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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1910 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.
Die Buchanzeigen wurden der Übersichtlichkeit halber am Ende des
Texts gesammelt dargestellt. Der Verweis auf das siebte Vollbild,
welches ein rankendes Geißblatt zeigt, wurde dem Sinn entsprechend
von der Überschrift der Lektion 14 (‚Wie die Pflanzen Nahrung
aufspeichern‘) zur Kapitelüberschrift 13 (‚Kletterpflanzen‘)
verschoben.
Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere
Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
Sonderzeichen gekennzeichnet:
kursiv: _Unterstriche_
fett: =Gleichheitszeichen=
gesperrt: +Pluszeichen+
Antiqua: ~Tilden~
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Kinderaugen in der Natur
Drittes Buch
Pflanzenleben in Feld und Garten
Von Arabella B. Buckley (Mrs. Fisher)
Einzige autorisierte Übertragung
von Oberstudienrat Dr. Fritz Kriete in Halle
und
Oberstudiendirektor Dr. Otto Rabes in Nordhausen
Mit 8 bunten Vollbildern und 16 Illustrationen im Texte
Dritte Auflage (11.-14. Tausend)
Halle a. S.
Hermann Gesenius
Vorwort.
Zur Einführung dieser Übersetzung sei hier kurz auf einige uns
zusagende Eigentümlichkeiten dieser anspruchslosen Hefte hingewiesen,
die uns veranlaßten, auf die Aufforderung der Verlagsbuchhandlung hin,
sie ins Deutsche zu übertragen.
Überall ist versucht, Stil und Satzbau so klar und einfach zu
gestalten, daß nach dieser Seite hin Kindern beim Lesen keine
Schwierigkeiten erwachsen.
Die behandelten Stoffe aus dem Leben der Tiere und Pflanzen sind gut
gewählt, dabei interessant -- nicht rein beschreibend -- gestaltet.
Vielmehr ist jeder einzelne Abschnitt, der stets ein in sich
abgeschlossenes Ganzes bildet, so durchgeführt, daß er die kleinen
Leser zu +eigenen+ Beobachtungen anregt.
Endlich sind die farbenschönen Abbildungen einheitlich und naturgetreu
ausgeführt, so daß auch sie das Interesse der Kinder beleben helfen.
Überhaupt stand für unsere Erwägungen der Gedanke im Vordergrunde, daß
diese Bücher geeignet sein könnten, sich im Kampfe gegen die unsere
Jugend verseuchende Schundlitteratur als nützlich zu erweisen.
=Kriete. Rabes.=
Inhalt.
Seite
Vorwort 3
Lektion 1. Das Hirtentäschelkraut 7
„ 2. Die Arbeit der Blätter 9
„ 3. Die Geschichte einer Kohlrübe 13
„ 4. Wie ein Samenkorn wächst 17
„ 5. Wie sich neue Samen bilden 20
„ 6. Wie die Insekten helfen 25
„ 7. Früchte, die wir als Gemüse essen 29
„ 8. Der Kohlkopf 32
„ 9. Wie die Pflanzen sich schützen 35
„ 10. Feldblumen und Gartenblumen 39
„ 11. Die Rosenblütler und ihre Früchte 43
„ 12. Die Taubnessel und die Erbsenblüte 47
„ 13. Kletterpflanzen 50
„ 14. Wie die Pflanzen Nahrung aufspeichern 55
„ 15. Unterirdische Gemüse 59
„ 16. Wie der Samen wandert 63
[Illustration: Hirtentäschelkraut.
III. 1.]
Drittes Buch.
Pflanzenleben in Feld und Garten.
Lektion 1.
Das Hirtentäschelkraut.
(Erstes Vollbild.)
Es ist sieben Uhr an einem lieblichen Sommermorgen. Heraus aus dem Bett
und einen Blick aus dem Fenster! Es ist eine Schande noch im Bette zu
liegen, wenn die Sonne so hell scheint, die Vögel singen und die Bienen
von Blume zu Blume fliegen.
Warum sind die Bienen so früh bei der Arbeit? Sie sammeln den gelben
Blütenstaub, der beim Kriechen in die Blüten an ihren behaarten Körpern
hängen geblieben ist, und mit Hilfe der Beine bürsten sie ihn ab und
ballen ihn zu kleinen Kügelchen zusammen. Dann packen sie diese in eine
Rinne an ihren Hinterbeinen und fliegen nach dem Bienenstock. Dort
vermischen sie den Blütenstaub mit Honig und machen Bienenbrot daraus;
damit füttern sie die jungen Bienen.
Sieh, wie geschäftig der Specht da unter der Ulme ist! Er fängt
Insekten, die er nach Hause zu seinen Kleinen trägt, welche seit mehr
als einer Woche ausgebrütet sind. Weiter weg im Felde kämpft eine
Drossel mit einem großen Wurm; auch sie besorgt wohl ein Frühstück für
ihre Familie.
Wie fleißig sie alle sind, und du liegst noch im Bette! Wenn ich an
deiner Stelle wäre, so würde ich aufstehen und Unkraut im Garten
ausjäten. So kannst du dich nützlich machen und zugleich viel
Interessantes lernen, während du bei der Arbeit bist.
Hier ist ein Unkraut, das zwischen den Kohlköpfen wächst. Kennst
du seinen Namen? Es wird Hirtentäschelkraut genannt wegen seiner
sonderbaren Samenschoten. Sie wachsen auf Stielen aus dem Stamme der
Pflanze unter den kleinen weißen Blüten. Wenn eine davon vorsichtig
geöffnet wird, findet man an jeder Seite eine kleine Tasche, die sich
von der Mitte losreißen läßt, wenn die Schote reif ist. Die Samen
bleiben dann an der schmalen Scheidewand haften.
So ist also die Schote eine Art Börse mit zwei Taschen, und man kann
die Samen als das Geld darin ansehen.
Nimm die Pflanze in die Hand, und ich will dir dann die einzelnen Teile
derselben nennen. Sieh dir zuerst die Wurzel an. Diese wächst immer
nach unten in den Boden hinein. Sie hat feine Wurzelfasern, die von ihr
ausgehen. Die Wurzel und die Wurzelfasern haben alle zarte Spitzen, die
aus dem Erdboden die Nahrung für die Pflanze einsaugen.
Du weißt, daß dein Vater Dünger in die Erde bringt, ehe er Samen aussät
oder Obstbäume pflanzt. Dann dringt der Regen in die Erde und löst den
Dünger auf. Dies gibt eine sehr reichliche Nahrung, die die Wurzeln
einsaugen, und so wird die Pflanze kräftig.
Dann sieh dir den Stengel an. Du kannst ohne weiteres sehen, wo er
anfängt; denn ein Kranz von Blättern wächst dicht über dem Erdboden
hervor. Eine Wurzel hat niemals Blätter, so muß also da, wo Blätter
wachsen, der Stengel sein.
Sieh diesen Blätterkranz sorgfältig an. Du wirst dann sehen, daß die
Blätter nicht genau übereinander stehen. Die in der oberen Reihe stehen
immer genau zwischen denen der unteren Reihe. Und wenn der Stengel
weiter wächst, und die Blätter weiter voneinander getrennt sind,
wachsen sie immer noch so, daß sie nicht gerade übereinander stehen.
