Weil nun diese Mitte sich als die Äußerung bestimmt, welche zugleich

ins Innere zurückgenommen ist, ist ihr Dasein nicht auf das

unmittelbare Organ des Tuns eingeschränkt, sie ist vielmehr die

nichts vollbringende Bewegung und Form des Gesichts und der

Gestaltung überhaupt. Diese Züge und ihre Bewegung sind nach diesem

Begriffe das zurückgehaltne an dem Individuum bleibende Tun, und nach

seiner Beziehung auf das wirkliche Tun das eigene Beaufsichtigen und

Beobachten desselben, _Äußerung_ als _Reflexion über_ die wirkliche

Äußerung.--Das Individuum ist zu und bei seinem äußern Tun darum

nicht stumm, weil es dabei zugleich in sich reflektiert ist, und es

äußert dies In-sich-reflektiert-sein; dies theoretische Tun oder die

Sprache des Individuums mit sich selbst darüber ist auch vernehmlich

für andere, denn sie ist selbst eine Äußerung.

An diesem Innern, welches in seiner Äußerung Inneres bleibt, wird

also das Reflektiert_sein_ des Individuums aus seiner Wirklichkeit

beobachtet, und es ist zu sehen, welche Bewandtnis es mit dieser

Notwendigkeit hat, die in dieser Einheit gesetzt ist.--Dies

Reflektiertsein ist zuerst verschieden von der Tat selbst, und kann

also etwas _anderes_ sein und für etwas anderes genommen werden, als

sie ist; man sieht es einem am Gesicht an, ob es ihm _Ernst_ mit dem

ist, was er sagt oder tut.--Umgekehrt aber ist dieses, was Ausdruck

des Innern sein soll, zugleich _seiender_ Ausdruck, und fällt hiemit

selbst in die Bestimmung des _Seins_ herunter, das absolut zufällig

für das selbstbewußte Wesen ist. Es ist daher wohl Ausdruck, aber

zugleich auch nur wie ein _Zeichen_, so daß dem ausgedrückten Inhalte

die Beschaffenheit dessen, wodurch es ausgedrückt wird, vollkommen

gleichgültig ist. Das Innere ist in dieser Erscheinung wohl

_sichtbares_ Unsichtbares, aber ohne an sie geknüpft zu sein; es kann

ebensowohl in einer andern Erscheinung sein, als ein anderes Inneres

in derselben Erscheinung sein kann.--Lichtenberg sagt daher mit Recht:

_Gesetzt, der Physiognom haschte den Menschen einmal, so käme es nur

auf einen braven Entschluß an, sich wieder auf Jahrtausende

unbegreiflich zu machen_.--Wie in dem vorhergehenden Verhältnisse die

vorliegenden Umstände ein Seiendes waren, woraus die Individualität

sich das nahm, was _sie_ vermochte und wollte, entweder sich ihm

ergebend oder es verkehrend, aus welchem Grunde es die Notwendigkeit

und das Wesen der Individualität nicht enthielt,--ebenso ist hier das

erscheinende unmittelbare Sein der Individualität ein solches, das

entweder ihr Reflektiertsein aus der Wirklichkeit und ihr

In-sich-sein ausdrückt, oder das für sie nur ein Zeichen ist, das

gleichgültig gegen das Bezeichnete, und darum in Wahrheit nichts

bezeichnet; es ist ihr ebensowohl ihr Gesicht als ihre Maske, die sie

ablegen kann.--Sie durchdringt ihre Gestalt, bewegt sich, spricht in

ihr; aber dies ganze Dasein tritt ebenso als ein gleichgültiges Sein

gegen den Willen und die Handlung über; sie tilgt an ihm die

Bedeutung, die es vorhin hatte, ihr Reflektiertsein in sich oder ihr

wahres Wesen an ihm zu haben, und legt es umgekehrt vielmehr in den

Willen und in die Tat.

Die Individualität _gibt dasjenige In-sich-reflektiert-sein auf_,

welches in den _Zügen_ ausgedrückt ist, und _legt ihr Wesen_ in _das

Werk_. Hierin widerspricht sie dem Verhältnisse, welches von dem

Vernunftinstinkte, der sich auf das Beobachten der selbstbewußten

Individualität legt, in Ansehung dessen, was ihr _Inneres_ und

_Äußeres_ sein soll, festgesetzt wird. Dieser Gesichtspunkt führt

uns auf den eigentlichen Gedanken, der der physiognomischen--wenn man

so will--_Wissenschaft_ zum Grunde liegt. Der Gegensatz, auf welchen

dies Beobachten geraten, ist der Form nach der Gegensatz von

Praktischem und Theoretischem, beides nämlich innerhalb des

Praktischen selbst gesetzt,--von der sich im Handeln, dies im

allgemeinsten Sinne genommen, verwirklichenden Individualität, und

derselben, wie sie in diesem Handeln zugleich daraus heraus, in sich

reflektiert, und es ihr Gegenstand ist. Das Beobachten nimmt diesen

Gegensatz nach demselben verkehrten Verhältnisse auf, worin er sich

in der Erscheinung bestimmt. Für das _unwesentliche Äußere_ gilt ihm

die _Tat_ selbst und das Werk, es sei der Sprache oder einer

befestigtem Wirklichkeit,--für das _wesentliche Innre_ aber das

_In-sich-sein_ der Individualität. Unter den beiden Seiten, welche

das praktische Bewußtsein an ihm hat, dem Beabsichten und der

Tat--dem _Meinen_ über seine Handlung und der _Handlung_ selbst--,

wählt die Beobachtung jene Seite zum wahren Innern; dieses soll seine

mehr oder weniger _unwesentliche_ Äußerung an der Tat, seine wahre

aber an seiner Gestalt haben. Die letztere Äußerung ist unmittelbare

sinnliche Gegenwart des individuellen Geistes; die Innerlichkeit, die

die wahre sein soll, ist die Eigenheit der Absicht und die

Einzelnheit des Für-sich-seins; beides der _gemeinte_ Geist. Was das

Beobachten zu seinen Gegenständen hat, ist also _gemeintes_ Dasein,

und zwischen solchem sucht es Gesetze auf.

Das unmittelbare Meinen über die gemeinte Gegenwart des Geistes ist

die natürliche Physiognomik, das vorschnelle Urteil über die innre

Natur und den Charakter ihrer Gestalt bei ihrem ersten Anblicke. Der

Gegenstand dieser Meinung ist von der Art, daß es in seinem Wesen

liegt, in Wahrheit etwas anderes zu sein, als nur sinnliches

unmittelbares Sein. Es ist zwar auch eben dieses im Sinnlichen aus

ihm In-sich-reflektiert-sein, was gegenwärtig, die Sichtbarkeit als

Sichtbarkeit des Unsichtbaren, was Gegenstand des Beobachtens ist.

Aber eben diese sinnliche unmittelbare Gegenwart ist _Wirklichkeit_

des Geistes, wie sie nur für die Meinung ist; und das Beobachten

treibt sich nach dieser Seite mit seinem gemeinten Dasein, mit der

Physiognomie, Handschrift, Ton der Stimme u.s.f. herum.--Es bezieht

solches Dasein auf ebensolches _gemeintes Innres_. Es ist nicht der

Mörder, der Dieb, welcher erkannt werden soll, sondern die _Fähigkeit,

es zu sein_; die feste abstrakte Bestimmtheit verliert sich dadurch

in die konkrete unendliche Bestimmtheit des _einzelnen_ Individuums,

die nun kunstreichere Schildereien erfordert, als jene

Qualifikationen sind. Solche kunstreichen Schildereien sagen wohl

mehr als die Qualifikation durch Mörder, Diebe, oder gutherzig,

unverdorben u.s.f., aber für ihren Zweck das gemeinte Sein oder die

einzelne Individualität auszusprechen, bei weitem nicht genug;

sowenig als die Schildereien der Gestalt, welche über die flache

Stirne, lange Nase u.s.f. hinausgehen. Denn die einzelne Gestalt wie

das einzelne Selbstbewußtsein ist als gemeintes Sein unaussprechlich.

Die Wissenschaft der Menschenkenntnis, welche auf den vermeinten

Menschen, sowie der Physiognomik, die auf seine vermeinte

Wirklichkeit geht und das bewußtlose Urteilen der natürlichen

Physiognomik zu einem Wissen erheben will, ist daher etwas End- und

Bodenloses, das nie dazu kommen kann, zu sagen, was es meint, weil es

nur meint, und sein Inhalt nur Gemeintes ist.

Die _Gesetze_, welche diese Wissenschaft zu finden ausgeht, sind

Beziehungen dieser beiden gemeinten Seiten, und können daher selbst

nichts als ein leeres Meinen sein. Auch da dies vermeinte Wissen,

das mit der Wirklichkeit des Geistes sich zu tun macht, gerade dies

zu seinem Gegenstande hat, daß er aus seinem sinnlichen Dasein heraus

sich in sich reflektiert, und das bestimmte Dasein für ihn eine

gleichgültige Zufälligkeit ist, so muß es bei seinen aufgefundenen

Gesetzen unmittelbar wissen, daß nichts damit gesagt ist, sondern

eigentlich rein geschwatzt oder nur _eine Meinung von sich_ gegeben

wird; ein Ausdruck, der die Wahrheit hat, dies als dasselbe

auszusprechen--seine _Meinung_ zu sagen und damit nicht die Sache,

sondern nur eine Meinung _von sich_ beizubringen. Dem _Inhalte_ nach

aber können diese Beobachtungen nicht von denen abweichen: "Es regnet

allemal, wenn wir Jahrmarkt haben, sagt der Krämer; und auch allemal,

wenn ich Wäsche trockne, sagt die Hausfrau."

Lichtenberg, der das physiognomische Beobachten so charakterisiert,

sagt auch noch dies: "Wenn jemand sagte, du handelst zwar wie ein

ehrlicher Mann, ich sehe es aber aus deiner Figur, du zwingst dich,

und bist ein Schelm im Herzen; fürwahr, eine solche Anrede wird bis

ans Ende der Welt von jedem braven Kerl mit einer Ohrfeige erwidert

werden."--Diese Erwiderung ist deswegen _treffend_, weil sie die

Widerlegung der ersten Voraussetzung einer solchen Wissenschaft des

Meinens ist, daß nämlich _die Wirklichkeit_ des Menschen sein Gesicht

u.s.f. sei.--Das _wahre Sein_ des Menschen ist vielmehr _seine Tat_;

in ihr ist die Individualität _wirklich_, und sie ist es, welche das

_Gemeinte_ in seinen beiden Seiten aufhebt. Einmal das Gemeinte als

ein leibliches ruhendes Sein; die Individualität stellt sich vielmehr

in der Handlung als das _negative_ Wesen dar, welches nur _ist_,

insofern es Sein aufhebt. Alsdenn hebt die Tat die

Unaussprechlichkeit der Meinung ebenso in Ansehung der selbstbewußten

Individualität auf, welche in der Meinung eine unendlich bestimmte

und bestimmbare ist. In der vollbrachten Tat ist diese schlechte

Unendlichkeit vernichtet. Die Tat ist ein einfach Bestimmtes,

Allgemeines, in einer Abstraktion zu Befassendes; sie ist Mord,

Diebstahl, oder Wohltat, tapfere Tat und so fort, und es kann von ihr

_gesagt_ werden, was _sie ist_. Sie _ist_ dies, und ihr Sein ist

nicht nur ein Zeichen, sondern die Sache selbst. Sie _ist_ dies, und

der individuelle Mensch _ist_, was sie _ist_; in der Einfachheit

_dieses Seins_ ist er für Andere seiendes, allgemeines Wesen, und

hört auf, nur gemeintes zu sein. Er ist zwar darin nicht als Geist

gesetzt; aber indem von seinem _Sein_ als Sein die Rede, und

_einerseits_ das gedoppelte Sein, der _Gestalt_ und der _Tat_, sich

gegenübersteht und jene wie diese seine Wirklichkeit sein soll, so

ist vielmehr nur die Tat als sein _echtes Sein_ zu behaupten,--nicht

seine Figur, welche das ausdrücken sollte, was er zu seinen Taten

meint, oder was man meinte, daß er tun nur könnte. Ebenso indem

_andererseits_ sein _Werk_ und seine innre _Möglichkeit_, Fähigkeit

oder Absicht, entgegengesetzt werden, ist jenes allein für seine

wahre Wirklichkeit anzusehen, wenn auch er selbst sich darüber

täuscht, und, aus seiner Handlung in sich gekehrt, in diesem Innern

ein anderes zu sein meint als in der _Tat_. Die Individualität, die

sich dem gegenständlichen Elemente anvertraut, indem sie zum Werke

wird, gibt sich damit wohl dem preis, verändert und verkehrt zu

werden. Aber den Charakter der Tat macht eben dies aus, ob sie ein

wirkliches Sein ist, das sich hält, oder ob nur ein gemeintes Werk,

das in sich nichtig vergeht. Die Gegenständlichkeit verändert nicht

die Tat selbst, sondern zeigt nur, _was_ sie ist, das heißt, ob sie

_ist_, oder ob sie _nichts ist_.--Die Zergliederung dieses Seins in

Absichten und dergleichen Feinheiten, wodurch der _wirkliche_ Mensch,

d.h. seine Tat, wieder in ein gemeintes Sein zurückerklärt werden

soll, wie er wohl selbst auch sich besondere Absichten über seine

Wirklichkeit erschaffen mag, müssen dem Müßggange der Meinung

überlassen bleiben, der, wenn er seine tatenlose Weisheit ins Werk

richten, den Charakter der Vernunft am Handelnden ableugnen und ihn

auf diese Weise mißhandeln will, daß er statt der Tat vielmehr die

Figur und die Züge für das Sein desselben erklären will, die obige

Erwiderung zu befahren hat, die ihm erweist, daß Figur nicht das

_An-sich_ ist, sondern vielmehr ein Gegenstand der Behandlung sein

kann.

Sehen wir nun auf den Umfang der Verhältnisse überhaupt, in welchen

die selbstbewußte Individualität zu ihrem Äußern stehend beobachtet

werden kann, so wird eines zurück sein, welches die Beobachtung sich

noch zu ihrem Gegenstande machen muß. In der Psychologie ist es die

_äußere Wirklichkeit_ der _Dinge_, welche an dem Geiste ihr sich

bewußtes _Gegenbild_ haben und ihn begreiflich machen soll. In der

Physiognomik dagegen soll er in seinem _eignen_ Äußern als in einem

Sein, welches die _Sprache_--die sichtbare Unsichtbarkeit seines

Wesens--sei, erkannt werden. Noch ist die Bestimmung der Seite der

Wirklichkeit übrig, daß die Individualität an ihrer unmittelbaren,

festen, rein daseienden Wirklichkeit ihr Wesen ausspreche.--Diese

letzte Beziehung unterscheidet sich also von der physiognomischen

dadurch, daß diese die _sprechende_ Gegenwart des Individuums ist,

das in seiner _handelnden_ Äußerung zugleich die sich in sich

_reflektierende_ und _betrachtende_ darstellt, eine Äußerung, welche

selbst Bewegung ist, ruhende Züge, welche selbst wesentlich ein

vermitteltes Sein sind. In der noch zu betrachtenden Bestimmung aber

ist endlich das Äußere eine ganz _ruhende_ Wirklichkeit, welche nicht

an ihr selbst redendes Zeichen, sondern getrennt von der

selbstbewußten Bewegung sich für sich darstellt und als bloßes Ding

ist.

Zunächst erhellt über die Beziehung des Innern auf dies sein Äußeres,

daß sie als Verhältnis des _Kausalzusammenhangs_ begriffen werden zu

müssen scheint, indem die Beziehung eines Ansichseienden auf ein

anderes Ansichseiendes, als eine _notwendige_, dies Verhältnis ist.

Daß nun die geistige Individualität auf den Leib Wirkung habe, muß

sie als Ursache selbst leiblich sein. Das Leibliche aber, worin sie

als Ursache ist, ist das Organ, aber nicht des Tuns gegen die äußere

Wirklichkeit, sondern des Tuns des selbstbewußten Wesens in sich

selbst, nach außen nur gegen seinen Körper; es ist nicht sogleich

abzusehen, welches diese Organe sein können. Würde nur an die Organe

überhaupt gedacht, so würde das Organ der Arbeit überhaupt leicht bei

der Hand sein, ebenso das Organ des Geschlechtstriebes, und so fort.

