9. September.

Heute verließen wir das Meer und schifften durch einen sehr kurzen Kanal

abermals in einen See, und zwar in den durch die Zahl seiner Inseln

berühmten _Mälar-See_. -- An seinem Eingange liegt das Städtchen _Sotulje_

reizend in einem engen Thale am Fuße eines ziemlich steilen Hügels.

-- Dieser See gleicht anfangs eigentlich mehr einem breiten Strome,

er erweitert sich jedoch bei jedem Ruderschlage, und erscheint bald in

ausgedehnter Größe. -- Die Fahrt auf dem Mälarsee dauert 4 Stunden, und ist

eine der reizendsten die man sich nur denken kann. -- Dieser See soll bei

1000 Inseln und Inselchen enthalten, man kann sich nun leicht vorstellen,

wie in ewig wechselnden Gestaltungen und Formen dieser schöne Wasserspiegel

erscheint und wie er, gleich seinem Vorgänger, dem herrlichen Fiord der

Ostsee, bald kleinere und größere Seen, bald Ströme und Buchten u. s. w.

bildet.

Auch die Ufer sind sehr abwechselnd und schön. Bald ziehen sich Hügel und

Berge bis knapp an den See, und steil abfallende Felsen bilden gefährliche

Wände, bald erscheinen wieder dunkle, finstere Tannen-Waldungen, oder es

öffnen sich freundliche Thäler mit Wiesen und Feldern, mit Dörfchen

und Höfen. -- Manche der Reisenden behaupten zwar, daß dieser See doch

eigentlich nur ein ewiges Einerlei biete; ich konnte jedoch ihre Meinung

nicht theilen, ich fand ihn so reizend, daß ich wohl unzählige Male darauf

fahren könnte, ohne dieses lieblichen Einerlei's überdrüßig zu werden. --

Er hat zwar nicht die majestätischen Umgebungen der Schweizerseen, aber

gerade seine Unzahl von Inselchen bilden eine Eigenthümlichkeit, die man

gewiß auf keinem andern See findet.

Auf der Spitze eines steilen Abhanges, wie deren mehrere den See umgeben,

ist eine hohe Stange errichtet, auf welcher der Hut des unglücklichen Eriks

befestiget ist. Die Geschichte erzählt von diesem Könige, daß er in einer

Schlacht vor dem Feinde geflohen, und hier von einem Soldaten ereilt

worden sei, der ihm darüber Vorwürfe gemacht haben soll. Aus Scham und

Verzweiflung gab er seinem Pferde die Sporen, und stürzte sich mit ihm

in die fürchterliche Tiefe. Bei diesem Sturze soll ihm der Hut vom Kopfe

geflogen, und an dieser Stelle zurück geblieben sein.

Unweit dieses Punktes erblickt man nun endlich auch einen Theil der

Vorstädte Stockholms, die sich um einen breiten Arm des See's lagern. --

Mit steigender Begierde aber sieht man nach der Stadt, von der sich immer

mehr und mehr entfaltet. -- Man sieht schon viele der artigen Landhäuser,

die in kleinen Thälern, oder auf Abhängen und Hügeln als Vorläufer der

Stadt liegen, und die Vorstädte, die sich amphitheatralisch an den steilen

Felsufern fortziehen. Die Stadt selbst macht den Schluß, sie nimmt das

ganze obere Ende des See's ein, und reiht sich zu beiden Seiten an die

Vorstädte. Schon von weitem sieht und bewundert man die Ritterholmer

Kirche, mit ihren gußeisernen, durchbrochenen Thürmen, und das wahrhaft

grandiose königliche Schloß, das ganz im italienischen Style erbaut ist.

Kaum hatten wir im Hafen Stockholms Anker geworfen, so erschienen schon

mehrere herkulische Weiber, und boten uns, gleich Trägern, ihre Dienste an.

Es waren Darlekarlerinen[8]; sie kommen häufig nach Stockholm, um daselbst

als Last- und Wasserträgerinen, als Kahnführerinen, u. s. w. ihren

Lebensunterhalt zu gewinnen. Man nimmt sie gerne in Dienst, weil sie zwei

treffliche Eigenschaften besitzen; sie sollen nämlich höchst redlich und

arbeitsam sein, und dabei Kraft und Ausdauer gleich Männern besitzen.

