C. Die Gattung.

Das lebendige Individuum zuerst aus dem allgemeinen Begriffe des

Lebens abgeschieden, ist eine Voraussetzung, die noch nicht durch sie

selbst bewährt ist. Durch den Proceß mit der zugleich damit

vorausgesetzten Welt hat es sich selbst gesetzt _für sich_ als die

negative Einheit seines Andersseyns, als die Grundlage seiner selbst;

es ist so die Wirklichkeit der Idee, so daß das Individuum nun aus

_der Wirklichkeit_ sich hervorbringt, wie es vorher nur aus dem

_Begriffe_ hervorging, und daß seine Entstehung, die ein

_Voraussetzen_ war, nun seine Produktion wird.

Die weitere Bestimmung aber, welche es durch die Aufhebung des

Gegensatzes erlangt hat, ist, _Gattung_ zu seyn, als Identität seiner

mit seinem vorherigen gleichgültigen Andersseyn. Diese Idee des

Individuums ist, da sie diese wesentliche Identität ist, wesentlich

die Besonderung ihrer selbst. Diese ihre Diremtion ist nach der

Totalität, aus der sie hervorgeht, die Verdoppelung des Individuums,

--ein Voraussetzen einer Objektivität, welche mit ihm identisch ist,

und ein Verhalten des Lebendigen zu sich selbst, als einem andern

Lebendigen.

Dieß Allgemeine ist die dritte Stufe, die Wahrheit des Lebens,

insofern es noch innerhalb seiner Sphäre eingeschlossen ist. Diese

Stufe ist der sich auf sich beziehende Proceß des Individuums, wo die

Äußerlichkeit sein immanentes Moment ist, _zweitens_ diese

Äußerlichkeit ist selbst als lebendige Totalität eine Objektivität,

die für das Individuum es selbst ist;--in der es nicht als

_aufgehobener_, sondern als _bestehender_ die Gewißheit seiner selbst

hat.

Weil nun das Verhältniß der Gattung die Identität des individuellen

Selbstgefühls in einem solchen ist, welches zugleich ein anderes

selbstständiges Individuum ist, ist es der _Widerspruch_; das

Lebendige ist somit wieder Trieb.--Die Gattung ist nun zwar die

Vollendung der Idee des Lebens, aber zunächst ist sie noch innerhalb

der Sphäre der Unmittelbarkeit; diese Allgemeinheit ist daher in

_einzelner_ Gestalt _wirklich_; der Begriff, dessen Realität die Form

unmittelbarer Objektivität hat. Das Individuum ist daher _an sich_

zwar Gattung, aber es ist die Gattung nicht _für sich_; was für es

ist, ist nur erst ein anderes lebendiges Individuum; der von sich

unterschiedene Begriff hat zum Gegenstande, mit dem er identisch ist,

nicht sich als Begriff, sondern einen Begriff, der als Lebendiges

zugleich äußerliche Objektivität für ihn hat, eine Form, die daher

unmittelbar gegenseitig ist.

Die Identität mit dem andern, die Allgemeinheit des Individuums ist

somit nur erst _innerliche_ oder _subjektive_; es hat daher das

Verlangen, dieselbe zu setzen und sich als Allgemeines zu realisiren.

Dieser Trieb der Gattung aber kann sich nur realisiren durch

Aufheben der noch gegen einander besonderen, einzelnen

Individualitäten. Zunächst insofern es diese sind, welche _an sich_

allgemein die Spannung ihres Verlangens befriedigen und in ihre

Gattungsallgemeinheit sich auflösen, so ist ihre realisirte Identität

die negative Einheit der aus der Entzweiung sich in sich

reflektirenden Gattung. Sie ist insofern die Individualität des

Lebens selbst, nicht mehr aus seinem Begriffe, sondern aus der

_wirklichen_ Idee _erzeugt_. Zunächst ist sie selbst nur der Begriff,

der erst sich zu objektiviren hat, aber _der wirkliche Begriff;--der

Keim eines lebendigen Individuums_. In ihm ist es für _die gemeine

Wahrnehmung vorhanden_, was der Begriff ist, und daß der _subjektive

Begriff äußerliche Wirklichkeit_ hat. Denn der Keim des Lebendigen

ist die vollständige Konkretion der Individualität, in welcher alle

seine verschiedenen Seiten, Eigenschaften und gegliederte

Unterschiede in ihrer _ganzen Bestimmtheit_ enthalten und die

zunächst _immaterielle_, subjektive Totalität unentwickelt, einfach

und nichtsinnlich ist; der Keim ist so das ganze Lebendige in der

innerlichen Form des Begriffes. Die Reflexion der Gattung-in-sich

ist nach dieser Seite dieß, wodurch sie _Wirklichkeit_ erhält, indem

das Moment der negativen Einheit und Individualität in ihr _gesetzt_

wird,--die _Fortpflanzung_ der lebenden Geschlechter. Die Idee, die

als Leben noch in der Form der Unmittelbarkeit ist, fällt insofern in

die Wirklichkeit zurück, und diese ihre Reflexion ist nur die

Wiederholung und der unendliche Progreß, in welchem sie nicht aus der

Endlichkeit ihrer Unmittelbarkeit heraustritt.

Aber diese Rückkehr in ihren ersten Begriff hat auch die höhere Seite,

daß die Idee nicht nur die Vermittelung ihrer Processe innerhalb der

Unmittelbarkeit durchlaufen, sondern eben damit diese aufgehoben, und

sich dadurch in eine höhere Form ihres Daseyns erhoben hat.

Der Proceß der Gattung nämlich, in welchem die einzelnen Individuen

ihre gleichgültige, unmittelbare Existenz in einander aufheben und in

dieser negativen Einheit ersterben, hat ferner zur andern Seite

seines Produkts die _realisirte Gattung_, welche mit dem Begriffe

sich identisch gesetzt hat.--In dem Gattungs-Proceß gehen die

abgesonderten Einzelnheiten des individuellen Lebens unter; die

negative Identität, in der die Gattung in sich zurückkehrt, ist, wie

einer Seits das _Erzeugen der Einzelnheit_, so anderer Seits _das

Aufheben derselben_, ist somit mit sich zusammengehende Gattung, die

_für sich werdende Allgemeinheit_ der Idee. In der Begattung

erstirbt die Unmittelbarkeit der lebendigen Individualität; der Tod

dieses Lebens ist das Hervorgehen des Geistes. Die Idee, die als

Gattung _an sich_ ist, ist _für sich_, indem sie ihre Besonderheit,

welche die lebendigen Geschlechter ausmachte, aufgehoben, und damit

sich eine _Realität_ gegeben hat, welche _selbst einfache

Allgemeinheit_ ist; so ist sie die Idee, welche _sich zu sich_ als

_Idee verhält_, das Allgemeine, das die Allgemeinheit zu seiner

Bestimmtheit und Daseyn hat;--die _Idee des Erkennens_.

Zweites Kapitel. Die Idee des Erkennens.

Das Leben ist die unmittelbare Idee, oder die Idee als ihr noch nicht

an sich selbst realisirter _Begriff_. In ihrem _Urtheil_ ist sie das

_Erkennen_ überhaupt.

Der Begriff ist als Begriff _für sich_, insofern er _frei_ als

abstrakte Allgemeinheit oder als Gattung existirt. So ist er seine

reine Identität mit sich, welche sich so in sich selbst unterscheidet,

daß das Unterschiedene nicht eine _Objektivität_, sondern

gleichfalls zur Subjektivität oder zur Form der einfachen Gleichheit

mit sich befreit, hiermit der Gegenstand des Begriffes, der Begriff

selbst ist. Seine _Realität_ überhaupt ist die _Form seines Daseyns_;

auf Bestimmung dieser Form kommt es an; auf ihr beruht der

Unterschied dessen, was der Begriff an _sich_, oder als _subjektiver_

ist, was er ist in die Objektivität versenkt, dann in der Idee des

Lebens. In der letztern ist er zwar von seiner äußerlichen Realität

unterschieden und _für sich_ gesetzt, doch dieß sein Fürsichseyn hat

er nur als die Identität, welche eine Beziehung auf sich als versenkt

in seine ihm unterworfene Objektivität oder auf sich als inwohnende,

substantielle Form ist. Die Erhebung des Begriffs über das Leben ist,

daß seine Realität die zur Allgemeinheit befreite Begriffsform ist.

Durch dieses Urtheil ist die Idee verdoppelt, in den subjektiven

Begriff, dessen Realität er selbst, und in den objektiven, der als

Leben ist.--_Denken, Geist, Selbstbewußtseyn_ sind Bestimmungen der

Idee, insofern sie sich selbst zum Gegenstand hat, und ihr _Daseyn_,

d. i. die Bestimmtheit ihres Seyns ihr eigener Unterschied von sich

selbst ist.