Was ist nach deiner Ansicht der Grund, daß sie so wachsen? Weil sie
so viel Sonne wie möglich haben möchten. Wenn sie gerade übereinander
ständen, so würde das obere Blatt die Sonne von dem unteren fernhalten.
Aber auf jene Weise bekommen sie so viel davon, wie nur irgend möglich.
Du siehst also, daß die Pflanze eine Wurzel hat, die nach unten wächst,
um Wasser aus dem Erdboden zu saugen, und einen Stengel, der nach oben
wächst und die Blätter in das Sonnenlicht hinaufträgt. Was die Blätter
zu tun haben, wollen wir in der nächsten Lektion lernen.
Lektion 2.
Die Arbeit der Blätter.
Die Blätter brauchen sehr viel Sonnenschein und Luft; denn sie sind
den ganzen Tag lang beschäftigt, Nahrung zu bilden. Hast du jemals
daran gedacht, wie wunderbar es ist, daß Pflanzen ihre eigene Nahrung
bereiten können? Weder du noch die Tiere sind dazu imstande. Alles, was
du ißt, stammt entweder vom Tiere oder von der Pflanze. Zu einem Kuchen
zum Beispiel kommt das Mehl aus Weizenkörnern, die Korinthen von einer
Weinrebe, der Zucker von Zuckerrüben, die Gewürze von verschiedenen
Bäumen und die kandierte Schale (Zitronat usw.) von Früchten.
Alles andere, was man ißt, wie Fleisch, Fische, Vögel, Gemüse und
Früchte, ist einmal belebt gewesen.
Pflanzen ernähren sich nicht auf diese Weise. Ihre Wurzeln ziehen
Wasser und andere Stoffe, wie Kalk, Soda und Pottasche, die im Wasser
aufgelöst sind, aus der Erde. Die Blätter nehmen Gase (Kohlensäure) aus
der Luft auf. Für uns sind Erde, Luft, Wasser keine Ernährungsstoffe.
Wir können nicht davon leben. Aber die Pflanze kann es.
Die hübschen grünen Blätter, die wir so gern haben, arbeiten
angestrengt. Wenn die Sonne sie bescheint, so können sie das Wasser
und die Gase in lebende Nahrung verwandeln, und diese Nahrung erzeugt
wieder Blätter, Blumen und Früchte, die uns zur Nahrung dienen.
Wie nützlich sind doch die Pflanzen! Wenn sie keine Nahrung erzeugten,
so könnte es nichts Lebendes auf der Welt geben. Insekten fressen
Pflanzen, und Vögel fressen Insekten. Schafe fressen Gras, und wir
essen Schafe. Kaninchen fressen Pflanzen, und Füchse und Wiesel fressen
Kaninchen. Wenn es keine Pflanzen gäbe, so könnten auch keine Insekten,
Vögel, Tiere und Menschen leben.
Aber dies ist nicht die einzige nützliche Arbeit, die die Pflanzen
verrichten. Ihr wißt, daß, wenn viele Menschen in einem Raum
eingeschlossen sind, sie die gute Luft verbrauchen und schlechte Luft
ausatmen, die nicht wieder gebraucht werden kann. Nun gebrauchen die
Pflanzen diese für uns schlechte Luft. Sie atmen dieselbe durch ihre
Blätter ein und benutzen die darin befindlichen Gase zum Wachstum. So
verwandeln sie nicht nur Gase in Nahrung, sondern sie verbrauchen dabei
auch die schlechte Luft, die wir ausatmen und geben sie uns rein und
frisch zurück. Deshalb ist das Leben auf dem Lande so gesund, weil hier
so viele Pflanzen sind.
Es ist sehr lehrreich, die Pflanzenblätter zu betrachten, ihre Formen
zu beobachten und zu sehen, wie sie am Stengel angeordnet sind, um
Licht und Luft zu bekommen.
Ihr kennt doch wohl die gemeine Taubnessel, die einer Brennessel
so ähnlich ist, aber nicht sticht. Sie wächst in Hecken und hat
eine hübsche, helmförmige, weiße oder rote Blüte. Ihre Blätter sind
paarweise um den Stamm geordnet, und jedes Paar steht genau quer über
dem unteren Paar, um diesem genug Licht zu lassen.
[Illustration: ~a.~ Taubnessel. ~b.~ Sauerklee.]
Die glänzenden grünen Blätter des Efeus an der Mauer liegen flach und
haben lange Stiele, so daß sie weit in die Luft hinausragen.
Die Blätter der Kresse in unseren Gärten sind wie ein runder Schild
geformt. Der Stiel steht unter der Mitte des Blattes und ist sehr lang.
So sieht das Blatt grade zum Himmel empor und bekommt eine Menge Luft
und Licht.
Das Blatt der Roßkastanie ist in mehrere Teile geteilt, so daß es
aussieht, als bestände es aus 5 oder 7 Blättern, und jeder einzelne
Teil breitet sich dem Licht entgegen.
Die Blätter des Sauerklees, welche die Kinder gern essen, weil sie
sauer schmecken, haben drei runde Blättchen wie das Kleeblatt, und
diese legen sich in der Nacht oder an einem Regentage zusammen, stehen
aber weit geöffnet, wenn die Sonne scheint.
Und nun wollen wir zu unserem Hirtentäschelkraut zurückkehren. Wir
haben noch nicht nach seinen Blüten gesehen. Sie wachsen auf Stielen,
die zwischen den Blattstielen und dem Stengel herauskommen. Auf diesen
Stielen stehen einige kleinere Blätter und eine Menge Samentaschen.
Über den Samentaschen an der Spitze des Stieles stehen einige weiße
Blüten dicht zusammen. Sie sind so klein, daß man ihre einzelnen Teile
kaum unterscheiden kann. Aber man vermag doch zu sehen, daß sie vier
äußere grüne Blätter und vier innere weiße haben. In der nächsten
Lektion werden wir mehr darüber lernen.
Sammle sechs Pflanzen mit verschieden geformten Blättern und
untersuche, wie sie am Stengel wachsen.
Lektion 3.
Die Geschichte einer Kohlrübe.
Die Blüten des Hirtentäschelkrauts sind sehr klein, daher wollen wir
die Blüten einer anderen Pflanze zur Hilfe nehmen, um etwas über sie
zu lernen. Wenn man im Garten eine Kohlrübe finden kann, die in Samen
geschossen ist, so wird man sehen, daß sie Blüten hat wie die des
Hirtentäschelkrauts, sie sind nur größer und gelb statt weiß.
An beiden Blüten haben wir vier äußere grüne Blätter. Sie heißen
+Kelchblätter+, denn sie bilden den +Kelch+ der Blüte. Dann sehen wir
noch vier farbige Blätter, die über den Kelchblättern wachsen. Sie
heißen +Blumenkronblätter+, weil sie die Blumenkrone der Blüte bilden.
Sie sind weiß beim Hirtentäschelkraut und gelb bei der Kohlrübe. Aber
in beiden Blüten stehen sie in Form eines Kreuzes.
Nun kommen sechs dünne Fäden mit kleinen Köpfchen an der Spitze.
Zwei derselben sind kurz und vier lang. Sie heißen +Staubfäden+.
Die Köpfchen heißen +Staubbeutel+, die den gelben +Blütenstaub+
oder +Pollen+ enthalten. In der Mitte der Blüte finden wir endlich
den +Fruchtknoten+. Beim Hirtentäschelkraut ist dieser wie ein Herz
geformt, bei der Blüte der Kohlrübe wie eine lange Schote.
