auf welchen der Begriff und die Bestimmung der Logik überhaupt zu
betrachten ist, und der in der kantischen Philosophie auf die gleiche
Weise, wie insgemein genommen wird; das _Verhältniß_ nämlich des
_Begriffs_ und _seiner Wissenschaft_ zur _Wahrheit_ selbst. Es ist
vorhin aus der kantischen Deduktion der Kategorien angeführt worden,
daß nach derselben das _Objekt_, als in welchem das Mannigfaltige der
Anschauung _vereinigt_ ist, nur diese Einheit ist _durch die Einheit
des Selbstbewußtseyns_. Die _Objektivität des Denkens_ ist also hier
bestimmt ausgesprochen, eine Identität des Begriffs und des Dinges,
welche _die Wahrheit_ ist. Auf gleiche Weise wird auch insgemein
zugegeben, daß, indem das Denken einen gegebenen Gegenstand sich
aneignet, dieser dadurch eine Veränderung erleidet, und aus einem
sinnlichen zu einem gedachten gemacht werde; daß aber diese
Veränderung nicht nur nichts an seiner Wesentlichkeit ändere, sondern
daß er vielmehr erst in seinem Begriffe in seiner _Wahrheit_; in der
Unmittelbarkeit, in welcher er gegeben ist, aber nur _Erscheinung_
und _Zufälligkeit_, daß die Erkenntniß des Gegenstandes, welche ihn
begreift, die Erkenntniß desselben, wie er _an und für sich_ ist, und
der Begriff seine Objektivität selbst sey. Auf der andern Seite wird
aber ebenso wieder behauptet, _wir können die Dinge doch nicht
erkennen_, _wie sie an und für sich seyen_, und die _Wahrheit_ sey
für _die erkennende Vernunft unzugänglich_; jene Wahrheit, welche in
der Einheit des Objekts und des Begriffs besteht, sey doch nur
Erscheinung; und zwar nun wieder aus dem Grunde, weil der Inhalt nur
das Mannigfaltige der Anschauung sey. Es ist hierüber schon daran
erinnert worden, daß eben im Begriffe vielmehr diese Mannigfaltigkeit,
insofern sie der Anschauung im Gegensatze gegen den Begriff angehört,
aufgehoben werde, und der Gegenstand durch den Begriff in seine
nicht zufällig Wesenheit zurückgeführt sey; diese tritt in die
Erscheinung, darum eben ist die Erscheinung nicht bloß ein Wesenloses,
sondern Manifestation des Wesens. Die aber ganz frei gewordene
Manifestation desselben ist der Begriff.--Diese Sätze, an welche hier
erinnert wird, sind darum keine dogmatische Assertionen, weil sich
aus der ganzen Entwickelung des _Wesens_ durch sich selbst
hervorgegangene Resultate sind. Der jetzige Standpunkt, auf welchen
diese Entwickelung geführt hat, ist, daß die Form des _Absoluten_,
welche höher als Seyn und Wesen der _Begriff_ ist. Indem er nach
dieser Seite, Seyn und Wesen, wozu auch bei anderen Ausgangspunkten
Gefühl und Anschauung und Vorstellung gehören, und welche als seine
vorangehenden Bedingungen erschienen, _sich unterworfen_ und sich
_als ihren unbedingten Grund_ erwiesen hat, so ist nun noch die
_zweite Seite_ übrig, deren Abhandlung dieses dritte Buch der Logik
gewidmet ist, die Darstellung nämlich, wie er die Realität, welche in
ihm verschwunden, in und aus sich bildet. Es ist daher allerdings
zugegeben worden, daß die Erkenntniß, welche nur bei dem Begriff rein
als solchem steht, noch unvollständig ist und nur erst zur
_abstrakten Wahrheit_ gekommen ist. Aber ihre Unvollständigkeit
liegt nicht darin, daß sie jener vermeintlichen Realität, die im
Gefühl und Anschauung gegeben sey, entbehre; sondern daß der Begriff
noch nicht seine _eigene_ aus ihm selbst erzeugte Realität sich
gegeben hat. Darin besteht die gegen und an dem empirischen Stoff
und genauer an seinen Kategorien und Reflexions-Bestimmungen
erwiesene Absolutheit des Begriffes, daß derselbe nicht, wie er
_außer_ und _vor_ dem Begriffe erscheint, _Wahrheit_ habe, sondern
allein in seiner Idealität, oder Identität mit dem Begriffe. Die
_Herleitung_ des Reellen aus ihm, wenn man es Herleitung nennen will,
besteht zunächst wesentlich darin, daß der Begriff in seiner
formellen Abstraktion sich als unvollendet zeigt, und durch die in
ihm selbst gegründete Dialektik zur Realität so übergeht, daß er sie
aus sich erzeugt, aber nicht, daß er zu einer fertigen, ihm gegenüber
gefundenen Realität wieder zurückfällt, und zu etwas, das sich als
das Unwesentliche der Erscheinung kund gethan, seine Zuflucht nimmt,
weil er, nachdem er sich um ein Besseres umgesehen, doch dergleichen
nicht gefunden habe.--Es wird immer als etwas Verwundernswürdiges
ausgezeichnet werden, wie die kantische Philosophie dasjenige
Verhältniß des Denkens zum sinnlichen Daseyn, bei dem sie stehen
blieb, für ein nur relatives Verhältniß der bloßen Erscheinung
erkannte, und eine höhere Einheit beider in der _Idee_ überhaupt, und
z.B. in der Idee eines anschauenden Verstandes sehr wohl anerkannte
und aussprach, doch bei jenem relativen Verhältnisse und bei der
Behauptung stehen geblieben ist, daß der Begriff schlechthin von der
Realität getrennt sey und bleibe,--somit als die _Wahrheit_ dasjenige
behauptete, was sie als endliche Erkenntniß aussprach, und das für
überschwenglich, unerlaubt und für Gedankendinge erklärte, was sie
als _Wahrheit_ erkannte, und wovon sie den bestimmten Begriff
aufstellte.
Indem es zunächst hier die _Logik_, die Wissenschaft überhaupt ist,
von derem Verhältnisse zur Wahrheit die Rede ist, so muß ferner noch
zugegeben werden, daß jene als die _formelle Wissenschaft_ nicht auch
diejenige Realität enthalten können und solle, welche der Inhalt
weiterer Theile der Philosophie, der _Wissenschaften der Natur und
des Geistes_, ist. Diese konkreten Wissenschaften treten allerdings
zu einer reellern Form der Idee heraus als die Logik, aber zugleich
nicht so, daß sie zu jener Realität sich wieder umwendeten, welche
das über seine Erscheinung zu Wissenschaft erhobene Bewußtseyn
aufgegeben, oder auch zum Gebrauch von Formen, wie die Kategorien und
Reflexions-Bestimmungen sind, deren Endlichkeit und Unwahrheit sich
in der Logik dargestellt hat, wieder zurückkehrten. Vielmehr zeigt
die Logik die Erhebung der _Idee_ zu der Stufe, von daraus sie die
Schöpferin der Natur wird und zur Form einer _konkreten
Unmittelbarkeit_ überschreitet, deren Begriff aber auch diese Gestalt
wieder zerbricht, um zu sich selbst, als _konkreter Geist_, zu werden.
Gegen diese konkreten Wissenschaften, welche aber das Logische oder
den Begriff zum innern Bildner haben und behalten, wie sie es zum
Vorbildner hatten, ist die Logik selbst allerdings die _formelle_
Wissenschaft, aber die Wissenschaft der _absoluten Form_, welche in
sich Totalität ist, und die _reine Idee der Wahrheit selbst_ enthält.
Diese absolute Form hat an ihr selbst ihren Inhalt oder Realität;
der Begriff, indem er nicht die triviale, leere Identität ist, hat in
dem Momente seiner Negativität oder des absoluten Bestimmens die
unterschiedenen Bestimmungen; der Inhalt ist überhaupt nichts Anderes
als solche Bestimmungen der absoluten Form; der durch sie selbst
gesetzte, und daher auch ihr angemessene Inhalt.--Diese Form ist
darum auch von ganz anderer Natur, als gewöhnlich die logische Form
genommen wird. Sie ist schon _für sich selbst die Wahrheit_, indem
dieser Inhalt seiner Form, oder diese Realität ihrem Begriffe
angemessen ist, und die _reine Wahrheit_, weil dessen Bestimmungen
noch nicht die Form eines absoluten Andersseyns oder der absoluten
Unmittelbarkeit haben.--Kant, indem er Kr. der r. Vern. S. 83 in
Beziehung auf die Logik, auf die alte und berühmte Frage: _Was die
Wahrheit sey?_ zu reden kommt, _schenkt_ vor's Erste als etwas
Triviales die Namenerklärung, daß sie die Übereinstimmung der
Erkenntniß mit ihrem Gegenstande sey;--eine Definition, die von
großem, ja von dem höchsten Werthe ist. Wenn man sich derselben bei
der Grundbehauptung des transcendentalen Idealismus erinnert, daß die
_Vernunfterkenntniß_ die _Dinge an sich zu_ erfassen nicht vermögend
sey, daß die _Realität schlechthin_ außer _dem Begriffe_ liege, so
zeigt sich sogleich, daß eine solche _Vernunft_, die sich mit ihrem
Gegenstande, den Dingen an sich, _nicht in Übereinstimmung zu
stezen_ vermag, und die _Dinge an sich_, die nicht mit dem
Vernunftbegriffe, der Begriff, der nicht mit der Realität, eine
Realität, die nicht mit dem Begriffe in Übereinstimmung ist,
_unwahre Vorstellungen_ sind. Wenn Kant die Idee eines _anschauenden
Verstandes_ an jene Definition der Wahrheit gehalten hätte, so würde
er diese Idee, welche die geforderte Übereinstimmung ausdrückt,
nicht als ein Gedankending, sondern vielmehr als Wahrheit behandelt
haben.
"Das, was man zu wissen verlange, giebt Kant ferner an, sey ein
_allgemeines_ und _sicheres Kriterium der Wahrheit einer jeden
Erkenntniß_; es würde ein solches seyn, welches von allen
Erkenntnissen, _ohne Unterschied ihrer Gegenstände_, gültig wäre; da
man aber bei demselben _von allem Inhalt_ der Erkenntniß (_Beziehung
auf ihr Objekt) abstrahiert_, und _Wahrheit gerade diesen Inhalt_
angeht, so würde es ganz _unmöglich_ und _ungereimt_ seyn, nach einem
Merkmal der _Wahrheit dieses Inhaltes_ der Erkenntnisse zu fragen.
