Heute bei Tage konnte ich erst die Lage von _Sandessund_ besser betrachten.
-- Es besteht nur aus einigen Häusern. Die Wasserstraße ist hier von
schroffen Felswänden derart eingeengt, daß sie kaum die Breite eines
Stromes erreicht; doch bald erweitert sie sich wieder, und gewinnt nun mit
jedem Ruderschlage an Schönheit und Mannigfaltigkeit. Man meint fast auf
einem herrlichen See zu fahren, denn die Inseln ziehen sich so nahe an
das im Hintergrunde liegende Gebirge, daß man sie für festes Land, und die
durch sie gebildeten Buchten für Mündungen von Strömen halten kann. Dann
scheint es wieder, als sähe man eine ganze Kette von Seen; da reiht sich
einer an den andern, und manchmal glaubt man gar, schon das Ende der Fahrt
erreicht zu haben, als sich plötzlich wieder durch die dicht an einander
gelegenen Inseln ein Ausweg eröffnet. Die Inseln selbst sind von der
mannigfaltigsten Verschiedenheit; -- bald bestehen sie aus kahlen Felsen,
und sind nur hie und da mit einzeln stehenden Tannen bewachsen, bald
wieder reich mit Wiesen und Wäldern bedeckt. -- Und zu allem diesem nun
der Anblick der Ufer! Ach da gibt es so viel des Schönen, daß ich wirklich
nicht wußte, wohin die Blicke zu wenden, um ja auch Alles zu sehen. -- Dort
liegen hohe Berge, die von unten bis hinauf mit finstern Tannenwaldungen
bewachsen sind, da wieder liebliche Hügel mit saftigen Wiesen, mit reichen
Feldern, mit niedlichen Bauerhäusern und Höfen, oder es öffnen sich die
Berge und bilden die schönste Perspective in Schluchten und Thäler. -- Oft
kann man den Lauf einer Bucht verfolgen, bis sie in unendlicher Ferne mit
den Wolken verschwimmt. -- Oft sieht man wieder die herrlichsten Thäler
geschmückt mit Ortschaften und kleinen Städten. -- Ach! wäre ich nur auch
im Stande, diese reiche, schöne Natur mit der Begeisterung zu schildern,
die ich fühlte, als ich sie erschaute. -- Leider sind meine Worte, wie
meine Kenntnisse, viel zu schwach dazu, und ich kann meine Gedanken und
Empfindungen nur andeuten, aber nicht beschreiben.
Bei dem Oertchen _Walloe_ fängt die Gegend an minder schön zu werden;
die Berge verwandeln sich in Hügel, und das Wasserbecken entbehrt der
Inselgruppen. Das Oertchen selbst ist größtentheils hinter kleinen Hügeln
verborgen. Doch daran stoßen eine Reihe hölzerner Hütten und Häuschen,
die alle zu einer Salzsiederei gehören. Das Salz wird hier aus Meerwasser
gewonnen.
Um zu dem Städtchen _Moß_ zu gelangen, macht man einen kleinen Abstecher in
eine der vielen Buchten, die sich von allen Seiten öffnen. Die Lage dieses
Städtchens ist wunderschön; es liegt amphitheatralisch an einem Hügel, der
sich an einen Berg lehnt. Am Meeresgestade steht ein artiges Haus, dessen
Porticus auf Säulen ruht, es ist eine Badeanstalt.
Nahe dem Oertchen _Horten_, das ebenfalls recht malerisch gelegen ist,
sieht man ein Schiffswerft, auf welchem Kriegsschiffe für Rechnung des
Staates gebaut werden. -- Viele müssen es aber denn doch nicht sein, denn
ich sah nur ein einziges vor Anker liegen, und kein zweites im Beginne.
Auf der Fahrt nach dem Städtchen _Dröbak_ kömmt man öfter an Ausschnitte
von Inseln, durch die der Blick auf das hohe Meer streifen kann.
Ungefähr acht Seemeilen hinter _Horten_ gewährt ein Berg ein wunderschönes
Bild. Er liegt mitten in der See, drängt sie an die nahen Gebirgsketten
und theilt sie derart in zwei Ströme, die sich erst hinter ihm wieder
vereinigen.
