14. Richtige Verwendung der einzelnen Sorten.

Nicht jeder Pilz eignet sich zur Suppe oder zum Einmachen in Essig usw.,

die einzelnen Sorten erfordern vielmehr auch eine verschiedenartige

Verwendung. In den nachfolgenden Zeilen folgt daher eine

Zusammenstellung über die zweckmäßige Verwertung der in diesem Handbuch

vorkommenden eßbaren Pilze.

a) Suppenpilze:

Morcheln, Ziegenbärte, Stockschwämmchen, echter Reizker, echter

Gelbling, Nelkenschwindling, Edelpilze (Champignons), sämtliche

Röhrlinge.

b) Gemüsepilze:

Alle eßbaren Pilze.

c) Pilze zum Einmachen in Essig:

Steinpilz, echter Gelbling, Semmelporling, Schafporling, die eßbaren

Täublinge, Wacholder-Milchling, Perlpilz, Ritterlinge.

d) Pilze zum Sterilisieren:

Alle eßbaren Pilze.

e) Gewürzpilz zur Bratenbrühe:

Lauch-Schwindling (Mousseron).

f) Pilze zum Trocknen:

Morcheln, Schafporling, großer Schirmling, Edelpilz (Champignon),

Stockschwämmchen, Steinpilz, Maronen-Röhrling, Birken-Röhrling,

Lauch-Schwindling, krauser Ziegenbart, Nelken-Schwindling, Schafeuter,

Habichtspilz.

g) Pilze als Pilzpulver:

Alle unter f genannten Pilze. -- In verschiedenen Gegenden und Ländern

(z. B. in Böhmen) werden die scharf getrockneten Pilze zu Pulver

gemahlen und entweder zu Suppen oder zum Bestreuen (Panieren) gebackener

Fleischspeisen verwendet.

Wie schützt man sich vor Pilzvergiftungen?

Nichts steht der allgemeinen Verwertung der Pilze im Haushalte so

hindernd entgegen als die Furcht vor einer Vergiftung durch die Pilze.

Jeder Vergiftungsfall, der ja meistens die Runde durch die Tagesblätter

macht, schreckt immer von neuem ab, sich mit den Pilzen abzugeben und

sie als Kost auf den Tisch zu bringen. Dazu kommen noch die zur Pilzzeit

in den Zeitungen und Zeitschriften zu lesenden Verhütungsmaßregeln,

welche recht wissenschaftlich klingen, die zu merken aber niemandem

einfällt und oft auch keinen Pfifferling wert sind. Wenn das Publikum

solche offenbar von Unkundigen geschriebene Regeln liest, wonach fast

alle Pilze giftig sind, verzichtet es lieber auf den Genuß der Pilze.

Um nur einiges von den vielen gutgemeinten, aber völlig falschen Regeln

zu widerlegen, diene folgendes: Da heißt es: »Alle eigentlichen

Blätterpilze sind zu meiden -- ausgenommen der Edelpilz (Champignon),

Gelbling (Gehling) und Kaiserling.« Wäre dies richtig, so müßte man das

Stockschwämmchen, den Hallimasch, den Pflaumenpilz, den

Nelken-Schwindling, den Lauch-Schwindling, sämtliche eßbaren Täublinge,

den Parasolpilz, die eßbaren Ritterlinge, und noch viele andere

ausschließen. Weiter: »Alle Pilze mit Farbenveränderung beim Druck oder

Zerschneiden taugen nichts!« Dann fort mit dem Rothäuptchen, dem

Maronen-Röhrling, dem Sand-Röhrling, dem Kornblumen-Röhrling, dem guten

Reizker, dem kahlen Krämpling usw.

Ferner: »Alle Pilze mit Milchsaft sind verdächtig!« Auch der Brätling,

der gute Reizker, der filzige Milchling, der milde und süßliche

Milchling? Endlich soll Geruch, Geschmack, Farbe des Hutes, glänzende

oder klebrige Oberfläche usw. die Verdächtigkeit und Giftigkeit

beweisen. Jeder Pilzkenner wird mit dem Verfasser die Veröffentlichung

solcher der Unkenntnis entsprungenen Regeln lebhaft bedauern.

