Die geschichtliche Entwickelung der Blindenbildung.
Von einer eigentlichen Blindenbildung kann man erst seit dem Ende des
18. Jahrhunderts sprechen. Bis dahin waren wohl einzelne hervorragend
begabte Blinde aus guten Familien durch Privatunterricht zu einer das
Staunen der Sehenden hervorrufenden wissenschaftlichen und technischen
Bildung gelangt, aber die Forderung einer Erziehung und Bildung
+aller+ Blinden trat erst in jener Zeit auf, als die von Frankreich
ausgehende Idee der allgemeinen Menschenbildung die edelsten Geister
zu erzieherischen Versuchen anregte. Es war der Philosoph +Diderot+
(1717-1784), der zuerst den Gedanken der Bildungsfähigkeit der Blinden
aussprach und ihm Verbreitung verschaffte. Dies geschah durch seine im
Jahre 1749 erschienene Schrift „Lettre sur les aveugles à l’usage de
ceux qui voient“. (Die Schrift ist gekürzt im Bldfrd. Jhrg. 1884 S. 129
enthalten.)
Die Ausführung des von Diderot entwickelten Gedankens unternahm
Valentin Haüy.
Haüy (1745-1822), ein vielseitig gebildeter Mann, der ein Amt im
Ministerium für die auswärtigen Angelegenheiten in Paris bekleidete,
war mit dem blinden Fräulein Maria Theresia von Paradis aus Wien, die
in Paris durch ihre musikalischen Leistungen Aufsehen erregte, bekannt
geworden. Auch auf den blinden Mathematiker Weißenburg in Mannheim und
dessen Lehrer Christian Niesen war er aufmerksam geworden. Er gewann
die Überzeugung, daß die Blinden bildungsfähig seien, und daß es
eine Pflicht der Humanität sei, sie zu erziehen und zu unterrichten.
Durch das Auftreten blinder Straßenmusiker, die possenhaft aufgeputzt
waren, um Aufsehen zu erregen, wurde er veranlaßt, den schon lange
erwogenen Plan, die Blinden dem Elende zu entreißen, zur Ausführung
zu bringen. Er nahm den blinden Knaben François de Lesueur in sein
Haus, entschädigte ihn für den Ausfall seines Bettelertrages und
unterrichtete ihn. Das geschah im Jahre 1784; mit diesem Versuche wurde
der Grund zu der ersten Blindenanstalt gelegt.
Es kam Haüy zunächst darauf an, einen größeren Kreis für sein Werk
zu interessieren; darum führte er schon nach wenigen Monaten seinen
Schüler einem geladenen Publikum vor und prüfte ihn im Lesen, Schreiben
und Rechnen. Der Erfolg war außerordentlich; die Blindensache gewann
Freunde, und Haüy erhielt die Mittel, zwölf Blinde aufzunehmen. Bald
stieg die Zahl auf das Vierfache, und als er zwei Jahre später 24
seiner besten Schüler dem Hofe in Versailles vorstellen durfte, wo ihre
Leistungen mit hoher Befriedigung aufgenommen wurden, da gewann der
Gedanke der Blindenbildung immer weiteren Boden.
Von Anfang an umfaßte die Blindenbildung ein Doppeltes: Schulunterricht
und Handarbeitsunterricht. Im Schulunterricht wurde das Hauptgewicht
auf Lesen, Schreiben und Rechnen gelegt. Daneben wurde ein intensiver
Musikunterricht betrieben. Doch finden wir auch schon die Anfänge der
Realien. Was Stoff und Methode des Unterrichts betrifft, so schloß Haüy
sich enge an den Unterricht der Sehenden an. In der Geometrie ließ er
Figuren aus Draht auf Papptäfelchen zeichnen; das Rechnen betrieb er
als Zifferrechnen mit erhabenen Typen; im erdkundlichen Unterricht
wurde das schnelle Orientieren auf der Karte als Hauptstück angesehen.
Trotz der tastbaren Lehrmittel spielte die Auffassung durch das Ohr,
die mündliche Mitteilung, im Unterricht noch eine wesentliche Rolle.
Sagte doch noch 40 Jahre später der tüchtige Johann Wilhelm Klein:
„Bei weitem der meiste Unterricht in Schul- und wissenschaftlichen
Gegenständen geschieht durch mündlichen Vortrag, also durchs Gehör; das
Lesen aus Büchern ist nur eine andere Form desselben, und dem Blinden
durch Vorlesen ebenso zugänglich“[41].
Für das Lesen und Schreiben verwandte Haüy das lateinische Alphabet.
Die erhöhte Druckschrift wurde mit Hilfe geeigneter Lettern
hergestellt. Was das Schreiben betrifft, so versuchte er, ebenfalls
eine Reliefschrift einzuführen, damit die Blinden das Geschriebene
lesen konnten. Er ließ mit einer geeigneten Feder die Buchstaben
auf dem Papier +durchdrücken+, so daß sie auf der Rückseite schwach
erhaben erschienen. Das Ergebnis dieser Versuche war aber kein auf die
Dauer befriedigendes; man gab daher bald die Reliefschrift auf und
beschränkte sich auf die Flachschrift, die freilich von dem Schreiber
selbst nicht gelesen werden konnte.
Die starke Anlehnung an die Unterrichtsweise der Sehenden erklärt sich
zum Teil daraus, daß die Methode des Elementarunterrichts noch fast
ganz daniederlag, und daß man glaubte, durch möglichste Annäherung
an den allgemeinen Unterricht die Blinden ganz auf die Stufe der
Sehenden zu heben. War doch Haüy sogar der Meinung, daß Blinde als
Lehrer in den Schulen der Sehenden erfolgreich tätig sein könnten. Die
Versuche, die er anstellte, fielen freilich nicht befriedigend aus. Der
+Handarbeitsunterricht+ bezweckte weniger, die Blinden erwerbsfähig zu
machen, als vielmehr, ihnen eine nützliche technische Beschäftigung
zu bieten, die auch einen kleinen Gewinn abwarf. Eine +handwerkliche+
Ausbildung fand nicht statt.
Die Revolution war der Entwickelung der Pariser Anstalt nicht günstig.
Napoleon verabschiedete Haüy und gab ihm eine Pension. Zwar errichtete
er sogleich eine Privatanstalt für die Erziehung von Blinden, geriet
aber bei seinen knappen Verhältnissen sehr bald in eine mißliche Lage.
Unter diesen Umständen kam ihm der Antrag des Kaisers Alexander I. von
Rußland sehr gelegen, nach St. Petersburg überzusiedeln und dort eine
Blindenanstalt zu gründen. Auf der Reise nach Rußland berührte Haüy
Berlin, und sein dortiger Aufenthalt wurde für Preußen bedeutungsvoll.
Haüy wurde in Berlin mit dem Augenarzt Dr. Grapengießer bekannt
und führte diesem den blinden Schüler Fournier vor, der ihn auf
der Reise begleitete. Grapengießer interessierte sich lebhaft für
den intelligenten Blinden und stimmte Haüys Idee der allgemeinen
Blindenbildung zu. Er brachte es dahin, daß Haüy seinen Schüler vor
dem Könige Friedrich Wilhelm III. prüfen durfte. Der König wurde
von der Möglichkeit und Wichtigkeit der Erziehung Blinder überzeugt
und erklärte sich mit den Vorschlägen Haüys für die Gründung einer
Blindenanstalt in Berlin einverstanden. Die Anstalt trat am 13.
+Oktober+ 1806 ins Leben; der Leiter derselben wurde der junge,
begeisterte Dr. August Zeune (1778-1853), Lehrer am Gymnasium zum
grauen Kloster in Berlin, der im Hause Grapengießers mit Haüy bekannt
geworden und von diesem dem Könige empfohlen worden war.
Haüys Aufenthalt in Petersburg hatte leider nicht den gewünschten
Erfolg. Wohl kam es 1807 zur Gründung einer Blindenanstalt, aber die
Ungunst der Zeit hinderte die gedeihliche Entwickelung derselben.
Haüy kehrte 1817 nach Paris zurück und lebte dort in recht ärmlichen
Verhältnissen; fünf Jahre später starb er, fast vergessen. Erst die
Nachwelt erinnerte sich seiner. Ein schönes Marmordenkmal ziert
jetzt die von ihm gegründete Anstalt, ein segensreich wirkender
Blinden-Fürsorgeverein trägt seinen Namen, ebenso eine Zeitschrift, die
im Dienste des Blindenwesens steht. Haüys Hauptwerk über die Blinden
führt den Titel: „Essai sur l’education des aveugles“[42].
Bereits zwei Jahre vor der Gründung der Königlichen Blindenanstalt in
Berlin, also im Jahre 1804, hatte der Armenvorsteher +Johann Wilhelm
Klein+ in Wien (geb. 1765 zu Allerheim bei Nördlingen, gest. 1848
in Wien) den Versuch gemacht, einen blinden Knaben, Jakob Braun, zu
erziehen und zu unterrichten. Dieser Versuch führte zur Gründung des
„k. k. Blinden-Erziehungs-Instituts“ in Wien, der ersten Blindenanstalt
auf österreichischem Boden.
Johann Wilhelm Klein hat in einem langen und arbeitsvollen Leben
außerordentlich segensreich auf dem Gebiete der Blindenbildung gewirkt.
