Abbildungen und Beschreibung der Pilze

#1. Spitz-Morchel.# Eßbar. *Morchélla cónica Pers.*

Der _Hut_ ist kegelförmig, 3-5 cm breit, 4-10 cm hoch, nach oben

geschlossen und an seinem Rande mit dem Stiele verwachsen. Das Innere

der Morchel ist vom Stiele bis zur Hutspitze vollständig hohl, und die

Wandungen sind kleienartig bestäubt. Die Oberfläche wird durch vielfach

miteinander verbundene Rippen netzartig in kleine Gruben geteilt. Die

_Färbung_ ist grau-, gelb- oder dunkelbraun. Das _Fleisch_ ist zart,

zerbrechlich und sehr wohlschmeckend.

Der _Stiel_ wird bis 5 cm lang, ist walzigrund und weiß.

_Zeit_: Die Morchel wächst vorzugsweise im Frühlinge nach warmem Regen,

je nach der Witterung in den wärmeren Gegenden bereits von Ende März, in

den höheren Lagen vom April bis Ende Mai, seltener findet man sie

vereinzelt im Herbst.

_Standort_: Auf Waldwiesen, an Waldrändern und in Gärten, ganz besonders

auch auf Abhängen der Tallagen, die lehmig-sandig und etwas kalkhaltig

sind.

_Wert_: Als sehr beliebte Feinkost wird sie überall gesammelt und

verkauft.

Alle Morchel- und Lorchelarten müssen sorgfältig bei der Zubereitung

gewaschen werden, da sie viel Sand enthalten. (Siehe Seite 12 über

Zubereitung der Pilze.)

#2. Speise-Lorchel. Stock-Morchel.# Eßbar. *Gyromítra esculénta Pers.*

Der _Hut_ ist sehr unregelmäßig, bis faustgroß, höckerig, grubig und mit

wellenartig verlaufenden dicken Falten überzogen. Das Innere ist mit

faltigen Hohlgängen durchzogen, weißgrau und feinfilzig. Die _Farbe_

ändert sich von hellbraun bis dunkelbraun. Das _Fleisch_ ist wachsartig,

sehr zerbrechlich und nicht stärker wie dünnes Leder.

Der _Stiel_ ist faltig, dick, kurz, zusammengedrückt, anfangs markig und

weiß, später hohl und grau.

_Zeit_: Wächst ebenfalls im Frühling.

_Standort_: Vorzugsweise in sandigen Nadelwäldern, auf alten

Meilerstätten und alten Brandstellen.

_Wert_: Derselbe ist gleich dem der Spitz-Morchel, nur ergiebiger. Von

allen Morchel- und Lorchelarten kommt sie in erster Linie als

»getrocknete Morchel« in den Handel.

[Illustration: #1. Spitz-Morchel.# Eßbar. *Morchélla cónica Pers.*]

[Illustration: #2. Speise-Lorchel. Stock-Morchel.# Eßbar. *Gyromítra

esculénta Pers.*]

#3. Speise-Morchel.# Eßbar. *Morchélla esculénta L.*

Der _Hut_ besitzt eine rundlich-eiförmige, bei einer Abart fast

kegelförmige Gestalt und ist mit zellenartigen Gruben bedeckt, deren

Wandungen sich als Längs- oder Querfalten oder Rippen netzartig über den

Hut ausbreiten. Diese zellenartigen Gruben sind ziemlich tief. Der Hut

selbst hat einen Längsdurchschnitt von 7-12 cm und eine Breite von 5-8

cm.

Das _Hutfleisch_ ist ziemlich brüchig und auf der Innenseite rein weiß,

feinfilzig und kleiig, bei älteren Exemplaren leicht rosa angehaucht.

Die _Farbe_ des Hutes wechselt von hell-ockerfarbig bis tiefbraun mit im

Alter schwärzlichen Rippenrändern.

Der 4-10 cm hohe _Stiel_ ist weiß, später hellgelblich, oft dick, wie

aufgeblasen, mit kurzen Falten oder unregelmäßigen Erhöhungen versehen

und mit kleieartigen, feinen Körnchen behaftet.

_Zeit_: Wächst in der Ebene bereits im April, im Gebirge erst im Mai.

Anfangs Juni ist sie selten zu finden, kommt überhaupt nicht sehr häufig

vor.

_Standort_: In lichten Wäldern, Gebüschen, Schluchten und auf

Grasplätzen. Man findet sie mehr auf lehmigem als auf sandigem Boden.

_Wert_: Als Speise-Morchel ist sie sehr geschätzt und steht unstreitig

als feinstschmeckende aller Morcheln obenan.

#4. Goldgelber Ziegenbart.# Eßbar. *Clavariélla aúrea Schaeff.*

Der _Fruchtkörper_ wird bis 15 cm hoch. Der _Strunk_ ist dick und teilt

sich schon von unten an in weißfleischige, derbe Äste, die

weißlich-gelb, nach oben gerade aufstrebend, vollständig rund mit

hellgoldgelber _Farbe_ in meist zweiteilige, stumpfe Spitzchen endigen.

_Zeit_: Wird vom Juli bis Oktober gefunden.

_Standort_: Wächst vereinzelt oder truppweise vornehmlich in

Nadelwäldern.

_Wert_: Sehr wohlschmeckend, jedoch nur im Jugendzustande, denn mit dem

Alter wird dieser Pilz, wie fast alle Ziegenbärte, bitter und

ungenießbar.

[Illustration: #3. Speise-Morchel.# Eßbar. *Morchélla esculénta L.*]

[Illustration: #4. Goldgelber Ziegenbart.# Eßbar. *Clavariélla aúrea

Schaeff.*]

#5. Trauben-Ziegenbart. Rötlicher Ziegenbart.# Eßbar. *Clavária botrytes

Pers.*

Dieser Pilz wird hier und da noch mit den Namen Traubenbärentatze,

rötliche Bärentatze, roter Hirschschwamm, Korallenschwamm, Hahnenkamm-

oder Blumenkohlschwamm bezeichnet. Er hat einen dicken _Strunk_, der

mitunter sehr dick und knollig ist.

Das weiße _Fleisch_ ist sehr derb.

Die aus dem Strunke emporsteigenden _Äste_ und _Zweige_ verzweigen sich

nach verschiedenen Seiten, sind gerade oder gekrümmt, ziemlich rund und

fleischig. Die kurz abgestutzten Enden der Ästchen sind rötlich. Er wird

bis 12 cm hoch und mitunter bis 16 cm breit.

_Zeit_ und _Standort_: Wächst im Herbste auf sandigem Boden der

Nadelwälder und in Laubholzwaldungen.

_Wert_: Im Jugendzustande und so lange er nicht bitter schmeckt, ist er

eßbar und wohlschmeckend, in älterem Zustande verursacht er aber

heftiges Leibweh und Durchfall.

#6. Gelber Ziegenbart.# Eßbar. *Clavária flava Schaeff.*

Dieser Pilz, der im Volksmunde Bärentatze, Bocksbart, Hahnenkamm genannt

wird, besitzt einen weißgelblichen, knolligen, dicken, aufrechten

_Strunk_, aus dem eine Anzahl walziger _Äste_ emporsteigen, die sich

wieder in mehrere kleinere _Zweige_ teilen. Die kleinen Äste endigen in

eine meist zweiteilige stumpfe Spitze.

Das besonders in der Jugend sehr zarte _Fleisch_ des Strunkes ist weiß

und dicht, das der Äste sehr brüchig.

Die _Höhe_ des Ziegenbartes beträgt gewöhnlich 4-12 cm.

Der _Geruch_ ist schwach, nicht unangenehm, der _Geschmack_ meist etwas

bitterlich, besonders bei älteren Exemplaren.

_Zeit_ und _Standort_: Wie bei voriger Art.

[Illustration: #5. Trauben-Ziegenbart. Rötlicher Ziegenbart.# Eßbar.

*Clavária botrytes Pers.*]

[Illustration: #6. Gelber Ziegenbart.# Eßbar. *Clavária flava

Schaeff.*]

#7. Krauser Ziegenbart. Krause Glucke.# Eßbar. *Sparássis ramósa

Schaeff.*

Dieser eigenartige Pilz besteht aus außergewöhnlich zahlreichen

gelblich-weißen, über- und nebeneinander sich drängenden,

arabeskenartigen _Blättern_, die auf der Ober- und Unterseite platt und

eben sind. Das _Fleisch_ ist weiß. Er bildet oft riesige Köpfe und wird

mitunter bis zu 15 Pfund schwer.

Der _Strunk_ ist fleischig, dick und kommt tief aus der Erde heraus.