"--Es ist hier die gewöhnliche Vorstellung von der formellen Funktion
der Logik sehr bestimmt ausgedrückt, und das angeführte Raisonnement
scheint sehr einleuchtend zu seyn. Vor's Erste aber ist zu bemerken,
daß es solchem formellen Raisonnement gewöhnlich so geht, in seinem
Reden die Sache zu vergessen, die es zur Grundlage gemacht und von
der es spricht. Es würde ungereimt seyn, heißt es, nach einem
Kriterium der _Wahrheit des Inhalts_ der Erkenntniß zu fragen; --aber
nach der Definition macht nicht der _Inhalt_ die Wahrheit aus,
sondern die _Übereinstimmung_ desselben mit dem Begriffe. Ein
Inhalt, wie von ihm hier gesprochen wird, _ohne den Begriff_, ist ein
Begriffloses, somit Wesenloses; nach dem Kriterium der Wahrheit eines
solchen kann freilich nicht gefragt werden, aber aus dem
entgegengesetzten Grunde; darum nämlich nicht, weil er um seiner
Begrifflosigkeit willen nicht die _geforderte Übereinstimmung_ ist,
sondern weiter nichts als ein der wahrheitslosen Meinung Angehöriges
seyn kann.--Lassen wir die Erwähnung des Inhalts bei Seite, der hier
die Verwirrung verursacht, in welche aber der Formalismus jedesmal
verfällt, und die ihn das Gegentheil dessen sagen läßt, was er
vorbringen will, so oft er sich auf Erläuterung einläßt, und bleiben
bei der abstrakten Ansicht stehen, daß das Logische nur formell sey,
und von allem Inhalt vielmehr abstrahire;--so haben wir eine
einseitige Erkenntniß, welche keinen Gegenstand enthalten soll, eine
leere, bestimmungslose Form, die also ebenso wenig eine
_Übereinstimmung_, da zur Übereinstimmung wesentlich _Zwei_ gehören,
--ebenso wenig Wahrheit ist.--An der a priorischen _Synthesis_ des
Begriffs hatte Kant ein höheres Princip, worin die Zweiheit in der
Einheit, somit dasjenige erkannt werden konnte, was zur Wahrheit
gefordert wird; aber der sinnliche Stoff, das Mannigfaltige der
Anschauung war ihm zu mächtig, um davon weg zur Betrachtung des
Begriffs und der Kategorien _an und für sich_, und zu einem
spekulativen Philosophiren kommen zu können.
Indem die Logik Wissenschaft der absoluten Form ist, so muß dieß
Formelle, _damit es ein Wahres seye_, an ihm selbst einen _Inhalt_
haben, welcher seiner Form gemäß sey, und um so mehr, da das logische
Formelle die reine Form, also das logische Wahre, die _reine
Wahrheit_ selbst seyn muß. Dieses Formelle muß daher in sich viel
reicher an Bestimmungen und Inhalt, so wie auch von unendlich
größerer Wirksamkeit auf das Konkrete gedacht werden, als es
gewöhnlich genommen wird. Die logischen Gesetze für sich (das
ohnehin Heterogene, die angewandte Logik und übrige psychologische
und anthropologische Material weggerechnet) werden gewöhnlich außer
dem Satze des Widerspruchs auf einige dürftige Sätze, die Umkehrung
der Urtheile, und die Formen der Schlüsse betreffend, beschränkt.
Die selbst hierbei vorkommenden Formen, so wie weitere Bestimmungen
derselben werden nur gleichsam historisch aufgenommen, nicht der
Kritik, ob sie an und für sich ein Wahres sehen, unterworfen. So
gilt z.B. die Form des positiven Urtheils für etwas an sich völlig
Richtiges, wobei es ganz allein auf den Inhalt ankomme, ob ein
solches Urtheil wahr sey. Ob diese Form _an und für sich_ eine Form
der Wahrheit, ob der Satz, den sie ausspricht, _das Einzelne ist ein
Allgemeines_, nicht in sich dialektisch sey, an diese Untersuchung
wird nicht gedacht. Es wird geradezu dafür gehalten, daß dieß
Urtheil für sich fähig, Wahrheit zu enthalten, und jener Satz, den
jedes positive Urtheil ausspricht, ein wahrer sey; obschon
unmittelbar erhellt, daß ihn dasjenige fehlt, was die Definition der
Wahrheit fordert, nämlich die Übereinstimmung des Begriffs und
seines Gegenstandes; das Prädikat, welches hier das Allgemeine ist,
als den Begriff, das Subjekt, welches das Einzelne ist, als den
Gegenstand genommen, so stimmt das eine mit dem andern nicht überein.
Wenn aber das _abstrakte Allgemeine_, welches das Prädikat ist, noch
nicht einen Begriff ausmacht, als zu welchem allerdings mehr gehört;
--so wie auch solches Subjekt noch nicht viel weiter als ein
grammatisches ist, wie sollte das Urtheil Wahrheit enthalten können,
da sein Begriff und Gegenstand nicht übereinstimmen, oder ihm der
Begriff, wohl auch der Gegenstand, gar fehlt?--Dieß ist daher
vielmehr das _Unmögliche_ und _Ungereimte_, in dergleichen Formen,
wie ein positives Urtheil und wie das Urtheil überhaupt ist, die
Wahrheit fassen zu wollen. So wie die kantische Philosophie die
Kategorien nicht an und für sich betrachtete, sondern sie nur aus dem
schiefen Grunde, weil sie subjektive Formen des Selbstbewußtseyns
seyen, für endliche Bestimmungen, die das Wahre zu enthalten unfähig
seyen, erklärte, so hat sie noch weniger die Formen des Begriffs,
welche der Inhalt der gewöhnlichen Logik sind, der Kritik unterworfen;
sie hat vielmehr einen Theil derselben, nämlich die Funktionen der
Urtheile für die Bestimmung der Kategorie aufgenommen, und sie als
gültige Voraussetzungen gelten lassen. Soll in den logischen Formen
auch weiter nichts gesehen werden, als formelle Funktionen des
Denkens, so wären sie schon darum der Untersuchung, in wiefern sie
für sich der _Wahrheit_ entsprechen, würdig. Eine Logik, welche dieß
nicht leistet, kann höchstens auf den Werth einer naturhistorischen
Beschreibung der Erscheinungen des Denkens, wie sie sich vorfinden,
Anspruch machen. Es ist ein unendliches Verdienst des _Aristoteles_,
welches uns mit der höchsten Bewunderung für die Stärke dieses
Geistes erfüllen muß, diese Beschreibung zuerst unternommen zu haben.
Aber es ist nöthig, daß weiter gegangen, und Theils der
systematische Zusammenhang, Theils aber der Werth der Formen erkannt
werde.
Eintheilung.
Der Begriff zeigt sich obenhin betrachtet als die Einheit des _Seyns_
und _Wesens_. Das Wesen ist die _erste Negation_ des Seyns, das
dadurch zum _Schein_ geworden ist, der Begriff ist die _zweite_, oder
die Negation dieser Negation; also das wiederhergestellte Seyn, aber
als die unendliche Vermittlung und Negativität desselben in sich
selbst.--_Seyn_ und _Wesen_ haben daher im Begriffe nicht mehr die
Bestimmung, in welcher sie als _Seyn_ und _Wesen_ sind, noch sind sie
nur in solcher Einheit, daß jedes in dem andern _scheine_. Der
Begriff unterscheidet sich daher nicht in diese Bestimmungen. Er ist
die Wahrheit des substantiellen Verhältnisses, in welchem Seyn und
Wesen ihre erfüllte Selbstständigkeit und Bestimmung durch einander
erreichen. Als die Wahrheit der Substantialität erwies sich die
_substantielle Identität_, welche ebenso sehr und nur als das
_Gesetztseyn_ ist. Das Gesetztseyn ist das _Daseyn_ und
_Unterscheiden_; das An- und Fürsichseyn hat daher im Begriffe ein
sich gemäßes und wahres Daseyn erreicht, denn jenes Gesetztseyn ist
das An- und Fürsichseyn selbst. Dieß Gesetztseyn macht den
Unterschied des Begriffes in ihm selbst aus, seine _Unterschiede_,
weil sie unmittelbar das An- und Fürsichseyn ist, sind selbst _der
ganze Begriff; in ihrer Bestimmtheit allgemeine, und identisch mit
ihrer Negation_.
Dieß ist nun der Begriff selbst des Begriffes. Aber es ist _nur
erst_ sein Begriff;--oder er ist selbst auch _nur_ der Begriff. Weil
er das An- und Fürsichseyn ist, insofern es Gesetztseyn ist, oder die
absolute Substanz, insofern sie die _Nothwendigkeit_ unterschiedener
Substanzen als _Identität_ offenbart, so muß diese Identität das, was
sie ist, selbstsetzen. Die Momente der Bewegung des
Substantialitäts-Verhältnisses, wodurch der Begriff _geworden_ ist,
und die dadurch dargestellte Realität ist erst im Übergange zum
Begriffe; sie ist noch nicht als _seine eigene_, aus ihm
hervorgegangene Bestimmung; sie fiel in die Sphäre der Nothwendigkeit,
die seinige kann nur seine _freie_ Bestimmung, ein Daseyn seyn, in
welchem er als identisch mit sich dessen Momente Begriffe und durch
ihn selbst _gesetzte_ sind.
_Zuerst_ ist also der Begriff nur _an sich_ die Wahrheit; weil er
_nur_ ein _Inneres_ ist, so ist er ebenso sehr _nur_ ein _Äußeres_.
Er ist _zuerst_ überhaupt ein _Unmittelbares_, und in dieser Gestalt
haben seine Momente die Form von _unmittelbaren, festen Bestimmungen_.
Er erscheint als der _bestimmte Begriff_, als die Sphäre des bloßen
_Verstandes_.--Weil diese Form der Unmittelbarkeit ein seiner Natur
noch nicht angemessenes Daseyn ist, da er das sich nur auf sich
selbst beziehende _Freie_ ist, so ist sie eine _äußerliche_ Form, in
der der Begriff nicht als An- und Fürsichseyendes, sondern als _nur
Gesetztes_ oder ein _Subjektives_ gelten kann.--Die Gestalt des
_unmittelbaren_ Begriffes macht den Standpunkt aus, nach welchem der
Begriff ein subjektives Denken, eine der _Sache_ äußerliche Reflexion
ist. Diese Stufe macht daher die _Subjektivität_ oder den _formellen
Begriff_ aus.