[8]: Darlekarlien ist eine schwedische Provinz, 20 Meilen nördlich von

Stockholm entlegen.

Ihre Tracht besteht in schwarzen Röcken, die bis an die halbe Wade reichen,

rothen Leibchen, weißen Hemden mit langen Aermeln, kurzen schmalen Schürzen

von zwei Farben, rothen Strümpfen und Schuhen mit zollhohen hölzernen

Sohlen. Um den Kopf schlagen sie entweder ein Tuch, oder sie setzen

ein ganz kleines, anliegendes, schwarzes Häubchen auf, das nur auf dem

Hinterkopfe sitzt.

Man findet in Stockholm häufig sowohl ganze eingerichtete Wohnungen, als

auch einzelne Zimmer, die, so wie im Gasthause, tagweise vermiethet werden.

Sie kommen bedeutend billiger, und haben daher sehr vielen Zuspruch.

Auch ich miethete mir gleich ein solches Zimmerchen, das recht nett und

freundlich war, und für welches ich, den Morgenkaffee mit eingeschlossen,

täglich nur 1 Reichsthaler, d. i. nach unserm Gelde 32 kr. bezahlte.

Aufenthalt in Stockholm.

Da meine Reise eigentlich nur Island gegolten hatte, und ich diesen kleinen

Theil Skandinaviens nur im Durchfluge besah, wird man es mir verzeihen,

wenn ich mich darüber kurz fasse. Auch sind diese Länder bereits von andern

Reisenden so trefflich geschildert, daß dagegen meine Beschreibung von zu

geringem Belange wäre.

Ich blieb sechs Tage in Stockholm, und benützte diese Zeit so gut als

möglich. -- Die Stadt liegt an den Gestaden der Ostsee und des Mälarsee's.

Beide Wasserflächen sind durch einen kurzen Kanal verbunden, an welchem die

schönsten Gebäude stehen.

Ich besuchte vor Allem die herrliche Ritterholm-Kirche, die eigentlich mehr

die Dienste einer Gruft und eines Waffensaales, als einer Kirche

vertritt. -- Die untern Räume bilden die Königsgruft; -- die Monumente der

verstorbenen Könige stehen in den Seitenkapellen. Im Schiffe der Kirche

sind an beiden Seiten gewappnete Ritter zu Pferde aufgestellt, deren

Rüstungen von einigen Königen von Schweden herrühren. -- Die Wände und

Ecken der höhern Räume der Kirche und Seitenkapellen sind reich mit Fahnen

und Standarten geschmückt, deren Anzahl sich auf 5000 belaufen soll.

Ueberdieß hängen noch an den Wänden der Seitenkapellen die Schlüssel der

eroberten Festungen und Städte, und auf dem Boden liegen Trommeln und

Pauken aufgeschichtet. Alle diese Gegenstände wurden den verschiedenen

Nationen abgerungen, mit welchen Schweden Krieg führte.

Nebst all diesen Merkwürdigkeiten sieht man auch noch in den Seitenkapellen

mehrere Rüstungen oder Anzüge von schwedischen Regenten hinter Glaskästen

bewahrt. -- Am meisten interessirte mich jener Anzug darunter, den

Karl XII. an seinem Todestage trug, und der Hut durch welchen die Kugel

durchging; -- seine Reiterstiefel stehen daneben auf dem Boden. -- Nicht

minder interessant ist, schon auch des grellen Gegensatzes wegen,

der modische Anzug, und der mit Gold und Federn geschmückte Hut des

letztverstorbenen Königs, des Gründers der neuen Dynastie.

An derselben Seite des Kanals steht auch die Nikolaus-Kirche, welche unter

den protestantischen Kirchen eine der schönern ist, die ich bisher gesehen

habe; man sieht gleich, daß sie noch aus den katholischen Zeiten stammt,

und daß man ihr die frühere Ausschmückung größtentheils gelassen hat. Sie

besitzt mehrere große und kleine Oelgemälde, viele Monumente älterer und

neuerer Zeit, und einen großen Reichthum an Vergoldungen. -- Die Orgel

ist groß und schön. Am Eingange der Kirche stehen schöne Reliefs in Stein

gehauen, und in der Höhe sieht man auf einer Brücke stehend, eine aus Holz

geschnitzte, mehr als lebensgroße Statue des heil. Erzengels Michael, wie

er zu Pferde sitzend den Drachen erlegt.