Die _Metaphysik des Geistes_, oder wie man sonst mehr gesprochen hat,

der _Seele_ drehte sich um die Bestimmungen von Substanz, Einfachheit,

Immaterialität;--Bestimmungen, bei welchen die _Vorstellung_ des

Geistes aus dem _empirischen_ Bewußtseyn als Subjekt zu Grunde gelegt,

und nun gefragt wurde, was für Prädikate mit den Wahrnehmungen

übereinstimmen;--ein Verfahren, das nicht weiter gehen konnte, als

das Verfahren der Physik, die Welt der Erscheinung auf allgemeine

Gesetze und Reflexions-Bestimmungen zu bringen, da der Geist auch nur

in seiner _Erscheinung_ zu Grunde lag; ja es mußte noch hinter der

physikalischen Wissenschaftlichkeit zurückbleiben, da der Geist nicht

nur unendlich reicher als die Natur ist, sondern da auch die absolute

Einheit des Entgegengesetzem im _Begriffe_ sein Wesen ausmacht, so

zeigt er in seiner Erscheinung und Beziehung auf die Äußerlichkeit

den Widerspruch in seiner höchsten Bestimmtheit auf, daher für jede

der entgegengesetzten Reflexions-Bestimmungen eine Erfahrung

angeführt, oder aus den Erfahrungen auf die entgegengesetzten

Bestimmungen nach der Weise des formalen Schließens muß gekommen

werden können. Weil die an der Erscheinung unmittelbar sich

ergebenden Prädikate zunächst noch der empirischen Psychologie

angehören, so bleiben eigentlich nur ganz dürftige

Reflexions-Bestimmungen für die metaphysische Betrachtung übrig.

--_Kant_ in seiner Kritik der _rationalen Seelenlehre_ hält diese

Metaphysik daran fest, daß, insofern sie eine rationale Wissenschaft

seyn soll, durch das Mindeste, was man von der Wahrnehmung zu der

_allgemeinen Vorstellung_ des Selbstbewußtseyns _hinzunähme_, sich

jene Wissenschaft in eine _empirische_ verwandelte und ihre rationale

Reinigkeit und Unabhängigkeit von aller Erfahrung verderbt würde.--Es

bleibe somit nichts als die einfache, für sich an Inhalt ganz leere,

Vorstellung: _Ich_, von der man nicht einmal sagen kann, daß sie ein

_Begriff_ sey, sondern ein _bloßes Bewußtseyn_, das _alle Begriffe

begleitet_. Durch dieses _Ich_, oder auch _Es (das Ding)_, welches

denket, wird nun nach den weiteren kantischen Folgerungen nichts

weiter als ein transcendentales Subjekt der Gedanken vorgestellt = x,

welches nur durch die Gedanken, die seine _Prädikate_ sind, erkannt

wird, und wovon wir, abgesondert, _niemals_ den _mindesten Begriff_

haben können; dieß Ich hat dabei, nach Kants eigenem Ausdruck, die

_Unbequemlichkeit_, daß _wir_ uns jederzeit _seiner schon bedienen

müssen_, um irgend etwas von ihm zu urtheilen; denn es ist nicht

sowohl _eine Vorstellung_, wodurch ein besonderes Objekt

unterschieden wird, sondern eine _Form_ derselben überhaupt, insofern

sie Erkenntniß genannt werden soll.--Der _Paralogismus_, den die

rationale Seelenlehre begehe, bestehe nun darin, daß _Modi_ des

Selbstbewußtseyns im Denken zu _Verstandesbegriffen_ als von einem

_Objekte_ gemacht, daß jenes: Ich _denke_ als ein _denkendes Wesen_,

ein _Ding-an-sich_ genommen werde; auf welche Weise daraus, daß Ich

im Bewußtseyn immer als _Subjekt_ und zwar als _singulares_, bei

aller Mannigfaltigkeit der Vorstellung _identisches_, und von ihr als

äußerlicher mich unterscheidendes vorkomme, unberechtigt abgeleitet

wird, daß Ich eine _Substanz_, ferner ein qualitativ _Einfaches_, und

ein _Eins_, und ein von den räumlichen und zeitlichen Dingen

_unabhängig Existirendes_ sey.-Ich habe diese Darstellung

ausführlicher ausgezogen, weil sich sowohl die Natur der vormaligen

_Metaphysik über die Seele_, als besonders auch _der Kritik_, wodurch

sie zu Grunde gegangen ist, bestimmt daraus erkennen läßt.--Jene ging

darauf, das _abstrakte Wesen_ der Seele zu bestimmen; sie ging dabei

von der Wahrnehmung ursprünglich aus und verwandelte deren empirische

Allgemeinheit und die an der Einzelnheit des Wirklichen überhaupt

_äußerliche_ Reflexions-Bestimmung in die Form von den angeführten

_Bestimmungen des Wesens_.--Kant hat dabei überhaupt nur den Zustand

der Metaphysik seiner Zeit vor sich, welche vornehmlich bei solchen

abstrakten, einseitigen Bestimmungen ohne alle Dialektik stehen blieb;

die wahrhaft _spekulativen_ Ideen älterer Philosophen über den

Begriff des Geistes beachtete und untersuchte er nicht. In seiner

_Kritik_ über jene Bestimmungen folgte er nun ganz einfach der

humeschen Manier des Skepticismus; daß er nämlich das festhält, wie

Ich im Selbstbewußtseyn erscheint, wovon aber, da das _Wesen_

desselben, _das Ding an sich_, erkannt werden solle, alles Empirische

wegzulassen sey; nun bleibe nicht übrig, als diese Erscheinung des:

_Ich denke_, das alle Vorstellungen begleite,--wovon man _nicht den

geringsten Begriff_ habe.--Gewiß muß es zugegeben werden, daß man

weder von Ich, noch von irgend Etwas, auch von dem Begriff selbst den

mindesten Begriff hat, insofern man nicht _begreift_, und nur bei der

einfachen, fixen _Vorstellung_ und dem _Namen_ stehen bleibt.

--Sonderbar ist der Gedanken,--wenn es anders ein Gedanke genannt

werden kann,--daß Ich mich des Ich schon _bedienen_ müsse, um von Ich

zu urtheilen; das Ich, das sich des Selbstbewußtseyns als eines

Mittels _bedient_, um zu urtheilen, dieß ist wohl ein x, von dem man,

so wie vom Verhältnisse solchen Bedienens, nicht den geringsten

Begriff haben kann. Aber lächerlich ist es wohl, diese Natur des

Selbstbewußtseyns, daß Ich sich selbst denkt, daß Ich nicht gedacht

werden kann, ohne daß es Ich ist, welches denkt,--eine

_Unbequemlichkeit_ und als etwas Fehlerhaftes einen _Cirkel_ zu

nennen;--ein Verhältniß, wodurch sich im unmittelbaren empirischen

Selbstbewußtseyn die absolute, ewige Natur desselben und des

Begriffes offenbart, deswegen offenbart, weil das Selbstbewußtseyn

eben der _daseyende_, also _empirisch wahrnehmbare_, reine _Begriff_,

die absolute Beziehung auf sich selbst ist, welche als trennendes

Urtheil sich zum Gegenstande macht und allein dieß ist, sich dadurch

zum Cirkel zu machen.--Ein Stein hat jene _Unbequemlichkeit_ nicht;

wenn er gedacht oder wenn über ihn geurtheilt werden soll, so steht

er sich selbst dabei nicht im Wege;--er ist der Beschwerlichkeit,

sich seiner selbst zu diesem Geschäfte zu bedienen, enthoben; es ist

ein Anderes außer ihm, welches diese Mühe übernehmen muß.

Der Mangel, den diese barbarisch zu nennenden Vorstellungen darein

setzen, daß bei dem Denken des Ich dasselbe als _Subjekt_ nicht

weggelassen werden könne, erscheint dann umgekehrt auch so, daß Ich

_nur_ als _Subjekt des Bewußtseyns_ vorkomme, oder Ich mich nur als

_Subjekt_ eines Urtheils _brauchen_ könne, und die _Anschauung_ fehle,

wodurch es als ein _Objekt gegeben_ würde; daß aber der Begriff

eines Dings, das nur als Subjekt existiren könne, noch gar keine

objektive Realität bei sich führe.--Wenn zur Objektivität die

äußerliche, in Zeit und Raum bestimmte Anschauung gefordert, und sie

es ist, welche vermißt wird, so sieht man wohl, daß unter

Objektivität nur diejenige sinnliche Realität gemeint ist, über

welche sich erhoben zu haben Bedingung des Denkens und der Wahrheit

ist. Aber allerdings wenn Ich begrifflos als bloße einfache

Vorstellung nach der Weise genommen wird, wie wir im alltäglichen

Bewußtseyn Ich aussprechen, so ist es die abstrakte Bestimmung, nicht

die sich selbst zum Gegenstand habende Beziehung seiner selbst;--es

ist so nur _Eins_ der Extreme, einseitiges Subjekt ohne seine

Objektivität, oder es wäre auch nur Objekt ohne Subjektivität, wenn

nämlich die berührte Unbequemlichkeit hierbei nicht wäre, daß sich

von dem Ich als Objekt das denkende Subjekt nicht wegbringen läßt.

