Argentinien ist eines der natürlich reichsten Länder der Erde, von

riesigem Flächeninhalt, mit schwacher Bevölkerung und gemässigtem Klima.

Die argentinische Republik hätte das grösste Interesse daran, uns ein

Stück Territorium abzutreten. Die jetzige Judeninfiltration hat freilich

dort Verstimmung erzeugt; man müsste Argentinien über die wesentliche

Verschiedenheit der neuen Judenwanderung aufklären.

Palästina ist unsere unvergessliche historische Heimat. Dieser Name

allein wäre ein gewaltig ergreifender Sammelruf für unser Volk. Wenn

Seine Majestät der Sultan uns Palästina gäbe, könnten wir uns dafür

anheischig machen, die Finanzen der Türkei gänzlich zu regeln. Für

Europa würden wir dort ein Stück des Walles gegen Asien bilden, wir

würden den Vorpostendienst der Cultur gegen die Barbarei besorgen. Wir

würden als neutraler Staat im Zusammenhange bleiben mit ganz Europa, das

unsere Existenz garantiren müsste. Für die heiligen Stätten der

Christenheit liesse sich eine völkerrechtliche Form der

Exterritorialisirung finden. Wir würden die Ehrenwache um die heiligen

Stätten bilden, und mit unserer Existenz für die Erfüllung dieser

Pflicht haften. Diese Ehrenwacht wäre das grosse Symbol für die Lösung

der Judenfrage nach achtzehn für uns qualvollen Jahrhunderten.

Bedürfniss, Organ, Verkehr.

Im vorletzten Capitel sagte ich: »Die Jewish Company organisirt im neuen

Lande den wirthschaftlichen Verkehr«.

Ich glaube, hierzu einige Erläuterungen einschalten zu sollen. Ein

Entwurf, wie der vorliegende, ist in seinen Grundfesten bedroht, wenn

sich die »praktischen« Leute dagegen aussprechen. Nun sind die

praktischen Leute wohl in der Regel nur Routiniers, unfähig aus einem

engen Kreis alter Vorstellungen herauszutreten. Aber ihr Widerspruch

gilt und vermag dem Neuen sehr zu schaden; wenigstens so lange das Neue

selbst nicht stark genug ist, die Praktiker mit ihren morschen

Vorstellungen über den Haufen zu werfen.

Als die Eisenbahnzeit über Europa kam, gab es Praktiker, welche den Bau

gewisser Linien für thöricht erklärten, »weil dort nicht einmal die

Postkutsche genug Passagiere habe«. Man wusste damals die Wahrheit noch

nicht, die uns heute als eine kindlich einfache vorkommt: dass nicht die

Reisenden die Bahn hervorrufen, sondern umgekehrt die Bahn die Reisenden

hervorruft, wobei freilich das schlummernde Bedürfniss vorausgesetzt

werden muss.

In die Kategorie solcher voreisenbahnlicher »praktischer« Bedenken wird

es gehören, wenn Manche sich nicht vorstellen können, wie in dem neuen,

erst noch zu gewinnenden, erst noch zu cultivirenden Lande der

wirthschaftliche Verkehr der Ankömmlinge beschaffen sein soll. Ein

Praktiker wird also beiläufig Folgendes sagen:

»Zugegeben, dass die jetzigen Zustände der Juden an vielen Orten

unhaltbar sind und immer schlechter werden müssen; zugegeben, dass die

Auswanderungslust entsteht; zugegeben sogar, dass die Juden nach dem

neuen Lande wandern, wie und was werden sie dort verdienen? Wovon werden

sie leben? Der Verkehr vieler Menschen lässt sich doch nicht künstlich

von einem Tag auf den andern einrichten.«

Darauf ist meine Antwort: Von der künstlichen Einrichtung eines Verkehrs

ist gar nicht die Rede, und am allerwenigsten soll das von einem Tag auf

den anderen gemacht werden. Wenn man aber den Verkehr auch nicht

einzurichten vermag, anregen kann man ihn. Wodurch? Durch das Organ

eines Bedürfnisses. Das Bedürfniss will erkannt, das Organ will

geschaffen werden, der Verkehr macht sich dann von selbst.

