teils aber zur geistigen Gärung,

ist der Erdgeist in seiner Metamorphose dort zum weiblichen Prinzipe

der Ernährung, hier zum männlichen Prinzipe der sich treibenden Kraft

des selbstbewußten Daseins gediehen.

In diesem Genusse ist also jenes aufgehende Lichtwesen verraten, was

es ist; er ist das Mysterium desselben. Denn das Mystische ist nicht

Verborgenheit eines Geheimnisses oder Unwissenheit, sondern besteht

darin, daß das Selbst sich mit dem Wesen eins weiß, und dieses also

geoffenbart ist. Nur das Selbst ist sich offenbar, oder was offenbar

ist, ist es nur in der unmittelbaren Gewißheit seiner. In dieser

aber ist durch den Kultus das einfache Wesen gesetzt worden; es hat

als brauchbares Ding nicht nur das Dasein, das gesehen, gefühlt,

gerochen, geschmeckt wird, sondern ist auch Gegenstand der Begierde,

und wird durch den wirklichen Genuß eins mit dem Selbst und dadurch

vollkommen an dieses verraten und ihm offenbar.--Dasjenige, von dem

gesagt wird, es sei der Vernunft, dem Herzen offenbar, ist in der Tat

noch geheim, denn es fehlt noch die wirkliche Gewißheit des

unmittelbaren Daseins, sowohl die gegenständliche als die genießende,

welche in der Religion aber nicht nur die gedankenlose unmittelbare,

sondern zugleich die rein wissende des Selbsts ist.

Was hiemit durch den Kultus dem selbstbewußten Geiste in ihm selbst

offenbar geworden, ist das _einfache_ Wesen, als die Bewegung, teils

aus seiner nächtlichen Verborgenheit herauf in das Bewußtsein zu

treten, dessen stillernährende Substanz zu sein, teils aber sich

ebenso wieder in die unterirdische Nacht, in das Selbst, zu verlieren

und oben nur mit stiller Muttersehnsucht zu verweilen.--Der lautre

Trieb aber ist das vielnamige Lichtwesen des Aufgangs, und sein

taumelndes Leben, das von seinem abstrakten Sein ebenso abgelassen,

sich zuerst in das gegenständliche Dasein der Frucht befaßt, dann dem

Selbstbewußtsein sich hingebend, in ihm zur eigentlichen Wirklichkeit

gelangt,--nun als ein Haufen schwärmender Weiber umherschweift, der

ungebändigte Taumel der Natur in selbstbewußter Gestalt.

Noch ist aber dem Bewußtsein nur der absolute Geist, der dieses

einfache Wesen, und nicht der als der Geist an ihm selbst ist,

verraten, oder nur der _unmittelbare_ Geist, der Geist der Natur.

Sein selbstbewußtes Leben ist daher nur das Mysterium des Brotes und

des Weines, der Ceres und des Bacchus, nicht der andern, der

eigentlich obern Götter, deren Individualität als wesentliches Moment

das Selbstbewußtsein als solches in sich schließt. Noch hat sich ihm

also der Geist als _selbstbewußter_ Geist nicht geopfert, und das

Mysterium des Brots und Weins ist noch nicht Mysterium des Fleisches

und Blutes.

Dieser unbefestigte Taumel des Gottes muß sich zum _Gegenstande_

beruhigen, und die Begeisterung, die nicht zum Bewußtsein kam, ein

Werk hervorbringen, das ihr, wie der Begeisterung des vorhergehenden

Künstlers die Bildsäule, zwar als ein ebenso vollendetes Werk

gegenübertritt, aber nicht als ein an ihm lebloses, sondern als ein

_lebendiges_ Selbst.--Ein solcher Kultus ist das Fest, das der Mensch

zu seiner eignen Ehre sich gibt, jedoch in einen solchen noch nicht

die Bedeutung des absoluten Wesens legt; denn das _Wesen_ ist ihm

erst offenbar, noch nicht der Geist; nicht als solches, das

_wesentlich_ menschliche Gestalt annimmt. Aber dieser Kultus legt

den Grund zu dieser Offenbarung, und legt ihre Momente einzeln

auseinander. So hier das _abstrakte_ Moment der lebendigen

_Körperlichkeit_ des Wesens, wie vorhin die Einheit beider in

bewußtloser Schwärmerei. Der Mensch stellt also an die Stelle der

Bildsäule sich selbst, als zur vollkommen freien _Bewegung_ erzogene

und ausgearbeitete Gestalt, wie jene die vollkommen freie _Ruhe_ ist.

Wenn jeder einzelne wenigstens als Fackelträger sich darzustellen

weiß, so hebt sich Einer aus ihnen hervor, der die gestaltete

Bewegung, die glatte Ausarbeitung und flüssige Kraft aller Glieder

ist;--ein beseeltes lebendiges Kunstwerk, das mit seiner Schönheit

die Stärke paart und dem der Schmuck, womit die Bildsäule geehrt

wurde, als Preis seiner Kraft, und die Ehre, unter seinem Volke statt

des steinernen Gottes die höchste leibliche Darstellung ihres Wesens

zu sein, zuteil wird.