Allein solche Organe sind als Werkzeuge oder als Teile zu betrachten,

welche der Geist als _ein_ Extrem zur Mitte gegen das andere Extrem,

das äußerer _Gegenstand_ ist, hat. Hier aber ist ein Organ

verstanden, worin das selbstbewußte Individuum als Extrem gegen seine

eigne ihm entgegengesetzte Wirklichkeit sich _für sich_ erhält, nicht

zugleich nach außen gekehrtes, sondern in seiner Handlung

reflektiertes, und woran die Seite des _Seins_ nicht ein _Sein für

anderes_ ist. In der physiognomischen Beziehung wird das Organ zwar

auch als in sich reflektiertes und das Tun besprechendes Dasein

betrachtet; aber dies Sein ist ein gegenständliches, und das Resultat

der physiognomischen Beobachtung ist dieses, daß das Selbstbewußtsein

gegen eben diese seine Wirklichkeit als gegen etwas Gleichgültiges

gegenübertritt. Diese Gleichgültigkeit verschwindet darin, daß dies

In-sich-reflektiert-sein selbst _wirkend_ ist; dadurch erhält jenes

Dasein eine notwendige Beziehung auf es; daß es aber auf das Dasein

wirkend sei, muß es selbst ein aber nicht eigentlich gegenständliches

Sein haben, und als dies Organ soll es aufgezeigt werden.

Im gemeinen Leben nun wird der Zorn zum Beispiel, als ein solches

inneres Tun, in die Leber verlegt; Plato gibt ihr sogar noch etwas

Höheres, das nach einigen sogar das Höchste ist, zu, nämlich die

Prophezeihung oder die Gabe, das Heilige und Ewige

unvernünftigerweise auszusprechen. Allein die Bewegung, welche das

Individuum in der Leber, dem Herzen und so fort hat, kann nicht als

die ganz in sich reflektierte Bewegung desselben angesehen werden,

sondern sie ist darin vielmehr so, daß sie ihm schon in den Leib

geschlagen ist, und ein animalisches heraus gegen die Äußerlichkeit

sich wendendes Dasein hat.

Das _Nervensystem_ hingegen ist die unmittelbare Ruhe des Organischen

in seiner Bewegung. Die _Nerven_ selbst sind zwar wieder die Organe

des schon in seine Richtung nach außen versenkten Bewußtseins; Gehirn

und Rückenmark aber dürfen als die in sich bleibende--die nicht

gegenständliche, die auch nicht hinausgehende--unmittelbare Gegenwart

des Selbstbewußtseins betrachtet werden. Insofern das Moment des

Seins, welches dies Organ hat, ein _Sein für Anderes_, Dasein ist,

ist es totes Sein, nicht mehr Gegenwart des Selbstbewußtseins. Dies

_In-sich-selbst-sein_ ist aber seinem Begriffe nach eine Flüssigkeit,

worin die Kreise, die darein geworfen werden, sich unmittelbar

auflösen, und kein Unterschied als _seiender_ sich ausdrückt.

Inzwischen wie der Geist selbst nicht ein Abstrakt-Einfaches ist,

sondern ein System von Bewegungen, worin er sich in Momente

unterscheidet, in dieser Unterscheidung selbst aber frei bleibt, und

wie er seinen Körper überhaupt zu verschiedenen Verrichtungen

gliedert, und einen einzelnen Teil desselben nur _einer_ bestimmt, so

kann auch sich vorgestellt werden, daß das flüssige _Sein_ seines

_In-sich_-seins ein gegliedertes ist; und es scheint so vorgestellt

werden zu müssen, weil das in sich reflektierte _Sein_ des Geistes im

Gehirn selbst wieder nur eine Mitte seines reinen Wesens und seiner

körperlichen Gegliederung ist, eine Mitte, welche hiemit von der

Natur beider und also von der Seite der letztern auch die _seiende_

Gegliederung wieder an ihr haben muß.

Das geistig-organische Sein hat zugleich die notwendige Seite eines

_ruhenden bestehenden_ Daseins; jenes muß als Extrem des

Für-sich-seins zurücktreten, und diese als das andere Extrem

gegenüber haben, welches alsdenn der Gegenstand ist, worauf jenes als

Ursache wirkt. Wenn nun Gehirn und Rückenmark jenes körperliche

_Für-sich-sein_ des Geistes ist, so ist der Schädel und die

Rückenwirbelsäule das andere ausgeschiedne Extrem hinzu, nämlich das

feste ruhende Ding.--Indem aber jedem, wenn er an den eigentlichen

Ort des Daseins des Geistes denkt, nicht der Rücken, sondern nur der

Kopf einfällt, so können wir uns in der Untersuchung eines Wissens,

als das vorliegende ist, mit diesem--für es nicht zu

schlechten--Grunde begnügen, um dies Dasein auf den Schädel

einzuschränken. Sollte einem der Rücken insofern einfallen, als auch

wohl zuweilen durch ihn Wissen und Tun zum Teil _ein_-, zum Teil aber

_aus_getrieben wird, so würde dies dafür, daß das Rückenmark mit zum

inwohnenden Orte des Geistes, und seine Säule zum gegenbildlichen

Dasein genommen werden müsse, darum nichts beweisen, weil es zuviel

bewiese; denn man kann ebenso sich erinnern, daß auch andere

äußerliche Wege, der Tätigkeit des Geistes beizukommen, um sie zu

erwecken oder zurückzuhalten, beliebt werden.--Die Rückenwirbelsäule

fällt also, wenn man will, _mit Recht_ hinweg; und es ist so gut als

viele andere naturphilosophische Lehren _konstruiert_, daß der

Schädel allein zwar nicht die _Organe_ des Geistes enthalte. Denn

dies wurde vorhin aus dem Begriffe dieses Verhältnisses

ausgeschlossen, und deswegen der Schädel zur Seite des Daseins

genommen; oder wenn nicht an den _Begriff_ der Sache erinnert werden

dürfte, so lehrt ja die Erfahrung, daß wie mit dem Auge als Organe

gesehen, so _nicht_ mit dem Schädel gemordet, gestohlen, gedichtet u.

s.w. wird.--Es ist sich deswegen auch des Ausdrucks _Organ_ für

diejenige _Bedeutung_ des Schädels zu enthalten, von welcher noch zu

sprechen ist. Denn ob man gleich zu sagen pflegt, daß es

vernünftigen Menschen nicht auf das Wort, sondern auf die _Sache_

ankomme, so ist daraus doch nicht die Erlaubnis zu nehmen, eine Sache

mit einem ihr nicht zugehörigen Worte zu bezeichnen, denn dies ist

Ungeschicklichkeit zugleich und Betrug, der nur das rechte _Wort_

nicht zu haben meint und vorgibt, und es sich verbirgt, daß ihm in

der Tat die Sache, d.h. der Begriff, fehlt; wenn dieser vorhanden

wäre, würde er auch sein rechtes Wort haben.--Zunächst hat sich hier

nur dies bestimmt, daß wie das Gehirn der lebendige Kopf, der Schädel

das caput mortuum ist.

In diesem toten Sein hätten also die geistigen Bewegungen und

bestimmten Weisen des Gehirns ihre Darstellung äußerer Wirklichkeit,

die jedoch noch an dem Individuum selbst ist, sich zu geben. Für das

Verhältnis derselben zu ihm, der als totes Sein den Geist nicht in

sich selbst inwohnen hat, bietet sich zunächst das oben festgesetzte,

das äußere mechanische dar, so daß die eigentlichen Organe--und diese

sind am Gehirne--ihn hier rund ausdrücken, dort breit schlagen oder

platt stoßen, oder wie man sonst diese Einwirkung darstellen mag.

Selbst ein Teil des Organismus, muß in ihm zwar, wie in jedem Knochen,

eine lebendige Selbstbildung gedacht werden, so daß, hiernach

betrachtet, er von seiner Seite vielmehr das Gehirn drückt und dessen

äußere Beschränkung setzt; wozu er auch als das Härtere eher das

Vermögen hat. Dabei aber würde noch immer dasselbe Verhältnis in der

Bestimmung der Tätigkeit beider gegeneinander bleiben; denn ob der

Schädel das Bestimmende oder das Bestimmte ist, dies änderte an dem

Kausalzusammenhange überhaupt nichts, nur daß dann der Schädel zum

unmittelbaren Organe des Selbstbewußtseins gemacht würde, weil in ihm

als _Ursache_ sich die Seite des _Für-sich-seins_ fände. Allein

indem das _Für-sich-sein_ als _organische Lebendigkeit in beide_ auf

gleiche Weise fällt, fällt in der Tat der Kausalzusammenhang zwischen

ihnen hinweg. Diese Fortbildung beider aber hinge im Innern zusammen,

und wäre eine organische prästabilierte Harmonie, welche die beiden

sich aufeinander beziehenden Seiten frei gegeneinander und jeder ihre

eigene _Gestalt_ läßt, der die Gestalt der andern nicht zu

entsprechen braucht; und noch mehr die Gestalt und die Qualität

gegeneinander--wie die Form der Weinbeere und der Geschmack des

Weines frei gegeneinander sind.--Indem aber auf die Seite des Gehirns

die Bestimmung des _Für-sich-seins_, auf die Seite des Schädels aber

die Bestimmung des _Daseins_ fällt, so ist innerhalb der organischen

Einheit _auch_ ein Kausalzusammenhang derselben zu setzen; eine

notwendige Beziehung derselben als äußere füreinander, d.h. eine

selbst äußerliche, wodurch also ihre _Gestalt_ durch einander

bestimmt würde.

In Ansehung der Bestimmung aber, in welcher das Organ des

Selbstbewußtseins auf die gegenüberstehende Seite tätige Ursache wäre,

kann auf mancherlei Weise hin und her geredet werden; denn es ist

von der Beschaffenheit einer Ursache die Rede, die nach ihrem

_gleichgültigen_ Dasein, ihrer Gestalt und Größe betrachtet wird,

einer Ursache, deren Innres und Für-sich-sein gerade ein solches sein

soll, welches das unmittelbare Dasein nichts angeht. Die organische

Selbstbildung des Schädels ist zuerst gleichgültig gegen die

mechanische Einwirkung, und das Verhältnis dieser beiden Verhältnisse

ist, da jenes das Sich-auf-sich-selbst-beziehen ist, eben diese

Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit selbst. Alsdenn wenn auch das

Gehirn die Unterschiede des Geistes zu seienden Unterschieden in sich

aufnähme und eine Vielheit innerer einen verschiedenen Raum

einnehmenden Organe wäre--was der Natur widerspricht, welche den

Momenten des Begriffs ein eigenes Dasein gibt, und daher die

_flüssige Einfachheit_ des organischen Lebens _rein auf eine Seite_,

und die _Artikulation_ und _Einteilung_ desselben ebenso in seinen

Unterschieden auf die _andere_ Seite stellt, so daß sie, wie sie hier

gefaßt werden sollen, als besondere anatomische Dinge sich zeigen--,

so würde es unbestimmt sein, ob ein geistiges Moment, je nachdem es

ursprünglich stärker oder schwächer wäre, entweder in jenem Falle ein

_expandierteres_, in diesem ein _kontrahierteres_ Gehirnorgan

besitzen müßte, oder auch gerade umgekehrt.--Ebenso ob seine

_Ausbildung_ das Organ vergrößerte oder verkleinerte, ob es dasselbe

plumper und dicker oder feiner machte. Dadurch, daß es unbestimmt

bleibe, wie die Ursache beschaffen ist, ist es ebenso unbestimmt

gelassen, wie die Einwirkung auf den Schädel geschieht, ob sie ein

Erweitern oder Verengern und Zusammenfallenlassen ist. Wird diese

Einwirkung etwa _vornehmer_ als ein _Erregen_ bestimmt, so ist es

unbestimmt, ob es nach der Weise eines Kanthariden-Pflasters

auftreibend oder eines Essigs einschrumpfend geschieht.--Für alle

dergleichen Ansichten lassen sich plausible Gründe vorbringen, denn

die organische Beziehung, welche ebensosehr eingreift, läßt den einen

so gut passieren als den andern, und ist gleichgültig gegen allen

diesen Verstand.

Dem beobachtenden Bewußtsein ist es aber nicht darum zu tun, diese

Beziehung bestimmen zu wollen. Denn es ist ohnehin nicht das Gehirn,

was als _animalischer_ Teil auf der einen Seite steht, sondern

dasselbe als _Sein_ der _selbstbewußten_ Individualität.--Sie als

stehender Charakter und sich bewegendes bewußtes Tun ist _für sich_

und _in sich_; diesem Für- und In-sich-sein steht ihre Wirklichkeit

und Dasein für Anderes entgegen; das Für- und In-sich-sein ist das

Wesen und Subjekt, welches am Gehirne ein Sein hat, das _unter es

subsumiert_ ist, und seinen Wert nur durch die inwohnende Bedeutung

erhält. Die andre Seite der selbstbewußten Individualität aber, die

Seite ihres Daseins ist das _Sein_ als selbstständig und Subjekt,

oder als ein Ding, nämlich ein Knochen; die _Wirklichkeit und Dasein

des Menschen ist sein Schädelknochen_.--Dies ist das Verhältnis und

der Verstand, den die beiden Seiten dieser Beziehung in dem sie

beobachtenden Bewußtsein haben.

Diesem ist es nun um die bestimmtere Beziehung dieser Seiten zu tun;

der Schädelknochen hat wohl im Allgemeinen die Bedeutung, die

unmittelbare Wirklichkeit des Geistes zu sein. Aber die

Vielseitigkeit des Geistes gibt seinem Dasein eine ebensolche

Vieldeutigkeit; was zu gewinnen ist, ist die Bestimmtheit der

Bedeutung der einzelnen Stellen, in welche dies Dasein geteilt ist,

und es ist zu sehen, wie sie das Hinweisen darauf an ihnen haben.

Der Schädelknochen ist kein Organ der Tätigkeit, noch auch eine

sprechende Bewegung; es wird weder mit dem Schädelknochen gestohlen,

gemordet u.s.f., noch verzieht er zu solchen Taten im geringsten die

Miene, so daß er sprechende Gebärde würde.--Noch hat auch dieses

_Seiende_ den Wert eines _Zeichens_. Miene und Gebärde, Ton, auch

eine Säule, ein Pfahl, der auf einer öden Insel eingeschlagen ist,

kündigen sich sogleich an, daß noch irgend etwas anderes damit

gemeint ist, als das, was sie unmittelbar _nur sind_. Sie geben sich

selbst sogleich für Zeichen aus, indem sie eine Bestimmtheit an ihnen

haben, welche auf etwas anderes dadurch hinweist, daß sie ihnen nicht

eigentümlich angehört.

Man kann sich wohl auch bei einem Schädel, wie Hamlet bei Yoricks,

vielerlei einfallen lassen, aber der Schädelknochen für sich ist ein

so gleichgültiges, unbefangenes Ding, daß an ihm unmittelbar nichts

anderes zu sehen und zu meinen ist als nur er selbst; er erinnert

wohl an das Gehirn und seine Bestimmtheit, an Schädel von anderer

Formation, aber nicht an eine bewußte Bewegung, indem er weder Miene

und Gebärde noch etwas an ihm eingedrückt hat, das von einem bewußten

Tun herkommend sich ankündigte; denn er ist diejenige Wirklichkeit,

welche an der Individualität eine solche andere Seite darstellen

sollte, die nicht mehr sich in sich reflektierendes Sein, sondern

rein _unmittelbares Sein_ wäre.

