II. Die Aufklärung

Der eigentümliche Gegenstand, gegen welchen die reine Einsicht die

Kraft des Begriffes richtet, ist der Glauben, als die ihr in

demselben Elemente gegenüberstehende Form des reinen Bewußtseins.

Sie hat aber auch Beziehung auf die wirkliche Welt, denn sie ist wie

jener die Rückkehr aus derselben in das reine Bewußtsein. Es ist

zuerst zu sehen, wie ihre Tätigkeit gegen die unlautern Absichten und

verkehrten Einsichten derselben beschaffen ist.

Oben wurde schon des ruhigen Bewußtseins erwähnt, das diesem sich in

sich auflösenden und wieder erzeugenden Wirbel gegenübersteht; es

macht die Seite der reinen Einsicht und Absicht aus. In dies ruhige

Bewußtsein fällt aber, wie wir sahen, keine _besondere Einsicht_ über

die Welt der Bildung; diese hat vielmehr selbst das schmerzlichste

Gefühl und die wahrste Einsicht über sich selbst--das Gefühl, die

Auflösung alles sich befestigenden, durch alle Momente ihres Daseins

hindurch gerädert und an allen Knochen zerschlagen zu sein; ebenso

ist sie die Sprache dieses Gefühls und die beurteilende geistreiche

Rede über alle Seiten ihres Zustands. Die reine Einsicht kann daher

hier keine eigene Tätigkeit und Inhalt haben, und sich also nur als

das formelle treue _Auffassen_ dieser eignen geistreichen Einsicht

der Welt und ihrer Sprache verhalten. Indem diese Sprache zerstreut,

die Beurteilung eine Faselei des Augenblicks, die sich sogleich

wieder vergißt, und ein Ganzes nur für ein drittes Bewußtsein ist, so

kann sich dieses als _reine_ Einsicht nur dadurch unterscheiden, daß

es jene sich zerstreuenden Züge in ein allgemeines Bild zusammenfaßt,

und sie dann zu einer Einsicht aller macht.

Sie wird durch dies einfache Mittel die Verwirrung dieser Welt zur

Auflösung bringen. Denn es hat sich ergeben, daß nicht die Massen

und die bestimmten Begriffe und Individualitäten das Wesen dieser

Wirklichkeit sind, sondern daß sie ihre Substanz und Halt allein in

dem Geiste hat, der als Urteilen und Besprechen existiert, und daß

das Interesse, für dies Räsonieren und Schwatzen einen Inhalt zu

haben, allein das Ganze und die Massen seiner Gegliederung erhält.

In dieser Sprache der Einsicht ist ihr Selbstbewußtsein sich noch ein

_Fürsichseiendes, dieses Einzelne_; aber die Eitelkeit des Inhalts

ist zugleich Eitelkeit des ihn eitel wissenden Selbsts. Indem nun

das ruhig auffassende Bewußtsein von diesem ganzen geistreichen

Geschwätze der Eitelkeit die treffendsten und die Sache

durchschneidenden Fassungen in eine Sammlung bringt, geht zu der

übrigen Eitelkeit des Daseins die das Ganze noch erhaltende Seele,

die Eitelkeit des geistreichen Beurteilens, zugrunde. Die Sammlung

zeigt den meisten einen bessern, oder allen wenigstens einen

vielfachern Witz, als der ihrige ist, und das Besserwissen und

Beurteilen überhaupt als etwas Allgemeines und nun allgemein

Bekanntes; damit tilgt sich das einzige Interesse, das noch vorhanden

war, und das einzelne Einsehen löst sich in die allgemeine Einsicht

auf.

Noch aber steht über dem eiteln Wissen das Wissen von dem Wesen fest,

und die reine Einsicht erscheint erst in eigentlicher Tätigkeit,

insofern sie gegen den Glauben auftritt.

a. Der Kampfder Aufklärung mit dem Aberglauben

Die verschiednen Weisen des negativen Verhaltens des Bewußtseins,

teils des Skeptizismus, teils des theoretischen und praktischen

Idealismus, sind untergeordnete Gestalten gegen diese der _reinen

Einsicht_, und ihrer Verbreitung, der _Aufklärung_; denn sie ist aus

der Substanz geboren, weiß das reine _Selbst_ des Bewußtseins als

absolut, und nimmt es mit dem reinen Bewußtsein des absoluten Wesens

aller Wirklichkeit auf.--Indem Glauben und Einsicht dasselbe reine

Bewußtsein, der Form nach aber entgegengesetzt sind, dem Glauben das

Wesen als _Gedanke_, nicht als _Begriff_, und daher ein dem

_Selbst_bewußtsein schlechthin Entgegengesetztes, der reinen Einsicht

aber das Wesen das _Selbst_ ist, sind sie füreinander das eine das

schlechthin Negative des andern.--Dem Glauben kommt, wie beide

gegeneinander auftreten, aller _Inhalt_ zu, denn in seinem ruhigen

Elemente des Denkens gewinnt jedes Moment Bestehen;--die reine

Einsicht aber ist zunächst ohne Inhalt, und vielmehr reines

Verschwinden desselben; durch die negative Bewegung gegen das ihr

Negative aber wird sie sich realisieren und einen Inhalt geben.

Sie weiß den Glauben als das ihr, der Vernunft und Wahrheit,

Entgegengesetzte. Wie er ihr im Allgemeinen ein Gewebe von

Aberglauben, Vorurteilen und Irrtümern ist, so organisiert sich ihr

weiter das Bewußtsein dieses Inhalts in ein Reich des Irrtums, worin

die falsche Einsicht einmal als die _allgemeine Masse_ des

Bewußtseins, unmittelbar, unbefangen und ohne Reflexion in sich

selbst ist, aber das Moment der Reflexion in sich oder des

Selbstbewußtseins, getrennt von der Unbefangenheit, auch an ihr hat,

als eine im Hintergrunde für sich bleibende Einsicht und böse Absicht,

von welcher jenes betört wird. Jene Masse ist das Opfer des Betrugs

einer _Priesterschaft_, die ihre neidische Eitelkeit, allein im

Besitze der Einsicht zu bleiben, sowie ihren sonstigen Eigennutz

ausführt, und zugleich mit dem _Despotismus_ sich verschwört, der als

die synthetische, begrifflose Einheit des realen und dieses idealen

Reichs--ein seltsam inkonsequentes Wesen--über der schlechten

Einsicht der Menge und der schlechten Absicht der Priester steht, und

beides auch in sich vereinigt, aus der Dummheit und Verwirrung des

Volks durch das Mittel der betriegenden Priesterschaft, beide

verachtend, den Vorteil der ruhigen Beherrschung und der Vollführung

seiner Lüste und Willkür zieht, zugleich aber dieselbe Dumpfheit der

Einsicht, der gleiche Aberglauben und Irrtum ist.

Gegen diese drei Seiten des Feindes läßt die Aufklärung sich nicht

ohne Unterschied ein; denn indem ihr Wesen reine Einsicht, das an und

für sich _Allgemeine_ ist, so ist ihre wahre Beziehung auf das andere

Extrem diejenige, in welcher sie auf das _Gemeinschaftliche_ und

_Gleiche_ beider geht. Die Seite der aus dem allgemeinen

unbefangenen Bewußtsein sich isolierenden _Einzelnheit_ ist das ihr

Entgegengesetzte, das sie nicht unmittelbar berühren kann. Der

Willen der betriegenden Priesterschaft und des unterdrückenden

Despoten ist daher nicht unmittelbarer Gegenstand ihres Tuns, sondern

die willenlose, nicht zum Für-sich-sein sich vereinzelnde Einsicht,

der _Begriff_ des vernünftigen Selbstbewußtseins, der an der Masse

sein Dasein hat, aber in ihr noch nicht als Begriff vorhanden ist.

Indem aber die reine Einsicht diese ehrliche Einsicht und ihr

unbefangenes Wesen den Vorurteilen und Irrtümern entreißt, windet sie

der schlechten Absicht die Realität und Macht ihres Betrugs aus den

Händen, deren Reich an dem begrifflosen Bewußtsein der allgemeinen

Masse seinen _Boden_ und _Material_--das _Für-sich-sein_ an dem

_einfachen_ Bewußtsein überhaupt seine _Substanz_ hat.

Die Beziehung der reinen Einsicht auf das unbefangene Bewußtsein des

absoluten Wesens hat nun die gedoppelte Seite, daß sie einesteils _an

sich_ dasselbe mit ihm ist, andernteils aber, daß dieses in dem

einfachen Elemente seines Gedankens das absolute Wesen sowie seine

Teile gewähren und sich Bestehen geben, und sie nur als sein

_An-sich_ und darum in gegenständlicher Weise gelten läßt, sein

_Für-sich-sein_ aber in diesem An-sich verleugnet.--Insofern nach der

ersten Seite dieser Glauben _an sich_ für die reine Einsicht reines

_Selbst_bewußtsein ist, und er dies nur _für sich_ werden soll, so

hat sie an diesem Begriffe desselben das Element, worin sie statt der

falschen Einsicht sich realisiert.

Von dieser Seite, daß beide wesentlich dasselbe sind und die

Beziehung der reinen Einsicht durch und in demselben Elemente

geschieht, ist ihre Mitteilung eine _unmittelbare_, und ihr Geben und

Empfangen ein ungestörtes Ineinanderfließen. Was auch sonst weiter

in das Bewußtsein für Pflöcke eingeschlagen seien, es ist _an sich_

diese Einfachheit, in welcher alles aufgelöst, vergessen und

unbefangen, und die daher des Begriffs schlechthin empfänglich ist.

