Dieses Bewußtsein, welchem das _Sein_ die Bedeutung des _Seinen_ hat,
sehen wir nun zwar wieder in das Meinen und Wahrnehmen hineingehen,
aber nicht als in die Gewißheit eines nur _Andern_, sondern mit der
Gewißheit, dies Andere selbst zu sein. Früher ist es ihm nur
_geschehen_, manches an dem Dinge wahrzunehmen und zu _erfahren_;
hier stellt es die Beobachtungen und die Erfahrung selbst an. Meinen
und Wahrnehmen, das für uns früher sich aufgehoben, wird nun von dem
Bewußtsein für es selbst aufgehoben; die Vernunft geht darauf, die
Wahrheit zu _wissen_; was für das Meinen und Wahrnehmen ein Ding ist,
als Begriff zu finden, das heißt, in der Dingheit nur das Bewußtsein
ihrer selbst zu haben. Die Vernunft hat daher itzt ein allgemeines
_Interesse_ an der Welt, weil sie die Gewißheit ist, Gegenwart in ihr
zu haben, oder daß die Gegenwart vernünftig ist. Sie sucht ihr
Anderes, indem sie weiß, daran nichts anderes als sich selbst zu
besitzen; sie sucht nur ihre eigne Unendlichkeit.
Zuerst sich in der Wirklichkeit nur ahndend, oder sie nur als das
_Ihrige_ überhaupt wissend, schreitet sie in diesem Sinne zur
allgemeinen Besitznehmung des ihr versicherten Eigentums, und pflanzt
auf alle Höhen und in alle Tiefen das Zeichen ihrer Souveränität.
Aber dieses oberflächliche Mein ist nicht ihr letztes Interesse; die
Freude dieser allgemeinen Besitznehmung findet an ihrem Eigentume
noch das fremde Andre, das die abstrakte Vernunft nicht an ihr selbst
hat. Die Vernunft ahndet sich als ein tieferes Wesen, denn das reine
Ich _ist_, und muß fodern, daß der Unterschied, das _mannigfaltige
Sein_, ihm als das seinige selbst werde, daß es sich als die
_Wirklichkeit_ anschaue, und sich als Gestalt und Ding gegenwärtig
finde. Aber wenn die Vernunft alle Eingeweide der Dinge durchwühlt,
und ihnen alle Adern öffnet, daß sie sich daraus entgegenspringen
möge, so wird sie nicht zu diesem Glücke gelangen, sondern muß an ihr
selbst vorher sich vollendet haben, um dann ihre Vollendung erfahren
zu können.
Das Bewußtsein _beobachtet_; d.h. die Vernunft will sich als seienden
Gegenstand, als _wirkliche, sinnlich-gegenwärtige_ Weise finden, und
haben. Das Bewußtsein dieses Beobachtens meint und sagt wohl, daß es
_nicht sich selbst_, sondern im Gegenteil _das Wesen der Dinge als
der Dinge_ erfahren wolle. Daß dies _Bewußtsein_ dies meint und sagt,
liegt darin, daß es Vernunft _ist_, aber ihm die Vernunft noch nicht
als solche Gegenstand ist. Wenn es die _Vernunft_ als gleiches Wesen
der Dinge und seiner selbst wüßte, und daß sie nur in dem Bewußtsein
in ihrer eigentümlichen Gestalt gegenwärtig sein kann, so würde es
vielmehr in seine eigne Tiefe steigen und sie darin suchen, als in
den Dingen. Wenn es sie in dieser gefunden hätte, würde sie von da
wieder heraus an die Wirklichkeit gewiesen werden, um in dieser ihren
sinnlichen Ausdruck anzuschauen, aber ihn sogleich wesentlich als
_Begriff_ nehmen. Die Vernunft, wie sie _unmittelbar_ als die
Gewißheit des Bewußtseins, alle Realität zu sein, auftritt, nimmt
ihre Realität in dem Sinne der _Unmittelbarkeit des Seins_, und
ebenso die Einheit des Ich mit diesem gegenständlichen Wesen in dem
Sinne einer _unmittelbaren Einheit_, an der sie die Momente des Seins
und Ich noch nicht getrennt und wieder vereinigt, oder die sie noch
nicht erkannt hat. Sie geht daher als beobachtendes Bewußtsein an
die Dinge, in der Meinung, daß sie diese als sinnliche, dem Ich
entgegengesetzte Dinge in Wahrheit nehme; allein ihr wirkliches Tun
widerspricht dieser Meinung; denn sie _erkennt_ die Dinge, sie
verwandelt ihre Sinnlichkeit _in Begriffe_, d.h. eben in ein Sein,
welches zugleich Ich ist, das Denken somit in ein seiendes Denken,
oder das Sein in ein gedachtes Sein, und behauptet in der Tat, daß
die Dinge nur als Begriffe Wahrheit haben. Für dies beobachtende
Bewußtsein wird darin nur dies, was _die Dinge_ sind, für uns aber,
was _es selbst_ ist; das Resultat seiner Bewegung aber wird dies sein,
für sich selbst dies zu werden, was es an sich ist.
_Das Tun_ der beobachtenden Vernunft ist in den Momenten seiner
Bewegung zu betrachten, wie sie die Natur, den Geist, und endlich die
Beziehung beider als sinnliches Sein aufnimmt, und sich als seiende
Wirklichkeit sucht.
a. Beobachtung der Natur
Wenn das gedankenlose Bewußtsein das Beobachten und Erfahren als die
Quelle der Wahrheit ausspricht, so mögen wohl ihre Worte so lauten,
als ob es allein um ein Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören und Sehen
zu tun sei; es vergißt in dem Eifer, womit es das Schmecken, Riechen
u.s.f. empfiehlt, zu sagen, daß es in der Tat auch ebenso wesentlich
den Gegenstand dieses Empfindens sich schon bestimmt hat, und diese
Bestimmung ihm wenigstens soviel gilt als jenes Empfinden. Es wird
auch sogleich eingestehen, daß es ihm nicht so überhaupt nur ums
Wahrnehmen zu tun sei, und z. B. die Wahrnehmung, daß dies
Federmesser neben dieser Tabaksdose liegt, nicht für eine Beobachtung
gelten lassen. Das Wahrgenommene soll wenigstens die Bedeutung eines
_Allgemeinen_, nicht eines _sinnlichen Diesen_ haben.
Dies Allgemeine ist so nur erst das _sich gleich Bleibende_; seine
Bewegung nur das gleichförmige Wiederkehren desselben Tuns. Das
Bewußtsein, welches insofern im Gegenstande nur die _Allgemeinheit_
oder das _abstrakte Mein_ findet, muß die eigentliche Bewegung
desselben auf _sich_ selbst nehmen; indem es noch nicht der Verstand
desselben ist, wenigstens sein Gedächtnis sein, welches das, was in
der Wirklichkeit nur auf einzelne Weise vorhanden ist, auf allgemeine
Weise ausdrückt. Dies oberflächliche Herausheben aus der Einzelnheit,
und die ebenso oberflächliche Form der Allgemeinheit, worein das
Sinnliche nur aufgenommen wird, ohne an sich selbst Allgemeines
geworden zu sein, das _Beschreiben_ der Dinge hat noch in dem
Gegenstande selbst die Bewegung nicht; sie ist vielmehr nur in dem
Beschreiben. Der Gegenstand, wie er beschrieben ist, hat daher das
Interesse verloren; ist der eine beschrieben, so muß ein anderer
vorgenommen, und immer gesucht werden, damit das Beschreiben nicht
ausgehe. Ist es nicht so leicht mehr, neue _ganze_ Dinge zu finden,
so muß zu den schon gefundenen zurückgegangen werden, sie weiter zu
teilen, auseinanderzulegen, und neue Seiten der Dingheit an ihnen
noch aufzuspüren. Diesem rastlosen, unruhigen Instinkte kann es nie
an Material gebrechen; eine neue ausgezeichnete Gattung zu finden,
oder gar einen neuen Planeten, dem, ob er zwar ein Individuum ist,
doch die Natur eines Allgemeinen zukommt, zu finden, kann nur
Glücklichen zuteil werden. Aber die Grenzen dessen, was wie der
Elefant, die Eiche, das Gold _ausgezeichnet_, was _Gattung_ und _Art_
ist, geht durch viele Stufen in die unendliche _Besonderung_ der
chaotischen Tiere und Pflanzen, der Gebirgsarten, oder der durch
Gewalt und Kunst erst darzustellenden Metalle, Erden u.s.f. über. In
diesem Reiche der Unbestimmtheit des Allgemeinen, worin die
Besonderung wieder der _Vereinzelung_ sich nähert, und in sie hie und
da auch wieder ganz herabsteigt, ist ein unerschöpflicher Vorrat fürs
Beobachten und Beschreiben aufgetan. Hier aber, wo ihm ein
unübersehbares Feld sich eröffnet, an der Grenze des Allgemeinen kann
es vielmehr statt eines unermeßlichen Reichtums nur die Schranke der
Natur und seines eignen Tuns gefunden haben; es kann nicht mehr
wissen, ob das an sich zu sein Scheinende nicht eine Zufälligkeit ist;
was das Gepräge eines verwirrten oder unreifen, schwachen und der
elementarischen Unbestimmtheit kaum sich entwickelnden Gebildes an
sich trägt, kann nicht darauf Anspruch machen, auch nur beschrieben
zu werden.
Wenn es diesem Suchen und Beschreiben nur um die Dinge zu tun zu sein
scheint, so sehen wir es in der Tat nicht an dem _sinnlichen
Wahrnehmen_ fortlaufen, sondern das, woran die Dinge _erkannt_ werden,
ist ihm wichtiger als der übrige Umfang der sinnlichen Eigenschaften,
welche das Ding selbst wohl nicht entbehren kann, aber deren das
Bewußtsein sich entübrigt. Durch diese Unterscheidung in das
_Wesentliche_ und _Unwesentliche_ erhebt sich der Begriff aus der
sinnlichen Zerstreuung empor, und das Erkennen erklärt darin, daß es
ihm wenigstens ebenso wesentlich _um sich selbst_ als um die Dinge zu
tun ist. Es gerät bei dieser gedoppelten Wesentlichkeit in ein
Schwanken, ob das, was für _das Erkennen_ das Wesentliche und
Notwendige ist, es auch an _den Dingen_ sei. Einesteils sollen die
_Merkmale_ nur dem Erkennen dienen, wodurch es die Dinge voneinander
unterscheide; aber andernteils nicht das Unwesentliche der Dinge
erkannt werden, sondern das, wodurch sie selbst aus der allgemeinen
Kontinuität des Seins überhaupt sich _losreißen_, sich von dem Andern
_abscheiden_ und _für sich_ sind. Die Merkmale sollen nicht nur
wesentliche Beziehung auf das Erkennen haben, sondern auch die
wesentlichen Bestimmtheiten der Dinge, und das künstliche System dem
Systeme der Natur selbst gemäß sein, und nur dieses ausdrücken. Aus
dem Begriffe der Vernunft ist dies notwendig, und der Instinkt
derselben--denn sie verhält sich nur als solcher in diesem
Beobachten--hat auch in seinen Systemen diese Einheit erreicht, wo
nämlich ihre Gegenstände selbst so beschaffen sind, daß sie eine
Wesentlichkeit oder ein _Für-sich-sein_ an ihnen haben, und nicht nur
Zufall dieses _Augenblicks_ oder dieses _Hier_ sind. Die
Unterscheidungsmerkmale der Tiere z. B. sind von den Klauen und
Zähnen genommen; denn in der Tat _unterscheidet_ nicht nur das
Erkennen dadurch ein Tier von dem andern; sondern das Tier _scheidet_
sich dadurch selbst ab; durch diese Waffen erhält es sich _für sich_,
und gesondert von dem Allgemeinen. Die Pflanze dagegen kommt nicht
zum _Für-sich_-_sein_, sondern berührt nur die Grenze der
Individualität; an dieser Grenze, wo sie den Schein der _Entzweiung_
in Geschlechter aufzeigt, ist sie deswegen aufgenommen und
unterschieden worden. Was aber weiter hinuntersteht, kann sich nicht
mehr selbst von anderem unterscheiden, sondern geht verloren, indem
es in den Gegensatz kommt. Das _ruhende Sein_, und das _Sein im
Verhältnisse_ kommt in Streit miteinander, das Ding ist in diesem
etwas anders als nach jenem, da hingegen das Individuum dies ist, im
Verhältnisse zu anderem sich zu erhalten. Was aber dies nicht vermag,
und _chemischerweise_ ein anderes wird, als es _empirischerweise_
ist, verwirrt das Erkennen, und bringt es in denselben Streit, ob es
sich an die eine und andere Seite halten soll, da das Ding selbst
nichts Gleichbleibendes ist, und sie an ihm auseinanderfallen.
In solchen Systemen des allgemeinen Sichgleichbleibenden hat also
dieses die Bedeutung, ebensowohl das Sichgleichbleibende des
Erkennens wie der Dinge selbst zu sein. Allein diese Ausbreitung
_der gleichbleibenden Bestimmtheiten_, deren jede ruhig die Reihe
ihres Fortgangs beschreibt, und Raum erhält, um für sich zu gewähren,
geht wesentlich ebensosehr in ihr Gegenteil über, in die Verwirrung
dieser Bestimmtheiten; denn das Merkmal, die allgemeine Bestimmtheit,
ist die Einheit des Entgegengesetzten, des Bestimmten und des an sich
Allgemeinen; sie muß also in diesen Gegensatz auseinandertreten.
Wenn nun die Bestimmtheit nach einer Seite das Allgemeine, worin sie
ihr Wesen hat, besiegt, so erhält dieses dagegen auf der andern Seite
ebenso sich seine Herrschaft über sie, treibt die Bestimmtheit an
ihre Grenze, vermischt da ihre Unterschiede und Wesentlichkeiten.
Das Beobachten, welches sie ordentlich auseinanderhielt und an ihnen
etwas Festes zu haben glaubte, sieht über ein Prinzip die andern
herübergreifen, Übergänge und Verwirrungen sich bilden, und in diesem
das verbunden, was es zuerst für schlechthin getrennt nahm, und
getrennt, was es zusammenrechnete; so daß dies Festhalten an dem
ruhigen, sichgleichbleibenden Sein sich hier gerade in seinen
allgemeinsten Bestimmungen, z. B. was das Tier, die Pflanze für
wesentliche Merkmale habe, mit Instanzen geneckt sehen muß, die ihm
jede Bestimmung rauben, die Allgemeinheit, zu der es sich erhob, zum
Verstummen bringen, und es aufs gedankenlose Beobachten und
Beschreiben zurücksetzen.
Dieses sich auf das Einfache einschränkende oder die sinnliche
Zerstreuung durch das Allgemeine beschränkende Beobachten findet also
an seinem Gegenstande die _Verwirrung seines Prinzips_, weil das
Bestimmte durch seine Natur sich in seinem Gegenteile verlieren muß;
die Vernunft muß darum vielmehr von der _trägen_ Bestimmtheit, die
den Schein des Bleibens hatte, zur Beobachtung derselben, wie sie in
Wahrheit ist, nämlich _sich auf ihr Gegenteil zu beziehen_, fortgehen.
Was wesentliche Merkmale genannt werden, sind _ruhende_
Bestimmtheiten, welche so, wie sie als _einfache_ sich ausdrücken und
aufgefaßt werden, nicht das, was ihre Natur ausmacht, verschwindende
_Momente_ der sich in sich zurücknehmenden Bewegung zu sein,
darstellen. Indem itzt der Vernunftinstinkt dazu kömmt, die
Bestimmtheit ihrer Natur gemäß, wesentlich nicht für sich zu sein,
sondern in das Entgegengesetzte überzugehen, aufzusuchen, sucht er
nach dem _Gesetze_ und dem _Begriffe_ desselben; zwar nach ihnen
ebenso als _seiender_ Wirklichkeit, aber diese wird ihm in der Tat
verschwinden, und die Seiten des Gesetzes zu reinen Momenten oder
Abstraktionen werden, so daß das Gesetz in der Natur des Begriffes
hervortritt, welcher das gleichgültige Bestehen der sinnlichen
Wirklichkeit an sich vertilgt hat.