Der _Geruch_ ist äußerst würzig, morchelartig duftend.

Der _Geschmack_ ist nußartig.

_Zeit_: Wächst vom August bis Ende September.

_Standort_: Besonders in Kiefernwaldungen, wo er oft dicht an den

Stämmen der Bäume zu finden ist.

_Wert_: Frisch und getrocknet gehört er zu unseren vorzüglichsten und

wertvollsten Speisepilzen. Leider wird er bald zähe und kann dann nur in

getrocknetem Zustande verwendet werden. Die getrockneten Pilze geben

abgekocht der Fleischbrühe einen trefflichen Geschmack.

#8. Lauch-Schwindling. Knoblauchpilz, Dürrbehndel, Echter Mousseron.#

Eßbar. *Marásmius alliátus Schaeff.*

Schwindlinge werden diejenigen Pilzarten genannt, die hauptsächlich nur

nach Regentagen zu finden sind, bei Sonnenschein aber schnell

vertrocknen, verschwinden.

Der dünnfleischige zähe _Hut_ des Lauch-Schwindlings ist anfangs flach

gewölbt, später etwas verbogen ausgebreitet, weißlich-gelb,

fleischfarbig oder hellbräunlich. Bei sonnigem Stande und trockenem

Wetter runzelt er schnell zusammen und wird weißlich. Der Hut wird 1-3

cm breit.

Die _Blätter_ stehen mäßig dick, sind kraus und weiß.

Der zähe, röhrige und glatte _Stiel_, 2-4 cm lang, ist glänzend, nach

unten dunkel-rotbraun bis schwärzlich, nach oben heller.

_Geruch_ und _Geschmack_ sind stark knoblauchartig.

_Zeit_: Wächst bereits im Juni und ist bis zum Oktober zu finden.

_Standort_: Auf Heideplätzen, an Waldrändern und an alten Baumwurzeln,

besonders auch auf Holzschlägen. _Von vielen Pilzsammlern wird

gewöhnlich ein anderer Schwindling, der eßbare, aber nicht schmackhafte

Nadel- oder durchbohrende Schwindling_ (*Marásmius perforans Hoffm.*)

_als guter Lauch-Schwindling angesehen._ Dieser wächst in Nadelwaldungen

oft zu tausenden, wie gesät auf den Nadeln, aber er hat nicht den

Lauchgeruch, sondern einen andern scharfen, fast unangenehmen.

_Wert_: Als Zusatz zu Braten, zumal Hammelbraten, ist er sehr geschätzt

und wird hier und da getrocknet zum Verkauf gebracht. Früher versorgten

die unternehmenden Franzosen die größeren Feinkostgeschäfte in

Deutschland mit ihren geschmackvoll hergestellten Paketchen, die

gewöhnlich eine Mark kosteten, während der Pilz bei uns ohne Mühe nach

starkem Gewitterregen tausendweise gesammelt werden könnte.

[Illustration: #7. Krauser Ziegenbart. Krause Glucke.# Eßbar. *Sparássis

ramósa Schaeff.*]

[Illustration: #8. Lauch-Schwindling. Knoblauchpilz, Dürrbehndel, Echter

Mousseron.# Eßbar. *Marásmius alliátus Schaeff.*]

#9. Nelken-Schwindling.# Eßbar. *Marásmius caryophylleus Schaeff.*

Der dünnfleischige _Hut_ ist etwas zähe, anfangs kegelförmig, später

etwas ausgebreitet und gebuckelt. Er erlangt einen Durchmesser von 2-5

cm. Die Oberfläche ist glatt, trocken ledergelb oder hellbräunlich, nach

dem Rande zu öfters schwach wässerig gezont, besonders bei feuchtem

Wetter. Der Rand ist anfangs eingebogen, später gestreift.

Der _Stiel_ ist voll, knorpelartig hart, bis 12 cm hoch, gefärbt wie der

Hut und mit einem ganz feinen weißlichen Filze überzogen.

Der _Geruch_ ist stark würzig, nelkenartig, der _Geschmack_ höchst

angenehm.

_Zeit_: Wächst das ganze Jahr hindurch, schon vom Mai bis zum Winter.

_Standort_: Auf Wiesen, vorzugsweise aber auf Feldwegen und grasigen

Feldrändern. Hier wächst er häufig in dichten Trupps kreisförmig,

deshalb in verschiedenen Gegenden Kreisling, Krösling genannt.

_Wert_: Wegen seines lieblichen, würzigen Wohlgeschmackes zählt er zu

den feinsten Suppenpilzen. Getrocknet schrumpft er außerordentlich

zusammen.

[Illustration: #9. Nelken-Schwindling.# Eßbar. *Marásmius caryophylleus

Schaeff.*]

#10. Echter Gelbling. Gehling, Pfifferling, Eierpilz.# Eßbar.

*Cantharéllus cibárius Fr.*

Der _Hut_ ist im Jugendzustande gewölbt, später ausgebreitet mit

eingerolltem Rande und zuletzt trichterförmig, kraus und gelappt, im

Durchmesser 1-8 cm. Die _Farbe_ ist dottergelb, nach der Mitte zu meist

hellgelb; das _Fleisch_ ist gelblich. Hier und da kommt er weißlich,

mitunter fast ganz weiß als seltene Abart vor. In mitteldeutschen

Wäldern konnte der Verfasser außerdem zwei Jahre hintereinander sogar

hellrosenrote Pfifferlinge an ein und demselben Standorte finden.

Das _Fruchtlager_ an der Unterseite des Hutes läuft faltenförmig an dem

Stiele herab, ist adernförmig und durch Querfalten mit einander reich

verästelt.

Der _Stiel_ erweitert sich nach oben trichterförmig und ist voll und

fest.

Der _Geruch_ ist sehr angenehm, der _Geschmack_ pfefferartig.

_Zeit_: Wächst oft schon im Juni und findet sich bis zum Herbste in

großen Mengen.

_Standort_: Fast überall, besonders im Dickicht der Nadelwaldungen,

moosigen Stellen, sowie in Laubwaldungen.

_Wert_: Als einer unserer vorzüglichsten und am häufigsten vorkommenden

Speisepilze eignet er sich für alle Zubereitungsarten; getrocknet muß er

mindestens zwölf Stunden vor der Zubereitung in Wasser erweicht werden,

sonst ist er etwas zäh. Er hält sich von allen Pilzen am längsten

frisch, ist fast gar nicht madig und verursacht wenig Arbeit beim

Reinigen. #Eine Verwechselung dieses allbekannten Pilzes kann höchstens

mit dem sogenannten »Falschen Gelbling oder Pfifferling« stattfinden#,

der aber viel dünnfleischiger ist, einen schwachen Stiel und

orangerötliche Blätter besitzt, wenig Geschmack hat und nur in großen

Mengen genossen etwas Leibschmerzen verursachen soll.

[Illustration: #10. Echter Gelbling. Gehling, Pfifferling, Eierpilz.#

Eßbar. *Cantharéllus cibárius Fr.*]

#11. Stein-Röhrling. Steinpilz, Herrenpilz.# Eßbar. *Bolétus edúlis

Bull.*

Der _Hut_ des jungen, halb in der Erde sitzenden Pilzes ist halbkugelig,

später polsterförmig und wird 10-30 cm breit. Bei alten Exemplaren

wendet sich der Rand etwas nach oben. Die _Farbe_ des Hutes ist anfangs

weißlich, weißlichgelb, später gelbbraun bis dunkelbraun. Je nach dem

Standorte ändert sich die Farbe, indem bei sonnigem Stande die dunkle,

bei schattigem und feuchtem die hellere Färbung hervortritt. Das

_Fleisch_ ist weiß und ändert sich nicht, bei alten Exemplaren färbt es

sich jedoch unter der Oberhaut etwas rötlich.

Die _Röhren_ auf der Unterseite des Hutes sind zuerst stets weiß, später

gelblich und werden im Alter grünlich. Sie sind nicht angewachsen und

lösen sich leicht vom Fleische.

Der _Stiel_ ist im Jugendzustande immer knollig verdickt, streckt sich

später walzenförmig und ist durchweg weichfleischig. Die Farbe des

Stieles ist hellbräunlich, häufig fein genetzt, in ausgewachsenem

Zustande mit langmaschiger Zeichnung.

Der _Geruch_ ist angenehm, der _Geschmack_ nußartig.

_Zeit_: Bei günstiger Witterung bereits von Ende Mai ab, häufiger im

Sommer bis zum Herbste.

_Standort_: In Laub- und Nadelwäldern, besonders in Kieferwaldungen,

vorzugsweise auf Waldwiesen und an grasigen Waldrändern.