Ist das Bedürfniss der Juden, in bessere Zustände zu gelangen, ein

wahres, tiefes; ist das zu schaffende Organ dieses Bedürfnisses, die

Jewish Company, hinreichend mächtig: so muss der Verkehr im neuen Lande

sich in Fülle einstellen. Das liegt freilich in der Zukunft, wie die

Entwicklung des Bahnverkehrs für die Menschen der Dreissiger Jahre in

der Zukunft lag. Die Eisenbahnen wurden dennoch gebaut. Man ist

glücklicherweise über die Bedenken von Praktikern der Postkutsche

hinweggegangen.

Die Jewish Company.

Grundzüge.

Die Jewish Company ist zum Theil nach dem Vorbilde der grossen

Landnahmegesellschaften gedacht -- eine jüdische Chartered Company, wenn

man will. Nur steht ihr nicht die Ausübung von Hoheitsrechten zu, und

sie hat nicht allein coloniale Aufgaben.

Die Jewish Company wird als eine Actiengesellschaft gegründet, mit der

englischen Rechtssubjectivität, nach den Gesetzen und unter dem Schutze

Englands. Der Hauptsitz ist London. Wie gross das Actiencapital zu sein

habe, kann ich jetzt nicht sagen. Unsere zahlreichen Finanzkünstler

werden das ausrechnen. Um aber nicht unbestimmte Ausdrücke zu

gebrauchen, will ich eine Milliarde Mark annehmen. Es wird vielleicht

mehr, vielleicht weniger sein müssen. Von der Form der Geldbeschaffung,

die weiterhin erörtert werden soll, wird es abhängen, welcher Bruchtheil

der grossen Summe beim Beginn der Thätigkeit factisch einzuzahlen ist.

Die Jewish Company ist ein Uebergangs-Institut. Sie ist ein rein

geschäftliches Unternehmen, das von der Society of Jews immer sorgsam

unterschieden bleibt.

Die Jewish Company hat zunächst die Aufgabe, die Immobilien der

abziehenden Juden zu liquidiren. Die Art, in der das geschieht, verhütet

Krisen, sichert Jedem das Seine, und ermöglicht jene innere Wanderung

der christlichen Mitbürger, die schon angedeutet wurde.

Immobiliengeschäft.

Die in Betracht kommenden Immobilien sind Häuser, Landgüter und örtliche

Kundschaft der Geschäfte. Die Jewish Company wird sich anfangs nur

bereit erklären, die Verkäufe dieser Immobilien zu vermitteln. In der

ersten Zeit werden ja die Verkäufe der Juden frei und ohne grosse

Preisstürze stattfinden. Die Zweigniederlassungen der Company werden in

jeder Stadt zu Centralen des jüdischen Güterverkaufs werden. Jede

Zweiganstalt wird dafür nur den Provisionssatz einheben, den ihre

Selbsterhaltung erfordert.

Nun kann es die Entwicklung der Bewegung mit sich bringen, dass die

Immobilienpreise sinken und schliesslich die Verkaufsunmöglichkeit

eintritt. In diesem Stadium spaltet sich die Function der Company als

Gütervermittlerin in neue Zweige. Die Company wird Verwalterin der

verlassenen Immobilien und wartet die geeigneten Zeitpunkte zur

Veräusserung ab. Sie hebt Hauszinse ein, verpachtet Landgüter und setzt

Geschäftsführer, wenn möglich auch im Pachtverhältnisse -- wegen der

nöthigen Sorgfalt -- ein. Die Company wird überall die Tendenz haben,

diesen Pächtern -- Christen -- die Eigenthumserwerbung zu erleichtern.

Sie wird überhaupt nach und nach ihre europäischen Anstalten mit

durchaus christlichen Beamten und freien Vertretern (Advocaten etc.)

besetzen, und diese sollen durchaus nicht zu Judenknechten werden. Sie

werden gleichsam freie Controlsbehörden der christlichen Bevölkerung

abgeben dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht, dass redlich und in

gutem Glauben gehandelt und nirgends eine Erschütterung des

Volkswohlstandes beabsichtigt wird.