Dem beobachtenden Bewußtsein ist die _Wahrheit des Gesetzes_ in der
_Erfahrung_, als in der Weise, daß _sinnliches Sein für es_ ist;
nicht an und für sich selbst. Wenn aber das Gesetz nicht in dem
Begriffe seine Wahrheit hat, so ist es etwas Zufälliges, nicht eine
Notwendigkeit, oder in der Tat nicht ein Gesetz. Aber daß es
wesentlich als Begriff ist, widerstreitet nicht nur dem nicht, daß es
für die Beobachtung vorhanden ist, sondern hat darum vielmehr
notwendiges _Dasein_, und ist für die Beobachtung. Das Allgemeine,
im _Sinne der Vernunftallgemeinheit_, ist auch allgemein in dem Sinne,
den jener an ihm hat, daß es _für das_ Bewußtsein sich als das
Gegenwärtige und Wirkliche, oder daß der Begriff sich in der Weise
der Dingheit und des sinnlichen Seins darstellt;--aber ohne darum
seine Natur zu verlieren, und in das träge Bestehen oder die
gleichgültige Aufeinanderfolge hinabgefallen zu sein. Was allgemein
gültig ist, ist auch allgemein geltend; was sein _soll, ist_ in der
Tat auch, und was nur sein _soll_, ohne zu _sein_, hat keine Wahrheit.
Hieran bleibt der Instinkt der Vernunft mit Recht seinerseits fest
hängen, und läßt sich nicht durch die Gedankendinge, die nur sein
_sollen_, und als _Sollen_ Wahrheit haben sollen, ob sie schon in
keiner Erfahrung angetroffen werden,--durch die Hypothesen so wenig
als durch alle andere Unsichtbarkeiten eines perennierenden Sollens
irre machen; denn die Vernunft ist eben diese Gewißheit, Realität zu
haben, und was nicht als ein Selbstwesen für das Bewußtsein ist, das
heißt, was nicht erscheint, ist für es gar nichts.
Daß die Wahrheit des Gesetzes wesentlich _Realität_ ist, wird zwar
diesem bei dem Beobachten bleibenden Bewußtsein wieder zu einem
_Gegensatze_ gegen den Begriff, und gegen das an sich Allgemeine,
oder ein Solches, wie sein Gesetz ist, ist ihm nicht ein Wesen der
Vernunft; es meint darin etwas _Fremdes_ zu erhalten. Allein es
widerlegt diese seine Meinung durch die Tat, in welcher es selbst
seine Allgemeinheit nicht in dem Sinne nimmt, daß _alle einzelnen_
sinnlichen Dinge ihm die Erscheinung des Gesetzes gezeigt haben
müßten, um die Wahrheit desselben behaupten zu können. Daß die
Steine, von der Erde aufgehoben und freigelassen, fallen, dazu fodert
es gar nicht, daß mit allen Steinen dieser Versuch gemacht werde; es
sagt vielleicht wohl, daß dies wenigstens mit sehr vielen müsse
versucht worden sein, woraus dann auf die übrigen mit größter
Wahrscheinlichkeit, oder mit vollem Rechte _nach der Analogie_
geschlossen werden könne. Allein die Analogie gibt nicht nur kein
volles Recht, sondern sie widerlegt, um ihrer Natur willen, sich so
oft, daß, nach der Analogie selbst zu schließen, die Analogie
vielmehr keinen Schluß zu machen erlaubt. Die _Wahrscheinlichkeit_,
auf welche sich das Resultat derselben reduzieren würde, verliert
gegen die _Wahrheit_ allen Unterschied von geringerer und größerer
Wahrscheinlichkeit; sie sei so groß, als sie will, ist sie nichts
gegen die Wahrheit. Der Instinkt der Vernunft nimmt aber in der Tat
solche Gesetze für _Wahrheit_ an, und erst in Beziehung auf ihre
Notwendigkeit, die er nicht erkennt, gerät er in diese Unterscheidung,
und setzt die Wahrheit der Sache selbst zur Wahrscheinlichkeit herab,
um die unvollkommene Weise, in welcher die Wahrheit für das
Bewußtsein, das die Einsicht in den reinen Begriff noch nicht
erreicht hat, vorhanden ist, zu bezeichnen; denn die Allgemeinheit
ist nur als _einfache unmittelbare_ Allgemeinheit vorhanden. Aber
zugleich um ihrer willen hat das Gesetz für das Bewußtsein Wahrheit;
daß der Stein fällt, ist ihm darum wahr, weil ihm der Stein _schwer_
ist, das heißt, weil er in der Schwere _an und für sich selbst_ die
wesentliche Beziehung _auf die Erde_ hat, die sich als Fall ausdrückt.
Es hat also in der Erfahrung das Sein des Gesetzes, aber ebenso
dasselbe als _Begriff_, und nur um _beider Umstände willen_ zusammen
ist es ihm wahr; es gilt darum als Gesetz, weil es in der Erscheinung
sich darstellt, und zugleich an sich selbst Begriff ist.
Der Vernunftinstinkt dieses Bewußtseins geht, weil das Gesetz
zugleich _an sich Begriff_ ist, notwendig, aber ohne zu wissen, daß
er dies will, selbst darauf, das Gesetz und seine Momente zum
_Begriffe zu reinigen_. Er stellt Versuche über das Gesetz an. Wie
das Gesetz zuerst erscheint, stellt es sich unrein, umhüllt von
einzelnem sinnlichem Sein, der Begriff, der seine Natur ausmacht, im
empirischen Stoff versenkt dar. Der Vernunftinstinkt geht in seinen
Versuchen darauf, zu finden, was unter diesen und jenen Umständen
erfolge. Das Gesetz scheint hiedurch nur um so mehr in sinnliches
Sein getaucht zu werden; allein dies geht darin vielmehr verloren.
Diese Forschung hat die innere Bedeutung, _reine Bedingungen_ des
Gesetzes zu finden; was nichts anderes sagen will, wenn auch das
Bewußtsein, das sich so ausdrückt, meinen sollte, es sage damit etwas
anderes, als das Gesetz ganz in die Gestalt des Begriffs zu erheben,
und alle Gebundenheit _seiner Momente_ an _bestimmtes Sein zu tilgen_.
Die negative Elektrizität, zum Beispiel, welche etwa zuerst als
_Harz_elektrizität so wie die positive als _Glas_elektrizität sich
ankündigt, verliert durch die Versuche ganz diese Bedeutung, und wird
rein zur _positiven_ und _negativen_ Elektrizität, deren jede nicht
einer besonderen Art von Dingen mehr angehört; und es hört auf,
gesagt werden zu können, daß es Körper gibt, die positiv elektrisch,
andere, die negativ elektrisch sind. So macht auch das Verhältnis
von Säure und Base und deren Bewegung gegeneinander ein Gesetz aus,
worin diese Gegensätze als Körper erscheinen. Allein diese
abgesonderten Dinge haben keine Wirklichkeit; die Gewalt, welche sie
auseinanderreißt, kann sie nicht hindern, sogleich in einen Prozeß
wieder einzutreten; denn sie sind nur diese Beziehung. Sie können
nicht wie ein Zahn oder eine Klaue für sich bleiben, und so
aufgezeigt werden. Daß dies ihr Wesen ist, unmittelbar in ein
neutrales Produkt überzugehen, macht ihr _Sein_ zu einem an sich
aufgehobenen, oder zu einem allgemeinen, und Säure und Base haben
Wahrheit nur als _Allgemeine_. Wie also Glas und Harz ebensowohl
positiv als negativ elektrisch sein kann, so ist Säure und Base nicht
als Eigenschaft an diese oder jene _Wirklichkeit_ gebunden, sondern
jedes Ding ist nur _relativ_ sauer oder basisch; was dezidierte Base
oder Säure zu sein scheint, erhält in den sogenannten Synsomatien die
entgegengesetzte Bedeutung zu einem andern.--Das Resultat der
Versuche hebt auf diese Weise die Momente oder Begeistungen als
Eigenschaften der bestimmten Dinge auf, und befreit die Prädikate von
ihren Subjekten. Diese Prädikate werden, wie sie in Wahrheit sind,
nur als allgemeine gefunden; um dieser Selbstständigkeit willen
erhalten sie daher den Namen von _Materien_, welche weder Körper noch
Eigenschaften sind, und man hütet sich wohl, Sauerstoff u.s.f.
positive und negative Elektrizität, Wärme u.s.w. Körper zu nennen.
Die _Materie_ ist hingegen nicht ein _seiendes Ding_, sondern das
Sein als _allgemeines_, oder in der Weise des Begriffs. Die Vernunft,
welche noch Instinkt, macht diesen richtigen Unterschied ohne das
Bewußtsein, daß sie, indem sie das Gesetz an allem sinnlichen Sein
versucht, eben darin sein nur sinnliches Sein aufhebt, und, indem sie
seine Momente als _Materien_ auffaßt, ihre Wesenheit ihm zum
Allgemeinen geworden, und in diesem Ausdrucke als ein unsinnliches
Sinnliches, als ein körperloses und doch gegenständliches Sein
ausgesprochen ist.
Es ist nun zu sehen, welche Wendung für ihn sein Resultat nimmt, und
welche neue Gestalt seines Beobachtens damit auftritt. Als die
Wahrheit dieses versuchenden Bewußtseins sehen wir das reine Gesetz,
welches sich vom sinnlichen Sein befreit, wir sehen es als _Begriff_,
der im sinnlichen Sein vorhanden, aber in ihm selbstständig und
ungebunden sich bewegt, in es versenkt frei davon und _einfacher_
Begriff ist. Dies, was in Wahrheit das _Resultat_ und _Wesen_ ist,
tritt für dies Bewußtsein nun selbst, aber als _Gegenstand_ auf, und
zwar indem er eben für es nicht _Resultat_ und ohne die Beziehung auf
die vorhergehende Bewegung ist, als eine _besondere Art_ von
Gegenstand, und sein Verhältnis zu diesem als ein anderes Beobachten.
Solcher Gegenstand, welcher den Prozeß in der _Einfachheit_ des
Begriffes an ihm hat, ist das _Organische_. Es ist diese absolute
Flüssigkeit, worin die Bestimmtheit, durch welche es nur _für
Anderes_ wäre, aufgelöst ist. Wenn das unorganische Ding die
Bestimmtheit zu seinem Wesen hat, und deswegen nur mit einem andern
Dinge zusammen die Vollständigkeit der Momente des Begriffs ausmacht,
und daher in die Bewegung tretend verloren geht; so sind dagegen an
dem organischen Wesen alle Bestimmtheiten, durch welche es für
Anderes offen ist, unter die organische einfache Einheit gebunden; es
tritt keine als wesentlich auf, welche sich frei auf Anderes bezöge;
und das Organische erhält sich daher in seiner Beziehung selbst.
Die _Seiten des Gesetzes_, auf dessen Beobachtung hier der
Vernunftinstinkt geht, sind, wie aus dieser Bestimmung folgt,
zunächst die _organische_ Natur und die _unorganische in_ ihrer
Beziehung aufeinander. Diese letztere ist für die organische eben
die ihrem _einfachen Begriffe_ entgegengesetzte Freiheit der
_losgebundenen_ Bestimmtheiten, in welchen die individuelle Natur
_zugleich aufgelöst_, und aus deren Kontinuität sie _zugleich_ sich
absondert und _für sich_ ist. Luft, Wasser, Erde, Zonen und Klima
sind solche allgemeine Elemente, die das unbestimmte einfache Wesen
der Individualitäten ausmachen, und worin diese zugleich in sich
reflektiert sind. Weder die Individualität ist schlechthin an und
für sich noch das Elementarische, sondern in der selbstständigen
Freiheit, in welcher sie für die Beobachtung gegeneinander auftreten,
verhalten sie sich zugleich als _wesentliche Beziehungen_, aber so,
daß die Selbstständigkeit und Gleichgültigkeit beider gegeneinander
das Herrschende ist, und nur zum Teil in die Abstraktion übergeht.
Hier ist also das Gesetz, als die Beziehung eines Elements auf die
Bildung des Organischen vorhanden, welches das elementarische Sein
einmal gegen sich über hat, und das andremal es an seiner organischen
Reflexion darstellt. Allein solche _Gesetze_, daß die Tiere, welche
der Luft angehören, von der Beschaffenheit der Vögel, welche dem
Wasser, von der Beschaffenheit der Fische sind, nordische Tiere ein
dickbehaartes Fell haben und so fort, zeigen sogleich eine Armut,
welche der organischen Mannigfaltigkeit nicht entspricht. Außerdem
daß die organische Freiheit diesen Bestimmungen ihre Formen wieder zu
entziehen weiß, und notwendig allenthalben Ausnahmen solcher Gesetze
oder Regeln, wie man sie nennen wollte, darbietet, so bleibt dies an
denjenigen selbst, welche unter sie fallen, eine so oberflächliche
Bestimmung, daß auch der Ausdruck ihrer Notwendigkeit nicht anders
sein kann, und es nicht über den _großen Einfluß_ hinausbringt; wobei
man nicht weiß, was diesem Einflusse eigentlich angehört, und was
nicht. Dergleichen Beziehungen des organischen auf das
elementarische sind daher in der Tat nicht _Gesetze_ zu nennen, denn
teils erschöpft, wie erinnert, eine solche Beziehung, ihrem Inhalte
nach, gar nicht den Umfang des Organischen, teils bleiben aber auch
die Momente der Beziehung selbst gleichgültig gegeneinander, und
drücken keine Notwendigkeit aus. Im Begriffe der Säure liegt der
_Begriff_ der Base, wie im Begriffe der positiven die negative
Elektrizität; aber so sehr auch das dickbehaarte Fell mit dem Norden,
oder der Bau der Fische mit dem Wasser, der Bau der Vögel mit der
Luft zusammen _angetroffen_ werden mag, so liegt im Begriffe des
Nordens nicht der Begriff dicker Behaarung, des Meeres nicht der des
Baues der Fische, der Luft nicht der des Baus der Vögel. Um dieser
Freiheit beider Seiten gegeneinander willen _gibt_ es auch Landtiere,
welche die wesentlichen Charaktere eines Vogels, des Fisches haben u.
s.f. Die Notwendigkeit, weil sie als keine innere des Wesens
begriffen werden kann, hört auch auf, sinnliches Dasein zu haben, und
kann nicht mehr an der Wirklichkeit beobachtet werden, sondern ist
aus ihr _herausgetreten._ So an dem realen Wesen selbst sich nicht
findend, ist sie das, was teleologische Beziehung genannt wird, eine
Beziehung, die den bezogenen _äußerlich_, und daher vielmehr das
Gegenteil eines Gesetzes ist. Sie ist der von der notwendigen Natur
ganz befreite Gedanke, welcher sie verläßt, und über ihr sich für
sich bewegt.
Wenn die vorhin berührte Beziehung des Organischen auf die
elementarische Natur das Wesen desselben nicht ausdrückt, so ist es
dagegen in dem _Zweckbegriffe_ enthalten. Diesem beobachtenden
Bewußtsein zwar ist er nicht das eigne _Wesen_ des Organischen,
sondern fällt ihm außer demselben, und ist dann nur jene äußerliche,
_teleologische_ Beziehung. Allein wie vorhin das Organische bestimmt
worden, ist es in der Tat der reale Zweck selbst; denn indem es
_sich_ in der Beziehung auf Anderes _selbst erhält_, ist es eben
dasjenige natürliche Wesen, in welchem die Natur sich in den Begriff
reflektiert, und die an der Notwendigkeit auseinandergelegten Momente
einer Ursache und einer Wirkung, eines Tätigen und eines Leidenden,
in eins zusammengenommen; so daß hier etwas nicht nur als _Resultat_
der Notwendigkeit auftritt; sondern, weil es in sich zurückgegangen
ist, ist das Letzte oder das Resultat ebensowohl das _Erste_, welches
die Bewegung anfängt, und sich der _Zweck_, den es verwirklicht. Das
Organische bringt nicht etwas hervor, sondern _erhält sich nur_, oder
das, was hervorgebracht wird, ist ebenso schon vorhanden, als es
hervorgebracht wird.
