Wir wollen nun die Pflanzen in unseren Gärten betrachten und

untersuchen, in wie weit sie den wilden auf dem Felde ähnlich sind.

Alle Gartenpflanzen wachsen irgendwo wild. Wir haben sie in unsere

Gärten gesetzt und ihre Blüten größer und farbenprächtiger gemacht.

Einige davon wachsen noch wild in Deutschland, andere sind aus fremden

Ländern gekommen.

Das Vergißmeinnicht am Gartenrande ist im großen und ganzen dasselbe,

das wir draußen auf den Feldern finden. Das Schneeglöckchen wächst wild

in manchen Teilen Deutschlands. Das hübsche blaue Immergrün mit den

dunklen glänzenden Blättern ist sehr verbreitet. Das Tausendschönchen

in unseren Blumengärten entstammt dem Gänseblümchen, das überall bei

uns wächst. Das Geißblatt ist ebenso schön in den Hecken wie an dem

Gitterwerk der Gartenpforte.

Aber die große purpurfarbige Waldrebe (~Clematis~) und die schönen,

gelben und weißen Wucherblumen (~Chrysanthemum~), welche in so

manchen Gärten blühen, stammen von auswärts. Die lieblichen gelben

und violetten Stiefmütterchen, die den ganzen Sommer hindurch blühen,

scheinen auf den ersten Blick zu großartig, als daß sie von wilden

abstammen könnten. Aber man kann überall wilde pflücken, und wenn man

die Blüte des Gartenstiefmütterchens ansieht, so wird man auf dem

Fruchtknoten den sonderbaren Vogelkopf sehen, den wir beim Veilchen

fanden. (Abbildung S. 41.)

Sicher habt ihr die gelbbraunen Primeln in eurem Garten. Anfangs glaubt

man, daß nichts Ähnliches auf den Fluren zu finden ist. Aber wenn man

eine Schlüsselblume pflückt und sie mit der Gartenprimel vergleicht,

so wird man sehen, daß alle ihre Teile gleich sind. Denn die

Gartenprimel war einst auch wild, und die Gärtner haben sie gedüngt und

den besten Samen ausgesucht, bis sie ihre schönen Farben bekommen hat.

Der Grund, weshalb Gartenblumen oft größer und schöner sind als wilde,

ist der, daß die Pflanzen nicht so viele Mühe bei ihrer Ernährung nötig

haben und nicht so viele Samen zu erzeugen brauchen. Der Gärtner setzt

sie in guten Boden, pflegt sie und wählt die Samen der besten Blumen

aus, um sie im nächsten Jahre zu säen.

[Illustration: Wildes und Garten-Stiefmütterchen.]

Ihr könnt es ebenso machen, und obgleich man in einigen Jahren nicht

viel fertig bringen kann, wird man doch für seine Mühe belohnt werden

dadurch, daß man viel schönere Pflanzen erhält. Man muß die Pflanze

beobachten, alle welken Blätter abpflücken, den Boden ordentlich hacken

und düngen und ihn frei vom Unkraut halten. Dann muß man feststellen,

welche Pflanzen die besten und glänzendsten Blüten haben. Nun bindet

man einen Wollfaden um den Stengel dieser Blüten und wartet, bis ihre

Samenkapseln reif sind, dann sammelt man deren Samen für die Aussaat

im nächsten Jahre. In einigen Jahren wird man auf diese Weise weit

bessere Blumen ziehen.

Die Nelken gehören zu den schönsten und lieblichsten unserer

Gartenblumen. In unserer Heimat wachsen verschiedene Nelkenarten wild,

und auch die Seite 38 abgebildete Kuckuckslichtnelke gehört zu dieser

Familie.

Wenn man ihre Blüten mit denen der Nelke vergleicht, so wird man

finden, daß beide schmale Blätter haben, die einander gegenüberstehen.

Der Stamm ist an dem Gelenk, wo sie sitzen, verdickt. Sie haben

einen langen, grünen Kelch mit Spitzen und fünf blaßrote oder weiße

Blumenkronblätter, die am Rande gezähnt sind. Zehn Staubgefäße stehen

im Innern und in ihrer Mitte ein großer Fruchtknoten mit zwei oder drei

klebrigen Hörnern, die die Narbe bilden.

