Liesel. "Und no geh zu", hat s' gsagt, "daß dir neamd fürkimmt, mach dein

Sach gscheit, leicht kost's no a Wartl, und dös Sein is dein!"--No was,

Bauer, mei Mahm kennt sich aus, hättst wohl ein schweren Stand, tat ich

nach ihrn Reden, aber so bin ich doch a bissel z'viel aufrichtig zun

Erbschleichen.

Dusterer. Dafür bin i a no da.

Liesel. Zum Erbschleichen?!

Dusterer (verblüfft). Was?--Ah na--na, dös net, mußt mi recht verstehn,

Dirndl, i mein dafür, daß der Schwoger nöt sein Sach zwegn ein Wartl

weggibt.

Wastl. Wo du schon so viel Warteln drum gredt hast!

Liesel. So? Der Schwager bist du? Schau, von dir hat mei Mahm a gredt;

sagt s': "Nimm's net z' leicht, soll neuzeit a Duckmauser bei ihm aus und

ein rennen."

Dusterer (immer mehr verlegen). Muß a recht a zwiders Weibsleut sein,

dein Mahm--a recht a zwiders Weibsleut.

Liesel. Kunnt's net sagn! Weiß zwar net, was ihr eingfalln is, daß s'

mich hergschickt hat, leicht hat sie sich gar denkt, es war net 'n Bauern

sein Schaden, wann ich dich beim Furtgehn a mitnahm.

Grillhofer. Hehe, hizt habn s'n all zwei in der Arbeit!

Dusterer. No, lachst du a no dazu!

Wastl. Na, weinen wird er, müßt ja a Kuh lachen, wann s' dich hizt

anschaut!

Dusterer. Beispielmäßig lacht a Kuh gar net

Wastl. Na, aber a Ochs wird gleich flehnen.

Grillhofer. Dich hobn s' orndli.

Wastl. Lachst a wieder amal, Bauer? Lustig warn mer schon lang net.

Grillhofer. Ja, lustig--schaut's mich an--so alt und ...

Liesel. I kenn ein ältern. Hahn mer ein Bauern in Ellersbrunn, der hat

seine achtzig auf'm Buckel und am Kirtag schreit er no um sein Musi und

singt:

Lied

No will ich amal lustig sein,

Bin glei a alter Mon,

Doch will ich so, no Sikra h'nein,

Wem gang denn dös was an!

(Jodler. Grillhofer singt den Jodler mit.)

Wastl. Jesses, jesses, Bauer, geh, tu mir Bscheid!

Grillhofer. Du hast ja koan Glasl!

Liesel. Mir trinken aus oan!

Wastl. U, mein Jegerl, ja, Liesel, mir trinken aus oan! (Nimmt das Glas.)

Grillhofer. Schau 'n Wastl--du Hoamlicher--is dös die Rechte amal? Hehe!

Wastl. A wohl--dö war's schon! (Stoßen an.)

Liesel (singt).

Warum soll i nöt lustig sein? Gott is a guter Mon, Mir gfallt es Lebn, mir

schmeckt der Wein, Und neamad geht's was an! (Jodler.)

Grillhofer (klopft dem Dusterer auf den Rücken). No, brumm a mit, alts

Eisen! (Alle singen mit.)

Liesel (singt).

Hon i doch all dö Lebtag mein Koan Schlechtigkeit net ton, Und will i amal

lustig sein, Wem gang denn dös was an?! (Setzt zu dem Jodler ein.)

Dusterer (stößt sein Glas hart auf den Tisch). Do singst nöt mit,

Schwager! Möcht wissen, wie d' da mitsingst, ohne daß dir der Stimmstock

umfallt! Sing mit, wann d' kannst! Hast all dein Lebtag koan

Schlechtigkeit nöt tan? Hast nöt? Han?

Grillhofer (der schon beim Jodler der ersten Strophe mit aufgestanden war,

sinkt jetzt zurück auf die Bank; finster). I sing eh net mit!

Dusterer (leise und angelegentlich). Und laß der sagen: So is die Weis

net, wie mer d' armen Seeln derlöst, und so verstirbt a der Wurm net!

