12. Einmachen der Pilze nach dem Sterilisierungsverfahren.

Kein Verfahren eignet sich so vorzüglich zum Konservieren der Pilze als

das Sterilisieren. Hierbei behalten dieselben ihren schönen und

eigenartigen, natürlichen Pilzgeschmack, sowie das jeder Sorte

eigenartige Aroma. Fast alle »Gemüsepilze« lassen sich hierzu verwenden.

Nachdem man die betreffenden Pilze in bekannter Weise gereinigt, d. h.

geputzt hat, wobei selbstverständlich bei den älteren Röhrenpilzen,

sowie bei den Stachelpilzen das Futter entfernt wird, bei den

Blätterpilzen nur das Futter des Edelpilzes und bei anderen Arten

älteres, fleckiges, werden sie in mittelgroße Stückchen geschnitten. Nun

werden sie mit kaltem Wasser ein- bis zweimal schnell gewaschen, um

nicht die Nährsalze auszulaugen, dann läßt man alles Wasser abtropfen

oder schleudert es ab und bringt sie in einem Steingut- oder gut

glasiertem Topfe aufs Feuer. Beim Ansetzen zum Kochen übersehe man

nicht, eine kleine Portion doppeltkohlensaures Natron beizufügen, auch

vergesse man die nötige Salzzugabe nicht.

Da die Pilze außerordentlich viel Wasser enthalten, werden sie ohne

solches zugesetzt. Beim Erhitzen scheidet sich das Eigenwasser aus. In

diesem eigenen Safte werden sie bis zum Kochen erhitzt, damit sie erst

zusammenschwinden, denn sonst würden die Gläser zu wenig Pilze fassen.

Hierauf werden die Pilze mit einem durchlochten Löffel herausgenommen

und in die bereitgehaltenen gut gereinigten Gläser bis zum Halse

gefüllt. Die Pilzbrühe selbst wird durch ein reines Flanelltuch

filtriert und die durchgeseihte Brühe über die Pilze gegossen, so daß

letztere von der Brühe überdeckt sind.

Etwas anders zu behandeln sind die Trichter- und Trompeten-Pfifferlinge,

sowie der Habichtspilz und der echte Reizker. Diese Sorten werden nach

dem Putzen mit kochendem Wasser gebrüht und gewaschen, denn erstere

drei Sorten behalten sonst einen Erdgeruch und -geschmack, letztere Art

eine unangenehme Bitterkeit. Ebenso müssen die sogenannten Stockmorcheln

(*Gyromítra esculénta*) gebrüht werden, damit die darin enthaltene

giftige Helvellasäure entfernt wird. Das Abbrühen muß aber schnell

geschehen, d. h. es darf nur kurze Zeit dauern. Alle Morchelarten müssen

schon des Sandes wegen öfters gewaschen werden.

Das Sterilisieren selbst muß insofern sehr vorsichtig geschehen, als

man, vom Eintritt des Kochens an, das Wasser nur schwach wallen läßt;

sprudelnd kochendes Wasser bewirkt jähes Aufsteigen der schleimigen

Pilzbrühe, die zwischen Glasrand und Gummiring geratend, oft kleine

Pilzteilchen mit fortreißt und ein dichtes Verschließen der Gläser

hindert. Man bedarf zu einem 1/2- und 3/4-Liter-Glas mindestens

fünfviertel Stunden, bei Litergläsern anderthalb Stunden

Sterilisierungszeit. In den nächsten Tagen sind die betreffenden Gläser

auf Schluß zu prüfen. Heben sich die Deckel, so ist sofort wieder zu

sterilisieren, sonst ist ein Verderben unausbleiblich.

Die Pilze können jedoch auch gleich speisefertig sterilisiert werden. Zu

diesem Zwecke werden sie nach dem Kochen in üblicher Weise in Butter

gebraten, so heiß als möglich in die Gläser gebracht und ziemlich

dreiviertel Stunde sterilisiert. Jedes Befetten des Glasrandes und des

Gummiringes muß aber peinlich vermieden werden.

Verschiedene Firmen, wie z. B. _J. Weck_, G. m. b. H., Öflingen i.

Baden, liefern bestens bewährte, praktische Sterilisier-Einrichtungen.

Ausführliche Anweisung über das Sterilisieren findet sich im

»Merkbüchlein für das Sterilisieren der Früchte, des Gemüses und der

Pilze« im Selbstverlage des Verfassers _Edm. Michael_, Auerbach i. V.

Erhältlich gegen Einsendung von 30 Pfennig in Briefmarken.

Führer für Pilzfreunde · 第 21 / 38 题