seid's mer Feine! Der Kohlnferdl is heunt mit oaner Fuhr nach der Stadt
und ös fandets seine zwoa Dirndeln allanig.
Hans. Wohl--wohl--is eh a so.
Bauer. ös Lotter, schau--schau. ös treibts es nöt schlecht, ich war scho
a achtavierzgi, wie ich enger Muada gheirat hab.
Hans. Weil halt da Voda a Trauminöt war!
Bauer (beleidigt). So, a so! So meinst es! A Trauminöt war ich gwest.
So? und dir fahlet Kuraschi nöt--gelt na, fahlet eng nöt, dö Kuraschi!
Moants, ös kunnts zeitli dazuschaun, warts koane Trauminöt! Stund eng dö
Ehrbarigkeit von engern Vodern nöt an, han, wöllts es besser habn?--Was?
Na! Hoam bleibt's hizt! Hoam bleibt's! Leni!
Natzl (zu Hans). Du bist a rechter Lapp, mußt allwal dein dumm Maul
auftun, möcht der glei oans draufgebn!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 12. Szene
Zwölfte Szene
Vorige. Die Bäuerin.
Bäuerin (erscheint unter der Türe, sieht heraus). Ah, ös seids scho
hoam? (Verschwindet wieder.)
Natzl. No, is dir leichter, hizt kannst wieder Strümpf stricken.
Hans. Hehe, du aber a und der Voda a. Hehe.
Bäuerin (kommt mit drei Gestricken, angefangene Strümpfe und große
Wollknäuel daran, gibt jedem eines). Da schauts dazu--mir bleibt koan
Zeit, und dö Kloan verreißen so viel, daß ich froh sein muß, sie
verrichten ihner Sach! (Ab.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 13. Szene
Dreizehnte Szene
Vorige, ohne die Bäuerin. Kleine Pause, während welcher alle drei sich
das Strickzeug zurechtrichten und zu stricken beginnen.
Natzl. Heiligkreuzdunnerwetter, dös is a Unterhaltlichkeit.
Bauer. Aber ehrbar--halt ehrbar!
Natzl. Dös schon.
Hans. Mir is nur, was sich dö Rosl wird denken.
Natzl. Du, Hiesl, dö halt dich eh nur zun Narren, unter der Wocha darfst
ihr schöntan und 'n Sunntag geht s' mit 'm Jaga!
Hans. D' Wocha hat sieben Täg!
Natzl. Kimmt fürn Sunntag viel z'samm zun Lacha! Mir is nur um mei
Kathrein!-Hans. Halt hizt es Maul--ich muß zähln!
Natzl. Jo, Voda--sikra h'nein--'s Arbeitszeug därf net dort an der Scheun
lehnen bleibn.
Hans. Kunnts es Wetter derwischen!
Natzl. Du, ich sag der's! (Schiebt sein Strickzeug dem eifrig
strickenden Bauer unter den einen Arm.) Halt no der Voda a kleins Wengl!
(Eilt gegen den Hintergrund.)
Hans. Faß nöt alls af amal, greifst sunst in a Sensen. I hilf dir. Voda,
a wengerl nur! (Schiebt ihm sein Strickzeug unter den andern Arm und
rennt dem Natzl nach.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 14. Szene
Vierzehnte Szene
Der Bauer (allein), dann die Bäuerin.
Bauer (mit beiden Gestricken unter den beiden Armen, strickt emsig, aber
behindert an dem dritten weiter--zieht eine Nadel aus). Jetzt weiß ich
nöt, ob's gfahlt is! (Kratzt sich mit der Nadel am Kinn.) Kunnt doch sein,
muß mer halt nachschaun...
Bäuerin (unter der Türe). Mögts essen ... jo wo sein denn die Buama?
Bauer. 's Arbeitszeug tun s' in d' Scheun!
Bäuerin. 's Arbeitszeug lehnt ja no dort!
Bauer (wendet sich). Wos?!--Teufi, dö sein durchbrennt!
Bäuerin. No kannst es suchen! (Ab.)