Wann d'n a jetzt mit Wein einschlaferst, moanst, er wird neamer munter?

Oh, er wird schon.

Liesel (ganz verwundert, tritt hinzu). Ja, was is's denn? Was hast denn

auf einmal, Bauer?

Grillhofer. Laß's gut sein, laß's gut sein, Dirndl! Ich dank dir schön,

hast es recht gut gmeint, aber ich und du sein a gar z' ungleich Gspann,

tauget mir schon, kunnt ich no Schritt halten mit dir, aber so bin halt

ich der Stützige. Jo, jo, d' Lustbarkeit findt da in mein'm Einwendigen

ein gar strengen Herrn, der s' austreibt! Es leidt sich amal koan

Fröhlichkeit auf mein Hof, no, wirst selber kaum verbleibn wolln und ich

darf dich a net verhaltn, 's wird völlig Ernst mit 'm Furtschicken--na, na,

daß d' mer net ganz harb bist, soll der Wastl, wann Feierabend is, a

Stuck Weg mit dir gehn.

Liesel. No sollt ich fort und is dir 's Lustigsein doch so gut angstanden;

geh ich, fangst mer wieder zun Duckmausern an.

Grillhofer. Mein lieb Dirndl, anders schickt sa sich neamer für mich.

Liesel. Möcht doch wissen, warum?

Grillhofer. Jo siehst, Dirndl, du bist für Leut, was nöt schwer tragn

unterm Brustfleck, für solchene aber (auf Dusterer) is er der rechte. Vor

ein halbn Jahrl hob ich mein Deuter kriegt. Sunst allwal gsund, streift

mich af amal der Schlag. Elendig bin ich daglegn, hon aber no net gwußt,

wo dös h'naus soll; aber der hat sich gleich auskennt, is gleich zu mir

ins Haus grennt und hat gsagt: "Schwoger", hat er gsagt, "du hast a Sünd

af dir, was d' nie noch recht bereut hast, hast's alleweil af d' leichte

Achsel gnummen und unter der Zeit is der Wurm in dir foast wordn, so foast,

daß d'r hizt, wo er sich aufdammt hat, bald Seel und Leib vonandgangen

wärn! No schau halt hizt dazu. Besser spot wie gar nöt!" No, redet bot

er ghabt, recht hot er ghabt! War wohl schon a verschlafene Gschicht,

aber recht hot er doch ghabt, wie er mir's vorgstellt hat! Jo, jo!

Liesel. Hättst es net aufwecken lassen, dö verschlafene Gschicht. Wär

gscheiter. Soll hizt der Floh, den dir der ins Ohr gsetzt hat, 'n Wurm

fressen?

Grillhofer. Mußt nöt gspassen mit sölchene Sachen, mein lieb Derndl! Du

weißt halt no von wenig. Aber ich will dich net ohne Einsehn lassen;

sündig, wie ich war, und reuig, wie ich bin, sollst mich kennenlernen; ich

will der dö Gschicht am Weg mitgebn, so Versündigungssachen sein allmal

lehrreich für dö Weibsleut! Mag wohl schon a fünfundzwanzg Jahrl her sein,

hat damal mei Weib noch glebt, da is a Dirn zu mir in Dienst kämma, war a

klein mollets Ding, bißl hoffartig, hat sich mit koan Bubn nöt abgebn, nur

af mi hat s' freundlich gschaut; daß ich sag, mei Weib hot koan oanzigs

Kind af d' Welt bracht, allweil is's krank gwest und um dö Zeit is's gar

elendig dahinglegn, ich aber war allzeit a kerngsunder Mon, und so schickt

sich's halt amal, ich triff die Dirn allein und so is's halt kämma, wie's

oft kimmt und zugeht af derer Welt. Bin mir nöt ganz klar, dö Dirn war

nie so recht offen, war dös Wahrheit oder hat s' nur dö schwere Arbeit

loswerdn wolln, sie hat a so tan, als war s' af dö Versündigung neamer

recht richtig mit ihr. Aber lang, vor sich's hätt weisen können, is mein

Weib ihr Vertraulichkeit zu mir aufgfallen, dö hat s' zu sich rufen lassen,

hat s' beicht oder net, weiß net, aber sie hat af amal fortbegehrt und

ich hab s' a net ungern fortlassen.

