21. August.

Heute bei Tage konnte ich erst die Lage von _Sandessund_ besser betrachten.

-- Es besteht nur aus einigen Häusern. Die Wasserstraße ist hier von

schroffen Felswänden derart eingeengt, daß sie kaum die Breite eines

Stromes erreicht; doch bald erweitert sie sich wieder, und gewinnt nun mit

jedem Ruderschlage an Schönheit und Mannigfaltigkeit. Man meint fast auf

einem herrlichen See zu fahren, denn die Inseln ziehen sich so nahe an

das im Hintergrunde liegende Gebirge, daß man sie für festes Land, und die

durch sie gebildeten Buchten für Mündungen von Strömen halten kann. Dann

scheint es wieder, als sähe man eine ganze Kette von Seen; da reiht sich

einer an den andern, und manchmal glaubt man gar, schon das Ende der Fahrt

erreicht zu haben, als sich plötzlich wieder durch die dicht an einander

gelegenen Inseln ein Ausweg eröffnet. Die Inseln selbst sind von der

mannigfaltigsten Verschiedenheit; -- bald bestehen sie aus kahlen Felsen,

und sind nur hie und da mit einzeln stehenden Tannen bewachsen, bald

wieder reich mit Wiesen und Wäldern bedeckt. -- Und zu allem diesem nun

der Anblick der Ufer! Ach da gibt es so viel des Schönen, daß ich wirklich

nicht wußte, wohin die Blicke zu wenden, um ja auch Alles zu sehen. -- Dort

liegen hohe Berge, die von unten bis hinauf mit finstern Tannenwaldungen

bewachsen sind, da wieder liebliche Hügel mit saftigen Wiesen, mit reichen

Feldern, mit niedlichen Bauerhäusern und Höfen, oder es öffnen sich die

Berge und bilden die schönste Perspective in Schluchten und Thäler. -- Oft

kann man den Lauf einer Bucht verfolgen, bis sie in unendlicher Ferne mit

den Wolken verschwimmt. -- Oft sieht man wieder die herrlichsten Thäler

geschmückt mit Ortschaften und kleinen Städten. -- Ach! wäre ich nur auch

im Stande, diese reiche, schöne Natur mit der Begeisterung zu schildern,

die ich fühlte, als ich sie erschaute. -- Leider sind meine Worte, wie

meine Kenntnisse, viel zu schwach dazu, und ich kann meine Gedanken und

Empfindungen nur andeuten, aber nicht beschreiben.

Bei dem Oertchen _Walloe_ fängt die Gegend an minder schön zu werden;

die Berge verwandeln sich in Hügel, und das Wasserbecken entbehrt der

Inselgruppen. Das Oertchen selbst ist größtentheils hinter kleinen Hügeln

verborgen. Doch daran stoßen eine Reihe hölzerner Hütten und Häuschen,

die alle zu einer Salzsiederei gehören. Das Salz wird hier aus Meerwasser

gewonnen.

Um zu dem Städtchen _Moß_ zu gelangen, macht man einen kleinen Abstecher in

eine der vielen Buchten, die sich von allen Seiten öffnen. Die Lage dieses

Städtchens ist wunderschön; es liegt amphitheatralisch an einem Hügel, der

sich an einen Berg lehnt. Am Meeresgestade steht ein artiges Haus, dessen

Porticus auf Säulen ruht, es ist eine Badeanstalt.

Nahe dem Oertchen _Horten_, das ebenfalls recht malerisch gelegen ist,

sieht man ein Schiffswerft, auf welchem Kriegsschiffe für Rechnung des

Staates gebaut werden. -- Viele müssen es aber denn doch nicht sein, denn

ich sah nur ein einziges vor Anker liegen, und kein zweites im Beginne.

Auf der Fahrt nach dem Städtchen _Dröbak_ kömmt man öfter an Ausschnitte

von Inseln, durch die der Blick auf das hohe Meer streifen kann.

Ungefähr acht Seemeilen hinter _Horten_ gewährt ein Berg ein wunderschönes

Bild. Er liegt mitten in der See, drängt sie an die nahen Gebirgsketten

und theilt sie derart in zwei Ströme, die sich erst hinter ihm wieder

vereinigen.