Die Mitteilung der reinen Einsicht ist deswegen einer ruhigen

Ausdehnung oder dem _Verbreiten_ wie eines Duftes in der

widerstandslosen Atmosphäre zu vergleichen. Sie ist eine

durchdringende Ansteckung, welche sich nicht vorher gegen das

gleichgültige Element, in das sie sich insinuiert, als

Entgegengesetztes bemerkbar macht, und daher nicht abgewehrt werden

kann. Erst wenn die Ansteckung sich verbreitet hat, ist sie _für das

Bewußtsein_, das sich ihr unbesorgt überließ. Denn es war zwar das

einfache sich und ihm gleiche Wesen, was es in sich empfing, aber

zugleich die Einfachheit der in sich reflektierten _Negativität_,

welche nachher auch sich nach ihrer Natur als Entgegengesetztes

entfaltet, und das Bewußtsein hiedurch an seine vorige Weise erinnert;

sie ist der Begriff, der das einfache Wissen ist, welches sich

selbst und zugleich sein Gegenteil, aber dieses in ihm als aufgehoben

weiß. So wie daher die reine Einsicht für das Bewußtsein ist, hat

sie sich schon verbreitet; der Kampf gegen sie verrät die geschehene

Ansteckung; er ist zu spät, und jedes Mittel verschlimmert nur die

Krankheit, denn sie hat das Mark des geistigen Lebens ergriffen,

nämlich das Bewußtsein in seinem Begriffe oder sein reines Wesen

selbst; es gibt darum auch keine Kraft in ihm, welche über ihr wäre.

Weil sie im Wesen selbst ist, lassen sich ihre noch vereinzelnten

Äußerungen zurückdrängen und die oberflächlichen Symptome dämpfen.

Es ist ihr dies höchst vorteilhaft; denn sie vergeudet nun nicht

unnütz die Kraft, noch zeigt sie sich ihres Wesens unwürdig, was dann

der Fall ist, wenn sie in Symptome und einzelne Eruptionen gegen den

Inhalt des Glaubens und gegen den Zusammenhang seiner äußern

Wirklichkeit hervorbricht. Sondern nun ein unsichtbarer und

unbemerkter Geist, durchschleicht sie die edeln Teile durch und durch,

und hat sich bald aller Eingeweide und Glieder des bewußtlosen

Götzen gründlich bemächtigt, und "_an einem schönen Morgen_ gibt sie

mit dem Ellbogen dem Kameraden einen Schubb, und Bautz! Baradautz!

der Götze liegt am Boden."--An _einem schönen Morgen_, dessen Mittag

nicht blutig ist, wenn die Ansteckung alle Organe des geistigen

Lebens durchdrungen hat; nur das Gedächtnis bewahrt dann noch als

eine, man weiß nicht wie, vergangene Geschichte, die tote Weise der

vorigen Gestalt des Geistes auf; und die neue für die Anbetung

erhöhte Schlange der Weisheit hat auf diese Weise nur eine welke Haut

schmerzlos abgestreift.

Aber dieses stumme Fortweben des Geistes im einfachen Innern seiner

Substanz, der sich sein Tun verbirgt, ist nur _eine_ Seite der

Realisierung der reinen Einsicht. Ihre Verbreitung besteht nicht nur

darin, daß Gleiches mit Gleichem zusammengeht; und ihre

Verwirklichung ist nicht nur eine gegensatzlose Ausdehnung. Sondern

das Tun des negativen Wesens ist ebenso wesentlich eine entwickelte

sich in sich unterscheidende Bewegung, welche als bewußtes Tun ihre

Momente in bestimmtem offenbarem Dasein aufstellen und als ein lauter

Lärm und gewaltsamer Kampf mit Entgegengesetztem als solchem

vorhanden sein muß.

Es ist daher zu sehen, wie die _reine Einsicht_ und _Absicht_ gegen

das andere ihr Entgegengesetzte, das sie vorfindet, sich _negativ_

verhält.--Die reine Einsicht und Absicht, welche sich negativ verhält,

kann, da ihr Begriff alle Wesenheit und nichts außer ihr ist, nur

das Negative ihrer selbst sein. Sie wird daher als Einsicht zum

Negativen der reinen Einsicht, sie wird Unwahrheit und Unvernunft,

und als Absicht zum Negativen der reinen Absicht, zur Lüge und

Unlauterkeit des Zwecks.

In diesen Widerspruch verwickelt sie sich dadurch, daß sie sich in

Streit einläßt, und etwas _anderes_ zu bekämpfen meint.--Sie meint

dies nur, denn ihr Wesen als die absolute Negativität ist dieses, das

Anderssein an ihr selbst zu haben. Der absolute Begriff ist die

Kategorie; er ist dies, daß das Wissen und der _Gegenstand_ des

Wissens dasselbe ist. Was hiemit die reine Einsicht als ihr Andres,

was sie als Irrtum oder Lüge ausspricht, kann nichts andres sein als

sie selbst; sie kann nur das verdammen, was sie ist. Was nicht

vernünftig ist, hat keine _Wahrheit_, oder was nicht begriffen ist,

ist nicht; indem also die Vernunft von einem _Andern_ spricht, als

sie ist, spricht sie in der Tat nur von sich selbst; sie tritt darin

nicht aus sich heraus.--Dieser Kampf mit dem Entgegengesetzten

vereinigt darum die Bedeutung in sich, ihre _Verwirklichung_ zu sein.

Diese besteht nämlich eben in der Bewegung, die Momente zu

entwickeln, und sie in sich zurückzunehmen; ein Teil dieser Bewegung

ist die Unterscheidung, in welcher die begreifende Einsicht sich

selbst als _Gegenstand_ gegenüberstellt; solange sie in diesem

Momente verweilt, ist sie sich entfremdet. Als reine Einsicht ist

sie ohne allen _Inhalt_; die Bewegung ihrer Realisierung besteht

darin, daß _sie selbst_ sich als Inhalt wird, denn ein anderer kann

ihr nicht werden, weil sie das Selbstbewußtsein der Kategorie ist.

Aber indem sie ihn zuerst in dem Entgegensetzen nur als _Inhalt_, und

ihn noch nicht als sich selbst weiß, verkennt sie sich in ihm. Ihre

Vollendung hat daher diesen Sinn, den ihr zuerst gegenständlichen

Inhalt als den ihrigen zu erkennen. Ihr Resultat wird dadurch aber

weder die Wiederherstellung der Irrtümer, welche sie bekämpft, noch

nur ihr erster Begriff sein, sondern eine Einsicht, welche die

absolute Negation ihrer selbst als ihre eigne Wirklichkeit, als sich

selbst erkennt, oder ihr sich selbst erkennender Begriff.--Diese

Natur des Kampfs der Aufklärung mit den Irrtümern, in ihnen sich

selbst zu bekämpfen und das darin zu verdammen, was sie behauptet,

ist _für uns_, oder was sie und ihr Kampf _an sich_ ist. Die erste

Seite desselben aber, ihre Verunreinigung durch die Aufnahme des

negativen Verhaltens in ihre sichselbstgleiche _Reinheit_ ist es, wie

sie _für den Glauben Gegenstand_ ist; der sie also als Lüge,

Unvernunft und schlechte Absicht erfährt, so wie er für sie Irrtum

und Vorurteil ist.--In Rücksicht auf ihren Inhalt ist sie zunächst

die leere Einsicht, der ihr Inhalt als ein Anderes erscheint, sie

_findet_ ihn daher in dieser Gestalt, daß er noch nicht der ihrige

ist, _vor_, als ein von ihr ganz unabhängiges Dasein, in dem Glauben.

Die Aufklärung faßt also ihren Gegenstand zuerst und allgemein so auf,

daß sie ihn als _reine Einsicht_ nimmt und ihn so, sich selbst nicht

erkennend, für Irrtum erklärt. In der _Einsicht_ als solcher faßt

das Bewußtsein einen Gegenstand so, daß er ihm zum Wesen des

Bewußtseins oder zu einem Gegenstande wird, den es durchdringt, worin

es sich erhält, bei sich selbst und sich gegenwärtig bleibt, und

indem es hiemit seine Bewegung ist, ihn hervorbringt. Als eben

dieses spricht die Aufklärung den Glauben richtig aus, indem sie von

ihm sagt, daß das, was ihm das absolute Wesen ist, ein Sein seines

eignen Bewußtseins, sein eigner Gedanke, ein vom Bewußtsein

Hervorgebrachtes sei. Sie erklärt ihn hiemit für Irrtum und

Erdichtung über dasselbe, was sie ist.--Sie, die den Glauben die neue

Weisheit lehren will, sagt ihm damit nichts Neues; denn sein

Gegenstand ist ihm auch gerade dieses, nämlich reines Wesen seines

eignen Bewußtseins, so daß dieses darin sich nicht verloren und

negiert setzt, sondern ihm vielmehr vertraut, das heißt eben, _in

ihm_ sich _als dieses_ Bewußtsein oder als Selbstbewußtsein findet.

Wem ich vertraue, dessen _Gewißheit seiner_ selbst, ist mir die

_Gewißheit meiner_ selbst; ich erkenne mein Für-mich-sein in ihm, daß

er es anerkennt, und es ihm Zweck und Wesen ist. Vertrauen ist aber

der Glauben, weil sein Bewußtsein sich _unmittelbar_ auf seinen

Gegenstand _bezieht_, und also auch dies anschaut, daß es _eins_ mit

ihm, in ihm ist.--Ferner, indem dasjenige mir Gegenstand ist, worin

ich mich selbst erkenne, bin ich mir darin zugleich überhaupt als

_anderes_ Selbstbewußtsein, das heißt, als ein solches, welches darin

seiner besondere Einzelnheit, nämlich seiner Natürlichkeit und

Zufälligkeit entfremdet worden, aber teils darin Selbstbewußtsein

bleibt, teils eben darin _wesentliches_ Bewußtsein wie die reine

Einsicht ist.--In dem Begriffe der Einsicht liegt nicht nur dies, daß

das Bewußtsein in seinem eingesehenen Gegenstande sich selbst erkennt,

und ohne das Gedachte zu verlassen und daraus in sich erst

zurückzugehen, sich _unmittelbar_ darin hat, sondern es ist seiner

selbst als auch der _vermittelnden_ Bewegung oder seiner als des

_Tuns_ oder Hervorbringens bewußt; dadurch ist in dem Gedanken _für

es_ diese Einheit seiner als des _Selbsts_ und des Gegenstandes.

--Eben dies Bewußtsein ist auch der Glauben; _der Gehorsam und das

Tun_ ist ein notwendiges Moment, durch welches die Gewißheit des

Seins in dem absoluten Wesen, zustande kommt. Dies Tun des Glaubens

erscheint zwar nicht so, daß das absolute Wesen selbst dadurch

hervorgebracht werde. Aber das absolute Wesen des Glaubens ist

wesentlich nicht das _abstrakte_ Wesen, das jenseits des glaubenden

Bewußtseins sei, sondern es ist der Geist der Gemeine, es ist die

Einheit des abstrakten Wesens und des Selbstbewußtseins. Daß es

dieser Geist der Gemeine sei, darin ist das Tun der Gemeine ein

wesentliches Moment; er ist es _nur durch das Hervorbringen_ des

Bewußtseins,--oder vielmehr _nicht ohne_ vom Bewußtsein

hervorgebracht zu sein; denn so wesentlich das Hervorbringen ist, so

wesentlich ist es auch nicht der einzige Grund des Wesens, sondern es

ist nur ein Moment. Das Wesen ist zugleich an und für sich selbst.