Da er ferner auch nicht selbst fühlt, so scheint sich eine

bestimmtere Bedeutung für ihn etwa noch so ergeben zu können, daß

bestimmte Empfindungen durch die Nachbarschaft erkennen ließen, was

mit ihm gemeint sei; und indem eine bewußte Weise des Geistes bei

einer bestimmten Stelle desselben ihr Gefühl hat, wird etwa dieser

Ort in seiner Gestalt sie und ihre Besonderheit andeuten. Wie zum

Beispiel manche bei dem angestrengten Denken oder auch schon beim

_Denken_ überhaupt eine schmerzliche Spannung irgendwo im Kopfe zu

fühlen klagen, könnte auch das _Stehlen_, das _Morden_, das _Dichten_

und so fort jedes mit einer eigenen Empfindung begleitet sein, die

außerdem noch ihre besondere Stelle haben müßte. Diese Stelle des

Gehirns, die auf diese Art mehr bewegt und betätigt wäre, würde

wahrscheinlich auch die benachbarte Stelle des Knochens mehr

ausbilden; oder diese würde aus Sympathie oder Konsensus auch nicht

träge sein, sondern sich vergrößern, oder verkleinern, oder auf

welche Weise es sei sich formieren.--Was jedoch diese Hypothese

unwahrscheinlich macht, ist dies, daß das Gefühl überhaupt etwas

Unbestimmtes ist, und das Gefühl im Kopfe als dem Zentrum das

allgemeine Mitgefühl alles Leidens sein möchte, so daß sich mit dem

Diebs-, Mörders-, Dichters-Kopf-Kitzel oder--Schmerz andere

vermischen, und sich voneinander sowie von denen, die man bloß

körperlich nennen kann, sowenig unterscheiden lassen würden, als aus

dem Symptome des Kopfwehs, wenn wir seine Bedeutung nur auf das

Körperliche einschränken, sich die Krankheit bestimmen läßt.

Es fällt in der Tat, von welcher Seite die Sache betrachtet werde,

alle notwendige gegenseitige Beziehung, so wie deren durch sich

selbst sprechende Andeutung, hinweg. Es bleibt, wenn denn die

Beziehung doch stattfinden soll, eine _begrifflose_ freie

prästabilierte Harmonie der entsprechenden Bestimmung beider Seiten

übrig und notwendig; denn die eine _soll geistlose Wirklichkeit,

bloßes Ding_ sein.--Es stehen also eben auf einer Seite eine Menge

ruhender Schädelstellen, auf der andern eine Menge

Geistes-Eigenschaften, deren Vielheit und Bestimmung von dem Zustande

der Psychologie abhängen wird. Je elender die Vorstellung von dem

Geiste ist, um so mehr wird von dieser Seite die Sache erleichtert;

denn teils werden die Eigenschaften um so weniger, teils um so

abgeschiedener, fester und knöcherner, hiedurch Knochenbestimmungen

um so ähnlicher und mit ihnen vergleichbarer. Allein obzwar durch

die Elendigkeit der Vorstellung von dem Geiste vieles erleichtert ist,

so bleibt doch immer eine sehr große Menge auf beiden Seiten; es

bleibt die gänzliche Zufälligkeit ihrer Beziehung für die Beobachtung.

Wenn von den Kindern Israels aus dem Sand am Meere, dem sie

entsprechen sollen, jedes das Körnchen, dessen Zeichen es ist, sich

nehmen sollte, so ist diese Gleichgültigkeit und Willkür, welche

jedem das seine zuteilte, ebenso stark als die, welche jeder

Seelenfähigkeit, Leidenschaft und, was hier gleichfalls betrachtet

werden müßte, den Schattierungen von Charakteren, von welchen die

feinere Psychologie und Menschenkenntnis zu sprechen pflegt, ihre

Schädelstätten und Knochenformen zuweist.--Der Schädel des Mörders

hat dieses--nicht Organ, auch nicht Zeichen, sondern diesen Knorren;

aber dieser Mörder hat noch eine Menge anderer Eigenschaften, sowie

andere Knorren, und mit den Knorren auch Vertiefungen; man hat die

Wahl unter Knorren und Vertiefungen. Und wieder kann sein Mordsinn

auf welchen Knorren oder Vertiefung es sei und hinwiederum diese auf

welche Eigenschaft es sei bezogen werden; denn weder ist der Mörder

nur dies Abstraktum eines Mörders, noch hat er nur _eine_ Erhabenheit

und _eine_ Vertiefung. Die Beobachtungen, welche hierüber angestellt

werden, müssen darum gerade auch so gut lauten als der Regen des

Krämers und der Hausfrau am Jahrmarkte und bei der Wäsche. Krämer

und Hausfrau konnten auch die Beobachtung machen, daß es immer regnet,

wenn dieser Nachbar vorbeigeht, oder wenn Schweinsbraten gegessen

wird. Wie der Regen gegen diese Umstände, so gleichgültig ist für

die Beobachtung _diese_ Bestimmtheit des Geistes gegen _dieses_

bestimmte Sein des Schädels. Denn von den beiden Gegenständen dieses

Beobachtens ist der eine ein trockenes _Für-sich-sein_, eine

knöcherne Eigenschaft des Geistes, wie der andere ein trockenes

_An-sich-sein_; ein so knöchernes Ding, als beide sind, ist

vollkommen gleichgültig gegen alles andere; es ist dem hohen Knorren

ebenso gleichgültig, ob ein Mörder in seiner Nachbarschaft, als dem

Mörder, ob die Plattheit in seiner Nähe ist.

Es bleibt allerdings die _Möglichkeit_, daß mit irgendeiner

Eigenschaft, Leidenschaft u.s.f. ein Knorren an irgendeiner Stelle

verbunden sei, unüberwindlich übrig. Man _kann sich_ den Mörder mit

einem hohen Knorren hier an dieser Schädelstelle, den Dieb mit einer

dort _vorstellen_. Von dieser Seite ist die Schädelwissenschaft noch

großer Erweiterung fähig; denn zunächst scheint sie sich nur auf die

Verbindung eines Knorren mit einer Eigenschaft _an demselben

Individuum_, so daß dieses beide besitzt, einzuschränken. Aber schon

die natürliche Schädelwissenschaft--denn es muß so gut eine solche

als eine natürliche Physiognomik geben--geht über diese Schranken

hinaus; sie urteilt nicht nur, daß ein schlauer Mensch einen

faustdicken Knorren hinter den Ohren sitzen habe, sondern sie stellt

auch vor, daß die untreue Ehefrau nicht selbst, sondern das andre

ehliche Individuum Knorren an der Stirne habe.--Ebenso kann man sich

auch den, der mit dem Mörder unter einem Dache wohnt, oder auch

seinen Nachbar, und weiter hinaus seine Mitbürger u.s.f. mit hohen

Knorren an irgendeiner Schädelstelle _vorstellen_, so gut als die

fliegende Kuh, die zuerst von dem Krebs, der auf dem Esel ritt,

geliebkost und hernach u.s.f. wurde.--Wird aber die _Möglichkeit_

nicht im Sinne der Möglichkeit _des Vorstellens_, sondern der

_innern_ Möglichkeit oder des _Begriffs_ genommen, so ist der

Gegenstand eine solche Wirklichkeit, welche reines Ding und ohne

dergleichen Bedeutung ist und sein soll, und sie also nur in der

Vorstellung haben kann.

Schreitet, ungeachtet der Gleichgültigkeit der beiden Seiten, der

Beobachter jedoch ans Werk, Beziehungen zu bestimmen, teils frisch

gehalten durch den allgemeinen Vernunftgrund, daß das _Äußere der

Ausdruck des Innern_ sei, teils sich unterstützend mit der Analogie

von Schädeln der Tieren--welche zwar wohl einen einfachern Charakter

haben mögen als die Menschen, von denen es aber zugleich um ebenso

schwerer zu sagen wird, welchen sie haben, indem es nicht der

Vorstellung eines jeden Menschen so leicht sein kann, sich in die

Natur eines Tieres recht hineinzubilden--, so findet der Beobachter

bei der Versicherung der Gesetze, die er entdeckt haben will, eine

_vorzügliche Hülfe_ an einem Unterschiede, der uns hier notwendig

auch einfallen muß.--Das _Sein_ des Geistes kann wenigstens nicht als

so etwas schlechthin Unverrücktes und Unverrückbares genommen werden.

Der Mensch ist frei; es wird zugegeben, daß das _ursprüngliche_ Sein

nur _Anlagen_ sind, über welche er viel vermag, oder welche günstiger

Umstände bedürfen, um entwickelt zu werden, d.h. ein _ursprüngliches_

Sein des Geistes ist ebensowohl als ein solches auszusprechen, das

nicht als Sein existiert. Widersprächen also Beobachtungen

demjenigen, was irgendeinem als Gesetz zu versichern einfällt, wäre

es schön Wetter am Jahrmarkts oder bei der Wäsche, so könnten Krämer

und Hausfrau sprechen, daß es _eigentlich_ regnen _sollte_, und die

_Anlage_ doch dazu _vorhanden_ sei; ebenso das Schädelbeobachten,

--daß dies Individuum _eigentlich_ so sein _sollte_, wie der Schädel

nach dem Gesetze aussagt, und eine _ursprüngliche Anlage_ habe, die

_aber_ nicht ausgebildet worden sei; vorhanden ist diese Qualität

nicht, aber sie _sollte vorhanden_ sein.--Das _Gesetz_ und das

_Sollen_ gründet sich auf das Beobachten des wirklichen Regens, und

des wirklichen Sinnes bei dieser Bestimmtheit des Schädels; ist aber

die _Wirklichkeit_ nicht vorhanden, so gilt die _leere Möglichkeit_

für ebensoviel.--Diese Möglichkeit, d.i. die Nichtwirklichkeit des

aufgestellten Gesetzes und hiemit ihm widersprechende Beobachtungen

müssen eben dadurch hereinkommen, daß die Freiheit des Individuums

und die entwickelnden Umstände gleichgültig gegen das _Sein_

überhaupt sind, sowohl gegen es als ursprüngliches inneres wie als

äußeres knöchernes, und daß das Individuum auch etwas anderes sein

kann, als es innerlich ursprünglich und noch mehr als ein Knochen ist.

Wir erhalten also die Möglichkeit, daß dieser Knorren oder Vertiefung

des Schädels sowohl etwas wirkliches als auch nur eine _Anlage_, und

zwar unbestimmt zu irgend etwas, daß er etwas Nichtwirkliches

bezeichne; wir sehen es einer schlechten Ausrede wie immer ergehen,

daß sie wider dasjenige, dem sie aufhelfen soll, selbst zu gebrauchen

steht. Wir sehen das Meinen durch die Natur der Sache dahin gebracht,

das _Gegenteil_ dessen, aber _gedankenlos_, selbst zu sagen, was es

festhält;--zu sagen, es wird durch diesen Knochen irgend etwas

angedeutet, aber ebensogut _auch nicht_.

Was der Meinung selbst bei dieser Ausrede vorschwebt, ist der wahre,

sie gerade vertilgende Gedanke, daß das _Sein_ als solches überhaupt

nicht die Wahrheit des Geistes ist. Wie schon die Anlage ein

_ursprüngliches Sein_ ist, das an der Tätigkeit des Geistes keinen

Anteil hat, ein ebensolches ist seinerseits auch der Knochen. Das

Seiende ohne die geistige Tätigkeit ist ein Ding für das Bewußtsein,

und so wenig sein Wesen, daß es vielmehr das Gegenteil desselben und

das Bewußtsein sich allein _wirklich_ ist, durch die Negation und

Vertilgung eines solchen Seins.--Es ist von dieser Seite für völlige

Verleugnung der Vernunft anzusehen, für das _wirkliche Dasein_ des

Bewußtseins einen Knochen auszugeben; und dafür wird er ausgegeben,

indem er als das Äußere des Geistes betrachtet wird, denn das Äußere

ist eben die seiende Wirklichkeit. Es hilft nichts, zu sagen, daß

von diesem Äußern _nur_ auf das Innere, das _etwas anders_ sei,

_geschlossen_ werde, das Äußere nicht das Innere selbst, sondern nur

dessen _Ausdruck_ sei. Denn in dem Verhältnisse beider zueinander

fällt eben auf die Seite des Innern die Bestimmung der sich

_denkenden_ und _gedachten_, auf die Seite des Äußern aber die _der

seienden Wirklichkeit_.--Wenn also einem Menschen gesagt wird: du

(dein Inneres) bist dies, _weil_ dein _Knochen_ so beschaffen ist; so

heißt es nichts anderes als: ich sehe einen Knochen für _deine

Wirklichkeit_ an. Die bei der Physiognomik erwähnte Erwiderung eines

solchen Urteils durch die Ohrfeige bringt zunächst die _weichen_

Teile aus ihrem Ansehen und Lage, und erweist nur, daß diese kein

wahres _An-sich_, nicht die Wirklichkeit des Geistes sind;--hier

müßte die Erwiderung eigentlich so weit gehen, einem, der so urteilt,

den Schädel einzuschlagen, um gerade so greiflich, als seine Weisheit

ist, zu erweisen, daß ein Knochen für den Menschen nichts _An-sich_,

viel weniger _seine_ wahre Wirklichkeit ist.-Der rohe Instinkt der

selbstbewußten Vernunft wird eine solche Schädelwissenschaft

unbesehen verwerfen--diesen andern beobachtenden Instinkt derselben,

der zur Ahndung _des Erkennens_ gediehen, es auf die geistlose Weise,

daß das Äußere Ausdruck des Innern sei, erfaßt hat. Aber je

schlechter der Gedanke ist, desto weniger fällt es zuweilen auf,

worin bestimmt seine Schlechtigkeit liegt, und desto schwerer ist es,

sie auseinanderzulegen. Denn der Gedanke heißt um so schlechter, je

reiner und leerer die Abstraktion ist, welche ihm für das Wesen gilt.

Der Gegensatz aber, auf den es hier ankömmt, hat zu seinen Gliedern

die ihrer bewußte Individualität und die Abstraktion der ganz zum

_Dinge_ gewordenen Äußerlichkeit--jenes innre Sein des Geistes als

festes geistloses Sein aufgefaßt, eben solchem Sein entgegengesetzt.

--Damit scheint aber auch die beobachtende Vernunft in der Tat ihre

Spitze erreicht zu haben, von welcher sie sich selbst verlassen und

sich überschlagen muß; denn erst das ganz Schlechte hat die

unmittelbare Notwendigkeit an sich, sich zu verkehren.--Wie von dem

jüdischen Volke gesagt werden kann, daß es gerade darum, weil es

unmittelbar vor der Pforte des Heils stehe, das verworrenste sei und

gewesen sei; was es an und für sich sein sollte, diese

Selbstwesenheit ist es sich nicht, sondern verlegt sie jenseits

seiner; es macht sich durch diese Entäußerung ein höheres Dasein

_möglich_, wenn es seinen Gegenstand wieder in sich zurücknehmen

könnte, als wenn es innerhalb der Unmittelbarkeit des Seins

stehengeblieben; weil der Geist um so größer ist, aus je größerem

Gegensatze er in sich zurückkehrt; diesen Gegensatz aber macht er

sich in dem Aufheben seiner unmittelbaren Einheit und in der

Entäußerung seines Für-sich-seins. Allein wenn ein solches

Bewußtsein sich nicht reflektiert, ist die Mitte, worin es steht, die

unselige Leere, indem dasjenige, was sie erfüllen sollte, zum festen

Extreme geworden ist. So ist diese letzte Stufe der beobachtenden

Vernunft ihre schlechteste, aber darum ihre Umkehrung notwendig.

Denn die Übersicht der bisher betrachteten Reihe von Verhältnissen,

welche den Inhalt und Gegenstand der Beobachtung ausmachen, zeigt,

daß in ihrer _ersten Weise_, in der Beobachtung der Verhältnisse der

unorganischen Natur ihr schon das _sinnliche Sein verschwindet_; die

Momente ihres Verhältnisses stellen sich als reine Abstraktionen und

als einfache Begriffe dar, welche an das Dasein von Dingen fest

geknüpft sein sollten, das aber verlorengeht, so daß das Moment sich

als reine Bewegung und als Allgemeines erweist. Dieser freie in sich

vollendete Prozeß behält die Bedeutung eines Gegenständlichen; tritt

aber nun als ein _Eins_ auf; im Prozesse des Unorganischen ist das

Eins das nicht existierende Innere; als Eins aber existierend ist er

das Organische.--Das Eins steht als Für-sich-sein oder negatives

Wesen dem Allgemeinen gegenüber, entzieht sich diesem und bleibt frei

für sich, so daß der Begriff, nur im Elemente der absoluten

Vereinzelung realisiert, in der organischen Existenz seinen

wahrhaften Ausdruck, _als Allgemeines_ da zu sein, nicht findet,

sondern ein Äußeres oder, was dasselbe ist, ein _Inneres_ der

organischen Natur bleibt.--Der organische Prozeß ist nur frei _an

sich_, ist es aber nicht _für sich selbst_; im _Zwecke_ tritt das

Für-sich-sein seiner Freiheit ein; _existiert_ als ein anderes Wesen,

als eine ihrer selbst bewußte Weisheit, die außer jenem ist. Die

beobachtende Vernunft wendet sich also an diese, an den Geist, den

als Allgemeinheit existierenden Begriff oder als Zweck existierenden

Zweck, und ihr eignes Wesen ist ihr nunmehr der Gegenstand.