Die Schoten wachsen auf kleinen Stielen am Stengel. Sie waren einst von
Blütenblättern umgeben, aber diese sind verwelkt, und die Schoten sind
groß geworden.
Einige der besten Gemüse in unseren Gärten haben Blüten wie diese in
der Form eines Kreuzes und vier lange und zwei kurze Staubgefäße.
Mehrere, wie die Kohlrübe und das Radieschen, haben Wurzeln, die sehr
wohlschmeckend sind. Von anderen, wie z. B. dem Weißkohl und dem
Braunkohl, essen wir die Blätter, vom Blumenkohl dagegen die Stiele des
Blütenstandes mit den Blütenknospen.
Wir wollen nun zur Kohlrübe zurückkehren. Was hat sie für eine
prächtige dicke Wurzel! Man findet eine Art von Kohlrübe wild wachsend,
aber die Wurzel ist hart -- du würdest sie nicht essen können. Unsere
Rüben dagegen sind weich und deshalb so gut, weil sie in fruchtbarem
Boden gewachsen sind, der seit vielen Jahren in bester Weise bearbeitet
worden ist, und weil nur der beste Same ausgesät wird.
Ihr werdet nun vermutlich glauben, daß die Kohlrüben nur für uns dasein
müßten, da wir den Boden umgraben und den Samen säen. Aber es gibt
viele Tiere und Insekten, die auch ihren Anteil daran haben wollen.
Sobald die Pflanze ihre ersten grünen Blätter herausstreckt, ist schon
ein kleiner Käfer da, um sie zu fressen. Wenn seine Flügel geschlossen
sind, ist er nicht größer als der Buchstabe „=o=“ in der Überschrift
dieser Lektion. Er hat lange Hinterbeine und kann sehr gut springen,
und deshalb wird er Erdfloh genannt.
Im Winter schlafen diese Käfer unter der Erde oder unter verwelkten
Blättern. Wenn der Frühling kommt, erwachen sie und nähren sich vom
Hirtentäschelkraut oder irgend einem anderen Unkraut, das früh im Jahre
aufschießt. Dann legt das Weibchen seine Eier unter die Blätter, und
bald kriechen kleine Larven aus und fressen Löcher in dieselben.
In vierzehn Tagen sind sie fett. Dann fallen sie auf den Boden
und spinnen sich in Kokons ein, gerade wie die kleinen Ameisen im
Ameisenhaufen. In weiteren vierzehn Tagen werden sie kleine Käfer.
[Illustration: Löwenzahn.
III. 2.]
[Illustration: Garten-Kohlrübe und Erdfloh.
Teile der Blüte:
~s~ Kelchblätter. ~p~ Blütenblätter. ~d~ Staubgefäße. ~o~ Fruchtschote.
1. Larve des Erdflohes. 2. Der fliegende Käfer.
(Beide stark vergrößert.)]
Um diese Zeit stecken die frühen Kohlrüben gerade ihre ersten Blätter
hervor, und der Erdfloh hüpft herbei, um sie zu fressen. Dann findet
man, wenn man eines Morgens aufsteht, das Kohlrübenbeet kahl gefressen,
und wenn man scharfe Augen hat, kann man die kleinen, schwärzlich
glänzenden Käfer, die das Unheil angerichtet haben, fangen.
Wenn man früh im Jahre alles Unkraut ausjätet, und den Boden hackt,
so daß die jungen Rüben schnell wachsen, so kann man den Erdfloh
fernhalten. Aber dann fordern andere Geschöpfe ihren Teil. Der
Kohlgallenrüsselkäfer legt seine Eier in die Wurzel unter der Erde, wie
der Nußbohrer in die Haßelnuß (vgl. Buch ~I~). Wenn man eine Kohlrübe
sieht, an der kleine Klumpen oder Gallen sitzen, so kann man sicher
sein, daß eine Larve dieses Käfers im Inneren ist.
Wenn dann die großen Kohlrübenblätter gewachsen sind, wird eine hübsche
orangefarbige Blattwespe ihre Eier auf diese legen, so daß die Larven
viele wegfressen. Dann wird das Kaninchen, wenn es herankommen kann,
die Spitzen fressen, während die Mäuse die Wurzeln benagen. Und wenn
man endlich Samenkohlrüben baut, so wird der kleine grünlich-schwarze
Rapsglanzkäfer seinen Anteil fordern und die Blütenknospen fressen.
So hat die Kohlrübe, wie man sieht, viele Freunde, aber noch mehr
Feinde. Ein guter Gärtner hat Freude daran, zu lernen, wie man diese
Gartendiebe fernhält.
Nimm die Blüten des Goldlacks, der Levkoie, des Ackerpfennigkrauts,
der Kohlrübe und des Hirtentäschelkrauts und beobachte ihre
Ähnlichkeit in der Form und der Anordnung ihrer Teile.
Lektion 4.
Wie ein Samenkorn wächst.
Wir sahen in den beiden letzten Lektionen, daß eine Pflanze eine
Wurzel, einen Stamm, Blätter, Blüten und Früchte hat. Heute will ich
euch erzählen, wie diese Teile wachsen.
Wenn der Lehrer dich einen kleinen Versuch machen lassen will, so
kannst du selbst beobachten, wie eine Pflanze aus dem Samen aufwächst.
Nimm eine Untertasse und ein kleines Stück Flanell. Lege den Flanell
in die Untertasse und gieße Wasser darüber, bis er ganz naß ist.
Dann laß dir von jemand etwas Senfsamen geben und streue ihn auf den
Flanell. Setze das Ganze dann in die Fensterbank oder auf den Tisch und
sorge dafür, daß der Flanell immer feucht ist. Dann achte darauf, was
geschehen wird.
Am zweiten Tage, nachdem du den Samen gesät hast, wirst du finden, daß
er weich und aufgequollen ist. Er hat Wasser aufgesogen und braucht
dasselbe zum Wachsen. Am dritten Tage werden viele der Samenkörner
eine zierliche Wurzel ausgetrieben haben, welche sich an den Flanell
anklammert.
Die Spitze der Wurzel wird nun noch mehr Wasser aufsaugen, und wenn
man ein Samenkorn öffnet, so findet man, daß es sich in zwei Teile
gespalten hat. Aus jeder der beiden Hälften wird ein Blatt werden. Aber
diese sind nicht grün, sie sind noch ganz weiß, und man kann sich kaum
denken, daß es Blätter sind.
Wenn du am vierten Morgen zur Schule gehst, wirst du wahrscheinlich
finden, daß die beiden Hälften aus ihrer Umhüllung herausgewachsen
sind. Einige sind noch weiß, aber andere werden schon an den Spitzen
grün und unten rot, und jeder würde sie jetzt als Blätter ansehen. Sie
wachsen auf einem Stiel, und die leere Umhüllung der Samen hängt an der
Stelle, wo der Stiel und die Wurzel sich treffen.
Beachte wohl die Form dieser Blätter. Sie bestehen aus zwei Halbkreisen
mit einer Kerbe in der Mitte. Es sind die +Keimblätter+ des Senfs. Sie
sind aus dem Samen aufgewachsen und haben die Nahrung, die darin war,
benutzt, um sich auszubreiten und in das Sonnenlicht emporzusteigen.
