Das Bewußtsein hat in der Nützlichkeit seinen Begriff gefunden. Aber
er ist teils noch _Gegenstand_, teils ebendarum noch _Zweck_, in
dessen Besitze es sich noch nicht unmittelbar befindet. Die
Nützlichkeit ist noch Prädikat des Gegenstandes, nicht Subjekt selbst,
oder seine unmittelbare und einzige _Wirklichkeit_. Es ist dasselbe,
was vorhin so erschien; daß das _Für-sich-sein_ noch nicht sich als
die Substanz der übrigen Momente erwiesen, wodurch das Nützliche
unmittelbar nichts anderes als das Selbst des Bewußtseins und dieses
hiedurch in seinem Besitze wäre.--Diese Rücknahme der Form der
Gegenständlichkeit des Nützlichen ist aber _an sich_ schon geschehen,
und aus dieser innern Umwälzung tritt die wirkliche Umwälzung der
Wirklichkeit, die neue Gestalt des Bewußtseins, die _absolute
Freiheit_ hervor.
Es ist nämlich in der Tat nicht mehr als ein leerer Schein von
Gegenständlichkeit vorhanden, der das Selbstbewußtsein von dem
Besitze trennt. Denn teils ist überhaupt alles Bestehen und Gelten
der bestimmten Glieder der Organisation der wirklichen und geglaubten
Welt in diese einfache Bestimmung als in ihren Grund und Geist
zurückgegangen; teils aber hat diese nichts Eignes mehr für sich, sie
ist vielmehr reine Metaphysik, reiner Begriff oder Wissen des
Selbstbewußtseins. Von dem _An-_ und _Für-sich-sein_ des Nützlichen
als Gegenstandes erkennt nämlich das Bewußtsein, daß _sein
An-sich-sein_ wesentlich _Sein für Anderes_ ist; das _An-sich-sein_
als das _Selbstlose_ ist in Wahrheit das passive, oder was für ein
anderes Selbst ist. Der Gegenstand ist aber für das Bewußtsein in
dieser abstrakten Form des _reinen An-sich-seins_, denn es ist reines
_Einsehen_, dessen Unterschiede in der reinen Form der Begriffe sind.
--Das _Für-sich-sein_ aber, in welches das Sein für Anderes
zurückgeht, das Selbst, ist nicht ein von dem Ich verschiednes,
eignes Selbst dessen, was Gegenstand heißt; denn das Bewußtsein als
reine Einsicht ist nicht _einzelnes_ Selbst, dem der Gegenstand
ebenso als _eignes_ Selbst gegenüberstünde, sondern es ist der reine
Begriff, das Schauen des Selbsts in das Selbst, das absolute
_Sich-selbst-_doppelt-sehen; die Gewißheit seiner ist das allgemeine
Subjekt und sein wissender Begriff das Wesen aller Wirklichkeit.
Wenn also das Nützliche nur der nicht in seine eigne _Einheit_
zurückkehrende Wechsel der Momente, und daher noch Gegenstand für das
Wissen war, so hört er auf, dieses zu sein, denn das Wissen ist
selbst die Bewegung jener abstrakten Momente, es ist das allgemeine
Selbst, das Selbst ebenso seiner als des Gegenstandes, und als
allgemeines die in sich zurückkehrende Einheit dieser Bewegung.
Hiemit ist der Geist als _absolute Freiheit_ vorhanden; er ist das
Selbstbewußtsein, welches sich erfaßt, daß seine Gewißheit seiner
selbst, das Wesen aller geistigen Massen der realen so wie der
übersinnlichen Welt, oder umgekehrt, daß Wesen und Wirklichkeit das
Wissen des Bewußtseins von _sich_ ist.--Es ist seiner reinen
Persönlichkeit und darin aller geistigen Realität bewußt, und alle
Realität ist nur Geistiges; die Welt ist ihm schlechthin sein Willen,
und dieser ist allgemeiner Willen. Und zwar ist er nicht der leere
Gedanke des Willens, der in stillschweigende oder repräsentierte
Einwilligung gesetzt wird, sondern reell allgemeiner Willen, Willen
aller _Einzelner_ als solcher. Denn der Willen ist an sich das
Bewußtsein der Persönlichkeit oder eines jeden, und als dieser
wahrhafte wirkliche Willen soll er sein, als _selbst_bewußtes Wesen
aller und jeder Persönlichkeit, so daß jeder immer ungeteilt alles
tut, und was als Tun des Ganzen auftritt, das unmittelbare und
bewußte Tun eines _Jeden_ ist.