_Christiania_ erblickt man erst, wenn man kaum mehr zehn Seemeilen entfernt

ist. Die Stadt und die Vorstädte, das Festungsgebäude, das neu erbaute

königl. Schloß, die Freimaurerloge u. s. w. liegen an dem Hafen in einem

schönen Halbkreise, der von Feldern und Wiesen, Waldungen und Gebirgen

herrlich umfangen ist. Selbst die See kann sich von diesem zauberischen

Anblicke nicht losreißen, und windet sich durch Hügel und Felder in

schmalen Streifen bis weit hinter die Stadt.

Gegen eilf Uhr Morgens ungefähr erreichten wir Christianiens Hafen. Die

Strecke von Sandesund hatten wir in sieben Stunden zurückgelegt, und

während dieser Zeit viermal angehalten. Die Boote mit den Reisenden, mit

den Waaren und Briefen waren immer schon bereit, fuhren eilig heran; Alles

wurde umgetauscht und -- weiter gefahren.

Aufenthalt zu Christiania.

In dieser Stadt kaum angekommen, war mein Erstes, eine Landsmännin

aufzusuchen, die hier an einen Advocaten verheirathet ist. -- Man sieht,

daß die Wienerinen, denen man immer vorwirft »sie könnten ohne ihren

lieben Stephansthurm gar nicht leben,« diese Sage doch manchmal zu Schanden

machen. Nicht bald sah ich ein Pärchen, das glücklicher und zufriedener

lebt als dieses, und doch ist Christiania über 200 Meilen vom Stephansthurm

entfernt.

Schon während des Ganges vom Hafen in den Gasthof, und von da zu meiner

Freundin kam ich durch die ganze Stadt. Ich fand sie nicht sehr groß und

nicht sehr hübsch. Am besten macht sich noch der neuerbaute Theil; der hat

doch wenigstens breite, ziemlich lange Straßen, in welchen die Häuser von

Ziegeln und Steinen und mitunter recht ansehnlich sind. In den Nebengassen

findet man häufig hölzerne Baracken die den Einsturz drohen. -- Der Platz

ist groß, aber unregelmäßig, und, da auf ihm der Markt von allen möglichen

Artikeln abgehalten wird, auch sehr schmutzig.

Die Vorstädte sind meist von Holz erbaut. -- Oeffentliche Gebäude gibt es

mehrere ziemlich hübsche. Am schönsten machen sich das neue königl. Schloß

und die Festung. Beide sind auf kleinen Anhöhen herrlich gelegen, und

besitzen eine wahrhaft feenartige Aussicht. -- Das alte königl. Schloß

liegt in der Stadt, zeichnet sich aber durch nichts aus; es gleicht

vollkommen einem Privathause. -- Das Haus, in welchem der Storrthing

abgehalten wird, ist groß, sein Portale ruht auf Säulen; doch die Treppen

sind, wie in allen Steinhäusern in ganz Skandinavien, von Holz. -- Das

Theater fand ich von Außen für den Bedarf der Stadt groß genug, --

von Innen sah ich es nicht. -- Eines der schönern Gebäude ist die

Freimaurerloge; sie enthält zwei ausgezeichnet große und schöne Säle,

in welchen, nebst den Sitzungen der Freimaurer, auch jene von

Gelehrtengesellschaften oder Festlichkeiten anderer Art abgehalten werden.

-- Das Universitätsgebäude scheint mir in gar zu großem Style angelegt zu

sein; es ist noch nicht ganz beendet, wird aber so schön erbaut, daß es

den größten Residenzen zur Zierde dienen könnte. Recht artig ist auch das

Locale, in welchem sich die Fleischerbuden befinden. -- Es bildet einen

Halbkreis, und ist mit Bogengängen umgeben, in welchen die Käufer bei jeder

Witterung im Trocknen stehen. Das ganze Gebäude ist von Ziegeln gebaut, die

in ihrem natürlichen Zustande gelassen, weder mit Mörtel angeworfen, noch

mit Kalk übertüncht sind. -- Von sonstigen Pallästen oder Prachtgebäuden

ist nicht viel zu sehen; die meisten Häuser sind einstockig.