_Christiania_ erblickt man erst, wenn man kaum mehr zehn Seemeilen entfernt
ist. Die Stadt und die Vorstädte, das Festungsgebäude, das neu erbaute
königl. Schloß, die Freimaurerloge u. s. w. liegen an dem Hafen in einem
schönen Halbkreise, der von Feldern und Wiesen, Waldungen und Gebirgen
herrlich umfangen ist. Selbst die See kann sich von diesem zauberischen
Anblicke nicht losreißen, und windet sich durch Hügel und Felder in
schmalen Streifen bis weit hinter die Stadt.
Gegen eilf Uhr Morgens ungefähr erreichten wir Christianiens Hafen. Die
Strecke von Sandesund hatten wir in sieben Stunden zurückgelegt, und
während dieser Zeit viermal angehalten. Die Boote mit den Reisenden, mit
den Waaren und Briefen waren immer schon bereit, fuhren eilig heran; Alles
wurde umgetauscht und -- weiter gefahren.
Aufenthalt zu Christiania.
In dieser Stadt kaum angekommen, war mein Erstes, eine Landsmännin
aufzusuchen, die hier an einen Advocaten verheirathet ist. -- Man sieht,
daß die Wienerinen, denen man immer vorwirft »sie könnten ohne ihren
lieben Stephansthurm gar nicht leben,« diese Sage doch manchmal zu Schanden
machen. Nicht bald sah ich ein Pärchen, das glücklicher und zufriedener
lebt als dieses, und doch ist Christiania über 200 Meilen vom Stephansthurm
entfernt.
Schon während des Ganges vom Hafen in den Gasthof, und von da zu meiner
Freundin kam ich durch die ganze Stadt. Ich fand sie nicht sehr groß und
nicht sehr hübsch. Am besten macht sich noch der neuerbaute Theil; der hat
doch wenigstens breite, ziemlich lange Straßen, in welchen die Häuser von
Ziegeln und Steinen und mitunter recht ansehnlich sind. In den Nebengassen
findet man häufig hölzerne Baracken die den Einsturz drohen. -- Der Platz
ist groß, aber unregelmäßig, und, da auf ihm der Markt von allen möglichen
Artikeln abgehalten wird, auch sehr schmutzig.
Die Vorstädte sind meist von Holz erbaut. -- Oeffentliche Gebäude gibt es
mehrere ziemlich hübsche. Am schönsten machen sich das neue königl. Schloß
und die Festung. Beide sind auf kleinen Anhöhen herrlich gelegen, und
besitzen eine wahrhaft feenartige Aussicht. -- Das alte königl. Schloß
liegt in der Stadt, zeichnet sich aber durch nichts aus; es gleicht
vollkommen einem Privathause. -- Das Haus, in welchem der Storrthing
abgehalten wird, ist groß, sein Portale ruht auf Säulen; doch die Treppen
sind, wie in allen Steinhäusern in ganz Skandinavien, von Holz. -- Das
Theater fand ich von Außen für den Bedarf der Stadt groß genug, --
von Innen sah ich es nicht. -- Eines der schönern Gebäude ist die
Freimaurerloge; sie enthält zwei ausgezeichnet große und schöne Säle,
in welchen, nebst den Sitzungen der Freimaurer, auch jene von
Gelehrtengesellschaften oder Festlichkeiten anderer Art abgehalten werden.
-- Das Universitätsgebäude scheint mir in gar zu großem Style angelegt zu
sein; es ist noch nicht ganz beendet, wird aber so schön erbaut, daß es
den größten Residenzen zur Zierde dienen könnte. Recht artig ist auch das
Locale, in welchem sich die Fleischerbuden befinden. -- Es bildet einen
Halbkreis, und ist mit Bogengängen umgeben, in welchen die Käufer bei jeder
Witterung im Trocknen stehen. Das ganze Gebäude ist von Ziegeln gebaut, die
in ihrem natürlichen Zustande gelassen, weder mit Mörtel angeworfen, noch
mit Kalk übertüncht sind. -- Von sonstigen Pallästen oder Prachtgebäuden
ist nicht viel zu sehen; die meisten Häuser sind einstockig.