Aber in der That findet dieselbe Unbequemlichkeit auch bei der

erstern Bestimmung, dem Ich als Subjekte, Statt; das Ich denkt

_etwas_, sich oder etwas Anderes. Diese Untrennbarkeit der zwei

Formen, in denen es sich selbst entgegensetzt, gehört zur eigensten

Natur seines Begriffs und des Begriffs selbst; sie ist gerade das,

was Kant abhalten will um nur die sich in sich nicht unterscheidende,

und somit ja nur die _begrifflose Vorstellung_ fest zu erhalten. Ein

solches Begriffloses darf sich nun zwar wohl den abstrakten

Reflexions-Bestimmungen oder Kategorien der vorigen Metaphysik

gegenüberstellen;--denn an Einseitigkeit steht es auf gleicher Linie

mit ihnen, obwohl diese doch ein Höheres des Gedankens sind; dagegen

erscheint es desto dürftiger und leerer gegen die tieferen Ideen

älterer Philosophie vom Begriff der Seele oder des Denkens, z.B.

die wahrhaft spekulativen Ideen des Aristoteles. Wenn die kantische

Philosophie jene Reflexions-Bestimmungen untersuchte, so hätte sie

noch mehr die festgehaltene Abstraktion des leeren Ich, die vermeinte

Idee des Dings-an-sich untersuchen müssen, das sich eben um seiner

Abstraktion willen vielmehr als ein ganz Unwahres zeigt; die

Erfahrung der beklagten Unbequemlichkeit ist selbst das empirische

Faktum, worin die Unwahrheit jener Abstraktion sich ausspricht.

Nur des mendelssohnschen Beweises von der Beharrlichkeit der Seele

erwähnt die kantische Kritik der rationalen Psychologie, und ich

führe ihre Widerlegung desselben noch um der Merkwürdigkeit

desjenigen willen an, was ihm entgegengestellt wird. Jener Beweis

gründet sich auf die _Einfachheit_ der Seele, vermöge der sie der

Veränderung, _des Übergehens in ein Anderes_ in der Zeit nicht fähig

sey. Die qualitative Einfachheit ist die oben betrachtete Form der

_Abstraktion_ überhaupt; als _qualitative_ Bestimmtheit ist sie in

der Sphäre des Seyns untersucht und bewiesen worden, daß das

Qualitative als solche sich abstrakt auf sich beziehende Bestimmtheit

vielmehr eben darum dialektisch und nur das Übergehen in ein Anderes

ist. Beim Begriffe aber wurde gezeigt, daß wenn er in Beziehung auf

Beharrlichkeit, Unzerstörbarkeit, Unvergänglichkeit betrachtet wird,

er vielmehr darum das An- und Fürsichseyende und Ewige ist, weil er

nicht die _abstrakte_, sondern _konkrete_ Einfachheit, nicht sich auf

sich abstrakt beziehendes Bestimmtseyn, sondern die Einheit _seiner

selbst und seines Andern_ ist, in das er also nicht so übergehen kann,

als ob er sich darin veränderte, eben darum, weil das _andere_, das

Bestimmtseyn, er selbst ist, und er in diesem Übergehen daher nur zu

sich selbst kommt.--Die kantische Kritik setzt nun jener

_qualitativen_ Bestimmung der Begriffseinheit die _quantitative_

entgegen. Obgleich die Seele nicht ein mannigfaltiges Außereinander

sey und keine _extensive_ Größe enthalte, so habe das Bewußtseyn doch

_einen Grad_, und die Seele wie _jedes Existirende_ eine _intensive

Größe_; dadurch sey aber die Möglichkeit des Übergehens in Nichts

durch das _allmählige Verschwinden_ gesetzt.--Was ist nun diese

Widerlegung anders, als die Anwendung einer Kategorie _des Seyns_,

der _intensiven Größe_, auf den Geist?--einer Bestimmung, die keine

Wahrheit an sich hat, und im Begriffe vielmehr aufgehoben ist.

Die Metaphysik,--auch selbst die, welche sich auf fixe

Verstandesbegriffe beschränkte und sich zum Spekulativen, und zur

Natur des Begriffes und der Idee nicht erhob, hatte zu ihrem Zwecke,

_die Wahrheit zu erkennen_, und untersuchte ihre Gegenstände danach,

ob sie ein _Wahrhaftes_ seyen oder nicht, Substanzen oder Phänomene.

Der Sieg der kantischen Kritik über dieselbe besteht aber vielmehr

darin, die Untersuchung, welche das _Wahre_ zum Zwecke hat, und

diesen Zweck selbst zu beseitigen; sie macht die Frage, die allein

Interesse hat, gar nicht, ob ein bestimmtes Subjekt, hier das

_abstrakte Ich der Vorstellung_, an und für sich Wahrheit habe. Es

heißt aber auf den Begriff und die Philosophie Verzicht leisten, wenn

man bei der Erscheinung und bei demjenigen stehen bleibt, was sich im

alltäglichen Bewußtseyn für die bloße Vorstellung ergiebt. Was

darüber hinausgeht, heißt in der kantischen Kritik etwas

Überfliegendes, und zu dem die Vernunft keineswegs berechtigt sey.

In der That überfliegt der Begriff das Begrifflose, und die nächste

Berechtigung, darüber hinauszugehen, ist eines Theils er selbst,

andern Theils nach der negativen Seite die Unwahrheit der Erscheinung

und der Vorstellung, so wie solcher Abstraktionen, wie die

Dinge-an-sich und jenes Ich ist, das sich nicht Objekt seyn soll.

In dem Zusammenhang dieser logischen Darstellung ist es die _Idee des

Lebens_, aus der die Idee des Geistes hervorgegangen, oder was

dasselbe ist, als deren Wahrheit sie sich erwiesen hat. Als dieses

Resultat hat diese Idee an und für sich selbst ihre Wahrheit, mit der

dann auch das Empirische oder die Erscheinung des Geistes verglichen

werden mag, wie es damit übereinstimme; das Empirische kann jedoch

selbst auch nur durch und aus der Idee gefaßt werden. Von dem

_Leben_ haben wir gesehen, daß es die Idee ist, aber es hat sich

zugleich gezeigt, noch nicht die wahrhafte Darstellung oder Art und

Weise ihres Daseyns zu seyn. Denn im Leben ist die Realität der Idee

als _Einzelnheit_, die _Allgemeinheit_ oder die Gattung ist das

_Innere_; die Wahrheit des Lebens als absolute negative Einheit ist

daher, die abstrakte, oder was dasselbe ist, die unmittelbare

Einzelnheit aufzuheben, und _als Identisches_ mit sich identisch, als

Gattung sich selbst gleich zu seyn. Diese Idee ist nun der _Geist_.

--Es kann aber hierüber noch bemerkt werden, daß er hier in

derjenigen Form betrachtet wird, welche dieser Idee als logische

zukommt. Die hat nämlich noch andere Gestalten, die hier beiläufig

angeführt werden können, in welchen sie in den konkreten

Wissenschaften des Geistes zu betrachten ist, nämlich als _Seele,

Bewußtseyn und Geist als solcher_.

Der Name: _Seele_ wurde sonst vom einzelnen endlichen Geiste

überhaupt gebraucht, und die rationale oder empirische _Seelenlehre_

sollte so viel bedeuten als _Geisteslehre_. Bei dem Ausdruck:

_Seele_ schwebt die Vorstellung vor, daß sie ein _Ding_ ist, wie die

anderen Dinge; man fragt nach ihrem _Sitze_, der _räumlichen_

Bestimmung, von der aus ihre _Kräfte_ wirken; noch mehr danach, wie

dieses Ding _unvergänglich_ sey, den Bedingungen der _Zeitlichkeit_

unterworfen, der Veränderung darin aber entnommen sey. Das System

der _Monaden_ hebt die Materie zur Seelenhaftigkeit herauf; die Seele

ist in dieser Vorstellung ein Atom wie die Atome der Materie

überhaupt; das Atom, das als Dunst aus der Kaffeetasse aufsteige, sey

durch glückliche Umstände fähig, sich zur Seele zu entwickeln, nur

die _größere_ Dunkelheit seines Vorstellens unterscheide es von einem

solchen Dinge, das als Seele erscheint.--_Der für sich selbst seyende

Begriff_ ist nothwendig auch in _unmittelbarem Daseyn_; in dieser

substantiellen Identität mit dem Leben, in seinem Versenktseyn in

seine Äußerlichkeit ist er in der _Anthropologie_ zu betrachten.