Diese Bestimmung ist, wie sie an sich und wie sie für den
Vernunftinstinkt ist, näher zu erörtern, um zu sehen, wie er sich
darin findet, sich aber in seinem Funde nicht erkennt. Der
Zweckbegriff also, zu dem die beobachtende Vernunft sich erhebt, wie
es ihr _bewußter Begriff_ ist, ist ebensosehr als ein _Wirkliches_
vorhanden; und ist nicht nur eine _äußere Beziehung_ desselben,
sondern sein _Wesen_. Dieses Wirkliche, welches selbst ein Zweck ist,
bezieht sich zweckmäßig auf Anderes, heißt, seine Beziehung ist eine
zufällige, _nach dem, was beide unmittelbar sind_; unmittelbar sind
beide selbstständig, und gleichgültig gegeneinander. Das Wesen ihrer
Beziehung aber ist ein anderes, als sie so zu sein scheinen, und ihr
Tun hat einen andern Sinn, als es _unmittelbar_ für das sinnliche
Wahrnehmen ist; die Notwendigkeit ist an dem, was geschieht,
verborgen, und zeigt sich erst _am Ende_, aber so, daß eben dies Ende
zeigt, daß sie auch das Erste gewesen ist. Das Ende aber zeigt diese
Priorität seiner selbst dadurch, daß durch die Veränderung, welche
das Tun vorgenommen hat, nichts anders herauskommt, als was schon war.
Oder wenn wir vom Ersten anfangen, so geht dieses an seinem Ende
oder in dem Resultate seines Tuns nur zu sich selbst zurück; und eben
hiedurch erweist es sich, ein solches zu sein, welches _sich selbst_
zu seinem Ende hat, also als Erstes schon zu sich zurückgekommen,
oder _an und für sich selbst_ ist. Was es also durch die Bewegung
seines Tuns erreicht, ist _es selbst_; und daß es nur sich selbst
erreicht, ist sein _Selbstgefühl_. Es ist hiemit zwar der
Unterschied dessen, _was es ist_, und _was es sucht_, vorhanden, aber
dies ist nur der _Schein eines Unterschieds_, und hiedurch ist es
Begriff an ihm selbst.
Ebenso ist aber das _Selbstbewußtsein_ beschaffen, sich auf eine
solche Weise von sich zu unterscheiden, worin zugleich kein
Unterschied herauskommt. Es findet daher in der Beobachtung der
organischen Natur nichts anders als dies Wesen, es findet sich als
ein Ding, _als ein Leben_, macht aber noch einen Unterschied zwischen
dem, was es selbst ist, und was es gefunden, der aber keiner ist.
Wie der Instinkt des Tieres das Futter sucht und verzehrt, aber damit
nichts anders herausbringt als sich, so findet auch der Instinkt der
Vernunft in seinem Suchen nur sie selbst. Das Tier endigt mit dem
Selbstgefühle. Der Vernunftinstinkt hingegen ist zugleich
Selbstbewußtsein; aber weil er nur Instinkt ist, ist er gegen das
Bewußtsein auf die Seite gestellt, und hat an ihm seinen Gegensatz.
Seine Befriedigung ist daher durch diesen entzweit, er findet wohl
sich selbst, nämlich den _Zweck_, und ebenso diesen Zweck als _Ding_.
Aber der Zweck fällt ihm erstlich _außer dem Dinge_, welches sich
als Zweck darstellt. Dieser Zweck als Zweck ist zweitens zugleich
_gegenständlich_, er fällt ihm daher auch nicht in sich als
Bewußtsein, sondern in einen andern Verstand.
Näher betrachtet, so liegt diese Bestimmung ebensowohl in dem
Begriffe des Dinges, daß es _Zweck an ihm selbst_ ist. Es nämlich
erhält _sich_; d.h. zugleich, es ist seine Natur, die Notwendigkeit
zu verbergen und in der Form _zufälliger_ Beziehung darzustellen;
denn seine Freiheit oder _Für-sich-sein_ ist eben dieses, sich gegen
sein Notwendiges als ein Gleichgültiges zu verhalten; es stellt sich
also selbst als ein solches dar, dessen Begriff außer seinem Sein
falle. Ebenso hat die Vernunft die Notwendigkeit, ihren eigenen
Begriff als außer ihr fallend, hiemit als _Ding_ anzuschauen, als ein
solches, gegen das sie, und das hiemit gegenseitig gegen sie und
gegen seinen Begriff _gleichgültig_ ist. Als Instinkt bleibt sie
auch innerhalb dieses _Seins_ oder der _Gleichgültigkeit_ stehen, und
das Ding, welches den Begriff ausdrückt, bleibt ihm ein anderes als
dieser Begriff, der Begriff ein anderes als das Ding. So ist das
organische Ding für sie nur so _Zweck_ an ihm selbst, daß die
Notwendigkeit, welche in seinem Tun als verborgen sich darstellt,
indem das Tuende darin als ein gleichgültiges Fürsichseiendes sich
verhält, außer dem Organischen selbst fällt.--Da aber das Organische
als Zweck an ihm selbst sich nicht anders verhalten kann denn als ein
solches, so ist auch dies erscheinend und sinnlich gegenwärtig, daß
es Zweck an ihm selbst ist, und es wird so beobachtet. Das
Organische zeigt sich als ein sich selbst _erhaltendes_ und in sich
_zurückkehrendes_ und _zurückgekehrtes_. Aber in diesem Sein erkennt
dies beobachtende Bewußtsein den Zweckbegriff nicht, oder dies nicht,
daß der Zweckbegriff nicht sonst irgendwo in einem Verstande, sondern
eben hier existiert, und als ein Ding ist. Es macht einen
Unterschied zwischen dem Zweckbegriffe, und zwischen dem
Für-sich-sein und Sich-selbst-erhalten, welcher keiner ist. Daß er
keiner ist, ist nicht für es, sondern ein Tun, das zufällig und
gleichgültig gegen das, was durch dasselbe zustande kommt, erscheint,
und die Einheit, welche doch beides zusammenknüpft--jenes Tun und
dieser Zweck fällt ihm auseinander.
Was in dieser Ansicht dem Organischen selbst zukommt, ist das
zwischen seinem Ersten und Letzten mitten inne liegende Tun, insofern
es den Charakter der Einzelnheit an ihm hat. Das Tun aber, insofern
es den Charakter der Allgemeinheit hat, und das Tuende demjenigen,
was dadurch hervorgebracht wird, gleichgesetzt, das zweckmäßige Tun
als solches, käme nicht ihm zu. Jenes einzelne Tun, das nur Mittel
ist, tritt durch seine Einzelnheit unter die Bestimmung einer
durchaus einzelnen oder zufälligen Notwendigkeit. Was das Organische
zur Erhaltung seiner selbst als Individuums, oder seiner als Gattung
tut, ist daher diesem unmittelbaren Inhalte nach ganz gesetzlos, denn
das Allgemeine und der Begriff fällt außer ihm. Sein Tun wäre sonach
die leere Wirksamkeit ohne Inhalt an ihr selbst; sie wäre nicht
einmal die Wirksamkeit einer Maschine, denn diese hat einen Zweck,
und ihre Wirksamkeit hiedurch einen bestimmten Inhalt. So verlassen
von dem Allgemeinen würde sie Tätigkeit nur eines Seienden als
_Seienden_, d.h. eine nicht zugleich in sich reflektierte sein, wie
die einer Säure oder Base ist; eine Wirksamkeit, die von ihrem
unmittelbaren Dasein sich nicht abtrennen, noch dieses, das in der
Beziehung auf sein Entgegengesetztes verloren geht, aufgeben, sich
aber erhalten könnte. Das Sein aber, dessen Wirksamkeit die hier
betrachtete ist, ist gesetzt als ein in seiner Beziehung auf sein
Entgegengesetztes _sich erhaltendes_ Ding; _die Tätigkeit_ als solche
ist nichts als die reine wesenlose Form seines Für-sich-seins, und
ihre Substanz, die nicht bloß bestimmtes Sein, sondern das Allgemeine
ist, ihr _Zweck_ fällt nicht außer ihr; sie ist an ihr selbst in sich
zurückgehende, nicht durch irgendein Fremdes in sich zurückgelenkte
Tätigkeit.
Diese Einheit der Allgemeinheit und der Tätigkeit ist aber darum
nicht für dies _beobachtende_ Bewußtsein, weil jene Einheit
wesentlich die innre Bewegung des Organischen ist, und nur als
Begriff aufgefaßt werden kann; das Beobachten aber sucht die Momente
in der Form des _Seins_ und _Bleibens_; und weil das organische Ganze
wesentlich dies ist, so die Momente nicht an ihm zu haben und nicht
an ihm finden zu lassen, verwandelt das Bewußtsein in seiner Ansicht
den Gegensatz in einen solchen, als er ihr gemäß ist.
Es entsteht ihm auf diese Weise das organische Wesen als eine
Beziehung zweier _seiender_ und _fester_ Momente--eines Gegensatzes,
dessen beide Seiten ihm also einesteils in der Beobachtung gegeben zu
sein scheinen, andernteils ihrem Inhalte nach den Gegensatz des
organischen _Zweckbegriffs_ und der _Wirklichkeit_ ausdrücken; weil
aber der Begriff als solcher daran getilgt ist, auf eine dunkle und
oberflächliche Weise, worin der Gedanke in das Vorstellen
herabgesunken ist. So sehen wir den ersten ungefähr unter dem
_Innern_, die andere unter dem _Äußern_ gemeint, und ihre Beziehung
erzeugt das Gesetz, _daß das Äußere der Ausdruck des Innern ist_.
Dies Innere mit seinem Entgegengesetzten und ihre Beziehung
aufeinander näher betrachtet, ergibt sich, daß vors erste die beiden
Seiten des Gesetzes nicht mehr wie bei frühern Gesetzen lauten, worin
sie als selbstständige _Dinge_ jede als ein besonderer Körper
erschienen, noch auch fürs andere so, daß das Allgemeine irgend sonst
_außer dem Seienden_ seine Existenz haben sollte. Sondern das
organische Wesen ist ungetrennt überhaupt zu Grunde gelegt, als
Inhalt des Innern und Äußern, und für beide dasselbe; der Gegensatz
ist dadurch nur noch ein rein formeller, dessen reale Seiten dasselbe
_An-sich_ zu ihrem Wesen, zugleich aber, indem Inneres und Äußeres
auch entgegengesetzte Realität und ein für das Beobachten
verschiedenes _Sein_ sind, scheinen sie ihm jedes einen
eigentümlichen Inhalt zu haben. Dieser eigentümliche Inhalt, da er
dieselbe Substanz oder organische Einheit ist, kann aber in der Tat
nur eine verschiedene Form derselben sein; und dies wird von dem
beobachtenden Bewußtsein darin angedeutet, daß das Äußere nur
_Ausdruck_ des Innern ist.--Dieselben Bestimmungen des Verhältnisses,
nämlich die gleichgültige Selbstständigkeit der verschiedenen, und in
ihr ihre Einheit, worin sie verschwinden, haben wir an dem
Zweckbegriffe gesehen.
Es ist nun zu sehen, welche _Gestalt_ das Innere und Äußere in seinem
Sein hat. Das Innere als solches muß ebensosehr ein äußeres Sein und
eine Gestalt haben, wie das Äußere als solches, denn es ist
Gegenstand oder selbst als seiendes und für die Beobachtung vorhanden
gesetzt.
Die organische Substanz als _innere_ ist sie die _einfache Seele_,
der reine _Zweckbegriff_ oder das _Allgemeine_, welches in seiner
Teilung ebenso allgemeine Flüssigkeit bleibt, und daher in seinem
_Sein_ als das _Tun_ oder die _Bewegung_ der _verschwindenden_
Wirklichkeit erscheint; da hingegen das _Äußere_ entgegengesetzt
jenem seienden Innern in dem _ruhenden Sein_ des Organischen besteht.
Das Gesetz als die Beziehung jenes Innere auf dies Äußere drückt
hiemit seinen Inhalt, einmal in der Darstellung allgemeiner _Momente_
oder _einfacher Wesenheiten_, und das anderemal in der Darstellung
der verwirklichten Wesenheit oder der _Gestalt_ aus. Jene ersten
einfachen organischen _Eigenschaften_, um sie so zu nennen, sind
_Sensibilität, Irritabilität_ und _Reproduktion_. Diese
Eigenschaften, wenigstens die beiden ersten, scheinen sich zwar nicht
auf den Organismus überhaupt, sondern nur auf den animalischen zu
beziehen. Der vegetabilische drückt auch in der Tat nur den
einfachen Begriff des Organismus aus, der seine Momente _nicht
entwickelt_; daher wir uns in Ansehung ihrer, insofern sie für die
Beobachtung sein sollen, an denjenigen halten müssen, der ihr
entwickeltes Dasein darstellt.
Was nun sie selbst betrifft, so ergeben sie sich unmittelbar aus dem
Begriffe des Selbstzwecks. Denn die _Sensibilität_ drückt überhaupt
den einfachen Begriff der organischen Reflexion in sich, oder die
allgemeine Flüssigkeit desselben aus; die _Irritabilität_ aber die
organische Elastizität, sich in der Reflexion zugleich _reagierend_
zu verhalten, und die dem ersten ruhigen _In-sich-sein_
entgegengesetzte Verwirklichung, worin jenes abstrakte Für-sich-sein
ein _Sein für Anderes_ ist. Die _Reproduktion_ aber ist die Aktion
dieses _ganzen_ in sich reflektierten Organismus, seine Tätigkeit als
Zwecks an sich oder als _Gattung_, worin also das Individuum sich von
sich selbst abstößt, entweder seine organischen Teile, oder das ganze
Individuum erzeugend wiederholt. In der Bedeutung der
_Selbsterhaltung überhaupt_ genommen drückt die Reproduktion den
formalen Begriff des Organischen oder die Sensibilität aus; aber sie
ist eigentlich der reale organische Begriff, oder das _Ganze_, das
als Individuum entweder durch die Hervorbringung der einzelnen Teile
seiner selbst oder als Gattung durch die Hervorbringung von
Individuen in sich zurückkehrt.
Die _andere Bedeutung_ dieser organischen Elemente, nämlich als des
_Äußeren_, ist ihre _gestaltete_ Weise, nach welcher sie als
_wirkliche_, aber zugleich auch als _allgemeine_ Teile oder
organische _Systeme_ vorhanden sind; die Sensibilität etwa als
Nervensystem, die Irritabilität als Muskelsystem, die Reproduktion
als Eingeweide der Erhaltung des Individuums und der Gattung.
Eigentümliche Gesetze des Organischen betreffen demnach ein
Verhältnis der organischen Momente in ihrer gedoppelten Bedeutung,
einmal ein _Teil_ der organischen _Gestaltung_, das andremal
_allgemeine flüssige_ Bestimmtheit zu sein, welche durch alle jene
Systeme hindurchgeht. In dem Ausdrucke eines solchen Gesetzes hätte
also zum Beispiel eine bestimmte _Sensibilität_ als Moment des
_ganzen_ Organismus ihren Ausdruck an einem bestimmt gebildeten
Nervensystem, oder sie wäre auch mit einer bestimmten _Reproduktion_
der organischen Teile des Individuums oder Fortpflanzung des ganzen
verknüpft, und so fort.--Die beiden Seiten eines solchen Gesetzes
können _beobachtet_ werden. Das _Äußere_ ist seinem Begriffe nach
das _Sein für Anderes_; die Sensibilität hat z.B. in dem sensibeln
_Systeme_ ihre unmittelbar verwirklichte Weise; und als _allgemeine
Eigenschaft_ ist sie in ihren _Äußerungen_ ebenso ein
gegenständliches. Die Seite, welche das _Innere_ heißt, hat ihre
_eigene äußere_ Seite, die unterschieden ist von dem, was im Ganzen
das _Äußere_ heißt.