_Wert_: Der Steinpilz ist der bekannteste und wohlschmeckendste aller

Pilze, ebenso fein als Suppen- wie als Gemüsepilz, läßt sich auf jede

Art einmachen und sehr gut trocknen.

#Sehr oft wird mit dem Steinpilze der nicht giftige, aber ungenießbare

Gallen-Röhrling verwechselt.# Die Röhren des Gallen-Röhrlings nehmen

jedoch sehr bald eine zartrötliche Färbung an; das Futter ist auch

voller, fast schaumartig und oft nach unten gewölbt. Ganz besonders

gekennzeichnet ist der Stiel dieses Pilzes, denn er ist schon von Jugend

an grubig genetzt und das Netz hat eine grünlich-gelbbraune Färbung. Der

Geschmack ist außerordentlich bitter; ein einziger Pilz kann ein ganzes

Pilzgericht verderben.

[Illustration: #11. Stein-Röhrling. Steinpilz, Herrenpilz.# Eßbar.

*Bolétus edúlis Bull.*]

#12. Maronen-Röhrling.# Eßbar. Auch unter dem Namen »Tannenpilz«

bekannt. *Bolétus bádius Fr.*

Der _Hut_, anfangs halbkugelig gewölbt, später ausgebreitet, hat eine

glatte, bei feuchtem Wetter klebrige, bei trocknem Wetter glänzende

kastanienbraune Oberhaut und einen Durchmesser von 6-12 cm.

Das weiße _Fleisch_, im Alter etwas gelblich, wird beim Bruche nach den

Röhren zu schwach blau, nach der Oberseite etwas rötlich.

Der _Stiel_ selbst ist von fast gleicher Farbe wie der Hut, gleich dick,

mitunter gekrümmt.

Der _Geruch_ ist frisch obstartig, der _Geschmack_ angenehm.

_Kennzeichnende Merkmale_: Die kleinmündigen schmutziggelben Röhren

werden beim Drucke grün und sind am Stiele buchtig angewachsen.

_Zeit_: Im Sommer und im Herbst, in einzelnen Gegenden ziemlich häufig

zu finden.

_Standort_: In Nadel- und Laubwäldern. In Nadelwäldern bevorzugt er die

älteren Stämme, in deren Nähe er sehr häufig ringsum in Gesellschaft

wächst.

_Wert_: Er gehört zu den wohlschmeckenden Pilzen. Das Sichverfärben des

Fleisches ist kein Anzeichen für irgend eine Schädlichkeit (siehe

Vorbemerkungen).

[Illustration: #12. Maronen-Röhrling.# Eßbar. *Bolétus bádius Fr.*]

#13. Rothaut-Röhrling.# Eßbar. *Bolétus rufus Schaeff.*

Der _Hut_ ist fast stets trocken, etwas feinfilzig und wird nur bei sehr

nassem Wetter schmierig. Der Durchmesser desselben kann von 5-20 cm, ja

bis über 30 cm steigen. Die rotbraune, oft ins orangefarbige gehende

Oberhaut ist immer nach dem Futter zu eingeschlagen, bei jungen Pilzen

dicht an den Stiel gedrückt. Dieses Merkmal unterscheidet ihn vom

rotbraunen Birkenpilze. Das _Fleisch_ wird außerdem nach dem Bruche oder

Anschneiden violett, dann bläulich-schwarz.

Die _Röhren_ sind schmutzig-weiß mit grauen Mündungen.

Der _Stiel_ ist markig, nach oben schwächer werdend und mit grauen oder

schwärzlichen Schüppchen flockig bekleidet.

_Geruch_ und _Geschmack_ sind angenehm.

_Zeit_: Vom Sommer bis Spätherbst.

_Standort_: Diesen teilt er mit dem Birken-Röhrling, er findet sich

jedoch auch in Nadelwaldungen und auf Heideplätzen, mitunter massenhaft.

In feuchten Pilzjahren kommen manchmal ungewöhnliche Größen vor.

_Wert_: Wegen seines häufigen Vorkommens und seines Wohlgeschmackes ein

sehr bekannter und beachteter Pilz. Während er als Suppen- und

Gemüsepilz vorzüglich ist, eignet er sich zum Trocknen und Einmachen

weniger, da er stets eine schwärzliche Färbung annimmt.

[Illustration: #13. Rothaut-Röhrling.# Eßbar. *Bolétus rufus Schaeff.*]

#14. Birken-Röhrling. Birkenpilz, Kapuzinerpilz.# Eßbar. *Bolétus scaber

Bull.*

Der _Hut_ ist bei feuchtem Wetter und in den frühen Morgenstunden mehr

oder weniger schleimig, glatt und in der _Farbe_ veränderlich. Bald ist

er hellbräunlich, bald rotbräunlich, ja auch grau oder dunkelbraun bis

schwärzlich. Von der dunkleren Färbung dürfte er wohl auch den Namen

Kapuzinerpilz haben. Der Hut ist gewölbt, polsterartig und wird 12-18 cm

breit. Das _Fleisch_ ist weiß und verändert sich nicht.

Die _Röhrenschicht_ mit kleinen feinen Mündungen ist im Anfange weiß,

wird später aber grau.

Der _Stiel_ ist schlank, verhältnismäßig schwach, flockig-schuppig und

oft in der Mitte etwas bauchig. Im Jugendzustande ist das Fleisch

desselben weich und brüchig, wird im Alter aber faserig und zäh.

Der _Geschmack_ ist angenehm, aber etwas weichlich.

_Zeit_: Im Spätsommer und Herbste.

_Standort_: In lichten Laubwaldungen und Gebüschen. Wo Birken stehen,

ist er fast unfehlbar zu finden.

_Wert_: Guter Speisepilz, nur etwas weich. Verwertung dieselbe wie beim

Stein-Röhrling (Abb. 11).

[Illustration: #14. Birken-Röhrling. Birkenpilz, Kapuzinerpilz.# Eßbar.

*Bolétus scaber Bull.*]

#15. Sand-Röhrling. Sandpilz.# Eßbar. *Bolétus variegátus Sw.*

Der _Hut_, anfangs halbkugelförmig gewölbt, hat einen scharf

eingerollten Rand, ist bräunlichgelb und mit büschelig-haarigen kleinen

Flocken besetzt, die im Alter und nach Regenwetter verschwinden. Der

Durchmesser beträgt 5-15 cm. Die Oberfläche ist trocken, bei Regenwetter

jedoch etwas schleimig. Das _Fleisch_ ist gelblich-weiß und läuft beim

Zerschneiden mehr oder weniger bläulich an.

Die _Röhren_ sind sehr kurz, haben eine enge Mündung und sind

schmutzig-gelblich, bräunlich oder auch olivgrün.

Der _Stiel_ ist gleichmäßig dick, wird selten über 5 cm lang und ist in

der Farbe etwas heller als der Hut.

Der _Geruch_ ist eigentümlich scharf, nicht unangenehm, der _Geschmack_

mild.

_Zeit_: Im Sommer und Herbste.

_Standort_: In Nadelwäldern und vorzugsweise in solchen mit sandigem

Boden.

_Wert_: Obwohl nicht zu den besseren Speisepilzen zählend, schmeckt er

doch ganz gut. Wegen seines häufigen Vorkommens ist er ganz besonders

zur Herstellung von Pilzextrakt geeignet, läßt sich aber nicht gut

trocknen.

[Illustration: #15. Sand-Röhrling. Sandpilz.# Eßbar. *Bolétus variegátus

Sw.*]

#16. Filz-Röhrling. Ziegenlippe.# Eßbar. *Bolétus subtomentósus L.*

Der _Hut_ ist stets kurzfilzig und von graugelblicher bis grüngelblicher

Färbung, mitunter auch graubraun, hat aber immer einen olivgrünen

Schein. Der Durchmesser des Hutes beträgt 5-13 cm. Im Alter, besonders

bei trockenem Wetter, zerreißt sehr oft die Oberhaut und es bilden sich

Felder. Bei Verletzung der Oberhaut werden die Wunden je nach der

Witterung kirschrot oder gelb. Das _Fleisch_ ist derb und blaßgelb, wird

aber beim Bruche mitunter etwas bläulich. Ganz besonders zeichnet er

sich aus durch die _Röhren_, welche bei jungen Exemplaren schön

zitronengelb, bei älteren Exemplaren schmutziggelb sind. Sie haben sehr

weite und eckige Mündungen, derart angeordnet, daß kleinere mit

größeren, engere mit weiteren vermischt sind.

Der _Stiel_ ist meist rötlichbraun angelaufen und verhältnismäßig dünn

und schlank.

Der _Geruch_ ist säuerlich obstartig, der _Geschmack_ sehr schwach.