Liesel (an der Schürze spielend) Was d' da verzählst, Bauer, dös is

freilich wohl nöt recht, kann aber doch nöt allein af dein Rechnung kämma,

sein ja doch zwei dabei gwest.

Grillhofer. Wohl, wohl, zu solchene Dummheiten sein für gwöhnlich zwei

vonnöten. Aber ich hätt solln 'n Gscheitern machen. Wie s' amal furt war,

war s' wie vom Erdboden wegblasen, weit und breit da h'rum hat s' neamand

mit kein Augn mehr gsehn. Was wohl mit ihr gschehn is? Hizt liegt's mer

halt schwer auf, weil ich s' aufn Sündenweg gbracht hab, wie weit s' wohl

drauf fortgrennt sein mag, immer naheter und naheter der Höll zuhi! Und

hizt leicht gar net weit davon einloschiert! Jo, jo!

Wastl. Und dös ist dö ganze Gschicht? Zwegn dem tust so verzagt, zwegn

dem willst Haus und Hof in fremde Händ gehn, nur damitst mehr freie Zeit

und a Gsellschaft zur Bußübung kriegst?!

Grillhofer. Wohl--wohl.

Wastl. Na hörst, Bauer, meinst, wann mer amal dumm war, ma macht's besser,

wann ma dann no dümmer is?

Grillhofer. Red nur du nix drein, Wastl, dös verstehst du net; sei froh,

daß d' nix af dir hast, und schau dazu, daß d' a nix h'naufkriegst, wo d'

dös möchst verstehn lernen!

Dusterer. Is a rechte Lehr--is a wahre Christenlehr, Wastl; nimm dir's z'

Herzen! Beispielmäßig möcht einem 's Leben anlachen wie a schöner

Obstgarten, aber zulangen is net verlaubt, dös verwihrt ein'm der liebe

Gott.

Liesel. Geh zu, Schwarzer, mußt unsern Herrgottn nöt zum Vogelschrecker

machen! Hat er doch selber die Kirschen so rotbacket und d' Weinbeer so

glanzend gmacht, no, und übernimmt sich eins, is dös sein eigene Sach, wie

er wieder mit sein Magn auf gleich kimmt, und beispielmäßig gibt's koan

bessere Lehr als so ein überessenen Spatzen, was marod auf 'm Astel sitzt

und 'n andern zuschreit: Zviel is ungsund!

Dusterer. Mein liebe Dirn, beispielmäßig kennst du dich lang no net aus,

is a gar koan Red vom lieben Gott, der ein'm alls Gute vergunna möcht,

sundern vom höllischen Erbfeind, was ein'm zum übermaß verlockt, wo 'n

ein'm drauf net gut wird und ma nachhert in der Höll sein Kamillentee

kriegt, was aber kein net schmeckt! Ja, ja, unter dö Kirschen liegent

eben 'n Höllischen seine Fallstrick, und wo sich hizt der Schwoger alser

Bußfertiger davon loslöst, hat er scho recht, wann er a a jedes Faderl von

sich tat, wo do nochmal der Höllische amal anknüpfen kunnt.

Grillhofer. No, sehts es--sehts es. Dös is a Red. Der versteht sich

halt drauf--ja dadrauf versteht er sich!

Wastl. No, is a a schöne Profession!

Grillhofer. Und hizt laß mer dö unnötig Wartlerei sein. Mei lieb Dirndl,

magst d'r, vor d' gehst, noch a weng mein Hof anschaun! Tu's ohne

Neidigkeit, ist dir vielleicht zum Bessern und bleibt d'r manche

Versuchung derspart, wann nöt wird, wie deiner Mahm ihr Absehn war. Wann

d' zu ihr hoamkimmst, magst ihr sagn, ich lass' s' schön grüßen, und sag

nur, wie's wahr is, du wärst wirklich schon z' spat kämma. Morgn, wann a

schöner Tag is, fahr ich vielleicht schon nach der Kreisstadt und tu a jed

Faderl von mir, wo no der Teuxel mich anfassen kunnt; ich tu's 'm Schwager

verschreibn, der is scho mehr auf seiner Hut. Und no bhüt dich Gott, Dirn!