Und wenn das Licht nun auf sie niederströmt, so werden sie grün und
bereiten sich selbst Nahrung aus den Luftgasen und dem Wasser, das die
Wurzeln einsaugen. Denn die Wurzel hat nun viele kleine Würzelchen
und Wurzelfasern getrieben, wie man sehen kann, wenn man eine aus dem
Flanell herauszieht.
In einigen Tagen zeigt sich eine grüne Spitze zwischen den beiden
Keimblättern und wächst zu zwei weiteren Blättern heran. Diese haben
zwischen sich wieder eine kleine Knospe, die wieder Blätter bildet, und
so wird die Pflanze größer und größer.
Aber die neuen Blätter sind in ihrer Form ganz verschieden von den
Keimblättern. Sie sind lang und haben fünf Lappen, einen großen an der
Spitze und zwei kleinere an jeder Seite.
Was nun mit dem Senfsamen auf dem Flanell vor sich geht, ist dasselbe,
was mit jedem Samen geschieht, den man in den Erdboden sät. Zuerst
schwillt er auf, wenn der warme Regen ihn erreicht. Dann treibt er eine
zarte Wurzel. Die Keimblättchen strecken sich, ihr Stiel wächst, sie
schlüpfen aus ihren Umhüllungen und wachsen aus der Erde hervor.
Dann werden sie im Sonnenlichte grün und fangen an, Nahrung zu
bereiten. Damit ernähren sie Stengel und Blätter, bis sie zu großen
Pflanzen oder selbst zu Bäumen heranwachsen.
[Illustration: Das Wachsen der Bohne.
1. Gequellter Same. 2. Die Wurzel bricht hervor. 3. Die Schale um die
Keimblätter reißt auf. 4. Die Keimblätter sind geöffnet, zwischen ihnen
eine Blattknospe. 5. Ausgebildeter Bohnenstengel.]
Ein anderer hübscher Versuch, den man machen kann, ist der, eine Bohne
in warmem Wasser einzuweichen und sie auf einen mit Erde gefüllten
Blumentopf zu legen. Halte die Erde feucht und beobachte die Bohne,
wie du es bei dem Senfsamen getan hast. Das Wachsen derselben nimmt
längere Zeit in Anspruch. Es kann eine Woche dauern, ehe die Wurzel den
Weg in die Erde findet und eine weitere Woche, ehe die großen grünen
Keimblätter aus ihrer Umhüllung hervorbrechen.
Es ist sehr merkwürdig, die Wurzel zu beobachten. Zuerst sendet
die Bohne nur eine Keimwurzel aus, dann mehrere. Die schwere Bohne
liegt noch auf der Erde, während der Stiel weiter wächst. So bildet
derselbe einen Bogen, mit dem Samen an dem einen Ende und der Wurzel
an dem anderen. Wenn nun die Pflanze die Nahrung in den Keimblättern
verbraucht, werden diese allmählich leichter und der Stengel wird
kräftig genug, sie zu heben, so daß sie sich nach oben richten. Sie
lassen die Samenhülle nicht unten wie der Senfsamen. Sie tragen
dieselbe mit empor, und sie vertrocknet und fällt ab. Dann kann man
zwischen den Keimblättern die neue Knospe sehen, die sich bald zu
wirklichen Blättern entfaltet.
Streue Senfsamen auf feuchten Flanell. Weiche eine Bohne eine Nacht
lang in warmem Wasser ein und lege sie auf sehr feuchte Erde in einen
Blumentopf.
Lektion 5.
Wie sich neue Samen bilden.
(Zweites und drittes Vollbild.)
Wir verließen unsere Pflanzen am Ende der letzten Lektion, wie sie
grüne Blätter im Sonnenlichte bildeten. Nun wachsen sie schnell heran.
Ihre Wurzeln saugen Wasser aus dem Boden, und ihre Blätter nehmen Gase
aus der Luft auf.
Wenn die Pflanze reichlich Wurzeln und Blätter gebildet hat, so beginnt
sie Nahrung aufzuspeichern, um Blüten hervorzubringen, in denen neuer
Same erzeugt wird. Dies ist ein sehr wichtiges Werk; denn Samen sind
nötig, um neue Pflanzen zu erzeugen, und es werden so viele von Vögeln
und Insekten vertilgt oder von anderen Pflanzen erstickt, daß es sehr
viele geben muß, damit die Pflanze nicht ausstirbt.
[Illustration: Sumpfdotterblume.
1. Blüte. 2. Fruchtstand mit den einzelnen Samenkapseln (~o~). 3.
Geöffnete Samenkapsel mit dem Samen (~s~).]
Daher ist der Fruchtknoten, in dem die Samen sich bilden, sehr
sorgfältig geschützt. Er wächst gerade in der Mitte der Blüte, wo er
dicht in die Knospe eingehüllt werden kann. Selbst wenn er unter der
Blüte wächst, wie beim Geißblatt, sitzt die klebrige Spitze, auch Narbe
genannt, immer sicher im Innern der Knospe.
Pflücke eine Schlüsselblume und eine Butterblume auf dem Felde und eine
Erbsenblüte aus dem Garten und betrachte ihre Fruchtknoten. Inmitten
der Blüte der Butterblume wirst du sehr viele finden. Sie haben die
Form von Birnen, deren Stiele nach oben gerichtet sind, und in jedem
der Fruchtknoten liegt die Anlage eines kleinen Samens.
Man muß die gelbe Blumenkrone der Schlüsselblume abreißen, ehe man
den kleinen grünen Fruchtknoten in dem grünen Kelche sitzen sieht.
Aus demselben wächst eine Röhre hervor, die in einem runden Knöpfchen
endet.
[Illustration: Schlüsselblume.
1. Blüte mit den Staubgefäßen (~a~) im oberen Teile der Blumenkronröhre
und der knopfartigen Narbe (~k~) weiter unten. 2. Blüte, bei der
die Staubgefäße (~a~) unten und die Narbe (~k~) im oberen Teile der
Blumenkronröhre stehen. 3. Fruchtknoten (~o~) mit Samenknospen (~ov~)
und Blütenstaubkörnern (~p~).]
In der Erbsenblüte bildet der Fruchtknoten eine einzelne Hülse im
Innern der Blumenkronblätter, die mit einem langen Schnabel an der
Spitze versehen ist. Wenn du die Hülse öffnest, so wirst du sieben
oder acht kleine weiße Kügelchen finden. Das sind die kleinen Erbsen.
Wenn man imstande ist, den Fruchtknoten der Schlüsselblume zu
öffnen, so wird man dieselbe Art von Kügelchen finden. Sie sind aber
außerordentlich klein, weich und durchscheinend. Man kann sie leicht
mit dem Finger zerdrücken. Es sind keine wirklichen Samen, sondern
nur „Samenanlagen“ oder Samenknospen. Ehe sie zu harten Samen werden
können, müssen sich einige von den gelben Pollenkörnchen aus den
Staubbeuteln, die über ihnen wachsen, mit ihnen verbinden.