Nun suche eine reife Samenkapsel zu finden. Sie wird an der Spitze

offen und nach dem Grunde zu ausgebuchtet sein wie eine Vase. Im Innern

steht ein senkrechtes Säulchen, und um dieses herum liegen die Samen.

Findest du alle diese Merkmale in einer Blüte vereinigt, so weißt du,

daß sie zu den Nelkengewächsen gehört.

Vogelmiere, Sternblume, Lichtnelke, Seifenkraut, Kuckuckslichtnelke und

wilde Nelke sind alle ohne Zweifel leicht in den Feldern und an den

Hecken zu finden.

Aber ihr habt jedenfalls auch einige gefüllte Blumen in euren Gärten,

z. B. Levkoien, Goldlack und Rosen. Diese haben sehr viele farbige

Blumenkronblätter und kaum irgendwelche Staubgefäße und Fruchtknoten,

manchmal überhaupt keine. Die Gärtner haben diese gefüllten Blumen

dadurch hervorgebracht, daß sie die Blumen in sehr fetten Boden

einpflanzten und die Samen derjenigen aussäten, welche am meisten

Blumenkronblätter an Stelle der Staubgefäße hatten.

Wilde Pflanzen haben fast niemals gefüllte Blüten. Sie müssen sehr

viel Samen hervorbringen. Wenn man eine Pflanze mit gefüllter Blüte in

mageren Boden bringt und sie wild wachsen läßt, so wird sie bald wieder

eine einfache Blüte treiben. Aber Gärtner brauchen schöne Blumen. So

ziehen sie gefüllte Malven, Dahlien, Päonien und Primeln neben den

einfachen.

Vergleiche die wilde und die Gartenrose, das wilde und das

Gartenstiefmütterchen, Schlüsselblume und Primel, Nelke und

Kuckuckslichtnelke.

Lektion 11.

Die Rosenblütler und ihre Früchte.

(Sechstes Vollbild.)

Im Juni steht die wilde Rose in Blüte. Es sieht sehr hübsch aus, wenn

sie ihre rotweißen Blüten aus der Hecke hervorsteckt. Obwohl sie Dornen

haben, kannst du es doch wohl fertig bringen, einen Zweig abzupflücken

und ihn mit zur Schule zu nehmen. Wir wollen heute etwas von den

Rosenblütlern lernen.

Ich wünsche, daß ihr eine Menge Blüten und Früchte aus Hecke und Garten

außer der Rose mitbringt. Ihr erinnert euch, daß unsere besten +Gemüse+

aus der Familie der +Kreuzblütler+ stammen. Nun werdet ihr sehen, daß

die Familie der +Rosenblütler+ uns die besten +Früchte+ liefert.

So holt also aus der Hecke einen wilden Rosenzweig. Es muß eine wilde

Rose sein, denn, wie ihr euch erinnert, haben unsere Gartenrosen die

meisten ihrer Staubgefäße in Blumenkronblätter verwandelt. Dann sucht,

wenn möglich, einen Brombeerzweig mit einer Blüte und holt von dem

Abhange eine wilde Erdbeerpflanze, möglichst eine mit Blüte und Frucht

zugleich. Denn es gibt eine andere Pflanze, das Fingerkraut, das der

Erdbeere so ähnlich ist, daß man es mit ihr verwechseln könnte, wenn

keine Frucht dabei ist.

Dann hole aus eurem Garten eine Erdbeere, eine Himbeere, eine Kirsche

und eine Pflaume, einen unreifen Apfel und eine Birne. Was für eine

Menge das schon ist! Und doch könnten wir noch einen Pfirsich, eine

Mispel, eine Quitte und eine Aprikose hinzufügen, denn alle diese

Früchte gehören zu den Rosenblütlern. Ich glaube aber kaum, daß alle

diese Früchte in eurem Garten wachsen. Laßt uns zuerst die Blüten

betrachten. Ihr werdet sehen, daß die wilde Rose einen sehr tiefen,

krugförmigen Blütenboden hat, um dessen Rand fünf grüne Kelchblätter

mit langen Spitzen stehen.

Wenn es eine wilde Rose ist, so wird die Blumenkrone aus fünf hübschen

hellroten Blättern gebildet. Sie stehen alle getrennt, so daß man

sie einzeln aus dem grünen Kelch ziehen kann, ohne die anderen zu

beschädigen. Wenn man sie alle abgepflückt hat, so findet man eine

große Menge von Staubgefäßen, die auf dem Rande des grünen Blütenbodens

wachsen.