Die Äußerlichkeit desselben erscheint in dem _festen Seyn_ seiner
_Bestimmungen_, wodurch jede für sich als ein Isolirtes, Qualitatives
auftritt, das nur in äußerer Beziehung auf sein Anderes ist. Die
_Identität_ des Begriffes aber, die eben das _innere_ oder
_subjektive_ Wesen derselben ist, setzt sie in dialektische Bewegung,
durch welche sich ihre Vereinzelung und damit die Trennung des
Begriffs von der Sache aufhebt und als ihre Wahrheit die _Totalität_
hervorgeht, welche _der objektive Begriff_ ist.
_Zweitens_. Der Begriff in seiner _Objektivität_ ist die _an- und
fürsichseyende Sache selbst_. Durch seine nothwendige Fortbestimmung
macht der _formelle_ Begriff sich selbst zur Sache, und verliert
dadurch das Verhältniß der Subjektivität der aus seiner
_Innerlichkeit hervorgetretene_ und in das Daseyn übergangene _reale
Begriff_.--In dieser Identität mit der Sache hat er somit _eigenes_
und _freies_ Daseyn. Aber er ist dieß noch eine _unmittelbare_, noch
nicht _negative_ Freiheit. Eins mit der Sache ist er in sie
_versenkt_; seine Unterschiede sind objektive Existenzen, in denen er
selbst wieder das _Innere_ ist. Als die Seele des objektiven Daseyns
muß er _sich_ die Form der _Subjektivität geben_, die er als
_formeller_ Begriff _unmittelbar_ hatte; so tritt er _in der Form_
des Freien, die er in der Objektivität noch nicht hatte, ihr
gegenüber, und macht darin die Identität mit ihr, die er _an und für
sich als objektiver_ Begriff mit ihr hat, zu einer auch _gesetzten_.
In dieser Vollendung, worin er in seiner Objektivität ebenso die Form
der Freiheit hat, ist der _adäquate Begriff_ die _Idee_. Die
_Vernunft_, welche die Sphäre der Idee ist, ist die sich selbst
_enthüllte Wahrheit_, worin der Begriff die schlechthin ihm
angemessene Realisation hat, und insofern frei ist, als er diese
seine objektive Welt in seiner Subjektivität, und diese in jener
erkennt.
Erster Abschnitt. Die Subjektivität.
Der Begriff ist zuerst der _formelle_, der Begriff im _Anfang_ oder
der als _unmittelbarer_ ist.--In der unmittelbaren Einheit ist sein
Unterschied oder Gesetztseyn _zuerst_ zunächst selbst einfach und nur
_ein Schein_, so daß die Momente des Unterschiedes unmittelbar die
Totalität des Begriffes sind, und nur der _Begriff als solcher_ sind.
_Zweitens_ aber, weil er die absolute Negativität ist, so dirimirt er
sich, und setzt sich als das _Negative_ oder als das _Andere_ seiner
selbst; und zwar, weil er erst der _unmittelbare_ ist, hat dieß
Setzen oder Unterscheiden die Bestimmung, daß die Momente
_gleichgültig gegeneinander_ und jedes für sich wird; seine Einheit
ist in dieser _Theilung_ nur noch äußere _Beziehung_. So als
_Beziehung_ seiner als _selbstständig_ und _gleichgültig_ gesetzten
Momente ist er das _Urtheil_.
_Drittens_ das Urtheil enthält wohl die Einheit des in seine
selbstständigen Momente verlorenen Begriffs, aber sie ist nicht
_gesetzt_. Sie wird dieß durch die dialektische Bewegung des
Urtheils, das hierdurch der _Schluß_ geworden ist, zum vollständig
gesetzten Begriff; indem im Schluß ebenso wohl die Momente desselben
als _selbstständige_ Extreme, wie auch deren _vermittelnde Einheit_
gesetzt ist.
Indem aber _unmittelbar_ diese _Einheit_ selbst als die vereinigende
_Mitte_, und die _Momente als selbstständige_ Extreme zunächst
einander gegenüber stehen, so hebt dieß widersprechende Verhältniß,
das im _formalen Schlusse_ Statt findet, sich auf, und die
_Vollständigkeit_ des Begriffs geht in die Einheit der _Totalität_
über, die _Subjektivität_ des Begriffes in seine _Objektivität_.
Erstes Kapitel. Der Begriff.
Durch den _Verstand_ pflegt das Vermögen der Begriffe überhaupt
ausgedrückt zu werden, er wird insofern von der _Urtheilskraft_ und
dem Vermögen der Schlüsse, als der formellen _Vernunft_,
unterschieden. Vornehmlich aber wird er der _Vernunft_
entgegengesetzt; insofern aber bedeutet er nicht das Vermögen des
Begriffs überhaupt, sondern der _bestimmten_ Begriffe, wobei die
Vorstellung herrscht, als ob der Begriff _nur_ ein _Bestimmtes_ sey.
Wenn der Verstand in dieser Bedeutung von der formellen Urtheilskraft
und der formellen Vernunft unterschieden wird, so ist er als Vermögen
des _einzelnen_ bestimmten Begriffs zu nehmen. Denn das Urtheil und
der Schluß oder die Vernunft sind selbst, als Formales, nur ein
_Verständiges_, indem sie unter der Form der abstrakten
Begriffsbestimmtheit stehen. Der Begriff gilt aber hier überhaupt
nicht als bloß abstrakt-Bestimmtes; der Verstand ist daher von der
Vernunft nur so zu unterscheiden, daß jener nur das Vermögen des
Begriffes überhaupt sey.
Dieser allgemeine Begriff, der nun hier zu betrachten ist, enthält
die drei Momente: _Allgemeinheit, Besonderheit_ und _Einzelheit_.
Der Unterschied und die Bestimmungen, die er sich in dem
Unterscheiden giebt, machen die Seite aus, welche vorhin
_Gesetztseyn_ genannt wurde. Da dieses in dem Begriffe identisch mit
dem An- und Fürsichseyn ist, so ist jedes jener Momente so sehr
_ganzer_ Begriff, als _bestimmter Begriff_, und als _eine Bestimmung_
des Begriffs.
Zuerst ist er _reiner Begriff_, oder die Bestimmung der
_Allgemeinheit_. Der reine oder allgemeine Begriff ist aber auch nur
ein _bestimmter_, oder _besonderer_ Begriff, der sich auf die Seite
neben die anderen stellt. Weil der Begriff die Totalität ist, also
in seiner Allgemeinheit oder rein identischen Beziehung auf sich
selbst, wesentlich das Bestimmen und Unterscheiden ist, so hat er in
ihm selbst den Maaßstab, wodurch diese Form seiner Identität mit sich,
indem sie alle Momente durchdringt und in sich faßt, ebenso
unmittelbar sich bestimmt, _nur_ das _Allgemeine_ gegen die
Unterschiedenheit der Momente zu seyn.
_Zweitens_ ist der Begriff dadurch als dieser _besondere_ oder als
_bestimmte_ Begriff, welcher als gegen andere unterschieden gesetzt
ist.
_Drittens_ die _Einzelheit_ ist der aus dem Unterschiede in die
absolute Negativität sich reflektirende Begriff. Dieß ist zugleich
das Moment, worin er aus seiner Identität in sein _Andersseyn_
übergetreten ist, und zum _Urtheil_ wird.
A. Der allgemeine Begriff.
Der reine Begriff ist das absolut Unendliche, Unbedingte und Freie.
Es ist hier, wo die Abhandlung, welche den Begriff zu ihrem _Inhalte_
hat, beginnt, noch einmal nach seiner Genesis zurückzusehen. Das
_Wesen_ ist aus dem _Seyn_, und der Begriff aus dem Wesen, somit auch
aus dem _Seyn geworden._ Dieß Werden hat aber die Bedeutung des
_Gegenstoßes_ seiner selbst, so daß das _Gewordene_ vielmehr das
_Unbedingte_ und _Ursprüngliche_ ist. Das _Seyn_ ist in seinem
Übergange zum Wesen zu einem _Schein_ oder _Gesetztseyn_, und das
_Werden_ oder das Übergehen in _Anderes_ zu einem _Setzen_ geworden,
und umgekehrt hat das _Setzen_ oder die Reflexion des Wesens sich
aufgehoben und sich zu einem Nichtgesetzten, einem _ursprünglichen_
Seyn hergestellt. Der Begriff ist die Durchdringung dieser Momente,
daß das Qualitative, und ursprünglich-Seyende nur als Setzen und nur
als Rückkehr-in-sich ist, und diese reine Reflexion-in-sich
schlechthin das _Anderswerden_ oder die _Bestimmtheit_ ist, welche
ebenso daher unendliche, sich auf sich beziehende _Bestimmtheit_ ist.
Der Begriff ist daher zuerst so die _absolute Identität mit sich_,
daß sie dieß nur ist, als die Negation der Negation, oder als die
unendliche Einheit der Negativität mit sich selbst. Diese _reine
Beziehung_ des Begriffs auf sich, welche dadurch diese Beziehung ist,
als durch die Negativität sich setzend, ist die _Allgemeinheit_ des
Begriffs.
_Die Allgemeinheit_, das sie die höchst _einfache_ Bestimmung ist,
scheint keiner Erklärung fähig zu seyn; denn eine Erklärung muß sich
auf Bestimmungen und Unterscheidungen einlassen, und von ihrem
Gegenstand prädiciren, das Einfache aber wird hierdurch vielmehr
verändert, als erklärt. Es ist aber gerade die Natur des Allgemeinen,
ein solches Einfaches zu seyn, welches durch die absolute
Negativität den höchsten Unterschied und Bestimmtheit _in sich_
enthält. Das _Seyn_ ist einfaches, als _unmittelbares_; deswegen ist
es ein nur _Gemeintes_, und kann man von ihm nicht sagen, was es ist;
es ist daher unmittelbar eins mit seinem Andern, dem _Nichtseyn_.
Eben dieß ist sein Begriff, ein solches Einfaches zu seyn, das in
seinem Gegentheil unmittelbar verschwindet; er ist das _Werden_. Das
_Allgemeine_ dagegen ist das _Einfache_, welches ebenso sehr das
_Reichste in sich selbst_ ist; weil es der Begriff ist.
