Dieser Kanal ist einer der längsten; seine Umgebungen sind ziemlich hübsch,
und das Thal, welches er durchschneidet, gehört zu den größeren. Das
Städtchen _Söderköping_ lehnt an hohen malerischen Felsgruppen, die sich
weit verzweigen.
Auch in Schweden sah ich jedes Thal, jedes Fleckchen Erde sorgfältig
angebaut und cultivirt. Das Volk war im Ganzen ziemlich wohl gekleidet, und
besaß zwar kleine, aber äußerst niedliche Häuschen, deren Fenster an den
obern Theilen sogar häufig mit neuen, weißen Vorhängen drapirt waren.
Ich besuchte mehrere solche Häuschen, denn, während das Schiff durch die
Schleußen ging, hatte man zu Spaziergängen und kleinen Ausflügen Zeit
genug. -- Ich glaube, daß man die ganze Reise von Gothenburg bis Stockholm
zu Fuß in derselben Zeit zurücklegen könnte, wie mit dem Dampfschiffe.
Täglich verliert man viele Stunden mit diesen Schleußen, und muß sogar
ihretwegen die Fahrt bei der Nacht einstellen. Man rechnet die Entfernung
auf 40-45 deutsche Meilen, und bringt gewöhnlich 5 Tage auf der Reise zu.
Erst des Nachmittags kamen wir in die Scheren der Ostsee, welche ganz den
Character jener der Nordsee an sich tragen. Man befindet sich in einem
Meere von Inseln und Inselchen, von Felsen und Klippen; man begreift hier
so wenig wie dort, wie es dem guten Steuermanne möglich ist, alle diese
hervorragenden Klippen zu vermeiden, und das Schiff so sicher mitten
durchzuführen. Ueberall theilt sich das Meer in Ströme und Buchten, in
kleine und große Seen, die sich zwischen den Inseln und Waldungen
bilden, und von schönen Hügeln ungesäumt sind. -- Nichts gleicht aber dem
überraschenden Anblicke des Schlosses _Storry Husby_, das in einer
Bucht auf einem hohen Berge liegt. Vor dem Fels breitet sich ein schöner
Wiesenteppich bis an die Ufer des Meeres aus, während er im Hintergrunde
von herrlichem Tannengehölze umgeben ist. Und unweit von diesem niedlichen
Bilde taucht aus einem bewaldeten Inselchen ein Thurm auf, als Rest der
großen Ruine _Stegeborg_. Es ist nicht leicht möglich etwas Romantischeres
zu sehen, als die Zusammenstellung dieser Gegend, und überhaupt die ganze
Fahrt in diesem Fiord, der in ewig wechselnden Gestaltungen dem Blicke
erscheint.
Doch nach und nach werden die Hügel niedriger, die Inseln seltner; das Meer
drängt Alles zurück, es scheint eifersüchtig zu sein, die Aufmerksamkeit
des Reisenden mit so vielen andern Gegenständen theilen zu müssen, es will
sie allein besitzen, und nimmt das Schiff in seine weiten Räume auf. Und
nun ist man bald in der offenen See, und sieht nur Himmel und Wasser, und
bald ist man wieder von Felsen und Klippen derart eingeengt, daß man ohne
Lootsen den Ausweg gar nicht finden könnte.