Sie wendet sich zuerst an seine Reinheit; aber indem sie Auffassen

des in seinen Unterschieden sich bewegenden Gegenstandes als eines

seienden ist, werden ihr _Gesetze des Denkens_, Beziehungen von

Bleibendem auf Bleibendes; aber da der Inhalt dieser Gesetze nur

Momente sind, verlaufen sie sich in das Eins des Selbstbewußtseins.

--Dieser neue Gegenstand ebenso als _Seiendes_ genommen, ist das

_einzelne, zufällige_ Selbstbewußtsein; das Beobachten steht daher

innerhalb des gemeinten Geistes und des zufälligen Verhältnisses von

bewußter Wirklichkeit auf unbewußte. Er an sich selbst nur ist die

Notwendigkeit dieser Beziehung; die Beobachtung rückt ihm daher näher

auf den Leib, und vergleicht seine wollende und tuende Wirklichkeit

mit seiner in sich reflektierten und betrachtenden Wirklichkeit, die

selbst gegenständlich ist. Dieses Äußre, obzwar eine Sprache des

Individuums, die es an ihm selbst hat, ist zugleich als Zeichen etwas

Gleichgültiges gegen den Inhalt, den es bezeichnen sollte, so wie das,

welches sich das Zeichen setzt, gleichgültig gegen dieses.

Von dieser wandelbaren Sprache geht darum die Beobachtung endlich zum

_festen Sein_ zurück, und spricht ihrem Begriffe nach aus, daß die

Äußerlichkeit, nicht als Organ, auch nicht als Sprache und Zeichen,

sondern als _totes Ding_ die äußere und unmittelbare Wirklichkeit des

Geistes sei. Was von der allerersten Beobachtung der unorganischen

Natur aufgehoben wurde, daß nämlich der Begriff als Ding vorhanden

sein sollte, stellt diese letzte Weise so her, daß sie die

Wirklichkeit des Geistes selbst zu einem Dinge macht, oder umgekehrt

ausgedrückt, dem toten Sein die Bedeutung des Geistes gibt.--Die

Beobachtung ist damit dazu gekommen, es auszusprechen, was unser

Begriff von ihr war, daß nämlich die Gewißheit der Vernunft sich

selbst als gegenständliche Wirklichkeit sucht.--Man meint zwar dabei

wohl nicht, daß der Geist, der von einem Schädel vorgestellt wird,

als Ding ausgesprochen werde; es soll kein Materialismus, wie man es

nennt, in diesem Gedanken liegen, sondern der Geist vielmehr noch

etwas anders als diese Knochen sein; aber er _ist_, heißt selbst

nichts anders als: er ist ein _Ding_. Wenn das _Sein_ als solches

oder Dingsein von dem Geiste prädiziert wird, so ist darum der

wahrhafte Ausdruck hievon, daß er ein solches wie _ein Knochen_ ist.

Es muß daher für höchst wichtig angesehen werden, daß der wahre

Ausdruck davon, daß vom Geiste rein gesagt wird, _er ist_, sich

gefunden hat. Wenn sonst vom Geiste gesagt wird, _er ist_, hat _ein

Sein_, ist ein _Ding_, eine einzelne _Wirklichkeit_, so wird damit

nicht etwas _gemeint_, das man sehen oder in die Hand nehmen, stoßen

und so fort kann, aber _gesagt_ wird ein solches, und was in Wahrheit

gesagt wird, drückt sich hiemit so aus, daß _das Sein des Geistes ein

Knochen ist_.

Dies Resultat hat nun eine doppelte Bedeutung, einmal seine wahre,

insofern es eine Ergänzung des Resultates der vorhergehenden Bewegung

des Selbstbewußtseins ist. Das unglückliche Selbstbewußtsein

entäußerte sich seiner Selbstständigkeit und rang sein

_Für-sich-sein_ zum _Dinge_ heraus. Es kehrte dadurch aus dem

Selbstbewußtsein in das Bewußtsein zurück, d.h. in das Bewußtsein,

für welches der Gegenstand ein _Sein_, ein _Ding_ ist;--aber dies,

was Ding ist, ist das Selbstbewußtsein; es ist also die Einheit des

Ich und des Seins, die _Kategorie_. Indem der Gegenstand für das

Bewußtsein so bestimmt ist, _hat es Vernunft_. Das Bewußtsein sowie

das Selbstbewußtsein _ist an sich_ eigentlich Vernunft; aber nur von

dem Bewußtsein, dem der Gegenstand als die Kategorie sich bestimmt

hat, kann gesagt werden, daß es Vernunft _habe_;--hievon aber ist

noch das Wissen, was Vernunft ist, unterschieden.--Die Kategorie,

welche die _unmittelbare_ Einheit des _Seins_ und des _Seinen_ ist,

muß beide Formen durchlaufen, und das beobachtende Bewußtsein ist

eben dieses, dem sie sich in der Form des _Seins_ darstellt. In

seinem Resultate spricht das Bewußtsein dasjenige, dessen bewußtlose

Gewißheit es ist, als Satz aus--den Satz, der im Begriffe der

Vernunft liegt. Er ist das _unendliche Urteil_, daß das Selbst ein

Ding ist--ein Urteil, das sich selbst aufhebt.--Durch dieses Resultat

ist also bestimmt zur Kategorie dies hinzugekommen, daß sie dieser

sich aufhebende Gegensatz ist. Die _reine_ Kategorie, welche in der

Form des _Seins_ oder der _Unmittelbarkeit_ für das Bewußtsein ist,

ist der noch _unvermittelte_, nur _vorhandne_ Gegenstand, und das

Bewußtsein ein ebenso unvermitteltes Verhalten. Das Moment jenes

unendlichen Urteils ist der Übergang der _Unmittelbarkeit_ in die

Vermittlung oder _Negativität_. Der vorhandne Gegenstand ist daher

als ein negativer bestimmt, das Bewußtsein aber als

_Selbst_bewußtsein gegen ihn, oder die Kategorie, welche die Form des

_Seins_ im Beobachten durchlaufen hat, ist jetzt in der Form des

Für-sich-seins gesetzt; das Bewußtsein will sich nicht mehr

_unmittelbar finden_, sondern durch seine Tätigkeit sich selbst

hervorbringen. _Es selbst_ ist sich der Zweck seines Tuns, wie es ihm

im Beobachten nur um die Dinge zu tun war.

Die andere Bedeutung des Resultats ist die schon betrachtete des

begrifflosen Beobachtens. Dieses weiß sich nicht anders zu fassen

und auszusprechen, als daß es unbefangen den Knochen, wie er sich als

sinnliches Ding findet, das seine Gegenständlichkeit für das

Bewußtsein nicht zugleich verliert, für die _Wirklichkeit_ des

Selbstbewußtseins aussagt. Es hat aber auch darüber, daß es dies

sagt, keine Klarheit des Bewußtseins, und faßt seinen Satz nicht in

der Bestimmtheit seines Subjekts und Prädikats und der Beziehung

derselben, noch weniger in dem Sinne des unendlichen sich selbst

auflösenden Urteils und des Begriffs.--Es verbirgt sich vielmehr aus

einem tieferliegenden Selbstbewußtsein des Geistes, das hier als eine

natürliche Honettetät erscheint, die Schmählichkeit des begrifflosen

nackten Gedankens, für die Wirklichkeit des Selbstbewußtseins einen

Knochen zu nehmen, und übertüncht ihn durch die Gedankenlosigkeit

selbst, mancherlei Verhältnisse von Ursache und Wirkung, von Zeichen,

Organ u.s.w., die hier keinen Sinn haben, einzumischen, und durch

Unterscheidungen, die von ihnen hergenommen sind, das Grelle des

Satzes zu verstecken.

Gehirnfibern und dergleichen als das Sein des Geistes betrachtet,

sind schon eine gedachte nur hypothetische--nicht _daseiende_, nicht

gefühlte, gesehene, nicht die wahre Wirklichkeit; wenn sie _da sind_,

wenn sie gesehen werden, sind sie tote Gegenstände und gelten dann

nicht mehr für das Sein des Geistes. Aber die eigentliche

Gegenständlichkeit muß eine _unmittelbare, sinnliche_ sein, so daß

der Geist in dieser als toten--denn der Knochen ist das Tote,

insofern es am Lebendigen selbst ist--als wirklich gesetzt wird.--Der

Begriff dieser Vorstellung ist, daß die Vernunft sich _alle Dingheit_,

auch die _rein gegenständliche selbst_ ist; sie ist aber dies _im

Begriffe_, oder der Begriff nur ist ihre Wahrheit, und je reiner der

Begriff selbst ist, zu einer desto albernern Vorstellung sinkt er

herab, wenn sein Inhalt nicht als Begriff, sondern als Vorstellung

ist--wenn das sich selbst aufhebende Urteil nicht mit dem Bewußtsein

dieser seiner Unendlichkeit genommen wird, sondern als ein bleibender

Satz, und dessen Subjekt und Prädikat jedes für sich gelten, das

Selbst als Selbst, das Ding als Ding fixiert und doch eins das andre

sein soll.--Die Vernunft, wesentlich der Begriff, ist unmittelbar in

sich selbst und ihr Gegenteil entzweit, ein Gegensatz, der eben darum

ebenso unmittelbar aufgehoben ist. Aber sich so als sich selbst und

als ihr Gegenteil darbietend, und festgehalten in dem ganz einzelnen

Momente dieses Auseinandertretens, ist sie unvernünftig aufgefaßt;

und je reiner die Momente desselben sind, desto greller ist die

Erscheinung dieses Inhalts, der allein entweder für das Bewußtsein

ist, oder von ihm unbefangen allein ausgesprochen wird.--Das _Tiefe_,

das der Geist von innen heraus, aber nur bis in sein _vorstellendes

Bewußtsein_ treibt und es in diesem stehen läßt,--und die

_Unwissenheit_ dieses Bewußtseins, was das ist, was es sagt, ist

dieselbe Verknüpfung des Hohen und Niedrigen, welche an dem

Lebendigen die Natur in der Verknüpfung des Organs seiner höchsten

Vollendung, des Organs der Zeugung,--und des Organs des Pissens naiv

ausdrückt.--Das unendliche Urteil als unendliches wäre die Vollendung

des sich selbst erfassenden Lebens, das in der Vorstellung bleibende

Bewußtsein desselben aber verhält sich als Pissen.

B. Die Verwirklichungdes vernünftigen Selbstbewußtseinsdurch sich

selbst

Das Selbstbewußtsein fand das Ding als sich, und sich als Ding; d.h.

_es ist für es_, daß es _an sich_ die gegenständliche Wirklichkeit

ist. Es ist nicht mehr die _unmittelbare_ Gewißheit, alle Realität

zu sein; sondern eine solche, für welche das Unmittelbare überhaupt

die Form eines aufgehobenen hat, so daß seine _Gegenständlichkeit_

nur noch als Oberfläche gilt, deren Inneres und Wesen _es selbst_ ist.

--Der Gegenstand, auf welchen es sich positiv bezieht, ist daher ein

Selbstbewußtsein; er ist in der Form der Dingheit, d.h. er ist

_selbstständig_; aber es hat die Gewißheit, daß dieser selbstständige

Gegenstand kein Fremdes für es ist; es weiß hiemit, daß es _an sich_

von ihm anerkannt ist; es ist der _Geist_, der die Gewißheit hat, in

der Verdopplung seines Selbstbewußtseins und in der Selbstständigkeit

beider seine Einheit mit sich selbst zu haben. Diese Gewißheit hat

sich ihm nun zur Wahrheit zu erheben; was ihm gilt, daß es _an sich_

und in seiner _innern_ Gewißheit sei, soll in sein Bewußtsein treten,

und _für es_ werden.

Was die allgemeinen Stationen dieser Verwirklichung sein werden,

bezeichnet sich im allgemeinen schon durch die Vergleichung mit dem

bisherigen Wege. Wie nämlich die beobachtende Vernunft in dem

Elemente der Kategorie die Bewegung des _Bewußtseins_, nämlich die

sinnliche Gewißheit, das Wahrnehmen und den Verstand wiederholte, so

wird diese auch die doppelte Bewegung des _Selbstbewußtseins_ wieder

durchlaufen, und aus der Selbstständigkeit in seine Freiheit

übergehen. Zuerst ist diese tätige Vernunft ihrer selbst nur als

eines Individuums bewußt, und muß als ein solches seine Wirklichkeit

im andern fodern und hervorbringen--alsdenn aber, indem sich sein

Bewußtsein zur Allgemeinheit erhebt, wird es _allgemeine_ Vernunft,

und ist sich seiner als Vernunft, als an und für sich schon

anerkanntes bewußt, welches in seinem reinen Bewußtsein alles

Selbstbewußtsein vereinigt; es ist das einfache geistige Wesen, das,

indem es zugleich zum Bewußtsein kommt, die _reale Substanz_ ist,

worein die frühern Formen als in ihren Grund zurückgehen, so daß sie

gegen diesen nur einzelne Momente seines Werdens sind, die sich zwar

losreißen und als eigne Gestalten erscheinen, in der Tat aber nur von

ihm getragen _Dasein_ und _Wirklichkeit_, aber ihre _Wahrheit_ nur

haben, insofern sie in ihm selbst sind und bleiben.

Nehmen wir dieses Ziel, das der _Begriff_ ist, der _uns_ schon

entstanden--nämlich das anerkannte Selbstbewußtsein, das in dem

andern freien Selbstbewußtsein die Gewißheit seiner selbst, und eben

darin seine Wahrheit hat--, in seiner Realität auf, oder heben wir

diesen noch innern Geist als die schon zu ihrem Dasein gediehene

Substanz heraus, so schließt sich in diesem Begriffe _das Reich der

Sittlichkeit_ auf. Denn diese ist nichts anders als in der

selbstständigen _Wirklichkeit_ der Individuen die absolute geistige

_Einheit_ ihres Wesens; ein an sich allgemeines Selbstbewußtsein, das

sich in einem andern Bewußtsein so wirklich ist, daß dieses

vollkommene Selbstständigkeit hat, oder ein Ding für es, und daß es

eben darin der _Einheit_ mit ihm sich bewußt ist, und in dieser

Einheit mit diesem gegenständlichen Wesen erst Selbstbewußtsein ist.

Diese sittliche _Substanz_ in der _Abstraktion_ der _Allgemeinheit_,

ist sie nur das _gedachte_ Gesetz; aber sie ist ebensosehr

unmittelbar wirkliches _Selbstbewußtsein_ oder sie ist _Sitte_. Das

_einzelne_ Bewußtsein ist umgekehrt nur dieses seiende Eins, indem es

des allgemeinen Bewußtseins in seiner Einzelnheit als seines Seins

sich bewußt, indem sein Tun und Dasein die allgemeine Sitte ist.

In dem Leben eines Volks hat in der Tat der Begriff der

Verwirklichung der selbstbewußten Vernunft, in der Selbstständigkeit

des _Andern_ die vollständige _Einheit_ mit ihm anzuschauen, oder

diese von mir vorgefundene freie _Dingheit_ eines andern, welche das

Negative meiner selbst ist, als _mein_ Für-_mich_-sein zum

Gegenstande zu haben, seine vollendete Realität. Die Vernunft ist

als die flüssige allgemeine _Substanz_, als die unwandelbare einfache

_Dingheit_ vorhanden, welche ebenso in viele vollkommen

selbstständige Wesen wie das Licht in Sterne als unzählige für sich

leuchtende Punkte zerspringt, die in ihrem absoluten Für-sich-sein

nicht nur _an sich_ in der einfachen selbstständigen Substanz

aufgelöst sind, sondern _für sich selbst_; sie sind sich bewußt,

diese einzelne selbstständige Wesen dadurch zu sein, daß sie ihre

Einzelnheit aufopfern und diese allgemeine Substanz ihre Seele und

Wesen ist; so wie dies Allgemeine wieder das _Tun_ ihrer als

einzelner oder das von ihnen hervorgebrachte Werk ist.