Von der andern Seite ist der Begriff der reinen Einsicht sich ein

_Anderes_ als sein Gegenstand; denn eben diese negative Bestimmung

macht den Gegenstand aus. So spricht sie also von der andern Seite

auch das Wesen des Glaubens aus, als ein dem Selbstbewußtsein

_Fremdes_, das nicht _sein_ Wesen, sondern als ein Wechselbalg ihm

unterschoben sei. Allein die Aufklärung ist hier völlig töricht; der

Glauben erfährt sie als ein Sprechen, das nicht weiß, was es sagt,

und die Sache nicht versteht, wenn es von Pfaffenbetrug und

Volkstäuschung redet. Sie spricht hievon, als ob durch ein

Hokuspokus der taschenspielerischen Priester dem Bewußtsein etwas

absolut _Fremdes_ und _Anderes_ für das Wesen untergeschoben würde,

und sagt zugleich, daß dies ein Wesen des Bewußtseins sei, daß es

daran glaube, ihm vertraue und sich es geneigt zu machen suche,--das

heißt, daß es darin _sein reines Wesen_ ebensosehr als _seine_

einzelne und allgemeine _Individualität_ anschaue, und durch sein Tun

diese Einheit seiner selbst mit seinem Wesen hervorbringe. Sie sagt

unmittelbar das, was sie als ein dem Bewußtsein _Fremdes_ aussagt,

als das _Eigenste_ desselben aus.--Wie mag also sie von Betrug und

Täuschung sprechen? Indem sie _unmittelbar_ das Gegenteil dessen,

was sie vom Glauben behauptet, selbst von ihm ausspricht, zeigt sie

diesem vielmehr sich als die bewußte _Lüge_. Wie soll Täuschung und

Betrug da stattfinden, wo das Bewußtsein in seiner Wahrheit

unmittelbar die _Gewißheit seiner selbst_ hat; wo es in seinem

Gegenstande _sich selbst_ besitzt, indem es sich ebensowohl darin

findet als hervorbringt. Der Unterschied ist sogar in den Worten

nicht mehr vorhanden.--Wenn die allgemeine Frage aufgestellt worden

ist: _ob es erlaubt sei, ein Volk zu täuschen_, so müßte in der Tat

die Antwort sein, daß die Frage nichts tauge; weil es unmöglich ist,

hierin ein Volk zu täuschen.--Messing statt Golds, nachgemachte

Wechsel statt echter mögen wohl einzeln verkauft, eine verlorne

Schlacht als eine gewonnene mehrern aufgeheftet, und sonstige Lügen

über sinnliche Dinge und einzelne Begebenheiten auf eine Zeitlang

glaubhaft gemacht werden; aber in dem Wissen von dem Wesen, worin das

Bewußtsein die unmittelbare _Gewißheit seiner selbst_ hat, fällt der

Gedanke der Täuschung ganz hinweg.

Sehen wir weiter, wie der Glauben die Aufklärung in den

_unterschiedenen_ Momenten seines Bewußtseins erfährt, auf welches

die aufgezeigte Ansicht nur erst im Allgemeinen ging. Diese Momente

aber sind: das reine Denken, oder, als Gegenstand, das _absolute

Wesen_ an und für sich selbst; dann seine _Beziehung_ als ein

_Wissen_ darauf, der _Grund seines Glaubens_, und endlich seine

Beziehung darauf in seinem Tun, oder _sein Dienst_. Wie die reine

Einsicht sich im Glauben überhaupt verkennt und verleugnet hat, so

wird sie in diesen Momenten ebenso verkehrt sich verhalten.

Die reine Einsicht verhält sich zu _dem absoluten Wesen_ des

glaubenden Bewußtseins negativ. Dies Wesen ist reines _Denken_, und

das reine Denken innerhalb seiner selbst als Gegenstand oder als das

_Wesen_ gesetzt; im glaubenden Bewußtsein erhält dies _An-sich_ des

Denkens zugleich für das für sich seiende Bewußtsein die Form, aber

auch nur die leere Form der Gegenständlichkeit; es ist in der

Bestimmung eines _Vorgestellten_. Der reinen Einsicht aber, indem

sie das reine Bewußtsein nach der Seite des _für sich seienden

Selbsts_ ist, erscheint das _Andre_ als ein _Negatives_ des

_Selbstbewußtseins_. Dies könnte noch entweder als das reine

_An-sich_ des Denkens oder auch als das _Sein_ der sinnlichen

Gewißheit genommen werden. Aber indem es zugleich für das _Selbst_

und dieses als _Selbst_, das einen Gegenstand hat, wirkliches

Bewußtsein ist, so ist ihr eigentümlicher Gegenstand als solcher ein

_seiendes gemeines Ding_ der _sinnlichen Gewißheit_. Dieser ihr

Gegenstand erscheint ihr an der _Vorstellung_ des Glaubens. Sie

verdammt diese und in ihr ihren eignen Gegenstand. Gegen den Glauben

aber begeht sie schon darin das Unrecht, seinen Gegenstand so

aufzufassen, daß er der ihrige ist. Sie sagt hiernach über den

Glauben, daß sein absolutes Wesen ein Steinstück, ein Holzblock sei,

der Augen habe und nicht sehe, oder auch etwas Brotteig, der auf dem

Acker gewachsen, von Menschen verwandelt darauf zurückgeschickt werde;

--oder nach welchen Weisen sonst der Glauben, das Wesen

anthropomorphosiere, sich gegenständlich und vorstellig mache.

Die Aufklärung, die sich für das Reine ausgibt, macht hier das, was

dem Geiste ewiges Leben und heiliger Geist ist, zu einem wirklichen

_vergänglichen Dinge_, und besudelt es mit der an sich nichtigen

Ansicht der sinnlichen Gewißheit--mit einer Ansicht, welche dem

anbetenden Glauben gar nicht vorhanden ist, so daß sie ihm dieselbe

rein anlügt. Was er verehrt, ist ihm durchaus weder Stein oder Holz

oder Brotteig, noch sonst ein zeitliches sinnliches Ding. Wenn es

der Aufklärung einfällt, zu sagen, sein Gegenstand sei doch dies

_auch_, oder gar, er sei dieses an sich und in Wahrheit, so kennt

teils der Glauben ebensowohl _jenes Auch_, aber es ist ihm außer

seiner Anbetung; teils aber ist ihm überhaupt nicht so etwas wie ein

Stein und so fort _an sich_, sondern an sich ist ihm allein das Wesen

des reinen Denkens.

Das _zweite Moment_ ist die Beziehung des Glaubens als _wissenden_

Bewußtseins auf dieses Wesen. Als denkendem reinem Bewußtsein ist

ihm dies Wesen unmittelbar; aber das reine Bewußtsein ist ebensosehr

_vermittelte_ Beziehung der Gewißheit auf die Wahrheit; eine

Beziehung, welche den _Grund_ des _Glaubens_ ausmacht. Dieser Grund

wird für die Aufklärung ebenso zu einem zufälligen _Wissen von

zufälligen_ Begebenheiten. Der Grund des Wissens aber ist das

_wissende_ Allgemeine, und in seiner Wahrheit der absolute _Geist_,

der in dem abstrakten reinen Bewußtsein oder dem Denken als solchem

nur absolutes _Wesen_, als Selbstbewußtsein aber das _Wissen_ von

sich ist. Die reine Einsicht setzt dies wissende Allgemeine, den

_einfachen sich selbst wissenden Geist_, ebenso als Negatives des

Selbstbewußtseins. Sie ist zwar selbst das _reine vermittelte_, d.h.

sich mit sich vermittelnde Denken, sie ist das reine Wissen; aber

indem sie _reine Einsicht, reines Wissen_ ist, das sich selbst noch

nicht weiß, d.h. für welches es noch nicht ist, daß sie diese reine

vermittelnde Bewegung ist, erscheint sie ihr, wie alles, was sie

selbst ist, als ein Anderes. In ihrer Verwirklichung also begriffen,

entwickelt sie dies ihr wesentliches Moment, aber es erscheint ihr

als dem Glauben angehörend, und in seiner Bestimmtheit, ein ihr

Äußeres zu sein, als ein zufälliges Wissen eben solcher gemein

wirklicher Geschichten. Sie dichtet also hier dem religiösen Glauben

an, daß seine Gewißheit sich auf einige _einzelne historische

Zeugnisse_ gründe, welche als historische Zeugnisse betrachtet

freilich nicht den Grad von Gewißheit über ihren Inhalt gewähren

würden, den uns Zeitungsnachrichten über irgendeine Begebenheit geben;

daß seine Gewißheit ferner auf dem Zufall der _Aufbewahrung_ dieser

Zeugnisse beruhe--der Aufbewahrung durch Papier einerseits, und

andererseits durch die Geschicklichkeit und Ehrlichkeit der

Übertragung von einem Papier auf ein anderes--, und endlich auf der

richtigen Auffassung des Sinnes toter Worte und Buchstaben. In der

Tat aber fällt es dem Glauben nicht ein, an solche Zeugnisse und

Zufälligkeiten seine Gewißheit zu knüpfen; er ist in seiner Gewißheit

unbefangenes Verhältnis zu seinem absoluten Gegenstande, ein reines

Wissen desselben, welches nicht Buchstaben, Papier und Abschreiber in

sein Bewußtsein des absoluten Wesens einmischt, und nicht durch

solcherlei Dinge sich damit vermittelt. Sondern dies Bewußtsein ist

der sich selbst vermittelnde Grund seines Wissens; es ist der Geist

selbst, der das Zeugnis von sich ist, ebenso im _Innern_ des

_einzelnen_ Bewußtseins als durch die _allgemeine Gegenwart_ des

Glaubens aller an ihn. Wenn der Glauben aus dem Geschichtlichen auch

jene Weise von Begründung oder wenigstens Bestätigung seines Inhaltes,

von der die Aufklärung spricht, sich geben will, und ernsthaft meint

und tut, als ob es darauf ankäme, so hat er sich schon von der

Aufklärung verführen lassen; und seine Bemühungen, sich auf solche

Weise zu begründen oder zu befestigen, sind nur Zeugnisse, die er von

seiner Ansteckung gibt.