Zugleich wird die Company als Güterkäuferin auftreten, richtiger als

Gutstauscherin. Sie wird für ein Haus ein Haus, für ein Gut ein Gut

geben, und zwar »drüben«. Alles ist, wenn möglich, so zu verpflanzen,

wie es »hüben« war. Und da eröffnet sich für die Company eine Quelle

grosser und erlaubter Gewinne. Sie wird »drüben« schönere, moderne, mit

allem Comfort ausgestattete Häuser, bessere Landgüter geben, die sie

dennoch viel weniger kosten, denn sie hat Grund und Boden billig

erworben.

Der Landkauf.

Das der Society of Jews völkerrechtlich zugesicherte Land ist natürlich

auch privatrechtlich zu erwerben.

Die Vorkehrungen zur Ansiedlung, die der Einzelne trifft, fallen nicht

in den Rahmen dieser Ausführungen. Aber die Company braucht grosse

Landstrecken für ihre und unsere Bedürfnisse. Sie wird sich den nöthigen

Boden durch centralisirten Kauf sichern. Hauptsächlich wird es sich um

die Erwerbung der jetzigen Landeshoheit gehöriger Staatsdomänen handeln.

Das Ziel ist, »drüben« in's Eigenthum des Landes zu kommen, ohne die

Preise zur Schwindelhöhe hinaufzutreiben, gleichwie »hüben« verkauft

wird, ohne die Preise zu drücken. Eine wüste Preistreiberei ist dabei

nicht zu besorgen, denn den Werth des Landes bringt erst die Company

mit, weil sie die Besiedlung leitet und zwar im Einvernehmen mit der

beaufsichtigenden Society of Jews. Die Letztere wird auch dafür sorgen,

dass aus der Unternehmung kein Panama werde, sondern ein Suez.

Die Company wird ihren Beamten Bauplätze zu billigen Bedingungen

ablassen, ihnen für den Bau ihrer schönen Heimstätten Amortisationscredite

gewähren und von ihren Gehalten abziehen oder nach und nach als Zulagen

anrechnen. Das wird neben den Ehren, die sie erwarten, eine Form der

Belohnung ihrer Dienste sein.

Der ganze riesige Gewinn aus der Landspeculation soll der Company

zufliessen, weil sie für die Gefahr eine unbestimmte Prämie bekommen

muss wie jeder freie Unternehmer. Wo eine Gefahr beim Unternehmen

vorliegt, soll der Unternehmergewinn weitherzig begünstigt werden. Aber

er ist auch nur dort zu dulden. Die Correlation von Gefahr und Prämie

enthält die finanzielle Sittlichkeit.

Bauten.

Die Company wird also Häuser und Güter eintauschen. Am Grund und Boden

wird und muss die Company gewinnen. Das ist Jedem klar, der irgendwo und

irgendwann die Wertherhöhungen des Bodens durch Culturanlagen beobachtet

hat. Am besten sieht man das an den Enclaven in Stadt und Land.

Unbebaute Flächen steigen im Werthe durch den Kranz von Cultur, der um

sie gelegt wird. Eine in ihrer Einfachheit geniale Bodenspeculation war

die der Pariser Stadterweiterer, welche die Neubauten nicht an die

letzten Häuser der Stadt unmittelbar anschlossen, sondern die

angrenzenden Grundstücke aufkauften und am äusseren Rande zu bauen

anfingen. Durch diesen umgekehrten Baugang wuchs der Werth der

Hausparzellen ungemein rasch und statt immer wieder die letzten Häuser

der Stadt zu errichten, bauten sie, nachdem der Rand fertig war, nur

noch mitten in der Stadt, also auf werthvolleren Parzellen.

Wird die Company selbst bauen oder freien Architekten ihre Aufträge

geben? Sie kann beides, sie wird beides thun. Sie hat, wie sich bald

zeigen wird, einen gewaltigen Vorrath an Arbeitskräften, die durchaus

nicht capitalsmässig bewuchert werden sollen, die in glückliche und

heitere Bedingungen des Lebens gebracht und doch nicht theuer sein

werden. Für Baumaterial haben unsere Geologen gesorgt, als sie die

Bauplätze für die Städte suchten.