Das _rein einzelne_ Tun und Treiben des Individuums bezieht sich auf

die Bedürfnisse, welche es als Naturwesen, das heißt als _seiende

Einzelnheit_ hat. Daß selbst diese seine gemeinsten Funktionen nicht

zunichte werden, sondern Wirklichkeit haben, geschieht durch das

allgemeine erhaltende Medium, durch die _Macht_ des ganzen Volks.

--Nicht nur aber diese _Form_ des _Bestehens_ seines Tuns überhaupt

hat es in der allgemeinen Substanz, sondern ebensosehr _seinen

Inhalt_; was es tut, _ist_ die allgemeine Geschicklichkeit und Sitte

aller. Dieser Inhalt, insofern er sich vollkommen vereinzelt, ist in

seiner Wirklichkeit in das Tun aller verschränkt. Die _Arbeit_ des

Individuums für seine Bedürfnisse ist ebensosehr eine Befriedigung

der Bedürfnisse der andern als seiner eignen, und die Befriedigung

der seinigen erreicht es nur durch die Arbeit der andern.--Wie der

Einzelne in seiner _einzelnen_ Arbeit schon eine _allgemeine_ Arbeit

_bewußtlos_ vollbringt, so vollbringt er auch wieder die allgemeine

als seinen _bewußten_ Gegenstand; das Ganze wird _als Ganzes_ sein

Werk, für das er sich aufopfert, und ebendadurch sich selbst von ihm

zurückerhält.--Es ist hier nichts, das nicht gegenseitig wäre, nichts,

woran nicht die Selbstständigkeit des Individuums in der Auflösung

ihres Für-sich-seins, in der _Negation_ ihrer selbst ihre _positive_

Bedeutung, für sich zu sein, sich gäbe. Diese Einheit des Seins für

Anderes oder des Sich-zum-Dinge-machens und des Für-sich-seins, diese

allgemeine Substanz redet ihre _allgemeine Sprache_ in den Sitten und

Gesetzen seines Volks; aber dies seiende unwandelbare Wesen ist

nichts anders als der Ausdruck der ihr entgegengesetzt scheinenden

einzelnen Individualität selbst; die Gesetze sprechen das aus, was

jeder Einzelne _ist_ und _tut_; das Individuum erkennt sie nicht nur

als seine _allgemeine_ gegenständliche Dingheit, sondern ebensosehr

sich in ihr, oder als _vereinzelt_ in seiner eignen Individualität

und in jedem seiner Mitbürger. In dem allgemeinen Geiste hat daher

jeder nur die Gewißheit seiner selbst, nichts anders in der seienden

Wirklichkeit zu finden als sich selbst; er ist der andern so gewiß

als seiner.--Ich schaue es in allen an, daß sie für sich selbst nur

diese selbstständigen Wesen sind, als Ich es bin; Ich schaue die

freie Einheit mit den andern in ihnen so an, daß sie wie durch Mich,

so durch die andern selbst ist. Sie als Mich, Mich als Sie.

In einem freien Volke ist darum in Wahrheit die Vernunft verwirklicht;

sie ist gegenwärtiger lebendiger Geist, worin das Individuum seine

_Bestimmung_, das heißt sein allgemeines und einzelnes Wesen, nicht

nur ausgesprochen und als Dingheit vorhanden findet, sondern selbst

dieses Wesen ist, und seine Bestimmung auch erreicht hat. Die

weisesten Männer des Altertums haben darum den Ausspruch getan: _daß

die Weisheit und die Tugend darin bestehen, den Sitten seines Volks

gemäß zu leben_.

Aus diesem Glücke aber, seine Bestimmung erreicht zu haben, und in

ihr zu leben, ist das Selbstbewußtsein, welches zunächst nur

_unmittelbar_ und dem _Begriffe nach_ Geist ist, herausgetreten, oder

auch--es hat es noch nicht erreicht; denn beides kann auf gleiche

Weise gesagt werden.

Die Vernunft _muß aus diesem Glücke heraustreten_; denn nur _an sich_

oder _unmittelbar_ ist das Leben eines freien Volks die _reale

Sittlichkeit_, oder sie ist eine _seiende_, und damit ist auch dieser

allgemeine Geist selbst ein einzelner, das Ganze der Sitten und

Gesetze, eine _bestimmte_ sittliche Substanz, welche erst in dem

hohem Momente, nämlich im _Bewußtsein über ihr Wesen_, die

Beschränkung auszieht, und nur in diesem Erkennen ihre absolute

Wahrheit hat, nicht aber unmittelbar in ihrem _Sein_; in diesem ist

sie teils eine beschränkte, teils ist die absolute Beschränkung eben

dies, daß der Geist in der Form des _Seins_ ist.

Ferner ist daher das _einzelne_ Bewußtsein, wie es unmittelbar seine

Existenz in der realen Sittlichkeit oder in dem Volke hat, ein

gediegenes Vertrauen, dem sich der Geist nicht in seine _abstrakte_

Momente aufgelöst hat, und das sich also auch nicht als reine

_Einzelnheit für sich zu sein_ weiß. Ist es aber zu diesem Gedanken

gekommen, wie es muß, so ist diese _unmittelbare_ Einheit mit dem

Geiste oder sein _Sein_ in ihm, sein Vertrauen verloren; es für sich

_isoliert_, ist sich nun das Wesen, nicht mehr der allgemeine Geist.

Das _Moment dieser Einzelnheit des Selbstbewußtseins_ ist zwar in dem

allgemeinen Geiste selbst, aber nur als eine verschwindende Größe,

die, wie sie für sich auftritt, in ihm ebenso unmittelbar sich

auflöst und nur als Vertrauen zum Bewußtsein kommt. Indem es sich so

fixiert--und jedes Moment, weil es Moment des Wesens ist, muß selbst

dazu gelangen, als Wesen sich darzustellen--, so ist das Individuum

den Gesetzen und Sitten gegenübergetreten; sie sind nur ein Gedanke

ohne absolute Wesenheit, eine abstrakte Theorie ohne Wirklichkeit; es

aber ist als dieses Ich sich die lebendige Wahrheit.

Oder das Selbstbewußtsein hat _dieses Glück noch nicht erreicht_,

sittliche Substanz, der Geist eines Volks zu sein. Denn aus der

Beobachtung zurückgekehrt, ist der Geist zuerst noch nicht als

solcher durch sich selbst verwirklicht; er ist nur als _innres_ Wesen

oder als die Abstraktion gesetzt.--Oder er _ist_ erst _unmittelbar_;

unmittelbar seiend aber ist er _einzeln_; er ist das praktische

Bewußtsein, das in seine vorgefundene Welt mit dem Zwecke

einschreitet, sich in dieser Bestimmtheit eines Einzelnen zu

verdoppeln, sich als Diesen als sein seiendes Gegenbild zu erzeugen

und dieser Einheit seiner Wirklichkeit mit dem gegenständlichen Wesen

bewußt zu werden. Es hat die _Gewißheit_ dieser Einheit; es gilt ihm,

daß sie _an sich_ oder daß diese Übereinstimmung seiner und der

Dingheit schon vorhanden ist, nur _ihm_ noch durch es zu werden hat,

oder daß sein Machen ebenso das _Finden_ derselben ist. Indem diese

Einheit _Glück_ heißt, wird dies Individuum hiemit sein _Glück zu

suchen_ von seinem Geiste in die Welt hinausgeschickt.

Wenn also die Wahrheit dieses vernünftigen Selbstbewußtseins für uns

die sittliche Substanz ist, so ist hier für es der Anfang seiner

sittlichen Welterfahrung. Von der Seite, daß es noch nicht zu jener

geworden, dringt diese Bewegung auf sie, und das, was in ihr sich

aufhebt, sind die einzelnen Momente, die ihm isoliert gelten. Sie

haben die Form eines unmittelbaren Wollens oder _Naturtriebs_, der

seine Befriedigung erreicht, welche selbst der Inhalt eines neuen

Triebes ist.--Von der Seite aber, daß das Selbstbewußtsein das Glück

in der Substanz zu sein verloren, sind diese Naturtriebe mit

Bewußtsein ihres Zweckes als der wahren Bestimmung und Wesenheit

verbunden; die sittliche Substanz ist zum selbstlosen Prädikate

herabgesunken, dessen lebendige Subjekte die Individuen sind, die

ihre Allgemeinheit durch sich selbst zu erfüllen, und für ihre

Bestimmung aus sich zu sorgen haben.--In jener Bedeutung also sind

jene Gestalten das Werden der sittlichen Substanz, und gehen ihr vor;

in dieser folgen sie, und lösen es für das Selbstbewußtsein auf, was

seine Bestimmung sei; nach jener Seite geht in der Bewegung, worin

erfahren wird, was ihre Wahrheit ist, die Unmittelbarkeit oder Roheit

der Triebe verloren, und der Inhalt derselben in einen höhern über;

nach dieser aber die falsche Vorstellung des Bewußtseins, das in sie

seine Bestimmung setzt. Nach jener ist das _Ziel_, das sie erreichen,

die unmittelbare sittliche Substanz; nach dieser aber das Bewußtsein

derselben, und zwar ein solches, das sie als sein eignes Wesen weiß;

und insofern wäre diese Bewegung das Werden der Moralität, einer

höhern Gestalt als jene. Allein diese Gestalten machen zugleich nur

_eine_ Seite ihres Werdens aus, nämlich diejenige, welche in das

_Für-sich-sein_ fällt, oder worin das Bewußtsein _seine_ Zwecke

aufhebt; nicht die Seite, nach welcher sie aus der Substanz selbst

hervorgeht. Da diese Momente noch nicht die Bedeutung haben können,

im Gegensatze gegen die verlorne Sittlichkeit zu Zwecken gemacht zu

werden, so gelten sie hier zwar nach ihrem unbefangenen Inhalte, und

das Ziel, nach welchem sie dringen, ist die sittliche Substanz. Aber

indem unsern Zeiten jene Form derselben näher liegt, in welcher sie

erscheinen, nachdem das Bewußtsein sein sittliches Leben verloren und

es suchend jene Formen wiederholt, so mögen sie mehr in dem Ausdrucke

dieser Weise vorgestellt werden.

Das Selbstbewußtsein, welches nur erst der Begriff des Geistes ist,

tritt diesen Weg in der Bestimmtheit an, sich als einzelner Geist das

Wesen zu sein, und sein Zweck ist also, sich als einzelnes die

Verwirklichung zu geben und als dieses in ihr sich zu genießen.

In der Bestimmung, sich als _Fürsichseiendes_ das Wesen zu sein, ist

es die _Negativität_ des Andern; in seinem Bewußtsein tritt daher es

selbst als das Positive einem solchen gegenüber, das zwar _ist_, aber

für es die Bedeutung eines Nichtansichseienden hat; das Bewußtsein

erscheint entzweit in diese vorgefundene Wirklichkeit und in den

_Zweck_, den es durch Aufheben derselben vollbringt, und statt jener

vielmehr zur Wirklichkeit macht. Sein erster Zweck ist aber sein

_unmittelbares_ abstraktes _Für-sich-sein_, oder sich als _dieses

Einzelne_ in einem andern oder ein anderes Selbstbewußtsein als sich

anzuschauen. Die Erfahrung, was die Wahrheit dieses Zwecks ist,

stellt das Selbstbewußtsein höher, und es ist sich nunmehr Zweck,

insofern es zugleich _allgemeines_ ist, und das _Gesetz unmittelbar_

an ihm hat. In der Vollbringung dieses _Gesetzes_ seines _Herzens_

erfährt es aber, daß das _einzelne_ Wesen hiebei sich nicht erhalten,

sondern das Gute nur durch die Aufopferung desselben ausgeführt

werden kann, und es wird zur _Tugend_. Die Erfahrung, welche sie

macht, kann keine andre sein, als daß ihr Zweck an sich schon

ausgeführt ist, das Glück unmittelbar im Tun selbst sich findet, und

das Tun selbst das Gute ist. Der Begriff dieser ganzen Sphäre, daß

die Dingheit das _Für-sich-sein_ des Geistes selbst ist, wird in

ihrer Bewegung für das Selbstbewußtsein. Indem es ihn gefunden, ist

es sich also Realität als unmittelbar sich aussprechende

Individualität, die keinen Widerstand an einer entgegengesetzten

Wirklichkeit mehr findet, und der nur dies Aussprechen selbst

Gegenstand und Zweck ist.

a. Die Lust und die Notwendigkeit

Das Selbstbewußtsein, welches sich überhaupt die _Realität_ ist, hat

seinen Gegenstand an ihm selbst, aber als einen solchen, welchen es

nur erst _für sich_ hat, und der noch nicht seiend ist; das _Sein_

steht ihm als eine andere Wirklichkeit, denn die seinige ist,

gegenüber; und es geht darauf, durch Vollführung seines

Für-sich-seins sich als anderes selbstständiges Wesen anzuschauen.

Dieser _erste Zweck_ ist, seiner als einzelnen Wesens in dem andern

Selbstbewußtsein bewußt zu werden, oder dies Andre zu sich selbst zu

machen; es hat die Gewißheit, daß _an sich_ schon dies Andre es

selbst ist.--Insofern es aus der sittlichen Substanz und dem ruhigen

Sein des Denkens zu seinem _Für-sich-sein_ sich erhoben, so hat es

das Gesetz der Sitte und des Daseins, die Kenntnisse der Beobachtung

und die Theorie, als einen grauen eben verschwindenden Schatten

hinter sich, denn dies ist vielmehr ein Wissen von einem solchen,

dessen Für-sich-sein und Wirklichkeit eine andere als die des

Selbstbewußtseins ist. Es ist in es statt des himmlisch scheinenden

Geistes der Allgemeinheit des Wissens und Tuns, worin die Empfindung

und der Genuß der Einzelnheit schweigt, der Erdgeist gefahren, dem

das Sein nur, welches die Wirklichkeit des einzelnen Bewußtseins ist,

als die wahre Wirklichkeit gilt.

Es verachtet Verstand und Wissenschaftdes Menschen allerhöchste

Gaben--es hat dem Teufel sich ergebenund muß zugrunde gehn.

Es stürzt also ins Leben, und bringt die reine Individualität, in

welcher es auftritt, zur Ausführung. Es macht sich weniger sein

Glück, als daß es dasselbige unmittelbar nimmt und genießt. Die

Schatten von Wissenschaft, Gesetzen und Grundsätzen, die allein

zwischen ihm und seiner eignen Wirklichkeit stehen, verschwinden, als

ein lebloser Nebel, der es nicht mit der Gewißheit seiner Realität

aufnehmen kann; es nimmt sich das Leben, wie eine reife Frucht

gepflückt wird, welche ebensosehr selbst entgegen kommt, als sie

genommen wird.

Sein Tun ist nur nach einem Momente ein Tun der _Begierde_; es geht

nicht auf die Vertilgung des ganzen gegenständlichen Wesens, sondern

nur auf die Form seines Andersseins oder seiner Selbstständigkeit,

die ein wesenloser Schein ist; denn _an sich_ gilt es ihm für

dasselbe Wesen, oder als seine Selbstheit. Das Element, worin die

Begierde und ihr Gegenstand gleichgültig gegeneinander und

selbstständig bestehen, ist das _lebendige Dasein_; der Genuß der

Begierde hebt dies, insofern es ihrem Gegenstande zukommt, auf. Aber

hier ist dies Element, welches beiden die abgesonderte Wirklichkeit

gibt, vielmehr die Kategorie, ein Sein, das wesentlich ein

_vorgestelltes_ ist; es ist daher das _Bewußtsein_ der

Selbstständigkeit;--sei es nun das natürliche, oder das zu einem

System von Gesetzen ausgebildete Bewußtsein, welches die Individuen

jedes für sich erhält. Diese Trennung ist nicht an sich für das

Selbstbewußtsein, welches als _seine eigne_ Selbstheit das andre weiß.

Es gelangt also zum Genusse der _Lust_, zum Bewußtsein seiner

Verwirklichung in einem als selbstständig erscheinenden Bewußtsein,

oder zur Anschauung der Einheit beider selbstständigen

Selbstbewußtsein. Es erreicht seinen Zweck, erfährt aber eben darin,

was die Wahrheit desselben ist. Es begreift sich als _dieses

einzelne fürsichseiende_ Wesen, aber die Verwirklichung dieses Zwecks

ist selbst das Aufheben desselben, denn es wird sich nicht Gegenstand

als _dieses einzelne_, sondern vielmehr als _Einheit_ seiner selbst

und des andern Selbstbewußtseins, hiemit als aufgehobnes Einzelnes

oder als _Allgemeines_.