Unweit dieser Kirche liegt der königliche Palast, zu dessen Beschreibung

eine geschicktere Feder gehörte als die meine ist, und über welchen

man lange Abhandlungen schreiben müßte, wollte man alle Schätze,

Merkwürdigkeiten und Schönheiten sowohl seines Baues, als seiner innern

Einrichtung erwähnen. Ich kann nur sagen, daß ich, außer den königlichen

Palästen zu Neapel -- Caserta mitgerechnet -- nie etwas Aehnliches sah!

-- Doppelt fällt ein solcher Bau hier im hohen Norden auf, und in einem

Reiche, das eben auch nie mit Ueberfluß überschüttet war.

Die Schifferholm-Kirche zeichnet sich mehr durch ihre Lage und tempelartige

Form, als durch sonst etwas aus; sie steht frei auf einem Fels, dem

königlichen Schlosse beinahe gegenüber, an der jenseitigen Seite einer

Bucht der Ostsee, welche hier hereinschneidet. -- Eine lange Schiffbrücke

führt hinüber.

Die Katharinen-Kirche ist groß und schön. Man zeigt hier außerhalb der

Kirche an einer Ecke derselben den Stein, auf welchem einer der Brüder

_Sturre_ geköpft wurde.[9]

[9]: Die Familie _Sturre_ war eine der ausgezeichnetsten in Schweden.

_Sten Sturre_ führte die Buchdruckerei in Schweden ein, stiftete die

Universität Upsala, und zog viele gelehrte Männer nach Schweden. In

einer Schlacht gegen die Dänen wurde Sten Sturre tödtlich verwundet und

starb 1520.

Seine beiden Nachfolger, als Reichsvorsteher, _Suante_, _Nilson

Sturre_ und dessen Sohn, _Sten Sturre_, der Jüngere, leben auch noch

im dankbaren Andenken bei den Schweden, wegen ihrer patriotischen

Großthaten.

Am Ritterplatz steht das »Ritterhaus«, eines der schönsten Schlösser -- das

alte königl. Schloß, und unweit davon noch andere theils königl., theils

Privat-Schlösser; aber bei weitem nicht in der Anzahl und Pracht wie zu

Kopenhagen. Auch die Straßen und Plätze dürfen sich mit jenen in Kopenhagen

nicht messen.

Auf einem in einer der Vorstädte gelegenen Hügel, _Groß-Mosbecken_, hat

man die schönste Ansicht von Stockholm; man übersieht das Meer und den

Mälarsee, die Stadt und die Vorstädte, die sich bis an die Spitzen der

Felshügel ziehen, die lieblichen Landhäuser, die auf allen Seiten an den

Ufern der beiden Seen liegen. Kleine Felspartieen und Inselchen liegen

so zwischen den Häusern und den Vorstädten, daß man sie auch noch zum

Stadtgebiet rechnen muß, und gerade dieß Alles zusammen gibt der Stadt

Stockholm ein so bizarres Ansehen, daß man wohl sagen kann, die Lage

Stockholms läßt sich mit keiner Lage irgend einer andern Stadt vergleichen.

Waldbedeckte Hügel, und nackte Felsengebirge schließen sich daran, deren

Ketten man bis in die unendliche Ferne verfolgen kann. Wiesen und Felder

nehmen wohl nur einen geringen Raum ein in dieser großen herrlichen Natur.

Wenn man von diesem Hügel herab steigt, unterlasse man ja nicht, nach

_Södermalm_ zu gehen, und die ungeheuren Eisenniederlagen zu besehen. Auf

zwei großen freien Plätzen ist das Eisen in zahllosen Stangen aufgehäuft.

