So wie der Weg von Kalmannstunga nach Thingvalla über lauter Lava führte,
so führte der heutige durch lauter Sümpfe. Kaum hatten wir einen im Rücken,
lag schon wieder ein anderer vor uns. Doch schien auch hier der Grund aus
Lava zu bestehen; denn an vielen Orten erhoben sich kleine Flecken dieses
Gesteins, die wie Inseln aus den Sümpfen ragten.
Die Gegend wurde nun schon immer freier; die Gletscher verloren sich nach
und nach ganz. Die hohen Gebirge auf der linken Seite erschienen, ihrer
großen Entfernung wegen, wie Hügel, und die näheren waren es wirklich. --
Nach einem ungefähr zwei Meilen langen Ritte mußten wir in einem Boote
über den ziemlich bedeutenden Fluß _Elvas_ setzen, und hierauf über einen
schmalen, sehr langen Damm balanciren, der über eine Wiese führte, die ganz
unter Wasser stand. Wären wir auf diesem Damme einem Reisenden begegnet,
wüßte ich wahrlich nicht, was wir angefangen hätten; das Umkehren wäre so
gefährlich gewesen, wie das Hinabsteigen in den Sumpf. Glücklicher Weise
begegnet man in Island Niemanden.
Hat man den Damm überschritten, so führt der Weg einige Meilen längs der
Berge und Hügel, die alle aus Lava bestehen, und von sehr dunkler, beinahe
schwarzer Farbe sind. Das Gestein auf dieser Höhe war sehr lose; in der
Wiese unten lagen viele Kolosse, die herabgestürzt sein mußten, und eine
Menge andere sahen dem Sturze jeden Augenblick entgegen. -- Wir bekamen
diese gefährliche Passage glücklich im Rücken, ohne Augenzeuge eines
solchen Schauspieles sein zu müssen.
In diesen Gebirgen hörte ich sehr oft ein dumpfes Getöse; ich hielt
es anfangs für fernes Rollen des Donners, und suchte am Horizonte das
herannahende Gewitter zu entdecken. Als ich aber weder Wolken noch Blitze
sah, sondern nur den blauen Himmel, der sich heiter und rein über die
unermeßlichen Thäler wölbte, da gewahrte ich erst, daß diese dumpfen Laute
in meiner Nähe zu suchen waren, und aus den Bergen kamen.
Die höhern Gebirge links verliert man nun immer mehr und mehr aus dem
Gesichte; dagegen breitet sich der Fluß Elvas der Art aus, und theilt sich
in so viele Arme, daß man ihn für einen großen See mit vielen Inseln halten
könnte. Er ergießt sich in das nahe Meer, dessen ausgedehnte Fläche man
erblickt, nachdem man noch einige unbedeutende Hügel überstiegen hat.
Das Thal _Reikum_, in welches wir nun kamen, ist eben so wie jenes von
Reikholt, reichhaltig an heißen Quellen, die rechts theils in der Ebene,
theils auf Anhöhen oder hinter solchen, in dem Umkreise einer halben Meile
beisammen liegen.
Als wir das Oertchen _Reikum_ erreicht hatten, ließ ich gleich meine
wenigen Effekten in das Kirchlein schaffen, nahm einen Führer, und begab
mich zu diesen kochenden Quellen. -- Ich fand ihrer sehr viele, aber
merkwürdige nur zweie; die gehören aber auch wieder zu dem Merkwürdigsten,
was man in dieser Art sehen kann. Die Eine heißt: _der kleine Geiser_, die
Andere: _der Bogensprung_.
Der kleine Geiser hat einen Kessel von ungefähr drei Fuß im Durchmesser.
Das Wasser kocht heftig in einer Tiefe von zwei bis drei Fuß, und bleibt
ziemlich in diesen Schranken, bis es anfängt zu springen, wo es dann einen
schönen wasserreichen Strahl von 20 bis 40 Fuß in die Höhe wirft.
Schon um halb neun Uhr Abends hatte ich das Glück, einen dieser schönen
Ausbrüche zu sehen, und durfte also nicht, wie beim großen Geiser, Tag
und Nacht seine Quelle belagern. Der Ausbruch dauerte sehr lange, und war
ziemlich gleichmäßig, nur auf Augenblicke sank der Strahl etwas zurück, um
dann mit erneuerter Gewalt auf die frühere Höhe wieder empor zu schießen;
erst nach vierzig Minuten sank er ganz in den Kessel zurück. -- Steine, die
wir hinein warfen, führte er entweder gleich, oder nach einigen Secunden in
zersplitterten Stücken bis zu einer Höhe von ungefähr 12-15 Fuß mit sich.
-- Seine Dicke mochte 1 bis 1½ Fuß im Durchmesser betragen. -- Mein Führer
versicherte mich, daß diese Quelle in 24 Stunden höchstens drei Mal,
gewöhnlich aber nur zwei Mal springe; -- also nicht wie ich irgendwo
gelesen, alle sechs Minuten. -- Ich selbst blieb bis Mitternacht in seiner
Nähe, sah aber keinen Ausbruch mehr.
Man könnte diese Quelle füglich mit dem _Strukker_ am Geiser vergleichen,
und dürfte nur den einzigen Unterschied finden, daß bei Letzterem das
Wasser im Kessel viel tiefer sinkt.
Die zweite der beiden merkwürdigen Quellen, _der Bogensprung_, liegt unweit
vom kleinen Geiser, am Abhange eines Hügels, den man übersteigen muß.
-- Bei keiner Springquelle hatte ich noch eine so sonderbare Bildung des
Bettes gefunden. -- Sie besitzt gar keinen Kessel, sondern liegt halb offen
vor den Füßen, wie in einer kleinen Grotte, die in verschiedene Höhlungen
und Löcher getheilt, und halb kreisförmig von einer Felswand umgeben ist,
die sich in einer Höhe von ungefähr zwei Fuß sanft über sie neigt, und dann
noch 10 bis 12 Fuß gerade aufsteigt. -- Diese Quelle bleibt höchstens eine
Minute in ruhigem Zustande; sie fängt dann an schnell zu steigen und
zu kochen, und wirft einen wasserreichen Strahl auf, der an die sich
überneigende Felswand anprallt, durch sie breitgedrückt, und gleich einem
bogenartigen Fächer in die Höhe steigt. Die Höhe dieses so wunderbar
ausgebreiteten Strahles mag bei 12 Fuß, der Bogen, den er beschreibt, 15
bis 20 Fuß, und seine Breite 3 bis 8 Fuß betragen. Die Zeit des Ausbruches
währt oft länger als jene der Ruhe. Nach dem Ausbruche sinkt das Wasser
immer einige Fuß in die Höhle zurück, und gewährt auf 15 oder 20 Secunden
einen Blick in diese wunderbare Grotte. -- Doch gleich fängt es wieder
an zu steigen, füllt bald sowohl die Grotte als auch das Becken, das
eigentlich nur eine etwas erhöhte Fortsetzung der Grotte ist, und springt
von Neuem.
Ich verweilte bei diesem wundervollen Naturspiele gewiß über eine
Stunde, und konnte mich von dem Anblicke dieser bogenförmig aufsteigenden
Wasserstrahlen gar nicht trennen. Mir gefiel diese Quelle, die gewiß einzig
in ihrer Art ist, bei weitem besser, als jene des kleinen Geiser.
Noch ist eine Quelle da, der sogenannte _brüllende Geiser_; es ist dieß
aber nichts, als ein unförmliches Loch, in welchem man das Wasser kochen
hört, aber nicht sieht. Das Geräusch ist unbedeutend.