Es ist daher _erstens_ die einfach Beziehung auf sich selbst; es ist
nur in sich. Aber diese Identität ist _zweitens_ in sich absolute
_Vermittelung_; nicht aber ein _Vermitteltes_. Vom Allgemeine,
welches ein vermitteltes, nämlich das _abstrakte_, dem Besondern und
Einzelnen entgegengesetzte Allgemeine ist, ist erst bei dem
bestimmten Begriffe zu reden.--Aber auch schon das _Abstrakte_
enthält dieß, daß, um es zu erhalten, erfordert werde, andere
Bestimmungen des Konkreten _wegzulassen_. Diese Bestimmungen sind
als Determinationen überhaupt _Negationen_; ebenso ist ferner das
_Weglassen_ derselben ein _Negiren_. Es kommt also beim Abstrakten
gleichfalls die Negation der Negation vor. Diese gedoppelte Negation
aber wird vorgestellt, als ob sie demselben _äußerlich_ sey, und
sowohl die weggelassenen weiteren Eigenschaften des Konkreten von der
beibehaltenen, welche der Inhalt des Abstrakten ist, verschieden
seyen, als auch diese Operation des Weglassens der übrigen und des
Beibehaltens der einen, außer derselben vorgehe. Zu solcher
_Äußerlichkeit_ hat sich das Allgemeine gegen jene Bewegung noch
nicht bestimmt; es ist noch selbst in sich jene absolute Vermittelung,
welche eben die Negation der Negation oder absolute Negativität ist.
Nach dieser ursprünglichen Einheit ist vor's Erste das erste Negative
oder die _Bestimmung_ keine Schranke für das Allgemeine, sondern es
_erhält sich darin_, und ist positiv mit sich identisch. Die
Kategorien des Seyns waren, als Begriffe, wesentlich diese
Identitäten der Bestimmungen mit sich selbst, in ihrer Schranke oder
ihrem Andersseyn; diese Identität war aber nur _an sich_ der Begriff;
sie war noch nicht manifestirt. Daher die qualitative Bestimmung als
solche in ihrer andern unterging und eine von ihr _verschiedene_
Bestimmung zu ihrer Wahrheit hatte. Das Allgemeine hingegen, wenn es
sich auch in eine Bestimmung setzt, _bleibt_ es darin, was es ist.
Es ist die _Seele_ des Konkreten, dem es inwohnt, ungehindert und
sich selbst gleich in dessen Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit.
Es wird nicht mit in das _Werden_ gerissen, sonder _kontinuirt sich_
ungetrübt durch dasselbe, und hat die Kraft unveränderlicher,
unsterblicher Selbsterhaltung.
Ebenso _scheint_ es aber nicht nur in sein Anderes, wie die
Reflexions-Bestimmung. Diese als ein _Relatives_ bezieht sich nicht
nur auf sich, sondern ist ein _Verhalten. Sie giebt sich_ in ihrem
Andern _kund_; aber _scheint_ nur erst an ihm, und das Scheinen eines
jeden an dem Andern oder ihr gegenseitiges Bestimmen hat bei ihrer
Selbstständigkeit die Form eines äußerlichen Thuns.--Das _Allgemeine_
dagegen ist gesetzt als das _Wesen_ seiner Bestimmung, die _eigene
positive Natur_ derselben. Denn die Bestimmung, die sein Negatives
ausmacht, ist im Begriffe schlechthin nur als ein _Gesetztseyn_, oder
wesentlich nur zugleich als das Negative des Negativen, und sie ist
nur als diese Identität des Negativen mit sich, welche das Allgemeine
ist. Dieses ist insofern auch die _Substanz_ seiner Bestimmungen;
aber so, daß das, was für die Substanz als solche ein _Zufälliges_
war, die eigene _Vermittelung_ des Begriffes mit sich selbst, seine
eigene _immanente Reflexion_ ist. Diese Vermittelung, welche das
Zufällige zunächst zur _Nothwendigkeit_ erhebt, ist aber die
_manifestirte_ Beziehung; der Begriff ist nicht der Abgrund der
formlosen Substanz, oder die Nothwendigkeit, als die _innere_
Identität von einander verschiedener und sich beschränkender Dinge
oder Zustände, sondern als absolute Negativität das Formirende und
Erschaffende, und weil die Bestimmung nicht als Schranke, sondern
schlechthin so sehr als aufgehobene, als Gesetztseyn ist, so ist der
Schein die Erscheinung als _des Identischen_.
Das Allgemeine ist daher die _freie_ Macht; es ist es selbst und
greift über sein Anderes über; aber nicht als ein _Gewaltsames_,
sondern das vielmehr in demselben ruhig und _bei sich selbst_ ist.
Wie es die freie Macht genannt worden, so könnte es auch die _freie
Liebe_ und _schrankenlose Seligkeit_ genannt werden, denn es ist ein
Verhalten seiner zu dem _Unterschiedenen_ nur als _zu sich selbst_,
in demselben ist es zu sich selbst zurückgekehrt.
Es ist so eben der _Bestimmtheit_ erwähnt worden, obgleich der
Begriff nur erst als das Allgemeine und nur mit sich _Identische_
noch nicht dazu fortgegangen ist. Es kann aber von dem Allgemeinen
nicht ohne die Bestimmtheit, welche näher die Besonderheit und
Einzelnheit ist, gesprochen werden; denn es enthält sie in seiner
absoluten Negativität an und für sich; die Bestimmtheit wird also
nicht von Außen dazu genommen, wenn beim Allgemeinen von ihr
gesprochen wird. Als Negativität überhaupt, oder nach der _ersten,
unmittelbaren_ Negation hat es die Bestimmtheit überhaupt als
_Besonderheit_ an ihm; als _Zweites_, als Negation der Negation ist
es _absolute Bestimmtheit_, oder _Einzelnheit_ und _Konkretion_.--Das
Allgemeine ist somit die Totalität des Begriffes, es ist Konkretes,
ist nicht ein Leeres, sondern hat vielmehr durch seinen Begriff
_Inhalt_;--einen Inhalt, in dem es sich nicht nur erhält, sondern der
ihm eigen und immanent ist. Es kann von dem Inhalte wohl abstrahirt
werden; so erhält man aber nicht das Allgemeine des Begriffs, sondern
das _Abstrakte_, welches ein isolirtes, unvollkommenes Moment des
Begriffes ist, und keine Wahrheit hat.
Näher ergiebt sich das Allgemeine so als diese Totalität. Insofern
es die Bestimmtheit in sich hat, ist sie nicht nur die _erste_
Negation, sondern auch die Reflexion derselben in sich. Mit jener
ersten Negation für sich genommen, ist es _Besonders_, wie es
sogleich wird betrachtet werden; aber es ist in dieser Bestimmtheit
wesentlich noch Allgemeines; diese Seite muß hier noch aufgefaßt
werden.--Diese Bestimmtheit ist nämlich als im Begriffe die totale
Reflexion, der _Doppelschein_, einmal der Schein _nach Außen_, die
Reflexion in Anderes; das andere Mal der Schein _nach Innen_, die
Reflexion in sich. Jenes äußerliche Scheinen macht einen Unterschied
gegen _Anderes_; das Allgemeine hat hiernach eine _Besonderheit_,
welche ihre Auflösung in einem höhern Allgemeinen hat. Insofern es
nun auch nur ein relativ-Allgemeines ist, verliert es seinen
Charakter des Allgemeinen nicht; es erhält sich in seiner
Bestimmtheit, nicht nur so, daß es in der Verbindung mit ihr nur
gleichgültig gegen sie bliebe,--so wäre es nur mit ihr
_zusammengesetzt_,--sondern daß es das ist, was so eben das _Scheinen
nach Innen_ genannt wurde. Die Bestimmtheit ist als bestimmter
_Begriff_ aus der Äußerlichkeit _in sich zurückgebogen_; sie ist der
eigene, immanente _Charakter_, der dadurch ein Wesentliches ist, daß
er in die Allgemeinheit aufgenommen und von ihr durchdrungen, von
gleichem Umfange, identisch mit ihr sie ebenso durchdringt; es ist
der Charakter, welcher der _Gattung_ angehört, als die von dem
Allgemeinen ungetrennte Bestimmtheit. Er ist insofern nicht eine
nach Außen gehende _Schranke_, sondern _positiv_, indem er durch die
Allgemeinheit in der freien Beziehung auf sich selbst steht. Auch
der bestimmte Begriff bleibt so in sich unendlich freier Begriff.
In Ansehung der andern Seite aber, nach welcher die Gattung durch
ihren bestimmten Charakter begrenzt ist, ist bemerkt worden, daß sie
als niedrigere Gattung in einem höhern Allgemeinen ihre Auflösung
habe. Dieses kann auch wieder als Gattung, aber als eine abstraktere
aufgefaßt werden, gehört aber immer wieder nur der Seite des
bestimmten Begriffes an, die nach Außen geht. Das wahrhaft höhere
Allgemeine ist, worin diese nach Außen gehende Seite nach Innen
zurückgenommen ist, die zweite Negation, in welcher die Bestimmtheit
schlechthin nur _als_ Gesetztes, oder _als_ Schein ist. Leben, Ich,
Geist, absoluter Begriff, sind nicht Allgemeine nur als höhere
Gattungen, sondern _Konkrete_, deren Bestimmtheiten auch nicht nur
Arten oder niedrige Gattungen sind, sondern die in ihrer Realität
schlechthin nur in sich und davon erfüllt sind. Insofern Leben, Ich,
endlicher Geist, wohl auch nur bestimmte Begriffe sind, so ist ihre
absolute Auflösung in demjenigen Allgemeinen, welches als wahrhaft
absoluter Begriff, als Idee des unendlichen Geistes zu fassen ist,
dessen _Gesetztseyn_ die unendliche, durchsichtige Realität ist,
worin er seine _Schöpfung_, und in ihr sich selbst anschaut.
Das wahrhafte, unendliche Allgemeine, welches unmittelbar ebenso sehr
Besonderheit als Einzelnheit in sich ist, ist nun zunächst näher als
_Besonderheit_ zu betrachten. Es _bestimmt_ sich frei; seine
Verendlichung ist kein Übergehen, das nur in der Sphäre des Seyns
Statt hat; _es ist schöpferische Macht_, als die absolute Negativität,
die sich auf sich selbst bezieht. Es ist als solche das
Unterscheiden in sich, und dieses ist _Bestimmen_, dadurch, daß das
Unterscheiden mit der Allgemeinheit eins ist. Somit ist es ein
Setzen der Unterschiede selbst als allgemeiner, sich auf sich
beziehender. Hierdurch werden sie _fixirte_, isolirte Unterschiede.
