1. Die dritte Stufe dieses nach den Begriffsbestimmungen
fortschreitenden Erkennens ist der Übergang der Besonderheit in die
Einzelnheit; diese macht den Inhalt des _Lehrsatzes_ aus. Was hier
also zu betrachten ist, ist _die sich auf sich beziehende
Bestimmtheit_, der Unterschied des Gegenstandes in sich selbst, und
die Beziehung der unterschiedenen Bestimmtheiten auf einander. Die
Definition enthält nur _Eine Bestimmtheit_, die Eintheilung die
Bestimmtheit _gegen andere_; in der Vereinzelung ist der Gegenstand
in sich selbst aus einander gegangen. Insofern die Definition beim
allgemeinen Begriffe stehen bleibt, so ist dagegen in den Lehrsätzen
der Gegenstand in seiner Realität, in den Bedingungen und Formen
seines reellen Daseyns erkannt. Mit der Definition zusammen stellt
er daher die _Idee_ dar, welche die Einheit des Begriffs und der
Realität ist. Aber das hier betrachtete, noch im Suchen begriffene
Erkennen kommt zu dieser Darstellung insofern nicht, als die Realität
bei demselben nicht aus dem Begriffe hervorgeht, also ihre
Abhängigkeit hiervon und damit die Einheit selbst nicht erkannt wird.
Der Lehrsatz nun nach der angegebenen Bestimmung ist das eigentlich
_Synthetische_ eines Gegenstandes, insofern die Verhältnisse seiner
Bestimmtheiten _nothwendig_, das ist, in _der innern Identität_ des
Begriffes gegründet sind. Das Synthetische in der Definition und
Eintheilung ist eine äußerlich aufgenommene Verknüpfung; das
Vorgefundene wird in die Form des Begriffes gebracht, aber als
vorgefunden wird der ganze Inhalt nur _monstrirt_; der Lehrsatz aber
soll _demonstrirt_ werden. Da dieses Erkennen den Inhalt seiner
Definitionen und der Eintheilungsbestimmungen _nicht deducirt_, so
scheint es, könnte es sich auch das _Beweisen_ derjenigen
Verhältnisse ersparen, welche die Lehrsätze ausdrücken, und sich in
dieser Rücksicht gleichfalls mit der Wahrnehmung begnügen. Allein
wodurch sich das Erkennen von der bloßen Wahrnehmung und der
Vorstellung unterscheidet, ist die _Form des Begriffs_ überhaupt, die
es dem Inhalte ertheilt; dieß wird in der Definition und Eintheilung
geleistet; aber da der Inhalt des Lehrsatzes von dem Begriffs-Momente
der _Einzelnheit_ herkommt, so besteht er in Realitäts-Bestimmungen,
welche nicht mehr bloß die einfachen und unmittelbaren
Begriffsbestimmungen zu ihrem Verhältnisse haben; in der Einzelnheit
ist der Begriff zum _Andersseyn_, zur Realität, wodurch er Idee wird,
übergegangen. Die Synthesis, die im Lehrsatze enthalten ist, hat
somit nicht mehr die Form des Begriffs zu ihrer Rechtfertigung; sie
ist eine Verknüpfung als von _Verschiedenen_; die noch nicht damit
gesetzte Einheit ist daher erst aufzuzeigen, das Beweisen wird also
hier diesem Erkennen selbst nothwendig.
Zunächst bietet sich hierbei nun die Schwierigkeit dar, bestimmt zu
_unterschieden_, welche von den _Bestimmungen des Gegenstandes in die
Definitionen_ aufgenommen werden können, oder aber in die _Lehrsätze_
zu verweisen sind. Es kann hierüber kein Princip vorhanden seyn; ein
solches scheint etwa darin zu liegen, daß das, was einem Gegenstande
unmittelbar zukomme, der Definition angehöre, von dem Übrigen aber
als einem Vermittelten die Vermittelung erst aufzuzeigen sey. Allein
der Inhalt der Definition ist ein bestimmter überhaupt, und dadurch
selbst wesentlich ein vermittelter; er hat nur eine _subjektive_
Unmittelbarkeit; das heißt das Subjekt macht einen willkürlichen
Anfang, und läßt einen Gegenstand als Voraussetzung gelten. Indem
dieß nun ein in sich konkreter Gegenstand überhaupt ist, und auch
eingetheilt werden muß, so ergiebt sich eine Menge von Bestimmungen,
welche ihrer Natur nach vermittelte sind, und nicht durch ein Princip,
sondern nur nach subjektiver Bestimmung als unmittelbare und
unerwiesene angenommen werden.--Auch bei _Euklid_, welcher von jeher
als der Meister in dieser synthetischen Art des Erkennens mit Recht
anerkannt worden, findet sich unter dem Namen eines _Axioms_ eine
_Voraussetzung_ über die _Parallel-Linien_, welche man für des
Beweises bedürftig gehalten, und den Mangel auf verschiedene Weise zu
ergänzen versucht hat. In manchen anderen Lehrsätzen hat man
Voraussetzungen zu entdecken geglaubt, welche nicht unmittelbar
hätten angenommen werden sollen, sondern zu beweisen gewesen wären.
Was jenes Axiom über die Parallel-Linien betrifft, so läßt sich
darüber bemerken, daß wohl darin gerade der richtige Sinn Euklides zu
erkennen ist, der das Element, so wie die Natur seiner Wissenschaft
genau gewürdigt hatte; der Beweis jenes Axioms wäre aus dem
_Begriffe_ der Parallel-Linien zu führen gewesen; aber ein solches
Beweisen gehört so wenig in seine Wissenschaft, als die Deduktion
seiner Definitionen, Axiome und überhaupt seines Gegenstandes, des
Raums selbst und der nächsten Bestimmungen desselben, der Dimensionen;
--weil eine solche Deduktion nur aus dem Begriffe geführt werden kann,
dieser aber außerhalb des Eigenthümlichen der euklidischen
Wissenschaft liegt, so sind es für dieselbe nothwendig
_Voraussetzungen_, relative Erste.
Die _Axiome_, um derselben bei dieser Gelegenheit zu erwähnen,
gehören zu derselben Klasse. Sie pflegen mit Unrecht gewöhnlich als
absolut-Erste genommen zu werden, als ob sie an und für sich keines
Beweises bedürften. Wäre dieß in der That der Fall, so würden sie
bloße Tautologien seyn, da nur in der abstrakten Identität keine
Verschiedenheit Statt findet, also auch keine Vermittelung
erforderlich ist. Sind die Axiome aber mehr als Tautologien, so sind
sie _Sätze_ aus irgend _einer andern Wissenschaft_, weil sie für
diejenige Wissenschaft, der sie als Axiome dienen, Voraussetzungen
seyn sollen. Sie sind daher eigentlich _Lehrsätze_, und zwar meist
aus der Logik. Die Axiome der Geometrie sind dergleichen Lemmen,
logische Sätze, die sich übrigens den Tautologien darum nähern, weil
sie nur die Größe betreffen und daher die qualitativen Unterschiede
in ihnen ausgelöscht sind; von dem Haupt-Axiome, dem rein
quantitativen Schlusse ist oben die Rede gewesen.--Die Axiome
bedürfen daher, so gut als die Definitionen und Eintheilungen, an und
für sich betrachtet eines Beweises, und werden nur darum nicht zu
Lehrsätzen gemacht, weil sie als relativ erste für einen gewissen
Standpunkt als Voraussetzungen angenommen werden.
In Ansehung _des Inhaltes der Lehrsätze_ ist nun der nähere
Unterschied zu machen, daß da derselbe in einer _Beziehung_ von
_Bestimmtheiten_ der Realität des Begriffes besteht, diese
Beziehungen mehr oder weniger unvollständige und einzelne
Verhältnisse des Gegenstandes, oder aber ein solches Verhältniß seyn
können, das den _ganzen Inhalt_ der Realität befaßt, und dessen
bestimmte Beziehung ausdrückt. Die _Einheit der vollständigen
Inhaltsbestimmtheiten_ ist aber _dem Begriffe_ gleich; ein Satz, der
sie enthält, ist daher selbst wieder die Definition, aber die nicht
nur den unmittelbar aufgenommenen, sondern den in seine bestimmten,
realen Unterschiede entwickelten Begriff, oder das vollständige
Daseyn desselben ausdrückt. Beides zusammen stellt daher die _Idee_
dar.
Wenn man die Lehrsätze einer synthetischen Wissenschaft, und
_namentlich der Geometrie_, näher vergleicht, so wird sich dieser
Unterschied zeigen, daß einige ihrer Lehrsätze nur einzelne
Verhältnisse des Gegenstandes enthalten, andere aber solche
Verhältnisse, in welchen die vollständige Bestimmtheit des
Gegenstandes ausgedrückt ist. Es ist eine sehr oberflächliche
Ansicht, wenn die sämmtlichen Sätze an Werth einander gleichgeachtet
werden, weil überhaupt jeder eine Wahrheit enthalte, und im formellen
Gange, im Zusammenhange des Beweisens, gleich wesentlich sey. Der
Unterschied in Ansehung des Inhalts der Lehrsätze hängt mit diesem
Gange selbst auf's Engste zusammen; einige weitere Bemerkungen über
den letztern werden dazu dienen, jenen Unterschied wie die Natur des
synthetischen Erkennens näher aufzuhellen. Zunächst ist von jeher an
der euklidischen Geometrie, welche als Repräsentant der synthetischen
Methode, wovon sie das vollkommenste Muster liefert, als Beispiel
dienen soll, die Anordnung in der Folge der Lehrsätze angerühmt
worden, wodurch für jeden Lehrsatz diejenigen Sätze, die zu seiner
Konstruktion und Beweis erforderlich sind, sich immer schon als
früher bewiesen vorfinden. Dieser Umstand betrifft die formelle
Konsequenz; so wichtig diese ist, so betrifft er doch mehr die
äußerliche Anordnung der Zweckmäßigkeit, und hat für sich keine
Beziehung auf den wesentlichen Unterschied von Begriff und Idee, in
dem ein höheres Princip der Nothwendigkeit des Fortgangs liegt.--Die
Definitionen, mit welchen angefangen wird, fassen nämlich den
sinnlichen Gegenstand als unmittelbar gegeben auf, und bestimmen ihn
nach seiner nächsten Gattung und specifischen Differenz; welches
gleichfalls die einfachen, _unmittelbaren_ Bestimmtheiten des
Begriffs, die Allgemeinheit und Besonderheit sind, deren Verhältniß
weiter nicht entwickelt ist. Die anfänglichen Lehrsätze nun können
selbst sich an nichts als solche unmittelbare Bestimmungen halten,
wie die in den Definitionen enthaltene sind; ingleichen kann ihre
gegenseitige _Abhängigkeit_ zunächst nur dieß Allgemeine betreffen,
daß die eine durch die andere _bestimmt_ überhaupt ist. So betreffen
die ersten Sätze Euklid's über die Dreiecke nur die _Kongruenz, d. h.
wie viele_ Stücke in einem Dreiecke _bestimmt seyn müssen_, damit
auch die _übrigen_ Stücke eines und desselben Dreiecks, oder das
ganze _bestimmt überhaupt_ sey. Daß _zwei_ Dreiecke mit einander
verglichen und die Kongruenz auf das _Decken_ gesetzt wird, ist ein
Umweg, dessen die Methode bedarf, die das _sinnliche Decken_ statt
des _Gedankens: Bestimmtseyn_, gebrauchen muß. Sonst für sich
betrachtet, enthalten jene Lehrsätze selbst _zwei_ Theile, deren der
eine als der _Begriff_, der andere als die _Realität_, als das jenen
zur Realität Vollendende angesehen werden kann. Das vollständig
Bestimmende nämlich, z.B. die zwei Seiten und der eingeschlossene
Winkel, ist bereits das ganze Dreieck _für den Verstand_; es bedarf
zur vollständigen Bestimmtheit desselben nichts weiter; die übrigen
zwei Winkel und die dritte Seite ist der Überfluß der Realität über
die Bestimmtheit des Begriffs. Was jene Lehrsätze daher thun, ist
eigentlich dieß, daß sie das sinnliche Dreieck, das allerdings dreier
Seiten und dreier _Winkel_ bedarf, auf die einfachsten Bedingungen
reduciren; die Definition hatte nur der drei Linien überhaupt erwähnt,
welche die ebene Figur einschließen und zu einem Dreieck machen; ein
Lehrsatz enthält erst ausdrücklich das _Bestimmtseyn_ der Winkel
durch das Bestimmtseyn der Seiten, so wie die übrigen Lehrsätze die
Abhängigkeit anderer dreier Stücke von dreien solchen Stücken.--Die
völlige Bestimmtheit aber der Größe des Dreiecks nach seinen Seiten
_in sich selbst_ enthält der _pythagoräische Lehrsatz_; dieser ist
erst die Gleichung der Seiten des Dreiecks, da die vorhergehenden
Seiten es nur im Allgemeinen zu einer _Bestimmtheit_ seiner Stücke
gegeneinander, nicht zu einer _Gleichung_ bringen. Dieser Satz ist
daher die vollkommene, _reelle Definition_ des Dreiecks, nämlich
zunächst des rechtwinklichten, des in seinen Unterschieden
einfachsten und daher regelmäßigsten.--Euklid schließt mit diesem
Satze das erste Buch, indem er in der That eine erreichte vollkommene
Bestimmtheit ist. So beschließt er auch das zweite, nachdem er
vorher die mit größerer Ungleichheit behafteten, nicht
rechtwinklichten Dreiecke auf das Gleichförmige zurückgeführt hat,
mit der Reduktion des Rektangels auf das Quadrat,--einer Gleichung
zwischen dem sich selbst Gleichen, dem Quadrat, mit dem in sich
Ungleichen, dem Rechteck; so macht die Hypotenuse, die dem rechten
Winkel, dem sich selbst Gleichen entspricht, im pythagoräischen
Lehrsatze die eine Seite der Gleichung aus, und die andere das sich
Ungleiche, nämlich die _zwei_ Katheten. Jene Gleichung zwischen dem
Quadrat und dem Rechteck liegt der _zweiten_ Definition des Kreises
zu Grunde,--die wieder der pythaoräische Lehrsatz ist, nur insofern
die Katheten als veränderliche Größen angenommen werden; die erste
Gleichung des Kreises ist in eben dem Verhältnisse der _sinnlichen_
Bestimmtheit zur _Gleichung_, als die zwei verschiedenen Definitionen
der Kegelschnitte überhaupt zu einander sind.
