Das Allgemeine muß sich _besondern_; insofern liegt die
Nothwendigkeit der Eintheilung in dem Allgemeinen. Indem aber die
Definition schon selbst mit dem Besondern anfängt, so liegt ihre
Nothwendigkeit, zur Eintheilung überzugehen, im Besondern, das für
sich auf ein anderes Besonderes hinweist. Umgekehrt scheidet sich
eben darin das Besondere, indem die Bestimmtheit im Bedürfnisse ihres
Unterschiedes von der ihr andern festgehalten wird, von dem
Allgemeinen ab; dieses wird hiermit für die Eintheilung
_vorausgesetzt_. Der Gang ist daher zwar dieser, daß er der einzelne
Inhalt der Definition durch die Besonderheit zum Extrem der
Allgemeinheit aufsteigt, aber diese muß nunmehr als die objektive
Grundlage angenommen werden, und von ihr aus stellt sich die
Eintheilung als Disjunktion des Allgemeinen, als des Ersten, dar.
Hiermit ist ein Übergang eingetreten, der, da er vom Allgemeinen zum
Besondern geschieht, durch die Form des Begriffs bestimmt ist. Die
Definition für sich ist etwas Einzelnes; eine Mehrheit von
Definitionen gehört der Mehrheit der Gegenstände an. Der dem Begriff
angehörige Fortgang vom Allgemeinen zum Besondern ist Grundlage und
Möglichkeit einer _synthetischen Wissenschaft_, eines _Systems und
systematischen Erkennens_.
Die erste Erforderniß hierfür ist, wie gezeigt, daß der Anfang mit
dem Gegenstande in der Form eines _Allgemeinen_ gemacht werde. Wenn
in der Wirklichkeit, es sey der Natur oder des Geistes, die konkrete
Einzelnheit dem subjektiven, natürlichen Erkennen als das Erste
gegeben ist, so muß dagegen in dem Erkennen, das wenigstens insofern
ein Begreifen ist, als es die Form des Begriffes zur Grundlage hat,
das _Einfache_, von dem Konkreten _Ausgeschiedene_ das Erste seyn,
weil der Gegenstand nur in dieser Form die Form des sich auf sich
beziehenden Allgemeinen und des dem Begriffe nach Unmittelbaren hat.
Gegen diesen Gang im Wissenschaftlichen kann etwa gemeint werden,
weil das Anschauen leichter sey als das Erkennen, so sey auch das
Anschaubare, also die konkrete Wirklichkeit zum Anfang der
Wissenschaft zu machen, und dieser Gang sey _naturgemäßer_ als der,
welcher vom Gegenstand in seiner Abstraktion beginnt, und von da
umgekehrt zu dessen Besonderung und konkreten Vereinzelung fortgeht.
--Indem aber _erkannt_ werden soll, so ist die Vergleichung mit der
_Anschauung_ bereits entschieden und aufgegeben; und es kann nur die
Frage seyn, was _innerhalb des Erkennens_ das Erste und wie die Folge
beschaffen seyn soll; es wird nicht mehr ein _naturgemäßer_, sondern
ein _erkenntnißgemäßer_ Weg verlangt.--Wenn bloß nach der
_Leichtigkeit_ gefragt wird, so erhellt ohnehin von selbst, daß es
dem Erkennen leichter ist, die abstrakte einfache Gedankenbestimmung
zu fassen, als das Konkrete, welches eine vielfache Verknüpfung von
solchen Gedankenbestimmungen und deren Verhältnissen ist; und in
dieser Art, nicht mehr wie es in der Anschauung ist, soll es
aufgefaßt werden. An und für sich ist das _Allgemeine_ das erste
Begriffs-Moment, weil es das _Einfache_ ist, und das Besondere erst
das nachfolgende, weil es das Vermittelte ist; und umgekehrt ist das
_Einfache_ das Allgemeinere, und das Konkrete als das in sich
Unterschiedene, hiermit Vermittelte, dasjenige, das den Übergang von
einem Ersten schon voraussetzt.--Diese Bemerkung betrifft nicht nur
die Ordnung des Ganges in den bestimmten Formen von Definitionen,
Eintheilungen und Sätzen, sondern auch die Ordnung des Erkennens im
Allgemeinen, und bloß in Rücksicht auf den Unterschied von Abstrakten
und Konkreten überhaupt.--Daher wird auch z.B. beim _Lesenlernen_
vernünftigerweise nicht mit dem Lesen ganzer Worte oder auch der
Sylben der Anfang gemacht, sondern mit den _Elementen_ der Wörter und
Sylben, und den Zeichen der _abstrakten_ Töne; in der
Buchstabenschrift ist die Analyse des konkreten Wortes in seine
abstrakten Töne und deren Zeichen schon vollbracht, das Lesenlernen
wird ebendadurch eine erste Beschäftigung mit abstrakten Gegenständen.