Aber auch ihr muß jene Metaphysik fremd bleiben, worin diese Form der

_Unmittelbarkeit_ zu einem _Seelending_, zu einem _Atom_, den Atomen

der Materie gleich wird.--Der Anthropologie muß nur die dunkle Region

überlassen werden, worin der Geist unter, wie man es sonst nannte,

_siderischen_ und _terrestrischen_ Einflüssen steht, als ein

Naturgeist in der _Sympathie_ mit der Natur lebt, und ihre

Veränderungen in _Träumen_ und _Ahnungen_ gewahr wird, dem Gehirn,

dem Herzen, den Ganglien, der Leber u. s. w. inwohnt, welcher

letztern nach Plato der Gott, damit auch der _unvernünftige_ Theil

von seiner Güte bedacht und des Höhern theilhaftig sey, die Gabe des

_Weissagens_ gegeben habe, über welche der selbstbewußte Mensch

erhoben sey. Zu dieser unvernünftigen Seite gehört ferner das

Verhältniß des Vorstellens und der höhern geistigen Thätigkeit,

insofern sie im einzelnen Subjekte dem Spiele ganz zufälliger

körperlicher Beschaffenheit, äußerlicher Einflüsse und einzelner

Umstände unterworfen ist.

Diese unterste der konkreten Gestalten, worin der Geist in die

Materiatur versenkt ist, hat ihre unmittelbar höhere im _Bewußtseyn_.

In dieser Form ist der freie Begriff als _fürsichseyendes_ Ich

zurückgezogen aus der Objektivität, aber sich auf sie als _sein

Anderes_, als gegenüberstehenden Gegenstand beziehend. Indem der

Geist hier nicht mehr als Seele ist, sondern in der _Gewißheit_

seiner selbst die _Unmittelbarkeit_ des _Seyns_ vielmehr die

Bedeutung _eines Negativen_ für ihn hat, so ist die Identität, in der

er im Gegenständlichen mit sich selbst ist, zugleich nur noch ein

_Scheinen_, indem das Gegenständliche auch noch die Form eines

_Ansichseyenden_ hat.

Diese Stufe ist der Gegenstand _der Phänomenologie des Geistes_,

--einer Wissenschaft, welche zwischen der Wissenschaft des

Naturgeistes und des Geistes als solches inne steht, und den _für

sich_ seyenden Geist zugleich in seiner _Beziehung auf sein Anderes_,

welches hierdurch sowohl, wie erinnert, als _an sich_ seyendes Objekt

wie auch als negirtes bestimmt ist,--den Geist also als _erscheinend_

am Gegentheil seiner selbst sich darstellend betrachtet.

Die höhere Wahrheit dieser Form ist aber _der Geist für sich_, für

welchen der dem Bewußtseyn _an sich_ seyende Gegenstand die Form

seiner eigenen Bestimmung, der _Vorstellung_ überhaupt hat; dieser

Geist, der auf die Bestimmungen als auf seine eigenen, auf Gefühle,

Vorstellungen und Gedanken, thätig ist, ist insofern in sich und in

seiner Form unendlich. Die Betrachtung dieser Stufe gehört der

eigentlichen _Geisteslehre_ an, die dasjenige umfassen würde, was

Gegenstand der gewöhnlich _empirischen Psychologie_ ist, die aber, um

die Wissenschaft des Geistes zu seyn, nicht empirisch zu Werke gehen,

sondern wissenschaftlich gefaßt werden muß.--Der Geist ist auf dieser

Stufe _endlicher_ Geist, insofern der _Inhalt_ seiner Bestimmtheit

ein unmittelbarer gegebener ist; die Wissenschaft desselben hat den

Gang darzustellen, worin er sich von dieser seiner Bestimmtheit

befreit, und zum Erfassen seiner Wahrheit, des unendlichen Geistes,

fortgeht.

Die _Idee des Geistes_ dagegen, welche _logischer_ Gegenstand ist,

steht schon innerhalb der reinen Wissenschaft; sie hat daher ihn

nicht den Gang durchmachen zu sehen, wie er mit der Natur, der

unmittelbaren Bestimmtheit und dem Stoffe oder der Vorstellung,

verwickelt ist, was in jenen drei Wissenschaften betrachtet wird; sie

hat diesen Gang bereits hinter sich, oder, was dasselbe ist, vielmehr

vor sich,--jenes insofern die Logik, als die _die letzte_

Wissenschaft, dieses insofern sie als _die erste_ genommen wird, aus

welcher die Idee erst in die Natur übergeht.

In der logischen Idee des Geistes ist Ich daher sogleich, wie es aus

dem Begriffe der Natur als deren Wahrheit sich gezeigt hat, der freie

Begriff, der in seinem Urtheile sich selbst der Gegenstand ist, _der

Begriff als seine Idee_. Aber auch in dieser Gestalt ist die Idee

noch nicht vollendet.

Indem sie der zwar freie, sich selbst zum Gegenstande habende Begriff

ist, so ist sie _unmittelbar_, ebendarum weil sie unmittelbar ist,

noch die Idee in ihrer _Subjektivität_, und damit in ihrer

Endlichkeit überhaupt. Sie ist der _Zweck_, der sich realisiren soll,

oder es ist die _absolute Idee_ selbst noch in ihrer _Erscheinung_.

Was sie _sucht_, ist das _Wahre_, diese Identität des Begriffs selbst

und der Realität, aber sie sucht es nur erst; denn sie ist hier, wie

sie _zuerst_ ist, noch ein _Subjektives_. Der Gegenstand, der für

den Begriff ist, ist daher hier zwar auch ein gegebener, aber er

tritt nicht als einwirkendes Objekt, oder als Gegenstand, wie er als

solcher für sich selbst beschaffen sey, oder als Vorstellung in das

Subjekt ein, sondern dieses verwandelt ihn in _eine

Begriffsbestimmung_; es ist der Begriff, der im Gegenstand sich

bethätigt, darin sich auf sich bezieht, und dadurch, daß er sich an

dem Objekte seine Realität giebt, _Wahrheit_ findet.

Die Idee ist also zunächst das eine Extrem eines Schlusses als der

Begriff, der als Zweck zunächst sich selbst zur subjektiven Realität

hat; das andere Extrem ist die Schranke des Subjektiven, die

objektive Welt. Die beiden Extreme sind darin identisch, daß sie die

Idee sind; erstlich ist ihre Einheit die des Begriffs, welcher in dem

einen nur _für sich_, in dem andern nur _an sich_ ist; zweitens ist

die Realität in dem einen abstrakt, in dem andern in ihrer konkreten

Äußerlichkeit.--Diese Einheit wird nun durch das Erkennen _gesetzt_;

sie ist, weil es die subjektive Idee ist, die als Zweck von sich

ausgeht, zunächst nur als _Mitte_.--Das Erkennende bezieht sich

durch die Bestimmtheit seines Begriffs, nämlich das abstrakte

Fürsichseyn, zwar auf eine Außenwelt; aber in der absoluten Gewißheit

seiner selbst, um die Realität seiner an sich selbst, diese formelle

Wahrheit zur reellen Wahrheit zu erheben. Es hat an seinem Begriff

die _ganze Wesenheit_ der objektiven Welt, sein Proceß ist, den

konkreten Inhalt derselben für sich als identisch mit dem _Begriffe_,

und umgekehrt diesen als identisch mit der Objektivität zu setzen.

Unmittelbar ist die Idee der Erscheinung _theoretische_ Idee, das

_Erkennen_ als solches. Denn unmittelbar hat die objektive Welt die

Form der _Unmittelbarkeit_ oder des _Seyns_ für den für sich seyenden

Begriff, so wie dieser zuerst sich nur als der abstrakte noch in ihm

eingeschlossene Begriff seiner selbst ist; er ist daher nur als

_Form_; seine Realität, die er an ihm selbst hat, sind nur seine

einfachen Bestimmungen von _Allgemeinheit_ und _Besonderheit_; die

Einzelnheit aber oder die _bestimmte Bestimmtheit_, den Inhalt erhält

diese Form von Außen.

