20. August.

Schlechtes Wetter gehört für den Reisenden gewiß zu den größten Plagen, und

ist um so unangenehmer, wenn man durch Gegenden kömmt, die sich durch ihre

Schönheit oder Originalität auszeichnen. -- Beides vereinte sich heute;

es regnete fast unaufhörlich, und dabei war die Fahrt an der schwedischen

Küste und in den kleinen _Fiord_ nach dem Hafen _Gothenburgs_ von ganz

eigenem Interesse. Das Meer glich hier mehr einem ausgebreiteten Strome,

der von schönen Klippenpartieen begränzt, und von einzelnen kleineren

und größeren Felsen und Klippenriffen durchwirkt war, an welchem sich die

Brandung wunderbar schön machte. -- Ganz nahe vor dem Hafen liegen theils

an, theils zwischen den Felsbergen einige Gebäude; -- es ist dieß das

berühmte königl. schwedische Eisenbergwerk, _das neue Werk_ genannt. Sogar

amerikanische Schiffe kamen in größerer Anzahl, um hier dieses Metall zu

holen.

Das Dampfboot bleibt in dem Hafen von _Gothenburg_ über vier Stunden

liegen, und man hat daher Zeit in die Stadt zu gehen, die eine kleine

halbe Meile entfernt ist, und deren Vorstädte sich bis an den Hafen ziehen.

Gleich beim Landungsplatze wohnt ein Kapitain, der stets zwei Pferde und

einen Wagen in Bereitschaft hat, um die Reisenden in die Stadt zu führen.

Es gibt auch Einspänner da, und selbst einen Omnibus. Erstere waren bereits

bestellt, und letzterer soll so langsam fahren, daß beinah die ganze Zeit

damit zugebracht wird. Ich miethete mit zweien meiner Reisegefährten die

Equipage des Herrn Kapitain zur Hin- und Rückfahrt. Der Regen strömte zwar

noch in dichten Massen auf unsere Häupter; doch beirrte uns dieß nur wenig.

Meine beiden Gefährten hatten Geschäfte zu besorgen, und mich lockte die

Neugierde. Ich wußte damals noch nicht, daß mich mein Weg nochmals hierher

führen werde, und fortzufahren ohne eine so niedliche Stadt zu besehen, das

ertrage wer will, -- ich nicht.

Die Vorstädte sind durchaus von Holz gebaut, und besitzen viele schöne

stockhohe Häuser, an die sich meist kleine Gärtchen schließen. Die Lage der

Vorstädte ist ganz sonderbar und eigen. Mitten zwischen den Häusern liegen

oft Felsenhügel, oder kleine Wiesen und Felder, ja die Felsen ziehen sich

hie und da bis an die Straße und mußten theilweise gesprengt werden um

den Durchgang zu gewinnen. Herrlich macht sich die Aussicht auf einer der

Höhen, über welche der Weg nach der Stadt führt. Man sieht zwischen zwei

gigantischen Felsen, welche einen schönen Ausschnitt bilden und in der See

stehen -- hindurch auf die ausgebreitete Nordsee.

Die Stadt hat zwei schöne Plätze. Auf dem kleinern steht die ansehnliche

Hauptkirche, auf dem größeren das Rathhaus, die Post und viele sehr hübsche

Häuser, an welchen es auch in den Gassen nicht fehlt. In der Stadt ist

Alles von Ziegeln erbaut. Der Fluß _Ham_ durchschneidet den großen Platz

und erhöht seine Lebhaftigkeit durch die vielen Schiffe und Barken, die von

der nahen See herein kommen, und Lebensmittel, vorzüglich aber Brennholz zu

Markte bringen. Mehrere Brücken führen über ihn. -- Interessant zu besuchen

ist auch der Fischmarkt; es sind da sehr viele, und darunter sehr große

Fische aufgestappelt.

Ich betrat hier zum ersten Male auf schwedischem Grund und Boden ein

Zimmer. Was mir alsogleich in die Augen fiel, war, daß ich den Fußboden mit

den feinen zarten Spitzen der Tannenzweige ganz bestreut fand; diese Nadeln

verbreiteten einen höchst angenehmen Geruch, der gewiß auch gesünder ist,

als jeder durch Kunst hervorgebrachte. -- Ich fand diesen Gebrauch in

ganz Schweden und Norwegen, aber leider nur in den Gasthöfen oder in den

Wohnungen ärmerer Leute.

Gegen 11 Uhr Morgens setzten wir unsere Reise fort. Wir schifften glücklich

durch die vielen Felsen und Klippen, und gelangten bald wieder in die

offene Nordsee. An der Küste, welcher wir immer ziemlich nahe blieben,

sahen wir auf einigen Felsen Telegraphen errichtet. Das Land links,

Dänemark, verloren wir bald aus dem Gesichte. -- Abends kamen wir zu

der Festung _Friedrichsver_, von der wir aber, der bereits eingetretenen

Dämmerung halber, nicht viel sehen konnten. Hier beginnen die sogenannten

_Scheren_, die sich über 60 Seemeilen weit erstrecken, und den

_Christianssund_ bilden. So viel uns die zunehmende Dunkelheit erkennen

ließ, war der Anblick dieses Sundes wunderschön. Zahllose Inselchen,

viele darunter aus einzelnen Felsmassen bestehend, andere wieder herrlich

bewachsen mit schönen schlanken Tannen, traten uns von allen Seiten

entgegen. Doch der Lootse den wir eingenommen hatten, verstand sein Amt

meisterhaft, und trotz der finstersten Nacht führte er uns sicher mitten

hindurch nach _Sandessund_. -- Hier warfen wir Anker, denn noch weiter zu

fahren, wäre doch zu gefährlich gewesen. Auch mußten wir hier mit dem von

_Bergen_ kommenden Dampfboote zusammentreffen, seine Passagiere übernehmen,

und ihm dafür einen Theil der unsrigen übergeben. Dieses Dampfboot ging

nämlich wieder nach _Bergen_ zurück, und nahm daher unsere dahin reisenden

Passagiere mit sich. -- Leider ging die See sehr hoch, und da war dieses

Uebersiedeln höchst schwer zu veranstalten. -- Keiner der beiden Dampfer

wollte ein Boot aussetzen; endlich nach Mitternacht that es der unsrige,

und nicht ohne Angst und Jammern wurden die Reisenden hinabgelassen. --

Mich erbarmten sie Alle recht von Herzen; doch -- Gott sei gedankt -- es

ging Alles ohne Unfall von statten.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band. · 第 23 / 57 题