Welches wird nun das Bauprincip sein?

Arbeiterwohnungen.

Die Arbeiterwohnungen (worunter die Wohnungen aller Handarbeiter

begriffen sind) sollen in eigener Regie hergestellt werden. Ich denke

keineswegs an die traurigen Arbeiterkasernen der europäischen Städte und

nicht an die kümmerlichen Hütten, die um Fabriken herum in Reih' und

Glied stehen. Unsere Arbeiterhäuser müssen zwar auch einförmig aussehen

-- weil die Company nur billig bauen kann, wenn sie die Baubestandtheile

in grossen Massen herstellt -- aber diese einzelnen Häuser mit ihren

Gärtchen sollen an jedem Orte zu schönen Gesammtkörpern vereinigt

werden. Die natürliche Beschaffenheit der Gegend wird das frohe Genie

unserer jungen, nicht in der Routine befangenen Architekten anregen, und

wenn das Volk auch nicht den grossen Zug des Ganzen verstehen wird, so

wird es sich doch wohlfühlen in dieser leichten Gruppirung. Der Tempel

wird weithin sichtbar darin stehen, weil uns ja nur der alte Glaube

zusammengehalten hat. Und freundliche, helle, gesunde Schulen für Kinder

mit allen modernen Lehrmitteln. Ferner Handwerker-Fortbildungsschulen,

die aufsteigend nach höheren Zwecken den einfachen Handwerker befähigen

sollen, technologische Kenntnisse zu erwerben und sich mit dem

Maschinenwesen zu befreunden. Ferner Unterhaltungshäuser für das Volk,

welche die Society of Jews von oben herab für die Sittlichkeit leiten

wird.

Es soll jetzt übrigens nur von den Bauten gesprochen werden, nicht

davon, was in ihnen vorgehen wird.

Die Arbeiterwohnungen wird die Company billig bauen, sage ich. Nicht

nur, weil alle Baumaterialien in Masse da sein werden; nicht nur, weil

der Grund der Company gehört, sondern auch, weil sie die Arbeiter dafür

nicht zu bezahlen braucht.

Die Farmer in Amerika haben das System, einander gegenseitig bei ihren

Hausbauten zu helfen. Dieses kindlich gutmüthige System -- plump wie die

Blockhäuser, die so entstehen -- kann sehr verfeinert werden.

Die »ungelernten« Arbeiter.

(Unskilled Labourers.)

Unsere ungelernten Arbeiter, die zuerst aus dem grossen russischen und

rumänischen Reservoir kommen werden, müssen sich auch gegenseitig ihre

Häuser bauen. Wir werden ja anfangs kein eigenes Eisen haben und auch

mit Holz bauen müssen. Das wird später anders werden und die dürftigen

Nothbauten der ersten Zeit werden dann durch bessere ersetzt.

Unsere »unskilled labourers« bauen einander zuerst ihre Unterkünfte und

sie erfahren es vorher. Und zwar erwerben sie durch die Arbeit die

Häuser in's Eigenthum -- allerdings nicht gleich, sondern erst dafür,

dass sie sich durch eine Zeit von drei Jahren gut aufführen. So bekommen

wir eifrige, anstellige Leute, und ein Mann, der drei Jahre in guter

Zucht gearbeitet hat, ist erzogen für's Leben.

Ich sagte vorhin, dass die Company diese Unskilleds nicht zu bezahlen

braucht. Ja, wovon werden sie leben?

Ich bin im Allgemeinen gegen das Trucksystem. Bei diesen ersten

Landnehmern sollte es dennoch angewendet werden. Die Company sorgt in so

vielen Beziehungen für sie, dass sie sie auch verpflegen darf. Das

Trucksystem soll überhaupt nur für die ersten Jahre gelten und wird auch

den Arbeitern eine Wohlthat sein, weil es die Bewucherung durch

Kleinhändler, Wirthe etc. verhindert. Die Company aber vereitelt so von

vornherein, dass sich unsere kleinen Leute drüben dem gewohnten

Hausirhandel zuwenden, zu dem sie hüben ja auch nur durch eine

geschichtliche Entwicklung gezwungen wurden. Und die Company behält die

Säufer und Liederlichen in der Hand. Es wird also in der ersten Zeit der

Landnahme gar keine Arbeitslöhne geben?