Dieser wahrhafte synthetische Fortgang ist ein Übergang vom
_Allgemeinen_ zur _Einzelnheit_, nämlich _zum an und für sich
Bestimmten_ oder der Einheit des Gegenstandes _in sich selbst_,
insofern dieser in seine wesentlichen reellen Bestimmtheiten aus
einander gegangen und unterschieden worden ist. Der ganz
unvollkommene, gewöhnliche Fortgang aber in anderen Wissenschaften
pflegt zu seyn, daß der Anfang zwar von einem Allgemeinen gemacht
wird, die _Vereinzelung_ und Konkretion desselben aber nur eine
_Anwendung_ des Allgemeinen auf anders woher hereinkommenden Stoff
ist; das eigentliche _Einzelne_ der Idee ist auf diese Weise eine
_empirische_ Zuthat.
Von welchem unvollkommenern oder vollkommenern Inhalte nun auch der
Lehrsatz sey, so muß er _bewiesen_ werden. Er ist ein Verhältniß von
reellen Bestimmungen, die nicht das Verhältniß von
Begriffsbestimmungen haben; wenn sie dieses haben, wie es in den
Sätzen, welche wir die _zweiten_ oder reellen _Definitionen_ genannt
haben, aufgezeigt werden kann, so sind diese eben darum einer Seits
Definitionen, aber weil ihr Inhalt zugleich aus Verhältnissen reeller
Bestimmungen, nicht bloß in dem Verhältnisse eines Allgemeinen und
der einfachen Bestimmtheit besteht, sind sie im Vergleich mit solcher
ersten Definition auch des Beweises bedürftig und fähig. Als reelle
Bestimmtheiten haben sie die Form _gleichgültig bestehender_ und
_verschiedener_; sie sind daher nicht unmittelbar eins; es ist
deswegen ihre Vermittelung aufzuzeigen. Die unmittelbare Einheit in
der ersten Definition ist die, nach welcher das besondere im
Allgemeinen ist.
2. Die _Vermittelung_, die jetzt näher zu betrachten ist, kann nun
einfach seyn, oder durch mehrere Vermittlungen hindurch gehen. Die
vermittelnden Glieder hängen mit den zu vermittelnden zusammen; aber
indem es nicht der Begriff ist, aus welchem die Vermittelung und der
Lehrsatz in diesem Erkennen zurückgeführt wird, dem überhaupt der
Übergang ins Entgegengesetzte fremd ist, so müssen die vermittelnden
Bestimmungen, ohne den Begriff des Zusammenhangs, als ein vorläufiges
Material zum Gerüste des Beweises irgendwoher herbeigebracht werden.
Diese Vorbereitung ist die _Konstruktion_.
Unter den Beziehungen des Inhalts des Lehrsatzes, die sehr
mannigfaltig seyn können, müssen nun nur diejenigen angeführt und
vorstellig gemacht werden, welche dem Beweise dienen. Diese
Herbeischaffung des Materials hat erst ihren Sinn in diesem; an ihr
selbst erscheint sie als blind und ohne Begriff. Hintennach beim
Beweise sieht man wohl ein, daß es zweckmäßig war, an der
geometrischen Figur z.B. solche weitere Linien zu ziehen, als die
Konstruktion angiebt; aber bei dieser selbst muß man blindlings
gehorchen; für sich ist diese Operation daher ohne Verstand, da der
Zweck, der sie leitet, noch nicht ausgesprochen ist.--Es ist
gleichgültig, ob es ein eigentlicher Lehrsatz oder eine Aufgabe ist,
zu deren Behuf sie vorgenommen wird; so wie sie zunächst _vor dem_
Beweis erscheint, ist sie etwas aus der im Lehrsatze oder der Aufgabe
gegebenen Bestimmung nicht Abgeleitetes, daher ein sinnloses Thun für
denjenigen, der den Zweck noch nicht kennt, immer aber ein nur von
einem äußerlichen Zwecke Dirigirtes.
Dieses zuerst noch Geheime kommt im _Beweise_ zum Vorschein. Er
enthält, wie angegeben, die Vermittelung dessen, was im Lehrsatze als
verbunden ausgesprochen ist; durch diese Vermittelung _erscheint_
diese Verknüpfung erst als eine _nothwendige_. Wie die Konstruktion
für sich ohne die Subjektivität des Begriffes ist, so ist der Beweis
ein subjektives Thun ohne Objektivität. Weil nämlich die
Inhaltsbestimmungen des Lehrsatzes nicht zugleich als
Begriffsbestimmungen gesetzt sind, sondern als gegebene
_gleichgültige Theile_, die in mannigfaltigen äußerlichen
Verhältnissen zu einander stehen, so ist es nur der _formelle,
äußerliche_ Begriff, in welchem sich die Nothwendigkeit ergiebt. Der
Beweis ist nicht eine _Genesis_ des Verhältnisses, welches den Inhalt
des Lehrsatzes ausmacht; die Nothwendigkeit ist nur für die Einsicht,
und der ganze Beweis zum _subjektiven Behufe des Erkennens_. Er ist
deswegen überhaupt eine _äußerliche_ Reflexion, die _von Außen nach
Innen geht_, d. h. aus äußerlichen Umständen auf die innere
Beschaffenheit des Vehältnisses schließt. Diese Umstände, welche die
Konstruktion dargestellt hat, sind eine _Folge_ der Natur des
Gegenstandes, hier werden sie umgekehrt zum _Grunde_ und zu den
_vermittelnden_ Verhältnissen gemacht. Der Medius Terminus, das
Dritte, worin die im Lehrsatze verbundenen sich in ihrer Einheit
darstellen, und welches den Nerv des Beweises abgiebt, ist deswegen
nur ein solches, woran diese Verknüpfung _erscheint_ und _äußerlich_
ist. Weil die _Folge_, der dieses Beweisen nachgeht, vielmehr die
umgekehrte der Natur der Sache ist, so ist das, was als _Grund_ darin
angesehen wird, ein subjektiver Grund, woraus nur für das Erkennen
die Natur der Sache hervorgeht.
Aus dem Bisherigen erhellt die nothwendige Grenze dieses Erkennens,
welche sehr häufig verkannt worden ist. Das glänzende Beispiel der
synthetischen Methode ist die _geometrische_ Wissenschaft,--aber
unpassender Weise ist sie auch auf andere Wissenschaften, selbst auf
die Philosophie angewendet worden. Die Geometrie ist eine
Wissenschaft der _Größe_, daher ist das _formelle_ Schließen ihr
auf's Passendste angehörig; da die bloß quantitative Bestimmung in
ihr betrachtet und von der qualitativen abstrahirt wird, so kann sie
sich innerhalb der _formellen Identität_, der begrifflosen Einheit
halten, welche die _Gleichheit_ ist, und der äußerlichen
abstrahirenden Reflexion angehört. Der Gegenstand, die
Raumbestimmungen, sind schon solche abstrakte Gegenstände, die für
den Zweck zubereitet worden, eine vollkommene endliche, äußerliche
Bestimmtheit zu haben. Diese Wissenschaft hat durch ihren abstrakten
Gegenstand einer Seits das Erhabene, daß in diesen leeren stillen
Räumen die Farbe ausgelöscht, ebenso die anderen sinnlichen
Eigenschaften verschwunden sind, daß ferner jedes andere Interesse
darin schweigt, das an die lebendige Individualität näher anspricht.
Anderer Seits ist der abstrakte Gegenstand noch der _Raum,--ein
unsinnlich Sinnliches_; die _Anschauung_ ist in ihre Abstraktion
erhoben, er ist eine _Form_ der Anschauung, aber ist noch Anschauung,
--ein Sinnliches, das _Außereinander_ der Sinnlichkeit selbst; ihre
reine _Begrifflosigkeit_.--Man hat in neueren Zeiten genug von der
Vortrefflichkeit der Geometrie aus dieser Seite sprechen gehört;--man
hat dieß, daß sie sinnliche Anschauung zum Grunde liegen habe, für
ihren höchsten Vorzug erklärt, und gemeint, ihre hohe
Wissenschaftlichkeit Gründe sich sogar hierauf, und ihre Beweise
beruhen auf der Anschauung. Es ist gegen diese Flachheit die flache
Erinnerung zu machen nöthig, daß durch das Anschauen keine
Wissenschaft zu Stande komme, sondern allein _durchs Denken_. Die
Anschaulichkeit, welche die Geometrie durch ihren noch sinnlichen
Stoff hat, giebt ihr allein diejenige Seite der Evidenz, welche das
_Sinnliche_ überhaupt für den gedankenlosen Geist hat.
Kläglicherweise daher hat man diese Sinnlichkeit des Stoffs ihr für
einen Vorzug angerechnet, welche vielmehr die Niedrigkeit ihres
Standpunkts bezeichnet. Nur der _Abstraktion_ ihres sinnlichen
Gegenstandes verdankt sie ihre Fähigkeit zu einer höhern
Wissenschaftlichkeit, und den großen Vorzug vor denjenigen Sammlungen
von Kenntnissen, die man gleichfalls Wissenschaften zu nennen beliebt,
und die konkretes, empfindbares Sinnliches zu ihrem Inhalte haben,
und nur durch die Ordnung, die sie hinein zu bringen suchen, eine
ferne Ahnung und Anspielung an die Forderungen des Begriffes zeigen.
Dadurch, daß der Raum der Geometrie die Abstraktion und Leere des
Außereinanderseyns ist, ist es nur möglich, daß in seine
Unbestimmtheit die Figurationen so hineingezeichnet werden, daß ihre
Bestimmungen in fester Ruhe außereinander verbleiben und keinen
Übergang in das Entgegengesetzte in sich haben. Ihre Wissenschaft
ist dadurch einfache Wissenschaft _des Endlichen_, das nach der Größe
verglichen wird, und dessen Einheit die äußerliche, die _Gleichheit_,
ist. Aber indem nun bei diesem Figurieren zugleich von verschiedenen
Seiten und Principien ausgegangen wird, und die verschiedenen Figuren
für sich entstehen, so zeigt sich bei ihrer Vergleichung doch auch
die _qualitative_ Ungleichheit und _Inkommensurabilität_. Die
Geometrie wird an derselben über die _Endlichkeit_, in der sie so
geregelt und sicher fortschritt, zur _Unendlichkeit_ getrieben,--zum
Gleichsetzen solcher, die qualitativ verschieden sind. Hier hört
ihre Evidenz von der Seite auf, als ihr sonst die feste Endlichkeit
zu Grunde liegt, und sie nichts mit dem Begriffe und dessen
Erscheinung, jenem Übergange, zu thun hat. Die endliche
Wissenschaft ist hier an ihre Grenze gekommen, da die Nothwendigkeit
und Vermittelung des Synthetischen nicht mehr nur in der _positiven
Identität_, sondern in der _negativen_ gegründet ist.
Wenn die Geometrie, wie die Algebra bei ihren abstrakten, bloß
verständigen Gegenständen bald auf ihre Grenze stößt, so zeigt sich
die synthetische Methode für _andere Wissenschaften_ von Anfang an um
so ungenügender, am ungenügendsten aber bei der Philosophie. In
Ansehung der Definition und Eintheilung hat sich das Gehörige schon
ergeben; hier wäre nur noch vom Lehrsatze und Beweise zu sprechen,
aber außer der Voraussetzung der Definition und Eintheilung, die den
Beweis schon fordert und voraussetzt, besteht ferner in der
_Stellung_ derselben überhaupt zu den Lehrsätzen das Ungenügende.
Diese Stellung ist vornehmlich merkwürdig bei den
Erfahrungswissenschaften, wie z.B. die Physik, wenn sie sich die
Form von synthetischen Wissenschaften geben wollen. Der Weg ist dann
dieser, daß die _Reflexions-Bestimmungen_ von besonderen _Kräften_,
oder sonst innerlichen und wesenhaften Formen, welche aus der Weise,
die Erfahrung zu analysiren, hervorgehen, und die sich nur als
_Resultate_ rechtfertigen können, _an die Spitze gestellt_ werden
müssen, um an denselben die allgemeine _Grundlage_ zu haben, welche
nachher auf das _Einzelne angewendet_ und in ihm aufgezeigt wird.
Indem diese allgemeinen Grundlagen für sich keinen Halt haben, so
soll man sie sich einstweilen _gefallen_ lassen; an den abgeleiteten
_Folgerungen_ aber merkt man erst, daß diese den eigentlichen _Grund_
jener _Grundlagen_ ausmachen. Es zeigt sich die sogenannte
_Erklärung_, und der Beweis des in Lehrsätze gebrachten Konkreten
Theils als eine Tautologie, Theils als eine Verwirrung des wahren
Verhältnisses, Theils auch, daß diese Verwirrung dazu diente, die
Täuschung des Erkennens zu verstecken, das Erfahrungen einseitig
aufgenommen hat, wodurch es allein seine einfachen Definitionen und
Grundsätze erlangen konnte, und die Widerlegung aus der Erfahrung
damit beseitigt, daß es diese nicht in ihrer konkreten Totalität,
sondern als Beispiel und zwar nach der für die Hypothesen und Theorie
brauchbaren Seite vornimmt und gelten läßt. In dieser Unterordnung
der konkreten Erfahrung unter die vorausgesetzten Bestimmungen wird
die Grundlage der Theorie verdunkelt und nur nach der Seite gezeigt,
welche der Theorie gemäß ist; so wie es überhaupt dadurch sehr
erschwert wird, die konkreten Wahrnehmungen unbefangen für sich zu
betrachten. Nur indem man den ganzen Verlauf auf den Kopf stellt,
erhält das Ganze das rechte Verhältniß, worin sich der Zusammenhang
von Grund und Folge, und die Richtigkeit der Umbildung der
Wahrnehmung in Gedanken übersehen läßt. Eine der
Hauptschwierigkeiten beim Studium solcher Wissenschaften ist daher,
_in sie hineinzukommen_; was nur dadurch geschehen kann, daß man sich
die Voraussetzung _blindlings gefallen_ läßt, und ohne weiter einen
Begriff, selbst oft kaum eine bestimmte Vorstellung, höchstens ein
verworrenes Bild der Phantasie davon sich machen zu können, die
Bestimmung von den angenommenen Kräften, Materien und deren
hypothetischen Gestaltungen, Richtungen und Drehungen vor der Hand
ins Gedächtniß einprägt. Wenn man die Nothwendigkeit und den Begriff
der Voraussetzungen, um sie anzunehmen und gelten zu lassen, fordert,
so ist nicht über den Anfang hinauszukommen.