Aus diesem Grunde tragen die Fruchtknoten Spitzen und Schnäbel und
Knöpfchen. Die +Spitze+ auf dem Fruchtknoten der Butterblume, der
+Schnabel+ am Ende der Erbsenschote und das +Knöpfchen+ oben auf der
Röhre, die über den Fruchtknoten der Schlüsselblume hervorragt, sind
alle klebrig. Dieses Knöpfchen nimmt also den aus den berstenden
Staubkörnern entlassenen Staub auf und sendet ihn durch die Röhre auf
die Samenknospen des Fruchtknotens hinab, der sich zu einer Kapsel
umwandelt und so die reifen Samen umschließt.
Wenn du nach Hause gehst, so pflücke irgend eine Blume, die du siehst,
und versuche, ihren Fruchtknoten zu finden. Du kannst vielleicht in
einem Kornfelde eine Klatschrose pflücken. Diese hat einen schönen
großen Fruchtknoten, der aussieht wie eine mit einem Deckel versehene
Tasse. Unter dem Deckel befinden sich kleine Löcher, wenn der
Fruchtknoten reif ist. Der Wind bewegt ihn hin und her und schüttelt so
die Samen aus den Löchern heraus. Es sind so viele, daß man sie nicht
zählen kann.
Du kannst auch ein Veilchen pflücken, und wenn du dann die farbigen
Blätter fortgenommen hast, so wirst du einen sehr sonderbaren
Fruchtknoten finden. Denn die Röhre und der klebrige Knoten an der
Spitze sehen genau wie der Hals und der Kopf eines Vogels aus. Die
Staubbeutel, die dicht um den Fruchtknoten herumstehen, haben eine
hübsche orangegelbe Farbe.
[Illustration: Sumpf-Dotterblume.
III. 3.]
Es gibt eine hübsche rote Blume, die Stockrose oder Malve, deren
Fruchtknoten aussieht wie ein runder flacher Käse mit einer in der
Mitte stehenden kräftigen Säule. Diese Säule hat acht bis zwölf
klebrige Stellen, und rund herum stehen sehr viele gelbe Staubgefäße.
Kinder nennen die Samenkapseln der Malve, wenn sie reif sind, und die
Säule abgefallen ist, „Käse“.
Aber überrascht wirst du sein, wenn du einen Löwenzahn oder ein
Gänseblümchen pflückst, denn du wirst keine Fruchtknoten in der Mitte
finden. Der Grund ist der, daß der Löwenzahn und das Gänseblümchen
nicht aus einer Blüte bestehen, sondern aus einer großen Menge von
Blüten, die zu einer Blume vereinigt sind.
Zerlege eine Löwenzahnblüte, und du wirst finden, daß sich jede kleine
Blüte leicht von den übrigen trennt. Es gibt deren mehr als hundert in
einer Löwenzahnblüte. Nimm eine von diesen kleinen Blüten in die Hand
und betrachte sie.
Am unteren Ende sitzt ein ovaler Sack, das ist der Fruchtknoten. Oben
auf diesem stehen einige feine Haare; das sind die Kelchblätter.
Dann folgt die gelbe Blumenkronröhre, die auf einer Seite zu einer
langen Zunge ausgewachsen ist. Im Innern der Blumenkrone sehen wir
die Staubgefäße mit sehr langen Staubbeuteln, die zu einer Röhre fest
verwachsen sind. Durch diese Röhre wächst der Griffel mit zwei gelben
klebrigen Hörnern, der Narbe, empor.
[Illustration: Teile des Löwenzahns.
1. Eine einzelne Blüte: (~s~) Kelchblätter, (~p~) Blumenkrone,
(~st~) hörnerartige Narbe, (~a~) Staubgefäße, (~o~) Fruchtknoten. 2.
Fruchtstaude: Vier Früchte sind darauf geblieben. (~s~) haarförmiger
Kelch, (~o~) Frucht. 3. Vergrößerte Frucht. (~o~) und (~s~) wie 2.]
Dies zierliche Ding ist also eine vollständige Blüte, die mit
ihren Gefährtinnen den Blumenkopf des Löwenzahns bildet. Bei dem
Gänseblümchen ist es ebenso mit einigen kleinen Unterschieden. Versuche
diese selbst herauszufinden.
Suche die Fruchtknoten der Erbse, des Goldlacks, des
Hirtentäschelkrauts, der Butterblume, der Schlüsselblume, des Mohns,
der Malve und des Löwenzahns.
Lektion 6.
Wie die Insekten helfen.
Sobald die Sonne die Erde zu erwärmen beginnt, kann man nach
Frühlingsblumen ausschauen. Wenn in der Nähe feuchte Wiesen und Gräben
sind, so kann man im April die Sumpfdotterblume in Blüte finden. Dies
ist eine Pflanze mit hohlem Stengel und dunkelgrünen, herzförmigen
Blättern, die am Rande gekerbt sind. Die Blüten sind hellgelb; die
Kinder nennen sie oft Butterblume.
Die Blüte hat 6 verschieden gestaltete Kronblätter und innen stehen
zahlreiche Staubgefäße und Fruchtknoten. Wenn man einen der letzteren
herausnimmt, so wird man eine kleine Höhlung mit Honig darin finden.
Die Bienen sind sehr hinter diesem Honig her, da es noch so früh im
Jahre ist, daß sehr wenige Pflanzen blühen. Sie brauchen außerdem
Blütenstaub, um Bienenbrot für die kleinen Bienen zu machen. Auch
andere Insekten suchen nach Nahrung. Wenn man an einem sonnigen Tage
die Butterblumen beobachtet, so wird man viele Bienen und Fliegen sich
auf den Blüten niederlassen sehen.
Sie fliegen von Blüte zu Blüte, saugen aus jeder ein Tröpfchen und
nehmen außerdem aus den Staubbeuteln Blütenstaub mit.
Wir sahen in der letzten Lektion, daß Pflanzen keine Samen bilden
können, wenn der Blütenstaub nicht auf die Narbe gelangt, und man hat
durch Versuche herausgefunden, daß der Samen besser wird, wenn der
Blütenstaub von einer anderen Blüte kommt. So nützen die Bienen den
Pflanzen, indem sie den Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen,
als Bezahlung gewissermaßen für den Honig, den die Pflanzen ihnen
spenden.
Man wird sicher irgendwo im März an den Hecken eine hübsche gelbe Blume
finden, die wie ein Stern aussieht mit glänzend grünen, herzförmigen
Blättern. Es ist das Scharbockskraut oder die Feigwurz. Sie hat drei
grüne Kelchblätter und acht bis zwölf gelbe Blumenkronblätter. Bienen
und andere Insekten kommen in großen Mengen zu ihr, denn sie hat einen
Tropfen Honig an dem dünnen Ende jedes Blumenkronblattes in der Mitte
der Blumenkrone.
Wenn man diese Pflanze ausgräbt, so wird man Knöllchen von Feigenform
finden, die zwischen den Wurzeln wachsen. Jedes derselben hat eine
kleine Knospe an der Spitze, aus der sich eine neue Pflanze entwickelt,
wenn man sie in die Erde setzt.
Eine andere Blume, die schon früh auf den Feldern blüht, ist der
gemeine gelbe Huflattich, ein für den Landmann sehr unangenehmes
Unkraut. Er hat einen langen kriechenden Stengel und breitet sich sehr
schnell unter dem Boden aus. Er hat eine Blumenkrone wie der Löwenzahn,
aus Hunderten von winzigen Blüten bestehend. Diese wächst auf einem
filzigen Stengel, welcher mit roten Schuppen bedeckt ist. Die Blätter
wachsen erst, nachdem die Blüte verwelkt ist.