Noch ist die dritte Seite übrig, _die Beziehung des Bewußtseins auf

das absolute Wesen_, als ein _Tun_. Dies Tun ist das Aufheben der

Besonderheit des Individuums oder der natürlichen Weise seines

Für-sich-seins, woraus ihm die Gewißheit hervorgeht, reines

Selbstbewußtsein nach seinem Tun, d.h. als _fürsichseiendes_

einzelnes Bewußtsein eins mit dem Wesen zu sein.--Indem an dem Tun

_Zweckmäßigkeit_ und _Zweck_ sich unterscheidet, und die reine

Einsicht ebenso in Beziehung auf dieses Tun sich _negativ verhält_,

und wie in den andern Momenten sich selbst verleugnet, so muß sie in

Ansehung der _Zweckmäßigkeit_ als Unverstand sich darstellen, indem

die Einsicht mit der Absicht verbunden, Übereinstimmung des Zwecks

und des Mittels, ihr als Anderes, vielmehr als das Gegenteil

erscheint,--in Ansehung des _Zwecks_ aber das Schlechte, Genuß und

Besitz zum Zwecke machen, und sich hiemit als die unreinste Absicht

beweisen, indem die reine Absicht ebenso, als Andres, unreine Absicht

ist.

Hienach sehen wir in Ansehung der _Zweckmäßigkeit_ die Aufklärung es

töricht finden, wenn das glaubende Individuum sich das höhere

Bewußtsein, nicht an den natürlichen Genuß und Vergnügen gefesselt zu

sein, dadurch gibt, daß es sich natürlichen Genuß und Vergnügen

_wirklich_ versagt, und _durch die Tat_ erweist, daß es die

Verachtung derselben nicht lügt, sondern daß sie _wahr ist_.--Ebenso

findet sie es töricht, daß das Individuum von seiner Bestimmtheit,

absolut einzelnes, alle andern ausschließendes und Eigentum

besitzendes zu sein, sich dadurch absolviert, daß es von seinem

Eigentume selbst abläßt; womit es _in Wahrheit_ zeigt, daß es mit

seinem Isolieren nicht Ernst, sondern daß es über die

Naturnotwendigkeit, sich zu vereinzeln, und in dieser absoluten

Vereinzelung des Für-sich-seins die Andern als dasselbe _mit sich_ zu

verleugnen, erhaben ist.--Die reine Einsicht findet beides sowohl

unzweckmäßig als unrecht,--_unzweckmäßig_, um von Vergnügen und

Besitz sich frei zu erweisen, sich Vergnügen zu versagen und einen

Besitz wegzugeben; sie wird also im Gegenteil den für einen _Toren_

erklären, der, um zu essen, das Mittel ergreift, wirklich zu essen.

Sie findet es auch _unrecht_, sich eine Mahlzeit zu versagen, und

Butter, Eier nicht gegen Geld, oder Geld nicht gegen Butter und Eier,

sondern geradezu, ohne so was dafür zurück zu erhalten, wegzugeben;

sie erklärt eine Mahlzeit oder den Besitz von dergleichen Dingen für

einen Selbstzweck, und sich damit in der Tat für eine sehr unreine

Absicht, der es um solchen Genuß und Besitz ganz wesentlich zu tun

ist. Sie behauptet als reine Absicht auch wieder die Notwendigkeit

der Erhebung über die natürliche Existenz und über die Habsucht um

ihre Mittel; nur findet sie es töricht und unrecht, daß diese

Erhebung _durch die Tat_ bewiesen werden soll, oder diese reine

Absicht ist in Wahrheit Betrug, welcher eine _innerliche_ Erhebung

vorgibt und fodert, aber Ernst daraus zu machen, sie _wirklich ins

Werk_ zu richten und _ihre Wahrheit zu erweisen_ für überflüssig,

töricht, und selbst für unrecht ausgibt.--Sie verleugnet sich also

sowohl als reine Einsicht, denn sie verleugnet das unmittelbar

zweckmäßige Tun, wie als reine Absicht, denn sie verleugnet die

Absicht, sich von den Zwecken der Einzelnheit befreit zu erweisen.

So gibt die Aufklärung sich dem Glauben zu erfahren. Sie tritt in

diesem schlechten Aussehen auf, weil sie eben durch das Verhältnis zu

einem andern sich eine _negative Realität_ gibt, oder sich als das

Gegenteil ihrer selbst darstellt; die reine Einsicht und Absicht muß

sich aber dies Verhältnis geben, denn es ist ihre Verwirklichung.

--Diese erschien zunächst als negative Realität. Vielleicht ist ihre

_positive Realität_ besser beschaffen; sehen wir, wie diese sich

verhält.--Wenn alles Vorurteil und Aberglauben verbannt worden, so

tritt die Frage ein, _was nun weiter? Welches ist die Wahrheit,

welche die Aufklärung statt jener verbreitet hat?_--Sie hat diesen

positiven Inhalt in ihrem Ausrotten des Irrtums schon ausgesprochen,

denn jene Entfremdung ihrer selbst ist ebensosehr ihre positive

Realität.--An demjenigen, was dem Glauben absoluter Geist ist, faßt

sie, was sie von _Bestimmung_ daran entdeckt, als Holz, Stein und so

fort, als einzelne wirkliche Dinge auf; indem sie überhaupt _alle

Bestimmtheit_, das heißt, allen Inhalt und Erfüllung desselben auf

diese Weise als eine _Endlichkeit_, als _menschliches Wesen und

Vorstellung_ begreift, wird ihr das _absolute Wesen_ zu einem

_Vakuum_, dem keine Bestimmungen, keine Prädikate beigelegt werden

können. Ein solches Beilager wäre an sich sträflich, und es ist es

eben, in welchem die Ungeheuer des Aberglaubens erzeugt worden sind.

Die Vernunft, die _reine Einsicht_ ist wohl selbst nicht leer, indem

das Negative ihrer selbst _für sie_ und ihr Inhalt ist, sondern reich,

aber nur an Einzelnheit und Schranke; dem absoluten Wesen

dergleichen nichts zukommen zu lassen noch beizulegen, ist ihre

einsichtsvolle Lebensart, welche sich und ihren Reichtum der

Endlichkeit an ihren Ort zu stellen und das Absolute würdig zu

behandeln weiß.

Diesem leeren Wesen gegenüber steht als _zweites Moment_ der

positiven Wahrheit der Aufklärung, die aus einem absoluten Wesen

ausgeschlossene _Einzelnheit_ überhaupt, des Bewußtseins und alles

Seins, als _absolutes An- und Für-sich-sein_. Das Bewußtsein,

welches in seiner allerersten Wirklichkeit _sinnliche Gewißheit_ und

_Meinung_ ist, kehrt hier aus dem ganzen Wege seiner Erfahrung dahin

zurück, und ist wieder ein Wissen von _rein Negativem seiner selbst_,

oder von _sinnlichen Dingen_, d.h. _seienden_, welche seinem

_Für-sich-sein_ gleichgültig gegenüberstehen. Es ist hier aber nicht

_unmittelbares_ natürliches Bewußtsein, sondern es ist sich solches

_geworden_. Zuerst preisgegeben aller Verwicklung, worein es durch

seine Entfaltung gestürzt wird, itzt durch die reine Einsicht auf

seine erste Gestalt zurückgeführt, hat es sie als das _Resultat

erfahren_. Auf die Einsicht der Nichtigkeit aller andern Gestalten

des Bewußtseins und somit alles jenseits der sinnlichen Gewißheit

_gegründet_, ist diese sinnliche Gewißheit nicht mehr Meinung,

sondern sie ist vielmehr die absolute Wahrheit. Diese Nichtigkeit

alles dessen, was über die sinnliche Gewißheit hinausgeht, ist zwar

nur ein negativer Beweis dieser Wahrheit; aber sie ist keines andern

fähig, denn die positive Wahrheit der sinnlichen Gewißheit an ihr

selbst, ist eben das _unvermittelte_ Für-sich-sein des Begriffes

selbst als Gegenstands, und zwar in der Form des Andersseins,--daß es

jedem Bewußtsein _schlechthin gewiß_ ist, daß es _ist_, und _andere

wirkliche Dinge_ außer ihm, und daß es in seinem _natürlichen_ Sein,

so wie diese Dinge, _an und für sich_ oder _absolut_ ist.

_Das dritte Moment der Wahrheit der Aufklärung_ endlich ist das

Verhältnis der einzelnen Wesen zum absoluten Wesen, die Beziehung der

beiden ersten. Die Einsicht als reine Einsicht des _Gleichen_ oder

_Unbeschränkten geht_ auch über das _Ungleiche_, nämlich die endliche

Wirklichkeit, oder über sich als bloßes Anderssein _hinaus_. Sie hat

zum Jenseits desselben _das Leere_, auf welches sie also die

sinnliche Wirklichkeit bezieht. In die Bestimmung dieses

_Verhältnisses_ treten nicht die beiden Seiten als _Inhalt_ ein, denn

die eine ist das Leere, und ein Inhalt ist also nur durch die andere,

die sinnliche Wirklichkeit, vorhanden. Die _Form_ der Beziehung aber,

in deren Bestimmung die Seite des _An-sich_ mithilft, kann nach

Belieben gemacht werden; denn die Form ist das _an sich Negative_,

und darum das sich Entgegengesetzte; Sein sowohl als Nichts;

_An-sich_ wie das _Gegenteil_; oder was dasselbe, die Beziehung _der

Wirklichkeit_ auf _An-sich_ als das _Jenseits_ ist ebensowohl ein

_Negieren_ als ein _Setzen_ derselben. Die endliche Wirklichkeit

kann daher eigentlich, wie man es gerade braucht, genommen werden.