Durch eine praktische, mustergültige Einrichtung der Wiener Anstalt,
durch die Ausbildung der Methode des Blindenunterrichts, durch
Abfassung eines ausführlichen „Lehrbuches zum Unterrichte der Blinden“
und durch die Anbahnung der Fürsorge für ältere Blinde ist Klein
das Vorbild und der Meister der Blindenlehrer geworden. Über seine
Wirksamkeit können hier nur einige Andeutungen gemacht werden.
Wie in der Pariser Anstalt, die Klein übrigens aus eigener Anschauung
nicht kannte, wurde auch in Wien hinsichtlich des Unterrichts das
Hauptgewicht auf Lesen, Schreiben, Rechnen und Musik gelegt. Für
Erdkunde und Geschichte war nur je eine Wochenstunde bestimmt. Einen
eigentlichen Anschauungsunterricht kennt Klein nicht, doch sind für
die Schüler der Unterstufe wöchentlich zwei Stunden für „Übungen in
Handgriffen“ angesetzt. Es waren dies Anschauungsübungen, die an den
Stoffen und Gegenständen einer zu dem sog. „Allerlei“ vereinigten
Sammlung vorgenommen wurden. Auf die Bildung der Hände legt Klein
ein großes Gewicht. Er will sie beim Spiel, bei dem täglichen An-
und Auskleiden, bei allerlei kleinen häuslichen Arbeiten und bei den
Vorübungen für das Flechten geübt wissen. Auch das, was wir heute
Fröbelarbeiten nennen, war ihm nicht ganz fremd; ebenso finden wir in
seiner Anstalt die Anfänge des sog. Handfertigkeitsunterrichts.
In betreff des Lesens blieb Klein bei den als Reliefschrift gedruckten
Unzialen. Zwar erhielt er durch Louis Braille auch Kenntnis von der
Punktschrift, doch verhielt er sich ihr gegenüber ablehnend. Völlig
neu war die Anwendung der Stachelschrift, auf welche Klein durch
einen intelligenten Blinden geführt wurde. Sie wurde in Wien fast
ausschließlich handschriftlich hergestellt, während die Anstalten in
Berlin und Breslau sie schon frühe als Druckschrift verwandten. Der
„Stacheltypen-Apparat“ ist neuerdings von Mell verbessert und noch
heute in den österreichischen Anstalten im Gebrauch. Auch der von Klein
eingeführte „Wiener Rechenkasten“ mit Bleitypen, der ein Rechnen mit
Ansätzen ermöglicht, wird heute noch vielfach benutzt. Bemerkenswert
ist, daß Klein bereits einen achtjährigen Schulunterricht fordert und
in der Wiener Anstalt durchführt; damit ist er vielen andern später
gegründeten Anstalten voraus, die sich mit einer wesentlich kürzeren
Schulzeit begnügten oder notgedrungen begnügen mußten.
Recht groß für die damalige Zeit war die Zahl der von Klein
eingeführten Lehr- und Lernmittel. Das Verzeichnis derselben nimmt
in seiner „Geschichte des Blindenunterrichts“ vom Jahre 1837 11
Druckseiten ein. Freilich sind darunter viele Sachen, die nicht
dem unmittelbaren Gebrauch in der Schule dienten, sondern nur zur
Vervollständigung der Sammlung angeschafft waren. Klein sah voraus, daß
ein späteres Geschlecht der Blindenlehrer an einer solchen Sammlung
wertvolle Studien machen und viel Anregung dabei gewinnen könne. So
legte er den Grund zu dem heutigen ausgezeichneten Museum für den
Blindenunterricht beim k. k. Blinden-Erziehungs-Institut in Wien[43].
Sehr bescheiden ist in jener Zeit noch die Zahl der in Reliefschrift
gedruckten +Bücher+; sie beschränkt sich in der Hauptsache auf einige
religiöse Schriften, eine Sammlung von Denksprüchen, eine Gedicht-
und Fabelsammlung, Leseübungen für Anfänger und Geschichtstabellen.
Ein Lesebuch ist nicht vorhanden. Was die Lehrmittel für den
naturgeschichtlichen Unterricht betrifft, so ist bemerkenswert,
daß Klein außer vollständigen Modellen auch in Papier gedruckte
+Reliefbilder+ und +Umrißzeichnungen+ verwenden läßt.
Das vorhin erwähnte „Lehrbuch zum Unterrichte der Blinden“ erschien
im Jahre 1819. Es enthält nicht nur eine Darstellung des Wissenwerten
über die Natur des Blinden, über seine Stellung unter den Sehenden
und die Abweichungen in seiner körperlichen Entwickelung, sondern
auch eine vollständige Methodik des Blindenunterrichts, teilweise
mit ausführlichen Lehrgängen. Wenn auch vieles von dem, was das Buch
bietet, heute längst überholt ist, wenn namentlich die methodischen
Anweisungen gänzlich veraltet sind, so sind einzelne Partien des
Buches, z. B. die allgemeinen Abhandlungen, auch jetzt noch lesenswert.
Das gilt insbesondere auch von der Anweisung zum Musikunterricht, die
von dem sehr tüchtigen Mitarbeiter Kleins, dem Hoforganisten Simon
Sechter, bearbeitet und in ihren Grundzügen noch heute vorbildlich ist.
Auch die von Klein aufgestellten „Verhaltungsmaßregeln für die Zöglinge
des „k. k. Blinden-Instituts““ enthalten vieles, was sich auch jetzt
noch für die Aufstellung einer Hausordnung verwenden läßt.
In bezug auf den +Handarbeitsunterricht+ war es natürlich, daß Klein
zunächst +Versuche+ anstellte, um ein Urteil darüber zu gewinnen,
welche Beschäftigungsarten für Blinde besonders empfehlenswert seien.
Es wurden betrieben: Papparbeiten, Buchbinderei, Schuhmacherei,
Farbholzraspeln, Tischlerei, Drechslerei, Spinnen, Fransenmachen,
Korbmacherei und Seilerei. Die vier letztgenannten Arbeitszweige
erwiesen sich als besonders geeignet und wurden darum in größerem
Umfange eingeführt, während man die erstgenannten nach und nach wieder
fallen ließ. Freilich war an einen derartig intensiven Betrieb der
Handarbeit, wie wir sie gegenwärtig in den Blindenanstalten finden,
nicht zu denken. Die Einsicht, daß das Ziel der Blindenbildung die
volle oder wenigstens teilweise +Erwerbsfähigkeit+ des Blinden sein
müsse, blieb einer späteren Zeit vorbehalten. Klein hat denn auch
die betrübende Erfahrung machen müssen, daß viele Zöglinge nach der
Entlassung aus der Anstalt sich wieder dem Betteln zuwandten, meist in
Verbindung mit dem Musizieren. Er erstrebte darum die Gründung einer
„Versorgungs- und Beschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde“, die
auch tatsächlich von einem Verein ins Leben gerufen wurde. Seit dieser
Zeit tritt der Handarbeitsunterricht in der Blindenanstalt mehr und
mehr zurück; er wurde der Beschäftigungsanstalt überwiesen.
Rückschauend können wir sagen, daß in den Bestrebungen Kleins eine
gesunde Entwickelung des Blindenbildungswesens zum Ausdruck kommt.
Selbst die in der Gegenwart verfolgten Ziele sind bei ihm (und den
gleichzeitig mit ihm wirkenden Männern an den inzwischen entstandenen
andern Anstalten) in den Anfängen vorhanden.
Die im Jahre 1806 in +Berlin+ von August Zeune gegründete +Königliche
Blindenanstalt+ war mit einem Zögling, Wilhelm Engel aus Kolberg,
eröffnet worden. Aber die junge Anstalt kam durch den inzwischen
ausgebrochenen unglücklichen Krieg in harte Bedrängnis, und nur
die Opferwilligkeit Zeunes, der sein Vermögen hingab, rettete sie
vor dem Untergange. Es war von weittragender Bedeutung, daß die
ersten Anstalten auf deutschem und auf österreichischem Boden von
so hervorragend tüchtigen, praktischen, für die Sache der Blinden
begeisterten Männern wie Klein und Zeune gegründet und eine lange
Reihe von Jahren geleitet wurden. Vielleicht war Zeunes Tätigkeit
noch vielseitiger als die Kleins, da er auch noch auf dem Gebiete der
deutschen Sprache und der Geographie Studien trieb und eine Zeitlang
Vorlesungen an der Universität hielt.
Der Unterricht der ersten preußischen Blindenanstalt bewegt sich im
allgemeinen in den Grenzen, die wir bei Klein kennen gelernt haben.
Doch scheint Zeune den Realien mehr Zeit gewidmet zu haben. Besonders
dem erdkundlichen Unterricht wurde große Sorgfalt zugewendet, was
sich wohl aus Zeunes wissenschaftlichem Interesse für dieses Fach
erklärt. Wir finden bei ihm bereits einen stufenweise fortschreitenden
Lehrgang, der von dem Heimatsort ausgeht und mit der Anschauung der
Erde als Ganzes endet. Die Lehrmittel für den geographischen Unterricht
fertigte Zeune selbst an und ließ sie vervielfältigen. Er ist der
Erfinder der Reliefgloben, die er in der bedeutenden Größe von 42 und
68 cm Durchmesser herstellte. Zeune war auch schriftstellerisch tätig.
