gwest! (Sinkt vor Aufregung in die Knie auf den Schemel zu Grillhofers
Füßen.) Also du, du hast mer's Lebn gehn, no, vergelt dir's Gott, es
gfallt mer recht gut af der Welt!
Grillhofer. Es reut mich a neamer--es reut mich a neamer. (Sucht mit
der zitternden Hand herum und legt sie der Liesel auf den Kopf.) O du mein
lieber Herrgott! (Weinerlich.) 's Kind is im Vaterhaus!--Haha, weil nur
's Kind im Vaterhaus is!--(Preßt Liesel an sich.)
(Kleine Pause.--Von außen vor dem Fenster präludiert eine Zither und nimmt
dann die Melodie des Liedes aus dem ersten Akt auf.)
Grillhofer (steht auf). Horch--no wird's gar lustig no derf's scho wieder
lusti werdn.
Liesel (erhebt sich, deutet nach dem Fenster, und wie auf das Lied
aufmerksam zu machen, singt sie piano).
Und Zithern und Derndeln,
Na, dö kenn ich net lon...
Grillhofer. Wer is's denn?
Liesel. Der Wastl! (Umarmt Grillhofer und verbirgt ihr Gesicht an seiner
Schulter.) Weißt es ja eh--Voda!
Grillhofer. Haha! (Das Orchester nimmt den zweiten Teil der Melodie voll
auf. Er singt.)
O schön grüne Welt,
Laß sagn, wie d'mer gfallst,
Solang Zithern klingen
(Liesel an sich ziehend.)
Und mei Derndl mich halst!
(Den Jodler bringt die Musik allein.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 7. Szene
Siebente Szene
Vorige. Dusterer, Wastl, Rosl stürzen zur Türe herein.
Dusterer. Schau, da schau--wie er Buß tut--und wie dein Schatz treu is!
Grillhofer. No--no--is a bissel viel, drei Narren af einmal!
Wastl. Alsdann doch wieder gfoppt! (Greift nach der Türschnalle.)
Liesel. Aber Wastl...
Grillhofer. 's is ja mein Kind!
Rosl. Jesses, der Bauer hat a Kind kriegt!
Wastl. No, is's halt a reich Bauerstochter--und ich kann mer's Maul
abwischen.
Grillhofer. Du bist a Trottel! Kannst ja net wissen, ob ich mir net lang
scho ein solchen, wie du bist, zum Schwiegersuhn wünsch.
Wastl. Aber Bauer--Jesses und Joseph--dös is doch alles z'viel--aber i
nimm's schon!
Grillhofer. Und no weiß ich mir schon mei Ausnehmerei und no fahrn mer
morgn doch nach der Kreisstadt.
Dusterer (ganz vergessen, schreit auf). Mir fahrn doch nach der
Kreisstadt!
Grillhofer. Mir!!! (Deutet auf sich und Wastl und Liesel.) Aber net mir!
Hast mer viel eingredt und viel vorglogn, damit ich mein, ich war der
Schwärzeste, aber unser Herrgott kennt a ein gfarbten Schimmel, hat mich
wieder fein sauber gstriegelt und hat mer dö ins Haus gschickt und gsagt:
da hast z'gleich dein Buß und dein Sorg und dein Freudigkeit. Du aber, du
trauriger Wurmdoktor, du bleibst mer aus mein Haus, deine Kinder magst mer
schicken, was net für ihrn Vater können, daß mer an ihnen was tut.
Liesel. Aber für dich weiß ich a Lehr, is a wahre Christenlehr, Dusterer,
nimm dir's z'Herzen! (Singt.)
Schlußlied
Der Herrgott hat 's Lebn
Zum Freudigsein gebn,
Und was wir oft schlecht,
Er macht's do no recht!
Drum sorg für das Deine,
Mach niemanden irr--
Grillhofer.
Und misch dich net eini,
Du kriegst nix dafür!
Alle.
Und misch dich net eini,
Du kriegst nix dafür!
Ende dieses Project Gutenberg Etextes "Der Gwissenswurm" von
Ludwig Anzengruber