Zwischen _Stockholm_ und _Upsala_ besteht ein sehr großer Verkehr. Täglich,
nur die Sonntage ausgenommen, geht von beiden genannten Orten ein kleines
Dampfschiff über den Mälarsee, welches die Entfernung von neun deutschen
Meilen in sechs Stunden zurücklegt.
Durch diese bequeme Gelegenheit angezogen, so leicht und schnell nach der
berühmten Stadt _Upsala_ zu kommen, und von der ungemein schönen Witterung
angelockt, nahm ich eines Abends einen Platz zu dieser Fahrt, und war am
darauf folgenden Morgen höchst unangenehm überrascht, als der Regen sich
in Strömen ergoß. -- Doch wollte man sich durch dergleichen Zufälligkeiten
abhalten lassen, würde man nicht weit kommen. -- Ich schiffte mich also um
halb acht Uhr Morgens getrost ein, und kam zwar glücklich in _Upsala_ an,
war aber dießmal so recht wie eine verpackte Waare gereist. -- Ich mußte
beständig im Saale sitzen bleiben, und konnte nicht einmal die spärliche
Aussicht durch die Kajüten-Fensterchen genießen; denn von außen schlug der
Regen heftig an sie an, und von innen waren sie wegen der übergroßen Hitze
ganz angelaufen. Ich begab mich dießmal ganz gegen meine Gewohnheit gar
nicht auf das Deck, ich hoffte bei der Rückkehr wohl besseres Wetter zu
treffen, und dann das Versäumte nachholen zu können.
Gegen drei Uhr endlich, als ich schon über eine Stunde in _Upsala_ saß,
heiterte sich das Wetter auf, und ich ging nun aus, um die Merkwürdigkeiten
dieser Stadt zu besehen.
Vor Allem andern besuchte ich den schönen Dom. -- Mit Bewunderung blieb
ich am Haupteingange stehen, und betrachtete die hohe Decke, die auf zwei
Reihen von Säulen ruht, und sich über die ganze Kirche spannt. -- Keine
Kuppel macht eine Unterbrechung; Alles läuft in einer geraden schönen Linie
fort. -- Das Innere der Kirche ist schmucklos, nur hinter dem Hauptaltare
befindet sich eine schöne Kapelle, deren Wölbung himmelblau gemalt und mit
goldenen Sternen durchwirkt ist. In dieser Kapelle ruht Gustav I. in Mitte
seiner beiden Gemahlinen. Das Monument, welches die Gruft deckt, ist
zwar groß und von Marmor, aber kunst- und geschmacklos. Es stellt einen
Sarcophag vor, auf welchem die drei Körper in Lebensgröße ruhen. Ein
Baldachin, ebenfalls von Marmor, wölbt sich darüber. -- An den Wänden der
Kapelle sind in hübschen Fresko-Gemälden, die wichtigsten Momente aus dem
Leben dieses Monarchen dargestellt. -- Unter diesen zeichnen sich besonders
zwei aus -- der eine, wie er als Bauer gekleidet gerade in demselben
Augenblick in die Hütte eines Bauers tritt, als man sich _vor_ derselben
eifrig nach ihm erkundigt, -- der andere, wie er ebenfalls als Bauer
gekleidet auf einer Tonne steht, und eine Anrede an sein Volk hält. -- Zwei
große Tafeln, in breite Goldrahmen gefaßt, und ebenfalls als Fresko gemalt,
enthalten in _schwedischer_ Sprache -- und nicht in lateinischer, wie es
leider bei dergleichen Inschriften so häufig der Fall ist -- die Erklärung
der Gemälde. -- Jeder Eingeborne kann sich daraus leicht mit der Geschichte
dieses Königs bekannt machen.
In den verschiedenen Seitenkapellen stehen noch mehrere Monumente: das der
_Katharina Magelone_, _Johann's_ III., _Gustav Erichson's_, welcher geköpft
wurde, und das der beiden Brüder _Sturre_, welche ermordet wurden. -- Das
Monument des Erzbischofes _Menander_ von weißem Marmor ist eine geschmack-
und kunstvolle Arbeit neuerer Zeit. In dieser Kirche ruht auch unter einer
einfachen Steinplatte der große _Linnée_. Sein Monument steht jedoch nicht
über dem Grabe, sondern in einer der Nebenkapellen, und besteht aus einer
wunderschönen, dunkelbraunen Porphyr-Platte, an welcher sein Bildniß =en
relief= angebracht ist.
Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die prachtvolle Orgel, welche
beinahe bis an die Decke der Kirche reicht.
In der Schatzkammer, die eben nicht große Reichthümer besitzt, sind
hinter einem Glaskasten die mit Blut befleckten und mit Dolchstichen
durchlöcherten Kleidungsstücke der unglücklichen Brüder _Sturre_
aufbewahrt. -- Auch steht hier eine aus Holz geschnitzte Bildsäule des
Heidengottes Thor. Dieses hölzerne Machwerk scheint ursprünglich ein =Ecce
Homo= gewesen zu sein, der vielleicht einstens irgend eine Dorfkapelle
schmückte, dann von einem Ungläubigen geraubt, und noch mehr verstümmelt
wurde, als es bereits der Schöpfer, der durchaus kein Jünger der Kunst
gewesen sein konnte, gethan hatte. Jetzt glich es vollkommen einer
abscheulichen Vogelscheuche.