Das Sinnliche wird also itzt auf das Absolute als auf das _An-sich

positiv_ bezogen, und die sinnliche Wirklichkeit ist selbst _an sich_;

das Absolute macht, hegt und pflegt sie. Wiederum ist sie auch

darauf als auf das Gegenteil, als auf ihr _Nichtsein_ bezogen; nach

diesem Verhältnisse ist sie nicht an sich, sondern nur _für ein

Anderes_. Wenn in der vorhergehenden Gestalt des Bewußtseins die

_Begriffe_ des Gegensatzes sich als _Gut_ und _Schlecht_ bestimmten,

so werden sie dagegen der reinen Einsicht zu den reinern

Abstraktionen, des _An-sich-_ und _Für-ein-Anderes_-sein.

Beide Betrachtungsweisen, der positiven wie der negativen Beziehung

des Endlichen auf das An-sich, sind aber in der Tat gleich notwendig,

und alles ist also so sehr _an sich_, als es _für ein Anderes_ ist;

oder alles ist _nützlich_.--Alles gibt sich andern preis, läßt sich

itzt von andern gebrauchen, und ist _für sie_; und itzt stellt es

sich, es so zu sagen, wieder auf die Hinterbeine, tut spröde gegen

Anderes, ist für sich und gebraucht das Andere seinerseits.--Für den

Menschen, als das dieser Beziehung _bewußte_ Ding, ergibt sich daraus

sein Wesen und seine Stellung. Er ist, wie er unmittelbar ist, als

natürliches Bewußtsein _an sich, gut_, als einzelnes _absolut_, und

Anderes ist _für ihn_; und zwar da für ihn als das seiner bewußte

Tier die Momente die Bedeutung der Allgemeinheit haben, ist _alles_

für sein Vergnügen und Ergötzlichkeit, und er geht, wie er aus Gottes

Hand gekommen, in der Welt als einem für ihn gepflanzten Garten umher.

--Er muß auch vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen

gepflückt haben; er besitzt darin einen Nutzen, der ihn von allem

andern unterscheidet, denn zufälligerweise ist seine an sich gute

Natur _auch_ so beschaffen, daß ihr das Übermaß der Ergötzlichkeit

Schaden tut, oder vielmehr seine Einzelnheit hat _auch ihr Jenseits_

an ihr, kann über sich selbst hinausgehen und sich zerstören.

Hiegegen ist ihm die Vernunft ein nützliches Mittel, dies Hinausgehen

gehörig zu beschränken, oder vielmehr im Hinausgehen über das

Bestimmte sich selbst zu erhalten; denn dies ist die Kraft des

Bewußtseins. Der Genuß des bewußten an sich _allgemeinen_ Wesens muß

nach Mannigfaltigkeit und Dauer selbst nicht ein bestimmtes, sondern

allgemein sein; das Maß hat daher die Bestimmung, zu verhindern, daß

das Vergnügen in seiner Mannigfaltigkeit und Dauer abgebrochen werde;

das heißt, die Bestimmung des Maßes ist die Unmäßigkeit.--Wie dem

Menschen alles nützlich ist, so ist er es ebenfalls, und seine

Bestimmung ebensosehr, sich zum gemeinnützlichen und allgemein

brauchbaren Mitgliede des Trupps zu machen. Soviel er für sich sorgt,

gerade soviel muß er sich auch hergeben für die Andern, und soviel

er sich hergibt, soviel sorgt er für sich selbst; eine Hand wäscht

die andere. Wo er aber sich befindet, ist er recht daran; er nützt

andern und wird genützt.

Anders ist auf andere Weise einander nützlich; alle Dinge aber haben

diese nützliche Gegenseitigkeit durch ihr Wesen, nämlich auf das

Absolute auf die gedoppelte Weise bezogen zu sein--die positive,

dadurch _an und für sich_ selbst zu sein, die negative, dadurch _für

Andere_ zu sein. Die _Beziehung_ auf das absolute Wesen oder die

Religion ist daher unter aller Nützlichkeit das Allernützlichste;

denn sie ist der _reine Nutzen selbst_, sie ist dies Bestehen aller

Dinge, oder ihr _An-_ und _Für-sich_-sein, und das Fallen aller Dinge,

oder ihr _Sein für Anderes_.

Dem Glauben freilich ist dieses positive Resultat der Aufklärung so

sehr ein Greuel als ihr negatives Verhalten gegen ihn. Diese

_Einsicht_ in das absolute Wesen, die nichts in ihm sieht als eben

das _absolute Wesen_, das _être suprême_, oder _das Leere_,--diese

_Absicht_, daß alles in seinem unmittelbaren Dasein _an sich_ oder

gut ist, daß endlich die _Beziehung_ des einzelnen bewußten Seins auf

das absolute Wesen, _die Religion_, der Begriff der Nützlichkeit

erschöpfend ausdrückt, ist dem Glauben schlechthin _abscheulich_.

Diese eigne _Weisheit_ der Aufklärung erscheint ihm notwendig

zugleich als die _Plattheit_ selbst, und als das _Geständnis_ der

Plattheit; weil sie darin besteht, vom absoluten Wesen nichts oder,

was dasselbe ist, von ihm diese ganz ebne Wahrheit zu wissen, daß es

eben nur _das absolute Wesen_ ist, dagegen nur von der Endlichkeit

und zwar sie als das Wahre und dies Wissen von derselben als dem

Wahren, als das Höchste zu wissen.

Der Glauben hat das göttliche Recht, das Recht der absoluten

_Sichselbstgleichheit_ oder des reinen Denkens, gegen die Aufklärung,

und erfährt von ihr durchaus Unrecht; denn sie verdreht ihn in allen

seinen Momenten, und macht sie zu etwas anderem, als sie in ihm sind.

Sie aber hat nur menschliches Recht gegen ihn und für ihre Wahrheit;

denn das Unrecht, das sie begeht, ist das Recht der _Ungleichheit_,

und besteht in dem Verkehren und Verändern, ein Recht, das der Natur

des _Selbstbewußtseins_ im Gegensatze gegen das einfache Wesen oder

das _Denken_ angehört. Aber indem ihr Recht das Recht des

Selbstbewußtseins ist, wird sie nicht nur _auch_ ihr Recht behalten,

so daß zwei gleiche Rechte des Geistes einander gegenüber

stehenblieben, und keins das andere befriedigen könnte, sondern sie

wird das absolute Recht behaupten, weil das Selbstbewußtsein die

Negativität des Begriffs ist, die nicht nur _für sich_ ist, sondern

auch über ihr Gegenteil übergreift; und der Glauben selbst, weil er

Bewußtsein ist, wird ihr ihr Recht nicht verweigern können.

Denn die Aufklärung verhält sich gegen das glaubende Bewußtsein nicht

mit eigentümlichen Prinzipien, sondern mit solchen, welche dieses

selbst an ihm hat. Sie bringt ihm nur seine _eigenen Gedanken_

zusammen, die ihm bewußtlos auseinanderfallen; sie erinnert es nur

bei der _einen_ seiner Weisen an die _andern_, die es _auch_ hat,

aber deren eine es immer bei der andern vergißt. Sie erweist sich

eben dadurch gegen es als reine Einsicht, daß sie bei einem

_bestimmten_ Momente das Ganze sieht, also das auf jenes Moment sich

beziehende _Entgegengesetzte_ herbeibringt, und eines im andern

verkehrend das negative Wesen beider Gedanken, den _Begriff_,

hervortreibt. Sie erscheint dem Glauben darum als Verdrehung und

Lüge, weil sie das _Anderssein_ seiner Momente aufzeigt; sie scheint

ihm damit unmittelbar etwas anderes aus ihnen zu machen, als sie in

ihrer Einzelnheit sind; aber dies _Andere_ ist ebenso wesentlich, und

es ist in Wahrheit in dem glaubenden Bewußtsein selbst vorhanden, nur

daß dieses daran nicht denkt, sondern es sonstwo hat; daher ist es

ihm weder fremde, noch kann es von ihm abgeleugnet werden.

Die Aufklärung selbst aber, welche den Glauben an das

Entgegengesetzte seiner abgesonderten Momente erinnert, ist

ebensowenig über sich selbst aufgeklärt. Sie verhält sich rein

_negativ_ gegen den Glauben, insofern sie ihren Inhalt aus ihrer

Reinheit ausschließt, und ihn für das _Negative_ ihrer selbst nimmt.

Sie erkennt daher weder in diesem Negativen, in dem Inhalte des

Glaubens, sich selbst, noch bringt auch sie aus diesem Grunde die

beiden Gedanken zusammen, den, welchen sie herbeibringt, und den,

gegen welchen sie ihn herbeibringt. Indem sie nicht erkennt, daß

dasjenige, was sie am Glauben verdammt, unmittelbar ihr eigener

Gedanken ist, so ist sie selbst in der Entgegensetzung der beiden

Momente, deren eines, nämlich jedesmal das dem Glauben

entgegengesetzte, sie nur anerkennt, das andere aber, gerade wie der

Glauben tut, davon trennt. Sie bringt daher nicht die Einheit beider

als Einheit derselben, d.i. den Begriff hervor; aber er _entsteht_

ihr für sich oder sie findet ihn nur als _vorhanden_. Denn an sich

ist ebendies die Realisierung der reinen Einsicht, daß sie, deren

Wesen der Begriff ist, zuerst sich selbst als ein absolut _Anderes_

wird und sich verleugnet, denn der Gegensatz des Begriffes ist der

absolute, und aus diesem Anderssein zu sich selbst, oder zu ihrem

Begriffe kommt.--Die Aufklärung _ist_ aber nur diese Bewegung, sie

ist die noch bewußtlose Tätigkeit des reinen Begriffes, die zwar zu

sich selbst, als Gegenstand, kommt, aber diesen für ein _Anderes_

nimmt, auch die Natur des Begriffes nicht kennt, daß nämlich das

Nichtunterschiedne es ist, was sich absolut trennt.--Gegen den

Glauben also ist die Einsicht insofern die _Macht_ des Begriffes, als

sie die Bewegung und das Beziehen der in seinem Bewußtsein

auseinanderliegenden Momente ist, ein Beziehen, worin der Widerspruch

derselben zum Vorschein kömmt. Hierin liegt das absolute _Recht_ der

Gewalt, welche sie über ihn ausübt; die _Wirklichkeit_ aber, zu der

sie diese Gewalt bringt, ebendarin, daß das glaubende Bewußtsein

selbst der Begriff ist, und also das Entgegengesetzte, das ihm die

Einsicht herbeibringt, selbst anerkennt. Sie behält darum gegen es

recht, weil sie an ihm das geltend macht, was ihm selbst notwendig

ist, und was es an ihm selbst hat.