Die genossene Lust hat wohl die positive Bedeutung, _sich selbst_ als

gegenständliches Selbstbewußtsein geworden zu sein, aber ebensosehr

die negative, _sich selbst_ aufgehoben zu haben; und indem es seine

Verwirklichung nur in jener Bedeutung begriff, tritt seine Erfahrung

als Widerspruch in sein Bewußtsein ein, worin die erreichte

Wirklichkeit seiner Einzelnheit sich von dem negativen _Wesen_

vernichtet werden sieht, das wirklichkeitslos jener leer

gegenübersteht und doch die verzehrende Macht desselben ist. Dieses

Wesen ist nichts anders als der _Begriff_ dessen, was diese

Individualität an sich ist. Sie ist aber noch die ärmste Gestalt des

sich verwirklichenden Geistes; denn sie ist sich erst die

_Abstraktion_ der Vernunft, oder die _Unmittelbarkeit_ der _Einheit_

des _Für-sich-_ und des _An-sich-seins_; ihr Wesen ist also nur die

_abstrakte_ Kategorie. Jedoch hat sie nicht mehr die Form des

_unmittelbaren, einfachen_ Seins, wie dem beobachtenden Geiste, wo

sie das abstrakte _Sein_ oder, als Fremdes gesetzt, die _Dingheit_

überhaupt ist. Hier ist in diese Dingheit das Für-sich-sein und die

Vermittlung getreten. Sie tritt daher als _Kreis_ auf, dessen Inhalt

die entwickelte reine Beziehung der einfachen Wesenheiten ist. Die

erlangte Verwirklichung dieser Individualität besteht daher in nichts

anderem, als daß sie diesen Kreis von Abstraktionen aus der

Eingeschlossenheit des einfachen Selbstbewußtseins in das Element des

_Für-es-seins_ oder der gegenständlichen Ausbreitung herausgeworfen

hat. Was dem Selbstbewußtsein also in der genießenden Lust als sein

Wesen zum _Gegenstande_ wird, ist die Ausbreitung jener leeren

Wesenheiten, der reinen Einheit, des reinen Unterschiedes und ihrer

Beziehung; weiter hat der Gegenstand, den die Individualität als ihr

_Wesen_ erfährt, keinen Inhalt. Er ist das, was die _Notwendigkeit_

genannt wird; denn die Notwendigkeit, das _Schicksal_ und dergleichen,

ist eben dieses, von dem man nicht zu sagen weiß, _was_ es tue,

welches seine bestimmten Gesetze und positiver Inhalt seie, weil es

der absolute als _Sein_ angeschaute reine Begriff selbst ist, die

einfache und leere, aber unaufhaltsame und unstörbare _Beziehung_,

deren Werk nur das Nichts der Einzelnheit ist. Sie ist dieser _feste

Zusammenhang_, weil das Zusammenhängende die reinen Wesenheiten oder

die leeren Abstraktionen sind; Einheit, Unterschied und Beziehung

sind Kategorien, deren jede nichts an und für sich, nur in Beziehung

auf ihr Gegenteil ist, und die daher nicht auseinanderkommen können.

Sie sind durch ihren _Begriff_ aufeinander bezogen, denn sie sind die

reinen Begriffe selbst; und diese _absolute Beziehung_ und abstrakte

Bewegung macht die Notwendigkeit aus. Die nur einzelne

Individualität, die nur erst den reinen Begriff der Vernunft zu ihrem

Inhalte hat, statt aus der toten Theorie in das Leben sich gestürzt

zu haben, hat sich also vielmehr nur in das Bewußtsein der eignen

Leblosigkeit gestürzt, und wird sich nur als die leere und fremde

Notwendigkeit, als die _tote_ Wirklichkeit zuteil.

Der Übergang geschieht aus der Form des _Eins_ in die der

_Allgemeinheit_, aus einer absoluten Abstraktion in die andere; aus

dem Zwecke des reinen _Für-sich-seins_, das die Gemeinschaft mit

_Andern_ abgeworfen, in das _reine_ Gegenteil, das dadurch ebenso

abstrakte _An-sich-sein_. Dies erscheint hiemit so, daß das

Individuum nur zugrunde gegangen, und die absolute Sprödigkeit der

Einzelnheit an der ebenso harten, aber kontinuierlichen Wirklichkeit

zerstäubt ist.--Indem es als Bewußtsein die Einheit seiner selbst und

seines Gegenteils ist, ist dieser Untergang noch für es; sein Zweck

und seine Verwirklichung, sowie der Widerspruch dessen, was _ihm_ das

Wesen war, und was _an sich_ das Wesen ist;--es erfährt den

Doppelsinn, der in dem liegt, was es tat, nämlich sein _Leben_ sich

_genommen_ zu haben; es nahm das Leben, aber vielmehr ergriff es

damit den Tod.

Dieser _Übergang_ seines lebendigen Seins in die leblose

Notwendigkeit erscheint ihm daher als eine Verkehrung, die durch

nichts vermittelt ist. Das Vermittelnde müßte das sein, worin beide

Seiten eins wären, das Bewußtsein also das eine Moment im andern

erkennte, seinen Zweck und Tun in dem Schicksale, und sein Schicksal

in seinem Zwecke und Tun, _sein eigenes Wesen_ in dieser

_Notwendigkeit_. Aber diese Einheit ist für dies Bewußtsein eben die

Lust selbst, oder das _einfache, einzelne_ Gefühl, und der Übergang

von dem Momente dieses seines Zwecks in das Moment seines wahren

Wesens für es ein reiner Sprung in das Entgegengesetzte; denn diese

Momente sind nicht im Gefühle enthalten und verknüpft, sondern nur im

reinen Selbst, das ein Allgemeines oder das Denken ist. Das

Bewußtsein ist sich daher durch seine Erfahrung, worin ihm seine

Wahrheit werden sollte, vielmehr ein Rätsel geworden, die Folgen

seiner Taten sind ihm nicht seine Taten selbst; was ihm widerfährt,

_für es_ nicht die Erfahrung dessen, was es _an sich_ ist; der

Übergang nicht eine bloße Formänderung desselben Inhalts und Wesens,

einmal vorgestellt als Inhalt und Wesen des Bewußtseins, das

anderemal als Gegenstand oder _angeschautes_ Wesen seiner selbst.

Die _abstrakte Notwendigkeit_ gilt also für die nur negative,

unbegriffene _Macht der Allgemeinheit_, an welcher die Individualität

zerschmettert wird.

Bis hieher geht die Erscheinung dieser Gestalt des Selbstbewußtseins;

das letzte Moment ihrer Existenz ist der Gedanke ihres Verlusts in

der Notwendigkeit, oder der Gedanke ihrer selbst als eines sich

absolut _fremden_ Wesens. Das Selbstbewußtsein _an sich_ hat aber

diesen Verlust überlebt; denn diese Notwendigkeit oder reine

Allgemeinheit ist _sein eignes_ Wesen. Diese Reflexion des

Bewußtseins in sich, die Notwendigkeit als _sich_ zu wissen, ist eine

neue Gestalt desselben.

b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigendünkels

Was die Notwendigkeit in Wahrheit am Selbstbewußtsein ist, dies ist

sie für seine neue Gestalt, worin es sich selbst als das Notwendige

ist; es weiß _unmittelbar_ das _Allgemeine_, oder das _Gesetz_ in

sich zu haben; welches um dieser Bestimmung willen, daß es

_unmittelbar_ in dem Für-sich-sein des Bewußtseins ist, das _Gesetz_

des _Herzens_ heißt. Diese Gestalt ist _für sich_ als _Einzelnheit_

Wesen, wie die vorige, aber sie ist um die Bestimmung reicher, daß

ihr dies _Für-sich-sein_ als notwendiges oder allgemeines gilt.

Das Gesetz also, das unmittelbar das eigne des Selbstbewußtseins ist,

oder ein Herz, das aber ein Gesetz an ihm hat, ist der _Zweck_, den

es zu verwirklichen geht. Es ist zu sehen, ob seine Verwirklichung

diesem Begriffe entsprechen, und ob es in ihr dies sein Gesetz als

das Wesen erfahren wird.

Diesem Herzen steht eine Wirklichkeit gegenüber; denn im Herzen ist

das Gesetz nur erst _für sich_, noch nicht verwirklicht und also

zugleich etwas _Anderes_, als der Begriff ist. Dieses Andere

bestimmt sich dadurch als eine Wirklichkeit, die das Entgegengesetzte

des zu Verwirklichenden, hiemit der _Widerspruch_ des _Gesetzes_ und

der _Einzelnheit_ ist. Sie ist also einerseits ein Gesetz, von dem

die einzelne Individualität gedrückt wird, eine gewalttätige Ordnung

der Welt, welche dem Gesetze des Herzens widerspricht;--und

andererseits eine unter ihr leidende Menschheit, welche nicht dem

Gesetze des Herzens folgt, sondern einer fremden Notwendigkeit

untertan ist.--Diese Wirklichkeit, die der itzigen Gestalt des

Bewußtseins _gegenüber_ erscheint, ist, wie erhellt, nichts anders

als das vorhergehende entzweite Verhältnis der Individualität und

ihrer Wahrheit, das Verhältnis einer grausamen Notwendigkeit, von

welcher jene erdrückt wird. _Für uns_ tritt die vorhergehende

Bewegung darum der neuen Gestalt gegenüber, weil diese an sich aus

ihr entsprungen, das Moment, woraus sie herkommt, also notwendig für

sie ist; ihr aber erscheint es als ein _Vorgefundenes_, indem sie

kein Bewußtsein über ihren _Ursprung_ hat, und ihr das Wesen ist,

vielmehr _für sich_ selbst oder das negative gegen dies positive

An-sich zu sein.

Diese dem Gesetze des Herzens widersprechende Notwendigkeit, sowie

das durch sie vorhandene Leiden, aufzuheben, darauf ist also diese

Individualität gerichtet. Sie ist hiemit nicht mehr der Leichtsinn

der vorigen Gestalt, die nur die einzelne Lust wollte, sondern die

Ernsthaftigkeit eines hohen Zwecks, die ihre Lust in der Darstellung

ihres _vortrefflichen_ eigenen Wesens und in der Hervorbringung des

_Wohls der Menschheit_ sucht. Was sie verwirklicht, ist selbst das

Gesetz, und ihre Lust daher zugleich die allgemeine aller Herzen.

Beides ist ihr _ungetrennt_; ihre Lust das Gesetzmäßige, und die

Verwirklichung des Gesetzes der allgemeinen Menschheit Bereitung

ihrer einzelnen Lust. Denn innerhalb ihrer selbst ist _unmittelbar_

die Individualität und das Notwendige eins; das Gesetz Gesetz des

Herzens. Die Individualität ist noch nicht aus ihrer Stelle gerückt,

und die Einheit beider nicht durch die vermittelnde Bewegung

derselben, noch nicht durch die Zucht zustande gekommen. Die

Verwirklichung des unmittelbaren _ungezogenen_ Wesens gilt für

Darstellung einer Vortrefflichkeit und für Hervorbringung des Wohls

der Menschheit.

Das Gesetz dagegen, welches dem Gesetze des Herzens gegenübersteht,

ist vom Herzen getrennt, und frei für sich. Die Menschheit, die ihm

angehört, lebt nicht in der beglückenden Einheit des Gesetzes mit dem

Herzen, sondern entweder in grausamer Trennung und Leiden, oder

wenigstens in der Entbehrung des Genusses _seiner selbst_ bei der

_Befolgung_ des Gesetzes, und in dem Mangel des Bewußtseins der

eignen Vortrefflichkeit bei der _Überschreitung_ desselben. Weil

jene gewalthabende göttliche und menschliche Ordnung von dem Herzen

getrennt ist, ist sie diesem ein _Schein_, welcher das verlieren soll,

was ihm noch zugesellt ist, nämlich die Gewalt und die Wirklichkeit.

Sie mag in ihrem _Inhalte_ wohl zufälligerweise mit dem Gesetze des

Herzens übereinstimmen, und dann kann sich dieses sie gefallen lassen;

aber nicht das Gesetzmäßige rein als solches ist ihm das Wesen,

sondern daß es darin das Bewußtsein _seiner selbst_, daß es _sich_

darin befriedigt habe. Wo der Inhalt der allgemeinen Notwendigkeit

aber nicht mit dem Herzen übereinstimmt, ist sie auch ihrem Inhalte

nach nichts an sich, und muß dem Gesetze des Herzens weichen.

Das Individuum _vollbringt_ also das Gesetz seines Herzens; es wird

_allgemeine Ordnung_, und die Lust zu einer an und für sich

gesetzmäßigen Wirklichkeit. Aber in dieser Verwirklichung ist es ihm

in der Tat entflohen; es wird unmittelbar nur das Verhältnis, welches

aufgehoben werden sollte. Das Gesetz des Herzens hört eben durch

seine Verwirklichung auf, Gesetz des _Herzens_ zu sein. Denn es

erhält darin die Form des _Seins_, und ist nun _allgemeine Macht_,

für welche _dieses_ Herz gleichgültig ist, so daß das Individuum

_seine eigene_ Ordnung dadurch, daß es sie _aufstellt_, nicht mehr

als die seinige findet. Durch die Verwirklichung seines Gesetzes

bringt es daher nicht _sein_ Gesetz, sondern indem sie _an sich_ die

seinige, für es aber eine fremde ist, nur dies hervor, in die

wirkliche Ordnung sich zu verwickeln; und zwar in sie als eine ihm

nicht nur fremde, sondern feindliche Übermacht.--Durch seine Tat

setzt es sich _in_ oder vielmehr _als_ das allgemeine Element der

seienden Wirklichkeit, und seine Tat soll selbst nach seinem Sinne

den Wert einer allgemeinen Ordnung haben. Aber damit hat es sich von

sich selbst _freigelassen_, es wächst als Allgemeinheit für sich fort

und reinigt sich von der Einzelnheit; das Individuum, welches die

Allgemeinheit nur in der Form seines unmittelbaren Für-sich-seins

erkennen will, erkennt sich also nicht in dieser freien Allgemeinheit,

während es ihr zugleich angehört, denn sie ist sein Tun. Dies Tun

hat daher die verkehrte Bedeutung, der allgemeinen Ordnung zu

_widersprechen_, denn seine Tat soll Tat _seines_ einzelnen Herzens,

nicht freie allgemeine Wirklichkeit sein; und zugleich hat es sie in

der Tat _anerkannt_, denn das Tun hat den Sinn, sein Wesen als _freie

Wirklichkeit_ zu setzen, das heißt die Wirklichkeit als sein Wesen

anzuerkennen.

Das Individuum hat durch den Begriff seines Tuns die nähere Weise

bestimmt, in welcher die wirkliche Allgemeinheit, der es sich

angehörig gemacht, sich gegen es kehrt. Seine Tat gehört als

_Wirklichkeit_ dem Allgemeinen an; ihr Inhalt aber ist die eigene

Individualität, welche sich als diese _einzelne_ dem Allgemeinen

entgegengesetzte erhalten will. Es ist nicht irgendein bestimmtes

Gesetz, von dessen Aufstellung die Rede wäre, sondern die

unmittelbare Einheit des einzelnen Herzens mit der Allgemeinheit ist

der zum Gesetze erhobene und geltensollende Gedanke, daß in dem, was

Gesetz ist, _jedes Herz sich_ selbst erkennen muß. Aber nur das Herz

dieses Individuums hat seine Wirklichkeit in seiner Tat, welche ihm

sein _Für-sich-sein_ oder _seine Lust_ ausdrückt, gesetzt. Sie soll

unmittelbar als Allgemeines gelten, das heißt, sie ist in Wahrheit

etwas Besonderes, und hat nur die Form der Allgemeinheit, sein

_besonderer_ Inhalt soll _als solcher_ für allgemein gelten. Daher

finden in diesem Inhalte die andern nicht das Gesetz ihres Herzens,

sondern vielmehr das _eines andern_ vollbracht, und eben nach dem

allgemeinen Gesetze, daß in dem, was Gesetz ist, jedes sein Herz

finden soll, kehren sie sich ebenso gegen die Wirklichkeit, welche

_es_ aufstellte, als es sich gegen die ihrige kehrte. Das Individuum

findet also, wie zuerst nur das starre Gesetz, itzt die Herzen der

Menschen selbst seinen vortrefflichen Absichten entgegen und zu

verabscheuen.