In der _Geometrie_ ist nicht der Anfang mit einer konkreten
Raumgestalt, sondern mit dem Punkte und der Linie und dann weiter mit
ebenen Figuren zu machen, und unter diesen nicht mit Polygonen,
sondern mit dem Dreiecke, unter den krummen Linien mit dem Kreise.
In der _Physik_ sind die einzelnen Natureigenschaften oder Materien
von ihren mannigfaltigen Verwickelungen, in denen sie sich in
konkreter Wirklichkeit befinden, zu befreien, und mit den einfachen,
nothwendigen Bedingungen darzustellen; auch sie, wie die Raumfiguren,
sind ein Anschaubares, aber ihre Anschauung ist so vorzubereiten, daß
sie zuerst von allen Modifikationen durch Umstände, die ihrer eigenen
Bestimmtheit äußerlich sind, befreit erscheinen und festgehalten
werden. Magnetismus, Elektricität, Gasarten u. s. f. sind solche
Gegenstände, deren Erkenntniß allein dadurch ihre Bestimmtheit erhält,
daß sie aus den konkreten Zuständen, in denen sie an der
Wirklichkeit erscheinen, herausgenommen, aufgefaßt werden. Das
Experiment stellt sie für die Anschauung freilich in einem konkreten
Falle dar; aber Theils muß es, um wissenschaftlich zu seyn, nur die
nothwendigen Bedingungen dazu nehmen, Theils sich vervielfältigen, um
das untrennbare Konkrete dieser Bedingungen als unwesentlich zu
zeigen, dadurch daß sie in einer andern konkreten Gestalt und wieder
in anderer erscheinen, hiermit für die Erkenntniß nur ihre abstrakte
Form übrig bleibt.--Um noch eines Beispiels zu erwähnen, so konnte es
als naturgemäß und sinnreich erscheinen, die _Farbe_ zuerst in der
konkreten Erscheinung des animalischen subjektiven Sinnes, alsdann
außer dem Subjekt als eine gespenstartige, schwebende Erscheinung,
und endlich in äußerlicher Wirklichkeit an Objekten fixirt, zu
betrachten. Allein für das Erkennen ist die allgemeine, und hiermit
wahrhaft erste Form, die mittlere unter den genannten, wie die Farbe
auf der Schwebe zwischen der Subjektivität und Objektivität als das
bekannte Spektrum steht, noch ohne alle Verwickelung mit subjektiven
und objektiven Umständen. Letztere sind für die reine Betrachtung
der Natur dieses Gegenstandes zunächst nur störend, weil sie als
wirkende Ursachen sich verhalten und es daher unentschieden machen,
ob die bestimmten Veränderungen, Übergänge und Verhältnisse der
Farbe in deren eigener specifischen Natur gegründet, oder vielmehr
der krankhaften specifischen Beschaffenheit jener Umstände, den
gefunden und krankhaften besonderen Affektionen und Wirkungen der
Organe des Subjekts, oder den chemischen, vegetabilischen,
animalischen Kräften der Objekte zuzuschreiben sind.--Mehrere und
anderer Beispiele könnten aus der Erkenntniß der organischen Natur
und der Welt des Geistes angeführt werden; allenthalben muß das
Abstrakte den Anfang und das Element ausmachen, in welchem und von
welchem aus sich die Besonderheiten und die reichen Gestalten des
Konkreten ausbreiten.
