2. Die Eintheilung

Das Allgemeine muß sich _besondern_; insofern liegt die

Nothwendigkeit der Eintheilung in dem Allgemeinen. Indem aber die

Definition schon selbst mit dem Besondern anfängt, so liegt ihre

Nothwendigkeit, zur Eintheilung überzugehen, im Besondern, das für

sich auf ein anderes Besonderes hinweist. Umgekehrt scheidet sich

eben darin das Besondere, indem die Bestimmtheit im Bedürfnisse ihres

Unterschiedes von der ihr andern festgehalten wird, von dem

Allgemeinen ab; dieses wird hiermit für die Eintheilung

_vorausgesetzt_. Der Gang ist daher zwar dieser, daß er der einzelne

Inhalt der Definition durch die Besonderheit zum Extrem der

Allgemeinheit aufsteigt, aber diese muß nunmehr als die objektive

Grundlage angenommen werden, und von ihr aus stellt sich die

Eintheilung als Disjunktion des Allgemeinen, als des Ersten, dar.

Hiermit ist ein Übergang eingetreten, der, da er vom Allgemeinen zum

Besondern geschieht, durch die Form des Begriffs bestimmt ist. Die

Definition für sich ist etwas Einzelnes; eine Mehrheit von

Definitionen gehört der Mehrheit der Gegenstände an. Der dem Begriff

angehörige Fortgang vom Allgemeinen zum Besondern ist Grundlage und

Möglichkeit einer _synthetischen Wissenschaft_, eines _Systems und

systematischen Erkennens_.

Die erste Erforderniß hierfür ist, wie gezeigt, daß der Anfang mit

dem Gegenstande in der Form eines _Allgemeinen_ gemacht werde. Wenn

in der Wirklichkeit, es sey der Natur oder des Geistes, die konkrete

Einzelnheit dem subjektiven, natürlichen Erkennen als das Erste

gegeben ist, so muß dagegen in dem Erkennen, das wenigstens insofern

ein Begreifen ist, als es die Form des Begriffes zur Grundlage hat,

das _Einfache_, von dem Konkreten _Ausgeschiedene_ das Erste seyn,

weil der Gegenstand nur in dieser Form die Form des sich auf sich

beziehenden Allgemeinen und des dem Begriffe nach Unmittelbaren hat.

Gegen diesen Gang im Wissenschaftlichen kann etwa gemeint werden,

weil das Anschauen leichter sey als das Erkennen, so sey auch das

Anschaubare, also die konkrete Wirklichkeit zum Anfang der

Wissenschaft zu machen, und dieser Gang sey _naturgemäßer_ als der,

welcher vom Gegenstand in seiner Abstraktion beginnt, und von da

umgekehrt zu dessen Besonderung und konkreten Vereinzelung fortgeht.

--Indem aber _erkannt_ werden soll, so ist die Vergleichung mit der

_Anschauung_ bereits entschieden und aufgegeben; und es kann nur die

Frage seyn, was _innerhalb des Erkennens_ das Erste und wie die Folge

beschaffen seyn soll; es wird nicht mehr ein _naturgemäßer_, sondern

ein _erkenntnißgemäßer_ Weg verlangt.--Wenn bloß nach der

_Leichtigkeit_ gefragt wird, so erhellt ohnehin von selbst, daß es

dem Erkennen leichter ist, die abstrakte einfache Gedankenbestimmung

zu fassen, als das Konkrete, welches eine vielfache Verknüpfung von

solchen Gedankenbestimmungen und deren Verhältnissen ist; und in

dieser Art, nicht mehr wie es in der Anschauung ist, soll es

aufgefaßt werden. An und für sich ist das _Allgemeine_ das erste

Begriffs-Moment, weil es das _Einfache_ ist, und das Besondere erst

das nachfolgende, weil es das Vermittelte ist; und umgekehrt ist das

_Einfache_ das Allgemeinere, und das Konkrete als das in sich

Unterschiedene, hiermit Vermittelte, dasjenige, das den Übergang von

einem Ersten schon voraussetzt.--Diese Bemerkung betrifft nicht nur

die Ordnung des Ganges in den bestimmten Formen von Definitionen,

Eintheilungen und Sätzen, sondern auch die Ordnung des Erkennens im

Allgemeinen, und bloß in Rücksicht auf den Unterschied von Abstrakten

und Konkreten überhaupt.--Daher wird auch z.B. beim _Lesenlernen_

vernünftigerweise nicht mit dem Lesen ganzer Worte oder auch der

Sylben der Anfang gemacht, sondern mit den _Elementen_ der Wörter und

Sylben, und den Zeichen der _abstrakten_ Töne; in der

Buchstabenschrift ist die Analyse des konkreten Wortes in seine

abstrakten Töne und deren Zeichen schon vollbracht, das Lesenlernen

wird ebendadurch eine erste Beschäftigung mit abstrakten Gegenständen.