In den beiden Darstellungen, die soeben vorkamen, ist die Einheit des

Selbstbewußtseins und des geistigen Wesens vorhanden, es fehlt ihnen

aber noch ihr Gleichgewicht. In der bacchischen Begeisterung ist das

Selbst außer sich, in der schönen Körperlichkeit aber das geistige

Wesen. Jene Dumpfheit des Bewußtseins und ihr wildes Stammeln muß in

das klare Dasein der letztern, und die geistlose Klarheit des

letztern in die Innerlichkeit der erstern aufgenommen werden. Das

vollkommne Element, worin die Innerlichkeit ebenso äußerlich als die

Äußerlichkeit innerlich ist, ist wieder die Sprache, aber weder die

in ihrem Inhalte ganz zufällige und einzelne des Orakels, noch die

empfindende und nur den einzelnen Gott preisende Hymne, noch das

inhaltslose Stammeln der bacchischen Raserei. Sondern sie hat ihren

klaren und allgemeinen Inhalt gewonnen; ihren _klaren_ Inhalt, denn

der Künstler hat sich aus der ersten ganz substantiellen Begeisterung

heraus zur Gestalt gearbeitet, die eignes in allen seinen Regungen

von der selbstbewußten Seele durchdrungenes und mitgebendes Dasein

ist;--ihren _allgemeinen_ Inhalt, denn in diesem Feste, das die Ehre

des Menschen ist, verschwindet die Einseitigkeit der Bildsäulen, die

nur einen Nationalgeist, einen bestimmten Charakter der Göttlichkeit

enthalten. Der schöne Fechter ist zwar die Ehre seines besondern

Volkes, aber er ist eine körperliche Einzelnheit, worin die

Ausführlichkeit und Ernst der Bedeutung und der innere Charakter des

Geistes, der das besondere Leben, Anliegen, Bedürfnisse und Sitten

seines Volkes trägt, untergegangen ist. In dieser Entäußerung zur

völligen Körperlichkeit hat der Geist die besondern Eindrücke und

Anklänge der Natur abgelegt, die er als der wirkliche Geist des Volks

in sich schloß. Sein Volk ist sich daher nicht mehr seiner

Besonderheit in ihm, sondern vielmehr der Ablegung derselben und der

Allgemeinheit seines menschlichen Daseins bewußt.

c. Das geistige Kunstwerk

Die Volksgeister, die der Gestalt ihres Wesens in einem besondern

Tiere bewußt werden, gehen in _einen_ zusammen; so vereinigen sich

die besondern schönen Volksgeister in _ein_ Pantheon, dessen Element

und Behausung die Sprache ist. Die reine Anschauung seiner selbst

als _allgemeiner Menschlichkeit_ hat an der Wirklichkeit des

Volksgeistes die Form, daß er sich mit den andern, mit denen er durch

die Natur _eine_ Nation ausmacht, zu einer gemeinschaftlichen

Unternehmung verbindet, und für dieses Werk ein Gesamtvolk und damit

einen Gesamthimmel bildet. Diese Allgemeinheit, zu der der Geist in

seinem Dasein gelangt, ist jedoch nur diese erste, die von der

Individualität des Sittlichen erst ausgeht, ihre Unmittelbarkeit noch

nicht überwunden, nicht _einen_ Staat aus diesen Völkerschaften

gebildet hat. Die Sittlichkeit des wirklichen Volksgeistes beruht

teils auf dem unmittelbaren Vertrauen der Einzelnen zu dem Ganzen

ihres Volkes, teils auf dem unmittelbaren Anteil, den _Alle_, des

Unterschiedes von Ständen unerachtet, an den Entschlüssen und

Handlungen der Regierung nehmen. In der Vereinigung, zunächst nicht

in eine bleibende Ordnung, sondern nur zu einer gemeinsamen Handlung,

ist jene Freiheit des Anteils Aller und jeder _einstweilen_ auf die

Seite gestellt. Diese erste Gemeinschaftlichkeit ist daher mehr eine

Versammlung der Individualitäten als die Herrschaft des abstrakten

Gedankens, der die Einzelnen ihres selbstbewußten Anteils an Willen

und Tat des Ganzen berauben würde.

Die Versammlung der Volksgeister macht einen Kreis von Gestalten aus,

der itzt die ganze Natur wie die ganze sittliche Welt befaßt. Auch

sie stehen unter dem _Oberbefehl_ mehr des Einen als seiner

_Oberherrschaft_. Für sich sind sie die allgemeinen Substanzen

dessen, was das _selbstbewußte_ Wesen _an sich_ ist und tut. Dieses

aber macht die Kraft und zunächst den Mittelpunkt wenigstens aus, um

den jene allgemeinen Wesen sich bemühen, der nur erst zufälligerweise

ihre Geschäfte zu verbinden scheint. Aber die Rückkehr des

göttlichen Wesens in das Selbstbewußtsein ist es, die schon den Grund

enthält, daß dieses den Mittelpunkt für jene göttlichen Kräfte bildet,

und die wesentliche Einheit zunächst unter der Form einer

freundlichen äußerlichen Beziehung beider Welten verbirgt.

Dieselbe Allgemeinheit, welche diesem Inhalte zukommt, hat notwendig

auch die Form des Bewußtseins, in welcher er auftritt. Es ist nicht

mehr das wirkliche Tun des Kultus, sondern ein Tun, das zwar noch

nicht in den Begriff, sondern erst in die _Vorstellung_, in die

synthetische Verknüpfung des selbstbewußten und des äußern Daseins

erhoben ist. Das Dasein dieser Vorstellung, die _Sprache_, ist die

erste Sprache, das _Epos_ als solches, das den allgemeinen Inhalt,

wenigstens als _Vollständigkeit_ der Welt, obzwar nicht als

_Allgemeinheit_ des _Gedankens_ enthält. Der _Sänger_ ist der

Einzelne und Wirkliche, aus dem als Subjekt dieser Welt sie erzeugt

und getragen wird. Sein Pathos ist nicht die betäubende Naturmacht,

sondern die Mnemosyne, die Besinnung und gewordne Innerlichkeit, die

Erinnerung des vorhin unmittelbaren Wesens. Er ist das in seinem

Inhalte verschwindende Organ, nicht sein eignes Selbst gilt, sondern

seine Muse, sein allgemeiner Gesang. Was aber in der Tat vorhanden

ist, ist der Schluß, worin das Extrem der Allgemeinheit, die

Götterwelt, durch die Mitte der Besonderheit mit der Einzelnheit, dem

Sänger, verknüpft ist. Die Mitte ist das Volk in seinen Helden,

welche einzelne Menschen sind, wie der Sänger, aber nur

_vorgestellte_ und dadurch zugleich _allgemeine_, wie das freie

Extrem der Allgemeinheit, die Götter.