Der Kirchhof, welcher unweit der Kirche ist, zeichnet sich durch seine
Größe und Schönheit ganz vorzüglich aus. Er ist von einer zwei Fuß hohen
Steinmauer umgeben, auf welcher ein ebenfalls zwei Fuß hohes eisernes
Geländer, durch niedere Steinpfeiler unterbrochen, fort läuft. Von mehreren
Seiten führen Stufen über diese vier Fuß hohe Einfassung in den Friedhof.
-- Auch in diesem Friedhofe, wie in jenem von Stockholm, glaubt man sich in
einem lieblichen Garten mit großen Alleen, Lauben, Wiesenteppichen u. s. w.
versetzt zu sehen, nur schöner und herrlicher wie dort, weil die Anlagen
hier schon viele Jahre zählen mögen. Die Grabeshügel liegen hier von den
Lauben halb verborgen. Viele waren mit Blumen und Blumenkränzen geziert,
oder mit Rosenhecken umgeben. Wenn man diesen Friedhof oder vielmehr diesen
Garten sieht, sollte man beinahe denken, er sei eben so für die Lebendigen
zum Lustwandeln, wie für die Todten zur Ruhe bestimmt.
Die Monumente zeichnen sich durch nichts aus. Nur zwei darunter sind
merkwürdig; sie bestehen aus ungeheuren Felsplatten in rohem Zustande, die
aufrecht auf den Grabeshügeln stehen. Der eine dieser Hügel gleicht noch
überdieß vollkommen einem Berge; er deckt die Asche eines Generals, und
wäre wahrlich groß genug, auch noch seine ganze Mannschaft zu beherbergen.
-- Vermuthlich haben seine Verwandten die Grabeshügel von Troja zu
Vorbildern genommen. -- Auch die Zeichen auf dieser colossalen Felsentafel
waren ganz ungewöhnlicher Art, und, so viel mir schien, waren es Runenzüge.
-- Die guten Leute vereinten also hier zwei Sachen des höchsten Alterthums
ganz entgegengesetzter Reiche.
Das Universitäts- oder Bibliotheks-Gebäude in Upsala ist groß und schön;
es liegt auf einem kleinen Hügel, und bildet gegen die Stadt eine schöne
Fronte. Im Hintergrunde schließt sich ein Park daran, der jedoch noch etwas
jugendlich ist.
Unweit von diesem Gebäude auf demselben Hügel steht ein königl. Schloß,
welches durch seine ziegelrothe Farbe besonders auffällt. -- Es ist sehr
groß, und an seinen beiden vordern Eckseiten sind massive, runde Thürme
angebaut.
An der Rückseite des Schlosses, in der Mitte des Vorplatzes, steht eine
mehr als lebensgroße Büste Gustav des Ersten. Einige Schritte davon
entfernt sind zwei künstliche Hügel gleich Bastionen errichtet, auf welchen
einige Kanonen aufgepflanzt sind. Von hier, als den höchsten Standpunkten
in der ganzen Umgebung, hat man die beste Uebersicht über Stadt und Gegend.
Das Städtchen selbst ist halb von Holz, halb von Stein erbaut, und sieht
allerliebst aus; es ist von breiten schönen Straßen durchzogen, und mit
vielen artigen Gartenanlagen geziert. Nur Eines mißfiel mir -- die dunkle
braunrothe Farbe der Häuser, die bei scheidendem Sonnenlichte einen
eigenthümlich düstern Anblick gewährte.
Die Umgebung besteht aus einer weithin ausgedehnten Ebene, die zum Theil
sehr fruchtbar ist. Zwischen die hellgrünen Wiesen und die gelbschimmernden
Stoppelfelder lagern sich häufig dunkle Waldstreifen, und schon aus weiter
Ferne sieht man den Silberfaden des Flußes _Fyris_, der sich dem See
zuschlängelt. Den Hintergrund bilden dunkle Wälder, in deren Schatten sich
der Blick verliert. -- Dörfer sah ich wenige, es müßte nur sein, daß sie
von Bäumen verdeckt waren.
Viele schöne Fahrstraßen durchschneiden und durchkreuzen diese Ebene.
Bevor ich meinen Standpunkt auf den Bastionen vor dem königlichen Schloß
verließ, warf ich noch einen Blick auf den Schloßgarten, welcher unten am
Hügel zu meinen Füßen aufgedeckt lag, und durch eine Straße vom Schloße
getrennt ist; er scheint nicht sehr groß, aber recht hübsch zu sein.
Gerne hätte ich auch noch den botanischen Garten besucht, der unweit
der Stadt liegt und Linnée's Lieblingsaufenthalt war, -- doch die Sonne
verschwand hinter den Bergen, und ich begab mich in mein Stübchen, mich
auf die morgige Reise nach _Danemora_ zu bereiten. -- -- Eine
herrlichgearbeitete Büste Linnées soll die Hauptzierde jenes Gartens sein.