-- Der Kornmarkt ist unbedeutend. -- Als größere und theilweise auch

hübsche Gebäude sind zu bemerken: die Bank, die Münze, die Hauptwache, der

Palast des Kronprinzen, das Theater u. a. m. Das Letztere ist schon darum

interessant, weil König Gustav der III. daselbst bei einem Feste erschossen

wurde. Der Platz wo er fiel, befindet sich auf dem Podium. Es war nämlich

ein großer Maskenball gegeben worden, und das ganze Theater war in einen

Saal umgestaltet. Der König bekam den Schuß von einer Maske, und verschied

einige Stunden darauf.

Denselben Abend als ich das Theater besuchen konnte -- täglich wird nicht

gespielt -- fand in dem Saale der Antiken eine große Feierlichkeit statt.

Der geschätzte Künstler _Vogelberg_, ein geborner Schwede, hatte aus

schönem Marmor die drei heidnischen Gottheiten: _Thor_, _Balder_ und _Odin_

in kolossaler Größe kunstvoll geschaffen, und von Rom hieher gebracht. Die

Statuen waren erst kürzlich aufgestellt worden, und heute war, dem Künstler

zu Ehren, der Saal erleuchtet, und eine große Gesellschaft geladen. Bei dem

Enthüllen der Statuen sollten feierliche Hymnen gesungen werden. Ich hatte

das Glück zu diesem Feste geladen zu sein, das gleich nach 7 Uhr seinen

Anfang nehmen sollte. Vorher ging ich noch in's Theater, welches, wie man

mir sagte, um 6½ Uhr beginnen würde. Ich dachte da eine halbe Stunde zu

bleiben, und dann nach dem königl. Palaste zu gehen, wo mich meine Freunde

erwarteten, um mit mir das Fest zu besuchen. Schon um 6 Uhr saß ich im

Theater, und wartete eine halbe Stunde sehnsuchtsvoll auf das Beginnen der

Ouverture; -- es war schon 6½ Uhr und noch immer wurden keine Anstalten

dazu gemacht. -- Nun sah ich genauer nach dem Zettel, und entdeckte zu

meinem Schrecken, daß die Oper erst um 7 Uhr beginne. Ich wollte aber nicht

weichen, ohne das Podium gesehen zu haben, und vertrieb mir indessen die

Zeit damit, das Theater von allen Seiten zu betrachten. Es ist ziemlich

groß, und besteht aus 5 Stöcken, ist aber weder mit Pracht noch Luxus

ausgestattet. Am meisten wunderte ich mich über die hohen Preise, und

noch mehr über die Mannigfaltigkeit der Plätze. -- Ich zählte deren 26; es

scheint, daß jede Bank ihren eigenen Preis hat, sonst wüßte ich wirklich

nicht, wie man eine solche Menge heraus brächte.

Endlich begann die Ouvertüre; ich hörte sie, sah den Vorhang aufrollen,

betrachtete den verhängnißvollen Platz, und ging nach der ersten Arie fort.

-- Der Billeteur eilte mir nach, faßte mich am Arme, und wollte mir ein

Retour-Billet geben. Als ich ihm sagte, daß ich keines brauche, indem ich

nicht mehr zu kommen gedächte, meinte er, es habe ja erst angefangen, ich

sollte doch bleiben, sonst hätte ich das viele Geld umsonst ausgegeben. --

Leider besaß ich zu wenig Kenntniß der schwedischen Sprache, um ihm alle

die Ursachen auseinander zu setzen, die mich zum Fortgehen veranlaßt

hatten; gab ihm keine Antwort, und ging meiner Wege. Da hörte ich noch, wie

er zu Jemanden sagte: »Das ist mir noch nicht vorgekommen. Bleibt die Frau

eine halbe Stunde vor dem Vorhange sitzen, und geht fort, nachdem man ihn

aufgezogen hat.« Als ich mich umsah, deutete er gerade mit dem Finger auf

die Stirne, und schüttelte dazu bedenklich den Kopf. -- Ich konnte mich des

Lächelns nicht enthalten, und nahm diese Verurtheilung als zweiten Akt des

»stummen Gastes« aus Mozarts Don Juan.

Ich holte meine Freunde im königl. Schlosse ab, und brachte dann den Abend

recht angenehm in den effektreich beleuchteten Sälen der Antiken und der

Bildergallerie zu. Ich hatte daselbst auch das Vergnügen Herrn Vogelberg

persönlich kennen zu lernen. Schon sein bescheidenes, anspruchloses

Benehmen mußte Jedermann mit Achtung erfüllen, die um so höher steigt, wenn

man weiß, welch ausgezeichnetes Talent man in ihm begrüßt.