In diesem Epos _stellt_ sich also überhaupt dem Bewußtsein dar, was

im Kultus _an sich_ zustande kommt, die Beziehung des Göttlichen auf

das Menschliche. Der Inhalt ist eine _Handlung_ des seiner selbst

bewußten Wesens. Das _Handeln_ stört die Ruhe der Substanz und

erregt das Wesen, wodurch seine Einfachheit geteilt und in die

mannigfaltige Welt der natürlichen und sittlichen Kräfte

aufgeschlossen ist. Die Handlung ist die Verletzung der ruhigen Erde,

die Grube, die durch das Blut beseelt, die abgeschiednen Geister

hervorruft, welche nach Leben durstend, es in dem Tun des

Selbstbewußtseins erhalten. Das Geschäfte, um welches die allgemeine

Bemühung geht, bekommt die zwei Seiten, die _selbstische_, von einer

Gesamtheit wirklicher Völker und den an ihrer Spitze stehenden

Individualitäten, und die _allgemeine_, von ihren substantiellen

Mächten vollbracht zu werden. Die _Beziehung_ beider aber bestimmte

sich vorhin so, daß sie die _synthetische_ Verbindung des Allgemeinen

und Einzelnen, oder das _Vorstellen_ ist. Von dieser Bestimmtheit

hängt die Beurteilung dieser Welt ab.--Das Verhältnis beider ist

dadurch eine Vermischung, welche die Einheit des Tuns inkonsequent

verteilt, und die Handlung überflüssigerweise von der einen Seite zur

andern herüberwirft. Die allgemeinen Mächte haben die Gestalt der

Individualität und damit das Prinzip des Handelns an ihnen; ihr

Wirken erscheint daher als ein ebenso freies von ihnen ganz

ausgehendes Tun als das der Menschen. Ein und dasselbe haben daher

ebensowohl die Götter als die Menschen getan. Der Ernst jener Mächte

ist ein lächerlicher Überfluß, da diese in der Tat die Kraft der

handelnden Individualität sind;--und die Anstrengung und Arbeit

dieser ist eine ebenso unnütze Bemühung, da jene vielmehr alles

lenken.--Die übertägigen Sterblichen, die das Nichts sind, sind

zugleich das mächtige _Selbst_, das die allgemeinen Wesen sich

unterwirft, die Götter verletzt und ihnen überhaupt die Wirklichkeit

und ein Interesse des Tuns verschafft; wie umgekehrt diese

unmächtigen Allgemeinheiten, die sich von den Gaben der Menschen

nähren und durch sie erst etwas zu tun bekommen, das natürliche Wesen

und der Stoff aller Begebenheiten, und ebenso die sittliche Materie

und das Pathos des Tuns sind. Wenn ihre elementarischen Naturen

durch das freie Selbst der Individualität erst in Wirklichkeit und

betätigtes Verhältnis gebracht werden, so sind sie ebensosehr das

Allgemeine, das sich dieser Verbindung entzieht, in seiner Bestimmung

unbeschränkt bleibt und durch die unüberwindliche Elastizität seiner

Einheit die Punktualität des Tätigen und seine Figurationen auslöscht,

sich selbst rein erhält, und alles Individuelle in seiner

Flüssigkeit auflöst.

Wie sie mit der entgegenstehenden selbstischen Natur in diese

widersprechende Beziehung fallen, ebenso gerät ihre Allgemeinheit mit

ihrer eignen Bestimmung und deren Verhältnis zu andern in Widerstreit.

Sie sind die ewigen schönen Individuen, die, in ihrem eignen Dasein

ruhend, der Vergänglichkeit und fremder Gewalt enthoben sind.--Aber

sie sind zugleich _bestimmte_ Elemente, _besondre_ Götter, die sich

also zu andern verhalten. Aber das Verhältnis zu andern, das nach

seiner Entgegensetzung ein Streit mit ihnen ist, ist eine komische

Selbstvergessenheit ihrer ewigen Natur.--Die Bestimmtheit ist in das

göttliche Bestehen eingewurzelt und hat in seiner Begrenzung die

Selbstständigkeit der ganzen Individualität; durch diese verlieren

ihre Charaktere zugleich die Schärfe der Eigentümlichkeit und

vermischen sich in ihrer Vieldeutigkeit.--Ein Zweck der Tätigkeit und

ihre Tätigkeit selbst, da sie gegen ein Anderes und somit gegen eine

unbesiegbare göttliche Kraft gerichtet ist, ist ein zufälliges leeres

Aufspreizen, das ebenso zerfließt und den anscheinenden Ernst der

Handlung in ein gefahrloses, seiner selbst sichres Spiel ohne

Resultat und Erfolg verwandelt. Wenn aber an der Natur ihrer

Göttlichkeit das Negative oder die Bestimmtheit derselben nur als die

Inkonsequenz ihrer Tätigkeit und der Widerspruch des Zwecks und des

Erfolgs erscheint, und jene selbstständige Sicherheit über das

Bestimmte das Übergewicht behält, so tritt ihr ebendadurch die _reine

Kraft_ des _Negativen_ gegenüber, und zwar als ihre letzte Macht,

über welche sie nichts vermögen. Sie sind das Allgemeine und

Positive gegen das _einzelne Selbst_ der Sterblichen, das nicht gegen

ihre Macht aushält; aber das _allgemeine Selbst_ schwebt darum über

ihnen und über dieser ganzen Welt der Vorstellung, welcher der ganze

Inhalt angehört; als die _begrifflose Leere der Notwendigkeit_--ein

Geschehen, gegen das sie sich selbstlos und traurend verhalten, denn

diese _bestimmten_ Naturen finden sich nicht in dieser Reinheit.