_Zeit_: Im Sommer und Herbst.

_Standort_: Vorzugsweise in Nadelwäldern, besonders auf grasig-moosigen

Plätzen, sowie auf lehmigen Böschungen der Hohlwege im Walde. Er kommt

meist einzeln vor.

_Wert_: Er gehört unstreitig zu den wohlschmeckenden Pilzen und kann

verschiedenartige Verwendung finden, nur taugt er nicht viel zum

Trocknen.

[Illustration: #16. Filz-Röhrling. Ziegenlippe.# Eßbar. *Bolétus

subtomentósus L.*]

#17. Butter-Röhrling. Ringpilz.# Eßbar. *Bolétus lúteus L.*

Der _Hut_ ist bei feuchtem Wetter und am Morgen außerordentlich

schmierig und schleimig, bei trockenem Wetter glänzend, gelblich,

gelbbraun oder dunkelgelbbraun, nie rötlich. Der Durchmesser beträgt

4-13 cm. Im Jugendzustande ist der Rand des Hutes stets mit dem Stiele

durch einen weißen Schleier verbunden, der bei der Vollentwickelung als

bläulich-schwarzer hängender Ring am Stiele zurückbleibt. Die Oberhaut

ist leicht abziehbar. Das _Fleisch_ ist gelblich-weiß und

unveränderlich.

Die hellgelb aussehenden _Röhren_ sind mit dem Stiele verwachsen, aber

nicht mit dem Hutfleische.

Der _Stiel_ ist zylindrisch und wird bis 10 cm hoch. Er ist weißlich,

fleischig voll und trägt ziemlich lange den schließlich verschwindenden

Ring. Oberhalb desselben finden sich bräunliche, flockige Punkte.

_Geruch_ und _Geschmack_ sind obstartig säuerlich.

_Zeit_: Im Sommer und Herbste.

_Standort_: Ganz besonders auf grasigen Waldwegen, Waldwiesen und

Waldrändern, zwischen Moos und Gras, und in jungen bis mannshohen

Fichtenanpflanzungen.

_Wert_: Wird leider hier und da wegen seines schleimigen Hutes nicht so

beachtet wie er es verdient. Da die Oberhaut fast mit einem Male

abziehbar ist, ist er leicht zu putzen. Er gehört unstreitig zu unseren

besten Speisepilzen, läßt sich aber nicht trocknen.

[Illustration: #17. Butter-Röhrling. Ringpilz.# Eßbar. *Bolétus lúteus

L.*]

#18. Feld-Edelpilz. Feld-Champignon.# Eßbar. *Psallióta campéstris L.*

Der _Hut_ kommt fast kugelförmig aus der Erde, wird halbkugelig und

breitet sich dann flach gewölbt aus. Die _Farbe_ ist weiß oder

bräunlich, seidenhaarig, flockig und kleinschuppig. Einzelne Pilze

werden bis 15 cm breit. (Bei den Pilzausstellungen des Verfassers kamen

sogar öfters solche von über 30 cm Hutdurchmesser und 30 cm Stielhöhe

zur Darstellung.) Das _Fleisch_ ist dick, massig und weiß, bei

Verletzung wird es oft rötlich.

Die anfangs rosaroten, später schokoladenbraun werdenden _Blätter_

kennzeichnen den Feld-Edelpilz ganz vorzüglich und sind das beste und

untrüglichste Erkennungszeichen für den guten Edelpilz.

#Leider wird dieser herrliche Pilz öfters mit dem giftigsten unserer

Pilze, dem _Gelblichen Gift-Wulstling_ (Knollenblätterpilz),

verwechselt# (vergl. nächste Abbildung, Nr. 19). #Der Feld-Edelpilz hat

aber am unteren Ende des Stieles _keine_ Knollen wie der

Gift-Wulstling.#

Der _Stiel_ ist voll, weiß und trägt in der Mitte einen dicken weißen

häutigen Ring oder Manschette. Er wird mitunter bis 8 cm hoch.

_Geruch_ und _Geschmack_ sind ganz vorzüglich.

_Zeit_: Ganz besonders gedeiht er in trockenen Jahren nach einem Regen

auf mit Pferdedünger oder Jauche gedüngten Wiesen mitunter schon Ende

Juni, dann im Hochsommer und Herbste.

_Standort_: Er wächst auf Wiesen, Feldrainen und Wegerändern.

_Wert_: Unstreitig der im Geschmacke beste Pilz, weshalb er auch überall

gezüchtet wird. Er läßt sich sehr gut züchten, siehe Abhandlung über

Züchtung der Pilze.

Seine Verwendbarkeit ist eine außerordentlich vielseitige.

[Illustration: #18. Feld-Edelpilz. Feld-Champignon.# Eßbar. *Psallióta

campéstris L.*]

#19. Gelblicher Gift-Wulstling. Gelblicher Knollenblätterpilz.# Sehr

giftig! *Amaníta bulbósa Bull.*

Der _Hut_ ist anfangs fast immer gelblich-grün, später weißlich bis weiß

werdend, meist mit den weißlichen Fetzen der früheren Hülle bedeckt, 5-8

cm breit. Diese älteren Knollenblätterpilze mit den mehr weißen Hüten

geben einzig und allein die Veranlassung zur Verwechslung mit dem

Edelpilze (Champignon). Dieser Edelpilz hat aber im Jugendzustande

rosafarbiges, später schokoladenbraunes Futter. Es wird leider viel zu

viel Wert auf die _Farbe_ des Hutes statt auf die _Blätter_ gelegt.

Eine ebenso giftige Abart *A. Mappa Batsch* hat eine durchweg gelbe

Färbung des Hutes mit weißen Pusteln.

Eine weitere, auch giftige Art, der grüne Knollenblätterpilz (*Am.

phalloídes Fr.*), führt seltener zu Verwechselungen, da er durch seine

ausgeprägte Grünfärbung von selbst warnt. Dieser grüne Knollenblätterpilz

kommt aber viel seltener vor.

Das _Fleisch_ des Gift-Wulstlings ist weiß, ebenso die _Blätter_.

Der _Stiel_ ist schlank, anfangs markig, später an der Spitze hohl, weiß

und mit einer gelblichweißen Manschette versehen. #Das untrüglichste

Kennzeichen dieses Giftpilzes ist die ausgeprägte runde Knolle am Fuße

des Stieles. Diese Knolle ist mit einer häutigen Scheibe umgeben.#

_Geruch_ und _Geschmack_ sind durchaus nicht unangenehm, der Geschmack

sogar mild und erinnert an grüne Kartoffeln.

_Zeit_: Vom Sommer bis zum Herbste.

_Standort_: Seinen Standort hat er in Wäldern und Gebüschen, meist

truppweise.

_Wert_: Wohl kein Pilz ist so giftig wie dieser; er ist um so

gefährlicher, weil die Wirkung des Giftes erst nach 12-16 Stunden

eintritt.

[Illustration: #19. Gelblicher Gift-Wulstling. Gelblicher

Knollenblätterpilz.# Sehr giftig! *Amaníta bulbósa Bull.*]

#20. Perlen-Wulstling. Perlpilz.# Eßbar. *Amaníta pustuláta Schaeff. (A.

rubéscens Pers.)*

Im Volksmunde der hellrote Fliegenpilz genannt, besitzt er einen

schmutzig-rötlichen, blaß-fleischfarbigen, braunrötlichen oder

bräunlichen _Hut_, der mehr oder weniger mit Pusteln besetzt ist,

ähnlich wie der Fliegenpilz. Unter der leicht abziehbaren Oberhaut zeigt

sich das _Fleisch_ blaßrötlich, ist aber im Innern weiß.

Die _Blätter_ sind anfangs weiß, erst im Alter etwas rötlich und dicht

stehend.

Der ganz besonders in der Jugend _kegelförmige_, ebenfalls rötlich

angehauchte _Stiel_ streckt sich später ziemlich gleichmäßig schlank und

walzig. Vom Hute laufen bis ans Ende der Manschette feine Striche. Der

Fuß des Stieles läuft in einen mit Schuppen und Warzen bedeckten Knollen

aus.

Der _Geruch_ ist schwach, der _Geschmack_ anfangs mild, später etwas

kratzend.

_Zeit_: Ziemlich früh und ist im Herbste seltener zu finden.

_Standort_: Vorzugsweise in hohem Stangenwalde, sowie in wenig begrasten

Gebüschen.

_Wert_: Nach dem Abziehen der Oberhaut bildet er einen vorzüglichen

Speisepilz (siehe »Wie schützt man sich vor Pilzvergiftungen«, S. 19).