Sein wichtigstes Werk führt den Titel „Belisar oder über Blinde und
Blindenanstalten“, das in mehreren Auflagen erschien. Es ist jedoch bei
weitem nicht so umfangreich wie das Lehrbuch von Klein.
In den Kriegen 1813-1815 erblindeten mehr als 500 preußische Soldaten.
Auf Zeunes Rat wurden für diese Blinden sog. +Kriegsblindenanstalten+
in Berlin, Breslau, Königsberg, Marienwerder und Münster gegründet.
Es waren Werkschulen, in denen die Blinden einige Monate in einer
handwerklichen Beschäftigung unterwiesen und dann in die Heimat
entlassen wurden; die Lehrmeister hatte Zeune ausgebildet. Einige
dieser Anstalten bestanden nur kurze Zeit. Die zu Königsberg wurde
durch den bekannten General Bülow von Dennewitz gefördert, bestand
18 Jahre und nahm später die Form einer Unterstützungsanstalt für
Blinde an. In veränderter Gestalt besteht die Stiftung noch heute.
Die Kriegsblindenanstalt in Breslau entwickelte sich zu einer
Bildungsanstalt für blinde Kinder; an ihr war der blinde +Knie+ tätig,
von dem weiter unten die Rede sein wird.
Mittlerweile hatte sich die Zahl der deutschen Bildungsanstalten
für blinde Kinder vermehrt. Es entstanden im ersten Drittel des 19.
Jahrhundert u. a. die Anstalten in Prag (1808), Dresden (1809), Breslau
(1818 durch Knie gegründet), Freising (1826, später nach München
verlegt), Braunschweig (1829, durch Lachmann gegründet), Hamburg
(1830), Halle und Frankfurt a. M. (1833). Auch die übrigen europäischen
Länder blieben nicht zurück; besonders England tat sich hervor; schon
am Ende des 18. Jahrhunderts wurden hier vier Blindenanstalten ins
Leben gerufen. Im Jahre 1858 sind nach Knies Bericht in Deutschland
und Österreich 26 Blindenanstalten vorhanden. Die meisten dieser
Anstalten waren Privatstiftungen; erst im Laufe der Zeit wurden sie in
öffentliche Anstalten umgewandelt. Sie reichten natürlich bei weitem
nicht aus, um sämtliche jugendlichen Blinden aufzunehmen. Es wird
darum immer wieder auf die Volksschule als Notbehelf hingewiesen, und
es erscheinen verschiedene Schriften, um die Volksschullehrer mit der
Eigenart des Blindenunterrichts bekannt zu machen. In erster Linie
ist hier das Werkchen von Knie zu nennen: „Anleitung zur zweckmäßigen
Behandlung blinder Kinder in öffentlichen Volksschulen“, ein Büchlein,
das heute noch lesenswert ist. Interessant ist auch die Beilage zu
dem Buche, die eine Art Fibel in Hochdruck darstellt und auch in die
Anfänge der „Tonkunst“ einführt. Der Druck ist von der Breslauer
Anstalt ausgeführt; die Buchstaben sind Unzialen in Stachelschrift.
Der fünften Auflage von 1858 ist als Neuheit ein Blatt mit dem
Punktalphabet Brailles beigefügt.
Der Unterricht wird allmählich nach der methodischen Seite hin
vollkommener. Die Gedächtnisübungen werden mehr und mehr eingeschränkt
und erstrecken sich auf literarisch wertvolle Stoffe, während früher
mit Vorliebe Gedichte, die von Blinden stammten und für Blinde
bestimmt waren, memoriert wurden[44]. Die Lehrer sind eifrig dabei,
die vorhandenen Unterrichtsmittel zu verbessern und neue zu ersinnen.
Namentlich für den Schreibunterricht wurden verschiedene praktische
Apparate erfunden, so von Hebold und Guldberg. Was den Buchdruck
betrifft, so hielt man in Deutschland an den lateinischen Lettern
fest, während im Pariser Institut bereits 1850 die Punktschrift von
+Louis Braille+ eingeführt wurde. In England fand die Schrift von Moon
weite Verbreitung. Es will uns heute unbegreiflich erscheinen, daß die
deutschen Blindenanstalten sich so lange gegen die Einführung der
Punktschrift sträubten. Es war im Grunde genommen nur ein Bedenken,
welches die Blindenlehrer gegen die Braille-Schrift hatten, dieses
nämlich, daß die Blinden mit der Annahme einer Schrift, die nicht von
jedermann gelesen werden konnte, sich von den Sehenden bedenklich
entfernten. Auch erschien es gewagt, ein System, in welchem eine
immerhin schon ansehnliche Literatur entstanden war (vor allem war
die Bibel in Unzialen gedruckt), aufzugeben und ein neues anzunehmen,
bei dem man mit dem Buchdruck von vorn hätte anfangen müssen. Dazu
kam noch das System Moons, das der Erfinder als der Braille-Schrift
weit überlegen anpries. So wurde den deutschen Blindenanstalten die
Wahl schwer gemacht; was Wunder, daß sie erklärten: Wir bleiben
bei dem bewährten Alten. Es gereicht ihnen zur Ehre, daß trotz
der verschiedenen Ansichten über einen der wichtigsten Punkte im
Blindenunterricht die Eintracht gewahrt blieb. Sicher war es allen
Blindenlehrern aus dem Herzen gesprochen, wenn Rösner in Berlin am
Schluß eines längeren Artikels über den Blindendruck sagte: „Tun
wir Blindenlehrer Deutschlands an unserm Teile ein jeder das Seine!
Blindenschrift-Systeme aber sollen uns nie scheiden!“[45].
Wäre es den Blindenanstalten möglich gewesen, in engere Fühlung
miteinander zu kommen, so hätte sich über manchen strittigen Punkt in
Erziehung und Unterricht sicher eine Verständigung erzielen lassen. So
aber arbeitete jede Anstalt für sich und hielt an dem fest, was Zeit
und Erfahrung scheinbar unangreifbar gemacht hatten. Wohl unternahmen
einzelne Blindenlehrer Reisen, um andere Anstalten kennen zu lernen,
aber der Gewinn solcher Reisen kam doch nicht der Allgemeinheit zugute.
Ein Fortschritt war es schon, daß die Blindenlehrer seit dem Jahre 1854
in dem „Organ der Taubstummen- und Blindenanstalten in Deutschland“
eine Zeitschrift besaßen, in welcher sie ihre Meinungen austauschen
konnten. Die Zeitschrift erschien monatlich und wurde von dem Direktor
der Taubstummenanstalt zu Friedberg, Dr. Matthias, herausgegeben.
Hierbei mag erwähnt werden, daß nicht selten Taubstummen- und
Blindenanstalten zu einer Internatsgemeinschaft vereinigt waren; erst
in neuerer Zeit ist diese unnatürliche Verbindung fast durchweg gelöst
worden.
Mit Beginn des letzten Drittels des vorigen Jahrhunderts macht
sich ein neuer Eifer auf dem Gebiete der Blindenbildung bemerkbar.
Tüchtige Männer, wie Rösner-Berlin, Pablasek-Wien, Reinhard-Dresden,
Ferchen-Kiel, Wulff-Neukloster u. a. stellten für den Unterricht, für
die berufliche Ausbildung und die Fürsorge der Blinden praktische, der
Neuzeit entsprechende Ziele auf und suchten sie in ihren Anstalten zu
verwirklichen. Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands nach den
großen Einigungskriegen, die Fortschritte im Volksschulwesen, die in
Preußen durch die „Allgemeinen Bestimmungen“ vom Jahre 1872 eingeleitet
wurden, der freudige Eifer, der sich durchweg in der Lehrerschaft
zeigte und unter anderm seinen Ausdruck in der Vereinigung der Lehrer
zur Förderung der Berufsarbeit fand, übte auch auf die Blindenanstalten
einen großen Einfluß aus. Am bedeutungsvollsten für die Entwickelung
des Blindenwesens war der Zusammenschluß der Blindenlehrer auf den mit
dem Jahre 1873 beginnenden +Kongressen+.
Die Anregung hierzu ging von Dr. Frankl, dem Gründer des
Blinden-Instituts auf der hohen Warte bei Wien, aus. Ihm war auf einer
Reise das isolierte Arbeiten der Blindenanstalten aufgefallen, und
er versprach sich von regelmäßigen Zusammenkünften der Blindenlehrer
eine Klärung und Förderung des gesamten Blindenwesens. Seine Idee
fand allseitige Zustimmung, und so kam denn im Jahre 1873 der erste
europäische Blindenlehrerkongreß in Wien zustande.
Es ist schwer, in wenigen Zeilen den großen Einfluß darzulegen, den
die Blindenlehrerkongresse auf den Unterricht, die Berufsbildung der
Blinden und die Fürsorge ausgeübt haben und noch ausüben. Die aus
der Erfahrung geschöpften Vorträge der Fachmänner, die Ausstellungen
von Lehr- und Lernmitteln für den Blindenunterricht, die Teilnahme
berufener Vertreter der staatlichen und kommunalen Behörden, der
Gedankenaustausch der Blindenlehrer bei der Besprechung der Vorträge
und beim zwanglosen Verkehr miteinander: das alles wirkt zusammen, um
die Kongresse zu einem bedeutungsvollen Faktor der Blindenbildung zu
machen.