Diese ungeteilte Substanz der absoluten Freiheit erhebt sich auf den
Thron der Welt, ohne daß irgendeine Macht ihr Widerstand zu leisten
vermöchte. Denn indem in Wahrheit das Bewußtsein allein das Element
ist, worin die geistigen Wesen oder Mächte ihre Substanz haben, so
ist ihr ganzes System, das sich durch die Teilung in Massen
organisierte und erhielt, zusammengefallen, nachdem das einzelne
Bewußtsein den Gegenstand so erfaßt, daß er kein anderes Wesen habe
als das Selbstbewußtsein selbst, oder daß er absolut der Begriff ist.
Was den Begriff zum seienden _Gegenstande_ machte, war seine
Unterscheidung in abgesonderte _bestehende_ Massen; indem aber der
Gegenstand zum Begriffe wird, ist nichts Bestehendes mehr an ihm; die
Negativität hat alle seine Momente durchdrungen. Er tritt so in die
Existenz, daß jedes einzelne Bewußtsein aus der Sphäre, der es
zugeteilt war, sich erhebt, nicht mehr in dieser besonderten Masse
sein Wesen und sein Werk findet, sondern sein Selbst als den
_Begriff_ des Willens, alle Massen als Wesen dieses Willens erfaßt,
und sich hiemit auch nur in einer Arbeit verwirklichen kann, welche
ganze Arbeit ist. In dieser absoluten Freiheit sind also alle Stände,
welche die geistigen Wesen sind, worein sich das Ganze gliedert,
getilgt; das einzelne Bewußtsein, das einem solchen Gliede angehörte,
und in ihm wollte und vollbrachte, hat seine Schranke aufgehoben:
sein Zweck ist der allgemeine Zweck, seine Sprache das allgemeine
Gesetz, sein Werk das allgemeine Werk.
Der Gegenstand und der _Unterschied_ hat hier die Bedeutung der
_Nützlichkeit_, die Prädikat alles realen Seins war, verloren; das
Bewußtsein fängt seine Bewegung nicht an ihm an als _einem Fremden_,
von dem aus es erst in sich zurückkehrte, sondern der Gegenstand ist
ihm das Bewußtsein selbst; der Gegensatz besteht also allein in dem
Unterschiede des _einzelnen_ und _allgemeinen_ Bewußtseins; aber das
einzelne ist sich unmittelbar selbst dasjenige, was nur _den Schein_
des Gegensatzes hatte, es ist allgemeines Bewußtsein und Willen. Das
_Jenseits_ dieser seiner Wirklichkeit schwebt über dem Leichname der
verschwundnen Selbstständigkeit des realen oder geglaubten Seins nur
als die Ausdünstung eines faden Gases, des leeren Être suprême.
Es ist nach Aufhebung der unterschiedenen geistigen Massen, und des
beschränkten Lebens der Individuen sowie seiner beiden Welten also
nur die Bewegung des allgemeinen Selbstbewußtseins in sich selbst
vorhanden, als eine Wechselwirkung desselben in der Form der
_Allgemeinheit_ und des _persönlichen_ Bewußtseins; der allgemeine
Willen geht _in sich_, und ist _einzelner_ Willen, dem das allgemeine
Gesetz und Werk gegenübersteht. Aber dies _einzelne_ Bewußtsein ist
sich seiner ebenso unmittelbar als allgemeinen Willens bewußt; es ist
sich bewußt, daß sein Gegenstand von ihm gegebenes Gesetz und von ihm
vollbrachtes Werk ist; in Tätigkeit übergehend und Gegenständlichkeit
erschaffend, macht es also nichts Einzelnes, sondern nur Gesetze und
Staatsaktionen.