A. Die Idee des Wahren.

Die subjektive Idee ist zunächst _Trieb_. Denn sie ist der

Widerspruch des Begriffs, sich zum _Gegenstand_ zu haben und sich die

Realität zu seyn, ohne daß doch der Gegenstand als _anderes_ gegen

ihn Selbstständiges wäre, oder ohne daß der Unterschied seiner selbst

von sich zugleich die wesentliche Bestimmung der _Verschiedenheit_

und des gleichgültigen Daseyns hätte. Der Trieb hat daher die

Bestimmtheit, seine eigene Subjektivität aufzuheben, seine erst

abstrakte Realität zur konkreten zu machen, und sie mit dem _Inhalte_

der von seiner Subjektivität vorausgesetzten Welt zu erfüllen.--Von

der andern Seite bestimmt er sich hierdurch so: der Begriff ist zwar

die absolute Gewißheit seiner selbst; seinem _Fürsichseyn_ steht aber

seine Voraussetzung einer _an sich_ seyenden Welt gegenüber, deren

gleichgültiges _Andersseyn_ aber für die Gewißheit seiner selbst den

Werth nur eines _Unwesentlichen_ hat; er ist insofern der Trieb, dieß

Andersseyn aufzuheben, und in dem Objekte die Identität mit sich

selbst anzuschauen. Insofern diese Reflexion-in-sich der

aufgehobenen Gegensatz und die _gesetzte_, für das Subjekt bewirkte

_Einzelnheit_ ist, welche zunächst als das vorausgesetzte

_Ansichseyn_ erscheint, ist es die aus dem Gegensatz hergestellte

Identität der Form mit sich selbst,--eine Identität, welche damit als

gleichgültig gegen die Form in deren Unterschiedenheit, bestimmt und

_Inhalt_ ist. Dieser Trieb ist daher der Trieb der _Wahrheit_,

insofern sie im _Erkennen_ ist, also der _Wahrheit_ als

_theoretischer_ Idee, in ihrem eigentlichen Sinne.--Wenn die

_objektive_ Wahrheit zwar die Idee selbst ist, als die dem Begriffe

entsprechende Realität, und ein Gegenstand insofern an ihm Wahrheit

haben kann oder nicht, so ist dagegen der bestimmtere Sinn die

Wahrheit dieser, daß sie es _für_ oder _im_ subjektiven Begriff, im

_Wissen_ sey. Sie ist das Verhältniß des _Begriffsurtheils_, welches

als das formelle Urtheil der Wahrheit sich gezeigt hat; in demselben

ist nämlich das Prädikat nicht nur die Objektivität des Begriffes,

sondern die beziehende Vergleichung des Begriffs der Sache und der

Wirklichkeit derselben.--_Theoretisch_ ist diese Realisirung des

Begriffs, insofern er als _Form_ noch die Bestimmung eines

_subjektiven_, oder die Bestimmung für das Subjekt hat, die seinige

zu seyn. Weil das Erkennen die Idee als Zweck oder als subjektive,

ist, so ist die Negation der als _an sich seyend_ vorausgesetzten

Welt die _erste_; der Schlußsatz, worin das Objektive in das

Subjektive gesetzt ist, hat daher zunächst auch nur die Bedeutung,

daß das Ansichseyende nur als ein Subjektives, oder in der

Begriffsbestimmung nur _gesetzt_, darum aber nicht so an und für sich

sey. Der Schlußsatz kommt insofern nur zu einer _neutralen_ Einheit,

oder einer _Synthesis_, d. h. einer Einheit von solchen, die

ursprünglich geschieden, nur äußerlich so verbunden seyen.--Indem

daher in diesem Erkennen der Begriff das Objekt als _das seinige_

setzt, giebt sich die Idee zunächst nur einen Inhalt, dessen

Grundlage _gegeben_ und an dem nur die Form der Äußerlichkeit

aufgehoben worden. Dieß Erkennen behält insofern in seinem

ausgeführten Zwecke noch seine _Endlichkeit_, es hat in ihn denselben

zugleich _nicht_ erreicht, und ist _in seiner Wahrheit_ noch _nicht_

zur _Wahrheit_ gekommen. Denn insofern im Resultate der Inhalt noch

die Bestimmung eines _gegebenen_ hat, so ist das vorausgesetzte

_Ansichseyn_ gegen den Begriff nicht aufgehoben; die Einheit des

Begriffs und der Realität, die Wahrheit, ist somit ebenso sehr auch

nicht darin enthalten.--Sonderbarer Weise ist in neueren Zeiten diese

Seite der _Endlichkeit_ festgehalten und als das _absolute_

Verhältniß des Erkennens angenommen worden;--als ob das Endliche als

solches das Absolute seyn sollte! Auf diesem Standpunkte wird dem

Objekte eine unbekannte _Dingheit-an-sich hinter_ dem Erkennen

zugeschrieben, und dieselbe und damit auch die Wahrheit als ein

absolutes _Jenseits_ für das Erkennen betrachtet. Die

Denkbestimmungen überhaupt, die Kategorien, die

Reflexions-Bestimmungen, so wie der formale Begriff und dessen

Momente erhalten darin die Stellung, nicht daß sie an und für sich

endliche Bestimmungen, sondern daß sie es in dem Sinne sind, als sie

ein Subjektives gegen jene leere _Dingheit-an-sich_ sind; dieß

Verhältniß der Unwahrheit des Erkennens als das wahrhafte anzunehmen,

ist der zur allgemeinen Meinung neuerer Zeit gewordene Irrthum. Aus

diese Bestimmung des endlichen Erkennens erhellt unmittelbar, daß es

ein Widerspruch ist, der sich selbst aufhebt;--der Widerspruch einer

Wahrheit, die zugleich nicht Wahrheit seyn soll;--eines Erkennens

dessen, was ist, welches zugleich das Ding-an-sich nicht erkennt. In

dem Zusammenfallen dieses Widerspruchs fällt sein Inhalt, das

subjektive Erkennen und das Ding-an-sich zusammen, d. h. erweist sich

als ein Unwahres, Aber das Erkennen hat durch seinen eigenen Gang

seine Endlichkeit und damit seinen Widerspruch aufzulösen; jene

Betrachtung, welche wir über dasselbe machen, ist eine äußerliche

Reflexion; es ist aber selbst der Begriff, der sich Zweck ist, der

also durch seine Realisirung sich ausführt, und eben in dieser

Ausführung seine Subjektivität und das vorausgesetzte Ansichseyn

aufhebt.--Es ist daher an ihm selbst in seiner positiven Thätigkeit

zu betrachten. Da diese Idee, wie gezeigt, der Trieb des Begriffes

ist, sich _für sich selbst_ zu realisiren, so ist seine Thätigkeit,

das Objekt zu bestimmen, und durch dieß Bestimmen sich in ihm

identisch auf sich zu beziehen. Das Objekt ist überhaupt das

schlechthin Bestimmbare, und in der Idee hat es diese wesentliche

Seite, nicht an und für sich gegen den Begriff zu seyn. Weil dieß

Erkennen noch das endliche, nicht spekulative ist, so hat die

vorausgesetzte Objektivität noch nicht die Gestalt für dasselbe, daß

sie schlechthin nur der Begriff an ihr selbst ist, und nichts

Besonderes für sich gegen ihn enthält. Aber damit, daß sie als ein

an-sich-seyendes Jenseits gilt, hat sie die Bestimmung der

_Bestimmbarkeit durch den Begriff_ darum wesentlich, weil _die Idee_

der für sich seyende Begriff und das schlechthin in sich Unendliche

ist, worin das Objekt _an sich_ aufgehoben, und der Zweck nur noch

ist, es _für sich_ aufzuheben; das Objekt ist daher zwar von der Idee

des Erkennens als _an sich seyend_ vorausgesetzt, aber wesentlich in

dem Verhältniß, daß sie ihrer selbst und der Nichtigkeit dieses

Gegensatzes gewiß, zu Realisirung ihres Begriffes in ihm komme.

In dem Schlusse, wodurch sich die subjektive Idee nun mit der

Objektivität zusammenschließt, ist die _erste Prämisse_ dieselbe Form

der unmittelbaren Bemächtigung und Beziehung des Begriffs auf das

Objekt, als wir in der Zweckbeziehung sahen. Die bestimmende

Thätigkeit des Begriffs auf das Objekt ist eine unmittelbare

_Mittheilung_ und widerstandslose _Verbreitung_ seiner auf dasselbe.

Der Begriff bleibt hierin in der reinen Identität mit sich selbst;

aber diese seine unmittelbare Reflexion-in-sich hat ebenso die

Bestimmung der objektiven Unmittelbarkeit; das was _für ihn_ seine

eigene Bestimmung ist, ist ebenso sehr ein _Seyn_, denn es ist die

_erste_ Negation der Voraussetzung. Die gesetzte Bestimmung gilt

daher ebenso sehr als eine nur _gefundene_ Voraussetzung, als ein

_Auffassen_ eines _Gegebenen_, worin die Thätigkeit des Begriffs

vielmehr nur darin bestehe, negativ gegen sich selbst zu seyn, sich

gegen das Vorhandene zurückzuhalten und passiv zu machen, damit

dasselbe nicht bestimmt vom Subjekte, sondern sich, wie es in sich

selbst ist, _zeigen_ könne.