Gleich auf den ersten Kongressen wurde die Schriftfrage zum Gegenstand
eingehender Beratungen gemacht. Die Versuche, welche einzelne Anstalten
mit der Punktschrift gemacht hatten, waren so günstig ausgefallen, daß
man glaubte, sie vom Unterricht ferner nicht ausschließen zu dürfen.
Man war nur im Zweifel darüber, ob man Brailles System annehmen
sollte oder ein solches, das dem Bedürfnis der +deutschen+ Sprache
mehr Rechnung trug. Ein deutsches Punktschriftsystem war von dem
Direktor der Blindenanstalt zu Leipzig, v. St. Marie, aufgestellt
worden. Er bezeichnete die in der deutschen Schrift am häufigsten
vorkommenden Buchstaben mit der geringsten Zahl von Punkten. Das
war offenbar ein Vorteil gegenüber dem rein alphabetischen System
Brailles. Trotzdem entschied man sich auf dem zweiten und dritten
Kongreß (Dresden und Berlin) aus schwerwiegenden Gründen für Brailles
System. Die Linienschrift ließ man zunächst aber noch nicht fallen,
sondern lehrte beide Schriftarten nebeneinander. Erst später, als der
Ruf „Fort mit dem Liniendruck!“ immer lauter erscholl, ging man ganz
und gar zur Punktschrift über. Um den Blindenanstalten die nötigen
Hochdruckschriften billig liefern zu können, wurde auf dem Kongreß
in Dresden (1876) der „Verein zur Förderung der Blindenbildung“
gegründet, der noch heute besteht. Bald erschien ein von dem Verein
herausgegebenes Lesebuch, das für den Schulunterricht dringend
notwendig war. Einige Bände desselben waren in Linienschrift, die
andern in Punktschrift gedruckt. Die letztere wurde in der Folge zu
einer internationalen Musikschrift, einer deutschen Kurzschrift und
einer Mathematikschrift ausgebaut. Auf die Wichtigkeit der intensiven
Anschauung durch Tasten wurde immer wieder hingewiesen. Dabei kam die
Notwendigkeit der darstellenden Tätigkeit des Schülers wiederholt
zur Sprache. Die Folge war die Einführung des Modellierens, des
Zeichnens, der Fröbelarbeiten und des Handfertigkeitsunterrichts
in den Blindenanstalten. Einen wesentlichen Fortschritt machte der
erdkundliche Unterricht, indem Kunz-Illzach gute Papier-Reliefkarten
druckte, die einen Klassenunterricht ermöglichten. Die Schreibapparate
für Punkt- und Flachschrift wurden verbessert: neuerdings sind
auch Maschinen für beide Schriftarten auf den Plan getreten. Als
die Anstalten mit den nötigsten Schulbüchern versehen waren, ging
der Verein zur Förderung der Blindenbildung zum Druck von Büchern
für die Privatlektüre der Blinden über. In dieser Arbeit wurde er
von mehreren Anstalten unterstützt, die Punktschrift-Druckereien
einrichteten. Die Hauptwerke unserer Klassiker, eine große Zahl
von volkstümlichen Erzählungen und manche wertvollen Werke aus dem
Gebiete der allgemeinen Wissenschaft füllen seitdem die Bibliotheken
der Blindenanstalten. Die Leichtigkeit, mit der die Punktschrift
handschriftlich hergestellt werden kann, regte viele Blindenfreunde
zur Mitarbeit an der Vergrößerung der Blindenbibliotheken an. Der
Lesestoff ist dadurch ein so umfangreicher und vielseitiger geworden,
daß das Vorlesen durch Sehende, das früher einen weiten Raum einnahm,
stark zurücktreten kann. Sehr erfreulich entwickelte sich die nach
Brailles System gedruckte Musikliteratur. Hierbei besonders sieht man
die Wichtigkeit der internationalen Schriftübereinstimmung. Was den
Unterricht im allgemeinen betrifft, so war man auf den Kongressen
bemüht, nicht bloß die praktische Seite desselben zu betonen, sondern
auch den theoretischen Grundlagen nachzugehen. Insbesondere wurde die
psychologische Begründung des Unterrichts häufig erörtert. Man ging
von der sehr richtigen Ansicht aus, daß der Unterricht um so wirksamer
sein werde, je mehr er der Natur des Blinden angepaßt sei. Das Studium
der Natur des Blinden und die Klarstellung der Abweichungen in seiner
Geistesentwickelung ist durch die Kongresse außerordentlich gefördert
worden. Auf den Unterricht hat dies insofern Einfluß gehabt, als der
früher geübte ängstliche Anschluß an die Schule der Sehenden in bezug
auf Auswahl und Verarbeitung des Lehrstoffes nachließ und, zumal auf
den unteren Stufen, einer freieren, der Natur des blinden Kindes
entgegenkommenden Praxis Platz machte.
Eine bedeutende Förderung erfuhr der Unterricht und das
gesamte deutsche Blindenwesen durch die Gründung einer eigenen
Fachzeitschrift, des von Mecker-Düren im Jahre 1881 ins Leben gerufenen
„Blindenfreundes“. Auch von andern Seiten erhielt die Blindenliteratur
manche wertvolle Gabe. Mehrere Anstalten, in erster Linie die
zu Wien und Illzach, gaben eine ausführliche Darstellung ihrer
geschichtlichen Entwickelung; Theodor Heller schrieb seine „Studien
zur Blindenpsychologie“; als wichtigstes Werk aber erschien im Jahre
1900 das zweibändige, gründliche und ausführliche „Encyklopädische
Handbuch des Blindenwesens“ von Alexander Mell. Eine Ergänzung fand
die Blindenliteratur durch die bei den Anstalten zu Wien und Steglitz
geschaffenen Blindenmuseen, welche die Entwickelung des Blindenwesens
praktisch vor Augen stellen.
Betreffs der +Berufsbildung der Blinden+ haben die Verhandlungen
auf den Kongressen und die Erörterungen in der oben genannten
Fachzeitschrift zur Aufstellung eines Zieles geführt, das den
ersten Blindenlehrern noch fernlag. Wohl hatte schon Johann Wilhelm
Klein, wie oben gezeigt, seine Zöglinge in „einigen mechanischen
Fertigkeiten“ unterwiesen, und auch später ist in den Anstalten außer
dem Schulunterricht stets auch Handarbeitsunterricht erteilt worden;
aber man schätzte die Kraft des Blinden noch nicht so hoch ein, daß
man meinte, er könne ohne wesentliche fremde Hilfe, durch eigene Kraft
sich im Leben behaupten. Nun lehrte die Erfahrung hie und da, daß bei
gründlicher Ausbildung in einem passenden Berufe der Blinde sehr wohl
erwerbsfähig werden könne. Die Meinungen hierüber klärten sich nach
und nach und führten zu weiteren praktischen Versuchen. So konnte auf
dem Kongreß in Berlin (1879) als das Ziel der Anstaltsbildung die
Erwerbsfähigkeit des Blinden und die daraus erwachsende Selbständigkeit
in der Ausübung eines Berufes bezeichnet werden. Mit der Verfolgung
dieses Zieles trat eine Neubelebung der handwerklichen Ausbildung ein,
die sich nun auch auf die Mädchen erstreckte, die bis dahin meist
mit den sog. weiblichen Handarbeiten beschäftigt worden waren. Der
Ausgestaltung der Berufsbildung ist seitdem unausgesetzt die größte
Sorgfalt zugewendet worden; man suchte den Blinden neue Erwerbszweige
zu erschließen, und als mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts mancherlei
wirtschaftliche Verschiebungen eintraten, erwog man, ob die bisherigen
Berufe auch noch lohnend seien oder durch andere ersetzt werden können.
Mit der Frage der Erwerbsfähigkeit stand die +Fürsorge+ für die im
Berufsleben stehenden Blinden im engen Zusammenhange. Die Ausrüstung
des Blinden mit den für einen Beruf erforderlichen Kenntnissen und
Fertigkeiten war zwecklos, wenn nicht dafür Sorge getragen wurde,
daß er die gewonnene Erwerbsfähigkeit auch tatsächlich zur Geltung
bringen konnte. Hier hatte die Fürsorge einzusetzen. Eine vorbildliche
Tätigkeit in dieser Richtung hatte die Anstalt in Dresden bereits unter
Georgi (gest. 1867) entfaltet. Von andern deutschen Anstalten waren
die dortigen Ideen aufgenommen und den Lokalbedürfnissen entsprechend
umgestaltet worden. Die Aussprache auf den Kongressen führte zu neuen
Formen, u. a. auch zu den sogenannten Blindenheimen und offenen
Werkstätten. Nächst dem Unterricht ist kein Gebiet so eingehend
besprochen worden wie die Fürsorge.
Sollen noch einige äußere Errungenschaften der Kongresse genannt
werden, so sei an die Ermäßigung des Portos für Briefe in erhabener
Schrift und an die Fahrpreisermäßigung für Blinde auf den deutschen
Eisenbahnen erinnert, welche Vorteile auf bezügliche Eingaben
der Blindenlehrerversammlungen bei den in Betracht kommenden
Behörden gewährt wurden. Auch für die Schaffung einer zuverlässigen
Blindenstatistik und für Maßnahmen zur Verhütung der Blindheit sind
die Kongresse lebhaft eingetreten. Endlich muß daran erinnert werden,
daß sie von jeher den Schulzwang für blinde Kinder und eine gründliche
Vorbildung der Blindenlehrer erstrebt haben.