Zum Trocknen eignet er sich nicht, wohl aber zum Gemüse und Einmachen

und besonders zum Bereiten von Pilzextrakt (siehe S. 15).

#In verschiedenen Fällen ist der Perlen-Wulstling mit dem so giftigen

Königsfliegenpilz verwechselt worden.# Dieser hat aber stets die reine

ledergelbliche oder dunkelrotbraune, also keine fleischfarbig-rötliche

Oberhaut. Auch zeigt der Königsfliegenpilz unter der Oberhaut die

gelbrote Farbe des Fleisches wie der Fliegenpilz, während die des

Perlpilzes fleischrot ist. Man vergleiche nur scharf die Abbildungen

(siehe auch Abb. 21) und die Beschreibungen.

[Illustration: #20. Perlen-Wulstling. Perlpilz.# Eßbar. *Amaníta

pustuláta Schaeff. (A. rubéscens Pers.)*]

#21. Königs-Fliegenpilz.# Sehr giftig! *Amaníta regális Fr.*

Der anfangs kugelige _Hut_ wird später flach, sich mitunter etwas nach

der Mitte vertiefend. Er wird bis 20 cm breit. Die Oberhaut ist anfangs

dunkelrotbraun, später leberbraun und bei alten Pilzen mit fast

silbergrauem Hauche überzogen. Die den Hut bedeckenden _Flocken_ sind

gelblichweiß oder weiß, mehr oder weniger dicht aufliegend. Der Rand ist

gestreift. Beim Durchschnitt zeigt das _Fleisch_ nach der Oberhaut einen

rotbraunen Rand und ist nach den Lamellen hin bräunlichgelb gefärbt. Die

_Blätter_ sind weiß.

Der _Stiel_ ist anfangs voll, später hohl und hat gelbliches Fleisch. Er

besitzt am Grunde einen fast rundlichen Knollen mit einer ziemlich lose

sitzenden Hülle, die sehr regelmäßig in einzelne Ringe sich trennt, so

daß man oft mehrere solcher Ringe deutlich zählen kann. Diese Hülle ist

fast ockergelb, wie denn auch der Stiel vom Fuße bis zur Hülle eine

gelbe Farbe besitzt. Der unregelmäßig gestaltete häutige Ring ist am

Rande ebenfalls gelb.

Der _Geruch_ ist gering, der _Geschmack_ unangenehm.

_Zeit_: Im Sommer und ist bis zum Herbste zu finden. Dieser Pilz kommt

nicht sehr häufig vor.

_Standort_: Im Nadelwalde vorzugsweise an Waldrändern, auch in

Gebüschen.

_Wert_: Nach den Erfahrungen des Verfassers #gehört er mit zu den

giftigsten Pilzen, denn verschiedene Vergiftungen endeten mit dem Tode.

Es ist daher vor diesem Pilze ganz besonders zu warnen, da er

nachweisbar mit dem Perlen-Wulstling (Abb. 20) verwechselt wurde.#

Dieser jedoch und der eßbare Pantherpilz sind vom Hute bis mit dem

herabhängenden Ringe gestrichelt, der Königs-Fliegenpilz aber ist

glatt.

[Illustration: #21. Königs-Fliegenpilz.# Sehr giftig! *Amaníta regális

Fr.*]

#22. Großer Schirmling.# Eßbar. *Lepióta procéra Scop.*

Der _Hut_ erscheint anfangs wie ein Paukenschlägel und breitet sich dann

schirmdachförmig aus. Dabei platzt die graubraune dürre Oberhaut und

bildet braune dachziegelförmig liegende Schuppen, nach der Mitte in

einen dunkelbraunen Buckel übergehend. Das _Fleisch_ ist im

Jugendzustande weich, später aber zäh und dürr. Dieser Pilz gehört zu

den stattlichsten, denn sein Hut wird bis 25, ja 30 cm breit.

Die _Blätter_ sind breit, weiß, weich, stehen dicht und ganz frei vom

Stiele.

Der röhrig-hohle _Stiel_, mitunter 15-30 cm hoch, prächtig

braungefleckt, ist nach aufwärts etwas verdünnt und am Grunde knollig

verdickt. Außerdem trägt er einen dicken, lederartigen und

verschiebbaren Ring.

Der _Geruch_ ist angenehm und das Fleisch hat einen süßen _Geschmack_.

_Zeit_: In den Monaten August bis Oktober.

_Standort_: Auf lichten Waldstellen, Grasplätzen und an Waldrändern.

_Wert_: Im Jugendzustande wohlschmeckend, verliert er im Alter den

Geschmack und ist dann zäh.

Er kann leicht verwechselt werden mit einer ihm ähnlichen Art, dem

ebenfalls eßbaren Safran-Schirmling, *Lepióta rhacótes Vitt*, dessen Hut

fast ebenso geschuppt, aber etwas kleiner im Durchmesser ist. Dieser

Pilz zeigt aber beim Durchschneiden oder bei Verletzung zuerst

orangefarbiges, dann safranfarbiges oder blutrotes Fleisch, auch der

Stiel hat beim Abschneiden diese Farben, ist aber außen nicht so schön

braungefleckt, sondern einfarbig schmutzigbräunlich.

[Illustration: #22. Großer Schirmling.# Eßbar. *Lepióta procéra Scop.*]

#23. Wacholder-Milchling. Echter Reizker, Röstling.# Eßbar. *Lactária

deliciósa L.*

Der _Hut_ dieses vorzüglichen Pilzes ist orangefarbig oder ziegelrot,

meist gezont in orangefarbige und grünliche Ringe. Im Alter wird er

grünspanfarbig, wie denn auch bei Verletzung diese Farbe stets

hervortritt. Jung ist er flach mit nach unten gleichmäßig gebogenem

Rande, später wird er trichterförmig. Bei feuchtem Wetter ist der Hut

schmierig und wächst dann glatt ohne Zonenringe.

Das _Fleisch_ ist ebenfalls rötlichgelb und läßt beim Bruche eine

#orangerote# Milch reichlich heraustropfen; dies ist das sicherste

_Kennzeichen_ für diesen Pilz.

Die gelben _Blätter_ laufen etwas am Stiele herab und werden beim Drucke

ebenfalls sofort grünspanfarbig.

Der _Stiel_ ist dem Hute gleichfarbig, anfangs voll, später hohl.

Der _Geruch_ ist außerordentlich aromatisch, der _Geschmack_ mild und

angenehm würzig.

_Zeit_: Vielfach in großer Menge bereits Ende Juni bis in den November

hinein.

_Standort_: Wächst unter dichtem Nadelgebüsch, auf feuchten, moosigen

Wiesen und auf mit Heidekraut und Wacholdersträuchern bestandenen

Waldhügeln. #Oft wächst er auf einer Stelle zusammen mit dem zum

Verwechseln ähnlichen giftigen Milchling (Giftreizker)# (siehe Abb. 24),

#der jedoch einen zottigen Hutrand und _weiße_ Milch besitzt#, auch ist

dessen Geschmack bitter, beißend und scharf. Eine andere, aber

ungefährliche Verwechslung kann mit dem Blut-Milchling, *Lactárius

sanguifluus Paul*, vorkommen, der aber eßbar ist. Dieser Pilz hat eine

#blutweinrote# Milch, die Blätter laufen am Stiele herab. Er sieht dem

guten Reizker sehr ähnlich und kommt nur auf kalkhaltigem Boden vor.

_Wert_: Er gehört zu unsern wertvollsten Speisepilzen und läßt sich auf

alle mögliche Arten verwerten, nur beim Trocknen verliert er an Geruch

und Geschmack. Der von ihm bereitete Pilzextrakt wird im Wohlgeschmack

von keinem Extrakt anderer Pilze übertroffen.

[Illustration: #23. Wacholder-Milchling. Echter Reizker, Röstling.#

Eßbar. *Lactária deliciósa L.*]

#24. Gift-Milchling. Giftreizker.# Giftig! *Lactária torminósa Schaeff.*

Der _Hut_ dieses Pilzes sieht im Jugendzustande dem des guten Reizkers

oft täuschend ähnlich, nur wird er nie ziegelrot oder grünlich, sondern

mehr fleischfarben, aber ebenfalls mehr oder weniger gezont. _Sehr

charakteristisch ist der stets zottig behaarte Rand des Hutes._

Das _Fleisch_ ist weiß und sondert eine _weiße_ Milch ab, während der

gute Reizker orangerote Milch absondert.

Die _Blätter_ sind weißlich.

Der _Stiel_ ist dem Hute gleichfarbig, im Alter hohl und brüchig.

Der _Geruch_ ist nicht besonders auffallend, der _Geschmack_ aber

bitter, beißend und scharf.