Bei der Eintheilung oder dem Besondern tritt nun zwar eigentlich der
Unterschied desselben von dem Allgemeinen ein, aber dieß Allgemeine
ist schon selbst ein Bestimmtes, und damit nur ein Glied einer
Eintheilung. Es giebt daher ein höheres Allgemeines für dasselbe;
für dieß aber von neuem ein höheres, und so zunächst fort ins
Unendliche. Für das hier betrachtete Erkennen ist keine immanente
Grenze, da es vom Gegebenen ausgeht, und die Form der abstrakten
Allgemeinheit seinem Ersten eigenthümlich ist. Irgend ein Gegenstand
also, welcher eine elementarische Allgemeinheit zu haben scheint,
wird zum Gegenstande einer bestimmten Wissenschaft gemacht, und ist
ein absoluter Anfang insofern, als die Bekanntschaft der
_Vorstellung_ mit ihm _vorausgesetzt_ wird, und er für sich als
keiner Ableitung bedürftig genommen wird. Die Definition nimmt ihn
als einen unmittelbaren.
Der weitere Fortgang von ihm ist zunächst _die Eintheilung_. Für
diesen Fortgang würde nur ein immanentes Princip, d. h. ein Anfang
aus dem Allgemeinen und dem Begriffe erfordert; das hier betrachtete
Erkennen ermangelt aber eines solchen, weil es nur der Formbestimmung
des Begriffes ohne ihre Reflexion-in-sich nachgeht, daher die
Inhaltsbestimmtheit aus dem Gegebenen nimmt. Für das Besondere, das
in der Eintheilung eintritt, ist kein eigener Grund vorhanden, weder
in Ansehung dessen, was den Eintheilungsgrund ausmachen, noch in
Ansehung des bestimmten Verhältnisses, das die Glieder der
Disjunktion zu einander haben sollen. Das Geschäft des Erkennens
kann daher in dieser Rücksicht nur darin bestehen, Theils das im
empirischen Stoffe aufgefundene Besondere zu ordnen, Theils auch
allgemeine Bestimmungen desselben durch die Vergleichung zu finden.
Die letzteren gelten alsdann als Eintheilungsgründe, deren
vielfältige seyn können, so wie auch der Eintheilungen ebenso
mannigfaltige danach Statt haben. Das Verhältniß der Glieder einer
Eintheilung zu einander, der Arten, hat nur diese allgemeine
Bestimmung, daß _sie nach dem angenommenen Eintheilungsgrund_
bestimmt gegen einander seyen; beruhte ihre Verschiedenheit auf einer
andern Rücksicht, so würden sie nicht auf gleicher Linie einander
koordinirt seyn.
Wegen des ermangelnden Princips des Fürsich-selbst-Bestimmtseyns
können die Gesetze für dieses Eintheilungsgeschäft nur in formellen,
leeren Regeln bestehen, die zu nichts führen.--So sehen wir als Regel
aufgestellt, daß die Eintheilung den Begriff _erschöpfen_ solle; aber
in der That muß jedes einzelne Eintheilungsglied _den Begriff_
erschöpfen. Es ist aber eigentlich die _Bestimmtheit_ desselben
gemeint, welche erschöpft werden soll; allein bei der empirischen, in
sich bestimmungslosen Mannigfaltigkeit der Arten trägt es zur
Erschöpfung des Begriffs nichts bei, ob deren mehr oder weniger
vorgefunden werden; ob z.B. zu den 67 Arten von Papageyen noch ein
Dutzend weiter aufgefunden werden, ist für die Erschöpfung der
Gattung gleichgültig. Die Forderung der Erschöpfung kann nur den
tautologischen Satz bedeuten, daß alle Arten _vollständig_ aufgeführt
werden sollen.--Bei der Erweiterung der empirischen Kenntnisse kann
es sich nun sehr wohl zutragen, daß sich Arten finden, welche nicht
unter die angenommene Bestimmung der Gattung passen, weil diese
häufig mehr nach einer dunkeln Vorstellung des ganzen Habitus
angenommen wird, als nach dem mehr oder weniger einzelnen Merkmal,
welches ausdrücklich für ihre Bestimmung dienen soll.--In solchem
Falle müßte die Gattung geändert, und es müßte gerechtfertigt werden,
daß eine andere Anzahl von Arten als Arten Einer neuen Gattung
anzusehen seyen, das heißt, die Gattung bestimmte sich aus dem, was
man aus irgend einer Rücksicht, die man als Einheit annehmen will,