Diese Notwendigkeit aber ist die _Einheit des Begriffes_, der die

widersprechende Substantialität der einzelnen Momente unterworfen ist,

worin die Inkonsequenz und Zufälligkeit ihres Tuns sich ordnet und

das Spiel ihrer Handlungen seinen Ernst und Wert an ihnen selbst

erhält. Der Inhalt der Welt der Vorstellung spielt losgebunden für

sich in der _Mitte_ seine Bewegung, versammelt um die Individualität

eines Helden, der aber in seiner Kraft und Schönheit sein Leben

gebrochen fühlt und einem frühen Tod entgegensehend trauert. Denn

die _in sich feste und wirkliche Einzelnheit_ ist an die Extremität

ausgeschlossen, und in ihre Momente entzweit, die sich noch nicht

gefunden und vereint. Das eine Einzelne, das _abstrakte_ Unwirkliche,

ist die Notwendigkeit, die an dem Leben der Mitte nicht Anteil hat,

sowenig als das andre, das _wirkliche_ Einzelne, der Sänger, der sich

außer ihm hält und in seiner Vorstellung untergeht. Beide Extreme

müssen sich dem Inhalte nähern; das eine, die Notwendigkeit, hat sich

mit dem Inhalte zu erfüllen, das andre, die Sprache des Sängers, muß

Anteil an ihm haben; und der sich selbst vorher überlassene Inhalt

die Gewißheit und feste Bestimmung des Negativen an ihm erhalten.

Diese höhere Sprache, die _Tragödie_, faßt also die Zerstreuung der

Momente der wesentlichen und handelnden Welt näher zusammen; die

_Substanz_ des Göttlichen tritt _nach der Natur des Begriffes_ in

ihre Gestalten auseinander, und ihre _Bewegung_ ist gleichfalls ihm

gemäß. In Ansehung der Form hört die Sprache dadurch, daß sie in den

Inhalt hereintritt, auf, erzählend zu sein, wie der Inhalt ein

vorgestellter. Der Held ist selbst der sprechende, und die

Vorstellung zeigt dem Zuhörer, der zugleich Zuschauer ist,

_selbstbewußte_ Menschen, die ihr Recht und ihren Zweck, die Macht

und den Willen ihrer Bestimmtheit _wissen_ und zu _sagen_ wissen.

Sie sind Künstler, die nicht, wie die das gemeine Tun im wirklichen

Leben begleitende Sprache, bewußtlos, natürlich und naiv das _Äußere_

ihres Entschlusses und Beginnens aussprechen, sondern das innre Wesen

äußern, das Recht ihres Handelns beweisen, und das Pathos, dem sie

angehören, frei von zufälligen Umständen und von der Besonderheit der

Persönlichkeiten in seiner allgemeinen Individualität besonnen

behaupten und bestimmt aussprechen. Das _Dasein_ dieser Charaktere

sind endlich _wirkliche_ Menschen, welche die Personen der Helden

anlegen, und diese in wirklichem nicht erzählendem, sondern eignem

Sprechen darstellen. So wesentlich es der Bildsäule ist, von

Menschenhänden gemacht zu sein, ebenso wesentlich ist der

Schauspieler seiner Maske,--nicht als äußerliche Bedingung, von der

die Kunstbetrachtung abstrahieren müsse; oder insofern davon in ihr

allerdings zu abstrahieren ist, so ist eben dies damit gesagt, daß

die Kunst das wahre eigentliche Selbst noch nicht in ihr enthält.

Der _allgemeine Boden_, worauf die Bewegung dieser aus dem Begriffe

erzeugten Gestalten vorgeht, ist das Bewußtsein der ersten

vorstellenden Sprache und ihres selbstlosen auseinandergelaßnen

Inhalts. Es ist das gemeine Volk überhaupt, dessen Weisheit in dem

_Chore des Alters_ zur Sprache kömmt; es hat an dessen Kraftlosigkeit

seinen Repräsentanten, weil es selbst nur das positive und passive

Material der ihm gegenübertretenden Individualität der Regierung

ausmacht. Der Macht des Negativen entbehrend, vermag es den Reichtum

und die bunte Fülle des göttlichen Lebens nicht zusammenzuhalten und

zu bändigen, sondern läßt es auseinanderlaufen, und preist jedes

einzelne Moment als einen selbstständigen Gott, bald diesen, bald

wieder einen andern, in seinen verehrenden Hymnen. Wo es aber den

Ernst des Begriffes, wie er über diese Gestalten sie zertrümmernd

einherschreitet, verspürt, und es zu sehen bekömmt, wie schlecht es

seinen gepriesenen Göttern geht, die sich auf diesen Boden, worauf

der Begriff herrscht, wagen, ist es nicht selbst die negative Macht,

die handelnd eingreift, sondern hält sich im selbstlosen Gedanken

derselben, im Bewußtsein des _fremden Schicksals_, und bringt den

leeren Wunsch der Beruhigung und die schwache Rede der Besänftigung

herbei. In der _Furcht_ vor den höhern Mächten, welche die

unmittelbaren Arme der Substanz sind, vor ihrem Kampfe miteinander,

und vor dem einfachen Selbst der Notwendigkeit, das auch sie wie die

Lebendigen, die an sie geknüpft sind, zermalmt,--in dem _Mitleiden_

mit diesen, die es zugleich als dasselbe mit sich selbst weiß, ist

für es nur der untätige Schrecken dieser Bewegung, das ebenso

hilflose Bedauern, und als Ende die leere Ruhe der Ergebung in die

Notwendigkeit, deren Werk nicht als die notwendige Handlung des

Charakters und nicht als das Tun des absoluten Wesens in sich selbst

erfaßt wird.