Zum Schluß mag mit einigen Worten der gegenwärtige Stand des
Blindenwesens charakterisiert werden.
Die +Zahl der Blindenanstalten+ hat sich in den letzten 50 Jahren
erheblich vermehrt. Seit 1860 wurden in Deutschland 11, in
Österreich-Ungarn 13 Anstalten neu gegründet, so daß Deutschland
jetzt insgesamt 33, Österreich 21 Blindenbildungsanstalten
besitzt. Dazu kommen noch offene Arbeitswerkstätten, Blindenheime
und Feierabendhäuser. Die Überzeugung von der Notwendigkeit der
Blindenbildung und dem Segen der Blindenanstalten ist nach und nach
in alle Volksschichten gedrungen. Wohl gibt es noch immer Eltern, die
aus den verschiedensten Gründen sich nur schwer entschließen, ihr
blindes Kind einer Anstalt zu übergeben, aber im allgemeinen sind
die Blindenanstalten doch volkstümlich geworden. Von weittragender
Bedeutung ist die im Jahre 1912 erfolgte gesetzliche Einführung der
Schulpflicht für blinde Kinder in dem größten deutschen Bundesstaat,
Preußen. Es ist zu erwarten, daß auch diejenigen deutschen Staaten, in
denen die Schulpflicht noch nicht besteht, dem Vorgange Preußens folgen
werden.
In baulicher Beziehung haben die Blindenanstalten wesentliche
Fortschritte gemacht. Mehrere sind aus der Enge der Großstadt an die
Peripherie oder in Vororte verlegt worden, wo für ihre Entwickelung
ausreichender Raum vorhanden ist. Nach der hygienischen Seite hin
sind die Anstaltsgebäude aufs beste eingerichtet; namentlich ist die
Trennung der Schul-, Wohn-, Wirtschafts- und Arbeitsräume, die früher
meist unter einem Dache vereinigt waren, durchgeführt.
Im +Unterricht+ ist die außerordentliche Verschiedenheit der einzelnen
Anstalten einer größeren Gleichmäßigkeit gewichen. Die vom Kongreß in
Hamburg (1907) angenommenen „Grundlinien zu einem Lehrplan für deutsche
Blindenanstalten“ bezeichnen in großen Zügen die Unterrichtsziele und
die zu verarbeitenden Stoffgebiete. Ein neues achtbändiges Lesebuch
stellt sich in den Dienst des Sprachunterrichts. Unterhaltende und
belehrende Schriften werden außer von dem „Verein zur Förderung
der Blindenbildung“ auch von vielen Anstalten gedruckt, so daß die
Bibliotheken einen recht bedeutenden Umfang angenommen haben. Der
Gedanke der intensiven Anschauung durch Umgang mit den Dingen und durch
darstellende Tätigkeit des Schülers wird immer weiter ausgebaut und in
die Praxis übertragen. Auch die Bestrebungen, die durch die Ausdrücke
„Lebenskunde“, „Jugendpflege“, „Selbstregierung“ gekennzeichnet
werden, finden eine ernste Prüfung und regen zu Versuchen an. Die
schwachbefähigten Schüler sammelt man in besondere Abteilungen, und wo
dies der geringen Zahl wegen nicht möglich ist, sucht man sie durch
Nachhilfestunden zu fördern. Die Blindenlehrer sind bemüht, sich
in die Theorie und Praxis ihres Spezialgebietes immer gründlicher
einzuarbeiten. Der auf den Kongressen wiederholt gestellte Antrag,
+Prüfungen+ für die angehenden Blindenlehrer einzuführen, hat in
Preußen jetzt seine Verwirklichung gefunden. Es ist zu hoffen, daß
diese Prüfungen, wie für die Lehrer, so auch für die Blindenschule von
Segen sein werden.
Die +Berufsbildung+ der Blinden wird von dem allgemeinen
Wirtschaftsleben stark beeinflußt. Bei der sich immer mehr ausdehnenden
Fabrikarbeit und der damit zusammenhängenden Überproduktion sind
die Aussichten für den Kleinbetrieb immer ungünstiger geworden,
und dem einzelnen blinden Handwerker wird es immer schwerer, als
selbständiger Gewerbetreibender sein Brot zu verdienen. Diese
Umstände machen es notwendig, nach neuen Berufen für die Blinden
Umschau zu halten. Leider haben die diesbezüglichen Bemühungen der
Blindenlehrer und Blindenfreunde bis jetzt wenig Erfolg gehabt. Große
Hoffnungen setzen die Blinden auf die Musik. Es ist gewiß, daß auf
diesem Gebiete ein befähigter Blinder Tüchtiges leisten kann, aber
auch hier ist die Konkurrenz der Sehenden so stark, und der Beruf
als Organist, Musiklehrer und Künstler ist für den Blinden mit so
viel äußeren Schwierigkeiten verbunden (Konzertreisen), daß nur
hervorragend tüchtige Blinde sich durch die Musik eine gesicherte
Lebensstellung erringen können. Als ein passender, für sich allein
aber nicht ausreichender Beruf hat sich das Klavierstimmen erwiesen.
Über die Verwendung Blinder mit Sehresten in gärtnerischen und
landwirtschaftlichen Betrieben werden zurzeit Versuche angestellt.
In der +Fürsorge+ sind die Behörden und besondere Fürsorgevereine
tätig, beide meist durch Vermittelung der Anstalten. Die im Leben
stehenden Blinden sucht man weniger durch Barunterstützung, als
vielmehr durch Übermittelung von Arbeitsaufträgen, durch den Absatz
der gefertigten Waren, durch Überlassung von Arbeitsmaterial zu
Engrospreisen, durch Übernahme der Beiträge zur Invaliden- und
Altersversicherung und durch mancherlei Hilfe lokaler Art zu fördern.
Die wirtschaftlich Schwachen, die sich im Konkurrenzkampf des Lebens
nicht behaupten können, insbesondere auch die Mädchen, sammelt man in
Heimen und offenen Arbeitswerkstätten. Hervorzuheben ist noch, daß auch
die im Leben stehenden Blinden selbst bemüht sind, Mittel und Wege
zu finden, das Los ihrer Schicksalsgenossen zu verbessern. Wenn sich
dabei auch hin und wieder ein gewisser Gegensatz zwischen den Blinden
und den Anstalten und ihren Vertretern bemerkbar macht, so kann doch
erwartet werden, daß die hier und dort verfolgten Ziele zu guter Letzt
zusammenfließen werden zum Wohle aller Blinden.
+Joh. Wilh. Klein+, Geschichte des Blindenunterrichts. Wien 1837.
+Mell+, Knies Briefe an J. W. Klein. Bldfrd. 1891 S. 32.
+Wiedmann+, Zur Geschichte der Blindenbildung. Bldfrd. 1895 S. 177.
+Kunz+, Rückblick, Umblick, Ausblick. Kongr.-Ber. Halle 1904.
Anhang.
1. Verzeichnis von Schriften, deren Studium dem angehenden
Blindenlehrer empfohlen werden kann.
+Ältere Schriften.+
+Joh. Wilh. Klein+, Lehrbuch zum Unterrichte der Blinden. Wien 1819.
+Ders.+, Geschichte des Blindenunterrichtes. Wien 1837.
+Knie+, Anleitung zur zweckmäßigen Behandlung blinder Kinder.
Breslau 1837.
+Zeune+, Belisar oder über Blinde und Blindenanstalten. 7. Aufl.
Berlin 1846.
+Neuere Schriften.+
+Der Blindenfreund.+ Zeitschrift für Verbesserung des Loses der
Blinden. Düren (Rheinland). Jährlich 12 Nummern. Erscheint seit
1881.
+Das Blinden-+, Idioten- und Taubstummenbildungswesen. Von Merle,
Sengelmann u. Söder. Norden 1887.
+Büttner+, Das Formen und Zeichnen. (Verein zur Förderung der
Blindenbildung.) 1890.
+Heller+, Modellieren und Zeichnen. Wie vor. 1890.
+Libansky+, Die Blindenfürsorge. Wien 1898.
+Mell+, Encyklopädisches Handbuch des Blindenwesens, 2 Bände. Wien
und Leipzig 1899.
+Th. Heller+, Studien zur Blindenpsychologie. Leipzig 1904.
+Javal+, Der Blinde und seine Welt. Hamburg u. Leipzig 1904.
+Mell+, Geschichte des k. k. Blinden-Erziehungs-Instituts in Wien.
Wien 1904.
+Kunz+, Geschichte der Blindenanstalt zu Illzach-Mülhausen i. E.
Leipzig 1907.
+Mell+, Der Blindenunterricht. Wien 1910.
+Axenfeld+, Blindsein u. Blindenfürsorge. Freiburg i. Br. 1912.
+Uhthoff+, Von den Blinden. Breslau.
+Die Berichte+ über die Verhandlungen der Blindenlehrer-Kongresse.
+Die Schriften von Helen Keller+ (vergl. das Kapitel
„Taubstummblinde“).
+Die Jahresberichte+ und Festschriften der Blindenanstalten.
„+Le Valentin Haüy+“, Revue universelle des questions relatives aux
Aveugles. Directeure: Maurice de la Sizeranne. Paris.