Diese Bewegung ist hiedurch die Wechselwirkung des Bewußtseins mit
sich selbst, worin es nichts in der Gestalt eines _freien_ ihm
gegenübertretenden _Gegenstandes_ entläßt. Es folgt daraus, daß es
zu keinem positiven Werke, weder zu allgemeinen Werken der Sprache
noch der Wirklichkeit, weder zu Gesetzen und allgemeinen
Einrichtungen der _bewußten_, noch zu Taten und Werken der
_wollenden_ Freiheit kommen kann.--Das Werk, zu welchem die sich
_Bewußtsein_ gebende Freiheit sich machen könnte, würde darin
bestehen, daß sie als _allgemeine_ Substanz sich zum _Gegenstande_
und _bleibenden Sein_ machte. Dies Anderssein wäre der Unterschied
an ihr, wornach sie sich in bestehende geistige Massen und in die
Glieder verschiedener Gewalten teilte; teils daß diese Massen die
_Gedankendinge_ einer gesonderten gesetzgebenden, richterlichen und
ausübenden _Gewalt_ wären, teils aber die _realen Wesen_, die sich in
der realen Welt der Bildung ergaben, und indem der Inhalt des
allgemeinen Tuns näher beachtet würde, die besondern Massen des
Arbeitens, welche weiter als speziellere _Stände_ unterschieden
werden.--Die allgemeine Freiheit, die sich auf diese Weise in ihre
Glieder gesondert, und ebendadurch zur _seienden_ Substanz gemacht
hätte, wäre dadurch frei von der einzelnen Individualität und teilte
die _Menge_ der _Individuen_ unter ihre verschiedenen Glieder. Das
Tun und Sein der Persönlichkeit fände sich aber dadurch auf einen
Zweig des Ganzen, auf eine Art des Tuns und Seins beschränkt; in das
Element des _Seins_ gesetzt, erhielte sie die Bedeutung einer
_bestimmten_; sie hörte auf, in Wahrheit allgemeines Selbstbewußtsein
zu sein. Dieses läßt sich dabei nicht durch die _Vorstellung_ des
Gehorsams unter _selbstgegebenen_ Gesetzen, die ihm einen Teil
zuwiesen, noch durch seine _Repräsentation_ beim Gesetzgeben und
allgemeinen Tun um die _Wirklichkeit_ betriegen,--nicht um die
Wirklichkeit, _selbst_ das Gesetz zu geben, und nicht ein einzelnes
Werk, sondern das Allgemeine _selbst_ zu vollbringen; denn wobei das
Selbst nur _repräsentiert_ und _vorgestellt_ ist, da ist es nicht
_wirklich_; wo es _vertreten_ ist, ist es nicht.
Wie in diesem _allgemeinen Werke_ der absoluten Freiheit als
daseiender Substanz sich das einzelne Selbstbewußtsein nicht findet,
ebensowenig in eigentlichen _Taten_ und _individuellen_ Handlungen
ihres Willens. Daß das Allgemeine zu einer Tat komme, muß es sich in
das Eins der Individualität zusammennehmen, und ein einzelnes
Selbstbewußtsein an die Spitze stellen; denn der allgemeine Willen
ist nur in einem Selbst, das Eines ist, _wirklicher_ Willen. Dadurch
aber sind _alle andern Einzelnen_ von dem _Ganzen_ dieser Tat
ausgeschlossen, und haben nur einen beschränkten Anteil an ihr, so
daß die Tat nicht Tat des _wirklichen allgemeinen_ Selbstbewußtseins
sein würde.--Kein positives Werk noch Tat kann also die allgemeine
Freiheit hervorbringen; es bleibt ihr nur das _negative Tun_; sie ist
nur die _Furie_ des Verschwindens.
