Charlottenburg

ist eine halbe Stunde vom Brandenburger Thor entfernt, vor welchem die

Omnibus stehen, die alle Augenblicke dahin abgehen. Der Weg führt durch den

Thiergarten, an dessen Ende ein niedlich Dörfchen, und gleich an demselben

das königl. Lustschloß _Charlottenburg_ liegt. -- Das Schloß besteht aus

zwei Stöcken, wovon der obere ganz nieder ist, und nur für die Dienerschaft

zu gehören scheint. Das Schloß ist mehr breit als tief, das Dach

terassenförmig, und in der Mitte desselben erhebt sich eine zierliche

Kuppel.

Der Garten ist einfach, nicht sehr groß, besitzt aber eine bedeutende

Orangerie. -- In einem düstern Boskett steht ein kleines Gebäude, das

Mausoleum, in welchem das Bildniß der Königin Luise in Marmor, von dem

geschätzten Künstler _Rauch_, herrlich dargestellt ist. -- Hier ruhen auch

die irdischen Ueberreste des verstorbenen Königs. -- Ferner ist hier eine

Insel mit Statuetten, und endlich ein großer Teich, auf welchem einige

Schwäne herum stolzieren. -- Es ist wahrlich schade, daß an diesen

weißgefiederten Thierchen kein Schmutz kleben bleibt, sonst würde man sie

bald für eine der größten Merkwürdigkeiten, nämlich für _schwarze Schwäne_

halten; denn der Teich oder Fluß, der sich um die Insel zieht, gleicht der

schmutzigsten Pfütze, die ich noch je gesehen habe.

Bereits ermüdet dürfte man diesen Park nicht besuchen, denn Bänke findet

man nur sehr wenige; dafür gibt es aber desto mehr Mücken.

Potsdam.

Die Entfernung Potsdam's von Berlin beträgt kaum 4 Meilen, die man auf

der Eisenbahn in ¾ Stunden zurücklegt. -- Diese Bahn ist sehr bequem

eingerichtet; die einzelnen Wagen sind nämlich mit den Namen der Stationen

bezeichnet, und der Reisende steigt daher in den Wagen jener Station,

wohin er zu fahren gedenkt. Auf diese Art wird man nie durch das Ein- und

Aussteigen der Ankommenden und Abgehenden belästiget, indem Alle, die in

einen Wagen sitzen, zu gleicher Zeit aussteigen.

Die Fahrt selbst bietet nichts Interessantes, desto mehr aber Potsdam, so

daß kaum ein Tag hinreicht, Alles besehen zu können.

Unmittelbar vor der Stadt fließt die _Havel_, über welche eine lange,

wunderschöne Brücke führt, deren Pfeiler von Stein, und das Sparrwerk nebst

dem Geländer von Eisen ist. Gleich am jenseitigen Ufer liegt das große

königliche Schloß von Potsdam, dessen rückwärtige Seite von Gartenanlagen

umgeben ist. Der Garten ist nicht sehr ausgedehnt, für einen Park in der

Stadt aber immer groß genug; -- er ist dem Publikum geöffnet. -- Das Schloß

ist in einem sehr großen Style gebaut. Leider ist es ganz unnütz geworden,

da der Hof in der Nähe von Potsdam zu schöne Sommerpaläste besitzt, und den

Winter in Berlin zubringt.

Der Platz vor dem Schloße gehört nicht zu den schönsten; er ist weder

regelmäßig noch groß, und nicht einmal eben. Hier steht auch die

Hauptkirche, die zwar noch nicht vollendet ist, aber ein schönes Gebäude

zu werden verspricht. Die Stadt ist ziemlich groß, und besitzt eine Menge

schöner Häuser. Die Straßen -- darunter vorzüglich die _Nauner_ -- sind

breit und lang, aber sehr schlecht gepflastert; die Steine sind alle mit

den Spitzen nach oben gekehrt; für die Fußgeher ist nur immer auf einer

Seite der Häuser durch ein zwei Fuß breites, aus Steinplatten bestehendes

Trottoir gesorgt. -- Ein schöner Platz am _Kanal_, von einem Kanal

durchschnitten, und mit mehreren Alleen geziert, bildet die Promenade der

Städter.