Eine große Erleichterung für Fremde, die man in allen Städten Skandinaviens
findet, ist das häufige Anschreiben der Namen der Straßen. Es mögen noch so
viele Straßen in eine oder die andere münden, an jeder Ecke sind ihre Namen
angeschrieben. -- Man mag daher kommen, von welcher Seite man will, so
weiß man gleich den Namen der Straße, in der man sich befindet, und braucht
nicht erst darum zu fragen.
Die Stadt hat offene Kanäle und, wie alle übrigen, bei angekündigtem
Mondschein keine Beleuchtung.
Um den Hafen ziehen sich hölzerne Quais, neben welchen mehrere große
Magazingebäude stehen, die ebenfalls aus Holz erbaut, aber, wie überhaupt
auch die meisten Häuser, mit Ziegeln gedeckt sind.
Die Einrichtungen und Auslagen der Gewölber sind einfach, die Waaren sehr
schön, jedoch nicht von eigener Erzeugung. Es bestehen noch sehr wenig
Fabriken, und Alles muß aus fremden Staaten bezogen werden.
Was mir sehr mißfiel, waren die schrecklich zerlumpt gekleideten Leute, die
man überall auf den Straßen traf. Besonders sahen die jungen Burschen sehr
liederlich aus. Sie bettelten zwar höchst selten; doch möchte ich ihnen bei
Leibe nicht in einem einsamen Gäßchen begegnet sein.
Ich war so glücklich, gerade zur Zeit nach Christiania zu kommen, als die
Sitzungen des _Storthings_ gehalten wurden. -- Es geschieht dieß alle
drei Jahre. Die Sitzungen fangen im Jänner oder Februar an, und dauern
gewöhnlich drei Monate. Dießmal hatten sich jedoch die Geschäfte derart
angehäuft, daß der König vorschlug, den Storthing zu verlängern. Diesem
glücklichen Zufalle hatte ich es zu verdanken, noch mehreren Sitzungen
beiwohnen zu können. -- Der König selbst wurde, um die Verhandlungen zu
schließen, erst im Monat September erwartet.
Der Sitzungssaal ist länglich und ziemlich groß. An der einen der längern
Wände stehen vier Reihen tapezierter Bänke, von denen eine Reihe die andere
überragt. -- Ueber achtzig Storthings-Männer haben da Raum zu sitzen. Den
Bänken gegenüber steht auf einer erhöhten Tribüne der Tisch, an welchem
der Präsident und der Secretär sitzen. Um die eine obere Hälfte des Saales
läuft eine Gallerie, zu welcher Jedermann Zutritt hat.
Obwohl ich von der norwegischen Sprache nur sehr wenig verstand, so ging
ich doch während meines kurzen Aufenthaltes in Christiania täglich auf
eine Stunde in die Sitzung. Ich konnte wenigstens entnehmen, ob flüssig
gesprochen, ob kurze oder lange Reden gehalten wurden u. s. w. Ich hatte
leider das Unglück, lauter solche Redner zu hören, die die wenigen Worte
die sie vortrugen, so abgesetzt und langsam herausstotterten, daß mir dabei
ordentlich angst wurde, sie schienen nicht die geringste Gabe des Vortrages
zu besitzen. Man sagte mir, daß es bei dem ganzen Storthing nur 3-4 gute
Redner gäbe, und daß diese während der Paar Tage meines Aufenthaltes gerade
nicht zu sprechen gehabt hätten.
Noch nirgends habe ich so verschiedenartige Fuhrwerke gesehen wie hier.
Die gewöhnlichsten, dabei aber unbequemsten, sind jene, die man _Carriol_
nennt. Solch eine _Carriol_ besteht aus einem sehr schmalen, länglichen und
offenen Kasten, der zwischen zwei ungeheuer hohen Rädern ruht und mit einem
winzigen Sitzchen versehen ist. Da hinein wird man gepreßt; man muß die
Füße der Länge nach ausstrecken, wird mit einem Leder bis an die Hüfte
zugeschnürt, und muß in derselben Stellung, ohne auch nur einen Fuß
bewegen zu können, vom Anfange bis zu Ende der Fahrt verbleiben. -- Für den
Kutscher ist hinter dem Kästchen ein Brett angebracht, auf welchem er, will
der Kastenbewohner nicht selbst die Pferde leiten, knieend oder stehend
dieß Geschäft verrichtet. Da es aber höchst unangenehm ist, auf der einen
Seite beständig das Schwirren des Leitseiles, und auf der andern das
Knallen der Peitsche zu hören, so kutschirt Alles selbst, die Frauen so
gut wie die Männer. Außer diesen Carriols gibt es auch noch Phaetons,
Droschken, Steierwägelchen u. s. w., nur keine gedeckten Wagen.