Auf diesem zuschauenden Bewußtsein als auf dem gleichgültigen Boden

des Vorstellens tritt der Geist in seiner nicht zerstreuten

Mannigfaltigkeit, sondern in der einfachen Entzweiung des Begriffes

auf. Seine Substanz zeigt sich daher nur in ihre zwei extremen

Mächte auseinandergerissen. Diese elementarischen _allgemeinen_

Wesen sind zugleich selbstbewußte _Individualitäten_,--Helden, welche

in eine dieser Mächten ihr Bewußtsein setzen, an ihr die Bestimmtheit

des Charakters haben, und ihre Betätigung und Wirklichkeit ausmachen.

--Diese allgemeine Individualisierung steigt, wie erinnert, noch zur

unmittelbaren Wirklichkeit des eigentlichen Daseins herunter, und

stellt sich einer Menge von Zuschauern dar, die an dem Chore ihr

Gegenbild oder vielmehr ihre eigne sich aussprechende Vorstellung hat.

Der Inhalt und die Bewegung des Geistes, der sich hier Gegenstand ist,

ist bereits als die Natur und Realisierung der sittlichen Substanz

betrachtet worden. In seiner Religion erlangt er das Bewußtsein über

sich, oder stellt sich seinem Bewußtsein in seiner reinern Form und

einfachern Gestaltung dar. Wenn also die sittliche Substanz sich

durch ihren Begriff, ihrem _Inhalte_ nach, in die beiden Mächte

entzweite, die als _göttliches_ und _menschliches_, oder

unterirdisches und oberes Recht bestimmt wurden--jenes die _Familie_,

dies die _Staatsmacht_--, und deren das erstere der _weibliche_, das

andre der _männliche Charakter_ war, so schränkt sich der vorher

vielformige und in seinen Bestimmungen schwankende Götterkreis auf

diese Mächte ein, die durch diese Bestimmung der eigentlichen

Individualität genähert sind. Denn die frühere Zerstreuung des

Ganzen in die vielfachen und abstrakten Kräfte, die substantiiert

erscheinen, ist die _Auflösung_ des _Subjekts_, das sie nur als

_Momente_ in seinem Selbst begreift, und die Individualität ist daher

nur die oberflächliche Form jener Wesen. Umgekehrt ist ein weiterer

Unterschied der _Charaktere_ als der genannte zur zufälligen und an

sich äußerlichen Persönlichkeit zu rechnen.

Zugleich teilt sich das Wesen seiner Form oder dem _Wissen_ nach.

Der _handelnde_ Geist tritt als Bewußtsein dem Gegenstande gegenüber,

auf den es tätig, und der somit als das _Negative_ des Wissenden

bestimmt ist; der Handelnde befindet sich dadurch im Gegensatze des

Wissens und Nichtwissens. Er nimmt aus seinem Charakter seinen Zweck

und weiß ihn als die sittliche Wesenheit; aber durch die Bestimmtheit

des Charakters weiß er nur die _eine_ Macht der Substanz, und die

andre ist für ihn verborgen. Die gegenwärtige Wirklichkeit ist daher

ein anderes _an sich_ und ein anderes für das Bewußtsein; das obere

und das untere Recht erhalten in dieser Beziehung die Bedeutung der

wissenden und dem Bewußtsein sich offenbarenden, und der sich

verbergenden und im Hinterhalte lauernden Macht. Die eine ist die

_Lichtseite_, der Gott des Orakels, der nach seinem natürlichen

Momente aus der alles beleuchtenden Sonne entsprungen, alles weiß und

offenbart,--_Phöbus_, und _Zeus_, der dessen Vater ist. Aber die

Befehle dieses wahrredenden Gottes und seine Bekanntmachungen dessen,

was _ist_, sind vielmehr trügerisch. Denn dies Wissen ist in seinem

Begriffe unmittelbar das Nichtwissen, weil das _Bewußtsein_ an sich

selbst im Handeln dieser Gegensatz ist. Der, welcher die rätselhafte

Sphinx selbst aufzuschließen vermochte, wie der kindlich Vertrauende

werden darum durch das, was der Gott ihnen offenbart, ins Verderben

geschickt. Diese Priesterin, aus der der schöne Gott spricht, ist

nichts anders als die doppelsinnigen Schicksalsschwestern, die durch

ihre Verheißungen zum Verbrechen treiben, und in der Zweizüngigkeit

dessen, was sie als Sicherheit angaben, den, der sich auf den

offenbaren Sinn verließ, betriegen. Daher das Bewußtsein, das reiner

ist als das letztere, das den Hexen glaubt, und besonnener und

gründlicher als das erstere, das der Priesterin und dem schönen Gotte

traut, auf die Offenbarung, die der Geist des Vaters selbst über das

Verbrechen, das ihn mordete, machte, mit der Rache zaudert, und andre

Beweise noch veranstaltet,--aus dem Grunde, weil dieser offenbarende

Geist auch der Teufel sein könnte.