Eine große Erleichterung für Fremde, die man in allen Städten Skandinaviens

findet, ist das häufige Anschreiben der Namen der Straßen. Es mögen noch so

viele Straßen in eine oder die andere münden, an jeder Ecke sind ihre Namen

angeschrieben. -- Man mag daher kommen, von welcher Seite man will, so

weiß man gleich den Namen der Straße, in der man sich befindet, und braucht

nicht erst darum zu fragen.

Die Stadt hat offene Kanäle und, wie alle übrigen, bei angekündigtem

Mondschein keine Beleuchtung.

Um den Hafen ziehen sich hölzerne Quais, neben welchen mehrere große

Magazingebäude stehen, die ebenfalls aus Holz erbaut, aber, wie überhaupt

auch die meisten Häuser, mit Ziegeln gedeckt sind.

Die Einrichtungen und Auslagen der Gewölber sind einfach, die Waaren sehr

schön, jedoch nicht von eigener Erzeugung. Es bestehen noch sehr wenig

Fabriken, und Alles muß aus fremden Staaten bezogen werden.

Was mir sehr mißfiel, waren die schrecklich zerlumpt gekleideten Leute, die

man überall auf den Straßen traf. Besonders sahen die jungen Burschen sehr

liederlich aus. Sie bettelten zwar höchst selten; doch möchte ich ihnen bei

Leibe nicht in einem einsamen Gäßchen begegnet sein.

Ich war so glücklich, gerade zur Zeit nach Christiania zu kommen, als die

Sitzungen des _Storthings_ gehalten wurden. -- Es geschieht dieß alle

drei Jahre. Die Sitzungen fangen im Jänner oder Februar an, und dauern

gewöhnlich drei Monate. Dießmal hatten sich jedoch die Geschäfte derart

angehäuft, daß der König vorschlug, den Storthing zu verlängern. Diesem

glücklichen Zufalle hatte ich es zu verdanken, noch mehreren Sitzungen

beiwohnen zu können. -- Der König selbst wurde, um die Verhandlungen zu

schließen, erst im Monat September erwartet.

Der Sitzungssaal ist länglich und ziemlich groß. An der einen der längern

Wände stehen vier Reihen tapezierter Bänke, von denen eine Reihe die andere

überragt. -- Ueber achtzig Storthings-Männer haben da Raum zu sitzen. Den

Bänken gegenüber steht auf einer erhöhten Tribüne der Tisch, an welchem

der Präsident und der Secretär sitzen. Um die eine obere Hälfte des Saales

läuft eine Gallerie, zu welcher Jedermann Zutritt hat.

Obwohl ich von der norwegischen Sprache nur sehr wenig verstand, so ging

ich doch während meines kurzen Aufenthaltes in Christiania täglich auf

eine Stunde in die Sitzung. Ich konnte wenigstens entnehmen, ob flüssig

gesprochen, ob kurze oder lange Reden gehalten wurden u. s. w. Ich hatte

leider das Unglück, lauter solche Redner zu hören, die die wenigen Worte

die sie vortrugen, so abgesetzt und langsam herausstotterten, daß mir dabei

ordentlich angst wurde, sie schienen nicht die geringste Gabe des Vortrages

zu besitzen. Man sagte mir, daß es bei dem ganzen Storthing nur 3-4 gute

Redner gäbe, und daß diese während der Paar Tage meines Aufenthaltes gerade

nicht zu sprechen gehabt hätten.

Noch nirgends habe ich so verschiedenartige Fuhrwerke gesehen wie hier.

Die gewöhnlichsten, dabei aber unbequemsten, sind jene, die man _Carriol_

nennt. Solch eine _Carriol_ besteht aus einem sehr schmalen, länglichen und

offenen Kasten, der zwischen zwei ungeheuer hohen Rädern ruht und mit einem

winzigen Sitzchen versehen ist. Da hinein wird man gepreßt; man muß die

Füße der Länge nach ausstrecken, wird mit einem Leder bis an die Hüfte

zugeschnürt, und muß in derselben Stellung, ohne auch nur einen Fuß

bewegen zu können, vom Anfange bis zu Ende der Fahrt verbleiben. -- Für den

Kutscher ist hinter dem Kästchen ein Brett angebracht, auf welchem er, will

der Kastenbewohner nicht selbst die Pferde leiten, knieend oder stehend

dieß Geschäft verrichtet. Da es aber höchst unangenehm ist, auf der einen

Seite beständig das Schwirren des Leitseiles, und auf der andern das

Knallen der Peitsche zu hören, so kutschirt Alles selbst, die Frauen so

gut wie die Männer. Außer diesen Carriols gibt es auch noch Phaetons,

Droschken, Steierwägelchen u. s. w., nur keine gedeckten Wagen.