Die beiden Seiten eines organischen Gesetzes wären also zwar wohl zu
beobachten, allein nicht Gesetze der Beziehung derselben; und die
Beobachtung reicht nicht darum nicht zu, weil sie, _als Beobachtung_,
zu kurzsichtig wäre, und nicht empirisch verfahren, sondern von der
Idee ausgegangen werden sollte; denn solche Gesetze, wenn sie etwas
Reelles wären, müßten in der Tat wirklich vorhanden, und also zu
beobachten sein; sondern weil der Gedanke von Gesetzen dieser Art
keine Wahrheit zu haben sich erweist.
Es ergab sich für ein Gesetz das Verhältnis, daß die allgemeine
organische _Eigenschaft_ an einem organischen _Systeme_ sich zum
Dinge gemacht und an ihm seinen gestalteten Abdruck hätte, so daß
beide dasselbe Wesen wären, das einmal als allgemeines Moment, das
andremal als Ding vorhanden. Aber außerdem ist auch die Seite des
Innern für sich ein Verhältnis mehrerer Seiten, und es bietet sich
daher zuerst der Gedanke eines Gesetzes an, als eine Beziehung der
allgemeinen organischen Tätigkeiten oder Eigenschaften aufeinander.
Ob ein solches möglich ist, muß sich aus der Natur einer solchen
Eigenschaft entscheiden. Sie ist aber, als eine allgemeine
Flüssigkeit, teils nicht etwas, das nach der Weise eines Dinges
beschränkt und in dem Unterschiede eines Daseins sich hält, das seine
Gestalt ausmachen sollte, sondern die Sensibilität geht über das
Nervensystem hinaus, und durch alle andere Systeme des Organismus
hindurch--teils ist sie allgemeines _Moment_, das wesentlich
ungeschieden und unzertrennlich von Reaktion oder Irritabilität und
Reproduktion ist. Denn als Reflexion in sich hat sie schlechthin die
Reaktion an ihr. Nur In-sich-reflektiert-sein ist Passivität, oder
totes Sein, nicht eine Sensibilität, sowenig als Aktion, was dasselbe
ist als Reaktion, ohne In-sich-reflektiert-sein Irritabilität ist.
Die Reflexion in der Aktion oder Reaktion, und die Aktion oder
Reaktion in der Reflexion ist gerade dies, dessen Einheit das
Organische ausmacht, eine Einheit, welche mit der organischen
Reproduktion gleichbedeutend ist. Es folgt hieraus, daß in jeder
Weise der Wirklichkeit dieselbe _Größe_ der Sensibilität--indem wir
zuerst das Verhältnis derselben und der Irritabilität zueinander
betrachten--vorhanden sein muß als der Irritabilität, und daß eine
organische Erscheinung ebensosehr nach der einen als nach der andern
aufgefaßt und bestimmt, oder wie man will, erklärt werden kann.
Dasselbe, was der eine etwa für hohe Sensibilität nimmt, kann ein
anderer ebensogut für hohe Irritabilität, und Irritabilität von
_derselben Höhe_ betrachten. Wenn sie _Faktoren_ genannt werden, und
dies nicht ein bedeutungsloses Wort sein soll, so ist eben damit
ausgesprochen, daß sie _Momente_ des Begriffs sind, also der reale
Gegenstand, dessen Wesen dieser Begriff ausmacht, sie auf gleiche
Weise an ihm hat, und wenn er auf die eine bestimmt wird, als sehr
sensibel, er ebenso auf die andere, als ebensosehr irritabel
auszusagen ist.
Werden sie unterschieden, wie notwendig ist, so sind sie es dem
Begriffe nach, und ihr Gegensatz ist _qualitativ_. Aber außer diesem
wahren Unterschiede auch noch als seiend, und für die Vorstellung,
wie sie Seiten des Gesetzes sein könnten, verschieden gesetzt, so
erscheinen sie in _quantitativer_ Verschiedenheit. Ihr
eigentümlicher qualitativer Gegensatz tritt somit in die _Größe_, und
es entstehen Gesetze der Art, daß zum Beispiel Sensibilität und
Irritabilität in umgekehrtem Verhältnisse ihrer Größe stehen, so daß
wie die eine wächst, die andere abnimmt; oder besser gleich die Größe
selbst zum Inhalte genommen, daß die Größe von etwas zunimmt, wie
seine Kleinheit abnimmt.--Wird diesem Gesetze aber ein bestimmter
Inhalt gegeben, etwa so, daß die Größe eines Loches _zunimmt,_ je
mehr das _abnimmt_, was seine Erfüllung ausmacht, so kann dies
umgekehrte Verhältnis ebenso in ein gerades verwandelt und
ausgedrückt werden, daß die Größe des Loches in geradem Verhältnisse
der Menge des weggenommenen _zunimmt_;--ein _tautologischer_ Satz, er
mag als direktes oder umgekehrtes Verhältnis ausgedrückt werden, der
in seinem eigentümlichen Ausdrucke nur dieses heißt, daß eine Größe
zunimmt, wie diese Größe zunimmt. Wie das Loch und das, was es
erfüllt und weggenommen wird, qualitativ entgegengesetzt, aber wie
das Reale derselben und dessen bestimmte Größe in beiden ein und
dasselbe, und ebenso Zunahme der Größe und Abnahme der Kleinheit
dasselbe ist, und ihre bedeutungsleere Entgegensetzung in eine
Tautologie hinausläuft, so sind die organischen Momente gleich
unzertrennlich in ihrem Realen und in ihrer Größe, die die Größe
desselben ist; eines nimmt nur mit dem andern ab und nimmt nur mit
ihm zu, denn eines hat schlechthin nur Bedeutung, insoweit das andere
vorhanden ist--oder vielmehr es ist gleichgültig, eine organische
Erscheinung als Irritabilität oder als Sensibilität zu betrachten,
schon überhaupt, und ebenso wenn von ihrer Größe gesprochen wird. So
gleichgültig es ist, die Zunahme eines Lochs als Vermehrung seiner
als der Leerheit oder als Vermehrung der herausgenommenen Fülle
auszusprechen. Oder eine Zahl, z. B. _drei_, bleibt gleich groß,
ich mag sie positiv oder negativ nehmen; und wenn ich die drei zu
vier vergrößere, so ist das Positive wie das Negative zu vier
geworden--wie der Südpol an einem Magnete gerade so stark ist als
sein Nordpol, oder eine positive Elektrizität oder eine Säure gerade
so stark als ihre negative oder als die Base, worauf sie einwirkt.
--Ein solches Großes als jene drei, oder ein Magnet u.s.f. ist ein
organisches _Dasein_; es ist dasjenige, das vermehrt und vermindert
wird, und wenn es vermehrt wird, werden _beide_ Faktoren desselben
vermehrt, so sehr als _beide_ Pole des Magnets, oder als die beiden
Elektrizitäten, wenn ein Magnet u.s.f. verstärkt wird, zunehmen.--Daß
beide ebensowenig nach _Intension_ und _Extension_ verschieden sein,
das eine nicht an Extension ab-, dagegen an Intension zunehmen kann,
während das andere umgekehrt seine Intension vermindern, dagegen an
Extension zunehmen sollte, fällt unter denselben Begriff leerer
Entgegensetzung; die reale Intension ist ebenso schlechthin so groß
als die Extension, und umgekehrt.
Es geht, wie erhellt, bei diesem Gesetzgeben eigentlich so zu, daß
zuerst Irritabilität und Sensibilität den bestimmten organischen
Gegensatz ausmacht; dieser Inhalt verliert sich aber, und der
Gegensatz verläuft sich in den Formalen des Zu- und Abnehmens der
Größe, oder der verschiedenen Intension und Extension--ein Gegensatz,
der die Natur der Sensibilität und der Irritabilität weiter nichts
mehr angeht, und sie nicht mehr ausdrückt. Daher solches leeres
Spiel des Gesetzgebens nicht an die organischen Momente gebunden ist,
sondern es kann allenthalben mit allem getrieben werden, und beruht
überhaupt auf der Unbekanntschaft mit der logischen Natur dieser
Gegensätze.
Wird endlich statt der Sensibilität und Irritabilität die
Reproduktion mit der einen oder der andern in Beziehung gebracht, so
fällt auch die Veranlassung zu diesem Gesetzgeben hinweg; denn
Reproduktion steht mit jenen Momenten nicht in einem Gegensatze, wie
sie gegeneinander; und da auf ihm dies Gesetzgeben beruht, so fällt
hier auch der Schein seines Stattfindens hinweg.
Das soeben betrachtete Gesetzgeben enthält die Unterschiede des
Organismus in ihrer Bedeutung von Momenten seines _Begriffs,_ und
sollte eigentlich ein apriorisches Gesetzgeben sein. Es liegt aber
in ihm selbst wesentlich dieser Gedanke, daß sie die Bedeutung von
_Vorhandenen_ haben, und das bloß beobachtende Bewußtsein hat sich
ohnehin nur an ihr Dasein zu halten. Die organische Wirklichkeit hat
notwendig einen solchen Gegensatz an ihr, als ihr Begriff ausdrückt,
und der als Irritabilität und Sensibilität bestimmt werden kann,
sowie sie beide wieder von der Reproduktion verschieden erscheinen.
--Die _Äußerlichkeit_, in der die Momente des organischen Begriffs
hier betrachtet werden, ist die _eigne unmittelbare_ Äußerlichkeit
des Innern, nicht das _Äußere_, welches Äußeres im Ganzen und
_Gestalt_ ist, und mit welchem das Innre nachher in Beziehung zu
betrachten ist.
Aber den Gegensatz der Momente so aufgefaßt, wie er an dem Dasein ist,
so sinken Sensibilität, Irritabilität, Reproduktion zu gemeinen
_Eigenschaften_ herunter, die gegeneinander ebenso gleichgültige
Allgemeinheiten sind als spezifische Schwere, Farbe, Härte, und so
fort. In diesem Sinne kann wohl beobachtet werden, daß ein
Organisches sensibler, oder irritabler, oder von größerer
Reproduktionskraft sei als ein anderes--so wie daß die Sensibilität u.
s.f. des einen der _Art_ nach von der eines andern verschieden sei,
eins sich gegen bestimmte Reize anders verhalte als ein anderes, wie
das Pferd anders gegen Hafer als gegen Heu, und der Hund wieder
anders gegen beide, u.s.f., sosehr als beobachtet werden kann, daß
ein Körper härter ist als ein anderer, und so fort.--Allein diese
sinnlichen Eigenschaften, Härte, Farbe, und so fort, so wie die
Erscheinungen der Reizempfänglichkeit für Hafer, der Irritabilität
für Lasten, oder der Anzahl und Art, Junge zu gebären, aufeinander
bezogen und miteinander verglichen, widerstreiten wesentlich einer
Gesetzmäßigkeit. Denn die Bestimmtheit ihres _sinnlichen Seins_
besteht eben darin, vollkommen gleichgültig gegeneinander zu
existieren, und die des Begriffs entbundne Freiheit der Natur
vielmehr darzustellen als die Einheit einer Beziehung, vielmehr ihr
unvernünftiges Hin- und Herspielen auf der Leiter der zufälligen
Größe zwischen den Momenten des Begriffs als diese selbst.
Die _andere_ Seite, nach welcher die einfachen Momente des
organischen Begriffs mit den Momenten der _Gestaltung_ verglichen
werden, würde erst das eigentliche Gesetz geben, welches das wahre
_Äußere_ als Abdruck des _Innern_ ausspräche.--Weil nun jene
einfachen Momente durchdringende flüssige Eigenschaften sind, so
haben sie an dem organischen Dinge nicht einen solchen
ausgeschiedenen realen Ausdruck, wie das ist, was ein einzelnes
System der Gestalt genannt wird. Oder wenn die abstrakte Idee des
Organismus in jenen drei Momenten nur darum wahrhaft ausgedrückt ist,
weil sie nichts Stehendes, sondern nur Momente des Begriffs und der
Bewegung sind, so ist er dagegen als Gestaltung nicht in solchen drei
bestimmten Systemen befaßt, wie die Anatomie sie auseinanderlegt.
Insofern solche Systeme in ihrer Wirklichkeit gefunden, und durch
dies Finden legitimiert werden sollen, muß auch erinnert werden, daß
die Anatomie nicht nur drei dergleichen Systeme, sondern viel mehrere
aufweist.--Alsdenn muß abgesehen hievon überhaupt das sensible
_System_ etwas ganz anderes bedeuten als das, was _Nervensystem_
genannt wird, so das irritable _System_ etwas anderes als das
_Muskelsystem_, das reproduktive _System_ etwas anders als die
_Eingeweide_ der Reproduktion. In den Systemen der _Gestalt_ als
solcher ist der Organismus nach der abstrakten Seite der toten
Existenz aufgefaßt; seine Momente so aufgenommen gehören der Anatomie
und dem Kadaver, nicht der Erkenntnis und dem lebendigen Organismus
an. Als solche Teile haben sie vielmehr aufgehört, _zu sein_, denn
sie hören auf, Prozesse zu sein. Da das _Sein_ des Organismus
wesentlich Allgemeinheit oder Reflexion in sich selbst ist, so kann
das _Sein_ seines Ganzen wie seine Momente nicht in einem
anatomischen Systeme bestehen, sondern der wirkliche Ausdruck und
ihre Äußerlichkeit ist vielmehr nur als eine Bewegung vorhanden, die
sich durch die verschiedenen Teile der Gestaltung verlauft, und worin
das, was als einzelnes System herausgerissen und fixiert wird, sich
wesentlich als fließendes Moment darstellt, so daß nicht jene
Wirklichkeit, wie die Anatomie sie findet, als ihre Realität gelten
darf, sondern nur sie als Prozeß, in welchem auch die anatomischen
Teile allein einen Sinn haben.
Es ergibt sich also, daß weder die Momente des organischen _Innern_
für sich genommen Seiten eines Gesetzes des Seins abzugeben fähig
sind; indem sie in einem solchen Gesetze von einem Dasein
ausgesprochen, voneinander unterschieden, und nicht jede auf gleiche
Weise anstatt der andern sollte genannt werden können; noch daß sie,
auf die eine Seite gestellt, in der andern an einem festen Systeme
ihre Realisierung haben; denn dies letztere ist so wenig etwas, das
überhaupt organische Wahrheit hätte, als es der Ausdruck jener
Momente des Innern ist. Das Wesentliche des Organischen, da es an
sich das Allgemeine ist, ist vielmehr überhaupt, seine Momente in der
Wirklichkeit ebenso allgemein, das heißt, als durchlaufende Prozesse
zu haben, nicht aber an einem isolierten Dinge ein Bild des
Allgemeinen zu geben.
Auf diese Weise geht an dem Organischen die _Vorstellung_ eines
_Gesetzes_ überhaupt verloren. Das Gesetz will den Gegensatz als
ruhende Seiten auffassen und ausdrücken, und an ihnen die
Bestimmtheit, welche ihre Beziehung aufeinander ist. Das _Innere_,
welchem die erscheinende Allgemeinheit, und das _Äußere_, welchem die
Teile der ruhenden Gestalt angehören, sollten die sich entsprechenden
Seiten des Gesetzes ausmachen, verlieren aber so auseinandergehalten
ihre organische Bedeutung; und der Vorstellung des Gesetzes liegt
gerade dies zum Grunde, daß seine beiden Seiten ein für sich seiendes
gleichgültiges Bestehen hätten, und an sie die Beziehung als eine
gedoppelte sich entsprechende Bestimmtheit verteilt wäre. Jede Seite
des Organischen ist vielmehr dies an ihr selbst, einfache
Allgemeinheit, in welcher alle Bestimmungen aufgelöst sind, und die
Bewegung dieses Auflösens zu sein.