Zu den näheren Umgebungen von Stockholm gehört vor Allem der königl.

Thiergarten. In dieser Art wird man nicht leicht etwas Schöneres sehen

können. Es ist dieß ein sehr großer, prachtvoller Naturpark, mit einer

endlosen Folge von Waldungen, Wiesen, Hügeln und Felsen. Dazwischen liegen

allerliebste Landhäuser mit duftenden Blumengärten, und geschmackvolle

Kaffee- und Gasthäuser, die an schönen Sonntagen von Städtern überfüllt

sind. -- Treffliche Fahrstraßen ziehen sich durch und um den Park, und

bequeme Gehsteige führen auf allen Seiten zu den herrlichsten Aussichten

über See und Land.

An einem freundlichen Plätzchen steht eine Büste des bekannten und

beliebten Dichters _Bellmann_, dem zu Ehren da alljährlich ein fröhliches

Fest abgehalten wird.

Tiefer im Thiergarten liegt das sogenannte _Rosenthal_, ein wahres kleines

Eden. -- Der letzt verstorbene König hatte dieß Plätzchen so lieb, daß er

manche Stunde in dem Lustschlößchen zugebracht haben soll, das hier ganz

einsam inmitten von Blumenbeeten und Waldungen liegt. Vor dem Schlößchen

steht ein herrliches Becken, das aus _einem_ Stück Porphyr gearbeitet

ist. Man wollte behaupten, daß es das größte in Europa sei, doch halte ich

jenes, welches man im Museum zu Neapel sieht, für bei weitem größer.

In diesem Garten brachte ich noch die letzten angenehmen Stunden mit der

aus Finnland stammenden, höchst liebenswürdigen Familie _Boje_ zu, welche

ich auf der Reise von Gothenburg nach Stockholm kennen gelernt hatte.

Doppelt unvergeßlich wird mir daher dieser schöne Park bleiben.

Einen zweiten recht angenehmen Ausflug machte ich nach dem

königl. Schlößchen _Haga_, nach dem großen _Friedhofe_ und dem

Militär-Erziehungshause _Karlberg_.

Das königl. Schlößchen _Haga_ ist von einem großartigen Park umgeben, an

welchem die Kunst wenig nachzuhelfen hatte; er besteht aus den schönsten

Wald- und Wiesenpartieen, aus majestätischen Alleen und niedlichen Hügeln;

überall durchkreuzen sich prächtige Fahr- und Gehwege. -- Das Schlößchen

selbst ist so außerordentlich klein, daß man die Genügsamkeit der

Herrscherfamilie nicht genug bewundern kann. Es soll aber auch ihr

kleinster Sommersitz sein.

Diesem Parke beinah gegenüber liegt der große Friedhof; er besteht erst

seit 17 Jahren und ist daher eine noch etwas junge Anlage. Bei Friedhöfen

anderer Länder würde dieß zwar nicht viel zu sagen haben, allein in

Schweden dienen sie zugleich zu Spaziergängen, und sind mit Alleen

durchschnitten, mit Bosketten geziert, und mit Bänken zum Ausruhen

versehen. Dieser Friedhof ist von einem düstern Tannenwald umgeben, und

scheint dadurch wirklich so ganz von der Außenwelt abgeschlossen zu sein.

Er ist der einzige außer der Stadt; alle übrigen liegen an den Kirchen

zwischen den Häusern, deren Fronten oft unmittelbar ihre Wände bilden. --

Und noch gegenwärtig haben da Begräbnisse statt; -- das heiße ich doch,

sich mit dem Gedanken des Todes befreunden.

Von dem großen Friedhofe führt eine schöne Fahrstraße durch den Wald

nach dem nahen _Karlberg_; hier ist die Erziehungsschule der Land- und

Seekadeten. Die zu dieser Anstalt gehörigen ausgedehnten Gebäude liegen

auf einem Felsberg, der auf einer Seite von einem kleinen Arm des See's

umspühlt wird, auf der andern von schönen Park-Anlagen umgeben ist.