Nun betrachte die Stempel. Ihre klebrigen Spitzen gucken aus dem Kelch

hervor. Aber man muß den krugförmig vertieften Blütenboden aufreißen,

wenn man nach ihnen sucht. Sie stehen alle einzeln, und jeder hat eine

eigene klebrige Spitze, die Narbe.

Wir untersuchen jetzt die Blüte der Erdbeere; auch sie hat fünf grüne

Kelchblätter, fünf weiße Blumenkronblätter und sehr viele Staubgefäße,

gerade wie die Rose. Aber sie hat keinen vertieften Blütenboden. Ihre

Stempel stehen auf einer kleinen Erhöhung zwischen den Kelchblättern.

Allmählich wird diese Erhöhung schwellen und weich und saftig und süß

werden, und die kleinen Samenkapseln stecken darin, wie Nadeln in einem

Nadelkissen. Wenn man die kleine Frucht der Walderdbeere und die große

der Gartenerdbeere ansieht, so wird man sie leicht erkennen. Die Leute

nennen diese trocknen Kernchen oft „Samen“, aber es sind keine Samen,

es sind winzige Samenkapseln, von denen jede einen Samen in sich trägt.

Nun kommen wir zur Blüte der Brombeere. Es ist bei ihr ebenso wie bei

der Erdbeere: die Stempel wachsen auf einem erhöhten Blütenboden. Aber

wenn die Frucht reif ist, wird man sehen, daß diese Erhöhung nicht

größer geworden ist. Bei der Brombeere werden die Fruchtknoten selbst

weich und wachsen zu kleinen Bällen heran, die voll von süßem Safte

sind. Man kann sie voneinander trennen und wird in jedem einen Samen

finden.

Bei der Himbeere ist es ebenso, nur ziehen sich die kleinen roten,

saftigen Samenkapseln von der Erhöhung etwas zurück. So kann man sie

wie eine Mütze von der weißen spitzen Erhöhung abziehen.

Und wie ist es nun mit den anderen Früchten? Im nächsten Frühling, wenn

die Pflaumen und Kirschen blühen, wirst du sehen, daß sie dieselbe

Art von Blüten haben wie die Rose. Aber jede Blüte enthält nur einen

Fruchtknoten. Dieser wird nach außen hin saftig und behält im Innern

um den Samen herum eine sehr harte Schale. Man ißt also die saftige

Umhüllung, und muß die harte Schale zerknacken, ehe man an den Kern

oder Samen kommen kann.

Der Apfel und die Birne geben uns ein Rätsel auf, bis man den Apfel

quer durchschneidet. Dann sieht man die fünf kleinen Samenkapseln in

Form eines Sternes inmitten der Frucht. Jede Samenkapsel hat ein oder

zwei Kerne oder Samen und stellt das dar, was wir Kerngehäuse nennen.

Der grüne Blütenboden ist dick und fleischig geworden und ganz um

das Kernhaus herumgewachsen. Man kann die vertrockneten Spitzen der

grünen Kelchblätter oben auf dem Apfel sehen. In der Apfelblüte liegen

die Fruchtknoten getrennt; der vertiefte Blütenboden und der Kelch

umschließen sie, und aus diesen wächst ein großer Apfel hervor.

Suche eine wilde Rose, einen blühenden Brombeerzweig, eine wilde

blühende Erdbeere, einen Apfel, eine Birne, eine Pflaume, eine

Kirsche, eine Himbeere und Gartenerdbeere.

[Illustration: 1. Brombeerblüte.

Längsschnitt, der die einzelnen Stempel zeigt.

2. Pflaumenblüte.

Zeigt den einzigen Stempel und in dessen Fruchtknoten den Kern.

3. Apfel.

Querschnitt, auf dem die fünf Samenkapseln (Kernhaus) zu sehen sind.]

[Illustration: Früchte aus der Familie der Rosengewächse.

1. Hagebutte der Rose. 2. Himbeere. 3. Brombeere. 4. Erdbeere.

III. 6.]

Lektion 12.

Die Taubnessel und die Erbsenblüte.