Ganz eigen construirt sind die Wagen, die zur Verführung des Biers
gebraucht werden; man muß vorerst wissen, daß in Christiania sehr viel
Bier getrunken wird, und daß man selbes nicht in Fässern, sondern gleich
in Flaschen verführt. Die Wagen bestehen nun aus geräumigen, höchstens
anderthalb Fuß hohen, gedeckten Kästen, die inwendig, gleich einem
Flaschenkorbe, in viele Fächer getheilt sind, in welche die Flaschen
gestellt werden.
Vielleicht nimmt man mir es nicht übel, wenn ich auch einer besonderen Art
von Körben erwähne, deren sich die Dienstleute bedienen, wenn sie Artikel,
die feucht oder schmutzig sind, wie z. B. Fische, Fleisch, Kartoffeln
u. s. w., einkaufen. Diese Körbe sind von feinem Weißblech, und mit einem
Henkel versehen. Die strohgeflochtenen Körbe gehören für Brot und andere
reine und trockene Eßwaaren.
Oeffentliche Gärten oder Versammlungsorte gibt es in Christiania eigentlich
keine, aber Spaziergänge desto mehr; denn jeder Weg, den man außer der
Stadt einschlägt, führt in die herrlichsten Gegenden, und jeder Hügel, den
man ersteigt, ja beinah jeder Punkt der von allen Seiten offenen Stadt,
bietet die wunderherrlichsten Aussichten.
_Ladegaardoen_ ist allenfalls der einzige Ort, den die Städter sehr
häufig sowohl zu Fuß als auch zu Wagen besuchen. Man hat hier viele und
prachtvolle Ansichten der See und deren Inseln, so wie der umliegenden
Gebirge, Thäler, Fichten- und Tannenwaldungen. Hier liegen auch sehr viele
Landhäuser. Die meisten sind klein, aber recht niedlich und von schönen
Obst- und Blumen-Gärten umgeben. -- Wenn ich da herumspazierte, glaubte ich
tief im Süden zu sein; -- so herrlich grünte und blühte Alles. -- Nur an
den Getreidefeldern erkannte ich den Norden. -- Nicht daß das Getreide
schlecht gestanden wäre, im Gegentheile, ich fand Waitzenähren, die sich
in höchster Fülle und Schwere zur Erde neigten, -- aber jetzt, gegen Ende
August, stand das meiste noch ungeschnitten auf dem Felde.
Schöne Wege führen durch einen Tannenwald, oft an Ausschnitten vorüber, die
so herrliche Prospecte gewähren, daß man stundenlang da verweilen könnte.
-- In diesem Walde stehen zwei Monumente, die jedoch beide nicht von
Bedeutung sind; das Eine gilt einem Kronprinzen von Schweden, _Christian
August_, das Andere dem Grafen _Hermann Wedel Jarlsberg_.
Reise nach Delemarken.
Alles was ich bisher von Norwegen gesehen, gefiel mir so außerordentlich,
daß ich der Begierde unmöglich widerstehen konnte, eine Reise nach den
wildromantischen Gegenden _Delemarkens_ zu machen. Man sagte mir freilich,
daß es für eine Frau _allein_, und noch dazu bei so geringer Kenntniß
der Sprache, ein etwas schwieriges Unternehmen sei, sich durch all das
Bauernvolk durchzuarbeiten. -- Nun fand sich aber in diesem Augenblicke
Niemand, der dieselbe Reise gemacht hätte, -- reisen wollte ich doch, und
so vertraute ich meinem Glücke und ging allein.