Die Einsicht in den Unterschied dieses Gesetzgebens gegen frühere
Formen wird seine Natur vollends aufhellen.--Sehen wir nämlich zurück
auf die Bewegung des Wahrnehmens und des darin sich in sich
reflektierenden und seinen Gegenstand hiedurch bestimmenden
Verstandes, so hat dieser dabei an seinem Gegenstande die _Beziehung_
dieser abstrakten Bestimmungen, des Allgemeinen und Einzelnen, des
Wesentlichen und des Äußerlichen, nicht vor sich, sondern ist selbst
das Übergehen, dem dieses Übergehen nicht gegenständlich wird. Hier
hingegen ist die organische Einheit, d.h. eben die Beziehung jener
Gegensätze, und diese Beziehung ist reines Übergehen, selbst der
_Gegenstand_. Dies Übergehen in seiner Einfachheit ist unmittelbar
_Allgemeinheit_, und indem sie in den Unterschied tritt, dessen
Beziehung das Gesetz ausdrücken soll, so sind seine Momente _als
allgemeine_ Gegenstände dieses Bewußtseins, und das Gesetz lautet,
daß das _Äußere_ Ausdruck des _Innern_ sei. Der Verstand hat hier
_den Gedanken_ des Gesetzes selbst erfaßt, da er vorher nur überhaupt
Gesetze suchte, und die Momente derselben ihm als ein bestimmter
Inhalt, nicht als die Gedanken derselben vorschwebte.--In Ansehung
des Inhalts sollen hiemit hier nicht solche Gesetze erhalten werden,
welche nur ein ruhiges Aufnehmen rein _seiender_ Unterschiede in die
Form der Allgemeinheit sind, sondern Gesetze, die unmittelbar an
diesen Unterschieden auch die Unruhe des Begriffes, und damit
zugleich die Notwendigkeit der Beziehung der Seiten haben. Allein
weil eben der Gegenstand, die organische Einheit, das unendliche
Aufheben oder die absolute Negation des Seins mit dem ruhigen Sein
unmittelbar vereinigt, und die Momente wesentlich _reines Übergehen_
sind, so ergeben sich keine solche _seiende_ Seiten, als für das
Gesetz erfodert werden.
Um solche zu erhalten, muß der Verstand sich an das andre Moment des
organischen Verhältnisses halten; nämlich an das _Reflektiertsein_
des organischen Daseins in sich selbst. Aber dieses Sein ist so
vollkommen in sich reflektiert, daß ihm keine Bestimmtheit gegen
anderes übrig bleibt. Das _unmittelbare_ sinnliche Sein ist
unmittelbar mit der Bestimmtheit als solcher eins, und drückt daher
einen qualitativen Unterschied an ihm aus; wie z. B. Blau gegen Rot,
Saures gegen Alkalisches u.s.f. Aber das in sich zurückgekommene
organische Sein ist vollkommen gleichgültig gegen anderes, sein
Dasein ist die einfache Allgemeinheit, und verweigert dem Beobachten
bleibende sinnliche Unterschiede, oder was dasselbe ist, zeigt seine
wesentliche Bestimmtheit nur als den _Wechsel seiender_
Bestimmtheiten. Wie sich daher der Unterschied als seiender
ausdrückt, ist ebendies, daß er ein _gleichgültiger_ ist, d.h. als
_Größe_. Hierin ist aber der Begriff getilgt, und die Notwendigkeit
verschwunden.--Der Inhalt aber und Erfüllung dieses gleichgültigen
Seins, der Wechsel der sinnlichen Bestimmungen, in die Einfachheit
einer organischen Bestimmung zusammengenommen, drückt dann zugleich
dies aus, daß er eben jene--der unmittelbaren
Eigenschaft--Bestimmtheit nicht hat, und das Qualitative fällt allein
in die Größe, wie wir oben gesehen.
Ob also schon das Gegenständliche, das als organische Bestimmtheit
aufgefaßt wird, den Begriff an ihm selbst hat, und sich hiedurch von
dem unterscheidet, das für den Verstand ist, der sich als rein
wahrnehmend bei dem Auffassen des Inhaltes seiner Gesetze verhält, so
fällt jenes Auffassen doch ganz in das Prinzip und die Manier des
bloß wahrnehmenden Verstandes darum zurück, weil das Aufgefaßte zu
Momenten eines _Gesetzes_ gebraucht wird; denn hiedurch erhält es die
Weise einer festen Bestimmtheit, die Form einer unmittelbaren
Eigenschaft oder einer ruhenden Erscheinung, wird ferner in die
Bestimmung der Größe aufgenommen, und die Natur des Begriffs ist
unterdrückt.--Die Umtauschung eines bloß Wahrgenommenen gegen ein in
sich Reflektiertes, einer bloß sinnlichen Bestimmtheit gegen eine
organische verliert also wieder ihren Wert, und zwar dadurch, daß der
Verstand das Gesetzgeben noch nicht aufgehoben hat.
Um die Vergleichung in Ansehung dieses Umtausches an einigen
Beispielen anzustellen, so wird etwa etwas, das für die Wahrnehmung
ein Tier von starken Muskeln ist, als tierischer Organismus von hoher
Irritabilität, oder was für die Wahrnehmung ein Zustand großer
Schwäche ist, als Zustand hoher Sensibilität oder, wenn man lieber
will, als eine innormale Affektion, und zwar eine Potenzierung
derselben (Ausdrücke, welche das Sinnliche, statt in den Begriff, ins
Lateinische--und zwar noch dazu in ein schlechtes--übersetzen)
bestimmt. Daß das Tier starke Muskeln habe, kann vom Verstande auch
so ausgedrückt werden, das Tier besitze eine große _Muskelkraft_--wie
die große Schwäche als eine geringe _Kraft_. Die Bestimmung durch
Irritabilität hat vor der Bestimmung als _Kraft_ voraus, daß diese
die unbestimmte Reflexion in sich, jene aber die bestimmte ausdrückt,
denn die _eigentümliche_ Kraft des Muskels ist eben
Irritabilität--und vor der Bestimmung als _starke Muskeln_, daß wie
schon in der Kraft die Reflexion in sich zugleich darin enthalten ist.
So wie die Schwäche oder die geringe Kraft, die _organische
Passivität_ bestimmt durch _Sensibilität_ ausgedrückt wird. Aber
diese Sensibilität so für sich genommen und fixiert, und noch mit der
Bestimmung der _Größe_ verbunden, und als größere oder geringere
Sensibilität einer größern oder geringern Irritabilität
entgegengesetzt, ist jede ganz in das sinnliche Element und zur
gemeinen Form einer Eigenschaft herabgesetzt, und ihre Beziehung
nicht der Begriff, sondern im Gegenteil die Größe, in welche nun der
Gegensatz fällt, und ein gedankenloser Unterschied wird. Wenn hiebei
zwar das Unbestimmte der Ausdrücke von _Kraft_ und _Stärke_ und
_Schwäche_ entfernt wurde, so entsteht itzt das ebenso leere und
unbestimmte Herumtreiben in den Gegensätzen einer höhern und niedern
Sensibilität, Irritabilität in ihrem Aufund Absteigen an- und
gegeneinander. Nicht weniger als Stärke und Schwäche ganz sinnliche
gedankenlose Bestimmungen sind, ist die größere oder geringere
Sensibilität, Irritabilität die gedankenlos aufgefaßte und ebenso
ausgesprochene sinnliche Erscheinung. An die Stelle jener
begriffslosen Ausdrücke ist nicht der Begriff getreten, sondern
Stärke und Schwäche durch eine Bestimmung erfüllt worden, die für
sich allein genommen auf dem Begriffe beruht und ihn zum Inhalte hat,
aber diesen Ursprung und Charakter gänzlich verliert.--Durch die Form
der Einfachheit und Unmittelbarkeit also, in welcher dieser Inhalt
zur Seite eines Gesetzes gemacht wird, und durch die Größe, welche
das Element des Unterschiedes solcher Bestimmungen ausmacht, behält
das ursprünglich als Begriff seiende und gesetzte Wesen die Weise des
sinnlichen Wahrnehmens, und bleibt von dem Erkennen so entfernt, als
in der Bestimmung durch Stärke und Schwäche der Kraft, oder durch
unmittelbare sinnliche Eigenschaften.
Es ist itzt auch noch dasjenige _für sich allein_ zu betrachten übrig,
was das _Äußere_ des Organischen ist, und wie an ihm der Gegensatz
_seines_ Innern und Äußern sich bestimmt; so wie zuerst das _Innere_
des Ganzen in der Beziehung auf sein _eignes_ Äußeres betrachtet
wurde.
Das _Äußere_ für sich betrachtet ist die _Gestaltung_ überhaupt, das
System des sich im _Elemente_ des _Seins_ gliedernden Lebens, und
wesentlich zugleich das Sein des organischen Wesens _für ein
Anderes--_ gegenständliches Wesen in seinem _Für-sich-sein_.--Dies
_Andere_ erscheint zunächst als seine äußere unorganische Natur.
Diese beiden in Beziehung auf ein Gesetz betrachtet, kann, wie wir
oben sahen, die unorganische Natur nicht die Seite eines Gesetzes
gegen das organische Wesen ausmachen, weil dieses zugleich
schlechthin für sich ist, und eine allgemeine und freie Beziehung auf
sie hat.
Das Verhältnis dieser beiden Seiten aber an der organischen Gestalt
selbst näher bestimmt, so ist sie also nach einer Seite gegen die
unorganische Natur gekehrt, auf der andern aber _für sich_ und in
sich reflektiert. Das _wirkliche_ organische Wesen ist die Mitte,
welche das _Für-sich-sein_ des Lebens mit dem _Äußern_ überhaupt oder
dem _An-sich-sein_ zusammenschließt.--Das Extrem des Für-sich-seins
ist aber das Innere als unendliches Eins, welches die Momente der
Gestalt selbst aus ihrem Bestehen und dem Zusammenhange mit dem
Äußern in sich zurücknimmt, das inhaltslose, das an der Gestalt sich
seinen Inhalt gibt, und an ihr als ihr Prozeß erscheint. In diesem
Extreme als einfacher Negativität oder _reiner Einzelnheit_ hat das
Organische seine absolute Freiheit, wodurch es gegen das Sein für
anderes und gegen die Bestimmtheit der Momente der Gestalt
gleichgültig und gesichert ist. Diese Freiheit ist zugleich Freiheit
der Momente selbst, sie ist ihre Möglichkeit, als _daseiende_ zu
erscheinen und aufgefaßt zu werden, und wie gegen Äußeres sind sie
darin auch gegeneinander befreit und gleichgültig, denn die
_Einfachheit_ dieser Freiheit ist das _Sein_ oder ihre einfache
Substanz. Dieser Begriff oder reine Freiheit ist ein und dasselbe
Leben, die Gestalt oder das Sein für anderes mag in noch so
mannigfaltigem Spiele umherschweifen; es ist diesem Strome des Lebens
gleichgültig, welcher Art die Mühlen sind, die er treibt.--Vors erste
ist nun zu bemerken, daß dieser Begriff hier nicht wie vorhin bei der
Betrachtung des eigentlichen Innern in seiner Form des _Prozesses_
oder der Entwicklung seiner Momente aufzufassen ist, sondern in
seiner _Form_ als _einfaches Innres_, welches die rein allgemeine
Seite gegen das _wirkliche_ lebendige Wesen ausmacht, oder als das
_Element_ des _Bestehens_ der seienden Glieder der Gestalt; denn
diese betrachten wir hier, und an ihr ist das Wesen des Lebens als
die Einfachheit des Bestehens. Alsdenn ist das _Sein für Anderes_
oder die Bestimmtheit der wirklichen Gestaltung in diese einfache
Allgemeinheit aufgenommen, die ihr Wesen ist, eine ebenso einfache
allgemeine unsinnliche Bestimmtheit, und kann nur die sein, welche
als _Zahl_ ausgedrückt ist. Sie ist die Mitte der Gestalt, welche
das unbestimmte Leben mit dem wirklichen verknüpft, einfach wie jenes,
und bestimmt wie dieses. Was an jenem, dem _Innern_, als Zahl wäre,
müßte das Äußere nach seiner Weise als die vielförmige Wirklichkeit,
Lebensart, Farbe und so fort ausdrücken, überhaupt als die ganze
Menge der Unterschiede, welche in der Erscheinung sich entwickeln.
Die beiden Seiten des organischen Ganzen--die eine das _Innere_, die
andere aber das _Äußere_, so daß jede wieder an ihr selbst ein
Inneres und Äußeres hat--nach ihrem beiderseitigen Innern verglichen,
so war das Innere der ersten der Begriff, als die Unruhe der
_Abstraktion_; die zweite aber hat zu dem ihrigen die ruhende
Allgemeinheit, und darin auch die ruhende Bestimmtheit, die Zahl.
Wenn daher jene, weil in ihr der Begriff seine Momente entwickelt,
durch den Schein von Notwendigkeit der Beziehung täuschend Gesetze
verhieß, so tut diese sogleich Verzicht darauf, indem sich die Zahl
als die Bestimmung der einen Seite ihrer Gesetze zeigt. Denn die
Zahl ist eben die gänzlich ruhende, tote und gleichgültige
Bestimmtheit, an welcher alle Bewegung und Beziehung erloschen ist,
und welche die Brücke zu dem lebendigen der Triebe, der Lebensart und
dem sonstigen sinnlichen Dasein abgebrochen hat.
Diese Betrachtung der _Gestalt_ des Organischen als solcher und des
Innern als eines Innern bloß der Gestalt ist aber in der Tat nicht
mehr eine Betrachtung des Organischen. Denn die beiden Seiten, die
bezogen werden sollten, sind nur gleichgültig gegeneinander gesetzt,
und dadurch die Reflexion in sich, welche das Wesen des Organischen
ausmacht, aufgehoben. Sondern es wird hier vielmehr auf die
unorganische Natur die versuchte Vergleichung des Innern und Äußern
übergetragen; der unendliche Begriff ist hier nur das _Wesen_, das
inwendig verborgen, oder außen in das Selbstbewußtsein fällt, und
nicht mehr, wie am Organischen, seine gegenständliche Gegenwart hat.
Diese Beziehung des Innern und Äußern ist also noch in ihrer
eigentlichen Sphäre zu betrachten.
Zuerst ist jenes Innere der Gestalt als die einfache Einzelnheit
eines unorganischen Dinges, die _spezifische Schwere_. Sie kann als
einfaches Sein ebensowohl wie die Bestimmtheit der Zahl, deren sie
allein fähig ist, beobachtet oder eigentlich durch Vergleichung von
Beobachtungen gefunden werden, und scheint auf diese Weise die eine
Seite des Gesetzes zu geben. Gestalt, Farbe, Härte, Zähigkeit und
eine unzählige Menge anderer Eigenschaften würden zusammen die
_äußere_ Seite ausmachen, und die Bestimmtheit des Innern, die Zahl,
auszudrücken haben, so daß das eine am andern sein Gegenbild hätte.