Daß d' da warst, war mer doch a klein Aufheiterung, wann's a bei mir net

recht verfangen will, und no vergelt dir's Gott! Und wonn amal alls in

Ordnung is und ich bei mein'm Schwogern in der Ausnahm bin, dann such mich

hoam, vielleicht bin ich dann scho a weng lustiger wordn.

Dusterer (tätschelt die Hand Grillhofers). Ja, ja, freilich, mein lieben

Ausnehmer magst nachhert schon bsuchen.

Liesel. No, bhüt dich Gott, Bauer.

Grillhofer. Bhüt Gott und spater vergiß net auf mich und kumm fein.

Liesel (kehrt zurück). Oh, ich schau dir schon nach! Ich weiß net, mir

gschieht so viel hart um dich--es is mir, als wär dir dös traurige Wesen

naufzwungen und stund drum a net 'n lieben Gott noch 'n Menschen an, is

mir, als sollt ich dir noch a ganz a Menge sagn, aber ich wußt wahrhaftig

selber net, wie ich's vorbringa sollt. Bhüt dich recht Gott! (Läuft ab.)

Wastl. Schickst es richtig furt? (Grillhofer schupft die Achsel.) Bauer,

mir is, als solltst es dahalten--dahalten.

Grillhofer (lachend). War wohl neamd lieber als dir! Bist a Feiner du!

Wastl (wendet sich ab und geht der Liesel nach, unter dem Abgehen

räsonierend). Is a recht! Setz morgn den Duckmauser auf'm Hof, so renn

ich übermorgn schon nach Ellersbrunn, und müßt ich ins Taglohn! Möcht

nachher so a Wirtschaft mit ansehn, so a Wirtschaft--heilig

Kreuzdonnerwetter! (Beide durch die Haustür ab.)

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 5. Szene

Fünfte Szene

Dusterer und Grillhofer.

Dusterer. Ob ich mir's net denkt hab, Grillhofer! Ich hab mer's aber

denkt! Wie s' vermeinen, es gibt bei dir was z' holen, so kommen dir Leut

ins Haus grennt, mit denen dein Lebtag nix hast z' tun habn wölln!

Grillhofer. No, sucht halt jeds af der Welt sein Vorteil. Kummen s',

sein s' da, gibt's nix, gehen s' wieder! Beirrt mich net und kann dir

wohl a gleich sein.

Dusterer. Wann d' a so denkst, freilich wohl.--Dein Weib, mein Schwester,

hat eh amal gsagt--wart a weng wie war denn dös? Daß ich's net nur

beispielmäßig, sundern Wartl für Wartl fürbring, wie's gwesen is! Ja, ja,

fallt mer schon ein. Dein Weib hat eh a amal gsagt: Nikodemi hat s' gsagt,

auf'n Mathis schau mir und weis mer'n fein nachi in Himmel. Bringt dir

wohl a ein Lohn, denn nach dem, wie der Mathis sich an mir versündigt

hat--jo wie er mir weh tan hat, war's net schön, wann er net das Seine bei

unserer Famili lasset!

Grillhofer (hatte den Kopf in beide Hände gestützt, blickt jetzt auf).

Dös hätt mei Weib zu dir gsagt? Hat dich do nie gut leiden mögn. Schau,

Dusterer, du bist ja hizt eh am Ziel, was bringst denn solchene Sachen

für? Kam ich dir af a Lug, möcht's dich reun.

Dusterer. No, wirst doch net meinen--Schwoger--wirst doch net meinen?...

Grillhofer. So hat mein Weib nie gredt.

Dusterer. Aber, Schwoger, glaub mir...--no, soll sie's nöt gsagt habn--du

bist krank, ich will net streiten mit dir.