Ebensowenig können sogenannte Erkennungsmittel, die beim Kochen

angewendet werden sollen, wie Hineinhalten eines silbernen Löffels, der

beim Braunwerden die Giftigkeit anzeigen soll, Mitkochen von Zwiebeln

usw. irgend etwas beweisen. Alles hier Empfohlene gehört zum

Wahnglauben.

Um zu wissen, ob ein Pilz giftig ist oder nicht, gibt es nur ein Mittel:

_Lerne die Pilze so kennen, wie du die giftigen Früchte anderer Gewächse

von den nicht giftigen zu unterscheiden weißt._

Sehr häufig findet man in Zeitungen, Pilzkochbüchern und

Volks-Pilzbüchern den Rat erteilt, die Pilze abzukochen und dann das

Kochwasser abzugießen. Neuerdings geschieht dies sehr häufig bei

sogenannten verdächtigen oder bei zweifelhaft giftigen oder sonst

bitteren, beißenden, unangenehm schmeckenden Pilzen, immer mit der

Behauptung, daß dann die betreffenden Pilze ohne Sorge gegessen werden

können, ja auch schon gegessen wurden. Wenn dies bei vielen Pilzen auch

bestimmt zutrifft, so entwertet man aber die Pilze ihrer Nährstoffe und

sie sind dann nur Magenfüllsel, weiter nichts. Wer damit zufrieden ist,

kann es ja so machen. Der Verfasser hält davon nichts, selbst wenn

dadurch eine Unschädlichmachung der sogenannten verdächtigen oder

zweifelhaft giftigen Pilze eintritt. Etwas anderes ist das kurze

Abbrühen unzerschnittener Pilze, wie der Morcheln.

Wenn man die in Deutschland veröffentlichten Vergiftungsfälle durch

Pilze genauer auf ihre Ursachen prüft, d. h. untersucht, welche Pilze

diese Vergiftungen hervorgerufen haben, so sind es nach eingeholten

Erkundigungen und vielfachen Erfahrungen stets folgende Giftpilze: der

Knollenblätterpilz, der Giftreizker, der Schwefelkopf, der Speitäubling

und der Kartoffelbovist. Es können gewiß noch andere Pilze giftig

wirken, die in den Pilzlehrbüchern bis jetzt noch als giftig bezeichnet

sich vorfinden, es nach meiner 40jährigen Erfahrung aber nicht alle

sind; so z. B. der graubraune Panther-Wulstling (*Amaníta umbrína*) und

der Perl-Wulstling (*Amaníta pustuláta aut rubéscens*). Diese Pilze

werden, _nachdem man die Oberhaut entfernt hat_, jetzt im Vogtlande und

in einem großen Teile Sachsens als vorzügliche Speisepilze verwendet.

Auf sämtlichen Pilzausstellungen hat sie der Verfasser als zu den

wohlschmeckendsten Pilzen zählend bekannt gegeben und noch nie einen

Fall von Vergiftung durch diese Pilze erfahren. In einem Teile des

Vogtlandes und des Erzgebirges gehören sie sogar zu den gesuchtesten.

Desgleichen hat er sie in Thüringen, Böhmen, der Lausitz usw. gesammelt

und sich recht wohl schmecken lassen, ohne das geringste Übelbefinden zu

spüren. Hierzu sei noch folgendes bemerkt:

Im Mai des Jahres 1896 wurden einige Vergiftungsfälle durch

Stockmorcheln (*Gyromítra esculénta*) aus Berlin und Graßlitz in Böhmen

gemeldet. In letzterem Orte waren zwei Familien, welche die

Stockmorcheln bei ein und demselben Händler gekauft hatten, betroffen

worden. Der Verfasser hatte Gelegenheit, die näheren Umstände von dem

Familienvater der am schwersten betroffenen Familie persönlich zu

erfahren. Die Erörterungen ergaben unzweifelhaft, daß unter den

Stockmorcheln alte, bereits in Zersetzung übergegangene Exemplare sich

befunden haben, welche die Vergiftung herbeiführten, denn beide Familien

haben seit vielen Jahren stets frische Morcheln ohne die geringsten

nachteiligen Folgen genossen. Daß nicht öfter derartige Vergiftungsfälle

durch alte Morcheln vorkommen, ist fast wunderbar, denn bei des

Verfassers mehrmaligen Besuchen der Markthalle einer Großstadt fand er

neben frischen sehr viel verdorbene, in Zersetzung begriffene

Stockmorcheln vor, die zum Verkauf bei billigeren Preisen ausgeboten

wurden. Eine scharfe Aufsicht könnte für solche Fälle recht nützlich

wirken und Unheil verhüten.