Zuerst behauptet die Aufklärung das Moment des Begriffs, ein _Tun_

des _Bewußtseins_ zu sein; sie behauptet dies _gegen_ den

Glauben--daß sein absolutes Wesen Wesen _seines_ Bewußtsein als eines

Selbsts, oder daß es durch das Bewußtsein _hervorgebracht_ sei. Dem

glaubenden Bewußtsein ist sein absolutes Wesen, ebenso wie es ihm

_An-sich_ ist, zugleich nicht wie ein fremdes Ding, welches darin,

man weiß nicht wie und woher, _stünde_, sondern sein Vertrauen

besteht gerade darin, sich als _dieses_ persönliche Bewußtsein darin

zu _finden_, und sein Gehorsam und Dienst darin, es als _sein_

absolutes Wesen durch sein _Tun_ hervorzubringen. Hieran erinnert

eigentlich nur den Glauben die Aufklärung, wenn er rein das _An-sich_

des absoluten Wesens _jenseits_ des _Tuns_ des Bewußtseins ausspricht.

--Aber indem sie zwar der Einseitigkeit des Glaubens das

entgegengesetzte Moment des _Tuns_ desselben gegen das _Sein_, an das

er hier allein denkt, herbei, selbst aber ihre Gedanken ebenso nicht

zusammenbringt, isoliert sie das reine Moment des _Tuns_, und spricht

von dem _An-sich_ des Glaubens aus, daß es _nur_ ein

_Hervorgebrachtes_ des Bewußtseins sei. Das isolierte dem _An-sich_

entgegengesetzte Tun ist aber ein zufälliges Tun, und als ein

vorstellendes ein Erzeugen von Fiktionen--Vorstellungen, die nicht

_an sich_ sind; und so betrachtet sie den Inhalt des Glaubens.

--Umgekehrt aber sagt die reine Einsicht ebenso das Gegenteil. Indem

sie das Moment des _Andersseins_, das der Begriff an ihm hat,

behauptet, spricht sie das Wesen des Glaubens als ein solches aus,

welches das Bewußtsein _nichts angehe, jenseits_ desselben, ihm fremd

und unerkannt sei. Dem Glauben ist es ebenso, wie er einerseits ihm

vertraut, und darin die _Gewißheit seiner selbst_ hat, andererseits

in seinen Wegen unerforschlich, und in seinem Sein unerreichbar.

Ferner behauptet die Aufklärung gegen das glaubende Bewußtsein darin

ein Recht, das es selbst einräumt, wenn sie den Gegenstand seiner

Verehrung als Stein und Holz oder sonst als eine endliche

anthropomorphische Bestimmtheit betrachtet. Denn da es dies

entzweite Bewußtsein ist, ein _Jenseits_ der _Wirklichkeit_ und ein

reines _Diesseits_ von jenem Jenseits zu haben, so ist in ihm in der

Tat _auch_ diese Ansicht des sinnlichen Dinges vorhanden, nach

welcher es _an_ und _für sich gilt_; es bringt aber diese beiden

Gedanken _des An-und-für-sich-seienden_, das ihm einmal das _reine

Wesen_, das anderemal ein gemeines _sinnliches Ding_ ist, nicht

zusammen.--Selbst sein reines Bewußtsein ist von der letztern Ansicht

affiziert, denn die Unterschiede seines übersinnlichen Reichs sind,

weil es des Begriffs entbehrt, eine Reihe von selbstständigen

_Gestalten_ und ihre Bewegung ein _Geschehen_, das heißt, sie sind

nur in der _Vorstellung_, und haben die Weise des sinnlichen Seins an

ihnen.--Die Aufklärung isoliert ihrerseits ebenso die _Wirklichkeit_,

als ein vom Geiste verlassenes Wesen, die Bestimmtheit als eine

unverrückte Endlichkeit, welche nicht in der geistigen Bewegung des

Wesens selbst ein _Moment_ wäre, nicht Nichts, auch nicht ein an und

für sich _seiendes_ Etwas, sondern ein Verschwindendes.

Es ist klar, daß dasselbe bei dem _Grunde_ des _Wissens_ der Fall ist.

Das glaubende Bewußtsein anerkennt selbst ein zufälliges _Wissen_,

denn es hat ein Verhältnis zu Zufälligkeiten, und das absolute Wesen

selbst ist ihm in der Form einer vorgestellten gemeinen Wirklichkeit;

hiemit ist das glaubende Bewußtsein _auch_ eine Gewißheit, welche

nicht die Wahrheit an ihr selbst hat, und es bekennt sich als ein

solches unwesentliches Bewußtsein, diesseits des sich selbst

vergewissernden und bewährenden Geistes.--Dies Moment vergißt es aber

in seinem geistigen unmittelbaren Wissen von dem absoluten Wesen.

--Die Aufklärung aber, welche es daran erinnert, denkt wieder _nur_

an das zufällige Wissen, und vergißt das Andere,--denkt nur an die

Vermittlung, welche durch ein _fremdes_ Drittes geschieht, nicht an

die, worin das Unmittelbare sich selbst das Dritte ist, wodurch es

sich mit dem Andern, nämlich mit _sich selbst_, vermittelt.

Endlich findet sie in ihrer Ansicht des _Tuns_ des Glaubens das

Wegwerfen des Genusses und der Habe unrecht und unzweckmäßig.--Was

das Unrecht betrifft, so erhält sie die Übereinstimmung des

glaubenden Bewußtseins darin, daß dieses selbst diese Wirklichkeit

anerkennt, Eigentum zu besitzen, festzuhalten und zu genießen; es

beträgt sich in der Behauptung des Eigentums um so isolierter und

hartnäckiger, sowie in seinem Genusse um so roher dahingegeben, da

jenseits dieser Wirklichkeit sein religiöses--Besitz und Genuß

_aufgebendes_--Tun fällt und ihm die Freiheit für jene Seite erkauft.

Dieser Dienst der Aufopferung des natürlichen Treibens und Genießens

hat durch diesen Gegensatz in der Tat keine Wahrheit; die

Beibehaltung hat _neben_ der Aufopferung statt; diese ist nur ein

_Zeichen_, das die wirkliche Aufopferung nur an einem kleinen Teile

vollbringt, und sie daher in der Tat nur _vorstellt_.

In Ansehung der _Zweckmäßigkeit_ findet die Aufklärung das Wegwerfen

_einer_ Habe, um von _der_ Habe, die Versagung _eines_ Genusses, um

von _dem_ Genusse sich befreit zu wissen und zu erweisen, für

ungeschickt. Das glaubende Bewußtsein selbst faßt das absolute Tun

als ein _allgemeines_ Tun; nicht nur das Handeln seines absoluten

Wesens als seines Gegenstandes ist ihm ein allgemeines, sondern auch

das einzelne Bewußtsein soll sich ganz und allgemein von seinem

sinnlichen Wesen befreit erweisen. Das Wegwerfen einer _einzelnen_

Habe oder das Verzichttun auf einen _einzelnen_ Genuß ist aber nicht

diese _allgemeine_ Handlung; und indem in der Handlung wesentlich der

_Zweck_, der ein allgemeiner, und die _Ausführung_, die eine einzelne

ist, vor dem Bewußtsein in ihrer Unangemessenheit stehen müßte, so

erweist sie sich als ein solches Handeln, woran das Bewußtsein keinen

Anteil hat, und hiemit dies Handeln eigentlich als zu _naiv_, um eine

Handlung zu sein; es ist zu naiv, zu fasten, um von der Lust der

Mahlzeit sich befreit, zu naiv, sich, wie Origines, andere Lust _vom

Leibe_ wegzuschaffen, um sie abgetan zu erweisen. Die Handlung

selbst erweist sich als ein _äußerliches_ und _einzelnes_ Tun; die

Begierde aber ist _innerlich_ eingewurzelt, und ein _allgemeines_;

ihre Lust verschwindet weder mit dem Werkzeuge noch durch einzelne

Entbehrung.

Die Aufklärung aber isoliert ihrerseits hier das _Innerliche,

Unwirkliche_ gegen die Wirklichkeit, wie sie gegen die Innerlichkeit

des Glaubens in seiner Anschauung und Andacht die Äußerlichkeit der

Dingheit festhielt. Sie legt das Wesentliche in die _Absicht_, in

den _Gedanken_, und erspart dadurch das wirkliche Vollbringen der

Befreiung von den natürlichen Zwecken; im Gegenteil ist diese

Innerlichkeit selbst das Formale, das an den natürlichen Trieben

seine Erfüllung hat, welche eben dadurch gerechtfertigt sind, daß sie

innerlich, daß sie dem _allgemeinen_ Sein, der Natur angehören.

Die Aufklärung hat also über den Glauben darum eine unwiderstehliche

Gewalt, daß sich in seinem Bewußtsein selbst die Momente finden,

welche sie geltend macht. Die Wirkung dieser Kraft näher betrachtet,

so scheint ihr Verhalten gegen ihn die _schöne_ Einheit des

_Vertrauens_ und der unmittelbaren _Gewißheit_ zu zerreißen, sein

_geistiges_ Bewußtsein durch niedrige Gedanken der _sinnlichen_

Wirklichkeit zu verunreinigen, sein in seiner Unterwerfung

_beruhigtes_ und _sicheres_ Gemüt durch die _Eitelkeit_ des

Verstandes und des eigenen Willens und Vollbringens zu zerstören.

Aber in der Tat leitet sie vielmehr die Aufhebung der _gedankenlosen_

oder vielmehr _begrifflosen Trennung_ ein, welche in ihm vorhanden

ist. Das glaubende Bewußtsein führt doppeltes Maß und Gewicht, es

hat zweierlei Augen, zweierlei Ohren, zweierlei Zunge und Sprache, es

hat alle Vorstellungen verdoppelt, ohne diese Doppelsinnigkeit zu

vergleichen. Oder der Glauben lebt in zweierlei Wahrnehmungen, der

einen, der Wahrnehmung des _schlafenden_, rein in begrifflosen

Gedanken, der andern des wachen, rein in der sinnlichen Wirklichkeit

lebenden Bewußtseins, und in jeder führt er eine eigene Haushaltung.