* * * * *

Ehe ich Stockholm verließ, ward mir noch die Ehre zu Theil, Ihrer Majestät,

der regierenden Königin vorgestellt zu werden. Ihre Majestät hörten von

meinen Reisen, und nahmen ein ganz besonderes Interesse an jener von

Palästina. -- Ich erhielt auch in Folge dieser Auszeichnung die besondere

Erlaubniß, das Innere des ganzen Palastes besehen zu dürfen. Obwohl

er schon bewohnt war, führte man mich doch, nicht nur in alle

Gesellschaftssääle, sondern auch in die Wohnzimmer des ganzen Hofes. --

Von der hier herrschenden Pracht, von den Kunstschätzen jeder Art, von der

überreichen Einrichtung und von dem in Allem ausgesprochenen Geschmack

wäre so viel zu erzählen, daß ich gar nicht wüßte, wo anzufangen und wo

aufzuhören. Ich war ganz bezaubert von all den gesehenen Schätzen und

Herrlichkeiten, noch mehr aber von der wahren Herzlichkeit und dem

Antheile, mit welchem sich Ihre Majestät mit mir über Palästina

unterhielten. Ewig werden mir diese Augenblicke, als schöne Lichtpunkte

meiner nordischen Reise im Gedächtnisse fortleben.

Fahrt nach dem alten königlichen Schlosse Gripsholm in Mälarsee.

Alle Sonntage Morgens 8 Uhr geht von Stockholm ein kleines Dampfboot

nach diesem Schlosse ab; die Entfernung beträgt bei 8 Meilen, welche in 4

Stunden zurück gelegt werden; es bleibt daselbst 4 Stunden, und kehrt

dann Abends wieder nach Stockholm zurück. -- Dieser Ausflug ist höchst

interessant, obwohl man den größten Theil derselben Strecke über den See

fährt, welchen man schon auf der Fahrt von Gothenburg gemacht hat. Nur die

letzte Meile biegt man ab in eine schöne Bucht, an deren Ende das schöne

Schloß _Gripsholm_ liegt. Dieses Schloß zeichnet sich sowohl durch seine

Größe, als auch durch seine Bauart, und seine kolossalen Erkerthürme aus.

Leider ist es aber auch mit der überhaupt in ganz Schweden so beliebten

ziegelrothen Farbe angestrichen.

Im Vorhofe stehen zwei ungeheure große prächtig gearbeitete Kanonen, welche

die Schweden einst in einem Kriege den Russen abgenommen haben.

Die Gemächer des Schlosses, die alle noch in gutem Stande erhalten werden,

bieten an innerer Einrichtung weder Pracht noch Verschwendung, ja man

könnte beinahe sagen, das Gegentheil davon dar. Nur das überaus niedliche

Theater macht hiervon eine Ausnahme; in diesem sind die Seitenwände von

oben bis unten mit Spiegeln eingelegt, die Zwischenpfeiler vergoldet, und

die königliche Loge mit kostbarem rothen Sammte ausgeschlagen. -- Seit

Gustav dem III. wurde hier nicht mehr gespielt.

Besonders merkwürdig sind an diesem Schlosse die ungeheuer massiven Mauern;

in den untern Erdgeschoßen messen sie gewiß drei Ellen in der Dicke.

Die obern Gemächer sind alle groß und hoch, und man genießt von den meisten

Fenstern eine herrliche Aussicht auf den See. -- Seufzend wendet man

aber den Blick von diesen schönen Bildern, denkt man an die traurigen

Begebenheiten, welche in diesem Schlosse einst statt hatten.

König Johann der III. und König Erich der XIV., Letzterer mit vier Räthen,

die dann enthauptet wurden, saßen Jahre lang als Gefangene hier.

Das Gefängniß Johann des III. wäre gerade nicht so schlecht zu nennen

gewesen, in so ferne man ein _Gefängniß_ gut nennen kann. -- Der König

war auf einen großen, herrlichen Saal angewiesen, welchen er aber nicht

überschreiten durfte und welchem er daher gewiß jede Bauernhütte mit dem

Rechte der Freiheit vorgezogen haben würde. -- Seine Gemahlin bewohnte zwei

kleine Gemächer an der Seite des Saales; -- sie wurde nicht als Gefangene

betrachtet, und konnte ihre Wohnung nach Gefallen verlassen. -- Hier wurde

ihm sein Sohn Sigismund, im Jahre 1566 geboren; man zeigt noch das Zimmer

und das Bett seiner Geburt.