_Zeit_: Im Sommer und Herbst.

_Standort_: Er wächst gern unter Birken, in Gebüschen, auf Heideplätzen,

moosigen Wiesen und da zwischen den echten Reizkern.

_Wert_: Er ist entschieden giftig, wie zweifelsohne mehrere dem

Verfasser bekannte Vergiftungsfälle dies bewiesen haben. Das Einprägen

der Merkmale hütet vor Verwechslung.

Über das sogenannte Entgiften der Pilze siehe Abhandlung Seite 19: Wie

schützt man sich vor Pilzvergiftungen?

[Illustration: #24. Gift-Milchling. Giftreizker.# Giftig! *Lactária

torminósa Schaeff.*]

#25. Birnen-Milchling. Brätling, Brotpilz.# Eßbar. *Lactária voléma Fr.*

Der _Hut_ ist gleichmäßig, rotgelb oder hellrötlichbraun und wird bis

12, mitunter 15 cm breit. Im Alter bekommt er Risse, in der Jugend ist

der Hutrand etwas eingerollt.

Das _Fleisch_ ist fest, dick und enthält sehr viel weiße Milch. Diese

tropft bei Verletzung sehr reichlich heraus.

Die _Blätter_ sind anfangs blaßgelb, werden später bräunlich und färben

sich auch beim Drucke braun.

Der _Stiel_ ist in der Farbe dem Hute gleich, ziemlich dick, wird bis 12

cm hoch und rundet sich am Ende ab.

Der _Geruch_ ist bei jungen Pilzen angenehm, während ältere tranig

riechen.

Der _Geschmack_ ist angenehm, fast süß.

_Zeit_: Im Sommer und Herbst.

_Standort_: In Laub- und Nadelwaldungen meist an feuchten Stellen und

kommt oft truppweise vor.

_Wert_: Er wird vielfach roh gegessen und gibt besonders eine ganz

vorzügliche Speise, wenn er gerieben und dann gebacken wird.

Für den Nichtkundigen ist eine Verwechselung mit dem nicht giftigen,

aber ungenießbaren #braunroten Milchling# möglich, doch ist die Oberhaut

dieses Milchlings feinflockig, der Rand filzig und der Geschmack der bei

einer Verletzung sehr reichlich hervorquellenden ebenfalls weißen Milch

sehr scharf brennend.

[Illustration: #25. Birnen-Milchling. Brätling, Brotpilz.# Eßbar.

*Lactária voléma Fr.*]

#26. Grünlicher Täubling.# Eßbar. *Rússula viréscens Schaeff.*

Die Täublinge, die bei einzelnen Arten eine mannigfaltige

Farbenverschiedenheit zeigen, sind vom Laien sehr schwer zu bestimmen.

Der _Hut_ des grünlichen Täublings ist anfangs halbkugelig, breitet sich

später flach gewölbt aus, hat einen stumpfen, glatten Rand und wird 6-12

cm breit. Die trockene Oberhaut ist graugrün, mitunter bräunlich- oder

gelblichgrün verblassend, zerreißt teilweise und wird dann flockig oder

gefeldert und warzig. Das dicke _Fleisch_ ist derb und weiß. Das Fleisch

aller Täublinge ist härter als das der anderen Pilze.

Die _Blätter_ stehen mäßig dicht, sind teils ungleich lang, teils

gegabelt.

Der fleischige _Stiel_ wird bis 8 cm lang, ist weiß und meist, zumal bei

jungen Pilzen, nach unten verdickt.

Der _Geruch_ ist gering, der _Geschmack_ mild.

_Zeit_: Vom Juli bis September.

_Standort_: Findet sich meistens nur in Laubwäldern und in Gebüschen.

_Wert_: Er ist eßbar und gehört zu den schmackhafteren Täublingen. Für

die Verwertung der Täublinge als Speise kann man die Regel aufstellen,

daß alle mild schmeckenden Täublinge und solche mit gelblichen und

gelben Blättern eßbar, alle beißend und unangenehm schmeckenden

ungenießbar sind. Alle Täublinge können wegen ihres derben Fleisches mit

wenigen Ausnahmen nur als Mischpilze verwendet werden.

[Illustration: #26. Grünlicher Täubling. Eßbar.# *Rússula viréscens

Schaeff.*]

#27. Ledergelbblättriger Täubling.# Eßbar. *Russulína alutácea Pers.*

Der _Hut_, anfangs halbkugelförmig, breitet sich bald flach aus und ist

später in der Mitte niedergedrückt. Er wird 5-15 cm breit. Sein Rand ist

dünn, anfangs glatt, später höckerig gerieft. Die _Farbe_ des Hutes ist

sehr verschieden. Unter den Täublingen ist dieser Pilz das reine

Chamäleon, denn die jungen Pilze sind entweder grünlich, grünlichgelb,

ins Rote spielend, blutrot, braunrot, purpurrot oder kirschbraun. Die

dünne Oberhaut läßt sich leicht abziehen.

Die _Blätter_ stehen frei am Stiele oder sind nur kurz angeheftet,

ziemlich breit, anfangs gelblich, später lederartig, daher der Name des

Pilzes.

Der volle, walzenförmige _Stiel_ ist meist weiß, seltener rot

angehaucht.

_Geruch_ gering, _Geschmack_ angenehm mild.

_Zeit_: Vom August bis November.

_Standort_: Er kommt in Laub- und Nadelwäldern vor, jedoch nicht in

allen Gegenden. Wo er wächst, findet er sich aber in großen Mengen.

_Wert_: Er gehört zu den wohlschmeckenden Täublingen.

Mit echtem Weinessig als Salat zubereitet schmeckt er vorzüglich.

[Illustration: #27. Ledergelbblättriger Täubling.# Eßbar. *Russulína

alutácea Pers.*]

#28. Samtfuß-Krämpling.# Genießbar. *Paxíllus atrotomentósus Batsch.*

Der außerordentlich dickfleischige _Hut_, meist an Baumstümpfen

einseitig vorgestreckt, erreicht mitunter einen Durchmesser von 20 cm

und mehr. Die Oberfläche ist erst braun, samtartig feinfilzig, bei

trockenem Wetter rissig. Der Rand des Hutes ist scharf eingerollt, das

Fleisch gelblichweiß, wässerig.

Die _Blätter_ sind kurz herablaufend, gelblich.

Der _Stiel_ ist kurz, dick und außen mit schwarzbraunem oder ganz

schwarzem dichtzottigen Filze bekleidet.

_Geruch_ und _Geschmack_ sind säuerlich.

_Zeit_: Vom Anfang des Herbstes an.

_Standort_: In Nadelwäldern am Grunde alter Stämme oder an Wurzeln.

_Wert_: Im Vogtlande und Erzgebirge wird er viel eingetragen und zu

sauren Kartoffelstückchen mitgekocht. Er schmeckt auch für sich gebraten

säuerlich, alte und große Pilze sogar widrig.

#29. Kahler Krämpling.# Eßbar. *Paxíllus involútus Batsch.*

Der _Hut_, anfangs flach gewölbt, 5-15 cm breit, wird später fast

trichterförmig. Die Oberfläche ist glatt, glänzend und ockerbraun oder

gelbbraun, in der Mitte etwas schleimig. Eine Abart ist fast gelb. Das

_Fleisch_ ist gelblich und wird bei Verletzung bräunlich oder

rotbräunlich. Der Rand des Hutes ist ebenfalls scharf eingerollt (das

charakteristische Kennzeichen der Krämplinge, daher auch ihr Name),

filzigzottig. Die gelblichen Blätter sind nach hinten durch Queradern

verbunden, laufen am Stiele herab und werden durch Druck braunfleckig.

_Geruch_ und _Geschmack_ angenehm, etwas säuerlich.

_Zeit_: Schon vom Juni an bis zum Spätherbst.

_Standort_: In Wäldern, Gebüschen, in Gräben, an Wegen, in Gärten, fast

überall.

_Wert_: Er gehört zu den wohlschmeckenden Mischpilzen und ist deshalb

wertvoll, weil er in großen Mengen zu finden ist. Das Fleisch färbt sich

beim Kochen und Braten dunkel. Außerdem läßt er sich gut trocknen.

[Illustration: #28. Samtfuß-Krämpling.# Genießbar. *Paxíllus

atrotomentósus Batsch.*]

[Illustration: #29. Kahler Krämpling.# Eßbar. *Paxíllus involútus

Batsch.*]

#30. Echter Ritterling. Grünling, Grünreizker.# Eßbar. *Agáricus

(Tricholóma) equéster L.*

Der _Hut_ erhebt sich wenig über den Erdboden, er ist anfangs glockig

gewölbt, bei feuchtem Wetter schleimig-klebrig, verflacht sich später,

behält aber in der Mitte einen kleinen Buckel. Er wird bis 10 cm breit,

ist fleischig, braungelb, mitunter olivgelb und feinschuppig. Das

_Fleisch_ ist gelb.