Sieh den Blütenkopf aufmerksam an. Du wirst ungefähr vierzig runde
Blüten in der Mitte finden. Sie bergen in sich Staubgefäße und einen
großen Tropfen Honig. Um diese herum stehen ungefähr 300 kleine Blüten,
jede mit einer langen, gelben Zunge. Im Innern dieser äußeren Blütchen
sitzt ein Fruchtknoten mit zwei klebrigen Hörnern. Die Bienen und
anderen Insekten kriechen über diese äußeren Blüten, um den Honig aus
den Blüten in der Mitte zu saugen, und wenn sie nun zurückkehren, so
bringen sie etwas Blütenstaub mit, den sie auf den klebrigen Hörnern
der Narben zurücklassen.
[Illustration: 1. Aronsstab.
1 ~A.~ Blütenstand: 1. Steife Haare, 2. Staubgefäße, 3. verkümmerte, 4.
wirkliche Fruchtknoten.
2. Kleiner Huflattich.]
Und wenn du nun den Aronsstab oder die Aronswurz finden kannst, so will
ich dir eine wirkliche Insektenfalle zeigen. Er hat eine weißliche
tütenförmige Blüte mit einem purpurfarbenen Kolben im Innern. Im
Frühling hat diese Blume einen sehr starken Geruch. Dieser lockt die
Insekten an, und sie kriechen an dem purpurroten Kolben hinab, um nach
Honig zu suchen.
Auf ihrem Wege dahin kommen sie an einer Reihe von steifen Haaren
vorbei, die von ihrem Gewicht niedergebogen werden und sie vorüber
lassen. Dann gelangen sie an einen Ring von roten Staubbeuteln, die
noch nicht offen sind. Darauf treffen sie auf einige verkümmerte
Fruchtknoten und erreichen endlich die wirklichen Fruchtknoten mit
klebrigen Spitzen.
Nun sind sie bis auf den Boden gelangt und suchen nach Honig. Aber ach!
Es ist keiner da. Dann versuchen sie zurückzugelangen. Aber die steifen
Haare biegen sich nicht nach oben, und die Insekten sind Gefangene.
Sie sind für ein oder zwei Tage eingeschlossen, dann verwelken die
klebrigen Narben der Fruchtknoten und jede schwitzt einen Tropfen Honig
aus. Die Insekten sind also nicht betrogen. Zu gleicher Zeit platzen
die Staubbeutel, und der Blütenstaub fällt auf die Insekten. Dann
verwelken auch die Staubgefäße und die Haare, und die Insekten können
ihrem Gefängnisse entschlüpfen.
Wenn sie an den verwelkten Staubbeuteln vorbeikommen, streifen sie den
übriggebliebenen Blütenstaub ab und tragen nun auf ihrem Rücken genug
davon zu anderen Blumenfallen.
Man kann dies sehr leicht selbst sehen, wenn man zwei Aronsstäbe
beobachtet und zwar eine junge Pflanze mit vollen Staubbeuteln und eine
alte, in der diese schon verwelkt sind.
Suche Sumpfdotterblume, Scharbockskraut, Huflattich und Aronsstab.
Lektion 7.
Früchte, die wir als Gemüse essen.
(Viertes Vollbild.)
Wenn die Fruchtknoten der Pflanzen ausgewachsen und reif sind,
nennen wir sie Früchte. Vermutlich kommt es euch sonderbar vor, eine
Erbsenschote „Frucht“ zu nennen. Aber wenn ihr an alle die anderen
Früchte, die ihr kennt, denkt, so werdet ihr finden, daß alle aus
Fruchtknoten entstanden sind.
Der Apfel entsteht aus dem Fruchtknoten der Apfelblüte. Die
Stachelbeere enthält den Samen des Stachelbeerstrauches. Die Nuß ist
die Frucht des Nußbaumes. Die Eichel ist die Frucht der Eiche.
Bei Erbsen und Puffbohnen essen wir die Samen der Frucht. Aber bei
anderen Bohnenarten essen wir meistens die unreife Frucht, Samenkapsel
sowohl als Samen. Wenn du in einem Gemüsegarten umhergehst, wirst du
gewiß einige Gemüse finden, von denen wir die ganze Frucht essen.
In den meisten Gärten gibt es eine Ecke, in der welke Blätter und
Abfall aufgehäuft werden, um daraus einen Düngerhaufen zu machen. Erde
wird auf den Haufen geworfen, und Gurken und Kürbis werden darauf
gezogen. Man wird sofort erkennen, daß Gurken und Kürbis fleischige
Samenkapseln sind, denn sie sind voll von Samen.
Habt ihr jemals die Blüten des Kürbis angesehen? Sie sind ebenso groß
und schön wie viele Gartenblumen. Ich möchte euch auf etwas Sonderbares
in ihnen aufmerksam machen.
Wenn man verschiedene Blüten betrachtet, so wird man sehen, daß sie
nicht alle gleich sind. Sie haben einen blaßgrünen Kelch mit fünf
langen Spitzen und eine kleinere oder größere gelbe Blumenkrone.
Die kleineren haben den Ansatz eines jungen Kürbis unter dem grünen
Kelche, während die größeren nichts als den Stengel an Stelle des
Kürbisansatzes haben. In einigen Tagen wird der junge Kürbis größer
geworden sein, während die Blüten, aus denen kein Kürbis hervorgeht,
allmählich verwelken.
[Illustration: Kürbisblüten.
1. Blüte mit Staubgefäßen (~a~) und saftabsondernden Falten. 2. Blüte
mit Fruchtknoten (~m~) und Narbe (~s~).]
Sieh in das Innere der verwelkenden Blüten. Du wirst einige sonderbare
Staubbeutel voll von gelbem Blütenstaube finden, aber keinen klebrigen
Stempel in der Mitte. Dann betrachte die kleinere Blüte über dem jungen
Kürbis. Im Innern derselben stehen einige klebrige, klumpenförmige
Gebilde und wahrscheinlich findet sich etwas gelber Staub auf ihnen.
Jene verdickten Stellen bilden die Spitze des Fruchtknotens, die Narbe,
aber du wirst keine Staubbeutel in dieser Blüte finden.
So siehst du also, daß der Kürbis die Staubbeutel in der einen
Blüte und den Stempel in einer anderen hat. Wie kommt nun der gelbe
Blütenstaub aus einer Blüte in die andere, um den Samen zum Wachsen zu
bringen?
[Illustration: Weißkohl (unten) und Kohlweißling mit Raupe und Puppe
(oben)
III. 4.]
Hier helfen die Insekten. Wir fanden die schädlich, die die Kohlrüben
vernichteten, jetzt werden wir nützliche finden.
Im Inneren jeder Kürbisblüte gibt es einige saftige, faltenartige
Stellen, an denen die Bienen und andere Insekten gern nagen, um den
süßen Saft zu bekommen. Wenn sie sich nun in die Blüte drängen, um an
den Falten zu fressen, reiben sie sich an den Beuteln und tragen etwas
von dem gelben Blütenstaube auf ihrem Rücken mit fort. Dann fliegen
sie in die kleineren Blüten auf der Suche nach dem süßen Safte und
kommen an der klebrigen Narbe vorbei. Die gelben Staubkörner kleben
daran fest, und so kann der Inhalt des Blütenstaubs zu den Samenknospen
gelangen, so daß diese zu Samen heranwachsen.