Ganz eigen construirt sind die Wagen, die zur Verführung des Biers

gebraucht werden; man muß vorerst wissen, daß in Christiania sehr viel

Bier getrunken wird, und daß man selbes nicht in Fässern, sondern gleich

in Flaschen verführt. Die Wagen bestehen nun aus geräumigen, höchstens

anderthalb Fuß hohen, gedeckten Kästen, die inwendig, gleich einem

Flaschenkorbe, in viele Fächer getheilt sind, in welche die Flaschen

gestellt werden.

Vielleicht nimmt man mir es nicht übel, wenn ich auch einer besonderen Art

von Körben erwähne, deren sich die Dienstleute bedienen, wenn sie Artikel,

die feucht oder schmutzig sind, wie z. B. Fische, Fleisch, Kartoffeln

u. s. w., einkaufen. Diese Körbe sind von feinem Weißblech, und mit einem

Henkel versehen. Die strohgeflochtenen Körbe gehören für Brot und andere

reine und trockene Eßwaaren.

Oeffentliche Gärten oder Versammlungsorte gibt es in Christiania eigentlich

keine, aber Spaziergänge desto mehr; denn jeder Weg, den man außer der

Stadt einschlägt, führt in die herrlichsten Gegenden, und jeder Hügel, den

man ersteigt, ja beinah jeder Punkt der von allen Seiten offenen Stadt,

bietet die wunderherrlichsten Aussichten.

_Ladegaardoen_ ist allenfalls der einzige Ort, den die Städter sehr

häufig sowohl zu Fuß als auch zu Wagen besuchen. Man hat hier viele und

prachtvolle Ansichten der See und deren Inseln, so wie der umliegenden

Gebirge, Thäler, Fichten- und Tannenwaldungen. Hier liegen auch sehr viele

Landhäuser. Die meisten sind klein, aber recht niedlich und von schönen

Obst- und Blumen-Gärten umgeben. -- Wenn ich da herumspazierte, glaubte ich

tief im Süden zu sein; -- so herrlich grünte und blühte Alles. -- Nur an

den Getreidefeldern erkannte ich den Norden. -- Nicht daß das Getreide

schlecht gestanden wäre, im Gegentheile, ich fand Waitzenähren, die sich

in höchster Fülle und Schwere zur Erde neigten, -- aber jetzt, gegen Ende

August, stand das meiste noch ungeschnitten auf dem Felde.

Schöne Wege führen durch einen Tannenwald, oft an Ausschnitten vorüber, die

so herrliche Prospecte gewähren, daß man stundenlang da verweilen könnte.

-- In diesem Walde stehen zwei Monumente, die jedoch beide nicht von

Bedeutung sind; das Eine gilt einem Kronprinzen von Schweden, _Christian

August_, das Andere dem Grafen _Hermann Wedel Jarlsberg_.

Reise nach Delemarken.

Alles was ich bisher von Norwegen gesehen, gefiel mir so außerordentlich,

daß ich der Begierde unmöglich widerstehen konnte, eine Reise nach den

wildromantischen Gegenden _Delemarkens_ zu machen. Man sagte mir freilich,

daß es für eine Frau _allein_, und noch dazu bei so geringer Kenntniß

der Sprache, ein etwas schwieriges Unternehmen sei, sich durch all das

Bauernvolk durchzuarbeiten. -- Nun fand sich aber in diesem Augenblicke

Niemand, der dieselbe Reise gemacht hätte, -- reisen wollte ich doch, und

so vertraute ich meinem Glücke und ging allein.