+Armitage+, Education and Employment of the Blind. London 1886.
„+The Blind.+“ Begründet von H. J. Wilson. London. Erscheint
vierteljährlich.
2. Bedeutungsvolle Abhandlungen aus den vorliegenden 32 Jahrgängen des
„Blindenfreundes“.
(Der „Blindenfreund“ mit seinem reichen Inhalt gibt ein
vortreffliches Bild der Entwickelung des Blindenwesens in den
letzten drei Jahrzehnten. Das Studium der Zeitschrift ist daher
dem angehenden Blindenlehrer dringend zu empfehlen. Um ihm dieses
Studium zu erleichtern, sind aus der Fülle des Stoffes diejenigen
Abhandlungen bezeichnet, die +nach dem persönlichen Empfinden des
Verfassers in erster Linie geeignet sind, ein Bild des Lebens und
Strebens auf dem Gebiet der Blindenbildung zu geben+. Ein Urteil
über den Wert der nicht genannten Artikel soll mit dieser Auswahl
natürlich nicht ausgesprochen sein.)
A. Zeitliche Anordnung.
+Jahrgang+ 1881.
+Mecker+, An die Leser zur Orientierung. S. 1.
+Büttner+, Aus meinem Tagebuche. S. 78.
+Brandstäter+, Der Blinde als Organist. S. 129.
+Moldenhawer+, Der Blinde als Schuhmacher. S. 140.
+Jahrgang+ 1882.
+Ferchen+, Das Bürstenmachen, ein Handwerk der Blinden. S. 6.
+Heller+, Die Rede in der Blindenschule. S. 121.
+Jahrgang+ 1883.
+Michel+, Ein interessantes, längst verschollenes Buch über
Blindenerziehung. (Haüys Abhandlung über die Erziehung der Blinden vom
Jahre 1786.) S. 9.
+Krause+, Geistige Eigentümlichkeiten des blinden Kindes. S. 52.
+Brandstäter+, Valentin Haüy in Berlin. S. 97.
+Ein Besuch+ im „Royal Normal College for the Blind“ zu London. S. 101.
+Jahrgang+ 1884.
+Prof. Dr. Saemisch+, Beobachtungen an einem im 2. Lebensjahre am
grauen Star erblindeten und im 11. Lebensjahre glücklich operierten
Kinde. S. 7.
+Krage+, Reisenotizen. (Wirft interessante Streiflichter auf die
Handhabung des Unterrichts vor einigen Jahrzehnten.) S. 38.
+Gutachten+ über einen Antrag auf Errichtung einer Hochschule der Musik
für Blinde. S. 80.
+Vock+, Der Handarbeitsunterricht für Mädchen an Blindenanstalten. S.
107.
+Brandstäter+, Diderot. S. 129.
+Mohr+, Der gegenwärtige Stand der Blindenfürsorge in England. S. 177.
+Jahrgang+ 1885.
+Brandstäter+, Valentin Haüy à Saint-Petersbourg. S. 33.
+Hausordnung+ der Blindenanstalt zu X. S. 37.
+Armitage+, Die Stenographie und ihre Anwendung auf die
Braille-Schrift. S. 52.
+Dr. Gunning+, Sind die Blindenanstalten unbedingt zu empfehlen? S. 195.
+Jahrgang+ 1886.
+Brandstäter+, Zur Stenographie-Frage. S. 11.
+Dr. Armitage+, Zu Dr. Gunnings Ansichten über die Blindenanstalten. S.
17.
+Krohn+, Nochmals die Stenographie-Frage. S. 43.
+Mohr+, Fort mit dem Liniendruck. S. 68.
+Kunz+, Dürfen und sollen Blinde zu Sprachlehrern ausgebildet werden?
S. 105.
+Peters+, Dr. Armitage, der Freund und Wohltäter der Blinden. S. 183.
+Jahrgang+ 1887.
+Dr. Armitage+, Linien- oder Punktdruck. S. 9.
+Vor mehr als 20 Jahren.+ S. 27.
+Das Royal Normal-College+ für Blinde in London. S. 89.
+Die Einweihung+ des Braille-Denkmals. S. 109.
+Marschiert Frankreich+ an der Spitze der Bewegung zur Verbesserung des
Loses der Blinden? S. 153. (Antwort auf diesen Artikel 1888, S. 14.)
+Jahrgang+ 1888.
+Mohr+, Ein Kapitel aus der Geschichte des Blindendrucks in England. S.
7.
+Die Erfolge+ der Pariser Blindenanstalt. S. 32.
+Perry+ (blind), Die Erziehung blinder Kinder. (Trotz vielfacher
Übertreibungen enthält der Artikel doch manche bedeutsamen Winke.) S.
53.
+Brandstäter+, Musikalisches. S. 91.
+Jahrgang+ 1889.
+Merle+, Der Anschauungsunterricht, die Grundlage alles
Blindenunterrichts. S. 38.
+M. de la Sizeranne+, Der musikalische Unterricht für die Blinden. S.
97.
+Brandstäter+, Immer für Braille. S. 134.
+Jahrgang+ 1890.
+Ruppert+, Reiseerinnerungen eines Blindenlehrers an Italien. S. 1.
+Die Musikschriftfibel.+ S. 23.
+Dr. Jerusalem+, Laura Bridgman. S. 40.
+Mohr+, Aus dem Bericht der Königl. Kommission über das Blindenwesen in
England. S. 53. (Bemerkungen hierzu S. 102.)
+Moldenhawer+, Von der Disziplin in den Blindenanstalten. S. 120.
+Jahrgang+ 1891.
+Mell+, J. G. Knies Briefe an J. W. Klein. S. 32.
+Prof. Dr. Marschall+, Die menschliche Hand, eine
anatomisch-physiologische Betrachtung. S. 41.
+Moldenhawer+, Das Lesen und Schreiben der Blinden. S. 99.
+Zur Errichtung+ einer Hochschule der Musik für Blinde. S. 209. (1892
S. 195.)
+Jahrgang+ 1892.
+Beschulung+ blinder usw. Kinder nach dem Volksschulgesetzentwurf des
preußischen Unterrichtsministers Grafen von Zedlitz-Trützschler. S. 17.
+Prof. Dr. Cohn+, Credés Verdienste um die Augen der Neugeborenen. S.
87.
+Aldrich+, Sollen die Blinden heiraten? S. 93.
+Heller+, Die Blindenbildung und ihre Bedeutung für die Erziehung des
Menschengeschlechts. S. 91.
+Preußisches Gesetz+ vom 11. Juli 1891 betreffend die hilfsbedürftigen
Geisteskranken, Idioten, Epileptischen, Taubstummen und Blinden. S. 129.
+Libansky+, Über die Erziehung der Blinden in Amerika. S. 134.
+Froneberg+, Die Exkursionen im Dienste des Blindenunterrichts. S. 143.
+Jahrgang+ 1893.
+Pariser Briefe+ eines Typhlophilen. S. 103, 113, 162, 177.
+Unterrichte+ anschaulich. S. 106.
+Pötsch+, Wahrheit und Dichtung über Blinde. S. 124.
+Jahrgang+ 1894.
+Prof. Saemisch+, Die Entwickelung der modernen Augenheilkunde. S. 49.
+Kunz+, Ausbildung eines taubstummblinden Mädchens. S. 81.
+Die Liebe+ des Blinden. S. 127.
+Blindenerzieher-Kongreß+ in Chicago im Juli 1893. (Enthält wichtige
Angaben über das amerikanische Blindenwesen.) S. 119.
+Zech+, Das Zeichnen in der Blindenanstalt. S. 145.
+Jahrgang+ 1895.
+Gigerl+, Die Hand, ihre Kräftigung und Schulung durch Finger- und
Handgelenk-Gymnastik im Dienste des Blindenunterrichts. S. 15.
+Rosalie Euvrard+, Von dem Nutzen einer Übungsklasse in den
Blindenschulen, um die Blinden zur Erteilung von Musikstunden an die
Sehenden zu gewöhnen. S. 117.
+Prof. Dr. Dufour+, Physiologische Studien über die Blindheit. S. 121.
+Prof. Wiedemann+, Zur Geschichte der Blindenbildung. (Über die
Erziehungs- und Lehranstalt der Blinden zu Paris.) S. 177.
+Köhler+, Eine Plauderei über das Hospitieren. S. 186.
+Jahrgang+ 1896.
+Aus alter Zeit.+ (Der erste deutsche Blindenlehrer und sein Schüler:
Christian Niesen u. R. Weißenburg.) S. 40.
+Büttner+, An die unverheirateten Entlassenen. S. 58.
Petitionsbericht betr. die Errichtung einer +Musikhochschule+ für
Blinde von der Kommission für das Unterrichtswesen im preußischen
Abgeordnetenhause. S. 97 Entgegnung S. 177.
+Mell+, Über den Kontakt des blinden Kindes mit der Natur. S. 135.
+Freudenberg+, August Zeune. S. 141.
+Kull+, Die Blinden im Orient. S. 155.
+Jahrgang+ 1897.
+Prof. Dr. Cohn+, Über den Einfluß der Impfung auf die Abnahme der
Erblindungen. S. 22.
+Handarbeitsunterricht+ eines blinden Mädchens. S. 60.