Die Blüten der Gurke sind ebenso verschieden wie die des Kürbis. Nun
wissen wir auch, weshalb der Gärtner seine Mistbeetfenster alle Tage
sorgfältig öffnet. Er muß nicht nur frische Luft einlassen, sondern
auch den Insekten Gelegenheit geben, auf die Blüten zu fliegen. Denn
wenn sie nicht kämen, würde der Blütenstaub nicht von einer Pflanze
zur anderen getragen werden. Manche Gärtner pflücken eine Blüte mit
Staubbeuteln ab und reiben sie an den klebrigen Narben der kleinen
Blüte und verrichten so dieselbe Arbeit wie die Insekten.
Alle Arten von Kürbissen, wie Flaschen-, Riesenkürbisse usw., Melonen
und Gurken haben zweierlei Blüten wie die oben beschriebenen.
Es gibt noch eine Frucht, die wir als Gemüse essen, aber ich bin nicht
sicher, ob ihr sie in eurem Garten habt. Es ist die schöne Tomate, die
wie ein tiefroter Apfel aussieht. Wenn ihr sie nicht habt, solltet ihr
versuchen, sie anzubauen.
Säe die Samen im Februar in einen Kasten, decke Glas darüber und halte
sie in der Küche, wo es warm ist. Wenn dann die kleinen Pflanzen einige
Blätter getrieben haben, setze jede einzelne in einen kleinen Topf mit
etwas sandiger Erde. Begieße die Pflanze tüchtig, und im Mai setze die
Töpfe hinaus ins Freie in eine warme Ecke.
Sobald die Pflanzen sich abgehärtet haben, grabe an einem der Sonne
ausgesetztem Platze ein tiefes Loch, fülle es mit Erde und Dünger und
pflanze sie da hinein. Sie werden emporwachsen und schöne Tomaten
hervorbringen. Man muß nur sorgfältig Raupen und Schnecken fernhalten;
denn sie lieben den süßen Tomatensaft ebensosehr wie wir.
Wenn die Früchte groß genug sind, und das Wetter nicht warm genug ist,
um sie im Freien zur Reife zu bringen, so kann man sie pflücken und auf
die Küchenbretter legen. Sie werden sich dann rot färben und können
gegessen werden.
Suche die zwei verschiedenen Arten der Blüten, die auf dem Kürbis und
der Gurke wachsen. Suche die Frucht der Gurke und der Tomate.
Lektion 8.
Der Kohlkopf.
Wenn die Frühlingsblumen anfangen, aus der Erde hervorzulugen, wird
der Gärtner im Garten tüchtig bei der Arbeit sein. Im März, wenn nicht
schon früher, müssen saubere Beete mit Kohl, Rosenkohl, Blumenkohl usw.
besät und die kleinen Pflanzen nach und nach ausgepflanzt werden. Frühe
Rüben müssen gezogen, und Radieschen und Senfsamen und Brunnenkresse
zum Salat ausgepflanzt werden.
Alle diese Pflanzen gehören zu der Familie der Kreuzblütler, deren
Blüten die Form eines Kreuzes haben. Es ist, wie ihr seht, für den
Gärtner und Landwirt eine sehr nützliche Familie. Sie schenkt uns außer
dem lieblichen Goldlack auch die vielfarbige Levkoie und das hübsche
Steinkraut in den Gärten, sowie die Brunnenkresse in den Bächen.
Aber sobald unsere Kohlpflanzen zu wachsen anfangen, finden wir, daß
die Insekten, die so nützlich sind, die Pflanzen zu befruchten, in
einem Gemüsegarten vielen Schaden anrichten können. Früh im Mai, wenn
die Pflanzen noch klein sind, kann man den Kohlweißling durch den
Garten flattern sehen.
Wo ist er wohl hergekommen? Den ganzen Winter lang ist sein Körper
von einer harten gummiartigen Masse bedeckt gewesen, die ihn überzog,
als die Raupe sich verpuppte und sich mit seidenen Fäden an einem
alten Kohlstrunk aufhing oder sich vielleicht in einer Ritze des Zauns
versteckte.
Jetzt, wo die Sonne warm scheint, ist er ausgekrochen, und das
Weibchen legt seine Eier. Der Schmetterling nährt sich nicht selbst
von Kohlblättern, er saugt nur Honig aus den Blüten. Aber er nährte
sich von Blättern, als er eine Raupe war, und deshalb legt das Weibchen
ihre Eier unter ein Kohlblatt, wo die Raupen Nahrung finden, wenn sie
ausgekrochen sind.
Ein anderer Schmetterling, der Fuchs genannt wird, legt seine Eier
auf Brennesseln, weil seine Raupen sich von deren Blättern nähren.
Sie weben ein kleines Nest unter denselben, wohin sie des Nachts
zurückkehren, und wo man sie finden kann.
Wenn man nun seine Kohlpflanzen vor den Raupen schützen will, muß man
die Eier des Kohlweißlings unter den Kohlblättern ablesen. Sie sind
sehr klein, aber in vierzehn Tagen werden aus ihnen kleine grüne Raupen
auskriechen, die schwarze Flecke und eine gelbe Linie auf dem Rücken
haben.
Sie fressen und fressen ungefähr vier Wochen lang, und gegen Juli oder
August kriechen sie dann nach irgend einem Baum oder Zaun, verpuppen
sich und hängen sich an seidigen Fäden bis zum nächsten Frühling auf.
Dann kriecht der Schmetterling aus, um seine Eier auf die jungen
Kohlpflanzen zu legen.
Wenn ihr während des Winters überall den Garten im gefallenen Laube und
an den Zäunen durchforschen werdet, werdet ihr die Puppen finden und
sie vernichten und so helfen, eure Gemüsepflanzen vor den Raupen zu
schützen.
Wenn ihr aber kleine weiße Bällchen von der Größe von Hanfsamen in der
Nähe einer toten Raupe findet, so hütet euch sie zu vernichten. Es sind
die Kokons einer kleinen Wespe, die ihre Eier in den Körper der Raupe
des Kohlweißlings legt; wenn die Larve dann auskriecht, nährt sie sich
von dem Inneren der Raupe.
Ist es nicht eine sonderbare Geschichte? Der Schmetterling saugt den
Honig aus den Blüten und überträgt dabei den Blütenstaub. Dann legt er
seine Eier unter ein Kohlblatt und stirbt. Die Raupe nährt sich vom
Kohl, und dann kommt vielleicht eine kleine Wespe und legt ihre Eier in
sie hinein. Deren Larve nährt sich von der Raupe, und wenn nun die Zeit
kommt, wo sich diese in einen Schmetterling verwandeln soll, stirbt
sie.
Viele andere Geschöpfe nähren sich noch von der Kohlpflanze. Larven
und Schnecken lieben grüne Nahrung und der Kohlgallenrüsselkäfer, der
sich, wie wir gesehen haben, von der Kohlrübe nährt, frißt die Wurzel
des Kohls ebenso gern. Der beste Weg, alle Feinde fern zu halten, ist,
den Boden von Unkraut zu befreien und alle Insekten, die man findet,
abzulesen.