Das isolirte _Bestehen_ des Endlichen, das sich früher als sein
Fürsichseyn, auch als Dingheit, als Substanz bestimmte, ist in seiner
Wahrheit die Allgemeinheit, mit welcher Form der unendliche Begriff
seine Unterschiede bekleidet,--eine Form, die eben einer seiner
Unterschiede selbst ist. Hierin besteht das _Schaffen_ des Begriffs,
das nur in diesem Innersten desselben selbst zu begreifen ist.
B. Der besondere Begriff.
_Die Bestimmtheit_ als solche gehört dem Seyn und dem Qualitativen an;
als Bestimmtheit des Begriffs ist sie _Besonderheit_. Sie ist keine
_Grenze_, so daß sie sich zu einem _Andern_ als einem _Jenseits_
ihrer verhielte, vielmehr, wie sich so eben zeigte, das eigene
immanentes Moment des Allgemeinen; dieses ist daher in der
Besonderheit nicht bei einem Andern, sondern schlechthin bei sich
selbst.
Das Besondere enthält die Allgemeinheit, welche dessen Substanz
ausmacht; die Gattung ist _unverändert_ in ihren Arten; die Arten
sind nicht von dem Allgemeinen, sondern nur _gegen einander_
verschieden. Das Besondere hat mit den _anderen_ Besonderen, zu
denen es sich verhält, eine und dieselbe Allgemeinheit. Zugleich ist
die Verschiedenheit derselben, um ihrer Identität mit dem Allgemeinen
willen, _als solche_ allgemein; sie ist _Totalität._--Das Besondere
_enthält_ also nicht nur das Allgemeine, sondern stellt dasselbe auch
_durch seine Bestimmtheit_ dar; dieses macht insofern eine _Sphäre_
aus, welche das Besondere erschöpfen muß. Diese Totalität erscheint,
insofern die Bestimmtheit des Besondern als bloße _Verschiedenheit_
genommen wird, als _Vollständigkeit_. Vollständig sind in dieser
Rücksicht die Arten, insofern es deren eben nicht mehrere _giebt_.
Es ist für sie kein innerer Maaßstab, oder _Princip_ vorhanden, weil
die _Verschiedenheit_ eben der einheitslose Unterschied ist, an
welchem die Allgemeinheit, die für sich absolute Einheit ist, bloß
äußerlicher Reflex, und eine unbeschränkte, zufällige Vollständigkeit
ist. Die Verschiedenheit aber geht in _Entgegensetzung_, in eine
_immanente Beziehung_ der Verschiedenen über. Die Besonderheit aber
ist als Allgemeinheit an und für sich selbst, nicht durch Übergehen
solche immanente Beziehung; sie ist Totalität an ihr selbst, und
_einfache_ Bestimmtheit, wesentlich _Princip_. Sie hat keine
_andere_ Bestimmtheit, als welche durch das Allgemeine selbst gesetzt
ist, und sich aus demselben folgendermaßen ergiebt.
Das Besondere ist das Allgemeine selbst, aber es ist dessen
Unterschied oder Beziehung auf ein _Anderes_, sein _Scheinen nach
Außen_; es ist aber kein Anderes vorhanden, wovon das Besondere
unterschieden wäre, als das Allgemeine selbst.--Das Allgemeine
bestimmt _sich_, so ist es selbst das Besondere; die Bestimmtheit ist
_sein_ Unterschied; es ist nur von sich selbst unterschieden. Seine
Arten sind daher nur a) das Allgemeine selbst und b) das Besondere.
Das Allgemeine als der Begriff ist es selbst und sein Gegentheil, was
wieder es selbst als seine gesetzte Bestimmtheit ist; es greift über
dasselbe über, und ist in ihm bei sich. So ist es die Totalität und
Princip seiner Verschiedenheit, die ganz nur durch es selbst bestimmt
ist.
Es giebt daher keine andere wahrhafte Eintheilung, als daß der
Begriff sich selbst auf die Seite stellt, als die _unmittelbare_,
unbestimmte Allgemeinheit; eben dieß Unbestimmte macht seine
Bestimmtheit, oder daß er ein _Besonderes_ ist. _Beides_ ist das
Besondere, und ist daher _koordinirt_. Beides ist auch als
Besonderes das _Bestimmte gegen_ das Allgemeine; es heißt demselben
insofern _subordinirt_. Aber eben dieß Allgemeine, _gegen_ welches
das Besondere bestimmt ist, ist damit vielmehr selbst auch _nur
eines_ der Gegenüberstehenden. Wenn wir von _zwei
Gegenüberstehenden_ sprechen, so müssen wir also auch wieder sagen,
daß sie beide das Besondere ausmachen, nicht nur _zusammen_, daß sie
nur für die äußere Reflexion darin _gleich_ wären, Besondere zu seyn,
sondern ihre Bestimmtheit _gegeneinander_ ist wesentlich zugleich nur
_Eine_ Bestimmtheit, die Negativität, welche im Allgemeinen _einfach_
ist.
Wie sich der Unterschied hier zeigt, ist er in seinem Begriffe, und
damit in seiner Wahrheit. Aller frühere Unterschied hat diese
Einheit im Begriffe. Wie er unmittelbarer Unterschied im Seyn ist,
ist er als die _Grenze_ eines _Andern_; wie er in der Reflexion ist,
ist er relativer, gesetzt als sich auf sein Anderes wesentlich
beziehend; hier beginnt somit die Einheit des Begriffs _gesetzt_ zu
werden; aber zunächst ist sie nur der _Schein_ an einem Andern.--Das
Übergehen und die Auflösung dieser Bestimmungen hat nur diesen
wahren Sinn, daß sie ihren Begriff, ihre Wahrheit erreichen; Seyn,
Daseyn, Etwas oder Ganzes und Theile u. s. f., Substanz und
Accidenzen, Ursache und Wirkung sind für sich Gedankenbestimmungen;
als bestimmte _Begriffe_ werden sie aufgefaßt, insofern jede in der
Einheit mit ihrer andern oder entgegengesetzten erkannt wird.--Das
Ganze und die Theile, Ursache und Wirkung z.B. u. s. f. sind noch
nicht verschiedene, die als _Besondere_ gegeneinander bestimmt wären,
weil sie _an sich_ zwar Einen Begriff ausmachen, aber ihre _Einheit_
noch nicht die Form der _Allgemeinheit_ erreicht hat; so hat auch der
_Unterschied_, der in diesen Verhältnissen ist, noch nicht die Form,
daß er _Eine_ Bestimmtheit ist. Ursache und Wirkung z.B. sind
nicht zwei verschiedene Begriffe, sondern nur _Ein bestimmter_
Begriff, und die Kausalität ist, wie jeder Begriff, ein _einfacher_.
In Absicht auf Vollständigkeit hat sich ergeben, daß das Bestimmte
der Besonderheit _vollständig_ in dem Unterschiede des _Allgemeinen_
und _Besondern_ ist, und daß nur diese beide die besonderen Arten
ausmachen. In der _Natur_ finden sich freilich in einer Gattung mehr
als zwei Arten, so wie diese vielen Arten auch nicht das aufgezeigte
Verhältniß zu einander haben können. Es ist dieß die Ohnmacht der
Natur, die Strenge des Begriffs nicht festhalten und darstellen zu
können, und in diese begrifflose blinde Mannigfaltigkeit sich zu
verlaufen. Wir können die Natur in der Mannigfaltigkeit ihrer
Gattungen und Arten, und der unendlichen Verschiedenheit ihrer
Gestaltungen _bewundern_, denn die Bewunderung ist _ohne Begriff_,
und ihr Gegenstand ist das Vernunftlose. Der Natur, weil sie das
Außersichseyn des Begriffes ist, ist es freigegeben, in dieser
Verschiedenheit sich zu ergehen, wie der Geist, ob er gleich den
Begriff in der Gestalt des Begriffes hat, auch auf's Vorstellen sich
einläßt, und in einer unendlichen Mannigfaltigkeit desselben sich
herumtreibt. Die vielfachen Naturgattungen oder Arten müssen für
nichts Höheres geachtet werden, als die willkürlichen Einfälle des
Geistes in seinen Vorstellungen. Beide zeigen wohl allenthalben
Spuren und Ahnungen des Begriffs, aber stellen ihn nicht in treuem
Abbild dar, weil sie die Seite seines freien Außersichseyns sind; er
ist die absolute Macht gerade darum, daß er seinen Unterschied frei
zur Gestalt selbstständiger Verschiedenheit, äußerlicher
Nothwendigkeit, Zufälligkeit, Willkür, Meinung entlassen kann, welche
aber für nicht mehr als die abstrakte Seite der _Nichtigkeit_
genommen werden muß.
Die _Bestimmtheit_ des Besondern ist _einfach_ als _Princip_, wie wir
gesehen haben, aber sie ist es auch als Moment der Totalität, als
Bestimmtheit gegen die _andere_ Bestimmtheit. Der Begriff, insofern
er sich bestimmt oder unterscheidet, ist er negativ auf seine Einheit
gerichtet, und giebt sich die Form eines seiner ideellen Momente _des
Seyns_; als bestimmter Begriff hat er ein _Daseyn_ überhaupt. Dieß
Seyn hat aber nicht mehr den Sinn der bloßen _Unmittelbarkeit_,
sondern der Allgemeinheit, der durch die absolute Vermittelung sich
selbst gleichen Unmittelbarkeit, die ebenso sehr auch das andere
Moment, das Wesen oder die Reflexion in sich enthält. Diese
Allgemeinheit, mit welcher das Bestimmte bekleidet ist, ist die
_abstrakte_. Das Besondere hat die Allgemeinheit in ihm selbst als
sein Wesen; insofern aber die Bestimmtheit des Unterschieds _gesetzt_
ist, und dadurch Seyn hat, ist sie _Form_ an demselben, und die
Bestimmtheit als solche ist der _Inhalt_. Zur Form wird die
Allgemeinheit, insofern der Unterschied als das Wesentliche ist, wie
er im Gegentheil im rein Allgemeinen nur als absolute Negativität,
_nicht als_ Unterschied ist, der als solcher _gesetzt_ ist.