Wenn die Biene auf der Suche nach Honig ist, so ist sie sehr froh, wenn

sie die Taubnessel findet. Es ist ihr einerlei, ob die Pflanze weiße

oder rote Blüten hat, denn sie ist sicher, daß, wenn vor ihr keine

andere Biene dagewesen ist, sie Honig finden wird.

[Illustration: ~A.~ Blüte der Taubnessel. ~B.~ Längsschnitt derselben.

~a.~ Staubbeutel. ~s.~ Narbe. ~f.~ Haarkranz. ~n.~ Fruchtknoten. ~l.~

Unterlippe.]

Es gibt Taubnesseln gewöhnlich in großer Menge, denn ihre Blätter haben

keinen angenehmen Geschmack, und sie sehen den Brennesseln so ähnlich,

daß nur wenige Tiere sie fressen.

Die wirkliche Nessel hat nur kleine grüne Blüten, während die

Taubnessel ganze Büschel von roten oder weißen Blüten hat, die um den

Stengel herumwachsen, immer über einem Paar von Blättern. Diese Blüten

sind helmförmig und haben eine breite Unterlippe, die vorn herabhängt

und eine tiefe Kerbe in der Mitte zeigt.

Der Stengel der Blume ist nicht rund wie der der meisten Pflanzen;

er ist vierkantig. Hieran kann man sie stets von einer Brennessel

unterscheiden, selbst wenn sie nicht blüht. Die runzeligen Blätter

stehen einander gegenüber, und zwar die oberen gerade in den Lücken der

unteren, wie wir in Lektion 2 gesehen haben.

Laßt uns nun die Blüte betrachten. Man nimmt dazu am besten eine weiße,

da sie sehr groß ist. Fasse den Helm und ziehe leise daran. Er wird

sich loslösen, so daß der grüne fünfzähnige Kelch zurückbleibt. Aber

wahrscheinlich wirst du auch den langen fadenförmigen Griffel mit den

2 Narbenlappen mitgenommen haben, welcher auf dem Fruchtknoten wächst,

denn er löst sich leicht los.

Trenne nun bei einer anderen Blüte den Helm sorgfältig auseinander.

Du wirst auf dem Boden des Kelches den Fruchtknoten mit vier kleinen

Samenanlagen finden, die wie Nüßchen aussehen, und in deren Mitte der

lange fadenförmige Griffel aufwächst. Er hat als Narbe zwei Lappen.

[Illustration: Bienen im Wiesensalbei.

~A.~ Längsschnitt der Blüte, um die Bewegung der Staubbeutel (~a~) zu

zeigen, sobald eine Biene in die Röhre kriecht.]

Sieh jetzt in eine neue Blüte hinein. Du wirst vier Staubgefäße finden,

die inmitten der hinteren Wand der Blütenröhre wachsen. Zwei von ihnen

sind so lang, daß sie bis oben in die Oberlippe hinaufreichen. Wenn du

die Oberlippe jetzt zurückschiebst, so sind die Lappen der Narbe von

den Staubbeuteln umschlossen. Unten in der Röhre ist sehr viel Honig,

aber kriechende Insekten können nicht hinzugelangen; denn ein dichter

Saum von Haaren verhindert sie daran.

Aber wenn die Biene kommt, steckt sie ihren Rüssel durch die Haare

hindurch, und wenn sie den Honig saugt, bürstet sie den Blütenstaub aus

den Staubbeuteln. Dann fliegt sie zu einer anderen Blume und läßt ihn

dort auf den Lappen der Narbe zurück. Es gibt sehr viele Pflanzen, die

Lippenblüten haben wie die Taubnessel. Minze, Salbei, Melisse, Thymian,

Pfefferminze, Lavendel, Rosmarin und der hübsche blaue und weiße

Günsel in den Hecken gehören alle zu den Lippenblütlern. Man erkennt

sie an dem vierkantigen Stengel, den gegenständigen Blättern und den

Fruchtknoten mit den vier kleinen Samenanlagen.

Im Salbei bilden die Staubgefäße eine Art Schlagbaum. Die Biene stößt

mit dem Kopfe gegen das untere Ende, und so kommt der volle Staubbeutel

auf ihren Rücken zu liegen (s. S. 48).

Eine andere Pflanze, die die Biene sehr liebt, ist die Erbse. Auch da

ist sie sicher, Honig zu finden. An einem schönen Morgen kann man die

Bienen im Gemüsegarten um die Erbsen und Bohnen summen und ihren Kopf

bald in diese, bald in jene Blüte stecken sehen.