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 6. Szene

Sechste Szene

Vorige. Leonhardt.

Leonhardt (Fuhrknecht, hat ein breites, rotes Gesicht mit pfiffigem

Ausdruck, trägt breitkrempigen Hut, blaue Bluse, hohe Stiefel, kommt durch

das Zaungatter den Anstieg herunter; ist etwas angeheitert). öha! Grüß

Gott miteinander! Dusterer, dich such ich! Hat mer dein Alte gsagt, ich

traf dich do, is mer recht, muß gleich wieder furt mit meine Roß--geht

eahner wie mir--kinnen nöt lang stehn.

Dusterer. Was gibt's?

Leonhardt. Vorerst liegt a klein Fassel Essig für dich in der Kreisstadt,

möchst 'n bald abholn--ja--da hast vom Spediteur 'n Frachtbrief. (Gibt

ihm einen roten Zettel.)

Dusterer. Was hast 'n nöt glei mitbracht?

Leonhardt. Weil er no nöt zahlt is!

Dusterer (steckt den Frachtbrief zu sich). Noch was?

Leonhardt. A Seitel Wacholder hon i mir verdient, mein ich.

Dusterer. Dös war dös Fassel nöt wert.

Leonhardt. Ah, wer redt hizt vom Essig. Hast a schlechts Angedenken!

Vor ein halben Jahrl host mer's versprochen, wonn ich dir was

auskundschaft.

Dusterer (fährt vom Sitz empor). Was sagst? So, so, no, da kimm nur glei

mit hoam.

Leonhardt. Kumm eh grad her! Wonn i so viel umanandrenn, wird mer

schwindli, no jo, bin nur 's Fahren gwohnt. Bleibn mer da--is jo nur der

Grillhofer, dein Schwager!

Dusterer (ungeduldig). Sakra h'nein: Mitkimmst, sog ich!

Leonhardt (sieht ihn starr an). Wos?!

Dusterer. Sunst verspielst'n Wacholder!

Leonhardt. So redst?--Wer--wer bist denn du? Bist leicht mei Herr, daß

d' mit mir so h'rumschreist? Han, schau dich an, notiger Ding! Möchst es

jetzt gern ablaugnen? Wann d' mer a so kimmst, brauch ich 'n gar net,

dein Wacholder, brauch 'n net! Ein andermal such der anderne aus zu

sölchene Gschäften, mich net! (Zu Grillhofer.) Schau der 'n an--a Seitel

Wacholder hat's golten, um d' RieslerMagdalen is gangen, was vor

fünfundzwanzg Jahr in dein Dienst war...

Grillhofer (fährt empor). Was sagst, um d' Magdalen?

Leonhardt. Jo, wo s' verbliebn is, ob s' no lebt oder schon verstorbn is.

Jo. Seit oan halben Jahr, zeit- und randweis hon ich nachgfragt. Und

hizt reut's ihm, hizt reut ihm dös Seitel Branntwein...

Grillhofer (aufgeregt). No red, red, Lenhardt!

Leonhardt. No, verdient hab ich mer'n!

Dusterer (schreit). Kriegst 'n net!

Leonhardt (schreit gleichfalls). Brauch 'n net, hab ich gsagt, solltst

dich schamen gegn ein Fuhrknecht! Bauer willst hoaßen? Nix bist!

Grillhofer. Laß 'n, Lenhardt, laß 'n! Was is mit der Magdalen?

Leonhardt. Auskundschaft hon ich's!

Grillhofer (aufschreiend). Sie lebt?!

Leonhardt (schreit gleichfalls). Jawohl!--Ah so, du bist's gwest,

Grillhofer--ah ja, du, ich hon gmeint (auf Dusterer), der schreit wieder

gegn meiner.

Grillhofer. Um Gottes willn, Lenhardt, bsinn dich af d'Wahrheit, hast a

recht gsehn?

Leonhardt. No, wohl recht gsehn und recht gfragt.

Grillhofer. Du wöllt s' hizt ausgfunden habn, wo es Gericht sie die lang

Zeit her scho sucht!