Weil dies Bewußtsein die Allgemeinheit nur erst als _unmittelbare_,

und die Notwendigkeit als Notwendigkeit des _Herzens_ kennt, ist ihm

die Natur der Verwirklichung und der Wirksamkeit unbekannt, daß sie

als das _Seiende_ in ihrer Wahrheit vielmehr das _an sich Allgemeine_

ist, worin die Einzelnheit des Bewußtseins, die sich ihr anvertraut,

um als _diese_ unmittelbare _Einzelnheit_ zu _sein_, vielmehr

untergeht; statt dieses _seines Seins_ erlangt es also in dem Sein

die Entfremdung _seiner selbst_. Dasjenige, worin es sich nicht

erkennt, ist aber nicht mehr die tote Notwendigkeit, sondern die

Notwendigkeit als belebt durch die allgemeine Individualität. Es

nahm diese göttliche und menschliche Ordnung, die es geltend vorfand,

für eine tote Wirklichkeit, worin, wie es selbst, das sich als dieses

für sich seiende dem Allgemeinen entgegengesetzte Herz fixiert, so

die ihr angehören, das Bewußtsein ihrer selbst nicht hätten; es

findet sie aber vielmehr von dem Bewußtsein aller belebt, und als

Gesetz aller Herzen. Es macht die Erfahrung, daß die Wirklichkeit

belebte Ordnung ist, zugleich in der Tat eben dadurch, daß es das

Gesetz seines Herzens verwirklicht; denn dies heißt nichts anders,

als daß die Individualität sich als Allgemeines zum Gegenstande wird,

worin es sich aber nicht erkennt.

Was also dieser Gestalt des Selbstbewußtseins aus ihrer Erfahrung als

das Wahre hervorgeht, _widerspricht_ dem, was sie _für sich_ ist.

Was sie aber für sich ist, hat selbst die Form absoluter

Allgemeinheit für sie, und es ist das Gesetz des Herzens, welches mit

dem _Selbst_bewußtsein unmittelbar eins ist. Zugleich ist die

bestehende und lebendige Ordnung ebenso sein _eigenes Wesen_ und Werk,

es bringt nichts anders hervor als sie; sie ist in gleich

unmittelbarer Einheit mit dem Selbstbewußtsein. Dieses ist auf diese

Weise, einer gedoppelten entgegengesetzten Wesenheit angehörend, an

sich selbst widersprechend, und im Innersten zerrüttet. Das Gesetz

_dieses_ Herzens ist nur dasjenige, worin das Selbstbewußtsein sich

selbst erkennt; aber die allgemeine gültige Ordnung ist durch die

Verwirklichung jenes Gesetzes, ebenso ihm sein eigenes _Wesen_ und

seine eigene _Wirklichkeit_ geworden; was in seinem Bewußtsein sich

also widerspricht, ist beides in der Form des Wesens und seiner

eignen Wirklichkeit für es.

Indem es dies Moment seines sich bewußten Untergangs und darin das

Resultat seiner Erfahrung ausspricht, zeigt es sich als diese innere

Verkehrung seiner Selbst, als die Verrücktheit des Bewußtseins,

welchem sein Wesen unmittelbar Unwesen, seine Wirklichkeit

unmittelbar Unwirklichkeit ist.--Die Verrücktheit kann nicht dafür

gehalten werden, daß überhaupt etwas Wesenloses für wesentlich, etwas

Nichtwirkliches für wirklich gehalten werde, so daß das, was für den

einen wesentlich oder wirklich ist, es für einen andern nicht wäre,

und das Bewußtsein der Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit oder der

Wesenheit und Unwesenheit auseinander fielen.--Wenn etwas in der Tat

für das Bewußtsein überhaupt wirklich und wesentlich, für mich aber

nicht ist, so habe ich in dem Bewußtsein seiner Nichtigkeit, zugleich

da ich Bewußtsein überhaupt bin, das Bewußtsein seiner Wirklichkeit,

--und indem sie beide fixiert sind, so ist dies eine Einheit, welche

der Wahnsinn im Allgemeinen ist. In diesem ist aber nur ein

_Gegenstand_ für das Bewußtsein verrückt; nicht das Bewußtsein als

solches in und für sich selbst. In dem Resultate des Erfahrens, das

sich hier ergeben hat, ist aber das Bewußtsein in seinem Gesetze sich

_seiner selbst_ als dieses Wirklichen bewußt; und zugleich, indem ihm

ebendieselbe Wesenheit, dieselbe Wirklichkeit _entfremdet_ ist, ist

es als Selbstbewußtsein, als absolute Wirklichkeit sich seiner

Unwirklichkeit bewußt, oder die beiden Seiten gelten ihm nach ihrem

Widerspruche unmittelbar als _sein Wesen,_ das also im Innersten

verrückt ist.

Das Herzklopfen für das Wohl der Menschheit geht darum in das Toben

des verrückten Eigendünkels über; in die Wut des Bewußtseins, gegen

seine Zerstörung sich zu erhalten, und dies dadurch, daß es die

Verkehrtheit, welche es selbst ist, aus sich herauswirft, und sie als

ein Anderes anzusehen und auszusprechen sich anstrengt. Es spricht

also die allgemeine Ordnung aus, als eine von fanatischen Priestern,

schwelgenden Despoten und für ihre Erniedrigung hinabwärts durch

Erniedrigen und Unterdrücken sich entschädigenden Dienern derselben

erfundne und zum namenlosen Elende der betrognen Menschheit

gehandhabte Verkehrung des Gesetzes des Herzens und seines Glückes.

--Das Bewußtsein spricht in dieser seiner Verrücktheit die

_Individualität_ als das Verrückende und Verkehrte aus, aber eine

_fremde_ und _zufällige_. Aber das Herz, oder die _unmittelbar

allgemeinseinwollende Einzelnheit des Bewußtseins_ ist dies

Verrückende und Verkehrte selbst, und sein Tun nur die Hervorbringung

dessen, daß dieser Widerspruch _seinem_ Bewußtsein wird. Denn das

Wahre ist ihm das Gesetz des Herzens--ein bloß _gemeintes_, das nicht,

wie die bestehende Ordnung, den Tag ausgehalten hat, sondern

vielmehr, wie es sich diesem zeigt, zugrunde geht. Dies sein Gesetz

sollte _Wirklichkeit_ haben; hierin ist ihm das Gesetz als

_Wirklichkeit_, als _geltende Ordnung_ Zweck und Wesen, aber

unmittelbar ist ihm ebenso die _Wirklichkeit_, eben das Gesetz als

_geltende Ordnung_, vielmehr das Nichtige.--Ebenso seine _eigne_

Wirklichkeit, _es selbst_ als Einzelnheit des Bewußtseins ist sich

das Wesen; aber es ist ihm Zweck, sie _seiend_ zu setzen; es ist ihm

also unmittelbar vielmehr sein Selbst als Nichteinzelnes das Wesen,

oder Zweck als Gesetz, eben darin als eine Allgemeinheit, welche es

für sein Bewußtsein selbst sei.--Dieser sein Begriff wird durch sein

Tun zu seinem Gegenstande; sein Selbst erfährt es also vielmehr als

das Unwirkliche, und die Unwirklichkeit als seine Wirklichkeit. Es

ist also nicht eine zufällige und fremde Individualität, sondern eben

dieses Herz nach allen Seiten in sich das Verkehrte und Verkehrende.

Indem aber die unmittelbar allgemeine Individualität das Verkehrte

und Verkehrende ist, ist nicht weniger diese allgemeine Ordnung, da

sie das Gesetz aller _Herzen_, das heißt, des Verkehrten ist, selbst

an sich das Verkehrte, wie die tobende Verrücktheit es aussprach.

Einmal erweist sie sich in dem Widerstande, welchen das Gesetz eines

Herzens an den andern Einzelnen findet, _Gesetz_ aller Herzen zu sein.

Die bestehenden Gesetze werden gegen das Gesetz eines Individuums

verteidigt, weil sie nicht bewußtlose, leere und tote Notwendigkeit,

sondern geistige Allgemeinheit und Substanz sind, worin diejenigen,

an denen sie ihre Wirklichkeit hat, als Individuen leben, und ihrer

selbst bewußt sind; so daß, wenn sie auch über diese Ordnung, als ob

sie dem innern Gesetze zuwiderlaufe, klagen und die Meinungen des

Herzens gegen sie halten, in der Tat mit ihrem Herzen an ihr als

ihrem Wesen hängen; und wenn diese Ordnung ihnen genommen wird, oder

sie selbst sich daraussetzen, sie alles verlieren. Indem hierin eben

die Wirklichkeit und Macht der öffentlichen Ordnung besteht,

erscheint also diese als das sich selbst gleiche allgemein belebte

Wesen, und die Individualität als die Form derselben.--Aber diese

Ordnung ist ebenso das Verkehrte.

Denn darin, daß sie das Gesetz aller Herzen ist, daß alle Individuen

unmittelbar dieses Allgemeine sind, ist sie eine Wirklichkeit, welche

nur die Wirklichkeit der _für sich seienden_ Individualität, oder des

Herzens ist. Das Bewußtsein, welches das Gesetz seines Herzens

aufstellt, erfährt also Widerstand von andern, weil es den _ebenso

einzelnen_ Gesetzen ihres Herzens widerspricht, und diese tun in

ihrem Widerstande nichts anders als ihr Gesetz aufstellen und geltend

machen. Das _Allgemeine_, das vorhanden ist, ist daher nur ein

allgemeiner Widerstand und Bekämpfung aller gegeneinander, worin

jeder seine eigene Einzelnheit geltend macht, aber zugleich nicht

dazu kommt, weil sie denselben Widerstand erfährt, und durch die

andern gegenseitig aufgelöst wird. Was öffentliche _Ordnung_ scheint,

ist also diese allgemeine Befehdung, worin jeder an sich reißt, was

er kann, die Gerechtigkeit an der Einzelnheit der Andern ausübt und

die seinige festsetzt, die ebenso durch andere verschwindet. Sie ist

der _Weltlauf_, der Schein eines bleibenden Ganges, der nur eine

_gemeinte Allgemeinheit_, und dessen Inhalt vielmehr das wesenlose

Spiel der Festsetzung der Einzelnheiten und ihrer Auflösung ist.

Betrachten wir beide Seiten der allgemeinen Ordnung gegeneinander, so

hat die letztere Allgemeinheit zu ihrem Inhalte die unruhige

Individualität, für welche die Meinung oder die Einzelnheit Gesetz,

das Wirkliche unwirklich und das Unwirkliche das Wirkliche ist. Sie

ist aber zugleich die _Seite der Wirklichkeit_ der Ordnung, denn ihr

gehört das _Für-sich-sein_ der Individualität an.--Die andere Seite

ist das _Allgemeine_ als _ruhiges_ Wesen, aber eben darum nur als ein

_Inneres_, das nicht gar nicht, aber doch keine Wirklichkeit ist, und

nur durch Aufhebung der Individualität, welche sich die Wirklichkeit

angemaßt hat, selbst wirklich werden kann. Diese Gestalt des

Bewußtseins, sich in dem Gesetze, in dem _an sich_ Wahren und Guten

nicht als die Einzelnheit, sondern nur als _Wesen_ zu werden, die

Individualität aber als das Verkehrte und Verkehrende zu wissen, und

daher die Einzelnheit des Bewußtseins aufopfern zu müssen, ist die

_Tugend_.

c. Die Tugend und der Weltlauf

In der ersten Gestalt der tätigen Vernunft war das Selbstbewußtsein

sich reine Individualität, und ihr gegenüber stand die leere

Allgemeinheit. In der zweiten hatten die beiden Teile des

Gegensatzes jeder die _beiden_ Momente, Gesetz und Individualität, an

ihnen; der eine aber, das Herz, war ihre unmittelbare Einheit, der

andere ihre Entgegensetzung. Hier, im Verhältnisse der Tugend und

des Weltlaufs, sind beide Glieder, jedes Einheit und Gegensatz dieser

Momente, oder eine Bewegung des Gesetzes und der Individualität

gegeneinander, aber eine entgegengesetzte. Dem Bewußtsein der Tugend

ist das _Gesetz_ das _Wesentliche_ und die Individualität das

Aufzuhebende, und also sowohl an ihrem Bewußtsein selbst als an dem

Weltlaufe. An jenem ist die eigne Individualität in die Zucht unter

das Allgemeine, das an sich Wahre und Gute, zu nehmen; es bleibt aber

darin noch persönliches Bewußtsein; die wahre Zucht ist allein die

Aufopfrung der ganzen Persönlichkeit, als die Bewährung, daß es in

der Tat nicht noch an Einzelnheiten festgeblieben ist. In dieser

einzelnen Aufopfrung wird zugleich die Individualität an _dem

Weltlaufe_ vertilgt, denn sie ist auch einfaches beiden

gemeinschaftliches Moment.--In diesem verhält sich die Individualität

auf die verkehrte Weise, als sie am tugendhaften Bewußtsein gesetzt

ist, nämlich sich zum Wesen zu machen, und dagegen das _an sich_ Gute

und Wahre sich zu unterwerfen.--Der Weltlauf ist ferner ebenso für

die Tugend nicht nur dies durch die _Individualität verkehrte_

Allgemeine; sondern die absolute _Ordnung_ ist gleichfalls

gemeinschaftliches Moment, an dem Weltlaufe nur nicht als _seiende

Wirklichkeit_ für das Bewußtsein vorhanden, sondern das _innere

Wesen_ desselben. Sie ist daher nicht erst durch die Tugend

eigentlich hervorzubringen, denn das Hervorbringen ist, als _Tun_,

Bewußtsein der Individualität, und diese vielmehr aufzuheben; durch

dieses Aufheben aber wird dem _An-sich_ des Weltlaufs gleichsam nur

Raum gemacht, an und für sich selbst in die Existenz zu treten.

Der allgemeine _Inhalt_ des wirklichen Weltlaufs hat sich schon

ergeben; näher betrachtet, ist er wieder nichts anders als die beiden

vorhergehenden Bewegungen des Selbstbewußtseins. Aus ihnen ist die

Gestalt der Tugend hervorgegangen; indem sie ihr Ursprung sind, hat

sie sie vor sich; sie geht aber darauf, ihren Ursprung aufzuheben,

und sich zu realisieren, oder _für sich_ zu werden. Der Weltlauf ist

also einerseits die einzelne Individualität, welche ihre Lust und

Genuß sucht, darin zwar ihren Untergang findet, und hiemit das

Allgemeine befriedigt. Aber diese Befriedigung selbst sowie die

übrigen Momente dieses Verhältnisses ist eine verkehrte Gestalt und

Bewegung des Allgemeinen. Die Wirklichkeit ist nur die Einzelnheit

der Lust und des Genusses, das Allgemeine aber ihr entgegengesetzt;

eine Notwendigkeit, welche nur die leere Gestalt desselben, eine nur

negative Rückwirkung und inhaltsloses Tun ist.--Das andere Moment des

Weltlaufs ist die Individualität, welche an und für sich Gesetz sein

will, und in dieser Einbildung die bestehende Ordnung stört; das

allgemeine Gesetz erhält sich zwar gegen diesen Eigendünkel, und

tritt nicht mehr als ein dem Bewußtsein Entgegengesetztes und Leeres,

nicht als eine tote Notwendigkeit auf, sondern als _Notwendigkeit in

dem Bewußtsein selbst_. Aber wie es als die _bewußte_ Beziehung der

absolut widersprechenden Wirklichkeit existiert, ist es die

Verrücktheit; wie es aber als _gegenständliche_ Wirklichkeit ist, ist

es die Verkehrtheit überhaupt. Das Allgemeine stellt sich also wohl

in beiden Seiten als die Macht ihrer Bewegung dar, aber die

_Existenz_ dieser Macht ist nur die allgemeine Verkehrung.