Bauer. Ho, dö find ich mer scho aus! (Wendet sich, fortstrickend, zum
Abgehen, es entfällt ihm ein Knäuel.) Eh, eh, halt dich, Sakra. (In der
Bemühung, diesen aufzuheben, der zweite und dann der dritte.) Teufi h'nein!
--Oha--no, krieg eng schon! (Schleift sie ein Stück an langen Fäden
hinter sich.) No, wanns nöt wöllts, hol eng allz'samm der Teufel, braucht
er neama bloßfüaßet z' gehn! (Stößt das ganze Strickzeug mit dem Fuß in
einen Winkel.) No, gfreuts eng, Buama, alle miteinander kriegn mer's, wann
mer hoamkimmen. Wonn uns nur nöt es Wetter derwischt! (Den Abgegangenen
nach.--Kleine Pause. Erneuerte dumpfe Wetterschläge.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 15. Szene
Fünfzehnte Szene
Grillhofer, Dusterer (durch die offene Einfahrt), darauf die Bäuerin (aus
dem Hause).
Dusterer. No, Schwoger, is doch recht, daß ich mit bin, gelt ja? Daß d'
net mußt so allanig herumsteign! Hon's gleich gsehn, daß mer mit 'n Wagen
net zukönnen. Dös is es oanzige Ghöft an der Lehnten.
Grillhofer (auf einen Stock gestützt, kommt langsam vor). Jo, jo, kimmt
mer aber a weng z' groß für, als daß sich's ließt von oan oanschichtigen
Weib bewirtschäften.
Dusterer. No, no, werdn mer ja sehn, wer darauf sitzt! Wer weiß, was dem
versoffenen Unfriedstifter, dem Lenhardt, fürkämma is?! Am End is er noch
a verlogener Spitzbua dazu und hat uns nur hergnarrt.
Bäuerin (von innen). Wer is draußt? (Tritt unter die Tür.) Seids ös es
schon?
Grillhofer. Gutn Abend!
Bäuerin. Gutn Abend--was wöllts denn?
Grillhofer (tritt zitternd näher). Bist du die Riesler Magdalen?
Bäuerin (keifend, wobei sie aus der Türe den Angesprochenen immer näher
tritt). Wer fragt darnach? Ich frag, wer darnach z' fragen hat?! D'
Poltner bin ich, die Bäurin an der Lehnten, hat neamand darnach z' fragen,
was ich sunst bin oder war! War allweil a Ruh, hizt af amal war es
Fragens kein End! Vor paar Tägn erst hat a Fuhrknecht da h'rumgfragt,
daß's orndlich auffällig war, und hizt kamen wieder oan. Was habts der
Riesler-Magdalen nachz'fragn? In mein ledigen Tagen is zwischen mir und
oan Bauern a Dummheit gwest, is eh schon bald neamer wahr. Is er leicht
verstorbn und seids ös vom Gricht und bringts mer a Erbteil?!
Grillhofer (tritt näher). Magdalen--(Donner, fernes Aufleuchten.) Kennst
mich neamer?
Bäuerin. Neamd kenn ich! (Aufleuchten.)
Grillhofer. Bin ja der Grillhofer!
Bäuerin (auf schreiend). Jesses--der Grillhofer! (Donner, kleine Pause.)
Bäuerin (äußerst zungenfertig). Was willst denn da? Bringt dich der
Fürwitz her, nachschaun? Hon mer's eh gwunschen, ich möcht dir amal all's
einesagn kinna! Hast wohl gmeint, es rnüßt mehr so gehn, wie mir's von
dir aus hätt gehn können? Von dir aus hätt ich amal elendig im
Armenleuthaus versterbn mögn, aber der Herrgott hat a rechters Einsehn
ghabt und drei Jahr darnach, wie ich von dir weg bin, hon ich's besser
troffa; der alte Poltner hat mich gheirat und hizt sitz ich als Bäuerin do
am Hof, schau dir'n an, ob er dem dein'n viel nachgibt. Hast denn glaubt,
ich hätt mich um was anderscht mit dir abgebn, als weil ich vermeint hab,
dein Bäurin segnt bald es Zeitliche und ich kimm an ihrer Stell z' sitzen?!