Doch: Ueberlöhne.

Der Siebenstundentag.

Der Normalarbeitstag ist der Siebenstundentag!

Das heisst nicht, dass täglich nur sieben Stunden lang Bäume gefällt,

Erde gegraben, Steine geführt, kurz die hundert Arbeiten gethan werden

sollen. Nein. Man wird vierzehn Stunden arbeiten. Aber die

Arbeitertrupps werden einander nach je dreieinhalb Stunden ablösen. Die

Organisation wird ganz militärisch sein, mit Chargen, Avancement und

Pensionirung. Wo die Pensionen herzunehmen sind, wird später ausgeführt.

Dreieinhalb Stunden hindurch kann ein gesunder Mann sehr viel

concentrirte Arbeit hergeben. Nach dreieinhalb Stunden Pause -- die er

seiner Ruhe, seiner Familie, seiner geleiteten Fortbildung widmet -- ist

er wieder ganz frisch. Solche Arbeitskräfte können Wunder wirken.

Der Siebenstundentag! Er macht vierzehn allgemeine Arbeitsstunden

möglich -- mehr geht in den Tag nicht hinein.

Ich habe zudem die Ueberzeugung, dass der Siebenstundentag vollkommen

durchführbar ist. Man kennt die Versuche in Belgien und England.

Einzelne vorgeschrittene Socialpolitiker behaupten sogar, dass der

Fünfstundentag vollkommen ausreichen würde. Die Society of Jews und die

Jewish Company werden ja darin reiche neue Erfahrungen sammeln -- die

den übrigen Völkern der Erde auch zu Gute kommen werden -- und wenn sich

zeigt, dass der Siebenstundentag praktisch möglich ist, so wird ihn

unser künftiger Staat als gesetzlichen Normaltag einführen.

Nur die Company wird immerwährend ihren Leuten den Siebenstundentag

gewähren. Sie wird es auch immer thun können. Den Siebenstundentag aber

brauchen wir als Weltsammelruf für unsere Leute, die ja frei herankommen

sollen. Es muss wirklich das gelobte Land sein ..

Wer nun länger als sieben Stunden arbeitet, bekommt für die Ueberzeit

den Ueberlohn in Geld. Da alle seine Bedürfnisse gedeckt sind, die

Arbeitsunfähigen seiner Familie aus den hinüber verpflanzten

centralisirten Wohlthätigkeitsanstalten versorgt werden, so kann er sich

etwas ersparen. Wir wollen den bei unseren Leuten ohnehin vorhandenen

Spartrieb fördern, weil er das Aufsteigen des Individuums in höhere

Schichten erleichtert und weil wir uns damit ein ungeheures

Capitalsreservoir für künftige Anleihen vorbereiten.

Die Ueberzeit des Siebenstundentages darf nicht mehr als drei Stunden

dauern und auch nur nach ärztlicher Untersuchung. Denn unsere Leute

werden sich im neuen Leben zur Arbeit herandrängen, und die Welt wird

erst sehen, welch ein arbeitsames Volk wir sind.

Wie das Trucksystem der Landnehmer einzurichten ist (Bons etc.), führe

ich jetzt ebensowenig aus, wie andere unzählige Details, um nicht zu

verwirren. Die Frauen werden zu schweren Arbeiten überhaupt nicht

zugelassen und dürfen keine Ueberzeit leisten.

Schwangere Frauen sind von jeder Arbeit befreit und werden vom Truck

reichlicher genährt. Denn wir brauchen in der Zukunft starke

Geschlechter.

Die Kinder erziehen wir gleich von Anfang an, wie wir sie wünschen.

Darauf gehe ich jetzt nicht ein.

