Nun ging die Reise abermal bis zum Fluße _Huitha_, wo wir uns überführen
ließen, dann schlugen wir eine andere Richtung ein. -- Da ging es durch
lauter schöne Thäler, die größtentheils mit Gras bewachsen waren; leider
wuchs aber darunter so viel Moos, daß diese großen Flächen doch keine guten
Weiden abgaben, und nur den Reisenden eine Annehmlichkeit gewährten, indem
sie hübsch aussahen und durchaus trocken waren.
Das Thal, in welchem _Hjalmholm_, unsere heutige Nachtstation lag, durchzog
ein großer Lavastrom, der jedoch so bescheiden war, nicht das ganze Thal
auszufüllen, sondern auch dem schönen Wasserstrome _Elvas_ und einigen
Wiesen und Anhöhen Raum gab, auf deren letzterer überall Kothen standen.
Dieses Thal war eines der bevölkertsten, die ich bisher sah.
_Hjalmholm_ liegt auch auf einem Hügel. Hier wohnt der Sysselmann des
Rangaarsyssels, und zwar in einem so schönen und großen Hause, wie ich
deren nur in Reikjavik einige sah. -- Ich wurde von seinen Töchtern -- er
selbst befand sich als Mitglied des Alldings in Islands Hauptstadt -- sehr
herzlich und freundlich aufgenommen.
Wir plauderten und schwatzten viel; ich suchte meine dänische
Sprachkenntniß in voller Pracht und Herrlichkeit zu entfalten, und mußte
dabei manchmal gar komische Phrasen hervorgebracht haben, denn die Mädchen
konnten sich oft des Lachens nicht enthalten. Das hinderte mich jedoch
nicht; ich lachte mit, nahm mein Wörterbuch, das ich stets mit mir
führte, zu Hilfe, und schwatzte wieder weiter. -- Von der Schönheit meiner
Landsmänninen mußten sie durch meine Person eben auch keinen hohen Begriff
bekommen haben, wofür ich Letztere pflichtschuldigst um Entschuldigung
bitte, und sie dabei auf meine Ehre versichere, daß ich es selbst am
meisten bedauerte. Allein die gute Mutter Natur verfährt gegen Leute in
meinem Alter stets sehr unerbittlich, und gibt der Jugend, bezüglich
der Aufmerksamkeit die man dem Alter erzeigen soll, ein sehr schlechtes
Beispiel. -- Statt uns zu ehren, und uns den Vorzug zu geben, hält sie sich
lieber an das junge Volk, und jedes sechzehnjährige Mädchen schlägt uns
würdigen Matronen ein gar gewaltiges Schnippchen. Dazu kam noch, daß
die schrecklich scharfe Luft und die rauhen Stürme, denen ich beständig
ausgesetzt war, mein Gesicht sehr entstellt hatten. -- Sie hatten mich
mehr angegriffen, als selbst die glühende Hitze im Oriente; -- ich sah sehr
braun aus, meine Lippen waren aufgesprungen, und meine Nase -- ach Gott!
-- die fing gar an sich gegen ihre garstige Farbe aufzulehnen; sie wollte
wahrscheinlich eine neue, blendendweiße zarte Haut besitzen, und da schob
sie die alte in kleinen Stückchen von sich.
Das Einzige, was mich in der Meinung der guten Mädchen noch rettete, war,
daß ich zufälliger Weise meine Haare mehr als gewöhnlich aus der Stirne
streifte, und daß dadurch eine weiße Stelle zum Vorscheine kam. -- Wie aus
einem Munde schrien alle Mädchen, ganz überrascht und verwundert: »=Hún er
quit=« (sie ist weiß). Ich mußte darüber lachen, und streifte den Aermel
hinauf, um ihnen zu beweisen, daß ich nicht zu dem Stamme der Araber
gehöre.
Aber auch mir stand in diesem Hause eine große Ueberraschung bevor; -- ich
stöberte nämlich in dem Bücherkasten des Sysselmannes herum, und fand da
-- Rottecks Weltgeschichte, ein deutsches Lexikon, und mehrere Gedichte und
andere Schriften von deutschen Dichtern.