Dies Mißtrauen ist darum gegründet, weil das wissende Bewußtsein sich

in den Gegensatz der Gewißheit seiner selbst und des gegenständlichen

Wesens setzt. Das Recht des sittlichen, daß die Wirklichkeit nichts

_an sich_ ist im Gegensatze gegen das absolute Gesetz, erfährt, daß

sein Wissen einseitig, sein Gesetz nur Gesetz seines Charakters ist,

daß es nur die eine Macht der Substanz ergriff. Die Handlung selbst

ist diese Verkehrung des _Gewußten_ in sein _Gegenteil_, das _Sein_,

ist das Umschlagen des Rechts des Charakters und des Wissens in das

Recht des Entgegengesetzten, mit dem jenes im Wesen der Substanz

verknüpft ist,--in die Erinnye der andern feindlich erregten Macht

und Charakters. Dies _untre_ Recht sitzt mit _Zeus_ auf dem Throne

und genießt mit dem offenbaren Rechte und dem wissenden Gotte

gleiches Ansehen.

Auf diese drei Wesen wird von der handelnden Individualität die

Götterwelt des Chors eingeschränkt. Das eine ist die _Substanz_,

ebensowohl die Macht des Herdes und der Geist der Familienpietät wie

die allgemeine Macht des Staats und der Regierung. Indem der

Substanz als solcher dieser Unterschied angehört, individualisiert er

sich der Vorstellung nicht zu zwei unterschiednen Gestalten, sondern

hat in der Wirklichkeit die zwei Personen seiner Charaktere.

Hingegen der Unterschied des Wissens und Nichtwissens fällt in ein

_jedes_ der _wirklichen Selbstbewußtsein_,--und nur in der

Abstraktion, im Elemente der Allgemeinheit verteilt er sich an zwei

individuelle Gestalten. Denn das Selbst des Heros hat nur Dasein als

ganzes Bewußtsein und ist daher wesentlich der _ganze_ Unterschied,

der der Form angehört; aber seine Substanz ist bestimmt, und es

gehört ihm nur die eine Seite des Unterschieds des Inhalts an. Daher

erhalten die beiden Seiten des Bewußtseins, die in der Wirklichkeit

keine getrennte, einer jeden eigne Individualität haben, in _der

Vorstellung_ jede ihre besondere Gestalt; die eine die des

offenbarenden Gottes, die andre der sich verborgen haltenden Erinnye.

Beide genießen teils gleicher Ehre, teils ist die _Gestalt_ der

_Substanz_, Zeus, die Notwendigkeit der _Beziehung_ beider

aufeinander. Die Substanz ist die Beziehung, daß das Wissen für sich

ist, aber seine Wahrheit an dem Einfachen, der Unterschied, wodurch

das wirkliche Bewußtsein ist, seinen Grund an dem ihn tilgenden

innern Wesen, die sich klare _Versicherung_ der _Gewißheit_ ihre

Bestätigung an der _Vergessenheit_ hat.

Das Bewußtsein schloß diesen Gegensatz durch das Handeln auf; nach

dem offenbaren Wissen handelnd, erfährt es den Betrug desselben, und

dem Inhalte nach dem _einen_ Attribute der Substanz ergeben,

verletzte es das andre und gab diesem dadurch das Recht gegen sich.

Dem wissenden Gotte folgend, ergriff es vielmehr das nicht Offenbare,

und büßt dafür, dem Wissen vertraut zu haben, dessen Zweideutigkeit,

da sie seine Natur ist, auch _für es_, und eine _Warnung_ dafür

vorhanden sein mußte. Die Raserei der Priesterin, die unmenschliche

Gestalt der Hexen, die Stimme des Baumes, des Vogels, der Traum u.s.f.

sind nicht die Weisen, in welchen die Wahrheit erscheint, sondern

warnende Zeichen des Betrugs, der Nichtbesonnenheit, der Einzelnheit

und Zufälligkeit des Wissens. Oder was dasselbe ist, die

entgegengesetzte Macht, die von ihm verletzt wird, ist als

ausgesprochenes Gesetz und geltendes Recht vorhanden; es sei das

Gesetz der Familie oder des Staats; das Bewußtsein folgte dagegen dem

eignen Wissen und verbarg sich selbst das Offenbare. Die Wahrheit

aber der gegeneinander auftretenden Mächte des Inhalts und

Bewußtseins ist das Resultat, daß beide gleiches Recht und darum in

ihrem Gegensatz, den das Handeln hervorbringt, gleiches Unrecht haben.

Die Bewegung des Tuns erweist ihre Einheit in dem gegenseitigen

Untergange beider Mächte und der selbstbewußten Charaktere. Die

Versöhnung des Gegensatzes mit sich ist die _Lethe_ der _Unterwelt_

im Tode,--oder die _Lethe_ der _Oberwelt_, als Freisprechung nicht

von der Schuld, denn diese kann das Bewußtsein, weil es handelte,

nicht verleugnen, sondern vom Verbrechen, und seine sühnende

Beruhigung. Beide sind die _Vergessenheit_, das Verschwundensein der

Wirklichkeit und des Tuns der Mächte der Substanz, ihrer

Individualitäten, und der Mächte des abstrakten Gedankens des Guten

und des Bösen, denn keine für sich ist das Wesen, sondern dieses ist

die Ruhe des Ganzen in sich selbst, die unbewegte Einheit des

Schicksals, das ruhige Dasein und damit die Untätigkeit und

Unlebendigkeit der Familie und der Regierung, und die gleiche Ehre

und damit die gleichgültige Unwirklichkeit Apolls und der Erinnye,

und die Rückkehr ihrer Begeistung und Tätigkeit in den einfachen Zeus.