Weil nun die Negativität hier nicht als Bewegung des Prozesses,
sondern als _beruhigte_ Einheit oder _einfaches Für-sich-sein_
aufgefaßt ist, so erscheint sie vielmehr als dasjenige, wodurch das
Ding sich dem Prozesse widersetzt, und sich in sich und als
gleichgültig gegen ihn erhält. Dadurch aber, daß dies einfache
Für-sich-sein eine ruhige Gleichgültigkeit gegen Anderes ist, tritt
die spezifische Schwere als eine _Eigenschaft neben_ andere; und
damit hört alle notwendige Beziehung ihrer auf diese Vielheit, oder
alle Gesetzmäßigkeit auf.--Die spezifische Schwere als dies einfache
Innere hat nicht den Unterschied _an ihr selbst_, oder sie hat nur
den unwesentlichen; denn eben ihre _reine Einfachheit_ hebt alle
wesentliche Unterscheidung auf. Dieser unwesentliche Unterschied,
_die Größe_, müßte also an der andern Seite, welche die Vielheit der
Eigenschaften ist, sein Gegenbild oder das _Andere_ haben, indem er
dadurch überhaupt erst Unterschied ist. Wenn diese Vielheit selbst
in die Einfachheit des Gegensatzes zusammengefaßt, und etwa als
_Kohäsion_ bestimmt wird, so daß diese das _Für-sich--im Anders-sein_,
wie die spezifische Schwere das _reine Für-sich-sein_ ist, so ist
diese Kohäsion zuerst diese reine im Begriffe gesetzte Bestimmtheit
gegen jene Bestimmtheit, und die Manier des Gesetzgebens wäre die,
welche oben bei der Beziehung der Sensibilität auf die Irritabilität
betrachtet worden.--Alsdenn ist sie ferner als _Begriff_ des
Für-sich-seins im Anderssein nur die _Abstraktion_ der Seite, die der
spezifischen Schwere gegenübersteht, und hat als solche keine
Existenz. Denn das Für-sich-sein im Anderssein ist der Prozeß, worin
das unorganische sein Für-sich-sein als eine _Selbsterhaltung_
auszudrücken hätte, welche es dagegen bewahrte, aus dem Prozesse als
Moment eines Produkts herauszutreten. Allein dies eben ist gegen
seine Natur, welche nicht den Zweck oder Allgemeinheit an ihr selbst
hat. Sein Prozeß ist vielmehr nur das bestimmte Verhalten, wie sein
Für-sich-sein, seine spezifische Schwere sich _aufhebt_. Dies
bestimmte Verhalten, worin seine Kohäsion in ihrem wahren Begriffe
bestehen würde, aber selbst und die bestimmte Größe seiner
spezifischen Schwere sind ganz gleichgültige Begriffe gegeneinander.
Wenn die Art des Verhaltens ganz außer acht gelassen und auf die
Vorstellung der Größe eingeschränkt wurde, so könnte etwa diese
Bestimmung gedacht werden, daß das größere spezifische Gewicht, als
ein höheres In-sich-sein, dem Eingehen in den Prozeß mehr widerstände
als das geringere. Allein umgekehrt bewährt die Freiheit des
Für-sich-seins sich nur in der Leichtigkeit, mit allem sich
einzulassen und sich in dieser Mannigfaltigkeit zu erhalten. Jene
Intensität ohne Extension der Beziehungen ist eine gehaltlose
Abstraktion, denn die Extension macht das _Dasein_ der Intensität aus.
Die Selbsterhaltung aber des Unorganischen in seiner Beziehung
fällt, wie erinnert, außer der Natur derselben, da es das Prinzip der
Bewegung nicht an ihm selbst hat, oder da sein Sein nicht die
absolute Negativität und Begriff ist.
Diese andre Seite des Unorganischen dagegen nicht als Prozeß, sondern
als ruhendes Sein betrachtet, so ist sie die gemeine Kohäsion, eine
_einfache_ sinnliche Eigenschaft auf die Seite getreten gegen das
freigelassene Moment des _Anderssein_, welches in vielen
gleichgültigen Eigenschaften auseinanderliegt, und unter diese selbst,
wie die spezifische Schwere, tritt; die Menge der Eigenschaften
zusammen macht dann die andre Seite zu dieser aus. An ihr aber, wie
an den andern ist _die Zahl_ die einzige Bestimmtheit, welche eine
Beziehung und Übergang dieser Eigenschaften zueinander nicht nur
nicht ausdrückt, sondern eben wesentlich dies ist, keine notwendige
Beziehung zu haben, sondern die Vertilgung aller Gesetzmäßigkeit
darzustellen, denn sie ist der Ausdruck der Bestimmtheit als einer
_unwesentlichen_. So daß also eine Reihe von Körpern, welche den
Unterschied als Zahlenunterschied ihrer spezifischen Schweren
ausdrückt, durchaus nicht einer Reihe des Unterschieds der andern
Eigenschaften parallel geht, wenn auch, um die Sache zu erleichtern,
von ihnen nur eine einzelne oder etliche genommen werden. Denn in
der Tat könnte es nur das ganze Konvolut derselben sein, was in
dieser Parallele die andere Seite auszumachen hätte. Dieses in sich
zu ordnen und zu einem Ganzen zu verbinden, sind die
Größenbestimmtheiten dieser vielerlei Eigenschaften für die
Beobachtung einerseits vorhanden, andererseits aber treten ihre
Unterschiede als qualitativ ein. Was nun in diesem Haufen als
positiv oder negativ bezeichnet werden müßte und sich gegenseitig
aufhöbe, überhaupt die innre Figuration und Exposition der Formel,
die sehr zusammengesetzt sein würde, gehörte dem Begriffe an, welcher
eben in der Weise, wie die Eigenschaften als _seiende_ daliegen und
aufgenommen werden sollen, ausgeschlossen ist; in diesem Sein zeigt
keine den Charakter eines Negativen gegen die andere, sondern die
eine _ist_ so gut als die andere, noch deutet sie sonst ihre Stelle
in der Anordnung des Ganzen an.--Bei einer Reihe, die in parallelen
Unterschieden fortläuft--das Verhältnis möchte als auf beiden Seiten
zugleich steigend, oder nur auf der einen und auf der andern
abnehmend gemeint werden--, ist es nur um den _letzten_ einfachen
Ausdruck dieses zusammengefaßten Ganzen zu tun, welches die eine
Seite des Gesetzes gegen die spezifische Schwere ausmachen sollte;
aber diese eine Seite, als _seiendes Resultat_, ist eben nichts
anders, als was schon erwähnt worden, nämlich einzelne Eigenschaft,
wie etwa auch die gemeine Kohäsion, neben welcher die andern, und
darunter auch die spezifische Schwere, gleichgültig vorhanden sind,
und jede andre mit dem gleichen Rechte, d.h. mit dem gleichen
Unrechte zum Repräsentanten der ganzen andern Seite gewählt werden
kann; eine wie die andre wurde das Wesen nur repräsentieren, auf
deutsch: _vorstellen_, aber nicht die Sache selbst sein. So daß der
Versuch, Körper-Reihen zu finden, welche an der einfachen Parallele
zweier Seiten fortliefen, und die wesentliche Natur der Körper nach
einem Gesetze dieser Seiten ausdrückten, für einen Gedanken genommen
werden muß, welcher seine Aufgabe und die Mittel, wodurch sie
ausgeführt werden sollte, nicht kennt.
Es wurde vorhin die Beziehung des Äußern und Innern an der Gestalt,
welche der Beobachtung sich darstellen soll, sogleich zu der Sphäre
des Unorganischen herübergenommen; die Bestimmung, welche sie hieher
zieht, kann itzt näher angegeben werden, und es ergibt sich von da
noch eine andere Form und Beziehung dieses Verhältnisses. Bei dem
Organischen nämlich fällt überhaupt das hinweg, was bei dem
Unorganischen die Möglichkeit einer solchen Vergleichung des Innern
und Äußern darzubieten scheint. Das unorganische Innere ist ein
einfaches Inneres, das für die Wahrnehmung als _seiende_ Eigenschaft
sich darbietet; seine Bestimmtheit ist daher wesentlich die Größe,
und es erscheint als seiende Eigenschaft gleichgültig gegen das
Äußere oder die vielen andern sinnlichen Eigenschaften. Das
Für-sich-sein des Organisch-Lebendigen aber tritt nicht so auf die
Seite gegen sein Äußeres, sondern hat das Prinzip des _Andersseins_
an ihm selbst. Bestimmen wir das Für-sich-sein als _einfache sich
erhaltende Beziehung auf sich selbst_, so ist sein Anderssein die
einfache _Negativität_, und die organische Einheit ist die Einheit
des sichselbstgleichen Sich-auf-sich-beziehens und der reinen
Negativität. Diese Einheit ist als Einheit das Innere des
Organischen; dies ist hiedurch an sich allgemein, oder es ist
_Gattung_. Die Freiheit der Gattung gegen ihre Wirklichkeit aber ist
eine andere als die Freiheit der spezifischen _Schwere_ gegen die
Gestalt. Die der letztern ist eine _seiende_ Freiheit, oder daß sie
als besondere Eigenschaft auf die Seite tritt. Aber weil sie
_seiende_ Freiheit ist, ist sie auch nur _Eine Bestimmtheit_, welche
dieser Gestalt _wesentlich_ angehört, oder wodurch diese _als Wesen_
ein bestimmtes ist. Die Freiheit der Gattung aber ist eine
allgemeine, und gleichgültig gegen diese Gestalt oder gegen ihre
Wirklichkeit. Die _Bestimmtheit_, welche dem _Für-sich-sein_ des
Unorganischen _als solchem_ zukommt, tritt daher an dem Organischen
_unter sein_ Für-sich-sein; wie sie an dem Unorganischen nur unter
das _Sein_ desselben tritt; ob sie daher schon an diesem zugleich nur
als _Eigenschaft_ ist, so fällt ihr doch die Würde des _Wesens_ zu,
weil sie als das einfache Negative dem Dasein als dem Sein für
anderes gegenübersteht; und dies einfache Negative ist in seiner
letzten einzelnen Bestimmtheit eine Zahl. Das Organische aber ist
eine Einzelnheit, welche selbst reine Negativität und daher die fixe
Bestimmtheit der Zahl, welche dem _gleichgültigen Sein_ zukommt, in
sich vertilgt. Insofern es das Moment des gleichgültigen Seins und
darin der Zahl an ihm hat, kann sie daher nur als ein Spiel an ihm,
nicht aber als das Wesen seiner Lebendigkeit genommen werden.
Wenn nun aber schon die reine Negativität, das Prinzip des Prozesses,
nicht außer dem Organischen fällt, und es sie also nicht als eine
Bestimmtheit in seinem _Wesen_ hat, sondern die Einzelnheit selbst an
sich allgemein ist, so ist doch diese reine Einzelnheit nicht in
ihren Momenten als selbst _abstrakten_ oder _allgemeinen_ an ihm
entwickelt und wirklich. Sondern dieser Ausdruck tritt außer jener
Allgemeinheit, welche in die _Innerlichkeit_ zurückfällt, und
zwischen die Wirklichkeit oder Gestalt, d.h. die sich entwickelnde
Einzelnheit und zwischen das organische Allgemeine, oder die Gattung,
das _bestimmte_ Allgemeine, die _Art_. Die Existenz, zu welcher die
Negativität des Allgemeinen oder der Gattung gelangt, ist nur die
entwickelte Bewegung eines Prozesses, welcher sich an _den Teilen der
seienden Gestalt_ verläuft. Hätte die Gattung an ihr als ruhender
Einfachheit die unterschiedenen Teile, und wäre somit ihre _einfache
Negativität_ als solche zugleich Bewegung, welche sich durch ebenso
einfache, unmittelbar an ihnen allgemeine Teile verliefe, die als
solche Momente hier wirklich wären, so wäre die organische Gattung
Bewußtsein. So aber ist die _einfache Bestimmtheit_, als
Bestimmtheit der Art, an ihr auf eine geistlose Weise vorhanden; die
Wirklichkeit fängt von ihr an, oder was in die Wirklichkeit tritt,
ist nicht die Gattung als solche, d.h. überhaupt nicht der Gedanke.
Diese als wirkliches Organisches ist nur durch einen Repräsentanten
vertreten. Dieser aber, die Zahl, welche den Übergang aus der
Gattung in die individuelle Gestaltung zu bezeichnen und der
Beobachtung die beiden Seiten der Notwendigkeit, einmal als einfache
Bestimmtheit, das anderemal sie als entwickelte zur Mannigfaltigkeit
herausgeborne Gestalt zu geben scheint, bezeichnet vielmehr die
Gleichgültigkeit und Freiheit des Allgemeinen und Einzelnen
gegeneinander, das von der Gattung dem wesenlosen Unterschiede der
Größe preisgegeben wird, selbst aber als Lebendiges von diesem
Unterschiede sich ebenso frei erweist. Die wahre Allgemeinheit, wie
sie bestimmt worden, ist hier nur _innres Wesen_; als _Bestimmtheit
der_ Art ist sie formale Allgemeinheit, und dieser gegenüber tritt
jene wahre Allgemeinheit auf die Seite der Einzelnheit, die dadurch
eine lebendige ist, und sich durch ihr _Inneres über ihre
Bestimmtheit als Art_ hinwegsetzt. Aber diese Einzelnheit ist nicht
zugleich allgemeines Individuum, d.h. an dem die Allgemeinheit ebenso
äußere Wirklichkeit hätte, sondern dies fällt außer dem
Organisch-Lebendigen. Dieses _allgemeine_ Individuum aber, wie es
_unmittelbar_ das Individuum der natürlichen Gestaltungen ist, ist
nicht das Bewußtsein selbst; sein Dasein als _*einzelnes* organisches
lebendiges Individuum_ müßte nicht außer ihm fallen, wenn es dieses
sein sollte.
Wir sehen daher einen Schluß, worin das eine Extrem das _allgemeine
Leben als allgemeines_ oder als Gattung, das andre Extrem aber
_dasselbe als Einzelnes_ oder als allgemeines Individuum ist; die
Mitte aber ist aus beiden zusammengesetzt, das erste scheint in sie
sich als _bestimmte_ Allgemeinheit oder als _Art_, das andre aber als
_eigentliche_ oder einzelne _Einzelnheit_ zu schicken.--Und da dieser
Schluß überhaupt der Seite der _Gestaltung_ angehört, so ist unter
ihm ebenso dasjenige begriffen, was als unorganische Natur
unterschieden wird.
Indem nun das allgemeine Leben als _das einfache Wesen der Gattung_
von seiner Seite die Unterschiede des Begriffs entwickelt, und sie
als eine Reihe der einfachen Bestimmtheiten darstellen muß, so ist
diese ein System gleichgültig gesetzter Unterschiede, oder _eine
Zahlreihe_. Wenn vorhin das Organische in der Form der Einzelnheit
diesem wesenlosen Unterschiede gegenübergesetzt wurde, der ihre
lebendige Natur nicht ausdrückt und enthält--und wenn in Ansehung des
Unorganischen nach seinem ganzen in der Menge seiner Eigenschaften
entwickelten Dasein ebendies gesagt werden muß--, so ist es itzt das
allgemeine Individuum, welches nicht nur als frei von jeder
Gliederung der Gattung, sondern auch als ihre Macht zu betrachten ist.
Die Gattung, welche sich in Arten nach der _allgemeinen
Bestimmtheit_ der Zahl zerlegt, oder auch einzelne Bestimmtheiten
ihres Daseins, z. B. die Figur, Farbe u.s.f. zu ihrem
Einteilungsgrunde nehmen mag, erleidet in diesem ruhigen Geschäfte
Gewalt von der Seite des allgemeinen Individuums, _der Erde_, welches
als die allgemeine Negativität, die Unterschiede, wie sie dieselben
an sich hat und deren Natur um der Substanz willen, der sie angehören,
eine andere ist als die Natur jener, gegen das Systematisieren der
Gattung geltend macht. Dieses Tun der Gattung wird zu einem ganz
eingeschränkten Geschäfte, das sie nur innerhalb jener mächtigen
Elemente treiben darf, und das durch die zügellose Gewalt derselben
allenthalben unterbrochen, lückenhaft und verkümmert wird.