Aber die höchste und der allgemeinen Freiheit entgegengesetzteste
Wirklichkeit oder vielmehr der einzige Gegenstand, der für sie noch
wird, ist die Freiheit und Einzelnheit des wirklichen
Selbstbewußtseins selbst. Denn jene Allgemeinheit, die sich nicht zu
der Realität der organischen Gegliederung kommen läßt, und in der
ungeteilten Kontinuität sich zu erhalten den Zweck hat, unterscheidet
sich in sich zugleich, weil sie Bewegung oder Bewußtsein überhaupt
ist. Und zwar um ihrer eignen Abstraktion willen trennt sie sich in
ebenso abstrakte Extreme, in die einfache unbiegsam kalte
Allgemeinheit, und in die diskrete absolute harte Sprödigkeit und
eigensinnige Punktualität des wirklichen Selbstbewußtseins. Nachdem
sie mit der Vertilgung der realen Organisation fertig geworden und
nun für sich besteht, ist dies ihr einziger Gegenstand--ein
Gegenstand, der keinen andern Inhalt, Besitz, Dasein und äußerliche
Ausdehnung mehr hat, sondern er ist nur dies Wissen von sich als
absolut reinem und freiem einzelnem Selbst. An was er erfaßt werden
kann, ist allein sein _abstraktes_ Dasein überhaupt.--Das Verhältnis
also dieser beiden, da sie unteilbar absolut für sich sind, und also
keinen Teil in die Mitte schicken können, wodurch sie sich
verknüpften, ist die ganz _unvermittelte_ reine Negation; und zwar
die Negation des Einzelnen als _Seienden_ in dem Allgemeinen. Das
einzige Werk und Tat der allgemeinen Freiheit ist daher der _Tod_,
und zwar ein _Tod_, der keinen innern Umfang und Erfüllung hat, denn
was negiert wird, ist der unerfüllte Punkt des absolut freien Selbsts;
er ist also der kälteste, platteste Tod, ohne mehr Bedeutung als das
Durchhauen eines Kohlhaupts oder ein Schluck Wassers.
In der Plattheit dieser Silbe besteht die Weisheit der Regierung, der
Verstand des allgemeinen Willens, sich zu vollbringen. Die Regierung
ist selbst nichts anders als der sich festsetzende Punkt oder die
Individualität des allgemeinen Willens. Sie, ein Wollen und
Vollbringen, das aus einem Punkte ausgeht, will und vollbringt
zugleich eine bestimmte Anordnung und Handlung. Sie schließt damit
einerseits die übrigen Individuen aus ihrer Tat aus, andererseits
konstituiert sie sich dadurch als eine solche, die ein bestimmter
Willen und dadurch dem allgemeinen Willen entgegengesetzt ist; sie
kann daher schlechterdings nicht anders denn als eine _Faktion_ sich
darstellen. Die _siegende_ Faktion nur heißt Regierung, und eben
darin, daß sie Faktion ist, liegt unmittelbar die Notwendigkeit ihres
Untergangs; und daß sie Regierung ist, dies macht sie umgekehrt zur
Faktion und schuldig. Wenn der allgemeine Willen sich an ihr
wirkliches Handeln als an das Verbrechen hält, das sie gegen ihn
begeht, so hat sie dagegen nichts Bestimmtes und Äußeres, wodurch die
Schuld des ihr entgegengesetzten Willens sich darstellte; denn ihr
als dem _wirklichen_ allgemeinen Willen steht nur der unwirkliche
reine Willen, die _Absicht_, gegenüber. _Verdächtigwerden_ tritt
daher an die Stelle oder hat die Bedeutung und Wirkung des
_Schuldigseins_, und die äußerliche Reaktion gegen diese Wirklichkeit,
die in dem einfachen Innern der Absicht liegt, besteht in dem
trocknen Vertilgen dieses seienden Selbsts, an dem nichts sonst
wegzunehmen ist als nur sein Sein selbst.
In diesem ihrem eigentümlichen _Werke_ wird die absolute Freiheit
sich zum Gegenstande, und das Selbstbewußtsein erfährt, was sie ist.