Nimm eine Erbsenblüte und untersuche, wie sie es machen. Halte die

Blüte vor dich hin. An ihrer Rückseite ist ein großes Blütenblatt

mit einer tiefen Kerbe in der Mitte. Dieses steht wie eine Fahne

in die Höhe, um der Biene zu zeigen, wo sie den Honig suchen soll.

Deshalb wird es „Fahne“ genannt. Zwei kleinere Blütenblätter stehen

zusammengefaltet gerade darunter. Diese heißen „Flügel“. Zwischen

diesen sind zwei andere Blütenblätter, die wie das Vorderteil eines

Bootes zusammengefügt sind; sie heißen „+Schiffchen+“.

[Illustration: Erbsenblüte und Schnitt durch dieselbe.

~a.~ Staubgefäße. ~b.~ Klebriger Schnabel (Narbe). ~o.~ Fruchtknoten.

~s.~ Samenanlagen.]

Wenn man die Flügel erfaßt und sie sanft hinunterdrückt, so ziehen

sie das Schiffchen mit hinunter. Dann wird man die Staubbeutel der

zehn Staubgefäße sehen, sowie den klebrigen Schnabel der winzigen

Erbsenschote. Sie waren vorher im Schiffchen verborgen.

Wenn du die Blüte zerlegst, so wirst du sehen, weshalb das Schiffchen

hinunterging. An jedem Flügel ist eine Art Knopf, der in eine Höhlung

in der Seite des Schiffchens hineinpaßt. Wenn die Biene sich auf den

Flügeln niederläßt, so drückt sie dieselben durch ihr Gewicht hinunter.

Die Flügel drängen ihrerseits das Schiffchen hinab, und die Staubbeutel

schlagen gegen die Brust der Biene. Und so fliegt diese zur nächsten

Blüte, bedeckt mit Blütenstaub.

Es gibt fast ebenso viele Schmetterlingsblütler -- so heißen die

Pflanzen, die eine Blüte haben wie die Erbse --, als es Lippenblütler

gibt. Der schöne gelbe Stechginster, der Klee und alle Wicken in den

Hecken gehören zu dieser Familie. Jeder Kopf einer Kleeblüte besteht

aus einer Menge von winzigen Blüten, die alle wie die der Erbse geformt

sind.

Auch im Blumengarten haben wir den Goldregen und im Gemüsegarten Feuer-

und Puffbohnen.

Untersuche Taubnessel, Minze, Thymian und Wiesensalbei. Beachte den

sonderbaren schwingenden Staubbeutel des letzteren. Untersuche ferner

die Blüten der Erbse, des Stechginsters, der Futterwicke und des

Schotenklees.

Lektion 13.

Kletterpflanzen.

(Siebentes Vollbild.)

Wenn ihr die Augen offen haltet, so müßt ihr bemerkt haben, als ihr die

Blüten der Erbse und der Stangenbohnen pflücktet, daß sie an Stangen

emporklettern, die für sie eingesteckt werden. Aber vermutlich habt ihr

nicht darüber nachgedacht, warum sie klettern und wie sie klettern.

Ihr wißt, daß sie zu einer wirren Masse auf den Boden fallen würden,

wenn ihr die Stangen fort nähmet, denn Erbsen und Stangenbohnen haben

schwache, dünne Stengel. Wenn sie auf dem Boden lägen, würden sie

nicht genug Luft und Licht bekommen, und andere Pflanzen würden sie

ersticken. So haben sie gelernt, an Stangen, an Hecken oder irgend

etwas anderem, das sie finden, emporzuklettern, um Luft und Licht zu

haben.

[Illustration: Erbse, an Stangen kletternd.]

Das ist der Grund, weshalb sie klettern, und wir wollen nun

untersuchen, wie sie klettern. Jede Kletterpflanze tut dies in anderer

Weise.

Ihr werdet finden, daß an manchen Stellen der Erbsenpflanze, wo ein

Blatt stehen sollte, ein kleiner geringelter grüner Faden ist, der sich

an die Stange klammert wie ein Kind an den Finger der Mutter. Diese

Fädchen heißen „Ranken“. Sie halten die Pflanzen in Licht und Luft

und lassen die Blüten an solchen Stellen niederhängen, wo die Insekten

sie finden können. Die Stangenbohne klettert in anderer Weise. Sie

braucht dazu nicht die Blätter, sondern windet ihren ganzen Stamm um

die Stangen.