Nöt a so viel (schlägt ein Schnippchen), sixt, war mer sonst an dir
glegn!
Grillhofer (ist erstaunt einen Schritt zurückgetreten). Schwager, z'wegn
der werd ich mich net z'viel am Todbett abiängstigen!
Bäuerin. Dein Bäurin is aber net so bald versturbn, und wie s' mer hinter
mein Trachten kämma is, hat s' all ihre Ersparnus drauf gwendt, daß s'
mich loswordn is, denn mit leere Händ war ich net weg, a es Kind hat s'
mer verpflegn müssen.
Grillhofer. 's Kind!? So war richtig oans af d' Welt kämma?! Um Gottes
wölln, Magdalen, sag mer nur oans: wo dös verbliebn is?!
Bäuerin (etwas bewegt). Kunnt der's net sagen, Grillhofer, wonn i a möcht!
A Dirndl is gwest, is mer ja gleich nach der Geburt furtgnummen wordn!
(Wieder barsch.) Such dir's hizt! Damal hon ich für mich allanig gnug
Sorg tragn müssen und nachert im Ehstand sein nacheinander zwölf Kinder
kämmen und alle--als hätt mich der leidige Höllteufel frotzeln wölln--han
af der Linken dein ausdrehten klein Finger mitbracht! Alle rennen s' no
af der Welt herum, fünfe hon mer hizt no auf der Schüssel; meinst, ich
hätt noch Luft ghabt, mich ums dreizehnte außer der Eh umz'schaun?
Grillhofer. Hättst nur oan Fingerzeig...
Bäuerin. Nix hon ich und jetzt han mer ausgredt! Gsehn hast es, daß
mer's geht, wie mer's gehn kann, ich mein, net schlecht, siehst, daß ich
da af mein'm Eignen bin, und no mach, daß d' weiterfindst samt dein
Spießgselln, bevor meine Leut kämmen--wann's net schleunig gnug seids, so
mach ich eng Füß und lass' dö Hund von der Ketten-Dusterer. Hizt jagt s'
uns gar aus!
Bäuerin. Ratet's a koan, er kam wieder! In meiner Ruhigkeit will ich
verbleibn--wie mir hizt is, is's mir recht--hon mir nie unnötig Gedanken
gmacht--brauch koane alten Gsichter z' sehn--brauch dös net! (Ab.)
Grillhofer. Gehn mer, gehn mer furt! Mir is so schlecht da h'rum (deutet
auf das Herz), so viel schlecht! Ein Stein war mir h'runter, aber a
schwererer druckt hizt drauf! (Ab.--Die Szene, welche nur wenig vom Düster
der Gewitterwolken beeinflußt war, erglänzt jetzt im hellen Mondlichte.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 16. Szene
Sechzehnte Szene
Dusterer (allein), dann Bäuerin, Bauer, Natzl und Hans.
Dusterer. Glei kimm ich nach, Schwager!--Schau hizt her, no wär gar a
Kind da! Hätt ich dös nur fruher gwiß gwüßt! Aber mein Schwester--Gott
tröst s'!--dö dumme Gredl, hat mi ja nie in ihr Haus zulassen; weil s'
krank war und keine Kinder ghabt hat, hat s' ihm allweil durch d' Finger
gschaut und alles vertuscht! Ob der Bankert no lebt oder schon verstorbn
is? No, dasselb wird die Bäurin do wissen--ich muß's a wissen--hat zwar
'n Teufel im Leib, dö Bäurin--aber ich muß's wissen! (Geht in das Haus ab.
--Im Hintergrunde treten Hans, Natzl und der Bauer, einer hinter dem
andern langsam durch die offene Einfahrt auf.)
Hans (weinerlich). No sein mer wieder da!
Natzl. No hat der Voda sein Willn.