Es folgt hieraus, daß der Beobachtung an dem gestalteten Dasein nur
die Vernunft _als Leben überhaupt_ werden kann, welches aber in
seinem Unterscheiden keine vernünftige Reihung und Gegliederung an
sich selbst wirklich hat, und nicht ein in sich gegründetes System
der Gestalten ist.--Wenn im Schlusse der organischen Gestaltung die
Mitte, worein die Art und ihre Wirklichkeit als einzelne
Individualität fällt, an ihr selbst die Extreme der innern
Allgemeinheit und der allgemeinen Individualität hätte, so würde
diese Mitte an _der Bewegung_ ihrer Wirklichkeit den Ausdruck und die
Natur der Allgemeinheit haben, und die sich selbst systematisierende
Entwicklung sein. So hat das _Bewußtsein_, zwischen dem allgemeinen
Geiste und zwischen seiner Einzelnheit oder dem sinnlichen Bewußtsein,
zur Mitte das System der Gestaltungen des Bewußtseins, als ein zum
Ganzen sich ordnendes Leben des Geistes--das System, das hier
betrachtet wird, und welches als Weltgeschichte sein gegenständliches
Dasein hat. Aber die organische Natur hat keine Geschichte; sie
fällt von ihrem Allgemeinen, dem Leben, unmittelbar in die
Einzelnheit des Daseins herunter, und die in dieser Wirklichkeit
vereinigten Momente der einfachen Bestimmtheit und der einzelnen
Lebendigkeit bringen das Werden nur als die zufällige Bewegung hervor,
worin jedes an seinem Teile tätig ist und das Ganze erhalten wird,
aber diese Regsamkeit ist _für sich_ selbst nur auf ihren Punkt
beschränkt, weil das Ganze nicht in ihm vorhanden ist, und dies ist
nicht darin vorhanden, weil es nicht als Ganzes hier _für sich_ ist.
Außerdem also, daß die beobachtende Vernunft in der organischen Natur
nur zur Anschauung ihrer selbst als allgemeines Leben überhaupt kommt,
wird ihr die Anschauung seiner Entwicklung und Realisierung nur nach
ganz allgemein unterschiedenen Systemen, deren Bestimmung, ihr Wesen
nicht in dem Organischen als solchem, sondern in dem allgemeinen
Individuum liegt; und _unter_ diesen Unterschieden der Erde nach
Reihungen, welche die Gattung versucht.
Indem also in seiner Wirklichkeit die _Allgemeinheit des organischen
Lebens_ sich, ohne die wahrhafte fürsichseiende Vermittlung,
unmittelbar in das Extrem _der Einzelnheit_ herunterfallen läßt, so
hat das beobachtende Bewußtsein nur das _Meinen_ als Ding vor sich;
und wenn die Vernunft das müßige Interesse haben kann, dieses Meinen
zu beobachten, ist sie auf das Beschreiben und Hererzählen von
Meinungen und Einfällen der Natur beschränkt. Diese geistlose
Freiheit des Meinens wird zwar allenthalben Anfänge von Gesetzen,
Spuren von Notwendigkeit, Anspielungen auf Ordnung und Reihung,
witzige und scheinbare Beziehungen darbieten. Aber die Beobachtung
kommt in der Beziehung des Organischen auf die seienden Unterschiede
des Unorganischen, die Elemente, Zonen und Klimate, in Ansehung des
Gesetzes und der Notwendigkeit nicht über den _großen Einfluß_ hinaus.
So auf der andern Seite, wo die Individualität nicht die Bedeutung
der Erde, sondern des dem organischen Leben _immanenten Eins_ hat,
dies aber mit dem Allgemeinen in unmittelbarer Einheit zwar die
Gattung ausmacht, aber deren einfache Einheit ebendarum nur als Zahl
sich bestimmt, und daher die qualitative Erscheinung freiläßt,--kann
es die Beobachtung nicht über _artige Bemerkungen, interessante
Beziehungen, freundliches Entgegenkommen dem Begriffe_ hinausbringen.
Aber die artigen _Bemerkungen_ sind kein _Wissen der Notwendigkeit_,
die _interessanten Beziehungen_ bleiben bei dem _Interesse_ stehen,
das Interesse ist aber nur noch die Meinung von der Vernunft; und die
_Freundlichkeit_ des Individuellen, mit der es an einen Begriff
anspielt, ist eine kindliche Freundlichkeit, welche kindisch ist,
wenn sie an und für sich etwas gelten will oder soll.
b. Die Beobachtung des Selbstbewußtseinsin seiner Reinheit und
seiner Beziehung auf äußre Wirklichkeit;logische und psychologische
Gesetze
Die Naturbeobachtung findet den Begriff in der unorganischen Natur
realisiert. Gesetze, deren Momente Dinge sind, welche sich zugleich
als Abstraktionen verhalten; aber dieser Begriff ist nicht eine in
sich reflektierte Einfachheit. Das Leben der organischen Natur ist
dagegen nur diese in sich reflektierte Einfachheit, der Gegensatz
seiner selbst, als des Allgemeinen und des Einzelnen, tritt nicht im
Wesen dieses Lebens selbst auseinander; das Wesen ist nicht die
Gattung, welche in ihrem unterschiedslosen Elemente sich trennte und
bewegte, und in ihrer Entgegensetzung für sich selbst zugleich
ununterschieden wäre. Die Beobachtung findet diesen freien Begriff,
dessen Allgemeinheit die entwickelte Einzelnheit ebenso absolut in
ihr selbst hat, nur in dem als Begriff existierenden Begriffe selbst,
oder in dem Selbstbewußtsein.
Indem sie sich nun in sich selbst kehrt, und auf den als freien
Begriff wirklichen Begriff richtet, findet sie zuerst die _Gesetze
des Denkens_. Diese Einzelnheit, welche das Denken an ihm selbst ist,
ist die abstrakte, ganz in die Einfachheit zurückgenommene Bewegung
des Negativen, und die Gesetze sind außerhalb der Realität.--Sie
haben keine _Realität_, heißt überhaupt nichts anders, als sie sind
ohne Wahrheit. Sie sollen auch zwar nicht _ganze_, aber doch
_formelle_ Wahrheit sein. Allein das rein Formelle ohne Realität ist
das Gedankending, oder die leere Abstraktion ohne die Entzweiung an
ihr, welche nichts anders als der Inhalt wäre.--Auf der andern Seite
aber, indem sie Gesetze des reinen Denkens sind, dieses aber das an
sich Allgemeine, und also ein Wissen ist, welches unmittelbar das
Sein und darin alle Realität an ihm hat, sind diese Gesetze absolute
Begriffe und ungetrennt die Wesenheiten der Form wie der Dinge. Da
die sich in sich bewegende Allgemeinheit der _entzweite_ einfache
Begriff ist, hat er auf diese Weise _Inhalt_ an sich, und einen
solchen, welcher aller Inhalt, nur nicht ein sinnliches Sein ist. Es
ist ein Inhalt, der weder im Widerspruche mit der Form noch überhaupt
von ihr getrennt, sondern vielmehr wesentlich sie selbst ist, denn
diese ist nichts anderes als das in seine reinen Momente sich
trennende Allgemeine.
Wie aber diese Form oder Inhalt _für die Beobachtung_ als Beobachtung
ist, erhält sie die Bestimmung eines _gefundenen_, gegebenen, d.i.
_nur seienden_ Inhalts. Er wird _ruhiges Sein_ von Beziehungen, eine
Menge abgesonderter Notwendigkeiten, die als ein _fester_ Inhalt an
und für sich, _in ihrer Bestimmtheit_, Wahrheit haben sollen, und so
in der Tat der Form entzogen sind.--Diese absolute Wahrheit fixer
Bestimmtheiten oder vieler verschiedener Gesetze widerspricht aber
der Einheit des Selbstbewußtseins, oder des Denkens und der Form
überhaupt. Was für festes an sich bleibendes Gesetz ausgesagt wird,
kann nur ein Moment der sich in sich reflektierenden Einheit sein,
nur als eine verschwindende Größe auftreten. Aus diesem
Zusammenhange der Bewegung aber von der Betrachtung herausgerissen
und einzeln hingestellt, fehlt ihnen nicht der Inhalt, denn sie haben
vielmehr einen bestimmten Inhalt, sondern sie entbehren vielmehr der
Form, welche ihr Wesen ist. In der Tat nicht darum, weil sie nur
formell sein und keinen Inhalt haben sollen, sondern vielmehr aus dem
entgegengesetzten Grunde, weil sie in ihrer Bestimmtheit, oder eben
_als ein Inhalt_, dem die Form genommen ist, für etwas Absolutes
gelten sollen, sind diese Gesetze nicht die Wahrheit des Denkens. In
ihrer Wahrheit, als in der Einheit des Denkens verschwindende Momente,
müßten sie als Wissen, oder denkende Bewegung, nicht aber als
_Gesetze_ des Wissens genommen werden. Das Beobachten aber ist nicht
das Wissen selbst, und kennt es nicht, sondern verkehrt seine Natur
in die Gestalt des _Seins_, d.h. faßt seine Negativität nur als
_Gesetze_ desselben auf.--Es ist hier hinreichend, die Ungültigkeit
der sogenannten Denkgesetze aus der allgemeinen Natur der Sache
aufgezeigt zu haben. Die nähere Entwicklung gehört in die
spekulative Philosophie, worin sie sich als dasjenige zeigen, was sie
in Wahrheit sind, nämlich einzelne verschwindende Momente, deren
Wahrheit nur das Ganze der denkenden Bewegung, das Wissen selbst ist.
Diese negative Einheit des Denkens ist für sich selbst, oder vielmehr
sie ist das _Für-sich-selbst-sein_, das Prinzip der Individualität,
und in seiner Realität _tuendes Bewußtsein_. Zu ihm als der Realität
jener Gesetze wird daher das beobachtende Bewußtsein durch die Natur
der Sache fortgeführt. Indem dieser Zusammenhang nicht für es ist,
so meint es, das Denken in seinen Gesetzen bleibe ihm auf der einen
Seite stehen, und auf der andern Seite erhalte es ein anderes Sein an
dem, was ihm itzt Gegenstand ist, nämlich das tuende Bewußtsein,
welches so für sich ist, daß es das Anderssein aufhebt, und in dieser
Anschauung seiner selbst als des Negativen seine Wirklichkeit hat.
Es eröffnet sich also für die _Beobachtung_ ein _neues Feld_ an der
_handelnden Wirklichkeit des Bewußtseins_. Die Psychologie enthält
die Menge von Gesetzen, nach welchen der Geist gegen die
verschiedenen Weisen seiner Wirklichkeit, als eines _vorgefundenen
Andersseins_, sich verschieden verhält; teils diese in sich zu
empfangen, und den vorgefundenen Gewohnheiten, Sitten und Denkungsart,
als worin er sich als Wirklichkeit Gegenstand ist, _gemäß zu werden_,
--teils gegen sie sich selbsttätig zu wissen, mit Neigung und
Leidenschaft nur Besonderes daraus für sich herauszugreifen, und das
Gegenständliche _sich gemäß zu machen_; dort sich gegen sich selbst
als Einzelnheit, hier gegen sich als allgemeines Sein negativ zu
verhalten.--Die Selbstständigkeit gibt dem Vorgefundenen nach der
ersten Seite nur die _Form_ bewußter Individualität überhaupt, und
bleibt in Ansehung des Inhalts innerhalb der vorgefundenen
allgemeinen Wirklichkeit stehen; nach der andern Seite aber gibt sie
ihr wenigstens eine eigentümliche Modifikation, die ihrem
wesentlichen Inhalte nicht widerspricht, oder auch eine solche,
wodurch das Individuum als besondere Wirklichkeit und eigentümlicher
Inhalt sich ihr entgegensetzt--und zum Verbrechen wird, indem es sie
auf eine nur einzelne Weise aufhebt, oder indem es dies auf eine
allgemeine Weise und damit für alle tut, eine andere Welt, anderes
Recht, Gesetz und Sitten an die Stelle der vorhandenen bringt.
Die beobachtende Psychologie, welche zuerst ihre Wahrnehmungen von
den _allgemeinen Weisen_, die ihr an dem tätigen Bewußtsein vorkommen,
ausspricht, findet mancherlei Vermögen, Neigungen und Leidenschaften,
und indem sich die Erinnerung an die Einheit des Selbstbewußtseins
bei der Hererzählung dieser Kollektion nicht unterdrücken läßt, muß
sie wenigstens bis zur Verwunderung fortgehen, daß in dem Geiste, wie
in einem Sacke, so vielerlei und solche heterogene einander zufällige
Dinge beisammen sein können, besonders auch da sie sich nicht als
tote ruhende Dinge, sondern als unruhige Bewegungen zeigen.
In der Hererzählung dieser verschiedenen Vermögen ist die Beobachtung
in der allgemeinen Seite; die Einheit dieser vielfachen Fähigkeiten
ist die dieser Allgemeinheit entgegengesetzte Seite, die _wirkliche_
Individualität.--Die unterschiednen wirklichen Individualitäten
wieder so aufzufassen und zu erzählen, daß der eine Mensch mehr
Neigung zu diesem, der andere mehr zu jenem, der eine mehr Verstand
als der andere habe, hat aber etwas viel Uninteressanteres, als
selbst die Arten von Insekten, Moosen, und so fort, aufzuzählen; denn
diese geben der Beobachtung das Recht, sie so einzeln und begrifflos
zu nehmen, weil sie wesentlich dem Elemente der zufälligen
Vereinzelung angehören. Die bewußte Individualität hingegen geistlos
als _einzelne_ seiende Erscheinung zu nehmen, hat das Widersprechende,
daß ihr Wesen das Allgemeine des Geistes ist. Indem aber das
Auffassen sie zugleich in die Form der Allgemeinheit eintreten läßt,
findet es _ihr Gesetz_, und scheint itzt einen vernünftigen Zweck zu
haben, und ein notwendiges Geschäfte zu treiben.
Die Momente, die den Inhalt des Gesetzes ausmachen, sind einerseits
die Individualität selbst, anderseits ihre allgemeine unorganische
Natur, nämlich die vorgefundenen Umstände, Lage, Gewohnheiten, Sitten,
Religion, und so weiter; aus diesen ist die bestimmte Individualität
zu begreifen. Sie enthalten Bestimmtes ebensowohl als Allgemeines,
und sind zugleich _Vorhandenes_, das sich der Beobachtung darbietet,
und sich an der andern Seite in der Form der Individualität ausdrückt.
Das Gesetz dieses Verhältnisses der beiden Seiten müßte nun dies
enthalten, was diese bestimmten Umstände für eine Wirkung und Einfluß
auf die Individualität ausüben. Diese Individualität aber ist gerade
dies, _ebensowohl_ das _Allgemeine_ zu sein, und daher auf eine
ruhige unmittelbare Weise mit dem _vorhandenen_ Allgemeinen, den
Sitten, Gewohnheiten u.s.f. zusammenzufließen und ihnen gemäß zu
werden, _als_ sich entgegengesetzt gegen sie zu verhalten, und sie
vielmehr zu verkehren,--sowie gegen sie in ihrer Einzelnheit ganz
gleichgültig sich zu verhalten, sie nicht auf sich einwirken zu
lassen, und nicht gegen sie tätig zu sein. _Was_ auf die
Individualität Einfluß und _welchen_ Einfluß es haben soll--was
eigentlich gleichbedeutend ist--, hängt darum nur von der
Individualität selbst ab; _dadurch_ ist diese Individualität _diese
bestimmte geworden_, heißt nichts anders, als _sie ist dies schon
gewesen_. Umstände, Lage, Sitten und so fort, welche einerseits
gezeigt werden als _vorhanden_, und anderseits _in dieser bestimmten
Individualität_, drücken nur das unbestimmte Wesen derselben aus, um
welches es nicht zu tun ist. Wenn diese Umstände, Denkungsart,
Sitten, Weltzustand überhaupt nicht gewesen wäre, so wäre allerdings
das Individuum nicht geworden, was es ist; denn diese allgemeine
Substanz sind alle, welche in diesem Weltzustande sich befinden.--Wie
er sich aber in _diesem_ Individuum--und ein solches soll begriffen
werden--partikularisiert hat, so müßte er sich an und für sich selbst
partikularisiert, und in dieser Bestimmtheit, welche er sich gegeben,
auf ein Individuum eingewirkt haben; nur so hätte er es zu diesem
bestimmten gemacht, das es ist. Wenn das Äußere sich an und für sich
so beschaffen hat, wie es an der Individualität erscheint, wäre diese
aus jenem begriffen. Wir hätten eine gedoppelte Galerie von Bildern,
deren eine der Widerschein der andern wäre; die eine die Galerie der
völligen Bestimmtheit und Umgrenzung äußerer Umstände, die andere
dieselbe übersetzt in die Weise, wie Sie in dem bewußten Wesen sind;
jene die Kugelfläche, dieses der Mittelpunkt, welcher sie in sich
vorstellt.