+Prof. Franz Pleß+ (Autobiographie). S. 97.
+Neuburger+, Die häufigsten Ursachen der Erblindung und deren
Verhütung. S. 129 u. Jhrg. 1898 S. 16.
+Aus alter Zeit.+ Briefe von und an Weißenburg. S. 138.
+Dr. Steffan+, Wie kommt der Mensch zum vernunftmäßigen Gebrauch seiner
Sinnesorgane?
+Einige+ vornehme Blinde. S. 188.
+Jahrgang+ 1898.
+Hörende Finger+ (Lorms Fingeralphabet). S. 26.
+Gesetzliche Bestimmungen+, Blinde betreffend, in Deutschland. S. 33.
+Über die Sinnestätigkeit+ der Blinden. S. 129.
+Jahrgang+ 1899.
+Brandstäter+, Aus der Schule. S. 1.
+Lembcke+, Besprechung von „Hitschmann, Über die Prinzipien der
Blindenpädagogik“. S. 66.
+Brandstäter+, Nochmals Friedrich Hitschmann. S. 215.
+Von den Museen+ des Blindenunterrichts. S. 106.
+Prof. Dr. Zoth+, Griesbachs neue Untersuchungen über die Sinnesschärfe
Blinder und Sehender. S. 145.
+Zech+, Aus der Praxis des Blindenunterrichts. S. 209.
+Jahrgang+ 1900.
+Zech+, Gedanken über den naturgeschichtlichen Unterricht in der
Blindenschule. S. 19.
+Ders.+, Der Schulgarten, ein Lehrmittel für den botanischen Unterricht
in der Blindenschule. S. 37.
+Reglement+ der Bibliothek Braille in Paris. Geschäftsbericht der
Bibliothek für das Jahr 1898. S. 76.
+Nathan+, Blinde Konzertgeber. S. 86. Äußerungen hierzu. S. 126 und 192.
+Buchwald+, Eine Zentralbibliothek für die deutschen Blinden. S. 92.
+Zech+, Brauchen wir ein Reallesebuch? S. 206.
+Jahrgang+ 1901.
+Lötzsch+, Unsere schwach beanlagten Blinden. S. 10 u. 48.
+Fischer+, Wilhelm Ludolph Lachmann. S. 20.
+Brandstäter+, Zu den vier noch nicht gelösten Fragen bezüglich des
Druckes von Büchern für deutsche Blinde. S. 66 und 129.
+Cambridger+ achtpunktige Braille-Schrift. S. 165.
+Die Vorstellungen+ der Blinden und die Anschauung im
Blindenunterricht. S. 177.
+Brandstäter+, Aus der Verwaltung (Gewerbebetrieb der
Blindenanstalten). S. 233.
+Dr. Sommers+ Pensions- und Erziehungs-Institut für blinde Kinder in
Bergedorf bei Hamburg. S. 248.
+Jahrgang+ 1902.
+Brandstäter+, Aus der Verwaltung (Halbsehende Zöglinge, S. 1;
Erziehung, Hausordnung, Elternhaus, S. 19).
+Anwendung+ der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung auf blinde
Personen. S. 49.
+Brandt+, Aus der Praxis eines blinden Handwerkers. S. 56.
+Lembcke+, Zweiter Beitrag zu den Verhandlungen über Hitschmanns
Prinzipien der Blindenpädagogik. S. 65.
+Krull+, Was treiben unsere Kinder in ihren Freistunden? S. 102.
+Hecke+, Dr. F. J. Campbell. S. 113.
+Zech+, Der Physik-Unterricht in der Blindenschule. S. 145.
(Ergänzungen hierzu von Truschel, S. 167, und von Brandstäter, Jhrg.
1903 S. 19.)
+Über+ die Seelenblindheit. S. 174.
+Jahrgang+ 1903.
+Eisenbahnfahrten+ der Blinden. S. 17.
+Wie ist dem blinden Handwerker+ zu helfen? S. 56, 104, 136.
+Mohr+, Auf welche Stufe und in welcher Weise ist die Kurzschrift in
die Schule einzuführen? S. 64. (Entgegnungen hierauf S. 129, 153, 179,
186, 230.)
+Pötsch+, Der Blinde im modernen Drama. S. 89.
+Mell+, Ein Versuch zur Gründung einer Blindenanstalt in Preußen vor
dem Auftreten Haüys in Berlin. S. 117.
+Jahrgang+ 1904.
+Münnich+, Mangelhafte Ausbildung der blinden Stimmer in den Anstalten.
S. 10. (Bemerkungen hierzu S. 35, 69, 89, 129.)
+Peyer+, Der erste Rechenunterricht in der Blindenschule. S. 48.
Erwiderung von +Müller+. S. 169.
„ „ +Bolte+. S. 209.
„ „ +Kunz+. 1905 S. 37.
„ „ +Peyer+. 1905 S. 77.
+Mell+, Aus alter Zeit. (Eine Publikation Zeunes.) S. 102.
+Jubiläumsfeier+ des k. k. Blinden-Erziehungs-Institutes in Wien. S.
137.
+Jahrgang+ 1905.
+Bauer+, Zur Fortbildungsschulfrage. S. 55.
Desgl. von +Brandstäter+. S. 129, 157, 189.
„ „ +Koch+. S. 134.
„ „ +Haake+. S. 191.
+Lembcke+, Die Blindenfürsorge. S. 80.
+Matthies+, Der Blinde in der Volksschule. S. 156.
+Jahrgang+ 1906.
+Czyperrek+, Blindenanstalt u. Tuberkulose. S. 106.
+Luthmer+, Die rechtliche Stellung des Blinden im Deutschen Reiche. S.
127.
+Feuersenger+, Unsere Fibelliteratur. S. 132.
+Kunz+, Der Kartendruck für Blinde. S. 145.
+Schlüter+, Beiträge und Vorschläge zum weiteren Ausbau unserer
Braillepunktschrift. (Mathematikschriftsystem.) S. 191.
+Mell+, Über Blindenfürsorge. S. 227.
+Die Hundertjahrfeier+ der Königl. Blindenanstalt in Steglitz. S. 237.
+Jahrgang+ 1907.
+Prof. A. v. Szily+, Die Aufgabe des Augenarztes unheilbar Erblindeten
gegenüber. S. 71.
+Moldenhawer+, Private und öffentliche, separate und gemeinschaftliche
Hilfe für Blinde. S. 159.
+Haun+, Victor Ballu. S. 215.
+Fischer+, Wilhelm Ludolph Lachmann als Pädagog der Blinden. S. 245.
+Mohr+, Die Versorgung taubstummer Blinden in Preußen. S. 269.
+Jahrgang+ 1908.
+Dr. Brunner+, Riemanns Psychologische Studien an Taubstummblinden und
+Brohmer+, Wie soll man über Helen Keller denken? S. 63.
+Dr. Cohn+, Soll der Blinde studieren? S. 134.
+v. Chlumecky+, Ein Wort über die Lormsche Handzeichensprache für
Taubblinde. S. 171. (Erwiderung hierauf von Riemann. S. 226.)
+Schorcht+, Zur Entstehung der Sehnervenentartung und des sog.
Turmschädels. S. 216.
+Lembcke+, Der sich allmählich vollziehende Umschwung des ganzen
Blindenwesens. S. 269.
+Chévenin+, Das Blindenhaus. S. 299.
+Jahrgang+ 1909.
+Rackwitz+, Zum 100. Geburtstage Louis Brailles. S. 1.
+Heller+, Die sittliche Erziehung der Blinden. S. 26.
+Prof. A. v. Szily+, Zum geistigen Verkehr mit Taubblinden. S. 29.
+Kunz+, Etwas über die „Taubstummen-Methode“ beim Sprachunterricht in
Blindenschulen. S. 34.
+Der Einfluß+ der Blutsverwandtschaft der Eltern auf die Kinder. S. 41,
113.
+Dr. Cohn+, Der Fortbildungsunterricht in der Blindenschule. S. 40.
+Brandstäter+, desgl. S. 69, 87.
+Bauer+, desgl. S. 91.
+Zech+, desgl. S. 175.
+Prof. Dr. Komoto+, Die Geschichte des Blindenwesens in Japan. S. 235.
+Heller+, Zur Einführung in die Lehre vom Tasten. S. 265.
+Schmittbetz+, Die Bestrebungen der weiblichen Blinden. S. 269.
+Jahrgang+ 1910.
+Baldus+, Die Eingliederung der Blindenfürsorge in die
Arbeiter-Versicherungs-Gesetzgebung des Deutschen Reiches. S. 1.
+Denkschrift+ über die Versorgung der geistig und körperlich
gebrechlichen Blinden. S. 54.
+W. Stern+, Helen Keller. S. 89.
+Hahn+, Zur Methodik des Gesangunterrichts in der Volksschule mit
Beziehung auf den Blindenunterricht. S. 138.
+Schwarzrock+, Zur Reform des Gesangunterrichts. S. 181.
+Jahrgang+ 1911.
+Brandstäter+, Chamisso in der Fortbildungsschule. S. 21.
+Prospekt+ des Blinden-Lyzeums in Braunschweig. S. 33.
+Heller+, Prophylaktische Maßnahmen für später Erblindende. S. 49.
+Schmittbetz+, Blinde Mädchen und Frauen im Erwerbsleben. S. 64.