Bauer. Jo, no--oba wird glei d' Muada ihrn habn! (Schaut gegen den
Himmel.) Schau, hat uns doch net derwischt, dös Wetter!
Natzl. Dös freili net--oba leicht hizt a anders!
Bäuerin (innen). Wissen mußt der's--han--wissen mußt der's!
Dusterer (innen). Auweh!
Hans. Ui! D' Muada rafft mit oan!
Dusterer (stürzt heraus, ein Besen fliegt ihm nach).
Bauer. Ho--faßts an, Buama, hauts zu! (Fallen über ihn her.)
Dusterer. Aushalten a weng, Mona! (Reißt den Frachtbrief aus der Tasche.)
Sehts dös rote Papier do?
Alle. Jo.
Dusterer. Kinnts lesen?
Alle. Na.
Dusterer (beiseite). Gott sei Dank!--Schauts dös Petschaftsiegel drauf an.
Alles in Ordnung! Dös is a Dispens vom Konsisturi; Mona, ich derf net
ghaut wern! (Indem sich Dusterer gravitätisch zum Abgehen wendet und die
anderen verblüfft dareinstarren, fällt der Vorhang.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 1. Szene
Dritter Akt
Dekoration: Bauernstube wie im ersten Akte.
Erste Szene
Rosl, dann Wastl. Wie der Vorhang aufgeht, ist die Bühne leer, durch die
Fenster rechts fällt helles Mondlicht in die Stube. Eine Schwarzwälder
Uhr schlägt zehn.
Rosl (kommt mit einer öllampe, an der der Schirm herabgelassen ist, von
links). So, war lang scho alls fertig zun Niederlegn! Wollt nur, ich
wußt 'n Bauern scho in sein Bett. Wo er nur verbleibt? Zehni is's, no
rührt sich nix. Es is frei schon zun Fürchten! (Stellt die Lampe auf
den Tisch.) Jesses, in der Kuchel geht oans! (Mit erstickter Stimme.) Wer
is draußt? Ah, is leicht nur unser Saunigel. (Geht näher zur Türe,
lauter.) Wer is draußt?
Wastl (die Türe im Hintergrunde rechts ein wenig öffnend.) A gut Gwissen!
Rosl. Ah, der Wastl is's!
Wastl (kommt herein). Wohl, Rosl! Aber mit dir is's net richtig,
fürchtst dich in der Finstern. (Zeigt seine Pfeife.) A weng Feuer hon ich
mer holn wolln, is aber koan Fünkerl mehr am Herd.
Rosl. Is a schon spat! Wo nur der Bauer verbleibt?
Wastl. Wer weiß, muß er heunt nöt wo anderscht übernachten! Kunnt ja
noch gar net da sein! Rechne dir's selber aus, zwischen a drei und vieri
is er furt, drei Stund sein hin bis zur Kahlen Lehnten, drei Stund z'ruck,
braucht er sich gar net viel aufzuhalten, muß's zehni vorbei werdn!
Rosl. Was er nur dort macht?
Wastl. Wann d' es net besser weißt wie ich, so ersparn mer einand's
Ausfragn.
Rosl. Horch! Es fahrt a Wagn!
Wastl. Richtig, hör'n a. Aber der kimmt von der andern Seiten, von der
Ellersbrunner!
Rosl. Schau, haha, bei dir kimmt hizt alls von Ellersbrunn.
Wastl. No, ohne Frotzeln, horch doch nur, hizt poltern s' über dö Brucken
und hizt fahrn s' beim Kreuzwirt ins Tor und stelln ein.
Rosl. Hast a recht, aber hizt is der still und ma hört no oan Wagn, der
kimmt von der andern Seiten und immer naheter!
Wastl. Hör 'n schon.--Hizt wär er ganz nah--no?--Richtig fahrt er in' Hof
ein. No möcht 's doch wohl der Bauer sein. Schau ich halt nach. (Ab.)