Was ich soeben von den Arbeiterwohnungen ausgehend über die Unskilleds

und ihre Lebensweise gesagt habe, ist ebensowenig eine Utopie, wie das

übrige. Das alles kommt schon in der Wirklichkeit vor, nur unendlich

klein, unbeachtet, unverstanden. Für die Lösung der Judenfrage war mir

die »Assistance par le travail«, die ich in Paris kennen und verstehen

lernte, von grossem Werthe.

Die Arbeitshilfe.

Die Arbeitshilfe, wie sie jetzt in Paris und verschiedenen Städten

Frankreichs, in England, in der Schweiz und in Amerika besteht, ist

etwas kümmerlich Kleines, doch das Grösste ist daraus zu machen.

Was ist das Princip der Assistance par le travail?

Das Princip ist, dass man jedem Bedürftigen unskilled labour gibt, eine

leichte, ungelernte Arbeit, wie z. B. Holzverkleinern, die Erzeugung der

»margotins«, mit denen in den Pariser Haushaltungen das Herdfeuer

angemacht wird. Es ist eine Art Gefangenhausarbeit VOR dem Verbrechen,

das heisst ohne Ehrlosigkeit. Niemand braucht mehr aus Noth zum

Verbrechen zu schreiten, wenn er arbeiten will. Aus Hunger dürfen keine

Selbstmorde mehr begangen werden. Diese sind ja ohnehin eines der

ärgsten Schandmale einer Cultur, wo vom Tische der Reichen den Hunden

Leckerbissen hingeworfen werden.

Die Arbeitshilfe gibt also Jedem Arbeit. Hat sie denn für die Producte

Absatz? Nein. Wenigstens nicht genügenden. Hier ist der Mangel der

bestehenden Organisation. Diese Assistance arbeitet immer mit Verlust.

Allerdings ist sie auf den Verlust gefasst. Es ist ja eine

Wohlthätigkeitsanstalt. Die Spende stellt sich hier dar als Differenz

zwischen Gestehungskosten und erlöstem Preise. Statt dem Bettler zwei

Sous zu geben, gibt sie ihm eine Arbeit, an der sie zwei Sous verliert.

Der lumpige Bettler aber, der zum edlen Arbeiter geworden ist, verdient

1 Francs 50 Centimes. Für 10 Centimes 150! Das heisst, die nicht mehr

beschämende Wohlthat verfünfzehnfachen. Das heisst, aus einer Milliarde

fünfzehn Milliarden machen!

Die Assistance verliert freilich die zehn Centimes. Die Jewish Company

wird die Milliarde nicht verlieren, sondern riesige Gewinne erzielen.

Hinzu kommt das Moralische. Erreicht wird schon durch die kleine

Arbeitshilfe, wie sie jetzt existirt, die sittliche Aufrichtung durch

die Arbeit, bis der beschäftigungslose Mensch eine seinen Fähigkeiten

angemessene Stellung in seinem früheren oder einem neuen Berufe gefunden

hat. Er hat täglich einige Stunden für das Suchen frei, auch vermittelt

die Assistance Dienste.

Das Gebrechen der bisherigen kleinen Einrichtung ist, dass den

Holzhändlern etc. keine Concurrenz gemacht werden darf. Die Holzhändler

sind Wähler, sie würden schreien, und sie hätten Recht. Auch der

Gefangenhausarbeit des Staates darf keine Concurrenz gemacht werden, der

Staat muss seine Verbrecher beschäftigen und verpflegen.

In einer alten Gesellschaft wird für die Assistance par le travail

überhaupt schwer Raum zu schaffen sein.

Aber in unserer neuen!

Vor allem brauchen wir ungeheure Mengen unskilled labour für unsere

ersten Landnahmearbeiten, Strassenanlagen, Durchforstungen,

Erdaushebungen, Bahn- und Telegraphenanlagen etc. Das wird alles nach

einem grossen, von Anfang an feststehenden Plane geschehen.

Der Marktverkehr.