Leonhardt. Ausgschriebn war a Erbschaft, aber gmeldt hat sa sö net, weil

ihr dös Gspiel z'viel verschuldt war.

Grillhofer. Und wo, wo hast es denn aufgfunden?

Leonhardt. A drei Stund von da, wann d' ins Gebirg einfahrst, an der

Kahlen Lehnten hat s' ihr Wirtschaft.

Grillhofer. Ich muß hin--wird mich net umbringen, dös bissel Fahrn, wird

mich nöt umbringen; mit meine eigenen Augen muß ich mich überzeugen, wie's

mit ihr steht, in was für oan Elend als s' lebt! (Ist bis zur Haustür

gegangen.) Rosl--he, Rosl, hörst! (Kommt, in der Westentasche nachsuchend,

wieder vor.) Lenhardt, dank der schön, hast mer a rechte Wohltat

derwiesen. Dank der schön, da hast. (Gibt ihm Geld.)

Leonhardt. Is gern gschehn, Bauer (betrachtet den Betrag sehr befriedigt),

no, vergelt dir's Gott!

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 7. Szene

Siebente Szene

Vorige. Rosl (erscheint unter der Haustür).

Rosl. Was willst, Bauer?

Grillhofer. Eil dich, Rosl, der Michl soll hurtig einspanna, er muß mich

führen, er weiß sich aus, nach der Kahlen Lehnten fahrn mer.

Rosl. Aber, Bauer!

Grillhofer. Sei stad, Rosl, es muß sein, hätt sonst kein Ruh und kein

Rast. 'm Wastl sag, tät mer leid, aber er konn sei Derndl hizt neamer

begleiten, muß hoam bleiben, weil ma net wissen kann, was leicht no wird

oder gschiecht. Und hizt tu dich um, richt mer mein Rock und mein Hut

und 'n Schofpelz konnst mer a af'n Wagen werfen, für dö Nacht etwa.

Rosl. Aber...

Grillhofer. Geh zu und tu, wie ich sag! (Rosl ab.)

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 8. Szene

Achte Szene

Vorige ohne Rosl.

Grillhofer (kehrt zurück und will den Kopfpolster von der Bank nehmen).

Dusterer (stürzt herzu und faßt an dem andern Ende an). I trag 'n schon!

Grillhofer (zerrt ihn an sich). Laß los!

Dusterer. Aber, Schwoger! (Zerrt den Polster an sich.)

Grillhofer. Rühr mir an nix Meinigs mehr! (Zerrt ihn zurück.)

Dusterer (läßt den Polster fahren und will den Arm Grillhofers fassen).

Schwoger--laß reden...

Grillhofer (deckt sich mit dem Polster gegen jede Berührung des

zudringlich werdenden Dusterer). Mir habn ausgredt! Alsdann dö Magdalen

lebt, lebt s' nöt? Erzlugner!! Is die Höll a drei Stund von da an der

Kahlen Lehnten? Is dort die Höll? Erzlugner!

Dusterer (ist ihm bis zur Haustüre gefolgt). Grillhofer! (Faßt ihn am

Rockzipfel.)

Grillhofer (zornig). Erzlugner!! (Stülpt ihm den Polster auf den Kopf,

wird dadurch frei und verschwindet unter der Haustüre.)

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 9. Szene

Neunte Szene

Vorige ohne Grillhofer.

Leonhardt (gutmütig). Teufi, is der Grillhofer schichti wordn! No' mach

der nix draus, kimm mit, zahl ich dir a Glasl! (Zeigt das erhaltene Geld.

) Schau, wie der Wacholder blüht!

Dusterer (wütend zu Leonhardt). Vergreifa kunnt ich mich an dir--völlig

vergreifa!

Leonhardt (indem er sich zum Gehen wendet). No, aber nachhert gute Nacht!

'n Polster hast schon, und ich tat dich schon a orndlich zudecken.

Dusterer. Der leidig Höllteufl hat dich herbracht.

Leonhardt (schon beim Anstieg). Nöt wahr is, dein Weib hat mich

hergwiesen! (Ab.)