Nach den Erkundigungen, die ich in Betreff dieser Reise eingezogen hatte,
standen mir besonders dadurch viel Unannehmlichkeiten bevor, daß man
nirgends eine Anstalt trifft, die für das schnelle und bequeme Fortkommen
der Reisenden sorgt. Man ist gezwungen sich einen eigenen Wagen
anzuschaffen, und von Station zu Station Pferde zu miethen. Man bekommt
zwar wohl auch auf jeder Station ein Wägelchen, das aber nichts anders als
ein höchst elender Bauernkarren ist. Ich miethete daher zu Christiania
eine Carriol für die ganze Reise und ein Pferd bis nach dem 5 Meilen weit
entfernten Städtchen _Drammen_.
Am 25. August Nachmittags drei Uhr verließ ich Christiania, preßte mich in
meinen Wagen, und bemächtigte mich, dem Beispiele der norwegischen Frauen
folgend, allsogleich des Leitseiles. Ich fuhr so tapfer zu, als hätt' ich
dieß Geschäft schon seit meiner Kindheit betrieben, ich lenkte rechts und
links, und ließ mein Bräunchen laufen und springen, daß es eine Freude war.
Die Fahrt nach _Drammen_ ist das Herrlichste was man sehen kann. Hierher
soll jeder Maler kommen. -- Alle möglichen Naturschönheiten die er sich
nur denken kann, findet er hier in schönster Harmonie vereint. Man wird
gleichsam erdrückt von dieser Fülle und Reichhaltigkeit, -- und der
Maler könnte aus _einer_ Ansicht unzählige Bilder schaffen. -- Auch die
Vegetation ist hier viel kräftiger und üppiger, als ich sie so hoch im
Norden zu finden hoffte. Jeder Hügel, ja beinahe jeder Fels und Stein
ist von Tannen überschattet; das Grüne der Wiesen war von unnachahmlicher
Frische, das Gras mit Kräutern und Blumen durchwirkt, und die Felder
strotzten von üppiger Aehrenfülle.
Ich habe viele Länder, viele herrliche Gegenden gesehen, ich war in
Italien, in der Schweiz, in Tyrol und Salzburg gewesen; aber nirgends fand
ich so eigenthümliche Ansichten wie hier. -- Da war das Meer, das sich
überall hereindrängte und uns bis _Drammen_ folgte. Da bildete es bald
einen lieblichen See, auf dem sich einzelne Boote schaukelten, bald wieder
einen Strom, der sich durch Hügel und Felder die Bahn brach, bald war
es wieder die herrliche, weit ausgedehnte Wasserfläche, von ziemlichen
Dreimastern, gleich riesigen Schwänen, durchzogen und mit zahllosen Inseln
übersäet. Letztere bestehen oft nur aus einigen Felstrümmern, manche jedoch
bilden niedliche Eilande, auf welchen, halb verborgen von Feldern und
Bäumen, einzelne Hütten stehen. -- Durch üppige Thäler, durch herrliche
Waldungen dahin fahrend, stets begleitet von den schönsten Ansichten und
Bildern, erreichte ich nach fünf Stunden die Stadt _Drammen_, die sich an
den Ufern der See und des Flußes _Storri Elf_ ausbreitet, und deren Nähe
ich schon, bevor ich sie noch sah, an den umliegenden Landhäusern erkannt
hatte.
Ueber den Fluß führt eine lange, schön gebaute hölzerne Brücke, die mit
herrlichen eisernen Geländern versehen ist. Das Städtchen _Drammen_ hat
hübsche Gassen und Häuser, und über 6000 Einwohner. Das Gasthaus, in
welchem ich abstieg, war sehr nett und rein. Man wies mir zum Schlafgemache
einen Salon an, der gewiß auch den vornehmsten Städter in jeder Hinsicht
zufrieden gestellt hätte. -- Lächeln mußte ich dagegen, als man mir mein
frugales Abendmahl brachte, das aus einigen weichgekochten Eiern bestand.
Ich bekam dazu weder Salz noch Brot, noch ein Löffelchen, sondern nichts
als ein Messer und eine Gabel. -- Ich möchte doch wissen, wie es diese
Leute hier anstellen, weich gekochte Eier mittelst Messer und Gabel zu
verspeisen.