12. September.

Zwischen _Stockholm_ und _Upsala_ besteht ein sehr großer Verkehr. Täglich,

nur die Sonntage ausgenommen, geht von beiden genannten Orten ein kleines

Dampfschiff über den Mälarsee, welches die Entfernung von neun deutschen

Meilen in sechs Stunden zurücklegt.

Durch diese bequeme Gelegenheit angezogen, so leicht und schnell nach der

berühmten Stadt _Upsala_ zu kommen, und von der ungemein schönen Witterung

angelockt, nahm ich eines Abends einen Platz zu dieser Fahrt, und war am

darauf folgenden Morgen höchst unangenehm überrascht, als der Regen sich

in Strömen ergoß. -- Doch wollte man sich durch dergleichen Zufälligkeiten

abhalten lassen, würde man nicht weit kommen. -- Ich schiffte mich also um

halb acht Uhr Morgens getrost ein, und kam zwar glücklich in _Upsala_ an,

war aber dießmal so recht wie eine verpackte Waare gereist. -- Ich mußte

beständig im Saale sitzen bleiben, und konnte nicht einmal die spärliche

Aussicht durch die Kajüten-Fensterchen genießen; denn von außen schlug der

Regen heftig an sie an, und von innen waren sie wegen der übergroßen Hitze

ganz angelaufen. Ich begab mich dießmal ganz gegen meine Gewohnheit gar

nicht auf das Deck, ich hoffte bei der Rückkehr wohl besseres Wetter zu

treffen, und dann das Versäumte nachholen zu können.

Gegen drei Uhr endlich, als ich schon über eine Stunde in _Upsala_ saß,

heiterte sich das Wetter auf, und ich ging nun aus, um die Merkwürdigkeiten

dieser Stadt zu besehen.

Vor Allem andern besuchte ich den schönen Dom. -- Mit Bewunderung blieb

ich am Haupteingange stehen, und betrachtete die hohe Decke, die auf zwei

Reihen von Säulen ruht, und sich über die ganze Kirche spannt. -- Keine

Kuppel macht eine Unterbrechung; Alles läuft in einer geraden schönen Linie

fort. -- Das Innere der Kirche ist schmucklos, nur hinter dem Hauptaltare

befindet sich eine schöne Kapelle, deren Wölbung himmelblau gemalt und mit

goldenen Sternen durchwirkt ist. In dieser Kapelle ruht Gustav I. in Mitte

seiner beiden Gemahlinen. Das Monument, welches die Gruft deckt, ist

zwar groß und von Marmor, aber kunst- und geschmacklos. Es stellt einen

Sarcophag vor, auf welchem die drei Körper in Lebensgröße ruhen. Ein

Baldachin, ebenfalls von Marmor, wölbt sich darüber. -- An den Wänden der

Kapelle sind in hübschen Fresko-Gemälden, die wichtigsten Momente aus dem

Leben dieses Monarchen dargestellt. -- Unter diesen zeichnen sich besonders

zwei aus -- der eine, wie er als Bauer gekleidet gerade in demselben

Augenblick in die Hütte eines Bauers tritt, als man sich _vor_ derselben

eifrig nach ihm erkundigt, -- der andere, wie er ebenfalls als Bauer

gekleidet auf einer Tonne steht, und eine Anrede an sein Volk hält. -- Zwei

große Tafeln, in breite Goldrahmen gefaßt, und ebenfalls als Fresko gemalt,

enthalten in _schwedischer_ Sprache -- und nicht in lateinischer, wie es

leider bei dergleichen Inschriften so häufig der Fall ist -- die Erklärung

der Gemälde. -- Jeder Eingeborne kann sich daraus leicht mit der Geschichte

dieses Königs bekannt machen.

In den verschiedenen Seitenkapellen stehen noch mehrere Monumente: das der

_Katharina Magelone_, _Johann's_ III., _Gustav Erichson's_, welcher geköpft

wurde, und das der beiden Brüder _Sturre_, welche ermordet wurden. -- Das

Monument des Erzbischofes _Menander_ von weißem Marmor ist eine geschmack-

und kunstvolle Arbeit neuerer Zeit. In dieser Kirche ruht auch unter einer

einfachen Steinplatte der große _Linnée_. Sein Monument steht jedoch nicht

über dem Grabe, sondern in einer der Nebenkapellen, und besteht aus einer

wunderschönen, dunkelbraunen Porphyr-Platte, an welcher sein Bildniß =en

relief= angebracht ist.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die prachtvolle Orgel, welche

beinahe bis an die Decke der Kirche reicht.

In der Schatzkammer, die eben nicht große Reichthümer besitzt, sind

hinter einem Glaskasten die mit Blut befleckten und mit Dolchstichen

durchlöcherten Kleidungsstücke der unglücklichen Brüder _Sturre_

aufbewahrt. -- Auch steht hier eine aus Holz geschnitzte Bildsäule des

Heidengottes Thor. Dieses hölzerne Machwerk scheint ursprünglich ein =Ecce

Homo= gewesen zu sein, der vielleicht einstens irgend eine Dorfkapelle

schmückte, dann von einem Ungläubigen geraubt, und noch mehr verstümmelt

wurde, als es bereits der Schöpfer, der durchaus kein Jünger der Kunst

gewesen sein konnte, gethan hatte. Jetzt glich es vollkommen einer

abscheulichen Vogelscheuche.