--Die Aufklärung beleuchtet jene himmlische Welt mit den

Vorstellungen der sinnlichen; und zeigte jener diese Endlichkeit auf,

die der Glauben nicht verleugnen kann, weil er Selbstbewußtsein und

hiemit die Einheit ist, welcher beide Vorstellungsweisen angehören,

und worin sie nicht auseinanderfallen, denn sie gehören demselben

untrennbaren _einfachen_ Selbst an, in welches er übergegangen ist.

Der Glauben hat hiedurch den Inhalt, der sein Element erfüllte,

verloren, und sinkt in ein dumpfes Weben des Geistes in ihm selbst

zusammen. Er ist aus seinem Reiche vertrieben, oder dies Reich ist

ausgeplündert, indem alle Unterscheidung und Ausbreitung desselben

das wache Bewußtsein an sich riß, und seine Teile alle der Erde als

ihr Eigentum vindizierte und zurückgab. Aber befriedigt ist er darum

nicht, denn durch diese Beleuchtung ist allenthalben nur einzelnes

Wesen entstanden, so daß den Geist nur wesenlose Wirklichkeit und von

ihm verlaßne Endlichkeit anspricht.--Indem er ohne Inhalt ist und in

dieser Leere nicht bleiben kann, oder indem er über das Endliche, das

der einzige Inhalt ist, hinausgehend nur das Leere findet, ist er ein

_reines Sehnen_; seine Wahrheit ein leeres _Jenseits_, dem sich kein

gemäßer Inhalt mehr finden läßt, denn alles ist anders verwandt.--Der

Glauben ist in der Tat hiemit dasselbe geworden, was die Aufklärung,

nämlich das Bewußtsein der Beziehung des an sich seienden Endlichen

auf das prädikatlose, unerkannte und unerkennbare Absolute; nur _daß

sie_ die _befriedigte, er_ aber die _unbefriedigte_ Aufklärung ist.

Es wird sich jedoch an ihr zeigen, ob sie in ihrer Befriedigung

bleiben kann; jenes Sehnen des trüben Geistes, der über den Verlust

seiner geistigen Welt trauert, steht im Hinterhalte. Sie selbst hat

diesen Makel des unbefriedigten Sehnens an ihr,--_als reinen

Gegenstand_ an ihrem _leeren_ absoluten Wesen,--als _Tun_ und

_Bewegung_ an dem _Hinausgehen_ über ihr Einzelwesen zum unerfüllten

Jenseits,--als _erfüllten Gegenstand_ an der _Selbstlosigkeit_ des

Nützlichen. Sie wird diesen Makel aufheben; aus der nähern

Betrachtung des positiven Resultates, das ihr die Wahrheit ist, wird

sich ergeben, daß er an sich darin schon aufgehoben ist.

b. Die Wahrheit der Aufklärung

Das dumpfe nichts mehr in sich unterscheidende Weben des Geistes ist

also in sich selbst jenseits des Bewußtseins getreten, welches

dagegen sich klar geworden ist.--Das erste Moment dieser Klarheit ist

in seiner Notwendigkeit und Bedingung dadurch bestimmt, daß die reine

Einsicht, oder sie, die _an sich_ Begriff ist, sich verwirklicht; sie

tut dies, indem sie das Anderssein oder die Bestimmtheit an ihr setzt.

Auf diese Weise ist sie negative reine Einsicht, d.i. Negation des

Begriffs; diese ist ebenso rein; und es ist damit das _reine Ding_,

das absolute Wesen, das sonst keine weitere Bestimmung hat, geworden.

Dies näher bestimmt, so ist sie als absoluter Begriff, ein

Unterscheiden von Unterschieden, die keine mehr sind, von

Abstraktionen oder reinen Begriffen, die sich selbst nicht mehr

tragen, sondern nur durch _das Ganze der Bewegung_ Halt und

Unterscheidung haben. Dieses Unterscheiden des Nichtunterschiednen

besteht gerade darin, daß der absolute Begriff sich selbst zu seinem

_Gegenstande_ macht, und jener _Bewegung_ gegenüber sich als das

_Wesen_ setzt. Dies entbehrt hiedurch der Seite, worin die

Abstraktionen oder Unterschiede _auseinandergehalten_ werden, und

wird daher das _reine Denken_ als _reines Ding_.--Dies ist also eben

jenes dumpfe bewußtlose Weben des Geistes in ihm selbst, zu dem der

Glauben herabsank, indem er den unterschiednen Inhalt verlor;--es ist

zugleich jene _Bewegung_ des reinen Selbstbewußtseins, der es das

absolut fremde Jenseits sein soll. Denn weil dies reine

Selbstbewußtsein die Bewegung in reinen Begriffen, in Unterschieden

ist, die keine sind, so fällt es in der Tat in das bewußtlose Weben,

d.i. in das reine _Fühlen_ oder in die reine _Dingheit_ zusammen.

--Der sich selbst entfremdete Begriff--denn er steht hier noch auf

der Stufe dieser Entfremdung--aber erkennt nicht dies _gleiche Wesen_

beider Seiten, der Bewegung des Selbstbewußtseins und seines

absoluten Wesens,--nicht das _gleiche Wesen_ derselben, welches in

der Tat ihre Substanz und Bestehen ist. Indem er diese Einheit nicht

erkennt, so gilt ihm das Wesen nur in der Form des gegenständlichen

Jenseits, das unterscheidende Bewußtsein aber, das auf diese Weise

das An-sich außer ihm hat, als ein endliches Bewußtsein.

Über jenes absolute Wesen gerät die Aufklärung selbst mit sich in den

Streit, den sie vorher mit dem Glauben hatte, und teilt sich in zwei

Parteien. Eine Partei bewährt sich erst dadurch als die _siegende_,

daß sie in zwei Parteien zerfällt; denn darin zeigt sie das Prinzip,

das sie bekämpfte, an ihr selbst zu besitzen, und hiemit die

Einseitigkeit aufgehoben zu haben, in der sie vorher auftrat. Das

Interesse, das sich zwischen ihr und der andern teilte, fällt nun

ganz in sie und vergißt der andern, weil es in ihr selbst den

Gegensatz findet, der es beschäftigt. Zugleich aber ist er in das

höhere siegende Element erhoben worden, worin er geläutert sich

darstellt. So daß also die in einer Partei entstehende Zwietracht,

welche ein Unglück scheint, vielmehr ihr Glück beweist.

Das reine Wesen selbst hat keinen Unterschied an ihm, daher kommt er

so an dasselbe, daß sich zwei solche reine Wesen für das Bewußtsein,

oder ein zweifaches Bewußtsein desselben hervortut.--Das reine

absolute Wesen ist nur in dem reinen Denken, oder vielmehr es ist das

reine Denken selbst, also schlechthin _jenseits_ des endlichen, des

_Selbst_bewußtseins, und nur das negative Wesen. Aber auf diese

Weise ist es eben das _Sein_, das Negative des Selbstbewußtseins.

Als _Negatives_ desselben ist es _auch_ darauf bezogen; es ist das

_äußere Sein_, welches auf es, worin die Unterschiede und

Bestimmungen fallen, bezogen die Unterschiede an ihm erhält,

geschmeckt, gesehen, und so fort, zu werden; und das Verhältnis ist

die _sinnliche_ Gewißheit und Wahrnehmung.

Wird von diesem _sinnlichen_ Sein, worein jenes negative Jenseits

notwendig übergeht, ausgegangen, aber von diesen bestimmten Weisen

der Beziehung des Bewußtseins abstrahiert, so bleibt die reine

_Materie_ übrig als das dumpfe Weben und Bewegen in sich selbst. Es

ist hiebei wesentlich, dies zu betrachten, daß die _reine Materie_

nur das ist, was _übrig_bleibt, wenn wir vom Sehen, Fühlen, Schmecken

und so fort _abstrahieren_, das heißt, sie ist nicht das Gesehene,

Geschmeckte, Gefühlte, und so fort; es ist nicht die _Materie_, die

gesehen, gefühlt, geschmeckt wird, sondern die Farbe, ein Stein, ein

Salz u.s.f.; sie ist vielmehr die _reine Abstraktion_; und dadurch

ist das _reine Wesen_ des _Denkens_ oder das reine Denken selbst

vorhanden, als das nicht in sich unterschiedene, nicht bestimmte,

prädikatlose Absolute.

Die eine Aufklärung nennt das absolute Wesen jenes prädikatlose

Absolute, das jenseits des wirklichen Bewußtseins im Denken ist, von

welchem ausgegangen wurde;--die andere nennt es _Materie_. Wenn sie

als _Natur_ und Geist oder _Gott_ unterschieden würden, so würde dem

bewußtlosen Weben in sich selbst, um Natur zu sein, der Reichtum des

entfalteten Lebens fehlen, dem Geiste oder Gotte das sich in sich

unterscheidende Bewußtsein. Beides ist, wie wir gesehen, schlechthin

derselbe Begriff; der Unterschied liegt nicht in der Sache, sondern

rein nur in dem verschiedenen Ausgangspunkte beider Bildungen, und

darin, daß jede auf einem eigenen Punkte in der Bewegung des Denkens

stehenbleibt. Wenn sie darüber hinwegsetzten, würden sie

zusammentreffen und als dasselbe erkennen, was der einen, wie sie

vorgibt, ein Greuel, der andern eine Torheit ist. Denn der einen ist

das absolute Wesen in ihrem reinen Denken oder unmittelbar für das

reine Bewußtsein, außer dem endlichen Bewußtsein, das _negative_

Jenseits desselben. Würde sie darauf reflektieren, daß teils jene

einfache Unmittelbarkeit des Denkens nichts anderes ist als das

_reine Sein_, teils das, was _negativ_ für das Bewußtsein ist, sich

zugleich darauf bezieht, daß im negativen Urteile das _Ist_ (Kopula)

beide Getrennten ebenso zusammenhält,--so würde sich die Beziehung

dieses Jenseits in der Bestimmung eines _äußern Seienden_ auf das

Bewußtsein ergeben, und hiemit als dasselbe, was _reine Materie

ge_nannt wird; das fehlende Moment der _Gegenwart_ wäre gewonnen.