Nach den Erkundigungen, die ich in Betreff dieser Reise eingezogen hatte,

standen mir besonders dadurch viel Unannehmlichkeiten bevor, daß man

nirgends eine Anstalt trifft, die für das schnelle und bequeme Fortkommen

der Reisenden sorgt. Man ist gezwungen sich einen eigenen Wagen

anzuschaffen, und von Station zu Station Pferde zu miethen. Man bekommt

zwar wohl auch auf jeder Station ein Wägelchen, das aber nichts anders als

ein höchst elender Bauernkarren ist. Ich miethete daher zu Christiania

eine Carriol für die ganze Reise und ein Pferd bis nach dem 5 Meilen weit

entfernten Städtchen _Drammen_.

Am 25. August Nachmittags drei Uhr verließ ich Christiania, preßte mich in

meinen Wagen, und bemächtigte mich, dem Beispiele der norwegischen Frauen

folgend, allsogleich des Leitseiles. Ich fuhr so tapfer zu, als hätt' ich

dieß Geschäft schon seit meiner Kindheit betrieben, ich lenkte rechts und

links, und ließ mein Bräunchen laufen und springen, daß es eine Freude war.

Die Fahrt nach _Drammen_ ist das Herrlichste was man sehen kann. Hierher

soll jeder Maler kommen. -- Alle möglichen Naturschönheiten die er sich

nur denken kann, findet er hier in schönster Harmonie vereint. Man wird

gleichsam erdrückt von dieser Fülle und Reichhaltigkeit, -- und der

Maler könnte aus _einer_ Ansicht unzählige Bilder schaffen. -- Auch die

Vegetation ist hier viel kräftiger und üppiger, als ich sie so hoch im

Norden zu finden hoffte. Jeder Hügel, ja beinahe jeder Fels und Stein

ist von Tannen überschattet; das Grüne der Wiesen war von unnachahmlicher

Frische, das Gras mit Kräutern und Blumen durchwirkt, und die Felder

strotzten von üppiger Aehrenfülle.

Ich habe viele Länder, viele herrliche Gegenden gesehen, ich war in

Italien, in der Schweiz, in Tyrol und Salzburg gewesen; aber nirgends fand

ich so eigenthümliche Ansichten wie hier. -- Da war das Meer, das sich

überall hereindrängte und uns bis _Drammen_ folgte. Da bildete es bald

einen lieblichen See, auf dem sich einzelne Boote schaukelten, bald wieder

einen Strom, der sich durch Hügel und Felder die Bahn brach, bald war

es wieder die herrliche, weit ausgedehnte Wasserfläche, von ziemlichen

Dreimastern, gleich riesigen Schwänen, durchzogen und mit zahllosen Inseln

übersäet. Letztere bestehen oft nur aus einigen Felstrümmern, manche jedoch

bilden niedliche Eilande, auf welchen, halb verborgen von Feldern und

Bäumen, einzelne Hütten stehen. -- Durch üppige Thäler, durch herrliche

Waldungen dahin fahrend, stets begleitet von den schönsten Ansichten und

Bildern, erreichte ich nach fünf Stunden die Stadt _Drammen_, die sich an

den Ufern der See und des Flußes _Storri Elf_ ausbreitet, und deren Nähe

ich schon, bevor ich sie noch sah, an den umliegenden Landhäusern erkannt

hatte.

Ueber den Fluß führt eine lange, schön gebaute hölzerne Brücke, die mit

herrlichen eisernen Geländern versehen ist. Das Städtchen _Drammen_ hat

hübsche Gassen und Häuser, und über 6000 Einwohner. Das Gasthaus, in

welchem ich abstieg, war sehr nett und rein. Man wies mir zum Schlafgemache

einen Salon an, der gewiß auch den vornehmsten Städter in jeder Hinsicht

zufrieden gestellt hätte. -- Lächeln mußte ich dagegen, als man mir mein

frugales Abendmahl brachte, das aus einigen weichgekochten Eiern bestand.

Ich bekam dazu weder Salz noch Brot, noch ein Löffelchen, sondern nichts

als ein Messer und eine Gabel. -- Ich möchte doch wissen, wie es diese

Leute hier anstellen, weich gekochte Eier mittelst Messer und Gabel zu

verspeisen.

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band. · 第 24 / 57 题