_An sich_ ist sie eben dies _abstrakte Selbstbewußtsein_, welches
allen Unterschied und alles Bestehen des Unterschiedes in sich
vertilgt. Als dieses ist sie sich der Gegenstand; der _Schrecken_
des Todes ist die Anschauung dieses ihres negativen Wesens. Diese
seine Realität findet aber das absolut freie Selbstbewußtsein ganz
anders, als ihr Begriff von ihr selbst war, daß nämlich der
allgemeine Willen nur das _positive_ Wesen der Persönlichkeit sei,
und diese in ihm sich nur positiv oder erhalten wisse. Sondern hier
ist für es, das als reine Einsicht sein positives und negatives
Wesen--das prädikatlose Absolute als reines _Denken_ und als reine
_Materie_--schlechthin trennt, der absolute _Übergang_ von dem einen
in das andere in seiner Wirklichkeit vorhanden.--Der allgemeine
Willen, als absolut _positives_ wirkliches Selbstbewußtsein, schlägt,
weil es diese zum _reinen_ Denken oder zur _abstrakten_ Materie
_gesteigerte_ selbstbewußte Wirklichkeit ist, in das _negative_ Wesen
um, und erweist sich ebenso _Aufheben_ des _Sich-selbst-denkens_ oder
des Selbstbewußtseins zu sein.
Die absolute Freiheit hat also als _reine_ Sichselbstgleichheit des
allgemeinen Willens die _Negation_, damit aber _den Unterschied_
überhaupt an ihr, und entwickelt diesen wieder als _wirklichen_
Unterschied. Denn die reine _Negativität_ hat an dem
sichselbstgleichen allgemeinen Willen das _Element_ des _Bestehens_
oder die _Substanz_, worin ihre Momente sich realisieren, sie hat die
Materie, welche sie in ihre Bestimmtheit verwenden kann; und insofern
diese Substanz sich als das Negative für das einzelne Bewußtsein
gezeigt hat, bildet sich also wieder die Organisation der geistigen
Massen aus, denen die Menge der individuellen Bewußtsein zugeteilt
wird. Diese, welche die Furcht ihres absoluten Herrn, des Todes,
empfunden, lassen sich die Negation und die Unterschiede wieder
gefallen, ordnen sich unter die Massen, und kehren zu einem geteilten
und beschränkten Werke, aber dadurch zu ihrer substantiellen
Wirklichkeit zurück.
Der Geist wäre aus diesem Tumulte zu seinem Ausgangspunkte, der
sittlichen und realen Welt der Bildung, zurückgeschleudert, welche
durch die Furcht des Herrn, die wieder in die Gemüter gekommen, nur
erfrischt und verjüngt worden. Der Geist müßte diesen Kreislauf der
Notwendigkeit von neuem durchlaufen und immer wiederholen, wenn nur
die vollkommne Durchdringung des Selbstbewußtseins und der Substanz
das Resultat wäre--eine Durchdringung, worin das Selbstbewußtsein,
das die gegen es negative Kraft seines allgemeinen Wesens erfahren,
sich nicht als dieses Besondre, sondern nur als Allgemeines wissen
und finden wollte, und daher auch die gegenständliche es als
Besonders ausschließende Wirklichkeit des allgemeinen Geistes
ertragen könnte.--Aber in der absoluten Freiheit war nicht weder das
Bewußtsein, das in mannigfaltiges Dasein versenkt ist, oder das sich
bestimmte Zwecke und Gedanken festsetzt, noch eine _äußere_ geltende
Welt, es sei der Wirklichkeit oder des Denkens, miteinander in
Wechselwirkung, sondern die Welt schlechthin in der Form des
Bewußtseins, als allgemeiner Willen und ebenso das Selbstbewußtsein
zusammengezogen aus allem ausgedehnten Dasein oder mannigfaltigem
Zweck und Urteil in das einfache Selbst. Die Bildung, die es in der
Wechselwirkung mit jenem Wesen erlangt, ist daher die erhabenste und
letzte, seine reine einfache Wirklichkeit unmittelbar verschwinden
und in das leere Nichts übergehen zu sehen. In der Welt der Bildung
selbst kommt es nicht dazu, seine Negation oder Entfremdung in dieser
Form der reinen Abstraktion anzuschauen; sondern seine Negation ist
die erfüllte; entweder die Ehre oder der Reichtum, die es an die