Dusterer (allein). Sikra h'nein, is eh so, mein Weib hättn hoam halten

solln, den versoffenen Lump, hätt doch selbn herrennen können, hätt ihr d'

Füß net kost't!--No, gfreu dich, wonn ich hoam kimm!--Sand an all'm Elend

schuld, scho von Paradeis her, dö Weibsleut!--A holb Jahr plag i mich obi,

dank 'n Himmel für jeden guten Einfall, den er mir schickt, womit ich den

alten Sünder ins Gwissen reden konn! Und hizt soll alls umasunst gwest

sein, zwegn so oaner Dummheit! Aber no gib ich's net auf, ich muß a dabei

sein, ich muß mit hin nach der Kahlen Lehnten, ob er mich mit habn will

oder net--ich weiß schon--ich schleich mich in Hof, und wonn dö Rosl 'n

Schofpelz auf'm Wagn wirft, so kriech ich drunter. Was will er denn mocha,

wann ich a so mitkimm? Was will er denn macha? Geht schon, geht schon,

weil net anderscht is, kimm ich halt in Schofpelz hin. (Will durch die

Haustüre schleichen, prallt aber zurück und schleicht um das Haus; Kulisse

vorne rechts ab.)

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 10. Szene

Zehnte Szene

Wastl und Liesel (durch die Haustüre).

Wastl. No, gehst wirkli scho, Liesel?

Liesel. Freilich wohl, wo d' mich hizt net begleiten darfst, möcht ich

doch schon vor Einbruch der Nacht wieder in Ellersbrunn sein. Haha, dö

Mahm wird Augen machen, wonn ich sag, mit der Erbschaft is nix, aber ein

Schatz hon ich gfunden. Leicht jagt sie mich dann davon!

Wastl. No rennerst halt glei zu mir!

Liesel. Jo, aber, wo wirst du nachher sein, wann d' bei dein Bauern net

verbleibn willst?

Wastl. Is a net zum Verbleibn, seit der sein'm Schwogern sein Norr is!

No schau, is doch gut, daß mir uns wieder z'sammgfunden habn, ganz

mutterseelenallanig fraget ich ein Teufel darnach, was aus mir wurd, und

rennet nur so ins Blaue h'nein davon; aber da a für dich gilt, werd ich

mich schon um oan rechten Platz umschaun.

Liesel. No, recht is's, nur a weng wart noch zu und mach's fein manierli,

daß 'm Bauern net hart gschieht. ös mögts ja doch selber einander leiden!

Wastl. Awohl--wohl...

Liesel. Mir derbarmt der alte Mon. Möcht ihm gern helfen, laßt ein'm

aber kein Zeit dazu. I traf's schon, meinst net? Is heunt doch lustig

wordn, gelt?

Wastl. Oh, du brachst alls z'wegn!

Liesel. Und no bhüt dich Gott, Wastl.

Wastl. Bhüt Gott, mein Dirn, ich denk dir gwiß an dich bei Tag und Nacht!

Liesel. No, bei Tag mag i dir's a versprechen, aber bei der Nacht, da

schlaf ich.

Wastl (lacht). Du bist halt d' Horlacher-Lies, wie von ehnder, und so

sollst a sein, weil nur hizt mein bist! Mein ich doch, ich halt's gar net

aus, so weit von dir z' sein, möcht all Stund wissen, was tust und treibst,

ob d' mein a a bissel denkst, und möcht dich wohl tags z' tausendmal

grüßen lassen, fand ich ein Boten, kunnt alls zwischen Himmel und Erd drum

angehn, was sich drauf verstund! Mei Dirndl!

Duett

Wastl.

Du kleins Bacherl, wunderklar,

Rinnst so flink daher,

Grüß mer schön mein lieben Schatz,

Na, du weißt schon wer!

Liesel.

Und da sagt 's Bacherl drauf:

Ich bin net so schnell,

Dorten halt mich 's Mühlrad auf,

Kimm net von der Stell.

Wastl.