Dieses Schicksal vollendet die Entvölkerung des Himmels, der

gedankenlosen Vermischung der Individualität und des Wesens,--einer

Vermischung, wodurch das Tun des Wesens als ein inkonsequentes,

zufälliges, seiner unwürdiges erscheint; denn dem Wesen nur

oberflächlich anhängend, ist die Individualität die unwesentliche.

Die Vertreibung solcher wesenlosen Vorstellungen, die von Philosophen

des Altertums gefodert wurde, beginnt also schon in der Tragödie

überhaupt dadurch, daß die Einteilung der Substanz von dem Begriffe

beherrscht, die Individualität hiemit die wesentliche und die

Bestimmungen die absoluten Charaktere sind. Das Selbstbewußtsein,

das in ihr vorgestellt ist, kennt und anerkennt deswegen nur _eine_

höchste Macht, und diesen Zeus nur als die Macht des Staats oder des

Herdes, und im Gegensatze des Wissens nur als den Vater des zur

Gestalt werdenden Wissens des _Besondern_,--und als den Zeus des

Eides und der Erinnye, des _Allgemeinen_, im Verborgnen wohnenden

Innern. Die weiter aus dem Begriffe in die Vorstellung sich

zerstreuenden Momente, die der Chor nacheinander gelten läßt, sind

hingegen nicht das Pathos des Helden, sondern sinken ihm zur

Leidenschaft herunter,--zu zufälligen, wesenlosen Momenten, die der

selbstlose Chor wohl preist, aber die nicht fähig sind, den Charakter

der Helden auszumachen, noch von ihnen als ihr Wesen ausgesprochen

und geachtet zu werden.

Aber auch die Personen des göttlichen Wesens selbst, sowie die

Charaktere seiner Substanz, gehen in die Einfachheit des Bewußtlosen

zusammen. Diese Notwendigkeit hat gegen das Selbstbewußtsein die

Bestimmung, die negative Macht aller auftretenden Gestalten zu sein,

in ihr sich selbst nicht zu erkennen, sondern darin vielmehr

unterzugehen. Das Selbst tritt nur den _Charakteren_ zugeteilt auf,

nicht als die Mitte der Bewegung. Aber das Selbstbewußtsein, die

einfache _Gewißheit_ seiner, ist in der Tat die negative Macht, die

Einheit des Zeus, des _substantiellen_ Wesens, und der _abstrakten_

Notwendigkeit, es ist die geistige Einheit, worein alles zurückgeht.

Weil das wirkliche Selbstbewußtsein noch von der Substanz und dem

Schicksale unterschieden wird, ist es _teils_ der Chor oder vielmehr

die zuschauende Menge, welche diese Bewegung des göttlichen Lebens

als ein _Fremdes_ mit Furcht erfüllt, oder in der sie als ein Nahes

nur die Rührung des nicht handelnden _Mitleidens_ hervorbringt.

Teils insofern das Bewußtsein mithandelt und den Charakteren angehört,

ist diese Vereinigung, weil die wahre, die des Selbsts, des

Schicksals und der Substanz noch nicht vorhanden ist, eine äußerliche,

eine _Hypokrisie_; der Held, der vor dem Zuschauer auftritt,

zerfällt in seine Maske und in den Schauspieler, in die Person und

das wirkliche Selbst.

Das Selbstbewußtsein der Helden muß aus seiner Maske hervortreten und

sich darstellen, wie es sich als das Schicksal sowohl der Götter des

Chors als der absoluten Mächte selbst weiß, und von dem Chore, dem

allgemeinen Bewußtsein, nicht mehr getrennt ist.

Die _Komödie_ hat also vorerst die Seite, daß das wirkliche

Selbstbewußtsein sich als das Schicksal der Götter darstellt. Diese

elementarischen Wesen sind, als _allgemeine_ Momente, kein Selbst und

nicht wirklich. Sie sind zwar mit der Form der Individualität

ausgestattet, aber diese ist ihnen nur eingebildet und kommt ihnen

nicht an und für sich selbst zu; das wirkliche Selbst hat nicht ein

solches abstraktes Moment zu seiner Substanz und Inhalt. Es, das

Subjekt, ist daher über ein solches Moment als über eine einzelne

Eigenschaft erhoben, und angetan mit dieser Maske spricht es die

Ironie derselben aus, die für sich etwas sein will. Das Aufspreizen

der allgemeinen Wesenheit ist an das Selbst verraten; es zeigt sich

in einer Wirklichkeit gefangen und läßt die Maske fallen, eben indem

es etwas Rechtes sein will. Das Selbst hier in seiner Bedeutung als

Wirkliches auftretend, spielt es mit der Maske, die es einmal anlegt,

um seine Person zu sein--aber aus diesem Scheine tut es sich

ebensobald wieder in seiner eignen Nacktheit und Gewöhnlichkeit

hervor, die es von dem eigentlichen Selbst, dem Schauspieler, sowie

von dem Zuschauer nicht unterschieden zu sein zeigt.