Über das Unpassende der Anwendung der synthetischen Methode auf die
streng analytische Wissenschaft ist oben die Gelegenheit gewesen, zu
sprechen. Durch _Wolf_ ist diese Anwendung auf alle mögliche Arten
von Kenntnissen ausgedehnt worden, die er zur Philosophie und
Mathematik zog,--Kenntnisse, die zum Theil ganz analytischer Natur,
zum Theil auch einer zufälligen, und bloß handwerkmäßigen Art sind.
Der Kontrast eines solchen leicht faßliche, seiner Natur nach keiner
strengen und wissenschaftlichen Behandlung fähigen Stoffes mit dem
steifen wissenschaftlichen Umwege und Überzuge hat für sich selbst
das Ungeschickte solcher Anwendung gezeigt, und um den Kredit
gebracht. Z.B. in _Wolf's Anfangsgründen der Baukunst heißt der
achte Lehrsatz_: Ein Fenster muß so breit seyn, daß zwei Personen
gemächlich neben einander in demselben liegen können._Beweis_: Denn
man pflegt sich öfters mit einer andern Person an das Fenster zu
legen, und sich umzusehen. Da nun der Baumeister den Hauptabsichten
des Bauherrn in Allem ein Genüge thun soll (_. 1); so muß er auch das
Fenster so breit machen, daß zwei Personen gemächlich neben einander
in demselb en liegen können. W.z.E._Desselben Anfangsgründe der
Fortifikation, der zweite Lehrsatz_: Wenn der Feind in der Nähe
kampirt, und man vermuthet, er werde durch einen Sukkurs die Festung
zu entsetzen suchen: so muß eine Circumvallations-Linie um die ganze
Festung herumgezogen werden._Beweis_: Die Circumvallations-Linie
hindern, daß Niemand in das Lager von Außen hineindringen kann (_.
311). Diejenigen aber, welche die Festung entsetzen wollen,
verlangen in das Lager von Außen hineinzudringen. Wenn man sie also
abhalten will, muß eine Circumvallations-Linie um das Lager gezogen
werden. Derowegen wenn der Feind in der Nähe kampirt, und man
vermuthet, er werde durch Sukkurs die Festung zu entsetzen suchen, so
muß das Lager in Circumvallations-Linien eingeschlossen werden. W.z.
E.
Den Glauben an die Tauglichkeit und Wesentlichkeit dieser Methode für
eine wissenschaftliche Strenge in der _Philosophie_ konnte jedoch
jener Mißbrauch nicht benehmen; _Spinoza's_ Beispiel in Darstellung
seiner Philosophie hat noch lange als ein Muster gegolten. In der
That aber ist durch _Kant_ und _Jacobi_ die ganze Weise der
vormaligen Metaphysik und damit ihre Methode über den Haufen geworfen
worden. Kant hat von dem Inhalte jener Metaphysik nach seiner Weise
gezeigt, daß derselbe durch die strenge Demonstration auf
_Antinomien_, deren übrige Beschaffenheit an den gehörigen Orten
beleuchtet worden ist, führe; aber auf die Natur dieses Demonstrirens
selbst, das an einen endlichen Inhalt geknüpft ist, hat er nicht
reflektirt; das eine aber muß mit dem andern fallen. In seinen
_Anfangsgründen der Naturwissenschaft_ hat er selbst ein Beispiel
gegeben, eine Wissenschaft, welche er auf diese Weise der Philosophie
zu vindiciren gedachte, als eine Reflexions-Wissenschaft und in der
Methode derselben zu behandeln.--Wenn Kant mehr der Materie nach die
vormalige Metaphysik angriff, so hat sie _Jacobi_ vornehmlich von
Seiten ihrer Weise zu demonstrieren angegriffen, und den Punkt,
worauf es ankommt, auf's Lichteste und Tiefste herausgehoben, daß
nämlich solche Methode der Demonstration schlechthin in den Kreis der
starren Notwendigkeit des Endlichen gebunden ist, und die _Freiheit_,
das ist _der Begriff_, und damit _Alles was wahrhaft ist_, jenseits
derselben liegt, und von ihr unerreichbar ist.--Nach dem kantischen
Resultate ist es der eigenthümliche Stoff der Metaphysik, der sie in
Widersprüche führt, und das Unzureichende des Erkennens besteht in
seiner _Subjektivität_, nach dem jacobischen ist es die Methode und
ganze Natur des Erkennens selbst, das nur einen _Zusammenhang der
Bedingtheit_ und _Abhängigkeit_ erfaßt, und daher dem, was an und für
sich und das absolut-Wahre ist, sich unangemessen zeigt. In der That,
indem das Princip der Philosophie der _unendliche freie Begriff_ ist,
und aller ihr Inhalt allein auf demselben beruht, so ist die Methode
der begrifflosen Endlichkeit nicht auf jenen passend. Die Synthese
und Vermittelung dieser Methode, das _Beweisen_ bringt es nicht
weiter als zu einer der Freiheit gegenüberstehenden _Nothwendigkeit_,
--nämlich einer _Identität_ des Abhängigen, welche nur _an sich_ ist,
es seyn, daß sie als _innerliche_ oder als _äußerliche_ aufgefaßt
werde, worin dasjenige, was die Realität daran ausmacht, das
Unterschiedene und in die Existenz Extreme schlechthin ein
_selbstständig-Verschiedenes_ und daher _Endliches_ bleibt. Darin
kommt also diese _Identität_ selbst nicht _zur Existenz_ und bleibt
das _nur Innerliche_, oder sie ist das nur _Äußerliche_, indem ihr
bestimmter Inhalt ihr gegeben ist;--in beiden Ansichten ist sie ein
Abstraktes und hat die reelle Seite nicht an ihr selbst, und ist
nicht als an und für sich _bestimmte Identität_ gesetzt; der
_Begriff_, um welchen es allein zu thun, und der das an und für sich
Unendliche ist, ist somit aus diesem Erkennen ausgeschlossen.
In dem synthetischen Erkennen gelangt also die Idee nur insoweit zu
ihrem Zweck, daß der _Begriff_ nach seinen _Momenten_ der _Identität_
und den _realen Bestimmungen_, oder nach der _Allgemeinheit_ und den
_besonderen_ Unterschieden,ferner auch _als Identität_, welche
_Zusammenhang_ und _Abhängigkeit_ des Verschiedenen ist,--_für den
Begriff_ wird. Aber dieser sein Gegenstand ist ihm nicht angemessen;
denn der Begriff wird nicht als _Einheit seiner mit sich selbst in
seinem Gegenstande oder seiner Realität_; in der Nothwendigkeit ist
seine Identität für ihn, in der aber nicht selbst die _Bestimmtheit_,
sondern als ein ihr äußerlicher, d. i. nicht durch den Begriff
bestimmter Stoff ist, in welchem er also nicht sich selbst erkennt.
Überhaupt ist also der Begriff nicht für sich, nach seiner Einheit
nicht zugleich an und für sich bestimmt. Die Idee erreicht deswegen
in diesem Erkennen die Wahrheit noch nicht wegen der Unangemessenheit
des Gegenstandes zu dem subjektiven Begriffe.--Aber die Sphäre der
Nothwendigkeit ist die höchste Spitze des Seyns und der Reflexion;
sie geht an und für sich selbst in die Freiheit des Begriffes, die
innere Identität geht in ihre Manifestation, die der Begriff als
Begriff ist, über. Wie dieser _Übergang_ aus der Sphäre der
Nothwendigkeit in den Begriff _an sich_ geschieht, ist bei
Betrachtung der erstern gezeigt worden, so wie er auch als die
_Genesis des Begriffs_ zu Anfang dieses Buchs sich dargestellt hat.
Hier hat die _Nothwendigkeit_ die Stellung, die _Realität_ oder der
_Gegenstand_ des Begriffes zu seyn, wie auch der Begriff, in den sie
übergeht, nunmehr als Gegenstand desselben ist. Aber der Übergang
selbst ist derselbe. Er ist auch hier nur erst _an sich_ und liegt
noch außer dem Erkennen in unserer Reflexion, d. h. ist dessen noch
innere Nothwendigkeit selbst. Nur das Resultat ist für ihn. Die
Idee, insofern der Begriff nun _für sich_ der an und für sich
bestimmte ist ist die _praktische_ Idee, _das Handeln_.
B. Die Idee des Guten.
Indem der Begriff, welcher Gegenstand seiner selbst ist, an und für
sich bestimmt ist, ist das Subjekt sich als _Einzelnes_ bestimmt. Er
hat als Subjektives wieder die Voraussetzung eines an sich-seyenden
Andersseyns; er ist der _Trieb_, sich zu realisiren, der Zweck der
sich _durch sich selbst_ in der objektiven Welt Objektivität geben
und sich ausführen will. In der theoretischen Idee steht der
subjektive Begriff, als das _Allgemeine_, an- und für sich
_Bestimmungs-lose_, der objektiven Welt entgegen, aus der er sich den
bestimmten Inhalt und die Erfüllung nimmt. In der praktischen Idee
aber steht er als Wirkliches dem Wirklichen gegenüber; die Gewißheit
seiner selbst, die das Subjekt in seinem An- und
Für-sich-Bestimmt-seyn hat, ist aber eine Gewißheit seiner
Wirklichkeit und der _Unwirklichkeit_ der Welt; nicht nur das
Andersseyn derselben als abstrakte Subjektheit ist ihm das Nichtige,
sondern deren Einzelnheit und die Bestimmungen ihrer Einzelnheit.
Die _Objektivität_ hat das Subjekt hier sich selbst vindicirt; seine
Bestimmtheit in sich ist das Objektive, denn es ist die Allgemeinheit,
welche ebenso wohl schlechthin bestimmt ist; die vorhin objektive
Welt ist dagegen nur noch ein Gesetztes, ein _unmittelbar_ auf
mancherlei Weise Bestimmtes, aber das, weil es nur unmittelbar ist,
der Einheit des Begriffes in sich entbehrt, und für sich nichtig ist.
Diese in dem Begriffe enthaltene, ihm gleiche, und die Forderung der
einzelnen äußerlichen Wirklichkeit in sich schließende Bestimmtheit
ist das _Gute_. Es tritt mit der Würde auf, absolut zu seyn, weil es
die Totalität des Begriffes in sich, das Objektive zugleich in der
Form der freien Einheit und Subjektivität ist. Diese Idee ist höher
als die Idee des betrachteten Erkennens, denn sie hat nicht nur die
Würde des Allgemeinen, sondern auch des schlechthin Wirklichen:--Sie
ist _Trieb_, insofern dieses Wirkliche noch subjektiv, sich selbst
setzend ist, nicht die Form zugleich der unmittelbaren Voraussetzung
hat; ihr Trieb, sich zu realisiren ist eigentlich nicht, sich
Objektivität zu geben, diese hat sie an sich selbst, sondern nur
diese leere Form der Unmittelbarkeit.--Die Thätigkeit des Zwecks ist
daher nicht gegen sich gerichtet, um eine gegebene Bestimmung in sich
aufzunehmen und sich zu eigen zu machen, sondern vielmehr die eigene
Bestimmung zu setzen, und sich vermittelst des Aufhebens der
Bestimmungen der äußerlichen Welt die Realität in Form äußerlicher
Wirklichkeit zu geben.--Die Willensidee hat als das Selbstbestimmende
_für sich_ den _Inhalt_ in sich selbst. Dieser ist nun zwar
_bestimmter_ Inhalt, und insofern ein _Endliches_ und _Beschränktes_;
die Selbstbestimmung ist wesentlich _Besonderung_, da die Reflexion
des Willens in sich als negative Einheit überhaupt auch Einzelnheit
im Sinne des Ausschließens und des Voraussetzens eines Andern ist.
Die Besonderheit des Inhalts ist jedoch zunächst unendlich durch die
Form des Begriffs, dessen eigene Bestimmtheit er ist, und der in ihm
die negative Identität seiner mit sich selbst, hiermit nicht nur ein
Besonderes, sondern seine unendliche Einzelnheit hat. Die erwähnte
_Endlichkeit_ des Inhalts in der praktischen Idee ist damit eins und
dasselbe, daß sie zunächst noch unausgeführte Idee ist; der Begriff
ist _für ihn_ das An- und Fürsichseyende; er ist hier die Idee in der
Form der _für sich selbst_ seyenden Objektivität; eines Theils ist
das Subjektive darum nicht mehr nur ein _Gesetztes_, Willkürliches
oder Zufälliges, sondern ein Absolutes; aber andern Theils hat diese
_Form der Existenz, das Fürsichseyn_, noch nicht auch die des
_Ansichseyns_. Was so der Form als solcher nach als Gegensatz
erscheint, erscheint an der zur _einfachen Identität_ reflektirten
Form des Begriffes, d. i. am Inhalt, als einfache Bestimmtheit
desselben; das Gute, ob zwar an und für sich geltend, ist dadurch
irgend ein besonderer Zweck, der aber durch die Realisirung nicht
erst seine Wahrheit erhalten soll, sondern schon für sich das Wahre
ist.
Der Schluß der unmittelbaren _Realisirung_ selbst bedarf hier keiner
nähern Ausführung; er ist ganz nur der oben betrachtete Schluß der
_äußerlichen Zweckmäßigkeit_; nur der Inhalt macht den Unterschied
aus. In der äußerlichen als der formellen Zweckmäßigkeit war er ein
unbestimmter endlicher Inhalt überhaupt, hier ist er zwar auch ein
endlicher, aber als solcher zugleich absolut geltender. Aber in
Ansehung des Schlußsatzes, des ausgeführten Zwecks, tritt ein
weiterer Unterschied ein. Der endliche Zweck kommt in seiner
_Realisirung_ ebenso sehr nur bis zum _Mittel_; da er nicht in seinem
Anfange schon an und für sich bestimmter Zweck ist, bleibt er auch
als ausgeführt ein solches, das nicht an und für sich ist. Ist das
Eine auch wieder als ein _Endliches_ fixirt, und wesentlich ein
solches, so kann es auch, seiner innerlichen Unendlichkeit unerachtet,
dem Schicksale der Endlichkeit nicht entgehen;--ein Schicksal, das
in mehreren Formen erscheint. Das ausgeführte Gute ist gut durch das,
was es schon im subjektiven Zweck, in seiner Idee ist; die
Ausführung giebt ihm ein äußerliches Daseyn; aber da dieß Daseyn nur
bestimmt ist als die an und für sich nichtige Äußerlichket, so hat
das Gute in ihr nur ein zufälliges, zerstörbares Daseyn, nicht eine
seiner Idee entsprechende Ausführung erreicht.--Ferner da es seinem
Inhalte nach ein Beschränktes ist, so giebt es auch des Guten
mehrerlei; das existirende Gute ist nicht nur der Zerstörung durch
äußerliche Zufälligkeit und durch das Böse unterworfen, sondern durch
die Kollision und den Widerstreit des Guten selbst. Von Seiten der
ihm vorausgesetzten objektiven Welt, in deren Voraussetzung die
Subjektivität und Endlichkeit des Guten besteht, und die als eine
andere ihren eigenen Gang geht, ist selbst die Ausführung des Guten
Hindernissen, ja sogar der Unmöglichkeit ausgesetzt.
