Als ich heute auf das Deck kam, hatten wir den Sund schon lange hinter uns;
links umgab uns die offene See, und rechts wechselte das öde _Schmoland_
mit dem noch öderen _Schonen_ ab, das zum Theil so nackt erschien, daß man
zwischen den niedrigen kahlen Hügeln kaum ein ärmliches Fischerdörfchen
gewahrte.
Um 9 Uhr Morgens warfen wir im Hafen zu _Ystadt_ Anker. Das Städtchen ist
ziemlich artig, und besitzt einen geräumigen Platz, welchen das Haus des
Gouverneurs, das Theatergebäude und das Rathhaus zieren. Die Gassen sind
breit, die Häuser theils von Holz, theils von Stein. Das Interessanteste
ist die alterthümliche Kirche, und in ihr ein hölzernes, zum Theil schon
sehr beschädigtes Altarblatt, welches in der Sakristei aufbewahrt wird.
Wenn auch die Figuren daran etwas plump und unrichtig gearbeitet sind, so
muß man doch die Composition und das angebrachte Schnitzwerk bewundern.
Nicht zu übersehen sind auch die Reliefs an der Kanzel, und ein schönes
Monument, welches rechts vom Hochaltare steht. Alle diese Arbeiten sind in
Holz geschnitzt.
Des Nachmittags kamen wir an der dänischen Insel _Malmö_ vorüber.
Endlich, nachdem wir statt 2½ Tagen beinahe 4 Tage auf der See zugebracht
hatten, erreichten wir am 22. September Morgens 2 Uhr glücklich den Hafen
von _Travemünde_. Und nun waren meine Seereisen beendet. -- Mit Wehmuth
schied ich von der See. Die Wasser so ausgebreitet vor sich zu sehen,
und auf ihrer spiegelglatten Fläche dahin zu schiffen, ist doch gar zu
herrlich. Immer bietet die See ein schönes Bild, selbst wenn sie stürmt und
wüthet, wenn sich Wellen auf Wellen thürmen, sich an dem Fahrzeuge brechen
und es zu verschlingen drohen, oder wenn das Schiff bald auf ihren Spitzen
tanzt, bald in den Abgrund schießt. Ich kauerte oft stundenlang in irgend
einem Winkel, klammerte mich an die Schiffswand, und ließ Sturm und Welle
über mich ergehen. Ich war durch das viele Reisen auf der See von der
unleidlichen Seekrankheit nicht mehr bedroht, und konnte daher ungetrübt
diese fürchterlich schönen Naturscenen bewundern und Gott in seinen
erhabenen Werken preisen.
Kaum hatten wir im Hafen Anker geworfen, empfing uns ein ganzes Heer von
Kutschern, um uns zu Land über Lübeck nach Hamburg zu expediren, -- eine
Reise von acht Meilen, die man gewöhnlich in neun Stunden zurücklegt.
_Travemünde_ ist ein nettes Oertchen, das eigentlich nur aus einer Gasse
besteht, deren Häuser meist Gasthöfe sind. Die Fahrt von hier bis Lübeck
-- zwei Meilen -- ist überaus artig. Eine herrliche Straße, auf welcher die
Wagen wirklich nur dahin rollen, führt durch einen anmuthigen Wald an einem
Friedhofe vorüber, der an Schönheit selbst jenen von Upsala übertrifft;
man würde ihn, sähe man nicht die Monumente, für den kunstvollsten,
herrlichsten Park oder Garten halten.
Nichts bedauerte ich so sehr, als nicht _einen_ Tag dem Aufenthalte zu
Lübeck widmen zu können. Diese alte Hanseestadt, mit ihren pyramidal
erbauten Häusern, mit dem ehrwürdigen Dome und den andern schönen Kirchen,
mit dem geräumigen und reinlichen Platze u. s. w. zog mich gar sehr an;
aber so mußte ich weiter, und konnte nur in eiliger Durchfahrt Manches
bewundern und anstaunen. -- Das Pflaster für die Fahrenden und das Trottoir
daneben ist so schön und eben, wie in keiner andern nordischen Stadt. Auf
den Straßen vor den Häusern stehen häufig hölzerne Kanapee's, auf welchen
wahrscheinlich die Inwohner die schönen Abende zubringen. Hier sah ich auch
zum ersten Male die funkelnden Hamburger Spiegelscheiben wieder. -- Die
_Trave_, über welche man zwischen Travemünde und Lübeck auf einem Schiffe
übersetzt, umgibt auf einer Seite die Stadt.