Rosl. No, Gott sei Dank, daß er nur da is! Is a Zeit--nach a zehni! Nur
a Glück, daß er sein Schofpelz mit hat, geht zwar a wacherlwarmi Luft,
aber halt do, im Fahrn!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 2. Szene
Zweite Szene
Vorige. Grillhofer, auf Wastl gestützt, zuletzt folgt Dusterer, der sich
an der Türe aufstellt, als wollte er gar nicht bemerkt werden.
Wastl (geleitet Grillhofer zu dem Sorgenstuhl). Muß schön dreinteufelt
habn, der Michl, daß's schon wieder da seids. Hizt derf ich nur gleich
nach'm Stall schaun!
Rosl. Je, dö armen Rösser!
Grillhofer (sehr erschöpft). Gilt mer gleich! Hon kein Erbarmnus mehr mit
dö Viecher, habn's do allmal besser af der Welt wie unsereins!
Rosl. Bist gscheit?
Grillhofer. Lebn do und kennen kein Vorschrift.--No, schau halt nach 'm
Stall, Wastl.
Wastl. Gute Nacht, Bauer. (Ab.)
Grillhofer. Gute Nacht!--Kannst a gehn, Rosl!
Rosl. No, willst allanig ins Bett kraln? Wird mühselig gehn.
Grillhofer. Sollt ich schlafen, werd ich mich schon ins Bett finden.
Gute Nacht!
Rosl. No, gute Nacht, Bauer! (Ab.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 3. Szene
Dritte Szene
Grillhofer und Dusterer. Kleine Pause.
Grillhofer (stützt den Kopf in beide Hände).
Dusterer (kommt langsam aus dem Winkel nach vorne). Schwoger!
Grillhofer. Wer is's? (Blickt auf.) Du? Was willst du noch da?--Hab ja
'n Wagn vor dein Haus halten lassen, daß d' aussteign solltst.
Dusterer. Hat nöt sein mögn, weil ich halt mit dir noch z' reden hätt!
Grillhofer. Weißt a neuere Lug?!
Dusterer (beleidigt). Schwoger!?--Glaub mir, wann ich dir was sag!
Beispielmäßig-Grillhofer. Ich brauch nix Beispielmäßigs mehr, hob gnug an
dem, was wirkli vorgeht und wo ma umsonst a Auslegung sucht.
Dusterer. Schau, Grillhofer, es is mir vergangen--na ja, weil du ja
selber es Rechte angebn hast, daß mein Traum doch a Vorbedeutung hat.
Hast ja selbn gmeint, im Rauchen und Feuer sieht mer schlecht, dö
Riesler-Magdalen konn dös im Fegfeuer net gwest sein,
aber--Grillhofer--dein Kind is's gwest, dös hon ich für sö gnumma, no ja,
weils ihr gleich schaut, weil ebn a der Magdalen ihr Kind is!
Grillhofer. Dummheiten!
Dusterer. Grillhofer! Hör mich aus, glaub mir, wann ich dir was sag! I
mein, es verbleibt bei unsern Abkämmen--es geht halt hizt um dein Kind!
Grillhofer. Weil dir's taugt, steckst dös hizt ins Fegfeuer.
Dusterer (eifrig). Na, na--weil die Sünden der Eltern an den Kindern
gstraft werden, steckt's drein und wohl wegn der eignen Sündhaftigkeit a,
meinst, so vater- und mutterlos war's rechtschaffen wordn?!
Grillhofer. Wer aber sagt dir denn, daß's versturbn sein muß?!
Dusterer. Grillhofer, laß dir sagn, besser, es is versturbn, als es is
lebig a so, daß d' der's überlegn rnüßt, ob du's a anerkenne kinna kannst!
Grillhofer (ausbrechend). Sixt, Dusterer, dös is! Lang net, mer wußt
oans in der Höll, is mer so gstraft, als ma weiß oans af der Welt, dem ma
beispringa möcht, dös vielleicht nach ein'm ruft in Nöten, Drangsal und
ein'm zumöcht--und mer kann net--weiß koans vom andern, wo's is!
Dusterer (tritt näher). Armer Schwoger!