Dieß Erkennen erscheint daher in dieser Prämisse nicht einmal als

eine _Anwendung_ der logischen Bestimmungen, sondern als ein

Empfangen und Auffassen derselben als Vorgefundener, und seine

Thätigkeit erscheint als darauf beschränkt, nur ein subjektives

Hinderniß, eine äußerliche Schaale von dem Gegenstande zu entfernen.

Dieß Erkennen ist das _Analytische_.

a. Das analytische Erkennen.

Den Unterschied des analytischen und synthetischen Erkennens findet

man zuweilen so angegeben, daß das eine vom Bekannten zum Unbekannten,

das andere vom Unbekannten zum Bekannten fortgehe. Es wird aber,

wenn man diesen Unterschied näher betrachtet, schwer seyn, in ihm

einen bestimmten Gedanken, vielweniger einen Begriff zu entdecken.

Man kann sagen, das Erkennen fange überhaupt mit der Unbekanntschaft

an, denn etwas, womit man schon bekannt ist, lernt man nicht kennen.

Umgekehrt auch fängt es mit dem Bekannten an; dieß ist ein

tautologischer Satz;--das, womit es anfängt, was es also wirklich

erkennt, ist eben dadurch ein Bekanntes; was noch nicht erkannt

worden, und erst später erkannt werden soll, ist noch ein Unbekanntes.

Man muß insofern sagen, daß das Erkennen, wenn es einmal angefangen

hat, immer vom Bekannten zum Unbekannten fortgehe.

Das Unterscheidende des analytischen Erkennens hat sich bereits dahin

bestimmt, daß ihm als der ersten Prämisse des ganzen Schlusses die

Vermittelung noch nicht angehört, sondern daß es die unmittelbare,

das Andersseyn noch nicht enthaltende Mittheilung des Begriffes ist,

worin die Thätigkeit sich ihrer Negativität entäußert. Jene

Unmittelbarkeit der Beziehung ist jedoch darum selbst Vermittelung,

denn sie ist die negative Beziehung des Begriffs auf das Objekt, die

sich aber selbst vernichtet und sich dadurch einfach und identisch

macht. Diese Reflexion-in-sich ist nur ein Subjektives, weil in

ihrer Vermittelung der Unterschied nur noch als der vorausgesetzte

_ansichseyende_, als Verschiedenheit _des Objekts_ in sich, vorhanden

ist. Die Bestimmung, die daher durch diese Beziehung zu Stande kommt,

ist die Form einfacher _Identität_, der _abstrakten Allgemeinheit_.

Das analytische Erkennen hat daher überhaupt diese Identität zu

seinem Princip und der Übergang in Anderes, die Verknüpfung

Verschiedener ist aus ihm selbst, aus seiner Thätigkeit

ausgeschlossen.

Das analytische Erkennen nun näher betrachtet, so wird von einem

_vorausgesetzten_, somit einzelnen, _konkreten_ Gegenstande

angefangen, er sey nun ein für die Vorstellung schon _fertiger_ oder

er sey eine _Aufgabe_, nämlich nur in seinen Umständen und

Bedingungen gegeben, aus ihnen noch nicht für sich herausgehoben und

in einfacher Selbstständigkeit dargestellt. Die Analyse desselben

kann nun nicht darin bestehen, daß er bloß in die besonderen

_Vorstellungen_, die er enthalten kann, _aufgelöst_ werde; eine

solche Auflösung und das Auffassen derselben ist ein Geschäft, das

nicht zum Erkennen gehörte, sondern nur eine nähere _Kenntniß_, eine

Bestimmung innerhalb der Sphäre des _Vorstellens_ beträfe. Die

Analyse, da sie den Begriff zum Grunde hat, hat zu ihren Produkten

wesentlich die Begriffsbestimmungen, und zwar als solche, welche

_unmittelbar_ in dem Gegenstande _enthalten_ sind. Es hat sich aus

der Natur der Idee des Erkennens ergeben, daß die Thätigkeit des

subjektiven Begriffs von der einen Seite nur als _Entwickelung_

dessen, _was im Objekt schon ist_, angesehen werden muß, weil das

Objekt selbst nichts als die Totalität des Begriffs ist. Es ist

ebenso einseitig, die Analyse so vorzustellen, als ob im Gegenstande

nichts sey, was nicht in ihm _hineingelegt_ werde, als es einseitig

ist, zu meinen, die sich ergebenden Bestimmungen werden nur aus ihm

_herausgenommen_. Jene Vorstellung spricht bekanntlich der

subjektive Idealismus aus, der in der Analyse die Thätigkeit des

Erkennens allein für ein einseitiges _Setzen_ nimmt, jenseits dessen

das _Ding-an-sich_ verborgen bleibt; die andere Vorstellung gehört

dem sogenannten Realismus an, der den subjektiven Begriff als eine

leere Identität erfaßt, welche die Gedankenbestimmungen _von Außen_

in sich _aufnehme_.--Da das analytische Erkennen, die Verwandlung des

gegebenen Stoffes in logische Bestimmungen, sich gezeigt hat, beides

in Einem zu seyn, ein _Setzen_, welches sich ebenso unmittelbar als

_Voraussetzen_ bestimmt, so kann um des letztern willen das Logische

als ein schon im Gegenstande _Fertiges_, so wie wegen des erstern als

_Produkt_ einer bloß subjektiven Thätigkeit erscheinen. Aber beide

Momente sind nicht zu trennen; das Logische ist in seiner abstrakten

Form, in welche es die Analyse heraushebt, allerdings nur im Erkennen

vorhanden, so wie es umgekehrt nicht nur ein _Gesetztes_, sondern ein

_An-sich-seyendes_ ist.

Insofern nun das analytische Erkennen die aufgezeigte Verwandlung ist,

geht es durch keine weiteren _Mittelglieder_ hindurch, sondern die

Bestimmung ist insofern _unmittelbar_ und hat eben diese Sinn, dem

Gegenstand eigen und an sich anzugehören, daher ohne subjektive

Vermittelung aus ihm aufgefaßt zu seyn.--aber das Erkennen soll

ferner auch ein _Fortgehen_, eine _Entwickelung von Unterschieden_

seyn. Weil es aber nach der Bestimmung, die es hier hat, begrifflos

und undialektisch ist, hat es nur einen _gegebenen Unterschied_, und

sein Fortgehen geschieht allein an den Bestimmungen des _Stoffes_.

Nur insofern scheint es ein _immanentes_ Fortgehen zu haben, als die

abgeleiteten Gedankenbestimmungen von Neuem analysirt werden können,

insofern scheint es ein _immanentes_ Fortgehen zu haben, als die

abgeleiteten Gedankenbestimmungen von Neuem analysirt werden können,

insofern sie noch ein Konkretes sind; das Höchste und Letze dieses

Analysirens ist das abstrakte höchste Wesen,--oder die abstrakte

subjektive Identität, und ihr gegenüber die Verschiedenheit. Dieses

Fortgehen ist jedoch nichts Anderes, als nur die Wiederholung des

einen ursprünglichen Thuns der Analyse, nämlich die Wiederbestimmung

des schon in die abstrakte Begriffsform Aufgenommenen als eines

_Konkreten_ und hierauf die Analyse desselben, dann von Neuem die

Bestimmung des aus ihr hervorgehenden Abstrakten als eines Konkreten

und sofort.--Die Gedankenbestimmungen scheinen aber in ihnen selbst

auch einen Übergang zu enthalten. Wenn der Gegenstand als Ganzes

bestimmt worden, so wird davon allerdings zur _andern_ Bestimmung:

_des Theils_; von der _Ursache_ zur andern Bestimmung der _Wirkung_ u.

s. f. fortgegangen. Aber dieß ist hier insofern kein Fortgehen, als

Ganzes und Theile, Ursache und Wirkung, _Verhältnisse_ sind, und zwar

für dieses formale Erkennen so _fertige_ Verhältnisse, daß die eine

Bestimmung an die andere wesentlich geknüpft _vorgefunden_ wird. Der

Gegenstand, der als _Ursache_ oder als _Theil_ bestimmt worden, ist

damit durch das _ganze_ Verhältniß, schon durch beide Seiten

desselben bestimmt. Ob es schon _an sich_ etwas Synthetisches ist,

so ist dieser Zusammenhang für das analytische Erkennen ebenso sehr

nur ein _Gegebenes_, als anderer Zusammenhang seines Stoffes, und

gehört daher nicht seinem eigenthümlichen Geschäfte an. Ob solcher

Zusammenhang sonst als ein Priorisches oder Aposteriorisches bestimmt

werde, dieß ist dabei gleichgültig insofern er als ein

_vorgefundener_ gefaßt wird, oder wie man es auch genannt hat, als

eine _Thatsache_ des Bewußtseyns, daß mit der Bestimmung: _Ganzes_

die Bestimmung: _Theil_ verknüpft sey und so fort. Indem Kant die

tiefe Bemerkung von _synthetischen_ Grundsätzen a priori aufgestellt

und als deren Wurzel die Einheit des Selbstbewußtseyns, also die

Identität des Begriffes mit sich, erkannt hat, nimmt er doch den

_bestimmten_ Zusammenhang, die Verhältnißbegriffe und synthetischen

Grundsätze selbst, _von der formalen Logik_ als _gegeben_ auf; die

Deduktion derselben hätte die Darstellung des Übergangs jener

einfachen Einheit des Selbstbewußtseyns in diese ihre Bestimmungen

und Unterschiede seyn müssen; aber die Aufzeigung dieses wahrhaft

synthetischen Fortgehens, des sich selbst producirenden Begriffs, hat

Kant sich erspart, zu leisten.