In der Nähe von _Oldeslo_ sind Salzsiedereien mit schönen Gebäuden
und unendlich hohen Dampfrauchsäulen; bei _Arensburg_ liegt ein altes
romantisches Schlößchen, das ganz mit Wasser umgeben ist.
Nun aber wird die Gegend ziemlich einförmig, und bleibt so bis Hamburg;
sie scheint jedoch sehr fruchtbar zu sein, da man überall schöne Felder und
Wiesen sieht.
Diese kleine Reise von Lübeck bis Hamburg kömmt ziemlich hoch zu stehen; es
ist aber auch unglaublich, wie viel Taxen und Zahlungen der arme Kutscher
auf dieser kurzen Strecke zu entrichten hat. Erst mußte er für 1 fl.
16 kr. einen Erlaubnißschein lösen, um von dem Lübecker Gebiet in jenes
von Hamburg fahren zu dürfen, dann bezahlt er in Lübeck ein doppeltes
Thorsperrgeld, jedes von 24 kr., weil wir vor fünf Uhr früh kamen, und uns
sowohl bei der Einfahrt, als auch bei der Ausfahrt die Thore, die erst um
5 Uhr geöffnet werden, aufsperren ließen, und außerdem mußte er fast auf
jeder Meile an den Schlagbäumen 5 bis 6 kr. entrichten.
Diese fatale Plackerei des ewigen Anhaltens an den Schlagbäumen kennt man
weder in Norwegen noch Schweden. Dort zahlt man für jedes Pferd des Jahres
eine gewisse Taxe, und kann dann ungehindert im ganzen Lande herum fahren,
nirgends sind solche -- -- -- -- errichtet.
Die Bauernhäuser sind hier sehr groß und ausgedehnt; dieß kömmt aber daher,
weil Stall, Scheuer, Schoppen -- Alles unter _einem_ Dache ist. Die Wände
oder eigentlich Gerippe dieser Häuser sind von Holz, und mit Ziegeln
ausgefüllt.
Gleich hinter _Arensburg_ sieht man schon die Thürme von _Wandsbeck_ und
_Hamburg_, welche beide Städte nur _eine_ zu bilden scheinen, da sie blos
durch artige Landhäuser getrennt sind. Wandsbeck ist jedoch im Vergleiche
zu Hamburg nicht als Stadt, sondern als Dorf zu betrachten.
Gegen 2 Uhr Nachmittag traf ich glücklich bei meinen lieben Verwandten ein,
die über meine Ankunft so erstaunt waren, daß sie mich beinahe für einen
Geist hielten. -- Bald wurde mir ihr Erstaunen begreiflich.
Als ich nämlich von Island abfuhr, ging, wie ich bereits bemerkte, zu
gleicher Zeit eine Gelegenheit nach Altona, mit welcher ich ein Kistchen
Mineralien u. dergl. an meinen Vetter nach Hamburg sandte. Der Schiffer
nun, welcher das Kistchen übergab, machte ihm eine so arge Schilderung
von dem schrecklich schlechten Fahrzeuge, in welchem ich nach Kopenhagen
übergefahren wäre, daß er, nachdem ich über zwei Monate keine Nachricht von
mir gegeben hatte, dachte, ich sei mit dem Schiffe zu Grunde gegangen. --
Wohl hatte ich ihm bei meiner Ankunft zu Kopenhagen geschrieben, aber der
Brief mußte verloren gegangen sein, und daher seine Vermuthung, und dann
sein Erstaunen.
Von Hamburg nach Berlin.
Meine Zeit war karg bemessen, und ich konnte mich dießmal leider nur einige
Tage bei meinen lieben Verwandten aufhalten. Schon am 26. September ging
ich mit einem kleinen Dampfboote auf der Elbe nach _Haarburg_, das man in
dreiviertel Stunden erreicht. Hier wechselte ich die Schiffsgelegenheit mit
dem Eilwagen und fuhr nach _Celle_ (14 Meilen).
Von der Gegend ist nur wenig zu sagen; sie besteht größtentheils aus
Ebenen, die theilweise zu Haiden und Sümpfen werden, -- doch gibt es
dazwischen auch fruchtbare Stellen mit Feldern und Wiesen.