Grillhofer. Halt 's Maul! (Ruhiger.) Geh hizt! Hon kein Lust, mich no
heunt mit dir h'rum z' dischpatiern.
Dusterer. Na, lass' mer's halt af a ander Mal! Gute Nacht, Schwager!
(An der Türe.) Oan Frag hätt ich no?
Grillhofer. Was denn?
Dusterer. Bleibt's dabei?
Grillhofer. Bei was?
Dusterer. Beispielmäßig, fahrn mer morgn nach der Kreisstadt oder net?
Grillhofer. Heunt weiß ich nix, gar nix! Geh zu!
Dusterer (kommt wieder etwas vor). Nur eins no! Soll mal was sein, hon
ich's gern bald richtig!
Grillhofer (sieht ihn groß an, spöttisch). I weiß, mer kennt dich dafür,
haltst af Ordnung!
Dusterer. So oder so! Lang h'rumschneiden konn i net leiden! Schau dein
Einwendigs an! Brauchst ein Zuspruch, gut, so halt dein Wort, sunst bleib
ich dir fern.
Grillhofer. Werdn ma ja sehn, ob ich 'n Zuspruch nötiger brauch als du
mein Hof!
Dusterer. Werdn mer sehn, gut is's! Nur kimm mer net z' spot, wann i
eppa neamer für dich z' Haus bin. (Wendet sich.) War übel für uns allzwei,
aber ich bin a so! (Tut einen Schritt nach rückwärts.) Grillhofer, ich
geh hizt--gute Nacht?
Grillhofer. Gute Nacht!
Dusterer. Hast mich grufen?
Grillhofer. Na.
Dusterer. I hon gmeint, es reut dich!--(An der Türe.) Grillhofer, es
steht geschrieben: Ich will nicht den Tod des Sünders!--I schau d'r schon
morgen nach!
Grillhofer (ungeduldig). No, moch nur heunt no furt--allan will ich sein!
(Sinkt in seine frühere Stellung zurück.)
Dusterer (hat die Türe geöffnet, bleibt aber an derselben stehen und
blickt nach Grillhofer). Teufi, 's gute Auskämma hat ein End und mit ihm
selber steht's wohl schlecht--mit muß er mir morgn, sunst war alles
verschütt. Furt schlepp i 'n, und wann's ihm glei ans Leben gang, 's
andere wird scho der liebe Gott gebn!--Wie ich mir 'n betracht, auf d'
Hinterfüß stellt er sich wohl net! Dazu no d' heutig Nacht koan Augn zu.
I hon's schon gwunna. Selbn hon ich a kein Schlof, ich schleich lieber
bis fruh da um sein... um mein Hof, um mein Hof. (Schlüpft zur Türe
hinaus, die er leise hinter sich schließt.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 4. Szene
Vierte Szene
Melodram
Leise beginnt die Musik das Bußlied aus dem ersten Akt aufzunehmen und
begleitet damit variiert den folgenden Monolog.
Grillhofer (erhebt den Kopf). Viel tausend und tausend Meilen gehen rund
um die Erd--können viel hundert zwischen mir und mein Kind liegen--oder
kann mer ganz nah sein und ich weiß's net!--(Steht langsam auf, mit
gefalteten Händen.) O himmlischer Voda! Wann's neamer lebt--so laß a mich
net so allan herumkriechen af der Welt--und wann's in Unehr auf gwachsen
is, so bitt ich dich--laß mich's net derlebn!--Himmlischer Herr, ich
überheb mich net, aber wann d' a End mit mir machen wolltst--es war wohl
's Gscheiteste!--Und wann's vielleicht hizt in der nämlich Stund, wo ich
zu dir bitt--aufschreit in Sünd und Nöten--so hör auf mi--verstopf dein
Ohr--wann's sein Dasein reut und sein Vatern verflucht!!
(Die Musik bricht mit einem starken Akkord ab.)