Suche möglichst viele Kreuzblütler: Goldlack, Brunnenkresse,
Brennessel, Levkoie, Ackersenf, Kohlrübe und eine in den Samen
geschossene Kohlpflanze. Versuche die Puppe des Kohlweißlings zu
finden.
Lektion 9.
Wie die Pflanzen sich schützen.
Im Mai sind an den Hecken eine Menge von Blumen zu finden. Ich habe
keinen Platz, sie euch alle zu beschreiben. Ihr solltet auf eurem
Schulwege von jeder Sorte eine pflücken und euren Lehrer darnach
fragen. Auf Abhängen und im Walde versteckt, findet man die wilden
Hyazinthen, die rote Kuckuckslichtnelke und die lieblichen Sternmieren
mit Blüten wie reine weiße Sterne und mit schmalen spitzen Blättern,
die im Volksmunde auch Hühnerdarm oder Vogelmiere heißen.
Die Wiesen sind nun ganz gelb vom Hahnenfuß, die Gräben blau vom
Vergißmeinnicht, und den kleinen, blauen Ehrenpreis kann man überall
finden. Er hat einen dünnen, schwachen Stengel, und seine zwei
Staubgefäße stehen wie Hörner aus den vier blauen Blumenkronblättern
hervor. Binnen kurzem wird die hohe Wiesenspierstaude mit ihren
zierlichen weißen Blütentrauben am Ufer der Flüsse und an feuchten
Stellen blühen, und der hübsche, kleine Horn- oder Schotenklee wird
Hecken und Felder schmücken.
Ihr werdet diese kleine Blume wahrscheinlich sehr gut kennen! Sie
erhebt sich nur wenig über die Erde und sieht aus wie eine sehr kleine
gelbe Erbsenblüte. Ungefähr vier oder fünf kleine Blüten wachsen auf
jedem Stengel und die Knospen haben hellrote Streifen. Wenn die Schoten
reif sind, stehen sie nach außen wie die Zehen eines Vogelfußes.
Diese Blumen und viele andere kann man auf den Feldern und in den
Hecken finden, und ihr wißt nun, wie man ihre Fruchtknoten und
Staubbeutel finden kann, und ihr werdet gewiß auf die Bienen und
anderen Insekten achten, die kommen, um Honig und Blütenstaub zu holen.
Wenn ihr eure Augen offen haltet, so werdet ihr bald sehen, daß auch
andere Geschöpfe zu den Pflanzen und Blumen kommen, die ihnen nicht
so nützlich sind wie die Bienen. Da ist die Kuh, welche sehr viel von
ihren Blättern beim Grasen frißt. Da ist der Esel, der mit Vorliebe
Disteln sucht. Da ist das Kaninchen, das am Abend aus seinem Bau
herauskommt, um an den zarten, jungen Schößlingen zu knabbern, und da
sind die kleinen Feldmäuse, die die Erde wegkratzen und von dem dicken
Stamm und den Wurzeln unter der Erde fressen.
Nun will ich euch von einigen Pflanzen erzählen, die sich selbst
schützen, und vielleicht könnt ihr noch einige andere dieser
Art ausfindig machen. Da haben wir zuerst die Anemone und die
Wiesenbutterblume. Beide haben bittere Blätter, welche auf der Zunge
brennen, wenn man in sie hineinbeißt. Wenn man über ein Feld geht,
auf dem viele Butterblumen stehen, so wird man finden, daß die Kühe
und Schafe sie möglichst unberührt stehen lassen. Wenn sie die Blätter
fressen, so werden sie doch die Blüten vermeiden, die am bittersten
sind. So hindern diese Pflanzen die Kühe, sie zu vernichten. Auch die
Blätter des wilden Storchschnabels haben einen unangenehmen Geruch und
Geschmack.
Dann haben die Farnkräuter sehr viel bitteren Gerbstoff in sich. Ihr
werdet finden, daß, wenn Kühe oder Schafe an einer Stelle weiden, wo
diese Pflanzen wachsen, sie dieselben nicht berührt haben. So schützen
sich die Farnkräuter.
Auch der Sauerklee schmeckt sehr scharf, und der Ehrenpreis verursacht
ein trockenes Gefühl im Munde, wenn man die Blätter ißt. Der Aronsstab
hat so giftige Beeren, Blätter und unterirdische Knollen, daß kein Tier
von den über der Erde liegenden Teilen fressen und keine vorsichtige
Feldmaus unter der Erde daran nagen wird.
Dann gibt es Pflanzen, die Dornen an ihrem Stamme haben. Kühe
und Pferde fressen nicht gern Stechginster, denn er verletzt ihr
empfindliches Maul. Dies sind nur einige wenige Beispiele. Ich kann
euch nicht mehr anführen, weil ich euch noch etwas weit Merkwürdigeres
erzählen will.
Die Pflanzen haben Bienen und andere fliegende Insekten nötig, damit
sie ihren Blütenstaub von einer Blume zur anderen tragen. Aber andere
Insekten, so z. B. Ameisen, lieben auch Honig und können nur kriechen,
nicht fliegen; sie reiben allen Blütenstaub, der auf sie fällt, ab, ehe
sie eine andere Pflanze erreichen. So rauben sie den Blüten ihren Honig
und geben ihnen nichts dafür.
[Illustration: 1. Kuckuckslichtnelke. 2. Sonnenwolfsmilch. 3.
Weberkarde oder Kardendistel.]
[Illustration: Wilde Rose und Gartenrose.
III. 5.]
Wie schützen sich nun wohl die Blumen gegen diese Honigräuber? In
der mannigfachsten Weise. Die Weberkarde oder Kardendistel hat einen
großen Blumenkopf voll von Honig. Aber die Ameisen können ihn nicht
stehlen, weil ihre Blätter am Stengel einander gegenüberstehen, so
daß sie ein kleines Bassin bilden. Tau und Regen füllen dasselbe und
verhindern die Ameisen hindurchzukriechen.
Die Pflanzengattung, zu der die Kuckuckslichtnelke gehört, hat an den
Blütenstengeln feine Haare, und der Stamm in der Nähe der Blüte ist
sehr klebrig. Wenn die Ameisen hinaufkriechen, um den Honig zu stehlen,
kleben sie fest und können nicht weiter.
Eine sehr gewöhnliche Pflanze in den Hecken ist die Sonnenwolfsmilch,
die eigentümliche, kleine grüne Blüten hat. Diese Blume hat einen
giftigen, milchigen Saft in ihrem Stengel. Wenn die Ameisen nun
versuchen hinaufzuklettern, stechen sie mit ihren Klauen Löcher in
denselben, der Saft quillt hervor, und sie kleben fest und sterben.
Ich möchte euch gern noch mehr von der Art und Weise erzählen, wie
Pflanzen sich durch Dornen, Haare und Gift schützen, aber ihr müßt für
euch allein Untersuchungen darüber anstellen.
Suche Sonnenwolfsmilch, Kuckuckslichtnelke, Sauerklee, Farnkraut,
Distel und wilden Storchschnabel.
Lektion 10.
Feldblumen und Gartenblumen.
(Fünftes Vollbild.)
Nun wißt ihr, wie wilde Pflanzen wachsen, wie die Insekten helfen, sie
zu befruchten, und wie sie sich gegen Feinde verteidigen, die ihre
Blätter fressen oder ihren Honig stehlen möchten.