Die Bestimmtheit ist nun zwar das _Abstrakte_ gegen die _andere_
Bestimmtheit; die andere ist aber nur die Allgemeinheit selbst, diese
ist insofern auch die _abstrakte_; und die Bestimmtheit des Begriffs,
oder die Besonderheit ist wieder weiter nichts als die bestimmte
Allgemeinheit. Der Begriff ist in ihr _außer sich_; insofern _er es
ist_, der darin außer sich ist, so enthält das abstrakt-Allgemeine
alle Momente des Begriffs; es ist [alpha]) Allgemeinheit, [beta])
Bestimmtheit, [gamma]) die _einfache_ Einheit von beiden; aber diese
Einheit ist _unmittelbare_, und die Besonderheit ist darum nicht
_als_ die Totalität. _An sich_ ist sie auch diese _Totalität_ und
_Vermittelung_; sie ist wesentlich _ausschließende_ Beziehung auf
_Anderes_, oder _Aufhebung_ der _Negation_, nämlich der _andern_
Bestimmtheit,--der _andern_, die aber nur als Meinung vorschwebt,
denn unmittelbar verschwindet sie, und zeigt sich als dasselbe, was
die ihr _andere_ seyn sollte. Dieß macht also diese Allgemeinheit
zur abstrakten, daß die Vermittelung nur _Bedingung_ ist, oder nicht
_an ihr_ selbst _gesetzt_ ist. Weil sie nicht _gesetzt_ ist, hat die
Einheit des Abstrakten die Form der Unmittelbarkeit, und der Inhalt
die Form der Gleichgültigkeit gegen seine Allgemeinheit, weil er
nicht als diese Totalität ist, welche die Allgemeinheit der absoluten
Negativität ist. Das abstrakt-Allgemeine ist somit zwar der
_Begriff_, aber als _Begriffloses_, als Begriff, der nicht als
solcher gesetzt ist.
Wenn vom _bestimmten Begriffe_ die Rede ist, so ist es gewöhnlich
rein nur ein solches _abstrakt-Allgemeines_, was gemeint ist. Auch
unter dem _Begriffe_ überhaupt wird meist nur dieser _begrifflose_
Begriff verstanden, und der _Verstand_ bezeichnet das Vermögen
solcher Begriffe. Die _Demonstration_ gehört diesem Verstande an,
insofern sie an _Begriffen fortgehe_, das heißt nur an _Bestimmungen_.
Solches Fortgehen an Begriffen kommt daher nicht über die
Endlichkeit und Nothwendigkeit hinaus; ihr Höchstes ist das negative
Unendliche, die Abstraktion des höchsten Wesens, welches selbst die
Bestimmtheit der _Unbestimmtheit_ ist. Auch die absolute Substanz
ist zwar nicht diese leere Abstraktion, dem Inhalte nach vielmehr die
Totalität, aber sie ist darum abstrakt, weil sie ohne die absolute
Form ist, ihre innerste Wahrheit macht nicht der Begriff aus; ob sie
zwar die Identität der Allgemeinheit und Besonderheit, oder des
Denkens und des Außereinander ist, so ist diese Identität nicht die
_Bestimmtheit_ des Begriffes; _außer_ ihr ist vielmehr ein, und zwar
eben weil er außer ihr ist, ein zufälliger Verstand, in und für
welchen sie in verschiedenen Attributen und Modis ist.
_Leer_ ist übrigens die Abstraktion nicht, wie sie gewöhnlich genannt
wird; sie ist der _bestimmte_ Begriff; sie hat irgend eine
Bestimmtheit zum Inhalt; auch das höchste Wesen, die reine
Abstraktion hat, wie erinnert, die Bestimmtheit der Unbestimmtheit;
eine Bestimmtheit aber ist die Unbestimmtheit, weil sie dem
Bestimmten _gegenüber_ stehen soll. Indem man aber ausspricht, was
sie ist, hebt sich dieß selbst auf, was sie seyn soll; sie wird als
eins mit der Bestimmtheit ausgesprochen, und auf diese Weise aus der
Abstraktion der Begriff und ihre Wahrheit hergestellt.--Insofern aber
ist jeder bestimmte Begriff allerdings _leer_, als er nicht die
Totalität, sondern nur eine einseitige Bestimmtheit enthält. Wenn er
auch sonst konkreten Inhalt hat, z.B. Mensch, Staat, Thier u. s. f.,
so bleibt er ein leerer Begriff, insofern seine Bestimmtheit nicht
das _Princip_ seiner Unterschiede ist; das Princip enthält den Anfang
und das Wesen seiner Entwickelung und Realisation; irgend eine andere
Bestimmtheit des Begriffs aber ist unfruchtbar. Wenn der Begriff
daher überhaupt als leer gescholten ist, so wird jene absolute
Bestimmtheit desselben verkannt, welche der Begriffsunterschied und
der einzig wahre Inhalt in seinem Element ist.
Hierher gehört der Umstand, um dessen willen der Verstand in neueren
Zeiten gering geachtet und gegen die Vernunft so sehr zurückgesetzt
wird; es ist die _Festigkeit_, welche er den Bestimmtheiten und somit
den Endlichkeiten ertheilt. Dieß Fixe besteht in der betrachteten
Form der abstrakten Allgemeinheit; durch sie werden sie
_unveränderlich_. Denn die qualitative Bestimmtheit, so wie die
Reflexions-Bestimmung, sind wesentlich als _begrenzte_, und haben
durch ihre Schranke eine Beziehung auf ihr _Anderes_, somit die
_Nothwendigkeit_ des Übergehens und Vergehens. Die Allgemeinheit
aber, welche sie im Verstande haben, giebt ihnen die Form der
Reflexion in sich, wodurch sie der Beziehung auf Anderes entnommen,
und _unvergänglich_ geworden sind. Wenn nun am reinen Begriffe diese
Ewigkeit zu seiner Natur gehört, so wären seine abstrakten
Bestimmungen nur _ihrer Form_ nach ewige Wesenheiten; aber ihr Inhalt
ist dieser Form nicht angemessen; sie sind daher nicht Wahrheit und
Unvergänglichkeit. Ihr Inhalt ist der Form nicht angemessen, weil er
nicht die Bestimmtheit selbst als allgemein, d. i. nicht als
Totalität des Begriffsunterschieds oder nicht selbst die ganze Form
ist; die Form des beschränkten Verstandes ist darum aber selbst die
unvollkommene, nämlich _abstrakte_ Allgemeinheit.--Es ist aber ferner
als die unendliche Kraft des Verstandes zu achten, das Konkrete in
die abstrakten Bestimmtheiten zu trennen, und die Tiefe des
Unterschieds zu fassen, welche allein zugleich die Macht ist, die
ihren Übergang bewirkt. Das Konkrete der _Anschauung_ ist
_Totalität_, aber die _sinnliche_,--ein realer Stoff, der in Raum und
Zeit gleichgültig _außereinander_ besteht; diese Einheitslosigkeit
des Mannigfaltigen, in der es der Inhalt der Anschauung ist, sollte
ihm doch wohl nicht als Verdienst und Vorzug vor dem Verständigen
angerechnet werden. Die Veränderlichkeit, die es in der Anschauung
zeigt, deutet schon auf das Allgemeine hin; was davon zur Anschauung
kommt, ist nur ein _anderes_ ebenso Veränderliches, also nur das
Nämliche; es ist nicht das Allgemeine, das an dessen Stelle träte und
erschiene. Am wenigsten aber sollte der Wissenschaft, z.B. der
Geometrie und Arithmetik, das _Anschauliche_, das ihr Stoff mit sich
bringt, zu einem Verdienste angerechnet, und ihre Sätze, als
hierdurch begründet, vorgestellt werden. Vielmehr ist der Stoff
solcher Wissenschaften darum von niedrigerer Natur; das Anschauen der
Figuren oder Zahlen verhilft nicht zur Wissenschaft derselben; nur
das _Denken_ darüber vermag eine solche hervorzubringen.--Insofern
aber unter Anschauung nicht bloß das Sinnliche, sondern die
_objektive Totalität_ verstanden wird, so ist sie eine
_intellektuelle_, d. i. sie hat das Daseyn nicht in seiner
äußerlichen Existenz zum Gegenstande, sondern das, was in ihm
unvergängliche Realität und Wahrheit ist,--die Realität, nur insofern
sie wesentlich im Begriffe und durch ihn _bestimmt_ ist, die _Idee_,
deren nähere Natur sich später zu ergeben hat. Was die Anschauung
als solche vor dem Begriffe voraushaben soll, ist die äußerliche
Realität, das Begrifflose, das erst einen Werth durch ihn erhält.
Indem daher der Verstand die unendliche Kraft darstellt, welche das
Allgemeine bestimmt, oder umgekehrt, dem an und für sich
Haltungslosen der Bestimmtheit durch die Form der Allgemeinheit das
fixe Bestehen ertheilt, so ist es nun nicht Schuld des Verstandes,
wenn nicht weiter gegangen wird. Es ist eine subjektive _Ohnmacht
der Vernunft_, welche diese Bestimmtheiten so gelten läßt und sie
nicht durch die jener abstrakten Allgemeinheit entgegensetzte
dialektische Kraft, d. h. durch die eigenthümliche Natur, nämlich
durch den Begriff jener Bestimmtheiten, zur Einheit zurückzuführen
vermag. Der Verstand giebt ihnen zwar durch die Form der abstrakten
Allgemeinheit, so zu sagen, eine solche _Härte_ des _Seyns_, als sie
in der qualitativen Sphäre und in der _Sphäre_ der Reflexion nicht
haben; aber durch diese Vereinfachung _begeistet_ er sie zugleich,
und schärft sie so zu, daß sie eben nur auf dieser Spitze die
Fähigkeit erhalten, sich aufzulösen und in ihr Entgegengesetztes
überzugehen. Die höchste Reife und Stufe, die irgend Etwas erreichen
kann, ist diejenige, in welcher sein Untergang beginnt, Das Feste der
Bestimmtheiten, in welche sich der Verstand einzurennen scheint, die
Form des Unvergänglichen ist die der sich auf sich beziehenden
Allgemeinheit. Aber sie gehört dem Begriffe zu eigen an; und daher
liegt in ihr selbst die _Auflösung_ des Endlichen ausgedrückt, und in
unendlicher Nähe. Diese Allgemeinheit _arguirt_ unmittelbar die
Bestimmtheit des Endlichen, und _drückt_ seine Unangemessenheit zu
ihr _aus_.--Oder vielmehr ist seine Angemessenheit schon vorhanden;
das abstrakte Bestimmte ist als eins mit der Allgemeinheit gesetzt;
eben darum als nicht für sich, insofern es nur Bestimmtes wäre,
sondern nur als Einheit seiner und des Allgemeinen, d. i. als Begriff.