Grillhofer (ist zum Fenster gewankt, das er aufreißt, und sinkt jetzt auf
einen davor stehenden Stuhl). Luft!!! (Kleine Pause.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 5. Szene
Fünfte Szene
Voriger. Rosl. Liesel.
Rosl (an der Tür, welche sie leise geöffnet hat, zur Liesel, die hinter
ihr eintritt, lästernd). Er is no auf!--(Lauter.) Bauer!
Grillhofer (nickt mit dem gesenkten Haupte). Jo.
Rosl. Schau doch auf! D' Horlacher-Lies is wieder da!
Grillhofer (verloren). So.
Rosl. Sie müßt heunt no zu dir, hat s' gsagt.
Grillhofer. Was will s'mer denn?
Rosl. Na, hör nur auf sie, ich weiß's ja net. (Geht ab, indem sie der
Liesel, die an der Türe stehengeblieben war, vorzutreten winkt.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 6. Szene
Sechste Szene
Grillhofer und Liesel.
Liesel (kommt vor, frisch). Jo, wir habn schon a Kreuz miteinander...
(Da sie Grillhofer näher ins Auge faßt.) Um Gotteswilln, Bauer, was is der
denn?
Grillhofer. Nix, nix, Dirndl, triffst mich grad, wie ich nach meiner
neuchen Wohnung ausschau.
Liesel. Gfreut dich dein alte nimmer? (Sieht hinaus.) Wo zu willst denn
hinbaun?
Grillhofer (hinausdeutend). Siehst! Siehst! Durt, wo die Kreuzeln
herschimmern.
Liesel. Am Freithof? Geh zu, was kümmert dich der Freithof? Dö er
angeht, dö wissen nix davon, und dö davon wissen, dö geht er nix an!
Schau lieber, wie heunt dö Stern funkeln und 's Mondschein leucht. Bin
hizt durch'n Wald hergfahrn, im Gezweig habn dö Johanneskäferln ihr Gspiel
triebn und über der stillen Nacht is der ganze Himmel voll Lichter glegn.
Und wann ma so hinaufschaut, wie's leucht und funkelt über der weiten Welt,
da is ein, als ziehet's ein d' Seel aus der Brust und reichet dö weit
über d' Erd in sternlichten Himmel h'nein.
Grillhofer. O jo--wohl--wohl--wonn mer holt no a freie Seel hat!
Liesel (ermutigter). No geh, Bauer, tu net so verzagt, dö deine wird a no
keiner am Strickl führn; laß dir hizt von meiner Mahm verzähln, daß d' auf
andere Gedanken kimmst!--Denk dir, dö Mahm leidt's net, daß d' dein Hof
weggibst!
Grillhofer (erstaunt). Dein Mahm, dö alte Horlacherin, leidt's net? Dös
is bsunders! (Steht auf.)
Liesel. Gelt ja!
Grillhofer. Dö leidt's net! No möcht ich doch wissen...
Liesel. Na siehst, wann d' es wissen möchst, mußt d' mich schon anhörn.
--Geh, ich führ dich.
Grillhofer. A na--na--konn schon no selber gehn. (Geht, von Liesel
geleitet, zum Sorgenstuhl, setzt sich.) No, so verzähl halt! Hätt net
denkt, es verinteressieret mich noch was, aber dös is doch bsunders--ja,
ganz bsunders!
Liesel. Nöt wahr? Dös find ich a! Is a gscheits Weib sunst, die
Mahm--mirk a nix, sie war af amal irr wordn, aber da kenn ich mich a
neamer mit ihr aus!--Also ich kimm z' Haus, sag ihr, du hättst mich
ausgjagt, hoaßt s' mich a ungschickte Gretl; wie ich aber sag, du wölltst
wohl morgn mit 'n Dusterer nach der Kreisstadt fahrn, ihm 'n Hof übergebn,
da war's aus, no gleich hat der Müller einspannen müssen, gegen Geld und
gute Wort, herfahren hab ich müssen, daß ich.ja vor der Fruh da
bin--umarmt und bußt hat mich die Mahm beim Wegfahrn, als wann a Abschied
auf ewige Zeiten war! Und gar no ein Brief hat s' mir gschriebn.