Von den königl. Sommerlustschlössern besuchte ich zuerst jenes von _Sans

souci_, das von einem artigen Parke umgeben ist. Das Schloß selbst liegt

auf einer Anhöhe, die in 6 Terassen abgetheilt ist. Auf jeder derselben

stehen bedeutende Treibhäuser, und vor diesen ganze Alleen von Orangen- und

Citronen-Bäumen.

Das Schloß besteht nur aus einem Erdgeschoße, und ist derart mit Lauben,

Bäumen und Rebengewinden umgeben, daß nur wenig davon zu sehen ist. --

In das Innere des Schlosses konnte ich nicht, weil es von der königlichen

Familie bewohnt war.

Ein kleiner Seitenweg führt nach dem _Ruinenberge_, auf welchem durch die

Hand der Kunst Reste eines kleinern und eines größeren Tempels zu sehen

sind. Ein weites, ausgedehntes Wasserbecken nimmt zum Theil die Höhe des

Hügels ein. Man übersieht von hier aus die rückwärtige Seite des Schlosses

Sanssouci, und den sogenannten _neuen Palast_, welcher von ersterem nur

durch den Park getrennt und kaum eine Viertelstunde entfernt ist.

Der _neue Palast_ oder das _neue Schloß_, von Friedrich dem Großen

erbaut, ist so prachtvoll, als man es sich nur denken kann. Es bildet ein

längliches Viereck mit Arabesken und flachen Säulen geziert, und mit einem

terassenartigen Dache überdeckt, das mit einem Steingeländer umgeben, und

durch Figuren verschönert ist.

Die Säle und Gemächer sind hoch und groß, und über alle Maßen herrlich

gemalt, austapeziert und eingerichtet. Viele Oelgemälde, darunter manche

Meisterstücke, zieren die Wände. -- Im Erdgeschoße ist ein Salon ganz mit

den schönsten Muscheln ausgelegt. -- Beinahe könnte man ein Buch füllen mit

der Beschreibung der zahllosen Wunder dieses Feenschlosses. -- Leider wird

es nicht bewohnt.

An der Rückseite dieses Palastes, und nur durch einen großen Vorplatz von

ihm getrennt, liegen zwei wunderniedliche Schlößchen, die mit einander

durch eine halbmondförmige Säulenhalle verbunden sind, und herrliche

Steintreppen führen auf Terassen, die sich um die ersten Stöcke dieser

Gebäude ziehen. Beide Schlößchen dienen zu Casernen, und sind als solche

die schönsten, die ich je gesehen habe.

Von hier führte mich ein recht lieblicher Weg nach dem allerliebsten

Schlößchen _Charlottenhof_. -- Da ich gerade vom großen _neuen Palaste_

kam, konnte ich mir dieß Schlößchen als Wohnung, wenn auch nur für den

Kronprinzen, nicht denken. Ich hätte es für einen prachtvollen, des _neuen

Schlosses_ würdigen Pavillon gehalten, nach welchem die königliche

Familie manchmal einen Spaziergang machte, um daselbst etwa ein kleines

Erfrischungsmahl einzunehmen. -- Erst nachdem ich etwas heimischer

geworden, und all die herzigen Zimmerchen gesehen hatte, die mit dem

geschmackvollsten Luxus eingerichtet sind, erst da begriff ich, daß der

Kronprinz nicht leicht eine bessere Wahl hätte treffen können.

Auf den Terrassen, die von einer Seite den obern Stock umgeben, spielen

herrliche Wasserkünste. -- Die Wände der Corridore und Vorsäle sind mit

herrlichen Fresken bemalt, nach Art derjenigen, die man in Pompeji bei

Neapel sieht. Die Zimmer selbst sind mit vortrefflichen Kupferstichen,

Oelgemälden und andern Kunstschätzen geschmückt. Ueberall herrscht die

größte Pracht und Herrlichkeit.

Unweit von diesem Schlößchen steht ein schöner chinesischer Chiosk, mit

kunstvoll gearbeiteten Figuren, die aber leider größtentheils verstümmelt

und arg beschädiget sind.