Von der Tugend soll es nun seine wahrhafte Wirklichkeit erhalten,

durch das Aufheben der Individualität, des Prinzips der Verkehrung;

ihr Zweck ist, hiedurch den verkehrten Weltlauf wieder zu verkehren

und sein wahres Wesen hervorzubringen. Dies wahre Wesen ist an dem

Weltlaufe nur erst als sein _An-sich_, es ist noch nicht wirklich;

und die Tugend _glaubt_ es daher nur. Diesen Glauben geht sie zum

Schauen zu erheben, ohne aber der Früchte ihrer Arbeit und

Aufopferung zu genießen. Denn insofern sie _Individualität_ ist, ist

sie das _Tun_ des Kampfes, den sie mit dem Weltlaufe eingeht; ihr

Zweck und wahres Wesen aber ist die Besiegung der Wirklichkeit des

Weltlaufs; die dadurch bewirkte Existenz des Guten ist hiemit das

Aufhören ihres _Tuns_, oder des _Bewußtseins_ der Individualität.

--Wie dieser Kampf selbst bestanden werde, was die Tugend in ihm

erfährt, ob durch die Aufopferung, welche sie über sich nimmt, der

Weltlauf unterliege, die Tugend aber siege--dies muß sich aus der

Natur der lebendigen _Waffen_ entscheiden, welche die Kämpfer führen.

Denn die Waffen sind nichts anderes als das _Wesen_ der Kämpfer

selbst, das nur für sie beide gegenseitig hervortritt. Ihre Waffen

haben sich hiemit schon aus dem ergeben, was an sich in diesem Kampfe

vorhanden ist.

Das _Allgemeine_ ist für das tugendhafte Bewußtsein im _Glauben_ oder

_an sich_ wahrhaft; noch nicht eine wirkliche, sondern eine

_abstrakte_ Allgemeinheit; an diesem Bewußtsein selbst ist es _als

Zweck_, an dem Weltlaufe als _Inneres_. In eben dieser Bestimmung

stellt das Allgemeine sich auch an der Tugend für den Weltlauf dar;

denn sie _will_ das Gute erst ausführen, und gibt selbst es noch

nicht für Wirklichkeit aus. Diese Bestimmtheit kann auch so

betrachtet werden, daß das Gute, indem es in dem Kampf gegen den

Weltlauf auftritt, damit sich darstellt als seiend _für ein Anderes_;

als etwas, das nicht _an und für sich selbst_ ist, denn sonst würde

es nicht durch Bezwingung seines Gegenteils sich erst seine Wahrheit

geben wollen. Es ist nur erst _für ein Anderes_, heißt dasselbe, was

vorher von ihm in der entgegengesetzten Betrachtung sich zeigte,

nämlich es ist erst eine _Abstraktion_, welche nur in dem

Verhältnisse, nicht an und für sich, Realität hat.

Das Gute oder Allgemeine, wie es also hier auftritt, ist dasjenige,

was die _Gaben, Fähigkeiten, Kräfte_ genannt wird. Es ist eine Weise

des Geistigen zu sein, worin es als ein Allgemeines vorgestellt wird,

das zu seiner Belebung und Bewegung des Prinzips der Individualität

bedarf, und in dieser seine _Wirklichkeit_ hat. Von diesem Prinzip,

insofern es am Bewußtsein der Tugend ist, wird dies Allgemeine _gut

angewendet_, von ihm aber, insofern es am Weltlauf ist, _mißbraucht_;

--ein passives Werkzeug, das von der Hand der freien Individualität

regiert, gleichgültig gegen den Gebrauch, den sie von ihm macht, auch

zur Hervorbringung einer Wirklichkeit mißbraucht werden kann, die

seine Zerstörung ist; eine leblose, eigner Selbstständigkeit

entbehrende Materie, die so oder auch anders, und selbst zu ihrem

Verderben geformt werden kann.

Indem dies Allgemeine dem Bewußtsein der Tugend, wie dem Weltlaufe

auf gleiche Weise zu Gebote steht, so ist nicht abzusehen, ob so

ausgerüstet die Tugend das Laster besiegen werde. Die Waffen sind

dieselben; sie sind diese Fähigkeiten und Kräfte. Zwar hat die

Tugend ihren Glauben an die ursprüngliche Einheit ihres Zweckes und

des Wesens des Weltlaufes in den Hinterhalt gelegt, welche dem Feinde

während des Kampfes in den Rücken fallen, und _an sich_ ihn

vollbringen soll; so daß hiedurch in der Tat für den Ritter der

Tugend sein eignes _Tun_ und Kämpfen eigentlich eine Spiegelfechterei

ist, die er nicht für Ernst nehmen _kann_, weil er seine wahrhafte

Stärke darein setzt, daß das Gute _an und für sich selbst_ sei, d.h.

sich selbst vollbringe,--eine Spiegelfechterei, die er auch nicht zum

Ernste werden lassen _darf_. Denn dasjenige, was er gegen den Feind

kehrt, und gegen sich gekehrt findet, und dessen Abnutzung und

Beschädigung er sowohl an ihm selbst als seinem Feinde daran wagt,

soll nicht das Gute selbst sein; denn für dessen Bewahrung und

Ausführung kämpft er; sondern was daran gewagt wird, sind nur die

gleichgültigen Gaben und Fähigkeiten. Allein diese sind in der Tat

nichts anderes als eben dasjenige individualitätslose Allgemeine

selbst, welches durch den Kampf erhalten und verwirklicht werden soll.

--Es ist aber zugleich durch den Begriff des Kampfs selbst

unmittelbar _bereits verwirklicht_; es ist das _An-sich_, das

_Allgemeine_; und seine Verwirklichung heißt nur dieses, daß es

_zugleich für ein Anderes_ sei. Die beiden oben angegebenen Seiten,

nach deren jeder es zu einer Abstraktion wurde, _sind nicht mehr

getrennt_, sondern in und durch den Kampf ist das Gute auf beide

Weisen zumal gesetzt.--Das tugendhafte Bewußtsein tritt aber in den

Kampf gegen den Weltlauf als gegen ein dem Guten Entgegengesetztes;

was er ihm hierin darbietet, ist das Allgemeine, nicht nur als

abstraktes Allgemeines, sondern als ein von der Individualität

belebtes und für ein Anderes seiendes, oder das _wirkliche Gute_. Wo

also die Tugend den Weltlauf anfaßt, trifft sie immer auf solche

Stellen, die die Existenz des Guten selbst sind, das in alle

Erscheinung des Weltlaufs, als das _An-sich_ des Weltlaufs,

unzertrennlich verschlungen ist, und in der Wirklichkeit desselben

auch sein Dasein hat; er ist also für sie unverwundbar. Ebensolche

Existenzen des Guten, und hiemit unverletzliche Verhältnisse, sind

alle Momente, welche von der Tugend selbst an ihr darangesetzt und

aufgeopfert werden sollten. Das Kämpfen kann daher nur ein Schwanken

zwischen Bewahren und Aufopfern sein; oder vielmehr kann weder

Aufopferung des Eignen noch Verletzung des Fremden stattfinden. Die

Tugend gleicht nicht nur jenem Streiter, dem es im Kampfe allein

darum zu tun ist, sein Schwert blank zu erhalten, sondern sie hat

auch den Streit darum begonnen, die Waffen zu bewahren; und nicht nur

kann sie die ihrigen nicht gebrauchen, sondern muß auch die des

Feindes unverletzt erhalten und sie gegen sich selbst schützen, denn

alle sind edle Teile des Guten, für welches sie in den Kampf ging.

Diesem Feinde dagegen ist nicht das _An-sich_, sondern die

_Individualität_ das Wesen; seine Kraft also das negative Prinzip,

welchem nichts bestehend und absolut heilig ist, sondern welches den

Verlust von allem und jedem wagen und ertragen kann. Hiedurch ist

ihm der Sieg ebensosehr an ihm selbst gewiß als durch den Widerspruch,

in welchen sich sein Gegner verwickelt. Was der Tugend _an sich_

ist, ist dem Weltlaufe nur für _ihn_; er ist frei von jedem Momente,

das für sie fest und woran sie gebunden ist. Er hat ein solches

Moment dadurch, daß es für ihn nur als ein solches gilt, das er

ebensowohl aufheben als bestehen lassen kann, in seiner Gewalt; und

damit auch den daran befestigten tugendhaften Ritter. Dieser kann

sich davon nicht als von einem äußerlich umgeworfenen Mantel

loswickeln und durch Hinterlassung desselben sich frei machen; denn

es ist ihm das nicht aufzugebende Wesen.

Was endlich den Hinterhalt betrifft, aus welchem das _gute An-sich_

dem Weltlaufe listigerweise in den Rücken fallen soll, so ist diese

Hoffnung an sich nichtig. Der Weltlauf ist das wache seiner selbst

gewisse Bewußtsein, das nicht von hinten an sich kommen läßt, sondern

allenthalben die Stirne bietet; denn er ist dieses, daß alles _für

ihn_ ist, daß alles _vor ihm_ steht. Das gute _An-sich_ aber, ist es

_für_ seinen Feind, so ist es in dem Kampfe, den wir gesehen haben;

insofern es aber nicht _für ihn_, sondern _an sich_ ist, ist es das

passive Werkzeug der Gaben und Fähigkeiten, die wirklichkeitslose

Materie; als Dasein vorgestellt, wäre es ein schlafendes und dahinten,

man weiß nicht wo, bleibendes Bewußtsein.

Die Tugend wird also von dem Weltlaufe besiegt, weil das abstrakte,

unwirkliche _Wesen_ in der Tat ihr Zweck ist, und weil in Ansehung

der Wirklichkeit ihr Tun auf _Unterschieden_ beruht, die allein in

den _Worten_ liegen. Sie wollte darin bestehen, durch _Aufopferung

der Individualität_ das Gute zur _Wirklichkeit_ zu bringen, aber die

Seite der _Wirklichkeit_ ist selbst nichts anders als die Seite der

_Individualität_. Das Gute sollte dasjenige sein, was _an sich_ und

dem, was _ist_, entgegengesetzt ist, aber das _An-sich_ ist, nach

seiner Realität und Wahrheit genommen, vielmehr das _Sein selbst_.

Das _An-sich_ ist zunächst die _Abstraktion des Wesens_ gegen die

Wirklichkeit; aber die Abstraktion ist eben dasjenige, was nicht

wahrhaft, sondern nur _für das Bewußtsein_ ist; das heißt aber, es

ist selbst dasjenige, was _wirklich_ genannt wird; denn das Wirkliche

ist, was wesentlich _für ein Anderes_ ist, oder es ist das _Sein_.

Das Bewußtsein der Tugend aber beruht auf diesem Unterschiede des

_An-sich_ und des _Seins_, der keine Wahrheit hat.--Der Weltlauf

sollte die Verkehrung des Guten sein, weil er die _Individualität_ zu

seinem Prinzip hatte; allein diese ist das Prinzip der _Wirklichkeit_;

denn eben sie ist das Bewußtsein, wodurch das _Ansichseiende_

ebensosehr _für ein Anderes_ ist; er verkehrt das Unwandelbare, aber

er verkehrt es in der Tat aus dem _Nichts der Abstraktion in das Sein

der Realität_.

Der Weltlauf siegt also über das, was die Tugend im Gegensatze gegen

ihn ausmacht; er siegt über sie, der die wesenlose Abstraktion das

Wesen ist. Er siegt aber nicht über etwas Reales, sondern über das

Erschaffen von Unterschieden, welche keine sind, über diese

pomphaften Reden vom Besten der Menschheit und der Unterdrückung

derselben, von der Aufopferung fürs Gute und dem Mißbrauche der Gaben;

--solcherlei ideale Wesen und Zwecke sinken als leere Worte zusammen,

welche das Herz erheben und die Vernunft leer lassen; erbauen, aber

nichts aufbauen; Deklamationen, welche nur diesen Inhalt bestimmt

aussprechen, daß das Individuum, welches für solche edle Zwecke zu

handeln vorgibt und solche vortreffliche Redensarten führt, sich für

ein vortreffliches Wesen gilt,--eine Aufschwellung, welche sich und

andern den Kopf groß macht, aber groß von einer leeren

Aufgeblasenheit.--Die antike Tugend hatte ihre bestimmte sichere

Bedeutung, denn sie hatte an der _Substanz_ des Volks ihre

_inhaltsvolle Grundlage_, und ein _wirkliches schon existierendes_

Gutes zu ihrem Zwecke; sie war daher auch nicht gegen die

Wirklichkeit als eine _allgemeine Verkehrtheit_ und gegen einen

_Weltlauf_ gerichtet. Die betrachtete aber ist aus der Substanz

heraus, eine wesenlose Tugend, eine Tugend nur der Vorstellung und

der Worte, die jenes Inhalts entbehren.--Diese Leerheit der mit dem

Weltlaufe kämpfenden Rednerei würde sich sogleich aufdecken, wenn

gesagt werden sollte, was ihre Redensarten bedeuten;--sie werden

daher _als bekannt vorausgesetzt_. Die Forderung, dies Bekannte zu

sagen, würde entweder durch einen neuen Schwall von Redensarten

erfüllt, oder ihr die Berufung auf das Herz entgegengesetzt, welches

_innerhalb_ es sage, was sie bedeuten, das heißt, die Unvermögenheit,

_es in der Tat_ zu sagen, würde eingestanden.--Die Nichtigkeit jener

Rednerei scheint auch auf eine bewußtlose Art für die Bildung unsers

Zeitalters Gewißheit erlangt zu haben; indem aus der ganzen Masse

jener Redensarten und der Weise, sich damit aufzuspreizen, alles

Interesse verschwunden ist; ein Verlust, der sich darin ausdrückt,

daß sie nur Langeweile machen.

Das Resultat also, welches aus diesem Gegensatze hervorgeht, besteht

darin, daß das Bewußtsein die Vorstellung von einem _an sich_ Guten,

das noch keine Wirklichkeit hätte, als einen leeren Mantel fahren

läßt. Es hat in seinem Kampfe die Erfahrung gemacht, daß der

Weltlauf so übel nicht ist, als er aussah; denn seine Wirklichkeit

ist die Wirklichkeit des Allgemeinen. Es fällt mit dieser Erfahrung

das Mittel, durch _Aufopferung_ der Individualität das Gute

hervorzubringen, hinweg; denn die Individualität ist gerade die

_Verwirklichung_ des Ansichseienden; und die Verkehrung hört auf, als

eine Verkehrung des Guten angesehen zu werden, denn sie ist vielmehr

eben die Verkehrung desselben als eines bloßen Zwecks in die

Wirklichkeit; die Bewegung der Individualität ist die Realität des

Allgemeinen.

In der Tat ist hiemit aber ebenso dasjenige besiegt worden und

verschwunden, was als _Weltlauf_ dem Bewußtsein des Ansichseienden

gegenüberstand. Das _Für-sich-sein_ der Individualität war daran dem

Wesen oder Allgemeinen entgegengesetzt, und erschien als eine von dem

_An-sich-sein_ getrennte Wirklichkeit. Indem aber sich gezeigt hat,

daß die Wirklichkeit in ungetrennter Einheit mit dem Allgemeinen ist,

so erweist sich das _Für-sich-sein_ des Weltlaufs ebenso, wie das

_An-sich_ der Tugend nur eine _Ansicht_ ist, auch nicht mehr zu sein.

Die Individualität des Weltlaufs mag wohl nur _für sich_ oder

_eigennützig_ zu handeln meinen; sie ist besser, als sie meint, ihr

Tun ist zugleich _ansich_seiendes, _allgemeines_ Tun. Wenn sie

eigennützig handelt, so weiß sie nur nicht, was sie tut, und wenn sie

versichert, alle Menschen handeln eigennützig, so behauptet sie nur,

alle Menschen haben kein Bewußtsein darüber, was das Tun ist.--Wenn

sie _für sich_ handelt, so ist dies eben die Hervorbringung des nur

erst _Ansich_seienden zur Wirklichkeit; der Zweck des

_Für-sich-seins_ also, der dem An-sich sich entgegengesetzt

meint--seine leere Pfiffigkeit, sowie seine feinen Erklärungen, die

den Eigennutz überall aufzuzeigen wissen, sind ebenso verschwunden

als der Zweck des _An-sich_ und seine Rednerei.

Es ist also _das Tun und Treiben der Individualität Zweck an sich

selbst; der Gebrauch der Kräfte, das Spiel ihrer Äußerungen ist es_,

was ihnen, die sonst das tote An-sich wären, Leben gibt, das An-sich

nicht ein unausgeführtes, existenzloses und abstraktes Allgemeines,

sondern es selbst ist unmittelbar diese Gegenwart und Wirklichkeit

des Prozesses der Individualität.

Phänomenologie des Geistes · 第 33 / 46 题