[Illustration: 1. Wilde Clematis oder Waldrebe. 2. Garten-Clematis.]

Wenn ihr die Hecken betrachtet, so werdet ihr viele Kletterpflanzen

finden, die die dichten Büsche benutzen, um ihre Blätter und Blüten

darauf auszubreiten. Da ist z. B. die Clematis oder gemeine Waldrebe.

Sie hat ihre Blätter nicht in Ranken verwandelt, noch benutzt sie ihren

Stamm zum Klettern. Sie schlingt die Blattstiele fest um die Zweige, so

daß die Blätter am Ende herausstehen. Ihre hübschen grünlichen Blüten

sind auf diese Weise über die ganze Hecke ausgebreitet, und allmählich

werden die am oberen Teile federartigen Samenkapseln wie der Bart eines

alten Mannes herabhängen, gerade da, wo der Wind sie fassen kann, um

sie fortzuwehen.

[Illustration: Kleblabkraut.]

Ihr kennt doch wohl das kletternde Labkraut, welches überall an den

Hecken wächst. Seine schmalen grünen Blätter stehen sternartig um

den Stamm herum, und es hat sehr kleine weiße Blüten. Der Stamm, die

Blätter und die Samenkapseln sind mit winzigen Häkchen übersät, so daß

sie sich an der Hand festklammern, wenn man die Pflanze pflückt. Es ist

eine sehr schwache Pflanze, aber sie klammert sich mit ihren Haken an

anderen Gewächsen fest, die stärker sind, und richtet sich so auf.

Die Brombeere klettert in ähnlicher Weise, und die wilde Rose tut

dies mit ihren Dornen. Etwas weiter an der Hecke hinunter findet ihr

vielleicht den wilden Hopfen. Sein Stamm stirbt jedes Jahr ab und

erneut sich im Frühling. Aber trotzdem bringt er es fertig, sich

weit auszubreiten, denn er schlingt sich um Zweige und kleine Bäume,

und alles, was er findet, bedeckt er mit seinen breiten herzförmigen

Blättern. Ihr werdet von den Blüten des wilden Hopfens überrascht sein,

denn Staubgefäße und Stempel wachsen auf verschiedenen Pflanzen.

Auch das zahme Geißblatt oder Jelängerjelieber schlingt seinen Stengel

um eine Stütze, wie ihr an der Pforte oder am Staket gewiß schon

bemerkt habt. Manchmal windet es sich so fest um einen jungen Zweig,

daß dessen Wachstum an den Stellen, wo ihn das Geißblatt umschlungen

hat, gehemmt wird. Und so entstehen an diesen Stellen Eindrücke, als

wenn er mit einem Bande umwickelt worden wäre.

Dann gibt es hübsche Pflanzen, Wicken genannt, die Blüten haben, welche

einer kleinen Erbsenblüte ähnlich sind. Sie klimmen an ihren Ranken

überall hinauf. Ihr werdet sie ebenso leicht finden, wie die Winde,

die alle möglichen Pflanzen umschlingt, selbst unsere Stachelbeer- und

Johannisbeerbüsche, und deshalb sehr sorgfältig ausgerodet werden muß.

Aber ich bin nicht ganz sicher, ob ihr eine sonderbare kleine Pflanze,

die sogenannte Flachsseide, finden werdet. Ihr müßt sie an Flußufern,

Gebüschen, Wegrändern suchen, wo sie über Weiden, Brennesseln, Klee

und andere Pflanzen klettert. Sie hat nur einen dünnen, aber zähen

Stamm, der Büschel von winzigen blaßroten Blüten trägt. Blätter hat sie

überhaupt nicht. Wie kann sie also leben, da sie kein Mittel hat, um

Nahrung zu bereiten? Sie windet sich um Brennessel, Weide oder Klee und

sendet Wurzeln in deren Stämme hinein, um daraus die fertige Nahrung

auszusaugen.

[Illustration: Geißblatt, die Pflanze schlängelt sich um einen Stamm

und windet sich empor.

