31. August.

Wir hatten die ganze Nacht _hohe See_ gehabt, und trafen deßhalb in

_Gothenburg_ um drei Stunden später als gewöhnlich ein. Wunderbar machte

sich bei diesem Stande der bewegten See die schäumende Brandung an den

vielen Klippen und Inseln in der Nähe _Gothenburgs_.

Die wenigen Reisenden, die sich auf den Füßen erhalten konnten, die nicht

der Seekrankheit erlagen, und auf dem Decke geblieben waren, sprachen

viel von dem gegenwärtigen gefährlichen Sturm. -- Ich hatte mich oft schon

verwundert, jeden Menschen, und wenn er auch nur eine ganz kleine Fahrt

von 40-60 Seemeilen über irgend einen Kanal gemacht hatte, von den

schrecklichen Stürmen erzählen zuhören, die er auf seiner Reise erlebte. --

Nun konnte ich mir die Sache erklären, da die Reisenden neben mir den

etwas scharfen Wind, der nichts als ein -- wie die Seeleute es nennen

-- Hochgehen des Meeres bewirkte, bereits für einen Sturm erklärten, und

wahrscheinlich zu Hause viel von den überstandenen Gefahren erzählten.

Die Stürme sind, Gott sei Dank, nicht gar so häufig. Ich selbst habe schon

viele tausend Seemeilen, und gar manche stürmische Ueberfahrt -- besonders

jene von Kopenhagen nach Island -- gemacht, und dennoch erlebte ich

eigentlich nur _einen_ Sturm, aber einen desto bedeutenderen und wirklich

gefährlichen, im Monat April 1842, als ich über das schwarze Meer nach

Constantinopel fuhr.

Wir langten im Hafen von _Gothenburg_, wie bereits gesagt, um drei Stunden

später -- statt um sechs Uhr, erst um neun Uhr des Morgens an. -- Ich

ließ mich gleich in die Stadt rudern, um mit dem nächsten Stockholmer

Dampfschiffe die berühmte Schleußenfahrt über die Wasserfälle bei

_Trollhätta_ zu machen. -- Durch die Verbindung des Flußes _Götha_ mit

einigen Binnenseen durchschneidet dieses große Werk das ganze Land und

verbindet die Nordsee mit der Ostsee.

Ich fand dießmal die Stadt _Gothenburg_ ganz außerordentlich belebt. Der

König von Schweden befand sich hier auf der Durchreise nach Christiania,

wohin er ging, um den Storthing zu schließen. Es war eben Sonntag, und

der König mit seinem Sohne gerade in der Kirche. Die Straßen wogten von

Menschen, die sich alle dem Platze zudrängten, um die Majestät bei ihrem

Austritte aus dem Dome zu sehen. Natürlich hatte auch ich nichts Eiligeres

zu thun, als mich unter die Menge zu mischen, und glücklich sah ich Vater

und Sohn aus der Kirche treten, den Wagen besteigen und knapp an mir

vorüberfahren. Beide waren schöne, freundliche Erscheinungen. Das Volk

stürmte dem Wagen nach, und haschte begierig nach den herzlichen Grüßen des

geistvollen Vaters, wie des hoffnungsvollen Jünglings; es begleitete sie

bis an die Wohnung, stellte sich vor derselben auf, und sah mit Sehnsucht

dem Augenblicke entgegen, in welchem sie sich am Fenster zeigen würden.

Ich hätte fürwahr an keinem günstigeren Tage hier eintreffen können, denn

heute sah ich Alles geschmückt und geputzt; Militär, Geistlichkeit, Beamte,

Bürger und Volk waren dem Könige zu Ehren im vollsten Staate.

Unter dem herbei geströmten Landvolke bemerkte ich zwei Bäuerinen, die

etwas eigens gekleidet waren. Sie trugen schwarze Röcke, die bis an die

halbe Wade reichten, rothe Strümpfe, rothe Leibchen und weiße Hemden mit

langen weiten Aermeln. Die Köpfe hatten sie mit Tüchern verhüllt. -- Einige

Bürgerinen trugen kleine Häubchen nach Art der schwäbischen, und darüber

einen kleinen, schwarzen, gestickten Schleier, der jedoch das Gesicht frei

ließ.

Auch hier sah ich, so wie zu Kopenhagen, unter den Trommelschlägern und in

den Musikbanden des Militärs 10-12jährige Knaben.

Der König blieb noch diesen und den folgenden Tag in _Gothenburg_, und

setzte erst Dienstags seine Reise fort. An den beiden Abenden seiner

Anwesenheit waren allerorts die Fenster mit Guirlanden von frischen Blumen

geschmückt, zwischen welchen Lichter brannten. -- An manchen Häusern waren

sogar Transparente sichtbar, die jedoch dem Erfindungsgeiste der guten

Gothenburger gar keine große Ehre machten. Alle waren gleich, jedes zeigte

ein ungeheures »~O~« (Oskar), über welchem die königliche Krone angebracht

war.

Ich mußte vier ganze Tage in Gothenburg bleiben; auch in Schweden scheint

bei den Eintheilungen der Fahrten wenig Rücksicht auf die schnellere

Beförderung der Reisenden genommen zu werden. An demselben Tage als ich mit

dem Dampfschiffe von Christiania kam, ging jenes nach Stockholm ab, aber

leider schon um fünf Uhr Morgens. -- Da nun im Monate September nur

mehr zwei Dampfboote wöchentlich nach Stockholm abgehen, mußte ich bis

Donnerstag warten. -- Ich empfand bis dahin ziemlich Langeweile, denn

die Stadt selbst so wie die herrliche Aussicht auf dem Hügel zwischen den

Vorstädten hatte ich bereits während meiner frühern Anwesenheit gesehen,

und die übrige Umgebung der Stadt bestand nur aus kahlen Felsen und

Klippen, die nichts Sehenswerthes boten.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band. · 第 30 / 57 题