_Die weitaus meisten Pilzvergiftungen kommen durch falsche Auswahl und

Zubereitung vor, und zwar wenn erstens zu alte oder zu wässerige Pilze

genommen, oder zweitens diese zulange aufbewahrt werden, ehe sie zur

Verwendung kommen._ Alle anerkannt guten und eßbaren Pilze können

Erkrankungen und Vergiftungen herbeiführen, sobald sie alt verspeist

werden, denn mit dem Alter tritt ein Verwesungszustand ein, der dem

menschlichen Auge zwar nicht sichtbar ist, sich aber durch schwere

Krankheitserscheinungen bemerkbar macht. Bei dem hohen Eiweißgehalte und

ihrem überaus schwammigen und wässerigen Charakter werden die Pilze beim

Älterwerden von mikroskopisch kleinen, sich während weniger Stunden ins

riesenhafte vermehrenden Spaltpilzen durchsetzt und erzeugen dann die

_lebensgefährlichsten Magen- und Darmentzündungen_. Auf eine gleiche

oder ähnliche Zersetzung der Pilzfleischsubstanz mag es zurückzuführen

sein, daß Pilze, sowie sie im Spätherbste durch Reife oder Fröste

gelitten, nach dem Genuß nicht unbedenkliche Vergiftungserscheinungen

hervorgerufen haben. So sind nach nur leicht gefrorenen Ritterlingen,

Birkenpilzen, vor allem aber Steinpilzen mehr oder weniger schwere

Erkrankungen beobachtet worden: Also Vorsicht nach eingetretenen

Frösten!

Man beachte stets die Regel: »#Nimm _nur gesunde_ und _junge_ Pilze!#«

Ganz besonders aber ist zu warnen vor dem zu langen und falschen

Aufbewahren der Pilze. So wie man die Pilze eingesammelt hat, putze und

reinige man sie. Ein Stehenlassen der Pilze bei Wärme oder in warmen

Räumen bis zum nächsten Tag ist schon höchst gefährlich, ganz abgesehen

davon, daß dieselben von den Pilzmaden während einer Nacht ganz gehörig

zerfressen werden; man stelle sie deshalb kühl. _Mancher Pilzfreund hat

seine schönen, gesunden und madenfreien Pilze am anderen Tage

größtenteils von Würmern zerfressen vorgefunden._

Was ist bei Pilzvergiftungen zu tun?

Bei den ersten Erscheinungen einer Vergiftung: Kratzen im Halse,

Brennen, Drücken, Schmerzen des Magens mit Erbrechen, Auftreiben des

Leibes, Taumeln, Schwindelanfälle, Durchfall, Magen- und Leibkrämpfe

usw., suche man so schnell als möglich den Magen zu entleeren,

nötigenfalls durch künstlichen Brechreiz, wie Finger in den Hals

stecken, Kitzeln des Schlundes mit einer Feder; durch Klystiere mittels

Irrigators entleere man die Därme und trinke sofort soviel als möglich

Milch, Selterwasser oder nur kaltes Wasser, um den giftwirkenden Stoff

der Pilze einzuhüllen und zu verdünnen. Mittel, wie Essig und Öl, die

früher dagegen angewendet wurden, sind erfahrungsgemäß schädlich und

unwirksam. Außerdem müssen so schnell als möglich Kompressen, d. h.

mehrfach zusammengelegte Leinentücher (Mundtücher, Tischtücher usw.) in

heißes Wasser getaucht, ausgedrückt, und so heiß, als es vertragen wird,

auf Magen und Leib gelegt und mit einem wollenen Tuche überdeckt werden.

Diese Umschläge müssen im Wechsel von 10 bis 15 Minuten erneuert und

stundenlang fortgesetzt werden. Tritt tüchtiges Schwitzen hinzu, desto

besser. Nach dem Schwitzen sind 26 Grad warme Halbbäder zu geben, d. h.

der Erkrankte ist in eine Wanne zu setzen, nicht zu legen, und einige

Minuten lang zu übergießen.