Das Gute bleibt so ein _Sollen_; es ist _an und für sich_, aber das
_Seyn_ als die letzte, abstrakte Unmittelbarkeit bleibt gegen
dasselbe _auch_ als ein _Nichtseyn_ bestimmt. Die Idee des
vollendeten Guten ist zwar ein _absolutes Postulat_, aber mehr nicht
als ein Postulat, d. i. das Absolute mit der Bestimmtheit der
Subjektivität behaftet. Es sind noch die zwei Welten im Gegensatze,
die eine ein Reich der Subjektivität in den reinen Räumen des
durchsichtigen Gedankens, die andere ein Reich der Objektivität in
dem Elemente einer äußerlich mannigfaltigen Wirklichkeit, die ein
unaufgeschlossenes Reich der Finsterniß ist. Die vollständige
Ausbildung des unaufgelösten Widerspruchs, jenes _absoluten_ Zwecks,
dem die _Schranke_ dieser Wirklichkeit _unüberwindlich_
gegenübersteht, ist in der Phänomenologie des Geistes S. 453 ff.
näher betrachtet worden.--Indem die Idee das Moment der vollkommenen
Bestimmtheit in sich enthält, so hat der andere Begriff, zu dem der
Begriff sich in ihr verhält, in seiner Subjektivität zugleich das
Moment eines Objekts; die Idee tritt daher hier in die Gestalt des
_Selbstbewußtseyns_, und trifft nach dieser einen Seite mit dessen
Darstellung zusammen.
Was aber der praktischen Idee noch mangelt, ist das Moment des
eigentlichen Bewußtseyns selbst, daß nämlich das Moment der
Wirklichkeit im Begriffe für sich die Bestimmung des _äußerlichen
Seyns_ erreicht hätte.--Dieser Mangel kann auch so betrachtet werden,
daß der _praktischen_ Idee noch das Moment der _theoretischen_ fehlt.
In der letztern nämlich steht auf der Seite des subjektiven, vom
Begriffe in sich angeschaut werdenden Begriffs nur die Bestimmung der
_Allgemeinheit_; das Erkennen weiß sich nur als Auffassen, als die
für sich selbst _unbestimmte_ Identität des Begriffs mit sich selbst;
die Erfüllung, d. i. die an und für sich bestimmte Objektivität ist
ihr ein _Gegebenes_, und das _wahrhaft-Seyende_ die unabhängig vom
subjektiven Setzen vorhandene Wirklichkeit.
Der praktischen Idee. dagegen gilt diese Wirklichkeit, die ihr
zugleich als unüberwindliche Schranke gegenübersteht, als das an und
für sich Nichtige, das erst seine wahrhafte Bestimmung und einzigen
Werth durch die Zwecke des Guten erhalten solle. Der Wille steht
daher der Erreichung seines Ziels nur selbst im Wege dadurch, daß er
sich von dem Erkennen trennt, und die äußerliche Wirklichkeit für ihn
nicht die Form des wahrhaft-Seyenden erhält; die Idee des Guten kann
daher ihre Ergänzung allein in der Idee des Wahren finden.
Sie macht aber diesen Übergang durch sich selbst. In dem Schlusse
des Handelns ist die eine Prämisse die _unmittelbare Beziehung_ des
_guten Zweckes auf die Wirklichkeit_, deren er sich bemächtigt und in
der zweiten Prämisse als äußerliches _Mittel_ gegen die äußerliche
Wirklichkeit richtet. Das Gute ist für den subjektiven Begriff das
Objektive; die Wirklichkeit in ihrem Daseyns steht ihm nur insofern
als die unüberwindliche Schranke gegenüber, als sie noch die
Bestimmung _unmittelbaren Daseyns_, nicht eines Objektiven nach dem
Sinne des An- und Fürsichseyns hat; sie ist vielmehr entweder das
Böse oder Gleichgültige, nur Bestimmbare, welches seinen Werth nicht
in sich selbst hat. Dieses abstrakte Seyn, das dem Guten in der
zweiten Prämisse gegenübersteht, hat aber die praktische Idee bereits
selbst aufgehoben; die erste Prämisse ihres Handelns ist die
_unmittelbare Objektivität_ des Begriffes, wonach der Zweck ohne
allen Widerstand sich der Wirklichkeit mittheilt, und in einfacher,
identischer Beziehung mit ihr ist. Es sind insofern also nur die
Gedanken ihrer beiden Prämissen zusammen zu bringen. Zu dem, was in
der ersten von dem objektiven Begriffe unmittelbar schon vollbracht
ist, kommt in der zweiten zunächst nur dieß hinzu, daß es durch
Vermittelung, hiermit _für ihn_ gesetzt wird. Wie nun in der
Zweckbeziehung überhaupt der ausgeführte Zweck zwar auch wieder nur
ein Mittel, aber umgekehrt das Mittel auch der ausgeführte Zweck ist,
so ist gleichfalls in dem Schlusse des Guten die zweite Prämisse
schon unmittelbar in der ersten _an sich_ vorhanden; allein diese
Unmittelbarkeit ist nicht hinreichend, und die zweite wird schon für
das erste postulirt;--die Ausführung des Guten gegen eine
gegenüberstehende andere Wirklichkeit ist die Vermittelung, welche
wesentlich für die unmittelbare Beziehung und das Verwirklichtseyn
des Guten nothwendig ist. Denn sie ist nur die erste Negation oder
das Andersseyn des Begriffs, eine Objektivität, welche ein
Versenktseyn des Begriffs in die Äußerlichkeit wäre; die zweite ist
das Aufheben dieses Andersseyns, wodurch die unmittelbare Ausführung
des Zwecks erst Wirklichkeit des Guten als des für sich seyenden
Begriffes wird, indem er darin identisch mit sich selbst, nicht mit
einem Andern, hiermit allein als freier gesetzt wird. Wenn nun der
Zweck des Guten dadurch doch nicht ausgeführt seyn sollte, so ist
dieß ein Rückfall des Begriffs in den Standpunkt, den der Begriff vor
seiner Thätigkeit hat,--den Standpunkt der als nichtig bestimmten und
doch als reell vorausgesetzten Wirklichkeit;--ein Rückfall, welcher
zum Progreß in die schlecht Unendlichkeit wird, seinen Grund allein
darin hat, daß in dem Aufheben jener abstrakten Realität dieß
Aufheben ebenso unmittelbar vergessen wird, oder daß vergessen wird,
daß diese Realität vielmehr schon als die an und für sich nichtige,
nicht objektive Wirklichkeit vorausgesetzt ist. Diese Wiederholung
der Voraussetzung des nicht ausgeführten Zweckes nach der wirklichen
Ausführung des Zweckes bestimmt sich daher auch so, daß _die
subjektive Haltung_ des objektiven Begriffes reproducirt und
perennirend gemacht wird, womit _die Endlichkeit_ des Guten seinem
Inhalte, so wie seiner Form nach als die bleibende Wahrheit, so wie
seine Verwirklichung schlechthin immer nur als ein _einzelner Akt_,
nicht als ein _allgemeiner_ erscheint.--In der That hat sich diese
Bestimmtheit in der Verwirklichung des Guten aufgehoben; was den
objektiven Begriff noch _begrenzt_, ist seine eigene _Ansicht_ von
sich, die durch die Reflexion auf das, was seine Verwirklichung _an
sich_ ist, verschwindet; er steht nur sich selbst durch diese Ansicht
im Wege, und hat sich darüber nicht gegen eine äußere Wirklichkeit,
sondern gegen sich selbst zu richten.
Die Thätigkeit in der zweiten Prämisse nämlich, die nur ein
einseitiges _Fürsichseyn_ hervorbringt, daher das Produkt als ein
_Subjektives_ und _Einzelnes_ erschient, darin somit die erste
Voraussetzung wiederholt wird,--ist in Wahrheit ebenso sehr das
Setzen der _an sich seyenden_ Identität des objektiven Begriffs und
der unmittelbaren Wirklichkeit. Diese letztere ist durch die
Voraussetzung bestimmt, nur eine Realität der Erscheinung zu haben,
an und für sich nichtig, und schlechthin vom objektiven Begriff
bestimmbar zu seyn. Indem durch die Thätigkeit des objektiven
Begriffs die äußere Wirklichkeit verändert, ihre Bestimmung hiermit
aufgehoben wird, so wird ihr eben dadurch die bloß erscheinenden
Realität, äußerliche Bestimmbarkeit und Nichtigkeit genommen, sie
wird hiermit _gesetzt_ als an und für sich seyend. Es wird darin die
Voraussetzung überhaupt aufgehoben, nämlich die Bestimmung des Guten
als eines bloß subjektiven und seinem Inhalte nach beschränkten
Zwecks, die Nothwendigkeit, ihn durch subjektive Thätigkeit erst zu
realisiren, und diese Thätigkeit selbst. In dem Resultate hebt die
Vermittelung sich selbst auf, es ist eine _Unmittelbarkeit_, welche
nicht die Wiederherstellung der Voraussetzung, sondern vielmehr deren
Aufgehobenseyn ist. Die Idee des an und für sich bestimmten Begriffs
ist hiermit gesetzt, nicht mehr bloß im thätigen Subjekt, sondern
ebenso sehr als eine unmittelbare Wirklichkeit, und umgekehrt diese,
wie sie im Erkennen ist, als wahrhaftseyende Objektivität zu seyn.
Die Einzelnheit des Subjekts, mit der es durch seine Voraussetzung
behaftete wurde, ist mit dieser verschwunden; es ist hiermit jetzt
als _freie, allgemeine Identität mit sich selbst_, für welche die
Objektivität des Begriffs ebenso sehr eine _gegebene_, unmittelbar
für dasselbe _vorhandene_ ist, als es sich als den an und für sich
bestimmten Begriff weiß. In diesem Resultate ist hiermit das
_Erkennen_ hergestellt, und mit der praktischen Idee vereinigt, die
vorgefundene Wirklichkeit ist zugleich als der ausgeführte absolute
Zweck bestimmt, aber nicht wie im suchenden Erkennen bloß als
objektive Welt, deren innerer Grund und wirkliches Bestehen der
Begriff ist. Dieß ist die absolute Idee
Drittes Kapitel. Die absolute Idee.
Die absolute Idee, wie sich ergeben hat, ist die Identität der
theoretischen und der praktischen, welche jede für sich noch
einseitig, die Idee selbst nur als ein gesuchtes Jenseits und
unerreichtes Ziel in sich hat;--jede daher eine _Synthese des
Strebens_ ist, die Idee sowohl in sich hat als auch _nicht_ hat, von
einem zum andern übergeht, aber beide Gedanken nicht zusammenbringt,
sondern in deren Widerspruche stehen bleibt. Die absolute Idee als
der vernünftige Begriff, der in seiner Realität nur mit sich selbst
zusammengeht, ist um dieser Unmittelbarkeit seiner objektiven
Identität willen einer Seits die Rückkehr zum _Leben_; aber sie hat
diese Form ihrer Unmittelbarkeit ebenso sehr aufgehoben, und den
höchsten Gegensatz in sich. Der Begriff ist nicht nur _Seele_,
sondern freier subjektiver Begriff, der für sich ist und daher die
Persönlichkeit hat,--der praktische, an und für sich bestimmte,
objektive Begriff, der als Person undurchdringliche, atome
Subjektivität ist,--der aber ebenso sehr nicht ausschließende
Einzelnheit, sondern für sich _Allgemeinheit_ und _Erkennen_ ist, und
in seinem Andern _seine eigene_ Objektivität zum Gegenstande hat.
Alles Übrige ist Irrthum, Trübheit, Meinung, Streben, Willkür und
Vergänglichkeit; die absolute Idee allein ist _Seyn_, unvergängliches
_Leben, sich wissende Wahrheit_, und ist _alle Wahrheit_.
Sie ist der einzige Gegenstand und Inhalt der Philosophie Indem sie
_alle Bestimmtheit_ in sich enthält, und ihr Wesen dieß ist, durch
ihre Selbstbestimmung oder Besonderung zu sich zurückzukehren, so hat
sie verschiedene Gestaltungen, und das Geschäft der Philosophie ist,
sie in diesen zu erkennen. Die Natur und der Geist sind überhaupt
unterschiedene Weisen, _ihr Daseyn_ darzustellen; Kunst und Religion
ihre verschiedenen Weisen, sich zu erfassen und ein sich angemessenes
Daseyn zu geben; die Philosophie hat mit Kunst und Religion denselben
Inhalt und denselben Zweck; aber sie ist die höchste Weise, die
absolute Idee zu erfassen, weil ihre Weise die höchste, der Begriff,
ist. Sie faßt daher jene Gestaltungen der reellen und ideellen
Endlichkeit, so wie der Unendlichkeit und Heiligkeit in sich, und
begreift sie und sich selbst. Die Ableitung und Erkenntniß dieser
besonderen Weisen ist nun das fernere Geschäft der besonderen
philosophischen Wissenschaften. _Das Logische_ der absoluten Idee
kann auch eine _Weise_ derselben genannt werden; aber indem die
_Weise_ eine _besondere_ Art, eine _Bestimmtheit_ der Form bezeichnet,
so ist das Logische dagegen die allgemeine Weise, in der alle
besonderen aufgehoben und eingehüllt sind. Die logische Idee ist sie
selbst in ihrem reinen Wesen, wie sie in einfacher Identität in ihren
Begriff eingeschlossen, und in das _Scheinen_ in einer
Formbestimmtheit noch nicht eingetreten ist. Die Logik stellt daher
die Selbstbewegung der absoluten Idee nur als das ursprüngliche
_Wort_ dar, das eine _Äußerung_ ist, aber eine solche, die als
Äußeres unmittelbar wieder verschwunden ist, indem sie ist; die Idee
ist also nur in dieser Selbstbestimmung, _sich zu vernehmen_, sie ist
in dem _reinen Gedanken_, worin der Unterschied noch kein
_Andersseyn_, sondern sich vollkommen durchsichtig ist und bleibt.