Indem wir nun die Arbeit in's neue Land hinüberlegen, bringen wir auch

gleich den Marktverkehr mit. Freilich anfangs nur ein Markt der ersten

Lebensbedürfnisse: Vieh, Getreide, Arbeiterkleider, Werkzeuge, Waffen,

um nur Einiges zu erwähnen. Zunächst werden wir das in Nachbarstaaten

oder in Europa einkaufen, uns dann aber möglichst bald selbstständig

machen. Die jüdischen Unternehmer werden rasch begriffen haben, welche

Aussichten sich ihnen da eröffnen.

Allmälig werden durch das Heer der Company-Beamten feinere Bedürfnisse

hinübergetragen werden. (Zu den Beamten rechne ich auch die Officiere

der Schutztruppe, die immer etwa ein Zehntel der männlichen Einwanderer

betragen soll. Das wird gegen Meutereien schlechter Leute genügen; die

Meisten sind ja friedfertig.)

Die feineren Bedürfnisse der gutgestellten Beamten erzeugen wieder einen

feineren Markt, der zunehmend wächst. Die Verheirateten lassen ihre

Familien nachkommen, die Ledigen ihre Eltern und Geschwister, sobald sie

drüben ein Heim haben. Wir sehen ja diese Bewegung bei den Juden, die

jetzt nach den Vereinigten Staaten auswandern. Wie Einer Brot zu essen

hat, lässt er gleich seine Leute nachkommen. Die Bande der Familie sind

ja so stark im Judenthum. Society of Jews und Jewish Company werden

zusammenwirken, um die Familie noch weiter zu stärken und zu pflegen.

Ich meine hier nicht das Moralische -- das versteht sich von selbst --

sondern das Materielle. Die Beamten werden Ehe- und Kinderzulagen haben.

Wir brauchen Leute, alle, die da sind und alle, die nachkommen.

Andere Kategorien von Heimstätten.

Ich habe die Hauptkette dieser Auseinandersetzungen beim Baue der

Arbeiterwohnungen in eigener Regie verlassen. Nun kehre ich zurück zu

anderen Kategorien von Heimstätten. Auch den Kleinbürgern wird die

Company durch ihre Architekten Häuser bauen lassen, entweder als

Tauschobjecte oder für Geld. Die Company wird etwa hundert Häusertypen

von ihren Architekten anfertigen und vervielfältigen lassen. Diese

hübschen Muster werden zugleich einen Theil der Propaganda bilden. Jedes

Haus hat seinen festen Preis, die Güte der Ausführung wird von der

Company garantirt, die am Hausbaue nichts verdienen will. Ja wo werden

diese Häuser stehen? Das wird bei den Ortsgruppen gezeigt werden.

Da die Company an den Bauarbeiten nichts verdienen will, sondern nur am

Grund und Boden, so wird es nur erwünscht sein, wenn recht viele freie

Architekten im Privatauftrage bauen. Dadurch wird der Landbesitz mehr

werth, dadurch kommt Luxus in's Land, und den Luxus brauchen wir für

verschiedene Zwecke. Namentlich für die Kunst, für Industrie und in

einer späteren Ferne für den Zerfall der grossen Vermögen.

Ja, die reichen Juden, die jetzt ihre Schätze ängstlich verbergen müssen

und bei herabgelassenen Vorhängen ihre unbehaglichen Feste geben, werden

drüben frei geniessen dürfen. Wenn diese Auswanderung mit ihrer Hilfe

zustandekommt, wird das Capital bei uns drüben rehabilitirt sein; es

wird in einem beispiellosen Werke seine Nützlichkeit gezeigt haben. Wenn

die reichsten Juden anfangen, ihre Schlösser, die man in Europa schon

mit so scheelen Augen ansieht, drüben zu bauen, so wird es bald modern

werden, sich drüben in prächtigen Häusern anzusiedeln.

Einige Formen der Liquidation.

Die Jewish Company ist als Uebernehmer oder Verweser von Immobilien der

Juden gedacht.

Bei Häusern und Grundstücken lassen sich diese Aufgaben leicht

construiren. Wie ist es aber bei Geschäften?

Der Judenstaat: Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage · 第 2 / 6 段