Es ist daher in jeder Rücksicht zu verwerfen, Verstand und die
Vernunft so, wie gewöhnlich geschieht, zu trennen. Wenn der Begriff
als vernunftlos betrachtet wird, so muß es vielmehr als eine
Unfähigkeit der Vernunft betrachtet werden, sich in ihm zu erkennen.
Der bestimmte und abstrakte Begriff ist die _Bedingung_, oder
vielmehr _wesentliches Moment der Vernunft_; er ist begeistete Form,
in welcher das Endliche durch die Allgemeinheit, in der es sich auf
sich bezieht, sich in sich entzündet, als dialektisch gesetzt und
hiermit der _Anfang_ selbst der Erscheinung der Vernunft ist.
Indem der bestimmte Begriff in dem Bisherigen in seiner Wahrheit
dargestellt ist, so ist nur noch übrig, anzuzeigen, als was er
hiermit schon gesetzt ist.--Der Unterschied, welcher wesentliches
Moment des Begriffs, aber im rein Allgemeinen noch nicht als solcher
gesetzt ist, erhält im bestimmten Begriffe sein Recht. Die
Bestimmtheit in der Form der Allgemeinheit ist zum Einfachen mit
derselben verbunden; dieß bestimmte Allgemeine ist die sich auf sich
selbst beziehende Bestimmtheit; die bestimmte Bestimmtheit oder
absolute Negativität für sich gesetzt. Die sich auf sich selbst
beziehende Bestimmtheit aber ist die _Einzelnheit_. So unmittelbar
die Allgemeinheit schon an und für sich selbst Besonderheit ist, so
unmittelbar an und für sich ist die Besonderheit auch _Einzelnheit_,
welche zunächst als drittes Moment des Begriffes, insofern sie
_gegen_ die beiden desselben in sich, und zugleich als der gesetzte
Verlust seiner selbst zu betrachten ist.
_Anmerkung. Allgemeinheit, Besonderheit_ und _Einzelnheit_ sind nach
dem Bisherigen die _drei_ bestimmten Begriffe, wenn man sie nämlich
_zählen_ will. Es ist schon früher gezeigt worden, daß die Zahl eine
unpassende Form ist, um Begriffsbestimmungen darein zu fassen, aber
am unpassendsten vollends für Bestimmungen des Begriffs selbst; die
Zahl, da sie das Eins zum Princip hat, macht die gezählten zu ganz
abgesonderten und einander ganz gleichgültigen. Es hat sich im
Bisherigen ergeben, daß die verschiedenen bestimmten Begriffe
schlechthin vielmehr nur _Einer_ und derselbe Begriff sind, als daß
sie in die Zahl aus einander fallen.
In der sonst gewöhnlichen Abhandlung der Logik kommen mancherlei
_Eintheilungen_ und _Arten_ von Begriffen vor. Es fällt sogleich die
Inkonsequenz daran in die Augen, daß die Arten so eingeführt werden:
_Es giebt_ der Quantität, Qualität u. s. f. nach folgende Begriffe.
_Es giebt_, drückt keine andere Berechtigung aus, als die, daß man
solche Arten _vorfindet_ und sie sich nach der _Erfahrung_ zeigen.
Man erhält auf diese Weise eine _empirische Logik_,--eine sonderbare
Wissenschaft, eine _irrationelle_ Erkenntniß des _Rationellen_. Die
Logik giebt hierdurch ein sehr übles Beispiel der Befolgung ihrer
eigenen Lehren; sie erlaubt sich für sich selbst das Gegentheil
dessen zu thun, was sie als Regel vorschreibt, daß die Begriffe
abgeleitet und die wissenschaftlichen Sätze (also auch der Satz: es
giebt so und so vielerlei Arten von Begriffen) bewiesen werden sollen.
--Die kantische Philosophie begeht hierin eine weitere Inkonsequenz,
sie _entlehnt_ für die _transcendentale Logik_ die Kategorien als
sogenannte Stammbegriffe aus der subjektiven Logik, in welcher sie
empirisch aufgenommen werden. Da sie Letzteres zugiebt, so ist nicht
abzusehen, warum die transcendentale Logik sich zum Entlehnen aus
solcher Wissenschaft entschließt, und nicht gleich selbst empirisch
zugreift.
Um Einiges hiervon anzuführen, so werden die Begriffe vornehmlich
nach ihrer _Klarheit_ eingetheilt, und zwar in _klare_ und _dunkle,
deutliche_ und _undeutliche_, in _adäquate_ und _nicht-adäquate_.
Auch können hierher die _vollständigen, überfließenden_ und andere
dergleichen Überflüssigkeiten genommen werden.--Was jene Eintheilung
nach der _Klarheit_ betrifft, so zeigt sich bald, daß dieser
Gesichtspunkt und die sich auf ihn beziehenden Unterschiede aus
_psychologischen_, nicht aus _logischen_ Bestimmungen genommen sind.
Der sogenannte _klare_ Begriff soll hinreichen, einen Gegenstand von
einem andern zu unterscheiden ein solches ist noch kein Begriff zu
nennen, es ist weiter nichts als die _subjektive Vorstellung_. Was
ein _dunkler_ Begriff sey, muß auf sich beruhen bleiben, denn sonst
wäre er kein dunkler, er würde ein deutlicher Begriff.--Der
_deutliche_ Begriff soll ein solcher seyn, von welchem man die
_Merkmale_ angeben könne. Sonach ist er eigentlich der _bestimmte_
Begriff. Das Merkmal, wenn nämlich das, was darin Richtiges liegt,
aufgefaßt wird, ist nichts Anderes als die _Bestimmtheit_ oder der
einfache _Inhalt_ des Begriffs, insofern er von der Form der
Allgemeinheit unterschieden wird. Aber das _Merkmal_ hat zunächst
nicht gerade diese genauere Bedeutung, sondern ist überhaupt nur eine
Bestimmung, wodurch ein _Dritter_ sich einen Gegenstand oder den
Begriff merkt; es kann daher ein sehr zufälliger Umstand seyn.
Überhaupt drücke es nicht sowohl die Immanenz und Wesentlichkeit der
Bestimmung aus, sondern deren Beziehung auf einen _äußern_ Verstand.
Ist dieser wirklich ein Verstand, so hat er den Begriff vor sich, und
merkt sich denselben durch nichts Anderes, als durch das, _was im
Begriffe ist_. Soll es aber hiervon unterschieden seyn, so ist es
ein _Zeichen_ oder sonst eine Bestimmung, welche zur _Vorstellung_
der Sache, nicht zu ihrem Begriffe gehört.--Was der _undeutliche_
Begriff sey, kann als überflüssig übergangen werden.
Der _adäquate_ Begriff aber ist ein Höheres; es schwebt dabei
eigentlich die Übereinstimmung des Begriffes mit der Realität vor,
was nicht der Begriff als solcher, sondern die _Idee_ ist. Wenn das
_Merkmal_ des deutlichen Begriffs wirklich die Begriffsbestimmung
selbst seyn sollte, so würde die Logik mit den _einfachen_ Begriffen
in Verlegenheit kommen, welche nach einer andern Eintheilung den
_zusammengesetzen_ gegenübergestellt werden. Denn wenn vom einfachen
Begriff ein wahres, d. i. ein immanentes Merkmal angegeben werden
sollte, so würde man ihn nicht als einen einfachen ansehen wollen;
insofern aber keines von ihm angegeben würde, wäre er kein deutlicher
Begriff. Da hilft aber nun der _klare_ Begriff aus. Einheit,
Realität und dergleichen Bestimmungen sollen _einfach_ Begriffe seyn,
wohl nur aus dem Grunde, daß die Logiker nicht damit zu Stande kamen,
die Bestimmung derselben aufzufinden, sich daher begnügten, einen
bloß _klaren_ Begriff, d. h. gar keinen davon zu haben. Zur
_Definition_, d. i. zur Angabe des Begriffs wird allgemein die Angabe
der Gattung und der specifischen Differenz gefordert. Sie giebt also
den Begriff nicht als etwas Einfaches, sondern in _zwei_ zählbaren
_Bestandstücken_. Aber darum wird solcher Begriff doch wohl nicht
_ein Zusammengesetztes_ seyn sollen.--Es scheint beim einfachen
Begriffe die _abstrakte Einfachheit_ vorzuschweben, eine Einheit,
welche den Unterschied und die Bestimmtheit nicht in sich enthält,
welche daher auch nicht diejenige ist, die dem Begriffe zukommt.
Sofern ein Gegenstand in der Vorstellung, insbesondere im
Gedächtnisse ist, oder auch die abstrakte Gedankenbestimmung ist,
kann er ganz einfach seyn. Selbst der in sich reichste Gegenstand: z.
B. Geist, Natur, Welt, auch Gott ganz begrifflos in die einfache
Vorstellung des ebenso einfachen Ausdruckes: Geist, Natur, Welt, Gott,
gefaßt, ist wohl etwas Einfaches, bei dem das Bewußtseyn stehen
bleiben kann, ohne sich die eigenthümliche Bestimmung oder ein
Merkmal weiter herauszuheben; aber die Gegenstände des Bewußtseyns
sollen nicht diese einfache, nicht Vorstellungen oder abstrakte
Gedankenbestimmungen bleiben, sondern _begriffen_ werden, d. h. ihre
Einfachheit soll mit ihrem innern Unterschied bestimmt seyn.--Der
_zusammengesetzte_ Begriff aber ist wohl nicht mehr als ein hölzernes
Eisen. Von etwas Zusammengesetztem kann man wohl einen Begriff haben;
aber ein zusammengesetzter Begriff wäre etwas schlimmeres als der
_Materialismus_, welcher nur die _Substanz der Seele_ als ein
Zusammengesetztes annimmt, aber das _Denken_ doch als _einfach_
auffaßt. Die ungebildete Reflexion verfällt zunächst auf die
Zusammensetzung als die ganz _äußerliche_ Beziehung, die schlechteste
Form, in der die Dinge betrachtet werden können; auch die niedrigsten
Naturen müssen eine _innere_ Einheit seyn. Daß vollends die Form des
unwahrsten Daseyns auf Ich, auf den Begriff übergetragen wird, ist
mehr, als zu erwarten war, ist als unschicklich und barbarisch zu
betrachten.