--Die logische Idee hat somit sich als die _unendliche Form_ zu ihrem
Inhalte;--die _Form_, welche insofern den Gegensatz zum _Inhalt_
ausmacht, als dieser die in sich gegangene und in der Identität
aufgehobene Formbestimmung so ist, daß diese konkrete Identität
gegenüber der als Form entwickelten steht; er hat die Gestalt eines
Andern und Gegebenen gegen die Form, die als solche schlechthin in
_Beziehung_ steht, und deren Bestimmtheit zugleich als Schein gesetzt
ist.--Die absolute Idee selbst hat näher nur dieß zu ihrem Inhalt,
daß die Formbestimmung ihre eigene vollendete Totalität, der reine
Begriff, ist. Die _Bestimmtheit_ der Idee und der ganze Verlauf
dieser Bestimmtheit nun hat den Gegenstand der logischen Wissenschaft
ausgemacht, aus welchem Verlauf die absolute Idee selbst _für sich_
hervorgegangen ist; für sich aber hat sie sich als dieß gezeigt, daß
die Bestimmtheit nicht die Gestalt eines _Inhalts_ hat, sondern
schlechthin als _Form_, daß die Idee hiernach als die schlechthin
_allgemeine Idee_ ist. Was also hier noch zu betrachten kommt, ist
somit nicht ein Inhalt als solcher, sondern das Allgemeine seiner
Form,--das ist die _Methode_.
Die _Methode_ kann zunächst als die bloße _Art und Weise_ des
Erkennens erscheinen, und sie hat in der That die Natur einer solchen.
Aber die Art und Weise ist als Methode nicht nur eine _an und für
sich bestimmte_ Modalität des _Seyns_, sondern als Modalität des
Erkennens gesetzt als durch den _Begriff_ bestimmt, und als die Form,
insofern sie die Seele aller Objektivität ist, und aller sonst
bestimmte Inhalt seine Wahrheit allein in der Form hat. Wenn der
Inhalt wieder der Methode als gegeben und als von eigenthümlicher
Natur angenommen wird, so ist sie wie das Logische überhaupt in
solcher Bestimmung eine bloß _äußerliche_ Form. Aber es kann
hiergegen nicht nur auf den Grundbegriff vom Logischen sich berufen
werden, sondern der ganze Verlauf desselben, worin alle Gestalten
eines gegebenen Inhalts und der Objekte vorgekommen sind, hat ihren
Übergang und Unwahrheit gezeigt, und statt daß ein gegebenes Objekt
die Grundlage seyn könnte, zu der sich die absolute Form nur als
äußerliche und zufällige Bestimmung verhielte, hat sich diese
vielmehr als die absolute Grundlage und letzte Wahrheit erwiesen.
Die Methode ist daraus als _der sich selbst wissende, sich_ als das
Absolute, sowohl Subjektive als Objektive, _zum Gegenstande habende
Begriff_, somit als das reine Entsprechen des Begriffs und seiner
Realität, als eine Existenz, die er selbst ist, hervorgegangen.
Was hiermit als Methode hier zu betrachten ist, ist nur die Bewegung
des _Begriffs_ selbst, deren Natur schon erkannt worden, aber
_erstlich_ nunmehr mit der _Bedeutung_, daß der _Begriff Alles_, und
seine Bewegung die _allgemeine absolute Thätigkeit_, die sich selbst
bestimmende und selbst realisirende Bewegung ist. Die Methode ist
deswegen als die ohne Einschränkung allgemeine, innerliche und
äußerliche Weise, und als die schlechthin unendliche Kraft
anzuerkennen, welcher kein Objekt, insofern es sich als ein
Äußerliches, der Vernunft fernes und von ihr unabhängiges präsentirt,
Widerstand leisten, gegen sie von einer besondern Natur seyn, und
von ihr nicht durchdrungen werden könnte. Sie ist darum die _Seele
und Substanz_, und irgend etwas ist nur begriffen und in seiner
Wahrheit gewußt, als es der _Methode vollkommen unterworfen_ ist; sie
ist die eigene Methode jeder Sache selbst, weil ihre Thätigkeit der
Begriff ist. Dieß ist auch der wahrhaftere Sinn ihrer
_Allgemeinheit_; nach der Reflexions-Allgemeinheit wird sie nur als
die Methode für _Alles_ genommen; nach der Allgemeinheit der Idee
aber ist sie sowohl die Art und Weise des Erkennens, des _subjektiv_
sich wissenden Begriffs, als die _objektive_ Art und Weise, oder
vielmehr die _Substantialität_ der _Dinge_,--d. h. der Begriffe,
insofern sie der _Vorstellung_ und der _Reflexion_ zunächst als
_Andere_ erscheinen. Sie ist darum die höchste _Kraft_ oder vielmehr
die _einzige_ und absolute _Kraft_ der Vernunft nicht nur, sondern
auch ihr höchster und einziger _Trieb, durch sich selbst in Allem
sich selbst_ zu finden und zu erkennen.--Hiermit ist _zweitens_ auch
der _Unterschied der Methode von dem Begriffe als solchem_, das
_Besondere_ derselben, angegeben. Wie der Begriff für sich
betrachtet wurde, erschien er in seiner Unmittelbarkeit; die
_Reflexion oder der ihn betrachtende Begriff_ fiel in _unser_ Wissen.
Die Methode ist dieß Wissen selbst, für das er nicht nur als
Gegenstand, sondern als dessen eigenes, subjektives Thun ist, als das
_Instrument_ und Mittel der erkennenden Thätigkeit, von ihr
unterschieden, aber als deren eigene Wesenheit. In dem suchenden
Erkennen ist die Methode gleichfalls als _Werkzeug_ gestellt, als ein
auf der subjektiven Seite stehendes Mittel, wodurch sie sich auf das
Objekt bezieht. Das Subjekt ist in diesem Schlusse das eine und das
Objekt das andere Extrem, und jenes schließt sich durch seine Methode
mit diesem, aber darin für sich nicht _mit sich selbst zusammen_.
Die Extreme bleiben verschiedene, weil Subjekt, Methode und Objekt
nicht als _der eine identische Begriff_ gesetzt sind, der Schluß ist
daher immer der formelle; die Prämisse, in welcher das Subjekt die
Form als seine Methode auf seine Seite setzt, ist eine _unmittelbare_
Bestimmung und enthält deswegen die Bestimmungen der Form, wie wir
gesehen, der Definition, Eintheilung u. s. f. als im _Subjekte
vorgefundene_ Thatsachen. Im wahrhaften Erkennen dagegen ist die
Methode nicht nur eine Menge gewisser Bestimmungen, sondern das An-
und Für-sich-Bestimmtseyn des Begriffs, der die Mitte nur darum ist,
weil er ebenso sehr die Bedeutung des Objektiven hat, das im
Schlußsatze daher nicht nur eine äußere Bestimmtheit durch die
Methode erlangt, sondern in seiner Identität mit dem subjektiven
Begriffe gesetzt ist.
1. Das, was die Methode hiermit ausmacht, sind die Bestimmungen des
Begriffes selbst und deren Beziehungen, die in der Bedeutung als
Bestimmungen der Methode nun zu betrachten sind.--Es ist dabei
_erstens_ von dem _Anfange_ anzufangen. Von demselben ist bereits
bei dem Anfange der Logik selbst, wie auch vorhin beim subjektiven
Erkennen gesprochen und gezeigt worden, daß wenn er nicht willkürlich
und mit einer kategorischen Bewußtlosigkeit gemacht wird, zwar viele
Schwierigkeiten zu machen scheinen kann, jedoch von höchst einfacher
Natur ist. Weil er der Anfang ist, ist sein Inhalt ein
_Unmittelbares_, aber ein solches, das den Sinn und die Form
_abstrakter Allgemeinheit_ hat. Er sey sonst ein Inhalt des _Seyns_
oder des _Wesens_ oder des _Begriffes_, so ist er insofern ein
_Aufgenommenes, Vorgefundenes, Assertorisches_, als er ein
_Unmittelbares_ ist. _Vor's Erste_ aber ist er nicht ein
Unmittelbares _der sinnlichen Anschauung_ oder _der Vorstellung_,
sondern des _Denkens_, das man wegen seiner Unmittelbarkeit auch ein
übersinnliches, _innerliches Anschauen_ nennen kann. Das
Unmittelbare der sinnlichen Anschauung ist ein _Mannigfaltiges_ und
Einzelnes. Das Erkennen ist aber begreifendes Denken, sein Anfang
daher auch _nur im Elemente des Denkens_; ein _Einfaches_ und
_Allgemeines_.--Von dieser Form ist vorhin bei der Definition die
Rede gewesen. Bei dem Anfang des endlichen Erkennens wird die
Allgemeinheit als wesentliche Bestimmung gleichfalls anerkannt, aber
nur als Denk- und Begriffsbestimmung im Gegensatze gegen das Seyn
genommen. In der That ist diese _erste_ Allgemeinheit eine
_unmittelbare_, und hat darum ebenso sehr die Bedeutung des _Seyns_;
denn das Seyn ist eben diese abstrakte Beziehung auf sich selbst.
Das Seyn bedarf keiner andern Ableitung, als ob es dem Abstrakten der
Definition nur daraus zukomme, weil es aus der sinnlichen Anschauung
oder sonst woher genommen sey, und insofern es monstrirt werde.
Dieses Monstriren und Herleiten betrifft eine _Vermittelung_, die
mehr als ein bloßer Anfang ist, und ist eine solche Vermittelung, die
nicht dem denkenden Begreifen gehört, sondern die Erhebung der
Vorstellung, des empirischen und raisonnirenden Bewußtseyns, zu dem
Standpunkte des Denkens ist. Nach dem geläufigen Gegensatze von
Gedanken oder Begriff und Seyn erscheint es als eine wichtige
Wahrheit, daß jenem für sich noch kein Seyn zukomme, und daß dieß
einen eigenen, vom Gedanken selbst unabhängigen Grund habe. Die
einfache Bestimmung von _Seyn_ ist aber so arm an sich, daß schon
darum nicht viel Aufhebens davon zu machen ist; das Allgemeine ist
unmittelbar selbst dieß Unmittelbare, weil es als Abstraktes auch nur
die abstrakte Beziehung auf sich ist, die das Seyn ist. In der That
hat die Forderung, das Seyn aufzuzeigen, einen weitern innern Sinn,
worin nicht bloß diese abstrakte Bestimmung liegt, sondern es ist
damit die Forderung der _Realisirung des Begriffs_ überhaupt gemeint,
welche nicht im _Anfange_ selbst liegt, sondern vielmehr das Ziel und
Geschäft der ganzen weitern Entwickelung des Erkennens ist. Ferner
indem der _Inhalt_ des Anfangs durch das Monstriren in der innern
oder äußern Wahrnehmung gerechtfertigt und als etwas Wahres oder
Richtiges beglaubigt werden soll, so ist damit nicht mehr die _Form_
der Allgemeinheit als solche gemeint, sondern ihre _Bestimmtheit_,
wovon gleich zu sprechen nothwendig ist. Die Beglaubigung des
_bestimmten Inhalts_, mit dem der Anfang gemacht wird, scheint
_rückwärts_ desselben zu liegen; in der That aber ist sie als
Vorwärtsgehen zu betrachten, wenn sie nämlich zum begreifenden
Erkennen gehört.
Der Anfang hat somit für die Methode keine andre Bestimmtheit, als
die, das Einfache und Allgemeine zu seyn; dieß ist selbst die
_Bestimmtheit_, wegen der er mangelhaft ist. Die Allgemeinheit ist
der reine, einfache Begriff, und die Methode als das Bewußtseyn
desselben weiß, daß die Allgemeinheit nur Moment und der Begriff in
ihr noch nicht an und für sich bestimmt ist. Aber mit diesem
Bewußtseyn, das den Anfang nur um der Methode willen weiter führen
wollte, wäre diese ein Formelles, in äußerlicher Reflexion Gesetztes.
Da sie aber die objektive, immanente Form ist, so muß das
Unmittelbare des Anfangs _an ihm selbst_ das Mangelhafte, und mit dem
_Triebe_ begabt seyn, sich weiter zu führen. Das Allgemeine gilt
aber in der absoluten Methode nicht als bloß Abstraktes, sondern als
das objektiv-Allgemeine, d. h. das _an sich_ die _konkrete Totalität_,
aber die noch nicht _gesetzt_, noch nicht _für sich_ ist. Selbst
das abstrakte Allgemeine als solches, im Begriffe, d. i. nach seiner
Wahrheit betrachtet, ist nicht nur das _Einfache_, sondern als
_Abstraktes_ ist es schon _gesetzt_ als mit einer _Negation_ behaftet.
Es _giebt_ deswegen auch, es sey in der _Wirklichkeit_ oder im
_Gedanken_, kein so Einfaches und so Abstraktes, wie man es sich
gewöhnlich vorstellt. Solches Einfache ist eine bloße _Meinung_, die
allein in der Bewußtlosigkeit dessen, was in der That vorhanden ist,
ihren Grund hat.--Vorhin wurde das Anfangende als das Unmittelbare
bestimmt; die _Unmittelbarkeit des Allgemeinen_ ist dasselbe, was
hier als das _Ansichseyn_ ohne _Fürsichseyn_ ausgedrückt ist.--Man
kann daher wohl sagen, daß mit dem _Absoluten_ aller Anfang gemacht
werden müsse, so wie aller Fortgang nur die Darstellung desselben ist,
insofern das _Ansichseyende_ der Begriff ist. Aber darum, weil es
nur erst _an sich_ ist, ist es ebenso sehr _nicht_ das Absolute, noch
der gesetzte Begriff, auch nicht die Idee; denn diese sind eben dieß,
daß das _Ansichseyn_ nur ein abstraktes, einseitiges Moment ist. Der
Fortgang ist daher nicht eine Art von _Überfluß_; er wäre dieß, wenn
das Anfangende in Wahrheit schon das Absolute wäre; das Fortgehen
besteht vielmehr darin, daß das Allgemeine sich selbst bestimmt, und
_für sich_ das Allgemeine, d. i. ebenso sehr Einzelnes und Subjekt
ist. Nur in seiner Vollendung ist es das Absolute.