zusammenstellt; diese Rücksicht selbst würde dabei der
Eintheilungsgrund. Umgekehrt, wenn an der zuerst angenommenen
Bestimmtheit als dem Eigenthümlichen der Gattung festgehalten wird,
schlösse sich jener Stoff, den man als Arten mit frühern in Eins
zusammenstellen wollte, aus. Dieses Treiben ohne Begriff, welches
das eine Mal eine Bestimmtheit als wesentliches Moment der Gattung
annimmt, und die Besonderen danach ihr unterstellt oder davon
ausschließt, das andere Mal bei dem Besonderen anfängt und in dessen
Zusammenstellung sich wieder von einer andern Bestimmtheit leiten
läßt, giebt die Erscheinung eines Spiels der Willkür, der es
anheimgestellt sey, welchen Theil oder welche Seite des Konkreten sie
festhalten, und hienach ordnen will.--Die physische Natur bietet von
selbst eine solche Zufälligkeit in den Principien der Eintheilung dar;
vermöge ihrer abhängigen, äußerlichen Wirklichkeit steht sie in dem
mannigfaltigen, für sie gleichfalls gegebenen Zusammenhange; daher
sich eine Menge Principien vorfinden, nach denen sie sich zu bequemen
hat, in einer Reihe ihrer Formen also dem einen, in anderen Reihen
aber anderen nachfolgt, und ebenso wohl auch vermischte Zwitterwesen,
die nach den verschiedenen Seiten zugleich hingehen, hervorbringt,
Hierdurch geschieht es, daß an einer Reihe von Naturdingen Merkmale
als sehr bezeichnend und wesentlich hervortreten, die an andern
unscheinbar und zwecklos werden, und damit das Festhalten an einem
Eintheilungs-Princip dieser Art unmöglich wird.
Die allgemeine _Bestimmtheit_ der empirischen Arten kann nur diese
seyn, daß sie von einander _verschieden_ überhaupt sind, ohne
entgegengesetzt zu seyn. Die _Disjunktion_ des _Begriffs_ ist früher
in ihrer Bestimmtheit aufgezeigt worden; wenn die Besonderheit ohne
die negative Einheit des Begriffs als eine unmittelbare und gegebene
aufgenommen wird, so bleibt der Unterschied nur bei der früher
betrachteten Reflexions-Form der Verschiedenheit überhaupt. Die
Äußerlichkeit, in welcher der Begriff in der Natur vornehmlich ist,
bringt die gänzliche Gleichgültigkeit des Unterschiedes herein; eine
häufige Bestimmung für die Eintheilung wird daher von der _Zahl_
hergenommen.
So zufällig das Besondere hier gegen das Allgemeine und daher die
Eintheilung überhaupt ist, so kann es einem _Instinkte_ der Vernunft
zugeschrieben werden, wenn man Eintheilungsgründe und Eintheilungen
in diesem Erkennen findet, welche, so weit sinnliche Eigenschaften es
zulassen, sich dem Begriffe gemäßer zeigen. Z. B. bei den _Thieren_
werden die Freßwerkzeuge, Zähne und Klauen, als ein
weitdurchgreifender Eintheilungsgrund in den Systemen gebraucht; sie
werden zunächst nur als Seiten genommen, an denen sich die Merkmale
für den subjektiven Behuf des Erkennens leichter auszeichnen lassen.
In der That liegt aber in jenen Organen nicht nur ein Unterscheiden,
das einer äußern Reflexion zukommt, sondern sie sind der Lebenspunkt
der animalischen Individualität, wo sie sich selbst von dem Andern
der ihr äußerlichen Natur als sich auf sich beziehende und von der
Kontinuität mit Anderem ausscheidende Einzelnheit setzt.--Bei der
_Pflanze_ machen die Befruchtungstheile denjenigen höchsten Punkt des
vegetabilischen Lebens aus, wodurch sie auf den Übergang in die
Geschlechts-Differenz, und damit in die individuelle Einzelnheit
hindeutet. Das System hat sich daher mit Recht für einen zwar nicht
aus-, doch weitreichenden Eintheilungsgrund an diesen Punkt gewendet,
und dadurch eine Bestimmtheit zu Grunde gelegt, welche nicht bloß
eine Bestimmtheit für die äußerliche Reflexion zur Vergleichung,
sondern die höchste an und für sich ist, deren die Pflanze fähig ist.