Vorstehendes Verfahren hat sich bei verschiedentlich vorgekommenen

Pilzvergiftungen aufs beste bewährt. Selbstverständlich ist ein Arzt

sofort herbeizuholen. Als medizinisches Gegengift wirkt vorzüglich

Atropin, das unter die Haut gespritzt wird. Diese Einspritzung darf nur

vom Arzte vorgenommen werden.

Was ist beim Sammeln der Pilze zu beachten?

Möge nun das Pilzsammeln einen praktischen oder wissenschaftlichen Zweck

verfolgen, so hat man mancherlei zu beachten, soll der Erfolg zur

Zufriedenheit ausfallen. Zum Sammeln der Pilze lasse man sich vor allem

einen Koffer fertigen aus starker Pappe mit Segelleinwand überzogen, mit

Ölfarbe angestrichen und so eingerichtet, daß der Deckel beim Sammeln

abzuheben geht und unten über den Boden gesteckt werden kann. An den

beiden Stirnseiten des Koffers müssen Lederösen befestigt werden, durch

die ein um den ganzen Koffer gehender breiter Lederriemen gezogen werden

kann, an dem man den Koffer trägt. Durch diesen Riemen wird der

abgenommene Deckel gleichzeitig am Boden festgehalten. Der Pilzkoffer

des Verfassers hat eine Länge von 55 cm, ist 23 cm breit und 22 cm hoch,

innen sind zwei Abteilungen, eine kleinere, in welche zwei leere

Zigarrenkistchen übereinander bequem hineingehen und die für die

wissenschaftliche Ausbeute bestimmt ist, sowie eine größere, um die für

die Küche gesammelten Pilze aufzunehmen. Als Messer erfüllt eine starke

sogenannte Gärtnerhippe am vollkommensten den Zweck, da man mit

derselben die Pilze sehr schnell aus der Erde ablösen und emporheben

kann, auch die festangewachsenen Baumpilze, die Baumporlinge usw.,

bequem abzuschneiden imstande ist. Für wissenschaftliche Zwecke bedarf

man zum Einhüllen zarter Pilze noch etwas Seidenpapier und neben den

Zigarrenkistchen kleinere Pappkästchen. Mit dem oben beschriebenen

Koffer kann man sich nicht nur überall zeigen, sondern es werden die

Pilze auch sicher vor dem Zerdrücken und Zerquetschen bewahrt, was beim

Sammeln in Pilznetzen und Pilzsäckchen nicht der Fall ist.

Neben dem »Wie ist zu sammeln« bleibt noch das »Wo« zu besprechen. Es

ist durchaus nicht zu empfehlen, aufs Geratewohl in Wald und Flur zu

gehen, sondern auch hierbei sind einige praktische Erfahrungen zu

beachten. Zuerst ist die Lage eines Waldes ins Auge zu fassen. Hier sind

in nur einigermaßen günstigen d. h. etwas feuchten Jahren die nach Süden

und Westen gelegenen Teile und Abhänge bedeutend ertragreicher als die

nach Norden oder Nordosten liegenden. Nur in ganz trockenen Jahren ist

es umgekehrt der Fall. Sehr bald wird man ferner auch die Erfahrung

machen, daß sehr viele Sorten ihren besonderen Standort behaupten, auf

denen sie immer in reicher Auswahl zu finden sind. So haben Wiesen,

Waldränder, Waldwiesen, moosig-grasige Stellen, Hochwälder,

Stangenwaldungen, Gebüsche, Waldwege, Dickichte usw. ihren ziemlich

bestimmten Bestand an eigenen Sorten und halten ihn oft jahrelang fest.

Hat man sich einmal diese Standorte ordentlich gemerkt, so wird man beim

Wiederbesuchen derselben selten umsonst gehen, man wird immer seinen

Teil finden.

Durch diese sichere Kenntnis der Standorte ist der Verfasser in der

Lage, binnen fünf bis sechs Stunden, also an einem Nachmittage, 80-100

Sorten Pilze in 4-500 Exemplaren für die Pilzausstellungen sammeln zu

können.

Führer für Pilzfreunde · 第 23 / 38 题