Der Kirchhof, welcher unweit der Kirche ist, zeichnet sich durch seine

Größe und Schönheit ganz vorzüglich aus. Er ist von einer zwei Fuß hohen

Steinmauer umgeben, auf welcher ein ebenfalls zwei Fuß hohes eisernes

Geländer, durch niedere Steinpfeiler unterbrochen, fort läuft. Von mehreren

Seiten führen Stufen über diese vier Fuß hohe Einfassung in den Friedhof.

-- Auch in diesem Friedhofe, wie in jenem von Stockholm, glaubt man sich in

einem lieblichen Garten mit großen Alleen, Lauben, Wiesenteppichen u. s. w.

versetzt zu sehen, nur schöner und herrlicher wie dort, weil die Anlagen

hier schon viele Jahre zählen mögen. Die Grabeshügel liegen hier von den

Lauben halb verborgen. Viele waren mit Blumen und Blumenkränzen geziert,

oder mit Rosenhecken umgeben. Wenn man diesen Friedhof oder vielmehr diesen

Garten sieht, sollte man beinahe denken, er sei eben so für die Lebendigen

zum Lustwandeln, wie für die Todten zur Ruhe bestimmt.

Die Monumente zeichnen sich durch nichts aus. Nur zwei darunter sind

merkwürdig; sie bestehen aus ungeheuren Felsplatten in rohem Zustande, die

aufrecht auf den Grabeshügeln stehen. Der eine dieser Hügel gleicht noch

überdieß vollkommen einem Berge; er deckt die Asche eines Generals, und

wäre wahrlich groß genug, auch noch seine ganze Mannschaft zu beherbergen.

-- Vermuthlich haben seine Verwandten die Grabeshügel von Troja zu

Vorbildern genommen. -- Auch die Zeichen auf dieser colossalen Felsentafel

waren ganz ungewöhnlicher Art, und, so viel mir schien, waren es Runenzüge.

-- Die guten Leute vereinten also hier zwei Sachen des höchsten Alterthums

ganz entgegengesetzter Reiche.

Das Universitäts- oder Bibliotheks-Gebäude in Upsala ist groß und schön;

es liegt auf einem kleinen Hügel, und bildet gegen die Stadt eine schöne

Fronte. Im Hintergrunde schließt sich ein Park daran, der jedoch noch etwas

jugendlich ist.

Unweit von diesem Gebäude auf demselben Hügel steht ein königl. Schloß,

welches durch seine ziegelrothe Farbe besonders auffällt. -- Es ist sehr

groß, und an seinen beiden vordern Eckseiten sind massive, runde Thürme

angebaut.

An der Rückseite des Schlosses, in der Mitte des Vorplatzes, steht eine

mehr als lebensgroße Büste Gustav des Ersten. Einige Schritte davon

entfernt sind zwei künstliche Hügel gleich Bastionen errichtet, auf welchen

einige Kanonen aufgepflanzt sind. Von hier, als den höchsten Standpunkten

in der ganzen Umgebung, hat man die beste Uebersicht über Stadt und Gegend.

Das Städtchen selbst ist halb von Holz, halb von Stein erbaut, und sieht

allerliebst aus; es ist von breiten schönen Straßen durchzogen, und mit

vielen artigen Gartenanlagen geziert. Nur Eines mißfiel mir -- die dunkle

braunrothe Farbe der Häuser, die bei scheidendem Sonnenlichte einen

eigenthümlich düstern Anblick gewährte.

Die Umgebung besteht aus einer weithin ausgedehnten Ebene, die zum Theil

sehr fruchtbar ist. Zwischen die hellgrünen Wiesen und die gelbschimmernden

Stoppelfelder lagern sich häufig dunkle Waldstreifen, und schon aus weiter

Ferne sieht man den Silberfaden des Flußes _Fyris_, der sich dem See

zuschlängelt. Den Hintergrund bilden dunkle Wälder, in deren Schatten sich

der Blick verliert. -- Dörfer sah ich wenige, es müßte nur sein, daß sie

von Bäumen verdeckt waren.

Viele schöne Fahrstraßen durchschneiden und durchkreuzen diese Ebene.

Bevor ich meinen Standpunkt auf den Bastionen vor dem königlichen Schloß

verließ, warf ich noch einen Blick auf den Schloßgarten, welcher unten am

Hügel zu meinen Füßen aufgedeckt lag, und durch eine Straße vom Schloße

getrennt ist; er scheint nicht sehr groß, aber recht hübsch zu sein.

Gerne hätte ich auch noch den botanischen Garten besucht, der unweit

der Stadt liegt und Linnée's Lieblingsaufenthalt war, -- doch die Sonne

verschwand hinter den Bergen, und ich begab mich in mein Stübchen, mich

auf die morgige Reise nach _Danemora_ zu bereiten. -- -- Eine

herrlichgearbeitete Büste Linnées soll die Hauptzierde jenes Gartens sein.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band. · 第 37 / 57 题