Es kann daran erinnert werden, daß der Anfang, der _an sich_ konkrete
Totalität ist, als solcher auch _frei_ seyn, und seine
Unmittelbarkeit die Bestimmung eines _äußerlichen Daseyns_ haben kann;
der _Keim_ des _Lebendigen_ und der _subjektive Zweck_ überhaupt
haben sich als solche Anfänge gezeigt, beide sind daher selbst
_Triebe_: Das Nicht-Geistige und Nicht-Lebendige dagegen ist der
konkrete Begriff nur als _reale Möglichkeit_; die _Ursache_ ist die
höchste Stufe, in der der konkrete Begriff als Anfang in der Sphäre
der Nothwendigkeit ein unmittelbares Daseyn hat; aber sie ist noch
kein Subjekt, das als solches sich auch in seiner wirklichen
Realisirung erhält. Die _Sonne_ z.B. und überhaupt alles
Nichtlebendige sind bestimmte Existenzen, in welchen die reale
Möglichkeit eine _innere_ Totalität bleibt, und die Momente derselben
wieder in subjektiver Form in ihnen _gesetzt_ sind, und insofern sie
sich realisiren, eine Existenz durch _andere_ Körper-Individuen
erlangen.
2. Die konkrete Totalität, welche den Anfang macht, hat als solche in
ihr selbst den Anfang des Fortgehens und der Entwickelung. Sie ist
als Konkretes _in sich unterschieden_; wegen ihrer _ersten
Unmittelbarkeit_ aber sind die ersten Unterschiedenen zunächst
_Verschiedene_. Das Unmittelbare ist aber als sich auf sich
beziehende Allgemeinheit, als Subjekt, auch die _Einheit_ dieser
Verschiedenen.--Diese Reflexion ist die erste Stufe des Weitergehens,
--das Hervortreten der _Differenz, das Urtheil_, das _Bestimmen_
überhaupt. Das Wesentliche ist, daß die absolute Methode die
_Bestimmung_ des Allgemeinen in ihm selbst findet und erkennt. Das
verständige endliche Erkennen verfährt so dabei, daß es von dem
Konkreten das, was es bei dem abstrahirenden Erzeugen jenes
Allgemeinen weggelassen, nun ebenso äußerlich wieder aufnimmt. Die
absolute Methode dagegen verhält sich nicht als äußerliche Reflexion,
sondern nimmt das Bestimmte aus ihrem Gegenstande selbst, da sie
selbst dessen immanentes Princip und Seele ist.--Dieß ist es, was
_Plato_ von dem Erkennen forderte, die _Dinge an und für sich selbst
zu betrachten_, Theils in ihrer Allgemeinheit, Theils aber nicht von
ihnen abzuirren, und nach Umständen, Exempeln und Vergleichungen zu
greifen, sondern sie allein vor sich zu haben, und was in ihnen
immanent ist, zum Bewußtseyn zu bringen.--Die Methode des absoluten
Erkennens ist insofern _analytisch_. Daß sie die weitere Bestimmung
ihres anfänglichen Allgemeinen ganz allein in ihm _findet_, ist die
absolute Objektivität des Begriffes, deren Gewißheit sie ist.--sie
ist aber ebenso sehr _synthetisch_, indem ihr Gegenstand, unmittelbar
als _einfaches Allgemeines_ bestimmt, durch die Bestimmtheit, die er
in seiner Unmittelbarkeit und Allgemeinheit selbst hat, als ein
_Anderes_ sich zeigt. Diese Beziehung eines Verschiedenen, die er so
in sich ist, ist jedoch das nicht mehr, was als die Synthese beim
endlichen Erkennen gemeint ist; schon durch seine ebenso sehr
analytische Bestimmung überhaupt, daß sie die Beziehung im _Begriffe_
ist, unterschiedet sie sich völlig von diesem Synthetischen.
Dieses so sehr synthetische als analytische Moment des _Urtheils_,
wodurch das anfängliche Allgemeine aus ihm selbst als das _Andere
seiner_ sich bestimmt, ist das _dialektische_ zu nennen. Die
_Dialektik_ ist eine derjenigen alten Wissenschaften, welche in der
Metaphysik der Modernen, und dann überhaupt durch die
Popularphilosophie, sowohl der Alten als der Neuern, am meisten
verkannt worden. Von _Plato_ sagt Diogenes Laertius, wie Thales der
Urheber der Natur-Philosophie, Sokrates der Moral-Philosophie, so sey
Plato der Urheber der dritten zur Philosophie gehörigen Wissenschaft,
der _Dialektik_ gewesen;--ein Verdienst, das ihm vom Alterthume
hiermit als das Höchste angerechnet worden, das aber von solchen oft
gänzlich unbeachtet bleibt, die ihn am meisten im Munde führen. Man
hat die Dialektik oft als eine _Kunst_ betrachtet, als ob sie auf
einem subjektiven _Talente_ beruhe, und nicht der Objektivität des
Begriffes angehöre. Welche Gestalt und welches Resultat sie in der
kantischen Philosophie erhalten, ist an den bestimmten Beispielen
ihrer Ansicht schon gezeigt worden. Es ist als ein unendlich
wichtiger Schritt anzusehen, daß die Dialektik wieder als der
Vernunft nothwendig anerkannt worden, obgleich das entgegengesetzte
Resultat gegen das, welches daraus hervorgegangen, gezogen werden muß.
Außerdem, daß die Dialektik gewöhnlich als etwas Zufälliges erscheint,
so pflegt sie diese nähere Form zu haben, daß von irgend einem
Gegenstande, z.B. Welt, Bewegung, Punkt u. s. f. gezeigt wird, es
komme demselben irgend eine Bestimmung zu, z.B. nach der Ordnung
der genannten Gegenstände, Endlichkeit im Raume oder der Zeit, an
_diesem_ Orte seyn, absolute Negation des Raumes; aber ferner ebenso
nothwendig auch die entgegengesetzte, z.B. Unendlichkeit im Raume
und der Zeit, nicht an diesem Orte seyn, Beziehung auf den Raum,
somit Räumlichkeit. Die ältere elatische Schule hat vornehmlich ihre
Dialektik gegen die Bewegung angewendet, Plato häufig gegen die
Vorstellungen und Begriffe seiner Zeit, insbesondere der Sophisten,
aber auch gegen die reinen Kategorien und Reflexions-Bestimmungen;
der gebildete spätere Skepticismus hat sie nicht nur auf die
unmittelbaren sogenannten Thatsachen des Bewußtseyns und Maximen des
gemeinen Lebens, sondern auch auf alle wissenschaftlichen Begriffe
ausgedehnt. Die Folgerung nun, die aus solcher Dialektik gezogen
wird, ist überhaupt der _Widerspruch_ und die _Nichtigkeit_ der
aufgestellten Behauptungen. Dieß kann aber in doppeltem Sinne Statt
haben,--entweder im objektiven Sinne, daß der _Gegenstand_, der
solchermaßen sich in sich selbst widerspreche, sich aufhebe und
nichtig sey;--dieß war z.B. die Folgerung der Eleaten, nach welcher
z.B. der Welt, der Bewegung, dem Punkte die _Wahrheit_ abgesprochen
wurde;--oder aber im subjektiven Sinne, daß _das Erkennen mangelhaft
sey_. Unter der letztern Folgerung wird nun entweder verstanden, daß
es nur diese Dialektik sey, welche das Kunststück eines falschen
Scheines vormache. Dieß ist die gewöhnliche Ansicht des sogenannten
gesunden Menschenverstandes, der sich an die _sinnliche_ Evidenz und
die _gewohnten Vorstellungen_ und _Aussprüche_ hält,--zuweilen
ruhiger, wie Diogenes der Hund, die Dialektik der Bewegung durch ein
stummes Auf- und Abgehen in ihrer Blöße zeigt, oft aber in Harnisch
darüber geräth, es sey bloß als über eine Narrheit, oder wenn es
sittlich wichtige Gegenstände betrifft, als über einen Frevel, der
das wesentliche Feste wankend zu machen suche, und dem Laster Gründe
an die Hand zu geben lehre,--eine Ansicht, die in der sokratischen
Dialektik gegen die sophistische vorkommt, und ein Zorn, der
umgekehrt wieder selbst dem Sokrates das Leben gekostet hat. Die
pöbelhafte Widerlegung, die, wie Diogenes that, dem Denken das
_sinnliche Bewußtseyn_ entgegensetzt, und in diesem die Wahrheit zu
haben meint, muß man sich selbst überlassen; insofern die Dialektik
aber sittliche Bestimmungen aufhebt, zur Vernunft das Vertrauen haben,
daß sie dieselben, aber in ihrer Wahrheit und dem Bewußtseyn ihres
Rechts, aber auch ihrer Schranke, wieder herzustellen wissen werde.
--Oder aber das Resultat der subjektiven Nichtigkeit betrifft nicht
die Dialektik selbst, sondern vielmehr das Erkennen, wogegen sie
gerichtet ist; und im Sinne des Skepticismus, ingleichen der
kantischen Philosophie, das _Erkennen überhaupt_.
Das Grundvorurtheil hierbei ist, daß die Dialektik _nur ein negatives
Resultat_ habe, was sogleich seine nähere Bestimmung erhalten wird.
Zunächst ist über die angeführte _Form_, in der sie zu erscheinen
pflegt, zu bemerken, daß sie und ihr Resultat nach derselben den
_Gegenstand_, der vorgenommen wird, oder auch das subjektive
_Erkennen_ betrifft, und dieses oder den Gegenstand für nichtig
erklärt, dagegen die _Bestimmungen_, welche an ihm als einem
_Dritten_ aufgezeigt werden, unbeachtet bleiben, und als für sich
gültig vorausgesetzt sind. Auf dieß unkritische Verfahren ist es ein
unendliches Verdienst der kantischen Philosophie, die Aufmerksamkeit
gezogen, und damit den Anstoß zur Wiederherstellung der Logik und
Dialektik, in dem Sinne der Betrachtung der _Denkbestimmungen an und
für sich_, gegeben zu haben. Der Gegenstand, wie er ohne das Denken
und den Begriff ist, ist eine Vorstellung oder auch ein Name; die
Denk- und Begriffsbestimmungen sind es, in denen er ist, was er ist.
In der That kommt es daher auf sie allein an; sie sind der wahrhafte
Gegenstand und Inhalt im Unterschiede von ihnen versteht, gilt nur
durch sie und in ihnen. Es muß daher nicht als die Schuld eines
Gegenstands oder des Erkennens genommen werden, daß sie durch die
Beschaffenheit und eine äußerliche Verknüpfung sich dialektisch
zeigen. Das eine und das andere wird auf diese Weise als ein Subjekt
vorgestellt, in das die _Bestimmungen_ in Form von Subjekten,
Eigenschaften, selbstständigen Allgemeinen so gebracht seyen, daß sie
als fest und für sich richtig erst durch die fremde und zufällig
Verbindung in und von einem Dritten, in dialektische Verhältnisse und
in Widerspruch gesetzt werden. Ein solches äußerliches und fixes
Subjekt der Vorstellung und des Verstandes, so wie die abstrakten
Bestimmungen, statt für _Letzte_, sicher zu Grunde liegen bleibende
angesehen werden zu können, sind vielmehr selbst als ein
Unmittelbares, eben ein solches Vorausgesetztes und Anfangendes zu
betrachten, das, wie vorhin gezeigt, an und für sich selbst der
Dialektik unterliegen muß, weil es als Begriff _an sich_ zu nehmen
ist. So sind alle als fest angenommenen Gegensätze, wie z.B.
Endliches und Unendliches, Einzelnes und Allgemeines, nicht etwa
durch eine äußerliche Verknüpfung in Widerspruch, sondern sind, wie
die Betrachtung ihrer Natur gezeigt, vielmehr an und für sich selbst
das Übergehen; die Synthese und das Subjekt, an dem sie erscheinen,
ist das Produkt der eigenen Reflexion ihres Begriffs. Wenn die
begrifflose Betrachtung bei ihrem äußerlichen Verhältnisse stehen
bleibt, sie isolirt und als feste Voraussetzungen läßt, so ist es
vielmehr der Begriff, der sie selbst ins Auge faßt, als ihre Seele
sie bewegt und ihre Dialektik hervorthut.
Dieß ist nun selbst der vorhin bezeichnete Standpunkt, nach welchem
ein allgemeines Erstes _an und für sich betrachtet_ sich als das
Andere seiner selbst zeigt. Ganz allgemein aufgefaßt, kann diese
Bestimmung so genommen werden, daß hierin das zuerst _Unmittelbare_
hiermit als _Vermitteltes, bezogen_ auf ein Anderes, oder daß das
Allgemeine als ein Besonders gesetzt ist. Das _Zweite_, das
hierdurch entstanden, ist somit das _Negative_ des Ersten; und indem
wir auf den weitern Verlauf zum Voraus Bedacht nehmen, das _erste
Negative_. Das Unmittelbare ist nach dieser negativen Seite in dem
Andern _untergegangen_, aber das Andere ist wesentlich nicht das
_leere Negative_, das _Nichts_, das als das gewöhnliche Resultat der
Dialektik genommen wird, sondern es ist das _Andere des Ersten_, das
_Negative_ des _Unmittelbaren_; also ist es bestimmt als das
_Vermittelte,--enthält_ überhaupt die _Bestimmung des Ersten_ in sich.
Das Erste ist somit wesentlich auch im Andern _aufbewahrt_ und
_erhalten_.--Das Positive in _seinem_ Negativen, dem Inhalt der
Voraussetzung, im Resultate festzuhalten, dieß ist das Wichtigste im
vernünftigen Erkennen; es gehört zugleich nur die einfachste
Reflexion dazu, um sich von der absoluten Wahrheit und Nothwendigkeit
dieses Erfordernisses zu überzeugen, und was die _Beispiele_ von
Beweisen hierzu betrifft, so besteht die ganze Logik darin.
Was hiermit nunmehr vorhanden ist, ist das _Vermittelte_, zunächst
oder gleichfalls unmittelbar genommen auch eine _einfache_ Bestimmung,
denn da das Erste in ihm untergegangen, so ist nur das Zweite
vorhanden. Weil nun auch das Erste im Zweiten _enthalten_, und
dieses die Wahrheit von jenem ist, so kann diese Einheit als ein Satz
ausgedrückt werden, worin das Unmittelbare als Subjekt, das
Vermittelte aber als dessen Prädikat gestellt ist, z.B. _das
Endliche ist unendlich, Eins ist Vieles, das Einzelne ist das
Allgemeine_. Die inadäquate Form solcher Sätze und Urtheile aber
fällt von selbst in die Augen. Bei dem _Urtheile_ ist gezeigt worden,
daß seine Form überhaupt, und am meisten die unmittelbare des
_positiven_ Urtheils unfähig ist, das Spekulative und die Wahrheit in
sich zu fassen. Die nächste Ergänzung desselben, das _negative_
Urtheil müßte wenigstens ebenso sehr beigefügt werden. Im Urtheile
hat das Erste als Subjekt den Schein eines selbstständigen Bestehens,
da es vielmehr in seinem Prädikate als seinem Andern aufgehoben ist;
diese Negation ist in dem Inhalte jener Sätze wohl enthalten, aber
ihre positive Form widerspricht demselben; es wird somit das nicht
gesetzt, was darin enthalten ist; was gerade die Absicht, einen Satz
zu gebrauchen, wäre.