Die _Blätter_ stehen ziemlich dicht, sind an dem Stiele ausgerandet und

schwefelgelb.

Der _Stiel_, anfangs nach unten verdickt, ebenfalls schwefelgelb, ist

meistens glatt, selten feingeschuppt und sitzt fast immer im Erdboden.

_Geruch_ und _Geschmack_ sind angenehm.

_Zeit_: Im Spätherbst.

_Standort_: In Nadelwäldern, vorzugsweise in Kiefernwaldungen in großen

Mengen, meist truppweise.

_Wert_: Von seiner Oberhaut befreit (die einen erdigen Geschmack

besitzt), zählt er zu den besten Herbst-Speisepilzen und bildet bereits

seit langer Zeit im Osten Deutschlands einen gesuchten Handelsartikel.

Seit einigen Jahren kommt er auch in mitteldeutschen Großstädten in

größeren Mengen zum Verkauf. In Schweden kommt er in sehr großen Mengen

vor.

[Illustration: #30. Echter Ritterling. Grünling, Grünreizker.# Eßbar.

*Agáricus (Tricholóma) equéster L.*]

#31. Grauer Ritterling.# Eßbar. *Agáricus (Tricholóma) portentósus Fr.*

Der anfangs gewölbte _Hut_ breitet sich später aus, bleibt aber meist

gebuckelt und wird 6-12 cm breit. Der Rand ist eingezogen und

unregelmäßig geschweift, bei trockenem Wetter oft spaltig zerrissen. Die

_Farbe_ der Oberhaut ist hell- bis dunkel-aschgrau, mit feinen

eingewachsenen schwarzen Linien, und verbleicht bei älteren Pilzen nach

dem Rande zu ins schmutzig Gelbgraue. Die Oberhaut läßt sich leicht

abziehen.

Das _Fleisch_ und die _Lamellen_ sind weiß oder weißlichgelb.

Der _Stiel_, voll und walzenförmig, ist fein gestreift, meist

weißlichgelb und sitzt fast immer bis zum Hute in der Erde. Beim

Zerbrechen zerteilt er sich, und die faserigen Stränge rollen sich nach

außen zurück.

Der _Geruch_ ist erdig, der _Geschmack_ angenehm.

_Zeit_: Erst im Oktober und findet sich oft noch nach vorübergehenden

Frösten bis zum Dezember.

_Standort_: Nur in Nadelwäldern, ganz besonders aber in Kiefernwaldungen

oft in großen Mengen, meist truppweise.

_Wert_: Er gehört zu unseren wertvollsten und vorzüglichsten

Speisepilzen, nur muß die Oberhaut wegen des erdigen Geschmackes

entfernt werden.

Dieser Ritterling wird viel vom Wilde angegangen, ganz besonders aber

von den Eichhörnchen.

[Illustration: #31. Grauer Ritterling.# Eßbar. *Agáricus (Tricholóma)

portentósus Fr.*]

#32. Stock-Schüppling. Stockschwämmchen.# Eßbar. *Pholióta mutábilis

Schaeff.*

Der _Hut_ ist anfangs gewölbt, später flach ausgebreitet mit etwas

stumpfer Erhöhung in der Mitte, lederbraun und nach dem Rande zu oft

ringförmig mit wässerig-hellbraunem Farbentone.

Das _Fleisch_ ist etwas wässerig und bräunlich.

Die _Blätter_ sind anfangs hellbraun, später rostbraun. Bei den älteren

Pilzen laufen die Blätter etwas am Stiele herab.

Der _Stiel_ ist ganz besonders charakteristisch, nämlich feinsparrig

geschuppt mit einem häutigen, bräunlich-schwärzlichen Ringe, der

allerdings oft verschwindet. Nach unten ist er schwärzlichbraun, nach

oben hellbraun.

Der _Geruch_ ist sehr aromatisch, der _Geschmack_ gut.

_Zeit_: Bereits vom Mai ab bis zum Herbst.

_Standort_: An alten, harten, vorzugsweise Buchenstöcken, stets

büschelweise.

_Wert_: Als Suppenpilz einer der vorzüglichsten und gesuchtesten. Läßt

sich außerdem sehr gut züchten. Bringt man alte Buchenstöcke, an denen

bereits Stockschwämmchen gewachsen waren, in einen Garten an eine etwas

schattige Stelle, so kann man fast den ganzen Sommer hindurch Pilze

ernten. Man hat nur nötig, den Stamm von Zeit zu Zeit feucht zu halten.

#Eine _Verwechselung_ mit dem giftigen _Büschligen Schwefelkopfe_ kann

außerordentlich leicht geschehen#, doch werden bei letzterem die anfangs

gelben Blätter bald grünlich, zuletzt schwärzlichgrün; auch ist der

Stiel glatt und hellgelb, der Geruch unangenehm und der Geschmack

bitter. Er wächst sehr zahlreich und mitunter gemeinsam mit dem

Stockschwämmchen. Vergl. Abb. 34.

[Illustration: #32. Stock-Schüppling. Stockschwämmchen.# Eßbar.

*Pholióta mutábilis Schaeff.*]

#33. Honiggelber Hallimasch.# Eßbar. *Armillária méllea Quel.*

Der _Hut_ ist honiggelb bis schmutzigbraun, mit bräunlichen, leicht

abwischbaren Schüppchen und kleinen Faserbüscheln besät. Anfangs

eingerollt, mit dem Stiele durch einen Schleier verbunden, breitet er

sich später flach aus. Er wird bis 12 cm breit.

Das _Fleisch_ ist hellbräunlich.

Die _Blätter_ stehen weitläufig, sind weißlich bleich, später bräunlich

und oft gefleckt.

Der _Stiel_ trägt einen flockigen Ring, ist anfangs rötlichbraun, später

graugelb und nach unten olivbraun oder grünlichgrau. Am Grunde ist er

verdickt, wird 5-12 cm lang und ist faserig und zäh.

Der _Geruch_ ist schwach süßlich, der _Geschmack_ säuerlich-herb,

zusammenziehend, unangenehm.

_Zeit_ und _Standort_: Wächst erst im September in großer Menge an alten

Stöcken, alten Stämmen und Wurzeln. Die Sporen der älteren höher

stehenden Hüte lagern sich oft schimmelartig auf die unteren. Sein Myzel

bildet bei Abschluß des Lichtes eigentümliche Stränge (*Rhizomorpha*),

die nicht nur in altem Holze (wie in Bergwerken), sondern auch in

frischen Stämmen anzutreffen sind und zerstörend auf das Holz und Leben

der Bäume einwirken. Der Pilz gehört deshalb zu den von allen

Forstleuten gefürchteten Schädlingen. -- Aber nicht nur im Walde ist er

ein Schädling, sondern auch für die Obstbäume (Birnen, Apfel-und

Pflaumenbäume). Ganz besonders befällt er die Obstbäume derjenigen

Gärten, die in der Nähe des Waldes liegen. Da das Myzel jahrelang

zwischen der Rinde und dem Holze wuchert, ohne daß es Fruchtkörper

bildet, so werden diese Bäume langsam abgetötet. Der Besitzer erkennt

die Ursache des Absterbens erst dann, wenn die Fruchtkörper erscheinen.

Von dem Myzel befallenes Holz und Wurzeln leuchten im Finstern lebhaft.

_Wert_: Trotz seines im frischen Zustande garstigen Geschmackes ist er

zubereitet ein wohlschmeckender Pilz, den man tragkorbweise sammeln

kann. Zum Trocknen und Einmachen in Essig eignet er sich nicht, wohl

aber zu Gemüse und zum Sterilisieren. _Beim Sammeln sind nur die Hüte zu

nehmen._

[Illustration: #33. Honiggelber Hallimasch.# Eßbar. *Armillária méllea

Quel.*]

#34. Büschliger Schwefelkopf.# Giftig! *Hypholóma fasciculáre Huds.*

Sein _Hut_ ist anfangs halbkugelig, später verflacht, schwefelgelb, in

der Mitte dunkler, fast rötlichgelb und wird bis 5 cm breit.

Das _Fleisch_ ist hellgelb.

Die _Blätter_ sind anfangs schwefelgelb, später grünlich und werden

zuletzt schwärzlichgrün.

Der _Stiel_ ist hohl, glatt und faserig.

