Ich hatte mir in Tindosoe schon Abends vorher das Pferd zur Weiterreise auf
heute Morgens 5 Uhr bestellt; trotz dem mußte ich bis 7 Uhr warten.
Obwohl ich nur eine kleine Reise in das Innere des Landes machte, hatte ich
doch volle Gelegenheit, all die Prellereien und Unannehmlichkeiten kennen
zu lernen, welchen der Fremde in Norwegen ausgesetzt ist. -- Ich
glaube, daß es in ganz Europa kein Land geben mag, das hinsichtlich der
Reiseverbindungen noch so in der Kindheit liegt wie dieses. Man bekömmt
zwar überall Pferde, Wagen, Boote u. s. w., das Gesetz hat auch die
Gebühren dafür festgestellt; leider ist aber Alles in den Händen der Bauern
oder der Wirthe, und diese wissen den Fremdling durch ihr Zaudern, und
durch ihre absichtliche Langsamkeit so zu quälen, daß er, um nur etwas
schneller fort zu kommen, gezwungen ist, das Doppelte und Dreifache zu
bezahlen. Die Stationen sind sehr klein, höchstens 1 oder 1¼ Meile lang;
man muß daher alle Augenblicke Pferde wechseln. Kömmt man nun auf die
Station, so ist entweder wirklich kein Pferd vorhanden, oder es wird nur
so vorgegeben. -- Dem Fremden wird dann gesagt, daß man das Pferd erst vom
Berge holen müsse, daß er aber in 1½ bis 2 Stunden befördert werde. -- Man
fährt also eine Stunde um dann zweie warten zu können. Es ist auch höchst
nöthig ein ganzes Register zu führen; denn jede Kleinigkeit, der Wagen, der
Sattel, das Pferdegeschirr, das Holen des Pferdes, das Boot u. s. w., Alles
muß bezahlt werden. Weiß man nun nicht die dafür bestimmten Taxen, so wird
man auch hierin tüchtig betrogen. Auf jeder Station liegt zwar ein Buch, in
welchem sie angegeben sind; es ist aber nur in der Landessprache, und also
für den Fremden so gut als gar nicht vorhanden. Man kann in dieses Buch,
das alle Monate dem nächsten Gerichte vorgelegt werden muß, auch seine
Klagen gegen Bauer oder Wirth einzeichnen; jedoch scheinen Beide nur wenig
Furcht davor zu haben, denn der Führer z. B. der mich nach dem Rykanfosser
Falle begleitete, suchte mich zweimal auf die unverschämteste Weise zu
prellen, indem er für den Gebrauch des Sattels das Achtfache, und für das
Holen des Pferdes das Sechsfache begehrte. Als ich ihm mit dem Strafbuche
drohte, kehrte er sich wenig daran, und bestand derart auf seiner
Forderung, daß ich ihn wirklich bezahlen mußte. Bei meiner Rückkehr nach
Mael hielt jedoch auch ich Wort, forderte das Buch, und zeichnete in
Gegenwart aller Bauern, obwohl ich mich ganz allein unter ihnen befand,
meine Klage ein -- Es war nicht der Geldbetrag, was mich dazu bewogen,
sondern nur die niederträchtige Prellerei. Ich bin der Meinung, daß jeder
Mensch sich stets beschweren soll, wenn ihm Unrecht geschieht; wird auch
ihm selbst nichts vergütet, so macht er es vielleicht doch für seinen
Nachfolger leichter.
Zum Lobe der Bauern muß ich sagen, daß, als ich ihnen die Betrügereien
ihres Landsmannes erklärte, sie sehr ungehalten über ihn waren, und
durchaus keinen Versuch machten, mich von der Klage abzuhalten.
Um nun noch zum Schlusse meiner Reise zu kommen, so bemerke ich nur, daß
der Regen zwar aufgehört hatte, der Himmel jedoch noch immer mit Wolken
bedeckt, und die Gegend in Nebel gehüllt war. Ich nahm deßhalb den frühern
kürzern Weg nach Christiania zurück, obwohl ich dadurch um eine schöne
Partie kam, wo ich, wie man mir sagte, eine der herrlichsten Gegenden,
und besonders der schönsten Fernsichten Norwegens gesehen hätte. Man kann
nämlich von Kongsberg über Kroxleben nach Christiania gehen. Bei Kroxleben
ist diese herrliche Gegend.
Doch meine Zeit war zu kurz, um diesen Umweg machen zu können, und ich ging
über Drammen zurück. Eine Meile hinter Kongsberg, in dem Oertchen _Muni_,
wo ich gegen 7 Uhr Abends ankam, wollte mich der liebenswürdige Wirth
abermals zwei Stunden auf ein Pferd warten lassen. Da mir dasselbe
wahrscheinlich auf jeder Station geschehen wäre, so war ich gezwungen
ein Pferd gleich auf die ganze noch übrige Strecke von 6 Meilen, bis
Christiania, um den dreifachen Betrag zu miethen, legte mich dann auf
einige Stunden zur Ruhe, fuhr in der Nacht um 1 Uhr ab, und erreichte
Christiania glücklich gegen 2 Uhr Nachmittag.
Ich fand auf dieser Reise alle jene Leute sehr gut und gefällig, die mit
mir in keine Geldverbindung kamen, aber die Wirthe, Bootführer, Fuhrmänner,
Führer u. s. w. waren eben so eigennützig und habsüchtig, wie in allen
andern Ländern. -- Ich glaube, daß man bei diesen Leuten Biederkeit und
Treuherzigkeit nur dort fände, wo man das Glück hätte _der erste Reisende_
zu sein.
Diese kleine Reise kam mich ziemlich theuer, und dennoch getraute ich mich
auch dieses bekannt theure Land ziemlich billig zu durchreisen. Ich würde
mit dem Dampfschiffe die Küstenreise bis Hammerfast machen, dort mir ein
gutes Pferd und ein Wägelchen kaufen, und dann die Reise mitten durch das
Land recht angenehm und ohne Aerger fortsetzen. Einer Familie aber, die in
einem gedeckten bequemen Wagen fahren wollte, käme diese Reise über alle
Maßen hoch, und wäre wohl an manchen Stellen, der schlechten Wege halber,
gar nicht ausführbar.
Das norwegische Landvolk ist kräftig und stark, ihre Gesichtszüge gehören
aber gerade auch nicht zu den hübschen und anmuthigen; -- auch schienen
sie mir weder wohlhabend noch Reinlichkeit liebend zu sein. Sie waren
meistentheils sehr ärmlich gekleidet, und gingen barfuß. Ihre Hütten, von
Holz erbaut, und häufig mit Ziegeln gedeckt, sind zwar geräumiger als
jene der Isländer, aber nichts desto weniger schmutzig und armselig. Eine
Schwäche der Norweger scheint der Kaffee zu sein. Sie trinken ihn schwarz
und ohne Zucker. -- Die alten Weiber rauchen so gut wie die Männer des
Abends und des Morgen ihr Pfeifchen.
Von Christiania bis Kongsberg 9 deutsche M.
Von Kongsberg bis an den Wasserfall Labrafoß 1 " "
Von Kongsberg nach Bolkesoe 3 " "
Von Bolkesoe bis Tindosoe 3½ " "
Von Tindosoe über den See nach Maelen 3½ " "
Von Maelen bis an den Wasserfall Rykanfoß 2½ " "
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22½ Meilen.
Reise von Christiania nach Stockholm.