Die zweite Bestimmung, die _negative_ oder _vermittelte_, ist ferner
zugleich die _vermittelnde_. Zunächst kann sie als einfache
Bestimmung genommen werden, aber ihrer Wahrheit nach ist sie eine
_Beziehung_ oder _Verhältniß_; denn sie ist das Negative, _aber des
Positiven_, und schließt dasselbe in sich. Sie ist also das _Andere_
nicht als von einem, wogegen sie gleichgültige ist, so wäre sie keine
Anderes, noch eine Beziehung oder Verhältniß;--sondern das _Andere an
sich_ selbst, das _andere eines Andern_; darum schließt sie _ihr_
eigenes Anderes in sich, und ist somit _als der Widerspruch die
gesetzte Dialektik ihrer selbst._--Weil das Erste oder Unmittelbare
der Begriff _an sich_, daher auch nur _an sich_ das Negative ist, so
besteht das dialektische Moment bei ihm darin, daß der _Unterschied_,
den es _an sich_ enthält, in ihm gesetzt wird. Das Zweite hingegen
ist selbst das _Bestimmte_, der _Unterschied_ oder Verhältniß; das
dialektische Moment besteht bei ihm daher darin, die _Einheit_ zu
setzen, die in ihm enthalten ist.--Wenn deswegen das Negative,
Bestimmte, das Verhältniß, Urtheil und alle unter dieß zweite Moment
fallende Bestimmungen, nicht für sich selbst schon als der
Widerspruch und als dialektisch erscheinen, so ist es bloßer Mangel
des Denkens, das seine Gedanken nicht zusammenbringt. Denn das
Material, die _entgegengesetzten_ Bestimmungen in _Einer Beziehung_,
sind schon _gesetzt_, und für das Denken vorhanden. Das formelle
Denken aber macht sich die Identität zum Gesetze, läßt den
widersprechenden Inhalt, den es vor sich hat, in die Sphäre der
Vorstellung, in Raum und Zeit herabfallen, worin das Widersprechende
im Neben- und Nach-einander _außer einander_ gehalten wird, und so
ohne die gegenseitige Berührung vor das Bewußtseyn tritt. Es macht
sich darüber den bestimmten Grundsatz, daß der Widerspruch nicht
denkbar sey; in der That aber ist das Denken des Widerspruchs das
wesentliche Moment des Begriffes. Das formelle Denken denkt
denselben auch faktisch, nur sieht es sogleich von ihm weg, und geht
von ihm in jenem Sagen nur zur abstrakten Negation über.
Die betrachtete Negativität macht nun den _Wendungspunkt_ der
Bewegung des Begriffes aus. Sie ist der _einfache Punkt der
negativen Beziehung_ auf sich, der innerste Quell aller Thätigkeit,
lebendiger und geistiger Selbstbewegung, die dialektische Seele, die
alles Wahre an ihm selbst hat, durch die es allein Wahres ist; denn
auf dieser Subjektivität allein ruht das Aufheben des Gegensatzes
zwischen Begriff und Realität und die Einheit, welche die Wahrheit
ist.--Das _zweite_ Negative, das Negative des Negativen, zu dem wir
gekommen, ist jenes Aufheben des Widerspruches, aber ist so wenig als
der Widerspruch ein _Thun einer äußerlichen Reflexion_, sondern das
_innerste, objektivste Moment_ des Lebens und Geistes, wodurch ein
_Subjekt, Person, Freies_ ist.--Die _Beziehung des Negativen auf sich
selbst_ ist als die _zweite Prämisse_ des ganzen Schlusses zu
betrachten. Die _erste_ kann man, wenn die Bestimmungen von
_analytisch_ und _synthetisch_ in ihrem Gegensatze gebraucht werden,
als das _analytische_ Moment ansehen, indem das Unmittelbare sich
darin _unmittelbar_ zu seinem Andern verhält, und daher in dasselbe
_übergeht_ oder vielmehr übergegangen ist;--obgleich diese Beziehung,
wie schon erinnert, eben deswegen auch synthetisch ist, weil es ihr
_anderes_ ist, in welches sie übergeht. Die hier betrachtete, zweite
Prämisse kann als die _synthetische_ bestimmt werden, weil sie die
Beziehung des _Unterschiedenen als solchen_ auf _sein
Unterschiedenes_ ist.--Wie die erste das Moment der _Allgemeinheit_
und der _Mittheilung_, so ist die zweite durch die _Einzelnheit_
bestimmt, die zunächst ausschließend und als für sich und verschieden
sich auf das Andere bezieht. Als das _Vermittelnde_ erscheint das
Negative, weil es sich selbst und das Unmittelbare in sich schließt,
dessen Negation es ist. Insofern diese beiden Bestimmungen nach
irgend einem Verhältnisse als äußerlich bezogen genommen werden, ist
es nur das vermittelnde _Formelle_; als die absolute Negativität aber
ist das negative Moment der absoluten Vermittelung die Einheit,
welche die Subjektivität und Seele ist.
In diesem Wendepunkt der Methode kehrt der Verlauf des Erkennens
zugleich in sich selbst zurück. Diese Negativität ist als der sich
aufhebende Widerspruch die _Herstellung_ der _ersten Unmittelbarkeit_,
der einfachen Allgemeinheit; denn unmittelbar ist das Andere des
Andern, das Negative des Negativen, das _Positive, Identische,
Allgemeine_. Dieß _zweite_ Unmittelbare ist im ganzen Verlaufe, wenn
man überhaupt _zählen_ will, das _Dritte_ zum ersten Unmittelbaren
und zum Vermittelten. Es ist aber auch das Dritte zum ersten oder
formellen Negativen, und zur absoluten Negativität oder dem zweiten
Negativen; insofern nun jenes erste Negative schon der zweite
Terminus ist, so kann das als _Dritte_ gezählte auch als _Viertes_
gezählt, und statt der _Triplicität_ die abstrakte Form als eine
_Quadruplicität_ genommen werden; das Negative oder der _Unterschied_
ist auf diese Weise als eine Zweiheit gezählt.--Das Dritte oder das
Vierte ist überhaupt die Einheit des ersten und zweiten Moments, des
Unmittelbaren und des Vermittelten.--Daß es diese _Einheit_, so wie,
daß die ganze Form der Methode eine _Triplicität_ ist, ist zwar ganz
nur die oberflächliche, äußerliche Seite der Weise des Erkennens;
aber auch nur diese, und zwar in bestimmterer Anwendung aufgezeigt zu
haben, denn die abstrakte Zahlform selbst ist bekanntlich schon früh,
aber ohne Begriff, und daher ohne Folge aufgestellt worden,
--gleichfalls als ein unendliches Verdienst der kantischen
Philosophie anzusehen. Der _Schluß_, auch das Dreifache, ist als die
allgemeine Form der Vernunft immer erkannt worden, Theils aber galt
er überhaupt als eine ganz äußerliche, die Natur des Inhalts nicht
bestimmende Form, Theils da er im formellen Sinne bloß in der
verständigen Bestimmung der _Identität_ sich verläuft, fehlt ihm das
wesentliche, _dialektische_ Moment, die _Negativität_; dieses tritt
aber in der Triplicität der Bestimmungen ein, weil das Dritte die
Einheit der zwei ersten Bestimmungen ist, diese aber, da sie
verschiedene sind, in Einheit nur _als aufgehobene_ seyn können.--Der
Formalismus hat sich zwar der Triplicität gleichfalls bemächtigt, und
sich an das leere _Schema_ derselben gehalten; der seichte Unfug und
das Kahle des modernen philosophischen sogenannten _Konstruirens_,
das in nichts besteht, als jenes formelle Schema, ohne Begriff und
immanente Bestimmung überall anzuhängen, und zu einem äußerlichen
Ordnen zu gebrauchen, hat jene Form langweilig und übel berüchtigt
gemacht. Durch die Schaalheit dieses Gebrauchs aber kann sie an
ihrem innern Werthe nicht verlieren, und es ist immer hoch zu
schätzen, daß zunächst auch nur die unbegriffene Gestalt des
Vernünftigen aufgefunden worden.
Näher ist nun das _Dritte_ das Unmittelbare aber _durch Aufhebung der
Vermittelung_, das Einfache durch _Aufheben des Unterschiedes_, das
Positive durch Aufheben des Negativen, der Begriff, der sich durch
das Andersseyn realisirt, und durch Aufheben dieser Realität mit sich
zusammengegangen, und seine absolute Realität, seine _einfache_
Beziehung auf sich hergestellt hat. Dieß _Resultat_ ist daher die
_Wahrheit_. Es _ist ebenso sehr_ Unmittelbarkeit _als_ Vermittelung;
--aber diese Formen des Urtheils: das Dritte _ist_ Unmittelbarkeit
und Vermittelung, oder es _ist die Einheit_ derselben, sind nicht
vermögend, es zu fassen, weil es nicht ein ruhendes Drittes, sondern
eben als diese Einheit, die sich mit sich selbst vermittelnde
Bewegung und Thätigkeit ist.--Wie das Anfangende das _Allgemeine_, so
ist das Resultat das _Einzelne, Konkrete, Subjekt_; was jenes _an
sich_, ist dieses nun ebenso sehr _für sich_, das Allgemeine ist im
Subjekte _gesetzt_. Die beiden ersten Momente der Triplicität sind
die _abstrakten_, unwahren Momente, die eben darum dialektisch sind,
und durch diese ihre Negativität sich zum Subjekte machen. Der
Begriff selbst ist, _für uns_ zunächst, _sowohl_ das an-sich-seyende
Allgemeine, _als_ das für-sich-seyende Negative, als auch das dritte
an- und für-sich-seyende, das _Allgemeine_, welches durch alle
Momente des Schlusses hindurchgeht; aber das Dritte ist der
Schlußsatz, in welchem er durch seine Negativität mit sich selbst
vermittelt, hiermit _für sich_ als das _Allgemeine_ und _Identische
seiner Momente_ gesetzt ist.
Dieß Resultat hat nun als das in sich gegangene und mit sich
_identische_ Ganze sich die Form der _Unmittelbarkeit_ wieder gegeben.
Somit ist es nun selbst ein solches, wie das _Anfangende_ sich
bestimmt hatte. Als einfache Beziehung auf sich ist es ein
Allgemeines, und die _Negativität_, welche die Dialektik und
Vermittelung desselben ausmachte, ist in dieser Allgemeinheit
gleichfalls in die _einfache Bestimmtheit_ zusammengegangen, welche
wieder ein Anfang seyn kann. Es kann zunächst scheinen, daß dieß
Erkennen des Resultates eine Analyse desselben seyn und daher
diejenigen Bestimmungen und deren Gang wieder auseinander legen müsse,
durch den es entstanden und der betrachtet worden ist. Wenn aber
die Behandlung des Gegenstandes wirklich auf diese analytische Weise
gemacht wird, so gehört sie der oben betrachteten Stufe der Idee, dem
suchenden Erkennen, an, das von seinem Gegenstand nur angiebt, was
ist, ohne die Nothwendigkeit seiner konkreten Identität und deren
Begriff. Die Methode der Wahrheit aber, die den Gegenstand begreift,
ist zwar, wie gezeigt, selbst analytisch, da sie schlechthin im
Begriffe bleibt, aber sie ist ebenso sehr synthetisch, denn durch den
Begriff wird der Gegenstand dialektisch und als anderer bestimmt.
Die Methode bleibt an der neuen Grundlage, die das Resultat als der
nunmehrige Gegenstand ausmacht, dieselbe, als bei dem vorhergehenden.
Der Unterschied betrifft allein das Verhältniß der Grundlage als
solcher; sie ist dieß zwar jetzt gleichfalls, aber ihre
Unmittelbarkeit ist nur _Form_, weil sie zugleich Resultat war; ihre
Bestimmtheit als Inhalt ist daher nicht mehr ein bloß Aufgenommenes,
sondern _Abgeleitetes_ und _Erwiesenes_.
Hier ist es erst, wo der _Inhalt_ des Erkennens als solcher in den
Kreis der Betrachtung eintritt, weil er nun als abgeleiteter der
Methode angehört. Die Methode selbst erweitert sich durch dieß
Moment zu einem _Systeme_.--Zunächst mußte für sie der Anfang in
Ansehung des Inhalts ganz unbestimmt seyn; sie erscheint insofern als
die nur formelle Seele, für und durch welche der Anfang ganz allein
nur seiner _Form_ nach, nämlich als das Unmittelbare und Allgemeine
bestimmt war. Durch die aufgezeigte Bewegung hat der Gegenstand eine
_Bestimmtheit_ für sich selbst erhalten, die ein _Inhalt_ ist, weil
die in die Einfachheit zusammengegangene Negativität die aufgehobene
Form ist, und als einfache Bestimmtheit, ihrer Entwickelung, zunächst
ihrem Gegensatze selbst gegen die Allgemeinheit, gegenübersteht.
Indem nun diese Bestimmtheit die nächste Wahrheit des unbestimmten
Anfangs ist, so rügt sie denselben als etwas Unvollkommenes, so wie
die Methode selbst, die von demselben ausgehend nur formell war.
Dieß kann als die nunmehr bestimmte Forderung ausgedrückt werden, daß
der Anfang, weil er gegen die Bestimmtheit des Resultats selbst ein
Bestimmtes ist, nicht als Unmittelbares, sondern als Vermitteltes und
Abgeleitetes genommen werden soll; was als die Forderung des
unendlichen _rückwärts_ gehenden Progresses im Beweisen und Ableiten
erscheinen kann; so wie aus dem neuen Anfang, der erhalten worden ist,
durch den Verlauf der Methode gleichfalls ein Resultat hervorgeht,
so daß der Fortgang sich ebenso _vorwärts_ ins Unendliche fortwälzt.
Es ist schon oft gezeigt worden, daß der unendliche Progreß überhaupt
der begrifflosen Reflexion angehört; die absolute Methode, die den
Begriff zu ihrer Seele und Inhalt hat, kann nicht in denselben führen.
Zunächst können schon solchen Anfänge wie _Seyn, Wesen,
Allgemeinheit_ von der Art zu seyn scheinen, daß sie die ganze
Allgemeinheit und Inhaltslosigkeit haben, welche für einen ganz
formellen Anfang, wie er seyn soll, erfordert wird, und daher als
absolut erste Anfänge keinen weitern Rückgang fordern und zulassen.