--Die andere Aufklärung geht von dem sinnlichen Sein aus,

_abstrahiert_ dann von der sinnlichen Beziehung des Schmeckens,

Sehens, und so fort, und macht es zum reinen _An-sich_, zur

_absoluten Materie_, dem nicht Gefühlten noch Geschmeckten; dies Sein

ist auf diese Weise das prädikatlose Einfache, Wesen des _reinen

Bewußtseins_ geworden; es ist der reine Begriff als _an sich_ seiend,

oder das _reine Denken in sich selbst_. Diese Einsicht macht in

ihrem Bewußtsein nicht den entgegengesetzten Schritt vom _Seienden_,

welches _rein_ Seiendes ist, zum Gedachten, das dasselbe ist als das

_Rein_seiende, oder nicht vom rein Positiven zum rein Negativen;

indem doch das Positive _rein_ schlechthin nur durch die Negation ist;

das _rein_ Negative aber, als reines, sich in sich selbst gleich und

eben dadurch positiv ist.--Oder beide sind nicht zum Begriffe der

Cartesischen Metaphysik gekommen, daß _an sich Sein_ und _Denken_

dasselbe ist, nicht zu dem Gedanken, daß _Sein, reines Sein_, nicht

ein _konkretes Wirkliches_ ist, sondern die _reine Abstraktion_; und

umgekehrt das reine Denken, die Sichselbstgleichheit oder das Wesen,

teils das _Negative_ des Selbstbewußtseins und hiemit _Sein_, teils

als unmittelbare Einfachheit ebenso nichts anderes als _Sein_ ist;

das _Denken_ ist _Dingheit_, oder _Dingheit_ ist _Denken_.

Das Wesen hat hier die _Entzweiung_ erst so an ihm, daß es zwei Arten

der Betrachtungsweise angehört; teils muß das Wesen den Unterschied

an ihm selbst haben, teils gehen eben darin die beiden

Betrachtungsarten in _eine_ zusammen; denn die abstrakten Momente des

reinen Seins und des Negativen, wodurch sie sich unterscheiden, sind

alsdenn in dem Gegenstande dieser Betrachtungsweisen vereinigt.--Das

gemeinschaftliche Allgemeine ist die Abstraktion des reinen

Erzitterns in sich selbst, oder des reinen Sich-selbst-denkens.

Diese einfache achsendrehende Bewegung muß sich auseinanderwerfen,

weil sie selbst nur Bewegung ist, indem sie ihre Momente

unterscheidet. Diese Unterscheidung der Momente läßt das Unbewegte

als die leere Hülse des reinen _Seins_, das kein wirkliches Denken,

kein Leben in sich selbst mehr ist, zurück; denn sie ist als der

Unterschied aller Inhalt. Sie, die sich _außer_ jener _Einheit_

setzt, ist aber hiemit der _nicht in sich zurückkehrende_ Wechsel der

Momente, des _An-sich-_ und des _Für-ein-Anderes-_ und des

_Für-sich-seins_;--die Wirklichkeit, wie sie Gegenstand für das

wirkliche Bewußtsein der reinen Einsicht ist,--die _Nützlichkeit_.

So schlecht die Nützlichkeit dem Glauben, oder der Empfindsamkeit,

oder auch der sich Spekulation nennenden Abstraktion, welche sich das

_An-sich_ fixiert, aussehen mag, so ist sie es, worin die reine

Einsicht ihre Realisierung vollendet, und sich selbst ihr

_Gegenstand_ ist, den sie nun nicht mehr verleugnet, und der auch

nicht den Wert des Leeren oder des reinen Jenseits für sie hat. Denn

die reine Einsicht ist, wie wir sahen, der seiende Begriff selbst,

oder die sich selbst gleiche reine Persönlichkeit, so sich in sich

unterscheidend, daß jedes der unterschiedenen selbst reiner Begriff,

das heißt unmittelbar nicht unterschieden ist; sie ist einfaches

reines Selbstbewußtsein, welches ebensowohl _für sich_ als _an sich_

in einer unmittelbaren Einheit ist. Sein _An-sich-sein_ ist daher

nicht bleibendes _Sein_, sondern hört unmittelbar auf, in seinem

Unterschiede etwas zu sein; ein solches Sein aber, das unmittelbar

keinen Halt hat, ist nicht _an sich_, sondern wesentlich _für ein

Anders_, das die Macht ist, die es absorbiert. Aber dies zweite dem

ersten, dem _An-sich_-sein, entgegengesetzte Moment verschwindet

ebenso unmittelbar als das erste, oder als _Sein nur für Anderes_ ist

es vielmehr das _Verschwinden_ selbst, und es ist das

In-sich-_zurückgekehrt-_, das _Für-sich-sein gesetzt_. Dies einfache

Für-sich-sein ist aber als die Sichselbstgleichheit vielmehr _ein

Sein_, oder damit _für ein Anderes_.--Diese Natur der reinen Einsicht

in der _Entfaltung ihrer Momente_ oder sie als _Gegenstand_ drückt

das Nützliche aus. Es ist ein _an sich_ bestehendes oder Ding, dies

An-sich-sein ist zugleich nur reines Moment; es ist somit absolut

_für ein Anderes_, aber es ist ebenso nur für ein Anderes, als es an

sich ist; diese entgegengesetzten Momente sind in die unzertrennliche

Einheit des Für-sich-seins zurückgekehrt. Wenn aber das Nützliche

wohl den Begriff der reinen Einsicht ausdrückt, so ist es jedoch

nicht als solche, sondern sie als _Vorstellung_ oder als ihr

_Gegenstand_; es ist nur der rastlose Wechsel jener Momente, deren

eines zwar das In-sich-selbst-zurückgekehrt-sein selbst ist, aber nur

als _Für-sich_-sein, d.h. als ein abstraktes gegen die andern auf die

Seite tretendes Moment. Das Nützliche selbst ist nicht das negative

Wesen, diese Momente in ihrer Entgegensetzung zugleich _ungetrennt_

in _ein_ und _derselben Rücksicht_, oder als ein _Denken_ an sich zu

haben, wie sie als reine Einsicht sind; das Moment des

_Für-sich-seins_ ist wohl an dem Nützlichen, aber nicht so, daß es

über die andern Momente, das _An-sich_ und das _Sein für Anderes,

übergreift_, und somit das _Selbst_ wäre. Die reine Einsicht hat

also an dem Nützlichen ihren eigenen Begriff in seinen _reinen_

Momenten zum _Gegenstande_; sie ist das Bewußtsein dieser

_Metaphysik_, aber noch nicht das Begreifen derselben; es ist noch

nicht zu der _Einheit_ des _Seins_ und des _Begriffs_ selbst gekommen.

Weil das Nützliche noch die Form eines Gegenstandes für sie hat,

hat sie eine zwar nicht mehr an und für sich seiende, aber doch noch

eine _Welt_, welche sie von sich unterscheidet. Allein indem die

Gegensätze auf die Spitze des Begriffes herausgetreten sind, wird

dies die nächste Stufe sein, daß sie zusammenstürzen, und die

Aufklärung die Früchte ihrer Taten erfährt.

Den erreichten Gegenstand in Beziehung auf diese ganze Sphäre

betrachtet, so hatte die wirkliche Welt der Bildung sich in die

_Eitelkeit_ des Selbstbewußtseins zusammengefaßt,--in das

_Für-sich-sein_, das ihre Verworrenheit noch zu seinem Inhalte hat,

und noch der _einzelne_ Begriff, noch nicht der für sich _allgemeine_

ist. In sich aber zurückgekehrt ist er die _reine Einsicht_--das

reine Bewußtsein als das reine _Selbst_, oder die Negativität, wie

der Glauben ebendasselbe als das _reine Denken_ oder die Positivität.

Der Glauben hat in jenem Selbst das ihn vervollständigende Moment;

--aber durch diese Ergänzung untergehend, ist es nun an der reinen

Einsicht, daß wir die beiden Momente sehen, als das absolute Wesen,

das rein _gedacht_ oder Negatives--und als _Materie_, die das

positive _Seiende_ ist.--Es fehlt dieser Vollständigkeit noch jene

_Wirklichkeit_ des Selbstbewußtseins, welche dem _eiteln_ Bewußtsein

angehört--die Welt, aus welcher das Denken sich zu sich erhob. Dies

Fehlende ist in der Nützlichkeit insofern erreicht, als die reine

Einsicht daran die positive Gegenständlichkeit erlangte; sie ist

dadurch wirkliches in sich befriedigtes Bewußtsein. Diese

Gegenständlichkeit macht nun ihre _Welt_ aus; sie ist die Wahrheit

der vorhergehenden ganzen, der ideellen wie der reellen Welt geworden.

Die erste Welt des Geistes ist das ausgebreitete Reich seines sich

zerstreuenden Daseins und der vereinzelnten _Gewißheit_ seiner selbst;

wie die Natur ihr Leben in unendlich mannigfaltige Gestalten

zerstreut, ohne daß die _Gattung_ derselben vorhanden wäre. Die

zweite enthält die _Gattung_, und ist das Reich des _An-sich-seins_

oder der _Wahrheit_, entgegengesetzt jener Gewißheit. Das dritte

aber, das Nützliche, ist die _Wahrheit_, welche ebenso die

_Gewißheit_ seiner selbst ist. Dem Reiche der Wahrheit des

_Glaubens_ fehlt das Prinzip der _Wirklichkeit_ oder Gewißheit seiner

selbst als dieses _Einzelnen_. Der Wirklichkeit aber oder Gewißheit

seiner selbst als dieses Einzelnen fehlt das _An-sich_. In dem

Gegenstande der reinen Einsicht sind beide Welten vereinigt. Das

Nützliche ist der Gegenstand, insofern das Selbstbewußtsein ihn

durchschaut, und die _einzelne Gewißheit_ seiner selbst, seinen Genuß

(sein _Für-sich-sein_) in ihm hat; es _sieht_ ihn auf diese Weise

_ein_, und diese Einsicht enthält das _wahre_ Wesen des Gegenstandes

(ein Durchschautes oder _für ein Anderes_ zu sein); sie ist also

selbst _wahres Wissen_, und das Selbstbewußtsein hat ebenso

unmittelbar die allgemeine Gewißheit seiner selbst, sein _reines

Bewußtsein_ in diesem Verhältnisse, in welchem also ebenso _Wahrheit_

wie Gegenwart und _Wirklichkeit_ vereinigt sind. Beide Welten sind

versöhnt, und der Himmel auf die Erde herunter verpflanzt.

Phänomenologie des Geistes · 第 39 / 46 题