Die Begriffe werden ferner vornehmlich in _konträre_ und
_kontradiktorische_ eingetheilt.--Wenn es bei der Abhandlung des
Begriffs darum zu thun wäre, anzugeben, was es für _bestimmte_
Begriffe gebe, so wären alle möglichen Bestimmungen anzuführen,--denn
_alle_ Bestimmungen sind Begriffe, somit bestimmte Begriffe,--und
alle Kategorien des _Seyns_, wie alle Bestimmungen des _Wesens_,
wären unter den Arten der Begriffe aufzuführen. Wie denn auch in den
Logiken, in der einen nach Belieben _mehr_, in der andern _weniger_,
erzählt wird, daß es _bejahende, verneinende, identische, bedingte,
nothwendige u. s. f._ Begriffe gebe. Da solche Bestimmungen _der
Natur des Begriffes selbst_ schon im Rücken liegen, und daher, wenn
sie bei demselben aufgeführt werden, nicht in ihrer eigenthümlichen
Stelle vorkommen, so lassen sie nur oberflächliche Worterklärungen zu,
und erscheinen hier ohne alles Interesse.--Den _konträren_ und
_kontradiktorischen_ Begriffen,--ein Unterschied, der hier
vornehmlich beachtet wird, liegt die Reflexions-Bestimmung der
_Verschiedenheit_ und _Entgegensetzung_ zu Grunde. Sie werden als
zwei besondere _Arten_ angesehen, d. h. jeder als fest für sich und
gleichgültig gegen den andern, ohne allen Gedanken der Dialektik und
der innern Nichtigkeit dieser Unterschiede; als ob das, was _konträr_
ist, nicht ebenso sehr als _kontradiktorisch_ bestimmt werden müßte.
Die Natur und der wesentliche Übergang der Reflexions-Formen, die
sie ausdrücken, ist an ihrer Stelle betrachtet worden. In dem
Begriffe ist die Identität zur Allgemeinheit, der Unterschied zur
Besonderheit, die Entgegensetzung, die in den Grund zurückgeht, zur
Einzelnheit fortgebildet. In diesen Formen sind jene
Reflexions-Bestimmungen, wie sie in ihrem Begriffe sind. Das
Allgemeine erwies sich nicht nur als das Identische, sondern zugleich
als das Verschiedene oder _Konträre_ gegen das Besondere und Einzelne,
ferner auch als ihnen entgegengesetzt, oder _kontradiktorisch_; in
dieser Entgegensetzung aber ist es identisch mit ihnen, und ihr
wahrhafter Grund, in welchem sie aufgehoben sind. Ein Gleiches gilt
von der Besonderheit und Einzelnheit, welche ebenso die Totalität der
Reflexions-Bestimmungen sind. Weiter werden die Begriffe in
_subordinirte_ und _koordinirte_ eingetheilt;--ein Unterschied, der
die Begriffsbestimmung näher angeht, nämlich das Verhältniß von
Allgemeinheit und Besonderheit, wo diese Ausdrücke auch beiläufig
erwähnt worden sind. Nur pflegen sie gewöhnlich gleichfalls als ganz
feste Verhältnisse betrachtet, und hiernach mehrfache unfruchtbare
Sätze von denselben aufgestellt zu werden. Die weitläufigste
Verhandlung darüber betrifft wieder die Beziehung der Kontrarietät
und Kontradiktorietät auf die Sub- und Koordination. Indem das
_Urtheil die Beziehung der bestimmten Begriffe_ ist, so hat sich erst
bei demselben das wahre Verhältniß zu ergeben. Jene Manier, diese
Bestimmungen _zu vergleichen_ ohne Gedanken an ihre Dialektik und um
die fortgehende Änderung ihrer Bestimmung, oder vielmehr an die in
ihnen vorhandene Verknüpfung entgegengesetzter Bestimmungen, macht
die ganze Betrachtung, was in ihnen _einstimmig sey_ oder nicht,
gleichsam als ob diese Einstimmigkeit oder Nichteinstimmigkeit etwas
Gesondertes und Bleibendes sey, zu etwas nur Unfruchtbarem und
Gehaltlosem.--Der große, in dem Auffassen und Kombiniren der tieferen
Verhältnisse der algebraischen Größen unendlich fruchtbare und
scharfsinnige _Euler_, besonders der trocken verständige _Lambert_
und Andere haben für diese Art von Verhältnissen der
Begriffsbestimmungen eine _Bezeichnung_ durch Linien, Figuren und
dergleichen versucht; man beabsichtigte überhaupt, die logischen
Beziehungsweisen zu einem _Calcul_ zu _erheben_;--oder vielmehr in
der That herabzusetzen. Schon der Versuch der Bezeichnung stellt
sich sogleich als an und für sich nichtig dar, wenn man die Natur des
Zeichens und dessen, was bezeichnet werden soll, mit einander
vergleicht. Die Begriffsbestimmungen, Allgemeinheit, Besonderheit
und Einzelnheit sind allerdings _verschieden_, wie Linien oder die
Buchstaben der Allgebra;--sie sind ferner auch _entgegengesetzt_, und
ließen insofern auch die Zeichen von plus und minus zu. Aber sie
selbst und vollends deren Beziehungen,--wenn auch nur bei der
_Subsumtion_ und _Inhärenz_ stehen geblieben wird, sind von ganz
anderer wesentlicher Natur, als die Buchstaben und Linien und deren
Beziehungen, die Gleichheit oder Verschiedenheit der Größe, das plus
und minus, oder eine Stellung der Linien übereinander oder ihre
Verbindung zu Winkeln und die Stellungen von Räumen, die sie
einschließen. Dergleichen Gegenstände haben gegen sie das
Eigenthümliche, daß sie einander _äußerlich_ sind, eine _fixe_
Bestimmung haben. Wenn Begriffe nun in der Weise genommen worden,
daß sie solchen Zeichen entsprechen, so hören sie auf, Begriffe zu
seyn. Ihre Bestimmungen sind nicht so ein Todtliegendes, wie Zahlen
und Linien, denen ihre Beziehung nicht selbst angehört; sie sind
lebendige Bewegungen; die unterschiedene Bestimmtheit der einen Seite
ist unmittelbar auch der andern innerlich; was bei Zahlen und Linien
ein vollkommener Widerspruch wäre, ist der Natur des Begriffes
wesentlich.--Die höhere Mathematik, welche auch zum Unendlichen
fortgeht, und sich Widersprüche erlaubt, kann für die Darstellung
solcher Bestimmungen ihre sonstigen Zeichen nicht mehr gebrauchen für
Bezeichnung der noch sehr begrifflosen Vorstellung der _unendlichen
Annäherung_ zweier Ordinaten, oder wenn sie einen Bogen einer
unendlichen Anzahl von unendlich kleinen geraden Linien gleichsetzt,
thut sie weiter nichts, als die zwei geraden Linien _außereinander_
zu zeichnen, und in einen Bogen gerade Linien, aber als _verschieden_
von ihm ziehen; für das Unendliche, worauf es dabei ankommt, verweist
sie an das _Vorstellen_.
Was zu jenem Versuche zunächst verleitet hat, ist vornehmlich das
_quantitative_ Verhältniß, in welchem _Allgemeinheit, Besonderheit_
und _Einzelnheit_ zu einander stehen sollen; das Allgemeine heißt
_weiter_ als das Besondere und Einzelne, und das Besondere _weiter_
als das Einzelne. Der Begriff ist das _Konkrete_ und _Reichste_,
weil er der Grund und die _Totalität_ der früheren Bestimmungen, der
Kategorien des Seyns und der Reflexions-Bestimmungen ist; dieselben
kommen daher wohl auch an ihm hervor. Aber seine Natur wird gänzlich
verkannt, wenn sie an ihm noch in jener Abstraktion festgehalten
werden; wenn der _weitere Umfang_ des Allgemeinen so genommen wird,
daß es ein _Mehreres_ oder ein größeres _Quantum_ sey, als das
Besondere und Einzelne. Als absoluter Grund ist er die _Möglichkeit_
der _Quantität_, aber ebenso sehr der _Qualität_, d. h. seine
Bestimmungen sind ebenso wohl qualitativ unterschieden; sie werden
daher dann schon gegen ihre Wahrheit betrachtet, wenn sie unter der
Form der Quantität allein gesetzt werden. So ist ferner die
Reflexions Bestimmungen ein _Relatives_, in der ihr Gegentheil
scheint; sie ist nicht im äußerlichen Verhältnisse, wie ein Quantum.
Aber der Begriff ist mehr als alles dieses; seine Bestimmungen sind
bestimmte _Begriffe_, wesentlich selbst die _Totalität_ aller
Bestimmungen. Es ist daher völlig unpasssend, um solche innige
Totalität zu fassen, Zahlen- und Raumverhältnisse anwenden zu wollen,
in welchen alle Bestimmungen auseinander fallen; sie sind vielmehr
das letzte und schlechteste Medium, welches gebraucht werden könnte.
Naturverhältnisse, wie z.B. Magnetismus, Farbenverhältnisse, würden
unendlich höhere und wahrere Symbole dafür seyn. Da der Mensch die
Sprache hat, als das der Vernunft eigenthümliche Bezeichnungsmittel,
so ist es ein müßiger Einfall, sich nach einer unvollkommnern
Darstellungsweise umsehen und damit quälen zu wollen. Der Begriff
kann als solcher wesentlich nur mit dem Geiste aufgefaßt werden,
dessen Eigenthum nicht nur, sondern dessen reines Selbst er ist. Es
ist vergeblich, ihn durch Raumfiguren und algebraische Zeichen zum
Behufe des _äußerlichen Auges_ und eine _begrifflosen, mechanischen
Behandlungsweise_, eines _Calculs_, festhalten zu wollen. Auch jedes
Andere, was als Symbol dienen sollte, kann höchstens, wie Symbole für
die Natur Gottes, Ahnungen und Anklänge des Begriffes erregen; aber
wenn es Ernst seyn sollte, den Begriff dadurch auszudrücken und zu
erkennen, so ist die _äußerliche Natur_ aller Symbole unangemessen
dazu und vielmehr ist das Verhältniß umgekehrt, daß, was in den
Symbolen Anklang einer höhern Bestimmung ist, erst durch den Begriff
erkannt, und allein durch die _Absonderung_ jenes sinnlichen
Beiwesens, das ihn auszudrücken bestimmt ist, ihm genähert werden
sollte.