In der _Geometrie_ ist nicht der Anfang mit einer konkreten

Raumgestalt, sondern mit dem Punkte und der Linie und dann weiter mit

ebenen Figuren zu machen, und unter diesen nicht mit Polygonen,

sondern mit dem Dreiecke, unter den krummen Linien mit dem Kreise.

In der _Physik_ sind die einzelnen Natureigenschaften oder Materien

von ihren mannigfaltigen Verwickelungen, in denen sie sich in

konkreter Wirklichkeit befinden, zu befreien, und mit den einfachen,

nothwendigen Bedingungen darzustellen; auch sie, wie die Raumfiguren,

sind ein Anschaubares, aber ihre Anschauung ist so vorzubereiten, daß

sie zuerst von allen Modifikationen durch Umstände, die ihrer eigenen

Bestimmtheit äußerlich sind, befreit erscheinen und festgehalten

werden. Magnetismus, Elektricität, Gasarten u. s. f. sind solche

Gegenstände, deren Erkenntniß allein dadurch ihre Bestimmtheit erhält,

daß sie aus den konkreten Zuständen, in denen sie an der

Wirklichkeit erscheinen, herausgenommen, aufgefaßt werden. Das

Experiment stellt sie für die Anschauung freilich in einem konkreten

Falle dar; aber Theils muß es, um wissenschaftlich zu seyn, nur die

nothwendigen Bedingungen dazu nehmen, Theils sich vervielfältigen, um

das untrennbare Konkrete dieser Bedingungen als unwesentlich zu

zeigen, dadurch daß sie in einer andern konkreten Gestalt und wieder

in anderer erscheinen, hiermit für die Erkenntniß nur ihre abstrakte

Form übrig bleibt.--Um noch eines Beispiels zu erwähnen, so konnte es

als naturgemäß und sinnreich erscheinen, die _Farbe_ zuerst in der

konkreten Erscheinung des animalischen subjektiven Sinnes, alsdann

außer dem Subjekt als eine gespenstartige, schwebende Erscheinung,

und endlich in äußerlicher Wirklichkeit an Objekten fixirt, zu

betrachten. Allein für das Erkennen ist die allgemeine, und hiermit

wahrhaft erste Form, die mittlere unter den genannten, wie die Farbe

auf der Schwebe zwischen der Subjektivität und Objektivität als das

bekannte Spektrum steht, noch ohne alle Verwickelung mit subjektiven

und objektiven Umständen. Letztere sind für die reine Betrachtung

der Natur dieses Gegenstandes zunächst nur störend, weil sie als

wirkende Ursachen sich verhalten und es daher unentschieden machen,

ob die bestimmten Veränderungen, Übergänge und Verhältnisse der

Farbe in deren eigener specifischen Natur gegründet, oder vielmehr

der krankhaften specifischen Beschaffenheit jener Umstände, den

gefunden und krankhaften besonderen Affektionen und Wirkungen der

Organe des Subjekts, oder den chemischen, vegetabilischen,

animalischen Kräften der Objekte zuzuschreiben sind.--Mehrere und

anderer Beispiele könnten aus der Erkenntniß der organischen Natur

und der Welt des Geistes angeführt werden; allenthalben muß das

Abstrakte den Anfang und das Element ausmachen, in welchem und von

welchem aus sich die Besonderheiten und die reichen Gestalten des

Konkreten ausbreiten.