III. 7.]

Die Weinrebe und der hübsche wilde Wein verwandeln ihre kleinen Zweige

in Ranken, um emporklettern zu können. Sehr wahrscheinlich habt ihr

wilden Wein, dessen Blätter im Herbste rot werden, an eurer Hausmauer.

Zwei Arten desselben haben eine sonderbare Art zu klettern. Wenn die

Ranken die Mauer berühren, werden ihre Spitzen rot und schwellen zu

kleinen Kissen an. Diese halten so fest an der Mauer, daß man sie

abreißen muß, wenn der Zweig schon verwelkt ist. Und endlich klettert

der Efeu vermittels kleiner Wurzeln, die ganz am Stamm entlang wachsen.

Nun kennt ihr alle Kniffe, welche die Pflanzen zum Klettern gebrauchen.

Sie klettern mit Häkchen, mit Ranken, mit Wurzeln und dadurch, daß sich

die ganze Pflanze um ihre Stütze schlingt. Versucht nun, wie viele ihr

davon finden könnt.

Suche ein Exemplar von jeder Art der Kletterpflanzen.

Lektion 14.

Wie die Pflanzen Nahrung aufspeichern.

Einige Pflanzen leben nur ein Jahr lang, andere zwei Jahre und wieder

andere viele Jahre.

Habt ihr nicht bemerkt, daß ihr Reseda, Ringelblumen und Erbsen und

Bohnen jedes Jahr frisch im Garten säen müßt? -- wenn ihr nicht die

jungen Sprößlinge schützt, die aus heruntergefallenen Samen entstehen.

Auf dem Felde wachsen Weizen und Hafer nur, bis ihre Körner reif sind,

und sterben dann ab, wenn sie bis zum Beginn des Winters in der Erde

gelassen werden.

In derselben Weise vergehen Vogelmiere, Mohn und unsere alte Freundin,

das Hirtentäschelkraut, wenn ihre Samen reif sind. Diese Pflanzen

gleichen den Leuten, die gerade genug verdienen, um von einem Tage zum

anderen leben zu können, und nichts für das nächste Jahr ersparen.

Aber wenn ihr Bartnelken oder Glockenblumen im Sommer blühend haben

wollt, so müßt ihr sie im Sommer vorher säen; denn diese Pflanzen

blühen das erste Jahr nicht. Sie treiben in diesem nur die Wurzel und

einen kurzen Stiel mit Blättern. Die Pflanze ist damit beschäftigt,

Nahrung, wie Stärke, Zucker und gummiartige Stoffe, zu bereiten und

diese in der Wurzel und im Stamm aufzuspeichern, so daß sie im nächsten

Jahre zu einer kräftigen blühenden Blume heranwachsen kann.

Wenn sie dann geblüht und Samen erzeugt haben, sterben sie ab. Sie

haben nur für ein kurzes Leben Nahrung aufgespeichert und können im

folgenden Jahre nicht weiter wachsen. Fingerhut, Disteln und Petersilie

wachsen in der gleichen Weise.

Endlich leben, wie ihr wißt, Schneeglöckchen, Krokus, Gänseblümchen,

Schlüsselblumen und Dahlien viele Jahre lang; sie sterben im Herbst ab

und treiben im Frühling wieder. Diese Pflanzen speichern Zucker und

Stärke in der Wurzel oder in dem unteren Teil des Stammes oder der

Blätter auf.

Einige derselben wachsen länger als zwei Jahre, ehe sie anfangen zu

blühen. Sie sind den Leuten ähnlich, die Ersparnisse machen, wenn sie

jung sind und stets weiter sparen, so daß sie immer etwas übrig haben.

Man kann manchmal eine Pflanze veranlassen, Nahrung aufzuspeichern.

Wenn man einige Reseda in einen Topf pflanzt und fortwährend die

Knospen abkneift, so daß sie keinen Samen bilden kann, so wird sie zu

einem kleinen Strauch heranwachsen und zwei oder drei Jahre lang blühen.

Verschiedene Pflanzen speichern ihre Nahrung in verschiedenen Teilen

auf. Die wilde Mohrrübe und die Eiche speichern die ihrige in der

Wurzel auf. Die Mohrrübe ist fleischig und dauert nur zwei Jahre; aber

die Wurzel der Eiche ist holzig und lebt lange.

Pflanzenleben in Feld und Garten · 第 2 / 3 段