Grillhofer. Dir?
Liesel. Jo, an dich!
Grillhofer. Ah so, no, so gib. Dös kimmt allweil verwunderiger!
Liesel. (zieht den Brief aus ihrer Joppe). Und ich sollt machen, daß d'n
heunt no les'st, und für dich solltst 'n vorerst lesen, hat s' gsagt.
(Gibt ihm den Brief.)
Grillhofer. No, so lesn mer 'n halt. (Schiebt den Schirm der Lampe in
die Höhe.)
Liesel (geht zum Fenster und blickt hinaus).
Grillhofer (entfaltet den Brief und liest). "Lieber Grillhofer! Mit
schweren Herzen schick ich Dir a Anvertrauts zruck, doch steht Dir frei,
wann D' den Brief glesen hast, ob Du's als das Deine anerkenne willst,
sunst nimm ich's mit Freuden wieder an mich! Ich mein, ich brauch mich
net z' schämen, wie ich Dir's zuschicke. Dö Dirn, was heunt zun
zweitenmal bei Dir einspricht, is im Deckerl in mein Haus bracht wordn,
weil s' Dein Weib net hat auf'n Hof vor Augen haben wolln, aber es war ihr
Meinung, wann a rechtschaffen Gschöpf aus ihr wordn wär, sollt ich Dir's
zuschicken. Lang hab ich mir dös verspart, aber ohne Schaden für sie
könnt ich's hizt nimmer bei mir verhalten. Dö Dirn heißt nach ihrn
Rufnamen Horlacher-Lies, weil s' von klein auf bei mir war, hat bis heunt
für vaterund mutterlos golten und weiß's selber net anders; nach'm
Kirchbuch heißt s' Elisabeth Riesler und is, wie dö Magdalen ausgsagt hat,
Dein Kind!! Es grüßt Dich und laßt Dir Dein'n freien Willn dö alte
Horlacherin." (Legt den Brief vor sich auf den Tisch und hält sich den
Kopf mit beiden Händen.) Oh, du mein Gott, is mer denn recht? Steht's
wohl a a so da?
Liesel (hat diese Bewegung bemerkt und wendet sich). Was is dir? Was
schreibt denn die Mahm?!
Grillhofer. Ich weiß net recht--ich muß's nomal lesen, kimm zu mir--kimm
zu mir, mein Dirndl, und halt mer es Licht.
Liesel (eilt hinzu und steht neben Grillhofer und hält die Lampe).
Grillhofer (liest). "Mit schweren Herzen schick ich Dir a Anvertrauts
zruck, doch steht Dir frei, wann D' den Brief glesen hast, ob Du's als das
Deine anerkenne willst, sunst nimm ich's mit Freuden wieder an mich. I
mein, ich brauch mich net z' schamen, wie ich Dir's zuschick. Dö Dirn,
was heunt zun zweitenmal bei dir einspricht, is im Deckerl in mein Haus
bracht wordn, weil s' Dein Weib net hat auf'n Hof vor Augen habn wolln,
aber es war ihr Meinung, wann a rechtschaffen Gschöpf aus ihr wordn wär,
sollt ich Dir's zuschicken... " Vergelt dir's Gott, Mirzl, in sein'n
Himmel obn, vergelt dir's Gott. Vergelt er's a der Horlacherin und alln
braven Weibsleuten, wie s' an uns tun!...
Liesel (ahnungsvoll). Aber ich kenn mi no net aus!
Grillhofer (liest). "Dö Dirn hoaßt mit ihrn Rufnamen Horlacher-Lies, weil
s' von klein auf bei mir war, hat bis heunt für vater- und mutterlos
golten und weiß's selber net anders; nach'm Kirchbuch heißt s' Elisabeth
Riesler und is, wie die Magdalen ausgsagt hat, Dein Kind" Dirndl, was
zitterst denn a so? (Faßt ihre Hand, in der sie die Lampe trägt, und
führt sie nach dem Tische.)