Schneeweiß Täuberl überm Haus,

Grüß mer du mein Schatz,

Flieg in alle Weiten aus,

Findst'n schon am Platz!

Liesel.

Schneeweiß Täuberl putzt sich fein,

Sagt: I richt's net aus,

Heut spricht ja mein Tauber ein

Und ich bleib schön z' Haus.

Wastl.

Du kloan Herz in meiner Brust,

Schlag voll Freudigkeit,

Denn mein Schatz ist mein bewußt

Hizt und allezeit!

Beide.

Und wie gestern so a heut

Denkt er an mich schon,

Zwischen brave, treue Leut

Braucht's koan Botenlohn.

(Jodler.)

Du nur hast, {der | dö} Einzigi,

In mein Herzen Platz,

Denk an mich, i denk an di!

Bhüt dich Gott, mein Schatz!

(Liesel geht den Anstieg hinan.)

Denk an mich, i denk an di!

Bhüt dich Gott, mein Schatz!

(Jodler, unter welchem Liesel, nachdem sie das Zaungatter passiert, sich

auf demselben aufstützt, zum Schluß wirft sie einen Kuß dem Wastl zu, der

mit einem Juchzer ihr nachläuft.--Der Vorhang fällt.)

Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 11. Szene

Verwandlung

Wirtschaft an der "Kahlen Lehnten". Die Bühne zeigt den Hofraum. Links

vorne ein Teil des Hauses mit der Eingangstüre, rechts ein Teil einer

Scheuer. Beide sind in einem stumpfen Winkel gegeneinander gebaut und

durch eine sogenannte offene Einfahrt (leeren Torbogen, etwa durch einen

Balken, "Schranne", verschließbar) verbunden. Hinter dem Hause steigen

gewaltige Felsmassen hinan, welche weit in den Hintergrund verlaufen, wo

dieselben an den aufrecht stehenden, bewaldeten Bergkronen als nacktes

Getäfel schief angelehnt erscheinen (Kahle Lehnten). Ab und zu hört man

das Grollen eines fernen Gewitters.

Elfte Szene

Der Bauer, Natzl und Hans (mit Sensen und Rechen, kommen durch den offenen

Torbogen zögernd nach vorne).

Natzl. Oba, Voda, was wöllt's denn hizt schon dahoam?

Hans. Z'wegn we hättn mer denn fruher Feierabnd gmocht?

Bauer (alter Mann, schon an die Siebzig, geht gebeugt, hat graues Haar und

dunkle, buschige Augenbrauen, die Lodenjoppe schlottert ihm um den Leib

und auch im übrigen Anzuge zeigt sich eine arge

Vernachlässigung--erstaunt). No, z'wegn'm Wetter do!

Hans. Hehe, freilich, z'wegn 'm Wetter! (Lehnen die Werkzeuge an die

Scheuer.)

Natzl. Kunnt ja do der Voda a weng ins Dörfl schaun, af a Glasl Wein!

Bauer. Wißts ja do, daß mer d'Muada koan Geld loßt.

Natzl (gibt ihm Geld). Habn do mir oans für'n Vodan!

Bauer. ös seid, s doch gute Buama. No, do gehn ich schon, hehe, freili

gehn i! Wonn mi aber leicht es Wetter derwischt?

Natzl. Beileib!

Hans. Hehe, sogn mer do schon 'n Vodern a fufzgimal, von derer Seiten

kimmt's jo nie übri, bleibt ja allmal entern Berg!

Bauer. Hehe, ös seid's Hallodri und alle fufzgimal hon ich's richti

vergessa! No, und wo gangt's denn ös hin?

Natzl. In Wold!

Bauer. In Wold? Wonn eng aber 's Wetter derwischt?

Hans. Hehe--hehe -'s kimmt ja net!

Bauer. Hehe--richti--jo-Natzl. Wonn's a kam, mir fanden schon oan

Unterstand.

Hans. A wohl--und was f ür oan.

Bauer. No, nachhert, wo denn?

Natzl. In der Köhlerhüttn.

Der G'wissenswurm: Bauernkomödie in drei Akten · 第 2 / 4 段