Bekanntlich wird die _Arithmetik_ und die allgemeineren

_Wissenschaften der diskreten Größe_ vorzugsweise _analytische

Wissenschaft_ und _Analysis_ genannt. Die Erkenntnißweise derselben

ist in der That am immanentesten analytisch und es ist kürzlich zu

betrachten, worauf sich dieß gründet.--Das sonstige analytische

Erkennen fängt von einem konkreten Stoffe an, der eine zufällige

Mannigfaltigkeit an sich hat; aller Unterschied der Inhalts und das

Fortgehen zu weiterem Inhalt hängt von demselben ab. Der

arithmetische und algebraische Stoff dagegen ist ein schon ganz

abstrakt und unbestimmt Gemachtes, an dem alle Eigenthümlickeit des

Verhältnisses getilgt, dem somit nun jede Bestimmung und Verknüpfung

ein Äußerliches ist. Ein solches ist das Princip der diskreten

Größe, das _Eins_. Dieß verhältnißlose Atome kann zu einer

_Vielheit_ vermehrt und äußerlich zu einer Anzahl bestimmt und

vereinigt werden, dieses Vermehren und Begrenzen ist ein leeres

Fortgehen und Bestimmen, welches bei demselben Princip des abstrakten

Eins stehen bleibt. Wie die _Zahlen_ ferner zusammengefaßt und

getrennt werden, hängt allein von dem Setzen des Erkennenden ab. Die

_Größe_ ist überhaupt die Kategorie, innerhalb welcher diese

Bestimmungen gemacht werden;--was die _gleichgültig_ gewordenen

Bestimmtheit ist, so daß der Gegenstand keine Bestimmtheit hat,

welche ihm immanent, also dem Erkennen _gegeben_ wäre. Insofern sich

das Erkennen zunächst eine zufällige Verschiedenheit von Zahlen

gegeben hat, so machen sie nun den Stoff für eine weitere Bearbeitung

und mannigfaltige Verhältnisse aus. Solche Verhältnisse, deren

Erfindung und Bearbeitung, scheinen zwar nichts dem analytischen

Erkennen Immanentes, sondern ein Zufälliges und Gegebenes zu seyn;

wie denn auch diese Verhältnisse und die sich auf sie beziehenden

Operationen gewöhnlich _nacheinander_ als _verschiedene_ ohne

Bemerkung eines innern Zusammenhanges vorgetragen werden. Allein es

ist leicht, ein fortleitendes Princip zu erkennen, und zwar ist es

das Immanente der analytischen Identität, die am Verschiedenen als

_Gleichheit_ erscheint; der Fortschritt ist die Reduktion des

Ungleichen auf immer größere Gleichheit. Um ein Beispiel an den

ersten Elementen zu geben, so ist die Addition das Zusammenfassen

ganz zufällig _ungleicher_ Zahlen, die Multiplikation dagegen von

_gleichen_, worauf noch das Verhältniß der _Gleichheit_ von der

_Anzahl_ und der _Einheit_ folgt, und das Potenzen-Verhältniß

eintritt.

Weil nun die Bestimmtheit des Gegenstandes und der Verhältnisse eine

_gesetzte_ ist, so ist die weitere Operation mit ihnen auch ganz

analytisch, und die analytische Wissenschaft hat daher nicht sowohl

_Lehrsätze_, als _Aufgaben_. Der anlytische Lehrsatz enthält die

Aufgabe schon für sich selbst als gelöst, und der ganz äußerliche

Unterschied, der den beiden Seiten, die er gleich setzt, zukommt, ist

so unwesentlich, daß ein solcher Lehrsatz als eine triviale Identität

erscheinen würde. Kant hat zwar den Satz 5+7=12 für einen

_synthetischen_ Satz erklärt, weil auf einer Seite Dasselbe, in der

Form von Mehreren, von 5 und 7, auf der anderen in der Form von Einem,

von 12, dargestellt ist. Allein wenn das Analytische nicht das

abstrakt Identische und Tautologische 12=12 bedeuten und ein Fortgang

in demselben überhaupt seyn soll, so muß irgend ein Unterschied

vorhanden seyn, jedoch ein solcher, der sich auf keine Qualität,

keine Bestimmtheit der Reflexion und noch weniger des Begriffs

gründet. 5+7 und 12 sind durchaus ganz derselbe Inhalt; in jener

Seite ist auch die _Forderung_ ausgedrückt, daß 5 und 7 in _Einen_

Ausdruck zusammengefaßt, das heißt, daß wie fünf ein

Zusammengezähltes ist, wobei das Abbrechen ganz willkürlich war, und

ebenso gut weiter gezählt werden konnte, nun auf dieselbe Weise

fortgezählt werden soll mit der Bestimmung, daß die hinzuzusetzenden

Eins sieben seyn sollen. Das 12 ist also ein Resultat von 5 und 7

und von einer Operation, welche schon gesetzt, ihrer Natur nach auch

ein ganz äußerliches, gedankenloses Thun ist, daß es daher auch eine

Maschine verrichten kann. Hier ist im Geringsten kein Übergang zu

einem _Andern_; es ist ein bloßes Fortsetzen, d. h. _Wiederholen_

derselben Operation, durch welche 5 und 7 entstanden ist.

Der _Beweis_ eines solchen Lehrsatzes,--einen solchen erforderte er,

wenn er ein synthetischer Satz wäre--würde nur in der Operation des

durch 7 bestimmten Fortzählens von 5 an, und in dem Erkennen der

Übereinstimmung dieses Fortgezählten mit dem bestehen, was man sonst

12 nennt, und was wieder weiter nichts, als eben jenes bestimmte

Fortzählen selbst ist. Statt der Form der Lehrsätze wählt man daher

sogleich die Form der _Aufgabe, der Forderung_ der Operation, nämlich

das Aussprechen nur der _Einen_ Seite von der Gleichung, die den

Lehrsatz ausmachen würde, und deren andere Seite nun gefunden werden

soll. Die Aufgabe enthält den Inhalt, und giebt die bestimmte

Operation an, die mit ihm vorgenommen werden soll. Die Operation ist

durch keinen spröden, mit specifischen Verhältnissen begabten Stoff

beschränkt, sondern ein äußerliches, subjektives Thun, dessen

Bestimmungen der Stoff gleichgültig annimmt, an welchem sie gesetzt

werden. Der ganze Unterschied der in der Aufgabe gemachten

Bedingungen und des Resultates in der _Auflösung_ ist nur der, daß in

diesem _wirklich_ auf die bestimmte Weise vereinigt oder getrennt ist,

wie in jener angegeben war.