Lange nicht so gut erging es Erich dem XIV. Dieser König wurde in enger und

finsterer Haft gehalten. Ein kleines ganz schmuckloses Gemach, mit schmalen

und ganz vergitterten Fensterchen in einem der runden Thürme diente ihm zum

Gefängnisse. Der Eingang war mit einer festen, eichenen Thüre geschlossen,

in welcher eine kleine Oeffnung angebracht war, durch welche man ihm

die Nahrung reichte. Zu noch größerer Sicherheit schloß sich über diese

hölzerne Thüre noch eine eiserne. -- Außen um das Gemach lief rund herum

ein schmaler Gang, in welchem die Wachen ihren Posten hatten, und stets

durch die vergitterten Fenster auf den Gefangenen sehen konnten. Man

zeigt noch an einem der kleinen Fenster die Stelle, an welchem der König

stundenlang gestanden haben soll, den Kopf auf die Hand gestützt, und

in das Freie sehend. -- Mit welchen Empfindungen mag er da hinauf zu dem

schönen Himmel, auf das üppige Grün, und auf den herrlichen See gestarrt

haben! Wie viele Seufzer des Unglücklichen mögen da verhallt sein, -- wie

viele schlaflose Nächte mag er vertrauert, -- wie viele Stunden -- in

den zwei langen Jahren -- in banger Erwartung der Zukunft dahin gebracht

haben!! --

Der Mann, der uns da herum führte, behauptete, der Fußboden sei an diesem

Orte mehr ausgetreten, als in jedem andern, und auch der Ziegelstein am

Fenster sei von dem aufgestützten Elbogen ausgewetzt; -- ich bemerkte

jedoch nichts von Beidem.

Der König war hier zwei Jahre eingeschlossen und wurde dann in ein anderes

Gefängniß gebracht.

In diesem Schlosse befindet sich eine ziemlich bedeutende Bildergallerie.

Sie enthält meistens Bildnisse von Regenten, nicht nur des schwedischen,

sondern auch anderer Reiche, vom Mittelalter angefangen bis auf die jüngste

Zeit. -- Auch die Bildnisse berühmter Räthe, Generäle, Maler, Poeten,

Gelehrten, dann jene ausgezeichneter Schwedinen, die sich um ihr Vaterland

verdient gemacht haben, -- und vorzüglicher Schönheiten der Frauenwelt

haben hier Platz gefunden. -- Auf jedem Bilde steht der Name und das

Geburtsjahr des Dargestellten, und man kann sich daher seine Lieblinge

aussuchen, ohne eines Cataloges, oder der langweiligen Erläuterung eines

Cicerone zu bedürfen. -- Was die Richtigkeit der Zeichnung, und die

Schönheit des Colorits betrifft, bliebe freilich wohl bei den meisten viel

zu wünschen übrig, doch wollen wir glauben, daß vielleicht die Aehnlichkeit

dafür entschädige.

Auf der Rückfahrt waren mehrere Herren so gütig, mich auf einige

interessante Punkte des See's aufmerksam zu machen. Dazu gehört _Kakeholm_,

wo er seine größte Breite erreicht, die Felsinsel _Esmoi_, auf welcher eine

Schwedin eine Schlacht gewann, _Norsberg_, ebenfalls durch eine Schlacht

berühmt, und _Sturrehof_, die schöne Besitzung einer großen schwedischen

Familie. -- Bei _Bjarkesoe_ sieht man ein einfaches Kreuz. Hier soll das

Christenthum in Schweden zuerst eingeführt worden sein. -- Ueberhaupt hat

der _Mälarsee_ außer dem Reize seiner ewig wechselnden Naturschönheiten

auch noch so viele geschichtliche Erinnerungen, daß er dadurch einer der

interessantesten Seen, nicht nur von Schweden, sondern von ganz Europa

wird.

Reise von Stockholm nach Upsala und den Eisen-Bergwerken von Danemora.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band. · 第 36 / 57 题