Diese allgemeine Auflösung der gestalteten Wesenheit überhaupt in

ihrer Individualität wird in ihrem Inhalte ernsthafter und dadurch

mutwilliger und bittrer, insofern er seine ernstere und notwendigere

Bedeutung hat. Die göttliche Substanz vereinigt in ihr die Bedeutung

der natürlichen und sittlichen Wesenheit. In Ansehung des

Natürlichen zeigt das wirkliche Selbstbewußtsein schon in der

Verwendung desselben zu seinem Putze, Wohnung u.s.f. und im Schmause

seines Opfers sich als das Schicksal, dem das Geheimnis verraten ist,

welche Bewandtnis es mit der Selbstwesenheit der Natur hat; in dem

Mysterium des Brotes und Weines macht es dieselbe zusammen mit der

Bedeutung des innern Wesens sich zu eigen, und in der Komödie ist es

sich der Ironie dieser Bedeutung überhaupt bewußt.--Insofern nun

diese Bedeutung die sittliche Wesenheit enthält, ist sie teils das

Volk, in seinen beiden Seiten, des Staats oder eigentlichen Demos,

und der Familien-Einzelnheit;--teils aber das selbstbewußte reine

Wissen, oder das vernünftige Denken des Allgemeinen.--Jener _Demos_,

die allgemeine Masse, die sich als Herrn und Regent sowie als den zu

respektierenden Verstand und Einsicht weiß, zwingt und betört sich

durch die Besonderheit seiner Wirklichkeit, und stellt den

lächerlichen Kontrast seiner Meinung von sich und seines

unmittelbaren Daseins, seiner Notwendigkeit und Zufälligkeit, seiner

Allgemeinheit und Gemeinheit dar. Wenn das Prinzip seiner vom

Allgemeinen getrennten Einzelnheit, in der eigentlichen Gestalt der

Wirklichkeit, sich hervortut und des Gemeinwesens, dessen geheimer

Schaden es ist, sich offenbar anmaßt und es einrichtet, so verrät

sich unmittelbarer der Kontrast des Allgemeinen als einer Theorie und

dessen, um was es in der Praxis zu tun ist, die gänzliche Befreiung

der Zwecke der unmittelbaren Einzelnheit von der allgemeinen Ordnung

und der Spott jener über diese.

Das vernünftige _Denken_ enthebt das göttliche Wesen seiner

zufälligen Gestalt, und entgegengesetzt der begrifflosen Weisheit des

Chors, die mancherlei Sittensprüche vorbringt, und eine Menge von

Gesetzen und bestimmten Pflicht- und Rechtsbegriffen gelten läßt,

hebt es sie in die einfachen Ideen des _Schönen_ und _Guten_ empor.

--Die Bewegung dieser Abstraktion ist das Bewußtsein der Dialektik,

welche diese Maximen und Gesetze an ihnen haben, und hiedurch des

Verschwindens der absoluten Gültigkeit, in der sie vorher erschienen.

Indem die zufällige Bestimmung und oberflächliche Individualität,

welche die Vorstellung den göttlichen Wesenheiten lieh, verschwindet,

haben sie nach ihrer _natürlichen_ Seite nur noch die Nacktheit ihres

unmittelbaren Daseins, sie sind Wolken, ein verschwindender Dunst,

wie jene Vorstellungen. Nach ihrer _gedachten_ Wesentlichkeit zu den

_einfachen_ Gedanken des _Schönen_ und _Guten_ geworden, vertragen

diese es, mit jedem beliebigen Inhalt erfüllt zu werden. Die Kraft

des dialektischen Wissens gibt die bestimmten Gesetze und Maximen des

Handelns der Lust und dem Leichtsinne der--hiemit--verführten Jugend

preis, und der Ängstlichkeit und Sorge des auf die Einzelnheit des

Lebens beschränkten Alters Waffen zum Betrug an die Hand. Die reinen

Gedanken des Schönen und Guten zeigen also das komische Schauspiel,

durch die Befreiung von der Meinung, welche sowohl ihre Bestimmtheit

als Inhalt wie ihre absolute Bestimmtheit, das Festhalten des

Bewußtseins enthält, leer und eben dadurch das Spiel der Meinung und

der Willkür der zufälligen Individualität zu werden.

Hier ist also das vorher bewußtlose Schicksal, das in der leeren Ruhe

und Vergessenheit besteht und von dem Selbstbewußtsein getrennt ist,

mit diesem vereint. Das _einzelne Selbst_ ist die negative Kraft,

durch und in welcher die Götter sowie deren Momente, die daseiende

Natur und die Gedanken ihrer Bestimmungen, verschwinden; zugleich ist

es nicht die Leerheit des Verschwindens, sondern erhält sich in

dieser Nichtigkeit selbst, ist bei sich und die einzige Wirklichkeit.

Die Religion der Kunst hat sich in ihm vollendet und ist vollkommen

in sich zurückgegangen. Dadurch, daß das einzelne Bewußtsein in der

Gewißheit seiner selbst es ist, das als diese absolute Macht sich

darstellt, hat diese die Form eines _Vorgestellten_, von dem

_Bewußtsein_ überhaupt _Getrennten_ und ihm Fremden verloren, wie die

Bildsäule, auch die lebendige schöne Körperlichkeit oder der Inhalt

des Epos und die Mächte und Personen der Tragödie waren;--auch ist

die Einheit nicht die _bewußtlose_ des Kultus und der Mysterien,

sondern das eigentliche Selbst des Schauspielers fällt mit seiner

Person zusammen, so wie der Zuschauer, der in dem, was ihm

vorgestellt wird, vollkommen zu Hause ist und sich selbst spielen

sieht. Was dies Selbstbewußtsein anschaut, ist, daß in ihm, was die

Form von Wesenheit gegen es annimmt, in seinem Denken, Dasein und Tun

sich vielmehr auflöst und preisgegeben ist, es ist die Rückkehr alles

Allgemeinen in die Gewißheit seiner selbst, die hiedurch diese

vollkommne Furcht- und Wesenlosigkeit alles Fremden, und ein Wohlsein

und Sich-wohlsein-lassen des Bewußtseins ist, wie sich außer dieser

Komödie keins mehr findet.

Phänomenologie des Geistes · 第 44 / 46 题