Es ist daher ein höchst überflüssiges Gerüste, hier die Form der

geometrischen Methode, welche sich auf synthetische Sätze bezieht,

anzuwenden und der Aufgabe außer der _Auflösung_ auch noch einen

_Beweis_ folgen zu lassen. Er kann nichts als die Tautologie

ausdrücken, daß die Auflösung richtig ist, weil man operirt hat, wie

aufgegeben war. Wenn die Aufgabe ist, man soll mehrere Zahlen

addiren; so ist die Auflösung: man addire sie; der Beweis zeigt, daß

die Auflösung richtig ist, darum weil aufgegeben war zu addiren, und

man addirt hat. Wenn die Aufgabe zusammengesetztere Bestimmungen und

Operationen, z.B. etwa Decimal-Zahlen zu multipliciren enthält, und

die Auflösung giebt nichts, als das mechanische Verfahren an, so wird

wohl ein Beweis nöthig; dieser aber kann weiter nichts seyn, als die

Analyse jener Bestimmungen und der Operation, woraus die Auflösung

von selbst hervorgeht. Durch diese Absonderung der _Auflösung_ als

eines mechanischen Verfahrens, und des _Beweises_ als der

Rückerinnerung an die Natur des zu behandelnden Gegenstandes und der

Operation selbst, geht gerade der Vortheil der analytischen Aufgabe

verloren, daß nämlich die _Konstruktion_ unmittelbar aus der Aufgabe

abgeleitet, und daher an und für sich als _verständig_ dargestellt

werden kann; auf die andere Weise wird der Konstruktion ausdrücklich

ein Mangel gegeben, welcher der synthetischen Methode eigen ist.--In

der höhern Analysis, wo mit dem Potenzen-Verhältnisse Verhältnisse

vornehmlich qualitative und von Begriffsbestimmtheiten abhängende

Verhältnisse der diskreten Größen eintreten, enthalten die Aufgaben

und Lehrsätze allerdings wohl synthetische Bestimmungen; es müssen

daselbst _andere_ Bestimmungen und Verhältnisse zu Mittelgliedern

genommen werden, als _unmittelbar_ durch die Aufgabe oder den

Lehrsatz _angegeben_ sind. Übrigens müssen auch diese zu Hülfe

genommenen Bestimmungen von der Art seyn, daß sie in der

Berücksichtigung und Entwickelung einer Seite der Aufgabe oder des

Lehrsatzes gegründet sind; das synthetische Aussehen kommt allein

daher, daß die Aufgabe oder der Lehrsatz diese Seite nicht selbst

schon nahmhaft macht.--Die Aufgabe, z.B. die Summe der Potenzen der

Wurzeln einer Gleichung zu finden, wird durch die Betrachtung und

dann Verknüpfung der Funktionen gelöst, welche die Koefficienten der

Gleichung von den Wurzeln sind. Die hier zu Hülfe genommene

Bestimmung der Funktionen der Koefficienten und deren Verknüpfung ist

nicht in der Aufgabe schon ausgedrückt, übrigens ist die Entwickelung

selbst ganz analytisch. So ist die Auflösung der Gleichung x[hoch

(m-1)]=0 mit Hülfe der Sinus, auch die immanente bekanntlich durch

Gauß gefundene algebraische Auflösung mit Hülfe der Betrachtung des

_Residuums_ von x[hoch (m-1)]-1 durch m dividirt, und der sogenannten

primitiven Wurzeln,--eine der wichtigsten Erweiterungen der Analysis

der neueren Zeit,--eine synthetische Auflösung, weil die zu Hülfe

genommenen Bestimmungen, die Sinus oder die Betrachtung der Residuen,

nicht eine Bestimmung der Aufgabe selbst ist.

Über die Natur der Analysis, welche sogenannte unendliche

Differenzen veränderlicher Größen betrachtet, der Differential- und

Integral-Rechnung, ist im _ersten Theile_ dieser Logik ausführlicher

gehandelt worden. Daselbst wurde gezeigt, daß hier eine qualitative

Größenbestimmung zu Grunde liegt, welche allein durch den Begriff

gefaßt werden kann. Der Übergang zu derselben von der Größe als

solcher ist nicht mehr analytisch; die Mathematik hat daher bis

diesen Tag nicht dahin kommen können, die Operationen, welche auf

jenem Übergange beruhen, durch sich selbst, d. h. auf mathematische

Weise, zu rechtfertigen, weil er nicht mathematischer Natur ist.

_Leibnitz_, dem der Ruhm zugeschrieben wird, die Rechnung mit den

unendlichen Differenzen zu einem _Calcul_ geschaffen zu haben, hat,

wie ebendaselbst angeführt worden, den Übergang auf eine Art gemacht,

welche die unzulänglichste, ebenso völlig begrifflos als

unmathematisch, ist; den Übergang aber einmal vorausgesetzt,--und er

im gegenwärtigen Stande der Wissenschaft mehr nicht als eine

Voraussetzung,--so ist der weitere Verfolg allerdings nur eine Reihe

gewöhnlicher analytischer Operationen.

Es ist erinnert worden, daß die Analysis synthetisch wird, insofern

sie auf _Bestimmungen_ kommt, welche nicht mehr durch die Aufgaben

selbst _gesetzt_ sind. Der allgemeine Übergang aber vom

analytischen zum synthetischen Erkennen liegt in dem nothwendigen

Übergange von der Form der Unmittelbarkeit zur Vermittelung, der

abstrakten Identität zum Unterschiede. Das Analytische bleibt in

seiner Thätigkeit bei den Bestimmungen überhaupt stehen, insofern sie

sich auf sich selbst beziehen; durch ihre _Bestimmtheit_ aber sind

sie wesentlich auch von dieser Natur, daß sie sich auf _ein Anderes

beziehen_. Es ist schon erinnert worden, daß wenn das analytische

Erkennen auch an Verhältnissen fortgeht, die nicht ein äußerlich

gegebener Stoff, sondern Gedankenbestimmungen sind, so bleibt es doch

analytisch, insofern für dasselbe auch diese Verhältnisse _gegebene_

sind. Weil aber die abstrakte Identität, welche dieß Erkennen allein

als das seinige weiß, wesentlich _Identität des Unterschiedenen_ ist,

so muß sie auch als solche die seinige seyn, und für den subjektiven

Begriff auch der _Zusammenhang_ als durch ihn gesetzt und mit ihm

identisch werden.

b. Das synthetische Erkennen.

Das analytische Erkennen ist die erste Prämisse des ganzen Schlusses,

--die _unmittelbare_ Beziehung des Begriffs auf das Objekt, die

_Identität_ ist daher die Bestimmung, welche es als die seinige

erkennt, und es ist nur das _Auffassen_ dessen, was ist. Das

synthetische Erkennen geht auf das _Begreifen_ dessen, was ist, das

heißt, die Mannigfaltigkeit von Bestimmungen in ihrer Einheit zu

fassen. Es ist daher die zweite Prämisse des Schlusses, in welchem

das _Verschiedene_ als solches bezogen wird. Sein Ziel ist deswegen

die _Nothwendigkeit_ überhaupt.--Die Verschiedenen, welche verbunden

sind, sind es Theils in einem _Verhältnisse_; in solchem sind sie

ebenso wohl bezogen, als gleichgültig und selbstständig gegeneinander;

Theils aber sind sie im _Begriffe_ verknüpft, dieser ist ihre

einfache, aber bestimmte Einheit. Insofern nun das synthetische

Erkennen zunächst von der _abstrakten Identität_ zum _Verhältnisse_,

oder vom _Seyn_ zur _Reflexion_ übergeht, so ist es nicht die

absolute Reflexion des Begriffes, welche der Begriff in seinem

Gegenstande erkennt; die Realität, welche er sich giebt, ist die

nächste Stufe, nämlich die angegebene Identität der Verschiedenen als

solcher, die daher zugleich noch _innere_ und nur Nothwendigkeit,

nicht die subjektive, für sich selbst seyende, daher noch nicht der

Begriff als solcher ist. Das synthetische Erkennen hat daher wohl

auch die Begriffsbestimmungen zu seinem Inhalt, das Objekt wird in

denselben gesetzt; aber sie stehen erst im _Verhältnisse_ zu einander,

oder sind in _unmittelbarer_ Einheit, aber damit eben nicht in

derjenigen, wodurch der Begriff als Subjekt ist. Dieß macht die

Endlichkeit dieses Erkennens aus; weil diese reelle Seite der Idee in

ihm noch die Identität als _innere_ hat, so sind deren Bestimmungen

sich noch als _äußerliche_; da sie nicht als Subjektivität ist, so

fehlt dem Eigenen, das der Begriff in seinem Gegenstande hat, noch

die _Einzelnheit_, und es ist zwar nicht mehr die abstrakte, sondern

die _bestimmte_ Form, also das _Besondere_ des Begriffes, was ihm im

Objekte entspricht, aber das _Einzelne_ desselben ist noch _ein

gegebener_ Inhalt. Dieß Erkennen verwandelt die objektive Welt daher

zwar in Begriffe, aber giebt ihr nur die Form nach den

Begriffsbstimmungen, und muß das Objekt nach seiner _Einzelnheit_,

der bestimmten Bestimmtheit, _finden_; es ist noch nicht selbst

bestimmend. Ebenso _findet_ es Sätze und Gesetze, und beweist deren

_Nothwendigkeit_, aber nicht als eine Nothwendigkeit der Sache an und

für sich selbst, d. i. aus dem Begriffe, sondern des Erkennens, das

an den gegebenen Bestimmungen, den Unterschieden der Erscheinung

fortgeht, und _für sich_ den Satz als Einheit und Verhältniß, oder

aus der _Erscheinung_ deren Grund erkennt.

Die näheren Momente des synthetischen Erkennens sind nun zu

betrachten.

Wissenschaft der Logik — Band 2 · 第 20 / 23 题