Bei der Eintheilung oder dem Besondern tritt nun zwar eigentlich der

Unterschied desselben von dem Allgemeinen ein, aber dieß Allgemeine

ist schon selbst ein Bestimmtes, und damit nur ein Glied einer

Eintheilung. Es giebt daher ein höheres Allgemeines für dasselbe;

für dieß aber von neuem ein höheres, und so zunächst fort ins

Unendliche. Für das hier betrachtete Erkennen ist keine immanente

Grenze, da es vom Gegebenen ausgeht, und die Form der abstrakten

Allgemeinheit seinem Ersten eigenthümlich ist. Irgend ein Gegenstand

also, welcher eine elementarische Allgemeinheit zu haben scheint,

wird zum Gegenstande einer bestimmten Wissenschaft gemacht, und ist

ein absoluter Anfang insofern, als die Bekanntschaft der

_Vorstellung_ mit ihm _vorausgesetzt_ wird, und er für sich als

keiner Ableitung bedürftig genommen wird. Die Definition nimmt ihn

als einen unmittelbaren.

Der weitere Fortgang von ihm ist zunächst _die Eintheilung_. Für

diesen Fortgang würde nur ein immanentes Princip, d. h. ein Anfang

aus dem Allgemeinen und dem Begriffe erfordert; das hier betrachtete

Erkennen ermangelt aber eines solchen, weil es nur der Formbestimmung

des Begriffes ohne ihre Reflexion-in-sich nachgeht, daher die

Inhaltsbestimmtheit aus dem Gegebenen nimmt. Für das Besondere, das

in der Eintheilung eintritt, ist kein eigener Grund vorhanden, weder

in Ansehung dessen, was den Eintheilungsgrund ausmachen, noch in

Ansehung des bestimmten Verhältnisses, das die Glieder der

Disjunktion zu einander haben sollen. Das Geschäft des Erkennens

kann daher in dieser Rücksicht nur darin bestehen, Theils das im

empirischen Stoffe aufgefundene Besondere zu ordnen, Theils auch

allgemeine Bestimmungen desselben durch die Vergleichung zu finden.

Die letzteren gelten alsdann als Eintheilungsgründe, deren

vielfältige seyn können, so wie auch der Eintheilungen ebenso

mannigfaltige danach Statt haben. Das Verhältniß der Glieder einer

Eintheilung zu einander, der Arten, hat nur diese allgemeine

Bestimmung, daß _sie nach dem angenommenen Eintheilungsgrund_

bestimmt gegen einander seyen; beruhte ihre Verschiedenheit auf einer

andern Rücksicht, so würden sie nicht auf gleicher Linie einander

koordinirt seyn.