+Das Gesetz+ über die Beschulung blinder und taubstummer Kinder.
(Verhandlungen im Landtage.) S. 84.
+Blinde Mädchen+ in der Hauswirtschaft. S. 105.
+Die Blinden+ und die Landwirtschaft. S. 118.
+Otto+, Die Punktschrift in den Vereinigten Staaten. S. 127.
+v. Hagen+, Eine Bitte für die Taubblinden. S. 175.
+Jahrgang+ 1912.
+Zech+, Aufgaben und Aussichten. S. 46.
+Mina Roth+, Was wir wollen. (Bestrebungen der weibl. Blinden.) S. 15.
+Vom+ Haushaltungsunterricht. S. 57.
+Bartosch+, Vorschläge zur Ausgestaltung des Musikunterrichts. S. 50.
Erwiderung hierauf von Brandstäter. („Musikalisches“.) S. 79.
Desgl. von +Meyer+ („Ein altes Lied“.) S. 122.
+v. Hagen+, Ein Wort zur Förderung der Taubstummblinden-Fürsorge. S. 85.
+Brandstäter+, Lehrplan für den Raumlehreunterricht in der
Blindenschule. S. 108.
+Ders.+, Coëdukation. S. 166.
+Ders.+, Die Stellung des Lesens und Schreibens im Unterricht der
Blindenschule. S. 170.
+Der erste+ Lese- und Schreibunterricht in der Blindenschule. S. 191.
+Bürde+, Der erste Anschauungsunterricht in der Blindenschule. S. 237.
B. Sachliche Anordnung.
(Die Zahl hinter den in Stichworten angedeuteten Überschriften
bezeichnet den Jahrgang des Blindenfreundes. Mit Hilfe des ersten
Verzeichnisses wird man darnach jede Abhandlung leicht auffinden
können.)
Blindheit.
Beobachtungen an einem operierten Kinde. 1884. -- Credés Verdienste.
1892. -- Augenheilkunde. 1894. -- Studien über die Blindheit. 1895.
-- Ursachen der Erblindung. 1897. -- Impfung und Erblindung. 1897.
-- Gebrauch der Sinnesorgane. 1897. -- Sinnestätigkeit der Blinden.
1898. -- Seelenblindheit. 1902. -- Blindheit und Tuberkulose. 1906. --
Augenarzt und unheilbar Erblindende. 1907. -- Sehnervenentartung und
Turmschädel. 1908. -- Blutsverwandtschaft. 1909. -- Später Erblindende.
1911.
Geistige Entwickelung des Blinden.
Geistige Eigentümlichkeiten des blinden Kindes. 1883. -- Wahrheit und
Dichtung. 1893. -- Die Vorstellungen der Blinden. 1901. -- Umschwung
des ganzen Blindenwesens. 1908.
Der Blinde in sozialer Beziehung.
Sollen die Blinden heiraten? 1892. -- Liebe der Blinden. 1894. --
Rechtliche Stellung der Blinden. 1906.
Aufgaben der Blindenanstalt.
Sind die Blindenanstalten zu empfehlen? 1885, 1886. -- Beschulung
blinder Kinder. 1892, 1911. -- Bedeutung der Blindenbildung für die
Erziehung des Menschengeschlechts. 1892. -- Preußisches Gesetz vom 11.
Juli 1891, 1892. -- Gesetzliche Bestimmungen. 1898. -- Der Blinde in
der Volksschule. 1905. -- Aufgaben und Aussichten. 1912.
Das Tasten.
Die menschliche Hand. 1891. -- Handgymnastik. 1895. -- Sinnesschärfe
Blinder und Sehender. 1899. -- Lehre vom Tasten. 1909.
Erziehung des blinden Kindes.
Hausordnung. 1885. -- Die Erziehung des blinden Kindes. 1888. --
Disziplin. 1890. -- Erziehung, Hausordnung, Elternhaus („Aus der
Verwaltung“). 1902 S. 19. -- Freistunden. 1902. -- Sittliche Erziehung.
1909. -- Coëdukation. 1912.
Unterricht im allgemeinen.
Reisenotizen. 1884. -- Exkursionen. 1892. -- Unterrichte anschaulich.
1893. -- Hospitieren. 1895. -- Kontakt des blinden Kindes mit der
Natur. 1896. -- Hitschmanns Prinzipien der Blindenpädagogik. 1899 S. 66
u. 215, ferner Jhrg. 1902.
Spezielle Methodik.
Die Rede in der Blindenschule. 1882. -- Stenographie. 1885. 1886. --
Liniendruck. 1886. -- Linien- oder Punktdruck. 1887. -- Musikalisches.
1888. -- Anschauungsunterricht. 1889. -- Der musikalische Unterricht.
1889. -- Immer für Braille. 1889. -- Musikschriftfibel. 1890. --
Lesen und Schreiben. 1891. -- Zeichnen. 1894. -- Übungsklassen für
Musikschüler. 1895. -- Anschauungsunterricht („Aus der Schule“).
1899. -- Einübung und Wiederholung realistischer Stoffe („Aus der
Praxis des Blindenunterrichts“). 1899. -- Naturgeschichtlicher
Unterricht. 1900. -- Schulgarten. 1900. -- Reallesebuch. 1900. --
Noch nicht gelöste Fragen über den Druck von Büchern. 1901. --
Achtpunktige Braille-Schrift. 1901. -- Physikunterricht. 1902, 1903.
-- Kurzschrift. 1903. -- Rechnen. 1904, 1905. -- Fortbildungsschule.
1905, 1909. -- Fibelliteratur. 1906. -- Kartendruck. 1906. -- Ausbau
der Punktschrift (Mathematikschrift). 1906. -- Gesangunterricht. 1910.
-- Chamisso in der Fortbildungsschule. 1911. -- Musikunterricht. 1912.
-- Raumlehreunterricht. 1912. -- Stellung des Lesens und Schreibens.
1912. -- Der erste Lese- und Schreibunterricht. 1912. -- Der erste
Anschauungsunterricht. 1912.
Blinde mit Sehresten, Schwachbefähigte Blinde, Taubstummblinde.
Halbsehende. 1902. -- Schwachbefähigte Blinde. 1901. -- Laura Bridgman.
1890. -- Ausbildung eines taubstummblinden Mädchens. 1894. -- Hörende
Finger. 1898. -- Versorgung Taubstummblinder. 1907. -- Psychologische
Studien an Taubstummblinden. 1908. -- Helen Keller. 1908, 1910. --
Lorms Handzeichensprache. 1908. -- Geistiger Verkehr mit Taubblinden.
1909. -- Taubstummenmethode. 1909. -- Bitte für die Taubblinden. 1911.
-- Förderung der Taubstummblinden-Fürsorge. 1912.
Berufsbildung.
Organist. 1881. -- Schuhmacher. 1881. -- Bürstenmacher. 1882. --
Hochschule der Musik. 1884, 1891, 1892, 1896. -- Handarbeitsunterricht
der Mädchen. 1884, 1897. -- Sprachlehrer. 1886. -- Konzertgeber. 1900.
-- Gewerbebetrieb. 1901. -- Praxis eines blinden Handwerkers. 1902.
-- Klavierstimmen. 1904. -- Studierende Blinde. 1908. -- Bestrebungen
der weiblichen Blinden. 1909, 1912. -- Blinde Mädchen im Erwerbsleben.
1911. -- Hauswirtschaft. 1911, 1912. -- Landwirtschaft. 1911.
Fürsorge.
Aus meinem Tagebuch. 1881. -- Verheiratung und Fürsorge (Büttner).
1896. -- Zentralbibliothek. 1900. -- Invalidenversicherung. 1902, 1910.
-- Eisenbahnfahrten. 1903. -- Handwerker. 1903. -- Blindenfürsorge.
1905, 1906. -- Hilfe für Blinde. 1907. -- Blindenhaus. 1908. --
Gebrechliche Blinde. 1910.
Zur Geschichte der Blindenbildung.
Blindenfreund (Zur Orientierung). 1881. -- Haüys Abhandlung 1883.
-- Haüy in Berlin. 1883. -- Diderot. 1884. -- Haüy in Petersburg.
1885. -- Vor 20 Jahren. 1887. -- Braille-Denkmal. 1887. -- Knies
Briefe. 1891. -- Zur Geschichte der Blindenbildung. 1895. -- Niesen
und Weißenburg. 1896. -- Zeune. 1896, 1904. -- Briefe von Weißenburg.
1897. -- Lachmann. 1901. -- Versuch zur Gründung einer Blindenanstalt
in Preußen. 1903. -- Jubiläum des Blindeninstituts in Wien. 1904. --
Jubiläum Steglitz. 1906. -- Louis Braille. 1909.
Das Blindenwesen des Auslandes.
England. 1883, 1884, 1886 (Dr. Armitage), 1887, 1888, 1890, 1902 (Dr.
Campbell). --
Frankreich. 1887, 1888, 1893, 1894, 1900, 1907 (Ballu).
Italien. 1890.
Amerika. 1892, 1894, 1911.
Orient. 1896.
Japan. 1909.
Verschiedenes.
Professor Pleß. 1897. -- Vornehme Blinde. 1897. -- Museum. 1899. --
Sommers Erziehungsinstitut. 1901. -- Der Blinde im Drama. 1903. --
Blinden-Lyzeum. 1911.