Alle diese drei königlichen Schlösser liegen in schönen Parken, die aber

derart zusammenhängen, daß man sie für _einen_ halten könnte. Diese Parke

bestehen aus schönen Wald- und Wiesen-Partieen, durch welche sich die

schattenreichsten Fahr- und Gehwege schlängeln; -- an Blumenpartieen kömmt

man nur selten vorüber.

Nachdem ich Alles mit Muße betrachtet hatte, kehrte ich wieder zu dem

Schlosse Sanssouci zurück, um da die berühmten Wasserkünste spielen zu

sehen. Sie spielen wöchentlich zweimal, Dienstag und Freitag, von Mittag

bis Abend. -- Die Strahlen, welche den beiden vor dem Schlosse liegenden

Wasserbecken entsteigen, sind so mächtig, und steigen mit solcher Kraft in

die Höhe, daß man staunend das wunderbare Kunstwerk betrachtet. Es ist

ein wahres Vergnügen, in der Nähe dieser Becken zu sein, wenn die Sonne in

ihrer vollen Pracht leuchtet, und in den Staubregen der halb aufgelösten

Wasserstrahlen die schönsten Regenbogen bildet. -- Einen zweiten schönen

Anblick gewährt eine hohe Vase, die mit schönen Kränzen lebendiger

Blumen umwunden ist; das Wasser ergießt sich über selbe, und bildet einen

mächtigen beweglichen Sturz, der durchsichtig und rein wie der schönste

Krystall ist. Ein schöner Aufsatz, von zwei Blumenkränzen umwunden, reicht

noch über den Sturz hinaus. -- Unbedeutend ist eine Neptunsgrotte, von

deren Höhe sich aus einer Urne das Wasser ergießt und einige kleine Fälle

über Muschelbecken bildet.

Gerade blieb mir noch Zeit, auch den Marmorpallast zu besuchen, der auf

einer andern Seite Potsdams liegt, und von diesen Schlössern gewiß eine

halbe Stunde entfernt ist.

Wenn man den Park dieses Schlosses betritt, sieht man an der linken Seite

desselben eine Reihe niedlicher Bauerhäuser, die alle gleich gebaut, und

nur durch Obst-, Blumen- und Gemüse-Gärten getrennt sind. -- Der Pallast

selbst liegt so ziemlich am Ende des Parkes, an einem niedlichen See, den

der Fluß _Havel_ bildet. -- Er trägt den Namen _Marmorpallast_ zwar nicht

ganz mit Unrecht, aber doch mit etwas Anmaßung, wenn man ihn mit den

Marmorpallästen zu Venedig oder mit den Marmor-Moscheen zu Constantinopel

vergleicht.

Die Wände des Gebäudes sind von Ziegeln aufgeführt, welche in ihrer

Naturfarbe gelassen wurden. Die untere und obere Einfassung derselben

besteht aus Marmorplatten, ebenso die Fenstergesimse und die breiten

Portale. Theilweise läuft um das Schloß eine Gallerie, welche auf

Marmorsäulen ruht. -- Die Treppen sind von schönem weißen Marmor, und

manche der Gemächer sind mit dieser Steinart ausgelegt. -- Im Innern ist

der Luxus nicht so bedeutend, wie in den andern Potsdamer Schlössern.

Dieser Pallast machte den Schluß alles Schönen und Merkwürdigen, was ich

in Potsdam und überhaupt in der Umgebung Berlins gesehen; denn schon am

folgenden Tage setzte ich meine Rückreise nach Wien fort.

Schließlich muß ich noch einer in Berlin bestehenden Einrichtung erwähnen,

welche besonders für die Fremden sehr zweckmäßig ist -- -- die Taxe für die

Droschkenfahrten. Man darf nicht erst handeln, sondern setzt sich in den

Wagen, gibt dem Kutscher den Ort an, wohin man zu fahren wünscht, und zahlt

dafür 5 Groschen. Dieser mäßige Preis gilt für die Stadt, die wirklich sehr

ausgedehnt ist. -- Auch an den Eisenbahnen findet man stets eine Unzahl

solcher Droschken, die einen um diese _kleine_ Bezahlung nach jedem

Gasthofe, wenn er auch noch so weit vom Bahnhofe entfernt liegt, fahren. --

Wären doch die Wiener Fiaker auch so leicht zu befriedigen!! --

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band. · 第 44 / 57 题