Der _Geruch_ ist nicht angenehm, der _Geschmack_ bitter.

_Zeit_: Wächst vom Mai ab.

_Standort_: An alten Baumstümpfen und Wurzeln, sehr zahlreich und

mitunter gemeinsam mit dem Stockschwämmchen.

_Wert_: Giftig! Über das Giftig- oder Nichtgiftigsein des Schwefelkopfes

wird so häufig gestritten; nach des Verfassers Ansicht unnötiger Weise.

Wenn eine Pilzart aber in gewöhnlicher Weise zubereitet (ohne vorherige

Abkochung, d. h. ohne daß das Kochwasser weggeschüttet wird), Übelsein

und Durchfall erregt, so nennt man dies giftige Wirkung, wenn auch der

Betreffende nicht daran stirbt.

[Illustration: #34. Büschliger Schwefelkopf.# Giftig! *Hypholóma

fasciculáre Huds.*]

35. #Habichts-Stacheling. Habichtspilz, Rehpilz.# Eßbar. *Phaédon

imbricátus L.*

Der _Hut_ ist anfangs etwas eingerollt, fast eben und nur im Alter in

der Mitte eingedrückt, schokoladenbraun und mit fleischigen, großen,

sparrigen _Schuppen_ kreisförmig besetzt, die bei alten Pilzen

schwarzbraun werden.

Das derbe _Fleisch_ ist schmutzigweiß.

Die _Stacheln_, welche am Stiele herablaufen, sind sehr dichtstehend,

ziemlich lang und geben der Unterseite das Aussehen eines Hirsch- oder

Rehfelles; daher wird er auch im Volksmunde als Hirsch- oder Rehpilz

bezeichnet.

Der _Stiel_ ist weißgrau, daumendick und kurz.

Der _Geruch_ ist eigenartig aromatisch, ebenso der _Geschmack_.

_Zeit_: Ende Sommer und im Herbst oft in großer Menge.

_Standort_: In jedem Nadelwalde.

_Wert_: Ein guter Speisepilz, der sich ganz besonders zum Sterilisieren

eignet. Alt und naß schmeckt er bitter.

Er wird zuweilen mit dem ziemlich selten vorkommenden ungenießbaren

Gallen-Stacheling, *Hydnum amarescens*, verwechselt. Dieser ist aber

jung schon gallenbitter, auch sind die Schuppen des Hutes etwas kleiner,

nicht so sparrig und hellbraun. Das untrüglichste Kennzeichen ist das

Schwarzwerden des Stieles beim Fingerdruck.

[Illustration: #35. Habichts-Stacheling. Habichtspilz, Rehpilz.# Eßbar.

*Phaédon imbricátus L.*]

#36. Semmel-Porling. Semmelpilz.# Eßbar. *Polyporus cónfluens Alb. et

Schw.*

Die _Hüte_ dieses Pilzes sind stets miteinander innig verwachsen und

bilden eine gestaltlose Masse von 12-18 cm Breite. Sie sehen bald

semmelgelb, bald rötlichgelb aus und werden bei trockenem Wetter rissig.

Das _Fleisch_ ist weiß und fest, schmeckt etwas bitter.

Die _Unterseite_ besteht aus ganz kurzen Röhrchen, die von außen als

kleine feine Löcher (Poren) erscheinen.

Der _Stiel_ ist strunkartig und sitzt in der Erde.

_Zeit_: Meist erst im Herbst.

_Standort_: In Nadelwäldern nur auf dem Erdboden.

_Wert_: Im Jugendzustande ist er ganz vorzüglich, im Alter jedoch

bitter. Ganz besonders ist es die Oberhaut, welche die Bitterkeit

enthält und deshalb entfernt werden muß. Beim Kochen und Einmachen nimmt

er eine hellrötliche Färbung an.

#37. Schaf-Porling. Schafeuter.# Eßbar. *Polyporus ovínus Schaeff.*

Der _Hut_ ist verschieden gestaltet, teils gewölbt oder wellig verbogen,

teils eben und weiß oder graugelblich, im Alter und bei trockenem Wetter

rissig gefeldert. Er wird bis über 10 cm breit.

Das _Fleisch_ ist derb und weiß.

Die kurzen Röhren des Futters haben feine runde Mündungen.

Der daumendicke _Stiel_ ist voll, weiß, oft gekrümmt und nach unten

abgerundet.

_Zeit_: Vom Sommer bis zum Herbste.

_Standort_: Vorzugsweise in Nadelwäldern und kommt meist truppweise in

großer Menge vor. Ganz besonders auf hügeligen moosigen Stellen im

Hochwalde.

_Wert_: Wegen seines schönen und sehr schmackhaften Fleisches gehört er

zu den besten Speisepilzen. Er läßt sich sehr vielseitig verwerten.

[Illustration: #36. Semmel-Porling. Semmelpilz.# Eßbar. *Polyporus

cónfluens Alb. et Schw.*]

[Illustration: #37. Schaf-Porling. Schafeuter.# Eßbar. *Polyporus ovínus

Schaeff.*]

#38. Kartoffel-Bovist. Pomeranzen-Härtling.# Giftig! *Sclerodérma

vulgáre Horn.*

Unter Bovist versteht man einen Pilz, der einen vollständig

geschlossenen _Fruchtkörper_ darstellt und kugel-, birnen-, knollen-oder

kartoffelförmig ist. Im Jugendzustande ist das Innere dieser Pilze immer

weiß, markig und derb, im reifen Zustande dagegen mit staubfeinen Sporen

ausgefüllt; vollständig reif platzen sie und die Sporen werden vom Winde

überallhin zerstäubt. Im Volksmunde sind sie auch unter den Namen

Wieseneier, Schafeier, Staubpilze bekannt. Mit Ausnahme des

Kartoffel-Bovist sind sie fast alle eßbar.

Der Kartoffel-Bovist gleicht einer Kartoffel, kommt oft nesterweise aus

der Erde empor, nur an einem faserartig dünnen Stiele auf der Erde

sitzend. Er erlangt bisweilen einen Durchmesser bis zu 7 cm. Die _Farbe_

ist rötlich- oder bräunlichgelb, nach unten gelblichgrün und die

Oberfläche ist in kleine Felder zerrissen, die sich warzenartig

hervorheben. Das Innere ist anfangs weiß, färbt sich aber später blau,

zuletzt blauschwarz.

Der _Geruch_ ist stark aromatisch.

_Zeit_: Im Spätsommer und Herbst.

_Standort_: Hauptsächlich in Nadelwäldern auf trockenen, sandigen

Stellen, auch an Waldrändern und auf Wiesen.

_Wert_: Er ist unstreitig giftig. #Häufig wird der Kartoffel-Bovist als

Trüffel angesehen; letztere wächst aber nur unter der Erdoberfläche.# Im

Konservenhandel werden diese Härtlinge als »imitierte Trüffeln«

angeboten und zwar von Holland und Frankreich. Man hüte sich vor dieser

Fälschung.

#39. Schwärzlicher Bovist. Eier-Bovist.# Jung eßbar. *Bovísta nigréscens

Pers.*

Die kugeligen oder eiförmigen _Fruchtkörper_ sind in der Jugend weiß und

gleichen ausgewachsen einem Ei oder einem jungen Edelpilze. Die äußere

Hülle ist ganz glatt, etwas dicker als Papier, zerreißt aber bei der

Reife und zerfällt dann in Lappen. Die innere Haut ist anfangs ebenfalls

weiß, wird dann bräunlichschwarz und bekommt in der Mitte ein kleines

rundes Loch, aus dem die staubartigen Sporen vom Winde in alle

Richtungen zerstreut werden. Das Innere ist in der Jugend reinweiß und

färbt sich im Alter schwarzbraun.

_Zeit_: Im Herbst.

_Standort_: Auf Wiesen und Triften, besonders Schafhutungen, wächst er

oft in Menge.

_Wert_: Ist im Jugendzustande, solange er innen noch markig und weiß

aussieht, eine wohlschmeckende Speise. Läßt sich in diesem Zustande auch

sehr leicht trocknen.

[Illustration: #38. Kartoffel-Bovist. Pomeranzen-Härtling.# Giftig!

*Sclerodérma vulgáre Horn.*]

[Illustration: #39. Schwärzlicher Bovist. Eier-Bovist.# Jung eßbar.

*Bovísta nigréscens Pers.*]

Verlag von Förster & Borries, Zwickau Sa.

An Naturwahrheit der farbigen Abbildungen unübertroffen, in der

textlichen Bearbeitung die neuesten maßgebenden wissenschaftlichen

Forschungen berücksichtigend, sind die

Führer für Pilzfreunde · 第 24 / 38 题