Stelle des Selbsts, dessen es sich entfremdete, gewinnt;--oder die
Sprache des Geistes und der Einsicht, die das zerrissene Bewußtsein
erlangt; oder sie ist der Himmel des Glaubens, oder das Nützliche der
Aufklärung. Alle diese Bestimmungen sind in dem Verluste, den das
Selbst in der absoluten Freiheit erfährt, verloren; seine Negation
ist der bedeutungslose Tod, der reine Schrecken des Negativen, das
nichts Positives, nichts Erfüllendes in ihm hat.--Zugleich aber ist
diese Negation in ihrer Wirklichkeit nicht ein _Fremdes_, sie ist
weder die allgemeine jenseits liegende _Notwendigkeit_, worin die
sittliche Welt untergeht, noch der einzelne Zufall des eignen
Besitzes oder der Laune des Besitzenden, von dem das zerrißne
Bewußtsein sich abhängig sieht,--sondern sie ist der _allgemeine
Willen_, der in dieser seiner letzten Abstraktion nichts Positives
hat, und daher nichts für die Aufopferung zurückgeben kann,--aber
eben darum ist er unvermittelt eins mit dem Selbstbewußtsein, oder er
ist das rein Positive, weil er das rein Negative ist; und der
bedeutungslose Tod, die unerfüllte Negativität des Selbsts schlägt im
innern Begriffe zur absoluten Positivität um. Für das Bewußtsein
verwandelt sich die unmittelbare Einheit seiner mit dem allgemeinen
Willen, seine Foderung, sich als diesen bestimmten Punkt im
allgemeinen Willen zu wissen, in die schlechthin entgegengesetzte
Erfahrung um. Was ihm darin verschwindet, ist das abstrakte _Sein_
oder die Unmittelbarkeit des substanzlosen Punkts, und diese
verschwundne Unmittelbarkeit ist der allgemeine Willen selbst, als
welchen es sich nun weiß, insofern es _aufgehobne Unmittelbarkeit_,
insofern es reines Wissen oder reiner Willen ist. Hiedurch weiß es
ihn als sich selbst und sich als Wesen, aber nicht als das
_unmittelbar seiende_ Wesen, weder ihn als die revolutionäre
Regierung oder als die die Anarchie zu konstituieren strebende
Anarchie, noch sich als Mittelpunkt dieser Faktion oder der ihr
entgegengesetzten, sondern der _allgemeine Willen_ ist sein _reines
Wissen und Wollen_, und _es_ ist allgemeiner Willen, als dieses reine
Wissen und Wollen. Es verliert darin nicht _sich selbst_, denn das
reine Wissen und Wollen ist vielmehr es, als der atome Punkt des
Bewußtseins. Es ist also die Wechselwirkung des reinen Wissens mit
sich selbst; das reine _Wissen_ als _Wesen_ ist der allgemeine Willen;
aber dieses _Wesen_ ist schlechthin nur das reine Wissen. Das
Selbstbewußtsein ist also das reine Wissen von dem Wesen als reinem
Wissen. Es ferner als _einzelnes Selbst_ ist nur die Form des
Subjekts oder wirklichen Tuns, die von ihm als _Form_ gewußt wird;
ebenso ist für es die _gegenständliche_ Wirklichkeit, das _Sein_,
schlechthin selbstlose Form; denn sie wäre das nicht gewußte; dies
Wissen aber weiß das Wissen als das Wesen.
Die absolute Freiheit hat also den Gegensatz des allgemeinen und
einzelnen Willens mit sich selbst ausgeglichen; der sich entfremdete
Geist, auf die Spitze seines Gegensatzes getrieben, in welchem das
reine Wollen und das rein Wollende noch unterschieden sind, setzt ihn
zur durchsichtigen Form herab, und findet darin sich selbst.--Wie das
Reich der wirklichen Welt in das Reich des Glaubens und der Einsicht
übergeht, so geht die absolute Freiheit aus ihrer sich selbst
zerstörenden Wirklichkeit in ein anderes Land des selbstbewußten
Geistes über, worin sie in dieser Unwirklichkeit als das Wahre gilt,
an dessen Gedanken er sich labt, insofern er _Gedanke_ ist und bleibt,
und dieses in das Selbstbewußtsein eingeschlossene Sein als das
vollkommne und vollständige Wesen weiß. Es ist die neue Gestalt des
_moralischen Geistes_ entstanden.