Indem sie reine Beziehungen auf sich selbst, Unmittelbare und
Unbestimmt sind, so haben sie allerdings den Unterschied nicht an
ihnen, der an einem sonstigen Anfange sogleich zwischen der
Allgemeinheit seiner Form und seinem Inhalte gesetzt ist. Aber die
Unbestimmtheit, welche jene logischen Anfänge zu ihrem einzigen
Inhalte haben, ist es selbst, was ihre Bestimmtheit ausmacht, diese
besteht nämlich in ihrer Negativität als aufgehobener Vermittelung;
die Besonderheit von dieser giebt auch ihrer Unbestimmtheit eine
Besonderheit, wodurch sich _Seyn, Wesen_ und _Allgemeinheit_ von
einander unterscheiden. Die Bestimmtheit nun, die ihnen zukommt, ist
ihre, wie sie für sich genommen werden, _unmittelbare Bestimmtheit_,
so gut als die irgend eines Inhalts, und bedarf daher einer Ableitung;
für die Methode ist es gleichgültig, ob die Bestimmtheit als
Bestimmtheit der _Form_ oder des _Inhalts_ genommen werde. Es fängt
deswegen in der That für die Methode keine neue Weise damit an, daß
sich durch das erste ihre Resultate ein Inhalt bestimmt habe; sie
bleibt hiermit nicht mehr noch weniger formell als vorher. Denn da
sie die absolute Form, der sich selbst und Alles als Begriff wissende
Begriff ist, so ist kein Inhalt, der ihr gegenüberträte, und sie zur
einseitigen, äußerlichen Form bestimmte. Wie daher die
Inhaltslosikgeit jener Anfänge sie nicht zu absoluten Anfängen macht,
so ist es aber auch nicht der Inhalt, der als solcher die Methode in
den unendlichen Progreß vor- oder rückwärts führte. Von einer Seite
ist die _Bestimmtheit_, welche sie sich in ihrem Resultate erzeugt,
das Moment, wodurch sie die Vermittelung mit sich ist, und _den
unmittelbaren Anfang zu einem Vermittelten_ macht. Aber umgekehrt
ist es die Bestimmtheit, durch welche sich diese ihre Vermittelung
verläuft; sie geht _durch_ einen _Inhalt_ als durch ein scheinbares
_Andere_ ihrer selbst, zu ihrem Anfange so zurück, daß sie nicht bloß
denselben aber als einen _bestimmten_ wieder herstellt, sondern das
Resultat ist ebenso sehr die aufgehobene Bestimmtheit, somit auch die
Wiederherstellung der ersten Unbestimmtheit, in welcher sie
angefangen. Dieß leistet sie als _ein System der Totalität_. In
dieser Bestimmung ist sie noch zu betrachten.
Die Bestimmtheit, welche Resultat war, ist, wie gezeigt worden, um
der Form der Einfachheit willen, in welche sie zusammengegangen,
selbst ein neuer Anfang; indem er von seinem vorhergehenden durch
eben diese Bestimmtheit unterschieden ist, so wälzt sich das Erkennen
von Inhalt zu Inhalt fort. Vor's Erste bestimmt sich dieß Fortgehen
dahin, daß es von einfachen Bestimmtheiten beginnt, und die folgenden
immer _reicher und konkreter_ werden. Denn das Resultat enthält
seinen Anfang, und dessen Verlauf hat ihn um eine neue Bestimmtheit
bereichert. Das _Allgemeine_ macht die Grundlage aus; der Fortgang
ist deswegen nicht als ein _Fließen_ von einem _Andern_ zu einem
_Andern_ zu nehmen. Der Begriff in der absoluten Methode _erhält_
sich in seinem Andersseyn, das Allgemeine in seiner Besonderung, in
dem Urtheile und der Realität; es erhebt auf jede Stufe weiterer
Bestimmung die ganze Masse seines vorhergehenden Inhalts, und
verliert durch sein dialektisches Fortgehen nicht nur nichts, noch
läßt es etwas dahinten, sondern trägt alles Erworbene mit sich, und
bereichert und verdichtet sich in sich.
Diese _Erweiterung_ kann als das Moment des Inhalts und im Ganzen als
die erste Prämisse angesehen werden; das Allgemeine ist dem
Reichthume des Inhalts _mitgetheilt_, unmittelbar in ihm erhalten.
Aber das Verhältniß hat auch die zweite, negative oder dialektische
Seite. Die Bereicherung geht an der _Nothwendigkeit_ des Begriffes
fort, sie ist von ihm gehalten, und jede Bestimmung ist eine
Reflexion in sich. Jede _neue Stufe des Außersichgehens_, das heißt
der _weitern Bestimmung_, ist auch ein In-sich-gehen, und die größere
_Ausdehnung_ ebenso sehr _höhere Intensität_. Das Reichste ist daher
das Konkreteste und _Subjektiveste_, und das sich in die einfachste
Tiefe Zurücknehmende das Mächtigste und Übergreifendste. Die
höchste zugeschärfteste Spitze ist die _reine Persönlichkeit_, die
allein durch die absolute Dialektik, die ihre Natur ist, ebenso sehr
_Alles in sich befaßt_ und hält, weil sie sich zum Freisten macht,
--zur Einfachheit, welche die erste Unmittelbarkeit und Allgemeinheit
ist.
Auf diese Weise ist es, daß jeder Schritt des _Fortgangs_ im
Weiterbestimmen, indem er von dem unbestimmten Anfang sich entfernt,
auch eine _Rückannäherung_ zu demselben ist, daß somit das, was
zunächst als verschieden erscheinen mag, das _rückwärts gehende
Begründen_ des Anfangs, und das _vorwärts gehende Weiterbestimmen_
desselben in einander fällt und dasselbe ist. Die Methode, die sich
hiermit in einen Kreis schlingt, kann aber in einer zeitlichen
Entwickelung es nicht anticipiren, daß der Anfang schon als solcher
ein Abgeleitetes sey; für ihn in seiner Unmittelbarkeit ist es
genügend, daß er einfache Allgemeinheit ist. Insofern er dieß ist,
hat er seine vollständige Bedingung; und es braucht nicht deprecirt
zu werden, daß man ihn nur _provisorisch und hypothetisch_ gelten
lassen möge. Was man gegen ihn vorbringen möchte,--etwa von den
Schranken der menschlichen Erkenntniß, von dem Erforderniß, ehe man
an die Sache gehe, das Instrument des Erkennens kritisch zu
untersuchen,--sind selbst _Voraussetzungen_, die als _konkrete
Bestimmungen_ die Forderung ihrer Vermittelung und Begründung mit
sich führen. Da sie hiermit formell nichts vor dem _Anfange_ mit der
Sache, gegen den sie protestiren, voraus haben, und vielmehr wegen
des konkreten Inhalts einer Ableitung bedürftig sind, so sind sie nur
für eitle Anmaßungen zu nehmen, daß auf sie vielmehr als etwas
Anderes zu achten sey. Sie haben einen unwahren Inhalt, indem sie
das als endlich und unwahr Bekannte zu einem Unumstößlichen und
Absoluten machen, nämlich ein _beschränktes, als Form_ und
_Instrument gegen_ seinen _Inhalt_ bestimmtes Erkennen; dieses
unwahre Erkennen ist selbst auch die Form, das Begründen, das
rückwärts geht.--Auch die Methode der Wahrheit weiß den Anfang als
ein Unvollkommenes, weil er Anfang ist, aber zugleich dieß
Unvollkommene überhaupt als ein Nothwendiges, weil die Wahrheit nur
das Zu-sich-selbst-kommen durch die Negativität der Unmittelbarkeit
ist. Die Ungeduld, die über das _Bestimmte_, es heiße Anfang, Objekt,
Endliches, oder in welcher Form es sonst genommen werde, _nur_
hinaus, und unmittelbar sich im Absoluten befinden will, hat als
Erkenntniß nichts vor sich, als das leere Negative, das abstrakte
Unendliche;--oder ein _gemeintes_ Absolutes, das ein gemeintes ist,
weil es nicht gesetzt, nicht _erfaßt_ ist; erfassen läßt es sich nur
durch die _Vermittelung_ des Erkennens, von der das Allgemeine und
Unmittelbare ein Moment, die Wahrheit selbst aber nur im
ausgebreiteten Verlauf und im Ende ist. Für das subjektive Bedürfniß
der Unbekanntschaft und deren Ungeduld kann wohl eine Übersicht des
_Ganzen zum Voraus_ gegeben werden,--durch eine Eintheilung für die
Reflexion, die von dem Allgemeinen nach der Weise des endlichen
Erkennens das Besondere als ein _Vorhandenes_ und in der Wissenschaft
zu Erwartendes angiebt. Doch gewährt dieß mehr nicht als ein Bild
der _Vorstellung_, denn der wahrhafte Übergang vom Allgemeinen zum
Besondern und zu dem an und für sich bestimmten Ganzen, worin jenes
erste Allgemeine selbst nach seiner wahrhaften Bestimmung wieder
Moment ist, ist jener Weise der Eintheilung fremd, und ist allein die
Vermittelung der Wissenschaft selbst.
Vermöge der aufgezeigten Natur der Methode stellt sich die
Wissenschaft als einen in sich geschlungenen _Kreis_ dar, in dessen
Anfang, den einfachen Grund, die Vermittelung das Ende zurückschlingt;
dabei ist dieser Kreis ein _Kreis von Kreisen_; denn jedes einzelne
Glied, als Beseeltes der Methode, ist die Reflexion in-sich, die,
indem sie in den Anfang zurückkehrt, zugleich der Anfang eines neuen
Gliedes ist. Bruchstücke dieser Kette sind die einzelnen
Wissenschaften, deren jede ein _Vor_ und ein _Nach_ hat,--oder
genauer gesprochen, nur das Vor _hat_, und in ihrem Schlusse selbst
ihr _Nach zeigt_.
So ist denn auch die Logik in der absoluten Idee zu dieser einfachen
Einheit zurückgegangen, welche ihr Anfang ist; die reine
Unmittelbarkeit des Seyns, in dem zuerst alle Bestimmung als
ausgelöscht oder durch die Abstraktion weggelassen erscheint, ist die
durch die Vermittelung, nämlich die Aufhebung der Vermittelung zu
ihrer entsprechenden Gleichheit mit sich gekommene Idee. Die Methode
ist der reine Begriff, der sich nur zu sich selbst verhält; sie ist
daher die _einfache Beziehung auf sich_, welche _Seyn_ ist. Aber es
ist nun auch _erfülltes_ Seyn, der sich _begreifende Begriff_, das
Seyn als die konkrete, ebenso schlechthin _intensive_ Totalität.--Es
ist von dieser Idee zum Schlusse nur noch dieß zu erwähnen, daß in
ihr _erstlich_ die _logische Wissenschaft_ ihren eigenen Begriff
erfaßt hat. Bei dem _Seyn_, dem Anfange ihres _Inhalts_ erscheint
ihr Begriff als ein demselben äußerliches Wissen in subjektiver
Reflexion. In der Idee des absoluten Erkennens aber ist er zu ihrem
eigenen Inhalte geworden. Sie ist selbst der reine Begriff, der sich
zum Gegenstande hat, und der, indem er sich als Gegenstand die
Totalität seiner Bestimmungen durchläuft, sich zum Ganzen seiner
Realität, zum Systeme der Wissenschaft ausbildet, und damit schließt,
dieß Begreifen seiner selbst zu erfassen, somit seine Stellung als
Inhalt und Gegenstand aufzuheben, und den Begriff der Wissenschaft zu
erkennen.--_Zweitens_ ist diese Idee noch logisch, sie ist in den
reinen Gedanken eingeschlossen, die Wissenschaft nur des göttlichen
_Begriffs_. Die systematische Ausführung ist zwar selbst eine
Realisation, aber innerhalb derselben Sphäre gehalten. Weil die
reine Idee des Erkennens insofern in die Subjektivität eingeschlossen
ist, ist sie _Trieb_, diese aufzugeben, und die reine Wahrheit wird
als letztes Resultat auch der _Anfang einer andern Sphäre und
Wissenschaft_. Dieser Übergang bedarf hier nur noch angedeutet zu
werden.
Indem die Idee sich nämlich als absolute _Einheit_ des reinen
Begriffs und seiner Realität setzt, somit in die _Unmittelbarkeit_
des _Seyns_ zusammennimmt, so ist sie als die _Totalität_ in dieser
Form,--_Natur_.--Diese Bestimmung ist aber nicht ein _Gewordenseyn_
und _Übergang_, wie, nach oben, der _subjektive Zweck_ zum _Leben
wird_. Die reine Idee, in welcher die Bestimmtheit oder Realität des
Begriffes selbst zum Begriffe erhoben ist, ist vielmehr absolute
_Befreiung_, für welche keine unmittelbare Bestimmung mehr ist, die
nicht ebenso sehr _gesetzt_ und der Begriff ist; in dieser Freiheit
findet daher kein Übergang Statt, das einfache Seyn, zu dem sich die
Idee bestimmt, bleibt ihr vollkommen durchsichtig, und ist der in
seiner Bestimmung bei sich selbst bleibende Begriff. Das Übergehen
ist also hier vielmehr so zu fassen, daß die Idee sich selbst _frei
entläßt_, ihrer absolut sicher und in sich ruhend. Um dieser
Freiheit willen ist die _Form ihrer Bestimmtheit_ ebenso schlechthin
frei,--die absolut für sich selbst ohne Subjektivität seyende
_Äußerlichkeit des Raums und der Zeit_.--Insofern diese nur nach der
abstrakten Unmittelbarkeit des Seyns ist und vom Bewußtseyn gefaßt
wird, ist sie als bloße Objektivität und äußerliches Leben; aber in
der Idee bleibt sie an und für sich die Totalität des Begriffs, und
die Wissenschaft im Verhältnisse des göttlichen Erkennens zur Natur.
Dieser nächste Entschluß der reinen Idee, sich als äußerliche Idee zu
bestimmen, setzt sich aber damit nur die Vermittelung, aus welcher
sich der Begriff als freie aus der Äußerlichkeit in sich gegangene
Existenz emporhebt, _in der Wissenschaft_ des _Geistes_ seine
Befreiung durch sich vollendet, und den höchsten Begriff seiner
selbst in der logischen Wissenschaft, als dem sich begreifenden
reinen Begriffe, findet.
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Wissenschaft der Logik: Zweiter
Teil--Die subjektive Logik, von Georg Wilhelm Friedrich Hegel.