Aber die Kugelfläche, die Welt des Individuums, hat unmittelbar die
zweideutige Bedeutung, _an und für sich seiende Welt_ und _Lage, und
Welt des Individuums entweder_ insofern zu sein, als dieses mit ihr
nur zusammengeflossen wäre, sie so, wie sie ist, in sich hineingehen
lassen, und gegen sie sich nur als formelles Bewußtsein verhalten
hätte;--_oder_ aber Welt des Individuums so zu sein, wie das
Vorhandene von ihm _verkehrt_ worden ist.--Da um dieser Freiheit
willen die Wirklichkeit dieser gedoppelten Bedeutung fähig ist, so
ist die Welt des Individuums nur aus diesem selbst zu begreifen, und
der _Einfluß_ der Wirklichkeit, welche als an und für sich _seiend_
vorgestellt wird, auf das Individuum erhält durch dieses absolut den
entgegengesetzten Sinn, daß es entweder den Strom der einfließenden
Wirklichkeit an ihm _gewähren_ läßt, oder daß es ihn abbricht und
verkehrt. Hiedurch aber wird die _psychologische Notwendigkeit_ ein
so leeres Wort, daß von dem, was diesen Einfluß soll gehabt haben,
die absolute Möglichkeit vorhanden ist, daß es ihn auch hätte nicht
haben können.
Es fällt hiemit das _Sein_ hinweg, welches _an und für sich_ wäre,
und die eine, und zwar die allgemeine Seite eines Gesetzes ausmachen
sollte. Die Individualität ist, was _ihre_ Welt als die _ihrige_ ist;
sie selbst ist der Kreis ihres Tuns, worin sie sich als Wirklichkeit
dargestellt hat, und schlechthin nur Einheit des _vorhandenen_ und
des _gemachten Seins_; eine Einheit, deren Seiten nicht, wie in der
Vorstellung des psychologischen Gesetzes als _an sich_ vorhandne Welt
und als _für sich_ seiende Individualität auseinanderfallen; oder
wenn sie so jede für sich betrachtet wird, so ist keine Notwendigkeit
und Gesetz ihrer Beziehung füreinander vorhanden.
c. Beobachtungder Beziehung des Selbstbewußtseinsauf seine
unmittelbare Wirklichkeit;Physiognomik und Schädellehre
Die psychologische Beobachtung findet kein Gesetz des Verhältnisses
des Selbstbewußtseins zu der Wirklichkeit oder der ihm
entgegengesetzten Welt, und ist durch die Gleichgültigkeit beider
gegeneinander auf die _eigentümliche Bestimmtheit_ der realen
Individualität zurückgetrieben, welche _an_ und _für sich_ selbst ist,
oder den Gegensatz des _Für-sich_-seins und des _An-sich_-seins in
ihrer absoluten Vermittlung getilgt enthält. Sie ist der Gegenstand,
der itzt der Beobachtung geworden, oder zu dem sie übergeht.
Das Individuum ist an und für sich selbst: es ist _für sich_ oder es
ist ein freies Tun; es ist aber auch _an sich_; oder es selbst hat
ein _ursprüngliches_ bestimmtes _Sein_--eine Bestimmtheit, welche dem
Begriffe nach dasselbe ist, was die Psychologie außer ihm finden
wollte. _An ihm selbst_ tritt also der Gegensatz hervor, dies
Gedoppelte, Bewegung des Bewußtseins und das feste Sein einer
erscheinenden Wirklichkeit zu sein, einer solchen, welche an ihm
unmittelbar _die seinige_ ist. Dies _Sein_, der _Leib_ der
bestimmten Individualität, ist die _Ursprünglichkeit_ derselben, ihr
Nicht-getan-haben. Aber indem das Individuum zugleich nur ist, was
es getan hat, so ist sein Leib auch der von ihm _hervorgebrachte_
Ausdruck seiner selbst; zugleich ein _Zeichen_, welches nicht
unmittelbare Sache geblieben, sondern woran es nur zu erkennen gibt,
was es in dem Sinne _ist_, daß es seine ursprüngliche Natur ins Werk
richtet.
Betrachten wir die hier vorhandenen Momente in Beziehung auf die
vorhergehende Ansicht, so ist hier eine allgemeine menschliche
Gestalt, oder wenigstens die allgemeine eines Klimas, Weltteils,
eines Volks, wie vorhin dieselben allgemeinen Sitten und Bildung.
Hiezu kommen die besondern Umstände und Lage innerhalb der
allgemeinen Wirklichkeit; hier ist diese besondere Wirklichkeit als
besondere Formation der Gestalt des Individuums.--Auf der andern
Seite, wie vorhin das freie Tun des Individuums und die Wirklichkeit
als die _seinige_ gegen die vorhandne gesetzt war, steht hier die
Gestalt, als Ausdruck _seiner_ durch es selbst gesetzten
Verwirklichung, die Züge und Formen seines selbsttätigen Wesens.
Aber die sowohl allgemeine als besondere Wirklichkeit, welche die
Beobachtung vorhin außer dem Individuum vorfand, ist hier die
Wirklichkeit desselben, sein angeborner Leib, und in eben diesen
fällt der Ausdruck, der seinem Tun angehört. In der psychologischen
Betrachtung sollte die an und für sich seiende Wirklichkeit und die
bestimmte Individualität aufeinander bezogen werden; hier aber ist
die _ganze_ bestimmte _Individualität_ Gegenstand der Beobachtung;
und jede Seite seines Gegensatzes ist selbst dies Ganze. Zu dem
äußern Ganzen gehört also nicht nur das _ursprüngliche Sein_, der
angeborne Leib, sondern ebenso die Formation desselben, die der
Tätigkeit des Innern angehört; er ist Einheit des ungebildeten und
des gebildeten Seins, und die von dem Für-sich-sein durchdrungne
Wirklichkeit des Individuums. Dieses Ganze, welches die bestimmten
ursprünglichen festen Teile und die Züge, die allein durch das Tun
entstehen, in sich faßt, _ist_, und dies _Sein_ ist _Ausdruck_ des
Innern, des als Bewußtsein und Bewegung gesetzten Individuums.--Dies
_Innre_ ist ebenso nicht mehr die formelle, inhaltlose oder
unbestimmte Selbsttätigkeit, deren Inhalt und Bestimmtheit, wie
vorhin, in den äußern Umständen läge, sondern es ist ein an sich
bestimmter ursprünglicher Charakter, dessen Form nur die Tätigkeit
ist. Zwischen diesen beiden Seiten also wird hier das Verhältnis
betrachtet, wie es zu bestimmen, und was unter diesem _Ausdrucke_ des
Innern im Äußern zu verstehen ist.
Dies Äußere macht zuerst nur als _Organ_ das Innere sichtbar oder
überhaupt zu einem Sein für Anderes; denn das Innere, insofern es in
dem Organe ist, ist es die _Tätigkeit_ selbst. Der sprechende Mund,
die arbeitende Hand, wenn man will auch noch die Beine dazu, sind die
verwirklichenden und vollbringenden Organe, welche das Tun _als Tun_,
oder das Innre als solches an ihnen haben; die Äußerlichkeit aber,
welche es durch sie gewinnt, ist die Tat, als eine von dem Individuum
abgetrennte Wirklichkeit. Sprache und Arbeit sind Äußerungen, worin
das Individuum nicht mehr an ihm selbst sich behält und besitzt,
sondern das Innre ganz außer sich kommen läßt, und dasselbe Anderem
preisgibt. Man kann darum ebensosehr sagen, daß diese Äußerungen das
Innere zu sehr, als daß sie es zu wenig ausdrücken; _zu sehr_--weil
das Innere selbst in ihnen ausbricht, bleibt kein Gegensatz zwischen
ihnen und diesem; sie geben nicht nur einen _Ausdruck_ des Innern,
sondern es selbst unmittelbar; _zu wenig_--weil das Innere in Sprache
und Handlung sich zu einem Andern macht, so gibt es sich damit dem
Elemente der Verwandlung preis, welches das gesprochene Wort und die
vollbrachte Tat verkehrt, und etwas anders daraus macht, als sie an
und für sich als Handlungen dieses bestimmten Individuums sind.
Nicht nur verlieren die Werke der Handlungen durch diese
Äußerlichkeit von dem Einwirken anderer den Charakter, etwas
Bleibendes gegen andere Individualitäten zu sein; sondern indem sie
sich zum Innern, das sie enthalten, als abgesondertes, gleichgültiges
Äußeres verhalten, können sie als Innres _durch das Individuum_
selbst ein anders sein, als sie erscheinen,--entweder daß es sie mit
Absicht für die Erscheinung zu etwas anderem macht, als sie in
Wahrheit sind, oder daß es zu ungeschickt ist, sich die Außenseite zu
geben, die es eigentlich wollte, und sie so zu befestigen, daß ihm
von andern sein Werk nicht verkehrt werden kann. Das Tun also, als
vollbrachtes Werk, hat die doppelte entgegengesetzte Bedeutung,
entweder die _innere_ Individualität und _nicht_ ihr _Ausdruck_, oder
als Äußeres eine von dem Innern _freie_ Wirklichkeit zu sein, welche
ganz etwas anderes ist als jenes.--Um dieser Zweideutigkeit willen
müssen wir uns nach dem Innern umsehen, wie es _noch_, aber sichtbar
oder äußerlich _an dem Individuum selbst ist_. Im Organe aber ist es
nur als unmittelbares Tun selbst, das seine Äußerlichkeit an der Tat
erlangt, die entweder das Innre vorstellt oder auch nicht. Das Organ
nach diesem Gegensatze betrachtet gewährt also nicht den Ausdruck,
der gesucht wird.
Wenn nun die äußere Gestalt nur, insofern sie nicht Organ oder nicht
_Tun_, hiemit als _ruhendes_ Ganzes ist, die innre Individualität
ausdrücken könnte, so verhielte sie sich also als ein bestehendes
Ding, welches das Innre als ein Fremdes in sein passives Dasein ruhig
empfinge, und hiedurch das _Zeichen_ desselben würde,--ein äußerer,
zufälliger Ausdruck, dessen _wirkliche_ Seite für sich bedeutungslos,
eine Sprache, deren Töne und Tonverbindungen nicht die Sache selbst,
sondern durch die freie Willkür mit ihr verknüpft und zufällig für
sie sind.
Eine solche willkürliche Verbindung von solchen, die ein Äußeres
füreinander sind, gibt kein Gesetz. Die Physiognomik soll sich aber
von andern schlechten Künsten und heillosen Studien dadurch
unterscheiden, daß sie die bestimmte Individualität in dem
_notwendigen_ Gegensatze eines Innern und Äußern, des Charakters als
bewußten Wesens und ebendesselben als seiender Gestalt betrachtet,
und diese Momente so aufeinander bezieht, wie sie durch ihren Begriff
aufeinander bezogen sind, und daher den Inhalt eines Gesetzes
ausmachen müssen. In der Astrologie, Chiromantie und dergleichen
Wissenschaften hingegen scheint nur Äußeres auf Äußeres, irgend etwas
auf ein ihm Fremdes bezogen zu sein. _Diese_ Konstellation bei der
Geburt, und wenn dies Äußere näher auf den Leib selbst gerückt wird,
_diese_ Züge der Hand sind _äußere_ Momente für das lange oder kurze
Leben und das Schicksal des einzelnen Menschen überhaupt. Als
Äußerlichkeiten verhalten sie sich gleichgültig zueinander und haben
nicht die Notwendigkeit füreinander, welche in der Beziehung eines
_Äußern_ und _Innern_ liegen soll.
Die Hand freilich scheint nicht so sehr etwas Äußeres für das
Schicksal zu sein, sondern vielmehr als Inneres zu ihm sich zu
verhalten. Denn das Schicksal ist auch wieder nur die Erscheinung
dessen, was die bestimmte Individualität _an sich_ als innre
ursprüngliche Bestimmtheit ist.--Zu wissen nun, was sie an sich ist,
dazu kommt der Chiromante wie auch der Physiognomiker auf eine
kürzere Weise als zum Beispiel Solon, der erst aus und nach dem
Verlaufe des ganzen Lebens dies wissen zu können erachtete; er
betrachtete die Erscheinung, jene aber das _An-sich_. Daß aber die
Hand das _An-sich_ der Individualität in Ansehung ihres Schicksals
darstellen muß, ist leicht daraus zu sehen, daß sie nächst dem Organ
der Sprache am meisten es ist, wodurch der Mensch sich zur
Erscheinung und Verwirklichung bringt. Sie ist der beseelte
Werkmeister seines Glücks; man kann von ihr sagen, sie _ist_ das, was
der Mensch _tut_, denn an ihr als dem tätigen Organe seines
Sich-selbst-vollbringens ist er als Beseelender gegenwärtig, und
indem er ursprünglich sein eignes Schicksal ist, wird sie also dies
An-sich ausdrücken.
Aus dieser Bestimmung, daß das _Organ_ der Tätigkeit _ebensowohl_ ein
_Sein_ als das _Tun_ in ihm ist, oder daß das innre _An-sich_-sein
selbst an ihm _gegenwärtig_ und ein _Sein für_ Andre hat, ergibt sich
eine andre Ansicht desselben als die vorherige. Wenn nämlich die
Organe überhaupt darum nicht als _Ausdrücke_ des Innern genommen
werden zu können sich zeigten, weil in ihnen das Tun _als Tun_
gegenwärtig, das Tun _als Tat_ aber nur Äußeres ist, und Inneres und
Äußeres auf diese Weise auseinanderfällt und fremde gegeneinander
sind oder sein können, so muß nach der betrachteten Bestimmung das
Organ auch wieder als _Mitte_ beider genommen werden, indem eben dies,
daß das Tun an ihm _gegenwärtig_ ist, zugleich eine _Äußerlichkeit_
desselben ausmacht, und zwar eine andere, als die Tat ist, jene
nämlich bleibt dem Individuum und an ihm.--Diese Mitte und Einheit
des Innern und Äußern ist nun vors erste selbst auch äußerlich;
alsdenn aber ist diese Äußerlichkeit zugleich in das Innere
aufgenommen; sie steht als _einfache_ Äußerlichkeit der zerstreuten
entgegen, welche entweder nur ein _einzelnes_ für die ganze
Individualität zufälliges Werk oder Zustand, oder aber als _ganze_
Äußerlichkeit das in eine Vielheit von Werken und Zuständen
zersplitterte Schicksal ist. Die _einfachen Züge der Hand_ also,
ebenso _Klang_ und _Umfang_ der _Stimme_, als die individuelle
Bestimmtheit der _Sprache_,--auch dieselbe wieder, wie sie durch die
Hand eine festere Existenz als durch die Stimme bekommt, die
_Schrift_, und zwar in ihrer Besonderheit als _Handschrift_--alles
dieses ist _Ausdruck_ des Innern, so daß er als die _einfache
Äußerlichkeit_ sich wieder gegen die _vielfache Äußerlichkeit_ des
Handelns und des Schicksals, sich als _Inneres_ gegen diese verhält.
--Wenn also zuerst die bestimmte Natur und angeborne Eigentümlichkeit
des Individuums zusammen mit dem, was sie durch die Bildung geworden,
als das _Innere_, als das Wesen des Handelns und des Schicksals
genommen wird, so hat es seine _Erscheinung_ und Äußerlichkeit
_zuerst_ an seinem Munde, Hand, Stimme, Handschrift, sowie an den
übrigen Organen und deren bleibenden Bestimmtheiten; und _alsdann_
erst drückt es sich _weiter_ hinaus nach außen an seiner Wirklichkeit
in der Welt aus.