Wegen des ermangelnden Princips des Fürsich-selbst-Bestimmtseyns

können die Gesetze für dieses Eintheilungsgeschäft nur in formellen,

leeren Regeln bestehen, die zu nichts führen.--So sehen wir als Regel

aufgestellt, daß die Eintheilung den Begriff _erschöpfen_ solle; aber

in der That muß jedes einzelne Eintheilungsglied _den Begriff_

erschöpfen. Es ist aber eigentlich die _Bestimmtheit_ desselben

gemeint, welche erschöpft werden soll; allein bei der empirischen, in

sich bestimmungslosen Mannigfaltigkeit der Arten trägt es zur

Erschöpfung des Begriffs nichts bei, ob deren mehr oder weniger

vorgefunden werden; ob z.B. zu den 67 Arten von Papageyen noch ein

Dutzend weiter aufgefunden werden, ist für die Erschöpfung der

Gattung gleichgültig. Die Forderung der Erschöpfung kann nur den

tautologischen Satz bedeuten, daß alle Arten _vollständig_ aufgeführt

werden sollen.--Bei der Erweiterung der empirischen Kenntnisse kann

es sich nun sehr wohl zutragen, daß sich Arten finden, welche nicht

unter die angenommene Bestimmung der Gattung passen, weil diese

häufig mehr nach einer dunkeln Vorstellung des ganzen Habitus

angenommen wird, als nach dem mehr oder weniger einzelnen Merkmal,

welches ausdrücklich für ihre Bestimmung dienen soll.--In solchem

Falle müßte die Gattung geändert, und es müßte gerechtfertigt werden,

daß eine andere Anzahl von Arten als Arten Einer neuen Gattung

anzusehen seyen, das heißt, die Gattung bestimmte sich aus dem, was

man aus irgend einer Rücksicht, die man als Einheit annehmen will,

zusammenstellt; diese Rücksicht selbst würde dabei der

Eintheilungsgrund. Umgekehrt, wenn an der zuerst angenommenen

Bestimmtheit als dem Eigenthümlichen der Gattung festgehalten wird,

schlösse sich jener Stoff, den man als Arten mit frühern in Eins

zusammenstellen wollte, aus. Dieses Treiben ohne Begriff, welches

das eine Mal eine Bestimmtheit als wesentliches Moment der Gattung

annimmt, und die Besonderen danach ihr unterstellt oder davon

ausschließt, das andere Mal bei dem Besonderen anfängt und in dessen

Zusammenstellung sich wieder von einer andern Bestimmtheit leiten

läßt, giebt die Erscheinung eines Spiels der Willkür, der es

anheimgestellt sey, welchen Theil oder welche Seite des Konkreten sie

festhalten, und hienach ordnen will.--Die physische Natur bietet von

selbst eine solche Zufälligkeit in den Principien der Eintheilung dar;

vermöge ihrer abhängigen, äußerlichen Wirklichkeit steht sie in dem

mannigfaltigen, für sie gleichfalls gegebenen Zusammenhange; daher

sich eine Menge Principien vorfinden, nach denen sie sich zu bequemen

hat, in einer Reihe ihrer Formen also dem einen, in anderen Reihen

aber anderen nachfolgt, und ebenso wohl auch vermischte Zwitterwesen,

die nach den verschiedenen Seiten zugleich hingehen, hervorbringt,

Hierdurch geschieht es, daß an einer Reihe von Naturdingen Merkmale

als sehr bezeichnend und wesentlich hervortreten, die an andern

unscheinbar und zwecklos werden, und damit das Festhalten an einem

Eintheilungs-Princip dieser Art unmöglich wird.

Die allgemeine _Bestimmtheit_ der empirischen Arten kann nur diese

seyn, daß sie von einander _verschieden_ überhaupt sind, ohne

entgegengesetzt zu seyn. Die _Disjunktion_ des _Begriffs_ ist früher

in ihrer Bestimmtheit aufgezeigt worden; wenn die Besonderheit ohne

die negative Einheit des Begriffs als eine unmittelbare und gegebene

aufgenommen wird, so bleibt der Unterschied nur bei der früher

betrachteten Reflexions-Form der Verschiedenheit überhaupt. Die

Äußerlichkeit, in welcher der Begriff in der Natur vornehmlich ist,

bringt die gänzliche Gleichgültigkeit des Unterschiedes herein; eine

häufige Bestimmung für die Eintheilung wird daher von der _Zahl_

hergenommen.

So zufällig das Besondere hier gegen das Allgemeine und daher die

Eintheilung überhaupt ist, so kann es einem _Instinkte_ der Vernunft

zugeschrieben werden, wenn man Eintheilungsgründe und Eintheilungen

in diesem Erkennen findet, welche, so weit sinnliche Eigenschaften es

zulassen, sich dem Begriffe gemäßer zeigen. Z. B. bei den _Thieren_

werden die Freßwerkzeuge, Zähne und Klauen, als ein

weitdurchgreifender Eintheilungsgrund in den Systemen gebraucht; sie

werden zunächst nur als Seiten genommen, an denen sich die Merkmale

für den subjektiven Behuf des Erkennens leichter auszeichnen lassen.

In der That liegt aber in jenen Organen nicht nur ein Unterscheiden,

das einer äußern Reflexion zukommt, sondern sie sind der Lebenspunkt

der animalischen Individualität, wo sie sich selbst von dem Andern

der ihr äußerlichen Natur als sich auf sich beziehende und von der

Kontinuität mit Anderem ausscheidende Einzelnheit setzt.--Bei der

_Pflanze_ machen die Befruchtungstheile denjenigen höchsten Punkt des

vegetabilischen Lebens aus, wodurch sie auf den Übergang in die

Geschlechts-Differenz, und damit in die individuelle Einzelnheit

hindeutet. Das System hat sich daher mit Recht für einen zwar nicht

aus-, doch weitreichenden Eintheilungsgrund an diesen Punkt gewendet,

und dadurch eine Bestimmtheit zu Grunde gelegt, welche nicht bloß

eine Bestimmtheit für die äußerliche Reflexion zur Vergleichung,

sondern die höchste an und für sich ist, deren die Pflanze fähig ist.

Wissenschaft der Logik — Band 2 · 第 22 / 23 题